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 Â° Der Sekretär der Missionskongregation spricht sich für die Freilassung von inhaftierten Bischöfen in China aus. Im Interview mit der Nachrichtenagentur „Asianews“ bedenkt Erzbischof Savio Hon Tai-fai dabei auch den Ruf seines Landes. Eine Befreiung der Bischöfe würde das internationale Ansehen von China aufwerten. Als Chinese sei er stolz auf seine Landsleute und Kollegen, erklärt der Erzbischof. Ihr Opfer erfülle ihn mit Freude und Trost. Auch wenn die chinesische Regierung keine Angaben zu inhaftierten Bischöfen mache, dürfe man sie nicht vergessen, so Hon. Asianews hatte die chinesische Führung zur Freilassung von insgesamt neun Geistlichen, darunter mehreren Bischöfen, aufgerufen. RV1210117

Ein Bischof ist von den Behörden zur Teilnahme an „Studiensitzungen“ gezwungen worden.
   Der romtreue Bischof John Wang Ruowang
sei letztes Jahr geheim geweiht worden, gibt die Agentur an; Funktionäre hätten ihn Ende Dezember von Taijing nach Tianshui in der Provinz Gansu gebracht. Gegenüber ucanews habe der Bischof bestätigt, dass man ihm „Erziehungs- und Konversationsunterricht“ erteilt habe, und die Vermutung geäußert, dass das allen Priester der so genannten „Untergrundkirche“ ebenfalls bevorstehe. Nach Agenturangaben wurden seit dem 4. Januar sieben Priester zur Teilnahme an solchen Unterrichts- stunden verpflichtet. RV120112ucanews

Viele Fragen vor Bischofsweihe in China
   Der Vatikan reagiert vorsichtig auf Meldungen über eine bevorstehende Bischofsweihe in China. In der Provinz Sichuan soll der Priester Luo Xuegang die Bischofsweihe erhalten, wie Nachrichtenagenturen melden. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte Journalisten, dass der 47-Jährige von Rom bestätigt und als Koadjutor des Bistums Yibin vorgesehen sei. Auch der 95-jährige Ortsbischof, der den Berichten zufolge die Weihe spenden wird, stehe in Gemeinschaft mit Rom. Sollte die Bischofsweihe legal verlaufen, würde das „eine Ermutigung für die katholische Gemeinschaft“ bedeuten, formulierte Lombardi. Er hoffe allerdings „lebhaft, dass die Normen der katholischen Kirche zur Bischofsweihe respektiert werden“. Die Gläubigen müssten über die Weihe informiert werden, und kein „illegitimer Bischof“ dürfe „an der Liturgie teilnehmen“, wie das in der Vergangenheit wiederholt geschehen ist.
   Ende Juni und Mitte Juli ist es in Leshan und Shantou in der Provinz Guangdong zu illegitimen Bischofs- weihen gekommen. Die Geweihten wurden vom Heiligen Stuhl für exkommuniziert erklärt, Peking reagierte mit Protest. An diesem Dienstag hingegen erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Peking sei ehrlich in seinem Wunsch, die Beziehungen zum Vatikan zu verbessern.
Rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Einwohnern der Volksrepublik China sind Katholiken
  
Die Behörden verzeichnen jedoch lediglich 6 Millionen. Als kleine Minderheit haben die Katholiken mit rund 100 Diözesen dennoch landesweit funktionierende Kirchenstrukturen. Eine große Besonderheit des chinesi- schen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelas- senen «Patriotischen Vereinigung» gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst. rv111129sk

Ein illegitimer Bischof hat sechs Diakone gegen ihren Willen geweiht
  
Bischof Ma Yinglin wird von Rom nicht anerkannt. Wie die Nachrichtenagentur „Eglise d’Asie“ berichtet, sind die Diakone aus der Provinz Sichuan zu ihrer Weihe gezwungen worden. Sie hatten erst rund zehn Tage vorher von dem Vorhaben erfahren und hatten laut Eglise d’Asie keine Möglichkeit abzulehnen. Die Bezie- hungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China
wurden in den vergangenen Monaten wiederholt von illegi- timen Bischofsweihen überschattet. Am Mittwoch kam es erneut zu Verstimmungen, als ein illegitimer Bischof bei einer von Rom genehmigten Weihe teilgenommen hatte. RV111203apic

Drei Jahre „Umerziehung durch Arbeit“: So lautet das Urteil gegen Pater Wang Chengli, Diözesan- administrator der chinesischen Untergrundkirche in der Provinz Shangdong. Das berichtet Asianews. Als wahrscheinlichster Grund für die Verurteilung wird seine Weigerung angegeben, der vom Staat unter- stützten Patriotischen Kirche beizutreten. Dem Priester aus Heze wurden keine Besuche durch Angehörige oder Anwälte gestattet, weswegen genaue Details nicht bekannt wurden. Wie die Nachrichtenagentur berichtet, glauben chinesische Katholiken aber auch, dass die Verurteilung im Zusammenhang mit den vom Vatikan nicht erlaubten Bischofsweihen steht. RV110827an
Erste Diakonweihe nach 30 Jahren: Die Weihe fand in der Diözese Tian Shui statt. Die Diözese befindet sich in der Provinz Gan Su, im Nordosten Chinas. Es handelt sich um die erste Diakonweihe in jener Provinz seit 1980. Zu Anfang war die Diözese Tian Shui eine Missionsstation deutscher Kapuziner. 1922 wurde die Apostolisches Vikariat; 1946 wurde sie zur Diözese Qin Zhou erhoben, dem Jahr der Errichtung der chine- sischen Hierarchie. Heute umfasst sie mehr als 20.000 Gläubige, zahlreiche Geistliche und 20 Schwestern der Kongregation von der Heiligen Familie. RV110731fides

In der Provinz Shandong in Ostchina sind vier katholische Geistliche festgenommen werden. Sie gehören der so genannten „Untergrundkirche“ an; die Behörden wollten sie zum Beitritt zur regimetreuen Patriotischen Katholischen Vereinigung zwingen. Das meldet der römische Pressedienst Asianews. Derzeit befänden sich die Priester in Isolationshaft im Gefängnis von Dongming und erhielten keine Nahrung. Ihre Anhänger hätten sich in einem Hilferuf an den Vatikan gewandt, so Asianews. Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden hatte sich nach einer Reihe von illegalen, das heißt vom Vatikan nicht genehmigter Bischofsweihen in China in den letzten Monaten wieder verschlechtert. RVasianews11070
   Ein Priester der sog. „Untergrundkirche“ ist freigelassen worden. Das meldet die kirchliche Agentur Uca- news. Der 2009 geweihte Chen Hailong war im April verhaftet und seitdem in Isolationshaft gehalten wor- den. Nach Angaben der Agentur haben die Behörden durch Folter versucht, den Aufenthaltsort von Bischof Thomas Zhan Kexun in Erfahrung zu bringen. Kexun ist seit 2007 Bischof von Xuanhua, einer staatlich nicht anerkannten katholischen Diözese. Der achtzigjährige Kirchenmann lebt seit seiner Ernennung zumeist im Untergrund. Die lokalen Machthaber in Zhangjiakou, in deren Gebiet die Diözese liegt, haben in den vergan- genen Monaten ihr Vorgehen gegen romtreue Christen verschärft. Allerdings gibt es andere Gegenden in China, in denen die Situation katholischer Christen besser ist. RVasianews110807apic

   Ein vom Vatikan anerkannter Bischof ist vor kurzem in China heimlich geweiht worden. Das berichtet die katholische italienische Tageszeitung „L´Avvenire“. Damit sollte nach ihrer Auskunft verhindert werden, dass exkommunizierte bzw. vom Papst nicht anerkannte Bischöfe an der Weihe teilnehmen. Insgesamt dreimal sind in den letzten Wochen in China Bischöfe ohne Erlaubnis des Papstes geweiht worden. Die Beteiligten haben sich, wie der Vatikan am Samstag erneut bekräftigte, die Exkommunikation zugezogen.
   Die Weihe des vom Papst anerkannten Bischofs Joseph Sun Jigen hingegen war auch vom Pekinger Regime erlaubt worden; es wollte allerdings durchsetzen, dass unter den Weihenden auch der illegitime Bischof Joseph Guo Jincai sei. Als das Bistum sich diesem Ansinnen widersetzte, wurde Sun Ende Juni von der Polizei festgenommen. Nach seiner Freilassung erklärte er jedoch am letzten Wochenende, er sei schon am 21. Juni heimlich zum Bischof geweiht worden. Die illegalen Bischofsweihen, die auf Druck der Pekinger Regierung zustandekommen, haben die ohnehin schon gespannten Beziehungen zwischen China und dem Vatikan nach Auskunft eines Vatikan-Erzbischofs „auf den Stand der 50er Jahre“ zurückgeworfen.

agi/110717RVRvavvenire

   Mit Empörung hat die chinesische Regierung auf die jüngste Stellungnahme des Vatikans hinsichtlich ille- galer Bischofsweihen reagiert. Die Exkommunikation der beiden Bischöfe Paul Lei Shiyin und Joseph Huang Bingzhang sei „unzumutbar“ und „grob“, heißt es in einer Erklärung, die die chinesische Regierungs- agentur Xinhua veröffentlichte. Darüber berichtet der missionarische Pressedienst Eglises D'Asie, der seinen Hauptsitz in Paris hat. „Wenn der Vatikan sich ehrlich darin zeigt, seine Beziehungen zur chinesischen Regierung verbessern zu wollen, muss er die Exkommunikationen widerrufen, auf den Weg des Dialoges zurückkehren und damit eine Probe gesunden Menschenverstandes abgeben“, heißt es demnach in der Regierungserklärung weiter. Die Erklärung sei die erste offizielle Reaktion der chinesischen Regierung auf die jüngste Stellungnahme des Vatikans, schreibt Eglises D'Asie. Nach den vom Vatikan nicht genehmigten Bischofsweihen vom 29. Juni in Leshan und am 14. Juli in Shantou hatte er Heilige Stuhl seine Haltung zu Bischofsweihen in China bekräftigt: Ohne päpstlichen Auftrag geweihte Bischöfe erkenne der Vatikan nicht an, unterstrich der Heilige Stuhl in einer Erklärung. Die so geweihten Bischöfe seien – dem Kirchenrecht entsprechend – exkommuniziert. Dabei sei die Exkommunikation eine „Tatstrafe“, das heißt die Geistlichen hätten sie sich durch die Weihe selbst zugezogen. rv110726

Nach illegaler Weihe in China: Papst bedauert Lage der Kirche
   Der Vatikan hat seine Haltung zu Bischofsweihen in China bekräftigt. Die Weihe vom 14. Juli 2011 in der südchinesischen Diözese Shantou sei „ohne päpstlichen Auftrag erfolgt und daher nicht rechtmäßig“, heißt es in einer Erklärung des Heiligen Stuhls. Der Papst bedaure zutiefst, wie die Kirche in China behandelt werde.
Papsttreue zur Teilnahme gezwungen
   Einige papsttreue Bischöfe hätten sich gegenüber den zivilen Autoritäten geweigert, an einer illegalen Weihehandlung teilzunehmen – „ihren Willen zum Ausdruck gebracht und dabei auch Formen des Wider- stands geleistet“, so die Erklärung wörtlich. Der Vatikan sei darüber aus „verschiedenen Quellen“ informiert gewesen. „Dessen ungeachtet sind die Oberhirten verpflichtet worden, an der Weihe teilzunehmen.“ Der Widerstand dieser Bischöfe werde von Gott belohnt werden und in der ganzen Kirche hoch geschätzt. Gleiches gelte für Priester und Gläubige, die diesen Bischöfen beigestanden und sie verteidigt hätten.
Exkommunikation
   Den ohne päpstlichen Auftrag geweihten Joseph Huang Bingzhang erkenne der Vatikan nicht als Bischof an. Die Diözese Shantou habe einen rechtmäßigen Oberhirten. Bingzhang sei seit langem informiert gewe- sen, dass der Heilige Stuhl ihn deshalb nicht als Bischof akzeptieren könne. Mehrmals sei Bingzhang gebeten worden, die Weihe abzulehnen. Ihn träfen die in Canon 1382 des Kirchenrechts festgeschriebenen Sanktionen - die Exkommunikation als sogenannte „Tatstrafe“, also eine automatisch zugezogene Strafe.
Aktuelle Probleme überwinden
   Die illegale Weihe war die dritte in acht Monaten. Die letzte fand am 29. Juni in der zentralchinesischen Provinz Sichuan statt. Der Sekretär der vatikanischen Missionskongregation, Erzbischof Savio Hon Tai Fai aus China, hatte nach Medienberichten über Verhaftungen und den Zwang der Behörden in diesen Tagen beklagt, die Beziehungen zwischen Vatikan und China seien auf den Stand der 50er Jahre zurückgefallen. Die chinesische Regierung sei offenbar davon überzeugt, dass sie die Kirche regieren müsste, so Hon Tai Fai in einem Online-Interview.
   Der Heilige Stuhl erinnert in seiner Erklärung an die Einheit der Weltkirche und das Recht der chinesischen Katholiken, frei zu handeln, „und dabei dem eigenen Gewissen zu folgen“. Der Papst hoffe, „dass die der- zeitigen Schwierigkeiten baldmöglichst überwunden werden können“. – Rund 13 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. In der chinesischen Verfassung ist Religionsfreiheit festgeschrieben. RV110716bp
Benedikt XVI. äußerte sich „bitter enttäuscht" über die jüngste Bischofsweihe in China,
   die ohne Zustimmung des Vatikans erfolgt war. Die Weihe führe zu Spaltung und riefe neue Spannungen unter den Katholiken Chinas hervor, heißt es in einem Schreiben vom Heiligen Stuhl, Die Bischofsweihe für Paulus Lei Shiyin vom 29. Juni im Bistum Leshan in der zentralchinesischen Provinz Sichuan sei „ohne päpst- lichen Auftrag und darum unrechtmäßig" erfolgt. FAZ110706jöb

   Ein „Bischof“ ist ohne päpstliche Erlaubnis geweiht worden. Die illegale Weihe fand in der Diözese Leshan statt. An der Zeremonie in der Provinz Sichuan hätten, laut der Nachrichtenagentur „Ucanews“, zahlreiche chinesische Regierungsmitarbeiter teilgenommen. Es seien jedoch auch sechs „legale“ Bischöfe der Unter- grundkirche dabei gewesen. Die Weihe fand durch den Präsidenten der Chinesischen Katholischen Patrio- tischen Vereinigung, Johan Fang Xingyao, statt. RV110629ucanews
China weiht Bischof ohne Zustimmung des Papstes
   In China ist wieder ein Bischof ohne Zustimmung des Vatikan geweiht worden. Nach Angaben des asiati- schen katholischen Pressedienstes Ucanews ordinierte der Vorsitzende der regierungsnahen „Patriotischen Vereinigung", Bischof Johan Fang Xingyao, wie zuvor angekündigt den 48-jährigen Paul Lei Shiyin, einen der zehn Vizevorsitzenden der „Patriotischen Vereinigung". Der Zeremonie im südwestchinesischen Leshan wohnten laut der Meldung etwa tausend Gäste und Regierungsvertreter bei. Papst Benedikt XVI. hatte die Ordination Leis nicht genehmigt. Für unerlaubte Bischofsweihen sieht das katholische Kirchenrecht schwere Sanktionen vor. Wie Ucanews berichtet, nahmen an der Weihehandlung sechs weitere Bischöfe teil. Diese seien alle vom Vatikan anerkannt, hätten allerdings schon zuvor an anderen kirchenrechtlich unerlaubten Ordinationen teilgenommen. Lei sagte dem Pressedienst, er könne der katholischen Kirche vorbehaltlos gehorchen, müsse aber auch Interessen der Ortskirche berücksichtigen. Bereits vor einem Jahr habe er einen Brief nach Rom geschrieben und Fragen der Kirchenleitung beantwortet. „Ich habe getan, was ich tun musste, und habe lange gewartet", zitiert Ucanews den neuen Bischof. Man müsse auf Interessen der Kirche Rücksicht nehmen, bei denen es um „Überleben und Entwicklung" gehe. Unterdessen wird der Kan- didat einer vom Vatikan genehmigten Bischofsweihe offenbar weiter von der Polizei festgehalten. Der 43- jährige Joseph Sun Jigen sei bislang nicht in seine Diözese Handan in der nordchinesischen Provinz Hebei zurückgekehrt, schreibt Ucanews. Seine Weihe war am selben Tag vorgesehen gewesen. Das Bistum Handan habe wegen der Verhinderung der Weihe auf seiner Website einen Protest an die Regierung ver- öffentlicht, so der Pressedienst. Zugleich hätten katholische Medien und Blogger Warnungen erhalten, kommentierende Beiträge zu den jüngsten Weihen zu löschen. Mehr als dreizehn Millionen von etwa 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. DT110702kna

    In Handan sind zwei Priester verschwunden. Die beiden Priester hätten versucht, ihren designierten Bischof aufzusuchen. Dieser war kurz vor seiner Bischofsweihe von der Polizei festgenommen worden. Die Priester hätten sich mit Beamten des Büros getroffen, das kirchliche Aktivitäten überwacht. Die Weihe des Bischofs, die päpstliche Zustimmung hatte, sollte eigentlich am 29. Juni, am Festtag Peter und Paul, statt- finden. Die Zeremonie musste jedoch gestrichen werden, nachdem Sun Jigen am 26. Juni von der Polizei in Gewahrsam genommen worden war. RV110705asianews

  Die von der Regierung kontrollierte Patriotische Kirche Chinas hat 14. Juli 2011 erneut einen Bischof ohne Erlaubnis des Vatikan geweiht. Es handelt sich um die bereits dritte illegale Weihe in acht Monaten. Der Vatikan besteht auf dem Kirchenrecht, das keine Bischofsweihe ohne Erlaubnis zulässt, während die Regierung dies als Einmischung betrachtet. Joseph Huang Bingzhang sei nun der Bischof von Shantou, teilte der Leiter der Patriotischen Kirche chinesischen Medien mit. Nach Journalisten- angaben wurden mehrere papsttreue Bischöfe gezwungen, an der Weihe mitzuwirken. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach in einer ersten Reaktion von „Schmerz und Sorge“. Die Weihe richte sich „gegen die Einheit der Weltkirche“. Rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. Rv110714ap

Papst-Appell für die Kirche in China

   Benedikt XVI. ruft die Katholiken in aller Welt zum Gebet für ihre Glaubensbrüder in China auf. Bei der Generalaudienz in Rom wandte sich der Papst noch mit einem ungewöhnlichen Appell an die Katholiken in China: Er wisse um ihre Leiden und Schwierigkeiten, bitte sie aber, „der Versuchung eines von Petrus un- abhängigen Weges“ nicht nachzugeben. Bemerkenswert an dem Papst-Appell ist allein schon seine Länge.
   „Am 24. Mai, feiert die Kirche Maria als „Hilfe der Christen“: Unter diesem Titel wird sie im Wallfahrtsort Scheschan in Schanghai angerufen.
Fotos siehe weiter unten auf dieser Seite. Die ganze Kirche vereint sich dann im Gebet mit der Kirche in China. Dort wie anderswo erleidet Christus seine Passion. Aber während die Zahl derer wächst, die ihn als ihren Herrn erkennen, wird Christus von anderen zurückgewiesen, ignoriert oder verfolgt: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Apg 9,4. Chinas Kirche braucht das Gebet der Weltkirche vor allem in diesem Moment. Ich lade vor allem alle chinesischen Katholiken um weiteres und stärkeres Gebet zu Maria ein. Aber überhaupt allen Katholiken in der Welt sollte es ein Anliegen sein, für die Kirche in China zu beten: Diese Gläubigen haben ein Recht auf unser Gebet – und sie brauchen es auch!“
   Die Apostelgeschichte schildere das inständige Gebet der Urgemeinde in Jerusalem für den inhaftierten Petrus, so der Papst. Und tatsächlich habe daraufhin ein Engel den Petrus aus dem Gefängnis befreit. „Wir tun dasselbe“, so Benedikt, „wir beten alle zusammen inständig für diese Kirche und vertrauen darauf, dass wir mit dem Gebet etwas sehr Reelles für sie erreichen können.“
   „Die chinesischen Katholiken – das haben sie oft gesagt – wollen die Einheit mit der Weltkirche, mit dem obersten Hirten, mit dem Nachfolger des Petrus! Mit dem Gebet können wir für die Kirche in China erwirken, dass sie eine, heilige, katholische Kirche bleibt, treu und beharrlich in der Lehre und der kirchlichen Disziplin. Sie verdient unsere ganze Zuneigung!“
   Benedikt XVI. hat vor einigen Jahren ein Apostolisches Schreiben an die Katholiken in China gerichtet, in dem er ausführlich auf ihre Schwierigkeiten eingeht. Lesen Sie das Apostolische Schreiben unten auf dieser Seite!   Den 24. Mai, Fest Unserer Lieben Frau von Scheschan, hat er zum Weltgebetstag für die Kirche in China ausgerufen. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China sind in jüngster Zeit immer wieder durch illegale Bischofsweihen belastet worden, die ohne Zustimmung des Papstes vorgenommen wurden. Das Regime hat mehrfach vom Vatikan anerkannte Bischöfe gezwungen, an solchen illegalen Bischofsweihen mitzuwirken.
   „Wir wissen, dass unter unseren Mitbrüdern im Bischofsamt einige leiden und bei der Ausübung ihres Amtes unter Druck gesetzt wurden. Ihnen, den Priestern und allen Katholiken, die bei der freien Ausübung ihres Glaubens auf Schwierigkeiten stoßen, drücken wir unsere Nähe aus. Möge unser Gebet ihnen helfen, einen Weg zu finden, damit ihr Glaube lebendig bleibt, ihre Hoffnung stark, ihre Liebe zu allen brennend und ihre Sicht von der Kirche intakt. Wir haben diese Ekklesiologie vom Herrn und den Aposteln geerbt, sie wurde uns treu bis in die heutige Zeit weitergegeben. Mit dem Gebet können wir erwirken, dass ihr Wunsch, in der einen und universellen Kirche zu bleiben, die Versuchung eines von Petrus unabhängigen Weges überwindet.“
   Das Gebet könne „für sie und uns“ die Kraft erwirken, das Evangelium „in aller Offenheit und ohne Hinder- nis“ zu bezeugen, so Benedikt XVI. Er bete zusammen mit allen Katholiken in der Welt, dass Maria die Glaubensbrüder in China „immer mehr Christus gleichmacht“.
   „Ich bitte Maria, die zu erleuchten, die im Zweifel sind; die Verirrten zurückzurufen, die Trauernden zu trösten und alle zu stärken, die dem Lockruf des Opportunismus zu erliegen drohen. Jungfrau Maria, Hilfe der Christen, Unsere Liebe Frau von Scheshan, bitte für uns!“
rv110518sk
   Das Beijinger Außenministerium widerspricht dem Papst. Benedikt hatte in einem Appell von „Leiden“ und „Schwierigkeiten“ der Katholiken in China gesprochen. „Wir hoffen doch, dass der Vatikan die Realität der Religionsfreiheit in China wahrnimmt und die Tatsache, dass sich die Katholiken in China weiterentwickeln“, sagte dazu eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Der Vatikan solle lieber„konkret etwas tun, um die Bedingungen für eine Weiterentwicklung der chinesisch-vatikanischen Beziehungen zu schaffen“. Vor allem Bischofsweihen in China ohne Zustimmung des Papstes haben in den letzten Monaten diese Be- ziehungen schwer belastet. Die Zahl der Katholiken in China wird auf zwischen acht und zwölf Millionen ge- schätzt.
RV110519reuters

China: Vor neuen illegalen Bischofsweihen
   Die Versuche des Vatikans, mit dem chinesischen Regime ein Auskommen zu finden, drohen mal wieder ins Leere zu laufen. Der Heilige Stuhl habe kein Recht, sich in die Auswahl und Weihe von Bischöfen in China einzumischen, sagte der Ehrenpräsident der regimenahen „Patriotischen Vereinigung“, Liu Bainian. Der „starke Mann“ der so genannten „offiziellen“ Kirche erklärte, Chinas Katholiken seien unabhängig vom Vatikan und wollten bei der Bestellung von Bischöfen keine Einmischung aus Rom.
   „Man merkt, dass die katholische Kirche hier in einer schwierigen Lage ist, manchmal auch unterdrückt wird. Der Staat beobachtet sehr viel. Es ist für die Kirche hier in China nicht einfach.“ Das sagt der deutsche Auslandsbischof Heiner Koch, der in den letzten Tagen einen Besuch in Peking, Schanghai und Hongkong gemacht hat. Er sei in der chinesischen Hauptstadt auf „etwas ängstliche“ chinesische Katholiken gestoßen.
„Aber, wie der nordkoreanische Botschafter mir heute sagte: Das sind paradiesische Zustände gegenüber der Situation in Nordkorea...“
   Koch ist von Haus aus Kölner Weihbischof. Während seines Besuchs in Hongkong erschien in der lokalen Zeitung „Wen Wei Po“ ein Aufsatz des „offiziellen“ Bischofs Fang Xingyao, Präsident der regimenahen „Patriotischen Vereinigung“. Der Aufsatz kündigt für die nächste Zeit die Weihe von elf neuen Bischöfen an – und von einer Zustimmung aus Rom für die Kandidaten ist in dem Aufsatz keine Rede. Nur auf das Plazet der „offiziellen“ Bischofskonferenz werde noch gewartet, dann würden die Bischofsweihen vorgenommen. Weihen, die aus Vatikansicht illegitim sind.
   Heiner Koch weiß um die zum Zerreißen gespannten Beziehungen zwischen dem Vatikan und China. Dennoch: Durch Peking ist er nicht in Zivil gelaufen, sondern als Bischof gekleidet. „Und die Menschen erkennen das auch und sprechen mich an. Das ist ganz interessant. Als Ausländer kann man sich hier gut als Christ zu erkennen geben. Die Menschen empfangen mich hier insgesamt mit einer enormen Gastfreund- schaft und einer großen Herzlichkeit.“
   Kochs Besuch galt vor allem der deutschen Gemeinde in Peking, die von einem Geistlichen aus dem Erzbistum Köln geleitet wird. Am Sonntag hielt er dort Firmung, Visitation und Gemeindejubiläum ab – alles auf einen Streich. Sogar der deutsche Botschafter in Nordkorea kam extra für diese Messfeier in die chine- sische Hauptstadt. Dazu Koch:
   „Ein außergewöhnlicher Gottesdienst! Weil zum ersten Mal ein ausländischer Bischof in einer katholischen Kirche in Peking zelebrieren durfte. Der Staat hatte die Genehmigung gegeben. Sonst trifft sich die deutsche Gemeinde immer in der deutschen Botschaft.“
   Er habe gemerkt, „wie froh die Deutschen in China sind, dass es diese Gemeinde gibt“, sagt Weihbischof Koch. Er habe nachher aber auch mit Chinesen gesprochen und festgestellt, dass es auch ihnen einiges be- deutet, dass es die katholisch-deutsche Gemeinde gibt: „Weil die katholische Kirche in China so wichtig ist, und vor allen Dingen in Peking. Das wichtige Zeichen dieses Gottesdienstes für diese Gemeinde war: Wir sind eine internationale Größe - und weit mehr als nur die Katholiken in Peking!“
domradio/apic110518sk

Die deutschen Bischöfe rufen die Gläubigen auf, am 24. Mai für die Anliegen der Kirche in China zu beten.    Vor allem werden die Gläubigen in Deutschland aufgerufen, „für die Freiheit der Kirche in China zu beten“. Der 24. Mai ist der Feiertag „Maria, Hilfe der Christen“. In die Gottesdienste und in das persönliche Gebet soll die schwierige Lage der chinesischen Katholiken einbezogen werden, schreibt die Bischofskonferenz in einer Mitteilung. Die Gebetsinitiative geht auf eine Empfehlung von Papst Benedikt XVI. zurück, der 2007 in einem Brief Wortlaut unten auf dieser Seite an die katholische Kirche in der Volksrepublik China zu wachsender Verbundenheit zwischen der Kirche in China und der Weltkirche aufgerufen hat. Der 24. Mai wurde damals zum Tag des weltweiten Gebets für China bestimmt. RV110519pm

Eine gute Nachricht aus China
   Mehrere aktuelle Ereignisse in der Volksrepublik China werden von Beobachtern als Zeichen für eine Be- reitschaft zu Zugeständnissen gewertet. So ist der jetzt frisch geweihte chinesische Bischof Joseph Shen Bin von Haimen einer Meldung der Nachrichtenagentur UCA News zufolge sowohl vom Papst als auch vom Pekinger Regime anerkannt. Bei der Weihe des 40-Jährigen in der Provinz Jiangsu an der Ostküste der Volksrepublik China hätten mit einer Ausnahme nur Bischöfe mitgewirkt, hinter denen auch der Vatikan stehe. Darüber hinaus sei jetzt ein Hirte der Untergrundkirche, Bischof Matthias Du Jiang, von den staat- lichen Behörden anerkannt worden. Der 47-Jährige aus dem Autonomen Gebiet Guangxu im Süden Chinas war 2004 mit Billigung des Papstes zum Bischof geweiht worden. Bislang hatten ihn die Zivilbehörden aber nicht als Bischof anerkannt. Rv100422zenit
  
Joseph Han Yingjin ist neuer Bischof in Sanyuan. Seine Ordination ist die vierte vom Vatikan anerkannte Bischofsweihe in China seit April letzten Jahres. Als Hauptaufgaben sieht der 52-jährige Bischof Han die Stärkung der Mission, die Glaubensbildung und die soziale Arbeit. RV100625asianews
  
Nach fast 50 Jahren Vakanz ist der Bischofsstuhl in der chinesischen Provinz Zhejiang neu besetzt. Das Amt übernimmt der vom Vatikan anerkannte Geistliche Antonio Xu Jiwei. Er wurde in der Kathedrale der Diözese Taizhou zum Bischof geweiht. Er wolle die Einheit der Geistlichen und Gläubigen stärken, gab der neue Oberhirte an. Zur Zeit der Kulturrevolution verbrachte Xu, der aus Schanghai stammt, fünf Jahre im Gefängnis. Es folgten lange Jahre Zwangsarbeit. „Die Zeit im Gefängnis hat meinen Glauben gestärkt“, so der Geistliche wörtlich gegenüber der Nachrichtenagentur asianews. In der Diözese Taizhou leben ca. 6.000 Katholiken, die meisten Gläubigen kommen vom Land. Oktober 1926 wurde ihr vorstehender Bischof von Papst Pius XI. zu einem der ersten chinesischen Prälaten ernannt. Seitdem hatte die Diözese nur zwei Bischöfe. RV100710asianews
  
Antonio Xu Jiwei ist zum Bischof von Linhai in der Provinz Zehjiang geweiht worden. Der 75-jährige ist vor 25 Jahren zu Priester geweiht worden und war bereits seit 1999 Diözesanadministrator. Die Messe wurde unter dem Vorsitz des Bischofs von Qingdao, Giuseppe Li Mingsu, gefeiert. Die staatlichen Behörden haben die Ordination Jiweis approbiert. 100714rv
   Nach 15 Monaten Haft ist ein Bischof der Untergrundkirche freigelassen worden. Das teilte die im US- Bundesstaat Connecticut ansässige Kardinal-Kung-Stiftung mit. Demnach wurde der katholische Bischof Jia Zhiguo nach Anruf eines Regierungsvertreters bei der Diözese Zhengding in der Provinz Hebei freigelassen. Unmittelbar nach seiner Freilassung habe Bischof Jia erklärt, er habe weder die Patriotische Vereinigung noch die offiziell zugelassene Chinesische Bischofskonferenz akzeptiert. Jia war Ende März 2009 aus seinem Haus verschleppt und seitdem nicht mehr gesehen worden. Der Tag seiner Verhaftung sei exakt mit dem Arbeitsbeginn der Vatikan-Kommission für die Kirche in China zusammengefallen. Nach Angaben der Stiftung handelte es sich bereits um die 13. Verhaftung Jias seit 2004. – In China gibt es derzeit rund 90 katholische Bischöfe. Weit mehr als die Hälfte von ihnen sind Mitglieder der offiziell anerkannten „Patrio- tischen Vereinigung“, die anderen gehören der papsttreuen Untergrundkirche an. Mittlerweile sind aber auch viele Bischöfe der offiziellen Kirche in China von Rom anerkannt. RV100708kna
   Der Vatikan hat die Freilassung des chinesischen Bischofs Julius Jia Zhiguo begrüßt. Er habe diese Nach- richt mit großer Freude vernommen, heißt es in einer Botschaft des Präfekten der Missionskongregation, Kardinal Ivan Dias. Zugleich versicherte Dias darin dem Bischof von Zhengding die besondere Verbundenheit des Papstes. Der 75-jährige Jia ist seit 1980 Bischof der papsttreuen Untergrundkirche; die chinesische Regierung erkennt ihn nicht an. Jia war am 31. März vergangenes Jahres von Polizisten ohne Begründung an einen unbekannten Ort gebracht worden. Zuvor stand er unter Hausarrest. Jia war zuvor insgesamt mehrere Jahre im Gefängnis gewesen. Unter anderem war er am Schlusstag der Olympischen Spiele in China, Ende August 2008, vorübergehend verhaftet worden. Seit 1989 befand er sich unter strenger Beob- achtung der Polizei. RVkipa100713fides
  
In China ist ein katholischer Bischof geweiht worden. Die Ordination habe mit Billigung des Papstes und in Einvernehmen mit der Regierung in Peking stattgefunden, berichtet die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. Der 46-jährige John Baptist Yang Xiaoting werde künftig als Bischofskoadjutor in Yan'an in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi tätig sein. Die Bischofsweihe ist laut der Vatikanzeitung bereits erfolgt.
or100722kna

 In der nordchinesischen Provinz Shanxi gibt es einen neuen Bischof, der sowohl mit Billigung der staatlichen Behörden als auch des Heiligen Stuhles geweiht wurde. Peter Wu Junwei, zuletzt Rektor des örtlichen Priesterseminars, empfing bereits am 21. September die Weihe zum Bischof für Kiangchow. Das schreibt die Vatikanzeitung Osservatore Romano von diesem Donnerstag. Der 47-jährige Wu ist der achte Bischof, der in diesem Jahr mit Billigung der staatlichen Behörden und des Heiligen Stuhls geweiht wurde. RV100930or
China: Untergrundkirche wird sichtbarer
   Es ist der zehnte Bischof in China, der in diesem Jahr mit Erlaubnis der staatlichen Behörden und des Vatikans geweiht wurde: Joseph Yang Yongqiang ist seit diesem Montag Weihbischof in der Stadt Zibo, das liegt in der Provinz Shandong zwischen Beijing und Shanghai. Den Dialog mit den so genannten Unter- grundkirchen“ wolle er vertiefen, so ein Ziel des neuen Oberhirten. Dazu gehöre auch, dass die offiziellen Kirchen Kultstätten mit den staatlich nicht anerkannten Kirchen teilten, so Yang. Die Grenze zwischen Untergrundkirche und offizieller Kirche verschwimme in den letzten Jahren zunehmend. Das meint der ameri- kanische Journalist Paul Mooney von der „South China Morningpost“. Man könne kaum noch von einem ein- heitlichen „Untergrund“ sprechen:„Die Patriotische Vereinigung will die ganze Kirche kommunistisch machen. Aber ich denke, das Gegenteil passiert: Die Untergrundkirche wird immer sichtbarer und etablierter.“
RV101115
  
Gegen den ausdrücklichen Protest des Apostolischen Stuhls hat in China die unerlaubte Bischofsweihe von Joseph Guo Jincai stattgefunden. Acht in Gemeinschaft mit dem Papst stehende Bischöfe nahmen unter Zwang an der Feier teil, die in der Stadt Chengde stattfand. Wie die Agentur „Asianews“ berichtet, hatte es seit 2006 in China keine unerlaubten Weihen mehr gegeben. Joseph Guo Jincai wurde vom Pekinger Regime ohne Beteiligung oder Zustimmung des Papstes zum Bischof gemacht. Die Nachricht bedeutet einen Rückschlag für den Heiligen Stuhl, der an eine allmähliche Verbesserung der Beziehungen geglaubt hatte.
RV101120asianews

Pekings Druck hat Wirkung. China: Neue Spitze der Bischofskonferenz von Rom nicht anerkannt

   Die staatstreue katholische Kirche Chinas hat einen vom Vatikan nicht anerkannten Bischof zum Vorsitzen- den ihrer Bischofskonferenz gewählt. Während der in Peking zu Ende gegangenen Vollversammlung stimm- ten die gut 300 Delegierten nahezu einstimmig für den Bischof von Kunming, Joseph Ma Yinglin, wie der römische Pressdienst asianews berichtet. Ma war 2006 ohne Zustimmung des Vatikan zum Bischof der süd- chinesischen Stadt geweiht worden. Grund für die Ablehnung Roms soll zu große Staatstreue und eine un- zureichende Erfahrung Mas als Seelsorger gewesen sein. Zum Präsidenten der „Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung" wurde der mit Zustimmung Roms geweihte Bischof von Linyi, John Fang Xingyao, gewählt. Generalsekretär der Bischofskonferenz wurde laut asianews der am 20. November gegen den Willen Roms zum Bischof geweihte Guo Jincai von Chengde.
   Auch unter den neu gewählten sechs stellvertretenden Vorsitzenden befinde sich ein vom Papst nicht anerkannter Bischof. Weder die Bischofskonferenz noch die Patriotische Vereinigung sind als Körperschaf- ten vom Vatikan anerkannt. Dutzende Bischöfe sollen zur Teilnahme an der Vollversammlung gezwungen worden sein. Außer den Bischöfen hätten auch Laien und Regierungsvertreter teilgenommen. Die Bischöfe stellten demnach bei dem Treffen nur eine Minderheit. Der Vorsitz der Bischofskonferenz war seit 2005 vakant, die Präsidentschaft der Patriotischen Vereinigung seit 2007. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China waren zuletzt durch die von den chinesischen Behörden gegen den Willen Roms durchgesetzte Bischofsweihe Guos belastet worden. Der Vatikan hatte diesen Schritt scharf verurteilt. Die Katholiken in China sind seit 1957 in eine vom Staat verfolgte romtreue Untergrundkirche und die offizielle „Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung" gespalten. Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurde das Christentum unterdrückt.
   Die katholische Kirche steht weiterhin unter strenger Kontrolle der Regierung. Die „Untergrund-Katholiken" erhalten keine Erlaubnis zum Bau von Kirchen. Immer wieder werden Priester und Bischöfe verhaftet. In der Praxis ist die Grenzziehung zwischen beiden Gruppierungen verschwommen. Mittlerweile sind rund 90 Prozent der Bischöfe Chinas vom Papst anerkannt.
DT101211kna

Scharfe Kritik an chinesischer Kirchenpolitik
Der Vatikan hat die von der staatlich kontrollierten katholischen Kirche in China veranstaltete Vollversamm- lung der Bischofskonferenz ungewöhnlich scharf kritisiert. Der Heilige Stuhl reagierte in einer offiziellen Erklärung „mit tiefem Bedauern“ auf die Begegnung der chinesischen Kirchenvertreter. Er wertete die Ver- anstaltung ebenso wie die jüngste Bischofsweihe ohne römische Zustimmung als „inakzeptablen und feind- seligen Akt“. Zahlreiche Priester und Bischöfe seien zur Teilnahme gezwungen worden, beklagte das vatika- nische Presseamt. Die Regierung demonstriere mit ihrem Vorgehen eine „unterdrückerische Haltung“ zu der in der chinesischen Verfassung verankerten Religionsfreiheit.
   Den anhaltende Wunsch der Behörden nach Kontrolle der religiösen Aktivitäten und der Versuch, sich in interne Angelegenheiten der Kirche einzumischen, bezeichnete der Heilige Stuhl als „Zeichen der Angst und Schwäche“. Die Tatsache, dass Geistliche zur Teilnahme an der Versammlung gezwungen worden seien, stelle eine „gravierende Verletzung ihrer Menschenrechte, insbesondere ihrer Gewissens- und Religions- freiheit“ dar. Die Kirchenversammlung erschwert aus Sicht des Vatikans den Versöhnungsprozess zwischen Rom und Peking sowie zwischen der staatlich kontrollierten und der Untergrundkirche erheblich. Die Behör- den hätten mit diesem unilateralen Schritt „den Dialog und das Vertrauensklima beschädigt“, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hätten. Der Vatikan hält aber trotz eines gewissen Vertrauensverlustes weiterhin an seinem Wunsch nach Dialog mit Peking fest.
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Ch-Scheschan08xx

Die Untergrund-Priester

   Ein großer Teil der chinesischen Katholiken tritt nicht öffentlich auf, weil man sich als Teil einer Unter- grundkirche versteht, die seit Jahrzehnten existiert. Im November hat sich die Lage für die Verfolgten wieder zugespitzt. Peking und Rom schauen gebannt auf die katholische Kirche im Reich der Mitte.
   Das ist in gewisser Weise erstaunlich. Denn die katholische Kirche in China ist vergleichsweise klein. In der Volksrepublik leben derzeit wahrscheinlich nur zwischen 12 und 14 Millionen Katholiken. Doch hier, im Reich der Mitte mit seinen rund 1,4 Milliarden Menschen, könnte in wenigen Jahrzehnten eine der größten Teil- kirchen der Kirche Roms entstehen. Die Dynamik ist enorm: Seit Gründung der Volksrepublik 1949 hat sich die Zahl der Katholiken etwa vervierfacht - und eine weitere Expansion ist ziemlich wahrscheinlich.
   Denn die Explosion der Zahl der Katholiken in China hat Tradition. So zählte man in der Zeit der Republik China von 1911 bis 1948 über 3 Millionen katholische Christen - und das, obwohl kurz zuvor während des Boxeraufstandes im Jahr 1900 noch rund 18.000 Christen ermordet worden waren. Diese Blüte in Freiheit aber brachte Mao Tse-tung zum Stoppen, als er 1949 die Volksrepublik als einen atheistischen Staat ausrief - mit der Folge der Verfolgung aller Religionen, auch des Christentums. Vor allem in den fünfziger Jahren wurden alle christlichen Missionare ausgewiesen, chinesische Priester, Mönche und Ordensschwestern in Gefängnisse gesteckt.
   Auf Druck der Kommunistischen Partei wurde 1957 die Patriotische Vereinigung der Chinesischen Katho- lischen Kirche gegründet - es folgte eine Spaltung, die bis heute anhält: hier die romtreue sogenannte Untergrundkirche, dort die vom Staat anerkannte offizielle Kirche. Zwar wurden bei der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 auch die offiziellen Katholiken verfolgt. Nach der Öffnung Chinas in den achtziger Jahren aber erleiden dies fast nur noch die Untergrundkatholiken.
    Am 30. Juli 2007 aber begann mit einem Brief von dort an die chinesische Kirche ein neues Kapitel im Kampf Peking - Rom: Papst Benedikt XVI. mahnte die Untergrundkirche wie die offizielle Kirche zur Einheit.
   Die katholische Kirche ist so präsent wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gab es nach der Kulturrevolution in China gerade noch zwei katholische Kirchen, sind es heute wieder über 6.000. Zehntausende Gläubige nehmen an Marienwallfahrten teil. Hört man sich unter normalen Katholiken um, scheint es vielen schlicht egal zu sein, ob sie nun eine offizielle oder eine Untergrundmesse erleben.
   Inzwischen hat sich auch die Mehrzahl der ohne päpstliche Erlaubnis geweihten Bischöfe der offiziellen Kirche nachträglich um ein Placet aus Rom bemüht. Manche Kirchenexperten gehen davon aus, dass bereits etwa 80 Prozent des chinesischen Episkopats vom Heiligen Vater anerkannt wurde. Einige "Untergrund"- Bischöfe gelten in der Sicht der Behörde zwar weiter als illegal, können aber offen in einer Kirche residieren.
   Jetzt gab es einen herben Rückschlag für die Annäherung zwischen Rom und Peking: Erstmals nach vier Jahren und nach dem Papstbrief wurde unter massiver Polizeipräsenz in der Provinz Hebei wieder ein Bischof der offiziellen Kirche geweiht, gegen den sich der Vatikan ausdrücklich ausgesprochen hatte. Die Polizei zwang sogar mehrere Bischöfe dazu, an der Ordination teilzunehmen, wogegen der Vatikansprecher im Vorfeld zusätzlich scharf protestiert hatte.
   Mit Spannung wird auch die 8. Nationalversammlung der offiziellen Kirche erwartet, die bis Ende dieses Jahres stattfinden soll. Peking erkennt nur fünf "Religionen" offiziell an, nämlich den Buddhismus, den Taoismus, den Islam, die katholische Kirche und den Protestantismus - der Rest, darunter das Judentum, gilt als "Aberglaube". Die offiziellen "Religionen" müssen alle fünf Jahre Nationalversammlungen abhalten, die ihre neue Führungsspitze bestimmen. Die Versammlung soll die offizielle "Bischofskonferenz" sowie die Leitung der "patriotischen" Kirche wählen. Beide Gremien werden jedoch vom Vatikan nicht anerkannt.
taz-info101124PhilippGessler

   In China sind mehrere katholische Bischöfe von Sicherheitskräften verschleppt worden. Der offizielle Bischof von Hengchow, Feng Xinmao, sei von der Polizei an einen isolierten Ort verbracht worden, so Asia- news unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen. Nach Agenturangaben gingen die Sicherheits- kräfte gegen Priester und weitere Gläubige vor, die um das Haus des Bischofs eine Mauer gebildet hätten, um diesen vor dem Zugriff der Polizei zu schützen. Auch andere Bischöfe seien verschleppt worden, so Asianews weiter. Kontext der Vorfälle sei die Vollversammlung der offiziellen staatstreuen katholischen Kirche in China. RV101207

sin-HebeiWuqiu-z katholisches Waisenhaus Wuqiu Diöözese Hebei / China

Stille Macht, unheilige Macht. In ein Waisenhaus in China haben Eltern ihre behinderten Kinder
abgeschoben. Weil es christlich geführt wird, wollen die Behörden es nun schließen. Foto: Leben im Hinterhof: Das Waisenhaus von Wuqiu kümmert sich um Kinder, die von den Eltern verlassen wurden.

   Das Waisenhaus von Wuqiu ist hinter Kirchentüren verborgen. Oben ragen die Türme der Kathedrale in den Himmel. Unten wischt eine der Nonnen Urin vom Boden. Durch die halbrunden Fenster kommt fahles Licht in den dunklen Raum. Hier sind die jungen Erwachsenen mit schweren geistigen und körperlichen Be- hinderungen untergebracht. Sie haben ihr gesamtes bisheriges Leben in dem Waisenhaus verbracht. Ihre schwachen Körper sitzen in Rollstühlen, manchen wurden die Beine an dem Gestell festgebunden. Unruhig lassen sie die Köpfe kreisen. Ein Junge stößt unartikuliert Laute aus. Ein anderer sitzt mit nacktem Hintern auf einem wackeligen Stuhl aus Holz und Metall über einem Toiletten-Eimer.
   Für die Kinder ist es ein Leben im Elend. Es fehlt dem Waisenhaus praktisch an allem, sagt Schwester Maria Zhang, deren echter Name zu ihrer Sicherheit nicht verraten werden soll. Es gibt keine Seife, kein Waschmittel, kein Waschmittel, keine Zahnpasta. Von Windeln ist nicht einmal die Rede. Es gibt gerade einmal genug zu essen. Befreundete Christen laden Kartons mit Lebensmitteln aus einem kleinen Liefer- wagen. Doch die Behörden erlauben keine größeren Hilfslieferungen. Denn das, was in dieser Kathedrale und dem Waisenhaus geschieht, ist in den Augen des Staates illegal. Die katholische Kirche in China spaltet sich in eine offizielle „patriotische" Kirche und eine Untergrundkirche, deren Anhänger dem Papst die Treue halten. Zu ihr gehören auch diese Christen in Wuqiu.
   Es ist ein armes Dorf in der nordchinesischen Provinz Hebei, in der die meisten Katholiken Chinas leben. Auf dem Kirchengelände wird der vatikantreue Bischof Julius Jia Zhigou festgehalten und ununterbrochen überwacht. Seine Wächter lassen keine Besucher und Unterstützer hinein. Der Bischof hat das Waisen- haus vor mehr als 20 Jahren eröffnet. Maria Zhang ist eine von Dutzenden Schwestern, die sich seither für das Leben der Kinder aufopfern. Heute gehören rund 80 Kinder und Jugendliche zum Waisenhaus. „Die meisten wurden vor der Kirchentür abgelegt", berichtet Maria Zhang. Oft lag nur ein Zettel dabei, auf dem ihr Herkunftsort gekritzelt stand. Wegen der Ein-Kind-Politik haben die Eltern ihre behinderten oder „über- zähligen" Kinder aufgegeben und der Barmherzigkeit der Schwestern überlassen.
   Genau genommen ist es also gar kein Waisenhaus - viele der Kinder haben irgendwo noch Familie. Die ersten Bewohner waren zwei gelähmte Kinder und ein Junge, der blind zur Welt gekommen war. „Als ich die Kinder sah, wusste ich, dass ich mich um sie kümmern muss", sagt Maria Zhang. Doch weil das Waisen- haus zur Untergrundkirche gehört, machen die Behörden den Nonnen das Leben schwer. Einmal wurde ein großer Hilfstransport gestoppt, den ein Buddhist geschickt hatte. Immer wieder wurden Besucher von den Behörden festgenommen, die Nonnen auf der Polizeistation verhört. Ihnen wurde mit Strafen wegen Verstößen gegen die Familienpolitik gedroht. Vor dem Eingang hängt eine Videokamera, die jede Bewegung aufnimmt. Ein Bewacher notiert sich die Kennzeichen der parkenden Autos.
   Die ohnehin schwere Lage hat sich nun kurz vor Weihnachten noch einmal verschlechtert. „Sie stehen vor der Schließung", berichtet ein Christ mit Kontakten zu dem Waisenhaus. Die Behörden wollen die Kinder in eine staatliche Einrichtung bringen. Sie drängen den Bischof, sein Einverständnis zu geben. Es ist die Strafe für seine Loyalität zum Papst. Einige der Kinder hätten geweint, als sie davon erfuhren, sagt der Kontakt. Sie seien mit dem christlichen Glauben aufgewachsen und wollten unbedingt in Wuqiu bleiben. Dabei würde der Umzug in ein staatliches Heim wohl sogar eine Verbesserung der Lebensumstände mit sich bringen. Doch seien ja die Behörden für die schlechten Zustände in dem Waisenhaus verantwortlich und nicht die Nonnen, sagt die Kontaktperson. Besser wäre es, Hilfslieferungen und Spenden zu erlauben und die Nonnen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, anstatt sie zu verfolgen. Für eine Stellungnahme dazu waren die örtlichen Behörden jedoch nicht zu erreichen.
   Die Schwierigkeiten in Wuqiu spiegeln dabei nicht nur die Probleme der Christen in China wider, sondern auch die nach wie vor prekäre Lage der geistig und körperlich Behinderten, um die man sich auch von offizieller Seite her nicht genug kümmert. Besonders auf dem Land werden Behinderte oft vernachlässigt und im Extremfall sogar in Verschläge gepfercht. Gerade erst wurde bekannt, dass ein Heimleiter in Südwestchina geistig Behinderte als Sklavenarbeiter an eine Fabrik verkauft hat. Für die verlassenen Kinder von Wuqiu ist es deshalb ein Segen, dass sich die Nonnen um sie kümmern. Normalerweise würden sie am Weihnachtstag alle gemeinsam eine Christmesse mit Stall und Krippe feiern. Doch für sie wird es wegen der drohenden Schließung kein frohes Fest.
FAZ101224TillFahnders

Ch-Schschan12xx Ch-Scheschan13x

In den Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China zeichnet sich nach Einschätzung des katholischen Pressedienstes asianews derzeit wenig Bewegung ab.
 Foto links: Marienwallfahrt in Scheschan. Foto rechts: Scheschan heute unter Bewachung

  Bei den 50-Jahrfeiern der staatsnahen „Patriotischen Vereinigung“ seien nur die alten Forderungen nach einem Abbruch der Beziehungen des Heiligen Stuhls zu Taiwan sowie die Absage an jede vatikanische Einmischung in chinesische Kirchenangelegenheiten wiederholt worden, meldet asianews. Immerhin hätten rund 80 Prozent der illegal geweihten „patriotischen“ Bischöfe inzwischen eine Zustimmung des Papstes. Bei den Jubiläumsfeiern im Großes Saal des Volkes am Pekinger Tiananmen-Platz würdigte Du Qinglin vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei die Treue der patriotischen Katholiken zur Kirche und zum Vater- land. Gleichzeitig stellte er laut asianews klar: „Der Vatikan darf sich nicht in die Innenpolitik Chinas ein- mischen, einschließlich der Religion“; er müsse die „sogenannten diplomatischen Beziehungen“ zu Taiwan abbrechen und die Volksrepublik als einzige legale Regierung des chinesischen Volkes anerkennen. Nur auf dieser Grundlage könnten beide Seiten zu einem konstruktiven Dialog kommen. Mit keinem Wort ging der Politiker auf das Schreiben von Papst Benedikt XVI. vom Sommer 2007 ein, in dem er der chinesischen Regierung einen neuen Dialog ange- boten hatte.
   Seit 1958 besteht in der Volksrepublik China neben der romtreuen katholischen Untergrundkirche eine regierungsnahe „Patriotische Vereinigung Chinesischer Katholiken“. In den vergangenen 50 Jahre habe sie in Abstimmung mit den staatlichen Behörden 170 Männer „autonom“ zu Bischöfen ernannt, betonte Du in seiner Rede. - Die meisten von ihnen haben jedoch inzwischen um eine Anerkennung durch den Heiligen Stuhl nachgesucht und diese erhalten. „Die Rede von Du Qinglin bringt einen Refrain alter Slogans und Vorurteile“ und zeige, wie unvorbereitet die Partei der Frage von Religionsfreiheit und Bischofsernennungen gegenübersteht, kommentiert asianews.
Rv081221kna 

   Die Diözese Schanghai hat Papst Benedikt XVI. ein Bild und ein Basrelief geschenkt. Der Jesuitenpater Matteo Chu überreichte die Gaben dem katholischen Kirchenoberhaupt am Ende der Generalaudienz an diesem Mittwoch. Beide Kunstwerke sind Portraits von Unserer Frau von Sheshan und stammen aus Schanghai. Pater Chu bat den Papst außerdem um Segen für die katholische Kirche in China und das Vorantreiben der Seligsprechung Matteo Riccis und Paul Xu Guangqis. RV100617asianews

 China: „Kirche kann sich hier durch die Enzyklika Caritas in veritate neu profilieren“

   In China kann die Globalisierungs-Enzyklika Papst Benedikts dazu beitragen, das Ansehen der katho- lischen Kirche neu zu stärken. Das glaubt der katholische Wirtschaftsethiker Stefan Rothlin, der seit elf Jahren in Peking lehrt. In China sind die Katholiken eine wachsende und nicht immer wohlgelittene Minder- heit. Kirchenleute, sagt Rothlin, wissen ohnehin, dass die katholische Soziallehre der Gesellschaft in China eine besondere Richtung geben kann. Zögernd, aber doch, setze sich dieses Bewusstsein nun auch in offi- ziellen Kreisen durch, beobachtet der Wirtschaftsethiker:
   „Das zeigt sich auch daran, dass selbst in der chinesischen Regierung anerkannt wird, welche Leistungen die Kirche im sozialen Umfeld bringt. Ich meine, dass sich hier die Kirche durch diese Enzyklika tatsächlich neu profilieren kann, weil sich die sozialen Gegensätze in China sehr zugespitzt haben. Das ist meine große Hoffnung, dass das auch ein zusätzlicher Anlass wird, dass die Kernpunkte der Soziallehre – wie Subsidi- arität und Solidarität - konkret neu ins Blickfeld der chinesischen Katholiken kommen.“
   Noch ist die chinesische Übersetzung der Enzyklika nicht erschienen – an ihr wird derzeit gearbeitet. „Es gibt Schwierigkeiten der Übersetzung ins Chinesische bezüglich des Vokabulars der Wirtschaftsethik. Damit habe ich selber zu kämpfen, weil ich eine Schriftenreihe leite: Uns ist natürlich ein Anliegen, dass sich eine Kohärenz der Begriffe durchsetzt, was die Schlüsselbegriffe der Wirtschaftsethik betrifft.“ Rothlin macht darauf aufmerksam, dass aufgrund der noch ausstehenden Übersetzung die Rezeption der Enzyklika in China noch nicht begonnen hat. Mit umso größerer Spannung erwarten die Katholiken das päpstliche Lehr- schreiben: „Aufgrund des Echos des Papstbriefes an die Kirche in China vermute ich, dass das Interesse und die Spannung tatsächlich da sind, dass man wirklich ein klärendes Wort erwartet, ja dass man sich sogar darauf freut.“
   Nichtsdestotrotz: Das offizielle China steht dem Papst und jenen Katholiken, die sich zu ihm bekennen, reserviert gegenüber. Regelmäßig erleiden romtreue Christen – wie auch Angehörige anderer Religionen – Gängelungen und Ausgrenzungen, katholische Priester und Bischöfe werden vorübergehend festgenom- men. Dennoch ist der Wirtschaftsethiker zuversichtlich, dass ausgerechnet das neue Sozial-Lehrschreiben des Papstes auf offizielles Wohlwollen stoßen wird, auch weil sich im Zug der Krise das allgemeine Ge- rechtigkeitsempfinden der Chinesen verlagert hat – durchaus im Sinn christlicher Werte.
   Rothlin: „Da gab es kürzlich einen prophetischen Aufschrei des Bischofs von Shanghai im Zug der gegen- wärtigen Wirtschaftskrise: er hat sehr hart, erstaunlich hart, Unternehmer kritisiert, die ihr Geld mit aufwen- digen Mahlzeiten verschwenden. Gleichzeitig hat er die Pfarreien seiner Diözese – immerhin 150 in Schang- hai – dazu aufgerufen, sich um Arbeitsmigranten zu kümmern. Das sind in der Größenordnung von mehr als 25 Millionen, die Arbeit verloren haben. Die Chinesen sind da sehr zugänglich, wenn man nicht nur mit der Theorie kommt, sondern das festmacht an bestimmten Beispielen. Sie haben recht, es gibt hier eine sehr schlimme Form von Kapitalismus, vielleicht in der schlimmsten Form, was auch hier als nationale Tragödie angesehen wurde, die Sklavenarbeit im engeren Sinn – Menschen, die in den Minen zu gefährlicher Arbeit gezwungen wurden oder auch Kinderarbeit. Da schreit es geradezu nach einem prophetischen Wort wie in dieser Enzyklika. Von daher bin ich da optimistisch, dass sich die Kirche in China ein gutes Profil geben kann, wenn sie zeigen kann, dass sie das umsetzt.“
Rv090710

Dialog mit China geht voran

   Die Beziehungen zwischen China und der katholischen Kirche sind laut einem Kommentar der Vatikan- zeitung „L`Osservatore Romano” auf einem Weg des intensiven Dialogs. Gelegentliche Erschütterungen seien teils „der chinesischen Innenpolitik geschuldet”, hieß es in einem Gastbeitrag des Jesuiten Gianpaolo Salvini in der Zeitung. Für Europa stellten die olympischen Spiele in Peking eine Chance dar, eine von Angst diktierte Haltung gegenüber China zugunsten von Begegnung und Dialog aufzugeben, schrieb Salvini, Direktor der Jesuitenzeitschrift „La Civiltá Cattolica”. Europa sei nicht mehr der Mittelpunkt der Welt. Hin- gegen würden in China Entscheidungen von globaler Bedeutung gefällt. Zwischen der katholischen Kirche und der Volksrepublik bestünden zwar politische Probleme, besonders bei den Bischofsernennungen. Einige Teillösungen habe man aber gefunden. Der praktische Konsens sei größer, als es der Streit über Grund- satzfragen vermuten lasse. Mit Blick auf die Spaltung zwischen der staatlich nicht anerkannten Untergrund- kirche und den staatsnahen „Patrioten" schrieb Salvini, die „zwei Gemeinschaften der einen chinesischen Kirche” müssten trotz Unterdrückung auf den Weg der Einheit und Brüderlichkeit finden. Rv080820

China: Zu früh für Papstbesuch
  Der katholische Erzbischof von Peking, Joseph Li Shan, hat Papst Benedikt XVI. zu einem Besuch in China geladen. Die Ortskirche habe seit langem den „großen Wunsch”, dass eine solche Reise zustande kommt, sagte der Bischof der regierungsnahen „Patriotischen Vereinigung” in einem Interview des italienischen Fernsehens.
   Der Leiter des vatikanischen Pressesaals, Jesuitenpater Federico Lombardi, dämpft die Erwartungen auf eine baldige Chinareise des Papstes. „Im Augenblick ist es noch zu früh, um über eine mögliche Reise des Papstes nach China zu sprechen. Nichtsdestotrotz beweisen die Worte des Bischofs, dass die chinesischen Katholiken den Papst lieben und respektieren und dass sie seine geistige Autorität anerkennen. Auch ist die Tatsache an sich positiv zu be- werten, dass die Chinesen den Papst treffen wollen.”
   Li Shan beschrieb im TV-Interview das Verhältnis zu Rom als sehr positiv. Diese Worte seien als eine Ant- wort auf den Papstbrief an die Katholiken Chinas vor einem Jahr zu bewerten, sagt Pater Lombardi.
   „Das Interview mit Bischof Li Shan kann nämlich auch als ein Zeichen von chinesischer Seite interpretiert werden, auf die Bereitschaft und die Hoffnungen des Papstes für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen China und dem Heiligen Stuhl einzugehen, die der Papst im vergangenen Jahr in diesen Brief geschrieben hat. Doch im Augenblick gibt es noch einige bedeutende Probleme. Der Heilige Stuhl möchte aber diese Hindernisse überwinden und einen fairen und konstruktiven Dialog fördern.”
   Bischof Li Shan war im September 2007 in einer Zeremonie der offiziellen Staatskirche zum Leiter des Erz- bistums Peking geweiht worden. Die Weihe erfolgte ohne Erlaubnis des Papstes. Offiziell ist der Bischofssitz der chinesischen Hauptstadt vakant.
rvKNA080810

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Bischof Matthias Chen Xilu von Tangshan  war der Vorgänger von Petrus Feng Xinmao.
 Lesen Sie hier die bewegende Lebensgeschichte dieses Martyrers unserer Zeit.
Foto:
Petrus Feng Xinmao, der amtierende Bischof von Hengschui, Provinz Hebei,
dessen Weihbischof ist der “Olympia-Bischof” Peter Fang Jianping

  Am 16. Januar starb im Alter von fast 80 Jahren im Krankenhaus von Jizhou Bischof Matthias Chen Xilu von Kinghsien (Jingxian/Hengshui) in der Provinz Hebei. Seit 2002 lag er nach einer Hirnblutung im Koma. Er wurde am 6. Februar 1928 in einer seit Generationen katholischen Familie geboren. 1943 trat er in das kleine Seminar der Diözese Jingxian  ein uns setzte sein Studium an den Seminaren in Tianjin und Peking fort. 1949 unterrichtete er als Lehrer an der Grundschule Wang Fuma in Peking. 1950 Trat er in das Große Seminar in Schanghai ein und am 18. Mai wurde er vom späteren Kardinal und damaligen Bischof Ignace Kung Pigmei zum Priester geweiht.
   Nach seiner Priesterweihe war er als Arzt in einer Klinik in Jingxian tätig und widmete einen Teil seiner Zeit der Evangelisierung. 1958 wurde er zu sieben Jahren Haft und drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. 1979 durfte er nach der teilweisen Rehabilitation wieder als Englischlehrer an der Mittelschule seines Heimat- dorfes unterrichten. Während dieser Zeit war er so weit es möglich war samstags und sonntags als Seel- sorger tätig und besuchte auch als wandernder Händler Gläubige, die in entlegene Dörfer umgesiedelt worden waren, um unter ihnen und in den Familien den Glauben zu verkünden.
   1980 durfte er seine Tätigkeit als Seelsorger wieder aufnehmen. In dieser Zeit wurde er vor allem für sein Engagement in der Krankenstation in Jingxian und die Gründung der Augenklinik „Catholic Xi Lu Optical” bekannt. Seine Mitarbeiter aus dieser Zeit bezeichneten ihn als höflichen und eifrigen Priester, der theo- logisch gut ausgebildet war, Geschick bei der Verwaltung zeigte und die Rechte der Kirche loyal verteidigte. Er war Generalvikar der Diözese als er von seiner Berufung zum Bischof erfuhr: er selbst vermutete „für das Amt des Bischofs nicht die richtigen Tugenden zu besitzen” erklärte sich jedoch „bereit, den Beschlüssen des Heiligen Stuhls zu gehorchen”. Am 28. Oktober 1996 wurde er zum Bischofskoadjutor geweiht und stand damit Bischof Peter Fan Wenxing zu Seite, dem er 1999 in seinem Amt folgte. Am 12. März 2002 erlitt er eine Hirnblutung und fiel ins Koma, aus dem er seither 6 Jahre lang nicht mehr aufwachte. Am 6. Januar 2004 übernahm sein Koadjutor, Bischof Peter Feng Xinmao ,die Leitung der Diözese.
   Die Leiche des Bischofs werde im Dom von Jingxian aufgebahrt, wo jeden Tag eine Messe für ihn gefeiert wurde und die Gläubigen für den Verstorbenen den Rosenkranz beteten. Die feierliche Beisetzung fand am 22. Januar statt. Es zelebrierte Bischof Pietro Feng Xinmao der “Olympia-Bischof” und Bischof Joseph Li Liangui von Sienhsien (Xianxian) und Bischof Peter Fang Jianping, Bischofskoadjutor in Yüngping (Yongping/Tangshan). An der Beisetzung nahmen alle Priester und Ordensleute der Diözese und rund hundert Priesterseminaristen aus der Provinz Hebei sowie etwa zweitausend Gläubige teil.
  Die Diözese Jingxian liegt rund 300 Kilometer südöstlich von Peking und hat rund 25.000 Gläubige, 40 größtenteils junge Priester, 30 Pfarreien und 40 Kultstätten. Rund 60 Schwestern gehören einer diözesanen Schwesternkongregation an, die sich vor allem im Krankendienst und in der Altenpflege engagieren. Gegenwärtig gibt es 15 Priesteramtskandidaten und 8 Seminaristen in der Vorbereitung. In Trägerschaft der Diözese befinden sich vier Kliniken und ein Altersheim.
   Von den 2000 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochenen Märtyrern kamen viele aus der Diözese Jingxian: darunter auch neun Mitglieder der Familie Wu. Als der Großvater Paul Wu Anjyu die Familie auf dem Land in Sicherheit bringen wollte, wurden die ganze Familie gefasst und verhört: „Seid ihr katholische Christen?”, wurden sie gefragt. „Ja, wir sind es”, lautete die Antwort. „Dann bringen wir euch um!”, hieß der Befehl. „Bringt uns ruhig um, wir werden in Ewigkeit katholische Christen bleiben”, so die Familie Wu. Bischof Matthias Chen war überzeugt, dass die guten Ergebnisse der Evangelisierung dem Zeugnis dieser Märtyrer zu verdanken waren. Er setzte sich auch dafür ein, dass in der Diözese die Reliquien besondere Verehrung erfuhren.
Fides080125

Beschränkungen für Untergrundkirche in China

   Anhänger der romtreuen katholischen Untergrundkirche in China mussten während der Zeit der Olympi- schen Spiele ihre religiösen Aktivitäten einschränken. Nach Angaben der Nachrichtenagentur UCANews hatten chinesische Autoritäten Priester und Ordensleuten der vom Staat nicht anerkannten Untergrund- kirche verboten, im Großraum Peking Sakramente zu feiern und pastorale Aktivitäten auszuüben. Mehrere Bischöfe standen unter Hausarrest, schreibt UCANews. Andere mussten verschärfte Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Priester der romtreuen Kirche hatten ihren Gläubigen empfohlen, für die Zeit der Olympischen Spiele an den Messen der offiziellen, vom chinesischen Staat kontrollierten katholischen Kirche teilzunehmen. rv080811ag

Ch-Xishiku,Peking-xx CH-ErstkommunionXixhiku-xx

Im Daily Telegraph, London, lesen wir diese Nachricht aus China:
Foto oben: Kirche Xishiku, Peking und Erstkommunion in Xishiku

   In der Wiege der kommunistischen Revolution in China in Yan'an hat die katholische Kirchengemeinde nun die staatliche Genehmigung zum Bau ihrer ersten Kirche erhalten. 70 Jahre nach der Revolution ist ein religiöses Wiedererstarken im China nicht mehr zu übersehen. Jahrelang hatte die kleine, aber wachsende christliche Gemeinde mit den kommunistischen Parteiführern vor Ort über den Neubau der Kirche verhandelt. Nun ist über ein neues Grundstück am Stadtrand von Yan'an eine Übereinkunft erzielt.
   Dies ist eine dramatische Wende für eine Kirche, die ihre bedeutende Kathedrale beim Einmarsch des “großen Führers” Mao am Ende seines “Langen Marsches”  aufgeben musste und dann viele Jahre harte Verfolgung durchlitt. Der junge katholische Pfarrer Peter Zhang, der 600 Katholiken in der Stadt betreut erklärte: “Dies ist ein heiliger Ort für die Kommunistische Partei Chinas”. Noch vor zehn Jahren lebten hier und in den Nachbarorten nur wenige katholische Christen. Der Priester vermutet, dass noch weitere Gläubige im verborgenen leben, aber diese neue Kirche möge ihnen die Kraft geben, ihren Glauben öffent- lich zu bekennen. "Viele Menschen, die die Kulturrevolution durchlitten haben, fürchten immer noch eine Wiederkehr solcher Zeiten der schrecklichen Verfolgung. Aber ich denke, das wird nicht geschehen. Damals kämpfte die Partei gegen Landlords und auch gegen Intellektuelle, nun wünscht die Regierung, jeder solle Eigentum besitzen und eine gute Ausbildung erfahren.” Die Religion in all ihren Formen hat in China in den letzten zehn Jahren eine Wiedergeburt erlebt, seitdem sie aus dem Untergrund wieder aufgetaucht ist. 
CT071014

„Eine Kirche” - auch in Peking

   Auch für Sprachunkundige ist eine Messe in einer katholischen Kirche in Peking ein Erlebnis. Das Christliche hat die Zeit der Verfolgung überstanden. Überraschend viele junge Menschen streben in die Gottesdienste.
  Auch in Peking kann man gemäß dem katholischen Sonntagsgebot „eine Messe mit Andacht” hören. Die Andacht bei der Sonntagsmesse um 10 Uhr in der Nord-Kirche von Peking, an der Xishiku-Straße, nicht weit vom Kaiserpalast der Verbotenen Stadt, und ganz nahe an einem Chininesisch-Deutschen Ausbildungs- zentrum gelegen, nur durch den “Klingelbeutel” gestört. Es ist so katholisch, wie man es an vielen Stätten der Weltkirche finden kann. Ein neugotischer Bau, vor dem eine blaue Lourdes-Grotte mit Madonna die christlich-konfessionelle Ausrichtung anzeigt. Innen hohe Gewölbe, schwarz-rote Pfeiler und große bunte Fenster. Weil es jetzt heiß ist, sehr heiß in Peking, drehen sich träge zahllose weiße Ventilatoren. Die Bänke sind gut gefüllt. Die Lesungen entsprechen dem 15. Sonntag, Isaias, Römerbrief und Matthäus. Ein junger Priester predigt lebhaft und eindringlich, ohne dass auf den Gesichtern der Gläubigen Reaktionen ob der Mahnungen oder frommen Versprechen festzustellen wären, geschweige denn auf denen der sprach- unkundigen Fremden. Dem Verlauf der Messe kann man folgen. Auch in China kann man sich darauf verlassen, dass in das darauf folgende Glaubensbekenntnis nichts Falsches eingeschmuggelt wird. Denn im Credo kommt der Papst nicht vor. Und für den römischen Bischof zu beten verbietet nicht einmal die kommunistische Staatspartei. Genauso wenig wie für den von Köln, München oder Sydney.
   Nach dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an die „Eine Kirche” kommen die Fürbitten, die von Ministrantinnen und Ministranten in weiß-roten Röcken vorgetragen werden. Die Gläubigen sind meist jung. Verwunderlich daran ist, dass sie oder ihre Eltern zu einer Zeit geboren wurden, in der katholische Gottesdienste verboten oder geächtet waren. Das Christliche hat sich über Generationen als kleine, doch nicht verschwindende Minderheit gehalten. Einige Bankreihen weiter vorn steht hinten auf dem T-Shirt eines Mädchens auf Englisch: „Ich weiß, wie cool ich bin, aber wenn Du mich jetzt küsst ...” Beim Zeichen des Friedens erhält auch sie von allen Seiten nur eine kleine Verneigung bei zusammengefalteten Händen. Eine große Zeigeruhr neben dem Altar drängt, auf dass die Messe pünktlich zu Ende gehe. Draußen wartet ein Paar, die Braut ganz in Weiß, auf die Trauung. Noch weiter draußen eine lange weiße amerikanische Limousine. Das Olympiamotto, „Eine Welt, ein Traum", soll sich erfüllen.
  Am Samstagmittag ist die Süd-Kathedrale, südwestlich vom Tiananmen-Platz, erstaunlich gefüllt. Die der „Unbefleckten Empfängnis” geweihte - also ganz klar katholische Kirche ist die älteste Pekings, 1650 von dem Kölner Jesuitenpater und Kaiserlichen Hofastronom Adam Schall zuerst erbaut, nach Bränden Anfang des 20. Jahrhunderts wieder neu errichtet; angeschlossen ist die Residenz des Bischofs. Auch bei ihm fragt niemand so genau, von wem er ernannt oder approbiert ist, offiziell oder im Geheimen, vom Staat oder vom Vatikan. Zwischen Rom und Peking stimmt man jetzt, besonders vor den Olympischen Spielen, das „Lob der Flexibilität” an, wozu chinesische und vatikanische Diplomaten nicht lange gezwungen werden müssen.
  Eine Dame zwischen 50 und 60 sitzt vor dem Altar, vor einem Tischchen und hält eine Vorlesung. Eine Bibellesung, erfährt man, vor gut gefüllten Bänken und aufmerksamen Zuhörern, jungen vor allem. Die Digitaluhr links zeigt 13.32 Uhr, das Thermometer zeigt 31° Celsius. Das Gefühl sagt, dass es mehr als 40 Grad sind. Die zahllosen Schirme, die draußen die Chinesinnen gegen die Sonne tragen und selbst in der Kirche nur widerwillig entspannen, bestätigen dies.
   Zwei Stunden zuvor macht der Küster die Türen der Sankt-Josephs-Kirche gerade zu. Wir waren durch eine der Haupteinkaufsstraßen Pekings gelaufen. Da öffnete sich plötzlich, bei Hausnummer 74, nach all den Konsum-Heiligtümern, ein grüner, europäisch beschaulicher Platz mit einer neugotischen Kirche. Grau, wie man sie in Frankreich häufig findet. Man kann sich nur noch die Öffnungszeiten einprägen, 8.30 bis 11.30 Uhr;  14.00 bis 17.00 Uhr;  werktags beginnt die erste Messe um 6.30 Uhr,  auf Latein, sonntags schon um 6.15 Uhr; am Wochenende sind es insgesamt sechs. Chinesen schlendern heran und staunen.
FAZ080714Heinz-JoachimFischer

Papst betont weltweite Verbindlichkeit der Menschenrechte

   Die Menschenrechte gründen „in der Würde der menschlichen Person, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat” – und darum sind sie auch weltweit verbindlich. Das hat Papst Benedikt mit Blick auf Asien betont. Im Vatikan empfing er Bischöfe aus Malaysia, Singapur und Brunei. Dabei lobte er auch das Wirken von Laien-Katechisten in vielen Teilen des Kontinents. Hier sind die Kernsätze aus seiner Ansprache:
   „Der Glaube der Kirche an Jesus ist ein Geschenk, das wir mit anderen teilen wollen – das größte Geschenk, das die Kirche für Asien hat. Zum Glück gibt es bei den Völkern Asiens ja auch eine intesive Suche nach Gott. Der Glaube muss, um blühen zu können, tiefe Wurzeln im Boden Asiens schlagen – er darf nicht als Import aus dem Ausland wirken, der mit Kultur und Traditionen eurer Völker nichts zu tun hätte.”
   „Wir sollten die wahren Errungenschaften der Aufklärung begrüßen – vor allem die Betonung der Menschenrechte und der freien Religionsausübung. Die Menschenrechte gründen in der Würde der men- schlichen Person, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat; wer daher ihren universellen Charakter betont, der leistet eine wichtige Evangelisierungs-Aufgabe. Diese Lehre nämlich ist ein wesentlicher Aspekt des Evangeliums.”
   „Mir ist klar, dass es in vielen eurer Gebiete ernste Schwierigkeiten gibt, etwa wenn es um christlichen Religionsunterricht an Schulen geht. Lasst euch davon nicht entmutigen... Im offenen und ehrlichen Gespräch mit Moslems, Buddhisten, Hindus und den Gläubigen anderer Religionen helft ihr euren Mitbürgern, das „in ihre Herzen eingeschriebene” Gesetz zu erkennen, wenn ihr klar die Wahrheit des Evangeliums verkündet. Dadurch erreicht eure Lehre weite Kreise und trägt zu einem gemeinsamen Nenner bei. Und das wiederum sollte euch helfen, mehr Religionsfreiheit zu erreichen...”
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Zwei neue Bischöfe für China mit Zustimmung des Papstes geweiht

  Chinas offizielle katholische Kirche hat zwei neue Bischöfe, deren Wahl vom Papst gebilligt worden ist. In Kanton wurde Joseph Gan Junqiu geweiht, einige Tage vorher war Francis Lu Shouwang in Yichang in der Provinz Hubei geweiht worden. Die katholische Agentur Asianews berichtete, dass die Weihe beider mit Zustimmung des Papstes erfolgte. Damit scheint sich in den Beziehungen zwischen China und dem Vatikan eine Besserung anzudeuten.
 Bereits im September war der neue Bischof von Peking, dem traditionell eine Schlüsselrolle zukommt, ebenfalls mit Zustimmung des Papstes ernannt worden. Die Ernennung von Bischöfen ist einer der Streit- punkte zwischen dem Vatikan und China, die die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bisher vereitelt haben. Peking besteht darauf, dass Chinas katholische Kirche ihre Bischöfe selbst ernennt. Die Ernennung von Bischöfen durch den Papst wie sie in der katholischen Kirche üblich ist, bezeichnet China als „Ein- mischung in innere Angelegenheiten”.
   Die meisten Bischöfe der offiziellen Kirche haben mittlerweile die Zustimmung des Papstes bekommen. In vielen Diözesen wird versucht, Kandidaten zu finden, die sowohl die Zustimmung der Behörden als auch die des Papstes bekommen können. Die „patriotische Vereinigung” der Kirche hat aber auch immer wieder Bischöfe ausdrücklich gegen den Willen des Papstes ernannt.
   Wenn jetzt zwei Bischöfe ernannt werden, die sich der Zustimmung des Papstes erfreuen, so zeigt dies, dass die offizielle Kirche wieder kooperativer sein darf. Joseph Gan aus Kanton habe sich öffentlich loyal dem Papst gegenüber erklärt, dies habe seine Weihe hinausgezögert, so Asianews. Gan war 2006 von der chinesischen Bischofskonferenz gewählt worden. Der 43 Jahre alte Bischof wurde im Jahr 1991 zum Priester geweiht und war zu Fortbildungen in Belgien und Frankreich.
   Papst Benedikt XVI. hatte sich im Mai mit einem offenen Brief an die geschätzten 15 Millionen Katholiken Chinas gewandt und sie zur Versöhnung aufgerufen und die Religionspolitik der chinesischen Regierung kritisiert.
Den Wortlaut dieses Briefes finden Sie weiter unten!
FAZpk071215

cdZenZe-kiunSDBxx   Benedikt, Kardinal Zen Ze-kiun

Neuer Bischof von Peking geweiht

  Chinas katholische Kirche hat am 21. September 2007  einen neuen Bischof von Peking geweiht. Die Weihe von Joseph Li Shan, der bislang Pfarrer in der Pekinger Ostkirche war, war vorab vom Vatikan öffentlich gebilligt worden. Die Zustimmung des Vatikans zu einem von der chinesischen Seite gekürten Kandidaten könnte nach Ansicht von Kirchenkreisen ein Vorbild für zukünftige Bischofsernennungen werden.
  Der 42 Jahre alte Joseph Li Shan tritt die Nachfolge des im April verstorbenen Bischofs Michael Fu Tieshan an, der über Jahrzehnte als Bischof von Peking und Vorsitzender der Bischofskonferenz Chinas die Ge- schicke der offiziellen katholischen Kirche geleitet hatte. Fu Tieshan war umstritten, da er auch Regierungs- ämter innehatte und sehr eng mit den staatlichen Religionsbehörden zusammenarbeitete. Von Bischof Li Shan wird berichtet, er halte größere Distanz zu den Behörden. Nach Angaben einer Kirchensprecherin nahmen 3.000 Gläubige und Gäste an der Weihe in der Pekinger Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis teil.
  Die Ernennung von Bischöfen war einer der Streitpunkte zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan. Die chinesische Regierung sprach dem Vatikan das Recht ab, in China Bischöfe zu ernennen. Sie bezeichnete dies als „Einmischung in innere Angelegenheiten”. Die chinesische katholische Kirche musste sich in den fünfziger Jahren von Rom lossagen. FAZpk070922 Der Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesische Kirche hat offenbar diesen Weg für eine friedliche Zukunft geöffnet. Dieser Brief folgt hier im Wortlaut:

Sin01xx

 Papst Benedikt XVI. schreibt an die chinesischen Katholiken am 27. Mai 2007
1. Der Brief im Wortlaut.  2. Die Antwort von drei chinesischen Bischöfen.

INHALTSVERZEICHNIS
Gruß [1]
Anliegen des Briefes [2]
ERSTER TEIL: DIE LAGE DER KIRCHE. THEOLOGISCHE ASPEKTE
Globalisierung, Modernität und Atheismus [3]
Bereitschaft zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog [4]
Gemeinschaft unter den Teilkirchen in der Universalkirche [5]
Spannungen und Spaltungen innerhalb der Kirche: Vergebung und Versöhnung [6]
Kirchliche Gemeinschaften und staatliche Organe:
 in Wahrheit und Liebe zu lebende Beziehungen [7]
Der chinesische Episkopat [8]
Bischofsernennungen [9]
ZWEITER TEIL: ORIENTIERUNGEN FÜR DAS PASTORALE LEBEN
Sakramente, Leitung der Diözesen, Pfarreien [10]
Die Kirchenprovinzen [11]
Die katholischen Gemeinschaften [12]
Die Priester [13]
Die Berufungen und die religiöse Ausbildung [14]
Die gläubigen Laien und die Familie [15]
Die christliche Initiation der Erwachsenen [16]
Die missionarische Berufung [17]
SCHLUSS
Aufhebung von Befugnissen und pastoralen Weisungen [18]
Gebetstag für die Kirche in China [19]
Abschließender Gruß [20]
© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

BRIEF DES HEILIGEN VATERS PAPST BENEDIKT XVI. AN DIE BISCHÖFE,
DIE PRIESTER, DIE PERSONEN DES GOTTGEWEIHTEN LEBENS UND AN DIE GLÄUBIGEN LAIEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DER VOLKSREPUBLIK CHINA

Gruss
   1. Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester, liebe gottgeweihte Männer und Frauen und alle Gläubige der katholischen Kirche in China, »wir danken Gott, dem Vater Jesu Christi, unseres Herrn, jedes- mal, wenn wir für euch beten. Denn wir haben von eurem Glauben an Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, weil im Himmel die Erfüllung eurer Hoffnung für euch bereitliegt.[...] Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt«
Kol 1,3-5.9-11.
   Diese Worte des Apostels Paulus sind sehr geeignet, um dem Empfinden, das ich als Nachfolger Petri und oberster Hirte der universalen Kirche euch gegenüber hege, Ausdruck zu verleihen. Ihr wisst wohl, wie sehr ihr in meinem Herzen und in meinen täglichen Gebeten gegenwärtig seid und wie stark die Bande der Gemeinschaft sind, die uns geistlich vereinen.
Anliegen des Briefes
   2. Ich möchte daher euch allen den Ausdruck meiner brüderlichen Nähe zukommen lassen. Groß ist die Freude über eure Treue zu Christus, dem Herrn, und zur Kirche, eure Treue, die ihr »manchmal sogar unter Inkaufnahme großen Leids« [1] gezeigt habt, »denn euch wurde die Gnade zuteil, für Christus dazusein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden« Phil 1,29. Dennoch besteht auch Anlass zur Sorge hinsichtlich einiger wichtiger Aspekte des kirchlichen Lebens in eurem Land.
  Ohne jedes Detail der komplexen Problemkreise, die euch gut bekannt sind, behandeln zu wollen, möchte ich mit diesem Brief einige Orientierungspunkte in bezug auf das Leben der Kirche und das Werk der Evangelisierung in China geben, um euch zu helfen, das zu entdecken, was der Herr und Meister Jesus Christus, »der Schlüssel, der Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte« [2], von euch will.
ERSTER TEIL: DIE LAGE DER KIRCHE. THEOLOGISCHE ASPEKTE
Globalisierung, Modernität und Atheismus

   3. Bei einer aufmerksamen Betrachtung eures Volkes, das sich unter den anderen Völkern Asiens durch den Glanz seiner jahrtausendealten Kultur mit all ihrer Weisheit und philosophischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Erfahrung ausgezeichnet hat, freut es mich festzustellen, wie es sich besonders in jüngster Zeit angeschickt hat, bedeutende Ziele des wirtschaftlich-sozialen Fortschritts zu erreichen, und dabei das Interesse der ganzen Welt auf sich zieht.
   Wie schon mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. betont hat, »[verfolgt] die katholische Kirche ... ihrerseits mit Hochachtung diesen erstaunlichen Elan und die vorausblickende Planung von Initiativen und bietet diskret ihren Beitrag an bei der Förderung und Verteidigung der menschlichen Person, ihrer Werte, ihrer Spiritualität und ihrer transzendenten Berufung. Der Kirche liegen bestimmte Werte und Zielsetzungen, die auch für das moderne China von erstrangiger Bedeutung sind, besonders am Herzen:Solidarität, Friede, soziale Gerechtigkeit, ein intelligentes Umgehen mit dem Globalisierungsphänomen.« [3]
   Das Streben nach der gewünschten und notwendigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und die Suche nach Modernität werden von zwei verschiedenen, gegensätzlichen Phänomenen begleitet, die aber gleichermaßen mit Klugheit und positivem apostolischem Geist zu beurteilen sind. Auf der einen Seite merkt man, besonders unter den Jugendlichen, ein zunehmendes Interesse an der spirituellen und transzen- denten Dimension der menschlichen Person mit einem daraus folgenden Interesse an Religion, insbeson- dere am Christentum. Auf der anderen Seite spürt man auch in China den Trend zum Materialismus und zum Hedonismus, die dabei sind, sich von den großen Städten aus auf das ganze Land auszubreiten.[4]
   In diesem Kontext, in dem zu arbeiten ihr gerufen seid, möchte ich euch daran erinnern, wie sehr Papst Johannes Paul II. mit lauter und kraftvoller Stimme betont hat: Die Neuevangelisierung verlangt nach der Verkündigung des Evangeliums [5] an den modernen Menschen im Bewusstsein, dass so, wie das Kreuz während des ersten Jahrtausends in Europa und während des zweiten in Amerika und Afrika eingepflanzt wurde, während des dritten Jahrtausends eine große Ernte des Glaubens auf dem weiten und lebendigen asiatischen Kontinent eingebracht werden wird. [6]
   »
„Duc in altum’’ Lk 5,4. Dieses Wort erklingt heute für uns und lädt uns ein, dankbar der Vergangenheit zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und uns vertrauensvoll der Zukunft zu öffnen: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit’’ Hebr 13,8.« [7] Auch die Kirche in China ist dazu berufen, Zeugin Christi zu sein, mit Hoffnung nach vorn zu schauen und sich – in der Verkündigung des Evangeliums – mit den neuen Herausforderungen zu messen, die das chinesische Volk angehen muss.
   Noch einmal hilft uns das Wort Gottes, den geheimnisvollen und tiefen Sinn des Weges der Kirche in der Welt zu entdecken. Denn »eine der Hauptvisionen der Offenbarung hat [das] Lamm zum Gegenstand: Es ist im Begriff, ein Buch zu öffnen, das zuvor mit sieben Siegeln verschlossen war, die niemand lösen konnte. Es wird sogar gesagt, dass Johannes weint, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und es zu lesen
vgl. Offb 5,4. Die Geschichte kann nicht entschlüsselt werden, sie bleibt unverständlich. Niemand kann sie lesen. Vielleicht ist dieses Weinen des Johannes vor dem dunklen Geheimnis der Geschichte Ausdruck der Erschütterung der Gemeinden Asiens aufgrund des Schweigens Gottes angesichts der Verfolgungen, denen sie in jener Zeit ausgesetzt waren. Es ist eine Erschütterung, in der sich auch unsere Bestürzung widerspiegelt angesichts der großen Schwierigkeiten, dem Unverständnis und der Feindseligkeit, die die Kirche auch heute in verschiedenen Teilen der Welt erleidet. Es sind Leiden, die die Kirche sicher nicht verdient hat, so wie Jesus selbst seine Hinrichtung nicht verdient hat. Sie enthüllen jedoch sowohl die Bosheit des Menschen, wenn er den Versuchungen des Bösen erliegt, als auch die höhere Führung der Ereignisse durch Gott.« [8]
   Heute wie gestern bedeutet das Evangelium verkünden, den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, den neuen Menschen, den Sieger über Sünde und Tod, zu verkünden und zu bezeugen. Er erlaubt den Menschen, in eine neue Dimension einzutreten, wo die Barmherzigkeit und die Liebe, die auch dem Feind gelten, den Sieg des Kreuzes über alle menschliche Schwachheit und alles menschliche Elend bezeugen. Auch in eurem Land wird die Verkündigung des gekreuzigten und auferstandenen Christus in dem Maß möglich sein, in dem ihr in Treue zum Evangelium und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und mit der universalen Kirche die Zeichen der Liebe und der Einheit zu verwirklichen wisst (»Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. [...] Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast«:
Joh 13,34-35; 17,21.
Bereitschaft zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog
 
4. Als oberster Hirte der universalen Kirche möchte ich meinen innigen Dank an den Herrn für das Zeugnis der Treue zeigen, das die katholische Gemeinde in China unter wirklich schwierigen Umständen und im Leiden gegeben hat. Zugleich verspüre ich als meine innerste und unverzichtbare Pflicht und als Ausdruck meiner Vaterliebe die Dringlichkeit, die chinesischen Katholiken im Glauben zu bestärken und ihre Einheit mit den der Kirche eigenen Mitteln zu fördern.
  Mit besonderem Interesse verfolge ich auch die Geschehnisse des ganzen chinesischen Volkes, dem gegenüber ich große Wertschätzung hege und für das ich Freundschaft empfinde, bis hin zu dem Wunsch, »dass bald konkrete Wege der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China geschaffen werden«, denn »Freundschaft nährt sich durch Kontakte, durch geteilte Empfindungen in freudigen und traurigen Situationen, durch Solidarität, durch gegenseitige Hilfe« [9]. Und in dieser Blickrichtung hat mein verehrter Vorgänger hinzugefügt: »Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass der Heilige Stuhl im Namen der ganzen katholischen Kirche und – so glaube ich – zum Vorteil der gesamten Menschheit die Eröffnung einer Möglichkeit zum Dialog mit den Behörden der Volksrepublik China anstrebt, um hierdurch die Missverständnisse der Vergangenheit zu überwinden und sich dann gemeinsam für das Wohl des chinesischen Volkes und für den Frieden in der Welt einzusetzen.« [10]
   Ich bin mir bewusst, dass eine Normalisierung der Beziehungen mit der Volksrepublik China Zeit erfordert und guten Willen auf beiden Seiten voraussetzt. Der Heilige Stuhl bleibt seinerseits stets für Verhandlungen offen, die notwendig sind, um die gegenwärtige schwierige Zeit zu überwinden. Diese drückende Situation von Missverständnissen und von Unverständnis nützt in der Tat weder den chinesischen Autoritäten noch der katholischen Kirche in China. Wie Papst Johannes Paul II., daran erinnernd, was Pater Matteo Ricci aus Beijing schrieb [11], erklärte, »erwartet auch die heutige katholische Kirche von China und von seinen politisch Verantwortlichen keine Privilegien, sondern nur, den Dialog wiederaufnehmen zu können, um zu Beziehungen gegenseitiger Achtung und vertiefter Kenntnis zu gelangen« [12]. China möge wissen: Die ka- tholische Kirche hat die feste Absicht, noch einmal einen bescheidenen und uneigennützigen Dienst in den ihr zukommendenDingen zum Wohl der chinesischen Katholiken und aller Bewohner des Landes anzubieten.
   Was die Beziehungen zwischen der politischen Gemeinschaft und der Kirche in China betrifft, ist es hilfreich, an die erhellende Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erinnern, das erklärt hat:»Die Kirche, die in keiner Weise hinsichtlich ihrer Aufgabe und Zuständigkeit mit der politischen Gemeinschaft ver- wechselt werden darf noch auch an irgendein politisches System gebunden ist, ist zugleich Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person«. Und es fährt so fort: »Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und der gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen. Diesen Dienst können beide zum Wohl aller um so wirksamer leisten, je mehr und besser sie rechtes Zu- sammenwirken miteinander pflegen; dabei sind jeweils die Umstände von Ort und Zeit zu berücksichtigen.« [13]
   Daher hat auch die katholische Kirche in China die Sendung, nicht die Struktur oder die Verwaltung des Staates zu ändern, sondern den Menschen Christus, den Retter der Welt, zu verkünden. Dabei stützt sie
sich – in der Erfüllung ihres eigenen Apostolats – auf die Kraft Gottes. Wie ich in meiner Enzyklika Deus caritas est
in Erinnerung gerufen habe, »kann nicht und darf nicht [die Kirche] den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen. Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben. Sie muss auf dem Weg der Argumentation in das Ringen der Vernunft eintreten, und sie muss die seelischen Kräfte wecken, ohne die Gerechtigkeit, die immer auch Verzichte verlangt, sich nicht durchsetzen und nicht gedeihen kann. Die gerechte Gesellschaft kann nicht das Werk der Kirche sein, sondern muss von der Politik geschaffen werden. Aber das Mühen um die Gerechtigkeit durch eine Öffnung von Erkenntnis und Willen für die Erfordernisse des Guten geht sie zutiefst an.« [14]
   Im Lichte dieser unverzichtbaren Grundsätze kann die Lösung der bestehenden Probleme nicht durch einen andauernden Konflikt mit den legitimen zivilen Autoritäten angestrebt werden; zugleich ist aber eine Fügsamkeit gegenüber denselben nicht annehmbar, wenn diese sich unrechtmäßig in Angelegenheiten einmischen, die den Glauben und die Disziplin der Kirche betreffen. Die zivilen Autoritäten sind sich wohl bewusst, dass die Kirche in ihrer Lehre die Gläubigen dazu auffordert, gute Bürger, respektvolle und aktive Mitarbeiter des Gemeinwohls in ihrem Land zu sein. Aber es ist ebenso klar, dass sie vom Staat verlangt, diesen katholischen Bürgern die volle Ausübung ihres Glaubens unter der Achtung einer echten Religionsfreiheit zu gewährleisten.
Gemeinschaft unter den Teilkirchen in der Universalkirche
   5. Katholische Kirche in China, du kleine Herde, die du lebst und tätig bist in der Weite eines riesigen Volkes, das in der Geschichte unterwegs ist, wie ermutigend und auffordernd klingen für dich die Worte Jesu: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben« Lk 12,32!  »Ihr seid das Salz der Erde, [...] das Licht der Welt«: Daher »soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« Mt 5,13.14.16.
   In der katholischen Kirche in China wird die Universalkirche gegenwärtig, die Kirche Christi, die wir im Credo als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen, das heißt die universale Gemeinschaft der Jünger des Herrn.
   Wie ihr wisst, wurzelt die tiefe Einheit, die die in China bestehenden Teilkirchen untereinander verbindet und die sie auch in eine enge Gemeinschaft mit den anderen Teilkirchen in aller Welt stellt, außer in dem- selben Glauben und in der gemeinsamen Taufe vor allem in der Eucharistie und im Bischofsamt. [15] Die Einheit des Episkopats, von der »der Bischof von Rom [...] als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament [ist]« [16], dauert durch die Jahrhunderte vermittels der apostolischen Nachfolge fort und ist auch das Fundament der Identität der Kirche einer jeden Zeit mit der Kirche, die Christus auf Petrus und auf die anderen Apostel gebaut hat. [17]
   Die katholische Lehre besagt, dass der Bischof sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit in der seinem Hirtendienst anvertrauten Teilkirche ist. [18] Aber damit jede Teilkirche im vollen Sinne Kirche ist, muss in ihr die höchste Autorität der Kirche, das heißt das Bischofskollegium gemeinsam mit seinem Haupt, dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt, gegenwärtig sein. Daher gehört der Dienst des Nachfolgers Petri »von innen her« [19] zum Wesen jeder Teilkirche. Ferner sind die Gemeinschaft aller Teilkirchen in der einen katholischen Kirche und folglich die geordnete hierarchische Gemeinschaft aller Bischöfe, der Nachfolger der Apostel, mit dem Nachfolger Petri die Gewährleistung der Einheit des Glaubens und des Lebens aller Katholiken. Daher ist es für die Einheit der Kirche in den einzelnen Nationen unerlässlich, dass jeder Bischof mit den anderen Bischöfen in Gemeinschaft steht und dass alle Bischöfe mit dem Papst in sichtbarer und konkreter Gemeinschaft stehen.
   Niemand in der Kirche ist ein Fremder, sondern alle sind Bürger desselben Volkes, Glieder desselben mystischen Leibes Christi. Das Band sakramentaler Einheit ist die Eucharistie, die durch den Dienst des Bischofs und der Priester gewährleistet ist. [20]
   Die ganze Kirche in China ist dazu berufen, diese Einheit in einer reicheren Spiritualität der Gemeinschaft zu leben und deutlich zu machen, die unter Berücksichtigung der konkreten komplexen Lage, in der sich die katholische Gemeinde befindet, auch in einer harmonischen hierarchischen Gemeinschaft wachsen möge. Daher sind Hirten und Gläubige gerufen, das, was zur Lehre und Tradition der Kirche gehört, zu verteidigen und zu schützen.
Spannungen und Spaltungen innerhalb der Kirche: Vergebung und Versöhnung
  6. Als er sich mit dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte an die ganze Kirche wandte, sagte mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II.: Ein »andere[r] große[r] Bereich, wo sich ein entschlos- senes Engagement für die Planung auf der Ebene der Gesamtkirche und der Teilkirchen ausdrücken muss, ist die Gemeinschaft koinonía, communio, die das eigentliche Wesen des Geheimnisses der Kirche ver- körpert und deutlich macht. Die Gemeinschaft ist Frucht und sichtbarer Ausdruck jener Liebe, die aus dem Herzen des ewigen Vaters entspringt und durch den Geist, den Jesus schenkt vgl. Röm 5,5, in uns ausgegossen wird, um aus uns allen “ein Herz und eine Seele’’ Apg 4,32 zu machen. Durch die Verwirklichung dieser Liebesgemeinschaft offenbart sich die Kirche als „Sakrament’’, das heißt als „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit’’. Die Worte, die der Herr dafür findet, sind zu klar, als dass man ihre Bedeutung unterschätzen könnte. Wenn die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit auch im neuen Jahrhundert viele Dinge braucht, ohne die Liebe agape wäre alles umsonst. Der Apostel Paulus selbst erinnert uns daran in seinem Hymnus an die Liebe: Auch wenn wir in den Sprachen der Menschen und Engel redeten und einen Glauben hätten, “um damit Berge zu ver- setzen’’, hätten aber die Liebe nicht, wäre alles „nichts’’ vgl. 1 Kor 13,2. Die Liebe ist wirklich das „Herz’’ der Kirche.« [21]
   Diese Hinweise, die die Natur selbst der Universalkirche betreffen, haben eine besondere Bedeutung für die Kirche in China. In der Tat entgehen euch nicht die Probleme, mit denen sie sich momentan aus- einandersetzt, um – in ihrem Inneren und in ihren Beziehungen mit der bürgerlichen Gesellschaft Chinas – Spannungen, Spaltungen und Schuldzuweisungen zu überwinden.
   Was dieses Thema betrifft, hatte ich schon im Vorjahr bei einer Ansprache über die Anfänge der Kirche Gelegenheit, daran zu erinnern, dass »die Gemeinschaft der Jünger von Anfang an nicht nur die Freude des Heiligen Geistes, die Gnade der Wahrheit und der Liebe [kennt], sondern auch die Prüfung, die vor allem in Gegensätzen bezüglich der Glaubenswahrheiten und daraus entstehenden Spaltungen in der Gemeinschaft besteht. So wie es die Gemeinschaft der Liebe von Anfang an gab und bis ans Ende geben wird vgl.1 Joh 1, 1ff, so kommt es leider auch von Anfang an zur Spaltung. Wir dürfen uns nicht darüber wundern, dass es sie auch heute gibt. [...] Es besteht also in den Geschehnissen der Welt und auch in den Schwächen der Kirche immer die Gefahr, den Glauben und damit auch die Liebe und die Brüderlichkeit zu verlieren. Derjenige, der an die Kirche der Liebe glaubt und in ihr leben will, hat daher die Pflicht, auch diese Gefahr zu erkennen.« [22]
   Die Geschichte der Kirche lehrt uns außerdem, dass echte Gemeinschaft sich nicht ohne mühseliges Ringen um Versöhnung entfaltet. [23] Die Reinigung des Gedächtnisses, die Vergebung für den, der Böses getan hat, das Vergessen erlittenen Unrechts und die Aussöhnung der Herzen in der Liebe, die im Namen des ge- kreuzigten und auferstandenen Christus zu verwirklichen sind, können in der Tat die Überwindung von persönlichen Standpunkten und Ansichten, die schmerzlichen oder schwierigen Erfahrungen entspringen, erfordern; sie sind aber dringliche Schritte, die gesetzt werden müssen, um die Bande der Gemeinschaft zwischen den Gläubigen und den Hirten der Kirche in China zu vermehren und deutlich zu machen.
   Daher hatte schon mein verehrter Vorgänger mehrmals eine eindringliche Einladung zur Vergebung und Versöhnung an euch gerichtet. Diesbezüglich möchte ich gern an einen Abschnitt der Botschaft erinnern, die er euch in zeitlicher Nähe zum Heiligen Jahr 2000 gesandt hat: »In eurer Vorbereitung auf die Abhaltung des Großen Jubiläumsjahres dürft ich nicht vergessen, dass in der biblischen Tradition eine solche Zeit immer die Verpflichtung zum gegenseitigen Schuldenerlass, zur Wiedergutmachung von begangenem Unrecht und zur Versöhnung mit dem Nachbarn mit sich brachte. Auch euch wurde die “große Freude” verkündet, die „allen Völkern zuteil wurde’’: die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters, die in Christus erwirkte Erlösung. In dem Maße, wie ihr selbst bereit seid, diese freudige Kunde anzunehmen, werdet ihr sie auch durch euer Leben allen Männern und Frauen an eurer Seite vermitteln können. Mein sehnlichster Wunsch ist, dass ihr den inneren Eingebungen des Heiligen Geistes nach- kommt und euch gegenseitig all das vergebt, was zu vergeben ist, euch einander näherkommt, euch gegenseitig akzeptiert und alle Barrieren überwindet, um all das zu umgehen, was euch trennen kann. Vergesst die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl nicht: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt’’ Joh 13,35. Ich habe mit Freude vernommen, dass das wert- vollste Geschenk, das ihr zur Feier des Großen Jubiläumsjahres anbieten wollt, die Einheit unter euch und mit dem Nachfolger Petri sein soll. Ein solches Vorhaben kann nur die Frucht des Geistes sein, der seine Kirche auf die nicht leichten Wege der Versöhnung und Einheit führt.« [24]
   Wir alle sind uns der Tatsache bewusst, dass dieser Weg sich nicht von heute auf morgen erfüllen können wird, aber seid gewiss, dass die ganze Kirche für euch in diesem Anliegen beharrlich betet.
  Berücksichtigt ferner, dass euer Weg der Versöhnung vom Beispiel und vom Gebet vieler »Glaubens- zeugen« getragen wird, die gelitten und vergeben haben, während sie ihr Leben für die Zukunft der Kirche in China hingegeben haben. Ihre Existenz selbst stellt einen ständigen Segen für euch beim himmlischen Vater dar und ihr Andenken wird es nicht an reichen Früchten fehlen lassen.
Kirchliche Gemeinschaften und staatliche Organe: in Wahrheit und Liebe zu lebende Beziehungen
7. Eine sorgfältige Analyse der schon erwähnten schmerzlichen Situation starker Gegensätze vgl. Nr. 6, von der gläubige Laien und Hirten betroffen sind, stellt unter den verschiedenen Ursachen die wichtige Rolle heraus, die von jenen Organen und Einrichtungen wahrgenommen wird, die als Hauptverantwortliche des Lebens der katholischen Gemeinschaft durchgesetzt worden sind. In der Tat ist noch heute die Anerkennung durch diese Organe und Einrichtungen das Kriterium, um eine Gemeinde, eine Person oder einen religiösen Ort als legal und somit »offiziell« zu erklären. Das alles hat Spaltungen sowohl im Klerus als auch unter den Gläubigen verursacht. Dies ist eine Situation, die vor allem von Faktoren außerhalb der Kirche abhängt, die aber ernsthaft ihren Weg konditioniert hat, indem sie Anlass zu Verdächtigungen, zu gegenseitigen Beschuldigungen und Anzeigen gibt, und die weiterhin eine besorgniserregende Schwäche der Kirche darstellt.
   Hinsichtlich der delikaten Frage nach den mit den Organen des Staates zu unterhaltenden Beziehungen ist besonders die Einladung des Zweiten Vatikanischen Konzils erhellend, dem Wort und der Handlungs- weise Jesu Christi zu folgen. Denn »er lehnte es ab, ein politischer Messias zu sein, der äußere Machtmittel anwendet. [25] Statt dessen zog er es vor, sich den Menschensohn zu nennen, der gekommen ist, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für die vielen’’ Mk 10,45. Er erwies sich als der voll- kommene Gottesknecht [26], der „das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht’’ Mt 12,20. Die staatliche Gewalt und ihre Rechte erkannte er an, als er befahl, dem Kaiser Steuer zu zahlen, mahnte aber deutlich, dass die höheren Rechte Gottes zu wahren seien: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist’’ Mt 22,21. Schließlich hat er durch das Erlösungswerk am Kreuz, um den Menschen das Heil und die wahre Freiheit zu erwerben, seine Offenbarung zur Vollendung gebracht. Er gab der Wahrheit Zeugnis [27], und dennoch wollte er sie denen, die ihr widersprachen, nicht mit Gewalt aufdrängen. Sein Reich wird ja nicht mit dem Schwert beschützt [28], sondern wird gefestigt im Bezeugen und Hören der Wahrheit und wächst in der Kraft der Liebe, in der Christus, am Kreuz erhöht, die Menschen an sich zieht vgl. Joh 12,32.« [29]
   Wahrheit und Liebe sind die zwei tragenden Säulen des Lebens der christlichen Gemeinschaft. Aus diesem Grund habe ich daran erinnert: »Die Kirche der Liebe ist auch die Kirche der Wahrheit, vor allem im Sinne der Treue zum Evangelium, das der Herr Jesus den Seinen anvertraut hat. [...] Um aber in Einheit und Frieden zu leben, braucht die Familie der Kinder Gottes jemanden, der sie in der Wahrheit bewahrt und sie mit weisem und maßgebendem Unterscheidungsvermögen führt: Dies zu tun, ist die Aufgabe, zu der das Apostelamt berufen ist. Und hier kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Die Kirche ist ganz aus dem Heiligen Geist; sie besitzt aber eine Struktur, die Apostolische Sukzession, der die Verantwortung obliegt, zu gewährleisten, dass die Kirche in der von Christus geschenkten Wahrheit bleibt, aus der auch die Fähigkeit zur Liebe kommt. [...] Die Apostel und ihre Nachfolger sind daher die Bewahrer und maßgeblichen Zeugen des der Kirche übergebenen Gutes der Wahrheit, so wie sie auch die Diener der Liebe sind: zwei Aspekte, die zusammengehören. [...] Die Wahrheit und die Liebe sind zwei Gesichter derselben Gabe, die von Gott kommt und die dank des apostolischen Dienstes in der Kirche bewahrt wird und uns bis in unsere Gegen- wart hinein erreicht!.« [30]
  Das Zweite Vatikanische Konzil betont daher: »Achtung und Liebe sind auch denen zu gewähren, die in gesellschaftlichen, politischen oder auch religiösen Fragen anders denken oder handeln als wir. Je mehr wir in Menschlichkeit und Liebe inneres Verständnis für ihr Denken aufbringen, desto leichter wird es für uns, mit ihnen ins Gespräch zu kommen«. Dasselbe Konzil mahnt uns jedoch: »Diese Liebe und Güte dürfen uns aber keineswegs gegenüber der Wahrheit und dem Guten gleichgültig machen.« [31]
   Wenn wir den »ursprünglichen Plan Jesu« [32] betrachten, stellt sich klar heraus, dass der Anspruch einiger vom Staat gewollter und der Struktur der Kirche fremder Organe und Einrichtungen, der darin be- steht, sich über die Bischöfe selbst zu stellen und das Leben der kirchlichen Gemeinde zu lenken, nicht der katholischen Lehre entspricht, nach der die Kirche »apostolisch« ist, wie es auch das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt hat. Die Kirche ist apostolisch »aufgrund ihres Ursprungs, da sie „auf das Fundament der Apostel’’ gebaut ist
Eph 2,20
; aufgrund ihrer Lehre, welche die Lehre der Apostel ist; und aufgrund ihrer Struktur, weil sie bis zur Wiederkunft Christi von den Aposteln belehrt, geheiligt und geleitet wird – und zwar durch ihre Nachfolger, die Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus.«[33] In jeder Teilkirche »weidet« daher nur »der Diözesanbischof ... im Namen des Herrn die ihm als dem eigentlichen, ordentlichen und unmittelbaren Hirten anvertraute Herde« [34], und auf nationaler Ebene kann nur eine rechtmäßige Bischofskonferenz pastorale Orientierungen aufstellen, die für die ganze katholische Gemein- schaft des betreffenden Landes Geltung besitzen. [35]
   Auch das erklärte Ziel der oben genannten Stellen, das darin besteht, »die Prinzipien der Unabhängigkeit und Autonomie, der Selbstverwaltung und der demokratischen Administration« [36] zu verwirklichen, ist mit der katholischen Lehre unvereinbar, die beginnend mit den antiken Glaubensbekenntnissen die Kirche als »eine, heilige, katholische und apostolische« bekennt.
   Im Lichte der oben dargelegten Prinzipien werden sich die Hirten und die gläubigen Laien daran erinnern, dass die Verkündigung des Evangeliums, die Katechese und das karitative Wirken, die Liturgie und der Kult sowie alle pastoralen Entscheidungen einzig den Bischöfen gemeinsam mit ihren Priestern in der bleibenden Kontinuität des Glaubens, der von den Aposteln in den Heiligen Schriften und durch die Tradition überliefert worden ist, zustehen und daher keiner Einmischung von außen unterliegen dürfen.
  In Anbetracht dieser schwierigen Situation fragen sich nicht wenige Glieder der katholischen Gemeinschaft, ob nicht die Anerkennung seitens der zivilen Autoritäten – die für das öffentliche Wirken erforderlich ist – irgendwie die Gemeinschaft mit der Universalkirche kompromittiert. Ich weiß gut, dass diese Problematik die Herzen der Hirten und der Gläubigen schmerzlich beunruhigt. Diesbezüglich bin ich zunächst der Ansicht, dass die notwendige und entschiedene Bewahrung des Glaubensgutes und der sakramentalen und hierarchischen Gemeinschaft an und für sich dem Dialog mit den Autoritäten über jene Aspekte des kirchlichen Lebens, die in den zivilen Bereich fallen, nicht entgegensteht. Daher bestehen dann keine be- sonderen Schwierigkeiten für die Annahme der von den zivilen Autoritäten erlassenen Anerkennung, wenn die Bedingung erfüllt ist, dass eine solche staatliche Anerkennung nicht die Leugnung unverzichtbarer Prinzipien des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft mit sich bringt. In nicht wenigen konkreten Fällen jedoch, wenn nicht sogar fast immer, greifen im Anerkennungs- verfahren Organe und Einrichtungen ein, die die beteiligten Personen dazu verpflichten, Haltungen anzunehmen, Handlungen zu setzen und Aufgaben zu übernehmen, die dem, was das Gewissen eines Katholiken gebietet, entgegengesetzt sind. Ich verstehe daher, wie schwer es fällt, unter solch verschiedenen Bedingungen und Umständen die richtige Entschei- dung zu treffen. Aus diesem Grund überlässt der Heilige Stuhl – nachdem er erneut die Prinzipien dargelegt hat – die Entscheidung dem einzelnen Bischof, der, nach Anhörung seines Presbyteriums, besser imstande ist, die örtliche Situation zu kennen, die konkreten Wahlmöglichkeiten abzuwägen und die eventuellen Folgen innerhalb der diözesanen Gemeinschaft einzuschätzen. Es könnte sein, dass am Ende seine Entscheidung nicht die Zustimmung aller Priester und Gläubigen findet. Ich wünsche mir jedoch, dass sie Annahme findet, auch wenn dies unter Leid geschieht, und dass die Einheit der diözesanen Gemeinschaft mit dem eigenen Hirten aufrecht erhalten wird.
   Schließlich wird es gut sein, dass Bischöfe und Priester sich mit wahrem Hirtenherzen mit allen Mitteln darum bemühen, keinen Anlass zu anstoßerregenden Situationen zu geben, indem sie die Gelegenheiten nutzen, um das Gewissen der Gläubigen zu bilden, und dabei besondere Aufmerksamkeit gegenüber den schwächeren Gliedern walten lassen: All dies soll in der Gemeinschaft und in brüderlichem Verständnis sowie unter Vermeidung von Urteilen und gegenseitigen Verurteilungen gelebt werden. Auch in diesem Fall muss man berücksichtigen, dass es für die Beurteilung der Sittlichkeit einer Handlung – insbesondere beim Fehlen eines wahren Freiheitsraumes – notwendig ist, außer dem objektiven Fehler mit besonderer Sorgfalt die tatsächlichen Absichten der betroffenen Person zu kennen. Jeder Fall wird daher einzeln unter Berück- sichtigung der Umstände eingehend geprüft werden müssen.
Der chinesische Episkopat
   8. In der Kirche, dem Volk Gottes, steht allein den geweihten Amtsträgern, die nach einer angemessenen Ausbildung und Formung in rechter Weise die heilige Weihe empfangen haben, die Ausübung des Amtes »des Lehrens, des Heiligens und des Leitens« zu. Die gläubigen Laien können mit der kanonischen Be- auftragung durch den Bischof einen nützlichen kirchlichen Dienst bei der Weitergabe des Glaubens leisten.
   In den letzten Jahren seid ihr, liebe Brüder im Bischofsamt, aus verschiedenen Gründen auf Schwierig- keiten gestoßen, da im Namen verschiedener staatlicher Organe nicht »geweihte« – zuweilen auch nicht getaufte – Personen Entscheidungen in wichtigen kirchlichen Fragen kontrollieren und treffen, einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Folglich ist es zu einer Abwertung des Petrus- und des Bischofsamtes auf- grund einer Sicht der Kirche gekommen, nach welcher der Papst, die Bischöfe und die Priester Gefahr laufen, de facto Personen ohne Amt und ohne Amtsgewalt zu werden. Hingegen sind das Petrus- und das Bischofs- amt, wie schon gesagt wurde, wesenliche und integrale Bestandteile der katholischen Lehre über die sakramentale Struktur der Kirche. Diese Natur der Kirche ist eine Gabe des Herrn Jesus, denn »er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen« Eph 4, 11-13.
   Die Gemeinschaft und die Einheit – es sei mir gestattet, dies hier zu wiederholen vgl. Nr. 5 – sind wesentliche und integrale Bestandteile der Kirche. Daher ist der Plan einer – im religiösen Bereich – vom Heiligen Stuhl »unabhängigen« Kirche unvereinbar mit der katholischen Lehre.
   Ich bin mir der großen Schwierigkeiten bewusst, denen ihr in der oben genannten Situation begegnen müsst, um Christus, seiner Kirche und dem Nachfolger Petri treu zu bleiben. Indem ich euch daran erinnere, dass – wie schon der heilige Paulus sagte vgl. Röm 8,35-39 – keine Schwierigkeit uns von der Liebe Christi scheiden kann, vertraue ich darauf, dass ihr im Vertrauen auf die Gnade des Herrn alles Mögliche zu tun wisst, um die Einheit und die kirchliche Gemein- schaft auch unter Inkaufnahme großer Opfer zu bewahren.
  Viele Mitglieder des chinesischen Episkopats, die in den letzten Jahrzehnten die Kirche geleitet haben, gaben – und geben – den eigenen Gemeinden und der Universalkirche ein leuchtendes Zeugnis. Noch einmal komme aus dem Herzen ein Hymnus des Lobes und des Dankes an den »obersten Hirten« der Herde 1 Petr 5,4: Man kann in der Tat nicht vergessen, dass viele von ihnen Verfolgung erlitten haben und in der Ausübung ihres Amtes behindert wurden und dass einige von ihnen die Kirche mit dem Vergießen des eigenen Blutes fruchtbar gemacht haben. Die neuen Zeiten und die sich daraus ergebende Herausforderung der Neuevangelisierung heben die Funktion des bischöflichen Dienstes hervor. Wie Papst Johannes Paul II. den Hirten, die aus allen Teilen der Welt zur Heiligjahrfeier nach Rom gekommen waren, sagte, »trägt [an erster Stelle] der Bischof die Verantwortung, und er belebt die kirchliche Gemeinschaft sowohl im Streben nach Gemeinschaft als auch in ihren missionarischen Vorhaben. Angesichts des Relativismus und Subjekti- vismus, die so weite Bereiche der gegenwärtigen Kultur verschmutzen, sind die Bischöfe dazu berufen, die Einheit ihrer Gläubigen in der Lehre zu verteidigen und zu fördern. Achtsam und bemüht gegenüber allen Situationen, in denen der Glaube verlorengeht oder unbeachtet bleibt, setzen sich die Bischöfe mit aller Kraft für die Evangelisation ein. Sie bereiten Priester, Ordensleute und Laien auf diese Aufgabe vor und stellen die hierfür nötigen Mittel zur Verfügung.« [37]
    Bei demselben Anlass rief mein verehrter Vorgänger in Erinnerung, dass »der Bischof als Nachfolger der Apostel [jemand ist], für den Christus alles bedeutet. So kann er jeden Tag mit Paulus wiederholen: „Denn für mich ist Christus das Leben’’ Phil 1,21. Hierfür muss er mit seinem ganzen Dasein Zeugnis ablegen. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: “Ihrer apostolischen Aufgabe sollen sich die Bischöfe zuwenden als Zeugen Christi vor allen Menschen’’ Dekret Christus Dominus, 11.« [38]
   Hinsichtlich des bischöflichen Dienstes nehme ich die Gelegenheit wahr, um an das zu erinnern, was ich erst kürzlich gesagt habe: »Die Bischöfe [tragen] die erste Verantwortung dafür [...], dass die Kirche als Familie Gottes und als ein Ort der gegenseitigen Hilfe und der Dienstbereitschaft aufgebaut wird. Um diese Sendung erfüllen zu können, habt ihr mit der Bischofsweihe drei besondere Ämter erhalten: das munus docendi, das munus sanctificandi und das munus regendi, die zusammen das munus pascendi bilden. Insbesondere besteht die Zielsetzung des munus regendi im Wachstum der kirchlichen Gemeinschaft, das heißt im Aufbau einer Gemeinschaft, die einmütig festhält an der Lehre der Apostel, am Brechen des Brotes, an den Gebeten und an der Gemeinschaft. Das Leitungsamt – eben das munus regendi – ist eng mit den Ämtern des Lehrens und der Heiligung verbunden und bildet so für den Bischof einen wahren Akt der Liebe Gott und dem Nächsten gegenüber, der in der pastoralen Liebe zum Ausdruck kommt.« [39] Wie in der restlichen Welt, so wird auch in China die Kirche von Bischöfen geleitet, denen in der Bischofsweihe, die ihnen von anderen gültig geweihten Bischöfen erteilt wurde, zusammen mit dem Amt des Heiligens auch die Ämter des Lehrens und des Leitens des ihnen in den jeweiligen Teilkirchen anvertrauten Volkes übertragen wurden – mit der zugehörigen Amtsgewalt, die ihnen mittels der Gnade des Weihesakraments von Gott verliehen wurde. Die Ämter der Lehre und der Leitung»[können] jedoch ihrer Natur nach nur in der hier- archischen Gemeinschaft mit Haupt und Gliedern des [Bischofs-] Kollegiums ausgeübt werden« [40]. Denn – so legt dasselbe Zweite Vatikanische Konzil präzise dar – »Glied der Körperschaft der Bischöfe wird man durch die sakramentale Weihe und die hierarchische Gemeinschaft mit Haupt und Gliedern des Kollegiums« [41].
   Gegenwärtig sind alle Bischöfe der katholischen Kirche in China Söhne des chinesischen Volkes. Trotz vieler und großer Schwierigkeiten ist die katholische Kirche in China durch eine besondere Gnade des Heiligen Geistes nie des Dienstes rechtmäßiger Hirten beraubt worden, die die Apostolische Sukzession intakt bewahrt haben. Wir müssen dem Herrn für diese beständige und leidgeprüfte Anwesenheit von Bischöfen danken, die die Bischofsweihe in Übereinstimmung mit der katholischen Tradition empfangen haben, das heißt in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger Petri, und durch gültig und rechtmäßig geweihte Bischöfe unter Beachtung des Ritus des katholischen Kirche.
   Einige von ihnen, die einer widerrechtlichen, über das Leben der Kirche ausgeübten Kontrolle nicht unterliegen wollten und wünschten, eine volle Treue zum Nachfolger Petri und zur katholischen Lehre zu bewahren, sahen sich gezwungen, sich im geheimen weihen zu lassen. Der Untergrund fällt nicht in die Normalität des Lebens der Kirche, und die Geschichte zeigt, dass Hirten und Gläubige dazu nur mit dem mit Leid verbundenen Wunsch greifen, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren und keine Einmischung von staatlichen Organen in Dingen zu dulden, die das Innerste des Lebens der Kirche berühren. Aus diesem Grund wünscht der Heilige Stuhl, dass diese rechtmäßigen Hirten als solche von den Regierungsautoritäten auch mit zivilrechtlichen Folgen anerkannt werden können – soweit diese erforderlich sind – und dass alle Gläubigen den eigenen Glauben im gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie leben, frei zum Ausdruck bringen können.
   Andere Hirten hingegen haben unter dem Druck besonderer Umstände eingewilligt, die Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zu empfangen, haben aber in der Folge darum gebeten, in die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit den anderen Brüdern im Bischofsamt aufgenommen werden zu dürfen. In Anbetracht der Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung und der Vielschichtigkeit der Situation sowie unter Berück- sichtigung der Meinung der Bischöfe in ihrer Nähe hat der Papst ihnen kraft der eigenen Verantwortung als oberster Hirte der universalen Kirche die volle und rechtmäßige Ausübung der bischöflichen Jurisdiktion ge- währt. Diese Initiative des Papstes entsprang der Kenntnis der besonderen Umstände ihrer Weihe und seiner großen pastoralen Sorge, die Wiederherstellung der vollen Einheit zu fördern. Leider sind die Priester und die Gläubigen meistens nicht entsprechend über die erfolgte Legitimierung ihres Bischofs unterrichtet worden, und dies hat zu nicht wenigen und schweren Gewissensproblemen Anlass gegeben. Darüber hinaus haben einige legitimierte Bischöfe keine Gesten vollzogen, die die erfolgte Legitimierung deutlich unter Beweis gestellt hätten. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die erfolgte Legitimierung zum geistlichen Wohl der betroffenen diözesanen Gemeinschaft in kurzer Zeit in die Öffentlichkeit gebracht wird und dass die legitimierten Bischöfe immer mehr unzweideutige Zeichen der vollen Einheit mit dem Nachfolger Petri setzen.
   Schließlich gibt es einige Bischöfe – in sehr beschränkter Zahl –, die ohne päpstlichen Auftrag geweiht wurden und die die notwendige Legitimierung nicht erbeten oder noch nicht erhalten haben. Gemäß der Lehre der katholischen Kirche sind sie als unrechtmäßige, aber gültig geweihte Bischöfe anzusehen, sofern die Gewissheit besteht, dass sie die Weihe von gültig geweihten Bischöfen empfangen haben und dass der katholische Ritus der Bischofsweihe eingehalten worden ist. Selbst wenn sie nicht in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, üben sie daher ihren Dienst in der Spendung der Sakramente gültig aus, wenn auch in unrechtmäßiger Weise. Welch großer geistlicher Reichtum könnte der Kirche in China daraus erwachsen, wenn auch diese Hirten unter Einhaltung der notwendigen Bedingungen zur Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit dem ganzen katholischen Episkopat gelangten! Nicht nur ihr bischöflicher Dienst würde legitimiert werden, sondern auch ihre Gemeinschaft mit den Priestern und Gläubigen, die die Kirche in China als Teil der katholischen Kirche in Einheit mit dem Bischof von Rom und mit allen anderen Teilkirchen in der Welt betrachten, würde sich als tiefer erweisen.
   In den einzelnen Nationen bilden alle rechtmäßigen Bischöfe eine Bischofskonferenz, die nach einem eigenen Statut, das nach Vorgabe des kanonischen Rechts vom Apostolischen Stuhl approbiert werden muss, geleitet wird. Solch eine Bischofskonferenz bringt die brüderliche Gemeinschaft aller Bischöfe einer Nation zum Ausdruck und behandelt Fragen der Lehre und der Pastoral, die für die ganze katholische Ge- meinschaft im Land von Bedeutung sind, ohne sich aber in die Ausübung der ordentlichen und unmittelbaren Gewalt jedes Bischofs in seiner eigenen Diözese einzumischen. Ferner unterhält jede Bischofskonferenz angemessene und nützliche Kontakte mit den örtlichen zivilen Autoritäten, auch um die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat zu fördern. Dabei ist jedoch klar, dass eine Bischofskonferenz in Fragen des Glaubens und des glaubensgemäßen Lebens fides et mores, sakramentales Leben, die ausschließlich in die Zuständigkeit der Kirche fallen, keiner zivilen Autorität unterstellt sein kann.
   Im Lichte der oben dargelegten Prinzipien kann das Kollegium der katholischen Bischöfe Chinas [42] in seiner gegenwärtigen Form vom Apostolischen Stuhl nicht als Bischofskonferenz anerkannt werden: Die »Untergrundbischöfe«, das heißt die von der Regierung nicht anerkannten Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, gehören ihm nicht an; es schließt Bischöfe ein, die weiterhin unrechtmäßig sind, und es richtet sich nach Statuten, die Elemente enthalten, die mit der katholischen Lehre unvereinbar sind.
Bischofsernennungen
  9. Wie euch allen bekannt ist, liegt eines der heikelsten Probleme in den Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Autoritäten eures Landes in der Frage der Bischofsernennungen. Einerseits kann man verstehen, dass die Regierungsautoritäten in Anbetracht der gesellschaftlichen Auswirkungen, die dieses Amt – in China wie in der restlichen Welt – auch im zivilen Bereich besitzt, bei der Auswahl derer aufmerken, die die wichtige Rolle der Leiter und Hirten der örtlichen katholischen Gemeinden ausüben werden. Andererseits verfolgt der Heilige Stuhl mit besonderer Sorgfalt die Ernennung der Bischöfe, weil diese das Herz des Lebens der Kirche selbst berührt, da die Ernennung der Bischöfe durch den Papst die Gewährleistung der Einheit der Kirche und der hierarchischen Gemeinschaft ist. Aus diesem Grund legt der Codex des kano- nischen Rechtes
vgl. Canon 1382 schwere Strafen fest sowohl für den Bischof, der freiwillig die Bischofs- weihe ohne apostolischen Auftrag spendet, als auch für den Empfänger: Eine solche Weihe stellt in der Tat eine schmerzhafte Wunde in der kirchlichen Gemeinschaft dar und ist eine schwere Verletzung der kano- nischen Ordnung.
   Wenn der Papst den apostolischen Auftrag zur Weihe eines Bischofs erteilt, übt er seine höchste geist- liche Autorität aus – eine Autorität und ein Handeln, welche streng im religiösen Bereich angesiedelt bleiben. Es geht hier also nicht um eine politische Autorität, die sich unrechtmäßigerweise in die inneren Ange- legenheiten eines Staates einmischen und seine Souveränität verletzen würde.
   Die Ernennung von Hirten für eine bestimmte religiöse Gemeinschaft wird auch in internationalen Doku- menten als ein konstitutives Element für die volle Ausübung des Rechts auf Religionsfreiheit verstanden.[43] Der Heilige Stuhl möchte bei der Ernennung der Bischöfe ganz frei sein; [44] daher hoffe ich in Anbetracht des in jüngerer Zeit beschrittenen besonderen Weges der Kirche in China darauf, dass eine Vereinbarung mit der Regierung gefunden werde, um einige Fragen sowohl bezüglich der Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt zu lösen als auch bezüglich der Bekanntgabe der Bischofsernennungen sowie der Anerkennung – für die, soweit notwendigen, zivilrechtlichen Folgen – der neuen Bischöfe seitens der staatlichen Autori- täten.
   Schließlich möchte ich hinsichtlich der Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt, auch wenn ich eure diesbezüglichen Schwierigkeiten kenne, an die Notwendigkeit erinnern, dass diese würdige, von den Gläubigen geachtete und geliebte Priester und Vorbilder eines Lebens aus dem Glauben sein mögen und dass sie eine gewisse Erfahrung im seelsorglichen Dienst besitzen und daher besser geeignet sind, um der schweren Verantwortung eines Hirten der Kirche gerecht zu werden. [45] Falls es in einer Diözese unmöglich sein sollte, passende Kandidaten für die Besetzung des bischöflichen Stuhls zu finden, kann die Zusammenarbeit mit den Bischöfen der benachbarten Diözesen helfen, geeignete Kandidaten zu ermitteln.
ZWEITER TEIL: ORIENTIERUNGEN FÜR DAS PASTORALE LEBEN
Sakramente, Leitung der Diözesen, Pfarreien

  10. In letzter Zeit sind Schwierigkeiten aufgetreten im Zusammenhang mit Einzelinitiativen von Hirten, Priestern und gläubigen Laien, die, bewegt von einem großherzigen seelsorglichen Eifer, nicht immer die Aufgaben und Verantwortlichkeiten anderer beachtet haben.
   Diesbezüglich erinnert uns das Zweite Vatikanische Konzil daran, dass die einzelnen Bischöfe, wenn sie einerseits »als Glieder des Bischofskollegiums und rechtmäßige Nachfolger der Apostel ... aufgrund von Christi Stiftung und Vorschrift zur Sorge für die Gesamtkirche gehalten [sind]«, andererseits »ihr Hirtenamt über den ihnen anvertrauten Teil des Gottesvolkes, nicht über andere Kirchen und nicht über die Gesamtkirche aus[üben].« [46]
   Angesichts gewisser Probleme, die in den letzten Jahren in verschiedenen diözesanen Gemeinschaften aufgetreten sind, scheint es mir ferner eine Pflicht zu sein, an die kanonische Vorschrift zu erinnern, nach der jeder Kleriker in einer Teilkirche oder in einem Institut des gottgeweihten Lebens inkardiniert sein muss und seinen Dienst in Gemeinschaft mit dem Diözesanbischof ausüben muss. Nur aus gerechten Gründen kann ein Kleriker Dienst in einer anderen Diözese tun, aber immer nach vorheriger Vereinbarung der beiden Diözesanbischöfe, das heißt des Diözesanbischofs der Teilkirche, in der er inkardiniert ist, und des Bischofs jener Teilkirche, für deren Dienst er bestimmt wurde. [47]
   Ihr habt euch sodann bei nicht wenigen Anlässen die Frage nach der Konzelebration der Eucharistie gestellt. Diesbezüglich erinnere ich daran, dass diese als Bedingungen das Bekenntnis desselben Glaubens und die hierarchische Gemeinschaft mit dem Papst und mit der Universalkirche voraussetzt. Es ist daher legitim, mit Bischöfen und Priestern zu konzelebrieren, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, auch wenn diese von den zivilen Autoritäten anerkannt sind und Beziehungen mit vom Staat gewollten, nicht zur kirchlichen Struktur gehörenden Organen und Einrichtungen unterhalten, vorausgesetzt – wie oben gesagt wurde
vgl. Nr. 7, Absatz 8 –, dass die Anerkennung und die Beziehung nicht die Leugnung von unverzicht- baren Prinzipien des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft mit sich bringen.
   Auch die gläubigen Laien, die von einer aufrichtigen Liebe zu Christus und zur Kirche beseelt sind, sollen nicht zögern, an der Eucharistie teilzunehmen, die von Bischöfen und Priestern gefeiert wird, die in voller Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri stehen und von den staatlichen Autoritäten anerkannt sind. Dasselbe gilt für alle anderen Sakramente.
  Immer im Licht der Prinzipien der katholischen Lehre müssen die Probleme gelöst werden, die mit jenen Bischöfen auftreten, die, wenn auch unter Einhaltung des katholischen Ritus der Bischofsweihe, jedoch ohne päpstlichen Auftrag geweiht worden sind. Ihre Weihe ist – wie ich schon gesagt habe vgl. Nr. 8, Absatz 12 – unerlaubt, aber gültig, so wie die von ihnen erteilten Priester- weihen und auch die von solchen Bischöfen und Priestern gespendeten Sakramente gültig sind. Unter Berücksichtigung dessen müssen daher die Gläu- bigen für die Eucharistiefeier und die übrigen Sakramente nach Möglichkeit Bischöfe und Priester suchen, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen: Wenn dies nicht ohne schwere Unannehmlichkeiten für sie machbar sein sollte, können sie sich, wenn es ihr geistliches Wohl erfordert, auch an jene wenden, die nicht in Ge- meinschaft mit dem Papst stehen.
   Schließlich halte ich es für angebracht, eure Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was die kanonische Gesetzgebung vorsieht, um den Diözesanbischöfen bei der Erfüllung ihrer eigenen Hirtenaufgabe zu helfen. Jeder Diözesanbischof ist aufgefordert, von den unerlässlichen Mitteln der Gemeinschaft und der Zusam- menarbeit innerhalb der diözesanen katholischen Gemeinschaft Gebrauch zu machen: die Diözesankurie, der Priesterrat, das Konsultorenkollegium, der Diözesanpastoralrat und der Diözesanvermögensverwal- tungsrat. Diese Organe bringen die Gemeinschaft zum Ausdruck, sie fördern die Teil- habe an der gemein- samen Verantwortung und sind von großer Hilfe für die Hirten, die sich in dieser Weise der brüderlichen Mitarbeit der Priester, der gottgeweihten Personen und der gläubigen Laien bedienen können.
   Dasselbe gilt für die verschiedenen Räte, die das kanonische Recht für die Pfarreien vorsieht: pfarrlicher Pastoralrat und pfarrlicher Vermögensverwaltungsrat.
   Sowohl für die Diözesen als auch für die Pfarreien heißt es, besonderes Augenmerk auf die zeitlichen – beweglichen und unbeweglichen – Güter der Kirche zu richten, die im zivilen Bereich auf den Namen der Diözese oder der Pfarrei und niemals auf den Namen einzelner Personen (das heißt des Bischofs, des Pfarrers oder einer Gruppe von Gläubigen) registriert werden müssen. Gleichzeitig behält die herkömmliche pastorale und missionarische Orientierung ihre volle Gültigkeit, die im Grundsatz »nihil sine Episcopo« zusammengefasst ist.
   Aus der Analyse der oben dargelegten Problemstellungen ergibt sich mit Deutlichkeit, dass eine wahre Lösung derselben in der Förderung der Gemeinschaft wurzelt, die von Christus, dem Abbild der Liebe des Vaters, der gleichsam ihre Quelle ist, Stärke und Schwung bezieht. Die Liebe, die immer über allem ist vgl. 1 Kor 13,1-12, wird die Kraft und der Maßstab in der seelsorglichen Arbeit zum Aufbau einer kirchlichen Gemeinschaft sein, die den auferstandenen Christus dem Menschen von heute gegenwärtig macht.
Die Kirchenprovinzen
  
11. Während der letzten fünfzig Jahre sind im zivilen Bereich zahlreiche verwaltungsmäßige Änderungen eingetreten. Dies hat auch verschiedene Kirchenbezirke betroffen, die aufgehoben oder zusammengelegt wurden oder die in ihrer territorialen Gestalt auf der Grundlage der zivilen Verwaltungsbezirke verändert wurden. Diesbezüglich möchte ich bekräftigen, dass der Heilige Stuhl bereit ist, die gesamte Frage der Kirchenbezirke und Kirchenprovinzen in einem offenen und konstruktiven Dialog mit dem chinesischen Episkopat und – soweit angebracht und nützlich – mit den Regierungsautoritäten anzugehen.
Die katholischen Gemeinschaften
   12. Mir ist wohl bekannt, dass die auf dem weiten chinesischen Territorium verstreuten diözesanen und pfarrlichen Gemeinschaften eine besondere Lebendigkeit des christlichen Lebens, des Glaubenszeugnisses und seelsorglicher Initiativen erkennen lassen. Es ist für mich tröstlich festzustellen, dass die Bischöfe, die Priester, die gottgeweihten Personen und die gläubigen Laien trotz der vergangenen und gegenwärtigen Schwierigkeiten ein tiefes Bewusstsein bewahrt haben, in Glaubens- und Lebensgemeinschaft mit allen katholischen Gemeinden in der Welt lebendige Glieder der Universalkirche zu sein. In ihrem Herzen wissen sie, was es heißt, katholisch zu sein. Und genau diesem katholischen Herzen muss auch der Einsatz entspringen, um sowohl innerhalb der einzelnen Gemeinden als auch in den Beziehungen zu den anderen Gemeinden jenen Geist der Gemeinschaft, des Verständnisses und der Vergebung deutlich zu machen und wirksam werden zu lassen, der – wie oben gesagt wurde
vgl. Nr. 5, Absatz 4, und Nr. 6 – das sichtbare Siegel einer wahren christlichen Existenz ist. Ich bin mir sicher, dass der Geist Christi, so wie er den Gemeinden geholfen hat, den Glauben in Zeiten der Verfolgung lebendig zu erhalten, auch heute allen Katholiken helfen wird, in der Einheit zu wachsen.
   Ich habe bereits darauf hingewiesen vgl. Nr. 2, Absatz 1, und Nr. 4, Absatz 1, dass es den Mitgliedern der katholischen Gemeinschaft in eurem Land – insbesondere den Bischöfen, den Priestern und den gott- geweihten Personen – leider noch nicht gestattet ist, bestimmte Aspekte ihrer Zugehörigkeit zur Kirche und ihrer hierarchischen Gemeinschaft mit dem Papst voll und auch auf sichtbare Weise zu leben und zum Ausdruck zu bringen, insofern ihnen freie Kontakte mit dem Heiligen Stuhl und mit anderen katholischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern in der Regel verwehrt sind. Es stimmt, dass gegenüber der Vergangenheit die Kirche in den letzten Jahren größere Religionsfreiheit genießt. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass weiterhin schwere Einschränkungen bestehen bleiben, die den Kernbereich des Glaubens berühren und zu einem gewissen Maß die Seelsorge behindern. In diesem Zusammenhang erneuere ich den Wunsch vgl. Nr. 4, Absatz 2-4, dass im Rahmen eines respektvollen und offenen Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Bischöfen auf der einen Seite und den Regierungsautoritäten auf der anderen Seite die genannten Schwierigkeiten über- wunden werden können und man so zu einer gewinn- bringenden Einigung gelangt, die der katholischen Gemeinschaft und dem gesellschaftlichen Zusammen- leben zum Nutzen gereichen wird.
Die Priester
   13. Sodann möchte ich mich besonders den Priestern zuwenden – vor allem den in den letzten Jahren geweihten Priestern – und eine Einladung an sie richten, die mit großer Hochherzigkeit den Weg des Seelsorgedienstes eingeschlagen haben. Mir scheint, dass die gegenwärtige kirchliche und gesell- schaftspolitische Situation immer dringender erfordert, aus den Quellen der priesterlichen Spiritualität Licht und Kraft zu schöpfen. Es sind dies die Liebe zu Gott, die bedingungslose Nachfolge Christi, die Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums, die Treue zur Kirche und der großherzige Dienst am Nächsten.[48] Wie könnte man hier als allen geltende Ermutigung nicht an die leuchtenden Gestalten jener Bischöfe und Priester erinnern, die in den schwierigen Jahren der jüngeren Vergangenheit eine unerschütterliche Liebe zur Kirche bezeugt haben – auch mit der Hingabe des eigenen Lebens für die Kirche und für Christus!
  Liebe Priester! Ihr, die ihr »den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze«
Mt 20,12 ertragt, die ihr Hand an den Pflug gelegt habt und nicht zurückblickt vgl. Lk 9,62, denkt an die Orte, wo die Gläubigen sehnsuchtsvoll auf einen Priester warten, einen solchen seit vielen Jahren vermissen und nicht aufhören, seine Anwesenheit herbeizuwünschen. Ich weiß sehr wohl, dass es unter euch Mitbrüder gibt, die sich mit schwierigen Zeiten und Situationen auseinandersetzen mussten und Positionen eingenommen haben, die vom kirchlichen Gesichtspunkt aus nicht immer nachvollziehbar waren, und die trotz allem wünschen, in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzukehren. Im Geiste jener tiefen Versöhnung, zu der mein verehrter Vorgänger die Kirche in China wiederholt aufgerufen hat [49], wende ich mich an die Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri stehen, damit sie in väterlicher Gesinnung Fall für Fall prüfen und einem solchen Wunsch eine rechte Antwort geben – wenn notwendig unter Anrufung des Apostolischen Stuhls. Ich denke, als Zeichen dieser erhofften Versöhnung gibt es keine bedeutungsvollere Geste, als – anlässlich des Priestertages am Gründonnerstag, wie es in der Universalkirche der Fall ist, oder zu einem anderen Anlass, der dafür als besser geeignet erachtet wird – gemeinsam das Bekenntnis des Glaubens zu erneuern, zum Zeugnis der erlangten vollen Gemeinschaft, zur Erbauung des eurer Hirtensorge anver- trauten heiligen Volkes Gottes und zum Lob der Heiligsten Dreifaltigkeit.
   Ich bin mir bewusst, dass auch in China, wie in der übrigen Kirche, Bedarf an einer angemessenen Fort- und Weiterbildung des Klerus besteht. Aus dieser Erkenntnis richte ich an euch Bischöfe die Einladung, in eurer Eigenschaft als Verantwortliche der kirchlichen Gemeinschaften besonders an den jungen Klerus zu denken, der in zunehmendem Maße neuen pastoralen Herausforderungen ausgesetzt ist, die in Verbindung mit den Erfordernissen des Auftrags zur Evangelisierung einer so vielschichtigen Gesellschaft wie der gegen- wärtigen chinesischen stehen. Daran hat Papst Johannes Paul II. erinnert: Die Weiterbildung der Priester ist »ein Erfordernis, das dem Geschenk des sakramentalen Amtes selbst innewohnt und sich zu jeder Zeit als notwendig offenbart. Heute erweist sie sich aber als besonders dringlich, nicht nur aufgrund der rasanten gesellschaftlichen und kulturellen Veränderung der Menschen und der Völker, unter denen das Priesteramt vollzogen wird, sondern auch wegen der ,Neu- evangelisierung’’, die den wesentlichen und unaufschieb- baren Auftrag der Kirche am Ende des zweiten Jahrtausends darstellt.« [50]

Die Berufungen und die religiöse Ausbildung
   14. Während der letzten fünfzig Jahre hat es in der Kirche in China nie an einer reichen Blüte an Be- rufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben gefehlt. Dafür muss man dem Herrn Dank sagen, denn es handelt sich hier um ein Zeichen der Lebendigkeit und um einen Grund zur Hoffnung. Im Laufe der Jahre sind dann viele heimische Ordensgemeinschaften entstanden: Die Bischöfe und die Priester wissen aus Erfahrung, wie unersetzlich der Beitrag der Ordensfrauen in der Katechese und im pfarrlichen Leben in all seinen Formen ist. Darüber hinaus ist die Sorge gegenüber den Bedürftigen, die auch in Zusammenarbeit mit den zivilen Autoritäten geleistet wird, Ausdruck jener Liebe und jenes Dienstes am Nächsten, die das glaubwürdigste Zeugnis für die Kraft und die Lebendigkeit des Evangeliums Jesu sind.
  Ich bin mir aber bewusst, dass diese Blüte heute von nicht wenigen Schwierigkeiten begleitet wird. Daher ergibt sich die Notwendigkeit sowohl einer sorgfältigeren Unterscheidung der Berufungen seitens der kirchlichen Verantwortlichen als auch einer gründlicheren Erziehung und Ausbildung der Anwärter für das Priestertum und für das Ordensleben. Trotz der Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Mittel muss man sich für die Zukunft der Kirche in China darum bemühen, dass einerseits eine besondere Sorgfalt in der Pflege der Berufungen und andererseits eine in menschlicher, spiritueller, philosophisch-theologischer und pastoraler Hinsicht solidere Ausbildung, die in den Seminaren und in den Ordensinstituten zu erfolgen hat, gewährleistet wird.
   Diesbezüglich verdient die Erziehung der Priesteramtskandidaten zum zölibatären Leben eine besondere Erwähnung. Es ist wichtig, dass die Seminaristen lernen, den Zölibat als kostbares Geschenk Gottes und als eminent eschatologisches Zeichen zu leben und zu schätzen, der eine ungeteilte Liebe zu Gott und zu seinem Volk bezeugt und den Priester Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam der Kirche, gleichgestaltet. Dieses Geschenk ist in der Tat auf hervorragende Weise »Ausdruck des priesterlichen Dienstes an der Kirche in und mit dem Herrn« [51] und stellt einen prophetischen Wert für die Welt von heute dar.
    Hinsichtlich der Ordensberufung ist es im gegenwärtigen Kontext der Kirche in China notwendig, dass ihre beiden Dimensionen immer leuchtender erscheinen: und zwar einerseits das Zeugnis des Charismas der gänzlichen Weihe an Christus durch die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams und ande- rerseits die Antwort auf das Erfordernis, das Evangelium in den heutigen geschichtlich-gesellschaftlichen Bedingungen des Landes zu verkünden.
Die gläubigen Laien und die Familie

   15. In den sehr schwierigen Zeiten der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche in China haben die gläubigen Laien sowohl als einzelne und in der Familie wie auch als Mitglieder geistlicher und apo- stolischer Bewegungen völlige Treue zum Evangelium gezeigt, wobei sie für die eigene Treue zu Christus auch persönlich bezahlt haben. Ihr Laien seid auch heute dazu berufen, das Evangelium in eurem Leben Fleisch werden zu lassen und durch einen großherzigen und tatkräftigen Dienst für das Wohl des Volkes und die Entwicklung des Landes Zeugnis zu geben: und diesen Auftrag erfüllt ihr mit einem Leben als ehrliche Bürger und als aktive und mitverantwortliche Mitarbeiter bei der Verbreitung des Wortes Gottes in eurer ländlichen oder städtischen Umgebung. Ihr, die ihr in der jüngsten Vergangenheit mutige Glaubenszeugen gewesen seid, bleibt die Hoffnung der Kirche für die Zukunft! Dies erfordert eure immer besser motivierte Teilnahme in allen Bereichen des Lebens der Kirche in Gemeinschaft mit euren jeweiligen Hirten.
  Da die Zukunft der Menschheit über die Familie geht, halte ich es für unverzichtbar und dringlich, dass die Christgläubigen die Werte der Familie fördern und die familiären Erfordernisse schützen. Die Laien kennen im Glauben ganz und gar den wunderbaren Plan Gottes mit der Familie. Sie haben daher einen Grund mehr, diesen konkreten und anspruchsvollen Auftrag zu übernehmen: Die Familie ist in der Tat »jene natürliche Umgebung, die den jungen Generationen ermöglicht, die personale und soziale Reife zu erlangen. Die Familie trägt das Erbe der Menschheit selbst in sich, denn durch sie wird das Leben von Generation zu Generation weitergegeben. In den asiatischen Kulturen nimmt die Familien- gemeinschaft eine wichtige Stellung ein, und familiäre Werte wie die respektvolle Haltung der Kinder den Eltern gegenüber, liebevolle Fürsorge für die Alten und Kranken, die Liebe für die Kleinen und die Eintracht untereinander sind, wie die Synodenväter hervorheben, in allen Kulturen und Religionen Asiens hochgeschätzt.« [52]
   Die oben erwähnten Werte sind Teil des bedeutenden chinesischen kulturellen Umfelds; dennoch fehlt es auch in eurem Land nicht an Kräften, die auf verschiedene Weise negativ auf die Familie einwirken. Daher muss die Kirche in China, die sich bewusst ist, dass das Wohl der Gesellschaft und ihr eigenes mit dem Wohl der Familie eng verbunden sind [53], stärker und überzeugender ihre Sendung verspüren, allen den Plan Gottes hinsichtlich von Ehe und Familie zu verkünden, um deren volle Lebenskraft zu sichern.[54]
Die christliche Initiation der Erwachsenen

   16. Die jüngste Geschichte der Kirche in China weist eine hohe Zahl von Erwachsenen auf, die auch dank des Zeugnisses der örtlichen christlichen Gemeinschaft zum Glauben gekommen sind. Ihr Hirten seid auf- gerufen, in besonderer Weise für die christliche Initiation dieser Personen durch eine entsprechende und ernsthafte Zeit des Katechumenats Sorge zu tragen. Ein solches Katechumenat soll ihnen helfen und sie darauf vorbereiten, ein Leben als Jünger Christi zu führen.
  In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass Evangelisierung niemals nur bloße intellek- tuelle Weitergabe des Glaubens bedeutet, sondern auch Lebenserfahrung, Reinigung und Umwandlung der ganzen eigenen Existenz sowie ein gemeinschaftlich beschrittener Weg. Nur so kann eine rechte Beziehung zwischen Denken und Leben hergestellt werden.
   Mit Blick auf die Vergangenheit muss man leider feststellen, dass viele Erwachsene nicht immer ausreichend in die vollständige Wahrheit des christlichen Lebens eingeführt wurden und auch den Reichtum der Erneuerung nicht kennen gelernt haben, die das Zweite Vatikanische Konzil mit sich gebracht hat. Daher scheint es dringend notwendig, ihnen eine solide und gründliche christliche Bildung und Formung anzubieten – auch in der Form eines Katechumenats nach der Taufe. [55]
Die missionarische Berufung
   17. Die Kirche ist immer und überall missionarisch und als solche berufen, das Evangelium zu verkünden und zu bezeugen. Auch die Kirche in China muss in ihrem Herzen den missionarischen Eifer ihres Gründers und Meisters spüren.
   Als sich Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000 an die jugendlichen Pilger auf dem Berg der Selig- preisungen wandte, sagte er: »Vor seiner Himmelfahrt gab Jesus seinen Jüngern einen Auftrag und eine Zu- sicherung: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern [...] Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt’’
Mt 28, 18-20. Zweitausend Jahre lang haben die Jünger Christi diesen Auftrag erfüllt. Jetzt, an der Schwelle des dritten Jahrtausends, seid ihr an der Reihe. Jetzt liegt es bei euch, in die Welt hinauszugehen und die Botschaft von den Zehn Geboten und den Seligpreisungen zu predigen. Wenn Gott spricht, dann spricht er von Dingen, die für jeden Menschen von größter Wichtigkeit sind, für die Menschen des 21. Jahrhunderts nicht weniger als für die des ersten Jahrhunderts. Die Zehn Gebote und die Seligpreisungen sprechen von Wahrheit und Güte, von Gnade und Freiheit: von allem, was zum Eintritt in Christi Reich nötig ist.« [56]
   Nun, liebe chinesische Jünger des Herrn, kommt euch die Aufgabe zu, mutige Apostel dieses Reiches zu sein. Ich bin gewiss, dass eure Antwort stark und großmütig sein wird.
SCHLUSS
Aufhebung von Befugnissen und pastoralen Weisungen

   18. In Anbetracht von, erstens, einigen positiven Entwicklungen der Lage der Kirche in China und, zweitens, der besseren Möglichkeiten und der Erleichterungen im Bereich der Kommunikation und schließlich auch in Anbetracht der Bitten, die verschiedene Bischöfe und Priester an den Heiligen Stuhl gerichtet haben, hebe ich mit diesem Schreiben alle Befugnisse auf, die gewährt wurden, um den besonderen, in wahrhaft schweren Zeiten aufgetretenen pastoralen Erfordernissen zu begegnen.
   Dasselbe gilt bezüglich der älteren und neueren Weisungen pastoraler Natur. Die Lehrgrundsätze, die sie angeregt hatten, finden nun Anwendung in den im vorliegenden Schreiben enthaltenen Vorgaben.
Gebetstag für die Kirche in China

   19. Liebe Hirten und alle Gläubige, der 24. Mai, der liturgische Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe der Christen – die sich im Marienheiligtum von Scheschan in Schanghai so großer Ver- ehrung erfreut –, könnte in Zukunft den Katholiken auf der ganzen Welt Gelegenheit bieten, sich im Gebet mit der Kirche in China zu vereinen.
   Ich möchte, dass dieses Datum für euch ein Tag des Gebets für die Kirche in China werde. Ich ermuntere euch, ihn zur Erneuerung eurer Gemeinschaft des Glaubens an den Herrn Jesus Christus und der Treue zum Papst zu feiern. Dabei werdet ihr darum beten, dass die Einheit unter euch stets größer und sichtbarer werde. Ferner erinnere ich euch an das Gebot der Liebe, das Jesus uns gegeben hat, damit wir unsere Feinde lieben und für die beten, die uns verfolgen. Gleichfalls erinnere ich an die Aufforderung des heiligen Apostels Paulus: »Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können. Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen« 1 Tim 2,1-4.
 
Am selben Tag werden die Katholiken auf der ganzen Welt – insbesondere jene chinesischer Herkunft – ihre brüderliche Solidarität und Sorge für euch bekunden, indem sie den Herrn der Geschichte um die Gabe der Beharrlichkeit im Zeugnis bitten, wohl wissend, dass eure vergangenen und gegenwärtigen Leiden für den heiligen Namen Jesu und eure furchtlose Treue zu Seinem Stellvertreter auf Erden belohnt werden, auch wenn es zuweilen scheinen mag, dass alles traurig scheitert.
Abschliessender Gruss
  20. Am Ende dieses Briefes wünsche ich euch, liebe Hirten der katholischen Kirche in China, euch Priestern, gottgeweihten Männern und Frauen und gläubigen Laien, dass ihr »voll Freude« seid, »obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi« 1 Petr 1,6-7.
   Die Allerseligste Jungfrau Maria, Mutter der Kirche und Königin Chinas, die in der Stunde des Kreuzes in der Stille der Hoffung auf den Morgen der Auferstehung zu warten verstand, begleite euch mit ihrer mütterlichen Sorge und halte gemeinsam mit dem heiligen Josef und den zahlreichen heiligen Märtyrern Chinas Fürbitte für euch alle.
   Gerne versichere ich euch meines beständigen Gebetes und denke mit inniger Zuwendung auch an die betagten Menschen, an die Kranken, an die Kinder und Jugendlichen eures edlen Landes, und ich segne euch von Herzen.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter,

am 27. Mai 2007, Pfingstsonntag, im dritten Jahr meines Pontifikats.

                                                                                        
Benedictus PP. XVI

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[1] Benedikt XVI., Angelus am 26. Dezember 2006: »Mit besonderer geistlicher Nähe denke ich auch an jene Katholiken, die dem Stuhl Petri ohne Kompromisse treu bleiben und dafür manchmal sogar großes Leid in Kauf nehmen. Die ganze Kirche bewundert ihr Beispiel und betet dafür, dass sie die Kraft haben standzuhalten, in dem Wissen, dass ihre Bedrängnisse Quelle des Sieges sind, auch wenn sie im Augenblick als Niederlage erscheinen mögen«: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 5. Januar 2007, S. 12.
[2] Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10.
[3] Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 4: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. November 2001, S. 7.
[4] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Asia (6. November 1999), Nr. 7: AAS 92 (2000), 456.
[5] Vgl. ebd., Nrn. 19 und 20: AAS 92 (2000), 477-482.
[6] Vgl. Ansprache an die Vertreter der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen (Manila, 15. Januar 1995), Nr. 11: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 10. Februar 1995, S. 8.
[7] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 1: AAS 93 (2001), 266.
[8] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 23. August 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 1. September 2006, S. 2.
[9] Johannes Paul II., Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 6: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. November 2001, S. 8.  [10] Ebd.
[11] Vgl. Fonti Ricciane, hrsg. von Pasquale M. D'Elia SJ, Bd. 2, Rom 1949, Nr. 617, S. 152.
[12] Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 4: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. November 2001, S. 7.  [13] Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 76.
[14] Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr. 28: AAS 98 (2006), 240. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 76.
[15] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 26.  [16] Ebd., Nr. 23.
[17] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio Communionis notio (28. Mai 1992), Nrn. 11-14: AAS 85 (1993), 844-847.
[18] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 23.
[19] Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio Communionis notio (28. Mai 1992), Nr. 13: AAS 85 (1993), 846.
[20] Vgl. Benedikt XVI.: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis (22. Februar 2007), Nr. 6: »Der Glaube der Kirche ist im wesentlichen ein eucharistischer Glaube und erhält seine Nahrung in besonderer Weise beim Mahl der Eucharistie. Glaube und Sakramente sind zwei sich gegenseitig ergänzende Aspekte des kirchlichen Lebens. Durch die Verkündigung des Wortes Gottes erweckt, nährt sich der Glaube und wächst in der gnadenreichen Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, die sich in den Sakramenten verwirklicht: ,,Der Glaube drückt sich im Ritus aus, und der Ritus stärkt und festigt den Glauben’’. Darum steht das Altarssakrament immer im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens; “dank der Eucharistie wird die Kirche immer wieder neu geboren!’’ Je lebendiger der eucharistische Glaube im Gottesvolk ist, um so tiefer ist dessen Teilnahme am kirchlichen Leben durch eine überzeugte Unterstützung der Sendung, die Christus seinen Jüngern aufgetragen hat. Das bezeugt die Geschichte der Kirche selbst. Jede große Reform ist in irgendeiner Weise verbunden mit der Wiederentdeckung des Glaubens an die eucharistische Gegenwart des Herrn inmitten seines Volkes«: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 23.03. 2007, Dokumentation,S. II
[21] Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 42: AAS 93 (2001), 296. Vgl. Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr. 12: »Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form nun darin an, daß Gott in Jesus Christus selbst dem ,,verlorenen Schaf’’, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form«: AAS 98 (2006), 228.
[22] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.
[23] Für alle sollte die Erfahrung der alten Kirche in der Zeit der Verfolgungen erhellend sein sowie die Lehre, die diesbezüglich gerade die Kirche von Rom gegeben hat. Während sie die rigorosen Ansichten der Novatianer und Donatisten zurückwies, forderte sie zu Großherzigkeit in Vergebung und Versöhnung gegenüber denjenigen auf, die während der Verfolgungen dem Glauben abgeschworen hatten (die »lapsi«) und wünschten, wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen zu werden.  [24] Johannes Paul II., Botschaft an die Katholiken in China Alla vigilia (8. Dezember 1999), Nr. 6: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. Januar 2000, S. 9.
[25] Vgl. Mt 4, 8-10; Joh 6, 15.  [26] Vgl. Jes 42, 1-4.   [27] Vgl. Joh 18, 37.  [28] Vgl. Mt 26, 51-53; Joh 18, 36.
[29] Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr. 11.
[30] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.  [31] Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 28.
[32] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.  [33] Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 174. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nrn. 857 und 869.    [34] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Apostolos suos (21. Mai 1998), Nr. 10: AAS 90 (1998), 648.  [35] Vgl. Codex des kanonischen Rechtes, can. 447.
[36] Satzungen der Patriotischen Vereinigung der chinesischen Katholiken (Chinese Catholic Patriotic Association, CCPA), 2004, Art. 3.   [37] Homilie anläßlich der Heiligjahrfeier der Bischöfe (8. Oktober 2000), Nr. 5: AAS 93 (2001), 28. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 6.
[38] Johannes Paul II., Homilie anläßlich der Heiligjahrfeier der Bischöfe (8. Oktober 2000), Nr. 4: AAS 93 (2001), 27.
[39] Benedikt XVI., Audienz für die neu ernannten Bischöfe (21. September 2006): AAS 98 (2006), 696.
[40] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 21. Vgl. auch Codex des kanonischen Rechtes, can. 375 § 2.  [41] Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 22. Vgl. auch »Erläuternde Vorbemerkung«, Nr. 2.   [42] China Catholic Bishop's College (CCBC).
[43] Auf weltweiter Ebene sei zum Beispiel auf die Anordnungen des Artikels 18, Paragraph 1 des International Convenant on Civil and Political Rights vom 16. Dezember 1966 verwiesen (»Everyone shall have the right to freedom of thought, conscience and religion. This right shall include freedom to have or to adopt a religion or belief of his choice, and freedom, either individually or in community with others and in public or private, to manifest his religion or belief in worship, observance, practice and teaching«) und auf die verbindliche Interpretation für die Mitgliedsstaaten, die das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen in »General Comment, No. 22« (Nr. 4) vom 30. Juli 1993 dazu vorgelegt hat (»the practice and teaching of religion or belief includes acts integral to the conduct by religious groups of their basic affairs, such as the freedom to choose their religious leaders, priests and teachers, the freedom to establish seminaries or religious schools and the freedom to prepare and distribute religious texts or publications«).
Auf regionaler Ebene sei dann zum Beispiel auf die folgenden Verpflichtungen verwiesen, die im Wiener Treffen der Vertreter der Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) angenommen wurden: »Um die Freiheit des einzelnen zu gewährleisten, sich zu seiner Religion oder Überzeugung zu bekennen und diese auszuüben, werden die Teilnehmerstaaten unter anderem  [...]  das Recht dieser religiösen Gemeinschaften achten, [...] sich nach ihrer eigenen hierarchischen und institutionellen Struktur zu organisieren, ihr Personal in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Erfordernissen und Normen sowie mit etwaigen zwischen ihnen und ihrem Staat freiwillig vereinbarten Regelungen auszuwählen, zu ernennen und auszutauschen [...]« (Abschlußdokument 1989, Prinzip Nr. 16 des Abschnitts »Fragen der Sicherheit in Europa«). Vgl. auch Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr.4.
[44] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 20.  [45] Diesbezüglich sei auf die entsprechenden Normen des Codex des kanonischen Rechtes (vgl. can. 378) verwiesen.  [46] Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 23.
[47] Vgl. Codex des kanonischen Rechtes, cann. 265-272.
[48] Für eine Betrachtung über die Lehre und Spiritualität des Priestertums und über das Charisma des Zölibats verweise ich auf meine Ansprache an die Römische Kurie (22. Dezember 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 5. Januar 2007, S. 7-8.
[49] Vgl. Johannes Paul II., Botschaft an die Kirche in China zum 70. Jahrestag der Weihe der ersten Gruppe von chinesischen Bischöfen in Rom und zum 50. Jahrestag der Errichtung der kirchlichen Hierarchie in China La memoria liturgica (3. Dezember 1996), Nr. 4: AAS 89 (1997), 256.   [50] Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis (25. März 1992), Nr. 70: AAS 84 (1992), 782.   [51] Ebd., Nr. 29: AAS 84 (1992), 704.
[52] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Asia (6. November 1999), Nr. 46: AAS 92 (2000), 521. Vgl. Benedikt XVI., Fünftes Welttreffen der Familien in Spanien (Valencia, 8. Juli 2006): »Die Familie ist ein notwendiges Gut für die Völker, ein unverzichtbares Fundament für die Gesellschaft und ein großer Schatz für die Eheleute während ihres ganzen Lebens. Sie ist ein unersetzliches Gut für die Kinder, die Frucht der Liebe und der großherzigen Ganzhingabe der Eltern sein sollen. Die ganze Wahrheit der Familie zu verkünden, die auf die Ehe als ,,Hauskirche und Heiligtum des Lebens’’ gegründet ist, dafür tragen alle eine große Verantwortung. [...] Christus hat offenbart, was stets die höchste Quelle des Lebens für alle und daher auch für die Familie ist: ,,Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt’’ (Joh 15,12–13). Die Liebe Gottes hat sich in der Taufe über uns ergossen. Deshalb sind die Familien dazu berufen, diese Vollkommenheit der Liebe zu leben, denn der Herr macht sich zum Garanten dafür, dass uns das möglich ist durch die menschliche Liebe, feinfühlig, zärtlich, barmherzig wie die Liebe Christi«: AAS 98 (2006), 591-592.
[53] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 47.
[54] Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 3: AAS 74 (1982), 84.
[55] Wie die Synodenväter der VII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (1.-30. Oktober 1987) sagten, kann in der Ausbildung der Christen, »auch eine Katechese nach der Taufe, nach der Art eines Katechumenats von Hilfe sein. Sie soll einige wesentliche Elemente aus dem Ritus der christlichen Einführung für Erwachsene aufnehmen und so dazu beitragen, die immensen außerordentlichen Reichtümer und Verantwortungen der Taufe zu verstehen und zu verwirklichen«: Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), Nr. 61: AAS 81 (1989), 514. Vgl. Katechismus des Katholischen Kirche, Nrn. 1230-1231.
[56] Homilie auf dem Berg der Seligpreisungen (Israel, 24. März 2000), Nr. 5: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 7. April 2000, S. 11.

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Drei  Bischöfe der Volksrepublik China berichten von von ihrer Rührung und Dankbarkeit
für den Brief von Benedikt XVI. an die Katholiken des ehemaligen Reichs der Mitte:
“Wir sind alle sehr zufrieden:” Fotos oben: Bischof Aloysius Jin Luxian, Schanghai

   Der Jesuit Aloysius Jin Luxian wurde vor 92 Jahren in einem christlichen Dorf in der Peripherie von Shanghai geboren. Nach seiner Verhaftung am 8. September 1955 verbrachte er mehr als 20 Jahre im Gefängnis und stand danach unter Hausarrest. 1985 akzeptierte er seine Ernennung zum Bischof von Schanghai mit Anerkennung der Regierung, aber ohne die des Papstes.
   2005 nahm Jin die Weihe seines Nachfolgers in pectore Joseph Xing Wenzhi vor. Fotos von der Bischofs- weihe finden Sie unten auf dieser Seite. Wenzhi war vom Papst ernannt, von der Diözese „gewählt” und von der Regierung approbiert worden. Auch für Jins Episkopat blieb die kanonische Legitimierung des Papstes nun nicht länger aus, der Jin auch zur Bischofssynode über die Eucharistie nach Rom einlud. Allerdings ohne Erfolg.

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Unsere Liebe Frau von Scheschan, Hilfe der Christen, bitte für uns!
 Brief von Aloysius Jin Luxian, Bischof von Schanghai

   Der Brief des Papstes an die katholische Kirche in der Volksrepublik China wurden von den Gläubigen der ganzen Welt mit Bangen, von den Gläubigen Chinas mit Ungeduld erwartet. Am 30. Juni wurde er endlich veröffentlicht. Dank der Gnade des Herrn!
  Nach der Veröffentlichung hat mir ein Freund den chinesischen Text zukommen lassen. Ich habe ihn zweimal aufmerksam gelesen und war zutiefst gerührt. Ich habe mich dann gleich in meine keine Kapelle begeben und ihn in meinem Herzen meditiert. Amen, Halleluja! Danach habe ich ihn gemeinsam mit den Priestern meditiert, und möchte meinen ersten Eindruck nun gerne mit Ihnen allen teilen.
   In seiner Eigenschaft als Hirte der Universalkirche, mit dem Herzen eines geistlichen und barmherzigen Vaters, in aller Sachlichkeit und Ruhe, legt uns der Papst in einfacher und klarer Weise dar, was die Natur, die Sendung, die Aufgabe und die Organisation der Kirche Christi ist. Gegründet sind seine Ausführungen auf die Heilige Schrift, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils, den Kodex des Kanonischen Rechtes und die Lehre des verstorbenen Johannes Paul II. Ich hatte dabei das Gefühl, mich in einer großen Vorlesung der Ekklesiologie zu befinden. Der Papst lässt mich so unsere Kirche noch mehr lieben und gibt mir die Entschlossenheit, bei meiner Aufgabe als Ortsbischof noch einen weiteren Schritt zu tun, um schon bald die Hoffnung und das Anliegen Jesu zu verwirklichen: „Ein Hirt und eine Herde”.
   Der Brief des Papstes ist an die katholische Kirche in der Volksrepublik China gerichtet. Diese katholische Kirche, die in der Volksrepublik China lebt, ist nur eine, es gibt keine zwei, es gibt keinen „Untergrundteil”, und auch keine offiziellen Teile.
   Die ganze Kirche in China glaubt einhellig an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir haben zusammen einen einzigen Hirten, leben gemeinsam in einer einzigen Herde. Das sagt der Papst klar und unmissverständlich. An diesem Punkt möchte ich mich an unsere Freunde im Ausland wenden, die sich um unsere Kirche sorgen: euch bitte ich, dem Papst zur Seite zu stehen, nicht mehr von unserer Kirche als zwei Kirchen zu sprechen, die eine zu begünstigen, die andere zu leugnen - uns kein Etikett mehr aufzu- pressen, nicht länger von „Gläubigen” und „nicht Gläubigen”, „Offiziellen” und „nicht Offiziellen” zu sprechen. Der Papst weiß, wie die Umstände der Vergangenheit waren; ihm liegt sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft unserer Kirche am Herzen. Als Hirte der Universalkirche ist der Blick des Papstes natürlich auf das gerichtet, was vor ihm liegt, bleibt nicht in der Vergangenheit. Für uns gehören die Ereignisse von gestern der Vergangenheit an, für den Ewigen Vater ist das nicht so, für ihn kann keines unserer Worte, nichts von unserem Handeln ausgelöscht werden. Der Lohn Gottes übertrifft bei weitem unsere Verdienste und unsere Hoffnungen.
   Die Kirche Chinas ist nur eine. Brüder und Schwestern, gemeinsam überqueren wir den Fluss, ge- meinsam leben wir in Harmonie und Freude. Das ist die Hoffnung, die dem Papst am teuersten ist.
   Aber in seinem Brief schreibt der Papst auch voller Ernst: „Diese Hinweise, die die Natur selbst der Universalkirche betreffen, haben eine besondere Bedeutung für die Kirche in China. In der Tat entgehen euch nicht die Probleme, mit denen sie sich momentan auseinandersetzt, um - in ihrem Inneren und in ihren Beziehungen mit der bürgerlichen Gesellschaft Chinas - Spannungen, Spaltungen und Schuldzuweisungen zu überwinden.” Daher betont er auch die Notwendigkeit der Vergebung und der Aussöhnung und sagt, dass wir uns alle der Tatsache bewusst sind, „dass dieser Weg sich nicht von heute auf morgen erfüllen können wird.”
   Unsere Diözese Schanghai wird ihren ganzen Einsatz, all ihre Kraft darauf verwenden, dass sich diese Hoffnung des Papstes so schnell wie möglich erfüllen kann.
   Die Kirche außerhalb Chinas, in einem jeden Land und in einigen Territorien, hat die Organe der Bischofskonferenzen oder der Bischofsversammlungen. Die Situation Chinas ist keine normale Situation. Vor 20 Jahren rief die Kirche Taiwans eine Bischofskonferenz ins Leben und nannte sie „Bischofskonferenz der Kirche Chinas”. Der vorherige Papst gab ihnen zu verstehen, dass dieser Name nicht korrekt wäre, weil ihre Mitglieder nur die wenigen Ortsbischöfe der Insel Taiwans waren. Die Bischöfe Taiwans nahmen den Rat des Papstes mit Freuden an und änderten den Namen.
   Einmal kam es vor, dass einige Untergrundbischöfe Chinas eine chinesische Bischofskonferenz grün- deten und Rom Bericht erstatteten, damit sie approbiert würde. Die Approbation aus Rom blieb aus. Der Grund war ein einfacher: dieser Organisation gehörten keine „öffentlichen” Bischöfe an.
   Die „öffentliche” Bischofskonferenz wurde vor mehr als 10 Jahren gegründet. Natürlich wurde Rom nicht Bericht erstattet. Wie hätte sie aber ohne Berichterstattung approbiert werden sollen? Einer nationalen Bischofskonferenz müssen immer alle Bischöfe des Landes angehören, und erst wenn ihr Name der Realität entspricht, wird sie eine nationale Bischofskonferenz. Ich hoffe, dass das schon bald der Fall sein wird.
   In seinem Brief stellt der Papst fest, „dass der Anspruch einiger vom Staat gewollter und der Struktur der Kirche fremder Organe und Einrichtungen, der darin besteht, sich über die Bischöfe selbst zu stellen und das Leben der kirchlichen Gemeinde zu lenken, nicht der katholischen Lehre entspricht.” Hier spielt er offensicht- lich auf die Patriotische Vereinigung an, die vor 50 Jahren gegründet wurde. Dieses Mal sagt der Papst zum ersten Mal, welche Position er dazu einnimmt. In seinen Augen hat die Patriotische Vereinigung drei Konnotationen: erstens, sie ist vom Staat gewollt, zweitens, sie ist der Struktur der Kirche fremd, drittens, sie stellt sich über die Bischöfe selbst, um die Kirche zu leiten. Ich war fast 20 Jahre lang Bischof von Schanghai. Die Patriotische Vereinigung in Schanghai hat sich niemals über mich gestellt: im Gegenteil. Sie hat meine Weisungen akzeptiert. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schanghai eine Katholische Aktion ins Leben gerufen. Unter ihren Mitgliedern waren auch so namhafte Persönlichkeiten wie Lu Baihong, Zhu Zhiyao und andere. Für ihre Verdienste um die Evangelisierung wurden sie vom Vatikan ausgezeichnet. Sie haben der Diözese Schanghai große Ehre gemacht und auch als Brücke zwischen der Diözese und der Regierung fun- giert, haben Probleme gelöst, die die ausländischen Missionare nicht lösen konnten. Ich hoffe, dass die Katholiken der Diözese Schanghai stets weiter diesen Geist der Katholischen Aktion verfolgen, den Geist entwickeln, den die Laien haben müssen. Ich sage oft: „Das derzeitige Jahrhundert wird das Jahrhundert der Laien sein; ich setze große Hoffnungen in die ‘reifen’ Freunde Schanghais.”
   Ich möchte noch kurz auf den zweiten Teil des Briefes des Papstes eingehen, in dem auf die Normen des pastoralen Lebens verwiesen wird.
   Obwohl die Diözese Schanghai seit 20 Jahren ihre eigene Kirche entwickelt hat nach dem Geist des Evangeliums, des Kodexes des Kanonischen Rechtes und der Dokumente des II.Vatikanischen Konzils, müs- sen wir uns zum derzeitigen Zeitpunkt niedersetzen und darüber nachdenken, wo die Mängel liegen. Nur so können wir die Maßnahmen treffen, die nötig sind, um uns in Zukunft noch besser um die Diözesen und Pfarreien kümmern zu können.
   Der Brief stellt auch heraus, wie wichtig die Ausbildung im Seminar ist. Ich glaube, dass es dem Papst ein Trost ist zu wissen, dass wir in der Diözese Schanghai in Scheschan ein Seminar geschaffen haben: Das erste Seminar, das nach der Reform und der Öffnung Chinas der Welt gegenüber seine Pforten öffnen konnte. Die Diözese Schanghai hat alle möglichen Schwierigkeiten über- wunden, wie das Fehlen von Bü- chern, den Mangel an Ressourcen. Im Laufe der Jahre konnten mehr als 400 junge Priester ausgebildet wer- den. Bei dieser Gelegenheit möchte ich meine tiefe Dankbarkeit unseren Brüdern und Schwestern der Kirche Deutschlands, Österreichs und anderswo zum Ausdruck bringen. Allen, die das Seminar von Scheschan so großzügig unterstützt haben, besonders die Gesellschaft Maryknoll, die Steyler Missionaren, die Kongrega- tion vom Unbefleckten Herzen Mariens, den Dominikanerorden, die Gesellschaft der Salesianer, die Gesell- schaft der Kolumbaner, die Gesellschaft Jesu. Ich bitte euch, für sie zu beten und Gott zu bitten, es ihnen mit dem Hundertfachen zu vergelten.
   Der letzte Absatz des Briefes des Papstes ist mir eine ganz besondere Freude, ein großer Trost. Der Papst will, dass der liturgische Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe der Christen ein Fest des Gebets der ganzen Kirche in der Welt für die Kirche in China sei. Ich denke, dass die Gläubigen von Schanghai überglücklich sein werden, wenn sie das hören. Danke, Heiliger Vater!
   Das ist für die Diözese Schanghai eine große Ehre, gleichzeitig aber auch eine große Verpflichtung. Vor allem müssen wir die Muttergottes mit großem Eifer verehren, es ihr nachtun, uns verpflichten, ihre Söhne und Töchter zu sein, ein Vorbild für die anderen Katholiken. Und da nun sicher sehr viele Gläubige nach Scheschan pilgern werden, müssen wir Katholiken von Schanghai auch vorbereitet sein. Wir müssen gute Gastgeber sein, damit die chinesischen und ausländischen Gläubigen in uns den Ruhm der göttlichen Liebe erkennen können, immer zahlreicher kommen und zufrieden wieder nach Hause gehen.
   Am Schluss betont der Brief des Papstes auch die Rolle des Bischofs, spricht als wesentlichen Punkt von den Pflichten des Bischofs. Ich empfinde freudige Erregung und Furcht zugleich. Ich bin schon 92 Jahre alt. Der Papst ruft uns die Worte des Apostels Paulus ins Gedächtnis: das Leben ist Christus und der Tod eine Segnung. Ich bitte alle, für mich zu Gott zu beten, damit ich wirklich Christus leben kann und letztendlich das Glück eines friedlichen Todes erfahre. Amen.

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   Lucas Li Jingfeng (87)  Foto ist Bischof von Feng Xiang (Schaanxi, Zentralchina). Bis 2003 war es vielleicht die einzige Diözese Volkschinas, in der das gesamte Leben außerhalb der Kontrolle der Patriotischen Vereinigung wieder erblühen konnte. 2004 wurde Msgr. Li auch von der Regierung als Bischof anerkannt, ohne sich bei der Patriotischen Vereinigung eintragen lassen zu müssen. Li ist einer der vier chinesischen Bischöfe, die Benedikt XVI. zur Bischofssynode 2005 nach Rom geladen hatte (und denen die Regierung die Erlaubnis verweigerte, China verlassen zu dürfen).

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Der Brief von Lucas Li Jingfeng, Bischof von Feng Xiang

   Meiner Meinung nach ist der Brief des Heiligen Vaters vom 30. Juni überaus aufschlussreich. Er hat die Wahrheit klar herausgestellt und niemanden verletzt, weder die „öffentliche” Kirche noch die im Untergrund, und auch nicht die Kommunisten. Vielmehr werden dort nur ausführlich und präzise die Wahrheiten der Kirche dargelegt, die notwendig sind für die gegenwärtige Situation der chinesischen Kirche. Diese Wahrheiten sind die der Theologie der Kirche und sie sind all denen bekannt, die sich mit Theologie be- fassen. Was für herrliche Worte! Man kann wirklich sagen, dass der Geist mit dem Stellvertreter Christi ist.
   Was in dem Brief geschrieben steht, ist genau das, was ich schon seit 20 Jahren der Regierung gegenüber mit Nachdruck vertrete. Dieser Brief ist dazu angetan, die Einheit zu begünstigen, und zwar sowohl für die Christen im „Untergrund” als auch die „öffentlichen.” Aber das wird meiner Meinung nach für die Christen im Untergrund schwieriger sein als für die öffentlichen. Einige von ihnen sind nämlich sehr starrköpfig und wollen nicht von ihrer Meinung lassen. Was nicht gott- gefällig ist. Beten wir für sie zu Gott.
   Zur Regierung habe ich einmal gesagt: wir müssen in allen Dingen eine Vereinbarung mit der Welt erreichen, aber nun zeigt dieser Brief den Weg zu einer Vereinbarung mit der Welt in den Fragen der katholischen Kirche. Ich hoffe, dass die Regierung ihn annehmen wird.
   Vielleicht ist es für viele schwer, den Glauben und die Lehre der Kirche der Regierung klar zu machen. Denn das muss mit Demut und Aufrichtigkeit geschehen. Wenn wir unseren Glauben der Regierung in dieser Weise klar machen, kann sie sich ein Urteil bilden und uns auch ihre Approbation erteilen.Beten wir (darum)!
   Mit dem Brief des Heiligen Vaters sind alle vorherigen Privilegien und pastoralen Weisungen abgeschafft. Dieser Brief wird das zu verfolgende Prinzip sein. Das ist sehr gut für die Stabilität der Kirche und des Staates. Es ist der einzige und beste Weg, die Zwietracht auszulöschen, die Konfusion und das Fehlen von Frieden in der derzeitigen chinesischen Kirche.

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   Foto: Bischof Petrus Feng Xinmao beim Spenden einer Taufe. Petrus Feng Xinmao, der 44-ährige Bischofskoadjutor von Hengschui, Provinz Hebei, war der erste der neuen, 40jährigen Bischöfe, die von der Regierung anerkannt und erst dann geweiht wurden, als ihre Ernennung durch den Papst öffentlich bekannt gegeben war. Am 6. Januar 2004, dem Tag seiner Bischofsweihe, begann die Liturgie in der kleinen Kirche dieser Stadt, wo der dienstälteste Priester der Diözese die Dokumente verlas, die die Ernennung des neuen Bischofs durch den Papst bestätigen. Dann, um die Gläubigen nicht zu enttäuschen, die in der Kirche keinen Platz mehr gefunden hatten, zogen der Klerus und die Gläubigen über den Platz, und die Weiheliturgie ging in dem großen Saal des dortigen Hauses des Volkes weiter. Fotos der Bischofsweihe finden Sie unten!

“Die Konfusion ist vorbei!” von Petrus Feng Xinmao, Bischofkoadjutor von Hengschui

   Wir sind alle überaus zufrieden mit dem Brief des Heiligen Vaters Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken. An seinem Blick auf die jüngste Geschichte der katholischen Gemeinschaft in China sieht man, wie sehr uns der Papst liebt, wie sehr uns die ganze Universalkirche liebt. Und das ist uns ein großer Trost. In China ist der Brief überall frei zugänglich. In meiner Diözese haben wir ihn aus dem Internet herunter geladen, fotokopiert und an alle Priester und religiösen Gemeinschaften verteilt, die ihn dann gemeinsam gelesen haben. Wir haben ihn auch bei meinem letzten Monatstreffen mit den Priestern der Diözese vorgelesen. Und jeder Pfarrer hat Hunderte von Fotokopien gemacht, um sie in der Pfarrei zu verteilen. Ich verlese und kommentiere ihn auch in den Homilien, die ich bei meinen Pastoralbesuchen in den Pfarreien halte.
   Natürlich behandelt der Inhalt viele Aspekte. Der wichtigste Teil sind die Weisungen für das christliche Leben in China. Lange Jahre gab es Konfusion darüber, wie man sich dem Staat und den Beschlüssen der so genannten Untergrundgemeinschaften gegenüber verhalten soll. In der Vergangenheit wurden der chinesischen Kirche Sonderbefugnisse zugestanden, besonders den Untergrundgemeinschaften. Diese sind nun aufgehoben. Unsere neue Richtlinie ist der Brief des Papstes, der der chinesischen Kirche eine große Hilfe ist.
   Darin wird festgehalten, dass der Untergrund keine normale Befindlichkeit für die christliche Gemeinschaft ist. Normal ist, dass die christlichen Gemeinschaften vom Staat anerkannt sind und man ihnen erlaubt, ihren Glauben offen zu erklären und auszuüben.
   Einige Untergrund-Christen sind verwirrt. Sie glauben, dass man, wenn man bei den staatlichen Organen eingetragen ist, nicht in Gemeinschaft mit dem Papst steht. Der Brief des Papstes hat diesen Punkt geklärt. Die Christen befolgen die Gesetze. Und wenn das staatliche Gesetz von einem Christen irgendeine Form der zivilen Registrierung verlangt, lassen wir uns eben registrieren. Das ist weder gegen den Glauben noch gegen die Lehre. Der Papst hat jenen Christen, die noch immer verwirrt sind gesagt, dass sie die Messen besuchen dürfen, die in den „offenen” Kirchen gefeiert werden. Wir werden nun sehen, ob sie dem Papst dem Wort nach oder auch mit Taten folgen werden.
   In meiner Diözese gibt es z. B. nur sehr wenige Untergrund-Christen. Und in Wahrheit gibt es ja auch keinen Grund mehr, das „Untergrundleben” zu wählen, um den eigenen Glauben zu leben. Sie könnten problemlos zu den Messen in den offenen Kirchen kommen: dort sind Pfarrer, die ich ernannt habe, und ich selbst bin wiederum vom Papst zum Bischof erwählt worden. Das wissen sie. Einige Untergrund-Leiter waren auch bei meiner Priesterweihe dabei. Aber vielleicht wollen sie ganz einfach nur nicht von ihren Gewohnheiten lassen.
   Ich weiß nicht, ob die Regierung mit dem Brief genauso zufrieden sein wird, wie wir es sind. Darin werden nämlich einige Punkte behandelt, die die Regierung anders sieht als der Papst. Die Rolle der Patriotischen Vereinigung z.B. Der Papst vertritt die Meinung, dass die Leitung der Kirche den Bischöfen obliegen muss.
   Vielleicht kann man eine neue Rolle für die Patriotische Vereinigung finden. Keinesfalls darf man aber vergessen, dass der Einfluss und die Rolle der Patriotischen Vereinigung schon jetzt von Diözese zu Diözese stark variieren. In unserer Diözese gibt es nur einen Christen, der als örtlicher Verantwortlicher von der Patriotischen Vereinigung ein Gehalt bezieht. Aber man kann nicht sagen, dass er sich in die Belange der Kirche einmischt. Zu den staatlichen oder regionalen Treffen der Patriotischen Vereinigung geht er oft gar nicht hin. Dann und wann ruft er mich an, gibt mir diesen oder jenen Ratschlag. Das ist alles. 
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Foto oben: Chinesische Katholiken beten bei einer Messfeier in der Kathedrale von Nan Tang, Bejing
Foto unten:
Chinesische Katholiken beten vor der Pekinger Kathedrale
 

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Foto: Joseph Kardinal Zen Ze-kiun, Hong-Kong  Foto unten: Demonstrationszug in Hongkong (v.l.n.r.:) Kardinal Zen Ze-kiun, der frühere Gesetzgeber Szeto Wah und der pro-demokratische Gesetzgeber Martin Lee fordern gemeinsam am 1. Juli das allgemeine Wahlrecht in Hong-Kong.

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 China bemüht sich um normale Beziehungen zum Vatikan

  Für Papst Johannes Paul II. war es ein bis zuletzt unerfüllter Traum. Für Papst Benedikt XVI. aber könnte es Wirklichkeit werden: ein Besuch im Reich der Mitte. Unter der Eisfläche ist einiges in Bewegung geraten.
  Die Nachrichtenagentur Xinhua meldet ein Treffen in Peking zwischen dem belgischen Kardinal Danneels und dem chinesischen Vizepremier. Es gab intensive Gespräche. Die zwei Bedingungen Pekings lauten erstens Abbruch aller diplomatischen Beziehungen des Vatikans zu Taiwan und zweitens Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas. Im Klartext: Peking, und nicht etwa der Vatikan, soll Bischöfe er- nennen.
   Die erste Bedingung ist weniger heikel. Der Vatikan hat seine „Ein-China-Politik” nie geändert, auch nicht, als die Kommunisten 1951 in der Hitze ihrer antiimperialistischen Kampagne - in Korea kämpften sie gerade verlustreich gegen die Amerikaner - die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl abbrachen und den päpstlichen Nuntius Antonio Riberi auswiesen. Aus Sicht des Vatikans wurde der Nuntius-Sitz lediglich von Nanking nach Taipeh verlegt, zuständig ist der kirchliche Gesandte aber weiterhin für die Gläubigen in ganz China. Deshalb ist es auch vorstellbar, den Sitz in Taipeh gegen einen in Peking einzutauschen. Dies würde man in Taipeh zwar sehr bedauern, denn der Vatikan ist die letzte diplomatische Bastion der Insel in Euro- pa. Die taiwanischen Bischöfe aber hätten für eine Ver- legung Verständnis. Schon 1985 haben sie Papst Johannes Paul II. für diesen Fall ihre volle Unter- stützung zugesichert: Man werde sich als „Brückenkirche” einsetzen.
 Schwierig aber wird es bei der zweiten Bedingung. Denn hier geht es nicht mehr um Diplomatie, sondern um die Freiheit des Glaubens.  Sie war es auch, die 1958 zur Spaltung der katholischen Kirche in China führte. Diese genoss nach den wilden Verfolgungsjahren 1950/51 eine kurze Atempause, in der Papst Pius XII. achtzehn chinesische Priester zu Bischöfen ernennen konnte. Doch als im Juni 1957 die Kommunisten ihren Rachezug gegen jene Intellektuellen starteten, die der Forderung des Vorsitzenden Mao Folge geleistet und die Regierung tatsächlich kritisiert hatten, war alles vorbei. Peking hielt nun die Politik der Einheitsfront für überflüssig und setzte auf absolute Parteiführung. Im Juli wurde die „patriotische Ver- sammlung der chinesischen Katholiken” gegründet, der sich die Kirche unterzuordnen hatte, und Anfang 1958 wurden zwei Linientreue von der Regierung zu Bischöfen er- nannt: Der Papst habe sie gefälligst zu segnen. Der lehnte empört ab, und das Tischtuch war zer- schnitten.
  Seitdem hat sich vieles innerhalb der Kirche geändert. Dem Bruch mit dem Vatikan folgten ein Massenaustritt der Gläubigen aus der nun „patriotischen” Kirche und die Gründung einer papsttreuen Untergrundkirche. Deren Mitglieder waren es, die Anfang der siebziger Jahre,  kommunistischer Verfolgung trotzend, den katholischen Glauben von Haus zu Haus zunächst im Süden und dann in ganz China wiederbelebt haben. Die „patriotische” Kirche besitzt dagegen die Kathedralen, die heute mit staatlichen Mitteln und großzügiger Hilfe aus dem Westen verschönert werden, um Pekings Toleranz zu demonstrieren.
   Im Streit um den wahren Glauben indes befand sich die „patriotische” Kirche von Anfang an in der Defensive. Das erste Zugeständnis erfolgte erst Mitte der achtziger Jahre, als sich ein chinesischer Bischof mit der Bitte an den Vatikan wandte, vom Papst bestätigt zu werden. Denn ein „patriotischer” Bischof genießt zwar im weltlichen Leben viele Privilegien, zum Beispiel hat er einen Dienstwagen und darf ins Ausland reisen. Aber ihm fehlt das Vertrauen der Gläubigen seiner Diözese. In den neunziger Jahren sind daher immer mehr „patriotische” Bischöfe dem Beispiel ihres Kollegen gefolgt. Und dank der „Brücken- kirchen” in Taiwan und Hongkong gibt es inzwischen viele Wege, die nach Rom führen. Schwester Beatrice Leung, Professorin für internationale Beziehungen am Wenzao Ursuline College of Languages in Taiwan, weiß, dass fast siebzig der insgesamt sechsundsiebzig „patriotischen” Bischöfe bereits heimlich ihre Bestätigung im Vatikan eingeholt haben.
   Diese Entwicklung bringt China wie den Vatikan zum Nachdenken und löst hüben wie drüben Streit aus. So herrscht zwar in der kommunistischen Führung Einigkeit über die Notwendigkeit einer Normalisierung der Beziehungen zum Heiligen Stuhl, doch in der Religionsfrage bleibt sie zerstritten. Denn wie kraftvoll der Glaube auch im heutigen China gedeihen kann, hat sich am Beispiel der verbotenen Falun Gong gezeigt. Die Orthodoxen in Peking wollen daher nicht nur das Sagen über die „patriotische” Kirche behalten, sondern durch eine Normalisierung des Verhältnisses zum Vatikan zugleich auch die Untergrundkirche unter Staats- kontrolle bringen. Dagegen sehen die Pragmatiker um Pan Yue, der zuletzt als grüner Vordenker viel Wirbel ausgelöst hat, in der Religion ein notwendiges Übel, mit dem man sich schlecht oder gut arrangieren müsse.
   Die Pragmatiker schlagen eine friedliche Koexistenz vor: Die Kirche möge die Autorität der Partei aner- kennen und dann die Glaubenslücke füllen, die das Hinscheiden des Marxismus hinterlassen hat. Als Gegen- leistung soll die Partei ihr eine Sonderstellung im Staat mit finanziellen und administrativen Vorteilen zugestehen.
  Dieser innerparteiliche Streit ist verantwortlich für die unterschiedlichen Signale, die in den vergangenen Jahren aus China zu hören waren. So zeigte Peking 1995 mit der Entsendung einer Delegation zum Weltjugendtag in Manila guten Willen, lehnte aber kurz danach die Bitte von Mutter Teresa, in China ein Caritaszentrum eröffnen zu dürfen, mit der lapidaren Bemerkung ab, in der Volksrepublik gebe es keine Armen. 1999, nach dem Staatsbesuch Jiang Zemins in Italien, begann man in China plötzlich von einem bevorstehenden „großen Durchbruch” zu reden, und im Vatikan wurde Kardinal Sodano schon mit den Worten zitiert, man sitze in Taipeh auf gepackten Koffern. Doch am 6. Januar 2000 folgte die Ernennung von fünf neuen Bischöfen durch die chinesische Regierung.
  Im Vatikan sahen sich dadurch die Skeptiker bestätigt und drängten auf scharfe Reaktion. Am 1. Oktober 2000, dem chinesischen Nationalfeiertag, sprach Papst Johannes Paul II. 120 Märtyrer der chinesischen Kirche heilig - ein Schritt, der angesichts des symbolträchtigen Datums nicht unum- stritten war. Kritik kam vor allem von den „Brückenkirchen”. Sie sind der Ansicht, vorrangig müsse man sich bemühen, wieder nach China hineinzukommen, denn von außen könne man nur wenig ausrichten. Der Papst schrieb deshalb einen persönlichen Brief an Präsident Jiang Zemin, in dem er sich für die Wahl des Datums entschuldigte. Ein Jahr später nahm er anlässlich des vierhundertjährigen Jubiläums der Ankunft des Jesuitenpaters Matteo Ricci in China die Gelegenheit wahr, auch für etwaige Fehler, die die katholische Mission in China einst begangen hat, um Verzeihung zu bitten.
   Diese Demut des Papstes blieb nicht ohne Wirkung, auch wenn sie sich erst langsam einstellte. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass sich auf beiden Seiten Pragmatismus durchsetzt. Ein erster kleiner Durchbruch wurde im Januar 2004 durch die Ernennung von Bischof Peter Feng Xiunmao, einer Wahl des Vatikans, als Koadjutorbischof der Diözese Hengshui erreicht. Und auch in Schanghai wurde ein Weih- bischof eingesetzt, auf den sich Regierung und Vatikan offenbar gemeinsam verständigt haben. Joseph Zen, Bischof von Hongkong, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob dies eine mögliche Form für eine künftige Zusammenarbeit werden könnte. Ihm schwebt eine Lösung nach polnischem Vorbild vor: Der Vatikan konsultiert Peking mit einer Liste seiner Kandidaten, bevor der Papst einen daraus zum Bischof ernennt. So wurde einst ein Pole namens Karol Wojtyla Bischof von Krakau.
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China und die Kirche: Die beiden ältesten, ununterbrochen bestehenden Kulturen der Menschheit liegen miteinander im Streit. Die römisch-katholische Kirche, die größte Glaubensgemeinschaft der Christenheit mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern, und China mit 1,3 Milliarden Einwohnern. Vor einem Jahr  ließ Papst Benedikt XVI. nach - nachdem die Regierung in Beijing gegen den Willen des Papstes Bischöfe für die Kirche in China ernannte und weihen ließ - fast kampfeslustig den Vatikansprecher eine offizielle Erklärung abgeben, in welcher der Staats­und Parteiführung in Peking das „tiefe Missfallen des Heiligen Vaters” unverhohlen ausgesprochen wurde. Der Brief des Papstes an die Kirche in China ist ein ernsthaftes Angebot zum Frieden.

   Anlass für diesen Streit war, dass im kommunistischen China zwei Priester zu Bischöfen geweiht worden waren, „ohne die notwendige Gemeinschaft mit dem Papst zu respektieren”, wie es hieß, „ohne den Auftrag und die Zustimmung des Papstes”. Der Vatikan wusste es auch ganz genau, zu genau für den Geschmack der chinesischen Diplomaten in Rom; die Priester Giuseppe Ma Yinglin und Giuseppe Liu Xinhong am Sonn- tag, 30. April, in Kunming (Provinz Yunnan) und am Mittwoch, 3. Mai, in Wuhu (Provinz Anhui). Der Vatikan hatte ungewöhnlich schnell, nur einen Tag später, reagiert, war also vor- bereitet.
Weit mehr als eine innerkirchliche Querele
   Eine „illegitime”, nicht „ungültige”, Bischofsweihe - das erscheint auf den ersten Blick wie eine innerkirch- liche Querele, ein leichtfertiges oder absichtliches Übertreten kirchenrechtlicher Normen, des Kanons 1382 des Kodex, ein kleiner Verstoß gegen die Einheit der Kirche, aber nicht mehr. Dann könnte die Pekinger Führung leicht zur Tagesordnung übergehen und weiter wähnen, dass sie Herr im eigenen Haus sei.  Aber es ist weit mehr. Es betrifft nicht nur China, sondern auch andere Weltgegenden. Hier ist nicht nur ein wunder Punkt der päpstlichen, römisch-kirchenrechtlichen Kompetenz berührt, sondern ein weltpolitischer Streit um die Freiheit der Kirche und die Würde des Menschen offengelegt.
   Denn der Theologe auf dem Papstthron zieht seine Anklage weit über den Binnenraum der Kirche hinaus. Nicht ein Kirchenparagraph steht zur Debatte, sondern, wie es für China heißt, dass „Bischöfe und Priester starken Pressionen und Drohungen unterworfen wurden, um an diesen Bischofsweihen teilzunehmen, gegen ihr Gewissen”. Einige hätten, so heißt es weiter, diesen Drohungen widerstanden, andere hätten sich „mit innerem Leid” gefügt und seien in ihrem Gewissen „verletzt”.
   Vielleicht kümmert das die Parteiführer in Peking nicht. Aber das bedeutete, dass sie nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind und die Entwicklung der Menschenrechte seit gut einem halben Jahrhundert nicht wahrhaben oder verdrängen wollen. Nach 1949 konnten die Machthaber unter Mao die Christen auf dem chinesischen Festland ohne große internationale Anteilnahme verfolgen und schikanieren. Damit schufen sie jedoch auch Märtyrer für künftige Gläubige. Denn trotz aller Behinderungen gibt es immer noch zehn bis 30 Millionen Christen in der Volksrepublik.
Kirche als Anwalt der Menschenrechte
   Das „Päpstliche Jahrbuch” verzeichnet Jahr für Jahr alle kirchlichen Bistümer und Provinzen, die seit 430 Jahren (so Macau), vor allem jedoch im 20. Jahrhundert vor dem kommunistischen Regime, errichtet wurden und nur der „Auffüllung” harren. Die Unterdrückung von Minderheiten und die Verletzung von Menschen- rechten ist seit den Erklärungen der Vereinten Nationen nicht mehr „Privatsache” eines Staates, sondern eine internationale Angelegenheit.
   Zudem haben sich die chinesischen Kommunisten einen denkbar ungünstigen Partner für ihren Kultur- kampf ausgesucht. Denn der „Heilige Stuhl”, der kleine Vatikanstaat als Regierungszentrale der katholi- schen Kirche, repräsentiert nicht eine kleine Sekte. Er ist vielmehr ein von fast allen Staaten anerkanntes Völkerrechtssubjekt, dem dadurch - das ist das Besondere - das Recht gegeben wird, die Interessen der Katholiken zu vertreten und sich dabei auch „in die inneren Angelegenheiten” dieser Staaten „einzu- mischen”.
   So werden Religions- und Gewissensfreiheit international beachtetes und einklagbares Recht. Die Kirche wurde zum Anwalt der Menschenrechte, nicht aus Gnade der Staaten, sondern wegen der Einsicht „des Staates”, dass nicht alles vom Menschen ihm gehört. Diese Einsicht hat sich in China noch nicht durch- gesetzt.
Diktatur über das Gewissen
   Deshalb hielt sich der päpstliche Protest auch nicht lange auf mit der seit Jahrzehnten geläufigen, doch immer weniger tauglichen Unterscheidung zwischen einer katholischen „Patriotischen Kirche”, die von den Behörden gelenkt wird, und einer im Untergrund. Die erste ist nach vielen Zeugnissen viel weniger „patriotisch”, als es die Kommunisten gern hätten, die zweite lebt gar nicht so versteckt wie anzunehmen war.
   Die Religion hat sich auch in China als stärker erwiesen als die Ideologie. Die „Erklärung” berührt auch nicht das „Problem Taiwan”, die Inselrepublik, die sich an internationale Standards hält und den Christen ihre Freiheit gewährt. Denn es wäre das erste Mal, dass die vatikanische Diplomatie einen solchen Knoten nicht fein auflösen könnte. Das Regime in Peking schiebt nach römischer Ansicht diese innerchinesische Auseinandersetzung vor, um eine Diktatur über Gewissen ausüben zu können, die ihm nicht zusteht.
   Etwas Ähnliches hat freilich auch die katholische Kirchenführung in China lernen müssen. Man feiert jetzt den 500. Geburtstag des Jesuiten-Missionars Franz Xaver, der als erster in der Neuzeit die christliche Botschaft nach China bringen wollte,der jedoch 1552 vor dem ihm verschlossenen Festland starb.
Kampf um den Menschen
   Immer wieder gedenkt der Priesterorden der „Gesellschaft Jesu” auch seiner „Mandarine”, des Italieners Matteo Ricci, des Deutschen Adam Schall, die in Peking eine Synthese zwischen chinesischer Kultur und christlichem Glauben versuchten, etwa bei der Verehrung der Ahnen oder der Anbahnung einer Hochzeit zwischen dem Kaiser und einer päpstlichen Nichte. Ihre „Akkomodation” und „Inkulturation” stießen in Rom (und bei den europäischen Kolonialmächten) auf Widerstand. Sie wurden erst vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und Johannes Paul II. (1981) gebilligt und gepriesen.
   Auch andere Orden, Benediktiner, Salesianer oder „Steyler”, haben im 20. Jahrhundert an Universitäten in China gewirkt, nicht zum Schaden der Chinesen. Jetzt muss nur die kommunistische Führung einsehen, dass es nicht ein Streit von Kulturen oder Ideologien ist, sondern ein Kampf um den Menschen. Der Vatikan bietet dafür im Schlusssatz „seine Bereitschaft zu einem ehrenhaften und kon- struktiven Dialog” an. Allerdings ohne illegitime Bischofsweihen.
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Bischof nach zehn Jahren Haft frei

   Bischof Franciscus An Shuxin (57) ist nach zehn Jahren Haft in der Volksrepublik China wieder frei. Von dem Weihbischof der in Bao-ding (Hebei) fehlte seit seiner Verhaftung fast jede Spur. Derzeit noch sechs Bischöfe sowie Dutzende Priester in Haft. Shuxin wurde im Mai 1996 bei einer Razzia der Polizei im Priesterseminar in Baoding verhaftet, für das er zuständig war. Nur ein Mal wurde er laut asianews seither kurz von Zeugen gesehen, als er im Jahr 2000 seine schwer kranke Mutter besuchen durfte. Während der Haft sei er gut behandelt worden, habe der Bischof in einer ersten Erklärung mitgeteilt. DT060829

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Lesen Sie den Bericht über die Kathedrale von Schanghai unten auf dieser Seite

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   Joseph Xing Wenzhi empfing vor wenigen Wochen das Sakrament der Bischofsweihe in der Kathedrale von Schanghai. Ernannt hatte ihn, kurz vor seinem Tod, Johannes Paul II. Dann hat ihn die Mehrheit der Vertreter der Diözese - Priester, Schwestern, Laien der Diözese Schanghai - „gewählt”. Und schließlich kam auch die „Genehmigung” seitens der Pekinger Regierung. So konnte ihn sein neunzigjähriger Bischof, Aloysius Jin Luxian, seit 1988 Leiter der Diözese Schanghai, mit Einverständnis der Regierung, aber - noch - ohne Genehmigung des Heiligen Stuhls, durch Handauflegung ins Bischofskollegium in feierlicher Liturgie einreihen.
   Vor der Messe haben die knienden Gläubigen bereits gemeinsam den Rosenkranz und den Kreuz- weg gebetet. Der ein oder andere verharrt am Eingang, vor einem Tisch mit den Büchern über das Leben der Heiligen, über dem ein Megaposter von Papst Benedikt hängt. In der Kapelle hinter dem Altar stehen Gläubige Schlange, um Kerzen anzuzünden und vor dem Gemälde, auf dem Papst Johannes Paul II. abgebildet ist, niederzuknien. An diesem Sonntag erläutert Jesus im Evangelium das Gleichnis vom Sämann. Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt: „sobald er aber um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall. „In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, „der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum,  und es bringt keine Frucht.“ Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, „der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.”

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Fotos oben: Bischof Aloysius Jin Luxian legt Joseph Xing Wenzhi bei der Bischofsweihe
die Hände links und das Evangelienbuch rechts auf

Zikawei, 8. September 1955
  Anfang des 17. Jahrhunderts - er hatte gerade die Taufe empfangen - machte der Mandarin Xu Guangqi, mächtiger Freund des Jesuiten Matteo Ricci, die Gebiete rund um die Kathedrale, wo sich heute Wolken- kratzer und Einkaufszentren erheben, der Kirche zum Geschenk. Noch heute trägt das Viertel Xujiahui - Zikawei in Shanghaier Dialekt - den Namen von Xus Familie. Hier hatten die Jesuiten Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, in den Vororten dessen, was schon damals eine große kosmopolitische Metropole war, ihre christliche Stadt zu errichten. Die Kathedrale, das Priesterseminar, das astronomische Observa- torium.
  Die damalige Residenz der Patres ist heute die Bibliothek von Zikawei, das antike Refektorium dient als Lesesaal. Im ehemaligen Kloster der Ordensschwestern befindet sich heute ein elegantes Restaurant. Hier in Zikawei war Pater Zhang Boda als Rektor des St.Ignatius-Kollegs tätig - nach jenem ersten Jesuiten benannt, der 1951 als gegenrevolutionärer Märtyrer in den Kerkern Maos starb. Hier in Zikawei schlug die Strategie Maos zur Vernichtung der chinesischen Kirche - indem man sie von der sichtbaren Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri trennte - am gnadenlosesten zu. Immerhin waren die Diözese Shanghai und deren Bischof Ignatius Gong Pinmei ein Symbol für das gesamte riesige Land, die Hochburg des katholischen Widerstands gegen den Plan der kommunis- tischen Partei, eine Nationalkirche des Regimes zu schaffen, die jegliche Bindung an den Aposto- lischen Stuhl ablehnte, den man als „imperialistische Zentrale” des Vatikan sah.
   Auch der Laie Simon He, der heute 71 Jahre alt ist und damals gerade die Mittelschule absolviert hatte, wird diese Nacht des 8. September 1955 wohl nie wieder vergessen: „Die Polizei umstellte alle Gebäude, in denen religiöse Einrichtungen untergebracht waren: die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag lang. Mehr als 400 Menschen wurden verhaftet, alles, was Rang und Namen hatte: Bischof Gong, alle Priester, die seine engsten Mitarbeiter waren, sowie fast alle Laien, die der Legion Mariens angehörten.  Man beschul- digte sie, eine paramilitärische Gruppierung zu sein, die für kapitalistische Mächte arbeitete. Weitere tau- send mussten in der kirchlichen Oberschule drei Jahre lang Gehirnwäsche über sich ergehen lassen, den Versuch also, die Jugendlichen für den Sozialismus einzunehmen und gegen den ‚imperialistischen’ Vatikan aufzuwiegeln.” Ihrer Führungskräfte und des Großteils ihrer Seelenhirten beraubt, lebte die Kirche Shanghais jahrelang in Unsicherheit. Bis zu dem Moment - Mitte der Sechzigerjahre -, in dem auch hier, wie über ganz China, die dunkle Nacht der Kulturrevolution hereinbrach. „Das Seminar wurde zum Krankenhaus umfunktioniert”, erinnert sich Simon. „Das Haus, in dem die Schwestern einst zu Hause waren, war eine Schirmfabrik geworden, die Schwestern selbst Fabrikarbeiterinnen. Alle Kirchen wurden entweder beschlag- nahmt oder geschlossen. Wir aber haben nicht aufgehört, in unseren Privathäusern zu beten.
   Auch der Kathedrale Zikawei wurde übel mitgespielt. Die Roten Garden schlugen die Scheiben ein, beschädigten das Dach und die Turmspitzen. Der Rest blieb jedoch unbeschädigt.”

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Fotos oben und unten: Sonntagsmesse in der Kathedrale von Zikawei / Schanghai mit dem neugeweihten Bischof Joseph Xing und Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel

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„Wir müssen nicht mehr die Helden spielen“
  
Das alles scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Wer heute nach Zikawei kommt, findet dort eine Kirche vor wie jede andere, die von den Gläubigen in aller Freiheit besucht werden kann. Heute muss sich niemand mehr verstecken, wenn er beten oder die Kommunion empfangen will. Gleich neben der Kathedrale wurde vor kurzem auch das neue Bischofshaus eingeweiht  und das zehn Stockwerke hohe Haus für Priester, das mit Marmorstatuen der vier Evangelisten geschmückt ist. Dennoch haben die Wirren der vergangenen Jahre unter der scheinbaren Normalität des Lebens der Kirche Shanghais noch offene Wunden hinterlassen.
   Vor fünfzig Jahren waren der junge Jesuit Aloysius Jin und sein Bruder im Priesteramt, Joseph Fan Zhongliang, zwei der engsten Mitarbeiter von Bischof Gong Pinmei. Auch sie wurden in der Nacht der großen Razzia verhaftet. Beide genossen das Vertrauen ihres Bischofs: ersterer war Rektor des Priesterseminars geworden, dem zweiten war die kirchliche Oberschule anvertraut. Im Jahr 1954, als der Wirbelsturm nahte, waren auch sie mit ihrem Bischof zum Marienheiligtum Unsere Liebe Frau von Sheshan emporgestiegen und hatten geschworen, mit Hilfe der Jungfrau Maria, niemals ihren Glauben zu verleugnen. Nach den schreck- lichen Jahren der Kulturrevolution, nach fast 50 Jahren Gefängnis und Ausgrenzung,  wurden schließlich auch Jin und Fan befreit, wie Tausende von Priestern, Ordens- leuten und Gläubigen damals auch. Das China Deng Xiaopings ließ die Kirchen wieder öffnen, forderte Priester, Ordensschwestern und Bischöfe auf, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, wenn auch unter strenger politischer Überwachung. Und das war der Moment, in dem sich die Wege der beiden Jesuiten trennten.
   Jin wurde Rektor des Seminars; 1985 wurde er zum Weihbischof von Shanghai geweiht, mit Geneh- migung der Regierung, aber ohne die des Papstes von Rom; 1988 wurde ihm die Leitung der Diözese übertragen, während der betagte Gong Pinmei, rechtmäßiger Inhaber des Bischofssitzes, weiterhin unter Zwangsarrest stand  (im Mai jenes Jahres begann sein Exil in Connecticut). Fan dagegen lehnte jegliche Zusammenarbeit mit den „patriotischen” Vereinigungen ab, mit denen das Regime das Leben der Kirche kontrollieren wollte. 1985 wurde auch er, ohne Regierungsgenehmigung, zum Bischof geweiht und der Vatikan erkannte ihn als einzigen rechtmäßigen Nachfolger des im Jahr 2000 verstorbenen Gong Pinmei an. Die Gemeinschaft der „Untergrund”-Gläubigen, die auch weiterhin den Rosenkranz betete, in Privathäusern Messen feierte und sich von den Kirchen fernhielt, die nach und nach unter Kontrolle der Regierung geöffnet wurden, gruppierten sich um Fan und fühlten sich in ihrem gewollten unerschütterlichen Widerstand von Rom unterstützt. Sie waren die„treue Kirche”, diejenigen, die im Namen der vollen Treue zum Nachfolger Petri jeden Kompromiss mit der separatistischen Linie abgelehnt hatten, die das Regime den chinesischen Katholiken auferlegen wollte. Jin, seine Kurie und seine Priester, erschienen ihnen als Verräter, Marionetten des Regimes. Sie waren das Unkraut im Garten des Herrn.
   Bischof Fan ist heute schwerkrank: er leidet an Alzheimer, verbringt seine Tage ohne Erinnerung in der Wohnung, wo das Regime 20 Jahre lang zwar seine „illegalen” Aktivitäten toleriert, ihn aber stets beob- achtet und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt hat. Den Untergrund-Gemeinschaften wurde mit- geteilt, dass der Heilige Stuhl keinen anderen Untergrundbischof für die Kirche Schanghais anerkennen würde, und dass - nach seiner Pensionierung - der einzig rechtmäßige Hirte für die Katholiken Schanghais sein Nachfolger Joseph Xing wäre, der von der Pekinger Regierung anerkannt ist.
   Ein Paradox kirchlicher Undankbarkeit? Zeigt die römische Kurie gerade denen die kalte Schulter, die dem Papst den höchsten Treue-Tribut entrichtet haben? Verbündet sie sich mit jenen, die Kompromisse mit den Verfolgern eingegangen sind? Gerade anhand dieser Bischofsweihe in Schanghai wird die Wahrheit der komplexen Geschichte der chinesischen Christenheit in den letzten 50 Jahren deutlich. Die Meinung, dass es in China zwei Kirchen gibt - eine papsttreue und eine regimetreue - ist Legende.
   In den letzten Jahren hat man in Rom erkannt, dass Jin den 1954 Marienwallfahrtsort Scheschan ge- leisteten Eid niemals gebrochen hat. Er hatte zwar akzeptiert, ohne Erlaubnis des Papstes Bischof zu werden. Das hatte ihn dem Verdacht der Spaltung augesetzt. Inzwischen aber ist ersichtlich, dass auch er - wie der Großteil der Bischöfe, die in jenen Jahren rechtswidrig die Bischofsweihe empfangen haben - keineswegs das Ziel einer „autarken” Landeskirche verfolgte. Er hat vielmehr versucht, sich die wenigen Öffnungen, die das Regime dem kirchlichen Leben zugestand, zu nutzen. Somit konnte er dafür sorgen, dass die Kontinuität der kirchlichen Einrichtungen, wie auch die Sakramentenspendung gewährleistet blieb - und zwar in aller Öffentlichkeit. So ist es nicht verwunderlich, wenn die meisten von ihnen bereits Anfang der Achtzigerjahre auf inoffiziellem Weg beim Apostolischen Stuhl darum ansuchten, als rechtmäßige Bischöfe anerkannt zu werden.
   Die Tatsache schließlich, dass Shanghai in diesen Jahren so viele reiche Früchte hervorbringen konnte, spricht Bände: in der ganzen Stadt wurden neue Kirchen gebaut, ein modernes Priesterseminar entstand, eine Druckerei, die für ganz China Evangelien druckte, der Vereinigung der katholischen Intellektuellen wurde neuer Auftrieb gegeben, Verbindungen zu katholischen Universitäten und Einrichtungen der ganzen Welt hergestellt. „Die katholische Kirche ist  e i n e, auch in China“, meint Pater Joseph Lu lächelnd. Er hat in den USA studiert, leitet zwei Pfarreien im Zentrum, und hat nun ein Visum für Auslandsreisen beantragt, um nach Europa kommen zu können. „Wir und die Katholiken im Untergrund sind zwei Gesichter ein und derselben Medaille. Wenn wir alle demselben Hirten folgen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Aussöhnung kommen wird. Wenn die Kirchen offen sind, warum soll man dann zuhause versteckt die Messe feiern? Zumindest in Shanghai muss man nun nicht mehr die Helden spielen!”

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Das Herz vergisst
  Das Shanghai ohne Helden ist jenes dekadente und vergnügungssüchtige Schanghai, das sich am linken Ufer des Huangpu zur Schau stellt, wo in den Glaspalästen im europäischen Stil die eleganten Restaurants und repräsentativen Häuser der chinesischen Finanzkolosse untergebracht sind. Hier vergnügt sich die der intellektuellen Elite abends in New Heaven and Earth, jenem Stadtviertel im Stil Anfang der Neunzigerjahre, mit seinen italienischen Restaurants, französischen Stripperinnen, der lateinamerikanischen Musik, dem deutschen Bier und den Designerbüros der neuen Shanghaier Kunst. Das Finanz-Herz der Megametropole, das heute in einem wahrhaft atemberaubend schnellen Rhythmus schlägt, befindet sich heute in Pudong, jenseits des Flusses. Hier boomt der zyklopenhafte Städtebau eines ausufernden Kapitalismus, der das postkommunistische China prägt. Dort, in der Peripherie des Finanz-Herzens von ganz Asien, versammelt Pater John Gong seine tausend Pfarrkinder in der schlichten Marienkirche, die es erst seit wenigen Wochen gibt. Ein einfaches Samen- korn, hier inmitten der Wolkenkratzer aus Glas und Zement und den hermetisch abgeschlossenen Wohnanlagen der Neureichen. Angesichts der veränderten Zeiten kommt gelegentlich eine nicht eingestandene Sehnsucht nach jenen vergangenen Zeiten wieder auf, in denen die Christen so mutig für ihren Glauben Zeugnis ablegten.

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neue Kirchen in Pudong: Turm der Herz-Jesu-Kirche Foto oben rechts
und die moderne Marienkirche in Pudong Foto oben links

 Auch Pater John, der hier jeden Morgen nach dem Breviergebet mit seinen Gläubigen die Heilige Messe feiert, war einer der jungen Seminaristen, die - nach 1955 - drei Jahre lang die von den Maoisten im Seminar von Zikawei durchgeführten „Umerziehungskurse“ in Sachen Sozialismus und Verschwörungen des Vatikan über sich ergehen lassen mussten.Dann hat er dreißig Jahre lang geduldig darauf gewartet, dass der Sturm vorüberzog. Das in der Jugend gegebene Versprechen hat er gehalten. Er hat nicht geheiratet und trat 1987 in das Seminar von Scheschan ein, das erste, das in den Jahren der von Deng eingeleiteten Öffnung wieder seine Tore öffnen konnte. Erst 1990, im Alter von 52 Jahren, wurde er Priester. Aber jetzt, wo ihm von Pudong aus ein guter Einblick in das China von morgen möglich ist, kann er erkennen, dass die Rech- nung nicht aufgeht. „Als sich die Verfolgung abzuzeichnen begann, riet uns Bischof Gong Pinmei, uns bereit zu halten. Betet, dass uns der Herr beistehe und uns den Glauben bewahre, unseren einzigen Schatz. Heute habe ich den Eindruck, dass sich niemand mehr dieses Schatzes bewusst ist. Die Leute wollen nur Geld scheffeln, arbeiten auch 12 Stunden am Tag. Für die jungen Leute, auch die aus christlichen Familien, gehören die Geschichten derer, die den Glauben in jenen schwierigen Jahren bewahrt haben, der Vergangenheit an. Das Herz der Menschen vergisst oft auch die größte Vergangenheit.”
Explosion christlicher Spiritualität in China?
   Im Westen spekulieren phantasievolle Journalisten derweil über eine ,Explosion’ christlicher Spiritualität in China – als  Nebenwirkung der ausufernden Konsumhaltung - im chinesischen Universum. Ob dem wirklich so ist, sei dahingestellt - in den gesättigten Gesichtern der Menschen, denen man in dieser brodelnden, scheinbar nie zur Ruhe kommenden Stadt begegnen kann, ist jedenfalls nichts davon zu erkennen. Wer ein Kreuz um den Hals trägt, imitiert vielleicht nur irgendeinen der hier bekannten Rapper. Aber sicher wissen sie nichts von den lateinischen Litaneien, die in den Lagern gesungen wurden, von der patriotischen Ver- einigung, der Regierung, die alle ausspionierte, und noch weniger von den zwanzig Jahren ,brüderlicher Zwistigkeiten' zwischen Christen im ,Untergrund’ und denen der ‚offenen’ Kirchen.
   Auch Therese aus Peking wusste nichts davon. Als sie noch ein Kind war, haben ihr ihre Eltern, kommu- nistische Funktionäre, sicher nichts davon erzählt. Auch, weil sie nie zuhause, viel zu sehr mit ihrer poli- tischen Karriere in der Mongolei beschäftigt waren. Dann hat sie eine christliche Freundin gefunden, begann, in die Kirche zu gehen, empfing mit 25 Jahren die Taufe. Sie erzählt, dass sie, als man sie fragte, welchen christlichen Namen sie denn wählen würde, antwortet, den der liebsten Heiligen. „Die Taufpatin sah mich zunächst überrascht an, schenkte mir dann aber ein Buch über das Leben von Theresa von Lisieux ... Als ich ins Ausland ging, fragte mich ein ausländischer Priester, ob ich der ,Untergrund’-Kirche angehöre. Ich wusste gar nicht, wovon er sprach. Ich antwortete ihm, dass man in China keine unterirdischen Kirchen gebaut hätte, ich in den U-Bahn-Stationen nie solche gesehen hätte ...” Heute fühlt sie sich im pulsierenden Shanghai pudelwohl. Sie hält sich gern bis spät in die Nacht in den Ateliers der Künstler auf oder in den neuen Restaurants,  in denen sie sich mit ihren Freunden zu treffen pflegt. Und sie ist es auch, die die Evangeliumsszenen und die chinesischen Sym- bole auf die Glasscheiben der Kathedrale von Zikawei zeichnet. Dieselben, die noch vor einiger Zeit von den Steinen der Roten Garden eingeworfen wurden.
   Auch die Seminaristen, die jungen Priester und Schwestern, die in der Pfarrei Sankt Petrus von Schanghai zusammenkommen, bevor sie sich in ganz Shanghai verteilen, um Sommerkurse in Katechismus zu halten, scheint es nicht sehr zu kümmern, ob das Christentum, das in der spirituellen Wüste der chinesischen Megalopolis doch auf so fruchtbaren Boden fallen sollte, nun wirklich auf dem Vormarsch ist oder nicht. Aber auch die satte Konsumhaltung ihrer Altersgenossen scheint ihnen kein Kopfzerbrechen zu bereiten. „Das ist nun einmal die Zeit, in der wir leben”, meint Anthony Zhao mit einer resignierenden Handbewegung. Der Theologiestudent im letzten Semester am Seminar von Scheshan hat im Juli an den von der Diözese organisierten vier Einkehrtagen teilgenommen, an denen man Methoden studieren wollte, „wie man den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, für die wir Katechismusunterricht geben, den Glauben nahe bringen kann.”
   Der neue Bischof Joseph Xing weiß, wenn er an die abenteuerlichen Jahre denkt, die ihm bevorstehen: weder sein Können und seine Fähigkeiten, noch seine Fehler und Grenzen werden dafür ausschlaggebend sein, ob der Same christlicher Freude, der ja sogar in den stürmischen Zeiten der Verfolgung Früchte trug, auf chinesischem Boden verdorren oder - einer nach dem anderen - wundersam aufblühen wird in den Herzen der Männer und Frauen dieser großen Lichterstadt.
cfGianniValente/M.Quattrucci30Giorni0508

Bischofsweihe in Guanxi (China). Erstmalig seit der Entstehung der Volksrepublik China wurden zwei Bischöfe mit Zustimmung der Regierung und nach der päpstlichen Ernennung  geweiht. Aber auch die bisher ohne Mandat des Papstes erfolgten Bischofsweihen sind sakramental gültig.

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 Fotos: [von oben nach unten] 1. Kirche Dongtang in Peking  2. Die Bischofsweihe von John Baptist Tan Yanqan Bischofskoadjutor  der Diözese Guanxi (21. Januar 2003) 3. Heilige Messe in der Kathedrale Fuzhou 
4. Feststimmung vor der Kirche von Niupidi im Dorf St. Josef in der südöstlichen Provinz Guandong

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Fotos (von oben nach unten:) 5. Betende Gläubige beim Marien-Wallfahrtsort von Scheschan, nahe Schanghai, bei der jährlichen Wallfahrt vom 24. Mai. 6. Kniende Gläubige beim Empfang der Heiligen Kommunion in der Kirche Nantang in Peking. 7. Betende Gläubige in der Kirche St. Michael Bejing.
Ein Bericht von Gianni Valente in 30GIORNI 0405

Chinesische Katholiken kritisieren Papst

   Chinas offizielle katholische Kirche hat den Papst bezichtigt, der chinesischen Regierung feindlich gesinnt zu sein, und angekündigt, sie werde weiterhin gegen den Willen des Papstes selbst Bischöfe ernennen. Die chinesischen Katholiken wollten Bischöfe, die ihr Land lieben, der Vatikan dagegen wolle Bischöfe, die gegen die Kommunistische Partei Chinas eingestellt seien, sagte der Sprecher der „Patriotischen Vereinigung” der chinesischen Kirche, Liu Bainian, nach einem Bericht der Zeitung „China Daily”. Die chinesische Regierung fordert, dass der Vatikan die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aufgibt und sich nicht in die Angelegenheiten der Kirche „einmischt”, das heißt keine Bischöfe in China ernennt. Der Vatikan besteht hingegen auf dem üblichen Verfahren der Bischofsernennung und will Garantien für die Religionsfreiheit in China. Er hat seine Bereitschaft signalisiert, die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aufzugeben. Kirchenfunktionär Liu Bainian kündigte an, dass neue Bischofsernennungen an- stünden. Von den 97 Diözesen in China hätten zurzeit 40 keine Bischöfe. Dreißig Bischöfe seien über 80 Jahre alt. Die „Patriotische Vereinigung” ist eine in den fünfziger Jahren von den Kommunisten gegründete Organisation, die den Auftrag hat, das kirchliche Leben zu überwachen und sicherzustellen, dass die katholische Kirche sich an die Vorgaben der Religionspolitik der Partei hält. FAZpk070907

tn_ChinaSr_psd   China: Boom bei Frauenorden tn_China01_jpg

  Die weiblichen Ordensgemeinschaften erleben in der Volksrepublik China eine unverhoffte Renaissance. Das geht aus einer in Paris erscheinenden Zeitschrift “Eglises d’Asie” veröffentlichten Studie hervor. Seien 1986 nur noch 250 Ordensfrauen in China tätig gewesen, so sei ihre Zahl derzeit auf rund 5.000 gewachsen, sagte Studienleiterin Schwester Beatrice Leung Kitfun von der Universität Lingnan in Hongkong. Dabei sei kein Unterschied zwischen “patriotischer” und romtreuer Kirche gemacht worden. Die Ordensfrau bedauerte allerdings, dass manche im Ordensleben eine Flucht in materielle Sicherheit sähen. Zudem sei das Ausbil- dungsniveau der Novizinnen derzeit oft noch sehr niedrig. Nach den jüngsten Veränderungen im Führungs- gremium der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China hofft die katholische Kirche auf mehr Reli- gionsfreiheit im Land. Zuletzt hatte ein westlicher Jesuitenpater nach einer Chinareise berichtet, die Lage der katholischen Christen hätte sich in den vergangenen fünf Jahren in mehreren Regionen des Landes stark zum Besseren verändert. In der Region Hebei mit ihren rasch wachsenden Großstädten könnten die katholischen Gemeinden heute wieder ein blühendes Leben entfalten. “China ist offener denn je”, so der Wiener Jesuit  Friedrich Sperringer wörtlich.  Er warnte vor falschen Klischeebildern. Anfang der neunziger Jahre sei überall die Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeführt worden; in allen Messen werde “für den Papst gebetet”. Es geschehe sehr viel, damit die völlige Einheit der Kirche in China mit dem Vatikan wiederhergestellt werden kann.

Die Kirche in China wächst

 Die Katholische Kirche Hong-Kongs will in einer großangelegten Evangelisierung in diesem Jahr 10.000 Chinesen für die Kirche begeistern. Eine starke Initiative zur Verkündigung des Evangeliums. Trotz der traditionellen religiösen Intoleranz in China möchten die Christen Menschen zur Taufe ermutigen. Sieben Millionen Rosenkränze wurden unters Volk gebracht. Der Weihbischof von Hong Kong, Bischof John Tong, verwendet für diese Mission Rosenkranzkarten, die mit Hilfe der Caritas und dem Hilfswerk Kirche in Not hergestellt werden konnten. So können Menschen angesprochen und ihnen eine Einführung in das Gebet des Rosenkranzes gegeben werden. Auf diesen Karten ist ein Bild  “Unserer Lieben Frau von China” zu sehen, eine Madonna mit Kind in chinesischen Gewändern.
   Bischof Tong erklärte vor der Presse, dass diese Evangelisation an Kraft gewinnt durch das starke Wachstum der Kirche in China, die trotz der Unterdrückung in voller Blüte steht. Die 12 staatlich anerkannten Priesterseminare in China könnten die 2.000 Priesteramtskandidaten kaum fassen.
   Die chinesische Regierung plane ein restriktives nationales Sicherheits-Gesetz durchzusetzen. Gleichwohl zeigte sich Bischof Tong zuversichtlich, dass der Staat sich weiter für die Demokratie öffnen und somit der Freiheitsraum wachsen werde. Der Bischof bittet die westlichen Regierungen “mehr Aufmerksamkeit auf die religiösen Menschenrechte in China” zu richten. Bischof Tong erwartet, dass die Zahl der Seminaristen weiterhin steigen werde und berichtete von der Berufung der zukünftigen Priester Chinas. Ein Seminarist fühlte sich zum Priestertum berufen, weil er die Arbeit seines Onkels fortsetzen wolle, der als katholischer Priester von den Kommunisten hingerichtet worden war.
  Zuversichtlich äußerte sich der Bischof über die neuen Bemühungen zur Wieder- vereinigung der staatlich anerkannten mit der “Untergrundkirche”, die in ihrer ungebrochenen Treue zu Rom die chinesischen Behörden in Erstaunen versetzt hat. “Die Beziehungen zwischen den beiden Richtungen der Kirche sind ziemlich gut”, meinte Bischof Tong. “Wenn da nicht der Wille wäre, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig zu lieben, werde es keine Lösung für die innere Trennung der katholischen Christen geben.”
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Die katholische Kirche in China:
12-14 Millionen Mitglieder
6.000 Kirchen und Kapellen
138 Diözesen - 90 Bischöfe - 2.800 Priester
5.000 Schwestern - 1.800 Priesteramtskandidaten
                        80 Ordensnoviziate - 1.300 Schwestern in Ausbildung           
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Hongkong: 3.000 Erwachsenentaufen zu Ostern 2010
   3.000 Taufbewerber wurden in der Diözese Hong Kong zu Ostern von der Kirche aufgenommen. In der Feierstunde in der St.Franzikus-Gemeinde in Hong Kong, sprach Bishof John Tong über das Thema “Leben- diges Wasser”, und erklärte, dass beständiges Gebet der beste Weg sei, um dieses lebendige Wasser von Jesus zu erhalten. Der Bischof ermutigte die Taufbewerber, täglich das Wort Gottes zu meditieren und sich abzuwenden „von allem, was mit dem Glauben unvereinbar ist“. Nur so könnten Christen „näher zu Christus und unserem himmlischen Vater gelangen und Zeugnis für Jesus geben“.
   Während des Gottesdienstes übergab Bischof Ton die Bibel an die Katechumenen, damit das Wort Gottes ihr Begleiter im Leben sei und die Flamme des Glaubens in ihren Herzen brenne.
Im Jahr 2009 waren es 2.700 Taufbewerber. Heute zählt die katholische Kirche in Hong Kong 250.000 Mitglieder, bei einer Bevölkerung von 7 Millionen.
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Matteo Ricci und der Kaiser,es bewegt sich etwas:die katholische Kirche im großen China

   Er war der »Apostel Chinas« und der erste, der die mit der »Inkulturation« verbundene Missions- methode gleichsam erfand: der Jesuitenpater Matteo Ricci. Dieser Missionar knüpfte Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, 300 Jahre nach Marco Polo, wieder Kontakte zum Chinesischen Kaiserreich, das damals von der Ming-Dynastie beherrscht wurde.
   Matteo Ricci wurde am 6. Oktober 1552 in Macerata in der heutigen Region Marken geboren, damals ein Teil des Kirchenstaates. Sein Vater war Giovanni Battista Ricci, seine Mutter die Adelige Giovanna Angelella. Er wurde zunächst von einem Privatlehrer, dem Priester Nicolò Bencivegni aus Siena erzogen, der später dem Jesuitenorden beitrat. Ab 1561 besuchte er die neugegründete Jesuitenschule seiner Heimatstadt, 16jährig sandte ihn der Vater zum Jurastudium nach Rom, denn Matteo sollte wie einige andere Verwandte in den päpstlichen Dienst treten. Entgegen dem Wunsch seines Vaters begann er 1571 sein Noviziat bei den Jesuiten und legte 1572 die ersten Gelübde ab. Nach der Beendigung der humanistischen Studien in Florenz trat er in die berühmte Jesuitenschule »Collegium Romanum« ein und studierte Rhetorik und Philosophie.
  Der junge Student beschäftigte sich unter anderem mit Werken von Platon, Aristoteles, Cicero und Quintilian, natürlich in den Originalsprachen Griechisch und Latein, die er fließend beherrschte. Einige Werke kannte er auswendig, er verfügte über ein erstaunliches Gedächtnis, das ihm später bei der Erlernung der chinesischen Sprache half. Das Studium der Philosophie umfasste Logik, Dialektik, Physik, Mathematik, Astronomie, Geographie und Kartographie. In Mathematik wurde Matteo Ricci von dem aus Bamberg stam- menden Jesuiten Christophorus Clavius (Christoph Clau) unterrichtet. Dieser berühmte Mathematiker, ein Freund von Galileo Galilei, stand in Briefkontakt mit zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit und war an der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. beteiligt. Während seines Studiums befasste sich Ricci auch mit Musik, Malerei, Architektur und Theater. Im Römischen Kolleg eröffnete sich ihm die Welt der europäischen Kultur, was ihm später in China sehr hilfreich sein sollte.
Priesterweihe in Cochin
  Im Jahr 1577 wurde Matteo Ricci für die Mission in China ausgewählt. Er verließ Rom zunächst in Richtung Portugal. Nach einem kurzen Aufenthalt in Coimbra segelte er 1578 nach Goa und dann Cochin; dort empfing er die Priesterweihe. 1582 gelangte er nach Macao, wo ihn sein Mitbruder Michele Ruggeri bereits dringend erwartete. Auf seinen Rat hin begann Ricci mit dem Studium der chinesischen Sprache und Schrift. Nach vergeblichen Versuchen gelang es den beiden, im Sep- tember 1583 nach China einzureisen. Sie hatten die Erlaubnis des Gouverneurs Wang Pan, in Shaoking (Provinz Kanton) ein Ordenshaus und eine Kirche zu errichten.
  Doch das Misstrauen der Chinesen war groß. Die beiden Jesuiten beherzigten daher den Rat, sich Bart und Haare abzuschneiden und die europäische Kleidung gegen die chinesische der Bonzen einzutauschen. Außerdem nahmen sie chinesische Namen an. Matteo Ricci ließ sich fortan Li Madou nennen. Die Chinesen waren nun neugierig, und groß war ihr Staunen darüber, mit welcher Schnelligkeit der geniale Pater Ricci ihre Sprache lernte. Als eines Tages der Gouverneur Wang Pan das in europäischer Art errichtete Ordenshaus besuchte, fiel ihm eine kleine Landkarte von Europa auf. Er erkannte, dass China nicht der Mittelpunkt der Welt war, wie die Chinesen glaubten, sondern dass es inmitten von vielen, mitunter größeren Ländern lag. Er forderte den Jesuiten auf, eine ähnliche Karte mit chinesischen Aufschriften anzufertigen. Einige Monate später - man schrieb das Jahr 1584 - überreichte der Missionar dem Gouverneur eine Weltkarte in chine- sischer Sprache sowie eine mecha- nische Uhr, die er extra für Wang Pan konstruiert hatte. Von seinem Meisterwerk, der berühmten Weltkarte, ließ Pater Ricci fünf verschiedene Versionen drucken. Die letzte entstand 1608 und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Wanli. Die Herstellung einer Weltkarte war nur eine von vielen kulturellen Leistungen des überaus gebildeten und gleichzeitig charismatischen Jesuiten- paters. So übersetzte er Texte über Astronomie und Mathematik in die chinesische Sprache und machte die Chinesen mit der Theologie, mit Philosophie, Literatur, Kunst und den Naturwissenschaften in Europa vertraut. Er verfasste den Katechismus auf chinesisch, ein portugiesisch-chinesisches Wörterbuch und über- setzte die Lehren des Konfuzius ins Lateinische.
  Im Jahr 1597 wurde Pater Ricci zum Superior der Mission in China ernannt. Nach einem ersten vergeblichen Versuch, sich in Peking niederzulassen, gründete er nunmehr die inzwischen vierte Missionsstation - in Nanking. 1601 gelang es ihm endlich, in die Hauptstadt einzureisen und stabile Kontakte zum kaiserlichen Hof zu knüpfen. Seine Bemühungen um die Evangelisierung trugen Früchte: In diesen Jahren bekehrten sich selbst Chinesen aus den höchsten Kreisen zum Christentum. Als Ricci 1610 starb, zählte China etwa 2500 Christen. Der Kaiser erwies ihm eine hohe Ehre: Der Missionar be- kam ein eigenes Grundstück für die Errichtung des Grabes in Peking, wo er heute noch verehrt wird.
Europa und die fremde Welt
  
Die größte Leistung von Pater Ricci bestand darin, dass er sich in die chinesische Kultur, vor allem in den Konfuzianismus, hineindachte und -lebte. Das Christentum sollte für die Chinesen kein Fremdkörper sein; Pater Ricci versuchte, es ihnen auf dem Weg ihrer eigenen hohen chinesischen Kultur nahe zu bringen. Der Missionar hob in seinen Schriften Ähnlichkeiten bei den Bräuchen der verschiedenen Religionen hervor. Er übernahm von den Chinesen Sprache, Kleidung und Sitten. Nachdem er zunächst Li Madou hieß, wurde er später Xitai, »Lehrer aus dem Okzident«, genannt. Er brauchte 18 Jahre, um mit der Frohen Botschaft von Macao nach Peking vorzudringen und lebte zehn Jahre am Hof mit dem Titel eines Mandarins, unterstützt von Mitteln des chinesischen Staates.
   Das Wirken Riccis wurde nach seinem Tod in Europa häufig missverstanden. Sein Werk wurde erst in neuerer Zeit wiederentdeckt und ins rechte Licht gerückt. Papst Johannes Paul II. sagte anlässlich seiner Rede in der Päpstlichen Universität Gregoriana am 6. April 2001: »Nehmt euch ... die herausragende Gestalt des großen Missionars Pater Matteo Ricci zum Vorbild, der sein religiöses Zeugnis in das Herz der chinesi- schen Gesellschaft einfließen ließ. Er verstand es, wenn er vom Evangelium sprach, bei jeder Gelegenheit den angemessenen kulturellen Zugang für den Gesprächspartner zu finden«.
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Jesuitenpater Matteo Ricci: Apostel Chinas vor 400 Jahren

   Er ist nicht so berühmt wie Kolumbus. Aber dass der Italiener Matteo Ricci zu den großen europäischen Entdeckern fremder Kulturen gehört, steht außer Zweifel. Dass man nun im Herzen Roms, an der Piazza Venezia, dem Ordensmann - am 6. Oktober 1552 im mittelitalienischen Macerata geboren, am 11. Mai 1610 in der chinesischen Hauptstadt Peking gestorben - eine eigene Lebensausstellung widmet, wird vielleicht seine Bekanntheit nicht wesentlich erhöhen. Aber „sachlich” ist Ricci von großer Aktualität für das gespannte Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem kommunistischen China, darüber hinaus für die Fragen, wie man zugleich Christ und Chinese sein kann oder, noch allgemeiner, zugleich „Westler” und „Asiat”, was für eine universale, globale Ausrichtung des Christen- tums vielleicht noch bedeutender ist.
   Eine dramatische Hypothese drängt sich angesichts der Bilder und Erinnerungsstücke in den Sälen auf: Die Weltpolitik wäre anders verlaufen, wenn man - die Kirche und die Kolonialmächte - dem Jesuitenpater gefolgt wäre. Denn Matteo Ricci beeindruckte zu seiner Zeit als Mathematiker und Astronom den chinesischen Kaiser in Peking (seit 1601) mit der überlegenen „westlichen” Technik; er war einfach besser und bescheidener als die Mandarine und konnte genauer die Wirklichkeit vorausberechnen. Als Christ und „Missionar” jedoch respektierte er die chinesische Kultur, deren Religion und Moral als Wert in sich. Er suchte die christlichen Lehren und die chinesische „Welt- anschauung” zu „akkomodieren”. So einsichtig war dem Kaiser diese ge- genseitige „Inkulturation”, dass er Papst Klemens VIII. (1592 bis 1605) um die Hand einer Nichte bat. In dem kaiserlichen Schreiben nach Rom hieß es wörtlich: „Indem Ihr, Vater und Freund, Unserem Wunsch willfahrt, werdet Ihr ein Bündnis und ewige Freundschaft zwischen Euren Königreichen und Unserem mächtigen Land herstellen. Unsere Gesetze werden vereinigt sein, wie das Schlinggewächs sich dem Baume anschmiegt ...” Leider kam es nicht zu der Hochzeit. Schade, dann müsste man sich heutzutage wohl keine Gedanken mehr machen über chinesische Billigimporte und Dumpingpreise. Auch die Kirche brauchte sich nicht  zu grämen über die schwierigen Verhältnisse in Volks-China mit nur zehn bis 20 Millionen Katholiken und ebenso vielen anderen Christen. Es gäbe kein kirchenpolitisches Tauziehen zwischen Rom und Peking über die den kommunistischen Behörden verbundene und unterstellte „Patriotische Kirche” und die dem Papst ohne Kompromisse ergebene „Untergrundkirche”. Der Vatikan könnte die zahllosen Erzbistümer und Diözesen in „Festland-China”, die meist vor sechzig Jahren, vor der Machtergreifung durch die Kommunisten, eingerichtet wurden, wieder mit tüchtigen Bischöfen besetzen. Die kommunistische Staats- und Parteiführung müsste nicht befürchten, dass Katholiken etwas anderes wünschten als legitime Menschen- und Bürgerrechte, die ja auch einer guten Regierung am Herzen liegen.
 Leider kam es anders. Die „Akkomodations-Theologie” wurde in Rom angeschwärzt und schließlich verurteilt, in Übereinstimmung mit den herrschenden politischen Meinungen in Europa. Denn zur Debatte stand die prinzipielle Entscheidung der europäischen Mächte, ob man sich auf die Kultur der neuentdeckten Länder einlassen oder die Völker zum eigenen Nutzen als Kolonial-(oder Missionierungs-) Objekte behandeln solle. In dem sogenannten „Ritenstreit” - über die Erlaubtheit von Chinesischem im Christlichen; Ähnliches galt für Indien -  ging es ein Jahrhundert  hin und her. Die Gegner Riccis und seiner deutschen Priesterfreunde und Nachfolger aus dem Jesuitenorden, wie Adam Schall aus Köln oder Christoph Claver aus Bamberg, verloren. Erst 400 Jahre später korrigierte Papst Johannes Paul II die Irrtümer seiner Vorgänger, als er 1981 in Manila vor Exil-Chinesen erklärte: „Die Kirche sucht die Tra- ditionen und kulturellen Werte eines jeden Volkes zu respektieren. Die christliche Botschaft ist nicht der ausschließliche Besitz irgendeiner Gruppe oder Rasse; sie richtet sich an jedermann und gehört allen. Deshalb besteht kein Gegensatz, zugleich wirklich Christ und wirklich Chinese zu sein.” Damit war Matteo Ricci nicht nur rehabilitiert. Seine „Akkomodation”, die Einpas- sung des Christlichen  in eine nichteuropäische Kultur und „Ideologie”, wurde zur Leitlinie erhoben. Deshalb wird im Vatikan auch die Stimme des 90 Jahre alten Bischofs Aloysius Jin Luxian, Schanghai, zur Kenntnis genommen, obwohl - oder vielleicht weil - dieser zwischen Peking und Rom, zwischen „offizieller” Kirche und jener im verborgenen, steht. Längst hat die streng organisierte kommunistische Partei in China erkannt, längst hat auch die hierarchisch verfasste Papstkirche begriffen, dass man nicht alles bürokratisch regeln und unterscheiden kann. Mit der Ausstellung in Rom geht die Geschichte zwischen zwei Milliarden- gemeinschaften im Zeichen Matteo Riccis weiter.
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