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“Der Tinnitus macht mir keine Angst mehr” - lesen Sie unsere Berichte > unten auf dieser Seite!

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Das unsichtbare HörgerÀt Lyric bleibt wochenlang im Ohr

Einfach. Immer. Unsichtbar.
1. Lyric das erste komplett unsichtbare, rund um die Uhr tragbare HörgerÀt. Dieses einzigartige HörgerÀt von Phonak bedarf keiner Handhabung und bleibt rund um die Uhr im Ohr. Das Beste daran ist: Niemand sieht, wie gut Sie hören!
 2.  Einfach. Lyric sitzt direkt vor Ihrem Trommelfell und passt sich perfekt der Anatomie Ihres Ohrs an. So werden HintergrundgerĂ€usche minimiert und Sie profitieren von einer hervorragenden KlangqualitĂ€t sowie natĂŒrlichem Hören. Außerdem können Sie Ihr HörgerĂ€t einfach vergessen: Sie mĂŒssen weder die Batterien wechseln noch das GerĂ€t reinigen oder tĂ€glich einsetzen.

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3. Immer. Lyric kann ĂŒber einen Zeitraum von bis zu vier Monaten rund um die Uhr bei allen tĂ€glichen AktivitĂ€ten getragen werden - beim Duschen, beim Telefonieren, beim Sport, beim Tragen von Kopfhörern und auch nachts beim Schlafen.
 4. Unsichtbar. Lyric wird vom HörgerĂ€te-Akustiker so in Ihren Gehörgang eingesetzt, dass es von außen völlig unsichtbar ist. Mit Lyric können Sie das Hören wieder genießen. Egal wie viel NĂ€he Sie zulassen,
Lyric bleibt unsichtbar.

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   Revolution, Quantensprung, all das fĂ€llt einem ein, wenn man das neue Hörsystem Lyric von Phonak kennenlernt. Lauter abgenutzte Begriffe, daher behaupten wir einfach, dass mit Lyric ein neues Zeitalter bei HörgerĂ€ten anfĂ€ngt.
   Denn zum ersten Mal gibt es ein System, das unsichtbar ist, stĂ€ndig getragen wird, auch nachts und beim Sport, das vom TrĂ€ger nicht manuell eingestellt zu werden braucht, bei dem nicht jede Woche ein Batteriewechsel fĂ€llig ist, das man weder warten noch pflegen muss. Dass das bisher alles anders ist, hĂ€lt viele Menschen heutzutage davon ab, ihr nachlassendes Hörvermögen und die daraus resultierende eingeschrĂ€nkte LebensqualitĂ€t wieder auf den Status quo ante zu heben. Zudem werden Hörhilfen immer noch als Stigma empfunden, wĂ€hrend es die Brille zum Lifestyle-Artikel gebracht hat, von dem man tunlichst mehrere haben sollte, um sie dem jeweiligen Outfit anzupassen. UngezĂ€hlt sind zudem die Brillen mit Fensterglas, mit denen manche einen besseren Eindruck zu machen versuchen. Aber kein Mensch kĂ€me auf die Idee, sich ohne grĂ¶ĂŸte Not ein HörgerĂ€t verpassen zu lassen. Nur 20 Prozent derer, die eines brauchten, haben eins, und das sind nicht nur Ă€ltere Menschen, sondern zunehmend jĂŒngere - die SpĂ€tfolgen von exzessiver Berieselung durch Walkman und MP3-Spie- ler, von Discos und sonstigem LĂ€rm verheißen der Branche goldene Zeiten, von der Demographie ganz zu schweigen.
   Nach zehn Jahren Entwicklung prĂ€sentiert Phonak jetzt auch in Europa (Start war in Amerika) mit Lyric einen völlig neuen Ansatz bei HörgerĂ€ten. Was die Kontaktlinse fĂŒrs Auge, ist Lyric fĂŒrs Ohr. Das winzige, zweiteilige System, das ĂŒber ein Gelenk verbunden ist, wird nur wenige Millimeter vor dem Trommelfell plaziert, tief im Ă€ußeren Gehörgang und von außen nicht zu sehen. Das hat den Vorteil, dass der Schall wie in natura direkt ĂŒbermittelt wird, RĂŒckkopplung ist so gut wie ausgeschlossen, eine optimierte HochtonĂŒber- tragung ermöglicht einen großen Frequenzbereich, WindgerĂ€usche und Verzerrungen werden vermieden, weil die VerstĂ€rkung verringert werden kann, und all das fĂŒhrt dazu, dass man hört „wie normal". Telefonieren, Ohrhörer von Musikspielern, Stethoskop, Headset - kein Problem. Lyric ist wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Duschen geht, Schwimmen mit zusĂ€tzlicher Abdichtung, Tauchen (und Fallschirm- springen) gar nicht. Dass Lyric so winzig sein kann, liegt an der Plazierung: Die Signalverarbeitung ist viel einfacher, wenn der Lautsprecher direkt am Trommelfell und nicht hinter dem Ohr sitzt. Das zu kompensieren erfordert hohen Rechenaufwand, die Chips ĂŒblicher HörgerĂ€te enthalten auf der GrĂ¶ĂŸe eines ZĂŒndholzkopfs bis zu 16 Millionen Transistoren. Im Lyric steckt ein analoger Chip, der digital programmiert wird. Das erledigt der HörgerĂ€teakustiker, nachdem er ein Profil des Hörvermögens erstellt hat. Lyric eignet sich nicht fĂŒr jeden Menschen, es gibt eine Reihe von Kontraindikationen sowohl medizinischer (Hautprobleme im Ohr) als auch anatomischer Art, etwa dass der Gehörgang in LĂ€nge oder Breite ungewöhnliche Maße hat. Voraussetzung ist weiterhin, dass der Hörverlust des TrĂ€gers höchstens mittelschwer ist. Phonak nimmt aber an, mit den fĂŒnf GrĂ¶ĂŸen des Lyric die meisten potentiellen Klienten versorgen zu können.
   Wenn der Akustiker das GerĂ€t vor dem Trommelfell appliziert hat, kann oder muss der TrĂ€ger nur noch die LautstĂ€rke (in sechs Stufen) einstellen oder fĂŒr nachts den Schlafmodus „Sleep" wĂ€hlen. Der fĂŒhlt sich so an, als trĂŒge man das GerĂ€t nicht. Die meisten schĂ€tzen aber, dass sie auch nachts hören können, und dann braucht man sich außer um die LautstĂ€rkeregelung um nichts mehr zu kĂŒmmern. Das ist vor allem fĂŒr alte Menschen ein Segen, denen die tĂ€gliche Pflege und das Einsetzen eines herkömmlichen GerĂ€ts oft schwerfĂ€llt. Wer die LautstĂ€rke Ă€ndern will, nimmt den „Soundlync", eine Magnet-Fernsteuerung, die man in Form eines SchlĂŒsselanhĂ€ngers mit sich fĂŒhrt. Es reicht, sie ans Ohr zu halten, um das GewĂŒnschte ein- zustellen. Der Soundlync enthĂ€lt auch eine Vorrichtung, mit der man das HörgerĂ€t selbst entfernen kann, etwa vor einer Untersuchung mit MRT. Deren starkes Magnetfeld wĂŒrde Lyric zerstören.
   Bleibt die Frage nach dem Ohrenschmalz, das die Elektronik lahmlegen könnte. Dazu erklĂ€rt der Hersteller, dieses werde nicht direkt am Trommelfell, also noch im knöchernen Teil des Gehörgangs, produziert, sondern weiter vorn. Dort kann es an weniger empfindlichen Teilen von Lyric vorbei nach außen diffundieren. Die Elektronik ist von einem Weichschaum umhĂŒllt, der das Ohr abdichtet und das spezielle Klima dort aushĂ€lt.
   Wenn der Energievorrat der Batterie zur Neige geht, merkt der TrĂ€ger das natĂŒrlich, der Vorlauf ist nur gering. Phonak empfiehlt, den projektierten Zeitraum von bis zu 120 Tagen nur beim ersten Mal auszureizen, um festzustellen, wie lange sie tatsĂ€chlich hĂ€lt. Beim nĂ€chsten Mal geht man dann eine Woche frĂŒher zum Akustiker, um sich ein neues Exemplar, das wieder mit den individuellen Daten programmiert wird, einsetzen zu lassen. Das kann man nicht selbst tun. Dahinter steckt ein neues Vertriebskonzept: Die Versorgung mit den „WegwerfgerĂ€ten" ist Sache des Akustikers. Er vertreibt Lyric im Abonnement, der Kunde zahlt monatlich und bekommt dafĂŒr die Garantie, dass er jederzeit ein neues Exemplar erhĂ€lt. Ob das dann drei oder vier oder fĂŒnf im Jahr sind, hĂ€ngt von der Zeitplanung oder auch von unvorhergesehenen Ereignissen ab. Wer in Urlaub fahren will, lĂ€sst sich eben vorher ein neues Lyric geben. Es wird aber auch international ein Netzwerk aufgebaut, das den Kunden im Notfall mit einem GerĂ€t versorgen kann.
   Lyric ist ein Premiumprodukt, das wird spĂ€testens im Preis klar: Die speziell geschulten HörgerĂ€teakustiker dĂŒrften rund 140 Euro je Ohr und Monat verlangen. DafĂŒr erhĂ€lt der Kunde einen bisher nicht gekannten Komfort, Lyric ist das am einfachsten handhabbare GerĂ€t am Markt. Selbst Menschen, die aus Eitelkeit nie ein HörgerĂ€t tragen wĂŒrden, dĂŒrften sich damit anfreunden. FAZ110301MoikaSchramm
Hören ist Hightech: Lyric von Phonak >
www.phonak-lyric.com/de/das-ist-lyric.html

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Lyric im Abonnement
   Der einzigartige Sitz tief im Gehörgang macht Lyric zu einer vollkommen neuen Produktkategorie. Diese erfordert sowohl ein neues Anpassverfahren als auch ein spezielles GeschĂ€ftsmodell: Die eigens entwickelte Batterietechnologie ermöglicht erstmals eine bis zu vier Monate ohne Unterbrechung tragbare HörgerĂ€te- lösung. Die Verbindung von GerĂ€t und Batterie gewĂ€hrleistet einen minimalen Energieverbrauch. Wenn die Batterie leer ist, wird das GerĂ€t entfernt und bei Ihnen im GeschĂ€ft durch ein neues ersetzt. Lyric eignet sich daher ideal zum Verkauf im Abonnement.
   Lyric spricht eine neue, bisher mit anderen HörgerĂ€ten nicht zu erreichende Kreise an. Diese Kundengruppe ist deutlich jĂŒnger und steht oft mitten im Leben. Auch eine erhebliche Anzahl von langjĂ€hrigen Nutzern anderer HörgerĂ€te  zeigt sich begeistert und ĂŒberzeugt von den offenkundigen VorzĂŒgen, die Lyric bietet.  Lyric ist geeignet fĂŒr Personen mit leichtem bis mittelgradigem Hörverlust. Anpassungsbereich > Grafik oben.
Lyric in KĂŒrze

Sehr klein (16 mm LĂ€nge) und in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen erhĂ€ltlich.
Biokompatible Weichschaum-Hauben fĂŒr eine optimale Anpassung an den Gehörgang.
Fernbedienung SoundLyric zum Ein- und Ausschalten sowie fĂŒr die Anpassung der LautstĂ€rke.
Kabellos und digital mit Phonak Target™ Anpasssoftware programmierbar.
Speziell entwickelter Schutz vor Feuchtigkeit und Cerumen.
Eigens entwickelte Batterietechnologie, fĂŒr bis zu 120 Tage im Gehörgang tragbar.
Kann, wenn notwendig, vom Kunden selbst entnommen werden.
Jedes Lyric wird am Ende der Batterielebensdauer durch ein neues Lyric ersetzt. HA~1102HAZ

 “Das Ohr bekommt keine Ruhepausen mehr"

   Obwohl viele Schwerhörige noch immer den Weg zum Arzt scheuen, wĂ€chst der Markt fĂŒr HörgerĂ€te stetig. Der Trend gehe zu kleineren und leistungsstĂ€rkeren Modellen, sagt Phonak-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Wolfgang Bennedik vor dem HörgerĂ€teakustiker-Kongress Euha in Hannover.
   Jodie Foster trĂ€gt eines, Phil Collins ebenfalls, und angeblich kommt auch Claudia Schiffer nicht mehr ohne HörgerĂ€t aus. Insgesamt leben mehr als 14 Millionen Deutsche mit Hörbehinderungen. Etwa die HĂ€lfte mĂŒsste ein HörgerĂ€t tragen, tatsĂ€chlich besitzen aber nur etwa drei Millionen Menschen eines - und bei vielen liegt es nur in der Schublade. „Das Stigma ist eben hartnĂ€ckig", sagt Wolfgang Bennedik, Ge- schĂ€ftsfĂŒhrer des GerĂ€teherstellers Phonak in Deutschland. „Brillen sind inzwischen Modeartikel geworden, HörgerĂ€te nicht." Sieben bis zehn Jahre dauere es in der Regel, bevor ein Schwerhöriger einen HNO-Arzt oder einen Akustiker aufsuche.
   FĂŒr den langen Aufschub sieht der Manager im Wesentlichen zwei GrĂŒnde. Zum einen sei der Mensch vor allem auf das Sehen fokussiert, Probleme mit den Ohren wĂŒrden eher verdrĂ€ngt. Zum anderen hĂ€tten viele Schwerhörige noch jene vergleichsweise klobigen Apparaturen vor Augen, mit denen ihre Eltern oder Groß- eltern nicht zurechtgekommen seien. „Dabei ist der Nutzen der GerĂ€te extrem groß geworden", sagt Benne- dik. Hörhilfen sind heute nicht nur deutlich kleiner als frĂŒher, sie leisten auch mehr - in dem sie etwa selbst aus einer lauten Umgebung die Worte des GesprĂ€chspartners herausfiltern. Die neueste GerĂ€te- Generation ist von außen nicht mehr sichtbar, weil sie direkt vor dem Trommelfell sitzt. Diese Miniaturen mĂŒsse der Akustiker sogar nur alle paar Monate zum Batteriewechsel austauschen, sagt Bennedik.  Die Diskretion hat allerdings ihren Preis:  WĂ€hrend ein gutes HörgerĂ€t je Ohr  2.500  bis 3.000 Euro kostet und meist bis zu fĂŒnf Jahre hĂ€lt, vertreibt Phonak das neue Modell als eine Art Abonnement fĂŒr 1.700 Euro im Jahr - fĂŒr die Kunden ist es also dreimal so teuer.
   Die Hersteller verdienen ohnehin gut am Leiden der Schwerhörigen. Der Phonak-Mutterkonzern Sonova mit Sitz in der Schweiz hat im vergangenen GeschĂ€ftsjahr bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Franken (1,2 Milliarden Euro) operativ eine Rendite von 28 Prozent eingefahren. Unter dem Strich blieben 355 Millionen Franken ĂŒbrig. Die Schweizer sehen sich als WeltmarktfĂŒhrer vor William Demant aus DĂ€nemark.
   Trotz der zögerlichen Haltung vieler Schwerhöriger sehen die Hersteller einen stabilen Wachstumstrend von jĂ€hrlich 4 bis 7 Prozent. „Wir haben erst ein Sechstel unserer potenziellen Kunden versorgt", sagt Bennedik. Weltweit werden im Jahr 9 Millionen HörgerĂ€te verkauft, in Deutschland sind es knapp 800.000. Die Branche profitiert davon, dass die Menschen immer Ă€lter werden und mit den Jahren das Gehör nachlĂ€sst - und von der mangelnden Vorsicht der nachwachsenden Generation.
   „Das Ohr bekommt keine Ruhepausen mehr", sagt Bennedik. WĂ€hrend Arbeitgeber ab einer LautstĂ€rke von 80 Dezibel einen Hörschutz bereitstellen mĂŒssen, setzen sich insbesondere junge Menschen Belastungen von 120 Dezibel aus, wenn sie am Autoradio oder am iPod die Regler hochziehen - das entspricht dem LĂ€rm eines DĂŒsenjets: „Viele gehen falsch mit ihrem Gehör um."
HAZ101012JensHeitmann

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Unternehmer profitieren von wachsendem Markt. UnauffÀllige Modelle gefragt. Foto: Darius Bode, 41, betreibt in Hamburg und Berlin einen HörgerÀteladen - und plant weitere Neueröffnungen.

  Wenn sein Sohn mit ihm sprechen will, muss er von links kommen. Denn das rechte Ohr von Anton W. ist fast taub. Doch auch auf dem gesĂŒnderen hört er inzwischen immer schlechter. Jetzt wird der 74-JĂ€hrige, einsichtig, nachdem er sich aus Eitelkeit lange gegen ein HörgerĂ€t gewehrt hat. „Viele Menschen glauben immer noch, das GerĂ€t wĂŒrde sie verunstalten. Doch die Helfer sind lĂ€ngst nicht mehr so groß wie frĂŒher. Manche HörgerĂ€te kann man sogar ganz im Gehörgang verstecken", sagt Darius Bode, der seit mehr als 20 Jahren in der Branche arbeitet.
   Bode, ein Neffe des gleichnamigen GrĂŒnders von Optiker Bode in Hamburg, ist keine Ausnahme. Schon seit Jahren steigt die Anzahl der HörgerĂ€tefachgeschĂ€fte in Deutschland. Gab es 1997 noch 2.900 LĂ€den, so sind es 2011 bereits mehr als 4.800. Die GrĂŒnde fĂŒr das Wachstum liegen auf der Hand: Die Deutschen werden immer Ă€lter. 13 Millionen Menschen mĂŒssten eigentlich schon heute eine kleine Muschel im Ohr tragen, doch tatsĂ€chlich sind es nur 2,5 Millionen Kunden, die sich zu ihrer HörschwĂ€che bekennen.
  Das GeschĂ€ft brummt trotz dieser ZurĂŒckhaltung. Nach SchĂ€tzungen von IHB Retail Consultants fĂŒr die Ham- burger Statistikunternehmen Statista wird der Branchenumsatz im Jahr 2012 in Höhe von 970 Millionen Euro liegen. 2010 wurden laut der Bundesinnung der HörgerĂ€teakustiker der Branche gut 850.000 GerĂ€te im Ge- samtwert von 830 Millionen Euro verkauft. Noch ist der Markt von Einzelbetrieben, die höchstens zehn Ge- schĂ€fte haben, mit einem Anteil von 67 Prozent aller Filialen dominiert. Doch die Begierde der großen Anbieter wĂ€chst. Neben den Ketten Kind (500 GeschĂ€fte), Geers (350) und Amplifon (190) drĂ€ngt jetzt auch Deutsch- lands erfolgreichster BrillenverkĂ€ufer Fielmann in die Branche. Denn Ă€ltere Menschen, die eine Brille tragen, hören irgendwann vielleicht auch nicht mehr so gut. In gut 50 der 650 deutschen Fielmann-Filialen werden bereits HörgerĂ€te verkauft.„Das Potenzial in dieser Branche ist riesig", sagt FirmengrĂŒnder GĂŒnther Fielmann. Um genĂŒgend Mitarbeiter zu bekommen, will er den Bereich der Akustikausbildung in seiner Optikerschule in Plön aufnehmen. Aber auch kleine GeschĂ€fte erobern Marktanteile, wie die Firma „die Hörmeister". 2008 gegrĂŒndet, eröffnen die Hamburger Erik Berg und Frank Burghardt demnĂ€chst ihr achtes GeschĂ€ft in Mecklen- burg-Vorpommern, das neunte in Hamburg.
   Auch Darius Bode will weiterwachsen. Der Akustiker hat sein Handwerk von Grund auf gelernt, daneben Betriebswirtschaftslehre studiert und ĂŒber Jahre bei der Akustikerkette Amplifon gearbeitet. Unter anderem war er als Manager fĂŒr 90 GeschĂ€fte zustĂ€ndig. Doch dann hatte Bode genug von großen Ketten. „Große Unternehmen haben den Hang dazu, alle AblĂ€ufe zu standardisieren. Ich wollte aber selbst entscheiden, wie viel Beratungszeit ich mir fĂŒr einen Kunden nehme", sagt der 41-JĂ€hrige. Mehrere Stunden, meist auf einige Tage verteilt, dauert die Beratung, ehe man das richtige GerĂ€t im Ohr hat. Bode testet das HörgefĂŒhl seiner Kunden in verschiedenen Situationen, so etwa wird ein Besuch im Schwimmbad oder Restaurant simuliert oder eine Fernsehsendung. Der Kunde darf mehrere Angebote testen,bevor er sich fĂŒr ein GerĂ€t entscheidet. Denn der Kauf kann teuer werden. 1.000 bis mehr als 2.000 Euro Kosten pro Ohr sind keine Seltenheit. Die gesetzlichen Krankenkassen geben laut der Krankenkasse DAK rund 420 Euro pro GerĂ€t dazu.
   Die neueste Entwicklung in der Branche ist das Modell Lyric, das sich komplett im Gehörgang verstecken lĂ€sst. Es muss nur alle drei bis vier Monate herausgenommen werden, weil dann die Batterie aufgibt. Bei herkömmlichen Modellen lĂ€uft der Energiespender zum Preis von einem Euro etwa 100 Stunden. Kunden können Lyric nur leasen - zum nicht ganz gĂŒnstigen Preis von 140 Euro im Monat bekommen sie immer ein neues GerĂ€t, kurz bevor die Batterie schlappmacht. Bode und die Hörmeister zĂ€hlen zur handverlesenen Anzahl der Vertriebspartner. Nur bundesweit 80 Anbieter dĂŒrfen Lyric bislang fĂŒhren, wenn ein Mitarbeiter eine entsprechende Schulung absolviert hat. FĂŒr Bode lohnt sich die ExklusivitĂ€t offenbar. Neben seinen beiden GeschĂ€ften plant er weitere Neueröffnungen, auch in Hamburg. „Wir suchen schon nach einem Stand- ort in einem Stadtteil mit einer Ă€lteren Bevölkerungsstruktur", sagt er. Dann wĂŒrde auch die Zahl seiner jetzt vier Mitarbeiter weiter steigen. HA110614DanielaStĂŒrmlinger 

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BSG-Urteil: Kasse muss zahlen! Entscheidend war das bessere HörverstÀndnis des KlÀgers

   Geklagt hatte ein schwer hörbehinderter KlĂ€ger, der die Kosten fĂŒr ein hochwertiges digitales HörgerĂ€t erstattet haben wollte. Seine Krankenkasse Securvita BKK wollte aber nur den fĂŒr HörgerĂ€te vorgesehenen Festbetrag in Höhe von 987 Euro zahlen. Der fast ertaubte Hörbehinderte verlangte weitere 3.073 Euro, um den vollen Betrag zu erhalten. Zur BegrĂŒndung gab er an, dass mit dem gewĂŒnschten digitalen HörgerĂ€t besser hören könne als mit einem analogen GerĂ€t. Kasse wollte 3.073 Euro nicht ĂŒbernehmen
   Der Krankenkasse war die volle Kostenerstattung auch fĂŒr hochwertige digitale HörgerĂ€te zu teuer. Der Gesetzgeber habe die FestbetrĂ€ge eingefĂŒhrt, um letztlich Kosten zu dĂ€mpfen, argumentierte Torsten Göhner, Justiziar der Securvita. Es gebe auch andere HörgerĂ€te, die vielleicht nicht so gut, aber noch ausreichend seien.
   Das BSG stellte jedoch fest, dass die Kosten fĂŒr das digitale HörgerĂ€t als "unmittelbarer Behinderungs- ausgleich" voll ĂŒbernommen werden mĂŒssen. Die Krankenkasse könne zwar grundsĂ€tzlich FestbetrĂ€ge zahlen. Diese mĂŒssten jedoch so ausgestaltet sein, dass die Versorgung mit HörgerĂ€ten gewĂ€hrleistet wird, die nach dem Stand der Medizintechnik "die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben".
   Von den rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland mit einem HörgerĂ€t gehört der KlĂ€ger zu einer Gruppe von rund 125.000 nahezu ertaubten Personen, die nun alle ein hochwertiges digitales HörgerĂ€t beanspruchen können.
Aktenzeichen: B 3 KR 20/08 R  ARDTagesschau091217n

Urteil des Bundessozialgerichts - Kassen mĂŒssen auch fĂŒr hochwertige Hilfsmittel zahlen
   Die gesetzlichen Krankenkassen mĂŒssen schwer hörbehinderten Menschen die Kosten fĂŒr hochwertige digitale HörgerĂ€te erstatten und dĂŒrfen sich nicht auf die Auszahlung unzureichender FestbetrĂ€ge beschrĂ€nken. Dies hat das
Bundessozialgericht (BSG) in Kassel in einem Grundsatzurteil entschieden.
   Den Kassen könnten nun Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe drohen: Das Gericht stellte die FestbetrĂ€ge, also die HöchstzuschĂŒsse, die die Krankenkassen ihren Versicherten fĂŒr bestimmte Hilfsmittel zahlen, als solche zwar nicht in Frage. Der Dritte Senat stellte aber fest, dass diese ZuschĂŒsse nicht die Leistungspflicht der Kassen begrenzen dĂŒrften. Der Festbetrag mĂŒsse ausreichen, um die durch die Behinderung entstandene BeeintrĂ€chtigung auszugleichen. "Das ist eine weitreichende Entscheidung, die auch viele andere behinderte Gruppen betreffen kann", sagte der Vorsitzende Richter, Ulrich HambĂŒchen.

HörgerÀte: Billig ist nicht Pflicht
   Privatversicherte mĂŒssen beim Kauf eines HörgerĂ€tes laut Landgericht Regensburg nicht auf das einfachste GerĂ€t zurĂŒckgreifen. In dem Fall waren einem schwerhörigen Mann HörgerĂ€te fĂŒr beide Ohren verordnet worden. Der Mann ließ sich zwei HörgerĂ€te fĂŒr zusammen rund 6.000 Euro anpassen. Die Versicherung aber wollte die Kosten nicht ĂŒbernehmen.
Landgericht Regensburg, Az. 2 S 311/08  NOZ100610ddp

Anspruch auf HörgerÀt am Arbeitsplatz
   Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein von der Rentenversicherung bezahltes SpezialhörgerĂ€t, wenn ihr Arbeitsplatz das erfordert. Das entschied das Sozialgericht in Frankfurt und weitete damit die bisherige Rechtsprechung aus. Nun bestehe der Anspruch unabhĂ€ngig vom Beruf dann, wenn die Arbeitsplatz- bedingungen ein HörgerĂ€t erforderlich machten.
Sozialgericht Frankfurt am Main Az. S 6 R 834/ 08,
nicht rechtskrÀftig.
NOZ100413ddp

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 Ob ein Hörsystem gut funktioniert, hĂ€ngt vor allem von Können und Erfahrung des HörgerĂ€teakustikers ab.
Betroffene zahlen fĂŒr hochwertige Technik oft drauf. Experten raten vor dem Kauf zu ausfĂŒhrlichen Tests.

   Wie teuer ist gutes Hören?Wie teuer ist gutes Hören? Vor dieser Frage stehen viele Patienten, wenn sie sich auf die Suche nach einem neuen HörgerĂ€t machen. Zwar bekommt man schon fĂŒr die zehn Euro Selbstbeteiligung eine Reihe von Kassen-Modellen, doch sehr hĂ€ufig werden in FachgeschĂ€ften GerĂ€te der oberen Preisklasse empfohlen. 3.000 bis 4.000 Euro pro Paar seien „kein Luxus", sagt auch der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) und fordert deutlich höhere ErstattungsbetrĂ€ge von den Krankenkassen. Schließ- lich sei „Hören ein Grundrecht", meint Sprecherin Renate Welter.
   421,28 Euro fĂŒr das erste und 337,02 Euro fĂŒr das zweite GerĂ€t bekommt ein gesetzlich Versicherter derzeit von seiner Kasse. Alles darĂŒber hinaus muss in der Regel selbst getragen werden. Laut einer DSB- Befragung zahlt ein HörgerĂ€te-Besitzer im Schnitt rund 1.600 Euro zu. Mit KassengerĂ€ten werden nach SchĂ€tzungen des Verbandes nur rund sieben Prozent der Betroffenen versorgt.
   Ob man teurer allerdings tatsĂ€chlich auch stets besser hört, ist unter Fachleuten zumindest umstritten. Die Elektronik wurde im Laufe der letzten Jahre immer kleiner, billiger und leistungsfĂ€higer, analoge Technik ist vom Markt fast verschwunden. „Die KassengerĂ€te haben durch diese Entwicklung deutlich profitiert", sagt Prof. Annette Limberger, die an der Hochschule Aalen Hörakustik lehrt.
   In allen GerĂ€ten sitzen inzwischen Ă€hnliche digitale Wunderwerke, kaum grĂ¶ĂŸer als ein Streichholzkopf, programmierbar auf verschiedene Hörsituationen und Hörprofile. Zwei Mikrofone pro Ohr gelten auch in der Basisklasse als Standard, der Programmwechsel wird per Funk von einem aufs andere GerĂ€t ĂŒbertragen. „Die Typen sind oft sehr Ă€hnlich, und man schaltet je nach GerĂ€teklasse einfach entsprechende Feature zu oder ab, je nachdem, was das GerĂ€t können soll", sagt Prof. Limberger. Je nachdem welche Schwerhörigkeit vorliegt, könne man meist auch ein BasisgerĂ€t sehr gut einstellen. Bei starker Schwerhörigkeit gebe es allerdings kaum gĂŒnstige Modelle, die sich optimal justieren lassen, meint die Ärztin und Akustikerin.
Sozialgerichtsurteil stÀrkt Anspruch auf Erstattung
   Patienten mit besonders starkem Hörverlust können sich allerdings auf ein Urteil des Bundessozialgerichts von 2009 berufen, um auch ein teures Modell erstattet zu bekommen. Darauf habe der Versicherte Anspruch, wenn ihm im Alltag ein wesentlicher Gebrauchsvorteil zukommt, meinten die Richter. Seit diesem Spruch drĂ€ngen BetroffenenverbĂ€nde auf eine generelle Änderung der Erstattungsregeln - bislang vergeblich. Nach wie vor mĂŒssen Patienten also in jedem Einzelfall mit der Kasse verhandeln, könnten aber im Fall der Ablehnung mit dem Sozialgericht drohen.
   Besondere Bedeutung beim HörgerĂ€tekauf haben Erfahrung und Können des Akustikers. Selbst das grĂ¶ĂŸte technische Wunderwerk im Ohr wird erst durch sein Feintuning zum nĂŒtzlichen Hilfsmittel. Dabei ist ein gewisser Interessenkonflikt programmiert, denn der Akustiker tritt zugleich als VerkĂ€ufer auf, und mancher könnte wirtschaftlich eher am Absatz teurer GerĂ€te interessiert sein. Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2006 die Branche untersucht und dabei tatsĂ€chlich erhebliche Unterschiede bei Preisen, Beratung und Service festgestellt. Die VerbraucherschĂŒtzer raten dringend, sich vor dem Kauf bei verschiedenen Akustikern aus- fĂŒhrlich beraten zu lassen und Angebote einzuholen.
   „Möglichst sollte man nicht gleich mit der HörgerĂ€te-Verordnung des Arztes in den Laden gehen. Die wird manchmal sofort kassiert, und man hat Schwierigkeiten, sie wiederzubekommen", sagt Prof. Limberger. Sie rĂ€t dazu, sich vom Arzt einen Hörtest mitzunehmen und sich damit bei drei bis vier Akustikern technisch und preislich beraten zu lassen. Dann entscheide man sich nach dem Eindruck, wo man am besten betreut und am umfassendsten beraten wurde.
   Audiologische Gesellschaften schreiben ihren Mitgliedern eine sogenannte vergleichende Anpassung vor. Der Kunde soll verschiedene GerĂ€te ausprobieren können. „In der Praxis bekommt man bei einigen Hörge- rĂ€teakustikern in einer Stunde drei GerĂ€te aufgesetzt, und das war's dann", sagt Prof. Limberger. Wichtig sei es aber, jedes System drei bis vier Wochen lang im Alltag zu testen. Gute Akustiker wĂŒrden ihren Kunden solche Test ermöglichen und damit auch den Vergleich zwischen teuren und gĂŒnstigen GerĂ€ten.
   Dass preiswert nicht automatisch eine schlechte Lösung ist, hat sie im Übrigen vor kurzem selbst in einem Gutachten festgestellt. DafĂŒr wurden dem Patienten GerĂ€te verschiedener Preisklassen angepasst, die Ergebnisse direkt am Trommelfell mit einem Sondenmikrofon gemessen und entsprechende Hörtests durch- gefĂŒhrt. Ergebnis: Mit dem gĂŒnstigen GerĂ€t verstand der Mann am besten.«
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Vergleich
Hintem Ohr GehÀuse hinter der Ohrmuschel (HdO) lassen sich in Serie herstellen, nur diese GerÀte kann man vorher ausprobieren. Es gibt sie u.a. mit externem Lautsprecher. Er hÀngt an einem Kabel und wird perSilikonstöpsel im Gehörgang befestigt. Bei internen Lautsprechern leitet ein Schlauch den Schall durch eine sogenannte Otoplastik in den Gehörgang. Sie wird aus Acryl oder Silikon individuell nach Abdruck angefertigt.
Im Ohr Solche GerĂ€te werden nach Abdruck des Gehörgangs einzeln angefertigt und mit der Elektronik bestĂŒckt. Das Innenleben ist identisch mit dem HdO-Modell, sodass man dieses zum Testen nutzen kann. Das Richtungshören der Im-Ohr-GerĂ€te entspricht eher dem natĂŒrlichen Hören, weil die Schallabnahme an der natĂŒrlichen Stelle erfolgt. Neu auf dem Markt sind winzige GerĂ€te fĂŒr schwĂ€chere Hörverluste, die unsichtbar getragen werden. Ein Modell bleibt sogar dauerhaft im Gehörgang und wird jeweils alle vier Monate komplett gewechselt.
Binaurale Systeme Diese GerĂ€te der oberen Preisklasse tauschen stĂ€ndig ĂŒber ein BAN (Body Area Network) Audiodaten per Funk. Dadurch können - vor allem bei HdO-Systemen - Schallquellen besser rĂ€umlich geortet und akustisch korrekt verstĂ€rkt werden. Das ergibt einen angenehmeren Höreindruck, das SprachverstĂ€ndnis wird laut Untersuchungen nicht unbedingt verbessert. Der Batterieverbrauch ist deutlich erhöht.
Bluetooth Um diese Funktechnik zu nutzen, ist immerein zusÀtzlicher ZwischenempfÀnger nötig, der in der Regel um den Hals getragen wird. Damit lassen sich Handy, PC oder Fernseher mit dem HörgerÀt verbinden.
Infos Hinweise und Quellen unter www.gesund-magazin.de/ hoergeraeteinfos.
Deutscher Schwerhörigenbund
www.schwerhoerigen-netz.de Tel.: 030 - 47 54 11 14.
Bundesinnung der HörgerÀteakustiker
www.biha.de, Tel. 061 31 - 96 56 00

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 Bluetooth macht's möglich: Das HörgerĂ€t im Mittelpunkt der Unterhaltungselektronik
Foto oben links: Das i Mini in OriginalgrĂ¶ĂŸe. Handgefertigte QualitĂ€t von Siemens.
Foto oben rechts: Fast unsichtbar! Moderne HörgerÀte sind aufgrund ihrer ergonomischen Bauforn
sehr klein und ĂŒberzeugen durch einen komfortablen Sitz.

   Noch nie war das Hören mit HörgerĂ€ten so komfortabel. Das neue „Pure" von Siemens ist nĂ€mlich nicht nur das derzeit kleinste und leichteste HörgerĂ€t seiner Art, es kann zusĂ€tzlich mit einem Tek-Set ausgestattet werden. Mit Tek verbindet es sich drahtlos via Bluetooth mit Handy, Telefon, MP3-Player, Computer, Fern- seher oder Stereoanlagen und bekommt von diesen GerĂ€ten den Klang direkt „zugefunkt". Dank modernster Miniatur-Computertechnologie erfolgt das sogar ohne merkbare Zeitverzögerung.  Das gab es bisher noch nie. ZusĂ€tzlich verfĂŒgen die „Pure"-HörgerĂ€te ĂŒber eine „kĂŒnstliche Intelligenz", dank derer sie sich einmal getĂ€tigte, individuelle Einstellungen ihres TrĂ€gers fĂŒr die verschiedensten  merken und sich fortan auto- matisch anpassen. Wie komfortabel das Tragen von HörgerĂ€ten dank Bluetooth werden kann, verdeutlichen einige Beispiele. Wenn etwa das Handy oder das heimische Telefon klingelt, meldet das HörgerĂ€t dies automatisch durch einen zusĂ€tzlichen Signalton, den nur der TrĂ€ger hört. Mit Hilfe seiner Fernbedienung kann er das GesprĂ€ch annehmen und telefonieren, ohne das Handy an sein Ohr halten zu mĂŒssen.
  Als „echten Luxus" empfanden die ersten TesttrĂ€ger die direkte Bluetooth-Anbindung an die Unterhaltungs- elektronik, die ĂŒbrigens mit nahezu allen bereits vorhandenen GerĂ€ten funktioniert.Dabei werden die KlĂ€nge, die von Stereoanlage, Fernseher, MP3-Player oder Computer kommen, ĂŒber einen speziellen Sender direkt und ohne Zeitverzögerung an das HörgerĂ€t geleitet. Bei einer beidohrigen Versorgung sogar in Stereo. Lautsprecher oder zusĂ€tzliche Kopfhörer werden ĂŒberflĂŒssig. Das kommt auch dem persönlichen Umfeld zugute, denn schwerhörige Menschen neigen hĂ€ufig dazu, beispielsweise die TV-LautstĂ€rke viel zu laut zu stellen. Dank „Pure" und „Tek" erhalten sie den Fernseh-Sound direkt ins HörgerĂ€t, wĂ€hrend beispielsweise der Partner seine WunschlautstĂ€rke wie gewohnt am TV-GerĂ€t einstellt. FĂŒr ein weiteres Plus an Bedien-, Trage- und Hörkomfort sorgen außerdem die zahlreichen technischen Ausstattungen der neuen „Pure"- Hör- gerĂ€te von Siemens. So merkt es sich dank seiner „kĂŒnstlichen Intelligenz" nicht nur die situationsbedingten LautstĂ€rkevorlieben seines TrĂ€gers, sondern auch weitere Einstellungen zum Beispiel hinsichtlich der dabei bevorzugten KlangqualitĂ€t. Und wem der Batteriewechsel zu lĂ€stig erscheint, kann „Pure" auch mit Akkus betreiben, die sich ĂŒber Nacht in der Ladestation aufladen. Das neue „Pure" ist gerade einmal so groß wie eine Fingerspitze und nur zwei Gramm schwer. Es wird in 14 verschiedenen Farben angeboten, darunter silber, schwarz, goldblond, sandbraun, kastanie, dunkelrot, dunkelblau und titan. Und sollte die einmal ge- wĂ€hlte Farbe nicht mehr gefallen, kann der Akustiker das GehĂ€use schnell und einfach auswechseln. „Pure" ist ab sofort bei HörgerĂ€te-Akustikern in ganz Deutschland erhĂ€ltlich. Die von Siemens entwickelte Funk- technologie „Tek", die die Bluetooth-Verbindungen möglich macht, kann als Zusatzausstattung bestellt werden. Die Kassen ĂŒbernehmen im Falle einer Verordnung durch den HNO-Arzt die ĂŒblichen Kostenanteile.
Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter:
www.siemens.de/hoergeraete

aurSiemens-LadegerĂ€t-x aurSiemens-ePen-x

Foto links: LadegerÀt - Keine Gedanken mehr an Batteriewechsel verschwenden
Einige Siemens Hörsysteme sind aufladbar. Sie mĂŒssen sich keine Gedanken mehr ĂŒber das Auswechseln von Batterien machen, wenn Sie sich zum Beispiel in einem Meeting befinden oder mit Freunden essen gehen. Setzen Sie einfach beide Hörsysteme in die elegante und einfach zu bedienende Ladestation ein. Nach gerade mal fĂŒnf Stunden Ladezeit sind die GerĂ€te einsatzbereit. Wenn es Ihnen einmal nicht möglich sein sollte, die Ladestation zu benutzen, können Sie Ihre Hörsysteme auch mit Batterien betreiben.
Die Ladestation ist fĂŒr die Hörsysteme Motion, Pure, Centra Active™ und Cielo2 Active™ erhĂ€ltlich.
Foto rechts: ePen
  Die meisten Siemens Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme verfĂŒgen ĂŒber eine intuitive Technik, die die Einstellungen automatisch an die verschiedensten Hörsituationen anpasst. Aber natĂŒrlich können auch Sie selbst Laut- stĂ€rken verstellen und zwischen den unterschiedlichen Hörprogrammen wechseln. Im Gegensatz zu klas- sischen Fernbedienungen fĂŒr Hörsysteme ist der neue Fernbedienung ePen™ eine besonders attraktive Variante fĂŒr Ihre manuellen Einstellungen. Er sieht aus wie ein edler FĂŒllfederhalter und wird damit zum kleinen, praktischen Zubehör.

aurSiemens-3x    Schlechtes Hören muss heute keine Last mehr sein

Neueste Mini-HörgerÀte von Siemens: Klein und attraktiv. Auch als Im-Ohr-HörgerÀt erhÀltlich
   Das Entstehen einer HörschwĂ€che ist oft eine schleichende Entwicklung. Und viele Betroffene wollen sich die eigene HörschwĂ€che hĂ€ufig nicht eingestehen. Dabei ist eine Hörminderung nicht fĂŒr einen selbst, son- dern auch fĂŒr Angehörige und Freunde oftmals eine Belastung. Gesellige Runden werden zur Anstrengung und oftmals kommt es zu MissverstĂ€ndnissen. Das gilt besonders fĂŒr GesprĂ€che mit mehreren Personen oder Situationen mit UmgebungslĂ€rm. Beratung und Hilfe bieten HörgerĂ€teakustiker, die auf Hörakustik und die Versorgung spezialisiert sind, oder HNO-Ärzte.
Moderne HörgerÀte helfen
   Befragungen von Schwerhörigen und Angehörigen ergeben immer wieder, dass HörgerĂ€te immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet sind. Sie sind groß, pfeifen, sie tragen sich unangenehm oder sie brauchen viele teure Batterien. Den Gegenbeweis tritt der deutsche Technikkonzern Siemens an. Das Unternehmen konnte mit den Produkten „Life" und „Pure" bereits viele Kunden ĂŒberzeugen. Die HörgerĂ€te zeichnen sich be- sonders durch modernste Technik und attraktive Designs aus. Alle Kunden hatten vorher die gleichen WĂŒn- sche: ganz vorn wurde eine unauffĂ€llige Bauform gewĂŒnscht. DarĂŒber hinaus waren eine einfache Bedien- barkeit und ein hoher Tragekomfort am Wichtigsten. HörgerĂ€te von Siemens konnten all diese WĂŒnsche erfĂŒllen.
Kleine „Verstehsysteme"
   In der Tat sind HörgerĂ€te von Siemens klein und einfach. Aber sie leisten noch mehr, wie z.B. das Erkennen von Richtungen aus denen GerĂ€usche kommen, was vor allem im Straßenverkehr wichtig ist. Auf Familien- feiern und im Berufsleben hingegen ist es wichtig, dass die Sprache aus dem UmgebungslĂ€rm herausgefiltert und verstĂ€rkt wird. So können Schwerhörige nahezu ĂŒberall verstehen und mitreden. Der Clou: HörgerĂ€te von heute lassen sich zudem bequem mit einer Fernbedienung steuern und einstellen. Sie sind außerdem kompatibel mit dem Fernseher, der Stereoanlage ja sogar mit Telefonen. Die KlĂ€nge werden direkt an die HörgerĂ€te ĂŒbertragen. Kopfhörer braucht man dann nicht mehr. Und durch moderne Akkutechnologie spart man sich den Einsatz von Batterien. NOZ100316 BerndLangerErlangen

ohReSound-x ohReSound- ohReSoundFlexVent

Neu auf der HörgerĂ€temesse in Leipzig - Wellness fĂŒr die Ohren

   Beim Hörsystem „be by ReSound” ist es erstmals gelungen, die Vorteile des klassischen Hinter-dem-Ohr- GerĂ€ts mit denen eines Systems, das im Ohr sitzt, zu verbinden. Entstanden ist eine sehr diskrete Bauform, die ihrem TrĂ€ger bestes Sprachverstehen und natĂŒrlichen Klang sichert, verspricht der Hersteller ReSound. Das so gut wie unsichtbare Hörsystem wird auf der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen HörgerĂ€temesse in Leizpig vorgestellt. Die gesamte Technik des nur 1,1 Gramm wiegenden GerĂ€ts sitzt im Ohr, außerhalb des Gehör- gangs verbleibt lediglich der hauchdĂŒnne Schallschlauch mit dem Mikrofon, der beim Tragen von der natĂŒr- lichen Form der Ohrmuschel kaschiert wird. Mit dieser neuartigen Form kommt ReSound vielen Betroffenen entgegen, fĂŒr die ein HörgerĂ€t immer noch ein Zeichen von SchwĂ€che ist, die man nichtöffentlich zeigt. Denn im Zeitalter unterschiedlichster Head-Se'ts, Ohrstöpsel fĂŒrs Handy und anderer GerĂ€tschaften, die der moderne Mensch im Ohr trĂ€gt, fĂ€llt das neue System ĂŒberhaupt nicht mehr als HörgerĂ€t auf, wie Umfragen ergaben. Damit könnte die Akzeptanz deutlich grĂ¶ĂŸer werden. Außer mit modernster Lautsprecher- und Mikrofontechnik ist be by ReSound™ mit dem sogenannten Multi Venting ausgestattet, das sicherstellt, dass jederzeit frische Luft in den Gehörgang strömt. Dadurch kann sowohl die eigene Stimme, als auch die der GesprĂ€chspartner so natĂŒrlich wie möglich wahrgenommen werden. „Bei unseren umfangreichen Testreihen stellten wir immer wieder fest, dass die Probanden das Hörsystem in ihrem Ohr ĂŒberhaupt nicht mehr spĂŒrten und es völlig vergessen hatten”, berichtet Marketingleiter Marc Reichling. FAZtes081014smm  

ReSound bringt das beste Lifestyle-Hörsystem - ReSoundAIR™ bringt Lebensfreude und Hörgenuss 
   ReSound prĂ€sentiert der Fachwelt derzeit eine bahnbrechende Neuerung auf dem Gebiet der HörgerĂ€te- Technik: ReSoundAIR™, ein volldigitales Hörsystem, das nicht nur durch Hightech auf höchstem Niveau ĂŒberzeugt. Mit seinem revolutionĂ€ren GehĂ€use-Design und einem bislang unerreichten Tragekomfort bietet das Hörsystem eine einfache, angenehme und beinahe unsichtbare Lösung, die HörgerĂ€te-TrĂ€gern zu mehr Lebensfreude verhilft.
   Das nur zwei Gramm leichte Hörsystem, das in den Farben Perl, Schwarz, Aluminium, Granit und Mittelblond angeboten wird, trifft bei Kunden auf ein ausgesprochen reges Interesse. Das GehĂ€use von ReSoundAIR™ verschwindet komplett hinter dem Ohr. Mit seinem ergonomischen Design liegt es sicher an. Ein sichtbares OhrpassstĂŒck gibt es nicht mehr. Lediglich ein dĂŒnner Schlauch mit weicher Kuppel fĂŒhrt in die Öffnung des Gehörgangs.
   Mit dem ReSoundAIR™ werden sicherlich Hörsysteme viel positiver als bisher wahrgenommen. ReSoundAIR™ ist nicht nur eine vorzĂŒgliche Lösung fĂŒr Hörverluste im Hochtonbereich, sondern wird ins- besondere all jenen gerecht, fĂŒr die Design ein wichtiger Faktor ist. Das neue System steht vor allem fĂŒr Lebensfreude, Hörgenuss und Spass. Mehr im Internet: www.gnresound.de

oh-ErikBergFraniBrughardt-x  Die HörgerĂ€te-Akustiker Frank Burghardt und Erik Berg

gewinnen beim Hamburger GrĂŒnderpreis 2010 in der Kategorie ExistenzgrĂŒnder.
   Das Ohr steht im Mittelpunkt. Die Plastikattrappe im Schaufenster der Wandsbeker Filiale von Frank Burg- hardt und Erik Berg ist ĂŒbermannshoch, grasgrĂŒn – und symboltrĂ€chtig. Denn die Ohren ihrer Kundschaft sind nicht nur das GeschĂ€ftsfeld der beiden gelernten HörgerĂ€teakustikermeister, sondern auch ihre Mission.
„Schwerhörigkeit trifft nicht nur Ă€ltere Menschen, sondern wegen der wachsenden Arbeitsbelastung auch zu- nehmend JĂŒngere“, sagt Berg, 33. „Hörsysteme haben aber immer noch den Ruf, hĂ€sslich und groß zu sein.“ Die Hemmschwelle, sich entsprechende Hilfsmittel zuzulegen, ist deshalb sehr hoch: Nach SchĂ€tzungen des Deutschen Schwerhörigenbunds gibt es bundesweit 14 Millionen Betroffene – aber nur rund 2,5 Millionen Menschen tragen tatsĂ€chlich ein HörgerĂ€t.
   Der Markt hat also ein gigantisches Potenzial – sofern es gelingt, die Hemmschwelle der Kunden zu ĂŒber- winden. Deshalb haben Berg und Burghardt fĂŒr ihre 2008 gegrĂŒndete Firma Die Hörmeister ein modernes Konzept entworfen: Offen und ansprechend sollen ihre sechs Filialen in Hamburg, Ahrensburg und LĂŒneburg wirken. So laden in der Wandsbeker Filiale dunkler Holzfußboden, lindgrĂŒne WĂ€nde, eine dezente Auslage mit winzigen Hightech-GerĂ€ten in allen Farben des Regenbogens und ein kostenloser Cappuccino zum Eintreten ein. Auch die beiden GrĂŒnder sehen eher aus, als wĂŒrden sie Smartphones statt HörgerĂ€te verkaufen. „Wir wollen Hörsysteme aus der verstaubten Prothesenschublade herausholen“, sagt Burghardt, 43. „Wir verkaufen vor allem LebensqualitĂ€t.“
   TatsĂ€chlich sind die GerĂ€te im Angebot der Hörmeister nicht nur so unauffĂ€llig und klein wie Kontaktlinsen, sondern gleichzeitig auch multimediale Wunderwerke. „Moderne Hörlösungen sind wie Minicomputer im Ohr“, erklĂ€rt Berg. „Sie können nicht nur Sprache verstĂ€rken und StörlĂ€rm herausfiltern, sondern ĂŒber Bluetooth auch als Freisprechanlage fĂŒrs Handy oder als Kopfhörer fĂŒr den MP3-Player genutzt werden.“ Die LautstĂ€rke werde dann ĂŒber einen dezenten Adapter in der Hemd- oder Hosentasche reguliert – auf Wunsch auch mit trendigen Swarowski-Strasssteinen besetzt. In diesem Herbst soll sogar ein GerĂ€t auf den Markt kommen, das sich direkt mit dem Fernseher verbinden lĂ€sst.
   Das kommt bei den Kunden an. Die UmsĂ€tze der Hörmeister haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt, liegen im einstelligen Millionenbereich. Erst im Juni haben die neuen FachgeschĂ€fte in Wandsbek und auf der Uhlenhorst eröffnet, eine siebte Filiale soll im Herbst folgen. Unter den 23 BeschĂ€ftigten sind auch fĂŒnf Auszubildende. „Allein in diesem Jahr haben wir sieben Mitarbeiter eingestellt“, sagt Burghardt, der als gebĂŒrtiger Nordrhein-Westfale vor 14 Jahren nach Hamburg zog und jetzt im Schanzenviertel lebt.
   Ebenso wie sein GeschĂ€ftspartner, der aus Schleswig-Holstein stammt, hat er vor der SelbststĂ€ndigkeit bei einer großen Kette Erfahrungen bei der Filialisierung gesammelt. Trotz der ExpansionsplĂ€ne sind beide Ge- schĂ€ftsfĂŒhrer im TagesgeschĂ€ft aktiv – Berg meist in der PoppenbĂŒtteler Filiale, Burghardt in Volksdorf. Ihre Vision: „Wir hoffen, dass Hörsysteme eines Tages ebenso wie Brillen zum modischen Accessoire werden.“
HA100909KathrinFichtel

Vom einfachen HörgerÀt bis zum Cochlear-Implantat: Experten antworten auf Fragen in der HAZ

H.Experten.xx

  Die Experten Foto v.l.n.r.: Prof. Anke Lesinski-Schiedat, HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hanno- ver; Dr. Lutz Osterwald, HNO-Arzt in Hannover; Dr. Hajo Frerichs, Landesbildungszentrum fĂŒr  Hörge- schĂ€digte; Dr.Martin Kinkel, HörgerĂ€te Kind; Rolf Erdmann, Schwerhörigenbund. 060124

Vom einfachen HörgerĂ€t bis zum Cochlear-Implantat: FĂŒr jeden gibt es die richtige Versorgung

 Am Anfang sind es nur Kleinigkeiten: Plötzlich nuschelt der Nachbar, so dass man ihn kaum noch versteht. Oder beim Treffen im Sportverein fĂ€llt es schwer, einzelne Sprecher auseinander zu halten. Wer dann immer wieder „Wie bitte?” fragen muss, weil er schlecht hört, dem macht die alltĂ€gliche Kommunikation mit anderen kaum noch Spass. „Viele Schwerhörige ziehen sich aus dem sozialen Leben zurĂŒck”, hat auch Prof. Anke Lesinski-Schiedat, OberĂ€rztin an der Klinik fĂŒr Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), beobachtet. Doch das sei der falsche Weg: „Den meisten kann mit einer individuellen Hör- beratung geholfen werden.”
   Dazu ist es vor allem wichtig, dass die Ärzte die Art der Hörstörung feststellen. Beim gesunden Ohr wird der Schall ĂŒber die Ohrmuschel und den Ă€ußeren Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Dieses gibt den Schall im Mittelohr ĂŒber die Gehörknöchelchen an das flĂŒssigkeitsgefĂŒllte Innenohr weiter, wo die Schallwellen wie auf einer Klaviertastatur bestimmte Haarsinneszellen anregen. Die Sinneszellen wiederum wandeln den Schall dann in elektromagnetische Impulse um, die der Hörnerv zum Gehirn weiterleitet. Bei Schwerhörigen oder Tauben kann der Weg des Schalls an unterschiedlichen Stellen gestört sein. „Wir schĂ€tzen, dass in Deutsch- land etwa 14 Millionen Menschen schwerhörig sind“, erklĂ€rt Lesinski-Schiedat. „Davon haben zwei bis drei Millionen eine Mittelohrschwerhörigkeit, ein Prozent haben SchĂ€den am Hörnerv, beim Rest ist das Innenohr betroffen.”
  Sind die Gehörknöchelchen im Mittelohr verhĂ€rtet oder ist das Trommelfell beschĂ€digt, hilft meist eine Operation. Menschen mit defektem Hörnerv dagegen können nur auf ein Hirnstammimplantat hoffen. Der grĂ¶ĂŸten Gruppe, den Innenohrschwerhörigen, helfen die Ärzte mit unterschiedlichen Methoden: Meist reichen HörgerĂ€te aus, damit die Patienten wieder ohne Probleme mit anderen kommunizieren können. „Wichtig ist, dass die Leute auf beiden Ohren HörgerĂ€te tragen”, betont Lesinski-Schiedat. Dabei gibt es sowohl einfache Modelle als auch ausgefeilte digitale Hörsysteme, die sich individuell anpassen und auf verschiedene Hörsituationen einstellen lassen. Allerdings haben die Hightech-GerĂ€te ihren Preis: 2.000 Euro pro Ohr können sie durchaus kosten. Der Festzuschuss der Krankenkasse von etwa 420 Euro deckt das nicht ab.
   Seit einigen Jahren gibt es zudem eine breite Palette alternativer Hörsysteme fĂŒr mittelgradige Schwer- hörigkeit. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ein Implantat den Schall verstĂ€rkt, indem es diesen direkt auf die Gehörknöchelchen im Mittelohr ĂŒbertrĂ€gt. Ist die Restfunktion des Innenohres allerdings nur noch so gering, dass die Betroffenen trotz optimalem HörgerĂ€t keine Sprache mehr verstehen, hilft nur noch ein Cochlear-Implantat (CI).
Bericht dazu im nÀchsten Artikel leitet den Schall direkt zum Hörnerven und umgeht so das geschÀdigte Innenohr. NicolaZellmeeHAZ01024

Krankenkassen zahlen weiterhin fĂŒr HörgerĂ€te
    Die Preise pro HörgerĂ€t liegen zwischen 420 und 1.000 Euro, bei Spitzentechnik zwischen 1.400 und 2.500 Euro. Damit sich das auch jeder leisten kann,  ĂŒbernehmen die Krankenkassen einen großen Teil der Kosten. Im Rahmen einer Versorgungspauschale zahlen sie fĂŒr jeweils zwei HörgerĂ€te 826 Euro plus Reparatur- pauschale.
HA061024

Hier die Fragen an die Experten in der Telefonaktion:

Mein Mann ist 1940 geboren und leidet an einer VerhÀrtung im Mittelohr (Otosklerose).
Links ist er taub, rechts fast taub. Auch mit HörgerÀt versteht er keine Sprache.
Gibt es noch eine Möglichkeit, ihm zu helfen?

  Ja, Patienten wie Ihr Mann sind prinzipiell fĂŒr ein Cochlear-Implantat (CI) geeignet, das den Schall direkt auf den Hörnerv ĂŒbertrĂ€gt. Diese Methode ist fĂŒr erwachsene Patienten, die bereits Hörerfahrungen hatten, genauso geeignet wie fĂŒr sehr kleine Kinder, deren Sprachentwicklung noch nicht begonnen hat. Cl- Patienten mĂŒssen allerdings zunĂ€chst ein anderes Hören lernen. Nach zwei bis drei Monaten haben sich die meisten aber hineingefunden. Ob Ihr Mann tatsĂ€chlich von einem CI profitieren könnte, lĂ€sst sich in einer etwa dreitĂ€gigen Untersuchung klĂ€ren. Dazu sollten Sie einen Termin bei einem spezialisierten Zentrum vereinbaren.
Unsere 33-jÀhrige Tochter ist durch die SpÀtfolgen einer Hirntumoroperation schwerhörig.
Meist trÀgt sie beidseits HörgerÀte, am Telefon kann sie auch so hören.
Kommt fĂŒr sie ein Mittelohrimplantat in Frage?

  Dass Ihre Tochter ohne HörgerĂ€te telefonieren kann, weist auf eine mittelgradige Schwerhörigkeit hin. Dann könnte ihr ein Mittelohrimplantat helfen. Ob das in ihrem Fall tatsĂ€chlich sinnvoll ist, lĂ€sst sich jedoch nur in einer umfassenden Voruntersuchung klĂ€ren.
Trotz HörgerÀten habe ich Probleme, lange GesprÀche zu verstehen.
Auch Fernsehen ist schwierig, besonders, weil viele BeitrÀge mit Musik unterlegt sind. Was kann ich tun?

   Das Problem ist oft, dass die tiefen Frequenzen vom Hörverlust nicht so stark betroffen sind wie die hohen. Deshalb kann man Sprache schlecht von Musik unterscheiden. FĂŒr den Fernseher gibt es im Fachhandel ZusatzgerĂ€te, mit denen man den Ton ĂŒber Kopfhörer hören kann. Bei FernsehgerĂ€ten mit einzeln stehen- den Lautsprecherboxen kann man sich diese auch  heranziehen. FĂŒr ein möglichst gutes SprachverstĂ€ndnis sollten Sie viele HörgerĂ€te ausprobieren, um das beste zu finden. Zudem muss man auch lernen, mit dem HörgerĂ€t in verschiedenen Situationen umzugehen.
Wenn ich mein HörgerĂ€t benutze, entzĂŒnden sich meine Ohren und eitern. Daher muss ich oft zum Arzt. Gibt es Alternativen? Kann man zerstörte Sinneszellen vielleicht mit Stammzellen regenerieren?
   Wenn Ihnen das HörgerĂ€t hilft, sollten Sie  darauf nicht verzichten. An der Möglichkeit, Stammzellen ein- zusetzen, wird momentan zwar geforscht, bis so etwas praktisch einsetzbar ist, wird es jedoch noch Jahre dauern. Zur kurzfristigen Linderung Ihres Problems wĂŒrde ich Ihnen empfehlen, HörgerĂ€te auszuprobieren, die den  Gehörgang  nicht ganz verschließen.
Ich bin nur auf dem linken Ohr schwerhörig und habe deswegen schon mehrere verschiedene HörgerÀte ausprobiert. Bislang bin ich aber mit keinem zufrieden. Ist es dann nicht besser, darauf zu verzichten?
   Nein, ein HörgerĂ€t ist auf jeden Fall sinnvoll. Denn das Gehirn und die Sinnesorgane brauchen stĂ€ndiges Training. Wenn auf einem Ohr nichts mehr ankommt, konzentriert sich das Gehirn auf die andere Seite, die Synapsen und Nervenverbindungen auf der anderen Seite schwĂ€chen sich ab, und das Gehirn „verlernt” das beidseitige Hören. Gerade um bei StörgerĂ€uschen die richtige Botschaft herausfiltern zu können, sollten aber beide Ohren etwa gleich gut hören.
Nach einem Hörsturz höre ich auf beiden Ohren schlechter und habe zwei HörgerÀte.
Anfangs konnte ich damit gut hören, doch jetzt habe ich Probleme. Woran liegt das?

  Nach einem Hörsturz kann sich das Hörvermögen durchaus wieder in gewissem Umfang regenerieren. Man sollte daher die Einstellung der HörgerĂ€te ĂŒberprĂŒfen. Das mĂŒssen Sie nicht bezahlen, weil die Nach- versorgung im Preis der GerĂ€te enthalten ist. Falls nötig, sollten Sie auch ein neues HörgerĂ€t in Betracht ziehen. Wenn es einen medizinischen Grund dafĂŒr gibt, zahlt die Kasse auch vor Ablauf der ĂŒblichen drei bis fĂŒnf Jahre.
Ich habe zwei HörgerÀte. Jetzt höre ich auf einmal ein Pfeifen. Woran liegt das?
 Wenn HörgerĂ€te pfeifen, kann das daran liegen, dass die OhrpassstĂŒcke nicht mehr optimal sitzen. Dadurch kommt zusĂ€tzlicher Schall in den Gehörgang, auf den Ihr HörgerĂ€t nicht ausgerichtet ist. Sie sollten den Sitz der PassstĂŒcke bei Ihrem HörgerĂ€teakustiker kontrollieren lassen und diese wenn nötig erneuern.
Mein HörgerÀt ist schon Àlter und defekt.
Weil ich immer damit zufrieden war, möchte ich es reparieren lassen. Geht das?

   Leider  nicht  in  allen FĂ€llen. Das hĂ€ngt davon ab, welches Bauteil kaputt ist und ob noch Ersatzteile erhĂ€lt- lich sind. Seien Sie aber nicht zu traurig, wenn eine Reparatur unmöglich ist. Die Technik hat sich deutlich weiter entwickelt, und sicher finden Sie auch ein neues GerĂ€t, das Ihren Anforderungen entspricht.
Als unsere Tochter eingeschult wurde, zeigten sich Anzeichen fĂŒr Hörstörungen.
Wer berĂ€t zu einer FrĂŒhförderung?

  Die FrĂŒhförderung ist ein Angebot des Landes
siehe: FrĂŒhförderung. Anlaufstellen sind die Landesbildungs- zentren fĂŒr HörgeschĂ€digte in Hildesheim, Braunschweig, Oldenburg und OsnabrĂŒck. Dort gibt es auch pĂ€dagogisch-audiologische Beratungszentren, in denen Sie das Hörvermögen Ihrer Tochter kostenlos ĂŒberprĂŒfen lassen können. Stellt sich eine HörschĂ€digung heraus, ist eine Förderung im Elternhaus möglich, um eine normale Sprachentwicklung zu gewĂ€hrleisten.
Unser Kind hat in der Schule auf einmal Lese- und Rechtschreibprobleme.
Vorher haben wir aber nichts bemerkt. Kann das sein?

   Gerade in den ersten drei Lebensjahren neigen Kindern zu Mittelohrproblemen. Dadurch reifen die Hör- nervenbahnen nicht aus, und die Kinder können nicht alle Laute korrekt unterscheiden. Meist können sie das relativ lange geheim halten, beim Lesetraining fĂ€llt es dann aber doch auf. Bei einem Verdacht sollten Sie mit Ihrer Tochter unbedingt einen HNO-Arzt aufsuchen. Hörprobleme wachsen sich nicht aus.
Meine Nichte ist gehörlos und hat nun mit ihrem ebenfalls gehörlosen Partner ein gehörloses Kind bekommen. Sollte das Kind nicht so schnell wie möglich ein Cochlear-Implantat bekommen?
   GrundsĂ€tzlich ist das sicher sinnvoll. Aber viele gehörlose Eltern haben Angst, dass ihr Kind dann keine GebĂ€rdensprache mehr lernt. Wir legen daher Wert darauf, die Eltern von Anfang an mit einzubeziehen. NatĂŒrlich soll ihr Kind die GebĂ€rdensprache lernen. ZusĂ€tzlich kann ihm ein Cochlear-Implantat aber weitere Möglichkeiten eröffnen - wie eine zweite Sprache.
Mein Arzt hat mir ein HörgerÀt verordnet. Was zahlt die Kasse?
   Von der Krankenkasse erhalten Sie einen Festzuschuss in Höhe von 420 Euro fĂŒr ein HörgerĂ€t. DafĂŒr kann man jedoch unserer Ansicht nach kein optimales GerĂ€t kaufen. Der Deutsche Schwerhörigenbund kĂ€mpft daher fĂŒr höhere ZuschĂŒsse. Inzwischen gibt es Urteile der Sozialgerichte, wonach die Kassen in bestimmten FĂ€llen höhere ZuschĂŒsse ĂŒbernehmen mĂŒssen. Im Zweifel lohnt es sich also, den Rechtsweg zu beschreiten. Gehen Sie offensiv mit Ihren Hörproblemen um!
Wo finde ich Beratung?
   Der Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Niedersachsen bietet kostenlose Beratungen fĂŒr Betroffene und Angehörige an.
Beratungsstellen gibt es im NeSt der BKK, Lange Laube 6, Hannover (jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat), sowie im Hörzentrum Hannover (HZH) der MHH, Karl-Wiechert-Allee 3, 30625 Hannover (jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat), jeweils von 17 bis 19 Uhr.
Gibt es in Hannover eine Selbsthilfegruppe fĂŒr HörgeschĂ€digte?
  Ja, eine solche Gruppe besteht seit 26 Jahren an der Volkshochschule Hannover (VHS). Die Treffen finden jeden Dienstag von 17.15 bis 18.45 Uhr in der VHS, Theodor-Lessing-Platz 1, 30159 Hannover, statt. Informationen gibt es unter Telefon 0511 - 16 84 65 67.

Musik macht Spaß, hĂ€ufig aber auch taub. Vorausgesetzt, sie kommt aus einem MP3-Player,
den der Nutzer voll aufgedreht hat.

   „Ich befĂŒrchte, dass bis zu zehn Millionen Menschen in der EU unwissentlich ihr Gehör schĂ€digen", sagt die BrĂŒsseler Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva. Sie hatte gestern Experten der Hersteller und aus der Medizin eingeladen, um ĂŒber Gegenmaßnahmen zu diskutieren. Zuvor hatte der Wissenschaftliche Ausschuss der EU zum Thema „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken" bereits fest- gestellt:  Wer tĂ€glich nur eine Stunde Musik aus einem tragbaren GerĂ€t zu laut hört, hat nach fĂŒnf Jahren irreversible HörschĂ€den.
   Dabei gilt schon seit LĂ€ngerem eine europĂ€ische Sicherheitsnorm, die den LĂ€rmpegel der tragbaren MusikgerĂ€te auf höchstens 100 Dezibel begrenzt. Angeblich liegt die durchschnittliche GerĂ€uschkulisse zwischen 75 und 85 Dezibel. BrĂŒssels Wissenschaftler aber fanden heraus: „Je nach GerĂ€t und Ohrhörer erreicht die maximale LautstĂ€rke bis zu 120 Dezibel."
   Vor allem die beliebten iPods des Herstellers Apple stehen in dem Ruf, so laut wie ein Presslufthammer direkt am Ohr (120 Dezibel) zu sein. Bei diesem Pegel, so begrĂŒndete ein US-KlĂ€ger vor drei Jahren seine Schadenersatzforderung gegen Apple, reichen 28 Sekunden, um dauerhafte Hörschaden zu verursachen.
   Die Verbraucherschutzkommissarin hat die Industrie gestern aufgefordert, per Selbstverpflichtung die LautstĂ€rke nach oben hin zu begrenzen. Sollte das nicht funktionieren, werde BrĂŒssel notfalls neue Sicherheitsstandards vorgeben. Dies sei dringend nötig: Bayerns Staatsregierung hatte vor zwei Jahren herausgefunden, dass jeder vierte Jugendliche bereits irreversibel geschĂ€digt ist - mit millionenschweren Folgen fĂŒr die Krankenkassen.
   Doch zunĂ€chst will BrĂŒssel abwarten. Die Hersteller der 246 Millionen verkauften GerĂ€te betonten gestern, sie wĂŒrden sich an die geltenden Vorgaben halten und gleichzeitig Kampagnen mittragen, die die KĂ€ufer und Nutzer vor ien Gefahren zu lauter Musik warnen. Was das konkret heißt, blieb allerdings unklar. ,Es muss schon mehr sein als heute, wo man in der Gebrauchsanweisung lediglich einen banalen Satz findet, der auf mögliche SchĂ€den hinweist", hieß es in der Debatte. NOZ090128DetlefDrewes
Testen Sie: Ist Ihr Player zu laut?  85 Dezibel - diese Grenze gilt als gefĂ€hrlich.
   Wer mehr als 40 Stunden in der Woche solchen LĂ€rm ertragen muss, wird unweigerlich geschĂ€digt. 133 Dezibel - so laut kann Spielzeug sein. Bei Untersuchungen schaffte ein Handy fĂŒr Kinder diesen traurigen Spitzenwert. Dabei gilt ein Hörschaden schon ab 120 Dezibel nach kurzer Einwirkung als unausweichlich. Besonders laut kann eine Spielzeug-Pistole werden, die direkt am Kopf abgefeuert wird - bis zu 180 Dezibel.
   Wer sich und seinen Musik-Player testen möchte, kann dies mit einem Computer-Programm tun, das es kostenlos im Internet gibt. NOZ090128DetlefDrewes Internet: www.earaction.de

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Foto links: Verbesserung erwĂŒnscht: Die Elektrode des Cochlea-Implantats liegt zusammengerollt in der Hörschneck. Vianna-Forscher arbeiten daran, die ReizĂŒbertragung mithilfe von Stammzellen empfindlicher zu machen. Foto rechts: Die guten ins Töpfchen, die schlechten in den MĂŒll: An der Sterilbank im Labor sortiert Luisa Höpfner die fĂŒr die Versuche benötigten Stammzellen aus den Zellproben aus.

Tuning fĂŒr das Innenohr.  Im Institut Vianna wollen die Forscher kaputte Sinneszellen
 in der Hörschnecke mit Stammzellen reparieren

   Die effektivsten Mikrofone kommen aus der Natur. Bei gesunden Menschen sind die Haarsinneszellen im Innenohr so empfindlich, dass sie noch das kleinste BlĂ€tterrascheln wahrnehmen und an den Hörnerv weitergeben können. Möglich wird das durch einen Trick: In der mit FlĂŒssigkeit gefĂŒllten Hörschnecke Cochlea sind die Haarzellen so angeordnet, dass sie von Schallwellen, die in mechanische Bewegung umgewandelt sind, abgeknickt werden. Damit öffnen sie gleichzeitig einen winzigen Kanal, geladene Teilchen Ionen fließen hindurch und geben so einen elektrischen Reiz an den Hörnerv weiter.
   Rund 16.000 dieser biologischen Wunderwerke haben wir im Innenohr. Doch die empfindlichen Haar- sinneszellen sind im Alltag unserer modernen Gesellschaft immer mehr gefĂ€hrlichem LĂ€rm ausgesetzt: Bau- stellen, Industrieanlagen, Verkehr und nicht zuletzt Musik und FreizeitlĂ€rm. Die ĂŒbergroßen Schallwellen, die dabei durch die Cochlea rauschen, knicken und verkleben die SinneshĂ€rchen dauerhaft. Nach und nach sterben diese ab, und der Betroffene hört immer schlechter. Im Laufe der Zeit ziehen sich zudem auch die Nervenenden des Hörnervs aus der zerstörten Region zurĂŒck.
   Vielen Schwerhörigen hilft heute schon ein Cochlea-Implantat, das mit einem Mikrofon Töne aufnimmt und diese ĂŒber eine lang gestreckte Elektrode in der Hörschnecke bis an den Hörnerv weitergibt. „Aber die Hörleistung ist mit dem „biologischen" Ohr nicht gleichzusetzen. Vor allem das Sprachverstehen im Stör- gerĂ€usch ist noch nicht zufriedenstellend", sagt Prof. Andrej Kral, der gemeinsam mit dem Direktor der HNO- Klinik, Prof. Thomas Lenarz, das Verbundinstitut fĂŒr AudioNeurotechnologie und Nanobiomaterialien
Vianna der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im hannoverschen Medical Parc leitet.
   Die Vision der Forscher ist eine Regeneration des geschĂ€digten Innenohrs. Athanasia Warnecke aus der HNO-Klinik arbeitet daran, die Sinneszellen mithilfe von Stammzellen zu regenerieren. Diese stammen aus Knochenmaterial von Patienten, die in der Klinik fĂŒr Unfallchirurgie der MHH bei Prof. Christian Krettek behandelt werden. In einer interdisziplinĂ€ren und klinikĂŒbergreifenden Zusammenarbeit mit der Biochemi- kerin Prof. Andrea Hoffmann aus der Unfallchirurgie werden die Zellen fĂŒr einen Einsatz im Innenohr aufbereitet. Das Vorbild des Forscherteams ist das Innenohr von Vögeln wie der Taube. Dort sind die Haarsinneszellen etwas ĂŒbersichtlicher angeordnet als beim Menschen mit seinen drei Reihen Ă€ußerer und einer Reihe innerer Sinneszellen, die jeweils ĂŒber unterstĂŒtzende Versorgungszellen verfĂŒgen. „Das Gute beim Vogel ist: Nach einer SchĂ€digung wachsen die zerstörten SinneshĂ€rchen binnen weniger Wochen nach", sagt Kral. GelĂ€nge es, diesen Mechanismus auch auf den Menschen zu ĂŒbertragen, wĂ€re Schwerhörigkeit kĂŒnftig womöglich kein unabwendbares Schicksal mehr.
   „Ich glaube, dass wir vom Traum der Regeneration des Innenohres noch sehr weit weg sind", schrĂ€nkt Warnecke ĂŒbertriebene Hoffnungen ein. Dennoch sind die Forscher heute bereits ein gutes StĂŒck auf ihrem Weg vorangekommen. „Ein Ansatz ist, dass wir versuchen, die vorhandenen Cochlea-Implantate weiter zu optimieren", berichtet Kral. Ein Problem der heutigen GerĂ€te ist etwa, dass die feine, spiralig aufgerollte Elektrode, die bei einer Operation in die Hörschnecke geschoben wird, dort im Laufe der Zeit hĂ€ufig von narbigem Bindegewebe ĂŒberzogen wird. „Das erhöht den elektrischen Widerstand, die Stimulation des Hörnervs wird behindert", erklĂ€rt Warnecke.
   Die Vianna-Wissenschaftler gehen davon aus, dass Elektroden mit einer speziell strukturierten OberflĂ€che, die zudem mit Stammzellen besiedelt ist, dieses Überwachsen verhindern könnten. „Der nĂ€chste Schritt wĂ€re dann, Stammzellen in Nervenzellen weiterzuentwickeln und so wieder einen Kontakt zum Hörnerv her- zustellen", sagt Hoffmann. „Dabei könnten nervenunterhaltende (neurotrophe) Wachstumsfaktoren helfen." Als „Fabriken" fĂŒr die begehrten Wachstumsfaktoren sollen Stammzellen dienen. Sie helfen auch im Körper, Verletzungen zu heilen, indem sie solche Faktoren ausschĂŒtten. Im Labor bereitet die Biochemie-Diplomandin Luisa Höpfner derzeit menschliche Stammzellen auf ihre Aufgabe vor. Aus dem Knochenmark entfernt Höpfner mit magnetischen KĂŒgelchen zunĂ€chst die Blutstammzellen. Diese sind fĂŒr die vorgesehene Aufgabe nicht geeignet. Übrig bleiben die sogenannten mesenchymalen Stammzellen. „Die stellen alles her, was zum Skelett gehört: Knochen, Knorpel, Fett, Muskeln und StĂŒtzzellen
Stroma", sagt Hoffmann. Mit einer gentechnischen VerĂ€nderung kann ihre Arbeitsgruppe die Stammzellen inzwischen auch dazu bringen, spezielle Wachstumsfaktoren fĂŒr Nervenzellen zu produzieren.
   Bei Zellversuchen muss sich jetzt zeigen, ob die gentechnisch verĂ€nderten Stammzellen tatsĂ€chlich Nervenzellen des Hörnervs schĂŒtzen können. Dazu werden beide Zelltypen zusammengegeben und die ĂŒberlebenden Nervenzellen gezĂ€hlt. „Ohne Wachstumsfaktoren wĂŒrden viele dieser Zellen zugrunde- gehen. In einem anderen Experiment wollen die Vianna-Forscher darĂŒber hinaus tauben Meerschweinchen mit Bindegewebszellen prĂ€parierte Cochlea-Implantate einsetzen. „Wenn die Methode ausgereift ist, werden wir statt mit den leicht zu zĂŒchtenden Bindegewebszellen mit den menschlichen Stammzellen arbeiten", sagt Hoffmann. Dann muss sich zeigen, ob diese im Innenohr die gewĂŒnschten Wachstumsfaktoren produzieren und ob die Faktoren tatsĂ€chlich die Fitness der Hörnervzellen fördern.
HAZ100831Nicola Zellmer

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Gemeinsm fĂŒr die Gesundheit: Das Vianna-Team
   Prof. Andrej Kral
Foto links (41) ist gebĂŒrtiger Slowake. Geboren wurde er in Bratislava, wo er spĂ€ter auch Medizin studierte. „Ich wollte immer Neurowissenschaften machen", sagt Kral. „Dass ich trotzdem zum Ohr kam, war ein Zufall." Auf dem Tisch seines Vater, der Linguist war, fand der Student einen Artikel ĂŒber die Funktionsweise des Hörens. Die Verbindung zwischen dem Ohr als Organ und dem Hören als Hirnleistung faszinierte ihn. Auch als er spĂ€ter nach Frankfurt und dann nach Hannover kam, blieb Kral diesem Fachgebiet treu. Derzeit ziehen ihn vor allem zwei Bereiche in ihren Bann. Der Mediziner untersucht, wie die Nervenzellen im Innenohr von einem Cochlea-Implantat gereizt werden und wie diese Reizung zielgenauer eingesetzt werden kann. Zudem arbeitet Kral daran, die Folgen der angeborenen Gehörlosigkeit fĂŒr die Hirnentwicklung im Detail aufzuklĂ€ren.
   Prof. Andrea Hoffmann
Foto Mitte (46) ist in Hannover geboren und aufgewachsen. In der nieder- sĂ€chsischen Hauptstadt studierte sie auch Biochemie. „Meine Doktorarbeit habe ich dann im Liquorlabor der Medizinischen Hochschule Hannover gemacht", erklĂ€rt sie. „Über die BeschĂ€ftigung mit dem Nervenwasser ist dann die Liebe zur Neurologie entstanden." Es folgte eine Station in der Herzchirurgie, bevor Andrea Hoffmann zum heutigen Helmholtzzentrum fĂŒr Infektionsforschung nach Braunschweig kam, um dort zu untersuchen, wie sich die Achillessehne mit Hhilfe von Stammzellen regenerieren lĂ€sst. Aus dieser Arbeit ent- stand auch der heutige Schwerpunkt der Biochemikerin: Andrea Hoffmann nutzt grundlegende Mechanismen der Stammzelldifferenzierung, um die RegenerationsfĂ€higkeit unterschiedlicher Organe - beispielsweise des Innenohres - zu verbessern.
   Dr. Athanasia Warnecke
Foto rechts (37) wurde in Griechenland geboren und kam mit neun Jahren nach Hannover, wo sie auch aufgewachsen ist. SpĂ€ter studierte sie an der Medizinischen Hochschule Hannover Medizin und promovierte in der Klinik fĂŒr experimentelle Pharmakologie. „Dabei habe ich festgestellt, dass es mir unheimlich Spass macht, im Labor zu arbeiten und mich in die Ebene der MolekĂŒle hineinzudenken", erzĂ€hlt Athanasia Warnecke. Nach einem Forschungsstipendium in den USA entdeckte die Medizinerin den Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Medizin fĂŒr sich. „Da trifft man auf komplett unterschiedliche Patienten", sagt sie begeistert. Heute versucht sie, durch den gezielten Einsatz von Stamm- zellen Tauben zu helfen. Am Vianna-Verbund schĂ€tzt sie vor allem die InterdisziplinaritĂ€t. „Allein könnte man nie so weit kommen wie im Team", sagt sie. ze

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Trotz Taubheit: Cochlea-Implantate(Cl) geben Menschen mit einer Innenohrtaubheit ihr Gehör zurĂŒck. Die MHH Hannover ist weltweit das grĂ¶ĂŸte Zentrum fĂŒr die Versorgung. Jetzt feiert die HNO-Klinik das 25-jĂ€hrige Cl-JubilĂ€um. Foto oben:  Beim Hören mit Cochlea-Implantat ĂŒbermittelt eine Elektrode die Töne als elektrischen Reiz an den Hörnerv. unten: Prof. Lesinski-Schiedat Mitte mit Ehepaar Hermann

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   Hanne und Franz Hermann hören am liebsten im Auto Musik. „In dem kleinen Raum ist das Klangerlebnis einfach am besten", schwĂ€rmt das Rentnerpaar aus Ulm. Dass die beiden ĂŒberhaupt Musik hören und genießen können, verdanken sie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort versorgen ausgewiesene Spezialisten seit 25 Jahren taube Menschen mit sogenannten Cochlea-Im- plantaten (CI). Diese Innenohrprothesen wandeln den eingehenden Schall in elektrische Impulse um und stimulleren damit direkt den Hörnerv in der Hörschnecke (Cochlea).
   In Hannover wurden seit 1984 mehr als 4.000 Patienten mit einem Innenohrimplantat versorgt. Damit ist die MHH heute das weltweit grĂ¶ĂŸte Cl-Zentrum. „Das konnte ich mir damals noch nicht vorstellen", sagt Prof. Ernst Lehnhardt, der das CI 1984 eingefĂŒhrt hat und die HNO-Klinik bis 1993 leitete. Lehnhardt erinnert sich genau, wie er seinerzeit von vielen Technikfirmen abgewiesen wurde, die meinten, die CI-Produktion lohne doch fĂŒr „die paar Patienten" nicht. „Heute ist das CI so erfolgreich, dass wir die Regierung ĂŒbernehmen mĂŒssten, wenn wir eine Partei wĂ€ren", sagt der emeritierte Professor verschmitzt.
   „Die große Erfahrung der MHH hat zu einem stetigen Ausbau und einer Steigerung der QualitĂ€t der Versorgung gefĂŒhrt und weltweit MaßstĂ€be gesetzt", betont auch der heutige Klinikdirektor Prof. Thomas Lenarz. Er beklagt allerdings, dass inzwischen immer mehr Kliniken CIs ohne ausreichende QualitĂ€ts- sicherung implantierten. „Die Folge sind unzufriedene Patienten, fehlerhafte Indikationen fĂŒr die Behandlung und eine mangelhafte postoperative Betreuung", erklĂ€rt er.
 Die MHH-Spezialisten, die ihr 25-jĂ€hriges JubliĂ€um mit einem Kongress feiern, an dem neben den Ärzten auch Patienten, Eltern, Krankenkassen, Ingenieure, PĂ€dagogen und weitere Berufs- und Interessengruppen teil- nehmen, betonen dagegen besonders die Bedeutung eines qualifizierten Teams. „Das CI braucht eine breite Basis von Spezialisten - auch in der Nachsorge", sagt Anke Lesinski-Schiedat, Ă€rztliche Leiterin des 2003 eröffneten Hörzentrums. Dort werden HörgeschĂ€digte rund um die Cl-Operation betreut und nachversorgt. Im Wilhelm-Hirte-Zentrum wiederum lernen taub geborene Kinder mit dem Cochlea-Implant hören und sprechen.
   Seit 1984 hat das CI eine lange Entwicklung hinter sich. UrsprĂŒnglich sollten die GerĂ€te Menschen, die aufgrund von Defekten im Innenohr taub waren, durch die direkte Stimulation des Hörnervs wieder ein Sprachhören ermöglichen. Inzwischen ist jedoch weit mehr möglich: So können Menschen mit einem Resthörvermögen gehörerhaltend operiert werden und so von dem Implantat profitieren.
   Die HörqualitĂ€t hat sich ebenfalls verbessert: CI-TrĂ€ger können problemlos telefonieren, sie können Hinter- grundgerĂ€usche herausfiltern - und in vielen FĂ€llen sogar Musik hören. Das liegt vor allem an der Weiterent- wicklung der Prozessoren, die ohne erneute Operation ausgetauscht werden können. „Allein durch eine clevere Ansteuerung lassen sich auch alte Cochlea-Implantate noch deutlich verbessern", sagt Andreas BĂŒchner, wissenschaftlicher Leiter im Hörzentrum Hannover. „Aufgrund der Angaben der Patienten haben wir immer mehr verstanden, wie man das System anpassen muss."
   Dabei sind auch nach vielen Jahren noch individuelle Verbesserungen möglich. Das kann Hanne Hermann bestĂ€tigen. Die heute 5 8-JĂ€hrige gehört zu den ersten Patienten, die in der MHH ein CI erhalten haben. Vorher war die Ulmerin, die im Alter von 24 Jahren ertaubte, ganze sechs Jahre lang von der Welt des Hörens abgeschnitten. Ihr Mann, PrĂ€sident der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft, ertaubte mit 42 Jahren und trĂ€gt ebenfalls zwei CIs. „Gerade waren wir wieder zur Neuanpassung im Hörzentrum", erzĂ€hlt Hanne Hermann, die sich selbst als „aktive" Hörerin bezeichnet. „TatsĂ€chlich ist danach eine neue Verbesserung zu spĂŒren."
   Damit Patienten wie die Hermanns kĂŒnftig nicht fĂŒr jede Nachkontrolle nach Hannover reisen mĂŒssen, will die MHH bald auch eine Fernanpassung anbieten. Bisher sind drei HNO-Praxen in Celle, OsnabrĂŒck und MĂŒnchen in einem Pilotprojekt mit dem Hörzentrum vernetzt. „Wir gehen aber davon aus, dass bis zum Jahresende zehn Praxen teilnehmen", sagt Andreas BĂŒchner. „Fernziel ist sogar eine Fernnachsorge fĂŒr Patienten in der ganzen Welt." Bei der sogenannten Remote Care unterstĂŒtzen die Fachleute des Hörzentrums in einer Videokonferenz niedergelassene HNO-Ärzte oder Akustiker bei der Nachjustierung der CIs. „Zur Erstanpassung und stabilen Einstellung mĂŒssen die CI-TrĂ€ger allerdings zunĂ€chst ins Hörzentrum kommen", sagt BĂŒchner.
HAZ090508NicolaZellmer

Orchester im Kopf - Hörhilfen Implantierbare GerĂ€te haben fast natĂŒrliche KlangqualitĂ€t

   Noch heute haftet HörgerĂ€ten etwas Verstaubtes an: Mit verzweifeltem, oft schmerzverzerrtem Gesicht greift sich der Schwerhörige ans Ohr, wenn es dort mal wieder fiept oder piept. Ist der Lautsprecher falsch eingestellt, kommt es zu Klangverzerrungen und RĂŒckkoppelungseffekten, die den Betroffenen schwer nerven können. Besonders bei Ă€lteren Menschen verwaisen deshalb ungezĂ€hlte Hörhilfen in den Schubladen. Das muss nicht sein, meint Dr. Thorsten Zehlicke, leitender Arzt des Hörzentrums am Bundewehrkrankenhaus Hamburg. „70 Prozent aller Scherhörigen könnten mit modernen digitalen HörgerĂ€ten, die keine störenden NebengerĂ€usche abgeben, sehr gut versorgt werden. Und fĂŒr Patienten, die stark schwerhörig sind oder unter speziellen Formen der Schwerhörigkeit leiden, gibt es implantierbare Hörhilfen, die eine beinahe natĂŒr- liche KlangqualitĂ€t von Sprache und Ton ermöglichen."
Nur jeder fĂŒnfte Schwerhörige nutzt ein HörgerĂ€t
   Derzeit schĂ€tzt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO), dass gerade einmal 20 Prozent der 16 Millionen Schwerhörigen hierzulande mit einer Hörhilfe versorgt sind. Dank der rasanten technischen Entwicklung kann sich das in absehbarer Zeit Ă€ndern. Implantierbare Mini-Hörcomputer sind ein „Meilenstein", der die „HNO-Heilkunde revolutionieren könnte",wie Prof. Karl-Bernd HĂŒttenbrink, Direktor der HNO-Uniklinik Köln betont. Von den Ohrimplantaten können neben der großen Zahl altersschwerhöriger Men- schen auch Tausende von Patienten mit Mittelohrschwerhörigkeit etwa infolge chronischer MittelohrentzĂŒn- dungen profitieren, so HĂŒttenbrink. Solche anhaltenden EntzĂŒndungen zerstören hĂ€ufig das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette - und damit das Hörvermögen. „Auch fĂŒr Schwerhörige, die an EntzĂŒndungen des Gehörgangs leiden und HörgerĂ€te im Ohr nicht vertragen, bedeutet das Implantat eine große Hilfe", erklĂ€rt der Spezialist.
Titanschraube im SchÀdelknochen
   Unterschieden wird zwischen teil- und vollimplantierbaren HörgerĂ€ten. Einfachste Variante ist ein knochen- verankertes HörgerĂ€t (Bone Anchored Hearing Aid = BAHA). Dabei wird hinter dem Ohr in örtlicher BetĂ€ubung eine Titanschraube in den SchĂ€delknochen implantiert, an der ein digitales HörgerĂ€t befestigt wird. BAHA- GerĂ€te kommen zum Einsatz, wenn die SchallĂŒbertragung im Ă€ußeren Gehörgang oder im Mittelohr gestört ist (Schallleitungsschwerhörigkeit); dann stimuliert das HörgerĂ€t das Innenohr direkt ĂŒber den SchĂ€delknochen.
   Wesentlich anspruchsvoller sind Implantate fĂŒr eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Dabei wird unter Vollnarkose ein winziger, 25 mg leichter Zylinder im Innenohr an einem der drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, SteigbĂŒgel) befestigt
siehe Grafik unten.

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   Die Gehörknöchelchen wandeln Schall in Schwingungen um und aktivieren damit die Hörschnecke; bei Schwerhörigen verstĂ€rkt der Zylinder die natĂŒrlichen Schwingungen. Seine Informationen erhĂ€lt er von einem Audioprozessor ĂŒber den er mit einem hauchdĂŒnnen Draht verbunden ist. Der Audioprozessor besteht - wie ein modernes HörgerĂ€t - aus einem Mikrofon, dem Chip zur digitalen Signalverarbeitung und einer Batterie. Statt eines Lautsprechers enthĂ€lt der Prozessor eine Sendespule. Das GeldstĂŒckkleine, zehn Gramm schwere GerĂ€t sitzt ebenfalls wie ein herkömmliches HörgerĂ€t hinter dem Ohr und wird von einem im SchĂ€delknochen eingesetzten Magneten gehalten. Neuester Schrei sind voll implantierbare Systeme, bei denen auch der Prozessor unter der Kopfhaut verschwindet.
   Die innovative Technik fĂŒhrt zu einer deutlichen Verbesserung der LebensqualitĂ€t, sagt Dr. Zehlicke. Hohe und leise Töne werden besser verarbeitet, so dass die Patienten oft erstmals nach langer Zeit wieder genussvoll Musik hören können. „Auch das SprachverstĂ€ndnis in gerĂ€uschvoller Umgebung, das bei vielen Schwerhörigen stark eingeschrĂ€nkt ist und als Cocktailparty-Effekt bezeichnet wird, steigert sich enorm und ermöglicht eine aktive Teilnahme an GesprĂ€chen."
   Trotz offenkundiger Vorteile, empfiehlt Zehlicke nicht jedem Schwerhörigen ein Implantat. „Ich schicke regelmĂ€ĂŸig Patienten nach Hause, die zu eitel sind, ein HörgerĂ€t zu tragen und sich lediglich aus kos- metischen GrĂŒnden operieren lassen wollen." Denn der Eingriff ist nicht ohne Risiken: Gesichts- oder Ge- schmacksnerven können verletzt, Blutbahnen getroffen oder SchĂ€delknochen beeintrĂ€chtigt werden. „Wir trennen die Haut hinter dem Ohr auf und arbeiten sehr beengt. Es handelt sich um eine PrĂ€zisionsoperation,  die nur mit einem Mikroskop unter bis zu 20-facher VergrĂ¶ĂŸerung durchfĂŒhrbar ist." HierfĂŒr, so Zehlicke, sei große Erfahrung erforderlich, weshalb implantierbare HörgerĂ€te auch nur in wenigen spezialisierten Zentren in Deutschland
siehe den folgenden Bericht eingesetzt werden.
Implantate zahlt die Krankenkasse
   Ist die medizinische Notwendigkeit attestiert, sind implantierbare HörgerĂ€te eine Leistung der gesetz- lichen Krankenkasse. „Herkömmliche HörgerĂ€te sind Hilfsmittel, die in aller Regel zumindest zum Teil selbst bezahlt werden mĂŒssen. Implantierbare HörgerĂ€te sind jedoch erstattungsfĂ€hige Heilmittel. Dies ist nur wenigen Patienten bewusst; hier besteht ein großes Informationsdefizit", erlĂ€utert Bundeswehrarzt Zehlicke. Voraussetzung ist, dass die Schwerhörigkeit mindestens sechs Monate besteht und herkömmliche GerĂ€te die HörbeeintrĂ€chtigung nicht ausgleichen können. Selbstzahler dagegen kommen schnell auf 15.000 Euro (ca. 10.000 Euro GerĂ€te- sowie 5.000 Euro Behandlungs- und Anpassungs- kosten) und mehr.»
HAZGesundUweGroenewold090821

Besser hören durch ein winziges StĂŒck Titan
„Zukunft fĂŒr gesamte Hörmedizin" - Teilimplantate bringen Hoffnung fĂŒr Schwerhörige

Die Hoffnung vieler Schwerhöriger ruht auf einer kleinen Spule, die lediglich einen Durchmesser von zwei Milli- metern hat. So groß sind die HörgerĂ€te, die schwerhörigen Patienten heute per Mikrochirurgie ins Ohr implantiert werden können. FĂŒr Experten bedeuten die neuen Mini-HörgerĂ€te Meilensteine, die in Zukunft die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde revolutionieren könnten: „Das ist ein wichtiger Schritt fĂŒr die gesamte Hör- medizin", betont Professor Karl-Bernd HĂŒttenbrink, Direktor der Klinik fĂŒr Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Uniklinikum Köln. „Die Methode ist fĂŒr die FĂ€lle geeignet, bei denen man medizinisch sonst nichts mehr machen kann."
   „Das Teilimplantat ermöglicht den Schwerhörigen ein sehr gutes Hören, was mit einem normalen HörgerĂ€t so nicht möglich wĂ€re", so HĂŒttenbrink. Die technischen Neuerungen der vergangenen Jahre sorgten dafĂŒr, dass Schwerhörigkeit heute mit HörgerĂ€ten, hörverbessernden Operationen und verschiedenen Implantaten sehr differenziert behandelt und versorgt werden kann.
   Die neuen, Erfolg versprechenden Mini-Ohrimplantate bewĂ€hrten sich bislang bei diagnostizierter Alters- schwerhörigkeit. Nun können auch Patienten, die unter einer Mittelohrschwerhörigkeit leiden, davon pro- fitieren. Ursachen fĂŒr die Schwerhörigkeit können chronische MittelohrentzĂŒndungen sein, die das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette zerstören und somit das Hörvermögen der Patienten. Ein großer Teil der Patienten ist trotz verfeinerter Operationstechniken auf eine Hörhilfe angewiesen. „Mit den teilimplantier- baren Implantaten haben wir endlich eine sehr moderne Lösung gefunden", so HĂŒttenbrink. Auch fĂŒr Schwerhörige, die an EntzĂŒndungen des Gehörgangs leiden und HörgerĂ€te nicht vertragen, bedeutet das Implantat eine große Hilfe.
   Diese aus Europa stammende Technik kann als „Bionisches Hören" bezeichnet werden, das von der Natur abgekupfert wurde. „Wir haben moderne Technik mit der Evolution gepaart, das heißt, die Ingenieurswissen- schaften mit der Funktionsweise der Natur verbunden." Mit seinem Team in Dresden und Köln leistete HĂŒttenbrink experimentelle Forschungsarbeiten, um das Produkt auf den Weg zu bringen. Der Titanclip des Implantats wird bei der Operation in die Gehörknöchelchenkette eingesetzt, sodass der SteigbĂŒgel in Schwingung gerĂ€t. Die verstĂ€rkten Schwingungen wirken elektromechanisch in das Innenohr - sie werden ĂŒber die Gehörknöchelchenkette eingespeist, wie beim natĂŒrlichen Hören. Unter den Haaren wird der Audio- prozessor mit einem Magneten am Kopf gehalten. Dieser enthĂ€lt ein Mikrofon, Batterie sowie die Elektronik, die den Schall in ein akustisches Signal umwandelt, das an das Implantat im Ohr weitergeleitet wird.
   Aber nicht nur medizinische GrĂŒnde und die UnvertrĂ€glichkeit herkömmlicher HörgerĂ€te geben hĂ€ufig den Ausschlag fĂŒr den Einsatz des Mini-Implantats, so der Experte. „Bei manchen hat das Teilimplantat auch einen kosmetischen Grund", betont Professor HĂŒttenbrink. „Schauspieler oder Fernsehleute wollen einfach nicht, dass man ihr HörgerĂ€t sieht, und entscheiden sich fĂŒr die neue Methode."
NOZ100616Gesundheit

Hör-Hilfe

Adressen
   Eine Liste aller HNO-Kliniken findet man unter www.hno.org. Eine Liste nur mit Kliniken, die HörgerĂ€te im- plantieren, gibt es nicht. NĂ€here AuskĂŒnfte geben Herstellerwie z.B. Med-El www.medel.com
Beratung E
in Beratungsangebot zu medizinischen und rechtlichen Fragen bieten der Deutsche Schwer- hörigenbund und seine LandesverbÀnde: www.schwerhoerigen-netz.de
HörgerÀte
   Ärzte raten zu einer frĂŒhen Versorgung mit Hörhilfen, weil der Hörsinn bei Schwerhörigkeit rasch ver- kĂŒmmert. Vor allem alte, schwerhörige Menschen geraten auf diese Weise schnell in die soziale Isolation. Moderne GerĂ€te sind sehr klein und können hinter dem oder im Ohr getragen werden. Sie imitieren natĂŒrliches Hören und stellen sich automatisch auf unterschiedliche Hörsituationen ein. Die gesetzlichen Kassen zahlen pro GerĂ€t etwa 350 bis 500 Euro, moderne GerĂ€te kosten allerdings oft ein Vielfaches davon. Diese Differenz muss der Patient selbst zahlen.

Verleihung des niedersÀchischen Verdienstordens au-aurRolfErdmannOrd-xx

Interview mit Rolf Erdmann aus Hannover Foto oben, Leiter des Referats Technik vom Deutschen Schwer- hörigenbund (DSB): „Kein Implantat aus kosmetischen GrĂŒnden"
FĂŒr wen sind implantierbare HörgerĂ€te geeignet?
   Sie sind Versorgung in bestimmten AusnahmefĂ€llen und kommen nur in Frage, wenn die Versorgung mit herkömmlichen HörgerĂ€ten aus medizinischen GrĂŒnden nicht möglich ist.
FĂŒr wie gefĂ€hrlich halten Sie die Operation? Sind Komplikationen bekannt?
   Besondere Komplikationen sind dem DSB bisher nicht bekannt geworden. Aber dergleichen erfĂ€hrt man ohnehin nur selten, da die operierenden Kliniken Berichte ĂŒber tatsĂ€chlich entstandene Probleme kaum veröffentlichen.
Werden nach Meinung des DSB zu viele HörgerÀte implantiert
- aus kosmetischen oder wirtschaftlichen GrĂŒnden?

   Aktuelle Zahlen sind nicht bekannt. Implantierbare HörgerĂ€te sind meist kaum sichtbar. Dies kann zum Wunsch  fĂŒhren,  sich  solche HörgerĂ€te einoperieren zu lassen. Denn seit langem wird seitens der Hör- gerĂ€teindustrie sehr massiv mit sogenannten „unsichtbaren HörgerĂ€ten" geworben. Dazu muss man wissen: Schwerhörige Menschen verleugnen allzu oft ihre HörbeeintrĂ€chtigung. Das hat mit psychischen Problemen zu tun, die oft bei Schwerhörigkeit auftreten, aber auch mit dem althergebrachten schlechten Image der Schwerhörigkeit. „Unsichtbare HörgerĂ€te" und Operationen aus kosmetischen GrĂŒnden leisten solchen fal- schen, nicht zu Ende gedachten Verhaltensweisen Vorschub. Der DSB ist der Auffassung, dass implantierbare HörgerĂ€te auf gar keinen Fall aus kosmetischen oder wirtschaftlichen, sondern ausschließlich aus medizini- schen GrĂŒnden eingesetzt werden sollten.«
HAZGesund090821

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Der kleine Knopf im Ohr - Hörimplantat im Marienhospital OsnabrĂŒck eingesetzt
Foto links: Dr. Konrad Sommer ist Chefarzt der HNO-Klinik im Marienhospital.
Foto rechts: Das Hörimplantat sitzt am Ende des Kabels.

   Zwei Millimeter. So groß, oder besser so klein ist der Magnet, der mit einem Clip im Innenohr an das Gehör- knöchelchen geklemmt wird. Ein solches Hörimplantat hat jetzt Privatdozent Dr. Konrad Sommer, Chefarzt der HNO-Klinik am Marienhospital, erfolgreich einer Patientin eingesetzt. Die hatte bislang erfolglos mit her- kömmlichen HörgerĂ€ten gearbeitet.
   Das neue System beruht auf der Kombination zweier Teile. Im SchĂ€delknochen hinter der Ohrmuschel liegt das Implantat, bestehend aus einer Spule, einem starken Magnet und einem ĂŒber ein Kabel ins Innenohr gefĂŒhrten MasseverstĂ€rker, der wiederum die Schallsignale auf die Gehörknöchelchenkette ĂŒbertrĂ€gt. Außen hinter dem Ohr wird der externe Teil getragen: Ein Audioprozessor wandelt den akustischen Schall, also Sprache oder Musik, in Signale um, die dann zum implantierten VerstĂ€rker ĂŒbertragen werden. Per Magnet- kraft wird dieser Audioprozessor direkt hinter der Ohrmuschel gehalten und kann somit nahezu unsichtbar unter dem Haar getragen werden.
   In einer rund zweistĂŒndigen Operation wurde das HörgerĂ€t bei einer Patientin im Marienhospital ins Mittelohr eingepflanzt. Dabei wird das Implantat mikrochirurgisch an den Gehörknöchelchen verankert. „Solche Mittelohroperationen gehören zum chirurgischen Standard in der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie", berichtete Dr. Konrad Sommer, „wichtig ist aber die optimale Anpassung des Systems an die Situation des Patienten."
   Als Vorteile des neuen Systems nennt Dr. Konrad Sommer: „Ein Hörimplantat verfĂŒgt ĂŒber eine deutlich stĂ€rkere Leistung, vermittelt einen besseren Klang und hat ein breiteres Frequenzspektrum. Besonders fĂŒr Patienten, die unter kombinierten Schwerhörigkeit leiden, die am Ohr voroperiert sind oder mit her- kömmlichen HörgerĂ€ten nicht zurecht kommen, eignet sich das neue System."
   Das neue HörgerĂ€t ist auch fĂŒr Menschen interessant, die aus medizinischen GrĂŒnden herkömmliche Hörhilfen nicht tragen können, wie zum Beispiel nach mehrfachen Operationen am Mittelohr. Zudem seien Implantate, die im Mittelohr und unter der Kopfhaut getragen werden, eine gute Alternative, wenn die Ohr- passstĂŒcke normaler HörgerĂ€te die GehörgĂ€nge reizen und dort EntzĂŒndungen oder Ekzeme auslösen. Wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht, werde die Operation auch von den Krankenkassen getra- gen, so Dr. Konrad Sommer.
NOZ100626

HörgerÀte-Siemens

Mit neuer Technik besser hören. Bluetooth-Verbindung zum Handy

  Viele Menschen haben Hörprobleme, aber nur wenige gehen mit technischer Hilfe dagegen vor. Die Leistung der HörgerĂ€te hat sich in der Vergangenheit jĂ€hrlich verdoppelt, und man unterscheidet GerĂ€te, die im Ohr(IdO) oder hinter dem Ohr (HdO) getragen  werden. Beispielhaft  hat  der  Spezialist GN ReSound das Sprach- verstehen unter akustisch schwierigen Situationen optimiert. Sein Modell ReSound Matrix fokussiert sich bei Stimmengewirr automatisch auf die Sprache von vorn, verbessert ihren Klang und lĂ€sst sie aus Stör- gerĂ€uschen hervortreten.

auric.xx phonak gnReSound

  Das nur wenige Gramm wiegende HdO-GerĂ€t wird „offen” angepasst, ein transparenter Silikonschlauch fĂŒhrt in den Gehörgang, wo er mit einem „Schirmchen” fixiert wird. Der Verschlusseffekt (Okklusion) entfĂ€llt, weil Luft frei zirkulieren kann. FĂŒr IdO-GerĂ€te wird der Abdruck des Gehörgangs beim Hersteller lasergestĂŒtzt dreidimensional gescannt und virtuell bearbeitet, was zu hochprĂ€ziser Passform fĂŒhrt. Eine bis zu 3,2 Milli- meter große Öffnung lĂ€sst die Luft zum Trommelfell hindurch. Man kann mehrere Programme einstellen, die SignalĂŒbertragung beim Telefonieren ist verbessert, das Pfeifen bei RĂŒckkopplung  wird mit inversen Signalen durch Phasenverschiebung unterdrĂŒckt, und eine besondere Schaltung reduziert die WindgerĂ€usche. Anhand einer Datenbank im GerĂ€t kann der Akustiker den Höralltag des Kunden abbilden und die Einstellung der GerĂ€te optimieren. Deshalb kann die korrekte Anpassung mehrere Wochen dauern.
   Eine Bluetooth-Verbindung (auch nachrĂŒstbar) vom HörgerĂ€t zum Handy propagiert der Schweizer Her- steller Phonak. Eine volldigitale Funkkommunikation schafft die Verbindung zu PC, Mailbox, CD-Player oder Fernseher. Das HörgerĂ€t kann ĂŒber eine spezielle Armbanduhr oder einen SchlĂŒsselanhĂ€nger ferngesteuert werden, seine Mikrofone haben eine variable Richtwirkung. In Deutschland noch nicht verbreitet ist die in skandinavischen LĂ€ndern ĂŒbliche Technik, ĂŒber ein Funksystem den Schulunterricht, Filme, Opern oder Infor- mationen in Ämtern direkt auf die HörgerĂ€te zu ĂŒbertragen.
   HierfĂŒr bietet Phonak sein HörgerĂ€t iLink und den Funksender Campus S. Den Hörer des HdO-GerĂ€ts positioniert Hansaton Leonardo am Ende des Minischlauchs im Gehörgang. Dennoch bleibt die Anpassung „offen”, die akustische Darstellung soll besser sein und weniger technische Probleme bei hohen Tönen aufweisen. Die Trennung von Mikrofon und Hörer verspricht zudem erhöhte RĂŒckkopplungsfestigkeit.
   Weder Schlauch noch GerĂ€t wird bei dem Produkt der auric-Hörsysteme benötigt. Der Ohrenarzt implantiert eine 2,4 Millimeter starke TitanhĂŒlse hinter dem Ohrknorpel, die direkt in den Gehörgang fĂŒhrt. An ihr wird der hauseigene RetroX-Hörprozessor befestigt, den man unter der Dusche gegen einen Blindstopfen tauscht.
   Die Verbindung zweier HörgerĂ€te mit Funktechnik (Acuris von Siemens) ist bereits stark verbreitet. Mit der Bi-Cros genannten Versorgung kommunizieren beide Ohren ĂŒber Funk miteinander. Die Sendeleistung liegt bei dem Zweitausendstel der Leistung eines Handys  und ist absolut harmlos. Durch Miniaturisierung der Bauteile kann diese Technik selbst in IdO-GerĂ€ten untergebracht werden  - eMail: dr.pfleger@akustiker.at
  Das Unternehmen Starkey bietet die Hörbrillen-Technik. Dabei wird der Schall in Mikrovibrationen umgesetzt, von denen die Hör-Sinneszellen des Innenohrs gereizt werden. Das Starkey Bluetooth-Modul ELI ist fĂŒr alle HörgerĂ€te mit normiertem Audio-Eingang konzipiert. Um Kinder an Hörhilfen heranzufĂŒhren, hat Heba- Otoplastik (Mömlingen) die Buntheit entdeckt. Daneben bietet der Hersteller ein Trockenkissen und ein Reinigungsset: Ohrenschmalz ist sehr aggressiv, und es fĂŒhrte bei manchem GerĂ€t zu dessen frĂŒhem Ende. Damit auch der HörgeschĂ€digte in den neuen Tag findet, bimmelt sein Wecker (Bellmann und Symfon) nicht nur, sondern emittiert auch Lichtblitze.
WernerBockelmannFAZ051220
Informationen im Internet: www.hansaton.de,   www.auric.de,   www.starkey.de,    www.heba.de
www.bellman.com, www.gnresound.de, www.phonak,com, www.hoergeraete.siemens.de   

HdO.deltaOticon < “Delta” von Oticon  HdO-GerĂ€t

HörgerÀte werden intelligent

„Delta“ von Oticon
   Die Forschung in der HörgerĂ€te-Branche schreitet mit großen Schritten voran. Aktuelle Beispiele dafĂŒr liefern bahnbrechende Entwicklungen bei den Hinter-dem-Ohr-GerĂ€ten (HdO), die zu einer bemerkens- werten Optimierung der Produkte gefĂŒhrt haben. Insbesondere hinsichtlich Leistung, Design, Technik und Komfort fĂŒr den TrĂ€ger haben die neuen GerĂ€te deutlich mehr zu bieten als ihre VorgĂ€nger.
FĂŒr die Ohren, fĂŒr die Augen - perfektes Design
   Eine der Weltneuheiten heißt „Delta“, ein Hinter-dem-Ohr-GerĂ€t der Firma Oticon, das vor allem mit seinem raffinierten Design und den zahlreichen Möglichkeiten der farblichen Gestaltung zu ĂŒberzeugen weiß. „Delta“ ist in 17 Farben und Dekors erhĂ€ltlich, wobei das Spektrum von dezenten Tönen bis zum Metallic-Look reicht und so fĂŒr jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Das komfortable, moderne Hörsystem, das man beinahe mit einem eleganten Ohrschmuck vergleichen kann, wurde kĂŒrzlich sogar beim internationalen Design- wettbewerb „Red Dot Award” ausgezeichnet. In der Kategorie Produktdesign erhielt das „Delta“ den „red dot: best of the best”. Insgesamt verbindet das neue GerĂ€t von Oticon eine moderne Form mit ausgefeilter Technologie und setzt so neue MaßstĂ€be in puncto HörqualitĂ€t und Design.
Hightech auf höchstem Niveau
   Einen Meilenstein, wenn   von   technologischem Fortschritt die Rede ist, setzt zweifellos das Modell „Centra” von Siemens, denn dieses GerĂ€t ist sogar lernfĂ€hig. Was heißt das? Das „Centra” „merkt” sich die LautstĂ€rke-Einstellungen in verschiedenen Situationen und greift spĂ€ter ganz automatisch auf die ge- speicherten Einstellungen zurĂŒck. „Data Leaming” heißt diese Technik, die sich auf die LautstĂ€rkevorlieben des TrĂ€gers einstellt. In den ersten Tagen mit „Centra” regelt man die LautstĂ€rke einfach immer dann nach, wenn man es fĂŒr notwendig hĂ€lt. Das System registriert dies und berĂŒcksichtigt es beim nĂ€chsten Ein- schalten. Und wenn man spĂ€ter einmal nachjustiert, weil sich die Höranforderungen geĂ€ndert haben, ist auch das kein Problem: „Centra” speichert alle neuen Einstellungen, lernt also wenn notwendig - tĂ€glich dazu. Ein weiteres technisches Highlight der neuen Siemens-Entwicklung nennt sich „SoundSmoothing” - eine Funktion, die sogenannte ImpulsgerĂ€usche erkennt und vollautomatisch absenkt. FĂŒr den TrĂ€ger bedeutet das: Er muss keine unvermittelt auftretenden lauten GerĂ€usche wie TĂŒrenschlagen oder Geschirrklirren mehr fĂŒrchten, denn diese werden sofort auf ein angenehmes Maß reduziert.
Höchstleistung im Miniformat
  Eine weitere Weltneuheit  heißt „microPower” und kommt aus dem Hause Phonak. Bei „microPower” handelt es sich um ein revolutionĂ€res Hochleistungshörsystem im diskreten Format, das speziell fĂŒr Menschen mit großem Hörverlust entwickelt wurde. Es basiert auf der sogenannten Ex-Hörer-Technologie CRT (Canal Receiver Technologie): WĂ€hrend das Mikrofon in einem schlanken GehĂ€use hinter dem Ohr sitzt, ver- schwindet der Lautsprecher unmittelbar im Ohr. Die Tonsignale werden elektronisch durch einen dĂŒnnen Spezialschlauch ĂŒbertragen. Mit einem Gewicht von nur zwei Gramm ist „microPower” das kleinste und diskreteste Hochleistungs-Hörsystem der Welt.
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Ohne HörgerĂ€t ist der Hörnerv in Gefahr. Immer mehr Menschen sind schwerhörig, aber nur ein Drittel ist ausreichend versorgt. Warum ein HörgerĂ€t nicht ausreicht, erklĂ€rt JĂŒrgen Matthies Foto, stellvertretender Innungsobermeister beim Fachverband Deutscher HörgerĂ€teakustiker eV, in Nienburg.  HAZ040407

Wie hören wir eigentlich?
   Unser Ohr ist ein hochkomplexes Organ. Die Luft transportiert alle Schallwellen durch die Ohrmuschel und den Gehörgang auf eine centgroße Membran, das Trommelfell. Dahinter liegen die Gehörknöchelchen des Mittelohrs: Hammer, Amboss und SteigbĂŒgel. Durch die Vibration des Trommelfells fangen sie an zu schwin- gen und leiten die akustischen Signale weiter  in die Hörschnecke des Innenohrs.  Die  darin  enthaltene FlĂŒssigkeit ĂŒbertrĂ€gt die Signale ĂŒber Wellenbewegungen auf mehr als 20.000 SinneshĂ€rchen, die sie in elektromagnetische Impulse umwandeln. Der Hörnerv nimmt diese Impulse auf und leitet sie zum Gehirn weiter.
Was schÀdigt das Gehör?
   Zum Beispiel mehrstĂŒndiger DauerlĂ€rm, hohe Frequenzbereiche oder starkes Rauchen. Wenn man sich mehrere Stunden einem LĂ€rmpegel von ĂŒber 90 Dezibel ausgesetzt hat, braucht das Ohr etwa acht bis zehn Stunden, um sich wieder zu regenerieren. Hat es diese Möglichkeit nicht, können die SinneshĂ€rchen in der Hörschnecke dauerhaft geschĂ€digt werden. Das berĂŒhmte Piepen im Ohr nach einem Diskobesuch bedeutet nichts anderes, als dass SinneshĂ€rchen absterben.
Wie merkt man, dass man schwer hört?
   Schwerhörige haben ein anderes Hörbarkeitsempfinden. Bei GerĂ€uschen von 100 Dezibel sagen sie oft schon „Das ist mir zu laut”. Auch haben sie es vor einer GerĂ€uschkulisse schwer, die Person zu verstehen, mit der sie sich gerade unterhalten. Bei einem Hörverlust von etwa 50 Prozent erschließt sich dann auch die Bedeutung von SĂ€tzen nicht mehr.
Warum hört man im Alter schlechter?    
   Das liegt daran, dass die Gehörknöchelchen im Mittelohr mit zunehmendem Alter verhĂ€rten und den Schall dadurch schlechter in die Hörschnecke leiten. Hierdurch bekommen die SinneshĂ€rchen weniger Signale und können sogar ganz aufhören zu arbeiten. Der Hörnerv bekommt dadurch weniger Impulse und bildet sich zurĂŒck. Dieser Prozess dauert mehrere Jahre. Die Hörleistung des Ohres lĂ€sst etwa im Alter von 45 bis 50 Jahren nach. Das betrifft vor allem die hohen Töne.
Was hilft bei Schwerhörigkeit?
   Eine Möglichkeit ist, die Gehörknöchelchen operativ auszutauschen. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ halten die neuen Gehörknöchelchen aber nur vier bis fĂŒnf Jahre und mĂŒssen danach wieder gewechselt werden. Ein HörgerĂ€t hebt dagegen jene Frequenzen an, bei denen der Patient fehlhörig ist und macht sie wieder hörbar. Bei diesem Vorgang werden jene SinneshĂ€rchen wieder aktiviert, die zwar noch funktionstĂŒchtig sind, aber nicht mehr genutzt wurden. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern kann zwischen vier Wochen und einem halben Jahr dauern. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass beide Ohren versorgt sind.
Warum?
   Im Gehirn laufen die akustischen Signale von beiden Ohren zusammen. Das Gehirn entschlĂŒsselt daraus nicht nur ein bestimmtes GerĂ€usch, sondern erkennt auch die Richtung, aus der es kommt. Wenn jemand auf einem Ohr schwer oder nicht hört, geht ihm diese rĂ€umliche Wahrnehmung verloren. Menschen, die auf beiden Ohren schwer hören, benötigen daher zwei HörgerĂ€te. Andernfalls bildet sich der Hörnerv des nicht benutzten Ohres zurĂŒck, und das Richtungshören kann verloren gehen.
Wer zahlt die HörgerÀte?
   Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen FestbetrĂ€ge, die je nach Kasse und je nach Grad der Schwer- hörigkeit unterschiedlich sind. Kosten, die ĂŒber den Festbetrag hinausgehen, muss der Patient selbst ĂŒbernehmen. Weitere Informationen gibt es beim Fachverband Deutscher HörgerĂ€te-Akustiker, Pf. 15 68, 31565 Nienburg, Telefon: 05021 - 97 61 17, Internet:
www.fdh-ev.de

Kleiner Knopf im Ohr: HörgerÀte. Ausgefeilte Technik erleichtert Schwerhörigen das Leben erheblich

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Foto: Der schmale Teil des Hörcomputers Claro (Im-Ohr-HörgerĂ€t) enthĂ€lt den Hörer mit Lautsprecher, der vordere Abschnitt das Modul fĂŒr den Hörcomputer. Hinter die Klappe vorn wird die Batterie gesteckt. Das HörgerĂ€t wird individuell angepasst.    Foto:Phonak

1. Hörtest - das Gehör prĂŒfen:

 * MĂŒssen Sie in Unterhaltungen öfter nachfragen?
 * Können Sie in der Gruppe alles gut verstehen?
 * Machen Ihre Angehörigen Sie hĂ€ufiger darauf aufmerksam, dass der Fernseher zu laut ist?
 * Haben Sie das GefĂŒhl, dass viele Menschen nur nuscheln?
 * Hören Sie beim Musikhören Geigen und Flöten schlechter als andere Instrumente?
 * Vermissen Sie beim Spazierengehen das Zwitschern der Vögel?
 * Verstehen Sie am Telefon besser als im GesprĂ€ch?
 * Überhören Sie das Telefonklingeln manchmal?
Wenn Sie zwei oder mehr Fragen mit Ja beantwortet haben sollten Sie einen Hörtest beim HNO-Arzt oder HörgerĂ€te-Akustiker machen. 
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2. HighTech-GerÀte

  Martin Schlegel ist ein typischer Fall. Als der heute 34-jĂ€hrige Vermögensberater vor etlichen Jahren bemerkte, dass er die hohen Stimmen seiner Kleinkinder zunehmend schlechter verstehen konnte und auch Partys mit undurchdringlichem Stimmengewirr immer öfter mied, wischte er den Gedanken an eine Hörstörung erst einmal beiseite. Doch nach und nach fiel seine Schwerhörigkeit auch im Bekanntenkreis auf. Ein Freund ĂŒberredete Schlegel schließlich zum Arztbesuch. Der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist stellte eine fortgeschrittene Innenohrschwerhörigkeit fest und verordnete ein HörgerĂ€t.
  “Damit habe ich besonders im privaten Bereich gute Erfahrungen gemacht”, meint der Vermögensberater heute.
   Mehr als 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Auskunft des HörgerĂ€teherstellerverbandes “Forum Besser Hören” unter HörschĂ€den. Tendenz steigend. Doch nur 2,5 Millionen der Betroffenen sind mit HörgerĂ€ten versorgt. “Im Durchschnitt lassen die Leute ihr Hörproblem sieben bis zehn Jahre zu spĂ€t be- handeln - nĂ€mlich dann, wenn es schon schwerwiegend ist”, sagt Karsten Mohr vom Forum Besser Hören. “Die Hörleistung lĂ€sst ganz unmerklich nach”, erklĂ€rt Karin Uphoff von der HörgerĂ€teakustiker-Vereinigung “Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH).” Der Hörverlust wird daher oft nicht wahrgenommen. Wenn die Leute etwa GruppengesprĂ€che anstrengend finden, dann bleiben sie lieber weg.” In den meisten FĂ€llen kĂ€me der Anstoß fĂŒr eine Untersuchung des Gehörs daher von Freunden - wie bei Schlegel.
   Wenn sich die Schwerhörigen dann doch zum Arztbesuch aufraffen, haben sie ihre Vorurteile gegen HörgerĂ€te noch lange nicht abgelegt. “Wenn die Leute zu uns zur Versorgung kommen, ist schon eine gewisse Skepsis da”, sagt Uphoff. Die Eitelkeit spiele dabei ebenso eine Rolle wie das GefĂŒhl, mit einem HörgerĂ€t automatisch zum “alten Eisen” zu gehören. Dazu kommen zudem ĂŒberholte Vorstellungen von technisch unzulĂ€nglichen GerĂ€ten, die bei jeder Gelegenheit durchdringend piepen und jedes unangenehme GerĂ€usch ungefiltert verstĂ€rken.
  “Ein HörgerĂ€t ist erst einmal ungewohnt”, rĂ€umt Uphoff ein. “Gerade wenn lange mit der Versorgung gewartet wird, musss das Gehirn erst wieder lernen, die UmgebungsgerĂ€usche einzuordnen.” Auch eine hundertprozentige Wiederherstellung des Gehörs könnten die Hörhilfen nicht leisten. Davon abgesehen sei die HörgerĂ€tetechnik aber inzwischen so weit fortgeschritten, dass in der Regel jeder Schwerhörige - abhĂ€ngig von der Art seiner Schwerhörigkeit - auch optimal versorgt werden könne. Dabei bemĂŒhen sich die Hersteller besonders um immer kleinere und immer leistungsfĂ€higere GerĂ€te.
    FĂŒr eine leichte oder mittelgradige Schwerhörigkeit sind meist auch GerĂ€te geeignet, die fast unsichtbar komplett im Gehörgang sitzen. So hat die Firma Phonak kĂŒrzlich eine Im-Ohr-Version ihres HörgerĂ€tes “Claro” mit integriertem, digitalem Mikrofon vorgestellt. Die Schalen fĂŒr den Gehörgang werden am Computer mit hoher Genauigkeit individuell angefertigt. “Claro CIC” wird auch in Deutschland verkauft. Vom Hersteller “Oticon” wiederum kommt mit “Adapto” ein digitales System auf den Markt, das mit einer speziellen Sprach- erkennungsfunktion ausgestattet ist. Besondere SchallkanĂ€le sollen zudem RĂŒckkopplungen und das GefĂŒhl eines durch das GerĂ€t “verstopften Ohres” vermeiden.
  Beim HörgerĂ€teakustiker werden die GerĂ€te in der Regel in mehreren Sitzungen optimal angepasst. Bei fast allen digitalen Hörsystemen sei dabei eine computergestĂŒtzte Höranalyse und Programmierung des GerĂ€tes Standard, betont Uphoff. Sie rĂ€t kĂŒnftigen Nutzern, sich ausreichend Zeit zu nehmen und so lange ver- schiedene GerĂ€te auszuprobieren, bis sie eines gefunden haben, das ihren BedĂŒrfnissen entspricht. “Den HörgerĂ€teakustikern ist es lieber, sie machen einen Termin mehr, und der Kunde ist dafĂŒr nachher zufrieden”, sagt sie.
   Besonders erfreut sind die Hörspezialisten, wenn Kunden wie Martin Schlegel berichten, wie sie mit dem neuen HörgerĂ€t zum ersten Mal eine Familienfeier erlebt haben, bei der sie jedes Wort verstehen konnten. “Viele stellen dann fest, was sie vorher alles nicht gehört haben”, meint Uphoff. CorneliaWernerHAZ0112
Weitere Informationen

bieten die Internetseiten der Fördergemeinschaft Gutes Hören www.fgh-besserhoeren.de (Telefonhörtest unter 0180 - 532 37 54) sowie des Forum Besser Hören www.forumbesserhoeren.de  eMail:
info@forumbesserhoeren.de (hier erhalten Sie die kostenlose BroschĂŒre mit dem Titel: “Das Leben hören”).

Neu: Volldigitale Hörsysteme

  Mehr als 2,5 Millionen Deutsche tragen ein HörgerĂ€t, viele von ihnen besitzen gleichzeitig ein Mobiltelefon. Die lĂ€stigen StörgerĂ€usche, die bei der Nutzung von beiden GerĂ€ten entstehen können, sollen mit neuen volldigitalen Hörsystemen behoben werden können. Der dĂ€nische HörgerĂ€tehersteller “Widex microtechnic” entwickelte sehr kleine Im-Ohr-HörgerĂ€te, welche durch Bit-DatenĂŒbertragung (wie beim Computer) weniger störanfĂ€llig und leistungsstĂ€rker sind.  hpshHA020805

Individuelle HörgerĂ€te ... 

 ... können mit einem jetzt marktreifen System des dĂ€nischen Herstellers Widex hergestellt werden, ohne dass mit Silikon ein Abdruck des Gehörgangs genommen werden muss. Statt in aufwĂ€ndiger Handarbeit können die OhrpassstĂŒcke kĂŒnftig in automatisierter Fertigung entstehen. Das computerunterstĂŒtzte Verfahren Camisha ĂŒbertrĂ€gt dazu mit dem Laserscanner ermittelte Dateien ĂŒber Dimension, Form und KrĂŒmmung des Gehörgangs auf den Computer. Die so ermittelte individuelle Form kann dann jederzeit kopiert werden, wenn sie verloren oder beschĂ€digt wurde. Außer der individuellen Anpassung ist das Verfahren auch gĂŒnstig fĂŒr optimale Positionierung der elektronischen Bauteile im GerĂ€t. Widex verspricht fĂŒr die Zukunft noch kleinere HörgerĂ€te. Informationen zu Camisha unter Telefon 0711 - 78 95 0. smmFAZ030318

Zum Eingewöhnen der HörgerÀte

     Zum Eingewöhnen sollten HörgerĂ€te mindestens acht Stunden tĂ€glich getragen werden. Je lĂ€nger die Hörhilfen getragen werden, desto kĂŒrzer ist die Eingewöhnungszeit, wie das Forum Besser Hören mitteilt. Bei Schwerhörigkeit verkĂŒmmerten die genutzten Haarzellen im Innenohr und die Signale wĂŒrden nicht mehr zum Gehirn ĂŒbermittelt. HörgerĂ€te trainierten die Hörzellen, indem sie akustische Signale weiterleiteten. Deshalb sei es auch wichtig, das HörgerĂ€t nicht nur zu besonderen AnlĂ€ssen zu tragen, auch die Gewöhnung an AlltagsgerĂ€usche, wie beispielsweise das Summen des KĂŒhlschranks, sei von Bedeutung, teilt das Forum mit.  apNOZ030208

Die neueste Entwicklung sind vollimplantierte GerÀte

  “Das Vollimplantat hat nicht nur kosmetische Vorteile. Es kann nicht herausfallen, ist vor Staub und Wasser geschĂŒtzt”, sagt Professor Rudolf Leuwer. „Allerdings sind diese GerĂ€te noch sehr teuer.”
   Zur VerfĂŒgung stehen zwei Systeme, die beide noch in klinischen Studien getestet werden. „Bei dem St. Croix Envoy wurden seit MĂ€rz 2000 im Rahmen einer Phase-I-Studie in Deutschland elf und in den USA sieben Patienten mit dem GerĂ€t versorgt. Seit Mitte 2004 laufen jetzt Phase-II-Studien. Besonderes Merkmal dieses GerĂ€tetyps ist,  dass das Trommelfell selbst als Mikrofon zur Aufnahme des Schalls ausgenutzt wird. Das heißt, dass Töne und Sprache das Ohr auf ganz natĂŒrlichem Weg erreichen. DafĂŒr ist eine vergleichsweise aufwendige Operation nötig, die nur von erfahrenen OhrChirurgen durchgefĂŒhrt werden darf. Die Verbin- dungskabel von Sensor und Treiber werden dabei Ă€hnlich einem Herzschrittmacherkabel in das Prozessor- Batterie-Element geschoben und mit medizinischem Silikonkleber versiegelt”, sagt Leuwer. Der zweite GerĂ€tetyp, das sogenannte Fimos von Otologics, ist eine Weiterentwicklung eines seit einigen Jahren eingefĂŒhrten teilimplantierten HörgerĂ€tesystems. „Auch dieses GerĂ€t wird in klinischen Studien, auch an unserem Klinikum, getestet. Das Mikrofon wird dabei direkt unter die Kopfhaut hinter dem Ohr implantiert. Die Operation ist daher nicht so aufwendig”, erlĂ€utert Prof. Leuwer. Beide GerĂ€te werden durch ein „Prozessor- Batterie-Element” versorgt.  Die Batterien (Envoy) bzw.Akkumulatoren (Otologics FIMOS) werden auch implantiert und mĂŒssen nach einigen Jahren durch eine kleine Operation ausgetauscht werden.     
   FĂŒr die Envoy-Studie sucht das UKE noch Interessenten. Teilnehmer erhalten die Operation und das Implantat kostenlos. Voraussetzung fĂŒr die Teilnahme ist, dass die Patienten Erfahrung mit konventionellen HörgerĂ€ten haben. Ob das Implantat fĂŒr die Interessenten in Frage kommt und ob sich die Probanden mit dem Eingriff tatsĂ€chlich anfreunden können, wird mit grĂŒndlichen Untersuchungen und in ausfĂŒhrlichen InformationsgesprĂ€chen geklĂ€rt. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 040 - 428 03 23 74 melden.
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Der kleine Knopf im Ohr. Moderne HörgerÀte können Schwerhörigkeit in den meisten FÀllen korrigieren.

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  “Schrei nicht so, ich bin doch nicht taub” lautet ein oft gesagter Satz von Schwerhörigen. Meist wollen sie nur ihr schlechtes Gehör nicht wahrhaben, weil sie sich vor den Vorurteilen fĂŒrchten, Angst haben, ausgeschlossen zu werden. Betroffen sind in Deutschland rund 15 Millionen Menschen. “Die Deutschen drohen ein Volk von Schwerhörigen zu werden”, warnt das Forum Besser Hören - Presse und Infor- mationszentrum der Vereinigung der HörgerĂ€teindustrie. Nur 2,5 Millionen trĂŒgen HörgerĂ€te, obwohl mehr als 6 Millionen sie dringend brĂ€uchten.
   Angehörige und Freunde sind es meist, die in der Schwerhörigkeit eher ein Problem sehen als die Betroffenen. Zu erkennen sind solche Hörprobleme zum Beispiel daran, dass Menschen Fernseher oder Radio deutlich lauter einstellen als frĂŒher, beim Theaterbesuch gern vorn sitzen, ein herannahendes Auto erst im letzten Moment hören oder gelegentlich TĂŒrklingel oder TelefonlĂ€uten nicht wahrnehmen.
   Wer solche Anzeichen bei seinen Angehörigen bemerkt, sollte sie dazu bewegen, bei einem HörgerĂ€te- Akustiker oder einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) einen Hörtest vornehmen zu lassen. Der Ohrenarzt diagnostiziert den Schaden und stellt das Rezept fĂŒr ein HörgerĂ€t aus, das vom HörgerĂ€te-Akustiker angepasst wird. Um fĂŒr jeden das richtige auswĂ€hlen zu können, muss er vieles in Erfahrung bringen: Wie und wann kam es zur Hörminderung? Wie ist der Zustand des Ă€ußeren Ohres? Was wird nicht mehr richtig gehört? Wie steht es mit der LĂ€rmempfindlichkeit? Welche Hör- und Lebensgewohnheiten hat der Betroffene beruflich und privat? Am gebrĂ€uchlichsten sind so genannte Hinter-dem-Ohr-HörgerĂ€te. Sie sind durch ein OhrpassstĂŒck  mit dem Gehörgang verbunden. Als Alternative gibt es Im-Ohr-GerĂ€te, die nach außen nahezu unsichtbar im Gehörgang getragen werden.
    Ein weiterer Vorteil dieser winzigen Hightech-Apparate: sie sitzen nĂ€her am Trommelfell, die Schall- ĂŒbertragung ist besser als bei GerĂ€ten hinter dem Ohr. Weitere Unterschiede liegen in der Form der Signalverarbeitung. Moderne Hörsysteme erbringen Höchstleistungen: Ein Prozessor kann Sprache aus störendem HintergrundlĂ€rm herausfiltern. Sie sorgen fĂŒr saubere Übertragung, können die LautstĂ€rke automatisch einstellen und schalten RĂŒckkoppelungen und Rauschen aus.
   Dass HörgerĂ€te die LebensqualitĂ€t deutlich verbessern, ist in mehreren Studien belegt. Das National Council on Aging in den USA befragte 2.300 Menschen zum Einfluss von HörgerĂ€ten auf ihre LebensqualitĂ€t. 50 Prozent gaben an, dass sie ihr Selbstbewusstsein zurĂŒckgewonnen hĂ€tten und sich sicherer im Umgang mit ihren Mitmenschen fĂŒhlten. 56 Prozent berichteten ĂŒber ein entspannteres Familienleben, 48 Prozent ĂŒber ein besseres LebensgefĂŒhl. 34 Prozent sind in der Freizeit wieder aktiver und weniger auf die Hilfe anderer angewiesen.  
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Informationen:
         Forum Besser Hören, Spadenteich 1, 20099 Hamburg, Telefon: (040) 28 40 13 50 oder im Internet: www.forumbesserhoeren.de   Unter 01805 - 32 37 54 (0,80 €/min.) bietet die Fördergemeinschaft Gutes Hören einen Hörtest per Telefon an.

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Computer-Bild beurteilt die HörgerÀte-Akustiker. Testergebnisse: www.hoeren-heute.de

Informationswert: Sachlich sehr gut fundierte Informationen zum Hören und zu Hörproblemen / Sehr gutes Lexikon / Viele BeitrÀge zur Vorbeugung von Hörproblemen (auch im Archiv) / Aktuelle Infos zu technischen Hilfsmitteln
weniger gut:  Wenige Abbildungen / Keine persönliche on-line-Beratung
Gestaltung: Sehr ĂŒbersichtliche Seitengestaltung / keine Suchfunktion
Haben Sie den Eindruck, dass viele Menschen undeutlich sprechen? Werden Sie auf hohe LautstĂ€rke Ihres FernsehgerĂ€ts hingewiesen? Dann hören Sie womöglich schlecht - und sind ein Fall fĂŒr den Ohrenarzt.

  Die Fragen stammen aus dem “Online-Hörtest” des Forums “Hören-heute” - es erscheint auch als Hauszeitschrift von HörgerĂ€te - Akustikern, legt dabei aber Wert auf UnabhĂ€ngigkeit. Ob es um Schwer- hörigkeit geht, um den Krankmacher “LĂ€rm” oder den berĂŒchtigten “Tinnitus” (das chronische Dauerpfeifen im Ohr): Wer ins Thema Hören einsteigen will, wird hier vielfĂ€ltig informiert. So können Sie im “LĂ€rmometer” nachlesen, welcher Schalldruck (gemessen in der Einheit Dezibel) HörschĂ€den ver- ursachen kann. Beispiele: 110 Dezibel laut ist es oft in Diskotheken. Wer sich dem 40 Stunden pro Woche aussetzt, muss mit SchĂ€digung rechnen. Schlimmer: eine Ohrfeige direkt aufs Ohr. Sie ist bis zu 170 Dezibel laut und kann das Gehör sofort beschĂ€digen.
 Stellen Sie fest, dass Ihre HörfĂ€higkeit beeintrĂ€chtigt ist, hilft meist nur noch die Technik. Hier kommen die HörgerĂ€te-Akustiker zum Einsatz.   Sie erfahren,  was ein HörgerĂ€t kostet (etwa 350 € bis 6.000 €) und was die Krankenkasse ĂŒbernimmt. Fachbegriffe erklĂ€rt ein Lexikon. Das Angebot bietet zudem Adressen “ausgewĂ€hlter” Betriebe in Deutschland und der Schweiz. Unklar ist, nach welchen Kriterien sie ausgewĂ€hlt wurden. So sind fĂŒr Hamburg nur drei Betriebe genannt und fĂŒr Berlin nur zwei.

Bundesregierung will hĂ€rter durchgreifen. HörgerĂ€teakustiker zahlen hohe Provisionen an HNO-Ärzte. Recherche der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung  JensHeitmannHAZ040107

  Auf TĂŒrsteher haben Thomas Stinnesbeck und Peter Ruwe verzichtet. Wer Hals-Nasen-Ohrenarzt sei und wer nicht, das sehe man schon an der Körpersprache, versichern die beiden Köpfe hinter der Bonner Focus Hören AG. Dass einige HörgerĂ€teakustiker trotz fehlender Einladung Einlass bei ihrer „Roadshow” begehrten, können die Manager sogar verstehen. Schließlich wollen die beiden Bonner ihnen mit Hilfe der Mediziner das bisher so eintrĂ€gliche GeschĂ€ft vermiesen.
   Eigentlich wollte das Duo im nĂ€chsten Jahr nur vier Filialen eröffnen, jetzt planen die beiden bereits mit einem Dutzend. „Die Ärzte nehmen unser Vorhaben positiv auf” beteuert Ruwe. Sie sind die HauptaktionĂ€re der Aktiengesellschaft und werden, wenn alles so kommt wie geplant, gleich doppelt von  ihrer Beteiligung profitieren - ĂŒber Provisionen und als AktionĂ€re. FĂŒr die Schwerhörigen seien möglicherweise Preissenkungen von 15 Prozent drin, heißt es in Bonn.
  Um das Wohl der Patienten geht es Focus Hören AG nur in zweiter Linie. Die NeugrĂŒndung ist ein weiterer Versuch, das fest geknĂŒpfte Beziehungsgeflecht zwischen Ärzten, Akustikern und Herstellern so weit zu lockern, dass fĂŒr das eigene GeschĂ€ft noch hĂŒbsche Margen ĂŒbrig bleiben. Das Potenzial ist riesig: 14 Millionen Deutsche leiden unter Hörstörungen, aber nur knapp ein Viertel davon trĂ€gt eine Hörhilfe. „Der Markt verlangt nach einer Bereinigung”, sagt Manager Ruwe. „Solche Strukturen  wie hier zu Lande sind weltweit einmalig”.
   In Deutschland kommen auf 3.200 HNO-Praxen etwa gleich viele Akustiker-Filialen. Im vergangenen Jahr wurde beim Zentralverband der Elektroindustrie der Verkauf von 560.000 HörgerĂ€ten gemeldet - das ist  am Tag weniger als ein  HörgerĂ€t pro Filiale. Der Engpass ist der Arzt”, sagt  ein Beteiligter. WĂ€hrend Optiker auch Brillen verordnen dĂŒrfen, ist das den  Akustikern bisher verwehrt. Damit sind sie von den Verordnungen der HNO-Ärzte abhĂ€ngig.  Eine Kiste Wein, ein PrĂ€sentkorb zu Weihnachten oder auch schon mal ein Reitsattel fĂŒr die Arztfrau seien als Dank fĂŒr eine Empfehlung  auch frĂŒher schon drin gewesen, berichtet der Vertriebsleiter gewesen, berichtet der Vertriebsleiter eines Filialisten. “Aber seit 1989 ist nichts mehr wie es war.”
   In diesem Jahr kam fĂŒr die Branche die Wende - mit Sanomed. Der Hamburger VersandhĂ€ndler hat den Markt revolutioniert: Auf seinem verkĂŒrzten Versorgungsweg schaltete GeschĂ€ftsfĂŒhrer Andreas Coburger die Akustiker aus. Mit Sanomed kooperierende HNO-Ärzte messen selbst den Hörverlust ihrer Patienten und fertigen den benötigten Abdruck vom Innenohr. Die entsprechenden Daten und die Ohrplastik schicken sie an die Alster, zwei Wochen spĂ€ter passt der Mediziner die Hörhilfe in seiner Praxis an. WĂ€hrend die Schwerhörigen beim Akustiker bis zu 1.500 Euro je GerĂ€t zuzahlen mussten, kamen sie bei Sanomed lange mit dem Zuschuss ihrer Krankenkasse aus - in Niedersachsen liegen die FestbetrĂ€ge je HörgerĂ€t zwischen 363 und 509 Euro. Mittlerweile
verkaufen die Hamburger in Deutschland jedes zehnte HörgerĂ€t und sehen sich damit als MarktfĂŒhrer.
  Sanomed vergĂŒtet dem Arzt seine Dienste mit bis zu 125 Euro pro GerĂ€t. „Das ist keine Provision”, sagt Coburger. „Das ist eine saubere Entlohnung”. An deren Höhe orientiert sich inzwischen die gesamte Branche. Wer als Akustiker im GeschĂ€ft bleiben wolle, mĂŒsse bluten, heißt es. Entweder werde schwarz nach „BAT” gezahlt („bar auf Tatze”), oder der Arzt erhalte - wie etwa bei HörgerĂ€te Kind aus Großburgwedel - eine Pauschale fĂŒr so genannte Befundberichte. Wie hoch deren wissenschaftliche QualitĂ€t einzuschĂ€tzen ist, gilt in der Branche als strittig. Nur jeder fĂŒnfte Akustiker, so schĂ€tzen Branchenkenner, komme ohne offene oder verdeckte Provisionen ĂŒber die Runden.
   Die Rechnung zahlen am Ende die Patienten. Der Verkauf der ĂŒberteuerten HörgerĂ€te-Batterien sichere dem Akustiker die Miete, das ReparaturgeschĂ€ft decke die Personalkosten - nur der eigentliche Gewinn stamme aus den Margen fĂŒr die HörgerĂ€te. „Sie fangen bei 40 Prozent an und sind nach oben offen”, rĂ€umt ein Akustiker ein. Preisschilder suchen die Patienten in den GeschĂ€ften auch deshalb meist vergebens. „Viele gucken erst mal, mit welchem Wagen jemand vorfĂ€hrt.”
  Auch die Bundesinnung der HörgerĂ€teakustiker weiß um solche Machenschaften. Sie seien aber die Ausnahme und nicht die Regel, sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jakob Stephan Baschab: „Schwarze Schafe gibt es bei uns wie in jeder Branche - die gilt es auszusondern”. Die Innung setze sich seit Jahren fĂŒr eine Trennung von medizinischen und handwerklichen Leistungen ein. „Wir lehnen alle Bezahlmodelle ab”. Baschab gesteht aber zu, dass der Wettbewerbsdruck deutlich gestiegen ist.
   Das bereitet inzwischen selbst den Preisbrechern Probleme - mit ihren Lieferanten zum Beispiel. Im Prinzip wĂŒrde er gern Fabrikate aller Hersteller vertreiben, sagt Sanomed-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Coburger. Leider seien viele aus Furcht vor einer „Akustiker-Blockade” eingeknickt. Neben dem hohen Kaufpreis war wohl auch das fĂŒr Sanomed ein Argument, um sich im Mai vom US-Hersteller Sonic ĂŒbernehmen zu lassen. Auch dem Neueinsteiger Focus Hören droht ein Engpass, zumindest beim MarktfĂŒhrer Siemens. Der Konzern verĂŒbelt es seinem langjĂ€hrigen HörgerĂ€te-Vertriebsleiter Stinnesbeck, dass er parallel zu seiner TĂ€tigkeit fĂŒr den Konzern die neue Gesellschaft aufgebaut hat, der er seit Neujahr als Alleinvorstand vorsteht. Immer wieder mĂŒsse man aufgebrachten Akustikern versichern, dass Siemens mit Focus nichts zu tun habe, heißt es bei dem Konzern. „Alles in allem ist das einfach kein sauberer Markt.

au-HörgerĂ€t-xx     HNO-Ärzte wollen nicht hören

Mediziner machen HörgerĂ€te-Akustikern Konkurrenz. GrĂ¶ĂŸe ist oft alles: FĂŒr sein HörgerĂ€t bekam Akustikmeister Claus-Peter Reichel einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

   Das Zentrum von Saarlouis ist ĂŒbersichtlich. Bis zur Zeughausstraße sind es jeweils nur wenige Schritte, egal, ob man vom Großen Markt kommt oder aus der Titzstraße neben dem Krankenhaus. Das ist von Vorteil fĂŒr die Schwerhörigen der dortigen Hals-Nasen-Ohren(HNO)-Praxen zum HörgerĂ€teakustiker ist es nicht weit. Auch fĂŒr die beiden Ärzte macht sich der kurze Weg bezahlt: Über ihre Ehefrauen sind sie an dem AkustikergeschĂ€ft beteiligt.
   Gleichwohl war es fĂŒr die Mediziner frĂŒher viel einfacher, sich fĂŒr die Verordnung von HörgerĂ€ten doppelt bezahlen zu lassen. Neben dem offiziellen Honorar von der Krankenkasse gab es Provisionen von den Akustikern - entweder schwarz und bar auf die Hand oder als Pauschale fĂŒr sogenannte Befundberichte. Bei bis zu 100 Euro pro Ohr konnte sich das auf 20.000 Euro fĂŒr einen HNO-Arzt summieren. Die Akustiker wiederum hielten sich an den Patienten schadlos.
   Dieser ĂŒber Jahrzehnte eingeĂŒbten Praxis hat der Bundestag im vergangenen April einen Riegel vorgeschoben: Mit der Neufassung des sogenannten Antikorruptionsparagrafen 128 im Sozialgesetzbuch dĂŒrfen Ärzte Hilfsmittel wie HörgerĂ€te oder Einlagen nur noch verschreiben, aber nicht mehr am Umsatz mit ihnen beteiligt sein. „Zum GlĂŒck", sagt ein Manager einer Akustikerfilialkette: „Das Gesundheitshandwerk wĂ€re sonst unter den Mahlwerken der Ärzte zermalmt worden."
   Nun mahlt es im Verborgenen. Das „Modell Saarlouis" gewinne an Zulauf, heißt es in der Branche. Die Zahl von Akustiker-GmbHs, an denen HNO-Ärzte entweder selbst oder ĂŒber TreuhĂ€nder wie Ehefrauen oder Steuerberater beteiligt sind, habe sich sprunghaft erhöht.
   „Wir haben bis jetzt mehr als 150 solcher Beteiligungen gezĂ€hlt", sagt Jakob Stephan Baschab, Haupt- geschĂ€ftsfĂŒhrer der Bundesinnung der HörgerĂ€teakustiker. Zum Vergleich: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen in Deutschland etwa 4.100 Akustiker gegenĂŒber. Der Umsatz der Branche wird auf rund eine Milliarde Euro geschĂ€tzt.
   Dabei hatten die unabhĂ€ngigen Akustiker gehofft, mit Hilfe der VerschĂ€rfung des Paragrafen 128 zugleich noch einen Vertriebsweg verstopfen zu können, der ihnen seit zwei Jahrzehnten zusetzt - der „verkĂŒrzte Versorgungsweg": Hier misst der HNO-Arzt den Grad der HörschĂ€digung, nimmt einen Ohrabdruck,  ĂŒbermittelt die Daten an einen Direktanbieter und passt dann die Hörhilfe in der Praxis an. WĂ€hrend der Mediziner dafĂŒr ein Honorar erhĂ€lt, gucken die ortsansĂ€ssigen Akustiker in die Röhre. „Dieses Ge- schĂ€ftsmodell verstĂ¶ĂŸt jetzt gegen den Geist des Gesetzes", sagt InnungsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Baschab.
   Dagegen protestiert hatten auch PatientenverbĂ€nde und VerbraucherschĂŒtzer. Der Schwerhörigenbund monierte MĂ€ngel in der QualitĂ€t, die Stiftung Warentest fand heraus, dass HörgerĂ€te hier - anders als versprochen - nicht gĂŒnstiger waren als im ĂŒblichen Handel. In Niedersachsen habe aktuell keine Kranken- kasse mehr einen Vertrag mit einem Direktanbieter, heißt es.
   Die Direktversender und einige Partner geben allerdings nicht auf. „Der Paragraf 128 SGB V greift nĂ€mlich nur bei vertragsĂ€rztlicher TĂ€tigkeit", heißt es in einem Schreiben der Focus Hören AG an eine HNO-Ärztin. Soll heißen: FĂŒr Privatpatienten gilt sie nicht. „Ihre legale Mitwirkung bei der HörgerĂ€teversorgung vergĂŒten wir zu attraktiven Konditionen (250 Euro/HörgerĂ€t in der Klasse ,Premium', 150 Euro/HörgerĂ€t in der Klasse ‚Komfort‘)."
   Nach Angaben von Focus Hören handelt es sich bei den Schreiben um EinzelfĂ€lle: Man habe lediglich den Markt „ausloten" wollen - im Übrigen habe kein HNO-Arzt auf das Angebot reagiert. Dass das nicht ĂŒberall so ist, belegen Rechnungen von gesetzlich Krankenversicherten. Auch sie können zu Privatpatienten werden, wenn ihr HNO-Arzt ihnen eine entsprechende ErklĂ€rung vorlegt und sie diese unterschreiben.
   Bei der Focus Hören AG schließt sich der Kreis: Zu ihren AktionĂ€ren gehören seit der GrĂŒndung der Firma vor sieben Jahren mehr als 130 HNO-Ärzte - inzwischen betreibt das Unternehmen eine Kette von rund 30 Akustikerfilialen und zĂ€hlt damit hinter den MarktfĂŒhrern Kind, Geers und Amplifon schon zu den GrĂ¶ĂŸeren der stark fragmentierten Branche. Das sei auch legal, heißt es: „Ein OrthopĂ€de darf schließlich auch ein SanitĂ€tshaus betreiben und ein Zahnarzt eine Zahntechniklabor."
HAZ100218JensHeitmann

HNO-Ärzte mĂŒssen GeschĂ€ft aufgeben
Mediziner dĂŒrfen sich nicht an HörgerĂ€teakustikern beteiligen - Innung kĂŒndigt Musterprozesse an

   Die unerlaubte Beteiligung von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten am GeschĂ€ft mit HörgerĂ€ten zieht juristische Konsequenzen nach sich. Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat die Wettbe- werbszentrale in einem exemplarischen Fall mehrere Mediziner aus Stuttgart dazu gezwungen, sich als Gesellschafter einer HörgerĂ€teakustiker-Kette zurĂŒckzuziehen. Die Bundesinnung der HörgerĂ€teakustiker kĂŒndigte weitere rechtliche Schritte an: „Wir lehnen solche GeschĂ€ftsmodelle ethisch, moralisch und juristisch ab", sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jakob Baschab. „Musterprozesse werden folgen."
   Das Bestreben vieler Arztpraxen, am GeschĂ€ft mit HörgerĂ€ten mitzuverdienen, Ă€rgert die Akustiker seit Jahren. Lange war es fĂŒr HNO-Ärzte ĂŒblich, sich fĂŒr die Versorgung doppelt bezahlen zu lassen. Neben dem offiziellen Honorar von der Krankenkasse gab es Provisionen von den Akustikern - entweder „unter der Hand" oder als Pauschale fĂŒr „Befundberichte". Bei bis zu 100 Euro pro Ohr waren so fĂŒr einen HNO-Arzt bis zu 20.000 Euro jĂ€hrlich drin. Die Akustiker wiederum hielten sich an den Patienten schadlos.
   Dieser ĂŒber Jahrzehnte eingeĂŒbten Praxis hat der Gesetzgeber im vergangenen April einen Riegel vorgeschoben: Mit der Neufassung des sogenannten Antikorruptionsparagrafen 128 im Sozialgesetzbuch(SGB) dĂŒrfen Ärzte Hilfsmittel wie HörgerĂ€te oder Einlagen nur noch verschreiben, aber nicht mehr am Umsatz mit ihnen beteiligt sein. Im Alltag habe sich trotz der Novellierung jedoch nur wenig geĂ€ndert, heißt es in der Branche.
   Im konkreten Fall hatten sich den Angaben zufolge HNO-Ärzte aus Stuttgart mittelbar an der DOC Hör- gerĂ€te GmbH & Co. KG beteiligt. Die Gesellschaft betreibt in der Region drei Filialen, die jeweils „in rĂ€umlicher NĂ€he" zu den Praxen der Mediziner angesiedelt sind, wie es in der Abmahnung der Wettbewerbszentrale heißt. Aus den GesellschaftervertrĂ€gen ergebe sich, „dass die Gewinne den beteiligten HNO-Ärzten (...) zu jeweils gleichen Teilen zufließen". Das Beteiligungsmodell ziele darauf ab, „durch entsprechendes Verord- nungsverhalten" persönliche Einnahmen zu generieren. Mit anderen Worten: Die HNO-Ärzte schickten ihre Patienten in die AkustikergeschĂ€fte, an denen sie selbst beteiligt seien. Das belegen dem Schreiben der Wettbewerbszentrale zufolge Aussagen von Patienten.
   Die Organisation stĂŒtzt ihre Abmahnung auf die Bestimmung der Berufsordnung der LandesĂ€rztekammer Baden-WĂŒrttemberg - die eigentliche Stoßrichtung ziele jedoch auf die Neuregelung im Sozialgesetzbuch, heißt es bei den Akustikern. Die Zahl von Akustiker-GmbHs, an denen HNO-Ärzte entweder selbst oder ĂŒber TreuhĂ€nder wie Ehefrauen oder Steuerberater beteiligt sind, habe sich sprunghaft erhöht, sagt Innungs- geschĂ€ftsfĂŒhrer Baschab. „Wir haben bis jetzt mehr als 150 solcher Beteiligungen gezĂ€hlt."
   Zum Vergleich: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen in Deutschland etwa 4.100 Akustiker gegenĂŒber. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nach EinschĂ€tzung von Marktkennern 775.000 HörgerĂ€te verkauft; der Umsatz der Branche wird auf rund eine Milliarde Euro taxiert. 
HAZ100608JensHeitmann

Der MarktfĂŒhrer legt zu:  au-AlexanderKind-x   Alexander Kind

HörgerĂ€temarkt sortiert sich neu. Wettbewerber rĂŒcken nĂ€her an Kind heran

   Immer wenn die Anrufe von Unternehmensberatern zunehmen, weiß Rainer HĂŒls, dass in der HörgerĂ€te- branche grĂ¶ĂŸere UmwĂ€lzungen bevorstehen. Gerade hat die Nummer drei der Akustiker, die nieder- lĂ€ndische HAL-Holding, die Übernahme des Branchenzweiten Geers angekĂŒndigt - nun wird darĂŒber spekuliert, dass Finanzinvestoren die HörgerĂ€tesparte von Siemens ĂŒbernehmen und sie mit der italienischen Akustikerkette Amplifon zusammenfĂŒgen könnten.
   LĂ€ngere Zeit war es ungewöhnlich still auf dem Markt, der in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro taxiert wird. Die Nummer eins unter den Akustikern, Kind HörgerĂ€te aus Großburgwedel, eröffnete stetig neue Filialen oder kaufte einzelne hinzu; die Neueinsteiger HAL und Amplifon versuchten, mit Übernahmen im großen Stil Schritt zu halten - beide allerdings mit mĂ€ĂŸigem Erfolg: Die Ergebnisse blieben deutlich hinter den Erwartungen zurĂŒck. „Ich glaube auch jetzt nicht an eine große Lösung", sagt Jakob Baschab, Haupt- geschĂ€ftsfĂŒhrer der Bundesinnung der HörgerĂ€teakustiker. „DafĂŒr ist der Markt zu klein."
   An der HörgerĂ€tesparte von Siemens sollen gleich fĂŒnf Finanz- und zwei strategische Investoren inter- essiert sein. Als Preis werden in der Branche rund 2 Milliarden Euro gehandelt. Man werde die Offerten in Ruhe prĂŒfen, sagt Konzernfinanzvorstand Joe Kaeser. Siemens sieht sich selbst noch als WeltmarktfĂŒhrer, Kenner der Szene halten die Schweizer Sonova und William Demant aus DĂ€nemark mit Marktanteilen von jeweils um die 20 Prozent fĂŒr grĂ¶ĂŸer und technisch besser. „Es wĂ€re mutig, Siemens jetzt zu kaufen", sagt ein Insider. „Das Beste daran ist die Marke - und die fiele spĂ€testens nach einem Jahr an den Konzern zu- rĂŒck."
   In der Zentrale von Kind verfolgt man die Geschehnisse recht entspannt. Auch nach dem Einstieg von HAL bei Geers bleibe das Unternehmen mit 467 Akustikerfilialen in Deutschland MarktfĂŒhrer. Ein Ende des Wachstums sei nicht abzusehen, sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Alexander Kind, der die Expansion zusammen mit seinem Vater Martin vorantreibt: „Uns werden jede Woche neue LĂ€den angeboten." Zuletzt wurde das Akquisitionstempo ein wenig gedrosselt, weil viele der AlteigentĂŒmer zu hohe Preisvorstellungen hatten.
    In Deutschland prĂ€gen noch immer EinzelkĂ€mpfer das Bild: Den rund 4.000 HNO-Ärzten stehen etwa 4.100 Akustiker gegenĂŒber. Kind, HAL/Geers und Amplifon erreichen zusammen nur einen Marktanteil von knapp 30 Prozent. „Die Filialisierung ist von LĂ€ndern wie Frankreich oder Italien noch weit entfernt", sagt Kind. Er rechnet mit einer allmĂ€hlichen AnnĂ€herung. Branchenexperte HĂŒls schĂ€tzt, dass 2009 in Deutschland 775.000 HörgerĂ€te verkauft wurden, ein Plus von 6 Prozent. Die UmsĂ€tze variieren allerdings stark: Manche Optikerfilialen, die HörgerĂ€te nur als ZusatzgeschĂ€ft betreiben, verkaufen drei StĂŒck im Monat - gut gehende GeschĂ€fte der Akustikerketten setzten bis zu 40 ab, heißt es. Kind beziffert seinen Umsatz auf rund 150 Millionen Euro.
   Nicht nur im Vertrieb nimmt die Konzentration zu, aufseiten der Hersteller gibt es Ă€hnliche Be- strebungen. Vor einigen Jahren wollte mit Sonova die Nummer eins den viertgrĂ¶ĂŸten Hersteller, die dĂ€nische Resound, ĂŒbernehmen - scheiterte damit aber am Bundeskartellamt, das damit ein Oligopol entstehen sah. Nun hat Siemens seine HörgerĂ€tesparte zum Verkauf gestellt.
HAZ100211JensHeitmann

HörgerÀtefirmen fusionieren
   Auf dem europĂ€ischen HörgerĂ€temarkt entsteht ein neuer Handelsriese. Der niederlĂ€ndische HörgerĂ€te- hĂ€ndler Audionova will 75 Prozent von Deutschlands Nummer zwei - der Firma Geers - ĂŒbernehmen. In Deutschland betreibt Audionova bisher 130 FachgeschĂ€fte unter dem Namen Hörgut. Geers hat in Deutschland rund 280 Filialen.
   Die Hörgut-Filialen sollen kĂŒnftig unter dem Namen Geers Hörakustik firmieren. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Zusammen mit den Geers-Filialen im Ausland wird die neue Gruppe rund 580 Filialen betreiben und auf einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro kommen.
HAZ100220dpa

Beim Ohrenarzt ganz Ohr sein t-gbesserhören-x

Das HörgerĂ€t, nicht aber der Akustiker darf „verordnet“ werden – Gesetz verschĂ€rft

   Beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sollten Patienten ganz Ohr sein. Denn spĂ€testens wenn der Arzt nicht nur ein HörgerĂ€t verordnet, sondern seinen Patienten auch noch zu einem bestimmten Akustiker schickt, mĂŒssen die Alarmglocken schrillen. Sogenannte Kick-Back-GeschĂ€fte, bei denen der Gesundheitshandwerker dem Arzt geldliche oder andere Vorteile gewĂ€hrt, sind verboten. Im April 2009 wurde dies durch eine Neufassung des Paragrafen 128 sogar im Sozialgesetzbuch verankert. Doch Experten beobachten intensive BemĂŒhungen, die verschĂ€rfte Gesetzgebung auszuhebeln.
   „Ganze Heerscharen sind derzeit damit beschĂ€ftigt, die neuen Bestimmungen zu ihrem Vorteil um- zuinterpretieren", klagt Peter Brammen, Mitglied der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Wettbewerbszentrale, in einem GesprĂ€ch mit der Neuen OsnabrĂŒcer Zeitung. Die Wettbewerbszentrale werde aber weiter intensiv an dem Thema arbeiten. „Was sich in Jahrzehnten an MissstĂ€nden aufgebaut habe, lĂ€sst sich wohl nicht schlagartig Ă€ndern", meint Brammen.
   Das bestĂ€tigt auch Joachim Nowak, Inhaber von Brillen und HörgerĂ€te Mondorf in OsnabrĂŒck. Er kritisiert, dass „es nach wie vor HNO-Ärzte gibt, die ihre Patienten nur zu bestimmten HörgerĂ€teakustikern schicken, obwohl sie an ihrer VerordnungstĂ€tigkeit nichts verdienen dĂŒrften".
   Dabei waren es „die SelbstreinigungskrĂ€fte in der Branche selbst," die nach Angaben von Brammen die gesetzliche Neuregelung angeregt hatten, die der Korruption ein Ende setzen soll.
   Zuvor ließen sich offenbar nicht wenige Hals-Nasen-Ohren-Ärzte dafĂŒr entlohnen, dass sie HörgerĂ€te- akustikern Kundschaft zuschanzten. Die Summen beliefen sich auf bis zu 400 Euro pro Patient. Etliche Millionen Euro wanderten auf diese Weise vom Gesundheitshandwerker zum Mediziner.
   „Auch dem Willen, die Kosten im Gesundheitswesen zu dĂ€mpfen, stand das diametral entgegen", sagt Brammen. Die höheren Kosten spiegelten sich in den Gemeinkosten des Akustikers wider und gingen indirekt zu einem Teil in die Preise ein. „Organisations- und Transferkosten sind nach unserer EinschĂ€tzung nicht ohne Einfluss auf die Höhe der Kostenbelastung fĂŒr die Kassen und damit auch fĂŒr die BeitrĂ€ge der Ver- sicherten wie auch der entsprechenden Lohnnebenkosten fĂŒr die Arbeitgeber", betont Brammen. Deshalb sei es außerordentlich wichtig gewesen, ĂŒber den neuen § 128 auch die Kassen mit in die Pflicht zu nehmen. Die Neufassung zielt natĂŒrlich auch auf andere Bereich des Gesundheitswesens wie zum Beispiel OrthopĂ€den und OrthopĂ€dietechniker.

   Die Pressesprecherin des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (GKV) Claudia Widmaier appellierte an Betroffene, konkrete VerdachtsfĂ€lle unbedingt zu melden. Dies könne direkt bei den Kassen geschehen oder auch ĂŒber den GKV-Spitzenverband, der hierfĂŒr ein spezielles Meldeformular auf seiner Homepage zur VerfĂŒgung stellt. „Die Kassen gehen jeder Meldung nach und arbeiten hierbei auch mit den KassenĂ€rztlichen Vereinigungen und der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung zusammen", betonte Widmaier. Wenn die PrĂŒfung ergebe, dass ein Anfangsverdacht auf strafbare Hand- lungen mit nicht nur geringer Bedeutung fĂŒr die GKV besteht, werde auch die Staatsanwaltschaft unterrichtet. FĂŒr den Fall schwerwiegender oder wiederholter VerstĂ¶ĂŸe können Leistungserbringer fĂŒr die Dauer von bis zu zwei Jahren von der Versorgung von Versicherten ausgeschlossen werden. Dies gelte auch fĂŒr VertragsĂ€rzte.
   Der GKV-Spitzenverband begrĂŒĂŸe den neuen Paragrafen, so Widmaier weiter. Noch gelte er aber nicht lange genug, um seine EffektivitĂ€t zu bewerten. „Aktuelle Zahlen und Daten liegen deshalb noch nicht vor", so Widmaier. Der Anreiz zum Betrug ist in der Branche allerdings groß: Denn der HörgerĂ€temarkt wĂ€chst unaufhörlich. Derzeit werden jĂ€hrlich rund 1,3 Milliarden Euro mit Hörhilfen und verbundenen Dienst- leistungen umgesetzt.
NOT091121WaltraudMessmann

Neues Recht
   Der Paragraf 128 zur unzulĂ€ssigen Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern (zum Beispiel Hör- gerĂ€teakustiker oder OrthopĂ€dietechniker) und VertragsĂ€rzten enthĂ€lt folgende Bestimmungen:
   Die Abgabe von Hilfsmitteln an Versicherte ĂŒber Depots bei VertragsĂ€rzten ist unzulĂ€ssig, soweit sie nicht in NotfĂ€llen benötigt werden. Das gilt entsprechend auch fĂŒr die Abgabe von Hilfsmitteln in KrankenhĂ€usern und anderen medizinischen Einrichtungen.
   Leistungserbringer dĂŒrfen VertragsĂ€rzte nicht gegen Entgelt oder GewĂ€hrung sonstiger wirtschaftlicher Vorteile an der DurchfĂŒhrung der Versorgung mit Hilfsmitteln beteiligen oder solche Zuwendungen im Zusammenhang mit einer Verordnung gewĂ€hren. Außerdem ist es ihnen nicht erlaubt, dem Arzt fĂŒr zusĂ€tzliche privatĂ€rztliche Leistungen, die er im Rahmen der Versorgung mit Hilfsmitteln erbringt, eine Ver- gĂŒtung zu zahlen.
   Im Fall schwerer und wiederholter VerstĂ¶ĂŸe, kann der Leistungserbringer fĂŒr die Dauer von bis zu zwei Jahren von der Versorgung der Versicherten ausgeschlossen werden. Dies gilt Ă€hnlich auch, wenn Krankenkassen AuffĂ€lligkeiten bei VertragsĂ€rzten bekannt werden.
   Sofern VertragsĂ€rzte ĂŒber die ihnen im Rahmen der vertragsĂ€rztlichen Versorgung obliegenden Aufgaben hinaus an der Versorgung mit Hilfsmitteln mitwirken, sind die zusĂ€tzlichen Leistungen von den Krankenkassen zu vergĂŒten.
NOZ091121wam

aur-profThLenarz-x       Hilfe fĂŒr das Innenohr

Wer schlecht oder gar nicht hören kann, fĂŒhlt sich leicht ausgeschlossen,
weil soziale Kontakte auf GesprÀchen basieren. Prof. Thomas Lenarz
Foto oben,
Direktor im Hörzentrum Hannover, kann Schwerhörigen helfen.

Wie viele Menschen kÀmpfen in Deutschland mit mangelndem Hörvermögen?
   Nach unseren Informationen sind etwa 15 Millionen Deutsche schwerhörig. Davon leiden etwa drei Millionen unter Mittelohrschwerhörigkeit. Sie haben Probleme mit dem Trommelfell oder den Gehörknöchelchen. Bei zwölf Millionen Deutschen liegt der Defekt tiefer, nĂ€mlich im Innenohr, wo die Gehörschnecke mit den Haarzellen sitzt. Weltweit rechnen wir mit einem Anteil der Schwerhörigen von sieben Prozent. Nehmen wir nur die europĂ€ische Bevölkerung, betrĂ€gt der Anteil 20 Prozent.
Inwieweit wurden die HörgerÀte in den vergangenen Jahren verbessert?
   Sie sind kleiner, intelligenter und komfortabler geworden. Es gibt HörgerĂ€te in allen möglichen Farben. Neben den kosmetischen Verbesserungen und der Verwendung allergiefreier Materialien liegt der Fortschritt vor allem in der Verkleinerung der Systeme - man kann sie kaum noch sehen, und das ist natĂŒrlich der Wunsch vieler Patienten. Gleichzeitig wurden die GerĂ€te auch technisch deutlich verbessert. Mittlerweile können Hörsysteme auch teilimplantiert werden. Das fĂŒhrt nicht nur zu mehr Akzeptanz auf Seiten der Patienten sondern auch zu einer verbesserten HörfĂ€higkeit bei Störschall - wenn etwa NebengerĂ€usche eine Unterhaltung stören. Die Kassen bezahlen diese Implantate komplett. Konventionelle HörgerĂ€te werden hingegen mit bis zu 500 Euro bezuschusst.
Haben Sie auch ein Mittel gegen Taubheit?
   Wenn der Hörnerv noch funktioniert und die zentralen Hörareale im Gehirn intakt sind, können wir ein „Cochlea Implantat”, kurz CI, einsetzen. In der Behandlung von Cl-Patienten haben wir an der MHH einen international fĂŒhrenden Ruf. Das CI wird operativ in die Gehörschnecke eingebettet. Anders als HörgerĂ€te, die den Schall verstĂ€rken, wandelt das CI ihn in elektrische Reize um, die den Hörnerv stimulieren. Um die GerĂ€usche der Umwelt ĂŒberhaupt erst einmal aufzunehmen, trĂ€gt der Patient außen am Kopf entsprechende Hilfsmittel. Genau wie HörgerĂ€tetrĂ€ger haben leider auch Cl-Patienten grĂ¶ĂŸere Probleme, Sprache im Stör- schall scharf genug zu verstehen. Das wird an- schaulich „Cocktailparty- Effekt” genannt. Eine Möglichkeit zur Lösung des Problems ist die beidseitige Versorgung mit Cochlea Implantaten, das bilaterale CI. Auch bei HörgerĂ€tetrĂ€gern wurde die beidseitige Versorgung umgesetzt.
Was passiert, wenn ein gesunder Mensch zu viel LĂ€rm ausgesetzt ist?
   Das ist nicht zu unterschĂ€tzen. Bereits ein vergleichsweise leises GerĂ€usch wie ein Radio im Hintergrund fĂŒhrt zu Konzentrationsstörungen. Ein Lastwagen oder eine MotorsĂ€ge mit 80 Dezibel verursachen bei DauerlĂ€rm einen Gehörschaden. Dauerhafter LĂ€rm kann auch allgemein gesundheitsgefĂ€hrdend sein. Und neben einem Presslufthammer oder in der Disko bei 100 Dezibel ist die Schmerzgrenze erreicht. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man dort keinen Gehörschutz benutzt. Summieren sich die LĂ€rmattacken, ist eine spĂ€tere Schwerhörigkeit wahrscheinlich.
Was taugen Ihrer Meinung nach Hörtests?
   Prinzipiell bilden die meisten davon das Hören nur in Ruhe ab. Das entspricht aber nicht der Alltags- situation. Wir arbeiten daher an Tests, die auch im Störschall messen können. Das Forschungsprojekt „Audiologie-Initiative Niedersachsen”, eine Kooperation zwischen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der UniversitĂ€t Oldenburg, hat unter anderem das Ziel, Hörtests detaillierter zu gestalten.
HAZ080415JuliaBeatriceFruhner

Glossar. Cochlea:
   Die Cochlea oder auch Gehörschnecke ist ein spiralförmiger Gang im Felsenbein, einem besonders harten SchĂ€delknochen. Die Cochlea besteht aus drei flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Ebenen: der Vorhoftreppe, dem Schneckengang und dem Paukengang. Über die Gehörknöchelchen und das ovale Fenster am Eingang der Cochlea werden Schallwellen auf den Schneckengang mit den Haarsinneszellen ĂŒbertragen.
Vestibularorgan:
   Ebenfalls im Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan). Sie besteht aus drei flĂŒssigkeitsgefĂŒllten BogengĂ€ngen, die Drehungen wahrnehmen. Zwei weitere Strukturen, Sacculus und Utrikulus, erfassen die lineare Beschleunigung des Körpers.

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Die perfekte Schallwelle - Vom BlĂ€tterrauschen bis zur Rockmusik: Unsere Ohren lassen uns aktiv an unserer Umwelt teilhaben. Foto: Auf der sogenannten Basilarmembran, dem Boden der Hörschnecke, warten Haarsinneszellen rot  auf die nĂ€chste Schallwelle.
Wichtig ist dabei ganz besonders die Kommunikation mit anderen Menschen.

   Der Weg zum Herzen fĂŒhrt ĂŒber das Ohr”, besagt ein arabisches Sprichwort. Und fĂŒr den römischen Redner Cicero (106 bis 43 vor Christus) war Hören gleichbedeutend mit dem Streben nach Wahrheit. Neben den anderen Sinnen liefert uns das Gehör EindrĂŒcke von unserer Umwelt - und durch diese können wir lernen.
   Um die HöreindrĂŒcke jedoch verarbeiten zu können, mĂŒssen zunĂ€chst Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt werden, mit denen das Gehirn etwas anfangen kann. Ohrmuschel und Gehör- gang nehmen den Schall auf. Sie leiten die akustischen Signale an das Mittelohr weiter. Diesen Vorgang bildeten bereits die alten Ägypter ab: Wandmalereien zeigen Frauen, die ihre Hand an die Ohrmuschel halten, um besser zu hören.

aur-gOhr-xx So ist das Ohr aufgebaut

   Im Mittelohr treffen die Signale auf das Trommelfell, eine durchsichtige Membran, die Ă€ußerst stabil und gleichzeitig hoch sensibel ist. Manche Menschen werden sogar ohnmĂ€chtig, wenn man ihr Trommelfell be- rĂŒhrt. Die Nervenfasern auf der mit 0,1 Millimeter hauchdĂŒnnen Zellschicht reagieren auf jeden Reiz. Winzige Bindegewebsfasern sind gegen den Druck ausgerichtet - eine Anordnung, nach der Physiker und Ingenieure BrĂŒcken konstruieren: Sie garantiert ein Höchstmaß an StabilitĂ€t.
   Hinter der Membran liegen in der luftgefĂŒllten Paukenhöhle die Gehörknöchelchen - gemĂ€ĂŸ ihrem Aussehen heißen sie Hammer, Amboss und SteigbĂŒgel. Wie auch das Trommelfell sollen sie die Schalldruckwellen ver- stĂ€rken. Alle gemeinsam schaffen eine bis zu 20-fache VerstĂ€rkung, indem das Trommelfell in Schwingung versetzt wird und diese Bewegung auf die Gehörknöchelchen ĂŒbertrĂ€gt.
   Der SteigbĂŒgel spielt eine wichtige Rolle - auch abgesehen davon, dass er oft in Quizsendungen vorkommt, weil er der kleinste Knochen im menschlichen Körper ist. DarĂŒber hinaus verbindet er das Mittelohr mit der Gehörschnecke (lateinisch Cochlea) im Innenohr. Seine Fußplatte ist beweglich in ihr „ovales Fenster” ein- gesetzt und ĂŒbertrĂ€gt die Schwingungen des Trommelfells auf die FlĂŒssigkeit in der Schnecke. Zu den Aufgaben des SteigbĂŒgels gehört aber nicht nur die SchallĂŒbertragung, er hat auch eine Schutzfunktion: Einer seiner Muskeln spannt sich reflexartig an, wenn hohe SchalldrĂŒcke auf das Ohr einwirken. Dadurch versteift sich die Gehörknöchelchenkette - der Weg ist blockiert.
   Die Cochlea windet sich mit ihren drei flĂŒssigkeitsgefĂŒllten, ĂŒbereinander liegenden KanĂ€len wie das GehĂ€use einer Schnecke in das Innenohr. Sie ist etwa 33 Millimeter lang. Am Boden des mittleren Kanals recken sich auf der „Basilarmembran”  feine  Haarzellen  in die Höhe. In einem menschlichen Ohr sind etwa 20.000 davon in vier Reihen angeordnet. Trifft nun der Schall vom Mittelohr im Innenohr ein, so erzeugt er dort eine Welle. Man spricht auch von der „Wanderwelle”, weil diese weiter durch das Innenohr wandert.
   WĂ€hrend die Welle durch das Innenohr lĂ€uft wird mechanisch auf ausgeklĂŒgelte Weise die Frequenz des GerĂ€usches analysiert: Weil die Cochlea mit steigendem Abstand vom ovalen Fenster schmaler und die Basilarmembran breiter und fester wird, Ă€ndern sich ihre mechanischen Eigenschaften - damit besteht die Möglichkeit, unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich wahrzunehmen. Je nachdem, an welcher Stelle der Basilarmembran die Schwingung ihr Maximum erreicht, nimmt der Besitzer des Ohrs unterschiedliche Ton- höhen wahr.
   Sehr hohe Töne schwingen in der NĂ€he des ovalen Fensters der Cochlea maximal aus, tiefere Töne lassen dagegen vor allem ihren oberen Teil am stĂ€rksten vibrieren. FĂŒr diese Erkenntnisse erhielt Georg von Bekesy 1961 den Nobelpreis. Ein gesunder Mensch kann Frequenzen von 20 bis 18.000 Hertz wahrnehmen. Der Frequenzumfang nimmt mit dem Alter ab. Besonders tiefe Schallfrequenzen dringen nicht nur durch den Gehörgang ins Innenohr, sondern auch direkt durch den SchĂ€delknochen. Auch beim Sprechen gelangen ĂŒber diese „Knochenleitung” die tiefen Anteile der Stimme ĂŒberproportional stark ans Innenohr. Elektronisch aufgezeichnet klingt die eigene Stimme daher höher und fremd.
   Bevor aber ĂŒberhaupt ein Höreindruck entstehen kann, mĂŒssen die Schwingungen noch von der Cochlea zum Gehirn weitergegeben werden: Die Haarzellen auf der Basilarmembran werden in innere und Ă€ußere Haarzellen unterschieden. WĂ€hrend die Ă€ußeren Haarzellen als akustische Vorfilter dienen, ĂŒbersetzen die inneren Haarzellen die Vibration in Nervenimpulse. Sie leiten die Reizinformationen an etwa 20 Nervenzellen weiter. Deren FortsĂ€tze bilden den Hörnerv, der wiederum ins Gehirn fĂŒhrt. Dort laufen die Fasern ĂŒber eine Reihe komplexer Umschaltstationen zur Hörrinde. Erst dort nehmen wir Töne bewusst wahr. Die Hörrinde analysiert auch Klangmischungen - vor allem die Sprache.
   Logisch ist, dass die FĂ€higkeit zu Hören auch Voraussetzung fĂŒr die Entwicklung von Sprache ist. Die entsprechenden Gehirnzellen sind bei SĂ€uglingen angelegt. „Nur die VerknĂŒpfungen mĂŒssen sich noch bilden”, erlĂ€utert Prof. Thomas Lenarz, Leiter der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sprache, GerĂ€usche oder Musik bahnen sich also selbst ihren Weg ins Gehirn. Schon Ungeborene hören die AtemgerĂ€usche und HerzschlĂ€ge ihrer Mutter - wenn ihr Gehör in Ordnung ist. „Ärzte sind in der Lage, bereits am vierten Tag nach der Geburt festzustellen, ob das Gehör des Babys gestört ist”, sagt Lenarz. „Um fatale Folgen zu vermeiden, sollte frĂŒhestmöglich ein Neugeborenen-Screening veranlasst werden.” Wenn etwa die Hörschnecke nicht richtig funktioniert, können Ärzte sie mit Implantaten ersetzen - und die Hörbahn, der Weg vom Innenohr zur Hörrinde, reift wie vorgesehen. Doch nach sechs bis acht Jahren können selbst Spezia- listen tauben Kindern nicht mehr helfen: Ihr Hörnerv ist verkĂŒmmert. 
HAZ080415JuliaBeatriceFruhner

aur-ProfThomasLenarz-xx

„Jetzt kann ich die Lehrer besser verstehen”. Mit einem System aus mehreren Hörhilfen gaben MHH- Experten einertauben SchĂŒlerin das Gehör zurĂŒck
Funktioniert noch alles? Prof. Thomas Lenarz untersucht Claire Alfes.

   Die elfjĂ€hrige Claire Alf es aus Leverkusen und ihre Schwester Helen haben ein Ritual: Jeden Abend, bevor sie schlafen gehen, schalten sie ein Hörspiel ein und lauschen den Geschichten. Das klappt jedoch erst seit einem Jahr, denn Claire ist schwerhörig - so sehr, dass es fast an Taubheit grenzt. Nach vielen Arztbesuchen und einer Operation kann sie seit dem vergangenen Mai endlich gut hören - sogar, wenn am Essenstisch alle durcheinander reden oder ein lautes NebengerĂ€usch sie irritiert.
   Als Claire ein Jahr alt war, teilten die Ärzte ihrer Mutter Angelika Alfes mit, dass ihr Baby extrem wenig hören kann. Ob Probleme wĂ€hrend der Geburt die Ursache dafĂŒr waren, können die Mediziner bis heute nicht mit Bestimmtheit sagen. Trotzdem hat Claire GlĂŒck gehabt: Obwohl ihre HörfĂ€higkeit kaum ausgebildet ist, hat sie sehr gut Sprechen gelernt. Das lag auch an ihrer Zwillingsschwester. Beide MĂ€dchen sehen sich so Ă€hnlich, dass sogar ihre Mutter sie oft nur anhand von Claires Hörhilfe unterscheiden kann. „Helen hat Claire den ganzen Tag lang etwas zu erzĂ€hlen. Da blieb ihr gar nichts anderes ĂŒbrig als mitzuplappern”, sagt die Mutter. Claire sieht sie an und lĂ€chelt. Dabei sind ihre GrĂŒbchen deutlich zu sehen. „Ich muss mich noch bei Helen bedanken”, sagt sie ernsthaft.
   Claires Cochlea Implantats (CI) ist durch die langen Haare zu sehen, die Surrey das dunkelblonde MĂ€dchen oft zu einem Zopf zusammenfasst. Außen am Kopf sitzt die Sendespule des CIs, die mit einem Magneten ĂŒber dem innen im SchĂ€del eingepflanzten Implantat befestigt ist. Die akustische Information, die Claire nicht selbst hören kann, wird von einem hörgerĂ€teĂ€hnlichen Mikrofon am Ohr aufgezeichnet und ĂŒber die Sende- spule an das eigentliche CI weitergegeben. Dieses wandelt die Informationen in elektrische Signale um und leitet diese an eine in der Gehörschnecke liegende Elektrode weiter, die damit direkt den Hörnerv stimuliert.
   Die Ärzte im Hörzentrum Hannover (HZH) empfahlen Claire das CI Anfang 2007. FĂŒr das Team um Direktor Prof. Thomas Lenarz und OberĂ€rztin Anke Lesinski-Schiedat war die junge Patientin ein spezieller Fall. Sie halfen ihrem Hörvermögen daher mit einer komplizierten Zusammenstellung von medizinischen Hilfen wieder auf die SprĂŒnge: In jedem Ohr sitzt ein HörgerĂ€t, das die tiefen Frequenzen fĂŒr Claire verstĂ€rkt. Ein Cochlea Implantat fĂŒgt die hohen Töne hinzu und leitet diese in Richtung Hörnerv weiter.
   Claires Modell wird „Hybrid” genannt und funktioniert etwas anders als ein herkömmliches CI: „Die Elek- trode, die in die Hörschnecke hineinragt, ist kĂŒrzer”, erlĂ€utert Mark SchĂŒĂŸler, Hybrid-Spezialist im Hörzentrum Hannover. Somit wirkt das CI nur in dem Bereich der Gehörschnecke, der fĂŒr die hohen Frequenzen eines GerĂ€usches zustĂ€ndig ist.
   Bis Claires Hörvermögen nach dem Befund in ihrem ersten Lebensjahr mit diesem ausgeklĂŒgelten System optimiert werden konnte, vergingen allerdings rund zehn Jahre. „Zuerst wurden wir von Ärzten in Köln und Essen betreut”, erzĂ€hlt Angelika Alfes. Wenn die alleinerziehende Mutter beschreibt, wie viel MĂŒhe es gekostet hat, bis die Krankenkassen bessere HörgerĂ€te fĂŒr Claire bewilligten, wird sie heute noch Ă€rgerlich. Als dann das Thema Cochlea Implantat auf den Tisch kam, hatte sie schlaflose NĂ€chte: „Es setzt eben eine Operation voraus, und ich traf diese Entscheidung ja nicht fĂŒr mich, sondern fĂŒr Claire.”
   Mittlerweile haben die Ärzte das CI ihrer Tochter perfekt angepasst, und die ElfjĂ€hrige ist zufrieden. Sie kann das Implantat außer im Schwimmbad fast ĂŒberall tragen, selbst auf dem Sportplatz, wo sie in einem MĂ€dchenverein Fußball spielt. „In der Schule kann ich die Lehrer jetzt viel besser verstehen”, sagt sie. Aber manchmal braucht die ElfjĂ€hrige auch ihre Ruhe, um sich besser konzentrieren zu können. Dann nimmt sie ihre Hörhilfen einfach ab. H
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Projekt von MHH und Uni Hannover: „Maßanzug” fĂŒrs Innenohr

   Stark Schwerhörigen wollen Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Leibniz Uni- versitĂ€t mit innovativen Implantaten helfen: Sie entwickeln neuartige Elektroden, die sich passgenau und weit in die Windungen der Hörschnecke (Cochlea) lenken lassen - bislang besteht dabei die Gefahr, noch aktive Hörzellen zu schĂ€digen.
    Damit sich die Implantate exakt anpassen, setzen die Forscher auf sogenanntes Memory-Metall, das sich die Form der Cochlea „merkt". Das Bundeswissenschaftsministerium fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit 300.000 Euro.
   Cochlea-Implantate, die ĂŒber Elektroden den Hörnerv stimulieren, sind eine etablierte Methode, um das Hörvermögen von Schwerhörigen und Ertaubten zu verbessern oder wiederherzustellen. „Das Problem ist aber, die Elektroden so exakt einzufĂŒhren, dass sie die optimale Position einnehmen”, sagt MHH-Professor Thomas Lenarz. Er, sein Kollege Omid Majdani und der Uni-Ingenieur Prof. Bodo Heimann haben die neue Technik entwickelt. Ist die Form der Hörschnecke eines Patienten bekannt, kann die Elektrode wie ein Maßanzug angepasst werden: Wird sie ins Innenohr geschoben, reagiert das Memory-Metall auf die Körper- wĂ€rme und nimmt die zuvor gespeicherte Form an. So lassen sich die Elektroden nicht nur schonender einfĂŒhren - durch die genauere Lage soll auch der Höreindruck deutlich verbessert werden.    
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Hörzentrum Hannover mit neuem Namen

  Das Hörzentrum Hannover der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) heißt kĂŒnftig Deutsches Hör- zentrum Hannover (DHZ). „Damit wollen wir im Namen zeigen, dass wir weit ĂŒber die Grenzen Hannovers und Niedersachsens hinaus tĂ€tig sind", erklĂ€rte Prof. Thomas Lenarz, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und des DHZ. Etwa zwei Drittel der mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgten Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit fast 6.000 Operationen seit 1984 ist die HNO-Klinik mit dem DHZ weltweit das grĂ¶ĂŸte CI-Zentrum. Patienten mit Hörstorungen oder Gehörlosigkeit, darunter viele Kleinkinder, werden von einem interdisziplinĂ€ren Team betreut. HAZ110909vt

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Prof. Thomas Lenarz ist zufrieden mit der Nachuntersuchung von Elisabeth HĂ€nig.
Sie braucht jetzt keine Zettel mehr zu schreiben. RĂŒckkehr in die Welt der Töne

   Kommunikation ist ein GrundbedĂŒrfnis des Menschen. MHH-Forschern ist es gelungen, tauben Patienten mit einem speziell entwickelten Mittelhirnimplantat ihr Gehör wieder zurĂŒckzugeben.
   Mit BarttrĂ€gern hat Elisabeth HĂ€nig ein Problem. „Da kann ich die Lippen nicht sehen”, erklĂ€rt sie. Auch bei unbekannten Stimmen fĂ€llt es der 43-JĂ€hrigen schwer, die Bedeutung des Gesprochenen zu erfassen. „Ich habe drei, vier Leute, mit denen kann ich ganz normal reden”, sagt sie. „Alles andere braucht seine Zeit.” Dass Elisabeth HĂ€nig ĂŒberhaupt wieder hören und Sprache verstehen kann, ist eine medizinische Sensation. In der Klinik fĂŒr Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sie im Oktober 2006 als eine der Ersten das von Prof. Thomas Lenarz und seinem Team entwickelte, weltweit einmalige Mittelhirnimplantat (AMI) erhalten. „Vorher war diese Frau sechs Jahre lang komplett taub”, erklĂ€rt die Ärztin Minoo Lenarz.
   Elisabeth HĂ€nigs Leiden betrifft in Deutschland eines von 40.000 Neugeborenen. Neurofibromatose Typ II ist eine angeborene Tumorerkrankung, die mit zahlreichen gutartigen, aber stetig wachsenden Geschwulsten das Gehirn und das RĂŒckenmark befĂ€llt. „Gerade bei Kindern versucht man, die Tumoren zu operieren, solange diese noch klein sind und keine empfindlichen Strukturen wie den Hörnerv schĂ€digen, aber sie wachsen immer wieder nach”, sagt Minoo Lenarz. Damit die Patienten nicht zu hĂ€ufig operiert werden mĂŒssen, warten die Ärzte auf der anderen Seite gern so lange wie möglich mit dem Eingriff. Bei Elisabeth HĂ€nig haben große Tumoren im Laufe der Zeit beide Seiten des Hörnervs zerstört, bis sie vor sechs Jahren vollstĂ€ndig ertaubte. „Der passende Vergleich ist wohl eine KĂ€seglocke”, sagt die 43-JĂ€hrige mit dem fĂŒr sie typischen Humor. Mehrere Versuche, ein Hirnstammimplantat (ABI) einzusetzen, schlugen fehl. So konnte sich die Patientin nur noch mit Zetteln verstĂ€ndigen.

Hannoveraner Mediziner stellten neues HörgerÀt vor
Ein Implantat kostet 15.000 Euro - 13 Patienten nahmen an der Studie teil

   Hoffnung fĂŒr die rund 500.000 Deutschen, die unter einer kombinierten Schwerhörigkeit im Mittel- und Innenohr leiden: An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben bei einer Studie 13 Menschen erfolgreich ein weltweit einzigartiges HörgerĂ€t als Implantat erhalten. „Das ist ein Meilenstein in der Hör- systemversorgung", sagte Professor Thomas Lenarz, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der MHH.
   Bisher konnte den Betroffenen nur unzureichend durch konventionelle HörgerĂ€te oder Implantate zur elektronischen Stimulierung der Hör-Nerven geholfen werden. Die Neuentwicklung DACS (Direct Acoustic Cochlear Simulator) ist nun ein nicht einmal stecknadelgroßer Lautsprecher, der in die FlĂŒssigkeit des Innenohres eingesetzt wird. Das allerdings muss, wie Lenarz erlĂ€uterte, auf zwei Zehntel Millimeter genau geschehen: „Das Implantat ĂŒberbrĂŒckt das Mittelohr und stimuliert rein mechanisch das Innenohr."
   JĂŒrgen Hofmann, ein Teilnehmer der Studie, berichtete, dass er wenige Wochen nach der Operation und unmittelbar nach Einschalten des Implantats wieder besser hören konnte: „Es war frustrierend, dass mir jahrelang keiner helfen konnte." Der 49-JĂ€hrige kann jetzt nach eigenen Angaben wieder als freier Handelsvertreter arbeiten.
   Professor Thomas Lenarz sagte, er rechne in der Zukunft mit Kosten von 15 000 Euro je Implantat. Die Kosten wĂŒrden, so der Mediziner, von den Kassen ĂŒbernommen. HA110505fert

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Operation eröffnet neue Hörwelten-Hörspezialisten der MHH stellen neuartige Mittelohrprothese vor

Foto: Prof. Thomas Lenarz erklĂ€rt das Mittelohrimplantat anhand einer Grafik: Der zylinderförmige Aktuator wird fest im Knochen verankert. Dieses GerĂ€t wandelt die Schallwellen in mechanische Bewegung um, die ĂŒber den zierlichen kĂŒnstlichen SteigbĂŒgelknochen an die Hörschnecke des Innenohrs weitergegeben wird.

   JĂŒrgen Hofmann hat GlĂŒck gehabt. Er ist einer der ersten 13 Patienten in Deutschland, die in der Hals- Nasen-Ohren-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein neuartiges Mittelohrimplantat bekommen hat. Klinikchef Prof. Thomas Lenarz hatte dem stark schwerhörigen 49-JĂ€hrigen aus Nordhorn im Rahmen einer Studie mit zwei weiteren Hörzentren das mit der Firma Cochlea entwickelte DACS-GerĂ€t (Direct Acoustic Cochlear Simulator) eingesetzt, das Schallleitungsstörungen im Mittelohr ĂŒberbrĂŒcken kann. Heute stellt er die Methode beim Cochlea-Implantat-Kongress im International Neuroscience Institute Hannnover (INI) seinen Fachkollegen vor.
   Stark schwerhörige Patienten wie Hofmann fielen bislang durch jedes Raster. Sein HörgerĂ€t reichte nicht mehr aus, um den eingehenden Schall zu verstĂ€rken, dennoch hatte er auf seinem rechten Ohr noch so viel Restgehör, dass die Ärzte eine Innenohrprothese, das sogenannte Cochlea Implantat (CI), nicht ohne weiteres empfehlen konnten. Denn mit dem CI können die Schwerhörigen zwar wieder Töne wahrnehmen - doch ist das Hörerlebnis ganz anders als beim natĂŒrlichen Hören. Auch Hofmann, der im linken Ohr bereits seit vielen Jahren ein CI hat, hatte Probleme mit dem eher kĂŒnstlichen Klang. „Musik und den Fernseher konnte ich mit dem CI fast gar nicht hören", sagt er.
   Als Ingenieur Hamidreza Mojallal vom Hörzentrum Hannover vier Wochen nach der Operation das erste Mal das DACS-GerĂ€t aktivierte, war Hofmann dagegen begeistert. „Sobald ich das dran hatte, war ich völlig baff", erinnert er sich. „Ich konnte mich sofort mit Herrn Mojallal unterhalten." Auch bei den weiteren Studien- teilnehmern war die Operation erfolgreich. „Wir konnten die Methode verfeinern und die Zeit fĂŒr den Eingriff von sechs auf zwei Stunden verkĂŒrzen", sagt Lenarz.
   Wichtige Voraussetzung fĂŒr den Einsatz des neuen GerĂ€tes sei ein Resthörvermögen, betont der Leiter der HNO-Klinik. „Wenn das nicht mehr vorhanden ist, nĂŒtzt auch das System nichts", sagt er. Zudem mĂŒssten die Patienten das Risiko in Kauf nehmen, dass sie ganz ertauben könnten, wenn die Operation misslingt.
   FĂŒr die Mediziner ist das Einbringen des Implantats eine große Herausforderung. Das DACS besteht aus einem sogenannten Aktuator, einem GerĂ€t, dass die Schallwellen aufnimmt und die Schwingungen direkt an das Innenohr weiterleitet. „Das Implantat ĂŒberbrĂŒckt das Mittelohr und stimuliert rein mechanisch das Innenohr ĂŒber eine sogenannte Stapesprothese", erklĂ€rt DACS-Experte Mojallal. Der Stapes, zu deutsch SteigbĂŒgel, ist ein winziger Knochen von der Form eines SteigbĂŒgels, der mit seiner Fußplatte auf dem ovalen Fenster zum Innenohr sitzt. Durch den eingehenden Schall wird er im gesunden Ohr in Schwingungen versetzt und leitet diese in das flĂŒssigkeitsgefĂŒllte Innenohr weiter.
   Im DACS-Implantat verstĂ€rkt der kĂŒnstliche Stapes die Wirkung des natĂŒrlichen Gehörknochens. Die SteigbĂŒgelprothese wird in die Fussplatte des Knochens eingefĂŒgt und ĂŒber einen elektro-mechanischen Wandler von den Schallwellen bewegt. Bei der unter dem Mikroskop durchgefĂŒhrten Operation schaffen die Chirurgen einen Hohlraum im umliegenden Knochen, wo die DACS- Prothese mit einem speziellen Befesti- gungssystem fixiert wird. Dann muss der kĂŒnstliche SteigbĂŒgelknochen exakt eingestellt werden. „Dabei ist es wichtig, dass die Prothese sich nur so viel Richtung Innenohr bewegen kann wie erwĂŒnscht", erklĂ€rt Lenarz. „Die Toleranz betrĂ€gt lediglich zwei bis drei Zehntel eines Millimeters."
   Von außen sieht das DACS-System dann ebenso aus wie ein herkömmliches CI. Wie bei diesem ist der externe Audioprozessor ĂŒber einen Magneten am Kopf befestigt und mit einem HörgerĂ€t im Ohr verbunden. Der Preis fĂŒr die Neuentwicklung wird laut Lenarz im klinischen Einsatz etwas gĂŒnstiger sein als beim rund 20000 Euro teuren CI. Von den Krankenkassen werde die Versorgung ebenso wie ein implantierbares HörgerĂ€t ĂŒbernommen, erklĂ€rt der Direktor der HNO-Klinik.
   Auch die nĂ€chste Entwicklung hat der Hörspezialist bereits im Blick: „Wir wollen CI und DACS gemeinsam als HybridgerĂ€t einbauen", sagt er. Damit wollen Lenarz und seine Kollegen das Hörspektrum noch besser abdecken: Die hohen Frequenzen werden mit einem CI besser gehört, die tiefen mit dem DACS. Zudem kann bei einem weiteren RĂŒckgang des Hörvermögens im Mittelohr ohne eine erneute Operation auf das CI zurĂŒckgegriffen werden. Einen ebenfalls mit der Firma Cochlea zusammen entwickelten Prototypen des Hybrid-Implantates gibt es bereits. Trotzdem seien aber noch einige Jahre Entwicklungsarbeit nötig, sagt MHH-Experte Lennarz. HAZ110505NicolaZellmer

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Sitz des Mittelhirnimplantats AMI gegenĂŒber Hirnstamm-ABI und Cochlea-Implantat (CI).

  „Wenn jemand schwerhörig wird oder ertaubt, gibt es entlang der Hörbahn verschiedene Stationen, an denen wir eingreifen können”, erklĂ€rt Minoo Lenarz. „Je frĂŒher auf dem Weg das geschieht, desto natĂŒrlicher ist der Höreindruck, weil die Tonsignale an jeder Station weiterverarbeitet werden.” So kann ein Schwer- höriger mit einem HörgerĂ€t wieder natĂŒrliche GerĂ€usche wie Vogelgezwitscher oder BlĂ€tterrauschen wahr- nehmen.
   Auch mit einer in die Hörschnecke des Innenohrs implantierten Elektrode, dem CochleaImpiantat, können ertaubte Patienten mit intaktem Hörnerv wieder alle GerĂ€usche wahrnehmen - allerdings in einer anderen Form. „Das muss man in den ersten drei Monaten erst lernen”, sagt die Ärztin. Ganz anders ist das Ergebnis, wenn die Elektrode direkt in den Hirnstamm eingebracht wird. „Die Patien- ten hören anfangs nur den Ton der Sprache und unterschiedliche GerĂ€usche, die sie im Laufe der Zeit zuzuordnen lernen.” Ohne das Lippenlesen erschließt sich ihnen die Sprache jedoch meist nicht.
  „Uns ist aufgefallen, dass Patienten, deren Hörnerv aufgrund eines Neurofibromatosetumors geschĂ€digt ist, sehr viel schlechtere Ergebnisse mit dem Hirnstammimplantat haben als etwa Unfallopfer, die ihr Hörver- mögen durch eine Verletzung des Nervs eingebĂŒĂŸt haben”,berichtet Minoo Lenarz. Die Schlussfolgerung des MHH-Teams klingt logisch: Offensichtlich hatten die Tumoren auch den sogenannten Hörnervkern geschĂ€digt, der durch das Hirnstammimplantat stimuliert wird. Deswegen suchten die Forscher nach einer Alternative - und fanden sie im Mittelhirn.
   Aus der Idee entstand im Laufe von vier Jahren eine wissenschaftlich abgesicherte Methode. In Tierver- suchen wurden Funktion und VertrĂ€glichkeit des auf der Basis eines Cochlea-Implantats entwickelten Elektrodenprototyps getestet. Gemeinsam mit dem Neurochirurgen Prof. Madjid Samii entwickelte das MHH- Team sogar eine chirurgische Methode, um Tumorentfernung und Mittelhirnimplantat in einer Operation durchfĂŒhren zu können. „Das ist doch toll, dass so etwas wie dieses Implantat möglich ist”, betont Prof. Lenarz heute. Der HNO-Spezialist arbeitet seit Jahren daran, tauben und schwerhörigen Patienten ihr Gehör zurĂŒckzugeben. „Die Motivation ist, es immer besser machen zu können”, sagt er.
   Zu den letzten Schritten, die nötig sind, um das in der MHH entwickelte Mittelhirnimplantat anwendungsreif zu machen, gehört die aktuelle klinische Studie mit insgesamt fĂŒnf Patienten - darunter Elisabeth HĂ€nig -, mit der die optimale Platzierung der Elektrode untersucht wird. „Die bisher operierten vier Patienten sind alle wohlauf und können mit Hilfe der Implantate UmweltgerĂ€usche hören und auf Basis des Lippenlesens besser Sprache verstehen”, sagt Minoo Lenarz.
   Elisabeth HĂ€nig ist durch die Operation zur Vorzeigepatientin geworden. Bei ihr sitzt die winzige, zungen- förmige Elektrode mit den 20 Kontakten am gĂŒnstigsten im sogenannten Colliculus inferior, einer aus mehreren Schichten aufgebauten Mittelhirnstruktur, die durch die Impulse stimuliert wird und den Hör- eindruck dann an das Hörzentrum in der Gehirnrinde weiterleitet. Die Ärzte hoffen daher, dass ihr Sprach- verstĂ€ndnis im Laufe der Zeit noch wĂ€chst.
   „Bis die Methode breit angewandt werden kann, wird es aber noch etwa ein Jahr dauern”, sagt Minoo Lenarz. Parallel testen sie und ihre Kollegen im Tierversuch auch eine mehrarmige Elektrode, die möglicherweise noch bessere Ergebnisse bringen könnte.
Das Hörzentrum
   Kontakt zur Arbeitsgruppe von Prof. Thomas Lenarz ist ĂŒber das Hörzentrum Hannover (HZH) möglich. Das im Mai 2003 eröffnete Zentrum bietet HörgeschĂ€digten aller Altersgruppen Beratung, medizinische Unter- suchungen, die Anpassung von Cochlea-Implantaten und die Versorgung mit HörgerĂ€ten. Das Hörzentrum ist unter Telefon 0511 - 532 66 03 oder im Internet unter: www.hoerzentrum-hannover.de  zu erreichen.
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Foto links:  Prof.Thomas Grundmann, Chefarzt der HNO-Abteilung der Asklepios-Klinik Altona, zeigt das GerĂ€t, das hinter dem Ohr unter die Kopfhaut eingesetzt wird. Foto rechts: Nach dem Eingriff: Christiane Harms (42) hatte immer Probleme mit den HörgerĂ€ten. Jetzt hofft sie auf Besserung, wenn das implantierte GerĂ€t erst optimal eingeschaltet ist. „Ein bisschen besser wĂ€re schon toll”, sagt sie. 

Die ersten Testpatienten in Hamburger Kliniken: Das implantierte HörgerÀt. Das GerÀt aus Titan hilft bei hochgradiger Schwerhörigkeit. Erfahrungen aus dem UKE und dem AK Altona.

  Die Hoffnung vieler Schwerhöriger ist ein HörgerĂ€t aus Titan, 75 Millimeter lang, 25 Millimeter breit und fĂŒnf Millimeter hoch. Es wird hinter dem Ohr unter die Kopfhaut gesetzt. Unsichtbar und unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Staub erlaubt es seinen TrĂ€gern, ein absolut normales Leben zu fĂŒhren. Sport treiben, schwimmen und duschen - was mit herkömmlichen HörgerĂ€ten bisher tabu war, stellt jetzt kein Problem mehr dar. Weitere Vorteile: Nebenwirkungen wie RĂŒckkopplung, qualitativ schlechter Klang oder GerĂ€uschempfind- lichkeit kommen bei dieses System kaum vor. Außerdem ist es das erste Vollimplantat, das die Gehörkette nicht unterbricht - so wird das Resthörvermögen der Patienten erhalten.
   Das HörgerĂ€t „Carina” der amerikanischen Firma Otologics besteht aus einer flachen Elektronikkapsel, einem centstĂŒckgroßen Mikrofon und einem Transducer, den so genannten Wandler. Die Elektronikkapsel wird samt Mikro unter die Haut implantiert. Sie enthĂ€lt einen Magneten, einen Schallprozessor und einen Anschluss fĂŒr den Transducer. Der Schall wird von dem Mikrofon erfasst, verarbeitet und an den Transducer ĂŒbertragen. Dessen Motor treibt eine Spitze an, die ihrerseits den Amboss berĂŒhrt. Diese Bewegung fĂŒhrt zu einer Vibration der Gehörknöchelchen im Mittelohr. Danach wird der Schall bei den Patienten genauso verarbeitet wie bei Menschen mit normalem Gehör.
   Ein Audiologe programmiert das Implantat und stellt es auf die individuellen BedĂŒrfnisse des Patienten ein. Der Akku des HörgerĂ€tes wird abends ungefĂ€hr eine Stunde lang mit einem Ladesystem aufgeladen, das ĂŒber dem Implantat auf die Kopfhaut gelegt und mit einem Stirnband gehalten wird.
   Im Rahmen einer Zulassungsstudie am UKE wurde das Implantat erfolgreich getestet und acht Test- patienten eingesetzt - wie bei allen Operationen am Ohr zunĂ€chst auf einer Seite. Werner Benthien (73), einer der Studienpatienten, sagt: „Ich bin so zufrieden mit dem Resultat, dass ich mir demnĂ€chst ein zweites Implantat einsetzen lassen will - vorausgesetzt, die Krankenkasse ist einverstanden.” Denn das GerĂ€t, das nach seiner Zulassung im Jahr 2006 nun auch regulĂ€r erhĂ€ltlich ist, kostet rund 15.000 Euro.
   „Bei Erkrankungen, die das Tragen eines konventionellen HörgerĂ€tes verhindern, können die Kosten von den Kassen ĂŒbernommen werden”, sagt Hannes Maier, der die UKE-Studie als Physiker begleitet hat. „Dazu gehören rezidivierende GehörgangsentzĂŒndungen und Neurodermitis, aber auch besonders kombinierte Schwerhörigkeiten, bei denen das ÜberbrĂŒcken des Mittelohres Sinn hat.” Professor Thomas Grundmann, Chefarzt der HNO-Abteilung der Asklepios-Klinik Altona, hat das am UKE erprobte Verfahren aufgegriffen. Ebenso wie seine Kollegen an der UniversitĂ€tsklinik hat er das GerĂ€t bislang drei Patienten eingesetzt.
   Eine von ihnen ist Christiane Harms (42), die im Alter von 15 Jahren schwerhörig wurde. Ein HörgerĂ€t unter ihren dichten, dunklen Haaren verborgen, versuchte die damals 15-JĂ€hrige erst mal, ihr Handicap zu ignorieren. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, musste ihren Beruf aber nach ein paar Jahren aufgeben. „Es hatte keinen Zweck mehr, mir weiterhin etwas vorzumachen. Gerade im Dienst- leistungsbereich ist gutes Hören enorm wichtig”, sagt die Mutter von drei Kindern, die heute als Personal- leiterin in einer Seniorenresidenz in Hamburg an der Elbchaussee arbeitet. Nachdem sich ihr Hörvermögen weiter verschlechterte und sie immer hĂ€ufiger Probleme mit ihren HörgerĂ€ten hatte, entschied sich fĂŒr eine Implantation. Jetzt muss das GerĂ€t noch optimal eingestellt werden. Christiane Harms sieht zuversichtlich in die Zukunft. „Ich glaube nicht, dass ich wie ein junger Gott hören werde. Aber ein bisschen besser wĂ€re auch schon toll.”
   Auch Veronika Peters (38, Name geĂ€ndert) ließ sich das GerĂ€t implantieren. Im Alter von 25 Jahren war sie innerhalb von nur drei Monaten hochgradig schwerhörig geworden, ohne dass ein Arzt ihr die Ursache dafĂŒr nennen konnte. „FĂŒr meine BerufstĂ€tigkeit ist mein Handicap fatal”, sagt die Architektin. „Ich bin immer darauf angewiesen, dass meine GesprĂ€chspartner so langsam und deutlich sprechen, dass ich von ihren Lippen ablesen kann.” ZusĂ€tzlich zu einer Innenohrschwerhörigkeit leidet Veronika Peters an einer rechtsseitigen schweren Mittelohrschwerhörigkeit, die die Übertragung des Schalls aufs Mittelohr verhindert. „Um die SchallĂŒbertragung zu ermöglichen, habe ich einen Titan-StĂ¶ĂŸel am Transducer angebracht, der den Schall direkt auf das sogenannte runde Fenster hinter den Gehörknöchelchen ĂŒbertrĂ€gt”, sagt Grundmann. Nicht zuletzt aus beruflichen GrĂŒnden hofft Veronika Peters, dass sich ihr Hörvermögen durch das Implantat verbessert. „Weil meine Ausgangssituation schwierig ist, versuche ich aber, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben.”
   Doch ihre Chancen stehen gut. „Im Laufe der Studie hat sich herausgestellt, dass ,Carina’ ideal ist fĂŒr schwerhörige Patienten mit einem zusĂ€tzlichen Mittelohrschaden”, sagt Maier. Auch fĂŒr Menschen, die durch einen angeborenen Defekt oder nach einer Tumorerkrankung keinen Gehörgang mehr haben, sei das Implantat eine gute Lösung, da es Mittelohr und Gehörknöchelchen ersetzen und gleichzeitig eine Innenohr- schwerhörigkeit ausgleichen kann. „Das ist eine neue Anwendung fĂŒr Patienten, fĂŒr die es vorher keine gute Alternative gab”, so Maier. Generell kommt das GerĂ€t fĂŒr Patienten mit einem Indikationsbereich von 20 bis 80 Dezibel (dB) Hörverlust in Frage, die besten Erfahrungen wurden bei Menschen mit einem Hörverlust von mehr als 50 dB gemacht.
Foto unten: Ein Wunderwerk, das Innere des menschlichen Ohrs, hier ein Modell. Das neue HörgerĂ€t löst eine Vibration der Gehörknöchelchen im Mittelohr aus. 
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Hormone können Gehör schÀdigen

   Eine gĂ€ngige Form der Hormonersatztherapie schĂ€digt das Gehör. Nehmen Frauen gegen ihre Wechsel- jahrebeschwerden das Hormon Progesteron ein, so hören sie laut einer Studie um zehn bis 30 Prozent schlechter als andere Frauen gleichen Alters. Gerade Frauen mit ohnehin schon schlechtem Gehör sollten sich daher die Entscheidung zu einer solchen Ersatztherapie gut ĂŒberlegen, empfiehlt Studienleiter Robert Frisina von der amerikanischen UniversitĂ€t Rochester.
   In der bislang umfangreichsten Forschungsarbeit zu diesem Thema hatten die Wissenschaftler 124 Ă€ltere Frauen untersucht, die im Rahmen einer Hormontherapie entweder nur Östrogen einnahmen, Östrogen zusammen mit dem synthetischen Progesteron Progestin verwendeten oder aber keine Hormone bekamen.
  Dabei ergaben verschiedene Tests, dass die Einnahme von Progestin mit einem deutlich schlechteren Gehör einherging. Probleme traten laut einem Bericht der „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)” sowohl im Innenohr auf als auch in Hirnarealen, die fĂŒr das Hören zustĂ€ndig waren. Frisina rĂ€t Frauen, die sich dieser Form der Ersatztherapie unterziehen, ihr Gehör alle sechs Monate testen zu lassen.
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HörgerĂ€t frĂŒhzeitig einsetzen

   Wer bemerkt, dass sein Gehör nachlĂ€sst, sollte möglichst frĂŒh den Einsatz eines HörgerĂ€tes in Betracht ziehen. Je frĂŒher das schlechte Hören behandelt wird, um so besser und schneller gewöhnt sich das Gehirn an die Technik. Wie der „Senioren Ratgeber” berichtet, belastet Schwerhörigkeit das Gehirn. US-Forscher fanden heraus, dass es zu Lasten des GedĂ€chtnisses mit der Verarbeitung akustischer EindrĂŒcke ĂŒber- strapaziert wird. wbvHA060825

Stiftung Warentest empfiehlt HörprĂŒfungen

  Die ersten Anzeichen fĂŒr einen Hörverlust werden meist nicht beachtet oder verdrĂ€ngt. Sie ernst zu nehmen und möglichst schnell ĂŒberprĂŒfen zu lassen, ist laut Stiftung Warentest aber besonders wichtig. Denn wenn der Hörverlust noch nicht zu weit fortgeschritten ist, fĂ€llt eine erfolgreiche Behandlung meist wesentlich leichter. HA061024

Wenn es im Öhr stĂ€ndig klingelt  aur-Tinnitus          Tinnitus

   Mit unseren Hörorganen ist es doch etwas anders als mit der Haut: Sie erschlaffen nicht im Laufe der Jahre. Auch verĂ€ndern sie sich nicht wie Haare, die ergrauen, ZĂ€hne, die ersetzt werden mĂŒssen, oder Augen, die nachlassen.Es liegt an jedem Menschen selbst, sein von Geburt an feines Gehör zu erhalten. Gelingt das, bleibt es bis ins hohe Alter gut. Bei jeder LĂ€rmattacke allerdings liegen die feinen Haarzellen in der Gehörschnecke erst einmal am Boden. Wer nach einem lauten Abend ein Klingeln oder Pfeifen im Ohr hört oder ein dumpfes GefĂŒhl verspĂŒrt, sollte daher dringend eine LĂ€rmpause einlegen: Er hat ein „akutes LĂ€rmtrauma”. Sind die Ohren Tinnitus-Retraining hilft des Patienten gegen OhrgerĂ€usche, gesund, ist der Spuk meist am nĂ€chsten Morgen wieder vorbei. Aber das Gehör hat ein gutes GedĂ€chtnis, und aus akuten Problemen können mit der Zeit chronische werden.
   Eines davon ist ein stĂ€ndiges OhrgerĂ€usch, der sogenannte Tinnitus. Der lateinische Begriff „Tinnitus aurium” heißt ĂŒbersetzt „das Klingeln der Ohren”. Der akustische Eindruck kann aber auch einem Brummen, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen entsprechen. Etwa sieben Millionen Deutsche sind dauerhaft von Tinnitus betroffen, knapp 40 Prozent stellen zu mindest einmal im Leben ein derartiges OhrgerĂ€usch fest.
      HĂ€ufiHĂ€ufig wird der Fehler begangen, dieses als eigene Krankheit zu betrachten. TatsĂ€chlich ist Tinnitus aber oft ein Symptom einer anderen Krankheit und damit ein Warnsignal des Körpers. Mediziner zĂ€hlen Störungen der SchallĂŒbertragung bis hin zu Stress zu den möglichen Ursachen. Ob Stress wirklich der Auslöser ist, bleibt allerdings umstritten. Sicher ist, dass ein Tinnitus umgekehrt fĂŒr Stress sorgt: Die stĂ€ndige GerĂ€uschkulisse quĂ€lt manche Betroffene Tag und Nacht. „Die Therapie ist schwierig, weil es keine Messmethoden gibt, um OhrgerĂ€usche nachzuweisen”, sagt Prof. Thomas Lenarz, Leiter des Hörzentrums Hannover.
   Weder die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung noch die von intravenös gegebenen Lokal- anĂ€sthetika ist bislang bewiesen. Die besten Ergebnisse erzielen die Mediziner mit einem sogenannten Retraining oder Biofeedback. Dabei helfen GerĂ€usche und Licht den Patienten dabei, den Tinnitus zu igno- rieren. Und fĂŒr bislang Gesunde gilt: Vorbeugen durch LĂ€rmverzicht.
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  Gegen Trinnitus helfen nur wenige Behandlungen.
Die Betroffenen können jedoch lernen, die GerÀusche im Kopf zu ignorieren.

   Schluss mit dem Dauerkrach. Kein schrilles Pfeifen, helles Rauschen oder dumpfes Brummen mehr, einfach nur: Stille. Nichts wĂŒnschen sich Tinnitus-Patienten sehnlicher. Denn ihr OhrgerĂ€usch ist immer da, bei der Arbeit und beim Spazierengehen, beim Aufstehen und vor dem Schlafen; ein lĂ€stiger QuĂ€lgeist, der Angst machen und zermĂŒrben kann, der sich in den Vordergrund und andere GerĂ€usche in den Hintergrund drĂ€ngt.
   Jeder vierte Deutsche hat OhrgerĂ€usche schon einmal wahrgenommen, ergab eine Untersuchung der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL). Oft bleibt der Ton nur wenige Sekunden oder Minuten, doch in immer mehr FĂ€llen geht er nicht mehr weg. Drei Millionen Menschen leiden hierzulande unter chronischem Tinnitus; in Hamburg sind etwa 100.000 Menschen betroffen, schĂ€tzt die DTL. Zunehmend betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene.
   Wie Tinnitus entsteht, ist nicht eindeutig geklĂ€rt. Die meisten Mediziner gehen aber davon aus, dass die OhrgerĂ€usche durch eine Störung oder SchĂ€digung der feinen Haarzellen in der sogenannten Schnecke her- vorgerufen werden, dem Hörorgan im Innenohr. Als Auslöser gelten vor allem LĂ€rm und Stress, die bei mehr als der HĂ€lfte aller Betroffenen fĂŒr den Tinnitus verantwortlich gemacht werden, wobei LĂ€rm insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene betrifft, die ihren MP3-Player zu laut aufdrehen oder hĂ€ufig in Disko- theken gehen. Stress als Tinnitus-Auslöser betrifft eher Erwachsene.
Tinnitus ist ein Symptom fĂŒr körperliche oder psychische Probleme
  
Daneben kommt eine FĂŒlle weiterer Auslöser in Betracht: Verspannungen der HalswirbelsĂ€ulen- oder Kiefergelenksmuskulatur können Tinnitus begĂŒnstigen, ebenso Erkrankungen des Hörsystems wie Mittelohr- entzĂŒndung oder Morbus MenĂšre (Drehschwindel), außerdem psychische Faktoren wie Angst oder Über- erregbarkeit. Tinnitus ist deshalb genau genommen keine Krankheit, sondern ein Symptom fĂŒr körperliche oder psychische Probleme.
   Wie genau kommt die SchĂ€digung oder Störung der Haarzellen zustande? „Durch LĂ€rm können die Haar- zellen schlichtweg umknicken", sagt Prof. Rainald Knecht, Direktor der HNO-Klinik am UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). „Bei Stress wirken andere Mechanismen. Durch Verspannungen kann die Durch- blutung reduziert sein, so gelangt weniger Sauerstoff zu den Haarzellen. Teilweise werden auch bestimmte Proteine ausgeschĂŒttet, die den Haarzellen schaden."
   Das Hören beginnt beim Trommelfell: Es fĂ€ngt den Schall auf und leitet ihn ĂŒber die Gehörknöchelchen des Mittelohres an das Innenohr weiter. Dort werden die mechanischen Schwingungen durch die Haarzellen in elektrische Nervenimpulse umgewandelt, die ĂŒber die Hörnerven und die sogenannte Hörbahn zum Großhirn geschickt werden, wo das Hörzentrum sitzt. Erst dort entsteht der eigentliche Höreindruck.
   Doch die GerĂ€usche, die Tinnitus- Patienten hören, existieren außerhalb ihres Kopfes gar nicht, das Ohr kann sie also auch nicht hören. Woher kommen sie dann? „Wenn bestimmte Haarzellen gestört oder geschĂ€- digt sind, können sie den Schall nicht mehr ordnungsgemĂ€ĂŸ weiterleiten, im Gehirn kommt auf einer be- stimmten Frequenz kein Ton mehr an. Deshalb erzeugt das Gehirn den Ton vermutlich selbst, quasi als Ausgleich. Das ist der Tinnitus", sagt Rainald Knecht. DafĂŒr spreche, dass chronischer Tinnitus meistens mit einem Hörverlust einhergehe. „Der Tinnitus liegt dann genau auf der Frequenz, die der Patient schlecht oder gar nicht mehr hört."
   Deshalb fĂŒhrt ein HNO -Arzt bei Patienten mit OhrgerĂ€uschen zuerst einen Hörtest durch. Stellt er eine BeeintrĂ€chtigung des Gehörs fest, kann er zusĂ€tzlich eine sogenannte Hirnstammaudiometrie, kurz BERA- Untersuchung, durchfĂŒhren. Und er kann die LautstĂ€rke messen, in der ein Patient den Tinnitus wahrnimmt. Dazu lĂ€sst der Arzt den Patienten einen Ton hören, der auf der gleichen Frequenz liegt wie das OhrgerĂ€usch. Dann stellt er lauter, bis der Ton das GerĂ€usch ĂŒberdeckt.
Weil die GerÀusche im Kopf entstehen, dominieren sie den Höreindruck
  
15 Dezibel - lauter kann der Tinnitus nicht werden. Das ist leiser als BlĂ€tterrascheln, doch weil das Ge- rĂ€usch im Kopf entsteht, kann es den Höreindruck dominieren. Eine Untersuchung des Kiefers zeigt, ob eine Gebissfehlstellung oder eine Erkrankung des Kiefergelenks vorliegt. Um eine Beteiligung der HalswirbelsĂ€ule am Tinnitus auszuschließen, können weitere orthopĂ€dische Tests sinnvoll sein.
   Bei der Therapie gilt es, zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus zu unterscheiden. Bei einem akuten Tinnitus, der einige Wochen andauern kann, ausgelöst etwa durch einen Hörsturz oder ex- treme LĂ€rmbelastung, können durchblutungsfördernde Medikamente und Cortison-Infusionen wirksam sein. Sind Kiefer- oder WirbelsĂ€ulenprobleme die Ursache, kann eine orthopĂ€dische Behandlung helfen.
   „Gegen chronischen Tinnitus gibt es derzeit jedoch keine durchweg wirksame medizinische Therapie", sagt Rainald Knecht. Die Wirksamkeit von durchblutungsfördernden PrĂ€paraten wie Gingko-Biloba sei hier nicht erwiesen, auch fĂŒr die meisten anderen, oft sehr teuren Therapieangebote - von Akupunktur ĂŒber Laser- bestrahlung und Magnetwellen bis zur Überdruckbehandlung - gelte: „Sie helfen nicht." Allein Cortison könne manchmal die chronischen Beschwerden lindern.
   Was aber hilft den Dauergeplagten dann? „Bei schwerhörigen Menschen mit Tinnitus kann ein HörgerĂ€t viel bewirken", sagt Knecht. Bei sehr lauten OhrgerĂ€uschen könne auch ein Tinnitus-Masker helfen, ein GerĂ€t, das andere, angenehme GerĂ€usche erzeugt, die den Tinnitus ĂŒbertönen sollen. Doch selbst dadurch ver- schwinden die OhrgerĂ€usche meistens nicht ganz. Deshalb ist die wahrscheinlich wirksamste Therapie eine psychologische. Durch sie können die Betroffenen lernen, den Tinnitus zu akzeptieren - und schließlich zu ignorieren. HA110122MarcHasse

Das beste Rezept...
Der erste Gang sollte zu einem HNO-Arzt fĂŒhren, der sich auf Tinnitus spezialisiert hat (Adressen vermittelt
z. B. die Deutsche Tinnitus-Liga). Im Internet gibt es diverse, zum Teil dubiose Therapieangebote.

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Der Tinnitus macht mir keine Angst mehr. Erst als Holger Dierks Foto wieder mehr auf seinen Körper hörte, bekam er seine Beschwerden in den Griff. Holger Dierks hat sich mit den Tönen in seinem Kopf arrangiert.

   Es geschah ausgerechnet an seinem Geburtstag, im Januar vor drei Jahren. Kaffee und Kuchen, Holger Dierks sitzt mit seiner Frau und seinen vier Kindern am Tisch, da packt ihn ein starker Schwindel. „Ich bin regelrecht vom Stuhl gekippt", erzĂ€hlt der 58-JĂ€hrige. Es ist ein Hörsturz. Der HNO-Arzt diagnostiziert außerdem Morbus Meniere, eine Erkrankung des Innenohres, die Schwindel verursacht. „Ich habe dann in kurzer Zeit auf dem linken Ohr 60 Prozent meines Hörvermögens verloren", sagt Dierks. „Dann kam auf die- sem Ohr auch noch der Tinnitus dazu."
   Bis dahin hatte er als stellvertretender Direktor am Gymnasium in Quickborn gearbeitet; er unterrichtete Geschichte, Sozialwissenschaft und Sport. Und er liebte seine Arbeit. „Freitagnachmittags gab ich immer eine Handball-AG", erzĂ€hlt Dierks, „da tobten bis zu 70 Kinder herum. Hinterher war ich total erledigt, aber es machte mir Spaß." Er sei ein Getriebener gewesen. Nach der Diagnose arbeitete er noch ein halbes Jahr mit reduzierter Stundenzahl, aber es fiel ihm sehr schwer. Sein Gehör war so empfindlich, dass er manchmal in der Klasse das GefĂŒhl hatte, ihm platze der Kopf. Doch er machte weiter - bis sein Arzt sagte: „Wenn Sie nicht aufhören, sind Sie bald tot. Der Tinnitus, die Angst, die Panik - das fĂŒhrt zu einem Stress, den sie nicht mehr lange aushalten werden." Holger Dierks weinte.
   Er wird vielleicht nie mehr als Lehrer arbeiten können - und doch hat er wieder Freude am Leben gewonnen. Seine Rettung sei die Tinnitus-Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen bei Kassel gewesen, sagt Dierks. Doch bis er dorthin konnte, vergingen eineinhalb Jahre. Denn seine Krankenkasse teilte ihm mit, dass alle anerkannten Tinnitus-Behandlungen in Hamburg möglich seien.
Er bekam durchblutungsfördernde Mittel und Cortison, doch nichts half
   Es folgte eine Odyssee durch Hamburger Arztpraxen. „Ich war beim OrthopĂ€den, beim Neurologen, durchlief sogar eine Computertomografie, ich bekam durchblutungsfördernde Mittel und Cortison. Aber nichts half", erzĂ€hlt Dierks. „Dann schickte mich die Kasse zu einem Psychologen. Zuerst war ich sehr skeptisch; heute meine ich, dass Psychologen die Einzigen sind, die bei Tinnitus helfen können." Erst nach dieser Therapie genehmigte ihm seine Kasse die Behandlung in Bad Arolsen.
   Er blieb acht Wochen. „Mir wurde bewusst, dass ich verlernt hatte, meinen Körper wahrzunehmen. Der Schwindel und der Tinnitus, das sind sehr negative Erfahrungen, man denkt: Warum tut mir der Körper das an? In Bad Arolsen machte ich nur positive Erfahrungen. Beim Nordic Walking etwa merkte ich plötzlich nichts mehr vom Tinnitus." An einem Tag sei seine Gruppe mit DezibelmessgerĂ€ten losgeschickt worden und er habe festgestellt: „Jedes Vogelpiepsen ist lauter als mein Tinnitus. Das hat einiges relativiert."
   Sehr wirksam sei aber auch sein HörgerĂ€t. „Es verstĂ€rkt die Frequenzen, auf denen ich schlecht höre, deshalb muss das Gehirn nicht mehr so viel kompensieren." Ja, die GerĂ€usche seien immer noch da, aber nicht so laut wie die Dinge, die er schön finde. „Der Tinnitus", sagt Dierks, „macht mir keine Angst mehr." HA110122mha

Adressen - Informationen:
Die Deutsche Tinnitus-Liga bietet InfobroschĂŒren, vermittelt Ärzte und Psychotherapeuten (nur fĂŒr Mitglieder) und klĂ€rt ĂŒber hĂ€ufig parallel auftretende Beschwerden wie Hörsturz, Hyperakusis und Morbus MeniĂšre auf. Ein Online-Fragebogen zu Tinnitus hilft Betroffenen einzuschĂ€tzen, wie sehr die GerĂ€usche im Kopf ihren Alltag beeinflussen und ob eine Behandlung notwendig ist. Die Internetseite bietet außerdem Foren zu Themen rund um Tinnitus. www.tinnitus-liga.de
Medizinische Behandlung:
UniversitĂ€tsklinikum Hamburg- Eppendorf, Klinik und Poliklinik fĂŒr Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde,
Tel. 040/741 05 24 07
www.uke.de
Psychosomatische Behandlung:
Tinnitus-Zentrum Ulmenhof (Gruppentherapie), Tel. 040/468 56 00
www.tagesklinik-ulmenhof.de
Tinnitus-Zentrum Eppendorf
(Einzeltherapie),  Tel. 040/41 34 34 30
www.psychosomatik-falkenried.de
Tinnitus-Klinik Dr. Hesse, Bad Arolsen, Tel. 05691/80 03 30 www.tinnitus-klinik.net
Selbsthilfe:
Tinnitus SHG Hamburg-Jenfeld. Die SHG ist Mitglied der Deutschen Tinnitus-Liga. Kontakt: Reinhard Jennerjahn, Tel. 040/ 713 25 20, Klaus Bake, Tel. 040/ 710 34 72
www.tinnitus-hamburg-jenfeld.de
Glossar
BERA-Untersuchung:
Mit diesem Test wird geprĂŒft, ob eine Schwerhörigkeit, die Tinnitus verursachen kann, auf eine krankhafte VerĂ€nderung der Hörnerven zurĂŒckzufĂŒhren ist. Über Elektroden an der Kopfhaut wird der Hirnstrom des Patienten gemessen, wĂ€hrend er Töne hört.
Tinnitus-Masker: Sieht aus wie ein HörgerĂ€t, verstĂ€rkt aber keine Töne, sondern erzeugt angenehme GerĂ€usche, die den Tinnitus ĂŒbertönen sollen.

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Foto: Prof. Peter Ahrens vom Tinnitus-Zentrum Eppendorf [Ii.) und HNO-Ärztin Dr. Rosemarie Neumann (re.) beantworteten die zahlreichen Fragen der Abendblatt-Leser: Gelassenheit ist die beste Medizin

   Auf dem Abendblatt-Forum in Hamburg erfuhren die Zuhörer, welche Rolle Stress bei Tinnitus spielen kann und was sich dagegen tun.  „Mein Arzt hat gesagt, da kann man nichts machen." Das war der hĂ€ufigste Satz, der an diesem Abend fiel, und er stand fĂŒr das Ausmaß der Verunsicherung und Hilflosigkeit, mit der viele Tinnitus-Patienten zu kĂ€mpfen haben.
   Mehr als 100 Abendblatt-Leser waren in die Axel-Springer-Passage gekommen, um zwei VortrĂ€ge ĂŒber Hörprobleme zu verfolgen. Manche litten erst seit Kurzem unter Tinnitus, so erzĂ€hlten sie, andere seit Jahr- zehnten. Ihre Fragen zeigten, dass sie sich teilweise von ihrem Umfeld nicht genug verstanden und von Ärzten oft alleingelassen fĂŒhlen. „Da kann man nichts machen" - mĂŒssen Patienten sich mit diesem Satz abfinden?
   „Ich möchte Ihnen Mut machen: Sie sind dem Tinnitus nicht hilflos ausgeliefert. Sie können etwas Ă€ndern", sagte Prof. Stephan Ahrens vom Tinnitus-Zentrum Eppendorf. Ahrens, Facharzt fĂŒr Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erlĂ€uterte ausfĂŒhrlich, was Tinnitus auslösen kann, wobei er einen Schwerpunkt auf die Psyche legte und die Rolle, die Stress dabei spielt.
Kann Tinnitus etwas mit der Psyche zu tun haben?
   Immer mehr Menschen definierten sich hauptsĂ€chlich ĂŒber Leistung, so Ahrens. Leistung bedeute Stress, und zu viel Stress könne ĂŒberfordern. Einige Menschen bekĂ€men durch Stress Magenprobleme, andere eine MigrĂ€ne und wieder andere eben Tinnitus. Das Problem bei Tinnitus sei allerdings: „Wenn das GerĂ€usch lĂ€nger als sechs Wochen andauert, wird es oft im Gehirn fest programmiert und bleibt dort auf Dauer."
Warum fĂŒhlen sich manche Menschen sehr stark durch die GerĂ€usche beeintrĂ€chtigt, andere aber nicht?
   Es komme offenbar darauf an, wie die Wahrnehmungsfilter im Gehirn funktionierten, erlĂ€uterte Ahrens: „Bei einigen Menschen gewöhnt sich das Gehirn schnell an den Tinnitus, es blendet ihn aus und richtet seine Wahrnehmung ganz auf Ă€ußere GerĂ€usche. Bei anderen Menschen funktioniert das nicht ohne Weiteres; ihr Gehirn schafft es nicht, den Störsender abzuschalten." Die GrĂŒnde fĂŒr diese unterschiedliche Wahrnehmung seien noch nicht bekannt, sagte Ahrens.
Wie können Betroffene lernen, mit dem Tinnitus zu leben?
   Ahrens: „Wir bringen unsere Patienten dazu, ihrem Körper - und damit auch ihrem Gehör - wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Tinnitus als Warnsignal zu begreifen. Wir helfen ihnen, einerseits besser mit Drucksituationen umzugehen und andererseits RĂŒckzugsmöglichkeiten zu finden, Quellen der Er- holung." Das könne fĂŒr jeden Patienten etwas anderes sein: Sport, BĂŒcher, Kino, Theater oder ein gutes Essen. Viele Menschen seien ĂŒberlastet und so sehr mit Beruf, Familie oder mit beidem beschĂ€ftigt, dass fĂŒr Körper und Geist kaum noch Zuwendung ĂŒbrig bleibe, sagte Ahrens. „Das Gehirn ist bei solchen Patienten schlichtweg ĂŒberlastet. Dann geht es darum, dem Gehirn wieder Freiraum zu verschaffen und es so in die Lage zu versetzen, den Tinnitus auszublenden."
Kann Tinnitus entstehen, weil man zu viel arbeitet?
  Ahrens: „Es geht weniger um die Arbeitszeit an sich, sondern vor allem um die Einstellung - im Beruf ebenso wie im Privatleben." Wer sich nur ĂŒber Leistung definiere - und manche Menschen tĂ€ten das selbst in ihrer Freizeit - dem machten auch Fehler mehr zu schaffen, der tue sich schwer damit, gelassen zu bleiben, wenn es mal nicht perfekt laufe. „Gelassenheit ist aber das beste Mittel, mit dem Tinnitus umzugehen." Leichter gesagt als getan: Ist es nicht sehr schwer, seine Einstellung zu Ă€ndern? „Unsere Patienten spĂŒren einen sehr großen Leidensdruck", so Stephan Ahrens. „Sie können durch den Tinnitus oft nicht mehr in Ruhe lesen, sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Ich erlebe immer wieder, dass diese Leute sehr dankbar sind, wenn sie erkennen: Es gibt tatsĂ€chlich einen Ausweg, eine neue TĂŒr, die wir mit ihnen öffnen können.“
  GrundsĂ€tzlich genĂŒge es in der Regel jedoch nicht, sich auf einen möglichen - psychischen oder physischen - Auslöser zu konzentrieren: „Die Entstehung von Tinnitus ist sehr komplex, deshalb kann oft eine Kombination mehrerer Behandlungen nötig sein, etwa eine Hörtherapie und EntspannungsĂŒbungen." Auch wenn einige Anbieter dies versprĂ€chen: „Es ist falsch zu glauben, dass eine einzige Maßnahme, die eine Woche dauert, genĂŒgt, damit der Tinnitus verschwindet." Die kombinierten Behandlungen im Tinnitus-Zentrum Eppendorf dauerten etwa zwei Monate. Private Krankenkassen ĂŒbernĂ€hmen die Kosten meistens ganz, gesetzliche Kassen oft zum Teil.
Was sind Hörverarbeitungsstörungen und wie werden sie behandelt?
   Dr. Rosemarie Neumann von der Gemeinschaftspraxis Stephansplatz erklĂ€rte, was es mit den sogenannten Hörverarbeitungsstörungen bei Kindern auf sich hat: „Es handelt sich dabei um das PhĂ€nomen, dass das Gehirn Sprache nicht richtig verarbeitet. Betroffene Kinder verstehen das Gehörte oft nicht deutlich, sie sind leicht abgelenkt oder sehr schnell erschöpft, wenn sie sich auf etwas konzentrieren mĂŒssen, und deshalb haben sie oft Schwierigkeiten beim Sprechen, Lesen und Schreiben. Über die Ursachen ist noch wenig bekannt", sagte Neumann. Die Störung lasse sich erst zu Beginn der Schulzeit, ab etwa sieben Jahren, feststellen.
   Werde die Störung nicht behandelt, bestehe die Gefahr, dass das Kind sich in der Schule schnell zurĂŒck- ziehe, weniger melde und engagiere, weil es sich missverstanden oder schlecht behandelt fĂŒhle. Etwa, wenn der Lehrer sage: "Das habe ich doch schon dreimal erklĂ€rt, hörst du denn nicht zu?"
   „Das Wichtigste ist deshalb zunĂ€chst, die Zeichen fĂŒr eine Hörverarbeitungsstörungen ĂŒberhaupt zu er- kennen und sie dann ernst zu nehmen." Dann könne der Störung wirkungsvoll begegnet werden, durch ein- fache Maßnahmen wie einen besseren Sitzplatz in der Klasse, und durch spezielle Hör- und Sprach- trainingprogramme bei einem HNO-Arzt. HA11012 MarcHasse

Da gab es was auf die Ohren ...    OH-Tinn-Akust-ThMĂŒller-z

Bei einem kostenlosen Test stellten mehr als 60 Leser des Hamburger Abendblattes ihr Gehör auf die Probe.
Foto: In einer schallisolierten Kabine fĂŒhrt Akustiker Thomas MĂŒller links den Test durch.
‘Per Knopfdruck bestĂ€tigen die Teilnehmer, dass sie einen Ton hören.

   Um elf Uhr morgens sollte es losgehen, doch schon eine Viertelstunde vorher hatte sich am Stand der HörgerĂ€te-Akustiker von KIND eine Schlange gebildet. Mehr als 60 Abendblatt-Leser nutzen die Gelegenheit, kostenlos ihr Gehör testen zu lassen. Dabei ginbg es zum den sogenannten Hauptsprachbereich von 500 bis 4.000 Hertz, den Frequenzbereich, in dem der Mensch Sprache wahrnimmt.
   „Bei jedem Zweiten haben wir Hörprobleme festgestellt", sagte HörgerĂ€te-Akustikerin Anke Strauch. Vor allem im Frequenzbereich der hohen Töne hĂ€tten viele Teilnehmer nicht mehr optimal gehört. Alle Teilnehmer erhielten ein Heft mit ihrem persönlichen Hörprofil und bei Problemen die Empfehlung, einen HNO-Arzt auf- zusuchen, um ĂŒber eine Behandlung zu sprechen.
   Manche Leser nahmen fĂŒr den Test sogar eine lĂ€ngere Anfahrt auf sich, etwa Christel Bockhold, 58, die in Oststeinbek lebt. Obwohl sie schlecht höre und sich deshalb eingeschrĂ€nkt fĂŒhle, habe ihr HNO-Arzt nach einem Hörtest gesagt: „Ihrem Alter entsprechend ist Ihr Gehör in Ordnung." Das habe sie sehr unbefriedi- gend gefunden, erzĂ€hlt Bockhold. „Deshalb wollte ich mein Gehör noch einmal untersuchen lassen."
   Das Ergebnis ihres Hörtests bei der Abendblatt-Aktion habe sie dann allerdings doch „etwas geschockt", sagt sie: „Es wurde eine gewisse Schwerhörigkeit festgestellt." Aber, so Bockhold, „eine eindeutige, uner- freuliche Diagnose ist mir trotzdem lieber als eine Aussage, die mir nicht weiterhilft." Weiterhelfen soll ihr nun nach Empfehlung der HörgerĂ€te-Akustiker ein ausfĂŒhrlicher Test, der ihre Defizite prĂ€ziser feststellt. Womög- lich wird sie bald ein HörgerĂ€t brauchen.   HA110122mha

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   Clever besser hören. Ab wann ist LĂ€rm schĂ€dlich? Mit dem „LĂ€rmometer” bringt Prof. Thomas Lenarz Foto oben seinen Patienten die Dezibelskala nĂ€her. Zu viel LĂ€rm macht das Herz krank und verursacht Schlafstörungen. Zum „Tag gegen LĂ€rm” warnen daher Experten aus ganz Europa vor GesundheitsschĂ€den. Der neue Trend dabei: Schlau schĂŒtzen mit individuellen LĂ€rmstopp-Filtern.

   Wie steht es eigentlich um Ihr Gehör? Machen Sie doch mal den Schnelltest: Strecken Sie Ihren Arm aus, und reiben Sie dann die Fingerspitzen aneinander. Hören Sie das feine KnistergerĂ€usch noch? Falls nicht, wird es vielleicht Zeit fĂŒr einen Hörtest. Denn durch die zunehmende LĂ€rmbelastung im Alltag sind unsere Ohren immer grĂ¶ĂŸeren Belastungen ausgesetzt. Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits heute schwerhörig. Darunter seien zunehmend junge Menschen, betont Prof. Thomas Lenarz, Direktor der HNO-Klinik an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Jeder vierte junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren leidet nach Angaben von Krankenkassen an Hörstörungen. Lenarz und sein Team behandeln daher nicht nur Menschen mit angeborener oder krankheitsbedingter Taubheit, sondern klĂ€ren auch ĂŒber Auswirkungen des LĂ€rms auf das Gehör auf. AnlĂ€sslich des „Tags gegen LĂ€rm" raten sie zum cleveren Umgang mit GerĂ€uschen.
   Dabei ist jedoch nicht die totale Stille gefragt. „Jeglichem LĂ€rm aus dem Weg zu gehen ist normalerweise ohnehin nicht möglich”, sagt die MHH-OberĂ€rztin Anke Lesinski-Schiedat. „Und es ist auch nicht jede Laut- stĂ€rke schĂ€dlich. Wie bei vielen anderen Dingen macht auch hier die Dosis das Gift.” Als störend empfinden die BundesbĂŒrger vor allem den Straßenverkehr. Aber auch der LĂ€rm, dem wir uns in der Freizeit aussetzen, kann dem Gehör schaden. Relativ „giftig” sei beispielsweise ein allzu sorgloser Umgang mit dem MP3-Player, sagt Lesinski-Schiedat. Die kleinen GerĂ€te, die Hunderte von MusikstĂŒcken in der Jackentasche bereithalten und besonders bei Jugendlichen beliebt sind, bringen es nĂ€mlich auf ganz beachtliche LautstĂ€rken. „Wenn man Einsteckkopfhörer benutzt, können die Spitzenschallpegel zudem nicht mehr entweichen”, warnt die Hörexpertin. Sie rĂ€t daher zu etwas grĂ¶ĂŸeren Kopfhörern, die den Gehörgang nicht komplett verschließen.
   UngĂŒnstig können auch hĂ€ufige Besuche in, lauten Diskotheken oder bei Konzerten sein. Die heftigen Schallwellen drĂŒcken die feinen Haarsinneszellen im Innenohr wie ein Tsunami auf den Boden und stören ihre Funktion. „Dabei vergiftet der LĂ€rm den Stoffwechsel der Haarzellen”, erklĂ€rt Lesinski-Schiedat. Am Ende eines lauten Abends hören die Musikliebhaber dann nur noch gedĂ€mpft - als ob sie Watte in den Ohren hĂ€tten. Oder es klingelt und pfeift sogar stĂ€ndig  und  vor   allem durchdringend.
  Zwar sorgen die SelbstheilungskrĂ€fte in Verbindung mit einer lĂ€ngeren Ruhepause dafĂŒr, dass sich die Haarzellen wieder erholen. Doch bei wiederholten Überlastungen können sie absterben. Dann wird der vom Ohr aufgenommene Schall nicht mehr an den Hörnerv weitergegeben. Besonders gefĂ€hrdet sind dabei ĂŒbrigens die Sinneszellen fĂŒr die hohen Frequenzen. Denn sie sitzen ganz am Anfang der Hörschnecke und bekommen daher die Schallwelle mit voller Wucht ab. Bei einer LĂ€rmschwerhörigkeit sind es dann auch genau diese hohen Frequenzen, die als Erstes ausfallen. Damit werden zwitschernde Vögel oder auch Kinderstimmen fĂŒr uns unhörbar.  
   Ab welcher LautstĂ€rke es gefĂ€hrlich fĂŒr unsere Ohren wird, verrĂ€t ein sogenanntes LĂ€rmometer: eine Art Fieberthermometer fĂŒr den LĂ€rm. „Zu laut fĂ€ngt bei 80 Dezibel an”, sagt Lesinski-Schiedat. „Das entspricht dem LĂ€rm am Rande einer Hauptverkehrsstraße und erhöht das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen.” Ein Gehörschaden ist bei einer Dauerbelastung mit 100 Dezibel zu erwarten - etwa durch eine KreissĂ€ge oder einen Presslufthammer. Rockkonzerte und tragbare MusikgerĂ€te erreichen sogar 120 Dezibel oder mehr. „Ab 140 Dezibel beginnt dann die Schmerzschwelle”, betont die Ärztin.
   Weil man sich weder dem Straßenverkehr oder berufsbedingtem LĂ€rm auf Dauer entziehen kann und auch nicht jeder Mensch unbedingt auf laute Musik verzichten möchte, raten die MHH-Experten zum Einsatz von speziellen LĂ€rmfiltern. Diesen Gehörschutz gibt es heute in allen möglichen AusfĂŒhrungen. „Sie dĂ€mpfen die LautstĂ€rke, aber nicht den Klang”, erklĂ€rt der HörgerĂ€teakustiker Rainer Trunt, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der HörGut- Gruppe, die schon seit Jahren Rockbands wie die H-Blockx mit maßgefertigtem Profigehörschutz ausstattet.
  Wer einfach nur die LautstĂ€rke dĂ€mpfen will, kommt meist mit einem Standardgehörschutz ĂŒber die Runden. FĂŒr speziellere Anwendungen bieten die HörgerĂ€teakustiker dann individuell gefertigte LĂ€rmstopper an - fĂŒr Musiker, Motorsportler, Schwimmer, die ihre Ohren trocken halten wollen, oder auch Industriearbeiter. Die Kosten des jahrelang verwendbaren Schutzes liegen nach Auskunft von HörGut bei 80 bis 200 Euro pro Paar.

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Fotos v.l.n.r.: LĂ€rmstopper fĂŒr Musiker, Industriearbeiter, Motorsportler
   GlĂŒcklicherweise entwickelt jedoch nicht jeder Mensch gleich schnell eine  LĂ€rmschwerhörigkeit. „Es scheint dafĂŒr auch eine genetische Disposition zu geben”, sagt Lesinski-Schiedat. Die Zukunftsvision der Experten ist ein besonderer Gehörschutz fĂŒr Risikopatienten oder auch eine „Hörpille”, die die Auswirkungen des LĂ€rms mildert.
   Aber auch die „Kommunikationshygiene” in unserer Gesellschaft sei dringend verbesserungsbedĂŒrftig, meinen Lenarz und Lesinski-Schiedat. „Schon im Kindergarten reden die Kinder gerne alle durcheinander, und das setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort.” Mit einer speziellen „Hörampel” will das MHH-Team deshalb kĂŒnftig die Kita-Gruppen in der Region Hannover auf LĂ€rm sensibilisieren: Steigt der HintergrundlĂ€rm in einer Gruppe zu stark an, schaltet die Hörampel auf, Rot. Das rote Licht zeigt den Kindern dann  an, dass  eine Ruhepause nötig wird, weil die Umgebung zu laut geworden ist.
HAZ080416NicolaZellmer

Hier gibt es Hilfe
   Kostenlose Beratungen fĂŒr schwerhörige und ertaubte Menschen, Cochlea-Implantat-TrĂ€ger sowie die Eltern hörgeschĂ€digter Kinder bietet der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Schwerhörigen- bundes (DSB) am 3. Donnerstag jeden Monats von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr im Hörzentrum der Medizinischen Hochschule Hanover, Karl-Wiechert-Allee 3, 30625 Hannover, an. Am 2. und 4. Mitt- woch jedes Monats von 17 bis 19 Uhr berĂ€t der DSB-Landesverband zudem im NeSt der Energie-BKK, Lange Laube 6, 30159  Hannover.  
   Der Ortsverein Hannover des Deutschen Schwerhörigenbundes trifft sich am 2. Mittwoch jedes Monats von 17 bis 19 Uhr im NeSt der Energie-BKK und lĂ€dt alle Interessierten zu diesen Treffen ein. Kontakt zum Landesverband und Ortsverein ĂŒber Rolf Erdmann, Telefon 0511 - 838 65 23, eMail: erdmann.rolf@gmx.de.
   Zum „Tag gegen LĂ€rm” bieten einige HörgerĂ€teakustiker kostenlose Hörtests an. Dazu gehören unter anderem die Filialen der auTec-Gruppe (Hannover: Kurt-Schuhmacher-Straße 22-24, 30159 Hannover).
HAZ080416ze

Neue Sinneszellen durch Gentherapie? Bemerkenswerte Forschung in den USA

   Gentherapie hilft MĂ€usen, besser zu hören. US-Forscher haben per Gentherapie funktionierende Sinnes- zellen im Ohr von MĂ€usen wachsen lassen. Die Gruppe von der Oregon Health and Science University in Portland erhofft sich dadurch Fortschritte zu einer Gentherapie fĂŒr hörgeschĂ€digte und taube Menschen, wie sie in „Nature” (online) berichten. Mit Hilfe eines Gens hatten die Forscher bei embryonalen MĂ€usen die Produktion zusĂ€tzlicher Haarzellen im Ohr angeregt, die die gleichen Funktionen wie die Sinneshaare im Innenohr ausĂŒben und dadurch das Gehör der MĂ€use unterstĂŒtzen. HA080828dpa

 

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