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Anglikaner II

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° Auf dieser Seite lesen Sie: Über die Weltgemeinschaft der Anglikaner: Church of England
und über die ökumenische Arbeit der Anglikanisch-Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC

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Anglikaner

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Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams Foto, tritt mit Ende des Jahres von seinem Amt zurück. Das gab das Büro des Primas der anglikanischen Kirche an 16.03.12 bekannt. Williams hatte das Amt seit 2002 inne. Es sei „ein Privileg“ gewesen, über zehn Jahre als Erzbischof von Canterbury und Ehren- oberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft dienen zu dürfen, so Williams auf seiner Webseite. Er habe die Position des Leiters des Magdalene College in Cambridge akzeptiert und werde dieses Amt im Januar antreten, teilte der Erzbischof weiter mit. Vor seiner Ernennung zum Bischof der anglikanischen Kirche wirkte Williams als Theologiedozent zunächst in Cambridge und dann in Oxford. rv120315

   Williams hatte das Amt des Erzbischofs von Canterbury im Jahr 2002 übernommen. Das Jahrzehnt, in dem er die Church of England und die weltweite anglikanische Gemeinschaft führte, war geprägt von innerkirchlichen Fehden und Auseinandersetzungen über die Frage der Ordinierung weiblicher Bischöfe und die Zulassung Homosexueller zum Priesteramt.
  Williams deutete an, dass die Auseinandersetzungen in der Kirche seinen Rücktritt befördert haben könnten. Er sagte, es gebe Konflikte, die einfach nicht aufhören wollten, „wie lange man auch mit ihnen ringt". Williams hatte die Weihe weiblicher Bischöfe unterstützt und in der englischen Anglikanischen Kirche einen Kurs ein- geschlagen, der jenen Gemeinden, die nicht von einer Frau verwaltet werden wollten, den Ausweg einer Unterordnung unter eigens geschaffene traditionelle Diözesen offen ließe. Doch wählen einige Gemeinden und Priester den Weg zur Katholischen Kirche, indem sie sich dem anglo-katholischen Personalordinartiat anschließen. Andere anglikanische Kirchen in Amerika, Afrika und Australien drohten dem Erzbischof mit einem Schisma, falls die Anglikaner in der Frage der Weihe homosexueller Priester nicht einen ablehnenden Kurs steuere.
   Premierminister Cameron sagte, Williams habe die Kirche durch Rowan Williams Zeiten voll Wandel und Herausforderungen geführt. Williams sagte, er bedauere, dass nicht jedem in der Anglikanischen Gemein- schaft und in der Church of England daran gelegen sei, „Schisma oder Teilung zu vermeiden". Er sagte zur Wahl seines Nachfolgers, er hoffe, dass dieser „die Konstitution eines Ochsen und die Haut eines Nilpferdes hat". Williams Nachfolger wird von einer Wahlkommission vorgeschlagen, der Repräsentanten der Diözese und Repräsentanten der Laien und des Klerus der Synode der Church of England angehören. FAZ120317Lt~

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs mit Katharina von Aragon zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre. Später setzten sich protestantische Einflüsse durch, die 1549 zur Veröffentlichung des ersten anglikanischen Glaubensbuches führten, des „Book of Common Prayer“.
  
Außerhalb Englands gibt es 26 anglikanische Kirchenprovinzen, darunter in den USA, Australien und in mehreren afrikanischen Ländern, die an Bedeutung zunehmen. Der Mutterkirche von England steht die britische Königin beziehungsweise der König als weltliches Oberhaupt vor. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof von Canter- bury. Er hat jedoch als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) keine Weisungsbefugnis für die jeweiligen Nationalkirchen
. TirolerTZ120317

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Anlass für die Vesper waren die Feiern zum 1000jährigen Bestehen des Kamaldulenserordens, dessen Kloster sich auf dem Celio-Hügel in unmittelbarer Nachbarschaft der Papst Gregor dem Großen gewidmeten Kirche befindet. Auf unserem Foto: der Heilige Vater mit Erzbischof Williams beim Besuch des Klosters.

   Papst Benedikt XVI. und das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Gemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams, haben am 10. März 2012 gemeinsam einen ökumenischen Vespergottesdienst gefeiert. In seiner Predigt rief der Papst Katholiken und Anglikaner zum Gebet für die Einheit auf. Erzbischof Williams bekräftigte die ge- meinsame Vision einer vollständigen sakramentalen Gemeinschaft. Wer sich für Gott entscheide, müsse demütig und geduldig den ökumenischen und den interreligiösen Dialog führen und dem Charisma des Ordens treu bleiben, hob der Papst in der Kirche »San Gregorio Magno« hervor. Es handelte sich um die dritte Feier eines Papstes mit einem Oberhaupt der Anglikaner an diesem Ort nach 1989 und 1996. Von dem damaligen Benediktinerkloster auf dem Hügel Celio nahm im 6. Jahrhundert die Mission Englands ihren Anfang. Papst Gregor der Große entsandte im Jahr 597 den Prior des Klosters, Augustinus von Canterbury, mit 40 Missio- naren nach England. Dort wurde der Mönch der erste Erzbischof von Canterbury. OR120316

 Papst Benedikt XVI. mit Erzbischof Rowan Williams in St.Gregor, Rom ök-be-RowanWilliams-z

Papst drängt auf Erneuerung des Versprechens die Einheit zu suchen
   In Erinnerung an die gemeinsamen Wurzeln der Christenheit sollten römisch-katholische und anglikanische Christen ihre Verpflichtung erneuern, für die Einheit der Christen zu beten und zu arbeiten, sagt Papst Bene- dikt XVI. Mit dem Führer der anglikanischen Weltgemeinschaft Rowan Williams feierte er eine Abendandacht in der römischen St. Gregor Basilika Von hier aus sandte im Jahr 597 Papst Gregor der Große St. Augustin von Canterbury und seine Mönche zur Evangelisierung Englands aus.
   Die liturgische Vesper war Teil der Feierlichkeiten zum 1000jährigen Jubiläum der Gründung des Kamaldulen- ser-Ordens, einem Zweig der Benediktiner. Kamaldulenser Mönche und Nonnen leben und beten in der St. Gregor-Basilika und pflegen aktiv ökumenische Kontakte.
   „Wir hoffen, dass das Zeichen unserer gemeinsamen Gegenwart vor dem heiligen Altar, wo Papst Gregor  das eucharistische Opfer zelebrierte, uns erinnern wird an unser brüderliches, aber auch alle Gläubigen, Ka- tholiken wie Anglikaner, ermutigen wird … unsere Verpflichtung zu fortwährendem Gebet und Einsatz für die Einheit zu erneuern, und in voller Übereinstimmung mit dem Gebet Jesu an den Vater: ut unum sint – damit sie eins seien“, predigte Benedikt in der Abendliturgie.
   Glaube ist ein Geschenk Gottes, das aber eine Antwort erwartet, sagte der Papst. „Es erwartet von uns, dass wir uns wieder in die Tugenden Christi kleiden: seine Zartheit, seine Güte, seine Demut, seine Beschei- denheit, seine Großherzigkeit, seine Vergebung und über allem als die Zusammenfassung und Krone: die Agape – die Liebe, die Gott uns durch Jesus gegeben hat, die Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen gegossen hat.“
   Kamaldulenser-Mönche und Nonnen in ihren weißen Gewändern, Kardinäle, anglikanische und katholische Gläubige und Vertreter anderer christlichen Gemeinschaften in Rom nahmen Teil an diesem Abendgebet.
   Als der Papst mit dem Erzbischof in die Basilika eintrat, wurden sie von zahlreichen Mitgliedern der Missio- narinnen, der Caritas - dem Orden von Mutter Teresa - begrüßt, die nahebei ihr Kloster haben und Schutz- räume für Nichtsesshafte vorhalten. Vor der Vesper hatte Erzbischof Rowan Williams beim Papst eine Privat- audienz. Der anglikanische Primas sagte in Radio Vatikan, er und der Papst hätten über die Lage der Christen in Mittel-Ost gesprochen und „über unsere gemeinsamen Gefühle und die tiefe Sorge und Frustration und Ungewissheit über deren Zukunft”. Sie hätten auch über die Einladung das Papstes gesprochen, dass er im Oktober in der Bischofssynode zur Neuevangelisation ein Grußwort sprechen solle. „Ich bin eingeladen, eine theologische Betrachtung über die Mission, über die Evangelisation zu halten. Ich bin ganz außerordentlich erfreut über diese Einladung“, sagte Rowan Williams im Radio Vatikan. „Ich denke, das ist ein Zeichen, dass wir in der Neuevangelisation Europas zusammenarbeiten können. Es ist verhängnisvoll, wenn eine einzelne Kirche dies allein versucht oder auch annimmt, sie habe allein den Schlüssel“, weil die Wiederbelebung des christlichen Glaubens in Europa bedarf so vieler „und so tiefer Hilfsquellen, wie wir nur finden können.“
   Die Predigt des Erzbischofs in der Abendliturgie mit dem Papst sprach die Bemühungen der Kamaldulenser an, einen Ausgleich zu finden zwischen dem Mönchsleben und dem Leben in der Gemeinschaft. Dieses lehrt uns, dass die Tugenden der einzelnen Christen wie auch der christlichen Gemeinschaften einander annehmen müssen in Zusammenarbeit und im Zeugnis des Evangeliums für alle Menschen.
   Anglikanismus und römischer Katholizismus seien verpflichtet zu „einer Vision der Erneuerung der vollen sakramentalen Einheit, eines für alle sichtbaren eucharistischen Lebens und sie damit absolut glaubwürdige Zeugen sind, damit eine verwirrte und geplagte Welt in das einladende und verwandelnde Licht Christ ein- treten kann“. 
   Aber die katholisch-anglikanische Einheit ist unvollkommen, nicht zuletzt deswegen, weil Katholiken und An- glikaner eine „unsichere und unvollkommene“ Erkenntnis von einander als Leib Christi haben, meint Erzbischof Williams. „Ohne diese volle Anerkennung sind wir noch nicht völlig frei, die verwandelnde Kraft des Evan- geliums“ in der christlichen Gemeinschaft und in der Welt zu leben. Williams sagte gegenüber Radio Vatikan, dass anglikanische und katholische Christen auf Themen wie Amt und Kirchenstrukturen fixiert seien, dass man das Geschenk der Taufe und die Gabe einander in der Taufe zu geben vergessen kann“, da aber liege das Fundament für die Einheit.
   Auch am nächsten Tag sprach Erzbischof Williams in der Basilika St. Gregor, auf einer Konferenz über Öku- mene und Mönchtum. Alle Christen könnten lernen vom Weg der Kamaldulenser, einen Ausgleich zu finden zwischen dem Mönchsleben und dem Leben in der Gemeinschaft. „Christliche Einsamkeit ist der Weg auf dem wir uns vor Gott prüfen und unseren Individualismus überwinden.“ Das führe uns zu einem Leben in Gemein- schaft, wo Christen erkennen, dass die Einheit im Glauben verortet ist und nicht in Bindungen von Blut oder Nationalität.
   „Das ist die härteste, aber auch bedeutendste Lehre: die verschiedenen christlichen Gemeinschaften müssen heute lernen, dass sie nicht ohne einander leben können und dass kein isoliert Einzelner im Besitz der ganzen Heiligen Schrift ist“, sagte der Erzbischof. Während ihrer Trennung haben christliche Gemein- schaften ihre besonderen Gaben und Traditionen entwickelt, die sie teilen sollten, um so alle Gemeinschaften aufzubauen. CT120318CindyWooden

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   Der Erzbischof von York, John Sentamu rechts beschreibt den Erzbischof von Canterbury Dr. Rowan Williams links als “bemerkenswert begnadeten Führer“ der Kirche. John Sentamu sagt: „Unsere Partnerschaft in der Bibel in den vergangenen sechs Jahren war die kreativste Periode meines Bischofsamtes. Es war belebend, wie wir Aufgaben zusammen machten, wir haben Einkehrtage und Gebete zusammen gehalten. In dieser Gemeinschaft haben wir aus der Quelle von Gottes Barmherzigkeit und Liebe getrunken – und es war eine große Freude. Er ist ein wirklicher mein wirklicher Bruder zu mir in Christus.“
   Er sagt, dass die vergangene Dekade war anspruchsvolle Zeit für die Anglikanische Gemeinschaft. Zum Glück ist Erzbischof Rowan ein bemerkenswerter und begnadeter Führer, der die Zuneigung stärkte. Trotz seiner mutigen, unermüdlichen Bemühungen wurde er durch Leute schlechtgemacht, die es besser hätten wissen können. Ich denke: Er war Gottes Apostel für unsere Zeit.“
    Er sagt, dass die Nachrichten von der Resignation stimmten traurig, doch Williams Absicht, Master des Magdalenen College an der Cambridge Universität zu werden, würden somit seine Lehre und seine Bücher ein Segen für die Kirche sein. „Ich freue mich, das er geht nicht weit weg, sondern wird fortfahren mit dem Dienst für die Church of England. Möge Gott seinen reichen Segen auf ihn ausgießen.“
   Der Bischof von Durham, Justin Welby, sagte: „Der Erzbischof übte mit Reichtum und Weisheit und geistliche Leitung sein Amt in den letzten zehn Jahren aus – es war ein anspruchsvoller Dienst. Ich möchte mich bei ihm bedanken für alle Hilfe, für seine Ermutigung, für seine Führung  und die geistliche Leitung, die er uns gab.“
   Der Oberrabbiner Lord Sacks sagte, Williams hätte sein Amt mit „vornehmer Integrität, mit Mut und Gnade ausgeübt. Es war eine Ehre, mit ihm in den zehn Jahren zu arbeiten und ich betrachte es als eine besondere Bevorzugung ihn nicht nur einen wertvollen Kollegen im Glauben, sondern mehr noch einen wahren Freund zu nennen.”
   Der Erzibischof von Wales, Dr. Barry Morgan, sagt: Williams war der fähigste Erzbischof von Canterbury seit Jahrhunderten und vermutet, dass die Kirche sein Wort erst später erkennt, wenn er nicht mehr im Amt ist.
   Er ist ein tiefgläubiger Christ, sowohl demütig und heilig und stets formlos zu erreichen. Als solcher war er beliebt bei vielen Menschen. Unermüdlich arbeitete er in den vergangenen zehn Jahren dafür, dass die angli- kanische Gemeinde zusammenzuhalten und sehr ernst jene, die seine Ansichten nicht teilten, in den Blick zu nehmen. Er hat jeden ermutigt, zusmmenzuarbeiten, mehr noch als seine eigenen Ziele zu verfolgen – und das ist immer schwierig.“ Williams war ein großartiger Botschafter für Wales und der Erzbischof wird wohl an die Akademie zurückkehren. „Er hat eine außerordentliche Fähigkeit, tiefgründig zu denken und er ist fähig, Dinge wirksam ans Licht zu bringen – eine Fähigkeit, die die Menschen vermissen werden und er möchte ganz sicher nicht, seinem Nachfolger – wer immer es sein wird – im Wege stehen.
  Der Erzbischof der katholischen Christen in England und Wales, Vincent Kardinal Nichols, sagt: „In den letzten drei Jahren habe ich mehr und mehr die großen Fähigkeiten von Erzbischof Rowan kennengelernt – seine Freundlichkeit, sein scharfer Verstand, seine Hingabe, zwischen den Menschen auszugleichen, beson- ders zwischen den Christen, sein Mut und seine Freundschaft. Das werden wir sehr vermissen, wenn er von seinem anspruchsvollen Amt zurücktritt. Ich danke ihm für seine Hingabe, die sich besonders zeigte bei seinem herzlichen Willkommen für Papst Benedikt im Lambeth Palast, und seinen erneuten Besuch mit gleicher Freude in der letzten Woche.“
   Der Bischof von Liverpool James Jones sagt: „Der Erzbischof von Canterbury hat der Church of England gedient, der Nation und der anglikanischen Gemeinschaft – unermüdlich, mutig und weit über seine Pflicht hinaus. Die Bischöfe schätzen seine außerordentliche Gabe der Gabe der Leitung und Lehre auf einem hohen Niveau.“

   Wer Williams in seinem Amt als Erzbischof von Canterbury beerbt, ist noch völlig offen. Meist genannt ist der Erzbischof von York. Aber auch dem Bischof von London werden Chancen nachgesagt. Dieser ist der Ordinierung von weiblichen Bischöfen allerdings sehr kritisch eingestellt. Außerdem werden der Bischof von Norwich sowie zahlreiche weitere Kandidaten als Nachfolger gehandelt. 130317evangelisch.de

Anglikaner bereit für Bischöfinnen

   In der anglikanischen Kirche Englands werden vermutlich bald Bischöfinnen geweiht werden können. Die Generalsynode der Church of England stimmte mit großer Mehrheit dafür, die Beschränkung auf männliche Kandidaten bei der Bischofswahl aufzuheben. Der traditionalistische und evangelikale Flügels innerhalb der Kirche hatte sich massiv dagegen gewandt. Die spirituellen Führer der Church of England, die Erzbischöfe von Canterbury, Williams, und York, Sentamu, hatten sich vergeblich für einen Kompromiss eingesetzt. Sie unter- stützten den Vorschlag, dass sich evangelikal orientierte Gemeinden in einer Diözese, in der künftig ein weiblicher Bischof amtiert, einer eigens für sie geschaffenen Ausweich-Hierarchie unterstellen könnten. Dieser Kompromiss verfehlte jedoch knapp die Mehrheit; sein Scheitern beschädigte ein weiteres Mal die Autorität des Erzbischofs von Canterbury, der zuvor schon im Zusammenhang mit der Berufung eines homosexuellen Bischofs in seiner Kirche in die Kritik geraten war. Nach dem Beschluss des Kirchenparlaments rief Williams dazu auf, die Kirchenreform nun zügig zu beenden. Die geänderten Regeln müssen nun in allen Diözesen der Church of England beraten und dann, samt möglichen Ergänzungswünschen, in spätestens zwei Jahren von der Generalsynode endgültig mit einer Zweidrittelmehrheit in Kraft gesetzt werden.
   Die Synode entschied sich auf ihrer Tagung in York dagegen, evangelikalen Priestern, die wegen des Reformkurses die Church of England verlassen, Abfindungen oder Ruhestandsgehälter zu gewähren. Bei den Austritten von Klerikern, die vor zwanzig Jahren die Weihe weiblicher Priester ablehnten, waren solche Kom- pensationen noch gewährt worden. Die Zeitung „The Guardian" meldete, 70 Priester der anglikanischen Kirche hätten sich jüngst mit einem römisch-katholischen Bischof getroffen, um Details des von Papst Benedikt XVI. errichteten eigenen Ordinariats für anglikanische Katholiken zu erörtern. Auch die Fragen ihrer künftigen mate- riellen Versorgung spielen dabei offenkundig eine Rolle. FAZ100724Lt
   Lange Zeit war die Anglikanische Kirche die einzige, die es ihrer inneren wie äußeren Verfassung nach mit der katholischen Kirche aufnehmen konnte: Sie hat das Bischofsamt, die Sakramente und eine hochkirchliche Liturgie bewahrt und ist dazu durch die Expansion des britischen Empires auf allen Kontinenten präsent. Nach der Entkolonialisierung hatte es eine Zeitlang sogar den Anschein, als sei die Lambeth Conference, das regel- mäßige Zusammentreffen aller anglikanischen Bischöfe, Sinnbild einer Nord-Süd-Ökumene, in der Herkunft und Hautfarbe keine Rolle mehr spielten. Mittlerweile ist die Anglican Communion wohl unwiderruflich dem
Atergang geweiht. Viele Kirchen des Südens halten das Wohlwollen der Episkopal Church in den Vereinigten Staaten und der Church of England gegenüber Homosexuellen und Frauen im Bischofsamt für einen neue Spielart des weißen Imperialismus. Nicht nur die Schrift und die Tradition haben sie auf ihrer Seite, sondern auch die Demographie. Wenn die Anglikanische Kirche dieses Jahrhundert überlebt, dann nicht als „weiße" Kirche. FAZ100724DD
 “The Times”: Doch keine Weihe von “Bischöfinnen”?
   In der anglikanischen Gemeinschaft von England wird es vorerst wohl keine Bischöfinnen geben. Nach An- gaben der „Times" wird ein Vorstoß zur Bischofsweihe von Frauen innerhalb der Generalsynode keine Zustim- mung finden. Für eine entsprechende neue Struktur sind in allen drei Häusern der Synode Zweidrittelmehr- heiten nötig. Innerhalb der anglikanischen Weltgemeinschaft gibt es seit Jahren einen Streit über den Kurs der Kirche. Dabei geht es auch um die Zulassung von Frauen und Homosexuellen zum Bischofsamt.
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   Wie das Verhältnis der verschiedenen Flügel in der anglikanischen Kirche in England verteilt ist, illustriert das Abstimmungsergebnis auf der Generalsynode in der strittigen Frage der Bischofsordination. 28 Bischöfe, 124 Priester und 111 Laien votierten dafür, zwölf Bischöfe, 44 Priester und 68 Laien sprachen sich dagegen aus - bei insgesamt sieben Enthaltungen.

 Prof. Dr. Robert Spaemann in der FAZ: Die Kirche kann Frauen nicht zu Priestern weihen

   Warum Jesus keine Frauen zu Aposteln gemacht hat, warum also das Charisma der Frauen unvereinbar ist mit dem Priesteramt, ist eine Frage, über die man nachdenken kann. Schließlich war Maria Magdalena die erste Verkünderin der Osterbotschaft, und die Mutter Jesu wird in der katholischen ebenso wie in der orthodoxen Kirche als Königin der Apostel und Königin der Engel gefeiert. Im Übrigen hatte Jesus Frauen in seiner stän- digen Begleitung. Das Nachdenken über die Frage „Warum" wird heute blockiert durch die Frage „Ob denn wirklich". Für die orthodoxe Kirche ist diese Frage durch die ausnahmslose Überlieferung beantwortet. Für die katholische Kirche hat Papst Johannes Paul II. diese Tradition durch eine Ex-cathedra- Entscheidung definitiv bekräftigt. Der Papst hat nicht gesagt, die Kirche dürfe nicht Frauen zu Priestern weihen, sondern sie könne es nicht. Mit einer „Priesterweihe" von Frauen würde die Kirche ihre Vollmacht überschreiten. Eine solche „Weihe" würde nichts bewirken außer einer Kirchenspaltung.
   Was das „Warum?" betrifft, so will ich hier statt tieferer anthropologischer Gründe nur die skeptische Be- gründung Karl Rahners nennen. Rahner sagte sinngemäß: Würden wir die Gründe und Motive Jesu zweifels- frei kennen, dann könnte die Kirche darüber urteilen, ob diese Gründe nur zeitbedingt waren und deshalb für uns nicht mehr maßgebend sein können. Angesichts der Unabhängigkeit Jesu von kontingenten Traditionen ist es unwahrscheinlich, dass er sich in dieser Wahl dem Zeitgeist unterworfen hat. Wenn wir aber die Gründe nicht zweifelsfrei kennen, können wir sie nicht relativieren und uns über sie hinwegsetzen. Und wenn der Staat sich hier einmischen würde, würde die Kirche in den Untergrund gehen müssen, wo wir von gültig geweihten Priestern die Lossprechung von unseren Sünden erhalten und den Leib Christi empfangen. FAZ101020

   Weil anglikanische Geistliche das neue römisch-katholische Messbuch verwenden wollen, drohen Verstim- mungen in der anglikanischen Kirche von London. Bischof Richard Chartres erklärte am Samstag, er habe „mit einiger Bestürzung“ von der Absicht mancher seiner Priester erfahren, vom ersten Advent an nach dem römischen Messbuch zu zelebrieren. Die englische Neuübersetzung der liturgischen Texte wird in der katholischen Kirche Englands mit Beginn des Advents eingeführt. Chartres verwies darauf, dass das römische Messbuch auch Gebete für den Papst enthalte. Er äußerte zwar Verständnis dafür, in anglikanischen Messen auch für den Papst als „Patriarchen des Westens“ zu beten; der römische Ritus enthalte aber „nicht nur ein Gebet für den Papst, sondern den Ausdruck einer Gemeinschaft mit ihm“. Im Blick auf Anglikaner wäre dies „eine Gemeinschaft, die Papst Benedikt XVI. sicherlich ablehnen würde“, so der Londoner Bischof. Der anglikanische Oberhirt verwies auf „veränderte Umstände“ nach der Einladung des Papstes an Anglikaner, unter Wahrung ihrer Tradition zur katholischen Kirche überzutreten. RV111120kna

Streit bei Anglikanern geht weiter

   Die Kirche von England hat dem theologischen Konsenspapier der anglikanischen Weltgemeinschaft, dem sogenannten „Anglican Covenant", mit großer Mehrheit zugestimmt. Zugleich wurd bekannt, dass die konservative Vereinigung GAFCON, ein Zusammenschluss von anglikanischen Nationalkirchen aus Afrika und Asien, die Formulierung dieses gemeinsamen theologischen Nenners ablehnt. Das Dokument sei in der derzeitigen Form „voller fataler Mängel", heißt es in einer GAFCON-Erklärung vom selben Tag. Eine Unter- stützung für diese Initiative sei „nicht länger angemessen". Das Nein der Afrikaner könnte die Gräben inner- halb der anglikanischen Weltgemeinschaft weiter vertiefen. Deren Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, hatte vor der Generalsynode der Kirche von England vor einer „stückweisen Auflösung" der Gemeinschaft gewarnt und für eine Zustimmung zum „Covenant" geworben. Entscheidungen, die in einer Kirchenprovinz fielen, beträfen auch alle anderen Provinzen weltweit. Der „Anglican Covenant" ist eine Art theologisches Bündnis aller 38 autonomen Provinzen der anglikanischen Weltgemeinschaft, die derzeit rund 78 Millionen Mitglieder umfasst. Nur Provinzen, die diesem gemeinsamen Nenner zustimmen, gehörten künftig zur anglikanischen Weltgemeinschaft, so Williams. Anglikanische Theologen hatten den „Covenant" als Ant- wort auf den internen Streit der Weltgemeinschaft um Homosexuelle und Frauen erarbeitet. Zu den Auslösern gehörte auch die Ernennung des homosexuellen US-Bischofs Gene Robinson 2003. Das Bündnis soll eine größtmögliche Einheit der Anglikaner erhalten. Neue Entwicklungen wie die Ernennung Homosexueller zum Bischofsamt sollen demnach künftig nur mit Zustimmung aller Provinzen stattfinden können. Liberale Anglika- ner fürchten jedoch um die Autonomie ihrer Provinzen und befürchten eine mögliche Oktroyierung von Ent- scheidungen durch den konservativen Flügel der Weltgemeinschaft. Diese wiederum beklagen eine Aufwei- chung der Kirchendisziplin und der kirchlichen Tradition. Ein hochrangiger Kirchenvertreter hatte im linkslibe- ralen „Guardian" vor einem Scheitern des „Covenant" gewarnt. „Es gibt keinen Plan B. Wenn es schiefgeht, dann liegt die Gemeinschaft in Trümmern", wird er zitiert. RV101127DT
Erzbischof Rowan Williams unterstützt homosexuelle Bischöfe - und verweist auf Tradition des Zölibats
Wir Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hat sich erstmals öffentlich für die Weihe homosexueller Bischöfe in der anglikanischen Kirche von England ausgesprochen. In einem Interview der „Times" sagt Willi- ams, er habe „kein Problem" mit schwulen Bischöfen, solange sie zölibatär lebten. Dies verlange die Tradition, so der Anglikanerprimas. Bislang habe er in der innerkirchlichen Debatte den konservativen Flügel gegen schwule Bischöfe unterstützt, weil „der Preis für die Kirche zu groß" gewesen sei, erklärte Williams gegenüber der Zeitung. Das gelte etwa im Fall von Jeffrey John, der wegen einer homosexuellen Beziehung 2003 nicht zum Bischof von Reading ernannt wurde und später von der engeren Auswahlliste für das Bischofsamt in Southwark gestrichen wurde.
   Die Risse in der anglikanischen Weltgemeinschaft werden tiefer. Die Episkopalkirche in den USA setzt sich durch die Weihe von Homosexuellen immer mehr vom Hauptstrom ab, schreibt die evangelische Nachrichten- agentur „Idea“ in einer Analyse. Das geistliche Oberhaupt der rund 70 Millionen Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams, nennt es „bedauerlich“, dass sich die 2,1 Millionen Mitglieder zählende US-Kirche über die Bitte der Weltgemeinschaft um „gnädige Zurückhaltung“ bei der Homosexuellen-Weihe hinwegsetzt. Dies habe ernste Konsequenzen für die Einheit der Anglikaner. Die Weltgemeinschaft befindet sich am Rande der Spaltung, seit die US-Kirche im Jahr 2003 den schwulen Theologen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire weihte. Hinzu kommt in diesem Jahr eine lesbische Bischöfin. Die Bischöfe der Episkopalkirche bestätigten jetzt die im Dezember erfolgte Wahl der 56-jährigen Mary Glasspool zur Weihbischöfin der Diözese Los Angeles. Die bis- herige Bischofsassistentin und „Domherrin“ in der Diözese von Maryland lebt seit 1988 mit ihrer Partnerin Becki Sander zusammen. Glasspools Amtseinführung soll am 15. Mai stattfinden. Vor allem die wachsenden theologisch konservativen Kirchen in der Dritten Welt, aber auch konservative Anglikaner im Westen be- trachten die Ordination und Bischofsweihe von praktizierenden Homosexuellen als unvereinbar mit Bibel und Kirchenlehre. Etliche haben die Gemeinschaft mit der US-Episkopalkirche aufgekündigt. Glasspool erklärte, sie sei „überglücklich, erleichtert und zutiefst dankbar“. Die Bestätigung ihrer Wahl deutet sie als eine positive Reaktion auf „die erfrischende, erneuernde Bewegung von Gottes Heiligem Geist“. Sie bedeute große Hoffnung für Kirche und Welt. Robinson bezeichnete Glasspools Bestätigung als Weihbischöfin als „großen Tag für die Kirche“. Er sei dankbar, dass er sich nicht mehr so allein fühlen müsse. Der 62-Jährige war von 1972 bis zu seiner Scheidung 1986 verheiratet und hat aus dieser Ehe zwei Töchter. Seit 1989 lebt er mit Mark An- drews zusammen. 2008 ließen sie ihre Partnerschaft im Bundesstaat New Hampshire gesetzlich registrieren. Rv100321idea
  Die anglikanische Kirche hat „kein Problem“ damit, Homosexuelle zu Bischöfen zu weihen. Das meinte der aWnglikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams, jetzt in einem Interview mit der „Times“. Allerdings müssten diese Bischöfe dann „die historische Tradition und den Standard“ einhalten und zölibatär leben, so Williams. Der Primas betonte, es sei sein wichtigstes Anliegen, dass die anglikanische Kirche über diese und ähnliche Fragen nicht auseinanderbreche. Seine Äußerungen stießen in einigen Teilen der anglikanischen Weltgemein- schaft auf Protest. Williams gab an, es sei ihm schwergefallen, einen Diakon, der in ziviler Partnerschaft mit einem Mann zusammenlebt, kürzlich zum Bischofsamt zuzulassen. Er deutete an, er könne sein Amt als Primas der anglikanischen Kirche vielleicht schon vor Auslaufen seines Mandats in zehn Jahren niederlegen. RV100925ansa

Ök-aepRawanWilliams-xx   „Anglican Communion Covenant“ –

 

- so heißt ein grundlegendes Konsenspapier, das derzeit allen 38 Provinzen der anglikanischen Weltgemein- schaft vorliegt. Der Text, der in jahrelanger Arbeit entstanden ist, soll die fragile Einheit der Anglikaner retten. Erzbischof Rowan Williams Foto oben von Canterbury, der Primas der anglikanischen Kirche, hat das Konsens- papier vor Kurzem vorgestellt; es bemüht sich um den Entwurf einer gemeinsamen theologischen und pastoralen Vision und soll ein Prozedere festlegen, das im Fall von Auseinandersetzungen gilt.
   „Es ist ziemlich wichtig, daran zu erinnern, was der ‚Covenant‛ ist und was er nicht ist – was er erreichen kann und was er nicht erreichen kann.“ Das sagt Erzbischof Williams in einer YouTube-Botschaft, die in den ersten Tagen 5.316 Mal aufgerufen wurde. „Das Papier wird nicht alle Probleme lösen; es ist weder eine Verfassung noch ein Gesetzbuch, das alle Regelbrecher bestraft. Vielmehr zeigt der ‚Covenant‛, wie sich bei einer Meinungsverschiedenheit verfahren lässt, um Spaltungen zu vermeiden. Und er hilft uns zu verstehen, worin unsere Gemeinsamkeit besteht, so dass wir unseren Zusammenhalt und unser Vertrauen unterein- ander verstärken.“
   Der letzte der vier Teile des „Covenant“ beschäftigt sich mit dem Thema der Sexualität aus biblischer Sicht. Dieses Thema hat die anglikanische Kirche in den letzten Jahren entzweit und an den Rand der Spaltung gebracht, seit die US-Anglikaner 2003 einen bekennenden Homosexuellen zum Bischof von New Hampshire geweiht haben. Der Erzbischof von Canterbury versucht allerdings, den „Covenant“ nicht nur als Minimal- konsens darzustellen: Denn vielleicht könne der Text sogar einmal für andere Christen attraktiv werden...
RV100209webseiteArchbCanterburyRivistaJesus
   Anlässlich des Streits um die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen hat der anglikanische Primas Rowan Williams vor einem Zerwürfnis seiner Kirche gewarnt. Die Weihe von Frauen zum Leitungsamt dürfe nicht dazu führen, dass ganze Gruppen von Gläubigen verloren gingen. Das sagte der Erzbischof von Canterbury an vor der Kirchensynode in London. rv100210
   Die anglikanische Gemeinschaft des Landes will eine konservative Abspaltung nordamerikanischer Anglika- ner vorerst nicht als Kirche anerkennen. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Delegierten der Gene- ralsynode in London. Man akzeptiere den Wunsch der neuen „Anglican Church in North America“ nach An- erkennung der anglikanischen Weltgemeinschaft. Vorher seien aber weitere Prüfungen nötig. Der amerika- nische Ableger hatte sich im vergangenen Sommer aus Protest gegen liberale Tendenzen in der anglikani- schen Gemeinschaft gegründet. rv100211kipa

Suche nach „anglikanischer Lösung"
   Der anglikanische Primas-Erzbischof Rowan Williams von Canterbury hat in einem Interview in der Londoner Tageszeitung „The Daily Telegraph" mit Blick auf die im Oktober von Papst Benedikt XVI. initiierten Personal- ordinariate für Anglikaner, die zum Katholizismus übertreten wollen, dabei aber ihre eigenen Riten weiter- führen möchten, erklärt, das Vorpreschen der katholischen Kirche sei „nicht vollkommen neu". Die katholische Kirche in England erlebe in Zyklen immer wieder einen „zweiten Frühling", wie beispielsweise durch Kardinal John Henry Newman im 19. Jahrhundert. Es gebe ein „Muster" in der Hoffnung, dass „die Wunden der Reformation zugunsten Roms geheilt werden", so der Primas der englischen Staatskirche. Williams, zugleich Ehrenprimas der anglikanischen Weltgemeinschaft, räumte ein, dass das Angebot des Papstes traditiona- listische Anglikaner in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Frauen im Bischofsamt beeinflusst habe. Dennoch gibt es nach seinen Worten genügend Gründe für Anglo-Katholiken, vor allem die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes, nicht katholisch zu werden. Deshalb suchte die Mehrheit der Traditionalisten weiter nach einer „anglikanischen Lösung" des Problems. Eine solche werde derzeit, allerdings durch die Episkopalkirche in den USA erschwert. Er habe Zweifel, ob die Einheit der anglikanischen Kirche die Zulassung homosexueller Bischöfinnen und Bischöfe langfristig überleben werde. DT091215kna

Anglikaner können viele Pfarrer nicht mehr bezahlen
  Mit einem drastischen Pfarrermangel aus finanziellen Gründen rechnet die anglikanische Kirche von England. In den kommenden fünf Jahren wird sie jeden zehnten angestellten Geistlichen verlieren; ihre Stellen sollen Ehrenamtliche füllen. Verantwortlich ist die Finanzkrise: Die Kirche hat die Mittel ihres in den neunziger Jahren eingerichteten Pensionsfonds in Aktien angelegt, die durch die Krise stark an Wert verloren haben. Auch sitzt in England, wo es keine Kirchensteuer gibt, das Kollektengeld bei den Kirchgängern nicht mehr so locker. Zudem gehen die Zahlen der Gottesdienstbesucher zurück. Wie die Londoner Zeitung Times berichtet, wird die Zahl der bezahlten Pfarrer von derzeit 8.400 in den kommenden vier Jahren um 8,3 Prozent auf 7.700 sinken. RvDT091202Idea

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Erzbischof Rowan Williams zeigt Papst Benedikt XVI. am Ende ihrer Begegnung im Lononer Lambeth Palace die Buchmalerei der “Wurzel Jesse” in der Lambeth-Bibel am 17. September 2010

Der „Sunday Telegraph“ enthüllte die vertraulichen Gespräche der Bischöfe von Ebbsfleet und Richborough zu Ostern 2008 in Rom: „Einige Anglikaner mit katholischer Tradition wollen in der anglikanischen Gemein- schaft bleiben. Andere wünschen aus Gewisssensgründen spezielle Wege. Eine weitere Gruppe Anglikaner werden wohl eine Karawane bilden – ähnlich wie das Volk Israel, als es durch die Wüste zog in das verheißene Land.“
   Der Erzbischof von Canterbury  sprach von der Notwendigkeit in der anglikanischen Gemeinschaft, um das reiche anglo-katholische Erbe zu bewahren. Er wurde in die Gespräche nicht mit einbezogen und erfuhr erst zwei Wochen vor der Erklärung des Papstes davon. Erzbischof Rowan Williams jedoch besteht darauf, dass in der Einladung des Papstes nichts Neues steht und schreibt in einem Brief an alle anglikanischen Bischöfe: „Im Licht der jüngsten Diskussion mit Hohen Geistlichen im Vatikan kann ich sagen, dass diese neue Möglichkeit in absolut keiner Weise beabsichtigt, die bestehenden Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften zu unterminieren, und auch kein Akt des Proselytismus oder der Agression ist.“
   Kardinal Levada antwortete auf die Frage, ob er denke, dass die Initiative des Papstes die anglikanische Gemeinschaft schwäche: “Ich würde nicht wagen, das zu kommentieren. Nach den langen Jahren des Britischen Empire und der Arbeit der anglikanischen Missionare, besteht die anglikanische Gemeinschaft als andere und sehr verschiedene weltweite Gemeinschaft.“ Als ein anderer Journalist unterstellte, der Anglika- nismus liege im Sterben, antwortete der Kardinal: „Kein Kommentar.“
   Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation William Kardinal Levada sagte: „Diese Anglikaner, die auf Rom zugegangen sind, haben klar ihren Wunsch auf volle, sichtbare Einheit mit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche erklärt. Gleichzeitig haben sie uns von ihrem anglikanischen Glaubens- weg, ihren Traditionen der Spiritualität und des Gottesdienstes berichtet.“
   In den vergangenen Jahrzehnten haben Tausende konservative Priester und Laien in England, Amerika und Australien  die anglikanische Gemeinschaft  wegen der Frauenordination und eines offen homosexuellen Klerus, die sie für schrift- und traditionswidrig halten, verlassen. Seit Beginn der Frauenordination im Jahre 1990 haben allein in England mehr als 400 Priester ihr Amt aufgegeben.
   Bitten enttäuschter Anglikaner haben zu dieser beispiellose Einladung des Papstes geführt. In Presse- konferenzen in Rom und London wurde ihnen die volle Eingliederung in die römisch-katholische Kirche ange- boten, unter Bewahrung ihrer Traditionen, soweit sie nicht katholischer Lehre widersprechen.

Primas Rowan Williams beim Papst an-aepRowanWilliams-B-xx

    Das Kommunique ist dürr. Papst Benedikt XVI. und das angklikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams, hätten „herzliche Gespräche” über die aktuellen Herausforderungen geführt. Auch sei geredet worden über die jüngsten Ereignisse in den Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der anglikanischen Gemeinschaft. So teilt es der Vatikan mit; Canterbury schweigt vollständig. Zu hören ist jedoch, dass das Gespräch lediglich 20 Minuten gedauert hat.
   Die katholische Kirche hat ihre Türen weit für jene konservativen Anglikaner geöffnet, die mit dem Kurs ihrer Kirche nicht länger leben könnten. Bischöfe und Priester, die nun vom Erzbischof in Canterbury zum Papst übertreten, dürfen ihre anglikanischen Gottesdienste und sogar ihre Ehefrauen behalten, was angesichts des in der katholischen Kirche herrschenden Zölibats recht bedeutsam ist.
   Hintergrund sind die immer tieferen Spaltungen in der anglikanischen Gemeinschaft. 1534 von König Hein- rich VIII. als Church of England gegründet oszilliert die anglikanische Kirche seit jeher zwischen Katholizismus und Protestantismus. Die Spannungen kamen auf, seit westliche anglikanische Diözesen Frauen zu Priestern und sogar zu Bischöfen weihen; der erste bekennende Homosexuelle in einem amerikanischen Bischofsamt stößt bei den Anglikanern in Afrika und Asien auf erbitterten Widerstand.
   Der 61-jährige Erzbischof Rowan Williams, der kraft seines Amtes die Anglikaner zusammenhalten soll, sieht sich seit Jahren zwischen den Flügeln zerrissen. Nun musste er auch noch erfahren, dass es neben dem offiziellen Theologie-Dialog zwischen Canterbury und Rom seit Jahren Geheimverhandlungen zwischen dem Vatikan und den abwanderungswilligen Anglikanern gab.
   Der deutsche Kardinal Walter Kasper, der „Ökumene-Minister“ des Vatikans, erzählt, Williams habe ihn - offenbar recht perplex - „mitten in der Nacht bei einer Konferenz in Zypern angerufen" und Aufklärung verlangt. Mittlerweile haben Kasper und Williams eine Verständigung darüber erzielt, dass der Vatikan keine Anglikaner „abwerben" wolle, sondern dass der Papst lediglich eine „phantasievolle seelsorgerliche Antwort auf die Bedürfnisse einzelner Gruppen" gegeben habe. HAZ091123PaulKreiner

Erzbischof Williams sieht die positive Seite der Gespräche in Rom Ök-anglAERowanWilliams-xx

   Der Primas der anglikanischen Gemeinschaft hält in der Ökumene „das Glas für halb voll“ und erhebt dabei das Glas, um seine Worte zu unterstreichen. Im Wirbel um die besondere Fürsorge von Papst Benedikt XVI. für jene Anglikaner, die die Herde von Erzbischof Williams verlassen wollen und sich der katholischen Kirche anschließen wollen, überraschte die Bewertung der katholisch-anglikanischen Beziehungen des Erzbischofs doch ein wenig vor der Audienz im Vatikan. Seine Bemerkungen über die nächsten Schritte im ökumenischen Dialog überraschten dann weniger: eine deutliche Aufforderung an die Führung und Theologen der katholi- schen Kirche: „Anglikaner und römisch-katholische Christen – wirklich alle Christen, die in den letzten 40 Jahren am ökumenischen Dialog beteiligt sind – müssen sich ernstlich fragen, ob die Lehre und Praxis, die sie noch trennen, annähernd so wichtig sind, wie die wesentlichen Dogmen, die sie gemeinsam haben“, sagte der Primas am Abend vor einer Serie von Gesprächen mit Papst Benedikt und einigen vatikanischen Beamten.
   Unter anderen Themen standen besonders die abschließenden Vorbereitungen für die dritte Runde der anglikanisch-römisch-katholischen internationalen Kommission zur Weiterführung des theologischen Dialogs auf der Tagesordnung. „Sehr viele Übereinstimmungen in hochrangigen Fragen über Wesen und Sendung der Kirche sind bisher erreicht; ist es dann wirklich gerechtfertigt weitere Themen als ebenso vital und für die Einheit erforderlich zu behandeln?“, fragte der Erzbischof. Der Primas äußerte Zweifel an der vatikanischen Sicht, dass die Ordination von Priesterinnen und Bischöfinnen in einigen Sprengeln der anglikanischen Ge- meinschaft ein endgültiges Hindernis für jede Form eine katholisch-anglikanischen Einheit sein soll. Der ökumenische Dialog ist von beiden Seiten gewollt. Wenn nun Menschen ordiniert werden, damit sie der Weltgemeinschaft dienen, die Heiligkeit fördern und die Gläubigen mit Gott und miteinander zu versöhnen, „in wie weit wird das untergraben, wenn dieser Dienst durch beide Geschlechter augeübt wird?“ Papst Johannes Paul II. lehrte, dass die katholische Kirche keine Vollmacht zur Weihe von Priesterinnen hätte, weil Jesus ausschließlich Männer zu seinen Aposteln wählte.
   Erzbischof Williams sagte, er wolle nicht alle Argumente für und gegen die Frauenordination wiederholen, meinte aber „viele Anglikaner sehen in der Ablehnung der Weihe für beide Geschlechter einen unerwünsch- ten Unterschied zwischen getauften Frauen und Männern“, einen Unterschied, der in keinem christlichen Glaubensbekenntnis gemacht wird. Der Streit in der anglikanischen Gemeinschaft über die Frauenordination haben zu offensichtlichen inneren Spannungen geführt, aber die Anglikaner suchen noch Wege, um ihre Einheit zu bewahren ohne Zwang gegenüber denen in der Gemeinschaft, die eine andere Meinung haben. „Und wenn dies innerhalb der anglikanischen Familie erreicht werden kann, wäre das nicht ein Modell für die weltweite Ökumene?“
   Erzbischof Williams denkt nicht, dass die Fragen um die Ordination und die Unterschiede in wichtigen Kirchenstrukturen nebensächliche oder rein politisch zu werten seien,stellt aber nachdrücklich in Frage, ob diese „so fundamental kirchentrennend sind, wie das unsere römisch-katholischen Freunde behaupten und annehmen“. Um das zu unterstreichen hält der Erzbischof ein Glas Wasser hoch, während er er seine Rede über den Ökumenismus an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom hält. Unter Bezugnahme auf die Beziehungen zwischen Katholiken und Anglikanern meint Dr. Williams, das „ökunenische Glas ist echt halb- voll“. „Die Verantwortlichen für den ökumenischen Dialog und das Leben der christlichen Gemeinschaften müssen sich fragen, ob die Unterschiede im Amt und in der Autorität der Kirche dasselbe Gewicht haben, wie die Übereinstimmung, die in fundamentalen Glaubensfragen bereits erreicht ist.“
   Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, bestätigte erneut die Verpflichtung der katholischen Kirche, fortzufahren in der Suche nach der vollen Einheit: „Die Ökumene hat eine Zukunft, nicht, weil wir sie wünschen, sondern weil Jesus Christus sie wünscht und sein Geist hilft uns in dieser Verpflichtung. Die katholische Kirche kann nicht einfach stehen bleiben und warten. Sie hat eine be- sondere Verantwortung. Diese einzigartige ökumenische Verantwortung liegt – paradoxerweise – im Petrus- Amt (im Dienst des Papstes), das oft als Haupthindernis für die Einheit gesehen wird, aber das sich selbst als Dienst an der Einheit versteht.“
   Hinsichtlich der Fragen, die Anglikaner und Katholiken noch trennen, einschließlich der Frauenordination, erklärte der Kardinal den Reportern: „Wir müssen unterscheiden zwischen Unterschieden, die unvereinbar sind und solchen, die sich gegenseitig ergänzen. Die letzteren können in der Kirche nebeneinander beste- hen.“ In seiner Rede sagte Kardinal Kasper: „Papst Benedikt hat klar verkündet, dass Gott die Liebe ist; Liebe ist der wahre Motor der Ökumene. Liebe respektiert die Freiheit des Anderen und achtet auch ihr Anderssein. Liebe schafft Raum für legitime Unterschiede.“Abschließend sagt der Kardinal: „Liebe verlangt Einheit. Darum kann das Endziel der Ökumene nur die volle Gemeinschaft im Glauben, in den Sakramenten, im apostolischen Dienst und in der Sendung sein.“ CZ091129CindyWooden

an-aepRowanWilliams-x-  Vatikan: Dialog mit Anglikanern auf „breiter Ebene“

   Anglikanische und katholische Theologen haben in diesen Tagen die dritte Phase der Gespräche ihrer Dialogkommission vorbereitet. Ein entsprechendes Treffen im Vatikan ging jetzt zu Ende. In einer neuen Dialogrunde mit dem Vatikan müssten auch schwierige Fragen wie Papstamt und Frauenpriestertum angeschnitten werden, hatte der Anglikaner-Primas Rowan Williams Foto zuletzt betont. Diese Themen stünden auch ganz sicher auf der Agenda, bestätigt Mark Langham vom Päpstlichen Einheitsrat im Interview mit Radio Vatikan.
   „Die kritischsten Fragen in der Beziehung unserer Kirchen anzusprechen, ist essentiell, aber nicht alles. Unser Ausgangspunkt wird eine breitere Fragestellung sein: Das Verhältnis zwischen der Universalkirche und der Ortskirche. Das fordert uns nämlich beide heraus. In diesem Rahmen können wir uns dann speziellen Fragen wie dem Frauenpriestertum und der Stellung gleichgeschlechtlichen Ehen in der Kirche widmen.“
   Es sei noch kein fester Zeitrahmen für den Dialog abgesteckt worden, so Langham. Auch die Häufigkeit der Treffen stehe noch nicht fest. Sicher seien aber ökumenische Treffen „auf vielen Ebenen“. „Es gibt ver- schiedene Niveaus der ökumenischen Begegnung. Auf höchster Ebene, wie das Treffen zwischen dem Papst und dem Erzbischof von Canterbury, und dann die wundervollen Begegnungen auf lokaler Ebene.“ Die dritte Phase der Gespräche hoffe man jetzt zu beginnen, gab Langham an. Rv091125

Papst empfängt Anglikanerprimas -    Erzbischof Williams: Vision sakramentaler Gemeinschaf

   Papst Benedikt XVI. und der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, haben einen öku- menischen Vespergottesdienst gefeiert; es war die dritte gemeinsame Gebetsfeier eines Papstes mit einem Oberhaupt der Anglikaner nach 1989 und 1996. Auf dem Hintergrund der Zuwendung vieler konservativer anglikanischer Gemeinden zur katholischen Kirche sprach Williams in der Kirche „San Gregorio Magno" von der gemeinsamen „Vision" einer vollständigen sakramentalen Gemeinschaft beider Kirchen. Gegenwärtig sei diese Vision nur unvollständig verwirklicht. Ursache hierfür sei ein „Mangel an Hoffnung und Geduld", sagte der Erzbischof von Canterbury. Am Vormittag hatte der Papst Williams in Privataudienz empfangen.
   Benedikt XVI. predigte, wer sich für Gott entscheide, müsse „demütig und geduldig" den ökumenischen und den interreligiösen Dialog führen. Anlass für das Abendgebet war die Gründung des Ordens der Kamal- dulenser vor 1000 Jahren, von deren Ursprungskloster auf dem römischen Celio-Hügel die Mission Englands begann, als Papst Gregor der Große im Jahr 597 den Prior Augustinus mit 40 Missionaren über den Kanal sandte. Dort wurde der Mönch zum ersten Erzbischof von Canterbury. Eine Seitenkapelle von San Gregorio soll künftig zum gemeinsamen Pilgerort für Katholiken und Anglikaner werden. In dieser katholischen Kirche soll ein keltisches Kreuz aus Canterbury aufgestellt werden.
FAZ120312jöb

John L. Kirklly an-JohnLKirley- an-MaryDGlasspool-LA-xxa Mary Glasspol

Die anglikanische Kirche der USA steht vor einer neuen Belastungsprobe
   Die Diözese Los Angeles hat eine „bekennend lesbische“ Priesterin zur Weihbischöfin gewählt. Mary Glasspool - deren Vater auch anglikanischer Priester war - wohnt seit 1988 mit ihrer Partnerin Becki Sander zusammen. Die anglikanische Kirche heißt in den USA „Episkopalkirche“; sie hat im Juli 2009 ein Moratorium zur Wahl homosexueller Bischöfe aufgehoben. Die Frage der Wahl homosexueller Bischöfe hat die anglika- nische Kirche seit der Weihe eines homosexuellen Bischofs in New Hampshire 2003 in eine tiefe Krise gestürzt. Mehrere Diözesen der US-Anglikaner haben seither versucht, sich entweder „traditionellen“ anglikanischen Erzbischöfen in Afrika oder Südasien zu unterstellen oder katholisch zu werden. Mary Glasspool erklärte nach ihrer Wahl, „jede Gruppe von Menschen, die wegen eines isolierten Aspekts ihrer Persönlichkeit unterdrückt wird“, habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit und gleichen Rechten. Der anglikanische Primas Rowan Williams reagiert besorgt auf die Nachricht aus den USA: Das werfe „sehr ernste Fragen für die weltweite anglikanische Gemeinschaft“ auf, meinte der Erzbischof von Canterbury. Williams erinnert daran, dass sich die anglikanische Kirche eigentlich auf eine Art Auszeit geeinigt hatte, was kontroverse Ernennungen betreffe. RV091207reuters

 “Trauung”
   Der anglikanische Bischof Thomas Shaw von Massachusetts erlaubt seinen Priestern die Trauung gleich- geschlechtlicher Paare. Die christliche Heirat sei eine sakramentale Zeremonie, erläutert Shaw in einem Schreiben auf der Webseite der Diözese. Auch wenn der Ritus nicht für jeden notwendig sei, müsse er doch allen offenstehen. „Es ist an der Zeit, dass wir Schwulen und Lesben dieselben Rechte auf das Ehe-Sakra- ment einräumen wie heterosexuellen Paaren“, zitiert eine Zeitung den Bischof. Die Bestimmung trat zum ersten Adventssonntag 2009 in Kraft. Es handele sich um eine Erlaubnis, nicht um eine Anordnung, erläutert Shaw in seinem Schreiben. Jeder Geistliche dürfe die Trauung ablehnen. Im Bundesstaat Massachusetts gibt es die sogenannte Homo-”Ehe” seit 2004. RV091202kna

Erzbischof Robert Duncan Ök-anglAEpRobertDuncan-x    Konservative Anglikaner spalten sich ab

   Konservative Anglikaner in Nordamerika haben eine Gegenkirche gegründet. Die „Anglican Church in North America" ACNA bestimmte im texanischen Bedford Robert Duncan (60) zum Erzbischof und Primas der neuen Gemeinschaft.Bereits zuvor hatte die ACNA nach Angaben auf ihrer Webseite eine Verfassung verabschiedet. Sie sieht sich selbst als „Alternative" zur anglikanischen US-Episkopalkirche, für die Duncan bis vergangenes Jahr Bischof in Pittsburgh war.
   Die neue Kirche zählt nach eigenen Angaben gut 100.000 Mitglieder in 700 Gemeinden und 28 Bistümern in den USA und Kanada. Sie strebt eine Anerkennung durch die anglikanische Weltgemeinschaft an. Dazu ist unter anderem die Zustimmung von zwei Dritteln der geistlichen Leiter der weltweit 38 Nationalkirchen nötig. Die nordamerikanische Episkopalkirche hat rund zwei Millionen Mitglieder. Medienberichten zufolge will sie sich derzeit nicht über die ACNA äußern.Die anglikanische Weltgemeinschaft wird seit Jahren von einem inner- kirchlichen Streit um ihren Kurs erschüttert. Dabei sind der liberale und der konservative Flügel der Ge- meinschaft etwa uneins über die Zulassung von Frauen und Homosexuellen zum Priester- und Bischofsamt.
   Die Auseinandersetzung führte bereits verschiedentlich zu Abspaltungen und Parallelstrukturen. So boy- kottierten einige konservative Anglikaner im vergangenen Jahr die Lambeth-Konferenz, das höchste Bera- tungsgremium der Anglikaner. Die Gründungsversammlung der ACNA hatte trat in der St.Vincent-Kathedrale von Bedford zusammen. Gut 800 Personen nahmen daran teil. Unter den Gästen waren neben Vertretern von neun anglikanischen Nationalkirchen der katholische Bischof von Fort Worth, Kevin William Vann. DT090627kna

Primas Rowan Williams, Canterbury  Zwei-Linien-Modell
   Im Konflikt innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft sieht Ehrenprimas Rowan Williams die Möglichkeit eines „Zwei-Linien-Modells“. Demnach könnte es mittel- oder langfristig eine Gemeinschaft geben, die durch einen Vertrag an die bestehende Lehre gebunden sei, sowie eine andere, die in ihren Lehren flexibler und nur lose mit der ersten verbunden sei, schreibt  Williams in einer auf seiner Internetseite veröffentlichten Erklä- rung. Zugleich ruft er dazu auf, einen solchen Schritt nicht als Spaltung oder Exkommunikation zu bezeichnen. Vielmehr handle es sich um zwei mögliche Formen anglikanischer Existenz.
   Weiter betont Williams, dass die anglikanische Gemeinschaft ihre Lehren nicht einfach gesamt- gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen könne. Änderungen der kirchlichen Position könnten nur durch ein „genaues Bibelstudium“ begründet werden.
   Mit seinem Schreiben an die „Bischöfe, den Klerus und die Gläubigen“ reagiert der Erzbischof von Canter- bury auf die jüngst getroffene Entscheidung der US-amerikanischen Anglikaner (“Episkopale”), weiterhin Homosexuelle zu allen Weihen zuzulassen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Die Bischofsweihe von Homosexuellen bei den liberalen Episkopalen ist einer der zentralen Streitpunkte zwischen dem konservativen und dem liberalen Flügel der rund 77 Millionen Anglikaner weltweit. Die Auseinander- setzungen über den künftigen Kurs der anglikanischen Gemeinschaft führten bereits zu verschiedenen Abspaltungen. Rv090729kap

an-JohnHind-xx anglikanischer Bischof John Hind will katholisch werden

   Ein Bischof der anglikanischen Kirche hat seine Bereitschaft zum Übertritt zum Katholizismus erklärt. Der Bischof von Chichester, John Hind, der die Gemeinschaft der „Traditionalisten" bei den Anglikanern anführt, sagte der Zeitung „Sunday Telegraph”,er sei bereit, in die katholische Kirche zu wechseln, und wäre glücklich, dort die Priesterweihe zu empfangen. Papst Benedikt XVI. hatte einen Erlass unterzeichnet, der Anglikanern den Übertritt zur katholischen Kirche erleichtern soll. Verheiratete anglikanische Priester sollen danach ihr Amt innerhalb einer gesonderten Kirchenstruktur weiter ausüben dürfen, katholische Bischöfe könnten sie indes nicht werden. Hind sagte, er sei froh, dass es nun „für die Katholiken in der Church of England" endlich die Möglichkeit gebe, zwischen Gehen und Bleiben zu wählen. Die Bischöfe und Priester der Church of England sind in der Frage der Priester- und Bischofsweihe von Frauen und Homosexuellen tief gespalten; der Schritt des Papstes könnte den Zerfall der anglikanischen Gemeinschaft befördern. Das geistliche Oberhaupt der Church of England, der Erzbischof von Canterbury, bestreitet, dass der Erlass des Papstes eine Gefahr für die anglikanischen Kirche sei. FAZ091026Lt
 
Die konservative anglikanische Gruppierung „Forward in Faith“ geht davon aus, dass insgesamt etwa ein Dutzend Bischöfe darüber nachdenkt, katholisch zu werden. Die Trennungen innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft könnten es unmöglich machen zu bleiben. “Wie kann die Kirche existieren, wenn ihre Bischöfe nicht in voller Gemeinschaft miteinander stehen?“ Konservative Erzbischöfe und Bischöfe haben die Verbin- dung zu ihren liberalen Amtskollegen abgebrochen, seit der Weihe des homosexuellen Gene Robinson zum Bischof der US-Episcopal Church.„Der Anglikanismus ist zum Witz geworden, weil er es eklatant versäumt hat, mit den umstrittenen Themen angemessen umzugehen“, sagt der Bischof, der zugleich auch Vorsitzender der Bewegung Forward in Faith Vorwärts im Glauben! FiF ist, [ein anglikanisch-katholisches Netzwerk von etwa 1.000 konservativen anglikanischen Priestern]. „Es gibt tiefe Meinungsverschiedenheiten in der anglikani- schen Gemeinschaft, schwerwiegende Themen trennen uns.
   Ich glaubte an die Kirche mit der ich verbunden bin, aber es ist nun offenbar geworden: sie hat keine eigene Lehre. Ich persönlich denke, wir haben den Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt, überschritten. Das anglikanische Experiment ist vorbei.“
  Auch der anglikanische Bischof von Beverley, Martyn Jarrett, ist der Auffassung, das Überleben der anglika- nischen Gemeinschaft stehe in Frage; sie hätte sich für traditionsbewusste Mitglieder zu dramatisch verän- dert. „Man beginnt, darüber nachzudenken, dass die anglikanische Lehre nicht mit ihrem Glauben über- einstimmt. Das Angebot des Vatikans ist bedeutend. Ich fühle große Dankbarkeit, dass die römisch- katholische Kirche über die Lage der konservativen Anglikaner nachdenkt.“  Auf der Priesterkonferenz der Bewegung Forward in Faith in Westminster herrschte ein Gefühl der Erleichterung, dass der Papst ihnen einen Fluchtweg anbietet. Fr. Ed Tomlinson, Pfarrer von St. Barnabas, Tunbridge Wells, sagte, er würde der Führung von Bischof Hind folgen: „Das Schiff des Anglikanismus scheint unterzugehen. Wir sollten für das Rettungsboot dankbar sein. Ich bin auf der Suche, nach Rom zu gehen. In der anglikanischen Gemeinschaft zu bleiben bedeutete Selbstmord.“ Hunderte konservative Priester könnten dem Exodus folgen. 
Chronicle091024JonathanWynneJones

Der anglikanische Bischof Michael Nazir-Ali tritt zurück  Ök-epNazir-Ali-Rochester-x

   Die Versuche konservativer Anglikaner, „eine Kirche innerhalb der Kirche” zu bilden, gehen weiter. Nach An- gaben der britischen Sonntagszeitung „The Sunday Telegraph” beriet der konservative Flügel der anglikani- schen Kirche bei einem Treffen in London über neue Strukturen ihrer Bewegung. Diese soll demnach eigene Bischöfe, Priester und Seminare bekommen. Dennoch bestreiten die konservativen Reformer, sich von der anglikanischen Weltgemeinschaft loslösen zu wollen. Sie fordern nach eigenen Angaben eine Erneuerung der Kirche von innen. In seiner Ansprache kritisierte der Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, einen Disziplin- verlust in der anglikanischen Kirche und rief zum Widerstand gegen liberale Tendenzen auf. Er bezeichnete die derzeitige Ausrichtung seiner Kirche als „wischi-waschi”. Die neue Bewegung sei notwendig, um die Ge- meinschaft „linientreu” zu halten. Nazir-Ali gehört zu den Anführern einer konservativen Bewegung von mehr als 300 Bischöfen, die aus Protest gegen eine zunehmende Liberalisierung ihrer Kirche die Lambeth-Konfe- renz im Sommer boykottiert hatten. Im Vorfeld dieses wichtigsten Beratungsgremiums der Anglikaner hatte sich der Streit um die Weihe von Homosexuellen und Frauen zu Bischöfen zugespitzt. Die Konferenz lehnte erneut eine Zulassung homosexueller Bischöfe und die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ab. Trotzdem schwelt der Streit weiter. In den USA brach laut einem Bericht der „New York Times” vom Wo- chenende die anglikanische Diözese Fort Worth in Texas mit der Episkopalkirche. Hintergrund des Schritts ist der Streit um Kirchenreformen und die Weihe eines bekennenden Homosexuellen zum Bischof im Jahr 2003. Das Bistum schloss sich laut Bericht der südamerikanischen Kirchenprovinz Southern Cone an. DT081118kna

   Der Bischof von Rochester will sein Amt aufgeben und künftig als Seelsorger für Christen arbeiten, die unter Druck stehen. Das berichtet die „Sunday Times“. Damit nimmt die Biographie von Bischof Michael Nazir-Ali von Rochester eine weitere, unerwartete Wendung.
   Der 59-jährige Nazir-Ali wurde in Pakistan geboren; sein Vater trat dort vom Islam zum Christentum über. Der als konservativ geltende Nazir-Ali hat die pakistanische und die britische Staatsbürgerschaft; er war der erste nicht-weiße Diözesanbischof in der anglikanischen „Church of England“. 2002 galt er als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Primas von Canterbury, doch dann wurde Rowan Williams statt seiner gewählt. Nazir-Ali scheut nicht die Polemik, vor allem was den Umgang mit dem Islam betrifft, und bekommt deswegen immer wieder mal Todesdrohungen – zuletzt, als er meinte, Teile Großbritanniens seien mittlerweile „no-go-areas“ für Nicht-Moslems geworden. Bekannt wurde auch sein Satz, Christen dürften nicht die Mission unter Moslems aufgeben. Die „Sunday Times“ glaubt, seine neue Arbeit – über die noch keine Details bekannt sind – gelte vor allem Christen in mehrheitlich islamischem Umfeld. Nazir-Ali wolle sich um die christliche Minderheit in Pakistan und im Nahen Osten kümmern, auch Bagdad sei eine mögliche Adresse für ihn in den nächsten Monaten. Doch werde der bisherige Bischof, der an den Universitäten von Karachi und Cambridge studierte, dabei sicher eine „Rolle in Großbritannien“ behalten wollen – in welcher Form auch immer. Der Rücktritt in Rochester ist für den 1. September terminiert.
   In seinen 15 Jahren als Bischof dort hat Nazir-Ali immer wieder vor einer „Säkularisierungs-Agenda“ im Westen gewarnt: „Krankenschwestern dürfen nicht beten, das Credo darf bei christlichen Feiern nicht gebetet werden, um keinen Nicht-Christen zu verletzen, christliche Adoptions-Agenturen bekommen kein Geld mehr vom Staat, weil sie glauben, dass Kinder am besten mit einem Vater und einer Mutter aufwachsen...“
   Seine deutlichen Worte gegen Homo-Ehe oder Multikulti gelten nicht nur der Gesellschaft, sondern auch seiner anglikanischen Gemeinschaft. Sie brachten ihn dort vor allem in Opposition zu Primas Williams und zu allen, die liberale Öffnungen für Homosexuelle und Frauen in der anglikanischen Weltgemeinschaft voran- treiben. Im letzten Sommer nahm Nazir-Ali in Jerusalem an einem inner-anglikanischen Dissidententreffen teil; doch nach Angaben der „Sunday Times“ bemüht er sich nicht um die Führerschaft des konservativen Flügels in seiner Kirche.
   Erzbischof Rowan Williams bedauert den Rücktritt Nazir-Alis in Rochester: „Das wird eine echte Lücke in den Reihen der englischen Bischöfe zurücklassen. Seine theologische Kompetenz, internationale Erfahrung und die Klarheit seines Denkens und Redens haben ihn zu einem wirklich wertvollen Kollegen gemacht.“ Nazir-Alis Dienst habe nicht nur der anglikanischen Gemeinschaft, sondern auch der Gesellschaft im Ganzen gegolten. Das wird allerdings wohl auch in Zukunft so sein. Williams verspricht seinem bisherigen Amtsbruder „Gebet und Unterstützung“ bei seiner neuen „und sehr herausfordernden Aufgabe“. Rv090401sundaytimes

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Anglikaner aus Afrika fordern mehr Einfluss Foto: Erzbschof Henry Orombi, Uganda

   Der anglikanische Erzbischof Henry Orombi von Uganda fordert eine tiefgreifende Strukturreform seiner Kirche. Er stellte kurz vor Ende der Lambeth-Konferenz in einem Gastkommentar in der Zeitung „The Times” die Autorität des geistlichen Oberhaupts der Anglikaner, des Erzbischofs von Canterbury, derzeit Rowan Williams, in Frage. Orombi nannte die Form der Ernennung des Erzbischofs von Canterbury falsch, auf die der britischen Premierminister Einfluss hat. Selbst der Papst werde aus der Mitte der Bischöfe gewählt, sagte Orombi. „In den vergangen fünf Jahren haben wir gesehen, wie sehr dies ein Relikt des alten britischen Kolonialismus ist, das uns nicht guttut." Orombi forderte eine Leitungsstruktur, die nicht nur auf eine Person beschränkt sei und die die nichtenglischen Kirchen stärke. Gleichzeitig betonte Orombi, dass er und andere konservative Kirchenführer keine Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft im Sinn hätten. Orombi warf Erz- bischof Rowan Williams vor, die bibeltreuen Kirchen verraten zu haben, indem er diejenigen amerikanischen Bischöfe zur Lambeth-Konferenz nach Canterbury eingeladen habe, die den offen homosexuell lebenden Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire geweiht hatten.  FAZkna080802

Henry Orombi: „Wir wollen endlich tun, was Jesus Christus will”. Der ugandische Erzbischof begründet,
warum er liberale Entwicklungen in der anglikanischen Gemeinschaft ablehnt

  Die tiefe Spaltung der anglikanischen Weltgemeinschaft ist spätestens seit der jüngsten Jerusalemer Konferenz Foto oben links des konservativen Kirchenflügels unübersehbar: Knapp 300 Bischöfe waren unter den Teilnehmern, die für sich beanspruchen, knapp die Hälfte aller 78 Millionen Anglikaner weltweit zu ver- treten. Sie bekundeten in der „Jerusalemer Erklärung” Unmut über liberale Entwicklungen in anglikanischen Gemeinschaft und kündigten den Ausbau eigener kirchlicher Strukturen an. Was Beobachter als den Anfang eines Schismas bezeichnen, nennt der anglikanische Erzbischof Henry Luke Orombi Foto oben rechts im Interview mit Gabi Fröhlich einen verheißungsvollen Neuanfang.
Erzbischof Orombi, spalten Sie die anglikanische Weltgemeinschaft?
   Wir sehen uns als eine neue Bewegung innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft. Bisher war unser konservativer Flügel in der Defensive - jetzt ist eindeutig zu erkennen, dass sehr viele Menschen frustriert und enttäuscht sind. Die „Jerusalemer Erklärung” ist ein Druckmittel, um die Welt verstehen zu lassen, dass wir uns austauschen und vorwärtsgehen. Es ist ja nicht so, dass die Liberalen in der Kirche überhaupt nicht verstünden, worum es uns geht. Aber früher waren wir für sie Missionsland - ihre Vorfahren sind vor 130 Jahren gekommen, haben uns die Frohe Botschaft verkündet, und wir haben sie angenommen. Die Großenkel unserer einstigen Missionare haben jedoch eine neue Richtung eingeschlagen. Können sie von uns erwarten, dass wir ihnen folgen? Die Antwort ist: nein. Meiner Meinung nach haben sie das Feuer, die Leidenschaft und die Sehnsucht verloren, die ihre Vorfahren antrieb. Wir haben das alles noch.
Sie haben bei der Jerusalemer Konferenz einen eigenen Bischofsrat gegründet.Was soll der konkret tun?
   Wir wollen uns jetzt endlich wieder auf unseren eigentlichen Auftrag besinnen: die Menschen aufzufordern, hinauszugehen, zu predigen, die Armen, Kranken und Bedürftigen zu besuchen - kurz: das zu tun, was Jesus Christus von uns will.
   In der „Jerusalemer Erklärung” wenden Sie sich nicht nur gegen praktizierte Homosexualität und die Weihe von bekennenden Homosexuellen zu Priestern. Sie beschwören auch die alte Tradition in der Sexualmoral: eheliche Treue, Enthaltsamkeit vor der Ehe und so weiter. Gerade in Afrika gibt es aber riesige Probleme in diesem Bereich.
   An Gott zu glauben, ist eine Frage der Entscheidung. Gott zwingt niemanden. Aber wenn jemand wirklich auf ihn hört, dann wird er zu einem Werk des Gehorsams. Wenn ich auf meiner Kanzel stehe, dann predige ich etwa über die Abstinenz. Jeden Samstag führe ich Hochzeiten durch, von zehn Uhr morgens bis nach sechs abends. Worüber spreche ich? Über die Treue, die ich von dir, Mann, erwarte, der du diese Frau heiratest und eine Familie gründest. Mein eigener Großvater hatte sechs Frauen. Mein Vater hatte „nur” noch zwei. Ich bin also selbst in einer polygamen Familie groß geworden und habe gesehen, was für eine Tragödie das bedeutet. Als mein Großvater alt wurde, hat er schließlich bei keiner seiner sechs Frauen gelebt. Ich weiß nicht, warum sie ihn alle rausgeworfen haben. Auch mein Vater hatte mit seinen zwei Frauen nie Frieden im Haus: Die beiden haben unentwegt gestritten. So habe ich als Junge schon die missliche Lage meines Vaters gesehen und mir geschworen, dass ich nur eine Frau haben würde. Und ich habe nur eine. In meiner Kirche stehe ich als einer, der den Menschen erklärt, was es heißt, eine echte, dauerhafte Beziehung zu haben. Das ist wirklich biblisch - und das ist es, was ich lehre. DTDT080705

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Schisma in Zeitlupe. Der Geist des Empire verweht. Die Weltgemeinschaft der Anglikaner
steht vor der Spaltung. Mehr als tausend Priester drohen mit dem Austritt.

 Die Allerseelenkirche im Londoner Innenstadtviertel Marylebone verdankt ihr Dasein vor allem dem Umstand, dass die Regent Street, die vor 180 Jahren entstandene Prachtstraße König Georgs IV., an dieser Stelle einen komischen Knick machen musste, um weiter nördlich den ebenfalls damals neu angelegten Regents-Park zu erreichen. In diesem neoklassischen Kirchenbau mit dem auffälligen ionischen Säulenturm hat jetzt die angli- kanische Weltgemeinschaft selbst einen Knick bekommen. In Zeitlupe, aber in unbarmherziger Entschlossen- heit vollzieht sich gegenwärtig ein Schisma, eine Kirchenspaltung unter den Anglikanern. Es treibt die Gläubigen im englischen Mutterland auseinander und trennt zugleich die Bänder zwischen der „Mutterkirche” - der in der Regierungszeit König Heinrichs VIII. entstandenen Church of England - und den anglikanischen Kirchen in den Ländern des ehemaligen Empires und in Nordamerika.
   Die Gewalt der Teilung speist sich aus vielen Motiven, sie bündeln sich in einem Ringen spirituell- konservativer Kirchenführer (vor allem die afrikanischen Anglikaner, aber auch Lateinamerikaner zählen dazu) mit den eher liberal-progressiven Bischöfen der nördlichen Hemisphäre, also vor allem Englands und Nord- amerikas. Die Anlässe des Streites reichen von der Rolle Homosexueller in der Kirche über die Anfechtung der Führungsrolle des Erzbischofs von Canterbury bis hin zu Differenzen über aktive Missionierung und über das Verhältnis zu anderen Religionen.
   Die Unruhe hat einen ungeahnten Verbreitungs- und Beschleunigungseffekt gewonnen durch die Wahl und Weihe des ersten homosexuellen Bischofs in der amerikanischen Episkopalkirche. Die Bestimmung von Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire weckte Vor vier Jahren den Widerstand anglikanischer Kirchen im Süden der Welt, der sie schließlich erst zu einer Konferenz nach Jerusalem, und nun nach London führte.Die Anglikaner aus Uganda, Nigeria oder Australien gründeten unterwegs einen Zusammenschluss namens „Foca” - der Begriff kürzt den Namen „Gemeinschaft bekennender Anglikaner” ab - und formulierten eine „Jerusa- lemer Erklärung”. Darin sagen sie sich faktisch von der Autorität des Erzbischofs von Canterbury los, der anders als der Papst in der katholischen Kirche zwar keine formelle, aber doch eine gewohnheitsrechtliche Rolle als spiritueller Anführer der anglikanischen Gemeinschaft hat - über seine Funktion des geistigen Ober- haupts der Church of England hinaus. In der Erklärung stellen die „Abtrünnigen” fest: Während wir die historische Rolle des Bischofssitzes von Canterbury anerkennen, sind wir nicht bereit, anzuerkennen, dass die Identität der Anglikaner allein durch die Beglaubigung des Erzbischofs von Canter- bury bestimmt werden kann.
   Nach der anglikanischen Tradition ist genau dies aber bislang der Fall gewesen. Obwohl schriftliche Weisungs- und Unterordnungsregeln innerhalb der Kirche fehlten, hatte doch jede einzelne anglikanische Gliedkirche sich in Übereinstimmung mit Kirchenrecht und Glaubensregeln der Zentrale in Canterbury zu be- finden, wollte sie sich als Teil der Gemeinschaft fühlen. Die Ausdehnung der Anglikaner auf der Welt fiel im 18. /19. Jahrhundert zusammen mit der Expansion des britischen Empire. Heute zählen knapp 80 Millionen Gläubige zur anglikanischen Gemeinschaft, die Hälfte davon gehört der Church of England an. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte der Erzbischof von Canterbury die einmal im Jahrzehnt stattfindende „Lambeth- Konferenz (benannt nach dem Londoner Stadtteil, in dem der Palast des Kirchenoberhauptes liegt) als ein informelles Konzil, um die Einheit der Gliedkirchen sicherzustellen. Die nächste dieser Zehnjahreskonferenzen fand jetzt in Canterbury. Mehr als 200 Bischöfe aus den Kirchen der südlichen Hemisphäre hatten vorab angekündigt, sie würden nicht erscheinen - die meisten von ihnen waren hingegen dem Aufruf der „Foca” gefolgt und nach Jerusalem gereist.
 Die Abordnung der Foca-Traditionalisten, die nun in London Station machte, umfasste unter anderen den Erz- bischof von Uganda, Orombi, den Erzbischof von Sydney, Jensen, und den Erzbischof „des südlichen Horns”, der Länder Lateinamerikas also, Venables. Alle drei bestritten, bei einem Auftritt in der Allerseelen-Kirche, dass sie die Anführer einer Spaltung seien. Sie wollten sich vielmehr als Bewahrer der richtigen, der ursprüng- lichen anglikanischen Kommunion verstanden sehen. Der ugandische Bischof Orombi sagte in vermeintlich naiver Freude, seine Kirche sei ja ein Missionskind der Kirche von England. Viele seiner Landsleute hätten seit 150 Jahren ihren eigenen Glauben aufgegeben und seien dem neuen Evangelium gefolgt. Nun komme er mit diesem Evangelium „ins Mutterland zurück”. Für Rowan Williams, den gegenwärtigen Erzbischof von Canter- bury, bedeuten diese Ereignisse gleich eine doppelte existenzielle Bedrohung. Er saß bislang schon mit seinem Bemühen, die Kirche in den gesellschaftlichen Schlachten zwischen Progressiven und Konservativen auf einem Mittelweg zu halten, zwischen beiden Lagern. Während er den homosexuellen Bischof Robinson gar nicht erst einlud zur Lambeth-Konferenz, sagten die Traditionalisten unaufgefordert ab. Und während nun Foca, der rasch entstandene Zusammenschluss der Traditionalisten, den weltweiten geistigen Führungs- anspruch des Bischofssitzes von Canterbury faktisch gebrochen hat, sieht sich Williams zusätzlich durch die- ses Beispiel des Aufbegehrens zugleich zu Hause, in seiner eigenen Kirche, in der Führungsrolle heraus- gefordert.1.300 englische Priester, unter ihnen elf Bischöfe, haben in einem Brief an Williams ihren Austritt aus der Kirche angedroht, falls es in der Church of England zur Ordination weiblicher Bischöfe kommt. Im Grundsatz ist dieser Schritt schon beschlossen, eine Synode der englischen Anglikaner fasste noch einige Tage vor der internationalen Lambeth-Konferenz einen ausdrücklichen Beschluss dazu. Weibliche Priester sind bei den englischen Anglikanern seit Jahrzehnten zugelasssen - 1.300 Priesterinnen haben sich auch in einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und vor der Diskriminierung von Frauen in der Kirche gewarnt.
   Der Erzbischof von Canterbury sieht sich demnach von allen Seiten bedrängt und eingeklemmt. Vorerst hat er den Foca-Bischöfen die Autorität bestritten, seine eigene Autorität anzuzweifeln. Doch als Orombi, Venables und Jensen am Montag in London eintrafen, da warteten nicht die angemeldeten 400, sondern vielleicht 1.000 englische Kleriker auf sie, um zu erfahren, wie sie die Bewegung der Traditionalisten auch auf englischem Boden fortführen könnten. Der australische Bischof Jensen orakelte in der Krypta der Allerseelen- Kirche, etwas Großes, etwas Spirituelles entstehe gegenwärtig in der Gemeinschaft der Anglikaner, ohne dass er sagen könne, was. Sicher ist allenfalls, dass der Geist des Empire, in dem vor 180 Jahren Allerseelen in der Regent-Street errichtet wurde, nun auch bei den Anglikanern verweht. FAZJohannesLeithäuser080702

Ök-amglGeneralsynode-xx

 Konservative Anglikaner hoffen auf Rom. Wegen Frauen im Bischofsamt
wollen einzelne Gemeinden von katholischen Bischöfen betreut werden - Spaltung weiter möglich

   Eine umstrittene Entscheidung hat die Generalsynode Foto oben der anglikanischen Kirche von England und Wales getroffen: Sie will Frauen zum Bischofsamt zulassen.
   Nach der umstrittenen Öffnung der anglikanischen Kirche von England für Frauen im Bischofsamt hoffen Gegner dieser Entscheidung auf Hilfe aus Rom. Der Bischof von Ebbsfleet, Andrew Burnham, habe Papst Benedikt XVI. um eine „großzügige Geste” gebeten, wonach anglikanische Gemeinden künftig von katholi- schen Bischöfen betreut werden könnten, berichteten britische Medien. Der Bischof habe schon entspre- chende Gespräche mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, und dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, geführt, hieß es. Burnham gehört zu den sogenannten fliegenden Bischöfen, die Gemeinden betreuen, die keine Frauen im Priesteramt akzeptieren wollen. Nach der Öffnung der anglikanischen Kirche in England und Wales 1992 für Frauen im Priesteramt waren bereits mehrere hundert anglikanische Geistliche zur römisch-katholischen Kirche konvertiert. Viele anglokatholische Gemeinden folgen schon jetzt der römischen Liturgie.
   Wie das Verhältnis der verschiedenen Flügel in der anglikanischen Kirche in England verteilt ist, illustriert das Abstimmungsergebnis auf der Generalsynode in der strittigen Frage der Bischofsordination. 28 Bischöfe, 124 Priester und 111 Laien votierten dafür, zwölf Bischöfe, 44 Priester und 68 Laien sprachen sich dagegen aus - bei insgesamt sieben Enthaltungen.
   Die Meldungen über den Kontakt von anglikanischen Konservativen mit dem Vatikan heizten nun Spekula- tionen über eine Spaltung der anglikanischen Kirche zusätzlich an. Nach Angaben des Londoner Synoden- mitglieds David Houlding wolle die Mehrheit der Konservativen jedoch innerhalb der Gemeinschaft bleiben und weiter gegen die Zulassung von Frauen zum Episkopat kämpfen. Sie hofften nach den Neuwahlen 2010 auf eine konservative Mehrheit in der Generalsynode.
   Der Vatikan hatte die Entscheidung der Generalsynode von York für die Zulassung von Bischöfinnen als „Bruch mit der apostolischen Tradition” und „neues Hindernis” für die Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und der anglikanischen Kirche von England bezeichnet. Deshalb hat nun auch Kurienkardinal Kasper beschlossen, an der „Lambeth-Konferenz” in Canterbury teilzunehmen, dem wichtigsten Entscheidungs- gremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, um die katholische Position darzustellen. Nach Angaben der anglikanischen Gemeinschaft wird auch der indische Kurienkardinal Ivan Dias, Präfekt der vatikanischen Missionskongregation, als einer von rund 75 ökumenischen Beobachtern nach Canterbury reisen.
   Traditionalisten in der Kirche von England warnten indessen im Vorfeld dieser Konferenz vor einer Kata- strophe für den Ehrenprimas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams. Nach dem „Kirchenchaos” um „Schwulenhochzeiten” und Bischöfinnen werde Williams „keine Autorität” haben, sagte Synodenmitglied Houlding.
   Unterstützung hat der Ehrenprimas dagegen vom Erzbischof von York, John Sentamu, erhalten. Williams dürfe nicht zum Prügelknaben für Probleme der Kirche gemacht werden. Die Angriffe gegen ihn seien ungerechtfertigt und spiegelten nicht seine Persönlichkeit wieder. Sentamu rief die Gläubigen auf, vor lauter Kirchenpolitik nicht die wahren Probleme der Welt aus den Augen zu verlieren. DT080710

 Reverend Stephen Seamer    Ök-RevStephenSeamer-x

„Es geht nicht um Rechte oder Gerechtigkeit”. Der anglikanische Reverend Stephen Seamer
bedauert die Entscheidung der Kirche von England, Bischöfinnen zu weihen

  Reverend Stephen Seamer leitet seit 2007 die anglikanische Christ-Church-Gemeinde in Düsseldorf. Regina Einig fragte ihn zu seiner Einschätzung der jüngsten Entscheidung der Kirche von England, Frauen zu Bischöfinnen zu weihen.
Wie wird sich die Entscheidung der Kirche von England, Frauen zu Bischof innen zu weihen,
auf die Ökumene auswirken?

   Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst. Aus Rom war zu hören, dass die ökumenischen Beziehungen der Anglikaner zur römisch-katholischen Kirche nun komplizierter werden. Diese römische Einschätzung trifft aus meiner Sicht zu. Auch wenn einige protestantische Kirchen diese Entscheidung begrüßen, räumt das Sorgen innerhalb der Kirche von England nicht einfach beiseite. Die Entscheidung ist nämlich lediglich eine Hilfe, etwas einzuführen. Es gibt keine Klauseln, wie mit Anglikanern verfahren wird, die diese Entscheidung aus theologischen und biblischen Gründen nicht akzeptieren. Bei der Frage, ob Frauen die Bischofsweihe gespen- det werden darf, geht es nicht um Rechte oder Gerechtigkeit.
  Hier geht es um Gottes Wort, um Führung und Autorität. Ich erwähne das hier nicht, um Frauen abzuwerten, sondern weil ich katholische Freunde habe, die es gerne sähen, wenn die römisch-katholische Kirche einen ähnlichen Kurs ansteuern würde.
Welche theologischen und biblischen Argumente sprechen gegen die Ordination von Frauen?
   Die Heilige Schrift lässt an der Führungsrolle des Mannes in der Familie und in der Kirche als der Familie Gottes keine stichhaltigen Zweifel zu. Frauen als Bischöfinnen sind ein Widerspruch zu den Plänen Gottes. Die Schwierigkeiten in der Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten und anderswo zeigen das Elend, das ent- steht, wenn die Menschen Gottes Plänen zuwiderhandeln.
Was bedeutet die Entscheidung für die anglikanische Kirche?
   Die Autorität und die Führungsriege der anglikanischen Kirche verlagern sich immer mehr in Richtung des sogenannten globalisierten Südens, also zu den Diözesen in Lateinamerika und Afrika, in denen die Mehrzahl der anglikanischen Christen lebt. Die Jerusalemer Erklärung geht im wesentlichen auf sie zurück, denn sie treibt die Sorge, dass die überlieferte christliche Lehre nicht in Vergessenheit gerät.
Ist die Führungskrise in der Kirche von England auch die Folge der vernachlässigten Disziplin gegenüber liberalen Dissidenten?
  Jeder, der Erzbischof Rowan Williams persönlich begegnet, erlebt einen vorsichtigen und liebenswürdigen Menschen. Ich richte mich hier nicht gegen meinen Erzbischof, allerdings habe ich die Sorge, dass er durch Konsens führen will. Er will jeden mitnehmen - und dieser Stil greift nicht. Dafür ist die Situation in der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft seit der Weihe des homosexuellen Bischofs Gene Robinson zu ernst. Wir brauchen eine Führung mit mehr Klarheit, Disziplin und Überzeugung.
Welche Konsequenzen kommen auf die Anglikaner zu?
Manche werden zu den Anglokatholiken oder zu den Evangelikalen übertreten. Beide verzeichnen wachsende Mitgliederzahlen, weil sie einen orthodoxen Glauben haben und die Bibel ernst nehmen. Junge engagierte Gläubige um die 20 oder 30 werden sich sehr genau überlegen, ob sie einen geistlichen Beruf in der anglikanischen Kirche ergreifen. Ich habe Kinder in den Zwanzigern. Sie müssen sorgfältig abwägen, wenn sie Gottes Ruf zu einem geistlichen Beruf in der Kirche spüren. Tkna080710sei

aepPeterAkinolaNIGx  Erzbischof Peter Akinola, Nigeria

Konservative rufen Liberale zu Umkehr auf. Streit um Homosexuelle:
Anglikaner unterstreichen in Jerusalem die Autorität der Heiligen Schrift

  Mit einem Aufruf an liberale Anglikaner zur Rückkehr zur „wahren Lehre” ist in Jerusalem die Globale Anglika- nische Zukunfts-Konferenz GAFCON eröffnet worden. In seiner von mehr als tausend Teilnehmern bejubelten Eröffnungsrede forderte der nigerianische Primas, Erzbischof Peter Akinola, die Befürworter der Priesterweihe bekennender Homosexueller auf, die „Autorität der Heiligen Schrift” anzuerkennen. Diese bezeichne gleich- geschlechtliche Beziehungen klar als Sünde. Die anglikanische Weltgemeinschaft mit ihren gut 78 Millionen Mitgliedern ist von Spaltung bedroht. Die Spannungen zwischen eher liberalen Kirchenprovinzen in den Vereinigten Staaten und Europa und den eher traditionell eingestellten Provinzen auf der Südhalbkugel sind immer mehr gewachsen, seit 2003 der bekennende Homosexuelle Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire ernannt wurde. Auch in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien sagten sich einzelne Bischöfe und Priester von den liberalen Strömungen in ihrem Umfeld los und schlossen sich dem afrikanisch geführten konservativen Flügel an.
   Die in Jerusalem zusammengekommenen konservativen Anglikaner seien nicht schuld an der offensicht- lichen Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft, sagte Akinola, der in seiner Rede immer wieder von Applaus und „Amen”-Rufen unterbrochen wurde. Vielmehr habe der liberale Flügel durch seine modernistische Linie die Einheit aufgekündigt und zerstöre die anglikanische Identität und Zukunft: „Wir können nicht erlauben, dass Millionen Gläubige, die wir repräsentieren, in einen religiösen und spirituellen Kerker geführt werden.” Modernen „Plagen wie  Homosexualität,  Vergewaltigung und Kindesmissbrauch” müsse durch pastorale Strategien begegnet werden, forderte der Nigerianer.
   An dem Treffen in Jerusalem nehmen nach Angaben der Organisatoren mehr als dreihundert Bischöfe teil, vor allem aus Afrika und Nordamerika. Es ist eine inoffizielle Konkurrenz-Veranstaltung zur Lambeth-Konfe- renz, dem höchsten Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, das alle zehn Jahre tagt. Viele der bei GAFCON vertretenen Bischöfe haben angekündigt, die Lambeth-Konferenz „aus Gewissensgründen” zu boykottieren. Dennoch wird damit gerechnet, dass das Jerusalemer Treffen die Weichen für die Ent- scheidungen konservativer Mitglieder des Bischofsgremiums stellen wird. Vergangene Woche hatten konser- vative anglikanische Kirchenführer in einem Dokument namens „Der Weg, die Wahrheit und das Leben” de facto eine Abspaltung von dem liberalen Flügel angekündigt. Die Kirche befinde sich in der tiefsten Krise seit der Reformation, hieß es dort. Akinola warf dem Ehrenprimas der Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, fehlende Führungsqualitäten vor. Er habe es versäumt, die Episkopalkirche der Ver- einigten Staaten für die Ernennung eines Homosexuellen zu disziplinieren und der anglikanischen Gemein- schaft damit eine „verheerende Wunde” zugefügt.
  Die GAFCON wird sich laut Akinola mit der Frage befassen, ob die Einheit der Kirche noch zu retten sei, da sich ein „beträchtlicher Teil” der anglikanischen Weltgemeinschaft im „Irrtum” befinde und nicht wenige „abtrünnig” seien. Zu den Bischöfen, die die Lambeth-Konferenz boykottieren wollen, gehört auch der brit- sche Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali. Der Vertreter des konservativen Lagers war 2002 dem Liberalen Williams bei der Ernennung zum Erzbischof von Canterbury unterlegen. „Ich hätte ihn gerne als Erzbischof von Canterbury gesehen”, wird der Erzbischof von Uganda, Henry Orombi, im britischen „Daily Telegraph” zitiert.
   Beobachtern zufolge könnten die Ergebnisse der GAFCON zu einer Spaltung der anglikanischen Welt- gemeinschaft führen. Die Organisatoren der Konferenz weisen dies bislang zurück. „Wir können nirgendwo anders hingehen, und wir haben nicht die Absicht, eine neue Kirche zu gründen”, so Akinola. DT080626KNA

Ök-anglLambCf-xx KatherineJeffertsSchori

Ultimatum in letzter Minute - Die Anglikaner kommen in Tansania noch einmal ohne Spaltung davon.
Foto rechts: anglikanische Bischöfin Katharine Jefferts
Foto links: anglikanische Bischöfe auf der Lambeth-Konferenz 2008

   Nach der Konferenz der anglikanischen Weltgemeinschaft in Daressalam berichteten Sprecher im Strand- hotel vor die Presse von einem neuen Ultimatum zur Vermeidung der endgültigen Spaltung der Anglikaner. Von Beginn an ging es an Jangwani Beach wenig geschwisterlich zu. Die Konservativen vor allem aus afrika- nischen Nationalkirchen weigerten sich, mit der Leitenden Bischöfin der liberalen nordamerikanischen Kirche, Katharine Jefferts Schori, das Abendmahl zu feiern und ebenso mit ihrem Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, der die umstrittene Kirchenführerin nach Tansania eingeladen hatte: Schon die Existenz von Bischöfinnen, erst recht einer Leitenden, ist für die Gruppierung des „Global South”, der für sich reklamiert, die Hälfte der gut 78 Millionen Anglikaner weltweit zu repräsentieren, ein Verstoß gegen biblische Lehre.
   Die gemeinsame Abschlusserklärung enthält ein scharfes Ultimatum an die nordamerikanischen Liberalen, die endgültige Abkehr von ihrem Kurs zum Thema Homosexualität unter Beweis zu stellen: keine Bischofs- weihen mehr für Homosexuelle und keine Segnungsriten für gleichgeschlechtliche Paare. Ansonsten droht eine Nicht-Einladung zur Lambeth-Konferenz. Wie nun die nordamerikanischen Bischöfe mit diesem Ultimatum umgehen, konnte auch Williams nicht sagen. „Es ist ein Experiment”, sagte er: „Betet dafür.” Bislang freilich hat die nordamerikanischen Kirchenführung nur halbherzig auf die tumultartigen Proteste aus Übersee reagiert.
   Der Drahtseilakt wird noch dadurch erschwert, dass der Wortführer der Konservativen, Primas Peter Akinola aus Nigeria, nun eine Art Aufseher in den Vereinigten Staaten eingesetzt hat. Martyn Minns, ein konservativer nordamerikanischer Geistlicher aus Virginia, soll als Bischof der nigerianischen Anglikaner jene Pfarreien in den Vereinigten Staaten betreuen, die nicht unter liberaler Leitung stehen wollen. Ein klarer Verstoß gegen das Territorialprinzip der Nationalkirchen. DTkna070222

KatherineJefferts-xx

Nordamerika: Streit bei Anglikanern spitzt sich zu

   Der Streit bei den nordamerikanischen Anglikanern geht weiter. Die Leitende Bischöfin der Episkopalkirche, Katharine Jefferts Schori Foto oben Mitte, erklärte die Bischofswahl eines konservativen Amtsbruders für „null und nichtig”, wie die amerikanische Presse jetzt berichtete. Reverend Mark Lawrence war im September zum 14. Bischof der Diözese von South Carolina gewählt worden. Er erkennt wie das gesamte Bistum die Autorität Jefferts Schoris wegen ihrer liberalen theologischen Haltung nicht an. Im Dezember leitete die Diözese erste Schritte zu einer formalen Abspaltung von der Episkopalkirche ein. Jefferts Schori teilte Lawrence nun mit, dass einige Gemeinden South Carolinas nur mit formalen und „kanonischen Mängeln” an der Wahl von Lawrence teilgenommen hätten. Damit sei kein formaler Konsens erreicht worden. Zugleich ordnete sie eine Neuwahl an. Der liberale Kurs der nordamerikanischen Kirche hat auch die anglikanische Weltgemeinschaft mit ihren gut 78 Millionen Mitgliedern an den Rand einer Spaltung gebracht. DTkna070320CT070304

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Anita Henderson, Ehefrau eines anglikanischen Bischofs wurde katholisch
Foto Mitte: anglikanische Kathedrale von Tuam, Foto rechts: Bischof Richard Henderson,
Foto links: Bischof Henderson mit dem katholischen Bischof von Kilala John Fleming

  Bischof Richard Henderson von Tuam, Killala und Achonry unterstütze den Schritt seiner Frau, teilte die angli- kanische Diözese auf ihrer Website mit. Er habe auch mit der ganzen Familie dem Gottesdienst beigewohnt, bei dem die Konversion vollzogen wurde. Anita Henderson wurde als Tochter eines Priesters der Kirche von Irland in Cork geboren. Familie Henderson hat zwei Töchter und einen Sohn.
   Im Anschluss veröffentlichte Bischof Henderson gemeinsam mit dem katholischen Bischof von Killala, John Fleming, eine Erklärung, in der sie auf die Religionsfreiheit verweisen. Darin heißt es, die Gewissensent- scheidung der Frau verdiene Respekt. Gute Wünsche, Gebet und Segen beider Bischöfe würden sie künftig begleiten. Die Bischöfe betonen, die Zeit, in der die Entscheidung Anita Hendersons reifte, sei eine Zeit “beispielloser Freundschaft und Zusammenarbeit” gewesen. Die Gemeinden seien sich bewusst geworden, “wie viel wir gemeinsam haben und wie unverwechselbar die unterschiedlichen Traditionen gleichzeitig bleiben”. In diesen Zeiten sei es ein positives Zeichen, wenn sich jemand so intensiv auf die Suche nach seiner spirituellen Heimat mache. kap0710 
   Anita Henderson kommentiert ihre Entscheidung: “Dies ist der Höhepunkt einer langen Reise des geist- lichen Suchens. Ich bin sicher, dass Gott mich auf diesen Weg gerufen hat”. Frau Henderson setzte sich mit ihrem Mann  stark für die ökumenischen Beziehungen zur irischen katholischen Kirche ein. Ihre Freunde berichten, dass sie öfter an geistlichen Besinnungstagen amerikanischer Mönche in Holy Hill Heritage in Skreen, Co. Sligo; teilgenommen hat. Anita Henderson unterstütze den Gottesdienst in der anglikanischen St. Patrick-Kathedrale in Killala, wo sie das Amt einer Lektorin übernommen hatte. Bischof Hendersen ist ein hoch- gebildeter Mann der Kirche von Irland, ein exzellenter Prediger und geistlicher Führer.

epJeffreySteensonRioGr     epDanHerzogAlbany     KatherineJeffertsSchori

   Dies ist nun bereits der zweite prominente Übertritt von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche in einem Monat. Auch der Bischof Jeffrey Steenson Foto oben links von der protestantischen Episcopal- Krche ging diesen Weg. Sie stehen in der geschichtlichen Tradition von englischen bekannten Persön- lichkeiten wie den Seligen John Henry Kardinal Newman, die Heilige Elizabeth Seton, Msgr. R.R.Benson, Msgr. Ronald Know, Pfarrer Gerard Manley Hopkins, Pfarrer Motague Summers, G. K. Chesterton und Evelyn Waugh.
   Der Grund für den Schritt: „Ich merke, dass mich die Verpflichtungen meines Amtes in der Episkopalkirche an einen Platz abseits von Schrift und Tradition führen.”  Der US-anglikanische Bischof Jeffrey N. Steenson hat jetzt seine Heimkehr zur katholischen Kirche bekannt gemacht. Das berichtete die konservative anglikanische Vereinigung ‘Living Church Foundation’. Steenson gehört zum konservativen Richtung der Episkopalkirche – wie sich die US-Anglikaner offiziell nennen. Er ist seit 2005 Bischof der anglikanischen Diözese Rio Grande im südlichen US-Bundesstaat New Mexiko.
   Seine Konversion kündigte Steenson in einem Schreiben an die Pfarrer an. Darin lud er diese auch zusam- men mit der Vorsitzenden der US-anglikanischen Bischofskonferenz, Frau Katharine Jefferts Schori Foto oben rechts, zu einer Konferenz ein. Danach werden die Gläubigen seiner Diözese brieflich informiert.
  Manchen erscheine seine Konversion als unverständlich, anderen als unloyal – erklärte Steenson im Ge- spräch mit der  ‘Living Church Foundation’: „Ich glaube, dass der Herr mich nun in diese Richtung ruft.” Für Steenson ist es wichtig, die anglikanische Gemeinschaft in Übereinstimmung mit den geltenden Regulie- rungen zu verlassen. Darum hat er seine Vorgesetzte, Frau Schori, um Rat und Gebet angefragt. Ende des Jahres wird er beim ‘House of Bishops’ den Rücktritt einreichen. Bis dahin möchte er von seinen Gelübden als Bischof der Episkopalkirche entpflichtet sein. Die Entscheidung zur Konversion begründet Steenson mit dem Treffen der US-anglikanischen Bischöfe – dem ‘House of Bishops’ – im März.
  Dieses Treffen war für ihn eine „zutiefst beunruhigende Erfahrung”. Dabei ging es um das Kirchen-Verständ- nis der Episkopalkirche. Die Mehrheit der US-anglikanischen Bischöfe betrachte die Episkopalkirche als unab- hängige Ortskirche, die nur über eine freiwillige Bindung in Kontakt mit der weltweiten anglikanischen Ge- meinschaft stehe, bedauert Steenson: „Das ist nicht die katholische Lehre der Kirche und wird zu vielen be- dauerlichen Konsequenzen führen.”Er habe die Kirche, wie sie diese Bischofsversammlung beschrieben hat, nicht wiedererkannt. In einer Stellungnahme für das ‘House of Bishops’ erklärt Steenson sein bedrücktes Ge- wissen: „Ich merke, dass mich die Verpflichtungen meines Amtes in der Episkopalkirche an einen Platz abseits von Schrift und Tradition führen.”
   Im Januar konvertierte der anglikanische Bischof der Diözese Albany im US-Bundesstaat New York, Dan Herzog Foto oben Mitte gemeinsam mit seiner Frau. Der Weg nach Rom von Bischof Herzog bedeutet, dass er sein Amt als Bischof, Priester und Diakon niederlegen muss. In seinem Brief drückt er seine Gefühle zu dieser Entscheidung aus: “Mich erfüllte ein freudiges Gefühl der Zufriedenheit, in Einheit mit dem Amt des heiligen Petrus und der universalen Kirche zu stehen. Aber ich spüre auch ein Gefühl der Trauer darüber, die be- sondere Beziehung zu verlieren zum Klerus und den führenden Laien die Christus dienen in der Episkopal- kirche von Albany und der anglikanischen Gemeinschaft.
   Der anglikanische Bischof von Fort Worth im südlichen US-Bundesstaat Texas trat im August 2007 zur katholischen Kirche über.

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Erzbischof Vincent Nichols von Birmingham spendete Vater und Sohn nach der Konversion zur katholischen Kirche die Priesterweihe: Ron Cosslett rechts im Bild und Dominic Cosslett links.

   Father Dominic Cosslett, 36, wird eine Aufgabe in derselben Diözese wie sein Vater, Father Ron Coslett, 70, übernehmen. Die Priesterweihe fand statt in der Christkönigskirche in Coventry. Der Vater erhielt die Weihe schon im Jahre 2005. Jetzt ist er Priester an der St.Josephs-Kirche in Darlaston, West Midlands Foto rechts.
   Erzbischof Nichols eröffnete mit bewegten Worten die Weihehandlung: „Dies ist eine einzigartiger großer Tag im Leben unserer Diözese. Beide, Vater und Sohn, werden nach der Weihe der Kirche als katholische Priester dienen.“ Mehr als 60 Priester waren bei der feierlichen Konzelebration mit dem Erzbischof anwesend. Beim Friedensgruß umarmte der Sohn den Vater sehr herzlich. In die Textbroschüren für die Gläubigen schrieb Fr. Dominic diese Botschaft: „Besonders möchte ich meinen Eltern und meiner Familie danken für die liebende Unterstützung, die sie mir in diesen Jahren gegeben haben. Ihr starker Glaube war für mich beispielhaft. Auch möchte ich meinen Freunden danken für ihre offene und freundliche Ermutigung.“
  Nach der Liturgie ergriff seine älter Schwester Vaness Jones das Wort – sie arbeitet als Krankenschwester auf der Intensivstation des Allgemeinkrankenhauses in Southampton: „Ich fühle mich geehrt und beschenkt dass mein Vater und mein Bruder Priester der katholischen Kirche sind und danke Gott, dass er unsere Familie begnadet hat, katholisch zu werden.“
   Der Regens des Priesterseminars in Oscott sagte: „Dominic war nur 18 Monate bei uns. Wir werden ihn vermissen und wünschen ihm Gottes Segen für die Zukunft. Dies ist die zehnte Priesterweihe in diesem Jahr – es war ein gutes Jahr für unser Seminar.“
   Father Dominic übernimmt die Stelle als Kaplan an der St.Georgs-Gemeinde in Worcester. Er ist nicht verheiratet. Er fühlt sich von jungen Jahren an zum Zölibat berufen. Seine Mutter konvertierte schon fünf Jahre zuvor – zugleich mit seinem Vater. Ein Jahr später folgten auf diesen Weg auch seine Schwester mit ihren Kindern. Die Primizmesse feierte der Neupriester zusammen mit seinem Vater. „Wir beide gehörten zur katholischen Traditon der anglikanischen Gemeinschaft“, meint Fr. Dominic.  Ähnlich wie viele in dieser angli- kanischen Tradition haben wir immer gefühlt, dass wie katholische Kirche der Fels ist, von dem wir abge- schlagen waren. Es war immer ein Teil unserer Reise und unseres Glaubens: die Einheit mit Rom zu suchen. Schließlich kamen wir zu dem Punkt, wo wir fühlten, dass wir unser Verständnis der katholischen Tradition nicht in der anglikanischen Gemeinschaft leben konnten. Es wurde Zeit für uns, nach Hause zu gehen.“
   Auf die Frage, ob er meint, dass katholische Priester heiraten sollten, meint Fr. Dominic: „Das ist nicht meine Entscheidung. Die Lehre der Kirche ist klar. Der heilige Vater hat großzügig erlaubt, dass ehemals anglika- nische Priester, die verheiratet sind, die Priesterweihe empfangen dürfen. Die Lehre ist bekannt – und es steht mir nicht zu, diese zu kommentieren. Katholisch zu werden ist nicht in der Unzufriedenheit mit der anglikanischen Gemeinschaft zu begründen – entscheidend ist der Einsatz für die kathlische Kirche. Ich bin außerordentlich dankbar in diesen Tagen. Und ich erkenne, dass es noch etwas anderes in der katholischen Kirche gibt. Das hat sehr stark meine Entscheidung beeinflusst.“ CT090111JamesHastings

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 Anglikanischer Primas pilgert nach Lourdes
Fotos v.l.n.r.: Kardinal Walter Kasper, Lourdes, Primas Rowan Williams, Canterbury

   Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hat den Marienwallfahrtsort Lourdes besucht. Williams hat an einem Gottesdienst mit dem vatikanischen Ökumeneminister Kardinal Walter Kasper teilgenommen und eine geistliche Ansprache gehalten. Anlass der Reise des anglikanischen Primas ist die 150-Jahr-Feier der Marien- erscheinungen. Seit mehreren Jahren finden jährlich katholisch-anglikanische Pilgerfahrten nach Lourdes statt. – Am 16. Mai 2005 gaben die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Gemeinschaft eine gemeinsame Erklärung über die Rolle der Jungfrau Maria im Christentum heraus. > Siehe ausführlichen Bericht unten auf dieser Seite! rv080920mg

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Kardinal Walter Kasper begleitet Erzbischof Rowan Williams auf der Wallfahrt nach  Lourdes

   Anglikanische Priester und Gläubige haben den Besuch des Erzbischofs von Canterbury in Lourdes kritisiert. Ein anglikanischer Erzbischof dürfe keine Marionette des Papstes sein. So bezeichnete die Gruppe Protestant Truth Society die Teilnahme Williams an dem ökumenischen Gottesdienst als „Verleumdung der protestan- tischen Orthodoxie”. Williams hatte auf Einladung des päpstlichen „Ökumeneministers”, Kardinal Walter Kasper, an der gemeinsamen Messe in Lourdes teilgenommen. Neben weiteren Bischöfen und Geistlichen waren auch hunderte anglikanische und katholische Gläubige dem Gottesdienst gefolgt. In seiner Predigt hatte Erzbischof Williams die Heilige Bernadette als beispielhafte Gläubige hervorgehoben. RVcns080926ad

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Foto: Walter Kardinal Kasper mit dem anglikanischen Primas Rowan Williams in Lourdes
bei der Krankensegnung. Hier bringen wir die  Predigt des Erzbischofs von Canterbury:

   In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib Lk 1,44. Maria, die Jesus in ihrem Leib trägt,  kommt, um Elisabet zu besuchen. Der Sohn Gottes ist noch unsichtbar und noch nicht geboren; selbst Elisabet weiß noch nichts davon. Doch nun erkennt Elisabet, dass Maria die Hoffnung und die Sehnsucht aller Völker trägt und Leben bewegt sich tief im Innern ihres Leibes. Der Mann aber, der Jesus den Weg bereiten soll, Johannes der Täufer, bewegt sich, als ob er die kommende große Hoffnung begrüßen wollte, obschon sie noch nicht sichtbar ist. Maria erscheint uns wie die erste Missionarin, “die erste Botin des Evangeliums” – wie Bischof Perrier von Lourdes sie genannt hatte: der erste Mensch, der die frohe Botschaft von Jesus Christus anderen verkündet. Das geschieht, weil sie Christus in sich trägt. Maria erinnert uns daran, dass Mission nicht mit der Überbringung einer Botschaft in Worten beginnt, sondern wir müssen aufbrechen zu einem anderen Menschen mit Jesus im Herzen. Maria bezeugt die große Bedeutung, einfach Jesus zu bringen und noch ehe es Worte und Taten bedarf, ihn zu erklären. 
   Diese Geschichte vom Besuch Mariens bei Elisabet ist in mehrfacher Weise eigenartig. Es geht hier nicht um eine rationale Information von einem zum anderen, sondern um eine einfache Übertragung einer spirituellen Kraft vom ungeborenen Christus zum ungeborenen Johannes dem Täufer. Ohne Zweifel ist es eine Sendung, weil sie Erkenntnis und Freude hervorruft. Hier geschieht etwas, das alle Worte, die gesprochen werden und alle  Werke, die getan werden, vorbereitet. Der Glaubende kommt mit Christus,der in ihm durch Glauben wohnt. Gott bewirkt, dass diese Kraft lebendig wird und die beginnende Antwort – noch nicht in Worten oder Mitteilungen – ist die Erkenntnis: hier ist das Leben.
  Als Maria zu Bernadette kam, erschien sie zunächst als eine unbekannte Person, eine wunderschöne Frau, ein geheimnisvolles "Etwas". Bernadette erkennt sie noch nicht als die makellose Mutter des Herrn. Obschon Bernadette noch nicht wesentlich in der kirchlichen Lehre unterrichtet war, hüpfte sie vor Freude, weil sie er- kennt, dass ihr hier Leben und Heil begegnet. Erinnern wir uns an die Berichte über sie, die von ihrer an- mutigen Art sprechen als die Dame Bitten äußerte – als ob sie gleich wie Johannes der Täufer noch unter dem Herzen seiner Mutter Elisabet anfing zu tanzen nach der Musik des fleischgewordenen Wortes, das von seiner Mutter getragen wird. Nur allmählich findet Bernadette die Worte, das Geschehen der Welt mitzuteilen. Nur in kleinen Schritten – so möchten wir sagen – lernt sie der Dame zuzuhören und nachzusprechen, was sie uns zu sagen hat.
 Dies sind gute Nachrichten für uns alle,  die  Jesus in  seinem Namen im Missionsauftrag nachfolgen und gute Nachricht für alle, die ihren Einsatz gering und offenbar nutzlos finden und für alle, die noch nicht ihren Weg gefunden haben für die "rechten" Worte und das freimütige Bekenntnis.
  Unsere erste und allumfassende Aufgabe ist es, Jesus dankbar und gläubig zu tragen,  mit uns, mit allen Fa- sern unseres Lebens: wie Teresa von Avila könnten wir es tun, ganz gewöhnlich stets mit einem kleinen Bild oder Kreuz in unserer Tasche, so dass wir ständig mit dem Herrn verbunden sind. Wir können es auch tun, indem wir der orthodoxen sprituellen Tradition folgen und still das Jesus-Gebet wiederholen: “Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, ich bin ein Sünder.” Wenn wir darauf vertrauen, dass wir so Christus in uns tragen, dann wird etwas geschehen, eine Kraft wird überspringen auf jene, die bei uns sind. Sie werden - vielleicht unbewusst – einen Hauch des Lebens und der Freude fühlen, den sie zunächst über- haupt nicht erklären können.
   Möglicherweise werden wir das niemals sehen oder etwas darüber wissen; die Menschen werden es nicht einmal mit uns in Verbindung bringen, aber es geschieht, weil Jesus immerzu das anspricht, was in den Her- zen der Männer und Frauen verborgen ist und wofür wir geschaffen sind. Ob man es weiß oder nicht: es gibt etwas in den Menschen, was auf Jesus ausgerichtet ist. Fahrt fort, Jesus zu bringen und seid nicht mutlos! Die Mission wird sich erfüllen, trotz allem, weil Gott in Christus seine Reise in die Herzen der Menschen begonnen hat.
   Wenn wir jenen begegnen, die sagen, dass sie gern glauben würden aber nicht glauben könnten, fragen wir uns, wie sie ihren Weg zur Hingabe finden, der erschreckend und auch schwer zu verstehen erscheint, dann müssen wir ihnen dieses sagen: “Gebt nicht auf! bemüht euch und haltet fest an Augenblicken tiefer und geheimnisvoller Freude! Wartet geduldig auf das, was in euch wächst!” Es ist nicht unsere Aufgabe zu drohen oder zu überreden, und Menschen zu einer Hingabe zu drängen, zu der sie noch nicht bereit sind, aber wir können und sollen ihre Nähe suchen und dabei Jesus in uns tragen und die Freude durchscheinen lassen und erwarten, dass sein Herz von der Gnade der Erkenntnis angerührt wird. 
   Natürlich haben wir es oft selbst nötig, die frohe Botschaft zu hören. Wir brauchen Menschen in unserer Nähe, die Jesus tragen, weil wir, die wir uns Gläubige nennen, Momente der Verwirrung kennen und wir können auch das Ziel aus dem Blick verlieren. Anderes macht es uns schwer oder verletzt uns. Die Kirche selbst mag uns irritiert oder schwach oder auch lieblos erscheinen, und wir fühlen, dass wir nicht das erhalten was wir nötig haben und nicht geführt werden, wie es sein sollte.
   Die Geschichte von Maria und Elisabet zeigt uns, dass das fleischgewordene Wort Gottes immer schon auf dem Weg zu uns ist, verborgen in bekannten und unbekannten Stimmen, Gesichtern und Menschen. Jesus ist in der Stille ständig am Werk und er sucht das Innerste in uns, die Ursache unserer Freude und unserer Hoffnung. Wenn wir uns  vielleicht verloren und enttäuscht fühlen oder wenn er uns milde wegzieht von einer nur menschlichen Freude oder Hoffnung, die nur oberflächlich ist. Vielleicht ist dies Teil unserer Reise zur Wahrheit. Auch wir müssen auf die Momente der Erkenntnis und tiefer Freude in uns schauen und lauschen. Es kann geschehen, wenn wir einem Menschen begegnen, in dem wir spüren, dass die Worte, in denen wir ziemlich halbherzig von Gott sprechen, in ihnen lebendig und wirklich gegenwärtig sind. (Darum bedeutet uns das Leben der alten und modernen Heiligen so viel).
   In einem Augenblick der Stille mögen wir inmitten eines Familiengottesdienstes ergriffen sein und für einen Moment fühlen und erkennen dass wir den Schlüssel für alles in der Hand haben, wenn wir nur die rechten Worte finden. Es mag an einem heiligen Ort geschehen, eingetaucht in die Hoffnungen und Gebete von Millionen, wenn wir plötzlich sehen: alles, was auch immer wir als Einzelne denken oder fühlen mögen, wird von einer großen Wirklichkeit umfasst, die uns umgibt, neben uns und in uns, ob wir es nun begreifen oder nicht. Dieses sind unsere “Elisabet-Erlebnisse”, wenn das Leben unser Innerstes berührt und uns eine Zukunft mit Christus ankündigt, die unseren Verstand übersteigt.
    Es ist für uns seine große Versuchung, wenn wir über die Mission denken, sie könne auf dieselbe Weise geschehen, wie wir so viel anderes tun, wobei alles von der Planung und Art wie wir es machen abhängt, damit gute Ergebnisse dabei herauskommen. Es ist eine Versuchung wenn wir denken würden, dass das ganze Leben der Kirche in ähnlichen Bahnen verläuft. Natürlich müssen wir unseren Verstand benutzen, wir müssen in der Lage sein, gut und böse zu unterscheiden. Wir müssen Geschicklichkeit und Begeisterung einsetzen wenn wir auf den Ruf Gottes antworten, um teilzuhaben an dem Werk der Umformung der Welt durch Jesus und seinen Geist.
    Maria zeigt uns in ihrer Mission, dass es immer eine tiefere Dimension gibt, die auf Christus gründet, der machtvoll wirkt und unerkannt und still eine Verbindung schafft, die die Tiefe des Herzens eines jeden Men- schen erreicht. Er lebt getreu im Herzen der Kirche selbst, inmitten von Desaster, Verrat und Verwirrung, und schenkt sich selbst ohne Zurückhaltung. Alles, was wir “unsere” Sendung nennen, hängt hiervon ab. Wenn wir klug sind wissen wir, dass wir immer wieder überrascht werden durch das Echo und die Verbindungen, die dort lebendig werden, wo wir es nicht erwarten konnten. Wahre Mission ist bereit, sich überraschen zu lassen von Gott, “überrascht durch Freude”, wie es liebevoll C. S. Lewis beschreibt. Elisabet kannte die ganze Geschichte Israels, und wie der Weg Gottes zu seinem Volk vorbereitet war. Überrascht hat sie das neue Leben und die Erkenntnis, als das Kind in ihrem Leib hüpfte. Die Nachbarn, Lehrer und Priester von Berna- dette meinten, dass sie alles über die Muttergottes wüssten, und doch wurden sie überrascht durch dieses einfache, schwache, unbedeutende Mädchen, als sie vor Freude hüpfte, als sie Maria als ihre Mutter und Schwester erkannte, die uns den Herrn und Erlöser brachte. 
   Unser Gebet hier in Lourdes, erneuert und überrascht an diesem heiligen Ort, müssen sich darauf richten, dass uns die Kraft des Heiligen Geistes überschatte, Jesus dorthin zu tragen, wohin immer wir gehen, in der Hoffnung, dass Freude überspringen wird von Herz zu Herz in all unseren menschlichen Begegnungen. Auch möge uns Mut gegeben werden, um jene Freude zu schauen und zu erlauschen in der Tiefe unserer Herzen, wenn die Klarheit der Frohen Botschaft weit entfernt erscheint und der Himmel bewölkt ist.
   Aber hier mit Elisabet und Bernadette sagen wir heute dankbar und bewundernd: “Warum bin ich so begnadet, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?” Und wir erkennen dass die Sehnsucht unserer Herzen in der Tiefe unseres Seins neues Leben hervorruft.  CT071005Arbeitsübersetzung-kbwn

Card.O'Connor

Katholiken und Anglikaner. Die Muttergottes und der Weg der Einheit
Interview mit Kardinal Cormac Murphy-O’Connor Foto: Westminster Cathedral

Maria-mKind-BrLibrary ökAngl-kathLeeds2006

Foto oben links: Maria mit Jesuskind, 14.Jh., British Library
Foto oben rechts: Treffen der anglikanischen und katholischen Bischöfe Englands in Leeds

  In Sachen Dialog mit der anglikanischen Gemeinschaft wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der gemein- same Text über die Mutter Jesu, Maria: Gnade und Hoffnung in Christus, Frucht der Arbeit der Anglikanisch- Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC, kann nicht nur der theologischen und kirchlichen Debatte hilfreich sein, sondern auch einer praktischen, gemeinsamen Sicht der Volksfrömmigkeit.

   Das jüngste Werk der Anglikanisch-Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC wurde vor- gestellt: Maria: Gnade und Hoffnung in Christus. Das Dokument ist ein bedeutender Schritt im ökumeni- schen Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken. Wir haben uns mit Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, darüber unterhalten.
Herr Bischof, warum gerade jetzt ein Text über Maria? Welche Bedeutung kommt ihr im Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken zu?
  CORMAC MURPHY-O'CONNOR: Maria kam im Leben und in der Liturgie der Anglikaner und der Katholiken schon immer eine große Bedeutung. Wegen der beiden marianischen Dogmen der Unbefleckten Empfängnis und der Aufnahme Mariens in den Himmel, wie auch wegen einigen früher üblichen Formen der katholischen Marienverehrung kam es zwischen Anglikanern und Katholiken zu massiven Unstimmigkeiten. Und damit war klar, dass wir diese Frage im Namen eines ehrlichen Dialogs früher oder später hätten klären müssen. Der andere Grund, über Maria zu sprechen, war der Umstand, dass - unterschiedliche Auffassungen über die Autorität in der Kirche bestehen. Unser Dokument will das Problem also direkt angehen, beleuchtet die Gestalt Mariens anhand der Bibel und der frühchristlichen Tradition.
Welche Antwort wird in dem Text gegeben?
   MURPHY-O'CONNOR: Der Teil des Textes, der Maria in der Schrift gewidmet ist, ist wirklich gut gemacht und könnte für den Unterricht gebraucht werden. Was daraus hervorgeht, ist eine Art „Neuannahme” Mariens sowohl von katholischer als auch anglikanischer Seite, eine erneuerte Sicht der verschiedenen Aspekte der Tradition,die man vielleicht aus den Augen verloren hatte. Das Dokument wird vielen Anglikanern dabei helfen, Aspekte einer gemeinsamen Tradition zu entdecken, die sie verloren hatten, und zu sehen, dass die - richtig verstandene - katholische Marienverehrung wahrlich der biblischen und kirchlichen Tradition entspricht. Und ich denke, dass das den Katholiken dabei helfen wird, einige der biblischen Grundlagen wie auch den theo- logischen Horizont über Maria wieder zu entdecken, was in einigen Formen der Verehrung nicht mehr deutlich war. Es ist ein Dokument, das unseren beiden Traditionen neue Impulse gibt und unsere jeweiligen Auffas- sungen einander näher bringt.
Die ARCIC hat die marianische Tradition des Ostens (Maria die „Allerheiligste” sowie die „Entschlafung” Mariens) analysiert, um die Probleme zu ergründen, die den Westen gespalten haben. Auffallend sind die häufigen Paulus-Zitate.
   MURPHY-O'CONNOR: Es ist überraschend, was alles passieren kann, wenn Männer des Glaubens gemein- sam die Heilige Schrift studieren!  Die Kommission hat sich besonders intensiv auf Kapitel 8,28-30 des Briefes an die Römer konzentriert, der eigentlich kein spezifischer Marientext ist.

Brief an die Römer:
8,28 Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; 29 denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. 30 Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

  Für die Kommission ist er jedoch zu einer Art Interpretationswerkzeug geworden, das es ihr erlaubt hat, Maria als Urbild der Gnade und der Hoffnung zu sehen, als diejenige, die uns die Art und Weise enthüllt, in der Gott an den Menschen handelt. Sowohl die Unbefleckte Empfängnis als auch die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigen etwas davon, wie Gott in der Vorwegnahme an uns handelt, um uns im Laufe unseres Lebens zu rufen, wie auch von dem Ziel, zu dem uns Gott anspornt. Somit ist Maria Urbild im Ruf und in der Antwort, und die Marienverehrung kann uns durch Jesus Christus Gott näher bringen.
Ist dieses gemeinsame Dokument ein Schritt in Richtung gemeinsamer Eucharistie mit den Anglikanern?
   MURPHY-O'CONNOR: Es hat unglaublich dabei geholfen, diesen weiteren Zankapfel zwischen Katholiken und Anglikanern zu beseitigen. Ob es uns einer gemeinsamen Eucharistie näher bringt? Jein, würde ich sagen. Nein, weil die Vorgangsweise der ARCIC darauf abzielt, die Unterschiede zu klären, und nicht, sie zu be- seitigen. Man will sozusagen den Weg bereiten, damit die beiden Konfessionen besser nebeneinander einherschreiten können. Und das, weil wir - und hier würde ich Ihre Frage mit Ja beantworten - je besser wir miteinander gehen können, um so mehr jene Einheit bauen, aus der die gemeinsame Eucharistie erwächst.
Wie sieht im Hinblick auf diesen gemeinsamen Weg die heutige Realität der katholischen Kirche in einem Land mit anglikanischer Mehrheit wie Großbritannien aus?
   MURPHY-O'CONNOR: Ich finde das Leben eines katholischen Bischofs oder Kardinals im heutigen Alltags- leben in Großbritannien ehrlich gesagt recht faszinierend. Auf der einen Seite ist in unserem Land  ein schnell voranschreitender Entchristlichungsprozess im Gange, der mir wirklich Sorge macht: die Krise der Familie ist offensichtlich, der fehlende Respekt vor dem menschlichen Leben - Abtreibung, Euthanasie, Experimente mit menschlichen Embryos - wie auch die fehlende Großzügigkeit den Immigranten gegenüber, ein allgemeiner Egoismus. Auf der anderen Seite dagegen kann ich für die katholische Kirche und ihren Kardinal die noch bis vor kurzem ungeahnte Möglichkeit erkennen, sich Gehör zu verschaffen.
Inwiefern?
   MURPHY-O'CONNOR: Aus vielerlei Gründen können ich und die anderen katholischen Bischöfe uns heute zu Themen des Lebens, der Abtreibung, der Euthanasie, der Familie, der Reform der Gefängnisse, des Beistands für die Armen äußern, was in dieser Form noch vor einigen Jahren nicht möglich gewesen wäre. Als ich noch jung war, bewegte sich die katholische Kirche am Rand der britischen Gesellschaft, wurde mit Misstrauen betrachtet. Heute stehen wir im Zentrum der brennenden Fragen unserer Zeit, und was wir sagen, hat Gewicht. Das liegt zum Teil daran, dass die Katholiken nicht länger nur aus Irland gekommene Immigranten sind, sondern britische Bürger, die sich Gehör verschaffen wollen. In vielen gesellschaftlichen Alltagsbereichen kann man daher Katholiken finden, auch in der Regierung.
Welche Unterstützung kann die Kirche Englands Papst Benedikt XVI. anbieten?
   MURPHY-O'CONNOR: Das große Geschenk der Kirche Englands ist ihre unbeugsame Treue in Zeiten der Prüfung. Ich war jahrelang Rektor des Englischen Kollegs und weiß beispielsweise, dass während der Refor- mation 44 Studenten des Kollegs den Märtyrertod erlitten. Die katholische Kirche und die Katholiken wurden jahrhundertelang verfolgt und unterdrückt. Aus dieser Erfahrung ist die Kirche im 19. Jahrhundert neu geboren worden und kann seither voranschreiten. Die englische Kirche besitzt also ein Erbe der Treue, der großen Treue zum Papst und zur universalen Kirche. Und die Erfahrung der britischen Kirche hat der univer- salen Kirche mit ihrer Art und Weise, im modernen Europa präsent zu sein, viel zu bieten. Konkret bedeutet das, dass wir dem Papst mit dem Rat zur Seite stehen, den wir ihm geben können, mit der Einheit unserer Kirche, unserer Bischöfe, vereint in der Kollegialität.
   So geben wir dem Papst das Beispiel einer Hierarchie, die Einheit ist, die alles daran setzt, die Kirche stärker zu machen, im Inneren unserer heutigen Kultur größere Evangelisierungskraft zu erlangen.
In der letzten Zeit mußte sich der anglikanische Primas vielen Krisen innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft stellen. Konnten Sie ihm irgendwie dabei hilfreich sein?
   MURPHY-O'CONNOR: Erzbischof Williams weiß, dass er nicht nur auf meine Freundschaft zählen kann, sondern auch auf die von Kardinal Kasper  und des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen in Rom. Er weiß, dass er bei uns immer auf Verständnis stoßen wird, was in einer Freundschaft schließlich auch selbst- verständlich ist. Wir sprechen regelmäßig über die Themen, die innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft für Aufruhr sorgen, auch, weil diese die Einheit der Christen betreffen. Wir versuchen, ihm in jeder nur möglichen Weise behilflich zu sein.

be-162-Dipl.Neujahr2011   ARCIC in Hong Kong    an-RowanWilliams-2z

   Die Mitglieder der Internationalen Anglikanisch-Katholischen Kommission (ARCIC) sind in Hong Kong zu einer Woche des Gesprächs zusammengetroffen. Es geht um die im vergangenen Mai im Kloster Bose angestoßene Diskussion über gemeinsame ethische Standpunkte und die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft.
   Die Anglikanisch-Katholische Kommission besteht seit 1969 und befindet sich derzeit in ihrer dritten aktiven Phase. Diese geht auf ein Treffen zwischen Papst Benedikt und dem Anglikanerprimas Rowan Williams von 2006 zurück, bei der beide Kirchenführer den Wunsch äußerten, wieder mehr miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Dialog war von vatikanischer Seite aus nach der Ernennung eines offen homosexuellen Anglika- ner-Bischofs auf Eis gelegt worden. Hauptanliegen der ARCIC-Gespräche war von Anfang an, die Differenzen zwischen den beiden Kirchen zu überwinden, die durch das Schisma im 16. Jahrhundert hervorgerufen bzw. verstärkt wurden. Rv120505

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Fotos oben: Der anglikanische Erzbischof von Canterbury Rowan Williams
miit Papst Benedikt XVI. links und Papst Johannes Paul II.

Wie kann die Einheit der Christen Ihrer Meinung nach auf anglikanischem „Terrain" umgesetzt werden?
   MURPHY-O'CONNOR: Augustinus wollte Einheit in den wesentlichen Dingen; Freiheit in denen, die nicht wesentlich sind und Liebe in allen. Eine optimale Maxime. Wir sind immer noch auf der Suche nach der Art und Weise, wie man in den wesentlichen Glaubensdingen auf einen Nenner kommen kann.
   Die Trinität, die Fleischwerdung, die Auferstehung sind drei große Mysterien, die wir im Glaubensbekenntnis teilen. Dann haben wir noch die grundlegenden Lehren der Kirche, mit denen die Mehrheit der Anglikaner einverstanden sein kann. Sagen wir es einmal so: was wir der anglikanischen Gemeinschaft zu bieten haben, ist das Geschenk, das wir erhalten haben, unser Verständnis von dem, was Kirche-Sein bedeutet und die damit gemachte Erfahrung. Die letzten Monate haben uns in einer einzigartigen Weise die Ekklesiologie des Katholizismus gezeigt: den Papst, die Bischöfe, das Gottesvolk und die unglaubliche Einheit, die all das trägt. Ich glaube, dass das auch andere christliche Gemeinschaften - wie sie auch die Vertiefung der Kollegialität brauchen; es nötig ist, zu sehen, wie die Einheit wirkt, in Liebe, Freiheit und der gemeinsamen Teilhabe am Glauben.
Und was kann uns die anglikanische Gemeinschaft lehren?
   MURPHY-O'CONNOR: Beispielsweise eine größere Miteinbeziehung der Laien in den Diözesen. Der Bischof kümmert sich um seine Diözese, muss seinen Priestern Gehör schenken, den Ordensleuten und den Laien, was bedeutet, dass er von einer Art  der Kirchenleitung abhängt, die mehrheitlich synodal ist. Das ist wahr- scheinlich etwas, das wir von den Anglikanern lernen können, was wir aber ins Innere der gesamten Ekklesiologie der Kirche übertragen müssen. Und da haben wir dann das Papsttum, in seiner Rolle, die darin besteht, in der ganzen Welt der Gemeinschaft der Christen zu dienen. Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika Ut unum sint von den christlichen Gemeinschaften Antworten erbeten, wie das Petrus-Amt am besten der Sache der Gemeinschaft dienen kann, und ich denke, dass wir diesen Dialog noch weiter ver- folgen müssen. 
GiovanniCubeddu30Giorni0506/7

epMichaelEvansEastAnglia EU-NorwichGB-JohannisKath-z

     Fotos: Bischof Michael Evans, East Anglia - Johannes-Kathedrale Norwich
“Einwanderer beleb
en das katholische Leben in Großbritannien”

   Bald könne es in Großbritannien mehr praktizierende Katholiken als Anglikaner geben. Grund dafür sind die zahlreichen Einwanderer aus katholischen Ländern, besonders aus Osteuropa, die seit neuestem die Zahlen der Kirchenbesucher auf der Insel in die Höhe treiben. Diese Einwanderer seien eine „große Chance”, aber auch eine „große Bedrohung” für die katholische Kirche, heißt es in einer Studie des Von-Hügel-Instituts in Cambridge. Die Chance ist leicht zu erkennen. Sonntag für Sonntag strömen zahlreiche junge Leute aus Osteuropa, Afrika, Asien und Lateinamerika in britische Kirchen. Die meisten Einwanderer leben in London, wo manche Gemeinden Sonntags von acht Uhr morgens bis um acht Uhr abends Messen anbieten müssen, um alle Gläubigen unterzubringen.
  Das sind gute Nachrichten für eine katholische Kirche, die seit der Reformation in Großbritannien eine Minder- heit vertreten hat. Die britische Tageszeitung The Times zitierte Statistiken, nach denen jeden Sonntag rund eine Million Katholiken in England und Wales in die Kirche gehen, genauso viele wie Anglikaner. Allerdings gebe es dort rund 25 Millionen Anglikaner, aber nur 4,2 Millionen Katholiken. Das heißt, relativ gesehen sind die Katholiken heute schon aktiver. Und ihre Zahl steigt beständig.
   Die größte katholische Einwanderergruppe bilden zurzeit die Osteuropäer, die nach der ersten EU-Ost- erweiterung 2004 zum Arbeiten nach Großbritannien gekommen sind, vor allem Polen. Die zweite Osterwei- terung könnte mehr Einwanderer aus Süd- und Osteuropa bringen. Dazu kommen Krankenschwestern von den Philippinen, Computer-Fachleute aus Indien, Taxi-Fahrer aus Ghana, Küchenhilfen aus Brasilien und viele andere Katholiken aus aller Herren Länder.
   „Es ist gut, die Kirche wachsen zu sehen”, meint Michael Evans, katholischer Bischof der ostenglischen Diözese East Anglia. „Aber das ist kein Konkurrenzkampf.  Das wäre albern.” Bei der Studie gehe es in erster Linie um ein Migrationsproblem, und zwar um die Integration der Zuwanderer in die katholische Kirche. Und da lägen auch die größten Herausforderungen.
   „Es geht hier nicht nur um den Glauben, sondern darum, die Einwanderer willkommen zu heißen und ihnen ein zuhause zu geben,” erklärt Evans. Nach der Studie aus Cambridge ist die katholische Kirche für viele Migranten der erste Kontakt und Zufluchtsort in der neuen Umgebung. Eine Italienerin, die in der Studie zitiert wird, sagt beispielsweise: „In eine katholische Kirche zu gehen ist so, als ob man einer Familie angehört. Man hat seine eigene Gemeinschaft in einem fremden Land, einen Ort, wo man hingehört.”
   Um dieses Gefühl der Zugehörigkeit zu stärken, müsse sich die Kirche an den Bedürfnissen der Migranten orientieren, meint Bischof Evans. Dazu gehöre es beispielsweise auch, Messen in der Muttersprache der Einwanderer anzubieten. Einige Gemeinden in seiner Diözese hätten etwa Messen auf Polnisch oder Portugiesisch. Die Gefahr sei allerdings, dass sich einzelne Ausländergruppen isolierten und keinen Kontakt zu anderen Gemeindemitgliedern hätten.
   Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, und einige Bischöfe im Großraum von London haben sich der Sache angenommen. „Migranten... sind eine von vielen Quellen der Hoffnung für die katholische Kirche der Zukunft”, schreiben die Bischöfe in einer Stellungnahme zu der Studie des Von Hügel-Instituts in Cambridge.
GabyMahlbergDT070222

cdMurphy-O'Connor,aepWillia

Ökumene in Grossbritannien - Zeichen der Solidarität:
Westminster’s Kardinal Cormac Murphy-O’Connor und der Erzbischof Rowan Williams, Primus der anglikanischen Gemeinschaft links im Foto im Gebet in der Geburtskirche zu Betlehem.

Kardinal: "Die englische Nation verleugnet Gott”
   “Britannien fällt zurück auf ein zutiefst notleidendes Land”, meint Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, “wenn es versucht, die Religion aus dem öffentlichen Leben zu entfernen”. Der Krdinal sieht in der Säkularisation die Ursache für den Verlust gemeinsamer moralischer Werte, der letztlich zu einem Gefühl der Verzweiflung führt. “Unsere Nation ist in großer Not, weil sie beraubt wird vom großen  Wert des Lebens und unserer Hoffnung” predigte der Kardinal in der Londoner Westminster Kathedrale. Der Grund für diesen Kultur-Notstand sei die Leugnung der Existenz Gottes, an dessen Stelle die individuelle Freiheit gesetzt werde. “In unserer Kultur zeigt sich ein radikaler Bruch mit dem Christentum und auch mit den moralischen und religiösen Traditionen der Menschlichkeit. Damit wird unsere Gesellschaft unfähig zu einem fairen Dialog mit anderen. Wir sind dann nicht mehr im Stande, grundsätzliche Fragen über Sinn und Ziel unseres Lebens zu beantworten.”  
   Der Kardinal verurteilte Tendenzen, die Rolle des Christentums aus dem Leben der Nation hinauszudrängen und ermutigte die Christen, ihren Glauben frei von Furcht zu bekennen. “In unserem Land wird Gott zuneh- mend aus dem öffentlichen Leben entfernt. Der Glaube an ihn wird schwieriger, weil Gott nicht mehr in Erscheinung tritt. Gott scheint überflüssig und fehl am Platze zu sein”, sagte der Kardinal. In seiner Predigt fordert der Erzbischof die Gemeinde auf: “Zeigt Freude in eurem Glauben, und erweist euch glücklich darüber, dass Gott euch dieses große Geschenk gegeben hat, dass ihr glauben, hoffen und ihn lieben könnt.”
   Der Kardinal war gerade erst von Betlehem zurückgekehrt, wohin ihn eine Pilgerreise zusammen mit dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und weiteren Religionsführern geführt hatte. Er sei traurig darüber, dass Christen wegen des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern das Heilige Land verließen. “Aber auch in unserem Land steht nicht alles zum Besten.Wir haben hier weder Krieg noch Hunger, aber England zeigt sich heute als ein zutiefst notleidendes Land.” SimonCaldwellCT070107

cdKeithO'Brian-McDonald-x  Ökumene in Schottland

Kardinal Keith O'Brian links und der Moderator der schottischen Anglikaner Alan MacDonald
gaben erstmals eine gemeinsame Erklärung ab.

Historisches ökumenisches Gebet für Gerechtigkeit und Frieden.
   Gemeinsam erklärten beide Religionsführer: "Nie gab es eine Zeit, wo Frieden dringender notwendig war als heute”. Sie forderten die Parlamentarier in Westminster auf, jetzt die Schritte zu tun, zu denen sich das Land sich vor Jahren verpflichtet hätte, die Atomwaffen zu beseitigen.“Friede kann nicht durch Massenvernichtungs- waffen erreicht werden!”
   “Weil wir unser kleines Land lieben, sind wir beschämt über das Erbe von Trennung und Gewalt. Wir rufen alle auf, der Versuchung zu widerstehen, Menschen aus religiösen oder anderen Gründen zu trennen. Friede gilt allen Menschen, über Konfession und Glauben hinweg.” Dann segneten beide besonders jene Menschen am Rande unserer Gesellschaft: die Wohnungslosen, die Armen, die Gefangenen, jene, die unter uns ein neues Leben suchen. “Möge unser Friedensaufruf für sie eine Quelle der Hoffnung sein!” JamHastingsCT070107

cdKasper02xEU-DurhamGB-UshawColl-xx

Fotos: Kardinal Walter Kasper im Ushaw College Durham:  Ökumene hat oberste Priorität für die Kirche

  „Während viele der Glaubensunterschiede, die seit Jahrhunderten die Christenheit getrennt hatten, fast überwunden sind, haben moderne ethische Fragen die Einheit wieder in weite Ferne gerückt”, sagt Walter Kardinal Kasper, der Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. „Es macht mich sehr traurig, dass wir nicht mit einer Stimme sprechen können, damit die Welt uns hört”, sagte der Kardinal auf einer internationalen ökumenischen Konferenz im Ushaw College, Durham. 
   Aus Anlass der Verleihung der Doktorwürde hielt der Kardinal das Grundsatzreferat zur Eröffnung einer ökumenischen Konferenz der Universität in  Durham  und erklärte, welche Schritte die katholische Kirche und ihre Dialogpartner heute zur Einheit gehen sollten.
   Kardinal Kasper sagte den Konferenzteilnehmern, dass Christen die Hoffnung auf Einheit nicht aufgeben dürfen, weil die Spaltung der Kirche „eine Sünde vor Gott und ein Skandal vor der Welt” ist.
   Mit den Worten von Papst Benedikt XVI. sagte der Kardinal: der Einsatz für die Ökumene hätte künftig Priorität für die katholische Kirche: „Das gehört zu meinen pastoralen Prioritäten und ist Fundament für die Zukunft.” Was heute notwendig ist, sei ein Ökumenismus, der in die Zukunft schaut, nicht eine Rückkehr, sondern ein gemeinsames Vorwärtsgehen. Er gab jedoch zu, dass sich dem ökumenischen Dialog nach 40 Jahren gewaltiger Fortschritte nun ernste, unvorhergesehene Hindernisse entgegenstellen.
   Differenzen unter Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern und Protestanten über Themen wie Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch, Euthanasie und andere Grundwerte „stehen nicht oben in der Hierarchie der Wahrheiten” wie es der Glaube an Jesus als Erlöser ist, „aber sie sind sehr emotional und deshalb sehr trennend,” sagte er.
   Vor nur fünf oder sechs Jahren hätten  katholische Bischöfe und andere christliche Gemeinschaften kon- krete Schritte zur vollen Einheit der Kirche gesucht. Seitdem jedoch ist klar geworden dass sich weltweit die ökumenische  Stimmung wie auch die ökumenische Gesamtlage radikal verändert haben und wir von einer Gegenströmung zur ökumenischen Bewegung sprechen müssen.
   Das katholische Engagement für die Ökumene, sagt Kardinal Kasper, ziele nicht darauf ab, alle Christen in die katholische Kirche zurückzuführen, noch versuche es, eine neue Kirche zu schaffen, die aus dem besten aller christlichen Partner neu konstruiert würde. Das Ziel ist „eine spirituell erneuerte Kirche, in welcher die konkret existierende Kirche zum vollsten Grad ihrer entwicklungsfähigen Natur gelangt, zu einer Kirche, die sie immer war und bleibt: die eine, heilige Kirche, die alle Christen zusammen im apostolischen Glaubens- bekenntnis bekennen”. GedNaughtonCindyWoodenCT.

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