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Benedikt XVI.

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Benedikt XVI. - der Film kommt bald auf die große Leinwand. Foto:  Benedikt XVI. bei einer Messfeier 2011
Das Leben von Papst Benedikt XVI. soll auf die große Kinoleinwand kommen. Wie die „Pantaleon Entertainment AG“ in München mitteilte, hat sie sich dafür die Rechte an der Papst-Biografie von Peter Seewald gesichert. Diese soll 2016 im Pattloch-Verlag erscheinen und bisher unbekannte Details aus dem Leben Joseph Ratzingers enthalten. Hinter dem Filmprojekt stehen die Pantaleon-Produzenten Dan Maag, Marco Beckmann und Matthias Schweighöfer. Mit dem früheren RTL-Fernsehfilm- und Serien-Chef Peter Alexander Weckert wollen sie den Film verwirklichen. „Das Leben des deutschen Papstes Benedikt XVI. bis zu seinem historischen Rücktritt bietet einen der großartigsten Stoffe unserer Zeit für einen internationalen Kinofilm“, erklärte Maag. Allein die katholische Kirche mit ihren weltweit über 1,2 Milliarden Mitgliedern stelle eine „gigantische Zielgruppe“ dar. Rv150602pdy

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Seht doch, wie die Kirche lebt! Benedikt XVI. Etwa 150.000 Menschen nahmen auf dem Petersplatz
bewegt Abschied vom deutschen Papst. Es war die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI.

   Die 348. Generalaudienz Benedikts XVI. ist seine letzte, und nichts ist wie immer. Mehr als fünf Millionen Men- schen sind ihm in den vergangenen acht Jahren in diesen Audienzen auf dem Petersplatz oder in der Nervi-Halle begegnet. Doch heute scheint es, als wäre noch einmal eine weitere Million angereist, um Kopf an Kopf bei diesem letzten Auftritt von ihm Abschied zu nehmen. Nur bei seinem Begräbnis wird er noch einmal auf ähnliche Weise in die Öffentlichkeit treten, dann allerdings aufgebahrt, getragen von den Dienern des Päpstlichen Hauses. Jetzt ist der Tod weit weg.
   Die Piazza vibriert vor Leben. Das Gedränge an den Absperrungen unglaublich. Es ist gleißend hell. Ein Fahnen- wald aus allen Kontinenten weht flatternd über der Menge. Die katholische Weltkirche nimmt Abschied von ihrem Papst - obwohl er nicht gestorben ist. Ein Hubschrauber kreist in der Höhe am wolkenlosen Himmel. Tief segelnde Möwen ziehen ihre Schatten an der Marmorfassade des Petersdoms entlang. Es ist ein Volksfest des Glaubens: ein leuchtender erster Frühlingstag in diesem römischen Februar. Und es braucht nicht viel Fantasie, um das Echo Kardinal Ratzingers zu hören, der hier am 8. April 2005 beim Begräbnis seines Vorgängers rief: „Jetzt steht Johan- nes Paul am Fenster im Haus des Vaters und sieht uns und segnet uns." Es kann nicht anders sein. Sein Vor- gänger schaut wohl auch jetzt noch zu und segnet diese Stunde.
   Elf Tage später - am 19. April 2005 war Joseph Ratzinger selbst Papst geworden, und noch einmal fünf Tage später rief er hier auf diesem Platz bei seiner Krönungsmesse: „Ja, die Kirche lebt - das ist die wunderbare Erfahrung dieser Tage. Die Kirche lebt. Und sie ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt jedem Einzelnen den Weg in die Zukunft!"
   Jetzt, an seinem Ende, nimmt er den Ruf spontan und gerührt wieder auf, als er die Menge unter sich sieht, die hier von ihm Abschied nehmen will: „Seht doch, wie die Kirche lebt!" Rom ist voll wie bei der Heiligsprechung Pater Pios.  Die Menschen stauen sich die breite Via della Conciliazone hinunter bis zum Tiber, wie Kameraschwenks aus der Höhe auf den Mega-Bildwänden zeigen, die für alle das heiter gewordene Gesicht des kleinen alten Papstes vergrößern. Besonders Italien verbeugt sich hier und heute ein letztes Mal vor dem Mann, der nun endgültig für viele zu einem „Papa angelicus" geworden ist. Er sei ein „Papa d'amore", weiß links ein alter Fischer aus Ladispoli, und rechts schossen einem ergrauten Oberst der Carabinieri die Tränen in die Augen, als der gebeugte alte Mann in Weiß stehend in seinem Papamobil durch die frei gehaltenen Gassen in die Menge einfuhr, die linke Hand fest am Haltegriff, die Rechte zum Segen erhoben. Er sei „troppo puro, troppo innocente, troppo santo!" (zu rein, zu unschuldig, zu heilig), rief der Mann und wischte sich die Augen, als die Menge wie ein Mann auf die Stühle im vorderen Teil des Platzes sprang, Männer und Frauen, Alte und Kinder, Priester und Laien, Gläubige aus allen Kontinenten. Es ist ein unglaublicher Jubel, der den Papst auch später immer wieder unterbricht. „Durch diesen Papst habe ich die Deutschen lieben gelernt", sagt eine junge Italienerin.
   Die Fahrt bis zu seinem Stuhl vor dem Hauptportal des Doms dauert fast eine halbe Stunde, bevor er die Menge mit brüchiger Stimme und lateinischem Friedensgruß willkommen heißt. Sein Geist weite sich an diesem Tag, um die Kirche auf der ganzen Welt zu umarmen. Zuerst lauschte er aber auch heute noch einmal den Worten aus einem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser, bevor er ein letztes Mal die Schrift auslegt und noch einmal Petrus vorstellt, seinen Vorgänger vom See Genezareth in Galiläa. Auch der habe schon gewusst, dass das Boot, das er gesteuert habe, nicht ihm, sondern dem Herrn selbst gehört habe. So sei es überhaupt mit der Kirche: Sie gehöre nicht dem Papst oder den Menschen, sie gehöre allein Gott. „Die Kirche ist sein Boot."
   Es ist ein Jahrhunderttext und der Höhepunkt seiner jahrzehntelangen Schriftauslegung. Doch heute mündet er in einem einzigen großen Dankgesang, an Gott, an seine Mitarbeiter, an die Kardinäle, an die Botschafter, die hier die ganze Bevölkerung der Erde vertreten würden, und schließlich an die ganze Kirche, deren „Kraft das Wort der Wahrheit in den Evangelien" sei. Allen danke er auch noch einmal für ihren Respekt für seine schwierige Entscheidung und versichere, dass er - so wie er vor acht Jahren sein Privatleben völlig aufgegeben habe für seinen letzten Dienst in der Nachfolge Petri - sich so natürlich auch heute nicht in sein Privatleben zurückziehe, wenn er jetzt nur noch für die Kirche beten wolle.
   Er grüßte ein letztes Mal in etlichen Sprachen, auf Arabisch, auf Polnisch (das er im Alter doch extra noch für das Volk seines Vorgängers gelernt hat),  bedankt sich bei der Traunsteiner Blaskapelle für ihre Bayernhymne. „Es ist so schön, ein Christ zu sein!" Dann erhebt er sich und stimmt auf Lateinisch das Vaterunser an. Ein kleiner weißer Mann mit gefalteten Händen und zitternder Stimme, aufrecht. Dieses Bild wird bleiben. HA130228PaulBadde

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Papst Benedikt XVI. tritt zurück
   Papst Benedikt XVI. will zurücktreten. Das kündigte der 85-Jährige  überraschend bei einem Treffen mit Kardinä- len an. Er sei „zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, so der Papst wörtlich. Es ist der erste angekündigte Rücktritt eines Papstes in der Neuzeit. Nach seiner Ankündigung herrschte für einen Moment tiefes Schweigen unter den im Apostolischen Palast versammelten Kardinälen. Vatikansprecher Lombardi gab vor Journalisten be- kannt, Joseph Ratzinger wolle sich in das Kloster Mater Ecclesiae Foto im Vatikan zurückziehen. Das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes – an dem der Zurückgetretene nicht teilnehmen wird – wird im März stattfinden; es ist damit zu rechnen, dass den Kar- und Osterfeierlichkeiten in Rom bereits ein neuer Papst vorsteht.
Benedikt XVI. kündigte seinen Rücktritt auf Latein an. Hier ist der volle Text auf deutsch: 

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Liebe Mitbrüder!
   Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewußt, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen. Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass  ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.
   Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen. VAT130211

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Papst Benedikt war auch in Rom ein freier Denker
Interview mit Weihbischof Hans-Jochen Jaschke im Hamburger Abendblatt zum Rücktritt des Papstes

Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, ein Schüler Joseph Ratzingers, über den Rücktritt des Heiligen Vaters und dessen Pontifikat Weihbischof Hans-Jochen Jaschke befand sich gerade in einem Gespräch mit dem evan- gelischen Bischof von Oslo, Ivar Eidsvig, als seine Sekretärin an die Tür klopfte und die Nachricht überbrachte: „Der Papst ist zurückgetreten!" Seitdem stehen die Telefone bei dem Ratzinger-Schüler nicht mehr still. Allen, die Hans- Jochen Jaschke zu diesem Ereignis befragen, sagt er: „Der Papst schreibt Geschichte!"
Warum, Herr Weihbischof, schreibt der Papst Geschichte?
   Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke:
Sein Rücktritt hat historischen Charakter. Denn es ist ein Zeichen von Größe und Stärke, dieses Amt abzugeben, das er rund acht Jahre ausgeübt hat. Mit diesem klugen und starken Schritt wird der deutsche Papst in die Geschichtsbücher eingehen. In der Kirchengeschichte kommen päpstliche Rücktritte eigentlich nicht vor. Der letzte war der von Coelestin V. im Jahr 1294 nach sechs Monaten Amtszeit.
Stand Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt unter Druck im Vatikan?
   Nein, es ist sein freier Entschluss gewesen. Es ist nichts passiert, was ihn zu diesem Entschluss gedrängt haben könnte. Außer der Erkenntnis, dass mit zunehmendem Alter die Kräfte nachlassen.
Wie haben Sie selbst, Herr Weihbischof, den Tag des Rücktritts erlebt?
   Am Abend zuvor saß ich noch als Gast in der Talkrunde von Günther Jauch. Montagmorgen traf ich mich in einem Berliner Hotel zum Frühstück mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider. Danach ging es mit dem ICE nach Hamburg zurück. Das Treffen mit dem Bischof von Oslo stand in meinem Terminkalender.
Und da klopfte die Sekretärin an die Tür?
   Ja, Sie hatte die Nachricht per Anruf von einer leitenden Mitarbeiterin erfahren und noch mal gegenrecherchiert, ob das stimmt. Es stimmte. Eigentlich wollte ich mit dem evangelischen Bischof über den interreligiösen Dialog auf europäischer Ebene sprechen. Doch das Hauptthema war natürlich der Rücktritt.
Sind Sie von diesem Entschluss des Heiligen Vaters überrascht?
   Eigentlich nicht, denn er hatte sich in einem Gespräch vor zwei Jahren bereits geäußert, dass so etwas im Rahmen des Vorstellbaren liegt. Das Leben des Menschen - jedes Menschen - hat seine Zeit. Die Kirche steht und fällt nicht mit dem Papst. Ich bin dankbar für seinen Dienst!
Welche theologischen und kirchlichen Leistungen werden mit seinem Pontifikat verknüpft werden?
   Ich denke, es ist vor allem sein dreibändiges Jesus-Buch, das er nicht in erster Linie als Papst in seiner Autorität, sondern als Theologieprofessor geschrieben haben. Das Buch ist sein Vermächtnis. Es ist ein kluges, einladendes Buch.
Gibt es einen weiteren Meilenstein?
   
Da ist seine erste Enzyklika Deus Caritas est (Gott ist Liebe) zu nennen. Er beschreibt die Liebe in all ihren Ausprägungen, auch die Sexualität und den Eros. Mit der Erinnerung an die göttliche Liebe begann sein Pontifikat. Das bleibt ein großes Zeichen.
Vielen in Kirche und Gesellschaft gilt Benedikt XVI. als antimodernistisch.
  
Dieser Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert. Und er trifft auf ihn nicht zu. Wenn es freilich darum geht, aus dem Christentum ein „Christentum light" zu machen, hat der Heilige Vater seine Stimme kritisch erhoben und ein solches Denken infrage gestellt. Andererseits konnte er für die katholische Kirche in allem Freimut sagen: Das Kondom kann der Anfang von Moralität sein. Solche Äußerungen sind um die Welt gegangen.
Das wurde auch höchste Zeit, in diese Richtung zu denken.
   Ja, Joseph Ratzinger hat sich auch in seinem Pontifikat als freier Denker erwiesen, der von seiner Theologie geprägt ist.
Die Missbrauchsfälle in der Kirche haben seine Amtszeit überschattet.
  
Der Papst gehört zu denen, die vehement die Aufklärung gefordert haben. Und zwar ohne jede Toleranz gegen- über den Tätern. Er hat klar und eindeutig Position bezogen und sich gegen jene gestellt, die auch Nachsicht walten lassen wollten. Der Papst selbst unterscheidet zwischen zwei Skandalen. Dem grundlegenden „Skandal", dass Christus am Kreuz gestorben ist. Und den sekundären Skandalen, die Menschen anrichten, die uns wehtun und beschämen müssen. Diese fordern lückenlose Aufklärung und Konsequenzen.
Wie beurteilen Sie das Engagement des Papstes im Dialog mit den Muslimen?
  
Einerseits hat er klar und deutlich gesagt, dass Gewalt im Namen Gottes nicht sein darf. Es gibt daher keine religiöse Rechtfertigung für Anschläge und Kriege. Andererseits hat er die Muslime daran erinnert, dass Gott und menschliche Vernunft einander brauchen.
Was ist an dieser Aussage so ungewöhnlich?
   Für viele Muslime ist Allah absolut transzendent, so etwas wie Schicksal. Aber im christlichen Verständnis gibt es eine Analogie zwischen göttlicher und menschlicher Vernunft. Gott ist nicht unvernünftig. Und die Vernunft ist der Vorhof des Glaubens.
Sie, Herr Weihbischof, sind Schüler des Theologieprofessors Joseph Ratzinger. Der spätere Papst ist Ihr Doktorvater Ihrer Dissertation über den Heiligen Geist und die Alte Kirche. Seit dieser Zeit gehören sie dem Schülerkreis an, der sich regelmäßig mit seinem Lehrer trifft. Wie viele solcher Treffen gab es?
  
In den ganzen Jahren bestimmt Dutzende. Erst haben wir ihn als Bischof von München getroffen und später als Kardinal. In dieser Zeit habe ich ihn noch mit „Du" angesprochen. Seit Joseph Ratzinger Papst ist, lädt er uns einmal im Jahr mehrerer Tage lang zum Schülertreffen ein.
Und sagen Sie noch immer wie früher „Du"zu ihm?
   Nein, seit er Papst ist, sage ich „Sie" und „Heiliger Vater."
Welche Themen besprechen Sie bei solchen Schülertreffen
  
Es geht zum Beispiel um Glaube und Naturwissenschaft, Auslegung der Heiligen Schrift und den interreligiösen Dialog. Wir sind gut 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen - alles frühere Doktoranden.
Die haben bestimmt alle Kirchenkarriere gemacht?
   Nein, nicht viele. Es gibt mit mir lediglich drei Bischöfe. Andere sind Lehrer, Wissenschaftler, Institutsdirektoren geworden.
Wenn der Papst nun seinen Hut genommen hat, werden diese Treffen dann mit ihm vielleicht künftig nicht mehr stattfinden?
    Ich gehe davon aus, dass sie stattfinden werden. Der nächste Termin im August steht schon fest. Die Flüge sind schon gebucht. Und vielleicht werde ich dann von ihm wieder gefragt: Glauben die Menschen in Hamburg noch?
Befindet sich die katholische Kirche nach dem überraschenden Rücktritt jetzt in einer Führungskrise?
   Nein. Von einer Führungskrise kann man nicht sprechen. Der Papst ist nicht die ganze Kirche. Nach seinem Rück- tritt gelten klare Führungsregeln. HA130212EdgarSHasse

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Das Klausurkloster Benedikts in den Vatikanischen Gärten an der Leoninischen Mauer

   Benedikt XVI. wird nach der Renovierung des Klausurklosters Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten dort einziehen. Das Gebäude befindet sich auf einem Hügel an der Leoninischen Mauer. Diese Festungsmauer war in der Zeit von 847 bis 855 errichtet worden, um den Petersdom vor Angriffen der Sarazenen zu schützen. Das Klausurkloster soll künftig Benedikt XVI. von der Außenwelt abschirmen, denn, wie er es selber sagte, er wolle „vor der Welt versteckt bleiben“. Das Kloster befindet sich in einem mehrstöckigen Gebäude, das vor knapp 20 Jahren auf den Fundamenten der früheren Vatikanischen Gendarmerie errichtet wurde. Auf der zweiten und dritten Etage waren bisher zwölf Zimmer, im Erdgeschoss befanden sich Gemeinschaftsräume wie der Speisesaal, die Küche und ein Büro.

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   Das Kloster Mater Ecclesiae Foto oben wurde von Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. gegründet. Der polnische Pontifex eröffnete es am 13. Mai 1994, als sich das Attentat auf seine Person zum 13. Mal jährte. Seine Idee war, innerhalb des Vatikan einen Ort zu schaffen, an dem sich wechselnde Bewohner „dem fortwährenden Gebet für Papst und Weltkirche widmen“ könnten, wie Radio Vatikan damals berichtete. Bisher haben Schwestern aus vier unterschiedlichen Orden hier ihre Dienste verrichtet: Zwischen 1994 und 1999 waren es die Klarissen, dann die Karmelitinnen, später die Benediktinerinnen und ab 2009 die Salesianerinnen. Sie verbrachten einen Großteil des Tages im Gebet, hielten geistliche Lesungen und widmeten sich spirituellen Themen. Wie Vatikan- sprecher Federico Lombardi in einer Pressekonferenz klarstellte, wird Joseph Ratzinger bei seinem Aufenthalt im Vatikan-Kloster nicht „in Klausur“ leben. „Er wird in keiner Weise eingeschlossen sein, sondern seine normalen Freiheiten haben“, so Lombardi. RV130219mg

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   Jesus sagte zu Petrus Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.  Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Mt 16,17-19  Foto oben: Benedikt weiht eine Kirche am Stadtrand von Rom ein.

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   Bei einem Treffen mit Kurienmitarbeitern hat Papst Benedikt XVI. fünf Schritte zur Freude aufzeigt. Das berichtete der Vatikansprecher Federico Lombardi:
   „Der erste Schritt besteht darin, die Universalität der Kirche wieder neu zu entdecken. Wir sind alle Brüder und Schwestern und zwar nicht einfach einer simplen Idee sondern einer Erfahrung. Der zweite Schritt ist die Schönheit der Nächstenliebe: Die Zeit und das Leben sind dann sinnvoll, wenn man sie mit anderen Menschen teilt und nicht wenn man für sich alleine ist.“
   Der dritte Schritt zur Freude sei die Anbetung: Gerade die Eucharistie zeigt, dass Gott wahrlich unter uns ist, so Lombardi weiter.
   „Und wir kommen zum vierten Schritt: die Beichte ist ein Sakrament, das unseren Egoismus beseitigt, uns erleichtert, reinigt und mit Liebe füllt. Es folgt der fünfte Schritt und der besteht in der Annahme der Liebe Gottes. Denn Gott liebt uns. Mit diesen fünf Schritten erreichen wir die Freude und umgehen die Trauer.“ RV111224mg 

be-294-aepGerhardLudwigMüll   Erzbischof Müller: „Die kirchliche Lehre positiv darlegen“

  Der neue Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat der Vatikanzeitung „L`Osser- vatore Romano“ sein erstes großes Interview gegeben: Es ist gewissermaßen die Regierungserklärung des früheren Regensburger Bischofs im neuen römischen Amt. Müller ist seit dem 2. Juli 2012 Glaubenshüter des Vatikans und damit Nach-Nachfolger seines Landsmanns Papst Benedikt.
   „Der Glaube ist geprägt durch die größte Offenheit“, so sieht es Müller: „Er ist ein personales Verhältnis zu Gott, der alle Schätze der Weisheit in sich trägt. Deshalb ist unsere endliche Vernunft immer dynamisiert auf den unendlichen Gott hin. Wir können immer dazulernen und tiefer den Reichtum der Offenbarung verstehen. Wir vermögen sie nie auszuschöpfen.“ In dem auf deutsch geführten Gespräch, dessen voller Text auch in der deut- schen Wochenausgabe des „Osservatore“ erscheint, sagt Müller, „vieles im Vatikan“ sei für ihn noch „neu und ungewohnt“: „Es wird etwas Zeit brauchen, bis ich mich in das komplexe Gefüge der Römischen Kurie einfinde.“ Zu den derzeitigen „Herausforderungen“ für die Glaubenskongregation zählt der Erzbischof, „dass Gruppen von rechts und von links – wie man so sagt – unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit sehr in Anspruch nehmen“. Da bestehe „leicht die Gefahr, dass wir unsere Hauptaufgabe etwas aus dem Blick verlieren, nämlich das Evangelium zu verkünden und die kirchliche Lehre positiv darzulegen“.
   Den Papst beschreibt der neue Präfekt der Glaubenskongregation „als einen väterlichen Freund“: „Ich verstehe auch mein Kommen nach Rom nicht so, dass ich ihn mit irgendwelchen Dingen belaste. Meine Aufgabe ist es, ihm Arbeit abzunehmen und ihn nicht mit Problemen zu konfrontieren, die auf unserer Ebene gelöst werden können.“ Weil die Kirche „zuerst eine Glaubensgemeinschaft“ sei, stelle der Glaube „das wichtigste Gut“ dar, „das wir zu vermitteln, zu verkünden und zu bewahren haben“. Darin sieht Müller vor allem einen „positiven Aspekt“. „Die Kongregation soll vor allem den Glauben fördern und verständlich machen, das ist das Entscheidende. Als zweites kommt hinzu, dass der Glaube auch gegen Irrtümer und Verkürzungen verteidigt werden muss.“ Es sei „eine der großen Aufgaben für die Kongregation und für die Kirche überhaupt“, den Glauben „wieder neu als positive Macht entdecken und aufleuchten (zu) lassen, als Kraft der Hoffnung und als Potential, um Konflikte und Spannungen zu überwinden“.
   Ausführlich äußert sich Erzbischof Müller in dem Interview zu seinen Kontakten mit Vertretern der „Theologie der Befreiung“. „Ich war oft in Lateinamerika, in Peru, aber auch in anderen Ländern. Ich bin 1988 eingeladen worden, an einem Seminar mit Gustavo Gutierrez teilzunehmen. Als deutscher Theologe bin ich da mit einer gewissen Reserviertheit angekommen, auch weil ich die beiden Erklärungen der Glaubenskongregation zur Befreiungs- theologie von 1984 und 1986 gut kannte. Ich habe aber dann feststellen können, dass man unterscheiden muss zwischen einer falschen und einer richtigen Theologie der Befreiung.“ Aus seiner Sicht, so Müller, habe „jede gute Theologie mit der Freiheit und der Herrlichkeit der Kinder Gottes zu tun“. Gewiss sei „eine Vermischung von marxistischen Selbsterlösungslehren und dem von Gott geschenkten Heil grundsätzlich abzulehnen“.
   „Andererseits müssen wir uns ehrlich fragen“, so der Erzbischof: „Wie können wir von der Liebe und Barmherzig- keit Gottes sprechen angesichts des Leidens vieler Menschen, die nichts zu essen und zu trinken und keine medizinische Versorgung haben, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder in die Zukunft bringen sollen, also wo es wirklich an Menschenwürde fehlt und wo die Menschenrechte von den Mächtigen missachtet werden?“ Letztlich gehe das nur, „wenn man bereit ist, mit den Leuten zusammen zu sein ... ohne Paternalismus von oben herab“.
   Mit Blick auf schwierige Dossiers, etwa die Frage einer Wiederannäherung der Piusbrüder an Rom, betont Erzbischof Müller, es gebe „keine Verhandlungen über das Wort Gottes, und man kann nicht zugleich glauben und auch wieder nicht“. Wörtlich sagte er: „Ich kann mich nicht auf die Tradition der Kirche berufen, und sie dann nur auszugsweise akzeptieren.“ Zur Debatte über eine Öffnung des Weihesakraments für Frauen gibt er zu beden- ken: „Beim Priestersein geht es nicht darum, sich selbst zu positionieren. Das Priesteramt darf man nicht für eine Art weltliche Machtposition halten und meinen, Emanzipation ereigne sich dann, wenn jeder diese einnehmen könne.“ Der katholische Glaube wisse, „dass nicht wir die Bedingungen der Zulassung vorgeben und dass hinter dem Priestersein immer der Wille und die Berufung Christi stehen.“ Müller wörtlich: „Ich lade alle ein, auf Polemik und Ideologie zu verzichten und sich zu vertiefen in die Lehre der Kirche.“  OR120726sk

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Benedikt XVI. begrüßt den Prior von Taizé Alois Leser bei einem Treffen mit 45.000 Jugendlichen
auf dem St.Petersplatz in Rom.

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   Ein Mitglied der ökomischen Gemeinschaft bringt dem Papst ein Gastgeschenk: Sorghum Samen - eine Ernäh- rungsgrundlage für Millionen Menschen in den tropischen und subtropischen Gebieten. Sorghum wird als fünft- größte Getreidesorte geerntet und auch zum Bierbrauen und für das Vieh genutzt. CT130113

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aktueller Fotobericht: Papst Benedikt XVI. als Pilger des Friedens in Nahost > Friedensgebet

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Der Papst weihtedie Basilika „Sagrada Familia“ in Barcelona Foto oben und feierte eine Festmesse im nordspanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Die galizische Stadt am berühmten Jakobsweg feiert derzeit ihr Heiliges Jahr. Lesen dazu Sie unsere Fotoberichte > Santiago de Compostela
Benedikt war vom 14. bis 16. September 2012 für die Unterzeichnung und Übergabe seines päpstlichen Schrei- bens nach der Nahost-Bischofssynode im Libanon siehe dazu > Kirche im Islam.
   Der Vatikan legte das offizielle Schlussdokument zur Bibelsynode > Wort Gottes vor. Das postsynodale Lehr- schreiben trägt den Titel Verbum Domini, „Wort des Herrn“ und wurde im vatikanischen Pressesaal vorgestellt, unter anderem von Kardinal Marc Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation, und Erzbischof Gianfranco Ravasi, dem Präsidenten des Päpstlichen Kulturrates. Das Ergebnis der Beratung von 250 Bischöfen in der Weltbischofs-Synode werden in diesem Lehrschreiben von Papst Benedikt XVI. dokumentiert.  Lesen Sie den Text im Wortlaut auf unserer Seite  Verbum Domini. RV101105asca

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Papst Benedikt XVI. in Loreto

   Papst Benedikt XVI. besuchte am 4. Oktober 2012 den italienischen Wallfahrtsort Loreto. Benedikt bewegte sich dabei auf den Spuren Papst Johannes XXIII.; dieser war vor 50 Jahren kurz vor Beginn des II. Vatikanischen Kon- zils in das Marienheiligtum an der Adria gepilgert, um den Beistand der Muttergottes für die Kirchenversammlung zu erbitten. Auf dem Programm stand ein privates Gebet in der Basilika, gefolgt von einer heiligen Messe unter freiem Himmel. Anschließend begab sich der Papst zu einem Mittagessen ins Zentrum „Johannes Paul II.“ in dem nahegelegenen Ort Montorso. Rückreise am Abend mit dem Hubschrauber in den Vatikan. Die Visite Johannes XXIII.in Loreto – und anschließend Assisi - war die erste Reise eines Papstes seit der Einheit Italiens im Jahr 1861. RV120920gs Lesen Sie weiter > Himmel & Erde

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     Hoher orthodoxer Besuch im Vatikan: Der Metropolit Hilarion Foto, verantwortlich für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchates, will die guten Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche weiterent- wickeln. Er trifft sich in diesen Tagen mit Verantwortlichen des Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Nach einer kurzen Begegnung mit dem Papst bei der Generalaudienz traf Hilarion Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Ferner steht ein Treffen mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone auf dem Programm.
Lesen Sie weiter > Ökumene  RV110928ansa

be-162-Dipl.Neujahr2011    „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen" Lk 17,19

Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum XX. Welttag der Kranken (11. Februar 2013)

Liebe Brüder und Schwestern!
   Aus Anlass des Welttags der Kranken, den wir am 11. Februar 2012, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, begehen, möchte ich erneut alle Kranken meiner geistlichen Nähe versichern: die Kranken in den Pflege- heimen und Krankenhäusern und jene, die in der Familie gepflegt werden. Einem jeden von ihnen bringe ich die Fürsorge und die Zuneigung der ganzen Kirche zum Ausdruck. Durch die großherzige und liebevolle Annahme jedes menschlichen Lebens, besonders dann, wenn es schwach und krank ist, bringt der Christ einen wichtigen Aspekt seines Zeugnisses für das Evangelium zum Ausdruck. Er tut dies nach dem Beispiel Christi, der sich über das materielle und geistige Leid des Menschen gebeugt hat, um es zu heilen.
   1. In diesem Jahr der unmittelbaren Vorbereitung auf den feierlichen Welttag der Kranken am 11. Februar 2013 in Deutschland, der sich mit der emblematischen Gestalt des Barmherzigen Samariters aus dem Evangelium vgl. Lk 10,29-37 auseinandersetzen wird, möchte ich den Akzent auf die „Sakramente der Heilung" legen, das heißt auf das Sakrament der Buße und Versöhnung und auf das Sakrament der Krankensalbung, die ihre natürliche Voll- endung in der eucharistischen Kommunion finden.
   Die im Lukasevangelium berichtete Begegnung Jesu mit den zehn Aussätzigen vgl. Lk 17,11-19 und insbeson- dere die Worte, die der Herr an einen von ihnen richtet: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen" V. 19, sind eine Hilfe, sich bewusst zu werden, wie wichtig der Glaube für jene ist, die von Leid und Krankheit bedrückt die Nähe des Herrn suchen. In der Begegnung mit ihm können sie real erleben: Wer glaubt, ist nie allein! Denn in seinem Sohn überlässt uns Gott nicht unseren Ängsten und Leiden, sondern er ist uns nahe, er hilft uns, sie zu tragen, und er möchte unser Herz in der Tiefe heilen vgl. Mk 2,1-12.
   Der Glaube des Aussätzigen, der, als er sich geheilt sieht, im Gegensatz zu den anderen voll Staunen und Freude als einziger sofort zu Jesus zurückkehrt, um ihm zu danken, lässt erahnen, dass die wiedererlangte Ge- sundheit Zeichen für etwas Kostbareres ist als die bloß körperliche Heilung: Sie ist Zeichen des Heils, das Gott uns durch Christus schenkt; sie findet Ausdruck in den Worten Jesu: Dein Glaube hat dir geholfen. Wer in Leid und Krankheit den Herrn anruft, kann sich sicher sein, dass seine Liebe ihn niemals im Stich lässt und dass auch die Liebe der Kirche, die sein Heilswirken in der Zeit fortsetzt, niemals schwindet. Die körperliche Heilung, Ausdruck des tieferen Heils, offenbart so die Bedeutung, die der Mensch in seiner Ganzheit von Seele und Leib fiir den Herrn hat. Jedes Sakrament ist Ausdruck und Verwirklichung der Nähe Gottes, der uns vollkommen ungeschuldet anrührt „durch materielle Wirklichkeiten ..., die er in seinen Dienst nimmt, zu Instrumenten der Begegnung zwischen uns und sich selber macht" Predigt in der Chrisam-Messe, 1. April 2010. „Die Einheit von Schöpfung und Erlösung wird sichtbar. Die Sakramente sind Ausdruck für die Leibhaftigkeit unseres Glaubens, der Leib und Seele, den gan- zen Menschen umfasst" Predigt in der Chrisam- Messe, 21. April 2011.
   Der Grundauftrag der Kirche ist sicherlich die Verkündigung von Gottes Reich, „aber gerade diese Verkündigung selbst soll ein Prozess der Heilung sein: „... die zerbrochenen Herzen heilen" Jes 61,1, dem Auftrag entsprechend, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat vgl. Lk 9,1-2; Mt 10,1.5-14; Mk 6,7-13. Der zweifache Aspekt der kör- perlichen Gesundheit und der Gesundung von den Wunden der Seele hilft uns, die „Sakramente der Heilung" besser zu verstehen.
   2. Das Bußsakrament stand häufig im Zentrum der Reflexion der Hirten der Kirche, gerade wegen seiner großen Bedeutung für den Weg des christlichen Lebens, denn „die ganze Wirkung der Buße besteht darin, dass sie uns Gottes Gnade wieder verleiht und uns mit ihm in inniger Freundschaft vereint" Katechismus der Katholischen Kirche, 1468. Die Kirche setzt die von Jesus begonnene Verkündigung von Vergebung und Versöhnung fort und lädt so die ganze Menschheit unaufhörlich ein, sich zu bekehren und an das Evangelium zu glauben. Sie macht sich die Mahnung des Apostels Paulus zu eigen: „Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!" 2 Kor 5,20. Jesus verkündet und vergegenwärtigt mit seinem Leben die Barmherzigkeit des Vaters. Er ist gekommen, nicht um zu verurteilen, sondern um zu vergeben und zu retten, um Hoffnung zu geben auch im tiefsten Dunkel des Leidens und der Sünde, um das ewige Leben zu schenken; so führt im Bußsakrament, in der „Medizin der Beichte", die Erfahrung der Sünde nicht zur Verzweiflung, sondern sie begegnet der Liebe, die vergibt und verwandelt vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 31.
   Gott, der „voll Erbarmen ist" Eph 2,4 wie der Vater im Gleichnis aus dem Evangelium vgl. Lk 15,11-32, verschließt keinem seiner Kinder sein Herz, sondern er wartet auf sie, er sucht sie und kommt zu ihnen, dort wo die Ab- lehnung der Gemeinschaft sie in Isolierung und Spaltung gefangen hält; er ruft sie, sich um seinen Tisch zu versammeln in der Freude des Festes der Vergebung und der Versöhnung. Die Zeit des Leidens, wo die Versuchung aufkommen könnte, der Entmutigung und der Verzweiflung nachzugeben, kann sich so in eine Zeit der Gnade verwandeln, um in sich zu gehen und wie der verlorene Sohn aus dem Gleichnis das eigene Leben zu überdenken, Irrtümer und Versagen zu erkennen, die Sehnsucht nach der Umarmung des Vaters zu spüren und den Weg zum Haus des Vaters zu gehen. In seiner großen Liebe wacht er immer und überall über unser Leben und wartet auf uns, um jedem Sohn und jeder Tochter, die zu ihm zurückkehren, das Geschenk der vollkommenen Versöhnung und der Freude zu machen.
   3. Aus den Evangelien geht klar hervor, dass Jesus den Kranken immer besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat. Er hat nicht nur seine Jünger gesandt, ihre Wunden zu heilen vgl. Mt 10,8; Lk 9,2; 10,9, sondern hat auch ein besonderes Sakrament für sie eingesetzt: die Krankensalbung. Der Jakobusbrief bezeugt diese sakramentale Handlung schon in der ersten Christengemeinde vgl. 5,14-16:Mit der vom Gebet der Ältesten begleiteten Kranken- salbung empfiehlt die ganze Kirche die Kranken dem leidenden und verherrlichten Herrn, damit er ihre Qualen lindere und sie rette, ja die Kirche ermahnt sie, sich geistig mit dem Leiden und Tod Christi zu vereinen, um so zum Wohl des Volkes Gottes beizutragen.
   Dieses Sakrament führt uns zur Betrachtung des zweifachen Geheimnisses des Ölbergs, wo Jesus in drama- tischer Weise vor dem Weg stand, den der Vater ihm wies, den Weg des Leidens und des äußersten Aktes der Liebe, und dazu ja gesagt hat. In jener Stunde der Prüfung ist er der Mittler, „indem er das Leid und die Passion der Welt in sich trägt, sie in sich aufnimmt und sie in einen an Gott gerichteten Schrei verwandelt, sie vor die Augen und in die Hände Gottes bringt und sie so wirklich zum Augenblick der Erlösung führt" Lectio divina, Begegnung mit dem Klerus von Rom, 18. Februar 2010. Aber „der Ölgarten ist auch der Ort, von wo aus er zum Vater aufgestiegen ist und so der Ort der Erlösung. ... Dieses doppelte Geheimnis des Ölbergs ist immer mit anwesend im sakramentalen Öl der Kirche ... Zeichen der Güte Gottes, die uns anrührt" Predigt in der Chrisam- Messe, 1. April 2010. In der Krankensalbung wird uns das Öl „gleichsam als Medizin Gottes angeboten - als die Medizin, die uns jetzt seiner Güte versichert,  uns stärken und trösten soll, die aber zugleich über den Augenblick der Krankheit hinaus auf die endgültige Heilung verweist, auf die Auferstehung vgl. Jak 5,14".
   Dieses Sakrament verdient heute sowohl in der theologischen Reflexion als auch im pastoralen Handeln gegen- über den Kranken größere Beachtung. Dabei sollen die Inhalte des liturgischen Gebets zur Geltung gebracht werden, die den mit der Krankheit verbundenen verschiedenen Situationen des Menschen angepasst sind und sich nicht nur auf das Lebensende beziehen vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1514, weshalb die Kran- kensalbung im Vergleich zu den anderen Sakramenten nicht als gleichsam „geringeres Sakrament" angesehen werden darf. Die Aufmerksamkeit und pastorale Sorge für die Kranken ist einerseits Zeichen der Zärtlichkeit Gottes für den Leidenden, andererseits bringt sie aber auch den Priestern und der ganzen christlichen Gemeinschaft geistlichen Nutzen im Bewusstsein, dass sie alles, was sie für den Geringsten getan haben, Jesus selbst getan haben vgl. Mt 25,40
   In Bezug auf die „Sakramente der Heilung" sagt der heilige Augustinus: „Gott heilt all deine Gebrechen. Fürchte dich also nicht: All deine Gebrechen werden geheilt werden ... Du musst nur zulassen, dass er dich heilt, und darfst seine Hand nicht zurückweisen" Enarrationes in Psalmos, 102,5: PL 1319-1320. Es handelt sich um kost- bare Mittel der Gnade Gottes, die dem Kranken helfen, immer mehr dem Geheimnis des Todes und der Aufer- stehung Christi gleichförmig zu werden. Zusammen mit diesen beiden Sakramenten möchte ich auch die Bedeu- tung der Eucharistie unterstreichen. Wird sie in der Zeit der Krankheit empfangen, trägt sie auf einzigartige Weise dazu bei, diese Umformung zu bewirken: Sie lässt nämlich den, der sich vom Leib und Blut Jesu nährt, teilhaben an der Hingabe, die Christus an den Vater zum Heil aller vollzogen hat. Die gesamte kirchliche Gemeinschaft und insbesondere die Pfarrgemeinden sollen dafür sorgen, dass denen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen das Gotteshaus nicht aufsuchen können, die Möglichkeit gegeben wird, häufig das Sakrament der heiligen Kommunion zu empfangen. So wird diesen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit angeboten, ihre Beziehung zum gekreuzig- ten und auferstandenen Christus zu vertiefen, da sie durch ihr aus Liebe zu Christus hingegebenes Leben an der Sendung der Kirche teilhaben. In dieser Hinsicht ist es wichtig, dass die Priester, die ihre schwierige Arbeit in den Krankenhäusern, Pflegeanstalten und bei den Kranken zu Hause leisten, spüren, dass sie „Diener der Kranken" sind, „Zeichen und Werkzeug des Mitleidens Christi, das jeden Menschen, der vom Leiden gezeichnet ist, erreichen soll" Botschaft zum XVIII. Welttag der Kranken, 22. November 2009 .
   Die Gleichgestaltung mit dem Ostergeheimnis Christi, die auch durch die Praxis der geistlichen Kommunion ver- wirklicht wird, erhält eine ganz besondere Bedeutung, wenn die Eucharistie als Wegzehrung gespendet und empfangen wird. In jenem Moment des Lebens klingt das Wort des Herrn noch eindringlicher: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag" Joh 6,54. Denn vor allem als Wegzehrung ist die Eucharistie nach der Definition des heiligen Ignatius von Antiochien „Arznei der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod" Epistula ad Ephesios, 20: PG 5,661, Sakrament des Übergangs vom Tod zum Leben, von dieser Welt zum Vater, der alle erwartet im himmlischen Jerusalem.
   Das Thema dieser Botschaft zum XX. Welttag der Kranken: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen", nimmt auch das kommende Jahr des Glaubens in den Blick, das am 11. Oktober 2012 beginnen wird und eine günstige und kostbare Gelegenheit darstellt, die Kraft und die Schönheit des Glaubens wiederzuentdecken, um dessen Inhalte zu vertiefen und ihn im täglichen Leben zu bezeugen vgl. Apostolisches Schreiben Porta fidei. Die Kranken und Leidenden möchte ich ermutigen, im Glauben, der vom Hören des Wortes Gottes, vom persönlichen Gebet und von den Sakramenten genährt wird, stets einen sicheren Halt zu finden. Zugleich lade ich die Hirten ein, den Kranken für die Feier dieser Sakramente mit immer größerer Bereitschaft zur Verfügung zu stehen. Nach dem Vorbild des Guten Hirten und als Leiter der ihnen anvertrauten Herde mögen die Priester voll Freude sein und für- sorglich gegenüber den Schwächsten, den Einfachen, den Sündern, indem sie die unendliche Barmherzigkeit Gottes mit den ermutigenden Worten der Hoffnung zeigen vgl. hl. Augustinus, Epistulae, 95,1: PL 33,351-352.
   Allen, die im Gesundheitswesen tätig sind, wie auch den Familien, die in ihren Angehörigen das leidende Antlitz Jesu, des Herrn, erkennen, spreche ich erneut meinen Dank und den Dank der Kirche aus, weil sie mit fachlicher Kompetenz und in aller Stille, oft auch ohne seinen Namen zu nennen, Christus konkret bezeugen vgl. Predigt in der Chrisam-Messe, 21. April 2011.
   Zu Maria, Mutter der Barmherzigkeit und Heil der Kranken, erheben wir vertrauensvoll unseren Blick und unser Gebet; ihr mütterliches Mitleiden, das sie an der Seite ihres am Kreuz sterbenden Sohnes empfunden hat, begleite und stütze den Glauben und die Hoffnung jedes Kranken und Leidenden auf dem Weg der Heilung der Wunden des Leibes und der Seele.
   Allen versichere ich mein Gedenken im Gebet und erteile jedem einen besonderen Apostolischen Segen.
                                                               
Benedictus XVI, pp

isl-Nabil-al-Arab-x B-71-z

  Papst Benedikt XVI. traf am 18. Mai 2011 den neuen Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi Foto links. Der Pontifex hat den amtierenden Außenminister Ägyptens im Anschluss an die Generalaudienz im Vatikan empfangen. Die Arabische Liga ist eine internationale Organisation, die ihren Hauptsitz in Kairo hat. Zu den 22 Mitgliedern aus Nationen Afrikas und Asiens zählen auch die palästinensischen Autonomiegebiete, die von der palästinensischen Autonomiebehörde vertreten werden. RV110517kna
  
Der neue Generalsekretär der Arabischen Liga, der Ägypter Nabil al-Arabi, war im Vatikan. Über seine Gespräche mit Papst Benedikt XVI. und dem vatikanischen Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti wurde von Vatikan- seite nichts bekannt. Der Jurist Al-Arabi, der neue Generalsekretär der Arabischen Liga, war in den letzten Wochen Außenminister in der ägyptischen Übergangsregierung. Rv110518
   Die Gespräche zwischen dem Vatikan und der Arabischen Liga werden fortgesetzt. Nach dem Treffen mit dem Papst hat der neue Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, den Präsidenten des Päpstlichen Rates für den inter- religiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, getroffen. Der amtierende Außenminister Ägyptens hat bei dieser Gelegenheit die Grüße und den Wunsch von Scheichs der al-Azhar Universität, Ahmad al-Tayyib, weiter geleitet. Demnach wünsche sich der Groß-Imam, dass die Schwierigkeiten, die sich zuletzt in den mit dem Heiligen Stuhl ergeben haben, bald überwunden werden. Die Universität hatte nach der Rede des Papstes an das diplomatische Corps die Gespräche abgebrochen. Rv110521

be-281-AlassaneOuattara-x    Präsident der Elfenbeinküste zu Besuch im Vatikan

   Der Papst hat an den Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, im Vatikan empfangen. Während des zwanzig Minuten langen Gespräches ging es vor allem um den Beitrag, den die Kirche für „Frieden und Menschen- rechte im Land“ leisten kann. Nach Angaben des Vatikans sprachen sich beide für einen Abschluss der Verhand- lungen zwischen Vatikan und Elfenbeinküste über einen Grundlagenvertrag aus. Doch wie ein Vatikanstatement andeutet, sprachen Papst und Präsident offenbar auch über Mali; Ouattara ist Präsident der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, die sich um eine Militärintervention in Mali bemüht. Der Präsident selbst ist letztes Jahr nur dank französischer Militärhilfe ins Amt gekommen. Welche Haltung der Vatikan zu einem möglichen militäri- schen Eingreifen in Mali hat, ist nicht bekannt. RV121116sk

be-SriLankaPräsMahindaRajap   Privataudienz beim Papst

Präsident Mahinda Rajab von Sri Lanka besucht mit seiner Gattin Papst Benedikt XVI.

be-RinoFisichellaAep-z

Erzbischof Fisichella Foto: „Evangelisierungssynode soll Kirche stärken“

   Nach der Synode ist vor der nächsten: Papst Benedikt XVI. hat am Ende der Sonderbischofssynode zum Nahen Osten eine nächste Bischofssynode für das Jahr 2012 angekündigt, und zwar zum Thema Evangelisierung. Das passt dazu, dass der Papst vor wenigen Wochen einen neuen Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangeli- sierung gegründet hat. Die Ankündigung einer ganzen Synode zum Thema kam dennoch überraschend. Das sagte der Präsident des neuen Gremiums, Erzbischof Rino Fisichella, unseren italienischen Kollegen:
   „Die Entscheidung ruft großes Erstaunen und große Freude hervor – darüber, dass der Papst dem Thema der Evangelisierung, das sich immer wichtiger auch als Merkmal seines Pontifikats darstellt,  so viel Platz einräumen will. Papst Benedikt XVI. hat ja vor wenigen Wochen einen neuen Päpstlichen Rat dazu ins Leben gerufen, und jetzt plant er, das Episkopat der gesamten Welt für die entsprechende Synode im Jahr 2012 dazu einzuspannen.“
   Zwei Jahre intensive Arbeit stehen dem Vatikan, insbesondere dem neuen zuständigen Rat, jetzt bevor. Worum aber soll es auf der Synode konkret gehen?
   „Die Linie hat Papst Benedikt XVI. bereits in seinem Apostolischen Brief Ubicumque et semper und bei anderen Gelegenheiten umrissen: An erster Stelle soll es um die Erneuerung der kirchlichen Verkündigungsfähigkeit gehen, nämlich den Menschen heute das Evangelium zu verkünden. In vieler Hinsicht kann man da ja von einer „Wüste der Gegenwart“ sprechen. Die Menschen der Gegenwart haben nicht gefunden, wonach sie suchten, als sie sich von Gott entfernten. Der Mensch braucht Gott; der Papst hat einmal mehr diese Dimension unterstrichen, die doch das Zentrum seines Lebens ist.“
   Eine große Herausforderung sei die Säkularisierung, so Fisichella. Auch die Kirche sei davon nicht ausgenommen. „Papst Benedikt XVI. hat ja darauf hingewiesen, dass es in einer immer säkularisierteren Gesellschaft ein richtiges und ausgewogenes Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft braucht. Wie kann eine in sich kohärente Vernunft das Ziel seiner Suche erreichen, nämlich die Wahrheit? Aus dieser Wahrheit kann man die Anwesenheit Gottes nicht ausschließen. Das Phänomen der Säkularisierung muss genau untersucht und beobachtet werden, doch jetzt ist auch der Moment gekommen, darauf eine positive Antwort zu geben.“ rv101025pr  mehr dazu:Jahr des Glaubens

Der neue Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
   möchte Brückenbauer zu China sein. Das sagte Pater Savio Hon Tai-Fai gegenüber der vatikanischen Agentur Fides. Er danke Papst Benedikt XVI. dafür, dass die Wahl auf ihn gefallen sei, außerdem für die besondere Auf- merksamkeit und Verbundenheit mit Asien, im Besonderen mit China. Pater Savio Hon Tai-Fai wurde am 21. Oktober 1950 in Hongkong geboren. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung durch den Papst unterrichtete er als Pro- fessor für Theologie am Priesterseminar in Hongkong. Als Gastprofessor war er auch an verschiedenen Priester- seminaren in China tätig. Außerdem war er verantwortlich für die chinesische Übersetzung des Katechismus der Katholischen Kirche. Er ist Mitglied der Ordensprovinz China (China, Hongkong, Macao, Taiwan) der Salesianer Don Boscos. RV110122Fides

  Papst Benedikt XVI. hat den Beraterstab für die neugegründete Vatikanbehörde zur Neuevangelisierung berufen. Dazu gehören insbesondere Ordensobere, aber auch Verantwortliche aus dem Bereich der neuen Geistlichen Gemeinschaften. Geleitet wird der Päpstliche Rat vom italienischen Erzbischof Rino Fisichella Foto unten. Zu den Beratern des jüngsten Vatikan-Ministeriums gehören unter anderen der Generalvikar des Opus Dei, Fernando Ocariz, der Salesianer-Obere Pascual Chavez Villanueva, der Präsident von „Comunione e liberazione" Julian Carron und der Rektor der Gregoriana-Universität, der Jesuit Francois-Xavier Dumortier. Weitere Berater sind Schwester Mary Lou Wirtz, Präsidentin der Union der Ordensoberinnen, die nordamerikanische Theologie- professorin Schwester Sara Butler sowie Neokatechumenalen-Gründer Kiko Arguello. DT110521

Erzbischof Rino Fisichella  ep-aepRinoFisichella-z  Vatikan plant Mission in elf Städten Europas

   Die Leiter wichtiger Bistümer aus Europa waren zu Beratungen hinter verschlossener Tür im Vatikan. Eingeladen hatte sie der neue Päpstliche Rat für die Förderung der Neuevangelisierung, geleitet von dem italienischen Erzbischof Rino Fisichella. Und es kam auch gleich etwas Konkretes dabei heraus: „Missione metropoli“, eine Großstadt-Mission. Fisichella:
   „Das ist eine der Initiativen, die sich der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung für die nächsten Monate vorgenommen hat. Wir haben sie Großstadt-Mission genannt. Sie soll eine Antwort sein auf die Herausforderung der Neuevangelisierung in einem Augenblick, in dem Europa sich in der Krise befindet.“
   Mit Europa will der neue Vatikan-Rat zunächst einmal anfangen, schließlich geht es beim Projekt der Neuevangelisierung vor allem um den alten Kontinent:
   „Es hat schon zwei Bischofssynoden zum Thema Europa gegeben: die eine 1991 und die zweite 1999. Vergessen wir auch nicht, dass der selige Johannes Paul II. 2003 seinen grundlegenden Text „Ecclesia in Europa“ geschrieben hat: Unsere Initiative liegt auf der gleichen Linie.“
   Die Großstadt-Mission ist sozusagen zweigleisig geplant: Auf der einen Seite sollen die Bistümer ihr Engagement in Schulen und in der Ausbildung verstärken. „Außerdem soll es dann in der Fastenzeit 2012 in diesen elf großen europäischen Städten gleichzeitig untereinander abgestimmte Initiativen geben.“
   Die elf großen Städte sind die, deren Erzbischöfe jetzt im Vatikan waren oder zumindest einen Vertreter dorthin geschickt hatten: Köln, Wien, Paris, Budapest, Dublin, Lissabon, Brüssel, Liverpool, Warschau, Turin, Barcelona. In einigen von ihnen, etwa in Wien, gab es schon vor ein paar Jahren eine große Stadtmission. Doch Fisichella sagt: „Ich finde, das hier ist etwas Neues: ein gleichzeitiges, gemeinsames Zeichen. Kurz gesagt – das ist eine erste Antwort auf das, worum der Papst auf unserer ersten Vollversammlung gebeten hat: die Fragmentierung überwinden und Zeichen der Einheit geben.“
   Der Erzbischof von Liverpool, Patrick Kelly, war von dem Projekt Stadtmission überrascht. Er hatte mit nichts Besonderem gerechnet, als er am Montag im Vatikan eintraf: „Man muss ja sehen, dass das überhaupt die ersten Tage dieses Päpstlichen Rates sind: Er hat zwar schon ein Statut, aber das war`s dann auch. Als ich die Teil- nehmerliste des Treffens vom Montag sah, habe ich mich gefragt: Warum stehe ich denn auch auf dieser Liste?“ Aber im Vatikan begriff Erzbischof Kelly dann: Es geht ja gar nicht nur um diese Mission in den Großstädten. „Offenbar sollen diese Erzbistümer auch eine Art Pilotgruppe bei der Evangelisierung bilden und sich unter- einander eng vernetzen, weil sie ja vor ähnlichen Herausforderungen stehen.“ Allerdings findet der Erzbischof, dass seine Stadt Liverpool eine Art Betlehem unter diesen elf Großstädten ist: „Liverpool ist bei weitem die kleinste dieser Städte, wenn es um die Zahl der Katholiken dort geht. Wir halten in dieser Hinsicht kaum den Ver- gleich mit Barcelona, Paris oder Dublin aus. Außerdem sind wir – anders als die anderen – eine demographisch stark schrumpfende Stadt. Allenfalls passen wir doch auf die Liste dieser Großstädte, weil die Wirtschaftskrise, die ja zu unserem heutigen Kontext gehört, Liverpool äußerst hart trifft.“
   Die Großstadt-Mission, die sich der Vatikan da ausgedacht hat (und für die es offenbar noch kein gemeinsames Leitwort gibt), schweißt also sehr unterschiedliche Metropolen aneinander. Aber das könnte auch zu einer Stärke werden, glaubt Kelly: „Es kann etwas sehr Starkes entstehen, wenn diese unterschiedlichen Erfahrungen auf eine einheitliche Vision hinweisen. Das erinnert mich an die Schilderung der Kirche als Leib Christi, die der heilige Paulus gibt. Er geht so weit zu sagen: Da sind die schwächsten Glieder die unentbehrlichsten!“
   Und so könnte die Stadtmission nicht nur zu einer Parade der Glaubensstarken werden, sondern auch die ermutigen, deren Glaube ziemlich schwach ist. „Das gehört“, so Erzbischof Kelly, „zum Zeichen, das wir geben wollen.“ „Mir ist aufgefallen, wie der Papst beim Angelus gesagt hat: Gott zwingt uns nicht, zu lieben. Er lädt uns dazu ein... Das ist es.“ Natürlich ist die 11-Städte-Mission auch eine Vorlage für die Bischofssynode zum Thema Neuevangelisierung. Erzbischof Fisichella vom Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung: „Die „Großstadt-Mission“ will ein konkretes Zeichen sein, das große Städte und Bistümer Europas gemeinsam der Bischofssynode vorstellen, als ein gemeinsames Projekt, an dem sich auch andere dann inspirieren können.“ RV110712sk > Vorhof der Völker  
   Der Vatikan hat zur Neuevangelisierungsinitiative „Stadtmission“ Details bekannt gegeben. Im kommenden Jahr sollen in elf europäischen Großstädten öffentliche Lesungen aus den Evangelien und Katechesen der Bischöfe stattfinden. Das schreibt der Präsident des neuen vatikanischen Rates zur Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Es sei denkbar, dass auch berühmte christliche Texte aus den autobiografischen „Bekenntnissen“ des heiligen Augustinus vorgetragen würden. Vor allem solle diese Initiative Menschen ansprechen, die sonst mit dem Glauben wenig zu tun und die sich von der Kirche entfernt hätten. Die Großstadt-Mission soll nächstes Jahr vor allem in der Fastenzeit in elf europäischen Großstädten durchgeführt werden, darunter in Liverpool. RV110713kna

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx übernimmt das Steuer der Europäischen Bischofskonferenzen

   Zum neuen Präsident der COMECE (the Commission of Catholic Bischops‘ Conferences in the European Union) wurde der Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx für drei Jahre gewählt. Seit 2006 ist er Mitglied der COMECE, seit 2009 Vizepräsident und Vorsitzender der Kommission für soziale Fragen. Vier Vizepräsidenten stehen ihm zur Seite: Bischof Gianni Ambrosio von Piacenza-Bobbio, Italien, Bischof Bercea von Oradea Mare, Rumänien, Weibischof Piotr Jarecki in Warschau, Polen und Weibischof Jean Kockerols in Brüssel- Malines, Belgien.
   COMECE repräsentiert die Kirchen in der Europäischen Union. Zu seiner Ernennung sagt Kardinal Marx: „Im Hin- blick auf die wirtschaftliche und finanzielle Krise, die unseren Kontinent getroffen hat, in ich überzeugt, dass die Europäische Union die Kraft und die Fähigkeit hat, diese Situation zu meistern.“ Er fügt noch hinzu: „Die globale Krise erfordert eine gemeinsame Antwort.“
   Die Wahl von Kardinal Marx erfolgte während der Frühjahrs-Vollversammlung der 23 Bischöfe der Europäischen Union  in Brüssel, auf der das Thema der generationsübergreifende Solidarität behandelt wurde. CT120401Th.Hearn

Kardinal Erdö als CCEE-Vorsitzender wiedergewählt

   Kardinal Peter Erdö, Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), erhält eine zweite Amtszeit.  Die Spitzenvertreter von 33 nationalen Bischofskonferenzen sowie vier einzelnen Bistümern wählten den 59jährigen Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest für weitere fünf Jahre zu ihrem Vor- sitzenden.
   Bei der Eröffnung der CCEE-Jahresvollversammlung, die in diesem Jahr im albanischen Tirana stattfand, sagte der Kardinal, er sehe eine wachsende Diskriminierung der Kirchen in Europa. Eine antichristliche Haltung werde »systematisch« in den Medien, an Schulen und in der öffentlichen Meinung verbreitet. In der Darstellung des christlichen Glaubens werde gezielte Desinformation eingesetzt, in Internet-Netzwerken würden Seiten mit christ- lichen Inhalten »systematisch ausgeschlossen oder zensiert«, sagte der Kardinal. Zugleich rief er die Regierungen der EU auf, klarere Forderungen an Staaten zu stellen, in denen die Religionsfreiheit nicht respektiert werde. Die soziale und kulturelle Vielfalt in Europa bezeichnete er als wertvolles Gut. Die Einheit Europas dürfe nie »erzwun- gene Einheitlichkeit« sein. Die von Benedikt XVI. gewünschte Neuevangelisierung stand im Mittelpunkt des Bischofstreffens in Tirana. An der Jahresversammlung nahm auch Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpst- lichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung, teil. Er hat die europäischen Bischöfe zu einer tiefgreifenden Glaubenserneuerung aufgerufen. OR111007

be-144HydePark-z

Wenn Sie mehr über die schwierige Situation der anglikanischen Weltgemeinschaft,
deren Oberhaupt die Königin von England ist, lesen wollen: > Anglikaner II
Einen ausführlichen Bericht über das Leben und Wirken von Kardinal John Henry Newman
finden Sie auf unserer Seite > Heilige - ? Dort lesen Sie auch die Nachricht
von einem zweiten Heilungswunder auf die Fürbitte von John Henry Newman.
In der Westminster Hall hielt der Papst eine Ansprache an das britische Volk
und seine Vertreter über den der Religion zukommende Platz im politischen Leben.
Lesen Sie selbst > Menschenrechte
Über die beiden Weltstar-Sängerinnen Susan Boyle und Michelle Mc Manus,
die in der Freiluftmesse in Glasgow auftraten berichten wir unter > Liebst du mich?
Staatsbesuch des Papstes in England: Fotobericht > Europa

B-460xxx  Benedikt XVI. 5 Jahre Papst

  Papst Benedikt XVI. ist fünf Jahre im Amt. Wer ihn kritisieren will, findet leicht Wohlfeiles.
Ein Rückblick auf das Pontifikat von Jörg Bremer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Pflicht zur Wahrhaftigkeit
   Es ist fünf Jahre her, dass Deutschland jubelte: „Wir sind Papst.“ Die Wahl des Kardinals Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche wurde weltweit (überwiegend) mit Begeisterung aufgenommen. Seither hat sich Benedikt XVI., der kürzlich 83 Jahre alt geworden ist. kaum verändert, aber die Welt hat sich verändert. In Deutschland schlägt ihm Kritik entgegen, wenn nicht sogar Ablehnung. Dem Anschein nach wird ihm persönlich die Verschleierung vieler tausend Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Geistliche vorgeworfen. Doch es war Ratzinger, der noch als Chef der Glaubenskongregation im Jahr 2001 den Kampf gegen die weltweit auftretenden Missbräuche zur Sache des Vatikans machte. Er zeigte damit, dass die Autorität des Papstes nötig ist, um die Verfolgung dieser Verbrechen in allen Diözesen und auf allen Stufen sicherzustellen.
   Als er selbst Papst geworden war, nahm er bei seiner ersten Karfreitagsprozession 2005 das Thema auf und sprach vom „Schmutz“ in der Kirche; 2006 folgte die Mahnung an die irischen Bischöfe. 2008 tadelte er die Kleriker in den Vereinigten Staaten wegen des „Versagens, den Kindern das Heil und die Liebe Gottes zu bringen“. Jetzt will er - wie die Welt -, dass die Diözesen strikt handeln: offenlegen, disziplinarisch ahnden, mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten. Er schrieb im März den Brief an die irischen Katholiken und sucht die Heilung in einer Kirche der Wahrheit, welche die Opfer in den Mittelpunkt stellt. [Die eingefügten Links verweisen auf weiter- führende Berichte > Europa]
   Diese theologischen Überlegungen verstehen viele Leute nicht. Während seine Kritiker die Kirche insgesamt aus den Angeln heben wollen, glaubt Benedikt, dass sich die Menschen überhaupt nur über Glaube und Kirche von der Neigung zu Verbrechen befreien können. Für diesen Papst gelten nicht die Grundsätze des Zeitgeistes, sondern die der Kirche: Die Welt hat Strafverfolgung nötig, aber vor allem Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung.
   Kritiker sagen, der alte Mann habe den Kontakt zu seinen Zeitgenossen verloren. Seine Wahrheit sei nicht von dieser Welt. Das ist richtig und falsch zugleich. Muslimische Gesprächspartner wie der saudische König suchen das Gespräch mit dem Papst > Kirche & Moschee, > Kirche im Islam.  Erst Ratzingers provokatorische Regensburg-Rede > Dialog der Religionen gab dem katholisch-muslimischen Dialog einen Schub. Dieser Papst entdeckt die orthodoxen Kirchenväter > Ökumene neu und schafft damit eine neue Ökumene mit der Orthodoxie unter dem Patriarchen von Moskau. Während viele noch über Kontakte zwischen Judentum und Kirche sprechen, führt Benedikt schon den theologischen Diskurs mit Rabbinern. > Juden, >  Jerusalem, > Judenmission.
     Im  protestantischen  Teil  Deutschlands  heißt  es,  von diesem Papst sei zur Ökumene nichts zu erwarten. Dem würde Benedikt wohl zustimmen, aber nicht, weil er gegen Ökumene ist. Er leide unter dem Mangel an Ein- heit, denn sie verdunkle die Botschaft Gottes, sagte er neulich vor der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom > Reformation. Er forderte dazu auf, das heutige Maß an Ökumene zu feiern und darauf zu vertrauen, dass die Einheit, wenn sie einmal erreicht sein wird, „tiefer“ sein werde als das, was jetzt unter Verlust an Identität erstrebt werden kann. Benedikt macht es sich mit seiner selbstauferlegten Pflicht zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit schwer. Zugleich ist er, wie früher der Professor Ratzinger, ein begnadeter Prediger und Autor > Card. Ratzinger. Wenn er frei spricht, reißt seine Botschaft die Zuhörer mit. Seine Texte stechen aus dem Wirrwarr vatikanischer Äußerungen heraus. Er scheut jedes überflüssige Wort. So war in der Sozialenzyklika > Caritas in veritate leicht zu erkennen, welchen Teil er und welchen andere geschrieben hatten. Auch jenes Lehrschreiben war nicht populär. Es ging zwar mitfühlend auf die Mängel und Bedürfnisse vor allem in Entwicklungsländern ein. Seine Forderungen waren aber nicht die scheinbar griffigen, die aus den politischen Denkschulen kommen. Er verlangte vielmehr, sich im Denken und Handeln am liebenden Jesus zu orientieren. Ständig bekräftigt Benedikt die für die säkulare Welt schwer zu fassende und auch von Gläubigen nur mühsam beherzigte Forderung, dass Christsein gläubige Liebe bedeute und das Eingreifen in die weltlichen Belange verlange.
   Immer wieder muss sich Benedikt des Vorwurfs erwehren, seine Lehre sei restaurativ. Ihm wird die Wiederauf- nahme der Pius-Bruderschaft zur Last gelegt > Una Sancta, obwohl er ihren Bischöfen weiter das Lehramt versagt und die unbedingte Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils verlangt. Somit trifft es auch nicht zu, dass Benedikt XVI. jenes Konzil überwinden wolle. Er sieht es als eine Etappe der Kirchengeschichte, die stets neu gedeutet, aber nicht als Bruch gesehen werden darf.
   Der Papst ist nicht nur oberster Theologe, sondern auch Staatsoberhaupt und Chef einer großen Verwaltung. Da gelingt ihm nicht alles. Er vertraut Menschen in seiner Umgebung, selbst wenn sie ihrem Amt nicht gerecht werden. Diese unbewussten Papstbehinderer erschweren eine offene Pressepolitik, welche die päpstliche Leistung zum Beispiel im Kampf gegen Pädophilie darstellt. Sie sind oft auch zu schlechte Theologen, um Benedikts Botschaft zur Caritas Jesu weiterzutragen. So wirken sie mit an dem, was die Feinde der Kirche anstreben: einen Schnitt zu setzen zwischen dem Oberhirten und seinem Kirchenvolk. FAZ100419JörgBremer

B-297A-MaryMackKillop-xx

Papst Benedikt XVI. hat bei einer Heiligsprechung am 17. Oktober in Rom sechs Persönlichkeiten geehrt,
darunter die Australierin Mary MacKillop Foto: der Papst betet an ihrem Grab.

  Neben der ersten Heiligen des fünften Kontinents erhob Benedikt XVI. auch einen Polen, einen Kanadier, zwei Italienerinnen und eine Spanierin zur Ehre der Altäre Bericht über Sr. Mary MacKillop > Heilige - ? RV100915kipa

B-449-x B-450-x

Papstbesuch in der ältesten Synagoge in Rom:
Es kam zu Tränen, spontanem Beifall und Emotionen. Lesen Sie unseren Fotobericht > Juden

Natur ist ohne Gott nicht zu verstehen
Einen Tag nach dem Papstbesuch in der römischen Synagoge  begann die gemeinsame jüdisch-katholische Dialog- kommission ihre diesjährige Sitzung. Zwei Tage später, am 5. Tag des Monats Schevat im Jahr 5790 jüdischer Zeitrechnung, endet sie. Die beim Papstbesuch angesprochenen Gemeinsamkeiten standen im Fokus des Treffens.
  „Wir sind uns der Differenzen, die zwischen uns sind, bewusst, auch aber ebenso auch der Tatsache, dass, wenn wir es schaffen, unsere Herzen und unsere Hände zu vereinen, um dem Ruf des HERRN zu antworten, sein Licht uns nahe kommen wird, um alle Völker der Erde zu erleuchten.“ So hatte Papst Benedikt in seiner Ansprache in der Synagoge das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft beschrieben. Und diesen Satz nahm auch die Dialogkommission zum Ausgangspunkt ihrer Beratungen. Besonders wies sie darauf hin, dass Benedikt uneingeschränkt die Verbindlichkeit des Konzilsdokuments Nostra Aetate für die Lehre der Kirche betont habe. rv100120
Gemeinsames Erbe eint Christen und Juden
   Der Ökumene-Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz ist der Bischof von Terni, Vincenzo Paglia. Er be- tont gegenüber Radio Vatikan im Rückblick auf den Synagogenbesuch und auf den jüdisch-katholischen Dialog insgesamt, dass bei allem Konflikt gerade jetzt das Gemeinsame betont werden muss.
  „Da gibt es keinen Zweifel. Beide Seiten haben wiederholt, dass wir selbstverständlich zwei verschiedene Religi- onen sind, aber dass wir ein gemeinsames Erbe haben, das uns eint. Es gibt keinen Zweifel, dass Juden und Christen den Vorrang betonen müssen, den das Sprechen von Gott im Leben der Menschen hat. Wir müssen aber auch an die andere große Religion denken - an den Islam, der auch gerufen ist, die Gegenwart Gottes im Leben der Menschen und seine Barmherzigkeit zu bezeugen.“ Paglia betont das Grundsätzliche, für das sowohl die jüdische als auch die christliche Religion einstehen und das durch den Dialog gefördert wird.
   „Ich würde ganz instinktiv sagen, dass wir uns weiterhin begegnen müssen, wo immer in der Welt Christen und Juden gemeinsam leben. Denn wir Menschen wollen im Frieden leben, nicht im Konflikt... weil wir die Geschwister- lichkeit wollen, nicht den Hass. Wir wissen, dass jede Tötung immer ein Brudermord ist. Deswegen, denke ich, wird es weitere Schritte auf dem Weg geben, wie sie seit Beginn unserer Beziehungen das Verhältnis geprägt haben.“ rv100120

B-457-JacobNeusner-xx  Rabbi Jacob Neusner in Privataudienz

   Rabbi Neusner und seine Frau Suzanne waren erfreut über diese Einladung. Bei diesem Anlass hat der Rabbi dem Papstein Exemplar der deutschen Ausgabe des Buches von 1993 [in 2. Aufl. 2008 bei Herder erschienen] überreicht - das Kardinal Joseph Ratzinger damals in der amerikanischen Originalausgabe gelesen hatte -, zusammen mit der italienischen Ausgabe des Essays über den Talmud [im Verlag San Paolo, der ihn auch in einer Neuauflage unter dem Titel Un rabbino parla con Gesú herausgegeben hat]. Geschenke, die der Papst sehr ge- schätzt hat, er hat sich für seinen Freund aus Übersee fast 20 Minuten Zeit genommen. »Ausreichend Zeit«, so erklärt Neusner, »für eine schöne Begegnung zwischen zwei Professoren. Ich habe den Gelehrten Joseph Ratzin- ger immer für seine Aufrichtigkeit und Klarheit geschätzt und war sehr daran interessiert, ihm persönlich zu begeg- nen und ihn als Menschen kennenzulernen. Jetzt wo ich aus Anlass der historischen Begegnung in der Synagoge und der Diskussion mit Erzbischof Forte nach Rom gekommen bin, wurde mir dieses große Geschenk eines Treffens mit dem Papst zuteil.« Neusner findet fast keine Worte, um seiner Freude über diesen Besuch Ausdruck zu ver- leihen: »Wir haben über unsere Bücher gesprochen, und er hat mir anvertraut, dass er den zweiten Band über Jesus abgeschlossen hat.«
   Neusner jedoch macht nicht viele Worte und kommt direkt zum Kern der Sache, was im übrigen eine Tugend ist, deretwegen die beiden »Professoren« einander schätzen: »Was mich am meisten beeindruckt hat, ist sein durchdringender Blick. Er blickt in dich hinein. Und dann seine Gentleman-Manieren, voller Liebenswürdigkeit und Demut.« Dieser menschliche Zug hat den Rabbi berührt, genauso wie er ihn schon beim Synagogenbesuch be- merkt hatte. »Ein überwältigendes Ereignis mit einer außerordentlichen, erwartungsvollen und ergriffenen Anteil- nahme aller, die mich mit Hoffnung für die Zukunft erfüllt. Das Problem der heutigen Zeit ist - und das hat der Papst gut verstanden -, dass man ohne Gedächtnis lebt, man vergisst die Geschichte und die religiösen Tradi- tionen, von denen man herkommt. Aus diesem Grund ist das Studium der Geschichte von großer Wichtigkeit. Ich denke an eine umstrittene Frage wie die der historischen Gestalt Papst Pius' XII. Meiner Meinung nach ist es noch zu früh, ein Urteil abzugeben, und dennoch höre ich oft scharfe Urteile im einen oder anderen Sinn. Ich habe fast den Eindruck, als gäbe es da jemanden, der zerstörerisch agitiert, den weder der Katholizismus noch das Juden- tum interessiert und auch nicht der Dialog zwischen diesen beiden großen Traditionen. Das ist traurig, denn in der konkreten Wirklichkeit - das kann ich in meinem Alltag in den Vereinigten Staaten feststellen - sind die Bezie- hungen zwischen Juden und Christen sehr gut. Wenn man die Vergangenheit ignoriert, ist man dazu verurteilt, sie zu wiederholen; aus diesem Blickwinkel ist das Studium der Geschichte grundlegend. Genauso wie das Verant- wortungsbewusstsein: jede Generation ist verantwortlich für die Zukunft, und sie ist es heute, hier und jetzt.
OR100129AndreaMonda Lesen Sie mehr zur Freundschaft des Papstes mit Rabbi Neusner > Judenmission

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Benedikt XVI. an Kurie: „Ohne Versöhnung keine Menschlichkeit“
   Papst Benedikt hat nach der Kritik jüdischer Gemeinden am Vorantreiben der Seligsprechung des Papstes Pius XII. die antisemitischen Verbrechen der Nationalsozialisten erneut verurteilt. In einer Rede vor Vertretern der Kurie erinnerte Benedikt XVI. an seinen Besuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem im Mai 2009 Foto oben.
   Der Papst: „Der Besuch in Jad Vashem war eine erschütternde Begegnung mit der Grausamkeit des mensch- lichen Fehlens, mit dem Hass einer verblendeten Ideologie, die ohne jede Rechtfertigung Millionen dem Tod ausge- liefert hat und in letzter Konsequenz Gott aus der Welt vertreiben wollte; den Gott Abrahams, Isaaks Jakobs und den Gott Jesu Christi.“
   Doch ohne Versöhnung gebe es keine wirkliche Menschlichkeit und auch keine wirksame Politik, erinnerte der Papst weiter. Die „Bereitschaft zum ersten Schritt auf den anderen zu“ werde heute immer wieder aufs Neue gebraucht, so der Papst. Versöhnung sei grundlegende Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Das zeige auch die Situation Afrikas, so Benedikt, der in seiner Botschaft auch auf seine Reise nach Afrika und die Afrika-Synode einging.
Benedikt wörtlich: „Jede Gesellschaft braucht für den Frieden Versöhnung. Versöhnung ist notwendig für eine gute Politik, kann aber nicht nur durch Politik verwirklicht werden. Versöhnung ist ein Konzept und eine Wirklichkeit, die vor der Politik kommt: Wenn sich im Herzen nicht die Kraft der Versöhnung bildet, fehlt die Voraussetzung für einen politischen Einsatz für den Frieden.“
   Als positives Beispiel geglückter Versöhnung nannte das katholische Kirchenoberhaupt die Entwicklung Europas nach dem zweiten Weltkrieg: Politische und ethisch orientierte gesellschaftliche Strukturen hätten dort den Frie- den nach Kriegsende gesichert. Für „innere und äußere Erneuerung“ sei jedoch auch Buße notwendig, so der Papst. Denn um aufeinander zugehen zu können, müsse man zunächst eigene Fehlhandlungen erkennen.
   Benedikt: „In unserer heutigen Welt müssen wir das Sakrament der Buße und die Versöhnung wiederentdecken. Die Tatsache, dass die Buße zu großem Teil aus den grundlegenden Gewohnheiten der Christen verschwunden ist, ist Symptom des Verlustes von Wahrhaftigkeit gegenüber uns selbst und gegenüber Gott. Dieser Verlust bringt unsere Menschlichkeit und unsere Fähigkeit, Frieden zu schließen, in Gefahr. Die Einheit von Schuld, Buße und Versöhnung ist eine der grundlegenden Bedingungen wahrer Menschlichkeit, Bedingungen, die im Sakrament der Buße ihre vollständige Form erhalten, aber bereits von ihren Wurzeln her zum Menschsein dazugehören.“
   Versöhnung sei nicht nur ein wichtiges Element für den interreligiösen Dialog, so der Papst mit Blick auf die Ver- gangenheit, Afrika und den Nahen Osten. Auch für den Dialog mit Atheismus und Agnostik sei diese Haltung von Bedeutung, so der Papst in Bezug auf seine Reise in das weitgehend atheistische Tschechien. RV091221

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Drittes Papstbuch über Jesus von Nazaret im Handel

   Der zweite Teil des Buches „Jesus von Nazaret" von Papst Benedikt XVI. handelt von der Passion Jesu; im dritten Jesus-Buch  geht es um die Kindheitsgeschichte Jesu. RV180610panorama > Card. Ratzinger

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Benedikt XVI. trägt einen neuen Kreuzstab

   Ab Beginn des neuen Kirchenjahres trägt Papst Benedikt XVI. einen neuen Kreuzstab. Mit der Vesper zum ersten Adventssonntag hatte der Ferula genannte Stab seine Premiere, berichtet die Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ unter Berufung auf den päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini. Es ist dies bereits der dritte Kreuzstab, den Benedikt XVI. seit seiner Wahl zum Nachfolger Petri gebraucht. Zunächst hatte er den silbernen Kruzifix-Stab von Papst Paul VI. aus den 60-er Jahren übernommen, den auch seine beiden Vorgänger genutzt hatten Foto links. Er war beim Abschlussgottesdienst zum Zweiten Vatikanischen Konzil erstmals gebraucht und vom italienischen Bildhauer Lello Scorzelli entworfen worden. Seit Palmsonntag 2008 hatte Benedikt auf ein Kreuz von Pius IX. Foto Mitte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgegriffen. Der neu geschaffene Stab Foto rechts ist ein Geschenk des römischen Wohltätigkeitsverbandes „Circolo San Pietro“ und „kann definitiv als die Ferula von Benedikt XVI. bezeichnet werden“, sagte Marini. Auf dem Ring direkt unterhalb des Kreuzes ließen die Stifter den Name Papst Benedikts eingravieren, während die kleine Kugel, die den oberen Abschluss des Stabes bildet, sein Wappen trägt. Der neue Stab ist mit zweieinhalb Kilogramm noch leichter als der letzte. Er trägt im Gegensatz zu diesem keine Schmucksteine. Auf der Vorderseite ist im Zentrum das Osterlamm zu sehen, außerdem Netz-Motive, die auf den Fischer Petrus verweisen. Die Symbole der vier Evangelisten zieren die Enden der Kreuzbalken. Die Rückseite trägt das Christusmonogramm sowie Darstellungen westlicher und östlicher Kirchenväter. Or091128rv

mis-B-NguyenTanDung-xx    Vietnam 

   Papst Benedikt hat Joseph Vo Duc Minh zum neuen Bischof der südvietnamesischen Diözese Nha Trang ernannt. Der 65-jährige wird Nachfolger des bereits 78-jährigen Paul Nguyen Van Hoa, dessen Rücktritt der Papst gleich- zeitig annahm. Der neue Diözesenbischof war bereits seit vier Jahren Koadjutor der Diözese und unterstützte den Ordinarius in seiner Amtsführung. Von den rund 1,6 Millionen Bewohnern im Bereich der Diözese sind etwa zehn Prozent Katholiken. Rv091204
   Der Präsident der Volksrepublik Vietnam hat im Rahmen seiner Europareise am 11. Dezember den Vatikan be- sucht. Kirchenvertreter in Vietnam hatten wiederholt von einer unmittelbar bevorstehenden Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Präsident Nguyen Mihn Triet gesprochen. Im Januar 2007 hatte der Papst Vietnams Pre- mierminister Nguyen Tan Dung Foto oben empfangen. Die Audienz gab den Anstoß für eine Verbesserung der Be- ziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Volksrepublik. Hanoi hatte den offiziellen Kontakt nach dem Vietnamkrieg und dem Sieg des kommunistischen Nordens über den Süden 1975 abgebrochen. Rv091204 mehr dazu >Weltkirche
   Vietnams Präsident Nguyen Minh Triet ist am 11. Dezember von Papst Benedikt in Audienz empfangen worden. Der Vatikan teilt mit, das vierzigminütige Gespräch sei „in herzlicher Atmosphäre“ verlaufen. Der Präsident hatte angekündigt, es werde an der Einrichtung voller diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern ge- arbeitet; doch wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, wurde nicht klar. Die Presse in Vietnam hatte auch angekündigt, der Präsident werde mit dem Papst über einen möglichen Besuch Benedikts in Vietnam reden. Das Vatikan-Statement spricht nur von der Hoffnung, dass anstehende Fragen baldmöglichst geklärt werden können, und nennt die Visite von Nguyen Minh Triet einen Fortschritt in den beiderseitigen Beziehungen. Sie ist der erste Vatikanbesuch eines vietnamesischen Staatschefs seit 1975. Damals brach das Land nach dem Vietnamkrieg und der kommunistischen Wiedervereinigung die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl komplett ab. Seit Jahren beraten Unterhändler beider Seiten über eine Verbesserung der Staat-Kirche-Beziehungen und über einen Botschafteraustausch. Nach fast 15-jähriger Funkstille finden seit 1989 einmal jährlich Gespräche auf Ebene der Vize-Außenminister statt. Dabei geht es um Bischofsernennungen, um Zulassungsquoten für Priesterseminare sowie um Garantien für Kultstätten. Rv091211knaaul

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Seligsprechung – für Kardinal Nguyen Van Thuan – Vatikanische Delegation in Vietnam ausgeladen
Fotos: Kardinal Van Thuan links und rechts: mit Papst Johannes Paul II.

  Die vietnamesische Regierung hat das Visum für die Teilnehmer der römischen Diözese, sowie für den Präsi- denten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden Kardinal Peter Turkson rückgängig gemacht. Die Pläne für einen Besuch dieser vatikanischen Delegation in dem kommunistischen Land wurden daher aufgeschoben. Nach der Planung wollte diese Delegation vom 23. März bis 09. April 2012 das Zeugnis einiger Leute aufnehmen, die den verstorbenen Kardinal noch kannten. Der Seligsprechungsprozess für Francois Xavier Nguyen Van Thuan wurde im Jahre 2010 von der römischen Diözese eingeleitet. Der Vicedirektor des vatikanischen Presseamtes Pater Ciro Benedettini teilte mit, dass der Vatikan nicht in die Vorbereitung der Reise eingebunden war. Die Dele- gation hatte Touristen-Visa beantragt und reiste nicht im Auftrag der vatikanischen Diplomatie. Die vietnamesische Botschaft in Italien zog die Visa zurück,  berichtet die Nachrichtenagentur AsiaNews in Rom.
  Kardinal Turkson war als Leiter des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden der Delegation zugeordnet, weil der verstorbene vietnamesische Kardinal dieses Amt von 1998 bis 2002 innehatte. 2002 starb der Kardinal Nguyen im Alter von 74 Jahren in Rom. Das kommunistische Regime hatte ihn zuvor in Vietnam inhaftiert.
   1975 war Van Thuan zum Koadjutor-Bischof von Saigon ernannt, später umbenannt in Ho Chi Min Stadt. Ob- schon niemals beschuldigt oder verurteilt, wurde er 13 Jahre interniert in Einzelarrest. Der Onkel des Kardinals war der südvietnamesischen Präsident Ngo Dinh Diem, ein katholischer Christ, der 1963 ermordet wurde. Die Kirche und alle religiösen Aktivitäten stehen unter strenger Kontrolle in Vietnam, jedoch sind in einigen Teilen des Landes die Einschränkungen der religiösen Praxis gemildert worden. Im Jahre 2010 stimmte Vietnam der Ernennung eines päpstlichen Repräsentanten für die Katholiken im Land durch Papst Benedikt zu. Der Vatikan betrachtet dies als ersten Schritt zu vollen bilateralen diplomatischen Beziehungen CT120408

   Der Erzbischof von Hanoi fordert in einem Brief die Behörden des Landes auf, den brutalen Angriff gegen Pater Nguyen Van Binh zu untersuchen. Der Priester habe sich schützend vor Kinder gestellt, als ein Schlägertrupp ein christliches Waisenhaus verwüstet habe. Dabei sei Nguyen Van Binh schwer verletzt worden. Berichten von „Asianews“ zufolge habe die anwesende Polizei am Tatort nichts unternommen, um die Angreifer zu stoppen. Die Erzdiözese äußerte sich in einer Presseerklärung empört über das Verhalten und die Verletzungen gegen die Menschenrechte. RV120420asianews  Mehr zur Kirche in Vietnam > Weltkirche

Papst: Grandioser Film über heiligen Augustinus

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   Als eine „grandiose Darstellung" hat Papst Benedikt XVI. nach Angaben des Vatikan einen neuen Film über das Leben des heiligen Augustinus gewürdigt. Die Fernseh-Biographie, die der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit italienischen und polnischen Firmen produziert hatte, wurde ihm in Castel Gandolfo vorgeführt. Sie wurde nach Angaben des Senders auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Papst dankte dem Bayerischen Rundfunk für die Produktion.
   Es sei für ihn eine große Freude gewesen zu sehen, wie eine eher beiläufige Bemerkung vor drei Jahren den Weg für ein solches Vorhaben geebnet habe, sagte der Papst. Er bezog sich damit auf das Interview, das er im August 2006 ARD, ZDF und der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan gegeben hatte siehe Foto oben. Damals antwortete Benedikt XVI. auf die Frage des RadioVatikan-Journalisten Pater Eberhard von Gemmingen, auf welche Weise Heilige wieder mehr zum Vorbild werden könnten:
  „Vielleicht kann man auch Filme über solche Gestalten machen - ich könnte mir schöne Filme vorstellen. Ich kenne natürlich nur die Kirchenväter." DT090919KNA

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Demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn - Zum 85. Geburtstag von Papst Benedikt XVI.

   Ob der Bischof von Rom und Papst von weit mehr als 1,2 Milliarden Katholiken in einer Vorstadtkirche predigt oder im Gefängnis, im Kloster von Martin Luther in Erfurt oder auf dem „Platz der Revolution" in Havanna: Die Menschen hören ihm zu. Dabei ist die Stimme von Benedikt XVI. nicht besonders stark. Er benutzt keine rheto- rischen Wunderwaffen. Aber er hat eine Botschaft, die seine Zuhörer sichtbar anspricht. In ihrem Zentrum steht die Glaubenserkenntnis, dass Jesus das Fleisch gewordene Wort Gottes sei, ein Freund der Menschen. Gott steht für den Papst nicht im Gegensatz zur Vernunft, sondern der Glaube an ihn setzt Vernunft voraus. Der Papst möchte Theologie und Philosophie versöhnen, „Jerusalem" als den Ort der Geburt des Glaubens mit „Athen", dem Ursprungsplatz der klassischen Philosophie. Das ist die zentrale Botschaft von Benedikt XVI., der am 19. April 2005 als Nachfolger von Johannes Paul II. zum Oberhirten der katholischen Christenheit gewählt wurde und jetzt 85 Jahre alt geworden ist.
   Papst wollte Joseph Ratzinger nie werden. Aber weil er dem umschwärmten Johannes Paul II. so nah war und nach dessen Tod einprägsam die Führungsrolle der Kirche übernahm und weil bei den 115 Kardinälen im Konklave wenig Neigung zu Experimenten bestand und sich kein hervorstechender Gegenkandidat anbot, fiel nach nur vier Wahlgängen „das Fallbeil" - wie er später sagte - auf den deutschen Kardinal und Professor. Dennoch strahlte der neue Pontifex maximus, als er sich erstmals den Massen auf dem Petersplatz zeigte: „Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich gewählt, einen einfachen und demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet der Umstand, dass Gott der Herr auch mit unzulänglichen Werkzeugen umzugehen versteht." Das war nicht Koketterie. Benedikt wusste von Anbeginn, dass er kein Star-Hirte wie sein Vorgänger sein würde, kein großer Kirchendiplomat oder Administrator.
   Benedikt ist der Theologe auf dem Papstthron, der bisweilen mit Büchern besser umgehen kann als mit Men- schen. Er schätzt das Streitgespräch. Im Diskurs mit seinen Schülern hört er zu, kann lachen und Scherze machen. Mit wachem Blick mustert er sein Gegenüber und ist ganz bei ihm. In solchen Momenten geht von Benedikt XVI. ein Wohlwollen spendendes Charisma aus. Und es fällt auf, dass er im Gespräch offener argumentiert als in seinen oft als streng empfundenen Texten. Falsch aber liegen jene, die den früheren Präfekten der Glaubenskongregation, der von 1982 bis zur Papstwahl Hüter der katholischen Lehre war, als „Panzerpapst" in der reaktionären Ecke sehen.
   Er überraschte mit seiner Härte gegenüber der traditionalistischen Piusbruderschaft, die er auf die Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils festlegen will, auf Religions- und Gewissensfreiheit. Benedikt wirft auf der anderen Seite die Pastoren der österreichischen Priesterinitiative nicht aus der Kirche, obwohl sie Rom mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam" herausfordern: Die Priester wollen wie viele Laien im Westen Frauen ordinieren oder Schwule, das Pflichtzölibat aufheben und Laien mit Führungsämtern betrauen. Der Papst aber will die Einheit der Kirche. Darum möchte er die Piusbrüder zurück und läuft den österreichischen Priestern hinterher. Er gestand der Initiative zu, „dass sie die Sorge um die Kirche umtreibt". Aber Ungehorsam sei in der „oft dramatischen Lage der Kirche" nicht der Weg zur Erneuerung, fügte der Papst hinzu. Der Priester müsse sein Leben gehorsam „Christus zur Verfügung stellen". 
   In diesem Gehorsam lebt der Papst. Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 im oberbayerischen Marktl ge- boren und wollte wie sein Bruder von Jugend an Priester werden. Mit ihm zusammen empfing er 1951 die Priester- weihe. Mit seiner Dissertation „Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche" (1953) begann zudem die wissenschaftliche Laufbahn: 600 Bücher in 27 Sprachen konnte ihm im vergangenen Jahr sein Verleger vorlegen - seine Werke und ihre vielen Übersetzungen. Trotz der erbarmungslos harten Belastungen ohne Wochenende schrieb er weiter seine Jesus-Biographie nach den Evangelien, um den Riss zwisehen dem „historischen Jesus" und dem „Christus des Glaubens" zu kitten. Er setzte so in der kleinen Wohnung über den prachtvollen Sälen im Apostolischen Palast mit dem Bleistift seine Arbeit fort, die ihn als Dozent von München nach Freising, Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg gebracht hatte, bis er 1977 Erzbischof von München und Freising wurde.
   Als Papst aus dem Land der Reformation bekümmert Benedikt die Spaltung zwischen Katholiken und evangelischen Christen. Im März 2010 sagte er in Roms lutherischer deutscher Christuskirche, diese Spaltung verdunkle das gemeinsame Zeugnis.  Das mache auch ihn „traurig". Aber er habe kein Mandat dafür, dies zu ändern. Das könnte nur der Heilige Geist. Darum sollte man lieber froh darüber sein, „dass wir gemeinsam beten und miteinander singen". Darüber ging Benedikt XVI. auch nicht beim Besuch in Luthers Kloster in Erfurt im ver- gangenen Herbst hinaus. Seit dem gemeinsamen Papier zur Rechtfertigungslehre vom Ende des 20. Jahrhunderts, bei dem Ratzinger entscheidend mitwirkte, gibt es in der Ökumene kaum Fortschritte. Der Papst sieht dagegen Spielraum bei der Annäherung an die orthodoxen Kirchen.
   Während die Kritiker von Reformstau sprechen und nicht nur mehr Ökumene einfordern, sondern ein liberales Amtsverständnis für Priester, Öffnungen bei Schwangerschaftsabbruch, Sexualmoral oder Sterbehilfe, sieht Benedikt seine Kirche wie im reformatorischen Sturm: „Wer die Geschichte der Nachkonzilszeit betrachtet, kann die Dynamik wahrer Erneuerung erkennen, die in lebendigen Bewegungen oft unerwartete Gestalten annimmt, und die unerschöpfliche Lebendigkeit der heiligen Kirche", sagte er jüngst.
   Gleichwohl ist die Kirche in einer „oft dramatischen Lage", wie der Papst selbst sagt. Anders als in den Ländern des kirchlichen Wachstums - in Afrika oder Fernost - herrscht in den theologischen Erblanden des Westens Priestermangel. Die Entfremdung zwischen Rom und der Basis nimmt zu. Oftmals agieren Landesbischöfe hilf- und ratlos. Auch in der Kurie hat Benedikt XVI. Probleme. Ihre Verwaltung überließ er schwachen Kardinälen, gegen die Intrigen gesponnen werden. Seine Diplomaten stoßen an Grenzen: Vor sieben Jahren hatte die Kurie auf Chinas Öffnung gesetzt. Aber das kommunistische Peking bleibt hart. Nach dem missglückten Start für einen Dialog mit dem Islam Regensburger Vorlesung 2006 schienen katholisch-muslimische Kontakte intensiver zu werden. Mittler- weile werden Christen nirgends blutiger verfolgt als in der islamischen Welt. Über den jüdisch-christlichen Dialog wird hingegen nicht geklagt.
   Anfangs stand Benedikts Pontifikat im Schatten der Missbrauchsskandale. Hier griff der Papst durch und setzte einen Neuanfang. Jetzt treibt ihn der Feldzug gegen „Gottes- und Wertedunkel" sowie gegen den „terrori- sierenden Relativismus" um, dem er die Neuevangelisierung der Alten Welt entgegensetzt. An seinem Festtag richteten ihm seine Bayern eine kleine Geburtstagsfeier im Vatikan aus. FAZ120416JörgBremer

                be-265MariaHöfelRiesch-z

   Nachträgliche Glückwünsche zum 85. Geburtstag des Heiligen Vaters überbrachte die Skirennläuferin Maria Höfl- Riesch bei der Generalaudienzl. Sie hat dem Papst ein Exemplar des Buches »Benedikt XVI. Prominente über den Papst« überreicht. Die zweifache Olympiasiegerin und Weltmeisterin aus Garmisch-Partenkirchen hatte selbst einen Beitrag für das Buch verfasst. Darin äußerte sie den Wunsch, dem Papst einmal persönlich begegnen zu dürfen. Dieser Wunsch ist nun für sie in Erfüllung gegangen. OR120504

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  Papst empfängt jüdische Vertreter. Foto:  Vertreter der jüdischen Delegation, Arthur Schneier links und Malcolm Hoelein rechts: neben Papst Benedikt, der sich ausdrücklich von jeglicher Holocaust-Leugnung distanzierte.   

   Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikani- schen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus hervor- gehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Va- tikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu ver- pflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Schoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Bene- dikts im Heiligen Land: „Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.
Rabbiner: Historischer Tag
   „Schalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächs- bereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
   Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung Nostra Aetate bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Generationen vermittelt werden.
Zeichen für Israelreise
   „Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch an- erkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
  Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
   Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“
Appell gegen Antisemitismus
   Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
   Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unter- stützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“
Worte des Papstes
   Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.
   „Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
   „Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen statt- gefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“
Papst bereitet Israelreise vor
   Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen. „Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neu- formulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“
   Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet.
   „Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Versöhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“
Benedikt XVI. und das Konzil
   Der Papst nannte die Konzils-Erklärung Nostra Aetate einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“
  „Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“
   Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust: „Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Schoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen ... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Schoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“
  Zu Recht sei Erinnern auch memoria futuri, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Mensch- heit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
   Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Va- tikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter.  rv090213
Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
   Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:
   „Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“
   Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien. „Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Rich- tung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret Nostra Aetate und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“ Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt.
   „Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er Nostra Aetate akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“
   Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier. „Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“  rv
Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch - eine Einschätzung von Stefan Kempis.
   Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht be- merkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Be- nedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Vergebungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes Text siehe: Dialog der Religionen. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durch- bruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater.  rv090213

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Papst betont römischen Primat – Bitte um Gebet für Petrusdienst

   Benedikt XVI. bekräftigt den Primat des römischen Bischofs innerhalb der Christenheit. Beim Angelusgebet auf dem Petersplatz erinnerte er an das Fest der Kathedra Petri.
   „Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottes- volkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.“
  Der „einzigartige und spezifische Dienst des Bischofs von Rom“ sei zuletzt auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil angesprochen worden, so Papst Benedikt weiter. Er zitierte aus der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium über die Kirche:
  „In der kirchlichen Gemeinschaft gibt es legitimerweise die Ortskirchen, die eigene Traditionen haben. Davon un- berührt bleibt aber der Primat der Kathedra des Petrus, die der weltweiten Gemeinschaft in Liebe vorsteht, die le- gitime Vielfalt schützt und darauf achtet, dass Eigenheiten der Einheit nicht nur nicht schaden, sondern ihr sogar dienen.“
  Er bitte um Gebet, damit er seine Aufgabe als Nachfolger des Apostels Petrus treu ausüben könne, so Papst Benedikt. Über das Fest der Kathedra Petri sagte er auch ein paar Sätze auf deutsch, die durchaus auf den Williamson-Skandal und andere Aufregungen der letzten Wochen anzuspielen schienen:
   „Christus hat Petrus als den Felsen erwählt, auf dem er seine Kirche aufbauen wollte. Als Apostel sollte er in der ganzen Welt – universal – als Hirte und Lehrer dienen, und dieses Apostelamt wirkt in seinen Nachfolgern durch alle Zeiten fort. Bitten wir den heiligen Petrus um seinen Fürsprache, dass Verwirrung und Stürme die Kirche nicht erschüttern und wir am unverfälschten Glauben festhalten, in der Einheit bleiben und in Liebe miteinander leben. Der Herr leite und stärke euch mit seinem Segen.“Rv090221

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Papst warnt vor Illusionen „Interreligiöser Dialog im engeren Sinn nicht möglich”

   Papst Benedikt XVI. hat vor Illusionen im interreligiösen Dialog gewarnt und einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” abgelehnt. In einem Vorwort für ein Buch des ehemaligen italienischen Senatspräsidenten Marcello Pera, das jetzt veröffentlicht wurde, bekräftigt Benedikt Peras Darstellung der „Multikulturalität”: Sie sei „innerlich wider- sprüchlich” und daher „politisch und kulturell unmöglich”. Europa müsse daher von seinem „christlich-liberalen Fun- dament seine Identität” finden, nicht eine imaginäre „kosmopolitische”.
   Zustimmend äußert sich der Papst über Peras Analyse des interreligiösen Dialogs; er sei „nicht möglich”. Nur aus anderen Veröffentlichungen Benedikts wird deutlich, dass er damit „ergebnisoffene” Verhandlungen zwischen An- hängern verschiedener Religionen über gleichsam „verhandelbare” Positionen ihres Glaubensbekenntnisses meint; diese Dogmen könnten nicht von einem Dialog korrigierbar angetastet werden. In dem Vorwort heißt es: „Um so notwendiger ist der interkulturelle Dialog, der die kulturellen Konsequenzen der religiösen Grundent- scheidung vertieft.”
   Anfang dieses Monats hatte unter Leitung des „Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog” das erste Seminar des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom getagt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Dabei war es nicht zu einem interreligiösen Dialog im engeren Sinn gekommen, etwa über das Prophetentum Moham- meds oder die Gottessohnschaft Christi.  FAZ081126hjf
  
Dass Papst Benedikt XVI. zuallererst Theologe im strengen Sinn des Wortes ist, unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Johannes Paul II. Der Pole auf dem Stuhl Petri war vor allem ein Mann der Gesten und verbindenden Zeichen, so wie der Deutsche immer zuerst ein Mann des Wortes und der klaren Distinktion gewesen ist. Doch ginge fehl, wer diesen Wesenszug mit einer Abkehr des Vatikans von der Ökumene oder dem Gespräch mit ande- ren Weltreligionen gleichsetzen wollte. In Gestalt der Kardinäle Kasper (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Gespräch mit dem Judentum) und Tauran (Interreligiöser Dialog) bietet er für den Dialog zwei exzel- lente, diplomatisch versierte Theologen auf. Und noch nie stand Rom mit so vielen Kirchen, Bewegungen und Religionsgemeinschaften im Gespräch. Vieles wurde von Johannes Paul begonnen; Benedikt hat - nach anfäng- lichen Unsicherheiten - auf diesem Fundament weitergebaut. Dass er dabei an das Feststehen im je eigenen Glauben als Voraussetzung jedes Dialogs erinnert, kann nur den verwundern, der sich selbst nicht ernst nimmt.

Israel: Jad Vaschem-Tagung über Pius XII. > “Stellvertreter”
   Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ein katholisches Forschungsinstitut untersuchen gemeinsam die Rolle von Pius XII. in der NS-Zeit.  Eingeladen sind zu diesem Historikertag sowohl Kritiker als auch Verteidiger des Pacelli-Papstes, berichtet der Dekan der Ordens-Hochschule „Studium Theologicum Salesianum“ aus Jerusalem, Roberto Spataro. Er spricht von einem „Schritt vorwärts" in der historischen Rekonstruktion dieses Aspekts der Amtszeit von Pius XII. Es seien noch viele Dokumente aus der fraglichen Zeit zu studieren.„Der Weg ist noch weit", so der Salesianer.
   Das Treffen sei auch im Hinblick auf Papst Benedikts Besuch in Yad Vashem zu sehen, berichtet der Salesianer Francesco De Ruvo gegenüber der Nachrichtenagentur Zenit. In Yad Vashem gibt es eine Bildunterschrift zu Pius XII., auf der dem Papst „Schweigen und Fehlen von Leitlinien" während des Holocausts zugeschrieben werden - eine Behauptung, die von vielen Historikern, darunter auch jüdischen, als völlig falsch zurückgewiesen wird. „In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bücher und neue Artikel veröffentlicht", erklärt De Ruvo. „Nun liegt neues Material vor, das es erlaubt, neue Aspekte ans Licht zu bringen, die man sich  anschauen und zusammenfassen soll, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt und manches korrigiert werden soll." Die Zeitspanne vor dem Pontifikat Pius XII., die Beziehungen zu den deutschen Bischöfen, die Lage in Italien während des Holocausts und die Zeit nach dem Holocaust gehören zu den Themen. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Potsdamer Zeithisto- riker Thomas Brechenmacher, Autor des Buches „Der Vatikan und die Juden“.
   „Für einige ist Pius XII. ein indifferenter Beobachter des Holocausts gewesen, der im Stillen zum Komplizen der gewaltigen Tragödie wurde", so De Ruvo. „Andere Forscher und Historiker haben für einige Zeit eine völlig andere These vertreten, die eine positive Beurteilung des Wirkens von Papst Pius XII. bedeutet: Er bemühte sich dem- nach, mit allen möglichen Mitteln die Auswirkungen des Holocausts zu verringern, manchmal mit wirksamen Resultaten." Die zweite Position stützt sich auf historische Dokumente sowie auf schriftliche und mündliche Zeugenaussagen.
   Die erste Sitzung wurde von Avner Shalev, der Vorstandsvorsitzenden des Yad Vashem-Komplexes, und dem päpstlichen Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, eröffnet. Shalev würdigte vatikanische Signale „für eine stärkere Öffnung der Archive“ zum Pontifikat von Pius XII. Es sei „ermutigend, dass der Papst selbst Anweisungen gegeben hat, die Katalogisierung der entsprechenden Dokumente noch zu beschleunigen“. Erzbischof Franco spielte in seinem Statement auf den Williamson-Skandal an: „Man kann nicht katholisch sein, wenn man die Schoah leug- net.“ Es sei in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten zu „traurigen Momenten“ gekommen, so der Nuntius. Er betonte, dass Yad Vashem und der Heilige Stuhl „keine Gegenspieler“ seien: Es liege in ihrem ge- meinsamen Interesse, „Hand in Hand“ das Wissen über Pius XII. und seine Haltung zur Schoah zu „vertiefen“. Ziel sei „eine gemeinsame Haltung beider Seiten“; die Kirche sei „die beste Verbündete von Yad Vashem, um die Erinnerung wachzuhalten und aus ihr zu lernen“. In Jerusalem war zu hören, dass es auch Ziel der Gespräche sein soll, zu einem Einverständnis über einen neuen Text für die Schrifttafel in Yad Vashem zu finden.
fidesZzenit090308ansaRv  Lesen Sie dazu > Holocaust

 Leiter des Instituts für interdisziplinäre Studien der Religionen und Kulturen: P. Felix Körner, Rom

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Zur Israel-Reise des Papstes: Interview mit Pater Felix Körner SJ  Foto oben
zum Stand des Dialogs mit dem Islam und zum Papstbesuch in Jerusalem

Wie würden Sie den heutigen Stand des christlich-islamischen Dialogs beschreiben?
   Die Paradigmen haben sich mit dem Pontifikatswechsel gewandelt. Den Teppich, den das Pontifikat Johannes Pauls II. ausgebreitet hat, hat das neue Pontifikat nicht weggezogen, sondern hat auf diesen Teppich Theologen geholt, die den vertieften Dialog suchen und auch Kontroversen nicht scheuen. Auf die ausgestreckte Hand folgt nun theologisch präzise Diskussion. Das ist ein gewaltiger Fortschritt.
Auf muslimischer Seite wird als Dialogpartner oft die Gruppe der 138 genannt.
Wie repräsentativ ist diese Gruppe für die islamische Welt?
  Die Gruppe wird vom jordanischen Königshaus gefördert und ist eine Art ökumenische Bewegung des Islam. Wie jede christliche ökumenische Bewegung hat sie auch Gegner, die sich dem bewusst verweigern und als schwäch- lichen, haltlosen Kompromiss beklagen. Aber diese Gruppe bemüht sich auch, skeptische Muslime für ihr Projekt zu gewinnen. Ihre Idee ist geradezu katholisch: „Sprechen wir mit einer Stimme in die Welt". Die Gruppe der 138 ist nicht hundertprozentig repräsentativ. Das wird sie auch nie sein. Aber sie ist keine Splittergruppe und hat eine wachsende Repräsentanz. Das spürt man auch bei den Sitzungen des katholischen-muslimischen Forums. Da gibt es muslimisch-interne Debatten, die zunächst unlösbar erscheinen. Aber dann zeigt sich doch ein Weg. Bei der letzten Sitzung kam man zum Beispiel zu der Einsicht: Wir müssen Minderheiten in islamischen Ländern nicht nur die private, sondern auch die öffentliche Religionsausübung erlauben. Das war ein großer Schritt.
Und das kommt auf muslimischer Seite auch so rüber?
   Wir müssen schon aufmerksam bleiben, ob nicht mit doppelter Zunge geredet wird. Es gibt ein Dokument der so genannten 138 an die muslimische Welt, in dem jede Kritik, die wir gegenüber islamisch geprägter Politik beispiels- weise beim Thema Religionsfreiheit erhoben, einfach als absurd weggestrichen war. Das darf nicht sein. Wir müssen - im übrigen auch wir Christen - in beide Richtungen aufrichtig bleiben.
   In Amman ging Papst Benedikt XVI. erneut in eine Moschee. Sie haben ihn 2006 in die Blaue Moschee in Istanbul begleitet. Was hat der erneute Besuch als Zeichen bedeuten?
   Muslime wollen uns die Schönheit des Islam in seiner Architektur, seiner Frömmigkeit und Gebetsgestik erleben lassen. In der Blauen Moschee hat Muslime vor allem das tiefgerührte Gesicht Benedikts XVI. angesprochen. Sie haben gemerkt: Hier spürt Benedikt die Ehrfurcht, die Muslime Gott gegenüber liturgisch zeigen. Wenn der Papst weiterhin in theologischer Denkschärfe und ehrlicher Benennung auch der Probleme gleichzeitig die Größe und Tiefe islamischer Gottesverehrung honoriert, ist der Dialog auf einer guten Basis. Ein Papstbesuch, der dem Islam gegenüber Hochachtung zeigt, öffnet Türen des Vertrauens zu jenen Gesprächsräumen, in denen wir dann wieder in Klarheit diskutieren können. DT090314P.Körner ist Professor an der Gregoriana in Rom

Pilgerreise des Papstes ins Heilige Land

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ausführliche Fotoberichte über die Pilgerfahrt des Papstes ins Heilige Land > Jerusalem
Das Friedensgebet an der Westmauer in Jerusalem > Friedensgebet

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 Papst Benedikt XVI. mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres,
der als Gastgeschenk einen traditionellen siebenarmigen Leuchter in Silber mitbrachte.  

   Papst Benedikt XVI. und Israels Staatspräsident Schimon Peres haben ihre Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Washington bekundet. Ein entsprechendes Abkommen müsse den »legitimen Wünschen der beiden Völker« gerecht werden und bessere Lebensbedingungen für alle Bevölkerungsgruppen garantieren, hieß es in einer vatikanischen Mitteilung nach dem Treffen in Castel Gandolfo. Ziel einer Einigung zwischen Israelis und Palästinensern müsse ein dauerhafter Friede im Heiligen Land und der ganzen Region sein, so die Mitteilung. Zugleich verurteilten der israelische Stasatspräsident und der Papst nachdrücklich jede Form der Gewalt und verwiesen auf die Bedeutung des interreligiösen Dialogs.
   Im Rahmens des Besuches traf Staatspräsident Peres auch mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, Erzbischof Dominique Mamberti, zusammen. OR100910

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Foto oben: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung der Spanierin
Inma Shara hat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.

   Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechtserklärung. Auf dem Programm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla.
   Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble  und seiner Gastdirigentin  für die „ein- drucksvolle“  Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. HA081212kna

Zu Ehren des fünfjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI.
   gab die päpstliche Akademie der Wissenschaften ein Konzert. Die Darbietung fand im Hof der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo statt; Papst Benedikt XVI. war persönlich zugegen. Gespielt wurde das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer für Orchester und Chor adaptierten Version. Das Werk gilt als das letzte des von Papst Benedikt geschätzten Musikgenies. „Die Einladung, vor Papst Benedikt XVI. zu spielen, ehrt uns sehr“, kommentierte der künstlerische Direktor Filippo Juvarra das Ereignis. rv100907 Chefdirigent Riccardo Chailly sagte vor einem Konzert im Vatikan: „Dieser Papst ist eine Ausnahme in der Geschichte. Wir spielen  nicht nur für einen Papst, sondern für einen Musiker." > Liturgie und Musik

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Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing wird Berater des Papstes

   Benedikt XVI. hat den 65-Jährigen deutschen Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing zum ordentlichen Mit- glied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Eine weitere, vergleichbare Ernennung ging an einen Chemie-Nobelpreisträger aus Taipeh. Klitzing leitet ein Max-Planck-Institut in Stuttgart; bekannt wurde er vor allem durch seine Halbleiter-Forschungen. rv071009sk

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Der neue Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Interview

   Der Schweizer Nobelpreisträger Werner Arber Foto links freut sich über seine Ernennung zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften durch den Papst. Im Gespräch mit Radio Vatikan geht er auch auf die Tatsache ein, dass er als erster Präsident kein Katholik ist.
Ist das ein ökumenisches Zeichen oder geht es dabei ‚nur’ um fachliche Gründe?
   „Ich glaube, es ist fachlich begründet. Wir müssen sehen: Es hat mich schon immer beeindruckt, dass diese Aka- demie seit ihrer Gründung wirklich gut ausgewiesene Naturwissenschaftler aus allen Kontinenten als Mitglieder hat, unabhängig auch vom Glauben, den die Leute haben, und unabhängig auch vom Geschlecht.“
Aber nun ist Rom und der Vatikan so ziemlich das Katholischste, was man sehen kann auf der Welt.
Ist das nicht auch eine Spannung für Sie persönlich als reformierter Protestant?
   „Ich muss sagen, dass ich mit meinen Kontakten am Vatikan wirklich vollauf zufrieden bin. Ich habe viel leichter Zugang, über neue Kenntnisse – etwa über biologische Evolution – zu diskutieren als mit vielen protestantischen Kreisen. Also, ich denke da an die evangelikalen Strömungen in den USA zum Beispiel, die ja von Evolution nichts wissen wollen und die alles auf einmalige Schöpfung zurückführen. Ich habe im Vatikan gelernt, dass man dort die Schöpfung als permanenten Prozess ansieht, und das ist eigentlich Evolution. Das finde ich viel spannender – und das Interessante daran ist, dass alle Lebewesen auch Genprodukte mit sich herumtragen, die eben in großen Populationen diese Evolutionen ermöglichen und trotzdem den einzelnen Lebewesen im allgemeinen – mit wenigen Ausnahmen – eine stabile Erbinformation garantieren. Das finde ich ein wunderbares System.“
Und in dieser Akademie fühlen Sie sich also intellektuell und wissenschaftlich gut aufgehoben?
„Absolut, ja.“ rv110117
Die Schweizer Bischofskonferenz
   freut sich über die ehrenvolle Ernennung nicht nur, weil sie einen verdienten Schweizer Mikrobiologen betrifft, sondern weil sie von besonderer ökumenischer Bedeutung ist. Mit der Ernennung des evangelisch-reformierten Christen wird erstmals der Akademie ein Präsident vorstehen, der nicht der römisch-katholischen Kirche angehört.
  Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften wurde vor über 400 Jahren von Papst Clemens VIII. gegründet. Die Institution vereinigt 80 Akademiker, die vom Papst ernannt werden und unter den bekanntesten Wissenschaftlern der ganzen Welt ausgewählt werden. Unter den Mitgliedern befinden sich neben Professor Arber über 20 weitere Nobelpreisträger. Die Auswahl der für die Akademie tätigen Wissenschaftler erfolgt ausschließlich aufgrund der wissenschaftlichen und ethischen Verdienste, unabhängig von Nation oder Religionszugehörigkeit.  kathnet110115

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Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist um einen weiteren Nobelpreisträger reicher

   Es ist der Physikprofessor Gerhard Ertl, den der Papst zum Mitglied der Akademie ernannt hat. Dem deutschen Physiker und Oberflächenchemiker wurde im Jahr 2007 der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Die Erkenntnisse des 1936 in Stuttgart geborenen Wissenschaftlers haben das Gebiet der Oberflächenchemie massgeblich beeinflusst und beziehen sich auf die Industriechemie und Umweltchemie. Zu seinem Reperoir zählen auch Untersuchungen von sich selbst organisierenden Raum-Zeit-Phänomenen. Ertls Erklärung dieser grundlegenden Erscheinungen diente als Untersuchungsansatz für ähnliche Effekte in vielen anderen Bereichen. Von 1986 bis 2004 war Ertl Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber-Institutes in Berlin. rv100220

Vatikan: Statue für Galilei?
   Bekommt Galileo Galilei eine Statue in den Vatikanischen Gärten? Auch wenn die letzte Bestätigung noch fehlt, so sieht es doch ganz danach aus. Der Termin für die Aufstellung der Statue könnte im nächsten Jahr liegen, wenn die UNO das internationale Jahr der Astronomie feiert.
   Galileo Galilei, der Mathematiker, Mathematiker, Physiker und Philosoph aus Pisa, ist für viele heute ein Emblem des Kampfes gegen die Inquisition. Doch dem historischen Galilei wird diese verkürzte Sicht wohl kaum gerecht. Zwar wurde der aus Pisa stammende Wissenschaftler tatsächlich von der Inquisition im 17. Jahrhundert verurteilt, doch neuere Studien deuten immer stärker darauf hin, dass der Hintergrund des Urteils gar nicht die Konfrontation altes gegen neues Weltbild war. Galilei scheint weniger Märtyrer der Wahrheit – als solcher wirkt er etwa in einem bekannten Theaterstück von Berthold Brecht – als vielmehr in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Sturheit geworden zu sein. Eine Rehabilitierung Galileis hat Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 verkündet; der jetzige Papst, der auch schon mal vom „großen Galilei” spricht, erwähnt den Wissenschaftler positiv schon in seiner „Einführung in das Christentum”, die aus dem Jahr 1968 stammt. Galilei gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der heutigen Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, woran jetzt schon eine Gedenkplakette in den Vatika- nischen Gärten erinnert. Von diesem Gremium geht nun auch die Initiative zu einer Galilei-Statue in den Papst- Gärten aus.  ansa rv080310sk

Messe für Galilei
   Der Vatikan hat Galileo Galilei (1564-1642) als einen herausragenden Mann der Wissenschaften und des Glaubens gewürdigt. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Erzbischof Gianfranco Ravasi, feierte in Rom einen Gottesdienst zum Gedenken an die Geburt des Naturwissenschaftlers vor 445 Jahren. Der vom Vatikan zeitweilig befehdete Physiker und Astronom habe die „wissenschaftliche Wahrheit“ von der des Glaubens unterschieden, sagte Ravasi in der Predigt. Doch diese Wahrheit des Glaubens sei letztlich „heilsnotwendig“. Galilei habe Grenzen überschritten und neues Wissen erschlossen. Damit sei er für nachfolgende Wissenschaftler-Generationen ein Bindeglied zwischen Glauben und Wissenschaft.
   Ravasi verlas ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der darin seine Bewunderung und Ver- ehrung für den Naturwissenschaftler betonte. Die Initiative zu der Feier in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli, die auch für staatliche Anlässe genutzt wird, ging auf die „World Federation of Scientists“ zurück. Rund 100 Mitglieder der religiös nicht gebundenen Organisation nahmen an der Feier teil.
   Galileo war über seine Theorie der Planetenbewegung um die Sonne mit dem kirchlichen Lehramt in Konflikt geraten und musste diese epochale These 1633 auf Druck der Inquisition widerrufen. Inzwischen ist seine wissen- schaftliche Leistung in der Kirche anerkannt. So beteiligen sich der Vatikan und das päpstliche astronomische Institut am internationalen Jahr der Astronomie, das an die bahnbrechenden Fernrohr-Forschungen Galileis vor 400 Jahren erinnert. Rv090215KNAansa

Papst Benedikt XVI. hat die italienische Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini  in Audienz empfangen
    Anlass des Treffens war der 100. Geburtstag der Medizinerin und Neurobiologin. Für ihre Forschungen zum Nervenwachstum hatte Levi-Montalcini 1986 den Nobelpreis in Medizin erhalten. Seit 1974 ist sie Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Die Forscherin gehört aufgrund ihrer Lebensleistung zu den „Senatoren auf Lebenszeit“. Sie entstammt einer jüdisch-sephardischen Familie. rv090525KNA

Neu entdeckter Planet: “Benedictus-16”

   Ein neu entdeckter Planet wird bald den Namen “Benedictus-16” tragen. US-Astronomen überreichten dem Papst Bilder des Himmelskörpers, der am 19. April, dem Jahrestag der Papstwahl, „getauft“ werden soll. Der Planet ist 82-mal kleiner als die Erde; bisher trägt er den provisorischen Namen „2009-Fish04“. Rv090401apic
   Zu Ehren des fünfjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI. gab die päpstliche Akademie der Wissenschaften ein Konzert. Die Darbietung fand um 18 Uhr im Hof der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo statt; Papst Benedikt XVI. war persönlich zugegen. Gespielt wurde das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer für Orchester und Chor adaptierten Version. Das Werk gilt als das letzte des von Papst Benedikt geschätz- ten Musikgenies. „Die Einladung, vor Papst Benedikt XVI. zu spielen, ehrt uns sehr“, kommentierte der künstle- rische Direktor Filippo Juvarra das Ereignis. rv100907ansa

be-190-xMcAllister-x  „Was ist los in Niedersachsen?" David McAllister beim Papst.

   Der Fußballer Miroslav Klose bekam von ihm einen festen Händedruck und aufmunternde Worte, für Nieder- sachsens Ministerpräsident David McAllister gab es sogar eine Privataudienz. „Der Papst ist sehr interessiert und gut informiert in der deutschen Innenpolitik", sagte hinterher ein beeindruckter David McAllister. 26 Minuten saß er im Büro Benedikts XVI.
   McAllister führt die Einladung auf die Tatsache zurück, dass Niedersachsen bereits 1965 als erstes Bundesland ein Konkordat mit den Kirchen geschlossen hat, das den Umgang zwischen Staat und Kirche gründlich regelt und den Kirchen erlaubt, eigene Schulen zu gründen. Wegen der neuen Schulform „Oberschule", in der Haupt- und Realschulen aufgehen sollen, muss dieses Konkordat geändert werden - ein Thema, das McAllister auch mit Kardinalstaatssekretär Bertone besprach. Immerhin, so viel war dann doch zu erfahren, lobte der Papst, dass sich das Land an der Sanierung des Hildesheimer Doms beteiligt. Erstaunlicherweise habe Benedikt, ein Oberbayer, ernsthaft wissen wollen, was in Niedersachsen los sei.
   McAllister ist nicht der einzige Ministerpräsident, der die vatikanischen Säle mit glänzenden Augen verlassen hat - auch Gerhard Schröder bekannte einst nach seiner Privataudienz, dass selbst für einen hartgesottenen Typen eine solche Visite beeindruckend sei. Als Bundeskanzler Schröder im Vorzimmer termingerecht bereitstand, kamen ihm  fünfzig brasilianische Bischöfe von ihrer Papstaudienz entgegen – das Erlebnis einer weltweiten Kirche.
   Eindruck schinden konnte McAllister mit seinem Gastgeschenk, dem Faksimile einer Schrift eines Weltgeistes aus Hannover, Gottfried Wilhelm Leibniz. HAZ120309MichaelMBerger~

Zweite Enzyklika des Papstes zum Thema Hoffnung

  Papst Benedikt XVI. hat seine zweite Enzyklika unter dem Titel Spe Salvi (Gerettet, auf Hoffnung hin) geschrieben. Sie handelt über die christliche Hoffnung und ist eine Deutung nach dem biblischen Brief des Apostels Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 24: „Denn wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung.” Damit folgt der Papst dem jahr- hundertealten Schema der drei christlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe.
   Der Text: theologisch und philosophisch sehr dicht; viele Zitate von Kirchenvätern, dazu die Philosophen Kant, Bacon, Adorno, aber auch Martin Luther, Schriftsteller wie Dostojewski und Jean Giono oder der verstorbene vietnamesische Kardinal Nguyen Van Thuan. Am sorgfältigsten eingesetzt: Zitate des heiligen Augustinus. Ernst- hafte Auseinandersetzung mit protestantischen Positionen, freundliche Worte zu den Kirchen des „Ostens”. Richtig liebevoll: das Porträt einer Heiligen aus dem Sudan, die von der Sklavin zur Ordensfrau wurde. Nebenbei: ein Papstlob für die „sprachliche und denkerische Kraft” von Karl Marx, trotz dessen „grundlegenden Irrtums”, und eine Kritik an der deutschen Einheitsübersetzung der Bibel. Zum Abschluss ein Hymnus auf Maria.
   Gesamteindruck: Theologischer und auch mehr aus einem Guss als seine erste Enzyklika. Für den Normalchristen wohl schwerer zu lesen als „Deus Caritas” - aber eine lohnende Lektüre. Ein echter Ratzinger.
Lesen Sie die Enzyklika im Wortlaut: Spe salvi  FAZhjf071124

Erst die Liebe, dann die Hoffnung - die zweite Enzyklika des Papstes
   Nach der ersten Enzyklika „Deus Caritas est” über die Liebe geht es in seiner zweiten Enzyklika über die Tugend der Hoffnung. Benedikt will die Gewissheit der Gläubigen hinsichtlich der letzten Wahrheiten und des ewigen Lebens zu stärken. Die Hoffnung bietet für Benedikt XVI. die Gewähr dafür, dass sich das Volk Gottes nicht verliert, sondern auf die Verheißungen Christi und die Gnade Gottes vertraut, um dort einen sicheren Grund für das eigene Leben zu finden. Die Antwort auf den Relativismus kann für den Papst nur die Botschaft des Evangeliums sein: Es gibt ein ewiges Leben bei Gott, und wer der Kirche folgt, erlangt sein persönliches Glück. Ohne diese Hoffnung wäre auch das Leben der Gläubigen nur mühsam und den vielfältigsten Einflüssen, auch denen des Nihilismus und Relativismus, unterworfen. Papst Benedikt stellt der Kirche, den Gläubigen und allen Christen die Glaubensfrage: Erkennt ihr das an, was in den Evangelien steht? In seiner Enzyklika Deus Caritas hat er sie gefragt, ob sie daran glauben, dass sich ein liebender Gott seiner Kirche in der Eucharistie hingibt. Sein Buch über Jesus von Nazareth ist ganz von dem Anliegen geprägt, sich wieder auf den historischen Jesus einzulassen. In seiner Enzyklika über die Hoffnung will er die Gläubigen ermutigen, ihr Vertrauen wieder ganz auf das ewige Glück beim himmlischen Vater zu setzen. Erst damit ergeben sich die Koordinaten, auch die großen sozialen Fragen und die Globalisierung des. 21. Jahrhunderts anzugehen. Das wird das nächste Thema von Benedikt XVI. sein. GuidoHorstDT071009

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  Die Sozialenzyklika Caritas in veritate ist ein großer Wurf. Sie ist ein Dokument, das an vielen Stellen auch die Handschrift Benedikts verrät - schon im Titel und in allem, was sie zur Bedeutung der Liebe in der Wahrheit und der Wahrheit in der Liebe sowie zu der vom Glauben erleuchteten Vernunft auch für die Gestaltung der Gesell- schaft und der Globalisierung sagt. Sie ist kein antikapitalistisches Manifest, wie Gysi, Geisler und Kleber im ZDF in ersten Reaktionen behaupteten. Sie ist ein großartiges Plädoyer für die Entwicklung des ganzen Menschen und aller Menschen, das alle überraschen mag, die von Globalisierungsängsten geplagt sind. Und sie ist ein unge- wöhnliches Zeugnis für eine Neuakzentuierung der katholischen Soziallehre, die vielerorts, vor allem in Deutsch- land, noch ignoriert wird, eine Neuakzentuierung, die nicht in den Finanzmärkten, der Ressourcenverteilung oder dem richtigen Verhältnis von Markt und Staat die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft der Mensch- heit sieht, sondern in den bio- medizinischen Entwicklungen, die die Menschheit vor die Wahl zwischen einer Kultur des Lebens und einer Kultur des Todes stellen. . .weiter > Caritas in veritate

Interview-Band von Papst Benedikt XVI.

   Das Buch ist auf italienisch und deutsch erscheinen, weitere Sprachen werden folgen. P. Lombardi verwies darauf, dass Seewald schon früher zwei Interviewbände mit Joseph Ratzinger als Kardinal publiziert habe.
   Peter Seewald hatte erstmals 1996 ein ausführliches Interview mit dem damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre geführt, das in Buchform unter dem Titel »Salz der Erde - Christentum und katholische Kirche im 21. Jahrhundert« erschien. Im Jahr 2000 folgte ein weiteres Interview-Buch mit Kardinal Ratzinger unter dem Titel »Gott und die Welt - Glauben und Leben in unserer Zeit«. Beide Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt.
   Die Begegnung mit Kardinal Ratzinger, so berichtete der Journalist Seewald über sich selbst, habe auch zu seinem Wiedereintritt in die Kirche geführt. Der 56 Jahre alte Buchautor hat nach Ratzingers Wahl zum Papst auch drei Porträtbücher über Benedikt XVI. veröffentlicht. OR100910 > Card. Ratzinger

 Apostolisches Schreiben über die Liturgie Papst Benedikt XVI.: SUMMORUM PONTIFICUM
Über den Gebrauch der Römischen Liturgie aus der Zeit vor der Reform von 1970 .
Das neue Apostolische Schreiben finden Sie auf unserer Seite: Liturgie

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Wortlaut des Apostolischen Schreibens Sacramentum Caritatis siehe: Kirche

Drei bedeutende Ansprachen lesen Sie hier im Wortlaut:
Glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig. Siehe: Credo
Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen. Vorlesung in der Universität Regensburg. <
Siehe: Dialog der Religionen
Antwort von 38 Gelehrten des Islam siehe: Dialog der Religionen
Den Wortlaut der Ansprache des Papstes an die Botschafter islamischer Länder in Castelgandolfo
finden Sie unter: Islam 

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Papst Benedikt: Kanzlerin Merkel wird Krise meistern
Papst em. Benedikt XVI. hier vor seinem vatikanischen Domizil Mater Ecclesiae

   Der emeritierte Papst Benedikt XVI. glaubt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Flüchtlingskrise schaffen werde. Deshalb habe er auch kein Mitleid mit ihr, sagte Benedikt XVI. der Münchner Illustrierten „Bunte“. „Ich wünsche, dass Frieden ist und dass Deutschland die Probleme mit den Flüchtlingen geregelt bekommt“, so die Osterwünsche des früheren Papstes an die Leser des Blattes. Zudem bekannte er, dass er über den Besuch von Norbert Blüm in Idomeni verblüfft gewesen sei. „Reist der mit seinen 80 Jahren doch einfach in ein Flüchtlingslager in Griechenland und schläft im Zelt.“
   Der frühere Sozialminister hat seine Frau Marita in einer theologischen Vorlesung kennengelernt, die der ehemalige Theologieprofessor Joseph Ratzinger gehalten hat. „Und die Ehe hält bis heute. Kein Wunder, wenn man sich in einer theologischen Vorlesung kennenlernt.“ Auf die Frage, ob er seine Heimat vermisse, antwortete Benedikt XVI: „Ich reise oft nach Bayern. Im Geiste und mit dem Herzen.“ Den Vatikan verlassen wolle er nicht mehr. R160323gs

                     kbwn:Benedikt XVI.

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