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 “Der Tinnitus macht mir keine Angst mehr” - lesen Sie dazu unsere Berichte  > unten auf dieser Seite!

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Forscher sind dem perfekten Hörgerät ein Stück näher gekommen. Foto: Mit dieser multifunktionalen Fernbedienung lassen sich Hörgeräte heute nicht nur fernbedienen. Mithilfe von Adaptern
überträgt sie auch den Ton verschiedenster Ausgangsquellen per Funk direkt an die Hörgeräte.

   Wortsalat, Nachhall oder nervtötendes Pfeifen: Mit solchen Hörgeräten soll irgendwann Schluss sein. Für einen zukunftsweisenden Schritt in diese Richtung haben Forscher der niedersächsischen Universität Oldenburg und des Münchner Elektrokonzerns Siemens den Deutschen Zukunftspreis im Wert von 250.000 Euro erhalten.
   Die Uni und das Unternehmen hatten Geräte mit einem Zweiohr-Effekt entwickelt, der räumliches Hören ermög- licht. Dafür versuchen sie, die Leistungen gesunder Ohren zu imitieren. Perfekt sind die neuen Hörgeräte noch nicht. Sie sollen aber Menschen Mut machen, die aus Enttäuschung über ihre alten Hörhilfen lieber in der Stille leben.
   Bundespräsident Joachim Gauck vergab die begehrte Auszeichnung jetzt in Berlin.  „Viele suchen Lösungen für große Probleme unserer Zeit", sagte er. Der Zukunftspreis solle die Menschen sichtbar machen, die gute Ideen entwickelten und umsetzten.
   Die neue gute Idee bedeutet, dass Hörgeräte an beiden Seiten des Kopfes mithilfe digitaler Technik kabellos in einem System verknüpft werden. Es geht um komplizierte Rechenverfahren, die den Schall vom linken und rechten Ohr vergleichen und Störgeräusche unterdrücken. Bei gesunden Menschen übernimmt das Gehirn diese Filter- funktion. In Europa gilt jeder sechste Erwachsene als schwerhörig, bei Senioren ist es bereits jeder zweite. Tendenz steigend in einer alternden Gesellschaft. Doch auch Kinder können mit Hörfehlern geboren werden und lernen deshalb auch schwerer sprechen.
   Schlecht hören zu können ist aber nicht nur anstrengend, es hat oft auch eine soziale Komponente. Schwer- hörige können Gesprächen in geräuschvoller Umgebung kaum folgen. Tägliche Missverständnisse sorgen zusätz- lich für Frust. Die Folge ist oft ein Rückzug.
   „Wir möchten auch dazu beitragen, dass Menschen den Mut haben, frühzeitig ein Hörgerät zu tragen. Sie sollen wieder dazugehören", sagte der Leiter des Siegerteams, Birger Kollmeier. Er wünscht sich einen offensiven Umgang mit Hörhilfen. Denn zu langes Warten mache die Umstellung auf eine technische Hilfe noch schwieriger. In ihren Laboren können die Forscher auf Knopfdruck die Geräuschkulisse einer Bahnhofshalle oder Cafeteria erzeu- gen. Eine solche Umgebung kann für Menschen kurz nach einem Hörsturz die Hölle sein. Sie können Gesprächs- partner nicht mehr verstehen, denn Ohren und Gehirn sind mit Zuordnung und Unterdrückung der vielen Ge- räusche heillos überfordert. Bei Schwerhörigen ist das der Normalzustand.
   Seit dem Hörrohr als Hilfsmittel hat sich eine Menge getan. Doch bis in die 90er-Jahre hinein waren die Ent- wicklungen hin zum Mini-Hörgerät nur auf ein Ohr ausgerichtet. Die Ideen aus Oldenburg und München bauen darauf auf, dass für das räumliche Hören aber das Zusammenspiel beider Ohren entscheidend ist. So wie auch erst zwei Augen das räumliche Sehen möglich machen.
   Die Forscher legten mit ihren Erkenntnissen den Grundstein für den Siegeszug ihres Zweiohr-Effekts. 2004 brachte Siemens die ersten Hörgeräte dieser Art auf den Markt, inzwischen gibt es weitere technische Verbes- serungen. Die Entwicklungen laufen heute bei allen Herstellern weltweit. Rund 500.000 Geräte kämen in Deutsch- land inzwischen schon zum Einsatz, bei drei Millionen Hörgeräten pro Jahr insgesamt, sagt Teamleiter Kollmeier.
   Technisch ist die Herausforderung groß: Das kabellose Zusammenschalten der Geräte erfordert fast eine Computerleistung - Platz ist aber nur für kleine Chips und Mini-Batterien. Die Forscher wollen weitertüfteln. Die neuen Geräte sind ihnen noch zu passiv. Sie wollen sie an Kopfbewegungen anpassen und aktiv auf einzelne Geräuschquellen ausrichten. NOZ121129

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Das unsichtbare Hörgerät Lyric bleibt wochenlang im Ohr

 Einfach. Immer. Unsichtbar.
1. Lyric das erste komplett unsichtbare, rund um die Uhr tragbare Hörgerät.
Dieses einzigartige Hörgerät von Phonak bedarf keiner Handhabung und bleibt rund um die Uhr im Ohr.
Das Beste daran ist: Niemand sieht, wie gut Sie hören!
2. Einfach. Lyric sitzt direkt vor Ihrem Trommelfell und passt sich perfekt der Anatomie Ihres Ohrs an. 
So werden Hintergrundgeräusche minimiert und Sie profitieren von einer hervorragenden Klangqualität
sowie natürlichem Hören. Außerdem können Sie Ihr Hörgerät einfach vergessen:
Sie müssen weder die Batterien wechseln noch das Gerät reinigen oder täglich einsetzen.
 3. Immer. Lyric kann über einen Zeitraum von bis zu vier Monaten rund um die Uhr bei allen täglichen Aktivitäten getragen werden - beim Duschen, beim Telefonieren, beim Sport, beim Tragen von Kopfhörern und auch nachts beim Schlafen.
4. Unsichtbar. Lyric wird vom Hörgeräte-Akustiker so in Ihren Gehörgang eingesetzt,
dass es von außen völlig unsichtbar ist. Mit Lyric können Sie das Hören wieder genießen.
Egal wie viel Nähe Sie zulassen, Lyric bleibt unsichtbar.

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  Revolution, Quantensprung, all das fällt einem ein, wenn man das neue Hörsystem Lyric von Phonak kennenlernt. Lauter abgenutzte Begriffe, daher behaupten wir einfach, dass mit Lyric ein neues Zeitalter bei Hörgeräten an- fängt.
   Denn zum ersten Mal gibt es ein System, das unsichtbar ist, ständig getragen wird, auch nachts und beim Sport, das vom Träger nicht manuell eingestellt zu werden braucht, bei dem nicht jede Woche ein Batteriewechsel fällig ist, das man weder warten noch pflegen muss. Dass das bisher alles anders ist, hält viele Menschen heutzutage davon ab, ihr nachlassendes Hörvermögen und die daraus resultierende eingeschränkte Lebensqualität wieder auf den Status quo ante zu heben. Zudem werden Hörhilfen immer noch als Stigma empfunden, während es die Brille zum Lifestyle-Artikel gebracht hat, von dem man tunlichst mehrere haben sollte, um sie dem jeweiligen Outfit anzupassen. Ungezählt sind zudem die Brillen mit Fensterglas, mit denen manche einen besseren Eindruck zu machen versuchen. Aber kein Mensch käme auf die Idee, sich ohne größte Not ein Hörgerät verpassen zu lassen. Nur 20 Prozent derer, die eines brauchten, haben eins, und das sind nicht nur ältere Menschen, sondern zuneh- mend jüngere - die Spätfolgen von exzessiver Berieselung durch Walkman und MP3-Spieler, von Discos und sonstigem Lärm verheißen der Branche goldene Zeiten, von der Demographie ganz zu schweigen.
   Nach zehn Jahren Entwicklung präsentiert Phonak jetzt auch in Europa (Start war in Amerika) mit Lyric einen völlig neuen Ansatz bei Hörgeräten. Was die Kontaktlinse fürs Auge, ist Lyric fürs Ohr. Das winzige, zweiteilige System, das über ein Gelenk verbunden ist, wird nur wenige Millimeter vor dem Trommelfell platziert, tief im äußeren Gehörgang und von außen nicht zu sehen. Das hat den Vorteil, dass der Schall wie in natura direkt übermittelt wird, Rückkopplung ist so gut wie ausgeschlossen, eine optimierte Hochtonübertragung ermöglicht einen großen Frequenzbereich, Windgeräusche und Verzerrungen werden vermieden, weil die Verstärkung verrin- gert werden kann, und all das führt dazu, dass man hört „wie normal". Telefonieren, Ohrhörer von Musikspielern, Stethoskop, Headset - kein Problem. Lyric ist wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Duschen geht, Schwimmen mit zusätzlicher Abdichtung, Tauchen (und Fallschirmspringen) gar nicht. Dass Lyric so winzig sein kann, liegt an der Platzierung: Die Signalverarbeitung ist viel einfacher, wenn der Lautsprecher direkt am Trommelfell und nicht hinter dem Ohr sitzt. Das zu kompensieren erfordert hohen Rechenaufwand, die Chips üblicher Hörgeräte enthalten auf der Größe eines Zündholzkopfs bis zu 16 Millionen Transistoren. Im Lyric steckt ein analoger Chip, der digital programmiert wird. Das erledigt der Hörgeräteakustiker, nachdem er ein Profil des Hörvermögens erstellt hat. Lyric eignet sich nicht für jeden Menschen, es gibt eine Reihe von Kontraindikationen sowohl medizinischer (Hautprobleme im Ohr) als auch anatomischer Art, etwa dass der Gehörgang in Länge oder Breite ungewöhnliche Maße hat. Voraussetzung ist weiterhin,  dass der Hörverlust des Trägers höchstens mittelschwer ist. Phonak nimmt aber an, mit den fünf Größen des Lyric die meisten potentiellen Klienten versorgen zu können.
   Wenn der Akustiker das Gerät vor dem Trommelfell appliziert hat, kann oder muss der Träger nur noch die Laut- stärke (in sechs Stufen) einstellen oder für nachts den Schlafmodus „Sleep" wählen. Der fühlt sich so an, als trüge man das Gerät nicht. Die meisten schätzen aber, dass sie auch nachts hören können, und dann braucht man sich außer um die Lautstärkeregelung um nichts mehr zu kümmern. Das ist vor allem für alte Menschen ein Segen, denen die tägliche Pflege und das Einsetzen eines herkömmlichen Geräts oft schwerfällt. Wer die Lautstärke ändern will, nimmt den „Soundlync", eine Magnet-Fernsteuerung, die man in Form eines Schlüsselanhängers mit sich führt. Es reicht, sie ans Ohr zu halten, um das Gewünschte einzustellen. Der Soundlync enthält auch eine Vorrichtung, mit der man das Hörgerät selbst entfernen kann, etwa vor einer Untersuchung mit MRT. Deren starkes Magnetfeld würde Lyric zerstören.
   Bleibt die Frage nach dem Ohrenschmalz, das die Elektronik lahmlegen könnte. Dazu erklärt der Hersteller, dieses werde nicht direkt am Trommelfell, also noch im knöchernen Teil des Gehörgangs, produziert, sondern weiter vorn. Dort kann es an weniger empfindlichen Teilen von Lyric vorbei nach außen diffundieren. Die Elektronik ist von einem Weichschaum umhüllt, der das Ohr abdichtet und das spezielle Klima dort aushält.
   Wenn der Energievorrat der Batterie zur Neige geht, merkt der Träger das natürlich, der Vorlauf ist nur gering. Phonak empfiehlt, den projektierten Zeitraum von bis zu 120 Tagen nur beim ersten Mal auszureizen, um fest- zustellen, wie lange sie tatsächlich hält. Beim nächsten Mal geht man dann eine Woche früher zum Akustiker, um sich ein neues Exemplar, das wieder mit den individuellen Daten programmiert wird, einsetzen zu lassen. Das kann man nicht selbst tun. Dahinter steckt ein neues Vertriebskonzept: Die Versorgung mit den „Wegwerfgeräten" ist Sache des Akustikers. Er vertreibt Lyric im Abonnement, der Kunde zahlt monatlich und bekommt dafür die Garantie, dass er jederzeit ein neues Exemplar erhält. Ob das dann drei oder vier oder fünf im Jahr sind, hängt von der Zeitplanung oder auch von unvorhergesehenen Ereignissen ab. Wer in Urlaub fahren will, lässt sich eben vorher ein neues Lyric geben. Es wird aber auch international ein Netzwerk aufgebaut, das den Kunden im Notfall mit einem Gerät versorgen kann.
   Lyric ist ein Premiumprodukt, das wird spätestens im Preis klar: Die speziell geschulten Hörgeräteakustiker dürften rund 140 Euro je Ohr und Monat verlangen. Dafür erhält der Kunde einen bisher nicht gekannten Komfort, Lyric ist das am einfachsten handhabbare Gerät am Markt. Selbst Menschen, die aus Eitelkeit nie ein Hörgerät tragen würden, dürften sich damit anfreunden.  FAZ110301MoikaSchramm
Hören ist Hightech: Lyric von Phonak > www.phonak-lyric.com/de/das-ist-lyric.html

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Lyric im Abonnement
   Der einzigartige Sitz tief im Gehörgang macht Lyric zu einer vollkommen neuen Produktkategorie. Diese erfordert sowohl ein neues Anpassverfahren als auch ein spezielles Geschäftsmodell: Die eigens entwickelte Batterietechnologie ermöglicht erstmals eine bis zu vier Monate ohne Unterbrechung tragbare Hörgerätelösung. Die Verbindung von Gerät und Batterie gewährleistet einen minimalen Energieverbrauch. Wenn die Batterie leer ist, wird das Gerät entfernt und bei Ihnen im Geschäft durch ein neues ersetzt. Lyric eignet sich daher ideal zum Verkauf im Abonnement.
   Lyric spricht eine neue, bisher mit anderen Hörgeräten nicht zu erreichende Kreise an. Diese Kundengruppe ist deutlich jünger und steht oft mitten im Leben. Auch eine erhebliche Anzahl von langjährigen Nutzern anderer Hörgeräte zeigt sich begeistert und überzeugt von den offenkundigen Vorzügen, die Lyric bietet. Lyric ist geeignet für Personen mit leichtem bis mittelgradigem Hörverlust. Anpassungsbereich > Grafik oben.
Lyric in Kürze
- Sehr klein (16 mm Länge) und in verschiedenen Größen erhältlich.
- Biokompatible Weichschaum-Hauben für eine optimale Anpassung an den Gehörgang.
- Fernbedienung SoundLyric zum Ein- und Ausschalten sowie für die Anpassung der Lautstärke.
- Kabellos und digital mit Phonak Target™ Anpasssoftware programmierbar.
- Speziell entwickelter Schutz vor Feuchtigkeit und Cerumen.
- Eigens entwickelte Batterietechnologie, für bis zu 120 Tage im Gehörgang tragbar.
- Kann, wenn notwendig, vom Kunden selbst entnommen werden.
- Jedes Lyric wird am Ende der Batterielebensdauer durch ein neues Lyric ersetzt.  HA~1102HAZ

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“Das Ohr bekommt keine Ruhepausen mehr"

   Obwohl viele Schwerhörige noch immer den Weg zum Arzt scheuen, wächst der Markt für Hörgeräte stetig. Der Trend gehe zu kleineren und leistungsstärkeren Modellen, sagt Phonak-Geschäftsführer Wolfgang Bennedik vor dem Hörgeräteakustiker-Kongress Euha in Hannover.
   Jodie Foster trägt eines, Phil Collins ebenfalls, und angeblich kommt auch Claudia Schiffer nicht mehr ohne Hörgerät aus. Insgesamt leben mehr als 14 Millionen Deutsche mit Hörbehinderungen. Etwa die Hälfte müss- te ein Hörgerät tragen, tatsächlich besitzen aber nur etwa 3 Millionen Menschen eines - und bei vielen liegt es nur in der Schublade. „Das Stigma ist eben hartnäckig", sagt Wolfgang Bennedik, Geschäftsführer des Geräteherstellers Phonak in Deutschland. „Brillen sind inzwischen Modeartikel geworden, Hörgeräte nicht." Sieben bis zehn Jahre dauere es in der Regel, bevor ein Schwerhöriger einen HNO-Arzt oder einen Akustiker aufsuche.
   Für den langen Aufschub sieht der Manager im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen sei der Mensch vor allem auf das Sehen fokussiert, Probleme mit den Ohren würden eher verdrängt. Zum anderen hätten viele Schwer- hörige noch jene vergleichsweise klobigen Apparaturen vor Augen, mit denen ihre Eltern oder Großeltern nicht zurechtgekommen seien. „Dabei ist der Nutzen der Geräte extrem groß geworden", sagt Bennedik. Hörhilfen sind heute nicht nur deutlich kleiner als früher, sie leisten auch mehr - in dem sie etwa selbst aus einer lauten Um- gebung die Worte des Gesprächspartners herausfiltern. Die neueste Geräte-Generation ist von außen nicht mehr sichtbar, weil sie direkt vor dem Trommelfell sitzt. Diese Miniaturen müsse der Akustiker sogar nur alle paar Monate zum Batteriewechsel austauschen, sagt Bennedik.  Die Diskretion hat allerdings ihren Preis:  Während ein gutes Hörgerät je Ohr  2.500  bis 3.000 Euro kostet und meist bis zu fünf Jahre hält, vertreibt Phonak das neue Modell als eine Art Abonnement für 1.700 Euro im Jahr - für die Kunden ist es also dreimal so teuer.
 Die Hersteller verdienen ohnehin gut am Leiden der Schwerhörigen. Der Phonak-Mutterkonzern Sonova mit Sitz in der Schweiz hat im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro) operativ eine Rendite von 28 Prozent eingefahren. Unter dem Strich blieben 355 Millionen Franken übrig. Die Schweizer sehen sich als Weltmarktführer vor William Demant aus Dänemark.
   Trotz der zögerlichen Haltung vieler Schwerhöriger sehen die Hersteller einen stabilen Wachstumstrend von jährlich 4 bis 7 Prozent. „Wir haben erst ein Sechstel unserer potenziellen Kunden versorgt", sagt Bennedik. Weltweit werden im Jahr 9 Millionen Hörgeräte verkauft, in Deutschland sind es knapp 800.000. Die Branche profitiert davon, dass die Menschen immer älter werden und mit den Jahren das Gehör nachlässt - und von der mangelnden Vorsicht der nachwachsenden Generation.
   „Das Ohr bekommt keine Ruhepausen mehr", sagt Bennedik. Während Arbeitgeber ab einer Lautstärke von 80 Dezibel einen Hörschutz bereitstellen müssen, setzen sich insbesondere junge Menschen Belastungen von 120 Dezibel aus, wenn sie am Autoradio oder am iPod die Regler hochziehen - das entspricht dem Lärm eines Düsenjets: „Viele gehen falsch mit ihrem Gehör um."  HAZ101012JensHeitmann

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Unsichtbar und noch kleiner
  
Kontaktlinse fürs Ohr nennt Hersteller Phonak sein Hörgerät Lyric. Es sitzt unsichtbar und wartungsfrei im Gehör- gang, wird Tag und Nacht bis zu vier Monate lang getragen und dann gegen ein neues ausgetauscht. Dieses Abonnementverfahren kann bei speziell geschulten Hörgeräteakustikern gebucht werden. Jetzt hat Phonak das Gerät weiter miniaturisiert, was den Kreis der Nutzer vergrößert. Denn es sind bestimmte anatomische Vor- aussetzungen für das Tragen eines Lyric nötig: Bisher musste der Gehörgang 24 Millimeter lang sein, jetzt genügen 20, was die „anatomische Anpassrate" gegenüber dem Vorgängermodell um 50 Prozent steigert. Zudem gibt es das aus biokompatiblem Weichschaum bestehende, nur noch 12 Millimeter lange Gerät in zwei zusätzlichen Größenvarianten. Lyric eignet sich für Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust und ist in der Handhabung völlig problemlos, man kann damit Sport machen, Duschen, Kopfhörer tragen; reinigen, Batteriewechsel, einsetzen entfallen komplett. Dass Lyric tief im Gehörgang sitzt, hat den zusätzlichen Vorteil, das die anatomische Funktion der Ohrmuschel genutzt werden kann und so eine möglichst natürliche Klangqualität ohne Hintergrundgeräusche oder Rückkopplungseffekte entsteht. (smm.)

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Unternehmer profitieren von wachsendem Markt. Unauffällige Modelle gefragt. Foto: Darius Bode, 41,
betreibt in Hamburg und Berlin einen Hörgeräteladen - und plant weitere Neueröffnungen.

   Wenn sein Sohn mit ihm sprechen will, muss er von links kommen. Denn das rechte Ohr von Anton W. ist fast taub. Doch auch auf dem gesünderen hört er inzwischen immer schlechter. Jetzt wird der 74-Jährige, einsichtig, nachdem er sich aus Eitelkeit lange gegen ein Hörgerät gewehrt hat. „Viele Menschen glauben immer noch, das Gerät würde sie verunstalten. Doch die Helfer sind längst nicht mehr so groß wie früher. Manche Hörgeräte kann man sogar ganz im Gehörgang verstecken", sagt Darius Bode, der seit mehr als 20 Jahren in der Branche arbeitet.
   Bode, ein Neffe des gleichnamigen Gründers von Optiker Bode in Hamburg, ist keine Ausnahme. Schon seit Jahren steigt die Anzahl der Hörgerätefachgeschäfte in Deutschland. Gab es 1997 noch 2.900 Läden, so sind es 2011 bereits mehr als 4.800. Die Gründe für das Wachstum liegen auf der Hand: Die Deutschen werden immer älter. 13 Millionen Menschen müssten eigentlich schon heute eine kleine Muschel im Ohr tragen, doch tatsächlich sind es nur 2,5 Millionen Kunden, die sich zu ihrer Hörschwäche bekennen.
   Das Geschäft brummt trotz dieser Zurückhaltung. Nach Schätzungen von IHB Retail Consultants für die Hambur- ger Statistikunternehmen Statista wird der Branchenumsatz im Jahr 2012 in Höhe von 970 Millionen Euro liegen. 2010 wurden laut der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker der Branche gut 850.000 Geräte im Ge- samtwert von 830 Millionen Euro verkauft. Noch ist der Markt von Einzelbetrieben, die höchstens zehn Geschäfte haben, mit einem Anteil von 67 Prozent aller Filialen dominiert. Doch die Begierde der großen Anbieter wächst. Neben den Ketten Kind (500 Geschäfte), Geers (350) und Amplifon (190) drängt jetzt auch Deutschlands erfolgreichster Brillenverkäufer Fielmann in die Branche. Denn ältere Menschen, die eine Brille tragen, hören irgendwann vielleicht auch nicht mehr so gut. In gut 50 der 650 deutschen Fielmann-Filialen werden bereits Hörgeräte verkauft. „Das Potenzial in dieser Branche ist riesig", sagt Firmengründer Günther Fielmann. Um genügend Mitarbeiter zu be- kommen, will er den Bereich der Akustikausbildung in seiner Optikerschule in Plön aufnehmen. Aber auch kleine Geschäfte erobern Marktanteile, wie die Firma „die Hörmeister". 2008 gegründet, eröffnen die Hamburger Erik Berg und Frank Burghardt demnächst ihr achtes Geschäft in Mecklenburg-Vorpommern, das neunte in Hamburg.
   Auch Darius Bode will weiterwachsen. Der Akustiker hat sein Handwerk von Grund auf gelernt, daneben Be- triebswirtschaftslehre studiert und über Jahre bei der Akustikerkette Amplifon gearbeitet. Unter anderem war er als Manager für 90 Geschäfte zuständig. Doch dann hatte Bode genug von großen Ketten. „Große Unternehmen haben den Hang dazu, alle Abläufe zu standardisieren. Ich wollte aber selbst entscheiden, wie viel Beratungszeit ich mir für einen Kunden nehme", sagt der 41-Jährige. Mehrere Stunden, meist auf einige Tage verteilt, dauert die Beratung, ehe man das richtige Gerät im Ohr hat. Bode testet das Hörgefühl seiner Kunden in verschiedenen Situationen, so etwa wird ein Besuch im Schwimmbad oder Restaurant simuliert oder eine Fernsehsendung. Der Kunde darf mehrere Angebote testen, bevor er sich für ein Gerät entscheidet.  Denn der Kauf kann teuer werden. 1.000 bis mehr als 2.000 Euro Kosten pro Ohr sind keine Seltenheit. Die gesetzlichen Krankenkassen geben laut der Krankenkasse DAK rund 420 Euro pro Gerät dazu.
   Die neueste Entwicklung in der Branche ist das Modell Lyric, das sich komplett im Gehörgang verstecken lässt. Es muss nur alle drei bis vier Monate herausgenommen werden, weil dann die Batterie aufgibt. Bei herkömmlichen Modellen läuft der Energiespender zum Preis von einem Euro etwa 100 Stunden. Kunden können Lyric nur leasen - zum nicht ganz günstigen Preis von 140 Euro im Monat bekommen sie immer ein neues Gerät, kurz bevor die Batterie schlappmacht. Bode und die Hörmeister zählen zur handverlesenen Anzahl der Vertriebspartner. Nur bundesweit 80 Anbieter dürfen Lyric bislang führen, wenn ein Mitarbeiter eine entsprechende Schulung absolviert hat. Für Bode lohnt sich die Exklusivität offenbar. Neben seinen beiden Geschäften plant er weitere Neueröff- nungen, auch in Hamburg. „Wir suchen schon nach einem Standort in einem Stadtteil mit einer älteren Bevölker- ungsstruktur", sagt er. Dann würde auch die Zahl seiner jetzt vier Mitarbeiter steigen.  HA110614DanielaStürmlinger

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BSG-Urteil: Kasse muss zahlen! Entscheidend war das bessere Hörverständnis des Klägers

   Geklagt hatte ein schwer hörbehinderter Kläger, der die Kosten für ein hochwertiges digitales Hörgerät erstattet haben wollte. Seine Krankenkasse Securvita BKK wollte aber nur den für Hörgeräte vorgesehenen Festbetrag in Höhe von 987 Euro zahlen. Der fast ertaubte Hörbehinderte verlangte weitere 3.073 Euro, um den vollen Betrag zu erhalten. Zur Begründung gab er an, dass mit dem gewünschten digitalen Hörgerät besser hören könne als mit einem analogen Gerät. Kasse wollte 3.073 Euro nicht übernehmen
   Der Krankenkasse war die volle Kostenerstattung auch für hochwertige digitale Hörgeräte zu teuer. Der Gesetz- geber habe die Festbeträge eingeführt, um letztlich Kosten zu dämpfen, argumentierte Torsten Göhner, Justiziar der Securvita. Es gebe auch andere Hörgeräte, die vielleicht nicht so gut, aber noch ausreichend seien.
   Das BSG stellte jedoch fest, dass die Kosten für das digitale Hörgerät als "unmittelbarer Behinderungsausgleich" voll übernommen werden müssen. Die Krankenkasse könne zwar grundsätzlich Festbeträge zahlen. Diese müss- ten jedoch so ausgestaltet sein, dass die Versorgung mit Hörgeräten gewährleistet wird, die nach dem Stand der Medizintechnik “die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben".
   Von den rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Hörgerät gehört der Kläger zu einer Gruppe von rund 125.000 nahezu ertaubten Personen,die nun alle ein hochwertiges digitales Hörgerät beanspruchen können. Aktenzeichen: B 3 KR 20/08 R  ARDTagesschau091217n

Urteil des Bundessozialgerichts - Kassen müssen auch für hochwertige Hilfsmittel zahlen
   Die gesetzlichen Krankenkassen müssen schwer hörbehinderten Menschen die Kosten für hochwertige digitale Hörgeräte erstatten und dürfen sich nicht auf die Auszahlung unzureichender Festbeträge beschränken. Dies hat das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel in einem Grundsatzurteil entschieden.
   Den Kassen könnten nun Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe drohen: Das Gericht stellte die Festbeträge, also die Höchstzuschüsse, die die Krankenkassen ihren Versicherten für bestimmte Hilfsmittel zahlen, als solche zwar nicht in Frage. Der Dritte Senat stellte aber fest, dass diese Zuschüsse nicht die Leistungspflicht der Kassen begrenzen dürften. Der Festbetrag müsse ausreichen, um die durch die Behinderung entstandene Beeinträchti- gung auszugleichen. "Das ist eine weitreichende Entscheidung, die auch viele andere behinderte Gruppen be- treffen kann", sagte der Vorsitzende Richter, Ulrich Hambüchen.

Hörgeräte: Billig ist nicht Pflicht
   Privatversicherte müssen beim Kauf eines Hörgerätes laut Landgericht Regensburg nicht auf das einfachste Gerät zurückgreifen. In dem Fall waren einem schwerhörigen Mann Hörgeräte für beide Ohren verordnet worden. Der Mann ließ sich zwei Hörgeräte für zusammen rund 6.000 Euro anpassen. Die Versicherung aber wollte die Kosten nicht übernehmen. Landgericht Regensburg, Az. 2 S 311/08 NOZ100610ddp

Anspruch auf Hörgerät am Arbeitsplatz
   Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein von der Rentenversicherung bezahltes Spezialhörgerät, wenn ihr Arbeits- platz das erfordert. Das entschied das Sozialgericht in Frankfurt und weitete damit die bisherige Rechtsprechung aus. Nun bestehe der Anspruch unabhängig vom Beruf dann, wenn die Arbeitsplatzbedingungen ein Hörgerät erforderlich machten. Sozialgericht Frankfurt am Main Az. S 6 R 834/ 08, nicht rechtskräftig. NOZ100413ddp

oh-HARalfNehmzof-     Ralf Nehmzow, der Leserbotschafter des Hamburger Abendblatts

Krankenkasse zahlt neues Hörgerät
   Jochen A., 48, Angestellter aus Hamburg: „Ich bin von Geburt an hochgradig schwerhörig. Seit Langem bin ich im Gespräch mit meiner Krankenkasse Barmer GEK über die Kostenübernahme für ein neues Hörgeräteset. Ich be- nötige es dringend, damit auch mein Tinnitus (den habe ich seit 17 Jahren) gemildert wird. Ich habe der Kranken- kasse schon ein Attest des Arztes als Nachweis dafür eingereicht, das neue Hörgerät ist auch für mein Berufsleben sehr wichtig.
   Die Krankenkasse möchte mir aber nur den Standard der normalen Hörgeräte bezahlen, mit denen ich mich nicht ausreichend versorgt fühle. Zudem ist mit den Standard-Hörgeräten mein Tinnitus sehr laut, somit wäre das keine Hilfe für mich. Seit November 2011 habe ich gar keine Hörgeräte mehr, da meine bisherigen aufgrund ihres Alters defekt sind. Barmer GEK ist darüber informiert, will mir aber bisher keine schriftliche Zusage der Kostenübernahme für das neue Hörgerät geben. Ich habe jetzt große Probleme am Arbeitsplatz aufgrund der schlechten Kommunika- tion und Kopfschmerzen wegen der lauten Tinnitus-Geräusche im Ohr. Ich bin verzweifelt."
   Pressesprecher Axel Wunsch von der Barmer GEK: „Wir haben die Angelegenheit im Sinne unseres Versicherten klären können. Unter Berücksichtigung, dass es für die Menschen, die nahezu taub sind, zum 1. März 2012 neue Festbeträge für die Erstattung der Kosten für Hörgeräte gibt, konnte mit der Hörgeräte-Firma eine einvernehm- liche Lösung erreicht werden.
   Bei der Entscheidung und Verhandlung mit dem Akustikbetrieb wurden die besonderen Umstände in diesem Einzelfall berücksichtigt. Aufgrund der besonderen Umstände des Falles und der mehrfach nötigen Rücksprachen hat das Ganze leider einige Zeit gedauert. Wir konnten Herrn A. jetzt mitteilen, dass ihm das von ihm gewünschte neue Hörgerätset aufzahlungsfrei zur Verfügung gestellt werden wird. Für die nächsten sechs Jahre entstehen ihm auch keine Mehrkosten für Reparaturen." Das Hörgerätset ist auf dem Weg, Wert: rund 2.000 Euro.
Haben Sie Sorgen, Probleme im Alltag? Ralf Nehmzow, der Leserbotschafter des Hamburger Abendblatts, hat ein Ohr dafür, vermittelt, hilft, engagiert sich für die Interessen der Leser. Er schildert ihre Fälle und dokumentiert dazu die Reaktionen der betroffenen Behörden, Institutionen und Unternehmen.
   So erreichen Sie den Leserbotschafter: Schicken Sie bitte Ihre Alltagsärger-Fälle, kurz skizziert, mit Ihrer Telefon- nummer per eMail an: Leserbotschafter@Abendblatt.de oder an: Leserbotschafter Ralf Nehmzow, Chefredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.

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Ob ein Hörsystem gut funktioniert, hängt vor allem von Können und Erfahrung des Hörgeräteakustikers ab.
Betroffene zahlen für hochwertige Technik oft drauf. Experten raten vor dem Kauf zu ausführlichen Tests.

Wie teuer ist gutes Hören? 
  
Vor dieser Frage stehen viele Patienten, wenn sie sich auf die Suche nach einem neuen Hörgerät machen. Zwar bekommt man schon für die zehn Euro Selbstbeteiligung eine Reihe von Kassen-Modellen, doch sehr häufig wer- den in Fachgeschäften Geräte der oberen Preisklasse empfohlen. 3.000 bis 4.000 Euro pro Paar seien „kein Luxus", sagt auch der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) und fordert deutlich höhere Erstattungsbeträge von den Krankenkassen. Schließlich sei „Hören ein Grundrecht", meint Sprecherin Renate Welter.
  421,28 Euro für das erste und 337,02 Euro für das zweite Gerät bekommt ein gesetzlich Versicherter derzeit von seiner Kasse. Alles darüber hinaus muss in der Regel selbst getragen werden. Laut einer DSB-Befragung zahlt ein Hörgeräte-Besitzer im Schnitt rund 1.600 Euro zu. Mit Kassengeräten werden nach Schätzungen des Verbandes nur rund sieben Prozent der Betroffenen versorgt.
   Ob man teurer allerdings tatsächlich auch stets besser hört, ist unter Fachleuten zumindest umstritten. Die Elek- tronik wurde im Laufe der letzten Jahre immer kleiner, billiger und leistungsfähiger, analoge Technik ist vom Markt fast verschwunden. „Die Kassengeräte haben durch diese Entwicklung deutlich profitiert", sagt Prof. Annette Limberger, die an der Hochschule Aalen Hörakustik lehrt.
  In allen Geräten sitzen inzwischen ähnliche digitale Wunderwerke, kaum größer als ein Streichholzkopf, pro- grammierbar auf verschiedene Hörsituationen und Hörprofile. Zwei Mikrofone pro Ohr gelten auch in der Basis- klasse als Standard, der Programmwechsel wird per Funk von einem aufs andere Gerät übertragen. „Die Typen sind oft sehr ähnlich, und man schaltet je nach Geräteklasse einfach entsprechende Feature zu oder ab, je nachdem, was das Gerät können soll", sagt Prof. Limberger. Je nachdem welche Schwerhörigkeit vorliegt, könne man meist auch ein Basisgerät sehr gut einstellen. Bei starker Schwerhörigkeit gebe es allerdings kaum günstige Modelle, die sich optimal justieren lassen, meint die Ärztin und Akustikerin.

Sozialgerichtsurteil stärkt Anspruch auf Erstattung
   Patienten mit besonders starkem Hörverlust können sich allerdings auf ein Urteil des Bundessozialgerichts von 2009 berufen, um auch ein teures Modell erstattet zu bekommen. Darauf habe der Versicherte Anspruch, wenn ihm im Alltag ein wesentlicher Gebrauchsvorteil zukommt, meinten die Richter. Seit diesem Spruch drängen Betrof- fenenverbände auf eine generelle Änderung der Erstattungsregeln - bislang vergeblich. Nach wie vor müssen Patienten also in jedem Einzelfall mit der Kasse verhandeln, könnten aber im Fall der Ablehnung mit dem Sozial- gericht drohen.
   Besondere Bedeutung beim Hörgerätekauf haben Erfahrung und Können des Akustikers. Selbst das größte technische Wunderwerk im Ohr wird erst durch sein Feintuning zum nützlichen Hilfsmittel. Dabei ist ein gewisser Interessenkonflikt programmiert, denn der Akustiker tritt zugleich als Verkäufer auf, und mancher könnte wirt- schaftlich eher am Absatz teurer Geräte interessiert sein. Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2006 die Branche untersucht und dabei tatsächlich erhebliche Unterschiede bei Preisen, Beratung und Service festgestellt. Die Verbraucherschützer raten dringend, sich vor dem Kauf bei verschiedenen Akustikern ausführlich beraten zu las- sen und Angebote einzuholen.
   „Möglichst sollte man nicht gleich mit der Hörgeräte-Verordnung des Arztes in den Laden gehen. Die wird manchmal sofort kassiert, und man hat Schwierigkeiten, sie wiederzubekommen", sagt Prof. Limberger. Sie rät dazu, sich vom Arzt einen Hörtest mitzunehmen und sich damit bei drei bis vier Akustikern technisch und preislich beraten zu lassen. Dann entscheide man sich nach dem Eindruck, wo man am besten betreut und am umfas- sendsten beraten wurde.
   Audiologische Gesellschaften schreiben ihren Mitgliedern eine sogenannte vergleichende Anpassung vor. Der Kunde soll verschiedene Geräte ausprobieren können. „In der Praxis bekommt man bei einigen Hörgeräte- akustikern in einer Stunde drei Geräte aufgesetzt, und das war's dann", sagt Prof. Limberger. Wichtig sei es aber, jedes System drei bis vier Wochen lang im Alltag zu testen. Gute Akustiker würden ihren Kunden solche Test er- möglichen und damit auch den Vergleich zwischen teuren und günstigen Geräten.
   Dass preiswert nicht automatisch eine schlechte Lösung ist, hat sie im Übrigen vor kurzem selbst in einem Gutachten festgestellt. Dafür wurden dem Patienten Geräte verschiedener Preisklassen angepasst, die Ergebnisse direkt am Trommelfell mit einem Sondenmikrofon gemessen und entsprechende Hörtests durchgeführt. Ergebnis: Mit dem günstigen Gerät verstand der Mann am besten.« HAZ110902ChristianSeelHA

Vergleich
   Hintem Ohr Gehäuse hinter der Ohrmuschel (HdO) lassen sich in Serie herstellen, nur diese Geräte kann man vorher ausprobieren. Es gibt sie u.a. mit externem Lautsprecher. Er hängt an einem Kabel und wird per Silikon- stöpsel im Gehörgang befestigt. Bei internen Lautsprechern leitet ein Schlauch den Schall durch eine sogenannte Otoplastik in den Gehörgang. Sie wird aus Acryl oder Silikon individuell nach Abdruck angefertigt.
   Im Ohr Solche Geräte werden nach Abdruck des Gehörgangs einzeln angefertigt und mit der Elektronik bestückt. Das Innenleben ist identisch mit dem HdO-Modell, sodass man dieses zum Testen nutzen kann. Das Richtungs- hören der Im-Ohr-Geräte entspricht eher dem natürlichen Hören, weil die Schallabnahme an der natürlichen Stelle erfolgt. Neu auf dem Markt sind winzige Geräte für schwächere Hörverluste, die unsichtbar getragen werden. Ein Modell bleibt sogar dauerhaft im Gehörgang und wird jeweils alle vier Monate komplett gewechselt.
   Binaurale Systeme Diese Geräte der oberen Preisklasse tauschen ständig über ein BAN (Body Area Network) Audiodaten per Funk. Dadurch können - vor allem bei HdO-Systemen - Schallquellen besser räumlich geortet und akustisch korrekt verstärkt werden. Das ergibt einen angenehmeren Höreindruck, das Sprachverständnis wird laut Untersuchungen nicht unbedingt verbessert. Der Batterieverbrauch ist deutlich erhöht.
   Bluetooth Um diese Funktechnik zu nutzen, ist immerein zusätzlicher Zwischenempfänger nötig, der in der Regel um den Hals getragen wird. Damit lassen sich Handy, PC oder Fernseher mit dem Hörgerät verbinden.
Infos Hinweise und Quellen unter www.gesund-magazin.de/hoergeraeteinfos.
Deutscher Schwerhörigenbund www.schwerhoerigen-netz.de Tel.: 030 - 47 54 11 14.
Bundesinnung der Hörgeräteakustiker www.biha.de, Tel. 061 31 - 96 56 00

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 Bluetooth macht's möglich: Das Hörgerät im Mittelpunkt der Unterhaltungselektronik. Foto oben links: Das i Mini in Originalgröße. Handgefertigte Qualität von Siemens. Foto oben rechts: Fast unsichtbar! Moderne Hörgeräte sind aufgrund ihrer ergonomischen Bauforn sehr klein und überzeugen durch einen komfortablen Sitz.

   Noch nie war das Hören mit Hörgeräten so komfortabel. Das neue „Pure" von Siemens ist nämlich nicht nur das derzeit kleinste und leichteste Hörgerät seiner Art, es kann zusätzlich mit einem Tek-Set ausgestattet werden. Mit Tek verbindet es sich drahtlos via Bluetooth mit Handy, Telefon, MP3-Player, Computer, Fernseher oder Stereo- anlagen und bekommt von diesen Geräten den Klang direkt „zugefunkt". Dank modernster Miniatur-Computer- technologie erfolgt das sogar ohne merkbare Zeitverzögerung. Das gab es bisher noch nie. Zusätzlich verfügen die „Pure"-Hörgeräte über eine „künstliche Intelligenz", dank derer sie sich einmal getätigte, individuelle Einstel- lungen ihres Trägers für die verschiedensten Geräuschsituationen merken und sich fortan automatisch anpassen. Wie komfortabel das Tragen von Hörgeräten dank Bluetooth werden kann, verdeutlichen einige Beispiele. Wenn etwa das Handy oder das heimische Telefon klingelt, meldet das Hörgerät dies automatisch durch einen zusätzlichen Signalton, den nur der Träger hört. Mit Hilfe seiner Fernbedienung kann er das Gespräch annehmen und telefonieren, ohne das Handy an sein Ohr halten zu müssen.
   Als „echten Luxus" empfanden die ersten Testträger die direkte Bluetooth-Anbindung an die Unterhaltungselek- tronik, die übrigens mit nahezu allen bereits vorhandenen Geräten funktioniert. Dabei werden die Klänge, die von Stereoanlage, Fernseher, MP3-Player oder Computer kommen, über einen speziellen Sender direkt und ohne Zeitverzögerung an das Hörgerät geleitet. Bei einer beidohrigen Versorgung sogar in Stereo. Lautsprecher oder zusätzliche Kopfhörer werden überflüssig. Das kommt auch dem persönlichen Umfeld zugute, denn schwerhörige Menschen neigen häufig dazu, beispielsweise die TV-Lautstärke viel zu laut zu stellen. Dank „Pure" und „Tek" erhalten sie den Fernseh-Sound direkt ins Hörgerät, während beispielsweise der Partner seine Wunschlautstärke wie gewohnt am TV-Gerät einstellt. Für ein weiteres Plus an Bedien-, Trage- und Hörkomfort sorgen außerdem die zahlreichen technischen Ausstattungen der neuen „Pure"-Hörgeräte von Siemens. So merkt es sich dank seiner „künstlichen Intelligenz" nicht nur die situationsbedingten Lautstärkevorlieben seines Trägers, sondern auch weitere Einstellungen zum Beispiel hinsichtlich der dabei bevorzugten Klangqualität. Und wem der Batteriewechsel zu lästig erscheint, kann „Pure" auch mit Akkus betreiben, die sich über Nacht in der Ladestation aufladen. Das neue „Pure" ist gerade einmal so groß wie eine Fingerspitze und nur zwei Gramm schwer. Es wird in 14 verschiedenen Farben angeboten, darunter silber, schwarz, goldblond, sandbraun, kastanie, dunkelrot, dunkel- blau und titan. Und sollte die einmal gewählte Farbe nicht mehr gefallen, kann der Akustiker das Gehäuse schnell und einfach auswechseln. „Pure" ist ab sofort bei Hörgeräte-Akustikern in ganz Deutschland erhältlich. Die von Siemens entwickelte Funktechnologie „Tek", die die Bluetooth-Verbindungen möglich macht, kann als Zusatzaus- stattung bestellt werden. Die Kassen übernehmen im Falle einer Verordnung durch den HNO-Arzt die üblichen Kostenanteile.  Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter: www.siemens.de/hoergeraete

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Foto links: Ladegerät - Keine Gedanken mehr an Batteriewechsel verschwenden
   Einige Siemens Hörsysteme sind aufladbar. Sie müssen sich keine Gedanken mehr über das Auswechseln von Batterien machen, wenn Sie sich zum Beispiel in einem Meeting befinden oder mit Freunden essen gehen. Setzen Sie einfach beide Hörsysteme in die elegante und einfach zu bedienende Ladestation ein. Nach gerade mal fünf Stunden Ladezeit sind die Geräte einsatzbereit. Wenn es Ihnen einmal nicht möglich sein sollte, die Ladestation zu benutzen, können Sie Ihre Hörsysteme auch mit Batterien betreiben.
Die Ladestation ist für die Hörsysteme Motion, Pure, Centra Active™ und Cielo2 Active™ erhältlich.
Foto rechts: ePen
   Die meisten Siemens Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme verfügen über eine intuitive Technik, die die Einstellungen automatisch an die verschiedensten Hörsituationen anpasst. Aber natürlich können auch Sie selbst Lautstärken verstellen und zwischen den unterschiedlichen Hörprogrammen wechseln. Im Gegensatz zu klassischen Fernbe- dienungen für Hörsysteme ist der neue Fernbedienung ePen™ eine besonders attraktive Variante für Ihre manu- ellen Einstellungen. Er sieht aus wie ein edler Füllfederhalter und wird damit zum kleinen, praktischen Zubehör.

aurSiemens-3x  Schlechtes Hören muss heute keine Last mehr sein

Neueste Mini-Hörgeräte von Siemens: Klein und attraktiv. Auch als Im-Ohr-Hörgerät erhältlich
   Das Entstehen einer Hörschwäche ist oft eine schleichende Entwicklung. Und viele Betroffene wollen sich die eigene Hörschwäche häufig nicht eingestehen. Dabei ist eine Hörminderung nicht für einen selbst, sondern auch für Angehörige und Freunde oftmals eine Belastung. Gesellige Runden werden zur Anstrengung und oftmals kommt es zu Missverständnissen. Das gilt besonders für Gespräche mit mehreren Personen oder Situationen mit Umgebungslärm. Beratung und Hilfe bieten Hörgeräteakustiker, die auf Hörakustik und die Versorgung speziali- siert sind, oder HNO-Ärzte.
Moderne Hörgeräte helfen
   Befragungen von Schwerhörigen und Angehörigen ergeben immer wieder, dass Hörgeräte immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet sind. Sie sind groß, pfeifen, sie tragen sich unangenehm oder sie brauchen viele teure Batterien. Den Gegenbeweis tritt der deutsche Technikkonzern Siemens an. Das Unternehmen konnte mit den Produkten „Life" und „Pure" bereits viele Kunden überzeugen. Die Hörgeräte zeichnen sich besonders durch modernste Technik und attraktive Designs aus. Alle Kunden hatten vorher die gleichen Wünsche: ganz vorn wurde eine unauffällige Bauform gewünscht. Darüber hinaus waren eine einfache Bedienbarkeit und ein hoher Trage- komfort am Wichtigsten. Hörgeräte von Siemens konnten all diese Wünsche erfüllen.
Kleine „Verstehsysteme"
   In der Tat sind Hörgeräte von Siemens klein und einfach. Aber sie leisten noch mehr, wie z.B. das Erkennen von Richtungen aus denen Geräusche kommen, was vor allem im Straßenverkehr wichtig ist. Auf Familienfeiern und im Berufsleben hingegen ist es wichtig, dass die Sprache aus dem Umgebungslärm herausgefiltert und verstärkt wird. So können Schwerhörige nahezu überall verstehen und mitreden. Der Clou: Hörgeräte von heute lassen sich zudem bequem mit einer Fernbedienung steuern und einstellen. Sie sind außerdem kompatibel mit dem Fernseher, der Stereoanlage ja sogar mit Telefonen. Die Klänge werden direkt an die Hörgeräte übertragen. Kopfhörer braucht man dann nicht mehr. Und durch moderne Akkutechnologie spart man sich den Einsatz von Batterien.
NOZ100316 BerndLangerErlangen

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Neu auf der Hörgerätemesse in Leipzig - Wellness für die Ohren

   Beim Hörsystem „be by ReSound” ist es erstmals gelungen, die Vorteile des klassischen Hinter-dem-Ohr- Geräts mit denen eines Systems, das im Ohr sitzt, zu verbinden. Entstanden ist eine sehr diskrete Bauform, die ihrem Träger bestes Sprachverstehen und natürlichen Klang sichert, verspricht der Hersteller ReSound. Das so gut wie unsichtbare Hörsystem wird auf der größten europäischen Hörgerätemesse in Leizpig vorge- stellt. Die gesamte Technik des nur 1,1 Gramm wiegenden Geräts sitzt im Ohr, außerhalb des Gehörgangs verbleibt lediglich der hauchdünne Schallschlauch mit dem Mikrofon, der beim Tragen von der natürlichen Form der Ohrmuschel kaschiert wird. Mit dieser neuartigen Form kommt ReSound vielen Betroffenen entge- gen, für die ein Hörgerät immer noch ein Zeichen von Schwäche ist, die man nichtöffentlich zeigt. Denn im Zeitalter unterschiedlichster Head-Sets, Ohrstöpsel fürs Handy und anderer Gerätschaften, die der moderne Mensch im Ohr trägt, fällt das neue System überhaupt nicht mehr als Hörgerät auf, wie Umfragen ergaben. Damit könnte die Akzeptanz deutlich größer werden. Außer mit modernster Lautsprecher- und Mikrofon- technik ist be by ReSound™ mit dem sogenannten Multi Venting ausgestattet, das sicherstellt, dass jederzeit frische Luft in den Gehörgang strömt. Dadurch kann sowohl die eigene Stimme, als auch die der Gesprächs- partner so natürlich wie möglich wahrgenommen werden. „Bei unseren umfangreichen Testreihen stellten wir immer wieder fest, dass die Probanden das Hörsystem in ihrem Ohr überhaupt nicht mehr spürten und es völlig vergessen hatten”, berichtet Marketingleiter Marc Reichling. FAZtes081014smm  

ReSound bringt das beste Lifestyle-Hörsystem - ReSoundAIR™ bringt Lebensfreude und Hörgenuss 
   ReSound präsentiert der Fachwelt derzeit eine bahnbrechende Neuerung auf dem Gebiet der Hörgeräte-Technik: ReSoundAIR™, ein volldigitales Hörsystem, das nicht nur durch Hightech auf höchstem Niveau überzeugt. Mit seinem revolutionären Gehäuse-Design und einem bislang unerreichten Tragekomfort bietet das Hörsystem eine einfache, angenehme und beinahe unsichtbare Lösung, die Hörgeräte-Trägern zu mehr Lebensfreude verhilft.
  Das nur zwei Gramm leichte Hörsystem, das in den Farben Perl, Schwarz, Aluminium, Granit und Mittelblond ange- boten wird, trifft bei Kunden auf ein ausgesprochen reges Interesse. Das Gehäuse von ReSoundAIR™ ver- schwindet komplett hinter dem Ohr. Mit seinem ergonomischen Design liegt es sicher an. Ein sichtbares Ohrpasss- tück gibt es nicht mehr. Lediglich ein dünner Schlauch mit weicher Kuppel führt in die Öffnung des Gehörgangs.
   Mit dem ReSoundAIR™ werden sicherlich Hörsysteme viel positiver als bisher wahrgenommen. ReSoundAIR™ ist nicht nur eine vorzügliche Lösung für Hörverluste im Hochtonbereich, sondern wird insbesondere all jenen gerecht, für die Design ein wichtiger Faktor ist. Das neue System steht vor allem für Lebensfreude, Hörgenuss und Spass. Mehr im Internet: www.gnresound.de

oh-ErikBergFraniBrughardt-xDie Hörgeräte-Akustiker Frank Burghardt und Erik Berg ...

    ... gewinnen beim Hamburger Gründerpreis 2010 in der Kategorie Existenzgründer.
   Das Ohr steht im Mittelpunkt. Die Plastikattrappe im Schaufenster der Wandsbeker Filiale von Frank Burghardt und Erik Berg ist übermannshoch, grasgrün – und symbolträchtig. Denn die Ohren ihrer Kundschaft sind nicht nur das Geschäftsfeld der beiden gelernten Hörgeräteakustikermeister, sondern auch ihre Mission.
   „Schwerhörigkeit trifft nicht nur ältere Menschen, sondern wegen der wachsenden Arbeitsbelastung auch zu- nehmend Jüngere“, sagt Berg, 33. „Hörsysteme haben aber immer noch den Ruf, hässlich und groß zu sein.“ Die Hemmschwelle, sich entsprechende Hilfsmittel zuzulegen, ist deshalb sehr hoch: Nach Schätzungen des Deutschen Schwerhörigenbunds gibt es bundesweit 14 Millionen Betroffene – aber nur rund 2,5 Millionen Menschen tragen tatsächlich ein Hörgerät.
   Der Markt hat also ein gigantisches Potenzial – sofern es gelingt, die Hemmschwelle der Kunden zu überwinden. Deshalb haben Berg und Burghardt für ihre 2008 gegründete Firma Die Hörmeister ein modernes Konzept ent- worfen: Offen und ansprechend sollen ihre sechs Filialen in Hamburg, Ahrensburg und Lüneburg wirken. So laden in der Wandsbeker Filiale dunkler Holzfußboden, lindgrüne Wände, eine dezente Auslage mit winzigen Hightech- Geräten in allen Farben des Regenbogens und ein kostenloser Cappuccino zum Eintreten ein. Auch die beiden Gründer sehen eher aus, als würden sie Smartphones statt Hörgeräte verkaufen. „Wir wollen Hörsysteme aus der verstaubten Prothesenschublade herausholen“, sagt Burghardt, 43. „Wir verkaufen vor allem Lebensqualität.“
   Tatsächlich sind die Geräte im Angebot der Hörmeister nicht nur so unauffällig und klein wie Kontaktlinsen, son- dern gleichzeitig auch multimediale Wunderwerke. „Moderne Hörlösungen sind wie Minicomputer im Ohr“, erklärt Berg. „Sie können nicht nur Sprache verstärken und Störlärm herausfiltern, sondern über Bluetooth auch als Frei- sprechanlage fürs Handy oder als Kopfhörer für den MP3-Player genutzt werden.“ Die Lautstärke werde dann über einen dezenten Adapter in der Hemd- oder Hosentasche reguliert – auf Wunsch auch mit trendigen Swarowski- Strasssteinen besetzt. In diesem Herbst soll sogar ein Gerät auf den Markt kommen, das sich direkt mit dem Fernseher verbinden lässt.
   Das kommt bei den Kunden an. Die Umsätze der Hörmeister haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt, liegen im einstelligen Millionenbereich. Erst im Juni haben die neuen Fachgeschäfte in Wandsbek und auf der Uhlenhorst eröffnet, eine siebte Filiale soll im Herbst folgen. Unter den 23 Beschäftigten sind auch fünf Auszubildende. „Allein in diesem Jahr haben wir sieben Mitarbeiter eingestellt“, sagt Burghardt, der als gebürtiger Nordrhein-Westfale vor 14 Jahren nach Hamburg zog und jetzt im Schanzenviertel lebt.
   Ebenso wie sein Geschäftspartner, der aus Schleswig-Holstein stammt, hat er vor der Selbstständigkeit bei einer großen Kette Erfahrungen bei der Filialisierung gesammelt. Trotz der Expansionspläne sind beide Geschäftsführer im Tagesgeschäft aktiv – Berg meist in der Poppenbütteler Filiale, Burghardt in Volksdorf. Ihre Vision: „Wir hoffen, dass Hörsysteme eines Tages ebenso wie Brillen zum modischen Accessoire werden.“ HA100909KathrinFichtel

Vom einfachen Hörgerät bis zum Cochlear-Implantat: Experten antworten auf Fragen in der HAZ

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        Die Experten Foto v.l.n.r.: Prof. Anke Lesinski-Schiedat, HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover; Dr. Lutz  Osterwald,   HNO-Arzt  in  Hannover;    Dr. Hajo Frerichs,  Landesbildungszentrum  für   Hörgeschädigte; Dr. Martin Kinkel, Hörgeräte Kind; Rolf Erdmann, Schwerhörigenbund. 060124

Hier die Fragen an die Experten in der Telefonaktion:

Mein Mann ist 1940 geboren und leidet an einer Verhärtung im Mittelohr (Otosklerose). Links ist er taub, rechts fast taub. Auch mit Hörgerät versteht er keine Sprache. Gibt es noch eine Möglichkeit, ihm zu helfen?
 
Ja, Patienten wie Ihr Mann sind prinzipiell für ein Cochlear-Implantat (CI) geeignet, das den Schall direkt auf den Hörnerv überträgt. Diese Methode ist für erwachsene Patienten, die bereits Hörerfahrungen hatten, genauso geeignet wie für sehr kleine Kinder, deren Sprachentwicklung noch nicht begonnen hat. Cl-Patienten müssen allerdings zunächt ein anderes Hören lernen. Nach zwei bis drei Monaten haben sich die meisten aber hineinge- funden. Ob Ihr Mann tatsächlich von einem CI profitieren könnte, lässt sich in einer etwa dreitägigen Untersu- chung klären. Dazu sollten Sie einen Termin bei einem spezialisierten Zentrum vereinbaren.
Unsere 33-jährige Tochter ist durch die Spätfolgen einer Hirntumoroperation schwerhörig. Meist trägt sie beidseits Hörgeräte, am Telefon kann sie auch so hören. Kommt für sie ein Mittelohrimplantat in Frage?
 
Dass Ihre Tochter ohne Hörgeräte telefonieren kann, weist auf eine mittelgradige Schwerhörigkeit hin. Dann könnte ihr ein Mittelohrimplantat helfen. Ob das in ihrem Fall tatsächlich sinnvoll ist, lässt sich jedoch nur in einer umfassenden Voruntersuchung klären.
Trotz Hörgeräten habe ich Probleme, lange Gespräche zu verstehen. Auch Fernsehen ist schwierig, beson- ders, weil viele Beiträge mit Musik unterlegt sind. Was kann ich tun?
  
Das Problem ist oft, dass die tiefen Frequenzen vom Hörverlust nicht so stark betroffen sind wie die hohen. Deshalb kann man Sprache schlecht von Musik unterscheiden. Für den Fernseher gibt es im Fachhandel Zusatz- geräte, mit denen man den Ton über Kopfhörer hören kann. Bei Fernsehgeräten mit einzeln stehenden Laut- sprecherboxen kann man sich diese auch näher heranziehen. Für ein möglichst gutes Sprachverständnis sollten Sie viele Hörgeräte ausprobieren, um das beste zu finden. Zudem muss man auch lernen, mit dem Hörgerät in verschiedenen Situationen umzugehen.
Wenn ich mein Hörgerät benutze, entzünden sich meine Ohren und eitern. Daher muss ich oft zum Arzt. Gibt es Alternativen? Kann man zerstörte Sinneszellen vielleicht mit Stammzellen regenerieren?
   
Wenn Ihnen das Hörgerät hilft, sollten Sie  darauf nicht verzichten. An der Möglichkeit, Stammzellen einzusetzen, wird momentan zwar geforscht, bis so etwas praktisch einsetzbar ist, wird es jedoch noch Jahre dauern. Zur kurzfristigen Linderung Ihres Problems würde ich Ihnen empfehlen, Hörgeräte auszuprobieren, die den  Gehör- gang  nicht ganz verschließen.
Ich bin nur auf dem linken Ohr schwerhörig und habe deswegen schon mehrere verschiedene Hörgeräte aus- probiert. Bislang bin ich aber mit keinem zufrieden. Ist es dann nicht besser, darauf zu verzichten?
  
Nein, ein Hörgerät ist auf jeden Fall sinnvoll. Denn das Gehirn und die Sinnesorgane brauchen ständiges Training. Wenn auf einem Ohr nichts mehr ankommt, konzentriert sich das Gehirn auf die andere Seite, die Synapsen und Nervenverbindungen auf der anderen Seite schwächen sich ab, und das Gehirn „verlernt” das beidseitige Hören. Gerade um bei Störgeräuschen die richtige Botschaft herausfiltern zu können, sollten aber beide Ohren etwa gleich gut hören.
Nach einem Hörsturz höre ich auf beiden Ohren schlechter und habe zwei Hörgeräte. Anfangs konnte ich damit gut hören, doch jetzt habe ich Probleme. Woran liegt das?
 
Nach einem Hörsturz kann sich das Hörvermögen durchaus wieder in gewissem Umfang regenerieren. Man sollte daher die Einstellung der Hörgeräte überprüfen. Das müssen Sie nicht bezahlen, weil die Nachversorgung im Preis der Geräte enthalten ist. Falls nötig, sollten Sie auch ein neues Hörgerät in Betracht ziehen. Wenn es einen medizinischen Grund dafür gibt, zahlt die Kasse auch vor Ablauf der üblichen drei bis fünf Jahre.
Ich habe zwei Hörgeräte. Jetzt höre ich auf einmal ein Pfeifen. Woran liegt das?
  
Wenn Hörgeräte pfeifen, kann das daran liegen, dass die Ohrpassstücke nicht mehr optimal sitzen. Dadurch kommt zusätzlicher Schall in den Gehörgang, auf den Ihr Hörgerät nicht ausgerichtet ist. Sie sollten den Sitz der Passstücke bei Ihrem Hörgeräteakustiker kontrollieren lassen und diese wenn nötig erneuern.
Mein Hörgerät ist schon älter und defekt. Weil ich immer damit zufrieden war, möchte ich es reparieren las- sen. Geht das?
  
Leider  nicht  in  allen Fällen. Das hängt davon ab, welches Bauteil kaputt ist und ob noch Ersatzteile erhältlich sind. Seien Sie aber nicht zu traurig, wenn eine Reparatur unmöglich ist. Die Technik hat sich deutlich weiter ent- wickelt, und sicher finden Sie auch ein neues Gerät, das Ihren Anforderungen entspricht.
Als unsere Tochter eingeschult wurde, zeigten sich Anzeichen für Hörstörungen. Wer berät zu einer Früh- förderung?
 
Die Frühförderung ist ein Angebot des Landes siehe: Frühförderung. Anlaufstellen sind in Niedersachsen die Landesbildungszentren für Hörgeschädigte in Hildesheim, Braunschweig, Oldenburg und Osnabrück. Dort gibt es auch pädagogisch-audiologische Beratungszentren, in denen Sie das Hörvermögen Ihrer Tochter kostenlos über- prüfen lassen können. Stellt sich eine Hörschädigung heraus, ist eine Förderung im Elternhaus möglich, um eine normale Sprachentwicklung zu gewährleisten.
Unser Kind hat in der Schule auf einmal Lese- und Rechtschreibprobleme. Vorher haben wir aber nichts be- merkt. Kann das sein?
  
Gerade in den ersten drei Lebensjahren neigen Kindern zu Mittelohrproblemen. Dadurch reifen die Hörnerven- bahnen nicht aus, und die Kinder können nicht alle Laute korrekt unterscheiden. Meist können sie das relativ lange geheim halten, beim Lesetraining fällt es dann aber doch auf. Bei einem Verdacht sollten Sie mit Ihrer Tochter unbedingt einen HNO-Arzt aufsuchen. Hörprobleme wachsen sich nicht aus.
Meine Nichte ist gehörlos und hat nun mit ihrem ebenfalls gehörlosen Partner ein gehörloses Kind be- kommen. Sollte das Kind nicht so schnell wie möglich ein Cochlear-Implantat bekommen?
 
Grundsätzlich ist das sicher sinnvoll. Aber viele gehörlose Eltern haben Angst, dass ihr Kind dann keine Gebärden- sprache mehr lernt. Wir legen daher Wert darauf, die Eltern von Anfang an mit einzubeziehen. Natürlich soll ihr Kind die Gebärdensprache lernen. Zusätzlich kann ihm ein Cochlear-Implantat aber weitere Möglichkeiten eröffnen- wie eine zweite Sprache.
Mein Arzt hat mir ein Hörgerät verordnet. Was zahlt die Kasse?
  
Von der Krankenkasse erhalten Sie einen Festzuschuss in Höhe von 420 Euro für ein Hörgerät. Dafür kann man jedoch unserer Ansicht nach kein optimales Gerät kaufen. Der Deutsche Schwerhörigenbund kämpft daher für höhere Zuschüsse. Inzwischen gibt es Urteile der Sozialgerichte, wonach die Kassen in bestimmten Fällen höhere Zuschüsse übernehmen müssen. Im Zweifel lohnt es sich also, den Rechtsweg zu beschreiten. Gehen Sie offensiv mit Ihren Hörproblemen um!
Wo finde ich Beratung?
Der Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Niedersachsen bietet kostenlose Beratungen für Betroffene und Angehörige an. Beratungsstellen gibt es im NeSt der BKK, Lange Laube 6, Hannover (jeden zweiten und vier- ten Mittwoch im Monat), sowie im Hörzentrum Hannover (HZH) der MHH, Karl-Wiechert-Allee 3, 30625 Hannover (jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat), jeweils von 17 bis 19 Uhr.
Gibt es in Hannover eine Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte?
 
Ja, eine solche Gruppe besteht seit 26 Jahren an der Volkshochschule Hannover (VHS). Die Treffen finden jeden Dienstag von 17.15 bis 18.45 Uhr in der VHS, Theodor-Lessing-Platz 1, 30159 Hannover, statt. Informationen gibt es unter Telefon 0511 - 16 84 65 67.

Vom einfachen Hörgerät bis zum Cochlear-Implantat: Für jeden gibt es die richtige Versorgung

   Am Anfang sind es nur Kleinigkeiten: Plötzlich nuschelt der Nachbar, so dass man ihn kaum noch versteht. Oder beim Treffen im Sportverein fällt es schwer, einzelne Sprecher auseinander zu halten. Wer dann immer wieder „Wie bitte?” fragen muss, weil er schlecht hört, dem macht die alltägliche Kommunikation mit anderen kaum noch Spass. „Viele Schwerhörige ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück”, hat auch Prof. Anke Lesinski-Schiedat, Oberärztin an der Klinik für Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), beob- achtet. Doch das sei der falsche Weg: „Den meisten kann mit einer individuellen Hörberatung geholfen werden.”
 Dazu ist es vor allem wichtig, dass die Ärzte die Art der Hörstörung feststellen. Beim gesunden Ohr wird der Schall über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Dieses gibt den Schall im Mittelohr über die Gehörknöchelchen an das flüssigkeitsgefüllte Innenohr weiter, wo die Schallwellen wie auf einer Klavier- tastatur bestimmte Haarsinneszellen anregen. Die Sinneszellen wiederum wandeln den Schall dann in elektro- magnetische Impulse um, die der Hörnerv zum Gehirn weiterleitet. Bei Schwerhörigen oder Tauben kann der Weg des Schalls an unterschiedlichen Stellen gestört sein. „Wir schätzen, dass in Deutschland etwa 14 Millionen Men- schen schwerhörig sind“, erklärt Lesinski-Schiedat. „Davon haben zwei bis drei Millionen eine Mittelohrschwer- hörigkeit, ein Prozent haben Schäden am Hörnerv, beim Rest ist das Innenohr betroffen.”
   Sind die Gehörknöchelchen im Mittelohr verhärtet oder ist das Trommelfell beschädigt, hilft meist eine Operation. Menschen mit defektem Hörnerv dagegen können nur auf ein Hirnstammimplantat hoffen. Der größten Gruppe, den Innenohrschwerhörigen, helfen die Ärzte mit unterschiedlichen Methoden: Meist reichen Hörgeräte aus, damit die Patienten wieder ohne Probleme mit anderen kommunizieren können. „Wichtig ist, dass die Leute auf beiden Ohren Hörgeräte tragen”, betont Lesinski-Schiedat. Dabei gibt es sowohl einfache Modelle als auch ausgefeilte digitale Hörsysteme, die sich individuell anpassen und auf verschiedene Hörsituationen einstellen lassen. Aller- dings haben die Hightech-Geräte ihren Preis: 2.000 Euro pro Ohr können sie durchaus kosten. Der Festzuschuss der Krankenkasse von etwa 420 Euro deckt das nicht ab.
   Seit einigen Jahren gibt es zudem eine breite Palette alternativer Hörsysteme für mittelgradige Schwerhörigkeit. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ein Implantat den Schall verstärkt, indem es diesen direkt auf die Gehörknö- chelchen im Mittelohr überträgt. Ist die Restfunktion des Innenohres allerdings nur noch so gering, dass die Be- troffenen trotz optimalem Hörgerät keine Sprache mehr verstehen, hilft nur noch ein Cochlear-Implantat (CI). das leitet den Schall direkt zum Hörnerven und umgeht so das geschädigte Innenohr. NicolaZellmeeHAZ01024

Krankenkassen zahlen weiterhin für Hörgeräte
   Die Preise pro Hörgerät liegen zwischen 420 und 1.000 Euro, bei Spitzentechnik zwischen 1.400 und 2.500 Euro. Damit sich das auch jeder leisten kann,  übernehmen die Krankenkassen einen großen Teil der Kosten. Im Rahmen einer Versorgungspauschale zahlen sie für jeweils zwei Hörgeräte 826 Euro plus Reparaturpauschale. HA061024

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oh-g-AktionMensch-x  Wegweiser zum Antrag auf Hörgeräte

 Generell bezahlen die Krankenkassen feste Zuschüsse zu Hörgeräten. Diese Zuschüsse sind aber oft nicht ausrei- chend, um die Schwerhörigkeit auszugleichen. Der Sozialverband VdK hat jetzt ein kostenloses Merkblatt zur Beantragung von Hörgeräten veröffentlicht.   > www.familienratgeber.de
  In dem Merkblatt wird erklärt, wie generell beim Antrag auf Hörgeräte vorgegangen werden sollte. Außerdem gibt es Informationen dazu, wie der Antrag auf Hörgeräte begründet werden kann, die über der Pauschale der Kran- kenkasse liegen.
 Musterschreiben helfen bei der Beantragung einer Kostenübernahme oder beim Widerspruch bei Ablehnung eines Antrags.  > www.familienratgeber.de
Auf dem Weg zum neuen Hörgerät" - Merkblatt für Hörgeschädigte
  
In der Hörgeräteversorgung zahlen die Krankenkassen pauschale Festbeträge. Das Bundessozialgericht hat aber entschieden, dass dies die Krankenkassen nicht von der Pflicht befreit, die Hörbehinderung auszugleichen Urteil vom 17. Dezember 2009.
   Das bedeutet, dass die Patienten Anspruch auf ein Hörgerät haben, das "die nach dem Stand der Medizintechnik bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlaubt, soweit dies im Alltagsleben einen erheblichen Gebrauchsvorteil bietet". Soweit technisch möglich, gehört dazu auch das Hören und Verstehen in größeren Räu- men und bei störenden Umgebungsgeräuschen und nicht nur das Einzelgespräch. Insbesondere bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit reichte der Festbetrag dazu nicht aus. Daher gilt dafür nun ein eigenständiger Festbetrag. Festbeträge (ohne Ohrpassstück): Normale Schwerhörigkeit: ca. 760 Euro
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit: ca. 1.400 Euro
   Nichtsdestotrotz bleibt der Anspruch auf Ausgleich der Hörbehinderung die zentrale Richtgröße. Das bedeutet: Wenn auch der neue, höhere Festbetrag nicht ausreicht, muss die Kasse auch ein teureres Hörgerät bezahlen.
Hier finden Sie noch einmal alle Schritte auf dem Weg zu einem neuen Hörgerät auf einen Blick:
1. Besuchen Sie zuerst Ihren Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt!
  
Ihr HNO-Arzt wird Sie gründlich untersuchen, Ihren Grad der Schwerhörigkeit feststellen und Ihnen eine Ver- ordnung für ein Hörgerät ausstellen. Diese Verordnung ist die Grundlage für die Versorgung. Lassen Sie Sich auch ein ärztliches Attest erstellen, das den Grad der Schwerhörigkeit sowie eventuelle weitere Gründe für die Verord- nung eines Hörgerätes deutlich festhält. Machen Sie sich eine Kopie der Verordnung für Ihre Unterlagen.
   Lassen Sie beim Arzt ein Audiogramm machen, um in Akustikerläden ohne Zusatzkosten Preisauskünfte einholen zu können. Einige HNO-Ärzte bieten im Rahmen des verkürzten Versorgungsweges auch selber Hörgeräte an. Lassen Sie Sich ein Angebot machen, aber lassen Sie Sich nicht überrumpeln.
2. Suchen Sie Ihren Hörgeräteakustiker auf!
  
Mit der Verordnung und dem Audiogramm suchen Sie einen Hörgeräteakustiker auf. Die Krankenkassen und die Hörgeräteakustiker haben Versorgungsverträge geschlossen, die die Akustiker verpflichten, mindestens ein Gerät zum Festbetrag, also ohne Eigenbeteiligung des Versicherten, bereitzuhalten (abgesehen von der gesetzlichen Zuzahlung von 10 Euro). Sie können auch verschiedene Akustiker aufsuchen und Preise vergleichen, bevor Sie mit dem Anpassungstest beginnen.
   Wenn Sie ein ausreichendes Hörgerät zum Festbetrag finden, sparen Sie sich viel Ärger und Bürokratie. Auf Grundlage der Verordnung wird Ihnen der Akustiker mehrere Geräte vorschlagen, die Sie kostenlos testen dürfen. Dabei sollten Sie ein Hörtagebuch führen und genau notieren, in welcher Situation Sie mit welchem Gerät wie gut hören konnten. Sie können auch nach dem Anpassungstest noch den Akkustiker wechseln, dieser erhält dann eine Abbruchvergütung von der Krankenkasse. Bedenken Sie aber, dass nicht nur der Preis, sondern auch ein guter Service wichtig ist für eine gute Hörgeräteversorgung.
  Wenn das Gerät zum Festbetrag nicht ausreicht, um Ihre individuelle Hörbehinderung auszugleichen und ein teureres gewählt werden muss, können Sie einen Antrag auf Kostenübernahme bei Ihrer Krankenversicherung stellen. Beachten Sie, dass Annehmlichkeiten wie besseres Tragegefühl oder unauffälligeres Hörgerät nicht zum Behinderungsausgleich gehören. Entscheiden Sie sich aufgrund dieser Gründe für ein teureres Hörgerät, müssen Sie die Mehrkosten selber tragen.
Dieses Verfahren kann langwierig und kompliziert werden, deshalb beachten Sie die folgenden Schritte:
3. Stellen Sie einen Antrag auf Kostenübernahme
  
Lassen Sie Sich von Ihrem Hörgeräteakustiker ein Gutachten schreiben, in dem dargelegt wird, warum nur das ausgewählte teurere Gerät ihre Hörbehinderung ausgleichen kann. Auf die Defizite insbesondere der Festbetrags- geräte sollte detailliert eingegangen werden. Ihr Hörtagebuch kann dabei wertvolle Hilfe leisten.
   Reichen Sie das Gutachten zusammen mit dem Kostenvoranschlag für das benötigte Modell und einem formlosen schriftlichen Antrag auf Übernahme der Kosten für das gewählte Hörgerät bei Ihrer Krankenkasse ein und lassen Sie sich den Empfang bestätigen.
Nun gibt es drei Möglichkeiten:
   Die Kasse genehmigt die Kostenübernahme, dann ist für Sie alles geklärt und Sie müssen nur noch Ihr Hörgerät abholen und feinanpassen lassen.
   Die Kasse lehnt Ihren Antrag ab, dann legen Sie Widerspruch ein (siehe 4a).
   Die Kasse reagiert gar nicht. Dann stellen Sie eine Frist (siehe 4b).
4a) Legen Sie Widerspruch ein!
  
Lehnt die Kasse Ihren Antrag auf Kostenübernahme und für das benötigte Hörgerät ab, so müssen Sie innerhalb eines Monats formlos und schriftlich Widerspruch gegen diese Entscheidung einlegen. Legen Sie dem Widerspruch das ärztliche Atteste Ihres HNO-Arztes sowie den Anpassungstest sowie das Gutachten des Hörgeräteakustikers und gegebenenfalls Ihr Hörtagebuch (alles in Kopie!) bei und bitten Sie Ihre Kasse um Erstellung eines Gutachtens durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).
   Die Erstellung dieses MDK-Gutachtens zu Ihrem Fall ist für Sie kostenlos und die Kasse ist nach dem Amtsermitt- lungsgrundsatz verpflichtet, Ihren Antrag auch medizinisch zu prüfen, bevor sie ihn endgültig ablehnt! Nach einer endgültigen Ablehnung bleibt Ihnen noch die Klage vor dem Sozialgericht.
   Wichtig ist dabei, dass die Kasse eine schriftliche Ablehnung schickt. Wenn die Kasse Sie anruft, bestehen Sie auf einem schriftlichen Bescheid.
4b) Setzen Sie eine Frist
   Ab dem 1. Januar muss die Krankenkasse Ihnen innerhalb von drei Wochen antworten, wenn sie ein Gutachten des MDK beauftragt innerhalb von fünf Wochen. Die Antwort kann auch statt einer Entscheidung Gründe enthal- ten, warum die Frist überschritten wird. Wenn innerhalb der Frist keine Antwort kommt oder die Gründe nicht hinreichend sind, können Sie der Kasse eine Frist setzen, nach deren Ablauf Sie sich das Hörgerät selbst kaufen, die Kasse muss die Kosten dann übernehmen §13 Absatz 3a SGB V.
   Dazu reicht ein formloses Schreiben, als Frist sind zwei Wochen angemessen. Wenn nach Ablauf der Frist immer noch keine Entscheidung der Kasse vorliegt, kaufen Sie das gewählte Hörgerät und reichen die Rechnung bei der Kasse zur Kostenerstattung ein. Wenn ein Ablehnungsbescheid erfolgt, legen Sie Widerspruch ein (siehe 4a).
   Sowohl die Widerspruchslösung als auch die Kostenübernahme haben ihre Tücken. Im ersten Fall erhalten Sie kein Hörgerät, solange das (Gerichts-)Verfahren läuft. Im zweiten Fall bleiben Sie eventuell auf den Mehrkosten sitzen, wenn Gutachter im Gerichtsverfahren feststellen, dass Ihr Hörgerät keinen "wesentlichen" Gebrauchs- vorteil gegenüber dem Festbetragsgerät besitzt.
   In jedem Fall sollten Sie kein Hörgerät kaufen, bevor Sie nicht mit der Kasse die Kosten geklärt haben, weil Sie dann jeglichen Anspruch verlieren. Also entweder den Ablehnungsbescheid abwarten, oder, falls dieser nicht kommt, eine Frist setzen und warten, bis diese verstrichen ist.
5. Vorsicht Mehrkostenerklärung!
  
Häufig sollen Sie beim Hörgeräteakustiker ein Formular unterschreiben, dass Sie sich freiwillig für dieses Hörgerät entschieden haben, wohl wissend, dass es über dem Festbetrag der Krankenkasse liegt. Ohne dieses Formular wird Ihr Antrag bei der Krankenkasse als "unvollständig" nicht bearbeitet, aber mit dem Formular treten Sie Ihren Anspruch auf Kostenerstattung ab. Streichen Sie die entsprechenden Sätze und unterschreiben Sie das Formular. In neueren Formularen sollen Gründe angekreuzt werden, warum Sie sich für ein Gerät über dem Festbetrag entschieden haben. Fügen Sie hier ein neues Kästchen hinzu, das einen medizinischen Grund angibt, zum Beispiel "Sprachverstehen in größeren Personengruppen".
   Machen Sie sich nicht allzu große Sorgen über dieses Formular - wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt, wird die Krankenkasse sich wahrscheinlich nicht darauf berufen, da unklar ist, ob diese Verzichtserklärung nicht sittenwidrig ist. Auf jeden Fall die Mehrkostenerklärung erst nach dem Ablehnungsbescheid der Kasse unter- schreiben.
6. Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer VdK-Geschäftsstelle vor Ort!
  
Sollte Ihr Widerspruch nicht erfolgreich sein, so wenden Sie sich bitte zur weiteren juristischen Prüfung und Rechtsvertretung an die für Ihren Wohnort zuständige VdK-Geschäftsstelle. Die Kontaktdaten erhalten Sie hier:
> www.familienratgeber.de  Landesverbände
Auf dieser Seite stehen Musteranträge zum Herunterladen zur Verfügung:
Muster: Antrag auf Kostenerstattung für ein selbst beschafftes bedarfsgerechtes Hörgerät
Muster: Erstantrag für ein bedarfsgerechtes Hörgerät
Muster: Widerspruch bei erfolgter Ablehnung des Antrags auf ein bedarfsgerechtes Hörgerät
Die VdK-Geschäftsstellen vor Ort halten alle Materialien ebenfalls bereit und stehen Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung.
Musterantrag Kostenerstattung (41,9 KB)
Muster: Antrag auf Kostenerstattung für ein selbst beschafftes bedarfsgerechtes Hörgerät.
Quelle: Sozialverband VdK Deutschland
Erstantrag für ein bedarfsgerechtes Hörgerät (42,9 KB). Muster: Erstantrag für ein bedarfsgerechtes Hörgerät.
Muster: Widerspruch bei erfolgter Ablehnung des Antrags auf ein bedarfsgerechtes Hörgerät (43,8 KB)
Muster: Widerspruch bei erfolgter Ablehnung des Antrags auf ein bedarfsgerechtes Hörgerät.
Quelle Sozialverband VdK Deutschland 

Musik macht Spaß, häufig aber auch taub.
Vorausgesetzt, sie kommt aus einem MP3-Player, den der Nutzer voll aufgedreht hat.

   „Ich befürchte, dass bis zu zehn Millionen Menschen in der EU unwissentlich ihr Gehör schädigen", sagt die Brüsseler Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva. Sie hatte Experten der Hersteller und aus der Medizin eingeladen, um über Gegenmaßnahmen zu diskutieren. Zuvor hatte der Wissenschaftliche Ausschuss der EU zum Thema „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken" bereits festgestellt:  Wer täglich nur eine Stunde Musik aus einem tragbaren Gerät zu laut hört, hat nach fünf Jahren irreversible Hörschäden.
   Dabei gilt schon seit Längerem eine europäische Sicherheitsnorm, die den Lärmpegel der tragbaren Musik- geräte auf höchstens 100 Dezibel begrenzt. Angeblich liegt die durchschnittliche Geräuschkulisse zwischen 75 und 85 Dezibel. Brüssels Wissenschaftler aber fanden heraus: „Je nach Gerät und Ohrhörer erreicht die maximale Lautstärke bis zu 120 Dezibel."
   Vor allem die beliebten iPods des Herstellers Apple stehen in dem Ruf, so laut wie ein Presslufthammer direkt am Ohr (120 Dezibel) zu sein. Bei diesem Pegel, so begründete ein US-Kläger vor drei Jahren seine Schadenersatz- forderung gegen Apple, reichen 28 Sekunden, um dauerhafte Hörschaden zu verursachen.
  Die Verbraucherschutzkommissarin hat die Industrie gestern aufgefordert, per Selbstverpflichtung die Lautstärke nach oben hin zu begrenzen. Sollte das nicht funktionieren, werde Brüssel notfalls neue Sicherheitsstandards vorgeben. Dies sei dringend nötig: Bayerns Staatsregierung hatte vor zwei Jahren herausgefunden, dass jeder vierte Jugendliche bereits irreversibel geschädigt ist - mit millionenschweren Folgen für die Krankenkassen.
   Doch zunächst will Brüssel abwarten. Die Hersteller der 246 Millionen verkauften Geräte betonten gestern, sie würden sich an die geltenden Vorgaben halten und gleichzeitig Kampagnen mittragen, die die Käufer und Nutzer vor den Gefahren zu lauter Musik warnen. Was das konkret hieißt, blieb allerdings unklar. ,Es muss schon mehr sein als heute, wo man in der Gebrauchsanweisung lediglich einen banalen Satz findet, der auf mögliche Schäden hinweist", hieß es in der Debatte. NOZ090128DetlefDrewes
Testen Sie: Ist Ihr Player zu laut?  85 Dezibel - diese Grenze gilt als gefährlich.
   Wer mehr als 40 Stunden in der Woche solchen Lärm ertragen muss, wird unweigerlich geschädigt. 133 Dezibel - so laut kann Spielzeug sein. Bei Untersuchungen schaffte ein Handy für Kinder diesen traurigen Spitzenwert. Dabei gilt ein Hörschaden schon ab 120 Dezibel nach kurzer Einwirkung als unausweichlich. Besonders laut kann eine Spielzeug-Pistole werden, die direkt am Kopf abgefeuert wird - bis zu 180 Dezibel.
   Wer sich und seinen Musik-Player testen möchte, kann dies mit einem Computer-Programm tun, das es kosten- los im Internet gibt. NOZ090128DetlefDrewes Internet: www.earaction.de

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Foto links: Verbesserung erwünscht: Die Elektrode des Cochlea-Implantats liegt zusammengerollt in der Hör schnecke. Vianna-Forscher arbeiten daran, die Reizübertragung mithilfe von Stammzellen empfindlicher zu machen. Foto rechts: Die guten ins Töpfchen, die schlechten in den Müll: An der Sterilbank im Labor sortiert Luisa Höpfner die für die Versuche benötigten Stammzellen aus den Zellproben aus.

Tuning für das Innenohr.  Im Institut Vianna wollen die Forscher kaputte Sinneszellen
 in der Hörschnecke mit Stammzellen reparieren

   Die effektivsten Mikrofone kommen aus der Natur. Bei gesunden Menschen sind die Haarsinneszellen im Innen- ohr so empfindlich, dass sie noch das kleinste Blätterrascheln wahrnehmen und an den Hörnerv weitergeben können. Möglich wird das durch einen Trick: In der mit Flüssigkeit gefüllten Hörschnecke Cochlea sind die Haar- zellen so angeordnet, dass sie von Schallwellen, die in mechanische Bewegung umgewandelt sind, abgeknickt werden. Damit öffnen sie gleichzeitig einen winzigen Kanal, geladene Teilchen Ionen fließen hindurch und geben so einen elektrischen Reiz an den Hörnerv weiter.
   Rund 16.000 dieser biologischen Wunderwerke haben wir im Innenohr. Doch die empfindlichen Haarsinnes- zellen sind im Alltag unserer modernen Gesellschaft immer mehr gefährlichem Lärm ausgesetzt: Baustellen, Industrieanlagen, Verkehr und nicht zuletzt Musik und Freizeitlärm. Die übergroßen Schallwellen, die dabei durch die Cochlea rauschen, knicken und verkleben die Sinneshärchen dauerhaft. Nach und nach sterben diese ab, und der Betroffene hört immer schlechter. Im Laufe der Zeit ziehen sich zudem auch die Nervenenden des Hörnervs aus der zerstörten Region zurück.
   Vielen Schwerhörigen hilft heute schon ein Cochlea-Implantat, das mit einem Mikrofon Töne aufnimmt und diese über eine lang gestreckte Elektrode in der Hörschnecke bis an den Hörnerv weitergibt. „Aber die Hörleistung ist mit dem „biologischen" Ohr nicht gleichzusetzen. Vor allem das Sprachverstehen im Störgeräusch ist noch nicht zufriedenstellend", sagt Prof. Andrej Kral, der gemeinsam mit dem Direktor der HNO-Klinik, Prof. Thomas Lenarz, das Verbundinstitut für AudioNeurotechnologie und Nanobiomaterialien Vianna der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im hannoverschen Medical Parc leitet.
   Die Vision der Forscher ist eine Regeneration des geschädigten Innenohrs. Athanasia Warnecke aus der HNO- Klinik arbeitet daran, die Sinneszellen mithilfe von Stammzellen zu regenerieren. Diese stammen aus Knochen- material von Patienten, die in der Klinik für Unfallchirurgie der MHH bei Prof. Christian Krettek behandelt werden. In einer interdisziplinären und klinikübergreifenden Zusammenarbeit mit der Biochemikerin Prof. Andrea Hoffmann aus der Unfallchirurgie werden die Zellen für einen Einsatz im Innenohr aufbereitet. Das Vorbild des Forscherteams ist das Innenohr von Vögeln wie der Taube. Dort sind die Haarsinneszellen etwas übersichtlicher angeordnet als beim Menschen mit seinen drei Reihen äußerer und einer Reihe innerer Sinneszellen, die jeweils über unterstützende Versorgungszellen verfügen. „Das Gute beim Vogel ist: Nach einer Schädigung wachsen die zerstörten Sinnes- härchen binnen weniger Wochen nach", sagt Kral. Gelänge es, diesen Mechanismus auch auf den Menschen zu übertragen, wäre Schwerhörigkeit künftig womöglich kein unabwendbares Schicksal mehr.
   „Ich glaube, dass wir vom Traum der Regeneration des Innenohres noch sehr weit weg sind", schränkt Warnecke übertriebene Hoffnungen ein. Dennoch sind die Forscher heute bereits ein gutes Stück auf ihrem Weg vorangekommen. „Ein Ansatz ist, dass wir versuchen, die vorhandenen Cochlea-Implantate weiter zu optimieren", berichtet Kral. Ein Problem der heutigen Geräte ist etwa, dass die feine, spiralig aufgerollte Elektrode, die bei einer Operation in die Hörschnecke geschoben wird, dort im Laufe der Zeit häufig von narbigem Bindegewebe über- zogen wird. „Das erhöht den elektrischen Widerstand, die Stimulation des Hörnervs wird behindert", erklärt Warnecke.
   Die Vianna-Wissenschaftler gehen davon aus, dass Elektroden mit einer speziell strukturierten Oberfläche, die zudem mit Stammzellen besiedelt ist, dieses Überwachsen verhindern könnten. „Der nächste Schritt wäre dann, Stammzellen in Nervenzellen weiterzuentwickeln und so wieder einen Kontakt zum Hörnerv herzustellen", sagt Hoffmann. „Dabei könnten nervenunterhaltende (neurotrophe) Wachstumsfaktoren helfen." Als „Fabriken" für die begehrten Wachstumsfaktoren sollen Stammzellen dienen. Sie helfen auch im Körper, Verletzungen zu heilen, indem sie solche Faktoren ausschütten. Im Labor bereitet die Biochemie-Diplomandin Luisa Höpfner derzeit menschliche Stammzellen auf ihre Aufgabe vor. Aus dem Knochenmark entfernt Höpfner mit magnetischen Kügel- chen zunächst die Blutstammzellen. Diese sind für die vorgesehene Aufgabe nicht geeignet. Übrig bleiben die sogenannten mesenchymalen Stammzellen. „Die stellen alles her, was zum Skelett gehört: Knochen, Knorpel, Fett, Muskeln und Stützzellen Stroma", sagt Hoffmann. Mit einer gentechnischen Veränderung kann ihre Arbeitsgruppe die Stammzellen inzwischen auch dazu bringen, spezielle Wachstumsfaktoren für Nervenzellen zu produzieren.
   Bei Zellversuchen muss sich jetzt zeigen, ob die gentechnisch veränderten Stammzellen tatsächlich Nerven- zellen des Hörnervs schützen können. Dazu werden beide Zelltypen zusammengegeben und die überlebenden Nervenzellen gezählt. „Ohne Wachstumsfaktoren würden viele dieser Zellen zugrundegehen. In einem  anderen Experiment wollen die Vianna-Forscher darüber hinaus tauben Meerschweinchen mit Bindegewebszellen präparierte Cochlea-Implantate einsetzen. „Wenn die Methode ausgereift ist, werden wir statt mit den leicht zu züchtenden Bindegewebszellen mit den menschlichen Stammzellen arbeiten", sagt Hoffmann. Dann muss sich zeigen, ob diese im Innenohr die gewünschten Wachstumsfaktoren produzieren und ob die Faktoren tatsächlich die Fitness der Hörnervzellen fördern. HAZ100831Nicola Zellmer

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Gemeinsm für die Gesundheit`: Das Vianna-Team
   Prof. Andrej Kral Foto links (41) ist gebürtiger Slowake. Geboren wurde er in Bratislava, wo er später auch Medi- zin studierte. „Ich wollte immer Neurowissenschaften machen", sagt Kral. „Dass ich trotzdem zum Ohr kam, war ein Zufall." Auf dem Tisch seines Vater, der Linguist war, fand der Student einen Artikel über die Funktionsweise des Hörens. Die Verbindung zwischen dem Ohr als Organ und dem Hören als Hirnleistung faszinierte ihn. Auch als er später nach Frankfurt und dann nach Hannover kam, blieb Kral diesem Fachgebiet treu. Derzeit ziehen ihn vor allem zwei Bereiche in ihren Bann. Der Mediziner untersucht, wie die Nervenzellen im Innenohr von einem Cochlea- Implantat gereizt werden und wie diese Reizung zielgenauer eingesetzt werden kann. Zudem arbeitet Kral daran, die Folgen der angeborenen Gehörlosigkeit für die Hirnentwicklung im Detail aufzuklären.
   Prof. Andrea Hoffmann Foto Mitte (46) ist in Hannover geboren und aufgewachsen. In der niedersächsischen Hauptstadt studierte sie auch Biochemie. „Meine Doktorarbeit habe ich dann im Liquorlabor der Medizinischen Hochschule Hannover gemacht", erklärt sie. „Über die Beschäftigung mit dem Nervenwasser ist dann die Liebe zur Neurologie entstanden." Es folgte eine Station in der Herzchirurgie, bevor Andrea Hoffmann zum heutigen Helmholtzzentrum für Infektionsforschung nach Braunschweig kam, um dort zu untersuchen, wie sich die Achilles- sehne mithilfe von Stammzellen regenerieren lässt. Aus dieser Arbeit entstand auch der heutige Schwerpunkt der Biochemikerin: Andrea Hoffmann nutzt grundlegende Mechanismen der Stammzelldifferenzirung, um die Regenera- tionsfähigkeit unterschiedlicher Organe - beispielsweise des Innenohres - zu verbessern.
   Dr. Athanasia Warnecke Foto rechts (37) wurde in Griechenland geboren und kam mit neun Jahren nach Hannover, wo sie auch aufgewachsen ist. Später studierte sie an der Medizinischen Hochschule Hannover Medizin und promovierte in der Klinik für experimentelle Pharmakologie. „Dabei habe ich festgestellt, dass es mir unheim- lich Spass macht, im Labor zu arbeiten und mich in die Ebene der Moleküle hineinzudenken", erzählt Athanasia Warnecke. Nach einem Forschungsstipendium in den USA entdeckte die Medizinerin den Bereich der Hals-Nasen- Ohren-Medizin für sich. „Da trifft man auf komplett unterschiedliche Patienten", sagt sie begeistert. Heute versucht sie, durch den gezielten Einsatz von Stammzellen Tauben zu helfen. Am Vianna-Verbund schätzt sie vor allem die Interdisziplinarität. „Allein könnte man nie so weit kommen wie im Team", sagt sie. ze

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Cochlea-Implantate(Cl) geben Menschen mit einer Innenohrtaubheit ihr Gehör zurück. Die MHH Hannover ist welt- weit das größte Zentrum für die Versorgung. Jetzt feiert die HNO-Klinik das 25-jährige Cl-Jubiläum.
Foto:  Beim Hören mit Cochlea-Implantat übermittelt eine Elektrode die Töne als elektrischen Reiz an den Hörnerv. Foto unten: Prof. Lesinski-Schiedat  Mitte mit Ehepaar Hermann

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    Hanne und Franz Hermann hören am liebsten im Auto Musik. „In dem kleinen Raum ist das Klangerlebnis einfach am besten", schwärmt das Rentnerpaar aus Ulm. Dass die beiden überhaupt Musik hören und genießen können, verdanken sie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort versorgen ausge- wiesene Spezialisten seit 25 Jahren taube Menschen mit sogenannten Cochlea-Implantaten (CI). Diese Innen- ohrprothesen wandeln den eingehenden Schall in elektrische Impulse um und stimulieren damit direkt den Hörnerv in der Hörschnecke (Cochlea).
   In Hannover wurden seit 1984 mehr als 4.000 Patienten mit einem Innenohrimplantat versorgt. Damit ist die MHH heute das weltweit größte Cl-Zentrum. „Das konnte ich mir damals noch nicht vorstellen", sagt Prof. Ernst Lehnhardt, der das CI 1984 eingeführt hat und die HNO-Klinik bis 1993 leitete. Lehnhardt erinnert sich genau, wie er seinerzeit von vielen Technikfirmen abgewiesen wurde, die meinten, die CI-Produktion lohne doch für „die paar Patienten" nicht. „Heute ist das CI so erfolgreich, dass wir die Regierung übernehmen müssten, wenn wir eine Partei wären", sagt der emeritierte Professor verschmitzt.
   „Die große Erfahrung der MHH hat zu einem stetigen Ausbau und einer Steigerung der Qualität der Versorgung geführt und weltweit Maßstäbe gesetzt", betont auch der heutige Klinikdirektor Prof. Thomas Lenarz. Er beklagt allerdings, dass inzwischen immer mehr Kliniken CIs ohne ausreichende Qualitätssicherung implantierten. „Die Folge sind unzufriedene Patienten, fehlerhafte Indikationen für die Behandlung und eine mangelhafte postopera- tive Betreuung", erklärt er.
   Die MHH-Spezialisten, die ihr 25-jähriges Jubliäum mit einem Kongress feiern, an dem neben den Ärzten auch Pa- tienten, Eltern, Krankenkassen, Ingenieure, Pädagogen und weitere Berufs- und Interessengruppen teilnehmen, betonen dagegen besonders die Bedeutung eines qualifizierten Teams. „Das CI braucht eine breite Basis von Spezialisten - auch in der Nachsorge", sagt Anke Lesinski-Schiedat, ärztliche Leiterin des 2003 eröffneten Hörzentrums. Dort werden Hörgeschädigte rund um die Cl-Operation betreut und nachversorgt. Im Wilhelm-Hirte- Zentrum wiederum lernen taub geborene Kinder mit dem Cochlea-Implant hören und sprechen.
   Seit 1984 hat das CI eine lange Entwicklung hinter sich. Ursprünglich sollten die Geräte Menschen, die auf- grund von Defekten im Innenohr taub waren, durch die direkte Stimulation des Hörnervs wieder ein Sprachhören ermöglichen. Inzwischen ist jedoch weit mehr möglich: So können Menschen mit einem Resthörvermögen gehör- erhaltend operiert werden und so von dem Implantat profitieren.
   Die Hörqualität hat sich ebenfalls verbessert: CI-Träger können problemlos telefonieren, sie können Hinter- grundgeräusche herausfiltern - und in vielen Fällen sogar Musik hören. Das liegt vor allem an der Weiterentwick- lung der Prozessoren, die ohne erneute Operation ausgetauscht werden können. „Allein durch eine clevere Ansteuerung lassen sich auch alte Cochlea-Implantate noch deutlich verbessern", sagt Andreas Büchner, wissenschaftlicher Leiter im Hörzentrum Hannover. „Aufgrund der Angaben der Patienten haben wir immer mehr verstanden, wie man das System anpassen muss."
   Dabei sind auch nach vielen Jahren noch individuelle Verbesserungen möglich. Das kann Hanne Hermann bestätigen. Die heute 58-Jährige gehört zu den ersten Patienten, die in der MHH ein CI erhalten haben. Vorher war die Ulmerin, die im Alter von 24 Jahren ertaubte, ganze sechs Jahre lang von der Welt des Hörens ab- geschnitten. Ihr Mann, Präsident der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft, ertaubte mit 42 Jahren und trägt ebenfalls zwei CIs. „Gerade waren wir wieder zur Neuanpassung im Hörzentrum", erzählt Hanne Hermann, die sich selbst als „aktive" Hörerin bezeichnet. „Tatsächlich ist danach eine neue Verbesserung zu spüren."
   Damit Patienten wie die Hermanns künftig nicht für jede Nachkontrolle nach Hannover reisen müssen, will die MHH bald auch eine Fernanpassung anbieten. Bisher sind drei HNO-Praxen in Celle, Osnabrück und München in einem Pilotprojekt mit dem Hörzentrum vernetzt. „Wir gehen aber davon aus, dass bis zum Jahresende zehn Praxen teilnehmen", sagt Andreas Büchner. „Fernziel ist sogar eine Fernnachsorge für Patienten in der ganzen Welt." Bei der sogenannten Remote Care unterstützen die Fachleute des Hörzentrums in einer Videokonferenz niedergelassene HNO-Ärzte oder Akustiker bei der Nachjustierung der CIs. „Zur Erstanpassung und stabilen Ein- stellung müssen die CI-Träger allerdings zunächst ins Hörzentrum kommen", sagt Büchner. HAZ090508NicolaZellmer

Orchester im Kopf - Hörhilfen Implantierbare Geräte haben fast natürliche Klangqualität

   Noch heute haftet Hörgeräten etwas Verstaubtes an: Mit verzweifeltem, oft schmerzverzerrtem Gesicht greift sich der Schwerhörige ans Ohr, wenn es dort mal wieder fiept oder piept. Ist der Lautsprecher falsch eingestellt, kommt es zu Klangverzerrungen und Rückkoppelungseffekten, die den Betroffenen schwer nerven können. Besonders bei älteren Menschen verwaisen deshalb ungezählte Hörhilfen in den Schubladen. Das muss nicht sein, meint Dr. Thorsten Zehlicke, leitender Arzt des Hörzentrums am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. „70 Prozent aller Scherhörigen könnten mit modernen digitalen Hörgeräten, die keine störenden Nebengeräusche abgeben, sehr gut versorgt werden. Und für Patienten, die stark schwerhörig sind oder unter speziellen Formen der Schwerhörigkeit leiden, gibt es implantierbare Hörhilfen, die eine beinahe natürliche Klangqualität von Sprache und Ton ermöglichen."
Nur jeder fünfte Schwerhörige nutzt ein Hörgerät
   Derzeit schätzt die Deutsche Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO), dass gerade einmal 20 Prozent der 16 Millionen Schwerhörigen hierzulande mit einer Hörhilfe versorgt sind. Dank der rasanten tech- nischen Entwicklung kann sich das in absehbarer Zeit ändern. Implantierbare Mini-Hörcomputer sind ein „Meilen- stein", der die „HNO-Heilkunde revolutionieren könnte",wie Prof. Karl-Bernd Hüttenbrink, Direktor der HNO-Uniklinik Köln betont. Von den Ohrimplantaten können neben der großen Zahl altersschwerhöriger Menschen auch Tausen- de von Patienten mit Mittelohrschwerhörigkeit etwa infolge chronischer Mittelohrentzündungen profitieren, so Hüttenbrink. Solche anhaltenden Entzündungen zerstören häufig das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette - und damit das Hörvermögen. „Auch für Schwerhörige, die an Entzün- dungen des Gehörgangs leiden und Hör- geräte im Ohr nicht vertragen, bedeutet das Implantat eine große Hilfe", erklärt der Spezialist.
Titanschraube im Schädelknochen
   Unterschieden wird zwischen teil- und vollimplantierbaren Hörgeräten. Einfachste Variante ist ein knochen- verankertes Hörgerät (Bone Anchored Hearing Aid = BAHA). Dabei wird hinter dem Ohr in örtlicher Betäubung eine Titanschraube in den Schädelknochen implantiert, an der ein digitales Hörgerät befestigt wird. BAHA-Geräte kommen zum Einsatz, wenn die Schallübertragung im äußeren Gehörgang oder im Mittelohr gestört ist (Schall- leitungsschwerhörigkeit); dann stimuliert das Hörgerät das Innenohr direkt über den Schädelknochen.
   Wesentlich anspruchsvoller sind Implantate für eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Dabei wird unter Voll- narkose ein winziger, 25 mg leichter Zylinder im Innenohr an einem der drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) befestigt siehe Grafik unten.

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   Die Gehörknöchelchen wandeln Schall in Schwingungen um und aktivieren damit die Hörschnecke; bei Schwer- hörigen verstärkt der Zylinder die natürlichen Schwingungen. Seine Informationen erhält er von einem Audiopro- zessor über den er mit einem hauchdünnen Draht verbunden ist. Der Audioprozessor besteht - wie ein modernes Hörgerät - aus einem Mikrofon, dem Chip zur digitalen Signalverarbeitung und einer Batterie. Statt eines Lautsprechers enthält der Prozessor eine Sendespule. Das geldstückkleine, zehn Gramm schwere Gerät sitzt ebenfalls wie ein herkömmliches Hörgerät hinter dem Ohr und wird von einem im Schädelknochen eingesetzten Magneten gehalten. Neuester Schrei sind voll implantierbare Systeme, bei denen auch der Prozessor unter der Kopfhaut verschwindet.
   Die innovative Technik führt zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, sagt Dr. Zehlicke. Hohe und leise Töne werden besser verarbeitet, so dass die Patienten oft erstmals nach langer Zeit wieder genussvoll Musik hören können. „Auch das Sprachverständnis in geräuschvoller Umgebung, das bei vielen Schwerhörigen stark eingeschränkt ist und als Cocktailparty-Effekt bezeichnet wird, steigert sich enorm und ermöglicht eine aktive Teilnahme an Gesprächen."
  Trotz offenkundiger Vorteile, empfiehlt Zehlicke nicht jedem Schwerhörigen ein Implantat. „Ich schicke regel- mäßig Patienten nach Hause, die zu eitel sind, ein Hörgerät zu tragen und sich lediglich aus kosmetischen Gründen operieren lassen wollen." Denn der Eingriff ist nicht ohne Risiken: Gesichts- oder Geschmacksnerven können ver- letzt, Blutbahnen getroffen oder Schädelknochen beeinträchtigt werden. „Wir trennen die Haut hinter dem Ohr auf und arbeiten sehr beengt. Es handelt sich um eine Präzisionsoperation,  die nur mit einem Mikroskop unter bis zu 20-facher Vergrößerung durchführbar ist." Hierfür, so Zehlicke, sei große Erfahrung erforderlich, weshalb implan- tierbare Hörgeräte auch nur in wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland siehe den folgenden Bericht eingesetzt werden.
Implantate zahlt die Krankenkasse
   Ist die medizinische Notwendigkeit attestiert, sind implantierbare Hörgeräte eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. „Herkömmliche Hörgeräte sind Hilfsmittel, die in aller Regel zumindest zum Teil selbst bezahlt wer- den müssen. Implantierbare Hörgeräte sind jedoch erstattungsfähige Heilmittel. Dies ist nur wenigen Patienten bewusst; hier besteht ein großes Informationsdefizit", erläutert Bundeswehrarzt Zehlicke. Voraussetzung ist, dass die Schwerhörigkeit mindestens sechs Monate besteht und herkömmliche Geräte die Hörbeeinträchtigung nicht ausgleichen können. Selbstzahler dagegen kommen schnell auf 15.000 Euro (ca. 10.000 Euro Geräte- sowie 5.000 Euro Behandlungs- und Anpassungskosten) und mehr.»  HAZGesundUweGroenewold090821

Besser hören durch ein winziges Stück Titan
„Zukunft für gesamte Hörmedizin"-Teilimplantate bringen Hoffnung für Schwerhörige

   Die Hoffnung vieler Schwerhöriger ruht auf einer kleinen Spule, die lediglich einen Durchmesser von zwei Milli- metern hat. So groß sind die Hörgeräte, die schwerhörigen Patienten heute per Mikrochirurgie ins Ohr implantiert werden können. Für Experten bedeuten die neuen Mini-Hörgeräte Meilensteine, die in Zukunft die Hals-Nasen- Ohren-Heilkunde revolutionieren könnten: „Das ist ein wichtiger Schritt für die gesamte Hörmedizin", betont Professor Karl-Bernd Hüttenbrink, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Uniklinikum Köln. „Die Methode ist für die Fälle geeignet, bei denen man medizinisch sonst nichts mehr machen kann."
   „Das Teilimplantat ermöglicht den Schwerhörigen ein sehr gutes Hören, was mit einem normalen Hörgerät so nicht möglich wäre", so Hüttenbrink. Die technischen Neuerungen der vergangenen Jahre sorgten dafür, dass Schwerhörigkeit heute mit Hörgeräten, hörverbessernden Operationen und verschiedenen Implantaten sehr differenziert behandelt und versorgt werden kann.
   Die neuen, Erfolg versprechenden Mini-Ohrimplantate bewährten sich bislang bei diagnostizierter Altersschwer- hörigkeit. Nun können auch Patienten, die unter einer Mittelohrschwerhörigkeit leiden, davon profitieren. Ursachen für die Schwerhörigkeit können chronische Mittelohrentzündungen sein, die das Trommelfell und die Gehörknöchel- chenkette zerstören und somit das Hörvermögen der Patienten. Ein großer Teil der Patienten ist trotz verfeinerter Operationstechniken auf eine Hörhilfe angewiesen. „Mit den teilimplantierbaren Implantaten haben wir endlich eine sehr moderne Lösung gefunden", so Hüttenbrink. Auch für Schwerhörige, die an Entzündungen des Gehör- gangs leiden und Hörgeräte nicht vertragen, bedeutet das Implantat eine große Hilfe.
   Diese aus Europa stammende Technik kann als „Bionisches Hören" bezeichnet werden, das von der Natur abgekupfert wurde. „Wir haben moderne Technik mit der Evolution gepaart, das heißt, die Ingenieurswissen- schaften mit der Funktionsweise der Natur verbunden." Mit seinem Team in Dresden und Köln leistete Hüttenbrink experimentelle Forschungsarbeiten, um das Produkt auf den Weg zu bringen. Der Titanclip des Implantats wird bei der Operation in die Gehörknöchelchenkette eingesetzt, sodass der Steigbügel in Schwingung gerät. Die ver- stärkten Schwingungen wirken elektromechanisch in das Innenohr - sie werden über die Gehörknöchelchenkette eingespeist, wie beim natürlichen Hören. Unter den Haaren wird der Audioprozessor mit einem Magneten am Kopf gehalten. Dieser enthält ein Mikrofon, Batterie sowie die Elektronik, die den Schall in ein akustisches Signal umwandelt, das an das Implantat im Ohr weitergeleitet wird.
   Aber nicht nur medizinische Gründe und die Unverträglichkeit herkömmlicher Hörgeräte geben häufig den Aus- schlag für den Einsatz des Mini-Implantats, so der Experte.
   „Bei manchen hat das Teilimplantat auch einen kosmetischen Grund", betont Professor Hüttenbrink. „Schauspieler oder Fernsehleute wollen einfach nicht, dass man ihr Hörgerät sieht, und entscheiden sich für die neue Methode." NOZ100616Gesundheit

Hör-Hilfe

Adressen
   Eine Liste aller HNO-Kliniken findet man unter www.hno.org. Eine Liste nur mit Kliniken, die Hörgeräte implan- tieren, gibt es nicht. Nähere Auskünfte geben Hersteller wie z.B. Med-El www.medel.com
Beratung
  Ein Beratungsangebot zu medizinischen und rechtlichen Fragen bieten der Deutsche Schwerhörigenbund und seine Landesverbände: www.schwerhoerigen-netz.de
Hörgeräte
   Ärzte raten zu einer frühen Versorgung mit Hörhilfen, weil der Hörsinn bei Schwerhörigkeit rasch verkümmert. Vor allem alte, schwerhörige Menschen geraten auf diese Weise schnell in die soziale Isolation. Moderne Geräte sind sehr klein und können hinter dem oder im Ohr getragen werden. Sie imitieren natürliches Hören und stellen sich automatisch auf unterschiedliche Hörsituationen ein. Die gesetzlichen Kassen zahlen pro Gerät etwa 350 bis 500 Euro, moderne Geräte kosten allerdings oft ein Vielfaches davon. Diese Differenz muss der Patient selbst zahlen.

Verleihung des niedersächischen Verdienstordens au-aurRolfErdmannOrd-xx

  Interview mit Rolf Erdmann aus Hannover Foto oben, Leiter des Referats Technik vom Deutschen Schwerhörigen- bund (DSB): „Kein Implantat aus kosmetischen Gründen"
Für wen sind implantierbare Hörgeräte geeignet?
 Sie sind Versorgung in bestimmten Ausnahmefällen und kommen nur in Frage, wenn die Versorgung mit herkömm- lichen Hörgeräten aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.
Für wie gefährlich halten Sie die Operation? Sind Komplikationen bekannt?
   Besondere Komplikationen sind dem DSB bisher nicht bekannt geworden. Aber dergleichen erfährt man ohnehin nur selten, da die operierenden Kliniken Berichte über tatsächlich entstandene Probleme kaum veröffentlichen.
Werden nach Meinung des DSB zu viele Hörgeräte implantiert - aus kosmetischen oder wirtschaftlichen Grün- den?
   Aktuelle Zahlen sind nicht bekannt. Implantierbare Hörgeräte sind meist kaum sichtbar. Dies kann zum Wunsch führen,  sich  solche Hörgeräte einoperieren zu lassen. Denn seit langem wird seitens der Hörgeräteindustrie sehr massiv mit sogenannten „unsichtbaren Hörgeräten" geworben. Dazu muss man wissen: Schwerhörige Menschen verleugnen allzu oft ihre Hörbeeinträchtigung. Das hat mit psychischen Problemen zu tun, die oft bei Schwerhörig- keit auftreten, aber auch mit dem althergebrachten schlechten Image der Schwerhörigkeit. „Unsichtbare Hör- geräte"und Operationen aus kosmetischen Gründen leisten solchen falschen, nicht zu Ende gedachten Verhaltens- weisen Vorschub. Der DSB ist der Auffassung, dass implantierbare Hörgeräte auf gar keinen Fall aus kosmetischen oder wirtschaftlichen, sondern ausschließlich aus medizinischen Gründen eingesetzt werden sollten.« HAZ090821

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Der kleine Knopf im Ohr - Hörimplantat im Marienhospital Osnabrück eingesetzt. links: Dr. Konrad Sommer ist Chefarzt der HNO-Klinik im Marienhospital. rechts: Das Hörimplantat sitzt am Ende des Kabels.

   Zwei Millimeter. So groß, oder besser so klein ist der Magnet, der mit einem Clip im Innenohr an das Gehör- knöchelchen geklemmt wird. Ein solches Hörimplantat hat jetzt Privatdozent Dr.Konrad Sommer, Chefarzt der HNO- Klinik am Marienhospital Osnabrück, erfolgreich einer Patientin eingesetzt. Die hatte bislang erfolglos mit her- kömmlichen Hörgeräten gearbeitet.
   Das neue System beruht auf der Kombination zweier Teile. Im Schädelknochen hinter der Ohrmuschel liegt das Implantat, bestehend aus einer Spule, einem starken Magnet und einem über ein Kabel ins Innenohr geführten Masseverstärker, der wiederum die Schallsignale auf die Gehörknöchelchenkette überträgt. Außen hinter dem Ohr wird der externe Teil getragen: Ein Audioprozessor wandelt den akustischen Schall, also Sprache oder Musik, in Signale um, die dann zum implantierten Verstärker übertragen werden. Per Magnetkraft wird dieser Audioprozes- sor direkt hinter der Ohrmuschel gehalten und kann somit nahezu unsichtbar unter dem Haar getragen werden.
   In einer rund zweistündigen Operation wurde das Hörgerät bei einer Patientin im Marienhospital ins Mittelohr eingepflanzt. Dabei wird das Implantat mikrochirurgisch an den Gehörknöchelchen verankert. „Solche Mittelohr- operationen gehören zum chirurgischen Standard in der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie", berichtete Dr. Konrad Sommer, „wichtig ist aber die optimale Anpassung des Systems an die Situation des Patienten."
   Als Vorteile des neuen Systems nennt Dr. Konrad Sommer: „Ein Hörimplantat verfügt über eine deutlich stär- kere Leistung, vermittelt einen besseren Klang und hat ein breiteres Frequenzspektrum. Besonders für Patienten, die unter kombinierten Schwerhörigkeit leiden, die am Ohr voroperiert sind oder mit herkömmlichen Hörgeräten nicht zurecht kommen, eignet sich das neue System."
   Das neue Hörgerät ist auch für Menschen interessant, die aus medizinischen Gründen herkömmliche Hörhilfen nicht tragen können, wie zum Beispiel nach mehrfachen Operationen am Mittelohr. Zudem seien Implantate, die im Mittelohr und unter der Kopfhaut getragen werden, eine gute Alternative, wenn die Ohrpassstücke normaler Hörgeräte die Gehörgänge reizen und dort Entzündungen oder Ekzeme auslösen. Wenn eine medizinische Not- wendigkeit besteht, werde die Operation auch von den Krankenkassen getragen, so Dr. Konrad Sommer.
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Hörgeräte-Siemens

Mit neuer Technik besser hören. Bluetooth-Verbindung zum Handy

   Viele Menschen haben Hörprobleme, aber nur wenige gehen mit technischer Hilfe dagegen vor. Die Leistung der Hörgeräte hat sich in der Vergangenheit jährlich verdoppelt, und man unterscheidet Geräte, die im Ohr (IdO) oder hinter dem Ohr (HdO) getragen werden. Beispielhaft hat der Spezialist GN ReSound das Sprachverstehen unter akustisch schwierigen Situationen optimiert. Sein Modell ReSound Matrix fokussiert sich bei Stimmengewirr automatisch auf die Sprache von vorn, verbessert ihren Klang und lässt sie aus Störgeräuschen hervortreten.

Finanzinvestor kauft Hörgerätesparte von Siemens
Schwedische EQT will offenbar 2 Milliarden Euro zahlen / Hohe Investitionen stehen an

   Siemens will seine Erlanger Hörgerätesparte (SAT) mit weltweit 5.000 Beschäftigten für rund 2 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT verkaufen. Darüber werde der Aufsichtsrat abstimmen, sagten zwei Insider aus dem Umfeld des Gremiums. Konzernsprecher wollten das vor der Siemens-Bilanzvorlage in Berlin nicht kommentieren. Intern gilt die Abstimmung zu SAT allerdings als Formsache. Sowohl die Siemens-Bosse als auch die Arbeitnehmerseite stünden geschlossen hinter dem Vorhaben, heißt es.
   Gefahren für Arbeitsplätze werden nicht befürchtet. EQT sei im Gegensatz zu abgeblitzten Interessenten seriös, verlautete aus dem Konzern. Auch andere Interessenten hatten sich um das Hörgerätegeschäft bemüht, das Siemens-Chef Joe Kaeser noch im Mai an die Börse bringen wollte.
   Zuletzt hat sich das Umfeld für Börsengänge aber wieder deutlich eingetrübt. Siemens will nicht in die gleiche Verlegenheit schlittern wie voriges Jahr beim Börsengang der Lichttochter Osram. Deren Anteile mussten damals bestehenden Siemens-Aktionären ins Depot gebucht werden. Der Mutterkonzern musste die Hoffnung auf Milliardenerlöse durch einen Verkauf über die Börse begraben.
   Bei der Hörgerätetochter soll sich das nicht wiederholen. „EQT ist ein gutes Geschäft für Siemens, an der Börse wäre wieder nicht viel gegangen", sagte eine mit den SAT-Plänen vertraute Person. Die Schweden würden den Kaufpreis vor allem aus eigener Kraft stemmen. Gerüchte, wonach EQT die Erlanger vor allem kreditfinanziert erwerben und die Lasten dann SAT aufbürden wolle, seien falsch. Solche Pläne hätten bei einem Interessenten bestanden, der nun aber nicht zum Zuge komme, hieß es.
   Das Siemens-Hörgerätegeschäft geht auf die Anfänge des Konzerns zurück und war einmal Bestandteü des Sektors Medizintechnik, der gerade seinerseits verselbstständigt wird. Schon 1878 hatte Konzemgründer Werner von Siemens ein Telefon für Schwerhörige erfunden und damit auch den Grundstein der heutigen SAT gelegt.
   Die Zentrale sitzt in Erlangen, wo ein Großteil der hierzulande rund 700 Beschäftigten arbeitet. SAT setzt im Jahr rund 650 Millionen Euro um und gilt als hochprofitabel. Zuletzt hat Siemens für die Tochter eine operative Gewinnmarge von rund 15 Prozent genannt. Das Geschäft mit Hörgeräten erfordert aber bald höhere Investitionen, weil Technologiesprünge anstehen, die Schwerhörigen das Leben leichter machen sollen. Das will Siemens nicht mehr finanzieren, weil es zwischen dem Konzern und SAT keine Synergien gibt. Die nötigen Investitionen soll nun EQT stemmen. Das hätten die Schweden auch glaubwürdig zugesagt, betont ein Insider. HAZ141111Thom.Magenheim
Anstehende Investitionen will Siemens nicht mehr finanzieren: Die Hörgerätetochter SAT soll verkauft werden.

auric.xx phonak gnReSound

  Das nur wenige Gramm wiegende HdO-Gerät wird „offen” angepasst, ein transparenter Silikonschlauch führt in den Gehörgang, wo er mit einem „Schirmchen” fixiert wird. Der Verschlusseffekt (Okklusion) entfällt, weil Luft frei zirkulieren kann. Für IdO-Geräte wird der Abdruck des Gehörgangs beim Hersteller lasergestützt dreidimensional gescannt und virtuell bearbeitet, was zu hochpräziser Passform führt. Eine bis zu 3,2 Millimeter große Öffnung lässt die Luft zum Trommelfell hindurch. Man kann mehrere Programme einstellen, die Signalübertragung beim Telefonieren ist verbessert, das Pfeifen bei Rückkopplung  wird mit inversen Signalen durch Phasenverschiebung unterdrückt, und eine besondere Schaltung reduziert die Windgeräusche. Anhand einer Datenbank im Gerät kann der Akustiker den Höralltag des Kunden abbilden und die Einstellung der Geräte optimieren. Deshalb kann die kor- rekte Anpassung mehrere Wochen dauern.
   Eine Bluetooth-Verbindung (auch nachrüstbar) vom Hörgerät zum Handy propagiert der Schweizer Hersteller Phonak. Eine volldigitale Funkkommunikation schafft die Verbindung zu PC, Mailbox, CD-Player oder Fernseher. Das Hörgerät kann über eine spezielle Armbanduhr oder einen Schlüsselanhänger ferngesteuert werden, seine Mikro- fone haben eine variable Richtwirkung. In Deutschland noch nicht verbreitet ist die in skandinavischen Ländern übliche Technik, über ein Funksystem den Schulunterricht, Filme, Opern oder Informationen in Ämtern direkt auf die Hörgeräte zu übertragen.
   Hierfür bietet Phonak sein Hörgerät iLink und den Funksender Campus S. Den Hörer des HdO-Geräts positioniert Hansaton Leonardo am Ende des Minischlauchs im Gehörgang. Dennoch bleibt die Anpassung „offen”, die akus- tische Darstellung soll besser sein und weniger technische Probleme bei hohen Tönen aufweisen. Die Trennung von Mikrofon und Hörer verspricht zudem erhöhte Rückkopplungsfestigkeit.
   Weder Schlauch noch Gerät wird bei dem Produkt der auric-Hörsysteme benötigt. Der Ohrenarzt implantiert eine 2,4 Millimeter starke Titanhülse hinter dem Ohrknorpel, die direkt in den Gehörgang führt. An ihr wird der haus- eigene RetroX-Hörprozessor befestigt, den man unter der Dusche gegen einen Blindstopfen tauscht.
   Die Verbindung zweier Hörgeräte mit Funktechnik (Acuris von Siemens) ist bereits stark verbreitet. Mit der Bi- Cros genannten Versorgung kommunizieren beide Ohren über Funk miteinander. Die Sendeleistung liegt bei dem Zweitausendstel der Leistung eines Handys und ist absolut harmlos. Durch Miniaturisierung der Bauteile kann diese Technik selbst in IdO-Geräten untergebracht werden  - eMail: dr.pfleger@akustiker.at
   Das Unternehmen Starkey bietet die Hörbrillen-Technik. Dabei wird der Schall in Mikrovibrationen umgesetzt, von denen die Hör-Sinneszellen des Innenohrs gereizt werden. Das Starkey Bluetooth-Modul ELI ist für alle Hörgeräte mit normiertem Audio-Eingang konzipiert. Um Kinder an Hörhilfen heranzuführen, hat Heba-Otoplastik (Mömlingen) die Buntheit entdeckt. Daneben bietet der Hersteller ein Trockenkissen und ein Reinigungsset: Ohrenschmalz ist sehr aggressiv, und es führte bei manchem Gerät zu dessen frühem Ende. Damit auch der Hörgeschädigte in den neuen Tag findet, bimmelt sein Wecker (Bellmann und Symfon) nicht nur, sondern emittiert auch Lichtblitze.
Informationen im Internet: www.hansaton.de, www.auric.de, www.starkey.de, www.heba.dewww.bellman.com,
www.gnresound.de, www.phonak,com, www.hoergeraete.siemens.de     WernerBockelmannFAZ051220

HdO.deltaOticon < “Delta” von Oticon >  HdO-Gerät

Hörgeräte werden intelligent

„Delta“ von Oticon
Die Forschung in der Hörgeräte-Branche schreitet mit großen Schritten voran. Aktuelle Beispiele dafür liefern bahn- brechende Entwicklungen bei den Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO), die zu einer bemerkenswerten Optimierung der Produkte geführt haben. Insbesondere hinsichtlich Leistung, Design, Technik und Komfort für den Träger haben die neuen Geräte deutlich mehr zu bieten als ihre Vorgänger.
Für die Ohren, für die Augen - perfektes Design
   Eine der Weltneuheiten heißt „Delta“, ein Hinter-dem-Ohr-Gerät der Firma Oticon, das vor allem mit seinem raffinierten Design und den zahlreichen Möglichkeiten der farblichen Gestaltung zu überzeugen weiß. „Delta“ ist in 17 Farben und Dekors erhältlich, wobei das Spektrum von dezenten Tönen bis zum Metallic-Look reicht und so für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Das komfortable, moderne Hörsystem, das man beinahe mit einem eleganten Ohrschmuck vergleichen kann, wurde kürzlich sogar beim internationalen Designwettbewerb „Red Dot Award” ausgezeichnet. In der Kategorie Produktdesign erhielt das „Delta“ den „red dot: best of the best”. Ins- gesamt verbindet das neue Gerät von Oticon eine moderne Form mit ausgefeilter Technologie und setzt so neue Maßstäbe in puncto Hörqualität und Design.
Hightech auf höchstem Niveau
   Einen Meilenstein, wenn   von   technologischem Fortschritt die Rede ist, setzt zweifellos das Modell „Centra” von Siemens, denn dieses Gerät ist sogar lernfähig. Was heißt das? Das „Centra” „merkt” sich die Lautstärke-Ein- stellungen in verschiedenen Situationen und greift später ganz automatisch auf die gespeicherten Einstellungen zurück. „Data Leaming” heißt diese Technik, die sich auf die Lautstärkevorlieben des Trägers einstellt. In den ersten Tagen mit „Centra” regelt man die Lautstärke einfach immer dann nach, wenn man es für notwendig hält. Das System registriert dies und berücksichtigt es beim nächsten Einschalten. Und wenn man später einmal nach- justiert, weil sich die Höranforderungen geändert haben, ist auch das kein Problem: „Centra” speichert alle neuen Einstellungen, lernt also wenn notwendig - täglich dazu. Ein weiteres technisches Highlight der neuen Siemens- Entwicklung nennt sich „SoundSmoothing” - eine Funktion, die sogenannte Impulsgeräusche erkennt und voll- automatisch absenkt. Für den Träger bedeutet das: Er muss keine unvermittelt auftretenden lauten Geräusche wie Türenschlagen oder Geschirrklirren mehr fürchten, denn diese werden sofort auf ein angenehmes Maß re- duziert.
Höchstleistung im Miniformat
   Eine weitere Weltneuheit  heißt „microPower” und kommt aus dem Hause Phonak. Bei „microPower” handelt es sich um ein revolutionäres Hochleistungshörsystem im diskreten Format, das speziell für Menschen mit großem Hörverlust entwickelt wurde. Es basiert auf der sogenannten Ex-Hörer-Technologie CRT (Canal Receiver Techno- logie): Während das Mikrofon in einem schlanken Gehäuse hinter dem Ohr sitzt, verschwindet der Lautsprecher unmittelbar im Ohr. Die Tonsignale werden elektronisch durch einen dünnen Spezialschlauch übertragen. Mit einem Gewicht von nur zwei Gramm ist „microPower” das kleinste und diskreteste Hochleistungs-Hörsystem der Welt. HA061024

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Ohne Hörgerät ist der Hörnerv in Gefahr. Immer mehr Menschen sind schwerhörig, aber nur ein Drittel ist ausreichend versorgt. Warum ein Hörgerät nicht ausreicht, erklärt Jürgen Matthies, stellvertretender Innungsobermeister beim Fachverband Deutscher Hörgeräteakustiker eV, in Nienburg.  HAZ040407

Wie hören wir eigentlich?
   Unser Ohr ist ein hochkomplexes Organ. Die Luft transportiert alle Schallwellen durch die Ohrmuschel und den Gehörgang auf eine centgroße Membran, das Trommelfell. Dahinter liegen die Gehörknöchelchen des Mittelohrs: Hammer, Amboss und Steigbügel. Durch die Vibration des Trommelfells fangen sie an zu schwingen und leiten die akustischen Signale weiter  in die Hörschnecke des Innenohrs.  Die  darin  enthaltene  Flüssigkeit überträgt die Signale über Wellenbewegungen auf mehr als 20.000 Sinneshärchen, die sie in elektromagnetische Impulse umwandeln. Der Hörnerv nimmt diese Impulse auf und leitet sie zum Gehirn weiter.
Was schädigt das Gehör?
   Zum Beispiel mehrstündiger Dauerlärm, hohe Frequenzbereiche oder starkes Rauchen. Wenn man sich mehrere Stunden einem Lärmpegel von über 90 Dezibel ausgesetzt hat, braucht das Ohr etwa acht bis zehn Stunden, um sich wieder zu regenerieren. Hat es diese Möglichkeit nicht, können die Sinneshärchen in der Hörschnecke dauerhaft geschädigt werden. Das berühmte Piepen im Ohr nach einem Diskobesuch bedeutet nichts anderes, als dass Sinneshärchen absterben.
Wie merkt man, dass man schwer hört?
   Schwerhörige haben ein anderes Hörbarkeitsempfinden. Bei Geräuschen von 100 Dezibel sagen sie oft schon „Das ist mir zu laut”. Auch haben sie es vor einer Geräuschkulisse schwer, die Person zu verstehen, mit der sie sich gerade unterhalten. Bei einem Hörverlust von etwa 50 Prozent erschließt sich dann auch die Bedeutung von Sätzen nicht mehr.
Warum hört man im Alter schlechter?
   Das liegt daran, dass die Gehörknöchelchen im Mittelohr mit zunehmendem Alter verhärten und den Schall dadurch schlechter in die Hörschnecke leiten. Hierdurch bekommen die Sinneshärchen weniger Signale und können sogar ganz aufhören zu arbeiten. Der Hörnerv bekommt dadurch weniger Impulse und bildet sich zurück. Dieser Prozess dauert mehrere Jahre. Die Hörleistung des Ohres lässt etwa im Alter von 45 bis 50 Jahren nach. Das betrifft vor allem die hohen Töne.
Was hilft bei Schwerhörigkeit?
   Eine Möglichkeit ist, die Gehörknöchelchen operativ auszutauschen. Erfahrungsgemäß halten die neuen Gehörknöchelchen aber nur vier bis fünf Jahre und müssen danach wieder gewechselt werden. Ein Hörgerät hebt dagegen jene Frequenzen an, bei denen der Patient fehlhörig ist und macht sie wieder hörbar. Bei diesem Vorgang werden jene Sinneshärchen wieder aktiviert, die zwar noch funktionstüchtig sind, aber nicht mehr genutzt wurden. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern kann zwischen vier Wochen und einem halben Jahr dauern. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass beide Ohren versorgt sind.
Warum?
   Im Gehirn laufen die akustischen Signale von beiden Ohren zusammen. Das Gehirn entschlüsselt daraus nicht nur ein bestimmtes Geräusch, sondern erkennt auch die Richtung, aus der es kommt. Wenn jemand auf einem Ohr schwer oder nicht hört, geht ihm diese räumliche Wahrnehmung verloren. Menschen, die auf beiden Ohren schwer hören, benötigen daher zwei Hörgeräte. Andernfalls bildet sich der Hörnerv des nicht benutzten Ohres zurück, und das Richtungshören kann verloren gehen.
Wer zahlt die Hörgeräte?
   Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen Festbeträge, die je nach Kasse und je nach Grad der Schwerhörigkeit unterschiedlich sind. Kosten, die über den Festbetrag hinausgehen, muss der Patient selbst über- nehmen. Weitere Informationen gibt es beim Fachverband Deutscher Hörgeräte-Akustiker, Postfach 15 68, 31565 Nienburg, Telefon: 05021 - 97 61 17, Internet:  www.fdh-ev.de

Kleiner Knopf im Ohr: Hörgerätea_tn_P_Hor_2_jpg

Ausgefeilte Technik erleichtert Schwerhörigen das Leben erheblich Foto: Der schmale Teil des Hörcomputers Claro (Im-Ohr-Hörgerät) enthält den Hörer mit Lautsprecher, der vordere Abschnitt das Modul für den Hörcomputer. Hinter die Klappe vorn wird die Batterie gesteckt. Das Hörgerät wird individuell angepasst.    Foto:Phonak

1. Hörtest - das Gehör prüfen:

 * Müssen Sie in Unterhaltungen öfter nachfragen?
 * Können Sie in der Gruppe alles gut verstehen?
 * Machen Ihre Angehörigen Sie häufiger darauf aufmerksam, dass der Fernseher zu laut ist?
 * Haben Sie das Gefühl, dass viele Menschen nur nuscheln?
 * Hören Sie beim Musikhören Geigen und Flöten schlechter als andere Instrumente?
 * Vermissen Sie beim Spazierengehen das Zwitschern der Vögel?
 * Verstehen Sie am Telefon besser als im Gespräch?
 * Überhören Sie das Telefonklingeln manchmal?
Wenn Sie zwei oder mehr Fragen mit Ja beantwortet haben sollten Sie einen Hörtest beim HNO-Arzt oder Hör- geräte-Akustiker machen.  cwHA011005

2. HighTech-Geräte

   Martin Schlegel ist ein typischer Fall. Als der heute 34-jährige Vermögensberater vor etlichen Jahren bemerkte, dass er die hohen Stimmen seiner Kleinkinder zunehmend schlechter verstehen konnte und auch Partys mit un- durchdringlichem Stimmengewirr immer öfter mied, wischte er den Gedanken an eine Hörstörung erst einmal beiseite. Doch nach und nach fiel seine Schwerhörigkeit auch im Bekanntenkreis auf. Ein Freund überredete Schlegel schließlich zum Arztbesuch. Der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist stellte eine fortgeschrittene Innenohr- schwerhörigkeit fest und verordnete ein Hörgerät. “Damit habe ich besonders im privaten Bereich gute Er- fahrungen gemacht”, meint der Vermögensberater heute.
   Mehr als 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Auskunft des Hörgeräteherstellerverbandes “Forum Besser Hören” unter Hörschäden. Tendenz steigend. Doch nur 2,5 Millionen der Betroffenen sind mit Hörgeräten versorgt. “Im Durchschnitt lassen die Leute ihr Hörproblem sieben bis zehn Jahre zu spät behandeln - nämlich dann, wenn es schon schwerwiegend ist”, sagt Karsten Mohr vom Forum Besser Hören. “Die Hörleistung lässt ganz unmerklich nach”, erklärt Karin Uphoff von der Hörgeräteakustiker-Vereinigung “Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH).” Der Hörverlust wird daher oft nicht wahrgenommen. Wenn die Leute etwa Gruppengespräche anstrengend finden, dann bleiben sie lieber weg.” In den meisten Fällen käme der Anstoß für eine Untersuchung des Gehörs daher von Freunden - wie bei Schlegel.
   Wenn sich die Schwerhörigen dann doch zum Arztbesuch aufraffen, haben sie ihre Vorurteile gegen Hörgeräte noch lange nicht abgelegt. “Wenn die Leute zu uns zur Versorgung kommen, ist schon eine gewisse Skepsis da”, sagt Uphoff. Die Eitelkeit spiele dabei ebenso eine Rolle wie das Gefühl, mit einem Hörgerät automatisch zum “alten Eisen” zu gehören. Dazu kommen zudem überholte Vorstellungen von technisch unzulänglichen Geräten, die bei jeder Gelegenheit durchdringend piepen und jedes unangenehme Geräusch ungefiltert verstärken.
  “Ein Hörgerät ist erst einmal ungewohnt”, räumt Uphoff ein. “Gerade wenn lange mit der Versorgung gewartet wird, musss das Gehirn erst wieder lernen, die Umgebungsgeräusche einzuordnen.” Auch eine hundertprozentige Wiederherstellung des Gehörs könnten die Hörhilfen nicht leisten. Davon abgesehen sei die Hörgerätetechnik aber inzwischen so weit fortgeschritten, dass in der Regel jeder Schwerhörige - abhängig von der Art seiner Schwer- hörigkeit - auch optimal versorgt werden könne. Dabei bemühen sich die Hersteller besonders um immer kleinere und immer leistungsfähigere Geräte.
    Für eine leichte oder mittelgradige Schwerhörigkeit sind meist auch Geräte geeignet, die fast unsichtbar komplett im Gehörgang sitzen. So hat die Firma Phonak kürzlich eine Im-Ohr-Version ihres Hörgerätes “Claro” mit integriertem, digitalem Mikrofon vorgestellt. Die Schalen für den Gehörgang werden am Computer mit hoher Genauigkeit individuell angefertigt. “Claro CIC” wird auch in Deutschland verkauft. Vom Hersteller “Oticon” wiederum kommt mit “Adapto” ein digitales System auf den Markt, das mit einer speziellen Spracherkennungs- funktion ausgestattet ist. Besondere Schallkanäle sollen zudem Rückkopplungen und das Gefühl eines durch das Gerät “verstopften Ohres” vermeiden.
   Beim Hörgeräteakustiker werden die Geräte in der Regel in mehreren Sitzungen optimal angepasst. Bei fast allen digitalen Hörsystemen sei dabei eine computergestützte Höranalyse und Programmierung des Gerätes Standard, betont Uphoff. Sie rät künftigen Nutzern, sich ausreichend Zeit zu nehmen und so lange verschiedene Geräte auszuprobieren, bis sie eines gefunden haben, das ihren Bedürfnissen entspricht. “Den Hörgeräte- akustikern ist es lieber, sie machen einen Termin mehr, und der Kunde ist dafür nachher zufrieden”, sagt sie.
   Besonders erfreut sind die Hörspezialisten, wenn Kunden wie Martin Schlegel berichten, wie sie mit dem neuen Hörgerät zum ersten Mal eine Familienfeier erlebt haben, bei der sie jedes Wort verstehen konnten. “Viele stellen dann fest, was sie vorher alles nicht gehört haben”, meint Uphoff. CorneliaWernerHAZ0112
Weitere Informationen
   bieten die Internetseiten der Fördergemeinschaft Gutes Hören www.fgh-besserhoeren.de
Telefonhörtest unter 0180 - 532 37 54) sowie des Forum Besser Hören www.forumbesserhoeren.de
eMail: info@forumbesserhoeren.de (hier erhalten Sie die kostenlose Broschüre mit dem Titel: “Das Leben hören”.)

Neu: Volldigitale Hörsysteme

  Mehr als 2,5 Millionen Deutsche tragen ein Hörgerät, viele von ihnen besitzen gleichzeitig ein Mobiltelefon. Die lästigen Störgeräusche, die bei der Nutzung von beiden Geräten entstehen können, sollen mit neuen volldigitalen Hörsystemen behoben werden können. Der dänische Hörgerätehersteller “Widex microtechnic” entwickelte sehr kleine Im-Ohr-Hörgeräte, welche durch Bit-Datenübertragung (wie beim Computer) weniger störanfällig und leistungsstärker sind.  hpshHA020805

Individuelle Hörgeräte ...

 ... können mit einem jetzt marktreifen System des dänischen Herstellers Widex hergestellt werden, ohne dass mit Silikon ein Abdruck des Gehörgangs genommen werden muss. Statt in aufwändiger Handarbeit können die Ohrpassstücke künftig in automatisierter Fertigung entstehen. Das computerunterstützte Verfahren Camisha überträgt dazu mit dem Laserscanner ermittelte Dateien über Dimension, Form und Krümmung des Gehörgangs auf den Computer. Die so ermittelte individuelle Form kann dann jederzeit kopiert werden, wenn sie verloren oder beschädigt wurde. Außer der individuellen Anpassung ist das Verfahren auch günstig für optimale Positionierung der elektronischen Bauteile im Gerät. Widex verspricht für die Zukunft noch kleinere Hörgeräte. Informationen zu Camisha unter Telefon 0711 - 78 95 0. smmFAZ030318

Zum Eingewöhnen der Hörgeräte

   Zum Eingewöhnen sollten Hörgeräte mindestens acht Stunden täglich getragen werden. Je länger die Hörhilfen getragen werden, desto kürzer ist die Eingewöhnungszeit, wie das Forum Besser Hören mitteilt. Bei Schwerhörigkeit verkümmerten die genutzten Haarzellen im Innenohr und die Signale würden nicht mehr zum Gehirn übermittelt. Hörgeräte trainierten die Hörzellen, indem sie akustische Signale weiterleiteten. Deshalb sei es auch wichtig, das Hörgerät nicht nur zu besonderen Anlässen zu tragen, auch die Gewöhnung an Alltags- geräusche, wie beispielsweise das Summen des Kühlschranks, sei von Bedeutung, teilt das Forum mit. NOZ030208

a_tn_P_hor_3_jpg Moderne Hörgeräte können Schwerhörigkeit in den meisten Fällen korrigieren.

   “Schrei nicht so, ich bin doch nicht taub” lautet ein oft gesagter Satz von Schwerhörigen. Meist wollen sie nur ihr schlechtes Gehör nicht wahrhaben, weil sie sich vor den Vorurteilen fürchten, Angst haben, ausgeschlossen zu werden. Betroffen sind in Deutschland rund 15 Millionen Menschen. “Die Deutschen drohen ein Volk von Schwer- hörigen zu werden”, warnt das Forum Besser Hören - Presse  und  Informationszentrum der Vereinigung der Hörgeräteindustrie. Nur 2,5 Millionen trügen Hörgeräte, obwohl mehr als 6 Millionen sie dringend bräuchten.
   Angehörige und Freunde sind es meist, die in der Schwerhörigkeit eher ein Problem sehen als die Betroffenen. Zu erkennen sind solche Hörprobleme zum Beispiel daran, dass Menschen Fernseher oder Radio deutlich lauter einstellen als früher, beim Theaterbesuch gern vorn sitzen, ein herannahendes Auto erst im letzten Moment hören oder gelegentlich Türklingel oder Telefonläuten nicht wahrnehmen.
   Wer solche Anzeichen bei seinen Angehörigen bemerkt, sollte sie dazu bewegen, bei einem Hörgeräte-Akustiker oder einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) einen Hörtest vornehmen zu lassen. Der Ohrenarzt diagnostiziert den Schaden und stellt das Rezept für ein Hörgerät aus, das vom Hörgeräte-Akustiker angepasst wird. Um für jeden das richtige auswählen zu können, muss er vieles in Erfahrung bringen: Wie und wann kam es zur Hörminderung? Wie ist der Zustand des äußeren Ohres? Was wird nicht mehr richtig gehört? Wie steht es mit der Lärmempfind- lichkeit? Welche Hör- und Lebensgewohnheiten hat der Betroffene beruflich und privat? Am gebräuchlichsten sind so genannte Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte. Sie sind durch ein Ohrpassstück  mit dem Gehörgang verbunden. Als Alternative gibt es Im-Ohr-Geräte, die nach außen nahezu unsichtbar im Gehörgang getragen werden.
    Ein weiterer Vorteil dieser winzigen Hightech-Apparate: sie sitzen näher am Trommelfell, die Schallübertragung ist besser als bei Geräten hinter dem Ohr. Weitere Unterschiede liegen in der Form der Signalverarbeitung. Moder- ne Hörsysteme erbringen Höchstleistungen: Ein Prozessor kann Sprache aus störendem Hintergrundlärm heraus- filtern. Sie sorgen für saubere Übertragung, können die Lautstärke automatisch einstellen und schalten Rück- koppelungen und Rauschen aus.
   Dass Hörgeräte die Lebensqualität deutlich verbessern, ist in mehreren Studien belegt. Das National Council on Aging in den USA befragte 2.300 Menschen zum Einfluss von Hörgeräten auf ihre Lebensqualität. 50 Prozent gaben an, dass sie ihr Selbstbewusstsein zurückgewonnen hätten und sich sicherer im Umgang mit ihren Mitmen- schen fühlten. 56 Prozent berichteten über ein entspannteres Familienleben, 48 Prozent über ein besseres Lebensgefühl. 34 Prozent sind in der Freizeit wieder aktiver und weniger auf die Hilfe anderer angewiesen.
CorneliaWernerHA011005
Informationen:
Forum Besser Hören, Spadenteich 1, 20099 Hamburg, Telefon: (040) 28 40 13 50
oder im Internet: www.forumbesserhoeren.de Unter 01805 - 32 37 54 (0,80 €/min.) bietet die Fördergemeinschaft Gutes Hören einen Hörtest per Telefon an.

    Bundesregierung will härter durchgreifen. Hörgeräteakustiker zahlen hohe Provisionen an HNO-Ärzte. Recherche der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung    JensHeitmannHAZ040107

   Auf Türsteher haben Thomas Stinnesbeck und Peter Ruwe verzichtet. Wer Hals-Nasen-Ohrenarzt sei und wer nicht, das sehe man schon an der Körpersprache, versichern die beiden Köpfe hinter der Bonner Focus Hören AG. Dass einige Hörgeräteakustiker trotz fehlender Einladung Einlass bei ihrer „Roadshow” begehrten, können die Manager sogar verstehen. Schließlich wollen die beiden Bonner ihnen mit Hilfe der Mediziner das bisher so einträgliche Geschäft vermiesen.
   Eigentlich wollte das Duo im nächsten Jahr nur vier Filialen eröffnen, jetzt planen die beiden bereits mit einem Dutzend. „Die Ärzte nehmen unser Vorhaben positiv auf” beteuert Ruwe. Sie sind die Hauptaktionäre der Aktiengesellschaft und werden, wenn alles so kommt wie geplant, gleich doppelt von  ihrer Beteiligung profitieren - über Provisionen und als Aktionäre. Für die Schwerhörigen seien möglicherweise Preissenkungen von 15 Prozent drin, heißt es in Bonn.
  Um das Wohl der Patienten geht es Focus Hören AG nur in zweiter Linie. Die Neugründung ist ein weiterer Ver- such, das fest geknüpfte Beziehungsgeflecht zwischen Ärzten, Akustikern und Herstellern so weit zu lockern, dass für das eigene Geschäft noch hübsche Margen übrig bleiben. Das Potenzial ist riesig: 14 Millionen Deutsche leiden unter Hörstörungen, aber nur knapp ein Viertel davon trägt eine Hörhilfe. „Der Markt verlangt nach einer Bereini- gung”, sagt Manager Ruwe. „Solche Strukturen  wie hier zu Lande sind weltweit einmalig”.
   In Deutschland kommen auf 3.200 HNO-Praxen etwa gleich viele Akustiker-Filialen. Im vergangenen Jahr wurde beim Zentralverband der Elektroindustrie der Verkauf von 560.000 Hörgeräten gemeldet - das ist  am Tag weniger als ein  Hörgerät pro Filiale. Der Engpass ist der Arzt”, sagt  ein Beteiligter. Während Optiker auch Brillen verord- nen dürfen, ist das den  Akustikern bisher verwehrt. Damit sind sie von den Verordnungen der HNO-Ärzte ab- hängig.  Eine Kiste Wein, ein Präsentkorb zu Weihnachten oder auch schon mal ein Reitsattel für die Arztfrau seien als Dank für eine Empfehlung  auch früher schon drin gewesen, berichtet der Vertriebsleiter gewesen, berichtet der Vertriebsleiter eines Filialisten. “Aber seit 1989 ist nichts mehr wie es war.”
   In diesem Jahr kam für die Branche die Wende - mit Sanomed. Der Hamburger Versandhändler hat den Markt revolutioniert: Auf seinem verkürzten Versorgungsweg schaltete Geschäftsführer Andreas Coburger die Akustiker aus. Mit Sanomed kooperierende HNO-Ärzte messen selbst den Hörverlust ihrer Patienten und fertigen den benötigten Abdruck vom Innenohr. Die entsprechenden Daten und die Ohrplastik schicken sie an die Alster, zwei Wochen später passt der Mediziner die Hörhilfe in seiner Praxis an. Während die Schwerhörigen beim Akustiker bis zu 1.500 Euro je Gerät zuzahlen mussten, kamen sie bei Sanomed lange mit dem Zuschuss ihrer Krankenkasse aus - in Niedersachsen liegen die Festbeträge je Hörgerät zwischen 363 und 509 Euro. Mittlerweile verkaufen die Hamburger in Deutschland jedes zehnte Hörgerät und sehen sich damit als Marktführer.
   Sanomed vergütet dem Arzt seine Dienste mit bis zu 125 Euro pro Gerät. „Das ist keine Provision”, sagt Coburger. „Das ist eine saubere Entlohnung”. An deren Höhe orientiert sich inzwischen die gesamte Branche. Wer als Akustiker im Geschäft bleiben wolle, müsse bluten, heißt es. Entweder werde schwarz nach „BAT” gezahlt („bar auf Tatze”), oder der Arzt erhalte - wie etwa bei Hörgeräte Kind aus Großburgwedel - eine Pauschale für so genannte Befundberichte. Wie hoch deren wissenschaftliche Qualität einzuschätzen ist, gilt in der Branche als strittig. Nur jeder fünfte Akustiker, so schätzen Branchenkenner, komme ohne offene oder verdeckte Provisionen über die Runden.
   Die Rechnung zahlen am Ende die Patienten. Der Verkauf der überteuerten Hörgeräte-Batterien sichere dem Akustiker die Miete, das Reparaturgeschäft decke die Personalkosten - nur der eigentliche Gewinn stamme aus den Margen für die Hörgeräte. „Sie fangen bei 40 Prozent an und sind nach oben offen”, räumt ein Akustiker ein. Preisschilder suchen die Patienten in den Geschäften auch deshalb meist vergebens. „Viele gucken erst mal, mit welchem Wagen jemand vorfährt.”
  Auch die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker weiß um solche Machenschaften. Sie seien aber die Ausnahme und nicht die Regel, sagt Geschäftsführer Jakob Stephan Baschab: „Schwarze Schafe gibt es bei uns wie in jeder Branche - die gilt es auszusondern”. Die Innung setze sich seit Jahren für eine Trennung von medizinischen und handwerklichen Leistungen ein. „Wir lehnen alle Bezahlmodelle ab”. Baschab gesteht aber zu, dass der Wettbe- werbsdruck deutlich gestiegen ist.
   Das bereitet inzwischen selbst den Preisbrechern Probleme - mit ihren Lieferanten zum Beispiel. Im Prinzip würde er gern Fabrikate aller Hersteller vertreiben, sagt Sanomed-Geschäftsführer Coburger. Leider seien viele aus Furcht vor einer „Akustiker-Blockade” eingeknickt. Neben dem hohen Kaufpreis war wohl auch das für Sanomed ein Argument, um sich im Mai vom US-Hersteller Sonic übernehmen zu lassen. Auch dem Neueinsteiger Focus Hören droht ein Engpass, zumindest beim Marktführer Siemens. Der Konzern verübelt es seinem langjährigen Hörgeräte-Vertriebsleiter Stinnesbeck, dass er parallel zu seiner Tätigkeit für den Konzern die neue Gesellschaft aufgebaut hat, der er seit Neujahr als Alleinvorstand vorsteht. Immer wieder müsse man aufgebrach- ten Akustikern versichern, dass Siemens mit Focus nichts zu tun habe, heißt es bei dem Konzern. „Alles in allem ist das einfach kein sauberer Markt.

au-Hörgerät-xx  HNO-Ärzte wollen nicht hören

Mediziner machen Hörgeräte-Akustikern Konkurrenz. Größe ist oft alles:
Für sein Hörgerät bekam Akustikmeister Claus-Peter Reichel einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

   Das Zentrum von Saarlouis ist übersichtlich. Bis zur Zeughausstraße sind es jeweils nur wenige Schritte, egal, ob man vom Großen Markt kommt oder aus der Titzstraße neben dem Krankenhaus. Das ist von Vorteil für die Schwer- hörigen der dortigen Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Praxen zum Hörgeräteakustiker ist es nicht weit. Auch für die beiden Ärzte macht sich der kurze Weg bezahlt: Über ihre Ehefrauen sind sie an dem Akustikergeschäft beteiligt.
   Gleichwohl war es für die Mediziner früher viel einfacher, sich für die Verordnung von Hörgeräten doppelt bezah- len zu lassen. Neben dem offiziellen Honorar von der Krankenkasse gab es Provisionen von den Akustikern - entweder schwarz und bar auf die Hand oder als Pauschale für sogenannte Befundberichte. Bei bis zu 100 Euro pro Ohr konnte sich das auf 20.000 Euro für einen HNO-Arzt summieren. Die Akustiker wiederum hielten sich an den Patienten schadlos.
   Dieser über Jahrzehnte eingeübten Praxis hat der Bundestag einen Riegel vorgeschoben: Mit der Neufassung des sogenannten Antikorruptionsparagrafen 128 im Sozialgesetzbuch dürfen Ärzte Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Einlagen nur noch verschreiben, aber nicht mehr am Umsatz mit ihnen beteiligt sein. „Zum Glück", sagt ein Mana- ger einer Akustikerfilialkette: „Das Gesundheitshandwerk wäre sonst unter den Mahlwerken der Ärzte zermalmt worden."
   Nun mahlt es im Verborgenen. Das „Modell Saarlouis" gewinne an Zulauf, heißt es in der Branche. Die Zahl von Akustiker-GmbHs, an denen HNO-Ärzte entweder selbst oder über Treuhänder wie Ehefrauen oder Steuerberater beteiligt sind, habe sich sprunghaft erhöht.
   „Wir haben bis jetzt mehr als 150 solcher Beteiligungen gezählt", sagt Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäfts- führer der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker. Zum Vergleich: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen in Deutsch- land etwa 4.100 Akustiker gegenüber. Der Umsatz der Branche wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.
   Dabei hatten die unabhängigen Akustiker gehofft, mithilfe der Verschärfung des Paragrafen 128 zugleich noch einen Vertriebsweg verstopfen zu können, der ihnen seit zwei Jahrzehnten zusetzt - der „verkürzte Versorgungs- weg": Hier misst der HNO-Arzt den Grad der Hörschädigung, nimmt einen Ohrabdruck,  übermittelt die Daten an einen Direktanbieter und passt dann die Hörhilfe in der Praxis an. Während der Mediziner dafür ein Honorar erhält, gucken die ortsansässigen Akustiker in die Röhre. „Dieses Geschäftsmodell verstößt jetzt gegen den Geist des Gesetzes", sagt Innungsgeschäftsführer Baschab.
  Dagegen protestiert hatten auch Patientenverbände und Verbraucherschützer. Der Schwerhörigenbund monierte Mängel in der Qualität, die Stiftung Warentest fand heraus, dass Hörgeräte hier - anders als versprochen - nicht günstiger waren als im üblichen Handel. In Niedersachsen habe aktuell keine Krankenkasse mehr einen Vertrag mit einem Direktanbieter, heißt es.
   Die Direktversender und einige Partner geben allerdings nicht auf. „Der Paragraf 128 SGB V greift nämlich nur bei vertragsärztlicher Tätigkeit", heißt es in einem Schreiben der Focus Hören AG an eine HNO-Ärztin. Soll heißen: Für Privatpatienten gilt sie nicht. „Ihre legale Mitwirkung bei der Hörgeräteversorgung vergüten wir zu attraktiven Konditionen (250 Euro/Hörgerät in der Klasse ,Premium', 150 Euro/Hörgerät in der Klasse ‚Komfort‘)."
   Nach Angaben von Focus Hören handelt es sich bei den Schreiben um Einzelfälle: Man habe lediglich den Markt „ausloten" wollen - im Übrigen habe kein HNO-Arzt auf das Angebot reagiert. Dass das nicht überall so ist, bele- gen Rechnungen von gesetzlich Krankenversicherten. Auch sie können zu Privatpatienten werden, wenn ihr HNO- Arzt ihnen eine entsprechende Erklärung vorlegt und sie diese unterschreiben.
   Bei der Focus Hören AG schließt sich der Kreis: Zu ihren Aktionären gehören seit der Gründung der Firma vor sieben Jahren mehr als 130 HNO-Ärzte - inzwischen betreibt das Unternehmen eine Kette von rund 30 Akusti- kerfilialen und zählt damit hinter den Marktführern Kind, Geers und Amplifon schon zu den Größeren der stark fragmentierten Branche. Das sei auch legal, heißt es: „Ein Orthopäde darf schließlich auch ein Sanitätshaus betreiben und ein Zahnarzt eine Zahntechniklabor." HAZ100218JensHeitmann

HNO-Ärzte müssen Geschäft aufgeben
Mediziner dürfen sich nicht an Hörgeräteakustikern beteiligen - Innung kündigt Musterprozesse an

   Die unerlaubte Beteiligung von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten am Geschäft mit Hörgeräten zieht juristische Konse- quenzen nach sich. Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat die Wettbewerbszentrale in einem exemplarischen Fall mehrere Mediziner aus Stuttgart dazu gezwungen, sich als Gesellschafter einer Hörge- räteakustiker-Kette zurückzuziehen. Die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker kündigte weitere rechtliche Schritte an: „Wir lehnen solche Geschäftsmodelle ethisch, moralisch und juristisch ab", sagte Hauptgeschäftsführer Jakob Baschab. „Musterprozesse werden folgen."
   Das Bestreben vieler Arztpraxen, am Geschäft mit Hörgeräten mitzuverdienen, ärgert die Akustiker seit Jahren. Lange war es für HNO-Ärzte üblich, sich für die Versorgung doppelt bezahlen zu lassen. Neben dem offiziellen Ho- norar von der Krankenkasse gab es Provisionen von den Akustikern - entweder „unter der Hand" oder als Pau- schale für „Befundberichte". Bei bis zu 100 Euro pro Ohr waren so für einen HNO-Arzt bis zu 20.000 Euro jährlich drin. Die Akustiker wiederum hielten sich an den Patienten schadlos.
    Dieser über Jahrzehnte eingeübten Praxis hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben: Mit der Neufassung des sogenannten Anti-korruptionsparagrafen 128 im Sozialgesetzbuch (SGB) dürfen Ärzte Hilfsmittel wie Hörge- räte oder Einlagen nur noch verschreiben, aber nicht mehr am Umsatz mit ihnen beteiligt sein. Im Alltag habe sich trotz der Novellierung jedoch nur wenig geändert, heißt es in der Branche.
   Im konkreten Fall hatten sich den Angaben zufolge HNO-Ärzte aus Stuttgart mittelbar an der DOC Hörgeräte GmbH & Co. KG beteiligt. Die Gesellschaft betreibt in der Region drei Filialen, die jeweils „in räumlicher Nähe" zu den Praxen der Mediziner angesiedelt sind, wie es in der Abmahnung der Wettbewerbszentrale heißt. Aus den Gesellschafterverträgen ergebe sich, „dass die Gewinne den beteiligten HNO-Ärzten (...) zu jeweils gleichen Teilen zufließen". Das Beteiligungsmodell ziele darauf ab, „durch entsprechendes Verordnungsverhalten" persönliche Einnahmen zu generieren. Mit anderen Worten: Die HNO-Ärzte schickten ihre Patienten in die Akustikergeschäfte, an denen sie selbst beteiligt seien. Das belegen dem Schreiben der Wettbewerbszentrale zufolge Aussagen von Patienten.
   Die Organisation stützt ihre Abmahnung auf die Bestimmung der Berufsordnung der Landesärztekammer Baden- Württemberg - die eigentliche Stoßrichtung ziele jedoch auf die Neuregelung im Sozialgesetzbuch, heißt es bei den Akustikern. Die Zahl von Akustiker-GmbHs, an denen HNO-Ärzte entweder selbst oder über Treuhänder wie Ehe- frauen oder Steuerberater beteiligt sind, habe sich sprunghaft erhöht, sagt Innungsgeschäftsführer Baschab. „Wir haben bis jetzt mehr als 150 solcher Beteiligungen gezählt."
   Zum Vergleich: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen in Deutschland etwa 4.100 Akustiker gegenüber. Im vergan- genen Jahr wurden in Deutschland nach Einschätzung von Marktkennern 775.000 Hörgeräte verkauft; der Umsatz der Branche wird auf rund eine Milliarde Euro taxiert.  HAZ100608JensHeitmann

Der Marktführer legt zu:    au-AlexanderKind-x     Alexander Kind

Hörgerätemarkt sortiert sich neu. Wettbewerber rücken näher an Kind heran

   Immer wenn die Anrufe von Unternehmensberatern zunehmen, weiß Rainer Hüls, dass in der Hörgerätebranche größere Umwälzungen bevorstehen. Gerade hat die Nummer drei der Akustiker, die niederländische HAL-Holding, die Übernahme des Branchenzweiten Geers angekündigt - nun wird darüber spekuliert, dass Finanzinvestoren die Hörgerätesparte von Siemens übernehmen und sie mit der italienischen Akustikerkette Amplifon zusammenfügen könnten.
 Längere Zeit war es ungewöhnlich still auf dem Markt, der in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro taxiert wird. Die Nummer eins unter den Akustikern, Kind Hörgeräte aus Großburgwedel, eröffnete stetig neue Filialen oder kaufte einzelne hinzu; die Neueinsteiger HAL und Amplifon versuchten, mit Übernahmen im großen Stil Schritt zu halten - beide allerdings mit mäßigem Erfolg: Die Ergebnisse blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Ich glaube auch jetzt nicht an eine große Lösung", sagt Jakob Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker. „Dafür ist der Markt zu klein."
 An der Hörgerätesparte von Siemens sollen gleich fünf Finanz- und zwei strategische Investoren interessiert sein. Als Preis werden in der Branche rund 2 Milliarden Euro gehandelt. Man werde die Offerten in Ruhe prüfen, sagt Konzernfinanzvorstand Joe Kaeser. Siemens sieht sich selbst noch als Weltmarktführer, Kenner der Szene halten die Schweizer Sonova und William Demant aus Dänemark mit Marktanteilen von jeweils um die 20 Prozent für größer und technisch besser. „Es wäre mutig, Siemens jetzt zu kaufen", sagt ein Insider. Das Beste daran ist die Marke - und die fiele spätestens nach einem Jahr an den Konzern zurück.
   In der Zentrale von Kind verfolgt man die Geschehnisse recht entspannt. Auch nach dem Einstieg von HAL bei Geers bleibe das Unternehmen mit 467 Akustikerfilialen in Deutschland Marktführer. Ein Ende des Wachstums sei nicht abzusehen, sagt Geschäftsführer Alexander Kind, der die Expansion zusammen mit seinem Vater Martin vor- antreibt: „Uns werden jede Woche neue Läden angeboten." Zuletzt wurde das Akquistionstempo ein wenig ge- drosselt, weil viele der Alteigentümer zu hohe Preisvorstellungen hatten.
   In Deutschland prägen noch immer Einzelkämpfer das Bild: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen etwa 4.100 Akus- tiker gegenüber. Kind, HAL/Geers und Amplifon erreichen zusammen nur einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. „Die Filialisierung ist von Ländern wie Frankreich oder Italien noch weit entfernt", sagt Kind. Er rechnet mit einer allmählichen Annäherung. Branchenexperte Hüls schätzt, dass 2009 in Deutschland 775.000 Hörgeräte verkauft wurden, ein Plus von 6 Prozent. Die Umsätze variieren allerdings stark: Manche Optikerfilialen, die Hörgeräte nur als Zusatzgeschäft betreiben, verkaufen drei Stück im Monat - gut gehende Geschäfte der Akustikerketten setzten bis zu 40 ab, heißt es. Kind beziffert seinen Umsatz auf rund 150 Millionen Euro.
   Nicht nur im Vertrieb nimmt die Konzentration zu, aufseiten der Hersteller gibt es ähnliche Bestrebungen. Vor einigen Jahren wollte mit Sonova die Nummer eins den viertgrößten Hersteller, die dänische Resound, übernehmen - scheiterte damit aber am Bundeskartellamt, das damit ein Oligopol entstehen sah. Nun hat Siemens seine Hörgerätesparte zum Verkauf gestellt. HAZ100211JensHeitmann

Hörgerätefirmen fusionieren
   Auf dem europäischen Hörgerätemarkt entsteht ein neuer Handelsriese. Der niederländische Hörgerätehändler Audionova will 75 Prozent von Deutschlands Nummer zwei - der Firma Geers - übernehmen. In Deutschland be- treibt Audionova bisher 130 Fachgeschäfte unter dem Namen Hörgut. Geers hat in Deutschland rund 280 Filialen.
   Die Hörgut-Filialen sollen künftig unter dem Namen Geers Hörakustik firmieren. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Zusammen mit den Geers-Filialen im Ausland wird die neue Gruppe rund 580 Filialen betreiben und auf einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro kommen. HAZ100220dpa

Beim Ohrenarzt ganz Ohr sein       t-gbesserhören-x

Das Hörgerät, nicht aber der Akustiker darf „verordnet“ werden – Gesetz verschärft

   Beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sollten Patienten ganz Ohr sein. Denn spätestens wenn der Arzt nicht nur ein Hör- gerät verordnet, sondern seinen Patienten auch noch zu einem bestimmten Akustiker schickt, müssen die Alarm- glocken schrillen. Sogenannte Kick-Back-Geschäfte, bei denen der Gesundheitshandwerker dem Arzt geldliche oder andere Vorteile gewährt, sind verboten. Im April 2009 wurde dies durch eine Neufassung des Paragrafen 128 so- gar im Sozialgesetzbuch verankert. Doch Experten beobachten intensive Bemühungen, die verschärfte Gesetz- gebung auszuhebeln.
   „Ganze Heerscharen sind derzeit damit beschäftigt, die neuen Bestimmungen zu ihrem Vorteil umzuinterpretie- ren", klagt Peter Brammen, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbszentrale, in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücer Zeitung. Die Wettbewerbszentrale werde aber weiter intensiv an dem Thema arbeiten. „Was sich in Jahrzehnten an Missständen aufgebaut habe, lässt sich wohl nicht schlagartig ändern", meint Brammen.
   Das bestätigt auch Joachim Nowak, Inhaber von Brillen und Hörgeräte Mondorf in Osnabrück. Er kritisiert, dass „es nach wie vor HNO-Ärzte gibt, die ihre Patienten nur zu bestimmten Hörgeräteakustikern schicken, obwohl sie an ihrer Verordnungstätigkeit nichts verdienen dürften".
   Dabei waren es „die Selbstreinigungskräfte in der Branche selbst," die nach Angaben von Brammen die gesetz- liche Neuregelung angeregt hatten, die der Korruption ein Ende setzen soll.
   Zuvor ließen sich offenbar nicht wenige Hals-Nasen-Ohren-Ärzte dafür entlohnen, dass sie Hörgeräteakustikern Kundschaft zuschanzten. Die Summen beliefen sich auf bis zu 400 Euro pro Patient. Etliche Millionen Euro wan- derten auf diese Weise vom Gesundheitshandwerker zum Mediziner.
   „Auch dem Willen, die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen, stand das diametral entgegen", sagt Brammen. Die höheren Kosten spiegelten sich in den Gemeinkosten des Akustikers wider und gingen indirekt zu einem Teil in die Preise ein. „Organisations- und Transferkosten sind nach unserer Einschätzung nicht ohne Einfluss auf die Höhe der Kostenbelastung für die Kassen und damit auch für die Beiträge der Versicherten wie auch der ent- sprechenden Lohnnebenkosten für die Arbeitgeber", betont Brammen. Deshalb sei es außerordentlich wichtig ge- wesen, über den neuen § 128 auch die Kassen mit in die Pflicht zu nehmen. Die Neufassung zielt natürlich auch auf andere Bereich des Gesundheitswesens wie zum Beispiel Orthopäden und Orthopädietechniker.
   Die Pressesprecherin des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (GKV) Claudia Widmaier appellierte an Betroffene, konkrete Verdachtsfälle unbedingt zu melden. Dies könne direkt bei den Kassen geschehen oder auch über den GKV-Spitzenverband, der hierfür ein spezielles Meldeformular auf seiner Homepage zur Verfügung stellt. „Die Kassen gehen jeder Meldung nach und arbeiten hierbei auch mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zusammen", betonte Widmaier. Wenn die Prü- fung ergebe, dass ein Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen mit nicht nur geringer Bedeutung für die GKV besteht, werde auch die Staatsanwaltschaft unterrichtet. Für den Fall schwerwiegender oder wiederholter Verstöße können Leistungs- erbringer für die Dauer von bis zu zwei Jahren von der Versorgung von Versicherten ausgeschlossen werden. Dies gelte auch für Vertragsärzte.
   Der GKV-Spitzenverband begrüße den neuen Paragrafen, so Widmaier weiter. Noch gelte er aber nicht lange genug, um seine Effektivität zu bewerten. „Aktuelle Zahlen und Daten liegen deshalb noch nicht vor", so Widmaier. Der Anreiz zum Betrug ist in der Branche allerdings groß: Denn der Hörgerätemarkt wächst unaufhörlich. Derzeit werden jährlich rund 1,3 Milliarden Euro mit Hörhilfen und verbundenen Dienstleistungen umgesetzt.
NOT091121WaltraudMessmann

Neues Recht
   Der Paragraf 128 zur unzulässigen Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern (zum Beispiel Hörgeräteakus- tiker oder Orthopädietechniker) und Vertragsärzten enthält folgende Bestimmungen:
   Die Abgabe von Hilfsmitteln an Versicherte über Depots bei Vertragsärzten ist unzulässig, soweit sie nicht in Notfällen benötigt werden. Das gilt entsprechend auch für die Abgabe von Hilfsmitteln in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen.
   Leistungserbringer dürfen Vertragsärzte nicht gegen Entgelt oder Gewährung sonstiger wirtschaftlicher Vorteile an der Durchführung der Versorgung mit Hilfsmitteln beteiligen oder solche Zuwendungen im Zusammenhang mit einer Verordnung gewähren. Außerdem ist es ihnen nicht erlaubt, dem Arzt für zusätzliche privatärztliche Leistun- gen, die er im Rahmen der Versorgung mit Hilfsmitteln erbringt, eine Vergütung zu zahlen.
   Im Fall schwerer und wiederholter Verstöße, kann der Leistungserbringer für die Dauer von bis zu zwei Jahren von der Versorgung der Versicherten ausgeschlossen werden. Dies gilt ähnlich auch, wenn Krankenkassen Auffäl- ligkeiten bei Vertragsärzten bekannt werden.
   Sofern Vertragsärzte über die ihnen im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung obliegenden Aufgaben hinaus an der Versorgung mit Hilfsmitteln mitwirken, sind die zusätzlichen Leistungen von den Krankenkassen zu ver- güten. NOZ091121wam

Hilfe für das Innenohr      aur-profThLenarz-x

Wer schlecht oder gar nicht hören kann, fühlt sich leicht ausgeschlossen, weil soziale Kontakte auf Gesprächen basieren. Prof. Thomas Lenarz Foto oben, Direktor im Hörzentrum Hannover, kann Schwerhörigen helfen.

Wie viele Menschen kämpfen in Deutschland mit mangelndem Hörvermögen?
 Nach unseren Informationen sind etwa 15 Millionen Deutsche schwerhörig. Davon leiden etwa drei Millionen unter Mittelohrschwerhörigkeit. Sie haben Probleme mit dem Trommelfell oder den Gehörknöchelchen. Bei zwölf Millionen Deutschen liegt der Defekt tiefer, nämlich im Innenohr, wo die Gehörschnecke mit den Haarzellen sitzt. Weltweit rechnen wir mit einem Anteil der Schwerhörigen von sieben Prozent. Nehmen wir nur die europäische Bevölkerung, beträgt der Anteil 20 Prozent.
Inwieweit wurden die Hörgeräte in den vergangenen Jahren verbessert?
 Sie sind kleiner, intelligenter und komfortabler geworden. Es gibt Hörgeräte in allen möglichen Farben. Neben den kosmetischen Verbesserungen und der Verwendung allergiefreier Materialien liegt der Fortschritt vor allem in der Verkleinerung der Systeme - man kann sie kaum noch sehen, und das ist natürlich der Wunsch vieler Patienten. Gleichzeitig wurden die Geräte auch technisch deutlich verbessert. Mittlerweile können Hörsysteme auch teil- limplantiert werden. Das führt nicht nur zu mehr Akzeptanz auf Seiten der Patienten sondern auch zu einer ver- besserten Hörfähigkeit bei Störschall - wenn etwa Nebengeräusche eine Unterhaltung stören. Die Kassen bezah- len diese Implantate komplett. Konventionelle Hörgeräte werden hingegen mit bis zu 500 Euro bezuschusst.
Haben Sie auch ein Mittel gegen Taubheit?
   Wenn der Hörnerv noch funktioniert und die zentralen Hörareale im Gehirn intakt sind, können wir ein „Cochlea Implantat”, kurz CI, einsetzen. In der Behandlung von Cl-Patienten haben wir an der MHH einen international führenden Ruf. Das CI wird operativ in die Gehörschnecke eingebettet. Anders als Hörgeräte, die den Schall ver- stärken, wandelt das CI ihn in elektrische Reize um, die den Hörnerv stimulieren. Um die Geräusche der Umwelt überhaupt erst einmal aufzunehmen, trägt der Patient außen am Kopf entsprechende Hilfsmittel. Genau wie Hör- geräteträger haben leider auch Cl-Patienten größere Probleme, Sprache im Störschall scharf genug zu verstehen. Das wird anschaulich „Cocktailparty- Effekt” genannt. Eine Möglichkeit zur Lösung des Problems ist die beidseitige Versorgung mit Cochlea Implantaten, das bilaterale CI. Auch bei Hörgeräteträgern wurde die beidseitige Versor- gung umgesetzt.
Was passiert, wenn ein gesunder Mensch zu viel Lärm ausgesetzt ist?
   Das ist nicht zu unterschätzen. Bereits ein vergleichsweise leises Geräusch wie ein Radio im Hintergrund führt zu Konzentrationsstörungen. Ein Lastwagen oder eine Motorsäge mit 80 Dezibel verursachen bei Dauerlärm einen Gehörschaden. Dauerhafter Lärm kann auch allgemein gesundheitsgefährdend sein. Und neben einem Press- lufthammer oder in der Disko bei 100 Dezibel ist die Schmerzgrenze erreicht. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man dort keinen Gehörschutz benutzt. Summieren sich die Lärmattacken, ist eine spätere Schwerhörigkeit wahr- scheinlich.
Was taugen Ihrer Meinung nach Hörtests?
   Prinzipiell bilden die meisten davon das Hören nur in Ruhe ab. Das entspricht aber nicht der Alltagssituation. Wir arbeiten daher an Tests, die auch im Störschall messen können. Das Forschungsprojekt „Audiologie-Initiative Niedersachsen”, eine Kooperation zwischen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universität Oldenburg, hat unter anderem das Ziel, Hörtests detaillierter zu gestalten. HAZ080415JuliaBeatriceFruhner

GLOSSAR
Cochlea:
 Die Cochlea oder auch Gehörschnecke ist ein spiralförmiger Gang im Felsenbein, einem besonders harten Schädel- knochen. Die Cochlea besteht aus drei flüssigkeitsgefüllten Ebenen: der Vorhoftreppe, dem Schneckengang und dem Paukengang. Über die Gehörknöchelchen und das ovale Fenster am Eingang der Cochlea werden Schall- wellen auf den Schneckengang mit den Haarsinneszellen übertragen.
Vestibularorgan:
   Ebenfalls im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan). Sie besteht aus drei flüssigkeits- gefüllten Bogengängen, die Drehungen wahrnehmen. Zwei weitere Strukturen, Sacculus und Utrikulus, erfassen die lineare Beschleunigung des Körpers.

Die perfekte Schallwelle -   aur-Basilarembram-xx

Vom Blätterrauschen bis zur Rockmusik: Unsere Ohren lassen uns aktiv an unserer Umwelt teilhaben.
Foto:
Auf der sogenannten Basilarmembran, dem Boden der Hörschnecke, warten Haarsinneszellen rot auf die nächste Schallwelle. Wichtig ist dabei ganz besonders die Kommunikation mit anderen Menschen.

   Der Weg zum Herzen führt über das Ohr”, besagt ein arabisches Sprichwort. Und für den römischen Redner Cicero (106 bis 43 vor Christus) war Hören gleichbedeutend mit dem Streben nach Wahrheit. Neben den anderen Sinnen liefert uns das Gehör Eindrücke von unserer Umwelt - und durch diese können wir lernen.
   Um die Höreindrücke jedoch verarbeiten zu können, müssen zunächst Schallwellen in elektrische Impulse umge- wandelt werden, mit denen das Gehirn etwas anfangen kann. Ohrmuschel und Gehörgang nehmen den Schall auf. Sie leiten die akustischen Signale an das Mittelohr weiter. Diesen Vorgang bildeten bereits die alten Ägypter ab: Wandmalereien zeigen Frauen, die ihre Hand an die Ohrmuschel halten, um besser zu hören.

aur-gOhr-xxSo ist das Ohr aufgebaut

   Im Mittelohr treffen die Signale auf das Trommelfell, eine durchsichtige Membran, die äußerst stabil und gleich- zeitig hoch sensibel ist. Manche Menschen werden sogar ohnmächtig, wenn man ihr Trommelfell berührt. Die Ner- venfasern auf der mit 0,1 Millimeter hauchdünnen Zellschicht reagieren auf jeden Reiz. Winzige Bindegewebs- fasern sind gegen den Druck ausgerichtet - eine Anordnung, nach der Physiker und Ingenieure Brücken konstru- ieren: Sie garantiert ein Höchstmaß an Stabilität.
 Hinter der Membran liegen in der luftgefüllten Paukenhöhle die Gehörknöchelchen - gemäß ihrem Aussehen heißen sie Hammer, Amboss und Steigbügel. Wie auch das Trommelfell sollen sie die Schalldruckwellen verstärken. Alle gemeinsam schaffen eine bis zu 20-fache Verstärkung, indem das Trommelfell in Schwingung versetzt wird und diese Bewegung auf die Gehörknöchelchen überträgt.
   Der Steigbügel spielt eine wichtige Rolle - auch abgesehen davon, dass er oft in Quizsendungen vorkommt, weil er der kleinste Knochen im menschlichen Körper ist. Darüberhinaus verbindet er das Mittelohr mit der Gehör- schnecke (lateinisch Cochlea) im Innenohr. Seine Fußplatte ist beweglich in ihr „ovales Fenster” eingesetzt und überträgt die Schwingungen des Trommelfells auf die Flüssigkeit in der Schnecke. Zu den Aufgaben des Steig- bügels gehört aber nicht nur die Schallübertragung, er hat auch eine Schutzfunktion: Einer seiner Muskeln spannt sich reflexartig an, wenn hohe Schalldrücke auf das Ohr einwirken. Dadurch versteift sich die Gehörknöchelchen- kette - der Weg ist blockiert.
   Die Cochlea windet sich mit ihren drei flüssigkeitsgefüllten, übereinander liegenden Kanälen wie das Gehäuse einer Schnecke in das Innenohr. Sie ist etwa 33 Millimeter lang. Am Boden des mittleren Kanals recken sich auf der „Basilarmembran” feine Haarzellen in die Höhe. In einem menschlichen Ohr sind etwa 20.000 davon in vier Reihen angeordnet. Trifft nun der Schall vom Mittelohr im Innenohr ein, so erzeugt er dort eine Welle. Man spricht auch von der „Wanderwelle”, weil diese weiter durch das Innenohr wandert.
   Während die Welle durch das Innenohr läuft wird mechanisch auf ausgeklügelte Weise die Frequenz des Geräu- sches analysiert: Weil die Cochlea mit steigendem Abstand vom ovalen Fenster schmaler und die Basilarmembran breiter und fester wird, ändern sich ihre mechanischen Eigenschaften - damit besteht die Möglichkeit, unterschied- liche Frequenzen unterschiedlich wahrzunehmen. Je nachdem, an welcher Stelle der Basilarmembran die Schwin- gung ihr Maximum erreicht, nimmt der Besitzer des Ohrs unterschiedliche Tonhöhen wahr.
   Sehr hohe Töne schwingen in der Nähe des ovalen Fensters der Cochlea maximal aus, tiefere Töne lassen dagegen vor allem ihren oberen Teil am stärksten vibrieren. Für diese Erkenntnisse erhielt Georg von Bekesy 1961 den Nobelpreis. Ein gesunder Mensch kann Frequenzen von 20 bis 18.000 Hertz wahrnehmen. Der Frequenz- umfang nimmt mit dem Alter ab. Besonders tiefe Schallfrequenzen dringen nicht nur durch den Gehörgang ins Innenohr, sondern auch direkt durch den Schädelknochen. Auch beim Sprechen gelangen über diese „Knochen- leitung” die tiefen Anteile der Stimme überproportional stark ans Innenohr. Elektronisch aufgezeichnet klingt die eigene Stimme daher höher und fremd.
   Bevor aber überhaupt ein Höreindruck entstehen kann, müssen die Schwingungen noch von der Cochlea zum Gehirn weitergegeben werden: Die Haarzellen auf der Basilarmembran werden in innere und äußere Haarzellen unterschieden. Während die äußeren Haarzellen als akustische Vorfilter dienen, übersetzen die inneren Haarzellen die Vibration in Nervenimpulse. Sie leiten die Reizinformationen an etwa 20 Nervenzellen weiter. Deren Fortsätze bilden den Hörnerv, der wiederum ins Gehirn führt. Dort laufen die Fasern über eine Reihe komplexer Umschalt- stationen zur Hörrinde. Erst dort nehmen wir Töne bewusst wahr. Die Hörrinde analysiert auch Klangmischungen - vor allem die Sprache.
   Logisch ist, dass die Fähigkeit zu Hören auch Voraussetzung für die Entwicklung von Sprache ist. Die ent- sprechenden Gehirnzellen sind bei Säuglingen angelegt. „Nur die Verknüpfungen müssen sich noch bilden”, er- läutert Prof. Thomas Lenarz, Leiter der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sprache, Geräu- sche oder Musik bahnen sich also selbst ihren Weg ins Gehirn. Schon Ungeborene hören die Atemgeräusche und Herzschläge ihrer Mutter - wenn ihr Gehör in Ordnung ist. „Ärzte sind in der Lage, bereits am vierten Tag nach der Geburt festzustellen, ob das Gehör des Babys gestört ist”, sagt Lenarz. „Um fatale Folgen zu vermeiden, sollte frühestmöglich ein Neugeborenen-Screening veranlasst werden.” Wenn etwa die Hörschnecke nicht richtig funktioniert, können Ärzte sie mit Implantaten ersetzen - und die Hörbahn, der Weg vom Innenohr zur Hörrinde, reift wie vorgesehen. Doch nach sechs bis acht Jahren können selbst Spezialisten tauben Kindern nicht mehr helfen: Ihr Hörnerv ist verkümmert.  HAZ080415JuliaBeatriceFruhner

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„Jetzt kann ich die Lehrer besser verstehen”. Mit einem System aus mehreren Hörhilfen gaben MHH- Experten einer tauben Schülerin das Gehör zurück. Funktioniert noch alles?  Prof. Thomas Lenarz untersucht Claire Alfes.

   Die elfjährige Claire Alf es aus Leverkusen und ihre Schwester Helen haben ein Ritual: Jeden Abend, bevor sie schlafen gehen, schalten sie ein Hörspiel ein und lauschen den Geschichten.  Das klappt jedoch erst seit einem Jahr, denn Claire ist schwerhörig - so sehr, dass es fast an Taubheit grenzt. Nach vielen Arztbesuchen und einer Operation kann sie seit dem vergangenen Mai endlich gut hören - sogar, wenn am Essenstisch alle durcheinander reden oder ein lautes Nebengeräusch sie irritiert.
   Als Claire ein Jahr alt war, teilten die Ärzte ihrer Mutter Angelika Alfes mit, dass ihr Baby extrem wenig hören kann. Ob Probleme während der Geburt die Ursache dafür waren, können die Mediziner bis heute nicht mit Be- stimmtheit sagen. Trotzdem hat Claire Glück gehabt: Obwohl ihre Hörfähigkeit kaum ausgebildet ist, hat sie sehr gut Sprechen gelernt. Das lag auch an ihrer Zwillingsschwester. Beide Mädchen sehen sich so ähnlich, dass sogar ihre Mutter sie oft nur anhand von Claires Hörhilfe unterscheiden kann. „Helen hat Claire den ganzen Tag lang etwas zu erzählen. Da blieb ihr gar nichts anderes übrig als mitzuplappern”, sagt die Mutter. Claire sieht sie an und lächelt. Dabei sind ihre Grübchen deutlich zu sehen. „Ich muss mich noch bei Helen bedanken”, sagt sie ernsthaft.
   Claires Cochlea Implantats (CI) ist durch die langen Haare zu sehen, die Surrey das dunkelblonde Mädchen oft zu einem Zopf zusammenfasst. Außen am Kopf sitzt die Sendespule des CIs, die mit einem Magneten über dem innen im Schädel eingepflanzten Implantat befestigt ist. Die akustische Information, die Claire nicht selbst hören kann, wird von einem hörgeräteähnlichen Mikrofon am Ohr aufgezeichnet und über die Sendespule an das eigent- liche CI weitergegeben. Dieses wandelt die Informationen in elektrische Signale um und leitet diese an eine in der Gehörschnecke liegende Elektrode weiter, die damit direkt den Hörnerv stimuliert.
   Die Ärzte im Hörzentrum Hannover (HZH) empfahlen Claire das CI Anfang 2007. Für das Team um Direktor Prof. Thomas Lenarz und Oberärztin Anke Lesinski-Schiedat war die junge Patientin ein spezieller Fall. Sie halfen ihrem Hörvermögen daher mit einer komplizierten Zusammenstellung von medizinischen Hilfen wieder auf die Sprünge: In jedem Ohr sitzt ein Hörgerät, das die tiefen Frequenzen für Claire verstärkt. Ein Cochlea Implantat fügt die hohen Töne hinzu und leitet diese in Richtung Hörnerv weiter.
   Claires Modell wird „Hybrid” genannt und funktioniert etwas anders als ein herkömmliches CI: „Die Elektrode, die in die Hörschnecke hineinragt, ist kürzer”, erläutert Mark Schüßler, Hybrid-Spezialist im Hörzentrum Hannover. Somit wirkt das CI nur in dem Bereich der Gehörschnecke, der für die hohen Frequenzen eines Geräusches zu- ständig ist.
   Bis Claires Hörvermögen nach dem Befund in ihrem ersten Lebensjahr mit diesem ausgeklügelten System opti- miert werden konnte, vergingen allerdings rund zehn Jahre. „Zuerst wurden wir von Ärzten in Köln und Essen betreut”, erzählt Angelika Alfes. Wenn die alleinerziehende Mutter beschreibt, wie viel Mühe es gekostet hat, bis die Krankenkassen bessere Hörgeräte für Claire bewilligten, wird sie heute noch ärgerlich. Als dann das Thema Cochlea Implantat auf den Tisch kam, hatte sie schlaflose Nächte: „Es setzt eben eine Operation voraus, und ich traf diese Entscheidung ja nicht für mich, sondern für Claire.”
   Mittlerweile haben die Ärzte das CI ihrer Tochter perfekt angepasst, und die Elfjährige ist zufrieden. Sie kann das Implantat außer im Schwimmbad fast überall tragen, selbst auf dem Sportplatz, wo sie in einem Mädchenverein Fußball spielt. „In der Schule kann ich die Lehrer jetzt viel besser verstehen”, sagt sie. Aber manchmal braucht die Elfjährige auch ihre Ruhe, um sich besser konzentrieren zu können. Dann nimmt sie ihre Hörhilfen einfach ab. HAZ080415JuliaBeatriceFruhner

Projekt von MHH und Uni Hannover: „Maßanzug” fürs Innenohr

   Stark Schwerhörigen wollen Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Leibniz Universität mit innovativen Implantaten helfen: Sie entwickeln neuartige Elektroden, die sich passgenau und weit in die Windungen der Hörschnecke (Cochlea) lenken lassen - bislang besteht dabei die Gefahr, noch aktive Hörzellen zu schädigen.
    Damit sich die Implantate exakt anpassen, setzen die Forscher auf sogenanntes Memory-Metall, das sich die Form der Cochlea „merkt". Das Bundeswissenschaftsministerium fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit 300.000 Euro.
   Cochlea-Implantate, die über Elektroden den Hörnerv stimulieren, sind eine etablierte Methode, um das Hörvermögen von Schwerhörigen und Ertaubten zu verbessern oder wiederherzustellen. „Das Problem ist aber, die Elektroden so exakt einzuführen, dass sie die optimale Position einnehmen”, sagt MHH-Professor Thomas Lenarz. Er, sein Kollege Omid Majdani und der Uni-Ingenieur Prof. Bodo Heimann haben die neue Technik entwickelt. Ist die Form der Hörschnecke eines Patienten bekannt, kann die Elektrode wie ein Maßanzug an- gepasst werden: Wird sie ins Innenohr geschoben, reagiert das Memory-Metall auf die Körperwärme und nimmt die zuvor gespeicherte Form an. So lassen sich die Elektroden nicht nur schonender einführen - durch die genauere Lage soll auch der Höreindruck deutlich verbessert werden.     HAZjk071019

Hörzentrum Hannover mit neuem Namen

   Das Hörzentrum Hannover der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) heißt künftig Deutsches Hörzentrum Hannover (DHZ). „Damit wollen wir im Namen zeigen, dass wir weit über die Grenzen Hannovers und Niedersach- sens hinaus tätig sind", erklärte Prof. Thomas Lenarz, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und des DHZ. Etwa zwei Drittel der mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgten Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit fast 6.000 Operationen seit 1984 ist die HNO-Klinik mit dem DHZ weltweit das größte CI-Zentrum. Patienten mit Hörstorungen oder Gehörlosigkeit, darunter viele Kleinkinder, werden von einem interdisziplinären Team betreut.
HAZ110909vt

ProfThomasLenarz-1x

Prof. Thomas Lenarz ist zufrieden mit der Nachuntersuchung von Elisabeth Hänig.
Sie braucht jetzt keine Zettel mehr zu schreiben. Rückkehr in die Welt der Töne

 Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen. MHH-Forschern ist es gelungen, tauben Patienten mit einem speziell entwickelten Mittelhirnimplantat ihr Gehör wieder zurückzugeben.
   Mit Bartträgern hat Elisabeth Hänig ein Problem. „Da kann ich die Lippen nicht sehen”, erklärt sie. Auch bei un- bekannten Stimmen fällt es der 43-Jährigen schwer, die Bedeutung des Gesprochenen zu erfassen. „Ich habe drei, vier Leute, mit denen kann ich ganz normal reden”, sagt sie. „Alles andere braucht seine Zeit.” Dass Elisabeth Hä- nig überhaupt wieder hören und Sprache verstehen kann, ist eine medizinische Sensation. In der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sie im Oktober 2006 als eine der Ersten das von Prof. Thomas Lenarz und seinem Team entwickelte, weltweit einmalige Mittelhirnimplantat (AMI) erhalten. „Vorher war diese Frau sechs Jahre lang komplett taub”, erklärt die Ärztin Minoo Lenarz.
  Elisabeth Hänigs Leiden betrifft in Deutschland eines von 40.000 Neugeborenen. Neurofibromatose Typ II ist eine angeborene Tumorerkrankung, die mit zahlreichen gutartigen, aber stetig wachsenden Geschwulsten das Gehirn und das Rückenmark befällt. „Gerade bei Kindern versucht man, die Tumoren zu operieren, solange diese noch klein sind und keine empfindlichen Strukturen wie den Hörnerv schädigen, aber sie wachsen immer wieder nach”, sagt Minoo Lenarz. Damit die Patienten nicht zu häufig operiert werden müssen, warten die Ärzte auf der anderen Seite gern so lange wie möglich mit dem Eingriff. Bei Elisabeth Hänig haben große Tumoren im Laufe der Zeit beide Seiten des Hörnervs zerstört, bis sie vor sechs Jahren vollständig ertaubte. „Der passende Vergleich ist wohl eine Käseglocke”, sagt die 43-Jährige mit dem für sie typischen Humor.  Mehrere  Versuche, ein  Hirnstammimplantat(ABI) einzusetzen, schlugen fehl. So konnte sich die Patientin nur noch mit Zetteln verständigen.

Hannoveraner Mediziner stellten neues Hörgerät vor
Ein Implantat kostet 15.000 Euro - 13 Patienten nahmen an der Studie teil

   Hoffnung für die rund 500.000 Deutschen, die unter einer kombinierten Schwerhörigkeit im Mittel- und Innenohr leiden: An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben bei einer Studie 13 Menschen erfolgreich ein weltweit einzigartiges Hörgerät als Implantat erhalten. „Das ist ein Meilenstein in der Hörsystemversorgung", sagte Professor Thomas Lenarz, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der MHH.
   Bisher konnte den Betroffenen nur unzureichend durch konventionelle Hörgeräte oder Implantate zur elektroni- schen Stimulierung der Hörnerven geholfen werden. Die Neuentwicklung DACS (Direct Acoustic Cochlear Simulator) ist nun ein nicht einmal stecknadelgroßer Lautsprecher, der in die Flüssigkeit des Innenohres eingesetzt wird. Das allerdings muss, wie Lenarz erläuterte, auf zwei Zehntel Millimeter genau geschehen: „Das Implantat überbrückt das Mittelohr und stimuliert rein mechanisch das Innenohr."
  Jürgen Hofmann, ein Teilnehmer der Studie, berichtete, dass er wenige Wochen nach der Operation und unmittel- bar nach Einschalten des Implantats wieder besser hören konnte: „Es war frustrierend, dass mir jahrelang keiner helfen konnte." Der 49-Jährige kann jetzt nach eigenen Angaben wieder als freier Handels- vertreter arbeiten.
   Professor Thomas Lenarz sagte, er rechne in der Zukunft mit Kosten von 15.000 Euro je Implantat. Die Kosten würden, so der Mediziner, von den Kassen übernommen. HA110505fert

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Operation eröffnet neue Hörwelten-Hörspezialisten der MHH stellen neuartige Mittelohrprothese vor

Foto: Prof. Thomas Lenarz erklärt das Mittelohrimplantat anhand einer Grafik: Der zylinderförmige Aktuator wird fest im Knochen verankert. Dieses Gerät wandelt die Schallwellen in mechanische Bewegung um, die über den zierlichen künstlichen Steigbügelknochen an die Hörschnecke des Innenohrs weitergegeben wird.

  Jürgen Hofmann hat Glück gehabt. Er ist einer der ersten 13 Patienten in Deutschland, die in der Hals-Nasen- Ohren-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein neuartiges Mittelohrimplantat bekommen hat. Klinikchef Prof. Thomas Lenarz hatte dem stark schwerhörigen 49-Jährigen aus Nordhorn im Rahmen einer Studie mit zwei weiteren Hörzentren das mit der Firma Cochlea entwickelte DACS-Gerät (Direct Acoustic Cochlear Simu- lator) eingesetzt, das Schallleitungsstörungen im Mittelohr überbrücken kann. Heute stellt er die Methode beim Cochlea-Implantat-Kongress im International Neuroscience Institute Hannnover (INI) seinen Fachkollegen vor.
   Stark schwerhörige Patienten wie Hofmann fielen bislang durch jedes Raster. Sein Hörgerät reichte nicht mehr aus, um den eingehenden Schall zu verstärken, dennoch hatte er auf seinem rechten Ohr noch so viel Restgehör, dass die Ärzte eine Innenohrprothese, das sogenannte Cochlea Implantat (CI), nicht ohne weiteres empfehlen konnten. Denn mit dem CI können die Schwerhörigen zwar wieder Töne wahrnehmen - doch ist das Hörerlebnis ganz anders als beim natürlichen Hören. Auch Hofmann, der im linken Ohr bereits seit vielen Jahren ein CI hat, hatte Probleme mit dem eher künstlichen Klang. „Musik und den Fernseher konnte ich mit dem CI fast gar nicht hören", sagt er.
   Als Ingenieur Hamidreza Mojallal vom Hörzentrum Hannover vier Wochen nach der Operation das erste Mal das DACS-Gerät aktivierte, war Hofmann dagegen begeistert. „Sobald ich das dran hatte, war ich völlig baff", erinnert er sich. „Ich konnte mich sofort mit Herrn Mojallal unterhalten." Auch bei den weiteren Studienteilnehmern war die Operation erfolgreich. „Wir konnten die Methode verfeinern und die Zeit für den Eingriff von sechs auf zwei Stun- den verkürzen", sagt Lenarz.
  Wichtige Voraussetzung für den Einsatz des neuen Gerätes sei ein Resthörvermögen, betont der Leiter der HNO- Klinik. „Wenn das nicht mehr vorhanden ist, nützt auch das System nichts", sagt er. Zudem müssten die Patienten das Risiko in Kauf nehmen, dass sie ganz ertauben könnten, wenn die Operation misslingt.
   Für die Mediziner ist das Einbringen des Implantats eine große Herausforderung. Das DACS besteht aus einem sogenannten Aktuator, einem Gerät, dass die Schallwellen aufnimmt und die Schwingungen direkt an das Innen- ohr weiterleitet. „Das Implantat überbrückt das Mittelohr und stimuliert rein mechanisch das Innenohr über eine sogenannte Stapesprothese", erklärt DACS-Experte Mojallal. Der Stapes, zu deutsch Steigbügel, ist ein winziger Knochen von der Form eines Steigbügels, der mit seiner Fußplatte auf dem ovalen Fenster zum Innenohr sitzt. Durch den eingehenden Schall wird er im gesunden Ohr in Schwingungen versetzt und leitet diese in das flüssig- keitsgefüllte Innenohr weiter.
   Im DACS-Implantat verstärkt der künstliche Stapes die Wirkung des natürlichen Gehörknochens. Die Steigbügel- prothese wird in die Fussplatte des Knochens eingefügt und über einen elektro-mechanischen Wandler von den Schallwellen bewegt. Bei der unter dem Mikroskop durchgeführten Operation schaffen die Chirurgen einen Hoh- lraum im umliegenden Knochen, wo die DACS- Prothese mit einem speziellen Befestigungssystem fixiert wird. Dann muss der künstliche Steigbügelknochen exakt eingestellt werden. „Dabei ist es wichtig, dass die Prothese sich nur so viel Richtung Innenohr bewegen kann wie erwünscht", erklärt Lenarz. „Die Toleranz beträgt lediglich zwei bis drei Zehntel eines Millimeters."
   Von außen sieht das DACS-System dann ebenso aus wie ein herkömmliches CI. Wie bei diesem ist der externe Audioprozessor über einen Magneten am Kopf befestigt und mit einem Hörgerät im Ohr verbunden. Der Preis für die Neuentwicklung wird laut Lenarz im klinischen Einsatz etwas günstiger sein als beim rund 20.000 Euro teuren CI. Von den Krankenkassen werde die Versorgung ebenso wie ein implantierbares Hörgerät übernommen, erklärt der Direktor der HNO-Klinik.
   Auch die nächste Entwicklung hat der Hörspezialist bereits im Blick: „Wir wollen CI und DACS gemeinsam als Hybridgerät einbauen", sagt er. Damit wollen Lenarz und seine Kollegen das Hörspektrum noch besser abdecken: Die hohen Frequenzen werden mit einem CI besser gehört, die tiefen mit dem DACS. Zudem kann bei einem weiteren Rückgang des Hörvermögens im Mittelohr ohne eine erneute Operation auf das CI zurückgegriffen werden. Einen ebenfalls mit der Firma Cochlea zusammen entwickelten Prototypen des HybridImplantates gibt es bereits. Trotzdem seien aber noch einige Jahre Entwicklungsarbeit nötig, sagt MHH-Experte Lennarz.
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Sitz des Mittelhirnimplantats AMI gegenüber Hirnstamm-ABI und Cochlea-Implantat (CI).

  „Wenn jemand schwerhörig wird oder ertaubt, gibt es entlang der Hörbahn verschiedene Stationen, an denen wir eingreifen können”, erklärt Minoo Lenarz. „Je früher auf dem Weg das geschieht, desto natürlicher ist der Höreindruck, weil die Tonsignale an jeder Station weiterverarbeitet werden.” So kann ein Schwerhöriger mit einem Hörgerät wieder natürliche Geräusche wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen wahrnehmen.
   Auch mit einer in die Hörschnecke des Innenohrs implantierten Elektrode, dem Cochlea Implantat, können ertaubte Patienten mit intaktem Hörnerv wieder alle Geräusche wahrnehmen - allerdings in einer anderen Form. „Das muss man in den ersten drei Monaten erst lernen”, sagt die Ärztin. Ganz anders ist das Ergebnis, wenn die Elektrode direkt in den Hirnstamm eingebracht wird. „Die Patienten hören anfangs nur den Ton der Sprache und unterschiedliche Geräusche, die sie im Laufe der Zeit zuzuordnen lernen.” Ohne das Lippenlesen erschließt sich ihnen die Sprache jedoch meist nicht.
  „Uns ist aufgefallen, dass Patienten, deren Hörnerv aufgrund eines Neurofibromatosetumors geschädigt ist, sehr viel schlechtere Ergebnisse mit dem Hirnstammimplantat haben als etwa Unfallopfer, die ihr Hörvermögen durch eine Verletzung des Nervs eingebüßt haben”, berichtet Minoo Lenarz. Die Schlussfolgerung des MHH-Teams klingt logisch: Offensichtlich hatten die Tumoren auch den sogenannten Hörnervkern geschädigt, der durch das Hirn- stammimplantat stimuliert wird. Deswegen suchten die Forscher nach einer Alternative - und fanden sie im Mittelhirn.
   Aus der Idee entstand im Laufe von vier Jahren eine wissenschaftlich abgesicherte Methode. In Tierversuchen wurden Funktion und Verträglichkeit des auf der Basis eines Cochlea-Implantats entwickelten Elektrodenprototyps getestet. Gemeinsam mit dem Neurochirurgen Prof. Madjid Samii entwickelte das MHH-Team sogar eine chirurgi- sche Methode, um Tumorentfernung und Mittelhirnimplantat in einer Operation durchführen zu können. „Das ist doch toll, dass so etwas wie dieses Implantat möglich ist”, betont Prof. Lenarz heute. Der HNO-Spezialist arbeitet seit Jahren daran, tauben und schwerhörigen Patienten ihr Gehör zurückzuge- ben. „Die Motivation ist, es immer besser machen zu können”, sagt er.
   Zu den letzten Schritten, die nötig sind, um das in der MHH entwickelte Mittelhirnimplantat anwendungsreif zu machen, gehört die aktuelle klinische Studie mit insgesamt fünf Patienten - darunter Elisabeth Hänig -, mit der die optimale Platzierung der Elektrode untersucht wird. „Die bisher operierten vier Patienten sind alle wohlauf und können mithilfe der Implantate Umweltgeräusche hören und auf Basis des Lippenlesens besser Sprache ver- stehen”, sagt Minoo Lenarz.
   Elisabeth Hänig ist durch die Operation zur Vorzeigepatientin geworden. Bei ihr sitzt die winzige, zungenförmige Elektrode mit den 20 Kontakten am günstigsten im sogenannten Colliculus inferior, einer aus mehreren Schichten aufgebauten Mittelhirnstruktur, die durch die Impulse stimuliert wird und den Höreindruck dann an das Hörzentrum in der Gehirnrinde weiterleitet. Die Ärzte hoffen daher, dass ihr Sprachverständnis im Laufe der Zeit noch wächst.
   „Bis die Methode breit angewandt werden kann, wird es aber noch etwa ein Jahr dauern”, sagt Minoo Lenarz. Parallel testen sie und ihre Kollegen im Tierversuch auch eine mehrarmige Elektrode, die möglicherweise noch bessere Ergebnisse bringen könnte.
Das Hörzentrum
   Kontakt zur Arbeitsgruppe von Prof. Thomas Lenarz ist über das Hörzentrum Hannover (HZH) möglich. Das im Mai 2003 eröffnete Zentrum bietet Hörgeschädigten aller Altersgruppen Beratung, medizinische Untersuchungen, die Anpassung von Cochlea-Implantaten und die Versorgung mit Hörgeräten. Das Hörzentrum ist unter Telefon 0511 532 66 03 oder im Internet unter: www.hoerzentrum-hannover.de  zu erreichen. HAZNicolaZellmer071205

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Foto links:  Prof.Thomas Grundmann, Chefarzt der HNO-Abteilung der Asklepios-Klinik Altona, zeigt das Gerät, das hinter dem Ohr unter die Kopfhaut eingesetzt wird. Foto rechts: Nach dem Eingriff: Christiane Harms (42) hatte immer Probleme mit den Hörgeräten. Jetzt hofft sie auf Besserung, wenn das implantierte Gerät erst optimal eingeschaltet ist. „Ein bisschen besser wäre schon toll”, sagt sie.

Die ersten Testpatienten in Hamburger Kliniken: Das implantierte Hörgerät.
Das Gerät aus Titan hilft bei hochgradiger Schwerhörigkeit. Erfahrungen aus dem UKE und dem AK Altona.

  Die Hoffnung vieler Schwerhöriger ist ein Hörgerät aus Titan, 75 Millimeter lang, 25 Millimeter breit und fünf Milli- meter hoch. Es wird hinter dem Ohr unter die Kopfhaut gesetzt. Unsichtbar und unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Staub erlaubt es seinen Trägern, ein absolut normales Leben zu führen. Sport treiben, schwimmen und duschen - was mit herkömmlichen Hörgeräten bisher tabu war, stellt jetzt kein Problem mehr dar. Weitere Vorteile: Nebenwirkungen wie Rückkopplung, qualitativ schlechter Klang oder Geräuschempfindlichkeit kommen bei diesem System kaum vor. Außerdem ist es das erste Vollimplantat, das die Gehörkette nicht unterbricht - so wird das Resthörvermögen der Patienten erhalten.
   Das Hörgerät „Carina” der amerikanischen Firma Otologics besteht aus einer flachen Elektronikkapsel, einem centstückgroßen Mikrofon und einem Transducer, den so genannten Wandler. Die Elektronikkapsel wird samt Mikro unter die Haut implantiert. Sie enthält einen Magneten, einen Schallprozessor und einen Anschluss für den Trans- ducer. Der Schall wird von dem Mikrofon erfasst, verarbeitet und an den Transducer übertragen. Dessen Motor treibt eine Spitze an, die ihrerseits den Amboss berührt. Diese Bewegung führt zu einer Vibration der Gehör- knöchelchen im Mittelohr. Danach wird der Schall bei den Patienten genauso verarbeitet wie bei Menschen mit normalem Gehör.
   Ein Audiologe programmiert das Implantat und stellt es auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten ein. Der Akku des Hörgerätes wird abends ungefähr eine Stunde lang mit einem Ladesystem aufgeladen, das über dem Implantat auf die Kopfhaut gelegt und mit einem Stirnband gehalten wird.
   Im Rahmen einer Zulassungsstudie am UKE wurde das Implantat erfolgreich getestet und acht Testpatienten eingesetzt - wie bei allen Operationen am Ohr zunächst auf einer Seite. Werner Benthien (73), einer der Studien- patienten, sagt: „Ich bin so zufrieden mit dem Resultat, dass ich mir demnächst ein zweites Implantat einsetzen lassen will - vorausgesetzt, die Krankenkasse ist einverstanden.” Denn das Gerät, das nach seiner Zulassung im Jahr 2006 nun auch regulär erhältlich ist, kostet rund 15.000 Euro.
 „Bei Erkrankungen, die das Tragen eines konventionellen Hörgerätes verhindern, können die Kosten von den Kas- sen übernommen werden”, sagt Hannes Maier, der die UKE-Studie als Physiker begleitet hat. „Dazu gehören re- zidivierende Gehörgangsentzündungen und Neurodermitis, aber auch besonders kombinierte Schwerhörigkeiten, bei denen das Überbrücken des Mittelohres Sinn hat.” Professor Thomas Grundmann, Chefarzt der HNO-Abteilung der Asklepios-Klinik Altona, hat das am UKE erprobte Verfahren aufgegriffen. Ebenso wie seine Kollegen an der Universitätsklinik hat er das Gerät bislang drei Patienten eingesetzt.
   Eine von ihnen ist Christiane Harms (42), die im Alter von 15 Jahren schwerhörig wurde. Ein Hörgerät unter ihren dichten, dunklen Haaren verborgen, versuchte die damals 15-Jährige erst mal, ihr Handicap zu ignorieren. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, musste ihren Beruf aber nach ein paar Jahren aufgeben. „Es hatte keinen Zweck mehr, mir weiterhin etwas vorzumachen. Gerade im Dienstleistungsbereich ist gutes Hören enorm wichtig”, sagt die Mutter von drei Kindern, die heute als Personalleiterin in einer Seniorenresidenz in Hamburg an der Elbchaussee arbeitet. Nachdem sich ihr Hörvermögen weiter verschlechterte und sie immer häufiger Probleme mit ihren Hörgeräten hatte, entschied sich für eine Implantation. Jetzt muss das Gerät noch optimal eingestellt werden. Christiane Harms sieht zuversichtlich in die Zukunft. „Ich glaube nicht, dass ich wie ein junger Gott hören werde. Aber ein bisschen besser wäre auch schon toll.”
   Auch Veronika Peters (38, Name geändert) ließ sich das Gerät implantieren. Im Alter von 25 Jahren war sie inner- halb von nur drei Monaten hochgradig schwerhörig geworden, ohne dass ein Arzt ihr die Ursache dafür nennen konnte.„Für meine Berufstätigkeit ist mein Handicap fatal”, sagt die Architektin. „Ich bin immer darauf angewiesen, dass meine Gesprächspartner so langsam und deutlich sprechen, dass ich von ihren Lippen ablesen kann.” Zu- sätzlich zu einer Innenohrschwerhörigkeit leidet Veronika Peters an einer rechtsseitigen schweren Mittelohr- schwerhörigkeit, die die Übertragung des Schalls aufs Mittelohr verhindert. „Um die Schallübertragung zu er- möglichen, habe ich einen Titan-Stößel am Transducer angebracht, der den Schall direkt auf das sogenannte runde Fenster hinter den Gehörknöchelchen überträgt”, sagt Grundmann. Nicht zuletzt aus beruflichen Gründen hofft Veronika Peters, dass sich ihr Hörvermögen durch das Implantat verbessert. „Weil meine Ausgangssituation schwierig ist, versuche ich aber, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben.”
   Doch ihre Chancen stehen gut. „Im Laufe der Studie hat sich herausgestellt, dass ,Carina’ ideal ist für schwer- hörige Patienten mit einem zusätzlichen Mittelohrschaden”, sagt Maier. Auch für Menschen, die durch einen ange- borenen Defekt oder nach einer Tumorerkrankung keinen Gehörgang mehr haben, sei das Implantat eine gute Lösung, da es Mittelohr und Gehörknöchelchen ersetzen und gleichzeitig eine Innenohrschwerhörigkeit ausgleichen kann. „Das ist eine neue Anwendung für Patienten, für die es vorher keine gute Alternative gab”, so Maier. Generell kommt das Gerät für Patienten mit einem Indikationsbereich von 20 bis 80 Dezibel (dB) Hörverlust in Frage, die besten Erfahrungen wurden bei Menschen mit einem Hörverlust von mehr als 50 dB gemacht.
Foto unten: Ein Wunderwerk, das Innere des menschlichen Ohrs, hier ein Modell. Das neue Hörgerät löst eine Vibration der Gehörknöchelchen im Mittelohr aus.  HAFriederikeUlrich071128

HörgeräteImplant-3xx Hormone können Gehör schädigen

   Eine gängige Form der Hormonersatztherapie schädigt das Gehör. Nehmen Frauen gegen ihre Wechseljahre- beschwerden das Hormon Progesteron ein, so hören sie laut einer Studie um zehn bis 30 Prozent schlechter als andere Frauen gleichen Alters. Gerade Frauen mit ohnehin schon schlechtem Gehör sollten sich daher die Ent- scheidung zu einer solchen Ersatztherapie gut überlegen, empfiehlt Studienleiter Robert Frisina von der amerikani- schen Universität Rochester.
   In der bislang umfangreichsten Forschungsarbeit zu diesem Thema hatten die Wissenschaftler 124 ältere Frauen untersucht, die im Rahmen einer Hormontherapie entweder nur Östrogen einnahmen, Östrogen zusammen mit dem synthetischen Progesteron Progestin verwendeten oder aber keine Hormone bekamen.
  Dabei ergaben verschiedene Tests, dass die Einnahme von Progestin mit einem deutlich schlechteren Gehör ein- herging. Probleme traten laut einem Bericht der „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)” sowohl im Innenohr auf als auch in Hirnarealen, die für das Hören zuständig waren. Frisina rät Frauen, die sich dieser Form der Ersatztherapie unterziehen, ihr Gehör alle sechs Monate testen zu lassen.  apHAZ060919

Hörgerät frühzeitig einsetzen

   Wer bemerkt, dass sein Gehör nachlässt, sollte möglichst früh den Einsatz eines Hörgerätes in Betracht ziehen. Je früher das schlechte Hören behandelt wird, um so besser und schneller gewöhnt sich das Gehirn an die Technik. Wie der „Senioren Ratgeber” berichtet, belastet Schwerhörigkeit das Gehirn. US-Forscher fanden heraus, dass es zu Lasten des Gedächtnisses mit der Verarbeitung akustischer Eindrücke überstrapaziert wird. wbvHA060825

Stiftung Warentest empfiehlt Hörprüfungen

  Die ersten Anzeichen für einen Hörverlust werden meist nicht beachtet oder verdrängt. Sie ernst zu nehmen und möglichst schnell überprüfen zu lassen, ist laut Stiftung Warentest aber besonders wichtig. Denn wenn der Hör- verlust noch nicht zu weit fortgeschritten ist, fällt eine erfolgreiche Behandlung meist wesentlich leichter. HA061024

Wenn es im Öhr ständig klingelt     aur-Tinnitus   Tinnitus

   Mit unseren Hörorganen ist es doch etwas anders als mit der Haut: Sie erschlaffen nicht im Laufe der Jahre. Auch verändern sie sich nicht wie Haare, die ergrauen, Zähne, die ersetzt werden müssen, oder Augen, die nachlassen. Es liegt an jedem Menschen selbst, sein von Geburt an feines Gehör zu erhalten.  Gelingt das, bleibt es bis ins hohe Alter gut. Bei jeder Lärmattacke allerdings liegen die feinen Haarzellen in der Gehörschnecke erst einmal am Boden. Wer nach einem lauten Abend ein Klingeln oder Pfeifen im Ohr hört oder ein dumpfes Gefühl verspürt, sollte daher dringend eine Lärmpause einlegen: Er hat ein „akutes Lärmtrauma”. Sind die Ohren Tinnitus-Retrai- ning hilft des Patienten gegen Ohrgeräusche, gesund, ist der Spuk meist am nächsten Morgen wieder vorbei. Aber das Gehör hat ein gutes Gedächtnis, und aus akuten Problemen können mit der Zeit chronische werden.
   Eines davon ist ein ständiges Ohrgeräusch, der sogenannte Tinnitus. Der lateinische Begriff „Tinnitus aurium” heißt übersetzt „das Klingeln der Ohren”. Der akustische Eindruck kann aber auch einem Brummen, Zischen, Rau- schen, Knacken oder Klopfen entsprechen. Etwa sieben Millionen Deutsche sind dauerhaft von Tinnitus betroffen, knapp 40 Prozent stellen zu mindest einmal im Leben ein derartiges Ohrgeräusch fest.
   Häufig wird der Fehler begangen, dieses als eigene Krankheit zu betrachten. Tatsächlich ist Tinnitus aber oft ein Symptom einer anderen Krankheit und damit ein Warnsignal des Körpers. Mediziner zählen Störungen der Schall- übertragung bis hin zu Stress zu den möglichen Ursachen. Ob Stress wirklich der Auslöser ist, bleibt allerdings umstritten. Sicher ist, dass ein Tinnitus umgekehrt für Stress sorgt: Die ständige Geräuschkulisse quält manche Betroffene Tag und Nacht. „Die Therapie ist schwierig, weil es keine Messmethoden gibt, um Ohrgeräusche nach- zuweisen”, sagt Prof. Thomas Lenarz, Leiter des Hörzentrums Hannover.
  Weder die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung noch die von intravenös gegebenen Lokal- anästhetika ist bislang bewiesen. Die besten Ergebnisse erzielen die Mediziner mit einem sogenannten Re- training oder Biofeedback. Dabei helfen Geräusche und Licht den Patienten dabei, den Tinnitus zu ignorieren. Und für bislang Gesunde gilt: Vorbeugen durch Lärmverzicht. HAZjbf080415

Hilfe bei Tinnitus

  Hämmern, Brummen oder Pfeifen - der Tinnitus hat viele Formen. Wenn die Geräusche im Ohr nicht aufhören wollen, bedeutet das für den Betroffenen eine ständig wachsende, psychische Belastung. Dauerhafte Hilfe kann dann nur noch der HNO-Facharzt bieten. HA061024

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Gegen Trinnitus helfen nur wenige Behandlungen.
Die Betroffenen können jedoch lernen, die Geräusche im Kopf zu ignorieren.

   Schluss mit dem Dauerkrach. Kein schrilles Pfeifen, helles Rauschen oder dumpfes Brummen mehr, einfach nur: Stille. Nichts wünschen sich Tinnitus-Patienten sehnlicher. Denn ihr Ohrgeräusch ist immer da, bei der Arbeit und beim Spazierengehen, beim Aufstehen und vor dem Schlafen; ein lästiger Quälgeist, der Angst machen und zer- mürben kann, der sich in den Vordergrund und andere Geräusche in den Hintergrund drängt.
   Jeder vierte Deutsche hat Ohrgeräusche schon einmal wahrgenommen, ergab eine Untersuchung der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL). Oft bleibt der Ton nur wenige Sekunden oder Minuten, doch in immer mehr Fällen geht er nicht mehr weg. Drei Millionen Menschen leiden hierzulande unter chronischem Tinnitus; in Hamburg sind etwa 100.000 Menschen betroffen, schätzt die DTL. Zunehmend betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene.
   Wie Tinnitus entsteht, ist nicht eindeutig geklärt. Die meisten Mediziner gehen aber davon aus, dass die Ohr- geräusche durch eine Störung oder Schädigung der feinen Haarzellen in der sogenannten Schnecke hervorgerufen werden, dem Hörorgan im Innenohr. Als Auslöser gelten vor allem Lärm und Stress, die bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen für den Tinnitus verantwortlich gemacht werden, wobei Lärm insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene betrifft, die ihren MP3-Player zu laut aufdrehen oder häufig in Diskotheken gehen. Stress als Tinnitus-Auslöser betrifft eher Erwachsene.
Tinnitus ist ein Symptom für körperliche oder psychische Probleme
   Daneben kommt eine Fülle weiterer Auslöser in Betracht: Verspannungen der Halswirbelsäulen- oder Kiefer- gelenksmuskulatur können Tinnitus begünstigen, ebenso Erkrankungen des Hörsystems wie Mittelohrentzündung oder Morbus Menère (Drehschwindel), außerdem psychische Faktoren wie Angst oder Übererregbarkeit. Tinnitus ist deshalb genau genommen keine Krankheit, sondern ein Symptom für körperliche oder psychische Probleme.
   Wie genau kommt die Schädigung oder Störung der Haarzellen zustande? „Durch Lärm können die Haarzellen schlichtweg umknicken, sagt Prof. Rainald Knecht, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppen- dorf (UKE). „Bei Stress wirken andere Mechanismen. Durch Verspannungen kann die Durchblutung reduziert sein, so gelangt weniger Sauerstoff zu den Haarzellen. Teilweise werden auch bestimmte Proteine ausgeschüttet, die den Haarzellen schaden."
   Das Hören beginnt beim Trommelfell: Es fängt den Schall auf und leitet ihn über die Gehörknöchelchen des Mittel- ohres an das Innenohr weiter. Dort werden die mechanischen Schwingungen durch die Haarzellen in elektrische Nervenimpulse umgewandelt, die über die Hörnerven und die sogenannte Hörbahn zum Großhirn geschickt werden, wo das Hörzentrum sitzt. Erst dort entsteht der eigentliche Höreindruck.
  Doch die Geräusche, die Tinnitus-Patienten hören, existieren außerhalb ihres Kopfes gar nicht, das Ohr kann sie also auch nicht hören. Woher kommen sie dann? „Wenn bestimmte Haarzellen gestört oder geschädigt sind, können sie den Schall nicht mehr ordnungsgemäß weiterleiten, im Gehirn kommt auf einer bestimmten Frequenz kein Ton mehr an. Deshalb erzeugt das Gehirn den Ton vermutlich selbst, quasi als Ausgleich. Das ist der Tinnitus", sagt Rainald Knecht. Dafür spreche, dass chronischer Tinnitus meistens mit einem Hörverlust einhergehe. „Der Tin- nitus liegt dann genau auf der Frequenz, die der Patient schlecht oder gar nicht mehr hört."
   Deshalb führt ein HNO-Arzt bei Patienten mit Ohrgeräuschen zuerst einen Hörtest durch. Stellt er eine Beeinträchtigung des Gehörs fest, kann er zusätzlich eine sogenannte Hirnstammaudiometrie, kurz BERA- Unter- suchung, durchführen. Und er kann die Lautstärke messen, in der ein Patient den Tinnitus wahrnimmt. Dazu lässt der Arzt den Patienten einen Ton hören, der auf der gleichen Frequenz liegt wie das Ohrgeräusch. Dann stellt er lauter, bis der Ton das Geräusch überdeckt.
Weil die Geräusche im Kopf entstehen, dominieren sie den Höreindruck
   15 Dezibel - lauter kann der Tinnitus nicht werden. Das ist leiser als Blätterrascheln, doch weil das Geräusch im Kopf entsteht, kann es den Höreindruck dominieren. Eine Untersuchung des Kiefers zeigt, ob eine Gebissfehl- stellung oder eine Erkrankung des Kiefergelenks vorliegt. Um eine Beteiligung der Halswirbelsäule am Tinnitus auszuschließen, können weitere orthopädische Tests sinnvoll sein.
   Bei der Therapie gilt es, zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus zu unterscheiden. Bei einem akuten Tinnitus, der einige Wochen andauern kann, ausgelöst etwa durch einen Hörsturz oder extreme Lärm- belastung, können durchblutungsfördernde Medikamente und Cortison-Infusionen wirksam sein. Sind Kiefer- oder Wirbelsäulenprobleme die Ursache, kann eine orthopädische Behandlung helfen.
   „Gegen chronischen Tinnitus gibt es derzeit jedoch keine durchweg wirksame medizinische Therapie", sagt Rainald Knecht. Die Wirksamkeit von durchblutungsfördernden Präparaten wie Gingko-Biloba sei hier nicht erwie- sen, auch für die meisten anderen, oft sehr teuren Therapieangebote - von Akupunktur über Laserbestrahlung und Magnetwellen bis zur Überdruckbehandlung - gelte: „Sie helfen nicht." Allein Cortison könne manchmal die chronischen Beschwerden lindern.
   Was aber hilft den Dauergeplagten dann? „Bei schwerhörigen Menschen mit Tinnitus kann ein Hörgerät viel bewirken", sagt Knecht. Bei sehr lauten Ohrgeräuschen könne auch ein Tinnitus-Masker helfen, ein Gerät, das andere, angenehme Geräusche erzeugt, die den Tinnitus übertönen sollen. Doch selbst dadurch verschwinden die Ohrgeräusche meistens nicht ganz. Deshalb ist die wahrscheinlich wirksamste Therapie eine psychologische. Durch sie können die Betroffenen lernen, den Tinnitus zu akzeptieren - und schließlich zu ignorieren. HA110122MarcHasse

Das beste Rezept... Der erste Gang sollte zu einem HNO-Arzt führen, der sich auf Tinnitus spezialisiert hat (Adressen z.B. die Deutsche Tinnitus-Liga). Im Internet gibt es diverse, zum Teil dubiose Therapieangebote.

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Der Tinnitus macht mir keine Angst mehr. Erst als Holger Dierks Fotowieder mehr auf seinen Körper hörte, bekam er seine Beschwerden in den Griff. Holger Dierks hat sich mit den Tönen in seinem Kopf arrangiert.

   Es geschah ausgerechnet an seinem Geburtstag, im Januar vor drei Jahren. Kaffee und Kuchen, Holger Dierks sitzt mit seiner Frau und seinen vier Kindern am Tisch, da packt ihn ein starker Schwindel. „Ich bin regelrecht vom Stuhl gekippt", erzählt der 58-Jährige. Es ist ein Hörsturz. Der HNO-Arzt diagnostiziert außerdem Morbus Meniere, eine Erkrankung des Innenohres, die Schwindel verursacht. „Ich habe dann in kurzer Zeit auf dem linken Ohr 60 Prozent meines Hörvermögens verloren", sagt Dierks. „Dann kam auf diesem Ohr auch noch der Tinnitus dazu."
   Bis dahin hatte er als stellvertretender Direktor am Gymnasium in Quickborn gearbeitet; er unterrichtete Ge- schichte, Sozialwissenschaft und Sport. Und er liebte seine Arbeit. „Freitagnachmittags gab ich immer eine Hand- ball-AG", erzählt Dierks, „da tobten bis zu 70 Kinder herum. Hinterher war ich total erledigt, aber es machte mir Spaß." Er sei ein Getriebener gewesen. Nach der Diagnose arbeitete er noch ein halbes Jahr mit reduzierter Stun- denzahl, aber es fiel ihm sehr schwer. Sein Gehör war so empfindlich, dass er manchmal in der Klasse das Gefühl hatte, ihm platze der Kopf. Doch er machte weiter - bis sein Arzt sagte:„Wenn Sie nicht aufhören, sind Sie bald tot. Der Tinnitus, die Angst, die Panik - das führt zu einem Stress, den sie nicht mehr lange aushalten werden." Holger Dierks weinte.
    Er wird vielleicht nie mehr als Lehrer arbeiten können - und doch hat er wieder Freude am Leben gewonnen. Seine Rettung sei die Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen bei Kassel gewesen, sagt Dierks. Doch bis er dorthin konnte, vergingen eineinhalb Jahre. Denn seine Krankenkasse teilte ihm mit, dass alle anerkannten Tinnitus- Behandlungen in Hamburg möglich seien.
Er bekam durchblutungsfördernde Mittel und Cortison, doch nichts half
   Es folgte eine Odyssee durch Hamburger Arztpraxen. „Ich war beim Orthopäden, beim Neurologen, durchlief sogar eine Computertomografie, ich bekam durchblutungsfördernde Mittel und Cortison. Aber nichts half", erzählt Dierks. „Dann schickte mich die Kasse zu einem Psychologen. Zuerst war ich sehr skeptisch; heute meine ich, dass Psychologen die Einzigen sind, die bei Tinnitus helfen können." Erst nach dieser Therapie genehmigte ihm seine Kasse die Behandlung in Bad Arolsen.
   Er blieb acht Wochen. „Mir wurde bewusst, dass ich verlernt hatte, meinen Körper wahrzunehmen. Der Schwin- del und der Tinnitus, das sind sehr negative Erfahrungen, man denkt: Warum tut mir der Körper das an? In Bad Arolsen machte ich nur positive Erfahrungen. Beim Nordic Walking etwa merkte ich plötzlich nichts mehr vom Tinnitus." An einem Tag sei seine Gruppe mit Dezibelmessgeräten losgeschickt worden und er habe festgestellt: „Jedes Vogelpiepsen ist lauter als mein Tinnitus. Das hat einiges relativiert."
   Sehr wirksam sei aber auch sein Hörgerät. „Es verstärkt die Frequenzen, auf denen ich schlecht höre, deshalb muss das Gehirn nicht mehr so viel kompensieren." Ja, die Geräusche seien immer noch da, aber nicht so laut wie die Dinge, die er schön finde. „Der Tinnitus", sagt Dierks, „macht mir keine Angst mehr."  HA110122mha

Adressen - Informationen:
Die Deutsche Tinnitus-Liga bietet Infobroschüren, vermittelt Ärzte und Psychotherapeuten (nur für Mitglieder) und klärt über häufig parallel auftretende Beschwerden wie Hörsturz, Hyperakusis und Morbus Menière auf. Ein Online- Fragebogen zu Tinnitus hilft Betroffenen einzuschätzen, wie sehr die Geräusche im Kopf ihren Alltag beeinflussen und ob eine Behandlung notwendig ist. Die Internetseite bietet außerdem Foren zu Themen rund um Tinnitus.
www.tinnitus-liga.de
Medizinische Behandlung:
Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde,
Tel. 040 - 741 05 24 07 www.uke.de
Psychosomatische Behandlung:
Tinnitus-Zentrum Ulmenhof (Gruppentherapie), Tel. 040 - 468 56 00 www.tagesklinik-ulmenhof.de
Tinnitus-Zentrum Eppendorf, (Einzeltherapie), Tel. 040/41 34 34 30 www.psychosomatik-falkenried.de
Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, Bad Arolsen, Tel. 05691/80 03 30 www.tinnitus-klinik.net
Selbsthilfe:
Tinnitus SHG Hamburg-Jenfeld. Die SHG ist Mitglied der Deutschen Tinnitus-Liga.
Kontakt: Reinhard Jennerjahn, T: 040 - 713 25 20, Klaus Bake, T: 040 - 710 34 72 www.tinnitus-hamburg-jenfeld.de
Glossar
BERA-Untersuchung: Mit diesem Test wird geprüft, ob eine Schwerhörigkeit, die Tinnitus verursachen kann, auf eine krankhafte Veränderung der Hörnerven zurückzuführen ist. Über Elektroden an der Kopfhaut wird der Hirnstrom des Patienten gemessen, während er Töne hört.
Tinnitus-Masker: Sieht aus wie ein Hörgerät, verstärkt aber keine Töne, sondern erzeugt angenehme Geräusche, die den Tinnitus übertönen sollen.

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Foto: Prof. Peter Ahrens vom Tinnitus-Zentrum Eppendorf (li.) und HNO-Ärztin Dr. Rosemarie Neumann (re.) beantworteten die zahlreichen Fragen der Abendblatt-Leser: Gelassenheit ist die beste Medizin

   Auf dem Abendblatt-Forum in Hamburg erfuhren die Zuhörer, welche Rolle Stress bei Tinnitus spielen kann und was sich dagegen tun lässt. „Mein Arzt hat gesagt, da kann man nichts machen." Das war der häufigste Satz, der an diesem Abend fiel, und er stand für das Ausmaß der Verunsicherung und Hilflosigkeit, mit der viele Tinnitus- Patienten zu kämpfen haben.
   Mehr als 100 Abendblatt-Leser waren in die Axel-Springer-Passage gekommen, um zwei Vorträge über Hör- probleme zu verfolgen. Manche litten erst seit Kurzem unter Tinnitus, so erzählten sie, andere seit Jahrzehnten. Ihre Fragen zeigten, dass sie sich teilweise von ihrem Umfeld nicht genug verstanden und von Ärzten oft allein- gelassen fühlen. „Da kann man nichts machen" - müssen Patienten sich mit diesem Satz abfinden?
   „Ich möchte Ihnen Mut machen: Sie sind dem Tinnitus nicht hilflos ausgeliefert. Sie können etwas ändern", sagte Prof.Stephan Ahrens vom Tinnitus-Zentrum Eppendorf. Ahrens, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psy- chotherapie, erläuterte ausführlich, was Tinnitus auslösen kann, wobei er einen Schwerpunkt auf die Psyche legte und die Rolle, die Stress dabei spielt.
Kann Tinnitus etwas mit der Psyche zu tun haben?
   Immer mehr Menschen definierten sich hauptsächlich über Leistung, so Ahrens. Leistung bedeute Stress, und zu viel Stress könne überfordern. Einige Menschen bekämen durch Stress Magenprobleme, andere eine Migräne und wieder andere eben Tinnitus. Das Problem bei Tinnitus sei allerdings: „Wenn das Geräusch länger als sechs Wochen andauert, wird es oft im Gehirn fest programmiert und bleibt dort auf Dauer."
Warum fühlen sich manche Menschen sehr stark durch die Geräusche beeinträchtigt, andere aber nicht?
   Es komme offenbar darauf an, wie die Wahrnehmungsfilter im Gehirn funktionierten, erläuterte Ahrens: „Bei eini- gen Menschen gewöhnt sich das Gehirn schnell an den Tinnitus, es blendet ihn aus und richtet seine Wahr- nehmung ganz auf äußere Geräusche. Bei anderen Menschen funktioniert das nicht ohne Weiteres; ihr Gehirn schafft es nicht, den Störsender abzuschalten." Die Gründe für diese unterschiedliche Wahrnehmung seien noch nicht bekannt, sagte Ahrens.
Wie können Betroffene lernen, mit dem Tinnitus zu leben?
  Ahrens: „Wir bringen unsere Patienten dazu, ihrem Körper - und damit auch ihrem Gehör - wieder mehr Aufmerk- samkeit zu schenken und den Tinnitus als Warnsignal zu begreifen. Wir helfen ihnen, einerseits besser mit Druck- situationen umzugehen und andererseits Rückzugsmöglichkeiten zu finden, Quellen der Erholung." Das könne für jeden Patienten etwas anderes sein: Sport, Bücher, Kino, Theater oder ein gutes Essen. Viele Menschen seien überlastet und so sehr mit Beruf, Familie oder mit beidem beschäftigt, dass für Körper und Geist kaum noch Zuwendung übrig bleibe, sagte Ahrens. „Das Gehirn ist bei solchen Patienten schlichtweg überlastet. Dann geht es darum, dem Gehirn wieder Freiraum zu verschaffen und es so in die Lage zu ver- setzen, den Tinnitus auszublenden."
Kann Tinnitus entstehen, weil man zu viel arbeitet?
   Ahrens: „Es geht weniger um die Arbeitszeit an sich, sondern vor allem um die Einstellung - im Beruf ebenso wie im Privatleben." Wer sich nur über Leistung definiere - und manche Menschen täten das selbst in ihrer Freizeit - dem machten auch Fehler mehr zu schaffen, der tue sich schwer damit, gelassen zu bleiben, wenn es mal nicht perfekt laufe. „Gelassenheit ist aber das beste Mittel, mit dem Tinnitus umzugehen." Leichter gesagt als getan: Ist es nicht sehr schwer, seine Einstellung zu ändern? „Unsere Patienten spüren einen sehr großen Leidensdruck", so Stephan Ahrens. „Sie können durch den Tinnitus oft nicht mehr in Ruhe lesen, sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Ich erlebe immer wieder, dass diese Leute sehr dankbar sind, wenn sie erkennen: Es gibt tat- sächlich einen Ausweg, eine neue Tür, die wir mit ihnen öffnen können.“
   Grundsätzlich genüge es in der Regel jedoch nicht, sich auf einen möglichen - psychischen oder physischen - Auslöser zu konzentrieren: „Die Entstehung von Tinnitus ist sehr komplex, deshalb kann oft eine Kombination mehrerer Behandlungen nötig sein, etwa eine Hörtherapie und Entspannungsübungen." Auch wenn einige An- bieter dies versprächen: „Es ist falsch zu glauben, dass eine einzige Maßnahme, die eine Woche dauert, genügt, damit der Tinnitus verschwindet." Die kombinierten Behandlungen im Tinnitus-Zentrum Eppendorf dauerten etwa zwei Monate. Private Krankenkassen übernähmen die Kosten meistens ganz, gesetzliche Kassen oft zum Teil.
Was sind Hörverarbeitungsstörungen und wie werden sie behandelt?
   Dr. Rosemarie Neumann von der Gemeinschaftspraxis Stephansplatz erklärte, was es mit den sogenannten Hör- verarbeitungsstörungen bei Kindern auf sich hat: „Es handelt sich dabei um das Phänomen, dass das Gehirn Sprache nicht richtig verarbeitet. Betroffene Kinder verstehen das Gehörte oft nicht deutlich, sie sind leicht abgelenkt oder sehr schnell erschöpft, wenn sie sich auf etwas konzentrieren müssen, und deshalb haben sie oft Schwierigkeiten beim Sprechen, Lesen und Schreiben. Über die Ursachen ist noch wenig bekannt",sagte Neumann. Die Störung lasse sich erst zu Beginn der Schulzeit, ab etwa sieben Jahren, feststellen.
   Werde die Störung nicht behandelt, bestehe die Gefahr, dass das Kind sich in der Schule schnell zurückziehe, weniger melde und engagiere, weil es sich missverstanden oder schlecht behandelt fühle. Etwa, wenn der Lehrer sage: "Das habe ich doch schon dreimal erklärt, hörst du denn nicht zu?"
   „Das Wichtigste ist deshalb zunächst, die Zeichen für eine Hörverarbeitungsstörungen überhaupt zu erkennen und sie dann ernst zu nehmen." Dann könne der Störung wirkungsvoll begegnet werden, durch einfache Maßnahmen wie einen besseren Sitzplatz in der Klasse, und durch spezielle Hör- und Sprachtrainingprogramme bei einem HNO-Arzt. HA11012 MarcHasse

 Da gab es was auf die Ohren ...     OH-Tinn-Akust-ThMüller-z

Bei einem kostenlosen Test stellten mehr als 60 Leser des Hamburger Abendblattes ihr Gehör auf die Probe.
Foto: In einer schallisolierten Kabine führt Akustiker Thomas Müller links den Test durch.
‘Per Knopfdruck bestätigen die Teilnehmer, dass sie einen Ton hören.

  Um elf Uhr morgens sollte es losgehen, doch schon eine Viertelstunde vorher hatte sich am Stand der Hörgeräte- Akustiker von KIND eine Schlange gebildet. Mehr als 60 Abendblatt-Leser nutzen die Gelegenheit, kostenlos ihr Gehör testen zu lassen. Dabei ging es zum den sogenannten Hauptsprachbereich von 500 bis 4.000 Hertz, den Frequenzbereich, in dem der Mensch Sprache wahrnimmt.
  „Bei jedem Zweiten haben wir Hörprobleme festgestellt", sagte Hörgeräte-Akustikerin Anke Strauch. Vor allem im Frequenzbereich der hohen Töne hätten viele Teilnehmer nicht mehr optimal gehört. Alle Teilnehmer erhielten ein Heft mit ihrem persönlichen Hörprofil und bei Problemen die Empfehlung, einen HNO-Arzt aufzusuchen, um über eine Behandlung zu sprechen.
   Manche Leser nahmen für den Test sogar eine längere Anfahrt auf sich, etwa Christel Bockhold, 58, die in Oststeinbek lebt. Obwohl sie schlecht höre und sich deshalb eingeschränkt fühle, habe ihr HNO-Arzt nach einem Hörtest gesagt: „Ihrem Alter entsprechend ist Ihr Gehör in Ordnung." Das habe sie sehr unbefriedigend gefunden, erzählt Bockhold. „Deshalb wollte ich mein Gehör noch einmal untersuchen lassen."
   Das Ergebnis ihres Hörtests bei der Abendblatt-Aktion habe sie dann allerdings doch „etwas geschockt", sagt sie: „Es wurde eine gewisse Schwerhörigkeit festgestellt." Aber, so Bockhold, „eine eindeutige, unerfreuliche Dia- gnose ist mir trotzdem lieber als eine Aussage, die mir nicht weiterhilft." Weiterhelfen soll ihr nun nach Empfehlung der Hörgeräte-Akustiker ein ausführlicher Test, der ihre Defizite präziser feststellt. Womöglich wird sie bald ein Hörgerät brauchen. HA110122mha

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   Clever besser hören. Ab wann ist Lärm schädlich? Mit dem „Lärmometer” bringt Prof. Thomas Lenarz Foto seinen Patienten die Dezibelskala näher. Zu viel Lärm macht das Herz krank und verursacht Schlafstörungen. Zum „Tag gegen Lärm” warnen daher Experten aus ganz Europa vor Gesundheitsschäden. Der neue Trend dabei: Schlau schützen mit individuellen Lärmstopp-Filtern.

  Wie steht es eigentlich um Ihr Gehör? Machen Sie doch mal den Schnelltest: Strecken Sie Ihren Arm aus, und reiben Sie dann die Fingerspitzen aneinander. Hören Sie das feine Knistergeräusch noch? Falls nicht, wird es vielleicht Zeit für einen Hörtest. Denn durch die zunehmende Lärmbelastung im Alltag sind unsere Ohren immer größeren Belastungen ausgesetzt. Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits heute schwerhörig. Darunter seien zunehmend junge Menschen, betont Prof. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik an der Medizi- nischen Hochschule Hannover (MHH). Jeder vierte junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren leidet nach Angaben von Krankenkassen an Hörstörungen. Lenarz und sein Team behandeln daher nicht nur Menschen mit angeborener oder krankheitsbedingter Taubheit, sondern klären auch über Auswirkungen des Lärms auf das Gehör auf. Anlässlich des „Tags gegen Lärm" raten sie zum cleveren Umgang mit Geräuschen.
   Dabei ist jedoch nicht die totale Stille gefragt. „Jeglichem Lärm aus dem Weg zu gehen ist normalerweise ohne- hin nicht möglich”, sagt die MHH-Oberärztin Anke Lesinski-Schiedat. „Und es ist auch nicht jede Lautstärke schäd- lich. Wie bei vielen anderen Dingen macht auch hier die Dosis das Gift.” Als störend empfinden die Bundesbürger vor allem den Straßenverkehr. Aber auch der Lärm, dem wir uns in der Freizeit aussetzen, kann dem Gehör schaden. Relativ „giftig” sei beispielsweise ein allzu sorgloser Umgang mit dem MP3-Player, sagt Lesinski-Schiedat. Die kleinen Geräte, die Hunderte von Musikstücken in der Jackentasche bereithalten und besonders bei Jugend- lichen beliebt sind, bringen es nämlich auf ganz beachtliche Lautstärken. „Wenn man Einsteckkopfhörer benutzt, können die Spitzenschallpegel zudem nicht mehr entweichen”, warnt die Hörexpertin. Sie rät daher zu etwas größeren Kopfhörern, die den Gehörgang nicht komplett verschließen.
   Ungünstig können auch häufige Besuche in, lauten Diskotheken oder bei Konzerten sein. Die heftigen Schall- wellen drücken die feinen Haarsinneszellen im Innenohr wie ein Tsunami auf den Boden und stören ihre Funktion. „Dabei vergiftet der Lärm den Stoffwechsel der Haarzellen”, erklärt Lesinski-Schiedat. Am Ende eines lauten Abends hören die Musikliebhaber dann nur noch gedämpft - als ob sie Watte in den Ohren hätten. Oder es klingelt und pfeift sogar ständig und vor allem durchdringend.
  Zwar sorgen die Selbstheilungskräfte in Verbindung mit einer längeren Ruhepause dafür, dass sich die Haar- zellen wieder erholen. Doch bei wiederholten Überlastungen können sie absterben. Dann wird der vom Ohr aufgenommene Schall nicht mehr an den Hörnerv weitergegeben. Besonders gefährdet sind dabei übrigens die Sinneszellen für die hohen Frequenzen. Denn sie sitzen ganz am Anfang der Hörschnecke und bekommen daher die Schallwelle mit voller Wucht ab. Bei einer Lärmschwerhörigkeit sind es dann auch genau diese hohen Fre- quenzen, die als Erstes ausfallen. Damit werden zwitschernde Vögel oder auch Kinderstimmen für uns unhörbar.
   Ab welcher Lautstärke es gefährlich für unsere Ohren wird, verrät ein sogenanntes Lärmometer: eine Art Fieber- thermometer für den Lärm. „Zu laut fängt bei 80 Dezibel an”, sagt Lesinski-Schiedat. „Das entspricht dem Lärm am Rande einer Hauptverkehrsstraße und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.” Ein Gehörschaden ist bei einer Dauerbelastung mit 100 Dezibel zu erwarten - etwa durch eine Kreissäge oder einen Presslufthammer. Rockkonzerte und tragbare Musikgeräte erreichen sogar 120 Dezibel oder mehr. „Ab 140 Dezibel beginnt dann die Schmerzschwelle”, betont die Ärztin.
   Weil man sich weder dem Straßenverkehr oder berufsbedingtem Lärm auf Dauer entziehen kann und auch nicht jeder Mensch unbedingt auf laute Musik verzichten möchte, raten die MHH-Experten zum Einsatz von speziellen Lärmfiltern. Diesen Gehörschutz gibt es heute in allen möglichen Ausführungen. „Sie dämpfen die Lautstärke, aber nicht den Klang”, erklärt der Hörgeräteakustiker Rainer Trunt, Geschäftsführer der HörGut-Gruppe, die schon seit Jahren Rockbands wie die H-Blockx mit maßgefertigtem Profigehörschutz ausstattet.
  Wer einfach nur die Lautstärke dämpfen will, kommt meist mit einem Standardgehörschutz über die Runden. Für speziellere Anwendungen bieten die Hörgeräteakustiker dann individuell gefertigte Lärmstopper an - für Musiker, Motorsportler, Schwimmer, die ihre Ohren trocken halten wollen, oder auch Industriearbeiter. Die Kosten des jahrelang verwendbaren Schutzes liegen nach Auskunft von HörGut bei 80 bis 200 Euro pro Paar.

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Foto v.l.n.r.: Lärmstopper für Musiker, Industriearbeiter, Motorsportler
   Glücklicherweise entwickelt jedoch nicht jeder Mensch gleich schnell eine  Lärmschwerhörigkeit. „Es scheint dafür auch eine genetische Disposition zu geben”, sagt Lesinski-Schiedat. Die Zukunftsvision der Experten ist ein beson- derer Gehörschutz für Risikopatienten oder auch eine „Hörpille”, die die Auswirkungen des Lärms mildert.
   Aber auch die „Kommunikationshygiene” in unserer Gesellschaft sei dringend verbesserungsbedürftig, meinen Lenarz und Lesinski-Schiedat. „Schon im Kindergarten reden die Kinder gerne alle durcheinander, und das setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort.” Mit einer speziellen „Hörampel” will das MHH-Team deshalb künftig die Kita- Gruppen in der Region Hannover auf Lärm sensibilisieren: Steigt der Hintergrundlärm in einer Gruppe zu stark an, schaltet die Hörampel auf, Rot. Das rote Licht zeigt den Kindern dann  an, dass  eine Ruhepause nötig wird, weil die Umgebung zu laut geworden ist.  HAZ080416NicolaZellmer

Hier gibt es Hilfe
   Kostenlose Beratungen für schwerhörige und ertaubte Menschen, Cochlea-Implantat-Träger sowie die Eltern hörgeschädigter Kinder bietet der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) am 3. Donnerstag jeden Monats von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr im Hörzentrum der Medizinischen Hochschule Hannover, Karl-Wiechert-Allee 3, 30625 Hannover, an. Am 2. und 4. Mittwoch jedes Monats von 17 bis 19 Uhr berät der DSB-Landesverband zudem im NeSt der Energie-BKK, Lange Laube  6,  30159  Hannover.  
   Der Ortsverein Hannover des Deutschen Schwerhörigenbundes trifft sich am 2. Mittwoch jedes Monats von 17 bis 19 Uhr im NeSt der Energie-BKK und lädt alle Interessierten zu diesen Treffen ein. Kontakt zum Landesverband und Ortsverein über Rolf Erdmann, Telefon 0511 - 838 65 23, eMail: erdmann.rolf@gmx.de.
   Zum „Tag gegen Lärm” bieten einige Hörgeräteakustiker kostenlose Hörtests an. Dazu gehören unter anderem die Filialen der auTec-Gruppe (Hannover: Kurt-Schuhmacher-Straße 22-24, 30159 Hannover). HAZ080416ze

Neue Sinneszellen durch Gentherapie? Bemerkenswerte Forschung in den USA

   Gentherapie hilft Mäusen, besser zu hören. US-Forscher haben per Gentherapie funktionierende Sinneszellen im Ohr von Mäusen wachsen lassen. Die Gruppe von der Oregon Health and Science University in Portland erhofft sich dadurch Fortschritte zu einer Gentherapie für hörgeschädigte und taube Menschen, wie sie in „Nature” (online) berichten. Mit Hilfe eines Gens hatten die Forscher bei embryonalen Mäusen die Produktion zusätzlicher Haarzellen im Ohr angeregt, die die gleichen Funktionen wie die Sinneshaare im Innenohr ausüben und dadurch das Gehör der Mäuse unterstützen. HA080828dpa

Hilfe für Gehörlose bei Arztbesuchen
   Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover und der Technischen Universität Braunschweig haben eine App für Smartphones entwickelt, die Gehörlosen die Verständigung mit Ärzten und Pflegern erleichtert. Sie kann unter www.isignit-app.de kostenlos heruntergeladen werden. Bislang konnten die 80.000 Gehörlosen in Deutschland sich beim Arzt nur über Gebärdensprachendolmetscher verständigen. Das machte Diagnose und Behandlung schwierig. Diese erste Anwendung für mobile Endgeräte übersetzt einfache medizinische Dialoge. So können Kranke ihre Beschwerden mit einem „Tanz der Hände" erläutern, und Ärzte können gezielter nachfragen und beraten. FAZ130204vl

Über beide Ohren
        Menschen, die auf einem Ohr taub sind, müssen immer darauf achten, dass ihre Gesprächspartner sie von der richtigen Seite aus ansprechen. In diesem Fall ist ein Hörgerät keine Lösung. Aber es gibt jetzt neue Im-Ohr- Modelle von Phonak, die den Klang über ein Mikrofon im tauben Ohr drahtlos zum Hörgerät auf der anderen, der guten Seite, übertragen. So können einseitig Taube wieder Geräusche von der Seite vernehmen, auf der sie sonst nichts wahrnehmen konnten, selbst in geräuschvoller Umgebung und ohne ständig den Kopf drehen zu müssen.
       Die Modelle Cros II Custom sind die ersten Im-Ohr-Geräte, in die diese Technik integriert wurde. Sie sitzen somit unsichtbar im Gehörgang und verbrauchen zudem weniger Energie als die Vorgängergeneration mit Hinter- dem-Ohr-Modellen. Die neuen Geräte sind in diversen Ausführungen von sofort an über die Hörgeräteakustiker zu haben.
FAZ151124smny

            kbwn:besser hören

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