MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Blindengarten

Wir berichten hier vom Hörgarten Oldenburg, weiter unten von anderen interessanten Blindengärten

HörgartenOLx HörgartenOLxx

Hörgarten Oldenburg

   Wie funktioniert das Gehör des Menschen? Wie gelangt das Wort oder der Klang vom Ohr ins Gehirn? Und wie wird die akustische Information so weiterverarbeitet, dass der Einzelne mit ihr überhaupt etwas anfangen kann? Im „Haus des Hörens” in Oldenburg kümmern sich 50 Wissenschaftler der Carl-von-Ossietzky-Universität um die Grundlagenforschung des Hörsinns. Mit dem Hörgarten will das europäische Zentrum der Hörforschung die Öffentlichkeit über das Wunder des Hörens informieren.
    Etwa 40 Kilometer westlich von Bremen, zwischen Weser, Ems und Nordsee, liegt die 160.000 Seelen zählende Stadt Oldenburg. Erstmals 1108 erwähnt, erhielt es 1345 die Stadtrechte. Doch so beschaulich die Region auch ist: Längst hat sich in Oldenburgs Umfeld auch die Medientechnologie angesiedelt. Ein besonders beein- druckendes Zentrum ist das 2002 gegründete „Haus des Hörens”, in dem 50 Wissenschaftler der Carl-von- Ossietzky-Universität und angegliederter Institutionen der Frage nachgehen, auf welche Weise Gehörtes im Gehirn verarbeitet wird.
   Um das öffentliche Interesse am Hören zu fördern, wurde im Mai 2006 ein „Hörgarten” eröffnet. In diesem akustischen Erlebnispark können Kinder und Erwachsene sich mit den Phänomenen des Hörens vertraut machen. Der drehbare „Hörthron” gleich vor dem Gebäude ist ein Blickfang, der an die Grammophon-Trichter von „His Master's Voice” erinnert. Der Besucher setzt sich in das Gerät und kann durch Drehen der beiden Einmeter- Trichter sehr genau die Richtung eines Geräusches bestimmen.
   Am Eingang des Parks dient darüber hinaus eine historische britische Telefonzelle als Informationstreffpunkt, in dem eine computergesteuerte Hörstation mit Bedienungsbildschirm, dem sogenannten Touchscreen, und Lautsprechern in Ohrnähe dem Besucher den Hörgarten erläutert. Ein Audiobeam sendet unhörbar hohe Ultraschallklangwellen aus, die erst dann hörbar werden, wenn der Schallstrahl mit Hilfe des Joysticks auf eine reflektierende Fläche gerichtet wird.
   Wie Schall sich in der Luft wellenförmig ausbreitet, erläutert dann ein Bi-nauraler („zweiohriger”) Teich. Er veranschaulicht, wie das Ohr bei der Identifizierung und Ortung akustischer Objekte im Raum verfährt, um aus dem „Wellensalat” des Schallfeldes Position und Art der Objekte herauszufiltern.
   An einem Modell des Innenohrs wird darüber hinaus anschaulich die vom Schall im Ohr erzeugte Welle simuliert, die in der schneckenförmigen Cochlea die Tonhöhe bestimmt. Zwei große akustische Flüsterspiegel bündeln den reflektierten Schall so geschickt, dass zwei in deren Brennpunkten stehende Personen sich über 40 Meter hinweg im Flüsterton unterhalten können. Und schlägt man auf die „Mittelohrpauke”, so ist der von der großen Fläche (dem buchstäblichen Trommelfell) auf die kleine Ausgangsöffnung (die „Paukenöffnung”) ausgelöste Druckimpuls noch in einigen Metern Entfernung zu spüren und kann sogar eine Kerze auspusten. Entscheidend für dieses Phänomen ist das Verhältnis der Fläche von Trommelfell zu Paukenöffnung.
   Die im Hörgarten aufgestellten „Rohr-Resonatoren” sind an beiden Seiten offene Rohren unterschiedlicher Länge. Ähnlich den Orgelpfeifen kann sich darin diejenige Frequenz gut ausbreiten, deren halbe Wellenlänge in ihre Länge „hineinpasst”. Sie filtern nicht nur den Grundton, sondern auch die harmonischen, also ganzzahligen Vielfache des Grundtons. An jedem Exponat findet sich eine Tafel mit Erläuterungen. WernerBockelmannFAZ070703 

HörgrtenOLxxx

Die Öffnungszeiten des Hörgartens sind täglich von 9 bis 18 Uhr. Adresse: „HörTech-GmbH”, Marie-Curie-Str. 2, 26129 Oldenburg, Tel. 0441 - 21 72-2 00 www.hoertech.de und www.hoergarten.de

HörgartenOL-xx

Blindengarten Bremen

Blindengarten Bremen e.V. ist Vorbild für Anlagen in ganz Deutschland: Ein Gartenbummel mit Gefühl.
Internet: http://www.blindengarten-bremen.de  eMail: info@blindengarten-bremen.de

Blindengarten Bremen, Ecke Raschenkampsweg/Ulenweg,
28759 Bremen, St. Magnus, Telefon: 0174 - 160 81 49,
Der Garten ist von März bis Oktober täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

BlGaHB01x Blindengarten0-xx

   Der Garten für Blinde ist ca. 1.600 Quadratmeter groß und wird von einem bepflanzten Wall umgrenzt. Gegenüber dem umliegenden Gelände ist der Garten tiefer angelegt, dadurch wurde der Eingang als Rampe ausgebaut. Behindertengerecht ist er mit einem wasserdurchlässigen Stein gepflastert. Die Ausgestaltung der Wege ist als Orientierungshilfe für die blinden Nutzer des Gartens gedacht:
   Eine Pflasterfläche existiert nur im Ein- und Ausgang, fester Mineralbelag für den Außenweg und der Waldweg aus Rindenmulch im Innenteil.
   Relieftafeln am Eingang und im Innenteil des Gartens informieren den Besucher über die Gestaltung des Blindengartens mit seinen 16 verschiedenen Erlebnisbereichen. Die Pflanzenbeete sind von 60-80 cm hohen Holzpalisaden eingefasst, dadurch haben die Besucher des Gartens die Pflanzen in einer bequemen Höhe, um sie beriechen, erfühlen und ertasten zu können.
   Die Anlage ist so geplant und ausgeführt, dass sich blinde Besucher in diesem Garten ohne fremde Hilfe frei bewegen und orientieren können.

Blindengarten-7xx

16 Zusammenstellungen zeigen
     Pflanzen mit rauhen und glatten Blättern,
     aromatische Blüten und   Blätter,
     mit besonderer Rindenbildung,
     Polsterstauden,
     verschiedene Blüten- und Fruchtbildungen,
     Gräser,
     Nutzpflanzen.
   Diese Erlebnisbereiche des Gartens sind mit geschnitzten Holztafeln versehen und durchlaufend mit A bis Q bezeichnet. Die Pflanzenbeschriftung erfolgt in der Blindenpunktschrift Braille. Die Pflanzenetiketten haben eine zusätzliche, katalogisierte Bezeichnung (z. B. A5, D8 oder P10). Der Buchstabe bezeichnet die Gruppe der Zusammenstellungen der Pflanzen (Erlebnisbereich), die Zahl gibt die Pflanzengattung und -art an (deutscher und botanischer Name).
   Mehr als 500 verschiedene Pflanzenarten wachsen in unserem Garten, davon sind 350 mit Etiketten versehen.

Blindengarten-8x Blindengarten-9x

   Udo Busch Foto unten links tastet Stiele, Knospen und Blätter ab. Der Bremer erfühlt die Oberflächen- strukturen und Formen, nimmt Düfte auf. Mit seinem Tast- und Geruchssinn erschließt er sich die Welt der Pflanzen,  denn Udo Busch ist blind. Obwohl er die Pflanzenpracht nicht sehen kann, hat er Spass an Veilchen oder Winterjasmin, die im Bremer Blindengarten wachsen.
   Der im Ortsteil St. Magnus gelegene rund 1.600 Quadratmeter große Garten mit rund 600 Pflanzenarten geht auf eine Idee des Ehepaars Lothar und Edith Kranz Bild unten rechts zurück, dessen private botanische Sammlung als eine der umfangreichsten in Deutschland gilt. Mit der Eröffnung Ende der 80er Jahre wurde der Blindengarten zu seinem Lebenswerk. Für Udo Busch ist der Garten ein Segen: “Durch den Blindengarten habe ich  einen neuen Zugang zur Pflanzenwelt bekommen.” Der Blinde kann ganz nah an die Pflanzen herantreten. Das Betasten und Riechen ist ganz einfach. Die Beete mit Duftpflanzen, Gräsern oder Ranken sind in 60 bis 80 cm Höhe angelegt worden.
   Mit 18 unterschiedlich zusammengestellten Erlebnisbereichen können sich die Besucher befassen. Es gibt Pflanzen mit rauen und glatten Blättern, verschiedene Früchte und eine Sammlung mit Rindenstrukturen heimi- scher Bäume sowie seit 2001 eine Abteilung mit 25 ertastbaren Gesteinsproben im Urzustand. Für die ent- sprechenden Informationen sorgen kleine Tafeln in der Blindenpunktschrift Braille. Selbst bei der Orientierung müssen sich Blinde oder Sehbehinderte auf ihren Tast- und Fühlsinn verlassen.
   Besucher Udo Busch nimmt unter seinen Füßen eine spezielle Pflasterung wahr. Sie signalisiert: Hier geht der Rundgang los. Außen herum fährt ein Weg mit Mineralbelag, innen ist Rindermulch ausgebracht worden - es geht sich weich wie auf Waldboden. In den vergangenen 14 Jahren haben Menschen aus der ganzen Welt den Bremer Blindengarten besucht. Er ist Vorbild für Anlagen in ganz Deutschland. Selbst aus Australien und den USA kommen Anfragen, wie sich ein Blindengarten finanzieren und bauen lässt. 
NOZ021203

Blindengarten-10xx tn_Blindengarten03_jpg

Der von Lothar Kranz gestaltete Blindengarten
   Lothar Kranz aus Bremen hat die MUNA-Auszeichnung in der Kategorie “Beste Idee/Innovation” für den Aufbau einer Gartenanlage für Blinde und Sehbehinderte erhalten. Der 1.600 Quadratmeter große Garten ist in seiner Art bundesweit einzigartig. Er ist so angelegt, dass sich die blinden Besucher auch ohne fremde Hilfe zurechtfinden können: Die Wege sind als Orientierungshilfe gestaltet. Im Eingangsbereich und in den Außengängen sind sie beispielsweise gepflastert, im Inneren finden sich Waldwege. Die Pflanzenbeete selbst sind erhöht und mit Holzpalisaden eingefasst. Das bietet den Gästen die Möglichkeit, die vielen Pflanzen bequem zu ertasten und zu erriechen. Auf Tafeln in Blindenschrift können sie die genaue Art-Bezeichnung ablesen. Dabei ist der Garten nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen ein Erlebnis, sondern auch für Sehende, treffend beschrieben in einem Infoblatt mit “Eintauchen in die Wahrnehmungswelt der Blinden”. Der Garten ist überdies Treffpunkt und Kommunikations- Zentrum für zwei benachbarte Seniorenheime. Auch das wissen- schaftliche Interesse am Blindengarten ist erwähnenswert - immerhin war er bereits Gegenstand von 18 Diplomarbeiten deutscher und englischer Fachhochschulen und Universitäten. Die Finanzierung und Pflege der Anlage erfolgt ausschließlich über Spenden.
Deutsche Bundesstiftung Umwelt 0301

Arboretum, Ellerhoop Kreis Pinneberg, Ortsteil Thiensen

tn_BliGa03_psd tn_BliGa04_psd

Ein Garten zum Tasten und Riechen. Das Prinzip des Gartens: „Als wir selbst probiert haben,
mit den Händen zu sehen, sind wir in eine ganz  andere Welt eingetaucht.“

   Der Entwurf für den Blindengarten im Arboretum (die sechs rechteckigen Felder von rechts unten gegen den Uhrzeigersinn): Salbei- und Minzgarten, Hausgarten, mediterraner Garten, Sonnenhalde, Würfelgarten, Licht und Schatten), gestaltet und umgesetzt von Alexander Fuhse Foto links, Carsten Mehliß rechts und Frank Gerber.
   Das Arboretum in Ellerhoop  wurde 1956 angelegt und seither ständig erweitert. Jedes Jahr bewundern etwa 100..000 Besucher die Anlage rund um den historischen Münsterhof.

tn_BliGa05_psd tn_BliGa02_psd

   Im Frühjahr sind Parks und Gärten eine Pracht - was aber, wenn man sie nicht sehen kann? Ein neuer Blindengarten im Arboretum in Ellerhoop wird allen Sinnen gerecht. Ein Rundgang mit zwei blinden Frauen.

   „Mmmmh”, sagt Giuseppina Dolle, „das fühlt sich gut an.” Klar, der Wollziest ist mit seinen großen, flauschigen Blättern eine angenehme Tastpflanze. Ein paar Meter weiter fragt Renate Kokartis: „Und welche Farbe hat diese Blüte?” „Weiß”, sagt eine Männerstimme. Die beiden Frauen sind blind.
   Wir haben sie auf einem Rundgang durch den neuen Blindengarten im Arboretum in Ellerhoop begleitet, der am 31. Mai offiziell eröffnet wird. Der Baumpark im Kreis Pinneberg präsentiert sich in diesen Frühjahrstagen als farbenprächtiges Naturschauspiel - ein Blütenmeer, umrahmt von frischem Grün.
   Giuseppina Dolle aus Pinneberg, begleitet von ihrem Mann, und Renate Kokartis aus Hetlingen mit ihrem schwarzen Königspudel Scarlett sehen davon nichts. Für sie heißt es: fühlen, riechen, hören und sogar schmecken. „Ich gehe gern durch Parks und Gärten”, sagt Kokartis. „Aber wenn ich dort etwas anfassen will, heißt es meist: Bitte nicht berühren! Hier wird man geradezu aufgefordert: Du sollst es anfassen!”
   Zwei junge Männer begleiten die Frauen, erklären hier, führen da, warnen dort: „Vorsicht, das piekst!” Alexander Fuhse und Carsten Mehliß, beide 33, haben den Blindengarten als Diplomarbeit in ihrem Studium der Landschaftsarchitektur  in Osnabrück geplant und konzipiert - zusammen mit ihrem Kommilitonen Frank Gerber, 27, der inzwischen ausgestiegen ist, weil er einen Job beim Naturschutzbund Deutschland gefunden hat. „Dieses Projekt”, sagt Fuhse, „ist uns eine Herzensangelegenheit.” 
   Dabei hatten die Studenten Glück, dass ihr Professor Hans-Dieter Warda zugleich Vorsitzender des Förder- vereins für das Arboretum ist. Die Idee eines Blindengartens hatte Warda gemeinsam mit dem Rotary Club Pinneberg angestoßen.  Die Rotarier beteiligen sich an den Kosten des auf 50.000 Euro geschätzten Projekts.
   Giuseppina Dolle und Renate Kokartis betreten die etwa 600 Quadratmeter große Anlage, die von einer flachen Buchsbaumkante eingefaßt ist, Am Eingang wird noch ein Reliefmodell des Blindengartens aufgebaut, „damit ein Bild im Kopf entstehen kann”. Ein besserer Begriff, meinen sie, wäre übrigens „Duft- und Tastgarten”. Beim Wort „Blindengarten”, so ihr spröder Humor, könne man denken, „da werden Blinde eingepflanzt...”
   Alle Pflanzen sind in Hochbeeten in Griffnähe zu erkunden. „Wir sollen sie ja finden”, sagt Dolle. „Ganz oben bemerken wir sie nicht. Und ganz unten treten wir drauf.” Die Beete sind 75 Zentimeter hoch und 1,20 m breit, damit man Blätter und Blüten von beiden Seiten ertasten kann. Carsten Mehliß erklärt das Prinzip: „Als wir selbst probiert haben, mit den Händen zu sehen, sind wir in eine ganz andere Welt eingetaucht.”
   Vor jedem der sechs Themengärten liefern Ablaufrillen aus Metall ein Klangsignal für den Blindenstock. Jeder Garten bietet ein anderes Ambiente, mal prägen sich duftende Gewürze ein, mal eine erfrischende Wasser- schale. Sie unterscheiden sich zudem durch einen jeweils anderen Bodenbelag, das erhöht den Wieder- erkennungswert.

Die Themenbereiche:
  Salbei- und Minzgarten (unter anderem mit einem Becken für Wasserpflanzen, die  Blinde  wegen der Gefahren in der Natur kaum kennen).  Hausgarten (Stauden, Gartenpflanzen, eine  Mauer  für  das „Terrassengefühl” mit Spalier und Balkonkästen, Küchenkräuter, Rollrasen). Mediterraner Raum (von Kalksandstein-Wänden eingerahmt, mit Kübelpflanzen wie Lorbeer und Zitrusfrüchten, Klangspiel; geplant ist ein gemauerter Brunnen). „Das wird mein Lieblingsplatz”, glaubt Giuseppina Dolle. Sonnenhalde (Stauden, Lavendel, Schafgarbe, stark duftende Gewürzpflanzen). Würfelgarten (Nadel- und andere duftende Gehölze wie Wacholder oder Ilex, Tastpflanzen wie Eibe oder Buchs). „Licht und Schatten” (duftende Kletter- und Rankpflanzen an einer Metallpergola, in der Mitte eine große Wasserschale - der ideale Raum für Sehbehinderte, die noch hell / dunkel unterscheiden können).
  Viel größer, das wird schnell klar, muss so ein Blindengarten nicht sein. Denn die Eindrücke sind überwältigend - vom Fenchel (Dolle: „Riecht gut, solange ich ihn nicht essen muss”) bis zum Schneeball (Kokartis: „Der riecht nach Beerdigung”). Experten unterscheiden zehn verschiedene Arten von Blütendüften, von Honigduft (süß, etwa Sommerflieder) bis Indol (Verwesungsgeruch, etwa Aronstab), dazu noch vier weitere Blattdüfte (minzig, schweflig, Kampfer und Terpentin). Manche sind so intensiv, dass Kokartis gleich spürt:  „Die riecht so schön, da braucht man gar nicht die Blätter zu  reiben.” Pudel Scarlett schleckt derweil im Wasserbecken und blickt einer vorbeiziehenden Entenfamilie hinterher.
  In Deutschland leben rund 155.000 Blinde und 500.000 sehbehinderte Menschen, wegen der Überalterung der Gesellschaft mit steigender Tendenz. Erst 1939 gab es im englischen Exeter den ersten Blindengarten, in Deutschland 1961 in Hannover und Berlin.
   Da fehlen Erfahrungswerte. Die drei Studenten haben mehr als 20 Gärten in Deutschland, Dänemark und der Schweiz begutachtet, Vor- und Nachteile aufgelistet. Ihre eigenen Entwürfe haben sie dann mit Blindengruppen beraten. Ein rundes Modell, das vielleicht gefälliger aussehen mag, wurde schnell wieder verworfen. Alexander Fuhse: „Ganz einfach, weil da die Orientierung schwerer fällt.” So waren rechteckige, klar gegliederte Räume die beste Lösung.
   In der Praxis aber tauchen Probleme auf, die ein Sehender nicht kennt. Etwa: Wo soll das Schild mit der Beschriftung hinkommen? Am besten, so die Blinden, „direkt vor die Pflanze, in Höhe der Spitze”. Und wie soll man es beschriften? Punkt (Braille)- und Schwarzschrift zusammen, ergab der Praxistest, ist nicht ideal. So soll im Arboretum mit doppelseitiger Schrift gearbeitet werden. Vorn für die Sehenden, hinten, von oben leicht zu ertasten, für die Blinden. Giuseppina Dolle ist von der Zusammenarbeit angetan: „Alles, was wir gesagt und vorgeschlagen haben, ist berücksichtigt worden. Wir sind ernstgenommen worden.”
   Und das ist noch nicht das Ende. Nach der Übergabe des Gartens an das Arboretum will der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein weitere Vorschläge einbringen. Geplant sind Ausfahrten und Füh- rungen. Eins steht fest: Die Blinden wollen hier nicht unter sich bleiben. Dolle wünscht sich auch den Besuch von Schülergruppen: „Da können auch sehende Kinder Pflanzen mal ganz anders erleben. Eine unvergleichliche Sinneserfahrung.”

Guiseppina Dolle riecht Fenchel

Arboretum, Ellerhoop, Kreis Pinneberg, Ortsteil Thiensen, u. a. über die A23, Abfahrt Tornesch (Richtung Barmstedt, dann ausgeschildert). Eintritt 4 €, Kinder frei.
Andere Blindengärten: In Hamburg können weitere Blindengärten erkundet werden:
Duft- und Tastgarten im Botanischen Garten Klein Flottbek.
Träger der 800 Quadratmeter großen Anlage (eröffnet 2002) ist die Universität Hamburg. Vom Eingang des Botanischen Gartens an gibt es ein Leitsystem für Blinde. Der Garten ist in Innenbereich mit Hochbeeten und einen Außenbereich mit Schwerpunkt Duftpflanzen gegliedert.
Regelmäßige Führungen mit Ehepaar Lange (Tel. 040 81 79 35).
Erreichbar mit der S 1, Haltestelle Klein Flottbek. Blindengarten am Senator-Ernst-Weiß-Haus (Hamburger Blindenstiftung), Bullenkoppel 17 in Wandsbek, für Senioren und ihre Angehörigen.
Blindengarten im Stadtpark Harburg: Themenbereich des „Schulgartens" an der Außenmühle.
Weitere Einrichtung: Blindenpfad als Teil des Volksparks in Altona.  
ChristianA.Thiel,PatrrickPielHA050528  

Ein Duftgarten für Blinde: Rosen, Lavendel Pelargonien und Kräuter

Blindengarten1 Blindengarten5

Das Geheimnis duftender Gärten: Ein gekonnter Mix aus Kräutern und Blumen erhöht das Wohlbefinden.

   Es geht so einfach: Man schließt die Augen, lässt sich vom Duft der Rosen und des Lavendels Fotos oben betören - und schon ist man ein wenig dem Alltag entkommen. Dabei stellt dies nur eines von vielen möglichen Duftarrangements dar, die sich im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon anbieten. Wer hier ein wenig auf Entdeckungsreise geht, wird möglicherweise von Pflanzen und Kräutern in eine ganz neue, unentdeckte Sinneswelt entführt. Denn kaum etwas wirkt intensiver und unmittelbarer als Düfte, die im besten Fall schöne Erinnerungen wachrufen und so entspannen.
   Dem NDR-Gartenspezialisten John Langley geht es beispielsweise so, wenn er frisch gemähten Rasen riecht. „Das erinnert mich an meine Kindheit.” Inspirierend seien für ihn aber auch Pflanzen, die man erst mit der Hand oder dem Bein berühren muss, damit sie ihren Duft entfalten. „Bei vielen Kräutern ist das der Fall”, sagt Langley. Solche Aromapflanzen  würden sich daher nicht nur für den Balkon eignen, sondern auch für eine Weg- bepflanzung.

Blindengarten3 Blindengarten4

   Äußerst dekorativ sei auch eine Kräuterspirale. „Sie lässt sich gut einplanen”, sagt Gartenexperte Heinz Scharnweber, der mit seinem Betrieb dem Verbund „Gärtner von Eden” angehört. „Kräuterspiralen steigen schneckenförmig an, sind eingefasst mit Steinen und in den Pflanzstreifen können nach Belieben Majoran, Pfefferminze, Rosmarin, Schnittlauch oder Thymian eingesetzt werden”, so Scharnweber.
   Wenig bekannt dürfte vielen die Möglichkeit sein, einen Duftrasen anzulegen. „Wer im Rasen beispielsweise Thymian integriert und ihn dann betritt oder sich sogar auf ihn legt, wird sofort umgeben von einem ganz angenehmen würzigen Duft”, sagt John Langley. Wie man am besten dabei vorgeht, beschreibt der Gartenspezialist auf seiner Webseite unter:  www.flower-pr.de 
   Allerdings sollte man während der Blütezeit besser nicht barfuß über den aromatischen Teppich laufen, da Bienen gern die rosa Blüten des Thymians umschwirren, wie Dorothee Waechter in ihrem Buch „Mein Wellness- Garten” betont. Sie verweist deshalb auch auf die Römische Kamille als Alternative, die sich ebenso leicht im Rasen integrieren lässt.
   Beim Anlegen eines Weges mit Natursteinen bietet sich übrigens Polsterthymian für die Zwischenräume als duftender Wegweiser an.
   Grundsätzlich sollte man bei Duftpflanzen darauf achten, dass die Aromen miteinander harmonieren und zum Wohlbefinden beitragen, statt die Nase zu sehr zu strapazieren. Auch sollte die Tageszeit bedacht werden, in der Pflanzen ihre Gerüche entfalten. In den Morgenstunden  duften beispielsweise viele Rosen und Stauden am intensivsten. Der Duft verflüchtigt sich dann mit zunehmender Sonne und Wärme.
   Winter- und Frühlingsblüher wie der Duftschneeball oder der Maiglöckchenstrauch sollten eher im Vorgarten stehen, wo sie vor der Haustür Besucher mit ihrem Duft begrüßen, empfiehlt Dorothee Wächter. Wer sich hin- gegen eher in den Abendstunden mit inspirierenden Düften umgeben will, sollte die Nachtviole und den Ziertabak in die Nähe des Sitzplatzes im Freien pflanzen. In diese Reihe gehören auch Duftsteinreich, Levkojen, Kapuzinerkresse, Schöterich und Sumpfblumen, so John Langley. Auch der Nachtphlox, die Engelstrompete, die Duftnachtkerze, das Geißblatt und das Gemshorn gehören zu den Pflanzen, die erst in den Abendstunden ihren Duft entfalten.
   Der Gartenexperte rät, zart duftende Gewächse, geschützt aufzustellen oder zu pflanzen. „So  verfliegt ihr Aroma nicht schon beim kleinsten Windstoß.” Niedrig wachsende Duftpflanzen sollten durch Kästen oder Kübel zudem möglichst in Nasenhöhe platziert werden, um so nicht nur die Aromastoffe, sondern auch die optische Schönheit der Blumen wahrnehmen zu können.

Blindengarten2 Blindengarten6

  Eine Sonderstellung nimmt die Duftpelargonie Foto oben links ein: Zwar blüht sie nicht so reichhaltig und farbenprächtig wie die klassische Geranie, dafür duftet sie aber je nach Züchtung in den unterschiedlichsten Nuancen: angefangen bei Ananas über Blutorange und Limone bis hin zu Kokos www.kraeuterei.de. Ähnliche Aromen verströmt auch die Apfel-, Ananas-  oder Zitronenminze. Auch die Trompetenlilie oder die Vanilleblume zählen zu den Aromapflanzen.
  In luftigerer Höhe sorgen wiederum Duftwicken und Blauregen für sinnlichen Genuss. 
AnetteBethuneHA060722

Der duftende Garten

Aus einer Zeitschriftenserie entstand eine neue Hörzeitschrift zum Thema:
“Der duftende Garten”. Sie erscheint auf Audiocassette zwei bis dreimal im Jahr.
Auskunft gibt Ruth Zacharias, Taubblindendienst des Diakonischen Werks,
Pilnitzer Str. 71, 01454 Radeberg, Telefon: 035 28 - 43 97 - 0, Fax - 43 97 21
eMail:
fbbs@taubblindendienst.de  blip050404

                                                                         kbwn:Blindengarten                        

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Saulgrub] [Aachen] [Dresden] [Thüringen] [Boltenhagen] [Altötting] [Mariazell] [Begegnungen] [Heringsdorf] [Taubblinde] [Blindengarten] [Hamburg im Dunkeln] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]