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China

> > > Lesen Sie den Wortlaut des Briefes von Papst Benedikt XVI. an die katholischen Christen in China, 
  Dokumente, Informationen und ein Interview mit Prof. Ren Yanli, Mitglied der chinesischen Akademie für   Sozialwissenschaften > China II 

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Marienheiligtum in Sheschan
2. Freude des Bischofs von Schanghai über den Brief des Papstes an die chinesische Kirche
3. Der Brief von Lucas Li Jingfeng, Bischof von Feng Xiang
4. China bemüht sich um normale Beziehungen zum Vatikan
5. Meinung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Konflikt zwischen Staat und Kirche in China

6. Chinas frohe Botschaft: Immer mehr Christen finden zum christlichen Glauben
7. Nicht vom Papst anerkannter Bischof weiht Priester
8. Peking will Arbeitslager schließen
9. Nach dem Führungswechsel in der kommunstischen Partei: keine große Änderngen für die Kirche in Sicht
10. Der Vatikan verurteilt Absetzung des chinesischen Weihbischofs Ma Daqin
11. Diener zweier Herren: Aloysius Jin, Bischof von Schanghai
12. Verfolgt und vergessen - betet für die “Unrtergrund”-Kirche in ganz China
13. Weihbischof Joseph Xing von Schanghai aus offiziellen Gründen zurückgetreten
14. Schanghai: neuer Bischof am Tag seiner Weihe festgesetzt
15. Kardinal Joseph Zen Ze-kiun protestiert öffentlich gegen Eingriffe des Staates in kirchliche Rechte
16. Untergrund-Priester: Verhaftungen, gültige und ungültige Weihen, Umerziehung durch Arbeit
17. Behörden wollen Katholisches Waisenhaus in der Diözese schließen
18. Marien-Wllfahrt in Scheschan - jetzt unter Polizei-Kontrolle
19. Am Ende des “Großen Marsches” von Mao musste die Kathedrale in Yan’an aufgeben werden -
jetzt ist dort der Bau einer neuen katholischen Kirche staatlich genehmigt
20. starker Gottesdienstbesuch in der Nordkirche und Süd-Kathedrale von Bejing

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   Über 8.000 chinesische Pilger haben an der Eröffnung des Marienmonats 2012 in der Diözese Schanghai im Marienheiligtum von She Shan Fotos oben teilgenommen. Das Heiligtum war im Brief Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in China vom 27. Mai 2007 zum Bezugspunkt für den Weltgebetstag für die Kirche in China bezeichnet worden. Wie der Fidesdienst meldet, fand die offizielle Eröffnung des Marienmonats am 1. Mai unter Leitung des 90-jährigen Bischofs Alios Jin Lu Xian von Schanghai statt. Der Weltgebetstag für die Kirche in China findet immer am 24. Mai statt. RV120508fides

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Unsere Liebe Frau von Scheschan, Hilfe der Christen, bitte für uns!
 Brief von Aloysius Jin Luxian, Bischof von Schanghai

   Der Brief des Papstes an die katholische Kirche in der Volksrepublik China wurden von den Gläubigen der ganzen Welt mit Bangen, von den Gläubigen Chinas mit Ungeduld erwartet. Am 30. Juni wurde er endlich veröffentlicht. Dank der Gnade des Herrn!
  Nach der Veröffentlichung hat mir ein Freund den chinesischen Text zukommen lassen. Ich habe ihn zweimal aufmerksam gelesen und war zutiefst gerührt. Ich habe mich dann gleich in meine keine Kapelle begeben und ihn in meinem Herzen meditiert. Amen, Halleluja! Danach habe ich ihn gemeinsam mit den Priestern meditiert, und möchte meinen ersten Eindruck nun gerne mit Ihnen allen teilen.
   In seiner Eigenschaft als Hirte der Universalkirche, mit dem Herzen eines geistlichen und barmherzigen Vaters, in aller Sachlichkeit und Ruhe, legt uns der Papst in einfacher und klarer Weise dar, was die Natur, die Sendung, die Aufgabe und die Organisation der Kirche Christi ist. Gegründet sind seine Ausführungen auf die Heilige Schrift, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils, den Kodex des Kanonischen Rechtes und die Lehre des verstorbenen Johannes Paul II. Ich hatte dabei das Gefühl, mich in einer großen Vorlesung der Ekklesiologie zu befinden. Der Papst lässt mich so unsere Kirche noch mehr lieben und gibt mir die Entschlossenheit, bei meiner Aufgabe als Ortsbischof noch einen weiteren Schritt zu tun, um schon bald die Hoffnung und das Anliegen Jesu zu verwirk- lichen: „Ein Hirt und eine Herde”.
   Der Brief des Papstes ist an die katholische Kirche in der Volksrepublik China gerichtet. Diese katholische Kirche, die in der Volksrepublik China lebt, ist nur eine, es gibt keine zwei, es gibt keinen „Untergrundteil”, und auch keine offiziellen Teile.
   Die ganze Kirche in China glaubt einhellig an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir haben zusammen einen einzigen Hirten, leben gemeinsam in einer einzigen Herde. Das sagt der Papst klar und unmiss- verständlich. An diesem Punkt möchte ich mich an unsere Freunde im Ausland wenden, die sich um unsere Kirche sorgen: euch bitte ich, dem Papst zur Seite zu stehen, nicht mehr von unserer Kirche als zwei Kirchen zu sprechen, die eine zu begünstigen, die andere zu leugnen - uns kein Etikett mehr aufzupressen, nicht länger von „Gläubigen” und „nicht Gläubigen”, „Offiziellen” und „nicht Offiziellen” zu sprechen. Der Papst weiß, wie die Umstände der Vergangenheit waren; ihm liegt sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft unserer Kirche am Herzen. Als Hirte der Universalkirche ist der Blick des Papstes natürlich auf das gerichtet, was vor ihm liegt, bleibt nicht in der Vergangenheit. Für uns gehören die Ereignisse von gestern der Vergangenheit an, für den Ewigen Vater ist das nicht so, für ihn kann keines unserer Worte, nichts von unserem Handeln ausgelöscht werden. Der Lohn Gottes übertrifft bei weitem unsere Verdienste und unsere Hoffnungen.
   Die Kirche Chinas ist nur eine. Brüder und Schwestern, gemeinsam überqueren wir den Fluss, gemeinsam leben wir in Harmonie und Freude. Das ist die Hoffnung, die dem Papst am teuersten ist.
   Aber in seinem Brief schreibt der Papst auch voller Ernst: „Diese Hinweise, die die Natur selbst der Universal- kirche betreffen, haben eine besondere Bedeutung für die Kirche in China. In der Tat entgehen euch nicht die Probleme, mit denen sie sich momentan auseinandersetzt, um - in ihrem Inneren und in ihren Beziehungen mit der bürgerlichen Gesellschaft Chinas - Spannungen, Spaltungen und Schuldzuweisungen zu überwinden.” Daher betont er auch die Notwendigkeit der Vergebung und der Aussöhnung und sagt, dass wir uns alle der Tatsache bewusst sind, „dass dieser Weg sich nicht von heute auf morgen erfüllen können wird.”
   Unsere Diözese Schanghai wird ihren ganzen Einsatz, all ihre Kraft darauf verwenden, dass sich diese Hoffnung des Papstes so schnell wie möglich erfüllen kann.
   Die Kirche außerhalb Chinas, in einem jeden Land und in einigen Territorien, hat die Organe der Bischofs- konferenzen oder der Bischofsversammlungen. Die Situation Chinas ist keine normale Situation. Vor 20 Jahren rief die Kirche Taiwans eine Bischofskonferenz ins Leben und nannte sie „Bischofskonferenz der Kirche Chinas”. Der vorherige Papst gab ihnen zu verstehen, dass dieser Name nicht korrekt wäre, weil ihre Mitglieder nur die we- nigen Ortsbischöfe der Insel Taiwans waren. Die Bischöfe Taiwans nahmen den Rat des Papstes mit Freuden an und änderten den Namen.
   Einmal kam es vor, dass einige Untergrundbischöfe Chinas eine chinesische Bischofskonferenz gründeten und Rom Bericht erstatteten, damit sie approbiert würde. Die Approbation aus Rom blieb aus. Der Grund war ein ein- facher: dieser Organisation gehörten keine „öffentlichen” Bischöfe an.
   Die „öffentliche” Bischofskonferenz wurde vor mehr als 10 Jahren gegründet. Natürlich wurde Rom nicht Bericht erstattet. Wie hätte sie aber ohne Berichterstattung approbiert werden sollen? Einer nationalen Bischofskonfe- renz müssen immer alle Bischöfe des Landes angehören, und erst wenn ihr Name der Realität entspricht, wird sie eine nationale Bischofskonferenz. Ich hoffe, dass das schon bald der Fall sein wird.
   In seinem Brief stellt der Papst fest, „dass der Anspruch einiger vom Staat gewollter und der Struktur der Kirche fremder Organe und Einrichtungen, der darin besteht, sich über die Bischöfe selbst zu stellen und das Leben der kirchlichen Gemeinde zu lenken, nicht der katholischen Lehre entspricht.” Hier spielt er offensichtlich auf die Pa- triotische Vereinigung an, die vor 50 Jahren gegründet wurde. Dieses Mal sagt der Papst zum ersten Mal, welche Position er dazu einnimmt. In seinen Augen hat die Patriotische Vereinigung drei Konnotationen: erstens, sie ist vom Staat gewollt, zweitens, sie ist der Struktur der Kirche fremd, drittens, sie stellt sich über die Bischöfe selbst, um die Kirche zu leiten. Ich war fast 20 Jahre lang Bischof von Schanghai. Die Patriotische Vereinigung in Schang- hai hat sich niemals über mich gestellt: im Gegenteil. Sie hat meine Weisungen akzeptiert. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schanghai eine Katholische Aktion ins Leben gerufen. Unter ihren Mitgliedern waren auch so namhafte Persönlichkeiten wie Lu Baihong, Zhu Zhiyao und andere. Für ihre Verdienste um die Evangelisierung wurden sie vom Vatikan ausgezeichnet. Sie haben der Diözese Schanghai große Ehre gemacht und auch als Brücke zwischen der Diözese und der Regierung fungiert, haben Probleme gelöst, die die ausländischen Missio- nare nicht lösen konnten. Ich hoffe, dass die Katholiken der Diözese Schanghai stets weiter diesen Geist der Katholischen Aktion verfolgen, den Geist entwickeln, den die Laien haben müssen. Ich sage oft: „Das derzeitige Jahrhundert wird das Jahrhundert der Laien sein; ich setze große Hoffnungen in die ‘reifen’ Freunde Schanghais.”
   Ich möchte noch kurz auf den zweiten Teil des Briefes des Papstes eingehen, in dem auf die Normen des pastoralen Lebens verwiesen wird.
   Obwohl die Diözese Schanghai seit 20 Jahren ihre eigene Kirche entwickelt hat nach dem Geist des Evangeliums, des Kodexes des Kanonischen Rechtes und der Dokumente des II.Vatikanischen Konzils, müssen wir uns zum der- zeitigen Zeitpunkt niedersetzen und darüber nachdenken, wo die Mängel liegen. Nur so können wir die Maß- nahmen treffen, die nötig sind, um uns in Zukunft noch besser um die Diözesen und Pfarreien kümmern zu können.
   Der Brief stellt auch heraus, wie wichtig die Ausbildung im Seminar ist. Ich glaube, dass es dem Papst ein Trost ist zu wissen, dass wir in der Diözese Schanghai in Scheschan ein Seminar geschaffen haben: Das erste Seminar, das nach der Reform und der Öffnung Chinas der Welt gegenüber seine Pforten öffnen konnte. Die Diözese Schanghai hat alle möglichen Schwierigkeiten überwunden, wie das Fehlen von Büchern, den Mangel an Ressour- cen. Im Laufe der Jahre konnten mehr als 400 junge Priester ausgebildet werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich meine tiefe Dankbarkeit unseren Brüdern und Schwestern der Kirche Deutschlands, Österreichs und anderswo zum Ausdruck bringen. Allen, die das Seminar von Scheschan so großzügig unterstützt haben, besonders die Ge- sellschaft Maryknoll, die Steyler Missionaren, die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens, den Domini- kanerorden, die Gesellschaft der Salesianer, die Gesellschaft der Kolumbaner, die Gesellschaft Jesu. Ich bitte euch, für sie zu beten und Gott zu bitten, es ihnen mit dem Hundertfachen zu vergelten.
   Der letzte Absatz des Briefes des Papstes ist mir eine ganz besondere Freude, ein großer Trost. Der Papst will, dass der liturgische Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe der Christen ein Fest des Gebets der ganzen Kirche in der Welt für die Kirche in China sei. Ich denke, dass die Gläubigen von Schanghai überglücklich sein werden, wenn sie das hören. Danke, Heiliger Vater!
   Das ist für die Diözese Schanghai eine große Ehre, gleichzeitig aber auch eine große Verpflichtung. Vor allem müssen wir die Muttergottes mit großem Eifer verehren, es ihr nachtun, uns verpflichten, ihre Söhne und Töchter zu sein, ein Vorbild für die anderen Katholiken. Und da nun sicher sehr viele Gläubige nach Scheschan pilgern werden, müssen wir Katholiken von Schanghai auch vorbereitet sein. Wir müssen gute Gastgeber sein, damit die chinesischen und ausländischen Gläubigen in uns den Ruhm der göttlichen Liebe erkennen können, immer zahl- reicher kommen und zufrieden wieder nach Hause gehen.
   Am Schluss betont der Brief des Papstes auch die Rolle des Bischofs, spricht als wesentlichen Punkt von den Pflichten des Bischofs. Ich empfinde freudige Erregung und Furcht zugleich. Ich bin schon 92 Jahre alt. Der Papst ruft uns die Worte des Apostels Paulus ins Gedächtnis: das Leben ist Christus und der Tod eine Segnung. Ich bitte alle, für mich zu Gott zu beten, damit ich wirklich Christus leben kann und letztendlich das Glück eines friedlichen Todes erfahre. Amen.

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   Lucas Li Jingfeng (87)  Foto ist Bischof von Feng Xiang (Schaanxi, Zentralchina). Bis 2003 war es vielleicht die einzige Diözese Volkschinas, in der das gesamte Leben außerhalb der Kontrolle der Patriotischen Vereinigung wieder erblühen konnte. 2004 wurde Bischof Li auch von der Regierung als Bischof anerkannt, ohne sich bei der Patriotischen Vereinigung eintragen lassen zu müssen. Li ist einer der vier chinesischen Bischöfe, die Benedikt XVI. zur Bischofssynode 2005 nach Rom geladen hatte (und denen die Regierung die Erlaubnis verweigerte, China verlassen zu dürfen).

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Der Brief von Lucas Li Jingfeng, Bischof von Feng Xiang

   Meiner Meinung nach ist der Brief des Heiligen Vaters vom 30. Juni überaus aufschlussreich. Er hat die Wahrheit klar herausgestellt und niemanden verletzt, weder die „öffentliche” Kirche noch die im Untergrund, und auch nicht die Kommunisten. Vielmehr werden dort nur ausführlich und präzise die Wahrheiten der Kirche dargelegt, die not- wendig sind für die gegenwärtige Situation der chinesischen Kirche. Diese Wahrheiten sind die der Theologie der Kirche und sie sind all denen bekannt, die sich mit Theologie befassen. Was für herrliche Worte! Man kann wirklich sagen, dass der Geist mit dem Stellvertreter Christi ist.
   Was in dem Brief geschrieben steht, ist genau das, was ich schon seit 20 Jahren der Regierung gegenüber mit Nachdruck vertrete. Dieser Brief ist dazu angetan, die Einheit zu begünstigen, und zwar sowohl für die Christen im „Untergrund” als auch die „öffentlichen.” Aber das wird meiner Meinung nach für die Christen im Untergrund schwieriger sein als für die öffentlichen. Einige von ihnen sind nämlich sehr starrköpfig und wollen nicht von ihrer Meinung lassen. Was nicht gottgefällig ist. Beten wir für sie zu Gott.
   Zur Regierung habe ich einmal gesagt: wir müssen in allen Dingen eine Vereinbarung mit der Welt erreichen, aber nun zeigt dieser Brief den Weg zu einer Vereinbarung mit der Welt in den Fragen der katholischen Kirche. Ich hoffe, dass die Regierung ihn annehmen wird.
   Vielleicht ist es für viele schwer, den Glauben und die Lehre der Kirche der Regierung klar zu machen. Denn das muss mit Demut und Aufrichtigkeit geschehen. Wenn wir unseren Glauben der Regierung in dieser Weise klar machen, kann sie sich ein Urteil bilden und uns auch ihre Approbation erteilen. Beten wir darum!
   Mit dem Brief des Heiligen Vaters sind alle vorherigen Privilegien und pastoralen Weisungen abgeschafft. Dieser Brief wird das zu verfolgende Prinzip sein. Das ist sehr gut für die Stabilität der Kirche und des Staates. Es ist der einzige und beste Weg, die Zwietracht auszulöschen, die Konfusion und das Fehlen von Frieden in der derzeitigen chinesischen Kirche.

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   Foto: Bischof Petrus Feng Xinmao beim Spenden einer Taufe. Petrus Feng Xinmao, der 44-ährige Bischofskoad- jutor von Hengschui, Provinz Hebei, war der erste der neuen, 40jährigen Bischöfe, die von der Regierung an- erkannt und erst dann geweiht wurden, als ihre Ernennung durch den Papst öffentlich bekannt gegeben war. Am 6. Januar 2004, dem Tag seiner Bischofsweihe, begann die Liturgie in der kleinen Kirche dieser Stadt, wo der dienstälteste Priester der Diözese die Dokumente verlas, die die Ernennung des neuen Bischofs durch den Papst bestätigen. Dann, um die Gläubigen nicht zu enttäuschen, die in der Kirche keinen Platz mehr gefunden hatten, zogen der Klerus und die Gläubigen über den Platz, und die Weiheliturgie ging in dem großen Saal des dortigen Hauses des Volkes weiter.

“Die Konfusion ist vorbei!” von Petrus Feng Xinmao, Bischofkoadjutor von Hengschui

   Wir sind alle überaus zufrieden mit dem Brief des Heiligen Vaters Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken. An seinem Blick auf die jüngste Geschichte der katholischen Gemeinschaft in China sieht man, wie sehr uns der Papst liebt, wie sehr uns die ganze Universalkirche liebt. Und das ist uns ein großer Trost. In China ist der Brief überall frei zugänglich. In meiner Diözese haben wir ihn aus dem Internet herunter geladen, fotokopiert und an alle Priester und religiösen Gemeinschaften verteilt, die ihn dann gemeinsam gelesen haben. Wir haben ihn auch bei meinem letzten Monatstreffen mit den Priestern der Diözese vorgelesen. Und jeder Pfarrer hat Hunderte von Fotokopien gemacht, um sie in der Pfarrei zu verteilen. Ich verlese und kommentiere ihn auch in den Homilien, die ich bei meinen Pastoralbesuchen in den Pfarreien halte.
   Natürlich behandelt der Inhalt viele Aspekte. Der wichtigste Teil sind die Weisungen für das christliche Leben in China. Lange Jahre gab es Konfusion darüber, wie man sich dem Staat und den Beschlüssen der so genannten Untergrundgemeinschaften gegenüber verhalten soll. In der Vergangenheit wurden der chinesischen Kirche Son- derbefugnisse zugestanden, besonders den Untergrundgemeinschaften. Diese sind nun aufgehoben. Unsere neue Richtlinie ist der Brief des Papstes, der der chinesischen Kirche eine große Hilfe ist.
   Darin wird festgehalten, dass der Untergrund keine normale Befindlichkeit für die christliche Gemeinschaft ist. Normal ist, dass die christlichen Gemeinschaften vom Staat anerkannt sind und man ihnen erlaubt, ihren Glauben offen zu erklären und auszuüben.
   Einige Untergrund-Christen sind verwirrt. Sie glauben, dass man, wenn man bei den staatlichen Organen ein- getragen ist, nicht in Gemeinschaft mit dem Papst steht. Der Brief des Papstes hat diesen Punkt geklärt. Die Christen befolgen die Gesetze. Und wenn das staatliche Gesetz von einem Christen irgendeine Form der zivilen Registrierung verlangt, lassen wir uns eben registrieren. Das ist weder gegen den Glauben noch gegen die Lehre. Der Papst hat jenen Christen, die noch immer verwirrt sind gesagt, dass sie die Messen besuchen dürfen, die in den „offenen” Kirchen gefeiert werden. Wir werden nun sehen, ob sie dem Papst dem Wort nach oder auch mit Taten folgen werden.
   In meiner Diözese gibt es z. B. nur sehr wenige Untergrund-Christen. Und in Wahrheit gibt es ja auch keinen Grund mehr, das „Untergrundleben” zu wählen, um den eigenen Glauben zu leben. Sie könnten problemlos zu den Messen in den offenen Kirchen kommen: dort sind Pfarrer, die ich ernannt habe, und ich selbst bin wiederum vom Papst zum Bischof erwählt worden. Das wissen sie. Einige Untergrund-Leiter waren auch bei meiner Priesterweihe dabei. Aber vielleicht wollen sie ganz einfach nur nicht von ihren Gewohnheiten lassen.
   Ich weiß nicht, ob die Regierung mit dem Brief genauso zufrieden sein wird, wie wir es sind. Darin werden näm- lich einige Punkte behandelt, die die Regierung anders sieht als der Papst. Die Rolle der Patriotischen Vereinigung z.B. Der Papst vertritt die Meinung, dass die Leitung der Kirche den Bischöfen obliegen muss.
   Vielleicht kann man eine neue Rolle für die Patriotische Vereinigung finden. Keinesfalls darf man aber vergessen, dass der Einfluss und die Rolle der Patriotischen Vereinigung schon jetzt von Diözese zu Diözese stark variieren. In unserer Diözese gibt es nur einen Christen, der als örtlicher Verantwortlicher von der Patriotischen Vereinigung ein Gehalt bezieht. Aber man kann nicht sagen, dass er sich in die Belange der Kirche einmischt. Zu den staat- lichen oder regionalen Treffen der Patriotischen Vereinigung geht er oft gar nicht hin. Dann und wann ruft er mich an, gibt mir diesen oder jenen Ratschlag. Das ist alles.  30Giorni0707

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Foto oben: Chinesische Katholiken beten bei einer Messfeier in der Kathedrale von Nan Tang, Peking
Foto unten: Chinesische Katholiken beten vor der Pekinger Kathedrale 

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Foto unten: Demonstrationszug in Hongkong (v.l.n.r.:) Kardinal Zen Ze-kiun, der frühere Gesetzgeber Szeto Wah und der pro-demokratische Gesetzgeber Martin Lee fordern gemeinsam am 1. Juli das allgemeine Wahlrecht in Hong-Kong.

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 China bemüht sich um normale Beziehungen zum Vatikan

  Für Papst Johannes Paul II. war es ein bis zuletzt unerfüllter Traum. Für Papst Benedikt XVI. aber könnte es Wirklichkeit werden: ein Besuch im Reich der Mitte. Unter der Eisfläche ist einiges in Bewegung geraten.
  Die Nachrichtenagentur Xinhua meldet ein Treffen in Peking zwischen dem belgischen Kardinal Danneels und dem chinesischen Vizepremier. Es gab intensive Gespräche. Die zwei Bedingungen Pekings lauten erstens Abbruch aller diplomatischen Beziehungen des Vatikans zu Taiwan und zweitens Nichteinmischung in die inneren Angelegen- heiten Chinas. Im Klartext: Peking, und nicht etwa der Vatikan, soll Bischöfe ernennen.
   Die erste Bedingung ist weniger heikel. Der Vatikan hat seine „Ein-China-Politik” nie geändert, auch nicht, als die Kommunisten 1951 in der Hitze ihrer antiimperialistischen Kampagne - in Korea kämpften sie gerade verlustreich gegen die Amerikaner - die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl abbrachen und den päpstlichen Nuntius Antonio Riberi auswiesen. Aus Sicht des Vatikans wurde der Nuntius-Sitz lediglich von Nanking nach Taipeh verlegt, zuständig ist der kirchliche Gesandte aber weiterhin für die Gläubigen in ganz China. Deshalb ist es auch vorstellbar, den Sitz in Taipeh gegen einen in Peking einzutauschen. Dies würde man in Taipeh zwar sehr bedauern, denn der Vatikan ist die letzte diplomatische Bastion der Insel in Europa. Die taiwanischen Bischöfe aber hätten für eine Verlegung Verständnis. Schon 1985 haben sie Papst Johannes Paul II. für diesen Fall ihre volle Unterstützung zugesichert: Man werde sich als „Brückenkirche” einsetzen.
   Schwierig aber wird es bei der zweiten Bedingung. Denn hier geht es nicht mehr um Diplomatie, sondern um die Freiheit des Glaubens.  Sie war es auch, die 1958 zur Spaltung der katholischen Kirche in China führte. Diese ge- noss nach den wilden Verfolgungsjahren 1950/51 eine kurze Atempause, in der Papst Pius XII. achtzehn chinesi- sche Priester zu Bischöfen ernennen konnte. Doch als im Juni 1957 die Kommunisten ihren Rachezug gegen jene Intellektuellen starteten, die der Forderung des Vorsitzenden Mao Folge geleistet und die Regierung tatsächlich kritisiert hatten, war alles vorbei. Peking hielt nun die Politik der Einheitsfront für überflüssig und setzte auf absolute Parteiführung. Im Juli wurde die „patriotische Versammlung der chinesischen Katholiken” gegründet, der sich die Kirche unterzuordnen hatte, und Anfang 1958 wurden zwei Linientreue von der Regierung zu Bischöfen ernannt: Der Papst habe sie gefälligst zu segnen. Der lehnte empört ab, und das Tischtuch war zerschnitten.
  Seitdem hat sich vieles innerhalb der Kirche geändert. Dem Bruch mit dem Vatikan folgten ein Massenaustritt der Gläubigen aus der nun „patriotischen” Kirche und die Gründung einer papsttreuen Untergrundkirche. Deren Mit- glieder waren es, die Anfang der siebziger Jahre,  kommunistischer Verfolgung trotzend, den katholischen Glauben von Haus zu Haus zunächst im Süden und dann in ganz China wiederbelebt haben. Die „patriotische” Kirche besitzt dagegen die Kathedralen, die heute mit staatlichen Mitteln und großzügiger Hilfe aus dem Westen verschö- nert werden, um Pekings Toleranz zu demonstrieren.
   Im Streit um den wahren Glauben indes befand sich die „patriotische” Kirche von Anfang an in der Defensive. Das erste Zugeständnis erfolgte erst Mitte der achtziger Jahre, als sich ein chinesischer Bischof mit der Bitte an den Vatikan wandte, vom Papst bestätigt zu werden. Denn ein „patriotischer” Bischof genießt zwar im weltlichen Leben viele Privilegien, zum Beispiel hat er einen Dienstwagen und darf ins Ausland reisen. Aber ihm fehlt das Vertrauen der Gläubigen seiner Diözese. In den neunziger Jahren sind daher immer mehr „patriotische” Bischöfe dem Beispiel ihres Kollegen gefolgt. Und dank der „Brückenkirchen” in Taiwan und Hongkong gibt es inzwischen viele Wege, die nach Rom führen. Schwester Beatrice Leung, Professorin für internationale Beziehungen am Wenzao Ursuline College of Languages in Taiwan, weiß, dass fast siebzig der insgesamt sechsundsiebzig „patriotischen” Bischöfe bereits heimlich ihre Bestätigung im Vatikan eingeholt haben.
   Diese Entwicklung bringt China wie den Vatikan zum Nachdenken und löst hüben wie drüben Streit aus. So herrscht zwar in der kommunistischen Führung Einigkeit über die Notwendigkeit einer Normalisierung der Bezie- hungen zum Heiligen Stuhl, doch in der Religionsfrage bleibt sie zerstritten. Denn wie kraftvoll der Glaube auch im heutigen China gedeihen kann, hat sich am Beispiel der verbotenen Falun Gong gezeigt. Die Orthodoxen in Peking wollen daher nicht nur das Sagen über die „patriotische” Kirche behalten, sondern durch eine Normalisierung des Verhältnisses zum Vatikan zugleich auch die Untergrundkirche unter Staatskontrolle bringen. Dagegen sehen die Pragmatiker um Pan Yue, der zuletzt als grüner Vordenker viel Wirbel ausgelöst hat, in der Religion ein notwen- diges Übel, mit dem man sich schlecht oder gut arrangieren müsse.
   Die Pragmatiker schlagen eine friedliche Koexistenz vor: Die Kirche möge die Autorität der Partei anerkennen und dann die Glaubenslücke füllen, die das Hinscheiden des Marxismus hinterlassen hat. Als Gegenleistung soll die Partei ihr eine Sonderstellung im Staat mit finanziellen und administrativen Vorteilen zugestehen.
 Dieser innerparteiliche Streit ist verantwortlich für die unterschiedlichen Signale, die in den vergangenen Jahren in China zu hören waren. So zeigte Peking 1995 mit der Entsendung einer Delegation zum Weltjugendtag in Manila guten Willen, lehnte aber kurz danach die Bitte von Mutter Teresa, in China ein Caritaszentrum eröffnen zu dürfen, mit der lapidaren Bemerkung ab, in der Volksrepublik gebe es keine Armen. 1999, nach dem Staatsbesuch Jiang Zemins in Italien, begann man in China plötzlich von einem bevorstehenden „großen Durchbruch” zu reden, und im Vatikan wurde Kardinal Sodano schon mit den Worten zitiert, man sitze in Taipeh auf gepackten Koffern. Doch am 6. Januar 2000 folgte die Ernennung von fünf neuen Bischöfen durch die chinesische Regierung.
   Im Vatikan sahen sich dadurch die Skeptiker bestätigt und drängten auf scharfe Reaktion. Am 1. Oktober 2000, dem chinesischen Nationalfeiertag, sprach Papst Johannes Paul II. 120 Märtyrer der chinesischen Kirche heilig - ein Schritt, der angesichts des symbolträchtigen Datums nicht unumstritten war. Kritik kam vor allem von den„Brücken- kirchen”. Sie sind der Ansicht, vorrangig müsse man sich bemühen, wieder nach China hineinzukommen, denn von außen könne man nur wenig ausrichten. Der Papst schrieb deshalb einen persönlichen Brief an Präsident Jiang Zemin, in dem er sich für die Wahl des Datums entschuldigte. Ein Jahr später nahm er anlässlich des vierhundert- jährigen Jubiläums der Ankunft des Jesuitenpaters Matteo Ricci in China die Gelegenheit wahr, auch für etwaige Fehler, die die katholische Mission in China einst begangen hat, um Verzeihung zu bitten.
   Diese Demut des Papstes blieb nicht ohne Wirkung, auch wenn sie sich erst langsam einstellte. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass sich auf beiden Seiten Pragmatismus durchsetzt. Ein erster kleiner Durchbruch wurde im Januar 2004 durch die Ernennung von Bischof Peter Feng Xiunmao, einer Wahl des Vatikans, als Koad- jutorbischof der Diözese Hengshui erreicht. Und auch in Schanghai wurde ein Weihbischof eingesetzt, auf den sich Regierung und Vatikan offenbar gemeinsam verständigt haben. Joseph Zen, Bischof von Hongkong, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob dies eine mögliche Form für eine künftige Zusammenarbeit werden könnte. Ihm schwebt eine Lösung nach polnischem Vorbild vor: Der Vatikan konsultiert Peking mit einer Liste seiner Kandida- ten, bevor der Papst einen daraus zum Bischof ernennt. So wurde einst ein Pole namens Karol Wojtyla Bischof von Krakau. ZhouDerongFAZ060709

China und die Kirche: Die beiden ältesten, ununterbrochen bestehenden Kulturen der Menschheit liegen mitein- ander im Streit. Die römisch-katholische Kirche, die größte Glaubensgemeinschaft der Christenheit mit 1,3 Milliar- den Mitgliedern und China mit 1,3 Milliarden Einwohnern. Vor einem Jahr ließ Papst Benedikt XVI., nachdem die Regierung in Beijing gegen den Willen des Papstes Bischöfe für die Kirche in China ernannte und weihen ließ - fast kampfeslustig den Vatikansprecher eine offizielle Erklärung abgeben, in welcher der Staats­und Parteiführung in Peking das „tiefe Missfallen des Heiligen Vaters” unverhohlen ausgesprochen wurde. Der Brief des Papstes an die Kirche in China ist ein ernsthaftes Angebot zum Frieden.

   Anlass für diesen Streit war, dass im kommunistischen China zwei Priester zu Bischöfen geweiht worden waren, „ohne die notwendige Gemeinschaft mit dem Papst zu respektieren”, wie es hieß, „ohne den Auftrag und die Zustimmung des Papstes”. Der Vatikan wusste es auch ganz genau, zu genau für den Geschmack der chinesi- schen Diplomaten in Rom; die Priester Giuseppe Ma Yinglin und Giuseppe Liu Xinhong am Sonntag, 30. April, in Kunming (Provinz Yunnan) und am Mittwoch, 3. Mai, in Wuhu (Provinz Anhui). Der Vatikan hatte ungewöhnlich schnell, nur einen Tag später, reagiert, war also vorbereitet.
Weit mehr als innerkirchliche Querelen
   Eine „illegitime”, nicht „ungültige”, Bischofsweihe - das erscheint auf den ersten Blick wie eine innerkirchliche Querele, ein leichtfertiges oder absichtliches Übertreten kirchenrechtlicher Normen, des Kanons 1382 des Kodex, ein kleiner Verstoß gegen die Einheit der Kirche, aber nicht mehr. Dann könnte die Pekinger Führung leicht zur Tagesordnung übergehen und weiter wähnen, dass sie Herr im eigenen Haus sei.  Aber es ist weit mehr. Es betrifft nicht nur China, sondern auch andere Weltgegenden. Hier ist nicht nur ein wunder Punkt der päpstlichen, römisch-kirchenrechtlichen Kompetenz berührt, sondern ein weltpolitischer Streit um die Freiheit der Kirche und die Würde des Menschen offengelegt.
Denn der Theologe auf dem Papstthron zieht seine Anklage weit über den Binnenraum der Kirche hinaus. Nicht ein Kirchenparagraph steht zur Debatte, sondern, wie es für China heißt, dass „Bischöfe und Priester starken Pres- sionen und Drohungen unterworfen wurden, um an diesen Bischofsweihen teilzunehmen, gegen ihr Gewissen”. Einige hätten, so heißt es weiter, diesen Drohungen widerstanden, andere hätten sich „mit innerem Leid” gefügt und seien in ihrem Gewissen „verletzt”.
   Vielleicht kümmert das die Parteiführer in Peking nicht. Aber das bedeutete, dass sie nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind und die Entwicklung der Menschenrechte seit gut einem halben Jahrhundert nicht wahrhaben oder ver- drängen wollen. Nach 1949 konnten die Machthaber unter Mao die Christen auf dem chinesischen Festland ohne große internationale Anteilnahme verfolgen und schikanieren. Damit schufen sie jedoch auch Märtyrer für künftige Gläubige. Denn trotz aller Behinderungen gibt es immer noch zehn bis 30 Millionen Christen in der Volksrepublik.
Kirche als Anwalt der Menschenrechte
   Das „Päpstliche Jahrbuch” verzeichnet Jahr für Jahr alle kirchlichen Bistümer und Provinzen, die seit 430 Jahren (so Macau), vor allem jedoch im 20. Jahrhundert vor dem kommunistischen Regime, errichtet wurden und nur der „Auffüllung” harren. Die Unterdrückung von Minderheiten und die Verletzung von Menschenrechten ist seit den Erklärungen der Vereinten Nationen nicht mehr „Privatsache” eines Staates, sondern eine internationale Ange- legenheit.
   Zudem haben sich die chinesischen Kommunisten einen denkbar ungünstigen Partner für ihren Kulturkampf ausgesucht. Denn der „Heilige Stuhl”, der kleine Vatikanstaat als Regierungszentrale der katholischen Kirche, repräsentiert nicht eine kleine Sekte. Er ist vielmehr ein von fast allen Staaten anerkanntes Völkerrechtssubjekt, dem dadurch - das ist das Besondere - das Recht gegeben wird, die Interessen der Katholiken zu vertreten und sich dabei auch „in die inneren Angelegenheiten” dieser Staaten „einzumischen”.
   So werden Religions- und Gewissensfreiheit international beachtetes und einklagbares Recht. Die Kirche wurde zum Anwalt der Menschenrechte, nicht aus Gnade der Staaten, sondern wegen der Einsicht „des Staates”, dass nicht alles vom Menschen ihm gehört. Diese Einsicht hat sich in China noch nicht durchgesetzt.
Diktatur über das Gewissen
   Deshalb hielt sich der päpstliche Protest auch nicht lange auf mit der seit Jahrzehnten geläufigen, doch immer weniger tauglichen Unterscheidung zwischen einer katholischen „Patriotischen Kirche”, die von den Behörden ge- lenkt wird, und einer im Untergrund. Die erste ist nach vielen Zeugnissen viel weniger „patriotisch”, als es die Kommunisten gern hätten, die zweite lebt gar nicht so versteckt wie anzunehmen war.
   Die Religion hat sich auch in China als stärker erwiesen als die Ideologie. Die „Erklärung” berührt auch nicht das „Problem Taiwan”, die Inselrepublik, die sich an internationale Standards hält und den Christen ihre Freiheit gewährt. Denn es wäre das erste Mal, dass die vatikanische Diplomatie einen solchen Knoten nicht fein auflösen könnte. Das Regime in Peking schiebt nach römischer Ansicht diese innerchinesische Auseinandersetzung vor, um eine Diktatur über Gewissen ausüben zu können, die ihm nicht zusteht.
   Etwas Ähnliches hat freilich auch die katholische Kirchenführung in China lernen müssen. Man feiert jetzt den 500. Geburtstag des Jesuiten-Missionars Franz Xaver, der als erster in der Neuzeit die christliche Botschaft nach China bringen wollte, der jedoch 1552 vor dem ihm verschlossenen Festland starb.
Kampf um den Menschen
   Immer wieder gedenkt der Priesterorden der „Gesellschaft Jesu” auch seiner „Mandarine”, des Italieners Matteo Ricci, des Deutschen Adam Schall, die in Peking eine Synthese zwischen chinesischer Kultur und christlichem Glauben versuchten, etwa bei der Verehrung der Ahnen oder der Anbahnung einer Hochzeit zwischen dem Kaiser und einer päpstlichen Nichte. Ihre „Akkomodation” und „Inkulturation” stießen in Rom (und bei den europäischen Kolonialmächten) auf Widerstand. Sie wurden erst vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und Johannes Paul II. (1981) gebilligt und gepriesen.
   Auch andere Orden, Benediktiner, Salesianer oder „Steyler”, haben im 20. Jahrhundert an Universitäten in China gewirkt, nicht zum Schaden der Chinesen. Jetzt muss nur die kommunistische Führung einsehen, dass es nicht ein Streit von Kulturen oder Ideologien ist, sondern ein Kampf um den Menschen. Der Vatikan bietet dafür im Schluss- satz „seine Bereitschaft zu einem ehrenhaften und konstruktiven Dialog” an. Allerdings ohne illegitime Bischofs- weihen.
FAZ060518Heinz-JoachimFischer

 Freier geht's schon

   Es hört sich nach Fortschritt an, wenn ein Mitglied der chinesischen Parteiführung ausdrücklich nichts Schlimmes(mehr) darin sieht, dass Menschen einer Religion anhängen. Vielleicht erleichtert es auch den Alltag der Anhänger bisher drangsalierter Gemeinschaften und Gemeinden, wenn die Behörden nun ausdrücklich aufgefordert werden, den Religionsgemeinschaften bei der Bewältigung praktischer Probleme zu helfen. Aber ein Schritt in Richtung Religionsfreiheit ist das nicht, eher ein gradueller Wechsel der Taktik im Umgang mit den Gläubigen. In der schon jetzt praktizierten Mischung aus Repression und Vereinnahmung werden die Gewichte ein wenig in Richtung Ver- einnahmung verschoben. Das zuständige Politbüromitglied hat das offen zum Ausdruck gebracht: Es gehe um das gemeinsame Ziel einer „Wiederbelebung" der chinesischen Nation - und zu definieren, was das ist, behalten sich weiter die Kommunisten vor. Mit anderen Worten: Frei glauben darf nur, wer in allem anderen der Partei gehorcht. Diese Möglichkeit gab es in staatlich kontrollierten Gemeinschaften schon bisher. FAZ130125rve

sin-HeiligeMesse-Zz

Chinas frohe Botschaft - Immer mehr Chinesen finden zum christlichen Glauben -
der Kommunistischen Partei ist das nicht geheuer 
Foto: Nicht nur zur Weihnachtszeit:
Chinas christliche Kirchen sind jeden Sonntag bis auf den letzten Platz mit Gläubigen gefüllt.

   Für Herrn Meng ist Gott allmächtig. „Früher habe ich gestottert und brachte keinen geraden Satz heraus", er- zählt der Mittvierziger. „Dann bin ich Christ geworden - und Sie hören ja, wie ich jetzt sprechen kann!" Allerdings.
  Herr Meng redet seit zwanzig Minuten wie ein Wasserfall von Gottes Wundern, der Bibel und dem Weihnachts- fest, das er gerade inmitten seiner Gemeinde gefeiert hat. Seine rund 60 Zuhörer sitzen eng gedrängt auf schma- len Bänken und kleinen Hockern. Sie alle sind an diesem Sonntag zum ersten Mal zu einem Gottesdienst in die Pe- kinger Chongwenmen-Kirche gekommen und im Anschluss zu einer Einführung in den christlichen Glauben eingela- den worden.
   „Im Alltag erleben wir alle, wie eigennützig und boshaft Menschen sein können", erklärt Herr Meng, einer der Ge- meindeälteren. „Aber Gott ist gerecht, ihm können wir vertrauen." Er lässt eine Liste mit den Terminen der regel- mäßigen Bibelstunden herumgehen. Viele tragen sich ein.
   Die protestantische Chongwenmen-Kirche mit ihren rund 800 Plätzen ist sonntags regelmäßig so gut besucht, dass ihre Gottesdienste per Video in die Nebenräume übertragen werden müssen, und das viermal am Tag. Die Besucher sind eine bunte Mischung: Gut gekleidete Angehörige der chinesischen Mittelschicht sitzen neben Wan- derarbeitern in abgewetzten Anzügen oder Jugendlichen im Freizeitlook. Die meisten sind erst seit wenigen Jahren Christen.
   Denn Chinas Kirchengemeinden wachsen schnell, ein Trend, den die Kommunistische Partei mit Sorge beob- achtet. In ihrem atheistischen System ist Religion zwar erlaubt, aber nur, wenn sie sich der staatlichen Glaubens- aufsicht unterstellt. Doch gerade dazu sind viele chinesische Christen nicht bereit, denn für viele ist die Hinwen- dung zu Gott auch eine Abkehr von den materialistischen Heilsversprechungen, aus denen die Führung ihre Legiti- mation bezieht.
      Zwischen 60 und 90 Millionen Chinesen bekennen sich zum Christentum, schätzt die chinesische Akademie für Sozialwissenschaften. In offizielle Gotteshäuser wie Pekings Chongwenmen-Kirche geht aber nur etwa ein Drittel.  Die Mehrheit trifft sich in informellen Zirkeln und nimmt dafür das Risiko staatlicher Repressionen in Kauf. Beson- ders Katholiken stehen unter Druck: Peking verlangt von ihnen die Zugehörigkeit zur „Patriotischen Vereinigung", die statt des Papstes die Partei als höchste Instanz anerkennt. Als im Sommer der Schanghaier Bischof Thaddeus Ma Daqin demonstrativ seinen Austritt aus der Staatskirche erklärte, verschwand er umgehend aus der Öffent- lichkeit. Die Nichtregierungsorganisation China Aid dokumentierte vergangenes Jahr 1289 religiös motivierte Fest- nahmen, mehr als doppelt so viele wie 2010.
   Dem Zulauf des Christentums tut das keinen Abbruch. Zwar gibt es keine belastbaren Statistiken, doch in Kir- chenkreisen heißt es, dass die Zahl der Gläubigen so schnell wachse, dass es gerade für die Untergrund- gemeinden immer schwieriger sei, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zu den größten Missionsorten gehö- ren Chinas Universitäten.
   „Die heutige chinesische Gesellschaft ist geprägt von Materialismus und Egoismus", sagt ein 23-jähriger Wirt- schaftsstudent an Pekings elitärer Renmin-Universität, die vor allem Kader für den Staatsdienst ausbildet. „Im Westen gibt es viele gute Werte, die wir in China auch haben sollten." Dass Menschen wie er christliche und west- liche Werte gleichsetzen, ist einer der Gründe, weshalb das Christentum der Partei nicht geheuer ist. Denn die Führung hat es zu einer ihrer Leitparolen gemacht, sogenannte „westliche Vorbilder" abzulehnen. Doch die natio- nalistischen Parolen, mit denen die Kommunistische Partei ein chinesisches Wirgefühl zu schaffen versucht, kommen nicht bei allen gut an. „Bevor ich zu Gott gefunden habe, fühlte ich mich spirituell leer", erzählt ein Stu- dent aus Guangzhou. Als er über einen Kommilitonen zu einem Bibelkreis kam, entdeckte er einen gemeinschaft- lichen Zusammenhalt, den er vorher nicht kannte. „Wir Chinesen stehen von klein auf in Konkurrenz miteinander, aber in der Gemeinde ist dieser Wettbewerb außer Kraft gesetzt", erzählt er. Zum Gottesdienst gehen die Studen- ten zwar in eine offizielle Kirche, doch darüber hinaus treffen sie sich häufig zu informellen Gebetszirkeln in ihren Wohnheimzimmern.
   Starken Einfluss haben dabei oft Ausländer. Insbesondere christliche Gruppen aus den USA schicken Missionare nach China, die dort als Studenten oder Sprachlehrer auftreten, aber vor allem religiöse Anhänger zu gewinnen versuchen. So erzählt ein chinesischer Student, dass er zu einer Weihnachtsfeier bei einem amerikanischen Do- zenten eingeladen gewesen sei, von dessen religiösen Überzeugungen er nichts wusste. Bei der Zusammenkunft habe dann die Frau des Hauses vor allen Gästen ihre Beichte abgelegt. „Sie wollte für uns ein Vorbild sein", er- zählt der sichtlich beeindruckte Student. Oft ködern amerikanische Missionare die chinesischen Studierenden auch mit praktischen Vorteilen, etwa dem Versprechen auf die Aufnahme an ein US-College in kirchlicher Trägerschaft.
   Herr Meng in der Pekinger Chongwenmen-Kirche glaubt indes nicht, dass man zu solchen Tricks greifen oder als Christ im Untergrund leben müsste. „Ich weiß, dass manche Gläubige lieber in kleinen Gruppen beten", sagt er, nachdem seine Kirchenneulinge gegangen sind. „Aber wenn sie einmal einen richtigen Gottesdienst in einer schönen Kirche wie unserer erlebt haben, kommen sie auch wieder." HAZ130122BernhardBartsch

China: Nicht anerkannter Bischof weiht Priester

   Am Tag des Amtsantritts von Papst Franziskus hat ein von Rom nicht anerkannter chinesischer Bischof zwei Priester geweiht. Laut einem Bericht des Pressedienstes Ucanews ordinierte Bischof Joseph Ma Yinglin in der südwestchinesischen Provinz Yunnan zwei Geistliche. Die Feier sei schon seit Monaten geplant gewesen und habe mit Rücksicht auf Verwandte und Freunde der Kandidaten nicht verschoben werden können, sagte ein beteiligter Priester dem Pressedienst. Die Weihe solle nicht „missverstanden" werden. "Einziger Grund sei der Seelsorger- bedarf in der Ortskirche. Ma war 2006 ohne Zustimmung des Vatikan zum Bischof der südchinesischen Stadt Kunming geweiht worden. Grund für die Ablehnung war nach Angaben katholischer Pressedienste eine allzu große Staatsnähe von Ma und seine unzureichende Erfahrung als Seelsorger. Im Dezember 2010 wählte die Vollver- sammlung der „Patriotischen Vereinigung" regierungstreuer Katholiken in China Ma zum Vorsitzenden ihrer Bischofskonferenz. DT130321kna

Peking will Arbeitslager schließen

   Hunderttausende chinesische Regimekritiker sind in den vergangenen Jahrzehnten zur „Umerziehung durch Ar- beit" geschickt worden, nun sollen die umstrittenen Lager geschlossen werden. Der ranghöchste Justizkader der Kommunistischen Partei, Meng Jianzhu, erklärte jüngst, die Arbeitslager würden 2013 aufgelöst, berichtet die gewöhnlich gut informierte Hongkonger „South China Morning Post". Dem 1957 unter Mao Tsetung eingeführten System, mit dem Sicherheitskräfte vermeintliche „Unruhestifter" jahrelang ohne Gerichtsverfahren inhaftieren dür- fen, solle bei der jährlichen Parlamentssitzung im März die Rechtsgrundlage entzogen werden. Mit dem Schritt will die seit November amtierende neue Parteiführung offensichtlich ihr Engagement für die Stärkung des Rechtsstaats demonstrieren. Ob damit eine grundsätzliche Lockerung der Repressionen gegen Kritiker einhergehen wird, bleibt vorerst allerdings fraglich.
   Dass Chinas Polizei Querulanten nach Belieben ins Arbeitslager - auf Chinesisch „Laojiao" - schicken kann, war in der Vergangenheit immer wieder Auslöser von Protesten. Zuletzt sorgte im August 2012 der Fall einer Mutter für Aufruhr, die für 18 Monate inhaftiert werden sollte, nachdem sie mit Nachdruck Aufklärung über die Entführung und Vergewaltigung ihrer Tochter verlangt hatte. Die Elfjährige war drei Monate in einem Bordell gefangen gehalten worden, dessen Betreiber von der örtlichen Polizei gedeckt wurden. Als die Mutter eine harte Bestrafung der verantwortlichen Polizisten verlangte, versuchten diese, sie wegen „Störung der öffentlichen Ordnung" aus dem Verkehr zu ziehen. Weil Internetbenutzer und Zeitungen über ihr Schicksal berichteten, kam sie nach wenigen Tagen frei.
   Offizielle Angaben darüber, wie viele Chinesen in Arbeitslagern sitzen, gibt es nicht, doch alle Schätzungen las- sen auf ein ausgedehntes System schließen. Von Anfang an war es maßgeblich gegen politische Kritiker gerichtet. Nach einem Bericht der Wochenzeitung „Legal Weekly" wurden allein während der Mao-Zeit 480.000 unliebsame Intellektuelle in Arbeitslager geschickt. Der Pekinger Bürgerrechtsanwalt Wei Rujiu schätzt, dass zwischen 1957 und 2000 fünf Millionen Menschen in Sonderhaft genommen wurden und dass es im Jahr 2000 landesweit 310 Lager gab. Seither soll die Zahl auf 350 gestiegen sein. Häufig sind die Lager an Staatsbetriebe angegliedert, welche die Insassen als billige Fabrikkräfte ausnutzen. Laut Gesetz dürfen Insassen bis zu vier Jahre inhaftiert werden. Während dieser Zeit haben sie kein Anrecht auf Besuche ihrer Familie oder Kontakt mit einem Anwalt. Zahlreiche prominente Dissidenten verschwanden in Arbeitslagern, etwa der Anwalt Gao Zhisheng, der sich für verfolgte Anhänger der Falungong-Sekte eingesetzt hatte.
   Die „Laojiao" sind nicht nur bei internationalen Menschenrechtsorganisationen, sondern auch in China selbst seit Langem umstritten. 2003 forderten 127 Mitglieder des 3000-köpfigen Parlaments, dem Nationalen Volkskongress, eine Reform des Systems. Ein Jahr später plädierten bereits 420 Delegierte für eine Gesetzesänderung. 2007 verlangten auch 69 namhafte Richter, Anwälte und Rechtsexperten eine Abschaffung der Arbeitslager. Trotzdem tat sich die Partei mit einer Novelle schwer, nicht zuletzt, weil die Sicherheitskräfte angesichts wachsender sozialer Spannungen umfassende Befugnisse fordern, um die soziale Stabilität aufrechtzuerhalten.
HAZ130122Bernhard Bartsch

 Bischof Samuel Guo Chuanzhen von der katholischen Untergrundkirche ist tot.

  Das meldet die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Er war Weihbischof der Erzdiözese Jinan und starb bereits am 6. November 2012 im Alter von 94 Jahren, so die Vatikanzeitung. Während der Kulturrevolution verbrachte der 1944 zum Priester geweihte Guo insgesamt 16 Jahre im Arbeitslager und unter Hausarrest. Zuvor zwangen ihn die kommunistischen Machthaber im Jahr 1963, sein Wirken als Priester einzustellen und eine Beschäftigung in der Lebensmittelindustrie aufzunehmen. Nach 19 Jahren durfte der Angehörige des Franziskanerordens im Jahr 1982 seine priesterliche Tätigkeit wieder aufnehmen. 1983 gründete er das Priesterseminar der Provinz Shandong im Osten Chinas und wurde dessen erster Rektor. Papst Johannes Paul II. berief ihn 1988 zum Weihbischof des Erz- bistums Jinan. Die im Osten Chinas gelegene Erzdiözese Jinan zählt gegenwärtig rund 30.000 Katholiken.
Rv121120kna

Chinas ältester katholischer Bischof, John Baptist Liu Jingshan, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Der frühere Bistumsleiter von Yinchuan in der autonomen nordchinesischen Region Ningxia starb in seiner ehemaligen Bischofsstadt. Jingshan, einer von rund 100 katholischen Bischöfen in China, war ebenso wie sein Nachfolger Joseph Li Jing sowohl von der staatlichen Katholikenorganisation der „Patriotischen Vereinigung“ als auch vom Vatikan anerkannt. Jingshan, 1913 in der Inneren Mongolei geboren und 1942 zum Priester geweiht, verbrachte fast drei Jahrzehnte von 1951 bis 1970 in einem Arbeitslager. RV130205kna

sin-Führungswechsel-x    China: Für Katholiken keine großen Änderungen in Sicht

  An der Lage der katholischen Kirche in China wird sich auch nach dem Führungswechsel in der Kommunistischen Partei vorerst nichts ändern. Das sagt Katharina Wenzel-Teuber vom China-Zentrum der Steyler Missionare in Sankt Augustin. Es könne höchstens sein, dass sich die politische Großwetterlage nach dem Parteitag nun etwas entspannt – und dass davon dann auch die Kirche etwas profitiert. Generell gebe es aber für die Katholiken im Reich der Mitte ein ganzes System von Kontrollvorschriften, das fest verankert sei. Die Kirche leide unter Struk- turen, die nicht zum katholischen Verständnis passten, so die Expertin im Münchner Kirchenradio. Zu diesen Struk- turen gehöre etwa die Katholische-Patriotische Vereinigung, die vom Regime kontrolliert werde und keinen Kon- takt zum Papst haben dürfe. Aber auch Einmischungen in den Alltag wie z.B. politische Schulungen für Priester gäben der katholischen Kirche einen engen Rahmen vor.
Korruptionsproblem
   Die Korruption in China, die auf dem Parteitag besonders beklagt wurde, macht nach Angaben von Wenzel- Teuber auch vor der Kirche nicht halt. So werde Bischöfen, die von Rom anerkannt sind, Geld versprochen, wenn sie an illegalen Priesterweihen teilnähmen. Das sei „fast gefährlicher als andere Formen von Druck“. Die Kirche spiele zwar keine wichtige Rolle bei der Demokratisierung in China, doch gebe sie wichtige Impulse für eine plurale Gesellschaft. Dazu gehöre etwa die Idee, dass es eine transzendente Macht gebe, der gegenüber die Regierung sich rechtfertigen muss. Die ungleiche Verteilung des enormen Wirtschaftswachstums in China spiegelt sich auch bei den Katholiken wider, so die Chefredakteurin der Zeitschrift „China heute“. Katholiken in den großen Städten profitierten vom Aufschwung eher als die Gläubigen auf dem Land. Vor allem Priester lebten einfacher als andere Chinesen, die eine vergleichbare Ausbildung haben.
  Auch der Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, Notker Wolf, ist davon überzeugt, dass die neue kom- munistische Führung in China ihren Machtanspruch  gegenüber der katholischen Kirche nicht aufgeben wird. Chinas Machthaber sähen in der Kirche nur einen politischen Gegner, so Wolf, der häufig durch China reist, im Münchner Kirchenradio.
   „Sie ärgern sich, wenn wir in das Selbstverständnis der Partei hineinreden, aber die Partei möchte unbedingt uns vordiktieren, wie katholisches Kirchenverständnis auszusehen hat“.
   Dabei gingen die Behörden soweit, Priester zu verhaften oder unter Hausarrest zu stellen, um sie zum Übertritt in die offizielle Katholische-Patriotische Vereinigung zu zwingen. Mit diesen Schikanen müssten die Katholiken vor Ort einfach leben, so Wolf, der auch Vorsitzender der China-Kommission seines Ordens ist.
Kirchliches Engagement
   Für ihr Engagement in Altenheimen, Ausbildungsstätten und Priesterseminaren versuchten die Benediktiner im- mer, gute Beziehungen zu den örtlichen Behörden aufzubauen und zu unterhalten. Wenn kirchliches Engagement in China mit Sozialprojekten einhergehe, dann gebe es in der Regel keine Probleme mit den Kommunisten, so Notker Wolf. Er kündigte an, nächstes Jahr auf dem Weg nach Nordkorea die benediktinischen Hilfsprojekte im Nordosten Chinas zu besuchen. Eine Klostergründung in China sei derzeit nicht in Sicht, so der Abtprimas. – Deutsche Missionsbenediktiner waren von 1922 bis 1952 mit Klostergründungen in China aktiv. Nach ihrer Ver- treibung setzten sie ihre Arbeit in Südkorea fort und konnten von dort aus ab 1985 an ihre frühere Arbeit in Nordost-China anknüpfen.
Hintergrund
   Auf dem Parteitag der Kommunisten in Peking ist zum Abschluss ein neues Zentralkomitee gewählt worden. Der bisherige Vizepräsident Xi Jinping Foto rückte offiziell an die Spitze von Staat und Partei.   RVsk121116MünchnerKR

Vatikan hofft auf bessere Beziehungen zu China     cdd-FernandoFiloni--   Kardinal Fernando Filon

   Der Heilige Stuhl hofft auf einen neuen Dialog mit der Pekinger Regierung. Das ergibt sich aus einem Aufsatz von Kurienkardinal Fernando Filoni in einer Hongkonger kirchlichen Zeitschrift. Filoni leitet die wichtige Päpstliche Missi- onskongregation. In dem Aufsatz schlägt er die Bildung einer stabilen und hochrangigen bilateralen Kommission Vatikan-Peking vor, wie es sie zwischen China und Taiwan oder auch zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam gibt. Filoni erinnert an den Brief von Papst Benedikt an die chinesischen Katholiken vor genau sechs Jahren. Der Heilige Stuhl habe „nach Jahren der Prüfung den klaren Eindruck erhalten, dass die Kirche in China in ihrer Gesamtheit nie schismatisch gewesen ist“, so der Kardinal wörtlich. Doch bestünden heute noch tiefe Gräben und Spaltungen unter Chinas Katholiken. Diese ließen sich, realistisch gesehen, nur heilen, wenn es zu einem Dialog zwischen Heiligem Stuhl und den chinesischen Behörden komme.
   Filoni bedauert, dass es in den letzten fünf Jahren nicht zu dem vom Papst gewünschten „offenen und loyalen Dialog“ gekommen sei, sondern zu „Unverständnis, Beschuldigungen und Verhärtungen“. Dafür seien oft „unvoll- ständige und irrige Nachrichten“ verantwortlich, manchmal seien auch „einige Reaktionen des Heiligen Stuhls nicht gut rezipiert“ worden. Als größte Stolpersteine in den letzten Jahren nennt Kardinal Filoni staatliche Versuche, die Kirche unter Kontrolle zu bekommen, Inhaftierung von Kirchenleuten, Einmischungen von Behörden bei der Ernen- nung von Bischöfen und das Auftreten „illegitimer Bischöfe“ bei Bischofsweihen. Gerade Letzteres habe „drama- tische Gewissenskonflikte heraufbeschworen“. Aus seiner Sicht, so Filoni, wäre es jetzt wohl an der Zeit, „an eine neue Art des Dialogs zu denken“. Die Teilnehmer an diesem Dialog müssten so hochrangig sein, „dass nicht mehr Partikularinteressen den guten Willen und das gegenseitige Vertrauen unterminieren können“. Der Präfekt der Missionskongregation lanciert seinen Artikel unmittelbar vor dem Pekinger Parteikongress, bei dem mit einem Um- bau der Staats- und Parteiführung zu rechnen ist. RV121026sk

Kritik am Ausreiseverbot für chinesische Bischöfe
 
Kardinal John Tong Hon aus Hongkong hat ein Ausreiseverbot der chinesischen Regierung für katholische Bischöfe kritisiert. Als Delegierter hätte der papsttreue Bischof von Taichung, Martin Su Yao-wen, an der derzeit im Vatikan stattfindenden Bischofssynode teilnehmen sollen. Mit Blick auf die Verweigerung eines Ausreisevisums für Su Yao-wen sagte Kardinal Tong Hon vor Journalisten im Vatikan, in China gebe es noch immer zahlreiche Ein- schränkungen der Religionsfreiheit. Dies sei um so bedauerlicher, als sich das Land in anderen Bereichen, etwa der Wirtschaft, längst geöffnet habe, so Tong Hon. Auch zu früheren Synoden habe die chinesische Regierung papsttreuen Bischöfen entweder die Ausreise verweigert oder sie nur unter der Bedingung erlaubt, dass auch aus katholischer Sicht illegitim geweihte Bischöfe an der Zusammenkunft teilnehmen dürften. Tong Hon forderte einen verstärkten Dialog zwischen dem Vatikan und Peking. Tong Hon verwies auf die in vor der Weltbischofssynode verlesene Botschaft des Bischofs von Fengxiang, Lucas Ly Jingfeng. In seinen Brief äußert dieser sein Bedauern darüber, dass „keine Stimme der chinesischen Kirche" zu hören sei. Zugleich betont Jingfeng jedoch den starken Glauben chinesischer Christen. Trotz Verfolgung seien sie der Kirche treu geblieben und könnten als Vorbild für Christen im Ausland dienen, denen der Glaube nichts mehr bedeute.  DT121020kna

Sieben katholische Priester müssen in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang ihre Gemeinden verlassen.
    Das hat die Regierung in Beijing beschlossen. Wie die Nachrichtenagentur „Apic“ berichtet, hatten die Priester gegen die Bischofsweihe von Pater Joseph Yue Fusheng protestiert. Fusheng, der als Nahestehender der chinesi- schen Machthaber gilt, ist ohne päpstliches Mandat unerlaubt geweiht worden. Einige der sieben Priester hätten bei Fushengs Weihe öffentlich ihre Ablehnung ausgedrückt, andere hätten schlichtweg nicht teilgenommen und wurden deshalb von der Regierung dafür bestraft, berichtet „Apic“. Bereits vor der Weihe hatten die chinesischen Behörden angekündigt, dass Priester, die die vom Staat erlassene Bischofsweihe nicht anerkennen, mit schweren Konsequenzen rechnen müssten. RV120731apic

   In der Wahl zum Bischofs-Coadjutor der Diözese Schanghai gewann der Priester Thaddeus Ma Daquin die Mehr- heit. Von den 205 wahlberechtigten Priestern, Ordensschwester und Laien stimmten 190 ab. Fr. Ma, dessen genaues Alter nicht bekannt ist, soll etwa 40 Jahre alt sein. Er stand als einziger Kandidat zur Wahl und erhielt 160 Stimmen in der von der Regierung festgelegten Wahl einer „demokratischen“ Bischofswahl.
   Es gab zwei Gegenstimmen und 28 Enthaltungen.
   Der Vatikan hat für diese dem Koadjutor noch kürzlich seine Zustimmung erteilt. Der Bischof  von Schanghai Aloy- sius Jin Luxian, 95, übernahm die Leitung bei dieser Wahl und gab ebenfalls seine Stimme ab.
   Die staatlich sanktionierte Bischofskonferenz der katholischen Kirche in China hat diese Wahl im Juni bestätigt. Bischof Ma ist nun der zweite junge Bischof dem der Bischof Jin die Weihe erteilte. „Niemand erwähnte während der Wahl den Weihbischof Joseph Xing Wenzhi“,  berichtet ein Teilnehmer der Wahl. Bischof Xing Wenzhi wurde 2005 vom Papst ernannt und von der Regierung anerkannt. Seit Dezember 2011 wurde er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.  CT120610

   Nach dem Austritt des neuen Weihbischofs von Shanghai aus der „Katholischen Patriotischen Vereinigung“ üben die chinesischen Behörden offenbar Druck auf katholische Einrichtungen in der Stadt aus. Im Juli hatte Ma Daqin bei seiner – vom Vatikan genehmigten - Weihe zum Weihbischof von Shanghai öffentlich seinen Austritt aus der staatlichen „Katholischen Patriotischen Vereinigung“ verkündet. Die Behörden stellten den Weihbischof unmittel- bar danach unter Hausarrest. Auch verschoben sie den Beginn des akademischen Jahres in zwei Priester- seminaren auf unbestimmte Zeit und entließen eine Ordensvorsteherin wegen „mangelnder Kooperation mit den Behörden“, berichtet „Ucanews“. Agnès Liu Shujing hatte sich gegen eine Teilnahme an der Weihe von Ma Daqin gesträubt, weil dort auch ein durch den Vatikan nicht anerkannter Bischof anwesend war. RV120823apic

Konferenz setzt Weihbischof ab
 Die Bischofskonferenz der offiziellen katholischen Kirche Chinas hat Thaddeus Ma Daqin die Ernennung zum Weih- bischof aberkannt. Nach einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur Ucanews wurde auch Ma Daqins Priesteramt für zwei Jahre ausgesetzt. Ma Daqin, der mit Einverständnis des Papstes am 7. Juli zum Weihbischof von Schanghai geweiht worden war, hatte während der Messe zu seiner Weihe erklärt, dass er aus der staatlichen „Patriotischen Vereinigung" der katholischen Kirche Chinas austreten wolle. Ma Daqin durfte seither nicht mehr öffentlich auftreten. Die Bischofskonferenz soll außerdem angekündigt haben, dass bei jeder Weihe von jetzt an eine nicht näher erklärte “Loyalitätserklärung" abgegeben werden müsse. Die Bischofsweihe in Schanghai war ursprünglich als Fortschritt gefeiert worden, weil ein Kandidat für die Nachfolge des betagten Schanghaier Bischofs Jin gefunden worden war, der sowohl von der chinesischen Regierung als auch vom Vatikan genehmigt worden war. Bischof Ma zog aber den Zorn der Religionsbehörden auf sich, als er seinen Rückzug aus der Patri- otischen Vereinigung erklärte und damit seine Treue zum Papst demonstrierte. FAZ121212PK

Chinas ewiger Streit mit dem Vatikan über Bischofsernennungen
   Noch im Oktober hatte der Vatikan an die chinesische Regierung geschrieben. Kardinal Filoni drückte die Hoff- nung aus, dass Peking und der Vatikan wieder ins Gespräch kommen könnten. Jetzt ist die Kontroverse um Bischofsernennungen wiederaufgeflammt und eine Annäherung zwischen Peking und Rom scheint in die Ferne gerückt. Chinas Katholiken müssen weiter mit einer gespaltenen Kirche und in einer schwierigen politischen Situation leben. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Diözese Schanghai und ihr neuer Bischofskoadjutor Ma Daqin, dem die offizielle chinesische Bischofskonferenz in der vergangenen Woche seine Bischofswürde aberkannt hat. Sie hat Bischof Ma, der seit Monaten in unfreiwilliger Klausur im Priesterseminar von Scheschan sitzt, außer- dem verboten, in den nächsten zwei Jahren sein Priesteramt auszuüben. Die Maßnahme sei nach den Regeln der Kirche ohne Bedeutung, hieß es in der Reaktion des Vatikan. Die sogenannte Bischofskonferenz von China werde nicht anerkannt, sie habe weder die Macht, Bischöfe zu ernennen, noch die, sie abzusetzen. Der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Zen, schrieb von einer Schande.
   Damit sind durch den Fall Ma Deqin die Fronten in Sachen Bischofsernennung wieder verhärtet. Chinas offizielle katholische Kirche muss auf Geheiß der chinesischen Regierung ihre Bischöfe selbst ernennen. Eine Ernennung von Bischöfen durch den Papst, wie sie sonst in der Weltkirche üblich ist, wird von der chinesischen Regierung als „Ein- mischung" abgelehnt. Diese und andere Einschränkungen führten nach der Machtübernahme der Kommunisten in den fünfziger Jahren dazu, dass sich in China eine romtreue „Untergrundkirche" bildete, die bis heute dem Papst die Treue hält. Die Katholiken sind mit insgesamt etwa 18 Millionen Gläubigen in der offiziellen und in der Unter- grundkirche eine kleine Gemeinschaft in China.
   Die Weihe Mas hätte ein zukunftweisender Fall werden können. Der 44 Jahre alte Ma war sowohl vom Papst als auch von der offiziellen katholischen Kirche und ihrer „patriotischen Vereinigung" anerkannt worden, und das, obwohl er ursprünglich aus der „Untergrundkirche" kam. Er hätte nach der Hoffnung derer, die auf eine Annähe- rung zwischen Rom und China setzen, ein gutes Beispiel für künftige Bischofsernennungen werden können. Besonders Schanghais betagter Bischof Jin Luxian, als dessen Nachfolger Ma vorgesehen war, hat sich für Koope- ration eingesetzt.
   Doch es hingen über der Weihe von Schanghai schon früh auch Fragezeichen. Die „patriotische Vereinigung" der katholischen Kirche verfügte, dass auch ein Bischof, der vom Papst nicht anerkannt ist, daran teilnehmen sollte. Viele Priester, Ordensleute und Gläubige blieben deswegen aus Protest der Weihe fern. Sie mussten sich darauf- hin vor den staatlichen Religionsbehörden verantworten.
   Ma Deqin setzte bei seiner Weihe seine Treue zum Papst über politische Erwägungen. Überraschend erklärte er seinen Austritt aus der „patriotischen Vereinigung" der katholischen Kirche, die der Papst wiederholt kritisiert hat. Und er umging bei der Weihe die Handauflegung durch den vom Papst nicht anerkannten Bischof. Das trug ihm den Zorn der staatlichen Behörden ein, die ihn in Klausur schickten und ihm jetzt die Bischofswürde aberkannt haben.
   Die Entscheidung von Bischof Ma Daqin, aus der „patriotischen Vereinigung" auszutreten, ist bei den chinesi- schen Katholiken umstritten. Viele loben seinen Mut, in einem so wichtigen Augenblick seinem Gewissen zu folgen und damit auch ein Zeichen für die gesamte Kirche zu setzen. Andere fragen sich, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn der Bischof nicht das offizielle Religionsbüro herausgefordert hätte. Er hätte nach dieser Lesart als Bischof auf Veränderungen hinarbeiten können. Man befürchtet, dass Peking sich jetzt nicht mehr auf stillschwei- gende Vereinbarungen über Bischofsernennungen einlassen wird. Yu Zhengsheng, der zur Zeit der Bischofsweihe Parteichef von Schanghai war, ist beim Parteitag der chinesischen Kommunisten in den Ständigen Ausschuss der Politbüros aufgestiegen. Chinesische Katholiken glauben, dass auch aus diesem Grund das Urteil über Ma Daqin so hart ausgefallen ist und es jetzt wenig Raum für Kompromisse gibt. FAZ121218PetraKolonko

sin-MaDagin-xVatikan verurteilt Absetzung des chinesischen Weihbischofs Ma Daqin

   Der Vatikan hat die Absetzung des Shanghaier Weihbischofs Thaddeus Ma Daqin durch die regimenahe Bischofskonferenz der katholischen Kirche Chinas als Amtsmissbrauch verurteilt. Die Maßnahme schaffe zudem unnötig weitere Spaltung im Land. Dies sagte der Sekretär der vatikanischen Missionskongregation, Savio Hon Tai- Fai, laut einer dem vatikanischen Fides-Dienst vorliegenden Erklärung, in Rom veröffentlicht wurde.
   Die „so genannte Chinesische Bischofskonferenz“ sei vom Vatikan nie anerkannt worden, so der aus Hong Kong stammende Erzbischof. Zudem habe keine Bischofskonferenz der Welt das Recht, Bischöfe zu ernennen oder ab- zusetzen. Ma Daqin bleibe deshalb weiterhin Weihbischof von Schanghai. Der Geistliche habe bei seinem Ver- halten stets „lobenswerte Treue zur Kirche unter Beweis gestellt und stets aufrichtige Liebe zu seinem Vaterland bekannt“, so Hon Tai-Fai weiter. Viele katholische Gläubige aus aller Welt hätten sich an die Missionskongregation gewandt und ihr Bedauern über die „unterdrückende Maßnahme“ zum Ausdruck gebracht; sie sei gerade im Jahr des Glaubens „schmerzlich“, weil sie die Gemeinschaft und die Disziplin der katholischen Kirche untergrabe. Der Sekretär der vatikanischen Missionskongregation rief vor diesem Hintergrund alle Katholiken dazu auf, Solidarität gegenüber Weihbischof Ma und gegenüber allen Gläubigen, die in China ähnliche Situationen erleben, zum Aus- druck zu bringen und für sie zu beten. In diesem Sinne könnten auch Fürbitten bei den Gottesdiensten formuliert werden, so Hon Tai-Fai.
   In der vergangenen Woche hatte die regimenahe und vom Vatikan nicht anerkannte „Bischofskonferenz der ka- tholischen Kirche Chinas“ die Ernennung von Thaddeus Ma Daqin zum Weihbischof in Schanghai widerrufen. Die „Patriotische Vereinigung chinesischer Katholiken in China“, die als Vollstreckerin der Regimevorgaben in der Kirchenpolitik fungiert, wolle zudem künftig bei allen Bischofsweihen den Schwur eines staatlichen Treueids verlangen, hieß es in auslandschinesischen Medien. Ma Daquin war am 7. Juli mit Billigung des Papstes zum Weih- bischof von Schanghai geweiht worden. Während der Messe hatte er sich von der „Patriotischen Vereinigung“ losgesagt. Seither steht er in einem Priesterseminar unter Hausarrest. RVfides121213KNApr

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Der Diener zweier Herren - Foto: Aloysius Jin, Bischof von Schanghai bei einer Bischofsweihe im Jahr 2005

   Die Regierung ist doch tolerant: Der Jesuit Aloysius Jin repräsentiert den Zweig der katholischen Kirche, den China anerkennt. Ein Gesprächsband zeigt, wie er bündige Antworten meidet.
   Bereits das Titelbild des Buches „Christus in China" macht stutzig. Neben dem sechsundneunzigjährigen Aloysius Jin winkt der Papst vom im Vordergrund prominent plazierten Kitschteller. Der Untertitel verspricht: „Der Bischof von Shanghai im Gespräch mit Dominik Wanner und Alexa von Künsberg". „Der" Bischof ist Jin allerdings nur aus der Perspektive der Regierung. Im Vatikan gilt er als Apostolischer Administrator für den anderen Bischof von Schanghai, Joseph Fan, der seit Jahrzehnten unter Hausarrest steht. Jin, der gut, wenn auch nicht immer nuanciert Deutsch spricht, erklärt es so: „Ich bin hier der Boss."
   Aloysius Jin ist Jesuit. Nach dem Studium in Innsbruck und Rom und kehrte er ins kommunistische China zurück. 1955 wurde er zusammen mit Fan und Hunderten von Katholiken in Schanghai verhaftet. Als „Spion" zu achtzehn Jahren Haft verurteilt, wurden ihm die Gefängnismauern auch zum Schutz, denn „in der Zeit der Kulturrevolution war das Leben draußen schlimmer als im Gefängnis". Neun Jahre verbrachte Jin in Arbeitslagern, zum Teil als Übersetzer für die Regierung. 1985 ließ er sich in der regimenahen „offiziellen" Kirche ohne päpstliches Mandat zum Bischof weihen, womit er sich nach katholischem Kirchenrecht exkommunizierte.
   Anfänglich sprach sich Jin gegen eine „Unterdrückung" durch die „römische Ortskirche" aus. Doch seit einigen Jahren ist es in China nicht mehr notwendig, dem Papst abzuschwören. Wie fast alle Bischöfe der offiziellen Kirche wurde Jin von Rom nachträglich anerkannt. Papstteller gibt es mittlerweile auch in den Büros der Patriotischen Vereinigung der katholischen Kirche, die seit 1957 vom Staat zur Kontrolle der Kirche eingesetzt wird. „Kein Interview ohne Teiler", scheint die Direktive zu sein. Visuell wird signalisiert: wir sind keine Splitterkirche. Das „caveat" bleibt allerdings auch in keinem Interview aus: solange der Vatikan sich nicht in innerchinesische Ange- legenheiten, wie Bischofsweihen, einmischt.
   Bischof Jin ist hier keine Ausnahme. „Seit über fünfzig Jahren ist unser Slogan in der sogenannten offiziellen Kirche: ,Selbst auswählen, selbst weihen'. An diese Regeln habe ich mich auch zu halten." Mit dem Glauben habe das nichts zu tun. Jin erklärt: „Als Bischof ist es nicht meine Aufgabe, für Demokratie zu kämpfen, sondern für die Evangelisierung." Sein Programm enthält etwas Paulus und viel Pragmatismus: „Es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt", so das Bibelzitat, gefolgt von der Kalkulation: „Katholiken machen ein Prozent der Bevölkerung aus. Ist es da sinnvoll, sich gegen die chinesische Regierung zu stellen?"
   Gesagt hat Jin das alles schon oft. Seine Einschätzung der Situation der Kirche in China ist durch zahlreiche Interviews gut bekannt. Von 1986 bis 2004 machte er jährlich zwei Vortragsreisen ins Ausland. Seine Version der Vergangenheit und seine Vision für die Zukunft dürfen in keinem Exposé über die Kirche Chinas fehlen.
   Dabei wird Jins Persona meist positiv rezipiert. „Der gelbe Papst. Soldat Gottes in China", stilisiert ihn der Titel einer in Frankreich publizierten Biographie. Auch das vorliegende Buch „Christus in China" ist in die Reihe positiver Porträts einzuordnen. Heikle Themen werden nicht angesprochen, umstrittene Darstellungen nicht annotiert. Die von Thomas Zimmer gelieferten Begleittexte sind informativ, aber auf das Genre nachträglich eingeschobener Textkästen limitiert. Fragen an Jin sind ganz im Ton der Erbauung gehalten: „Wo spürt man die Gnade Gottes in Schanghai, der wohl lebendigsten Diözese Chinas?"
   Dabei gibt es mit 140.000 Getauften in der Stadt mit dreiundzwanzig Millionen Einwohnern nur halb so viele Katholiken wie im landesweiten Durchschnitt…
   Jenseits von Diplomatie machen Nachrichten aus der Kirche Chinas deutlich, dass es für Jin immer schwieriger wird, als Diener zweier Herren zu überzeugen. Gläubige der offiziellen Kirche fordern von Rom anerkannte Bischö- fe. Seminaristen der offiziellen Seminare boykottieren Bischofsweihen, die ohne päpstliche Zustimmung stattfin- den. Nach Abschluss der hier veröffentlichten Gespräche wurde Jins designierter Nachfolger zum Bischof geweiht. Der von Jin handverlesene Kandidat Thaddäus Ma zeigte sich dabei weniger kompromissbereit als geplant und erklärte öffentlich seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung. Seither steht er unter Hausarrest. Dadurch bleibt es für Jin erst einmal dabei: „Ich bin hier der Boss." FAZ121206RaphaelaSchmid 
Aloysius Jin: „ Christus in China". Der Bischof von Shanghai im Gespräch mit Dominik Wanner und Alexa von Künsberg. Mit Begleittexten von Thomas Zimmer. Verlag Herder, Freiburg 2012, 174 S.,Abb.,br.,15,99 €

Verfolgt und vergessen? - Betet für unsere “Untergrund”-Kirche in ganz China

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Foto: Mädchen beten in der Messe der katholischen Kirche in einem Vorort von Taiyuan in der Provinz Shanxi.

   Nach Informationen der Kommission für Internationale Religionsfreiheit gibt es in China „systematische, fort- währende und ungeheuerliche Verletzungen der Religionsfreiheit. Gewisse religiöse und spirituelle Gruppen sind absolut untersagt. Trotzdem wachsen die religiösen Gemeinschaften sehr stark in China. Buddhismus, Taoismus, Protestantismus, Katholizismus und Islam sind staatlich anerkannte Religionen, aber die Mitglieder dieser Glau- bensrichtungen müssen ihren Glauben unter der Aufsicht einer staatlich errichteten „Patriotischen Gesellschaft“ ausüben.
   Für katholische Christen bedeutet das, dass die „Katholische Patriotische Gemeinschaft (CPA) die staatliche Aufsicht ausübt. Für Protestanten liegt die Aufsicht bei der “Drei-selbst Patriotischen Bewegung. Diese staat- lichen Aufseher überwachen die Christen nach den Prinzipien der kommunistischen Partei. Viele Christen aber feiern Gottesdienste außerhalb dieser offiziellen Strukturen; oft werden sie daher „Untergrundkirche“ genannt.
   Im Fall der katholischen Kirche sind viele Gemeinden gleichwohl loyal zu Rom. Geschätzte 90 Prozent der „offiziellen“ Bischöfe und Priester sind vom Vatikan anerkannt. Zwar gelten die „Untergrund“-Kirchen nicht als gesetzwidrig, aber es ist ihnen nicht gestattet, öffentliche Gottesdienste oder andere Aktivitäten durchzuführen.
   Unverkennbar gibt es auch positive Entwicklungen in China. Hunderte Millionen Chinesen können ihren Glauben öffentlich zu leben. Höhere Beamte haben die positive Rolle der christlichen Gemeinden gelobt und sie ermutigt, die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung“ des Landes zu unterstützen.
   Andererseits dehnt die Regierung ihre Kontrolle über die religiösen Aktivitäten ständig weiter aus. Nicht staatlich registrierte protestantische Gemeinden werden weiterhin mit Razzien überzogen, ihre Versammlungen werden abgemahnt oder auch unterbrochen. Die Nicht-Regierungsorganisation ChinaAid berichtet, dass im Jahre 2011 mehr als 1.000 Protestanten verhaftet und zu mehr als einem Jahr Gefängnis verurteilt wurden. Die „Drei-selbst Patriotische Bewegung versucht auch die nicht staatlich registrierten „Haus“-Kirchen unter ihre Kontrolle zu brin- gen.
  Während die große Mehrheit der Leiter dieser Hauskirchen der Regierungskontrolle über Lehre und Verkündi- gung widersprechen, konnten andere Gruppen die Registrierung durch das Büro für Religionsangelegenheiten verhindern. Besonders kontrovers wird die Idee eines „theologischen Umbaus“ beurteilt, was nichts anderes be- deutet als die politische Säuberung von christlichen Elementen, die aus Sicht der kommunistischen Partei unver- einbar mit ihren politischen Zielen sind.
   Andererseits bietet eine staatliche Registrierung der Gemeinden keinen Schutz. Anfang 2012 fanden Gläubige, die zur „Drei-selbst Patriotischen Bewegung“ gehören, ihre Gebäude an mehreren Orten verwüstet und zerstört. Die Drosselung der religiösen Praxis wird in der Fläche erzwungen und obliegt der örtlichen Behörde. Infolge- dessen kommt es zu unterschiedlichen Erfahrungen der „Untergrund-“ und der „offiziellen“ Gemeinden in ganz China. Um ihre Maßnahmen zu verteidigen, übernehmen die Behörden dafür immer stärker die Redeweise von Menschenrechten und rechtsstaatlichen Regelungen; sie rechtfertigen damit die Unterdrückung der religiösen Ge- meinden, indem sie vorgeben, dass die nationale Sicherheit betroffen sei oder auch indem sie die chinesischen Gesetze weit auslegen, um damit die Religionsfreiheit zu beschränken.  
   Anfang 2012 rief der Sekretär der vatikanischen Kongregation für die Evangelisierung der Völker Erzbischof Savio Hon Tai-fai dazu auf, die unter Dauerarrest stehenden oder ohne Urteil im Gefängnis sich befindenden Priester und Bischöfe freizulassen: “Wir müssen beten für diese Bischöfe und Priester … aber wir müssen auch an jene appellieren, die sie festhalten.“
   Zur Zeit sind drei oder vier Bischöfe interniert und weitere zehn Bischöfe stehen unter Überwachung oder haben keine Erlaubnis sich frei zu bewegen. Unter diesen ist der Bischof von Baoding James Su Zhimin, 77, der seit 1996 verschollen ist und auch der Bischof von Yixian Cosmas Shi Enxiang, 88, der 2001 „verschwand“. Arrest und Gefängnis werden seit Jahren verhängt. Im März 2012 wurden der „Untergrund“-Coadjutorbischof von Wenzhou Peter Shao Zhumin und sein Generalvikar Fr. Paul Jiang Sunian festgenommen und in ein Umerziehungslager gebracht. Nachdem die Beziehungen zwischen der „offiziellen“ und der „Untergrund“-Kirche nach dem Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesische Kirche am 27. Mai 2007 sich deutlich verbessert hatten, rächten sich die CPA mit einer Serie von Eingriffen, um die „offiziellen“ Bischöfe auf die „staatliche Linie“ zu bringen. Den „offizi- ellen“ Bischöfen ist es nicht mehr gestattet, sich ohne die Gegenwart eines Vertreters der CPA zu treffen. In mehreren Fällen wurden katholische Bischöfe Wochen, manchmal auch Monate gezwungen, unter Haftbedin- gungen an Indoktrinationen über die Bedeutung der Religionspolitik der kommunistischen Partei zu folgen:
■ Im März 2011: Sicherheitskräfte verhinderten die Teilnahme der katholischen Christen in Hebei an der Be- erdigung ihres 95jährigen Bischofs Andrew Hao Jinli von Xiwanzi nach seinem Tod am Aschermittwoch;
■ April 2011: Der „Untergrund“-Priester Fr. Chen Hailong wurde verhaftet und gefoltert, um ihn zum Übertritt in die „offizielle“ Kirche zu bewegen. Am 05. August 2011 wurde er nach einem langen Hungerstreik noch vor der Entlassung zu zwei Jahren Lager zur „Umerziehung durch Arbeit“ verurteilt .
■ Juli 2011: Die Weihe von Fr. Joseph Sun Jigen zum “offiziellen” Bischof von Handan wurde staatlich ausgesetzt, weil er im geheimen vor der Weihe um die Zustimmung des Papstes nachsuchte und auch erhielt. Er wurde unter Bewachung gestellt und steht noch unter Hausarrest.
■ Oktober 2011: In der tibetanischen Hauptstadt Lhasa wurden elf Leiter von Hausgemeinden verhaftet “unter Verdacht (auf Mitgliedschaft) in einer Kult-Gruppe“ und fast vier Wochen festgesetzt. Während seiner Inhaftierung wurde der Gemeindeleiter Song Xinkuan von Polizeibeamten unter Folter nach seinem Glauben befragt. Staatliche Beamte beschlagnahmten religiöses Material und zwei Laptops als „Werkzeuge für kriminelle Handlungen“.
■ November 2011: „Untergrund“-Pastor Shi Weihan wurde nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Das Urteil wurde verhängt wegen „illegaler Geschäfte“, weil er Bibeln druckte und frei verteilte
■ Dezember 2011: Der nach päpstlicher Ernennung geheim zum Bischof von Tianshui geweihte John Wang Ruowang, 50, wurde in der Taijing Kirche am 30. Dezember verhaftet und wird weiterhin interniert in einem „staatlichen Gasthaus“ in der Stadt Tianshui in der nördlichen Gansu Provinz.
■ Februar 2012: Örtliche Behörden verwüstete eine 20 Jahre alte Kirche im Dorf Lieshan in der Provinz Anhui. Die Gemeinde war in der „Drei-Selbst Patriotischen Bewegung“ registriert. Eine Entschädigung wurde nicht gewährt.
■ März 2012: Eine Kirche der„Drei-Selbst Patriotischen Bewegung“ im Kreis Dafeng in der Provinz Jiangsu wurde durch örtliche Behörden verwüstet. Zwei Gemeindemitglieder wurden dabei geschlagen, einer Frau wurde bei diesem Angriff das Rückgrat gebrochen.
Verkürzter Auszug aus einem Bericht der ACN „Christen und der Kampf für Religionsfreiheit“.
Der Report kann aus dem Internet heruntergeladen werden
>  www.acnuk.org/persecution  CT120520JohnNewton

sin-cdAloyissiusJinLuxianSh sin-aepJosephXing2005z

Das Kreuz mit der Bischofsweihe Foto links: Schanghai, 28. Juni 2005: Bischof Aloysius Jin Luxian weiht Joseph Xing zum Weihbischof. Dieser wäre jetzt ein Kandidat für die Nachfolge gewesen. Offiziell aus persönlichen Gründen ist er jedoch zurückgetreten.  Foto rechts: Bischof Joseph Xing, Schanghai

   Ein alter Konflikt innerhalb der chinesischen katholischen Kirche flammt wieder auf. Am 06. Juli 2012 soll ein Bischof geweiht werden, aber der Papst hat nicht zugestimmt. Peking verbittet sich traditionell jede „Ein- mischung". Die Gläubigen sitzen zwischen allen Stühlen.
   Bischofsweihen sollten in der katholischen Kirche ein Anlass zum Feiern sein. In China werden sie dank der Ein- mischung der staatlichen Religionsaufsicht zunehmend zu einer Belastung für die Gläubigen und zu einer Art Ent- scheidungstrauma für die Priester. Jetzt soll in Harbin Yue Fu-sheng ohne Zustimmung des Papstes zum Bischof geweiht werden. Am 07. Juli 2012 wird in Schanghai Ma Daqin zum Bischof geweiht. Er hat zwar die Anerkennung des Papstes, aber unter den Bischöfen, die ihn weihen sollen, wird auch ein von Rom nicht anerkannter Bischof sein.
   In der nordchinesischen Metropole Harbin soll Yue Fusheng geweiht werden, ein Priester aus der offiziellen katholischen Kirche, der nicht die Zustimmung des Papstes hat. Der Vatikan hat gegen die Weihe protestiert. Nach Berichten im chinesischen Internet haben die Religionsbehörden sechs Bischöfe gezwungen, an der Weihe teil- zunehmen. Einer von ihnen, der Bischof von Shenyang, Pei Jun-min, der vom Papst anerkannt ist, sei am 02. Juli 2012 zu einem Treffen in Peking einbestellt worden. Seither habe man ihn nicht mehr erreichen können. Die katho- lische patriotische Vereinigung in Harbin gab am Donnerstag keine Auskunft.
   In Schanghai soll Ma Daqin nach seiner Weihe am 07. Juli 2012 designierter Nachfolger des bereits 96 Jahre alten Schanghaier Bischofs Aloysius Jin Luxian werden. Bischof Jin ist einer der einflussreichsten Bischöfe in der offiziellen katholischen Kirche Chinas. Bischof Jin hat nach Angaben aus Kirchenkreisen in Hongkong Ma Daqin selbst ausgesucht. Der Papst hat die Wahl in Schanghai dann bestätigt. Doch dann wurden Priester und Gläubige schockiert durch die Nachricht, dass an der Weihe ein von Rom nicht anerkannter Bischof teilnehmen muss.
   In Schanghai hatte es zuvor schon Probleme mit einem anderen Kandidaten für die Nachfolge von Bischof Jin als Leiter der Diözese gegeben. Im Frühjahr dieses Jahres trat aus offiziell nicht geklärten Gründen der bisherige Weihbischof Joseph Xing von seinem Posten zurück. Der Weihbischof gilt als ein aufrechter Priester, der sich gegen staatliche Bevormundung der Kirche zu Wehr gesetzt hat und damit das Missfallen des Religionsbüros auf sich gezogen hatte. Es heißt, dass er aus persönlichen Gründen zurückgetreten sei.
   Das Recht, Bischöfe zu bestimmen, ist einer größten Streitpunkte zwischen den Religionsbehörden des kommu- nistischen chinesischen Staates und dem Vatikan. Der Vatikan besteht darauf, dass wie überall in der Weltkirche Rom die Bischöfe ernennt. China bezeichnet dies als Einmischung in innere Angelegenheiten und hat der offiziellen Kirche befohlen, ihre Bischöfe selbst zu ernennen. Über die Einhaltung politischer Auflagen wacht in China die „Patriotische Vereinigung" in der Katholischen Kirche, ein Laiengremium, das von Papst Benedikt in seinem Brief an die chinesischen Katholiken als unrechtmäßig abgelehnt wurde. In beiden Fällen demonstrieren die staatlichen Religionsbehörden mit diesem Vorgehen, dass sie sich das letzte Wort über die Weihen und die Zusammen- setzung der Bischöfe vorbehalten.
   Das staatliche Religionsbüro bezeichnete in einer Stellungnahme die drohende Exkommunikation der Bischöfe durch Rom als „extrem unvernünftig und unhöflich". In Umdrehung der Verhältnisse verkündet das Büro, die chine- sische katholische Kirche sei seit 1950 dazu gezwungen, Bischöfe selbst zu ernennen. Nicht erwähnt wird, dass Chinas Katholiken nach der kommunistischen Machtübernahme gezwungen wurden, sich vom Papst loszusagen. Daraufhin spaltete sich eine „Untergrundkirche" von der offiziellen Kirche ab, die dem Papst die Treue hielt. Die Bi- schöfe der Untergrundkirche sind vom Papst ernannt worden. Sie gelten für die chinesischen Behörden als illegal. Viele ihrer Priester und Bischöfe sind in Haft. Nach offiziellen Angaben hat die katholische Kirche 5,7 Millionen Gläubige, nach inoffiziellen etwa zwölf Millionen, die Zahl der Gläubigern im Untergrund wird ebenfalls auf mehr als zehn Millionen geschätzt. Priester und Gläubige sowohl in der Untergrundkirche als auch in der offiziellen Kirche stürzt die prekäre Situation in Gewissenskonflikte. Sollen sie den staatlichen Anordnungen folgen oder sich an Rom orientieren? Eine stillschweigende Übereinkunft, nach der in China Kandidaten zu Bischöfen geweiht werden, die sowohl von Rom als auch von den chinesischen Behörden anerkannt werden, scheint aufgegeben worden zu sein. FAZ120706PetraKolonko

Mit Genehmigung des Vatikan ist in Schanghai ein neuer Bischof geweiht worden.
   Um die 30 Priester und über 1.000 Gläubige waren laut der katholischen Agentur ucanews bei der Weihe in der Kathedrale des Heiligen Ignatius mit dabei, darunter offenbar auch Vertreter der staatstreuen „Katholischen Patriotischen Vereinigung“, die vom Vatikan nicht anerkannt ist. Bei seiner Weihe habe der neue Bischof Thaddeus Ma Daqin öffentlich seinen Austritt aus der Patriotischen Vereinigung verkündet, schreibt ucanews weiter: „Nach dieser Weihe werde ich jede Anstrengung in mein kirchliches Amt stecken. Ungebührend ist es für mich, meiner Position in der Patriotischen Vereinigung weiter zu dienen“, sagte der neue Bischof wörtlich. Ma war laut Angaben von ucanews zuvor Vizepräsident der Katholischen Patriotischen Vereinigung in Shanghai und Mit- glied des Ständigen Komitees der nationalen Patriotischen Vereinigung. Die offene Austrittsbekundung des neuen Bischofs ist laut chinesischen katholischen Kreisen bemerkenswert. RV120708ucanews

Schanghai: Weihbischof am Tag nach seiner Bischofsweihe festgesetzt
   Der mit Vatikanerlaubnis zum bischof in Schanghai geweihte Ma Daqin wird von den lokalen Behörden fest- gehalten. Ma sei unter Arrest gestellt worden, nachdem er bei seiner Weihe seinen Austritt aus der staatstreuen Katholischen Patriotischen Vereinigung verkündet hatte, berichtet der Pressedienst asianews. Bereits am Tag nach der Weihe habe der neue Bischof von Schanghai keine Messe mehr feiern können. Er werde im Scheschan- Seminar von Schanghai ohne Kontakt zu anderen festgehalten, so asianews weiter. Die Weihe von Ma war vorab sowohl vom Papst als auch von Peking genehmigt worden.
   Der bei der Weihe verkündete Austritt des Bischofs aus der Patriotischen Vereinigung kann aufgrund der delika- ten Lage der Kirchenvertreter in China als bemerkenswert gelten. Katholische Priester und Bischöfe müssen in der Volksrepublik durch die staatliche Patriotische Vereinigung anerkannt werden, um nicht als „Untergrundpriester“ zu gelten, selbst wenn sie vom Vatikan ernannt wurden. Die Weihe von Priestern und Bischöfen ohne Vatikan- erlaubnis hat in der Vergangenheit wiederholt zu Spannungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung geführt.  RVcs120710asianews/ucanews/ap

   Der Heilige Stuhl kritisiert die Haltung der chinesischen Regierung,
die Pater Yue Fusheng unter allen Umständen zum Bischof weihen lassen will

   Eine nicht von Rom anerkannte Weihe beschädige die Einheit der Kirche und sei ein Hindernis für die Evangeli- sierung der Gläubigen, so eine Note des Vatikans.  Die illegale Bischofsweihe hätte bereits am 29. Juni stattfinden sollen, wurde jedoch verschoben. Dies hatte zu Hoffnungen auf eine gütliche Einigung des Konfliktes geweckt. Es seien aber Meldungen eingetroffen, dass die Weihe demnächst doch durchgeführt werden soll. Die vatikanische Stellungnahme erinnert deshalb daran, dass die Ordination von Bischöfen ausschließlich mit dem Einverständnis des Papstes möglich sei. Außerdem sei sie ein grundlegendes Element von Religionsfreiheit und habe nichts mit Politik zu tun. Der betreffende Priester sowie die eventuell teilnehmenden Bischöfe seien bereits auf die Folgen hingewiesen worden, die sie nach kanonischen Recht zu erwarten hätten, sollte die Bischofsweihe dennoch stattfinden. Auch die Regierung sei darauf hingewiesen worden, dass eine solche Weihe einen herben Rückschlag in den bilateralen Beziehungen verursachen würde. RV120704

Ohne Erlaubnis des Vatikan ist der 48-jährige Priester Joseph Yue Fusheng am Freitag, dem 06. Juli 2012
zum Bischof der nordchinesischen Diözese Harbin geweiht worden

   Das berichtet der römische Pressdienst Asianews. Die Weihe sei auf Druck der staatlichen Behörden geschehen. Die Zeremonie leitete demnach der Vorsitzende der regimetreuen katholischen „Patriotischen Vereinigung“, Bischof Johan Fang Xinyao von Linyi. Fang sowie vier weitere Bischöfe, die an der Weihe mitwirkten, sind vom Papst anerkannt. Ob sie wie in früheren Fällen von den Behörden zur Teilnahme gezwungen wurden, ist laut „Asianews“ bislang nicht bekannt. Der Vatikan hatte gegen die angekündigte Weihe protestiert und sie als „illegitim“ verurteilt. RVasianews120706kna

Bischof  Li Yi gestorben   sin-epLiYi-x   

  Er war ein Vorbild für die Untergrundkirche in China. Zwanzig Jahre lang verbrachte der Bischof von Changzhi, Hermenegild Li Yi, nach einem Bericht des  „L'Osservatore Romano" in Haft und ließ sich doch niemals vom Regime vereinnahmen. Als die kommunistische Regierung 1957 die „Patriotische Vereinigung" als “offizielle” Kirche zuließ und die bisherige in den Untergrund drängte, blieb Li Yi der Gemeinschaft mit dem Papst treu. 1949 war der fran- ziskanische Bruder nach theologischen und philosophischen Studien zum Priester geweiht worden. Er wurde zunächst in Wangde in der Seelsorge für Migranten aus Nordchina eingesetzt. 1951 bis 1955 folgte ein Studium der Geschichte an der Universität Tianjin. Zu Beginn der religionsfeindlichen Kulturrevolution Maos wurde der Priester 1966 unter fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet und kam erst 1985 wieder frei. Im gleichen Jahr erhielt er die Erlaubnis, als Seelsorger und Pfarrer in seinem Heimatbistum Changzhi südwestlich von Peking zu arbeiten. 1998 setzte Papst Johannes Paul II. Li Yi als Bischof der Diözese mit ihren mehr als 50.000 Katholiken und 50 Priestern ein. Die Zeitung würdigte Li Yi als „leuchtendes Vorbild für den chinesischen Klerus". Am 24. Mai 2012 ist der Bischof im Alter von 88 Jahren gestorben.  FAZ120602jöb.

Nach einigen illegalen Bischofsweihen in China kritisiert Kardinal Joseph Zen Ze-kiun Foto unten
in einer öffentlichen Erklärung den staatlichen Eingriff in die Rechte der katholischen Kirche

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„Schamlose Verdrehung der Wirklichkeit“ von der chinesischen Führung

In seiner Erklärung tritt Bischof Zen für seinen Glauben ein, wenn er sagt, dass die chinesische Regierung durch die erzwungene Weihe einiger vom Papst nicht anerkannten Bischöfe sich zum Gespött der Welt mache, und dass er, wenn er die Notlage der chinesischen Christen betrachte, beschämt sei, dass er in Freiheit lebe. 

   “Die katholischen Christen in China und auch im Ausland haben mit Betroffenheit und Empörung die Worte von Anthony Liu Bainian und den Priestern Guo Jincai, Johan Fang Xingyao und Joseph Yang Yu, die unschwer wahr- nehmbar schismatisch sind. Aber eine neue Erklärung durch die staatliche Behörde für Religionsangelegenheiten SARA trieb den Unsinn auf die Spitze.
   Wir könnten noch verstehen, wenn die Regierung Chinas die Einsetzung ihrer Marionetten-Bischöfe als politisch korrekt bezeichnen würde oder auch deren Mut preisen, dass sie ausländischem Druck widerstanden hätten; aber nun preisen sie deren „brennenden katholischen Glauben“ und behaupten, die Weihen ohne päpstlichen Auftrag sei notwendig für „für das normale Leben der Kirche und für die Bedürfnisse der Pastoral und der Verkündigung des Evangeliums“.
   Es ist absolut lächerlich und absurd, dass nun - wie einige Wissenschaftler feststellen - die Regierung die Leitung der chinesisch-katholischen Kirche übernommen habe. Sollten sie blind sein? Hatten sie keine Gelegen- heit zu sehen, wie die katholische Kirche in der ganzen Welt arbeitet? Zwingt etwa die besondere Lage Chinas die Regierung, die Kirche so zu leiten, dass sie nicht mehr als katholische Kirche erkannt werden kann? Die Regierung macht sich selbst zum Gespött für die Welt!
   Kann unsere Regierung  sich nicht eine Auszeit nehmen von ihrer Beschäftigung im  Machtkampf und ihre Auf- merksamkeit dieser „winzigen Gemeinde“ der Katholiken in China schenken? Warum sollte es unseren Brüdern und Schwestern nicht erlaubt sein, friedlich und normal ihren Glauben zu leben? Ist es nicht ihr Recht, das ihnen die Verfassung gibt?
   Sie nennen die Exkommunikation (von Bischöfen) durch den Heiligen Stuhl in den 50er Jahren „die Ursache“ und die illegale Weihe von Bischöfen „die Wirkung“. Damit verdrehen sie schamlos die Wirklichkeit.
   Von den letzten drei illegalen Bischofsweihen und auf dem 8. Nationalkongress der katholischen Vertreter konn- te jeder verstehen, dass die SARA und die chinesische katholische Patriotische Gesellschaft entschlossen sind, die offene Kirche rücksichtslos auf den Weg zu einer unabhängigen Kirche zu bringen und einseitig durch deren Bischöfe zu ernennen und weihen zu lassen. Dann mögen sie irgendjemand finden mit genügend Gewicht, wie etwa Martin Luther oder König Heinrich VIII. um ihrer neuen Kirche Format zu geben, aber sie haben kein Recht den Namen „Katholische Kirche“ an sich zu reißen.
   Mit Gewalt schränken sie die persönlichen Freiheiten ein; sie verletzen auch die Würde des Gewissens. Sie missachten vollkommen die Autorität und Freundlichkeit unseres Heiligen Vaters, und sie wagen es noch zu behaupten, dass sie einen ernsthaften Dialog wollen. Das ist eine infame Lüge! Nur ihr Eigeninteresse und die Feigheit der Nationen halten sie davor zurück auch nur ein angemessenes Wort der Missbilligung zu sagen. Sie pflegen zu sagen: „Die Augen des Volkes sind erleuchtet“.
   In Leshan mögen einige Leute die wirksame Verwaltung des Priesters Paul Lei Shiyin bewundern, aber er ist untauglich, Bischof zu werden. In Shantou mag es Leute geben, die den Ehrgeiz von Priesters Joseph Huang Bingzhang unterstützen. Aber die katholischen Christen insgesamt in China werden diese „Opportunisten“ zurück- weisen und werden immer an der Seite des Papstes stehen.
   Niemand weiß, wie lange der eisige Winter dauern wird, aber unser Gläubigen haben keine Angst oder sie werden ihre Furcht im Glauben und im Gebet überwinden; dass wird ihnen Kraft geben, um es den heiligen Martyrern und den ungezählten Helden des Glaubens gleich zu tun, ihr mutiges Zeugnis für den auferstandenen Erlöser zu geben. Liebe gläubigen Brüder und Schwestern, seid gegrüßt  - von eurem alten Bruder, der fast sich schämt, in Freiheit zu leben.  CT110807

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Schrei nach Freiheit
  
Der emeritierte Erzbischof von Hong Kong Joseph Zen Ze-kiun in einer Demonstration für Religionsfreiheit in Hong Kong links im Bild In chinesischer Schrift seht auf dem Plakat: “Protest gegen Unterdrückung”.Der Vatikan verurteilte die Weihe eines chinesischen katholischen Bischofs ohne Zustimmung des Papstes auf Druck der kom- munistischen Regierung und gegen die Verhaftung eines Bischofs nur Stunden nach seiner Weihe. CT120722

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Foto links: Paul Meng Quinglu wird zum Bischof von Hohhot geweiht (18. April 2010);
Foto rechts: Zwei kleine Mädchen vor der Weihnachtsaufführung bei der Christmette in einer Pekinger Kirche

Wie und warum sich die jüngsten Weihen chinesischer Bischöfe auf die Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl, Kirche in China und chinesischem Regime und die Frage der Bischofsernennungen auswirken können.

   Auf dem langen Weg der Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und China haben sich die wichtigsten Veränderungen oft in aller Stille ereignet, wurden lediglich von Ereignissen angekündigt, die entweder gar keine Beachtung fanden, oder selbst von normalerweise alles andere als zurückhaltenden Presseagenturen ohne jede Erklärung abgetan wurden. Gewisse Beobachter gaben zu verstehen, dass es jenseits der Chinesischen Mauer bald zu einem Szenenwechsel kommen könnte. Und der wird die Schmerzgrenze der Bischofsernennungen betreffen: die Frage, die der Beziehung zwischen Heiligen Stuhl und katholischer Kirche in China seit fast 60 Jahren schwer zusetzt.
Die Fakten
   Seit Dezember 2007 hat es in China trotz zahlreicher Diözesen, deren Sitz entweder vakant war oder die von über achtzig jährigen Bischöfen geleitet wurden, keine Bischofsweihen mehr gegeben. Zur Unterbrechung des Blackouts kam es am 18. April 2010. Grund: die Weihe des 47jährigen Paul Meng Quinglu zum Bischof der Diözese Hohhot, in der Mongolei, gefolgt von der des 40jährigen Joseph Shen Bin, der am 21. April 2010 zum Bischof von Haimen (Provinz Jiangsu) geweiht wurde, der Weihe des 44jährigen Joseph Cai Bingrui am 08. Mai 2010 zum Bischof von Xiamen (Fujian) und der des 52jährigen Joseph Han Yingjin am 24. Juni 2010 zum Bischof von Sanyuan (Provinz Shaanxi). Diese vier jungen Bischöfe waren allesamt vom Papst ernannt worden und hatten auch die Anerkennung der chinesischen Autoritäten erhalten. Zu diesen Weihen kam am 08. April 2010  noch die Zeremonie für die offizielle Einsetzung von Mattias Du Jiang zum Bischof der Diözese Bameng: der Bischof war bereits 2004 nach Erhalt der Approbation des Heiligen Stuhls geweiht worden, die zivilen Autoritäten hatten ihm aber verboten, sein bischöfliches Amt auszuüben. Im Laufe der Zeit änderten sie ihre Meinung jedoch und gingen zur vollen Anerkennung von Msgr. Du als Leiter der Diözese in der Mongolei über.
    Einige Details dieser vier Bischofsweihen verdienen jedoch eine genauere Betrachtung. Die Konsekranten bei der Weihezeremonie waren rechtmäßige Bischöfe in voller und erklärter Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom. In einem Fall erwies sich die Nachricht, ein unrechtmäßiger Bischof wäre Hauptkonsekrant - Vinzenz Zhan Silu, der in Xiamen anwesende Bischof von Mindong ohne päpstliches Mandat - als falsch. Ein anderer unrechtmäßiger Bischof - Joseph Ma Yinglin, Vizepräsident der Patriotischen Vereinigung der chinesischen Katholiken - nahm zwar an der Einsetzungszeremonie in der Diözese Bameng teil, war aber, wie zwischen Klerus, Schwestern und anwesenden Laien mit den Regime-Funktionären besprochen, nicht Hauptzelebrant, sondern nahm bei den Priestern Platz. Bei der Weihemesse in Xiamen nahm außer den Zelebranten auch Msgr. Joseph Cheng Tsai-fa teil, emeritierter Erz- bischof von Taipei. Er stammt aus Xiamen, das an der chinesischen Küste gleich vor der Insel Taiwan liegt. Die Teilnahme von Msgr. Cheng war die erste Teilnahme eines taiwanesischen Bischofs an einer Bischofsweihe in der Volksrepublik China. Der Sitz Xiamen war seit 20 Jahren vakant.
   Unmittelbar nach dieser Reihe neuer Bischofsweihen wurden prompt zwei namhafte chinesische Akademiker von der Global Times interviewt, einer englischsprachigen Zeitung, die den Standpunkt der kommunistischen chine- sischen Partei im Ausland verbreiten soll. In dem Interview ging es um die Weihe der Bischöfe im Kontext der Beziehungen zwischen China und dem Vatikan. Zhuo Xinping, Direktor des Instituts für die Weltreligionen der chinesischen Akademie für die Sozialwissenschaften, verwies auf die „historischen Konflikte", die in der Ver- gangenheit zwischen den europäischen Staaten und der Kirche zum Thema der Bischofsernennungen ent- standen waren, und richtete an das chinesische Regime die „Mindestforderung", „dass die vom Vatikan er- nannten Bischöfe vom Regime approbiert sein sollten, wie das auch bei anderen Religionen schon immer der Fall war." Er merkte dann noch an, dass „der Vatikan dagegen an der Uberzeugung festhält, dass die Weihe der Bischöfe eine Frage der Religionsfreiheit ist." Liu Peng dagegen, Direktor des Pushi-Instituts für Sozialwis- senschaften, gab in dem Interview mit der Global Times zu verstehen, dass die jüngsten Entwicklungen in den Beziehungen zwischen China und Vatikan zeigen, „dass das chinesische Regime den Glauben der Katholiken nun mehr respektiert und besser versteht, dass die vatikanische Ernennung der Bischöfe ein Schlüsselelement der katholischen Tradition ist." In den chinesisch-vatikanischen Beziehungen steht die Frage der Bischofs- ernen- nungen nun ganz oben auf der Liste der ungelösten Fragen. „Aber es ist eher eine religiöse denn eine politische Frage", meint Liu. Und wenn ein Bischof sowohl vom Vatikan als auch von der Patriotischen Vereinigung anerkannt wird, hat er auch eine größere religiöse Autorität. "

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Was sich aus den Fakten schließen lässt
  In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Volksrepublik China zielte die Religionspolitik des kommunisti- schen Regimes darauf ab, jedes juridisch-kanonische Band zwischen der Kirche in China und dem Apostolischen Stuhl auszulöschen, den die Propaganda als eine Art „imperialistische Zentrale" hinstellte. Auch zu Zeiten grausa- mer Verfolgungen - wie während der Kulturrevolution - mussten die von der Partei inspirierten, unter „demokra- tischer" Selbstverwaltung stehenden patriotischen Organe (angefangen bei der Patriotischen Vereinigung der chinesischen Katholiken) garantieren, dass sich die Kirche an die „drei Autonomien" hielt - Unabhängigkeit, Selbstverwaltung und Eigenfinanzierung -, was auch für die Bischofsernennungen galt, die vollkommen unab- hängig vom Heiligen Stuhl zu erfolgen hatten. 1958 schritt man zu den ersten Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat. Auch nach der von Deng Xiaoping Ende der 1970er Jahre gewollten neuen Öffnung erlaubte China, wie “Ucanews” schrieb, „die Weihe keines Bischofskandidaten, von dem man wusste, dass er ein päpstliches Mandat hatte." Die Gemeinschaft der Bischöfe mit dem Papst konnte nur in den Herzen der Gläubigen bestehen, sie hatte keinerlei kanonische Ausdrucksform. Das war auch der Grund, warum es Anfang der 1980er Jahre zum Aufbau eines Netzes von „Untergrund"-Bischöfen kommen konnte, die in Gemeinschaft mit Rom standen und ohne jegliche Regierungskontrolle geweiht wurden.
   Vor diesem Hintergrund stellt das neue Szenarium, das sich aus dem Verhalten und den Worten der chine- sischen Führungsschicht schließen lässt, eine Art kopernikanische Revolution dar. Aus den Stellungnahmen der beiden chinesischen Akademiker geht zum ersten Mal hervor, dass die Ernennung der Bischöfe durch den Papst ausdrücklich als conditio sine qua non anerkannt wird, also als unabdingbares Element in der Dynamik der recht- mäßigen Bischofsweihen der katholischen Kirche. In chinesischen Diplomatie-Kreisen erzählt man sich, dass Peking dem Vatikan eine Liste mit mehr als 15 Namen möglicher Kandidaten geschickt hat, die man sich an der Leitung von ebensovielen vakanten Bischofssitzen vorstellen kann. Und es wird gemunkelt, dass diese von China vorge- schlagenen Namen größtenteils denen entsprechen, die auch dem Heiligen Stuhl als mögliche zukünftige Bischöfe vorschweben.
   So gesehen kann man die zuletzt erfolgten und die zukünftigen Bischofsweihen als eine Art Bewährungsprobe für ein mögliches Rahmenabkommen pro tempore zwischen Volksrepublik China und Vatikan sehen (in der Frage der Bischofsernennungen). Professor Liu Peng hat in oben genanntem Interview von Bischöfen gesprochen, „die von beiden Seiten approbiert werden" und beschrieben, wie ein solches Abkommen aussehen müsste: „Wenn China beschließt, die Weihe eines Bischofs gutzuheißen", sagte der chinesische Akademiker, „dann schickt man über einen reservierten Kanal eine Liste möglicher Kandidaten an den Papst, die dann gemeinsam ausgewählt werden." Eine einfache Vorgangsweise, bei der die Repräsentanten der Pfarreien mit einer Selektion betraut werden und die Liste dieser vom Regime approbierten Namen dem Heiligen Stuhl unterbreiten, der dann das letzte Wort hat. Damit wären die Zeiten, in denen die chinesische Kirche „in Eigenregie" handelte, endgültig vorbei und keine unrechtmäßigen Bischofsweihen mehr möglich.

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Leichter gesagt als getan
   Dass der Weg zu einer allmählichen Lösung der heiklen Frage der Bischofsernennungen also abgezeichnet zu sein scheint, bedeutet aber noch lange nicht, dass es keine Stolpersteine geben wird. Jedes mögliche Abkommen muss unbedingt Garantien für die sogenannte katholische „Untergrund"- Gemeinschaft beinhalten, auf die die zivilen Autoritäten und die Polizeiapparate manchmal Druck ausüben, weil man sie als etwas betrachtet, das sich nicht im Rahmen der Legalität bewegt. Und man müsste natürlich auch die Fälle jener Bischöfe und Priester klären, die sich in Isolationshaft oder unter Hausarrest befinden. Auch die Aussicht auf ein geplantes Komitee der katholischen Repräsentanten könnte für Spannungen sorgen. Immerhin handelt es sich dabei um die höchste Instanz der Religionspolitik der katholischen Kirche gegenüber; ein Organ, das sich aus den delegierten Repräsen- tanten aller bei der staatlichen Verwaltung registrierten Diözesen zusammensetzt. Diese werden in regelmässigen Abständen einberufen, damit sie die Ämter in den offiziellen Organismen der Kirche in China neu vergeben können, und dazu gehört auch das Bischofskollegium, ein vom Heiligen Stuhl nicht anerkanntes Organ, in dem nur die vom Regime anerkannten chinesischen Bischöfe vertreten sind und das seit dem Tod seines Vorsitzenden Joseph Liu Yuanren ohne Leitung ist. Der unrechtmäßige Bischof von Nanjing ist im Jahr 2004 verstorben. Die neueste Entwicklung war die Herausgabe des offiziellen Kommunikees der Vatikanischen Kommission über die Kirche in China am 25. März 2010, die die chinesischen Bischöfe nach ihrer Jahressitzung aufgefordert hat, „Gesten zu vermeiden (beispielsweise sakramentale Feiern, Bischofsweihen, Teilnahme an Versammlungen), die im Wider- spruch zur Gemeinschaft mit dem Papst stehen, der sie zu Bischöfen ernannt hat. Gesten also, die in den kirchlichen Gemeinschaften für besorgniserregende Spannungen sorgen könnten." Viele der vom Papst appro- bierten Bischöfe könnten nun, wenn sie beim nächsten Komitee zu Repräsentanten ihrer Diözesen bestellt werden sollten, in eine Zwickmühle geraten. Mitte April haben drei von ihnen, die anonym bleiben wollten, der Agentur Ucanews anvertraut, dass sie die Anweisungen der Vatikanischen Kommission „in eine schwierige Lage gebracht" haben, und dass die Teilnahme an einer unrechtmäßigen Weihe nicht als ebenso schlimm betrachtet werden könne wie eine eventuelle Teilnahme an einem Nationalkongress, der - da vom Regime einberufen - „nichts mit dem Geist der Kirche zu tun hat. „Wenn du nicht daran teilnimmst, werfen dir die Parteifunktionäre vor, deine Heimat nicht zu lieben, und das würde das Wirken der Kirche in unserem Land in der Zukunft noch schwieriger machen", hat einer von ihnen gesagt. Ein anderer, der zugegeben hat, in passiver Weise an dem Kongress - sollte er einberufen werden - teilnehmen zu wollen, „um Raum zu gewinnen für die pastorale Arbeit und um die lokalen Funktionäre nicht in Verlegenheit zu bringen." „Es wäre unrealistisch, nicht hinzugehen", fügte er an.
   Es könnte also wieder einmal ein Teil der chinesischen Bischöfe, obwohl sie in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehen, von jenen an den Pranger gestellt werden, die ihnen vorwerfen, zu nachgiebig zu sein und sich nicht genug gegen die Einmischung der zivilen Autoritäten in das Leben der Kirche zu wehren. Ihre Teilnahme an einer eventuellen Versammlung des Nationalkomitees der katholischen Repräsentanten könnte den Heiligen Stuhl in Verlegenheit bringen. Sollten sie aber nicht teilnehmen, könnte das widerum neue Ressentiments seitens jener Sektoren der chinesischen Nomenklatur schüren, denen die vom Vatikan eingeschlagene Linie des Dialogs ein Dorn im Auge ist.
Wie man weitere Stolpersteine ausräumen kann
   Um zu verhindern, dass eine baldige Einberufung des Komitees eine neue kritische Phase in den Beziehungen zwischen Peking und dem Vatikan einleitet, kann man eventuelle Hindernisse vielleicht umgehen, indem man bei der Umsetzung der klaren Anweisungen eine wohlbewährte Flexibilität an den Tag legt und sich an die gegebenen Umstände anpasst.
 Vor diesem Hintergrund lässt gerade die sichtlich veränderte Einstellung der chinesischen Führungsschicht hoffen, dass es in der Frage der Bischofsernennungen nun tatsächlich einschneidende Veränderungen geben könnte.
   Es ist wohl sehr unwahrscheinlich, dass die Meinungsänderung der Erben Maos und Dengs, die nun vom Papst ernannte Bischöfe zu wollen scheinen, „Lektionen in Ekklesiologie" zu verdanken ist: das dürfte von der Partei wohl kaum vorgesehen sein. Die neuen Führungskräfte haben einfach nur zur Kenntnis genommen, dass ein unrechtmäßiger Bischof bei den Gläubigen keine Glaubwürdigkeit besitzt. „Die Bischöfe, die zuletzt ohne päpst- liches Mandat ernannt wurden", stellt der chinesische Akademiker 30Giorni gegenüber fest, „sind isoliert, niemand will bei der Messe aus ihren Händen die Eucharistie empfangen." Die chinesischen Führer streben eine gesell- schaftliche Kontrolle der kirchlichen Aktivitäten an. Daher ist es auch wichtig, dass die Gesprächspartner Bischöfe sind, die in der Gesellschaft respektiert und akzeptiert sind, und keine grauen und isolierten Marionetten, die jener Sektion der Partei unterstehen, die für Religionsfragen zuständig ist. Der erklärte Zweck des chinesischen Führung ist nicht der, die sakramentale und apostolische Natur der kirchlichen Realität in China zu untergraben. Aber gerade dieses absolute Desinteresse des Regimes an den einzigen Dingen, die die Grundlagen der Kirche bilden und sie nähren („denn die Kirche lebt kein anderes Leben als das der Gnade", Paul VI., Credo des Gottesvolkes kann sich nun paradoxerweise als hilfreich bei der allmählichen Lösung der Probleme erweisen, die in der Beziehung zwischen Volksrepublik China und Heiligem Stuhl noch anstehen. Seit Kyros dem Perser hat es in der ganzen Heils- geschichte zivile Mächte gegeben, die beim Verfolgen ihrer weltlichen Interessen die Pilgerung des Gottesvolkes durch die Zeit erleichtert haben. Auch ohne es zu wollen. Wenn man die Weihe der Bischöfe akzeptiert, die dem Apostolischen Stuhl genehm sind, kann sogar das chinesische Regime - auf seine Weise und in seinem Kompe- tenzbereich - dazu beitragen, die pastoralen Hinweise umzusetzen, die Benedikt XVI. in seinem Brief an die chine- sischen Katholiken (Mai 2007) gegeben hat. Damit die Nachkommen der chinesischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts in den Genuss der Gnadenschätze kommen und „ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit" 1 Tim 2,2. 30Giorni1005GianniValente

Die Katholiken in Harbin im Nordosten Chinas beten und fasten,

   um eine Bischofsweihe ohne Einverständnis des Papstes abzuwenden. Niemand wolle diese Weihe, „weder die regimetreuen Katholiken, noch jene im Untergrund, noch der Weihekandidat selbst“, berichtet „Asianews“ unter Berufung auf örtliche Quellen. Allein die Patriotische Vereinigung wolle die unerlaubte Weihe durchsetzen. Möglicher Termin dafür sei der 29. Juni 2012, das Fest der Apostel Peter und Paul, was die Gläubigen als be- sonderer Schlag gegen Rom interpretieren würden, schreibt Asianews. Indes würde die Polizei einen Priester nach dem anderen aufsuchen, um sie vor Schritten gegen die Bischofsweihe zu „warnen“. RV120614asianews

Hoffentlich nicht schon wieder

  An der vatikanischen Missionskongregation hofft und betet man mit den Katholiken in Harbin, dass eine unerlaub- te Bischofsweihe, die Ende Juni stattfinden könnte, doch nicht zustandekommt. Der Sekretär der Kongregation, der chinesische Bischof Savio Hon, sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur asianews, er vertraue darauf, dass der betreffende Priester letztendlich der Kirche und dem Papst treu sein werde.
Giuseppe Yue Fusheng könnte schon lange Bischof sein, wenn er es gewollt hätte, sagte Bischof Hon.
   Sollte die illegale Bischofsweihe für den Kandidaten zustande kommen, wäre es die vierte in zwei Jahren. Diese Weihen stifteten Unruhe bei den Katholiken und belasteten den Dialog zwischen Rom und Peking schwer, sagte Bischof Hon. „Diese Gesten haben die Hoffnung auf Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und China verdunkelt“, so der Prälat wörtlich. „Wo es vorher einen Lichtschimmer gab, sieht man jetzt nur Finsternis.“
   Die Patriotische Vereinigung gehe sehr präzise vor, um mehr Kontrolle über die Kirche zu haben. Sie verwische gezielt die Grenzen zwischen legal und illegal, regimetreu oder papsttreu. Hon ortet hier auch einen Widerspruch zwischen der Regierung einerseits und dem Vorgehen gegen die papsttreue katholische Kirche andererseits. Peking betone doch immer mehr die Bedeutung von mehr Liberalismus in der chinesischen Gesellschaft. Bischof Hon sieht überdies „Anzeichen für einen Machtkampf“ innerhalb der Einheitspartei. Die kommunistische Partei habe keine Ideologie mehr, Sozialismus oder Marxismus existierten nicht mehr, in ihrem Inneren bekämpften sich Interessensgruppen. China brauche heute einen „langen Prozess der Erziehung“, um mehr Respekt für den anderen zu schaffen. Dabei könne die Kirche helfen. RVgs120615asiannews

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Nach acht Jahren hat die chinesische Diözese Nanchong in der Provinz Sichuan wieder einen Bischof.
   Am 12. April 2012 empfing der bisherige Diözesanverwalter und Seminarleiter Joseph Chen Gongao in der Kathe- drale der Stadt die Bischofsweihe. Der 47jährige ist vom Heiligen Stuhl approbiert und gleichzeitig von der chine- sischen Regierung anerkannt. An der Weihehandlung beteiligte sich auch ein exkommunizierter Bischof, der vor einem Jahr ohne päpstliche Genehmigung in Leshan geweiht worden war. Der neue Bischof von Nanchong wurde bereits 2010 gewählt. Seine Weihe erfolgte erst jetzt, weil man sich bemühte, die Anwesenheit illegitimer Bischöfe zu unterbinden. Die Diözese Nanchong umfasst rund 80.0000 Katholiken, elf Priester und elf Ordensfrauen.
RVasianews120420ucanews
Das Bistum Changsa / Provinz Hunan bekommt nach zehn Jahren Sedisvakanz einen neuen Bischof. Methodius Qu Ailin, der am 25.04.2012 zum Bischof geweiht wurde, ist sowohl vom Vatikan als auch vom chinesi- schen Regime anerkannt worden. Der 51-Jährige ist Mitglied der vom Regime eingerichteten „Patriotischen Ver- einigung“. Der Status des Bistums Changsa im Südosten Chinas ist zwischen Peking und dem Vatikan umstritten. Rv120424apic

Chinesische Bischöfe verhaftet
   Zwei vom Staat nicht anerkannte chinesische Bischöfe wurden Ostern 2012 freigelassen. Koadjutor Bischof Peter Shao Zhumin von Wenzhou in der östlichen Proviznz Zhejiang und Bischof Peter Jin Lugang von N’anyang in der zentralen Provinz Henan wurden für vier Wochen bzw. vier Tage inhaftiert. Bischof Jin wurde Anfang April 2012 festgenommen, damit er nicht an der Chrisam-Messe mit der Weihe für die in der Taufe und Firmung verwendeten heiligen Öle teilnehmen konnte. Diese Liturgie symbolisiert die Einheit des Bischofs mit seinen Priestern. Bischof Jin wurde in einem Gasthaus verhaftet und durch vier Beamte zu verschiedenen Touristenorten gebracht, bevor er am 08. April 2012 wieder entlassen wurde.
   Bischof Shao wurde am 19. März 2012 inhaftiert. Während seiner Internierung wurde er von staatlichen Religionsbeamten einer „Gehirnwäsche“ zur Umerziehug unterzogen. In der chinesisch-katholischen Kirche wird vermutet, dass seine Verhaftung wegen seiner Teilnahme an einer nicht staatlich anerkannten Bischofsweihe in Tianshui im letzten Jahr teilgenommen hatte. Seine Mitwirkung an der Weihe des vom Papst ernannten Bischofs wird von der Regierung „als ein Akt der Missachtung der Vorgabe der kommunistischen Regierung durch Selbst- Wahl und Selbst-Weihe“ angesehen. Bischof Shao, 49, wurde von Regierungsbeamten in die Diözese Leshan verbracht, wo er den exkommunizierten Priester Pul Lei Shiyinm, der im Juni 2011 ohne Erlaubnis von Papst Benedikt XVI. rechtswidrig zum Bischof geweiht wurde, traf. Fr. Lei und die Beamten zeigten Bischof Shao einige historische Gebäude, ein kirchliches Hospital, Gästehäuser und das neue Haus des „Bischofs“. Der Generalvikar von Wenzhou Paul Jiang Sunian wurde mit Bischof Shao verhaftet. Seine Freilassung erfolgte am 24. März 2012.

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  Erst im Februar hatte der Erzbischof Joseph Zen Ze-kiun von Hong Kong Foto festgestellt, dass die Versöhnungs- Politik des Vatikans - siehe den Brief von Papst Benedikt an die Kirche von China gescheitert sei. Jetzt sei eine deutlich festere Einstellung notwendig. CT120422GedDunlop

 Die Polizei hat im Norden des Landes fünf katholische Priester verhaftet und an einen bislang unbekannten Ort gebracht. Der Vorfall ereignete sich im Bistum Suiyuan in Erenhot nahe der Grenze zur Mongolei. Nach Angaben der Kirche handelt es sich bei den Verschleppten um den Leiter der Diözese, Joseph Zhang, den Seminardirektor Joseph Ban und um drei weitere Priester. Alle Geistlichen gehören der vom Staat nicht anerkannten „Untergrund- kirche“ an. Der Fall sei sehr ungewöhnlich, weil diese Glaubensgemeinschaft seit Jahren unbehelligt agiere, schreibt Ucanews unter Verweis auf Beobachter vor Ort. Die Behörden machten keine Angaben zum Grund der Verhaftungen. In den 80er Jahren war das Bistum Suiyuan von den chinesischen Behörden offiziell aufgelöst worden. RV120131ucanews

   Der Sekretär der Missionskongregation spricht sich für die Freilassung von inhaftierten Bischöfen in China aus. Im Interview mit der Nachrichtenagentur „Asianews“ bedenkt Erzbischof Savio Hon Tai-fai dabei auch den Ruf seines Landes. Eine Befreiung der Bischöfe würde das internationale Ansehen von China aufwerten. Als Chinese sei er stolz auf seine Landsleute und Kollegen, erklärt der Erzbischof. Ihr Opfer erfülle ihn mit Freude und Trost. Auch wenn die chinesische Regierung keine Angaben zu inhaftierten Bischöfen mache, dürfe man sie nicht ver- gessen, so Hon. Asianews hatte die chinesische Führung zur Freilassung von insgesamt neun Geistlichen, darunter mehreren Bischöfen, aufgerufen. RV1210117

Ein Bischof ist von den Behörden zur Teilnahme an „Studiensitzungen“ gezwungen worden.
   Der romtreue Bischof John Wang Ruowang sei letztes Jahr geheim geweiht worden, gibt die Agentur an; Funktionäre hätten ihn Ende Dezember von Taijing nach Tianshui in der Provinz Gansu gebracht. Gegenüber ucanews habe der Bischof bestätigt, dass man ihm „Erziehungs- und Konversationsunterricht“ erteilt habe, und die Vermutung geäußert, dass das allen Priester der so genannten „Untergrundkirche“ ebenfalls bevorstehe. Nach Agenturangaben wurden seit dem 4. Januar sieben Priester zur Teilnahme an solchen Unterrichtsstunden ver- pflichtet. RV120112ucanews

Viele Fragen vor Bischofsweihe in China
   Der Vatikan reagiert vorsichtig auf Meldungen über eine bevorstehende Bischofsweihe in China. In der Provinz Sichuan soll der Priester Luo Xuegang die Bischofsweihe erhalten, wie Nachrichtenagenturen melden. Vatikan- sprecher Federico Lombardi sagte Journalisten, dass der 47-Jährige von Rom bestätigt und als Koadjutor des Bistums Yibin vorgesehen sei. Auch der 95-jährige Ortsbischof, der den Berichten zufolge die Weihe spenden wird, stehe in Gemeinschaft mit Rom. Sollte die Bischofsweihe legal verlaufen, würde das „eine Ermutigung für die katholische Gemeinschaft“ bedeuten, formulierte Lombardi. Er hoffe allerdings „lebhaft, dass die Normen der katholischen Kirche zur Bischofsweihe respektiert werden“. Die Gläubigen müssten über die Weihe informiert wer- den, und kein „illegitimer Bischof“ dürfe „an der Liturgie teilnehmen“, wie das in der Vergangenheit wiederholt geschehen ist.
   Ende Juni und Mitte Juli ist es in Leshan und Shantou in der Provinz Guangdong zu illegitimen Bischofsweihen gekommen. Die Geweihten wurden vom Heiligen Stuhl für exkommuniziert erklärt, Peking reagierte mit Protest. An diesem Dienstag hingegen erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Peking sei ehrlich in seinem Wunsch, die Beziehungen zum Vatikan zu verbessern.
Rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Einwohnern der Volksrepublik China sind Katholiken
  
Die Behörden verzeichnen jedoch lediglich 6 Millionen. Als kleine Minderheit haben die Katholiken mit rund 100 Diözesen dennoch landesweit funktionierende Kirchenstrukturen. Eine große Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen «Patriotischen Vereinigung» gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst. rv111129sk

Ein illegitimer Bischof hat sechs Diakone gegen ihren Willen geweiht
  
Bischof Ma Yinglin wird von Rom nicht anerkannt. Wie die Nachrichtenagentur „Eglise d’Asie“ berichtet, sind die Diakone aus der Provinz Sichuan zu ihrer Weihe gezwungen worden. Sie hatten erst rund zehn Tage vorher von dem Vorhaben erfahren und hatten laut Eglise d’Asie keine Möglichkeit abzulehnen. Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China wurden in den vergangenen Monaten wiederholt von illegitimen Bischofsweihen überschattet. Am Mittwoch kam es erneut zu Verstimmungen, als ein illegitimer Bischof bei einer von Rom geneh- migten Weihe teilgenommen hatte. RV111203apic

Drei Jahre „Umerziehung durch Arbeit“: So lautet das Urteil gegen Pater Wang Chengli, Diözesanadministrator der chinesischen Untergrundkirche in der Provinz Schangdong. Das berichtet Asianews. Als wahrscheinlichster Grund für die Verurteilung wird seine Weigerung angegeben, der vom Staat unterstützten Patriotischen Kirche beizutreten. Dem Priester aus Heze wurden keine Besuche durch Angehörige oder Anwälte gestattet, weswegen genaue Details nicht bekannt wurden. Wie die Nachrichtenagentur berichtet, glauben chinesische Katholiken aber auch, dass die Verurteilung im Zusammenhang mit den vom Vatikan nicht erlaubten Bischofsweihen steht. RV110827an

Erste Diakonweihe nach 30 Jahren: Die Weihe fand in der Diözese Tian Shui statt. Die Diözese befindet sich in der Provinz Gan Su, im Nordosten Chinas. Es handelt sich um die erste Diakonweihe in jener Provinz seit 1980. Zu Anfang war die Diözese Tian Shui eine Missionsstation deutscher Kapuziner. 1922 wurde die Apostolisches Vika- riat; 1946 wurde sie zur Diözese Qin Zhou erhoben, dem Jahr der Errichtung der chinesischen Hierarchie. Heute umfasst sie mehr als 20.000 Gläubige, zahlreiche Geistliche und 20 Schwestern der Kongregation von der Heiligen Familie. RV110731fides

In der Provinz Shandong in Ostchina sind vier katholische Geistliche festgenommen werden. Sie gehören der so genannten „Untergrundkirche“ an; die Behörden wollten sie zum Beitritt zur regimetreuen Patriotischen Katho- lischen Vereinigung zwingen. Das meldet der römische Pressedienst Asianews. Derzeit befänden sich die Priester in Isolationshaft im Gefängnis von Dongming und erhielten keine Nahrung. Ihre Anhänger hätten sich in einem Hilferuf an den Vatikan gewandt, so Asianews. Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden hatte sich nach einer Reihe von illegalen, das heißt vom Vatikan nicht genehmigter Bischofsweihen in China in den letzten Monaten wieder verschlechtert. RVasianews11070
   Ein Priester der sog. „Untergrundkirche“ ist freigelassen worden. Das meldet die kirchliche Agentur Ucanews. Der 2009 geweihte Chen Hailong war im April verhaftet und seitdem in Isolationshaft gehalten worden. Nach Angaben der Agentur haben die Behörden durch Folter versucht, den Aufenthaltsort von Bischof Thomas Zhan Kexun in Erfahrung zu bringen. Kexun ist seit 2007 Bischof von Xuanhua, einer staatlich nicht anerkannten katholischen Diözese. Der achtzigjährige Kirchenmann lebt seit seiner Ernennung zumeist im Untergrund. Die lokalen Macht- haber in Zhangjiakou, in deren Gebiet die Diözese liegt, haben in den vergangenen Monaten ihr Vorgehen gegen romtreue Christen verschärft. Allerdings gibt es andere Gegenden in China, in denen die Situation katholischer Christen besser ist. RVasianews110807apic

   Ein vom Vatikan anerkannter Bischof ist vor kurzem in China heimlich geweiht worden. Das berichtet die katho- lische italienische Tageszeitung „L´Avvenire“. Damit sollte nach ihrer Auskunft verhindert werden, dass exkommu- nizierte bzw. vom Papst nicht anerkannte Bischöfe an der Weihe teilnehmen. Insgesamt dreimal sind in den letzten Wochen in China Bischöfe ohne Erlaubnis des Papstes geweiht worden. Die Beteiligten haben sich, wie der Vatikan erneut bekräftigte, die Exkommunikation zugezogen.
   Die Weihe des vom Papst anerkannten Bischofs Joseph Sun Jigen hingegen war auch vom Pekinger Regime erlaubt worden; es wollte allerdings durchsetzen, dass unter den Weihenden auch der illegitime Bischof Joseph Guo Jincai sei. Als das Bistum sich diesem Ansinnen widersetzte, wurde Sun Ende Juni von der Polizei festge- nommen. Nach seiner Freilassung erklärte er jedoch am letzten Wochenende, er sei schon am 21. Juni heimlich zum Bischof geweiht worden. Die illegalen Bischofsweihen, die auf Druck der Pekinger Regierung zustandekom- men, haben die ohnehin schon gespannten Beziehungen zwischen China und dem Vatikan nach Auskunft eines Vatikan-Erzbischofs „auf den Stand der 50er Jahre“ zurückgeworfen.  agi/110717RVRvavvenire

   Mit Empörung hat die chinesische Regierung auf die jüngste Stellungnahme des Vatikans hinsichtlich illegaler Bischofsweihen reagiert. Die Exkommunikation der beiden Bischöfe Paul Lei Shiyin und Joseph Huang Bingzhang sei „unzumutbar“ und „grob“, heißt es in einer Erklärung, die die chinesische Regierungsagentur Xinhua ver- öffentlichte. Darüber berichtet der missionarische Pressedienst Eglises D'Asie, der seinen Hauptsitz in Paris hat. „Wenn der Vatikan sich ehrlich darin zeigt, seine Beziehungen zur chinesischen Regierung verbessern zu wollen, muss er die Exkommunikationen widerrufen, auf den Weg des Dialoges zurückkehren und damit eine Probe gesunden Menschenverstandes abgeben“, heißt es demnach in der Regierungserklärung weiter. Die Erklärung sei die erste offizielle Reaktion der chinesischen Regierung auf die jüngste Stellungnahme des Vatikans, schreibt Eglises D'Asie. Nach den vom Vatikan nicht genehmigten Bischofsweihen vom 29. Juni in Leshan und am 14. Juli in Shantou hatte er Heilige Stuhl seine Haltung zu Bischofsweihen in China bekräftigt: Ohne päpstlichen Auftrag geweihte Bischöfe erkenne der Vatikan nicht an, unterstrich der Heilige Stuhl in einer Erklärung. Die so geweihten Bischöfe seien – dem Kirchenrecht entsprechend – exkommuniziert. Dabei sei die Exkommunikation eine „Tat- strafe“, das heißt die Geistlichen hätten sie sich durch die Weihe selbst zugezogen. rv110726

Nach illegaler Weihe in China: Papst bedauert Lage der Kirche
   Der Vatikan hat seine Haltung zu Bischofsweihen in China bekräftigt. Die Weihe vom 14. Juli 2011 in der südchinesischen Diözese Schantou sei „ohne päpstlichen Auftrag erfolgt und daher nicht rechtmäßig“, heißt es in einer Erklärung des Heiligen Stuhls. Der Papst bedaure zutiefst, wie die Kirche in China behandelt werde.
Papsttreue zur Teilnahme gezwungen
  Einige papsttreue Bischöfe hätten sich gegenüber den zivilen Autoritäten geweigert, an einer illegalen Weihe- handlung teilzunehmen – „ihren Willen zum Ausdruck gebracht und dabei auch Formen des Widerstands gelei- stet“, so die Erklärung wörtlich. Der Vatikan sei darüber aus „verschiedenen Quellen“ informiert gewesen. „Dessen ungeachtet sind die Oberhirten verpflichtet worden, an der Weihe teilzunehmen.“ Der Widerstand dieser Bischöfe werde von Gott belohnt werden und in der ganzen Kirche hoch geschätzt. Gleiches gelte für Priester und Gläubige, die diesen Bischöfen beigestanden und sie verteidigt hätten.
Exkommunikation
   Den ohne päpstlichen Auftrag geweihten Joseph Huang Bingzhang erkenne der Vatikan nicht als Bischof an. Die Diözese Shantou habe einen rechtmäßigen Oberhirten. Bingzhang sei seit langem informiert gewesen, dass der Heilige Stuhl ihn deshalb nicht als Bischof akzeptieren könne. Mehrmals sei Bingzhang gebeten worden, die Weihe abzulehnen. Ihn träfen die in Canon 1382 des Kirchenrechts festgeschriebenen Sanktionen - die Exkommunikation als sogenannte „Tatstrafe“, also eine automatisch zugezogene Strafe.
Aktuelle Probleme überwinden
   Die illegale Weihe war die dritte in acht Monaten. Die letzte fand am 29. Juni in der zentralchinesischen Provinz Sichuan statt. Der Sekretär der vatikanischen Missionskongregation, Erzbischof Savio Hon Tai Fai aus China, hatte nach Medienberichten über Verhaftungen und den Zwang der Behörden in diesen Tagen beklagt, die Beziehungen zwischen Vatikan und China seien auf den Stand der 50er Jahre zurückgefallen. Die chinesische Regierung sei offenbar davon überzeugt, dass sie die Kirche regieren müsste, so Hon Tai Fai in einem Online-Interview.
   Der Heilige Stuhl erinnert in seiner Erklärung an die Einheit der Weltkirche und das Recht der chinesischen Katholiken, frei zu handeln, „und dabei dem eigenen Gewissen zu folgen“. Der Papst hoffe, „dass die derzeitigen Schwierigkeiten baldmöglichst überwunden werden können“. – Rund 13 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. In der chinesischen Verfassung ist Religionsfreiheit festgeschrieben. RV110716bp
Benedikt XVI. äußerte sich „bitter enttäuscht" über die jüngste Bischofsweihe in China,
   die ohne Zustimmung des Vatikans erfolgt war. Die Weihe führe zu Spaltung und riefe neue Spannungen unter den Katholiken Chinas hervor, heißt es in einem Schreiben vom Heiligen Stuhl, Die Bischofsweihe für Paulus Lei Shiyin vom 29. Juni im Bistum Leshan in der zentralchinesischen Provinz Sichuan sei „ohne päpstlichen Auftrag und darum unrechtmäßig" erfolgt. FAZ110706jöb

   Ein „Bischof“ ist ohne päpstliche Erlaubnis geweiht worden. Die illegale Weihe fand in der Diözese Leshan statt. An der Zeremonie in der Provinz Sichuan hätten, laut der Nachrichtenagentur „Ucanews“, zahlreiche chinesische Regierungsmitarbeiter teilgenommen. Es seien jedoch auch sechs „legale“ Bischöfe der Untergrundkirche dabei gewesen. Die Weihe fand durch den Präsidenten der Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung, Johan Fang Xingyao, statt. RV110629ucanews
China weiht Bischof ohne Zustimmung des Papstes
   In China ist wieder ein Bischof ohne Zustimmung des Vatikan geweiht worden. Nach Angaben des asiatischen katholischen Pressedienstes Ucanews ordinierte der Vorsitzende der regierungsnahen „Patriotischen Vereinigung" Bischof Johan Fang Xingyao wie zuvor angekündigt den 48-jährigen Paul Lei Shiyin, einen der zehn Vizevor- sitzenden der „Patriotischen Vereinigung". Der Zeremonie im südwestchinesischen Leshan wohnten laut der Mel- dung etwa tausend Gäste und Regierungsvertreter bei. Papst Benedikt XVI. hatte die Ordination Leis nicht ge- nehmigt. Für unerlaubte Bischofsweihen sieht das katholische Kirchenrecht schwere Sanktionen vor. Wie Ucanews berichtet, nahmen an der Weihehandlung sechs weitere Bischöfe teil. Diese seien alle vom Vatikan anerkannt, hätten allerdings schon zuvor an anderen kirchenrechtlich unerlaubten Ordinationen teilgenommen. Lei sagte dem Pressedienst, er könne der katholischen Kirche vorbehaltlos gehorchen, müsse aber auch Interessen der Orts- kirche berücksichtigen. Bereits vor einem Jahr habe er einen Brief nach Rom geschrieben und Fragen der Kir- chenleitung beantwortet. „Ich habe getan, was ich tun musste, und habe lange gewartet", zitiert Ucanews den neuen Bischof. Man müsse auf Interessen der Kirche Rücksicht nehmen, bei denen es um „Überleben und Ent- wicklung" gehe. Unterdessen wird der Kandidat einer vom Vatikan genehmigten Bischofsweihe offenbar weiter von der Polizei festgehalten. Der 43- jährige Joseph Sun Jigen sei bislang nicht in seine Diözese Handan in der nordchinesischen Provinz Hebei zurückgekehrt, schreibt Ucanews. Seine Weihe war am selben Tag vorgesehen gewesen. Das Bistum Handan habe wegen der Verhinderung der Weihe auf seiner Website einen Protest an die Regierung veröffentlicht, so der Pressedienst. Zugleich hätten katholische Medien und Blogger Warnungen er- halten, kommentierende Beiträge zu den jüngsten Weihen zu löschen. Mehr als dreizehn Millionen von etwa 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. DT110702kna

   In Handan sind zwei Priester verschwunden. Die beiden Priester hätten versucht, ihren designierten Bischof aufzusuchen. Dieser war kurz vor seiner Bischofsweihe von der Polizei festgenommen worden. Die Priester hätten sich mit Beamten des Büros getroffen, das kirchliche Aktivitäten überwacht. Die Weihe des Bischofs, die päpstliche Zustimmung hatte, sollte eigentlich am 29. Juni, am Festtag Peter und Paul, stattfinden. Die Zeremonie musste jedoch gestrichen werden, nachdem Sun Jigen am 26. Juni von der Polizei in Gewahrsam genommen worden war. RV110705asianews

  Die von der Regierung kontrollierte Patriotische Kirche Chinas hat 14. Juli 2011 erneut einen Bischof ohne Erlaubnis des Vatikan geweiht. Es handelt sich um die bereits dritte illegale Weihe in acht Monaten. Der Vatikan besteht auf dem Kirchenrecht, das keine Bischofsweihe ohne Erlaubnis zulässt, während die Regierung dies als Einmischung betrachtet. Joseph Huang Bingzhang sei nun der Bischof von Schantou, teilte der Leiter der Patriotischen Kirche chinesischen Medien mit. Nach Journalistenangaben wurden mehrere papsttreue Bischöfe gezwungen, an der Weihe mitzuwirken. Vatikansprecher Federico Lombardi sprach in einer ersten Reaktion von „Schmerz und Sorge“. Die Weihe richte sich „gegen die Einheit der Weltkirche“. Rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Chinesen sind Katholiken. Rv110714ap

Gegen die mutmaßliche Verschleppung des katholischen Bischofs Thaddeus Ma Daquin hat Hongkongs Erzbischofl Joseph Zen Ze-kiun vor dem Sitz der chinesischen Zentralregierung protestiert. Gemeinsam mit mehreren Dutzend Katholiken warf der 80-jährige Kardinal den chinesischen Behörden bei einer Kundgebung am Mittwoch, dem 11. Juli 2012 die Verletzung der Religionsfreiheit vor, wie der römische Pressedienst Asianews meldete. Thaddeus Ma Daquin war mit päpstlicher Billigung zum Weihbischof von Schanghai geweiht worden und kurz darauf verschwunden. Nach Informationen örtlicher Katholiken soll er in einem Priesterseminar unter Hausarrest gestellt worden sein. Anlass für das angebliche staatliche Eingreifen sei seine Predigt während des Weihegottesdienstes gewesen sein, in der er sich von der regimetreuen „Patriotischen Vereinigung“ der Katholiken Chinas losgesagt hat. RV120711kna

Chinesischer Bischof unter Hausarrest?
  
Der neugeweihte Weihbischof von Schanghai, Ma Deqin, ist nach seiner Weihe nicht mehr öffentlich aufgetreten. Gläubige und Priester in Schanghai befürchten, er könne unter einer Art Hausarrest stehen. Die katholische Nachrichtenagentur Ucanews berichtete, der Bischof könne sich frei bewegen, dürfe aber derzeit seine Pflichten nicht ausüben. Er habe anderen Priestern geschrieben, dass er sich im Wallfahrtsort Scheshan bei Schanghai erhole. Der Bischof hatte bei seiner Weihe öffentlich erklärt, dass er seine Posten in der „Patriotischen Vereinigung der katholischen Kirche" aufgeben wolle, und damit die Verärgerung der staatlichen Religionsbehörden auf sich gezogen. Die „Patriotische Vereinigung" in Schanghai gab am Dienstag keine Auskunft. Ma ist der erste Bischof der offiziellen Kirche, der seinen Rückzug von einem Posten in der Vereinigung erklärt hat. Die „Patriotische Vereini- gung" ist eine vom Staat in die katholische Kirche gesetzte Laienvereinigung, die vom Papst als unrechtmäßig kritisiert wird. Bischof Mas Weihe in der offiziellen katholischen Kirche war mit Zustimmung des Papstes erfolgt. In Beiträgen im chinesischen Internet wurde Ma für seinen Mut gelobt.  FAZ120711PK

Kritik an illegalen Bischofsweihen

   Die vatikanische China-Kommission hat sich zu jüngsten Vorgängen rund um Bischofsweihen in China geäußert. In zwei Fällen in den letzten Tagen hatten sich vom Papst nicht anerkannte Bischöfe an der Weihe von neuen papsttreuen Bischöfen beteiligt. Sie haben mit diesem unerlaubten sakramentalen Akt „nicht nur ihre eigene kanonische Lage verschlimmert“, sondern auch „das Gewissen der Priester und Gläubigen in Not gebracht“, die bei den Weihen zugegen waren. Das steht in einer Verlautbarung aus dem Vatikan.
   Die China-Kommission hatte sich in den vergangenen drei Tagen über das katholische Glaubensleben in China beraten. An sich ging es dabei um Evangelisierung und die Ausbildung von Priestern und Laien. Allerdings machten die beiden jüngsten Bischofsweihen in China offenbar eine Stellungnahme aus dem Vatikan nötig. Die nicht le- gitimen Bischöfe hätten mit dem Auflegen der Hände als Zeichen der Weihe eine Macht missbraucht, die ihnen die Kirche gar nicht gegeben hat, heißt es in dem Schreiben.
  Umgekehrt hatten sich auch papsttreue Bischöfe in der Vergangenheit an illegalen Bischofsweihen beteiligt, er- innert die China-Kommission. Viele von ihnen hätten inzwischen ihre Position erklärt und um Verzeihung gebeten, was Papst Benedikt „wohlwollend angenommen“ habe. Diejenigen, die diesen Weg nicht gegangen seien, seien dazu aufgerufen, dem Beispiel zu folgen. Außerdem verdeutlicht die China-Kommission neuerlich, dass es Aufgabe des Heiligen Stuhles sei, Bischöfe zu ernennen: die Oberhirten „empfangen von Christus, durch die Kirche, ihre Aufgabe und ihre Autorität, die sie in Einheit mit dem Römischen Pontifex und allen Bischöfen der ganzen Welt ausüben.“
   Die katholischen Laien seien dazu aufgerufen, sich in die Zivilgesellschaft und in die Arbeitswelt einzubringen, so das Papier weiter. Ihr Beitrag bestehe unter anderem darin, „das Leben zu lieben und es zu respektieren, von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende; die Familie zu lieben und für die Werte einzustehen, die auch der traditio- nellen chinesischen Kultur eignen“; das sind deutliche Anspielungen auf die vom Regime auferlegte Einkindpolitik sowie auf die in China praktizierte Todesstrafe.
   Die katholischen Laien auch in China haben einen klaren Auftrag zur Mission, heißt es in der Stellungnahme der China-Kommission weiter. Dazu brauche es allerdings als Fundament eine solide christliche Bildung. Angesichts zahlreicher Erwachsenentaufen müssten die Diözesen Bildungsprogramme für Taufwerber und bereits getaufte Katholiken entwickeln. Die Lehren des II. Vatikanischen Konzils seien zu vertiefen, besonders in Fragen der Ek- klesiologie und der Soziallehre der Kirche, und zwar ganz besonders dort, wo eine rasche wirtschaftliche Entwicklung verzeichnet wird. Besonderes Augenmerk sollten die Bischöfe auf Phänomene wie innerer Migration und Landflucht legen, mahnt die China-Kommission an.
   Die China-Kommission tagte zum fünften Mal seit ihrer Einrichtung durch Benedikt XVI. im Jahr 2007. Der Papst hatte damals einen langen Brief an die Katholiken in China gerichtet, in dem er unter anderem auf die heikle Fra- gen der Bischofsernennungen einging.  RV120426gs

Papst-Appell für die Kirche in China

   Benedikt XVI. ruft die Katholiken in aller Welt zum Gebet für ihre Glaubensbrüder in China auf. Bei der Generalaudienz in Rom wandte sich der Papst noch mit einem ungewöhnlichen Appell an die Katholiken in China: Er wisse um ihre Leiden und Schwierigkeiten, bitte sie aber, „der Versuchung eines von Petrus unabhängigen Weges“ nicht nachzugeben. Bemerkenswert an dem Papst-Appell ist allein schon seine Länge.
   „Am 24. Mai, feiert die Kirche Maria als „Hilfe der Christen“: Unter diesem Titel wird sie im Wallfahrtsort Sche- schan in Schanghai angerufen. Fotos siehe weiter unten auf dieser Seite. Die ganze Kirche vereint sich dann im Gebet mit der Kirche in China. Dort wie anderswo erleidet Christus seine Passion. Aber während die Zahl derer wächst, die ihn als ihren Herrn erkennen, wird Christus von anderen zurückgewiesen, ignoriert oder verfolgt: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Apg 9,4. Chinas Kirche braucht das Gebet der Weltkirche vor allem in diesem Mo- ment. Ich lade vor allem alle chinesischen Katholiken um weiteres und stärkeres Gebet zu Maria ein. Aber überhaupt allen Katholiken in der Welt sollte es ein Anliegen sein, für die Kirche in China zu beten: Diese Gläubi- gen haben ein Recht auf unser Gebet – und sie brauchen es auch!“
   Die Apostelgeschichte schildere das inständige Gebet der Urgemeinde in Jerusalem für den inhaftierten Petrus, so der Papst. Und tatsächlich habe daraufhin ein Engel den Petrus aus dem Gefängnis befreit. „Wir tun dasselbe“, so Benedikt, „wir beten alle zusammen inständig für diese Kirche und vertrauen darauf, dass wir mit dem Gebet etwas sehr Reelles für sie erreichen können.“
   „Die chinesischen Katholiken – das haben sie oft gesagt – wollen die Einheit mit der Weltkirche, mit dem obersten Hirten, mit dem Nachfolger des Petrus! Mit dem Gebet können wir für die Kirche in China erwirken, dass sie eine, heilige, katholische Kirche bleibt, treu und beharrlich in der Lehre und der kirchlichen Disziplin. Sie verdient unsere ganze Zuneigung!“
   Benedikt XVI. hat vor einigen Jahren ein Apostolisches Schreiben an die Katholiken in China gerichtet, in dem er ausführlich auf ihre Schwierigkeiten eingeht. Lesen Sie das Apostolische Schreiben auf unserer Seite > China II   Den 24. Mai, Fest Unserer Lieben Frau von Scheschan, hat der Papst zum Weltgebetstag für die Kirche in China ausgerufen. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China sind in jüngster Zeit immer wieder durch illegale Bischofsweihen belastet worden, die ohne Zustimmung des Papstes vorgenommen wurden. Das Regime hat mehrfach vom Vatikan anerkannte Bischöfe gezwungen, an solchen illegalen Bischofsweihen mitzuwirken.
   „Wir wissen, dass unter unseren Mitbrüdern im Bischofsamt einige leiden und bei der Ausübung ihres Amtes unter Druck gesetzt wurden. Ihnen, den Priestern und allen Katholiken, die bei der freien Ausübung ihres Glau- bens auf Schwierigkeiten stoßen, drücken wir unsere Nähe aus. Möge unser Gebet ihnen helfen, einen Weg zu finden, damit ihr Glaube lebendig bleibt, ihre Hoffnung stark, ihre Liebe zu allen brennend und ihre Sicht von der Kirche intakt. Wir haben diese Ekklesiologie vom Herrn und den Aposteln geerbt, sie wurde uns treu bis in die heutige Zeit weitergegeben. Mit dem Gebet können wir erwirken, dass ihr Wunsch, in der einen und universellen Kirche zu bleiben, die Versuchung eines von Petrus unabhängigen Weges überwindet.“
   Das Gebet könne „für sie und uns“ die Kraft erwirken, das Evangelium „in aller Offenheit und ohne Hindernis“ zu bezeugen, so Benedikt XVI. Er bete zusammen mit allen Katholiken in der Welt, dass Maria die Glaubensbrüder in China „immer mehr Christus gleichmacht“.
   „Ich bitte Maria, die zu erleuchten, die im Zweifel sind; die Verirrten zurückzurufen, die Trauernden zu trösten und alle zu stärken, die dem Lockruf des Opportunismus zu erliegen drohen. Jungfrau Maria, Hilfe der Christen, Unsere Liebe Frau von Scheshan, bitte für uns!“ rv110518sk

   Das Beijinger Außenministerium widerspricht dem Papst. Benedikt hatte in einem Appell von „Leiden“ und „Schwierigkeiten“ der Katholiken in China gesprochen. „Wir hoffen doch, dass der Vatikan die Realität der Religi- onsfreiheit in China wahrnimmt und die Tatsache, dass sich die Katholiken in China weiterentwickeln“, sagte dazu eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums. Der Vatikan solle lieber „konkret etwas tun, um die Bedingungen für eine Weiterentwicklung der chinesisch-vatikanischen Beziehungen zu schaffen“. Vor allem Bischofsweihen in China ohne Zustimmung des Papstes haben in den letzten Monaten diese Beziehungen schwer belastet. Die Zahl der Katholiken in China wird auf zwischen acht und zwölf Millionen geschätzt. RV110519reuters

China: Vor neuen illegalen Bischofsweihen
   Die Versuche des Vatikans, mit dem chinesischen Regime ein Auskommen zu finden, drohen mal wieder ins Leere zu laufen. Der Heilige Stuhl habe kein Recht, sich in die Auswahl und Weihe von Bischöfen in China einzumischen, sagte der Ehrenpräsident der regimenahen „Patriotischen Vereinigung“, Liu Bainian. Der „starke Mann“ der so genannten „offiziellen“ Kirche erklärte, Chinas Katholiken seien unabhängig vom Vatikan und wollten bei der Be- stellung von Bischöfen keine Einmischung aus Rom.
   „Man merkt, dass die katholische Kirche hier in einer schwierigen Lage ist, manchmal auch unterdrückt wird. Der Staat beobachtet sehr viel. Es ist für die Kirche hier in China nicht einfach.“ Das sagt der deutsche Auslandsbischof Heiner Koch, der in den letzten Tagen einen Besuch in Peking, Schanghai und Hongkong gemacht hat. Er sei in der chinesischen Hauptstadt auf „etwas ängstliche“ chinesische Katholiken gestoßen. „Aber, wie der nordkoreanische Botschafter mir heute sagte: Das sind paradiesische Zustände gegenüber der Situation in Nordkorea...“
   Koch ist von Haus aus Kölner Weihbischof. Während seines Besuchs in Hongkong erschien in der lokalen Zeitung „Wen Wei Po“ ein Aufsatz des „offiziellen“ Bischofs Fang Xingyao, Präsident der regimenahen „Patriotischen Ver- einigung“. Der Aufsatz kündigt für die nächste Zeit die Weihe von elf neuen Bischöfen an – und von einer Zu- stimmung aus Rom für die Kandidaten ist in dem Aufsatz keine Rede. Nur auf das Plazet der „offiziellen“ Bischofskonferenz werde noch gewartet, dann würden die Bischofsweihen vorgenommen. Weihen, die aus Vati- kansicht illegitim sind.
   Heiner Koch weiß um die zum Zerreißen gespannten Beziehungen zwischen dem Vatikan und China. Dennoch: Durch Peking ist er nicht in Zivil gelaufen, sondern als Bischof gekleidet. „Und die Menschen erkennen das auch und sprechen mich an. Das ist ganz interessant. Als Ausländer kann man sich hier gut als Christ zu erkennen ge- ben. Die Menschen empfangen mich hier insgesamt mit einer enormen Gastfreundschaft und einer großen Herzlichkeit.“
   Kochs Besuch galt vor allem der deutschen Gemeinde in Peking, die von einem Geistlichen aus dem Erzbistum Köln geleitet wird. Am Sonntag hielt er dort Firmung, Visitation und Gemeindejubiläum ab – alles auf einen Streich. Sogar der deutsche Botschafter in Nordkorea kam extra für diese Messfeier in die chinesische Hauptstadt. Dazu Koch:
   „Ein außergewöhnlicher Gottesdienst! Weil zum ersten Mal ein ausländischer Bischof in einer katholischen Kirche in Peking zelebrieren durfte. Der Staat hatte die Genehmigung gegeben. Sonst trifft sich die deutsche Gemeinde immer in der deutschen Botschaft.“
   Er habe gemerkt, „wie froh die Deutschen in China sind, dass es diese Gemeinde gibt“, sagt Weihbischof Koch. Er habe nachher aber auch mit Chinesen gesprochen und festgestellt, dass es auch ihnen einiges bedeutet, dass es die katholisch-deutsche Gemeinde gibt: „Weil die katholische Kirche in China so wichtig ist, und vor allen Dingen in Peking. Das wichtige Zeichen dieses Gottesdienstes für diese Gemeinde war: Wir sind eine internationale Größe - und weit mehr als nur die Katholiken in Peking!“ domradio/apic110518sk

Die deutschen Bischöfe rufen die Gläubigen auf, am 24. Mai für die Anliegen der Kirche in China zu beten.    Vor allem werden die Gläubigen in Deutschland aufgerufen, „für die Freiheit der Kirche in China zu beten“. Der 24. Mai ist der Feiertag „Maria, Hilfe der Christen“. In die Gottesdienste und in das persönliche Gebet soll die schwierige Lage der chinesischen Katholiken einbezogen werden, schreibt die Bischofskonferenz in einer Mitteilung. Die Gebetsinitiative geht auf eine Empfehlung von Papst Benedikt XVI. zurück, der 2007 in einem Brief an die katholische Kirche in der Volksrepublik China zu wachsender Verbundenheit zwischen der Kirche in China und der Weltkirche aufgerufen hat. Der 24. Mai wurde damals zum Tag des weltweiten Gebets für China bestimmt. RV110519pm

Eine gute Nachricht aus China
   Mehrere aktuelle Ereignisse in der Volksrepublik China werden von Beobachtern als Zeichen für eine Bereit- schaft zu Zugeständnissen gewertet. So ist der jetzt frisch geweihte chinesische Bischof Joseph Shen Bin von Haimen einer Meldung der Nachrichtenagentur UCA News zufolge sowohl vom Papst als auch vom Pekinger Regime anerkannt. Bei der Weihe des 40-Jährigen in der Provinz Jiangsu an der Ostküste der Volksrepublik China hätten mit einer Ausnahme nur Bischöfe mitgewirkt, hinter denen auch der Vatikan stehe. Darüber hinaus sei jetzt ein Hirte der Untergrundkirche, Bischof Matthias Du Jiang, von den staatlichen Behörden anerkannt worden. Der 47-Jährige aus dem Autonomen Gebiet Guangxu im Süden Chinas war 2004 mit Billigung des Papstes zum Bischof geweiht worden. Bislang hatten ihn die Zivilbehörden aber nicht als Bischof anerkannt. Rv100422zenit
  
Joseph Han Yingjin ist neuer Bischof in Sanyuan. Seine Ordination ist die vierte vom Vatikan anerkannte Bischofsweihe in China seit April letzten Jahres. Als Hauptaufgaben sieht der 52-jährige Bischof Han die Stärkung der Mission, die Glaubensbildung und die soziale Arbeit. RV100625asianews
   Nach fast 50 Jahren Vakanz ist der Bischofsstuhl in der chinesischen Provinz Zhejiang neu besetzt. Das Amt übernimmt der vom Vatikan anerkannte Geistliche Antonio Xu Jiwei. Er wurde in der Kathedrale der Diözese Tai- zhou zum Bischof geweiht. Er wolle die Einheit der Geistlichen und Gläubigen stärken, gab der neue Oberhirte an. Zur Zeit der Kulturrevolution verbrachte Xu, der aus Schanghai stammt, fünf Jahre im Gefängnis. Es folgten lange Jahre Zwangsarbeit. „Die Zeit im Gefängnis hat meinen Glauben gestärkt“, so der Geistliche wörtlich gegenüber der Nachrichtenagentur asianews. In der Diözese Taizhou leben ca. 6.000 Katholiken, die meisten Gläubigen kom- men vom Land. Oktober 1926 wurde ihr vorstehender Bischof von Papst Pius XI. zu einem der ersten chinesischen Prälaten ernannt. Seitdem hatte die Diözese nur zwei Bischöfe. RV100710asianews
  
Antonio Xu Jiwei ist zum Bischof von Linhai in der Provinz Zehjiang geweiht worden. Der 75-jährige ist vor 25 Jahren zu Priester geweiht worden und war bereits seit 1999 Diözesanadministrator. Die Messe wurde unter dem Vorsitz des Bischofs von Qingdao, Giuseppe Li Mingsu, gefeiert. Die staatlichen Behörden haben die Ordination Jiweis approbiert. 100714rv
   Nach 15 Monaten Haft ist ein Bischof der Untergrundkirche freigelassen worden. Das teilte die im US- Bundes- staat Connecticut ansässige Kardinal-Kung-Stiftung mit. Demnach wurde der katholische Bischof Jia Zhiguo nach Anruf eines Regierungsvertreters bei der Diözese Zhengding in der Provinz Hebei freigelassen. Unmittelbar nach seiner Freilassung habe Bischof Jia erklärt, er habe weder die Patriotische Vereinigung noch die offiziell zugelas- sene Chinesische Bischofskonferenz akzeptiert. Jia war Ende März 2009 aus seinem Haus verschleppt und seitdem nicht mehr gesehen worden. Der Tag seiner Verhaftung sei exakt mit dem Arbeitsbeginn der Vatikan-Kommission für die Kirche in China zusammengefallen. Nach Angaben der Stiftung handelte es sich bereits um die 13. Verhaf- tung Jias seit 2004. – In China gibt es derzeit rund 90 katholische Bischöfe. Weit mehr als die Hälfte von ihnen sind Mitglieder der offiziell anerkannten „Patriotischen Vereinigung“, die anderen gehören der papsttreuen Unter- grundkirche an. Mittlerweile sind aber auch viele Bischöfe der offiziellen Kirche in China von Rom anerkannt. RV100708kna
   Der Vatikan hat die Freilassung des chinesischen Bischofs Julius Jia Zhiguo begrüßt. Er habe diese Nachricht mit großer Freude vernommen, heißt es in einer Botschaft des Präfekten der Missionskongregation, Kardinal Ivan Dias. Zugleich versicherte Dias darin dem Bischof von Zhengding die besondere Verbundenheit des Papstes. Der 75- jährige Jia ist seit 1980 Bischof der papsttreuen Untergrundkirche; die chinesische Regierung erkennt ihn nicht an. Jia war am 31. März vergangenes Jahres von Polizisten ohne Begründung an einen unbekannten Ort gebracht worden. Zuvor stand er unter Hausarrest. Jia war zuvor insgesamt mehrere Jahre im Gefängnis gewesen. Unter anderem war er am Schlusstag der Olympischen Spiele in China, Ende August 2008, vorübergehend verhaftet worden. Seit 1989 befand er sich unter strenger Beobachtung der Polizei. RVkipa100713fides
  
In China ist ein katholischer Bischof geweiht worden. Die Ordination habe mit Billigung des Papstes und in Einvernehmen mit der Regierung in Peking stattgefunden, berichtet die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. Der 46-jährige John Baptist Yang Xiaoting werde künftig als Bischofskoadjutor in Yan'an in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi tätig sein. Die Bischofsweihe ist laut der Vatikanzeitung bereits erfolgt.  or100722kna

   In der nordchinesischen Provinz Shanxi gibt es einen neuen Bischof, der sowohl mit Billigung der staatlichen Behörden als auch des Heiligen Stuhles geweiht wurde. Peter Wu Junwei, zuletzt Rektor des örtlichen Priester- seminars, empfing bereits am 21. September die Weihe zum Bischof für Kiangchow. Das schreibt die Vatikan- zeitung Osservatore Romano. Der 47-jährige Wu ist der achte Bischof, der in diesem Jahr mit Billigung der staatlichen Behörden und des Heiligen Stuhls geweiht wurde. RV100930or
China: Untergrundkirche wird sichtbarer
   Es ist der zehnte Bischof in China, der in diesem Jahr mit Erlaubnis der staatlichen Behörden und des Vatikans geweiht wurde: Joseph Yang Yongqiang ist seit diesem Montag Weihbischof in der Stadt Zibo, das liegt in der Provinz Schandong zwischen Beijing und Shanghai. Den Dialog mit den so genannten Untergrundkirchen“ wolle er vertiefen, so ein Ziel des neuen Oberhirten. Dazu gehöre auch, dass die offiziellen Kirchen Kultstätten mit den staatlich nicht anerkannten Kirchen teilten, so Yang. Die Grenze zwischen Untergrundkirche und offizieller Kirche verschwimme in den letzten Jahren zunehmend. Das meint der amerikanische Journalist Paul Mooney von der „South China Morningpost“. Man könne kaum noch von einem einheitlichen „Untergrund“ sprechen: „Die Patrio- tische Vereinigung will die ganze Kirche kommunistisch machen. Aber ich denke, das Gegenteil passiert: Die Untergrundkirche wird immer sichtbarer und etablierter.“ RV101115

   Gegen den ausdrücklichen Protest des Apostolischen Stuhls hat in China die unerlaubte Bischofsweihe von Joseph Guo Jincai stattgefunden. Acht in Gemeinschaft mit dem Papst stehende Bischöfe nahmen unter Zwang an der Feier teil, die in der Stadt Chengde stattfand. Wie die Agentur „Asianews“ berichtet, hatte es seit 2006 in China keine unerlaubten Weihen mehr gegeben. Joseph Guo Jincai wurde vom Pekinger Regime ohne Beteiligung oder Zustimmung des Papstes zum Bischof gemacht. Die Nachricht bedeutet einen Rückschlag für den Heiligen Stuhl, der an eine allmähliche Verbesserung der Beziehungen geglaubt hatte. RV101120asianews

Pekings Druck hat Wirkung. China: Neue Spitze der Bischofskonferenz von Rom nicht anerkannt

   Die staatstreue katholische Kirche Chinas hat einen vom Vatikan nicht anerkannten Bischof zum Vorsitzenden ihrer Bischofskonferenz gewählt. Während der in Peking zu Ende gegangenen Vollversammlung stimmten die gut 300 Delegierten nahezu einstimmig für den Bischof von Kunming, Joseph Ma Yinglin, wie der römische Pressdienst asianews berichtet. Ma war 2006 ohne Zustimmung des Vatikan zum Bischof der südchinesischen Stadt geweiht worden. Grund für die Ablehnung Roms soll zu große Staatstreue und eine unzureichende Erfahrung Mas als Seelsorger gewesen sein. Zum Präsidenten der „Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung" wurde der mit Zustimmung Roms geweihte Bischof von Linyi, John Fang Xingyao, gewählt. Generalsekretär der Bischofskonfe- renz wurde laut asianews der am 20. November gegen den Willen Roms zum Bischof geweihte Guo Jincai von Chengde.
   Auch unter den neu gewählten sechs stellvertretenden Vorsitzenden befinde sich ein vom Papst nicht aner- kannter Bischof. Weder die Bischofskonferenz noch die Patriotische Vereinigung sind als Körperschaften vom Vatikan anerkannt. Dutzende Bischöfe sollen zur Teilnahme an der Vollversammlung gezwungen worden sein. Außer den Bischöfen hätten auch Laien und Regierungsvertreter teilgenommen. Die Bischöfe stellten demnach bei dem Treffen nur eine Minderheit. Der Vorsitz der Bischofskonferenz war seit 2005 vakant, die Präsidentschaft der Patriotischen Vereinigung seit 2007. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China waren zuletzt durch die von den chinesischen Behörden gegen den Willen Roms durchgesetzte Bischofsweihe Guos belastet worden. Der Vatikan hatte diesen Schritt scharf verurteilt. Die Katholiken in China sind seit 1957 in eine vom Staat verfolgte romtreue Untergrundkirche und die offizielle „Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung" gespalten. Wäh- rend der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurde das Christentum unterdrückt.
   Die katholische Kirche steht weiterhin unter strenger Kontrolle der Regierung. Die „Untergrund-Katholiken" erhalten keine Erlaubnis zum Bau von Kirchen. Immer wieder werden Priester und Bischöfe verhaftet. In der Praxis ist die Grenzziehung zwischen beiden Gruppierungen verschwommen. Mittlerweile sind rund 90 Prozent der Bischöfe Chinas vom Papst anerkannt. DT101211kna

Scharfe Kritik an chinesischer Kirchenpolitik
   Der Vatikan hat die von der staatlich kontrollierten katholischen Kirche in China veranstaltete Vollversammlung der Bischofskonferenz ungewöhnlich scharf kritisiert. Der Heilige Stuhl reagierte in einer offiziellen Erklärung „mit tiefem Bedauern“ auf die Begegnung der chinesischen Kirchenvertreter. Er wertete die Veranstaltung ebenso wie die jüngste Bischofsweihe ohne römische Zustimmung als „inakzeptablen und feindseligen Akt“. Zahlreiche Pries- ter und Bischöfe seien zur Teilnahme gezwungen worden, beklagte das vatikanische Presseamt. Die Regierung demonstriere mit ihrem Vorgehen eine „unterdrückerische Haltung“ zu der in der chinesischen Verfassung ver- ankerten Religionsfreiheit.
   Den anhaltende Wunsch der Behörden nach Kontrolle der religiösen Aktivitäten und der Versuch, sich in interne Angelegenheiten der Kirche einzumischen, bezeichnete der Heilige Stuhl als „Zeichen der Angst und Schwäche“. Die Tatsache, dass Geistliche zur Teilnahme an der Versammlung gezwungen worden seien, stelle eine „gravie- rende Verletzung ihrer Menschenrechte, insbesondere ihrer Gewissens- und Religionsfreiheit“ dar. Die Kirchen- versammlung erschwert aus Sicht des Vatikans den Versöhnungsprozess zwischen Rom und Peking sowie zwischen der staatlich kontrollierten und der Untergrundkirche erheblich. Die Behörden hätten mit diesem uni- lateralen Schritt „den Dialog und das Vertrauensklima beschädigt“, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hätten. Der Vatikan hält aber trotz eines gewissen Vertrauensverlustes weiterhin an seinem Wunsch nach Dialog mit Peking fest. rv101217bg

Ch-Scheschan08xx

Die Untergrund-Priester

   Ein großer Teil der chinesischen Katholiken tritt nicht öffentlich auf, weil man sich als Teil einer Untergrundkirche versteht, die seit Jahrzehnten existiert. Im November hat sich die Lage für die Verfolgten wieder zugespitzt. Peking und Rom schauen gebannt auf die katholische Kirche im Reich der Mitte.
   Das ist in gewisser Weise erstaunlich. Denn die katholische Kirche in China ist vergleichsweise klein. In der Volksrepublik leben derzeit wahrscheinlich nur zwischen 12 und 14 Millionen Katholiken. Doch hier, im Reich der Mitte mit seinen rund 1,4 Milliarden Menschen, könnte in wenigen Jahrzehnten eine der größten Teilkirchen der Kirche Roms entstehen. Die Dynamik ist enorm: Seit Gründung der Volksrepublik 1949 hat sich die Zahl der Katholiken etwa vervierfacht - und eine weitere Expansion ist ziemlich wahrscheinlich.
   Denn die Explosion der Zahl der Katholiken in China hat Tradition. So zählte man in der Zeit der Republik China von 1911 bis 1948 über 3 Millionen katholische Christen - und das, obwohl kurz zuvor während des Boxer- aufstandes im Jahr 1900 noch rund 18.000 Christen ermordet worden waren. Diese Blüte in Freiheit aber brachte Mao Tse-tung zum Stoppen, als er 1949 die Volksrepublik als einen atheistischen Staat ausrief - mit der Folge der Verfolgung aller Religionen, auch des Christentums. Vor allem in den fünfziger Jahren wurden alle christlichen Missionare ausgewiesen, chinesische Priester, Mönche und Ordensschwestern in Gefängnisse gesteckt.
   Auf Druck der Kommunistischen Partei wurde 1957 die Patriotische Vereinigung der Chinesischen Katholischen Kirche gegründet - es folgte eine Spaltung, die bis heute anhält: hier die romtreue sogenannte Untergrundkirche, dort die vom Staat anerkannte offizielle Kirche. Zwar wurden bei der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 auch die offiziellen Katholiken verfolgt. Nach der Öffnung Chinas in den achtziger Jahren aber erleiden dies fast nur noch die Untergrundkatholiken.
    Am 30. Juli 2007 aber begann mit einem Brief von dort an die chinesische Kirche ein neues Kapitel im Kampf Peking - Rom: Papst Benedikt XVI. mahnte die Untergrundkirche wie die offizielle Kirche zur Einheit.
   Die katholische Kirche ist so präsent wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gab es nach der Kulturrevolution in China gerade noch zwei katholische Kirchen, sind es heute wieder über 6.000. Zehntausende Gläubige nehmen an Marienwallfahrten teil. Hört man sich unter normalen Katholiken um, scheint es vielen schlicht egal zu sein, ob sie nun eine offizielle oder eine Untergrundmesse erleben.
   Inzwischen hat sich auch die Mehrzahl der ohne päpstliche Erlaubnis geweihten Bischöfe der offiziellen Kirche nachträglich um ein Placet aus Rom bemüht. Manche Kirchenexperten gehen davon aus, dass bereits etwa 80 Prozent des chinesischen Episkopats vom Heiligen Vater anerkannt wurde. Einige "Untergrund"- Bischöfe gelten in der Sicht der Behörde zwar weiter als illegal, können aber offen in einer Kirche residieren.
   Jetzt gab es einen herben Rückschlag für die Annäherung zwischen Rom und Peking: Erstmals nach vier Jahren und nach dem Papstbrief wurde unter massiver Polizeipräsenz in der Provinz Hebei wieder ein Bischof der offiziellen Kirche geweiht, gegen den sich der Vatikan ausdrücklich ausgesprochen hatte. Die Polizei zwang sogar mehrere Bischöfe dazu, an der Ordination teilzunehmen, wogegen der Vatikansprecher im Vorfeld zusätzlich scharf protestiert hatte.
   Mit Spannung wird auch die 8. Nationalversammlung der offiziellen Kirche erwartet, die bis Ende dieses Jahres stattfinden soll. Peking erkennt nur fünf "Religionen" offiziell an, nämlich den Buddhismus, den Taoismus, den Islam, die katholische Kirche und den Protestantismus - der Rest, darunter das Judentum, gilt als "Aberglaube". Die offiziellen "Religionen" müssen alle fünf Jahre Nationalversammlungen abhalten, die ihre neue Führungsspitze bestimmen. Die Versammlung soll die offizielle "Bischofskonferenz" sowie die Leitung der "patriotischen" Kirche wählen. Beide Gremien werden jedoch vom Vatikan nicht anerkannt. taz-info101124PhilippGessler

   In China sind mehrere katholische Bischöfe von Sicherheitskräften verschleppt worden. Der offizielle Bischof von Hengchow, Feng Xinmao, sei von der Polizei an einen isolierten Ort verbracht worden, so Asianews unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen. Nach Agenturangaben gingen die Sicherheitskräfte gegen Priester und weitere Gläubige vor, die um das Haus des Bischofs eine Mauer gebildet hätten, um diesen vor dem Zugriff der Polizei zu schützen. Auch andere Bischöfe seien verschleppt worden, so Asianews weiter. Kontext der Vorfälle sei die Vollversammlung der offiziellen staatstreuen katholischen Kirche in China. RV101207

sin-HebeiWuqiu-z   katholisches Waisenhaus Wuqiu Diözese Hebei / China

Stille Macht, unheilige Macht. In ein Waisenhaus in China haben Eltern ihre behinderten Kinder abgeschoben.
Weil es christlich geführt wird, wollen die Behörden es nun schließen. Foto: Leben im Hinterhof:
Das Waisenhaus von Wuqiu kümmert sich um Kinder, die von den Eltern verlassen wurden.

   Das Waisenhaus von Wuqiu ist hinter Kirchentüren verborgen. Oben ragen die Türme der Kathedrale in den Himmel. Unten wischt eine der Nonnen Urin vom Boden. Durch die halbrunden Fenster kommt fahles Licht in den dunklen Raum. Hier sind die jungen Erwachsenen mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen unter- gebracht. Sie haben ihr gesamtes bisheriges Leben in dem Waisenhaus verbracht. Ihre schwachen Körper sitzen in Rollstühlen, manchen wurden die Beine an dem Gestell festgebunden. Unruhig lassen sie die Köpfe kreisen. Ein Junge stößt unartikuliert Laute aus. Ein anderer sitzt mit nacktem Hintern auf einem wackeligen Stuhl aus Holz und Metall über einem Toiletten-Eimer.
   Für die Kinder ist es ein Leben im Elend. Es fehlt dem Waisenhaus praktisch an allem, sagt Schwester Maria Zhang, deren echter Name zu ihrer Sicherheit nicht verraten werden soll. Es gibt keine Seife, kein Waschmittel, keine Zahnpasta. Von Windeln ist nicht einmal die Rede. Es gibt gerade einmal genug zu essen. Befreundete Christen laden Kartons mit Lebensmitteln aus einem kleinen Lieferwagen. Doch die Behörden erlauben keine größeren Hilfslieferungen. Denn das, was in dieser Kathedrale und dem Waisenhaus geschieht, ist in den Augen des Staates illegal. Die katholische Kirche in China spaltet sich in eine offizielle „patriotische" Kirche und eine Untergrundkirche, deren Anhänger dem Papst die Treue halten. Zu ihr gehören auch diese Christen in Wuqiu.
   Es ist ein armes Dorf in der nordchinesischen Provinz Hebei, in der die meisten Katholiken Chinas leben. Auf dem Kirchengelände wird der vatikantreue Bischof Julius Jia Zhigou festgehalten und ununterbrochen überwacht. Seine Wächter lassen keine Besucher und Unterstützer hinein. Der Bischof hat das Waisenhaus vor mehr als 20 Jahren eröffnet. Maria Zhang ist eine von Dutzenden Schwestern, die sich seither für das Leben der Kinder aufopfern. Heute gehören rund 80 Kinder und Jugendliche zum Waisenhaus. „Die meisten wurden vor der Kirchentür abge- legt", berichtet Maria Zhang. Oft lag nur ein Zettel dabei, auf dem ihr Herkunftsort gekritzelt stand. Wegen der Ein- Kind-Politik haben die Eltern ihre behinderten oder „überzähligen" Kinder aufgegeben und der Barmherzigkeit der Schwestern überlassen.
   Genau genommen ist es also gar kein Waisenhaus - viele der Kinder haben irgendwo noch Familie. Die ersten Bewohner waren zwei gelähmte Kinder und ein Junge, der blind zur Welt gekommen war. „Als ich die Kinder sah, wusste ich, dass ich mich um sie kümmern muss", sagt Maria Zhang. Doch weil das Waisenhaus zur Untergrund- kirche gehört, machen die Behörden den Nonnen das Leben schwer. Einmal wurde ein großer Hilfstransport gestoppt, den ein Buddhist geschickt hatte. Immer wieder wurden Besucher von den Behörden festgenommen, die Nonnen auf der Polizeistation verhört. Ihnen wurde mit Strafen wegen Verstößen gegen die Familienpolitik ge- droht. Vor dem Eingang hängt eine Videokamera, die jede Bewegung aufnimmt. Ein Bewacher notiert sich die Kennzeichen der parkenden Autos.
   Die ohnehin schwere Lage hat sich nun kurz vor Weihnachten noch einmal verschlechtert. „Sie stehen vor der Schließung", berichtet ein Christ mit Kontakten zu dem Waisenhaus. Die Behörden wollen die Kinder in eine staatliche Einrichtung bringen. Sie drängen den Bischof, sein Einverständnis zu geben. Es ist die Strafe für seine Loyalität zum Papst. Einige der Kinder hätten geweint, als sie davon erfuhren, sagt der Kontakt. Sie seien mit dem christlichen Glauben aufgewachsen und wollten unbedingt in Wuqiu bleiben. Dabei würde der Umzug in ein staatliches Heim wohl sogar eine Verbesserung der Lebensumstände mit sich bringen. Doch seien ja die Behörden für die schlechten Zustände in dem Waisenhaus verantwortlich und nicht die Nonnen, sagt die Kontaktperson. Besser wäre es, Hilfslieferungen und Spenden zu erlauben und die Nonnen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, anstatt sie zu verfolgen. Für eine Stellungnahme dazu waren die örtlichen Behörden jedoch nicht zu erreichen.
   Die Schwierigkeiten in Wuqiu spiegeln dabei nicht nur die Probleme der Christen in China wider, sondern auch die nach wie vor prekäre Lage der geistig und körperlich Behinderten, um die man sich auch von offizieller Seite her nicht genug kümmert. Besonders auf dem Land werden Behinderte oft vernachlässigt und im Extremfall sogar in Verschläge gepfercht. Gerade erst wurde bekannt, dass ein Heimleiter in Südwestchina geistig Behinderte als Sklavenarbeiter an eine Fabrik verkauft hat. Für die verlassenen Kinder von Wuqiu ist es deshalb ein Segen, dass sich die Nonnen um sie kümmern. Normalerweise würden sie am Weihnachtstag alle gemeinsam eine Christmesse mit Stall und Krippe feiern. Doch für sie wird es wegen der drohenden Schließung kein frohes Fest.
FAZ101224TillFahnders

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In den Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China zeichnet sich nach Einschätzung des katholischen Pressedienstes asianews derzeit wenig Bewegung ab.
 Foto links: Marienwallfahrt in Scheschan. Foto rechts: Scheschan heute unter Bewachung

  Bei den 50-Jahrfeiern der staatsnahen „Patriotischen Vereinigung“ seien nur die alten Forderungen nach einem Abbruch der Beziehungen des Heiligen Stuhls zu Taiwan sowie die Absage an jede vatikanische Einmischung in chinesische Kirchenangelegenheiten wiederholt worden, meldet asianews. Immerhin hätten rund 80 Prozent der illegal geweihten „patriotischen“ Bischöfe inzwischen eine Zustimmung des Papstes. Bei den Jubiläumsfeiern im Großen Saal des Volkes am Pekinger Tiananmen-Platz würdigte Du Qinglin vom Zentralkomitee der Kommunisti- schen Partei die Treue der patriotischen Katholiken zur Kirche und zum Vaterland. Gleichzeitig stellte er laut asianews klar: „Der Vatikan darf sich nicht in die Innenpolitik Chinas einmischen, einschließlich der Religion“; er müsse die „sogenannten diplomatischen Beziehungen“ zu Taiwan abbrechen und die Volksrepublik als einzige legale Regierung des chinesischen Volkes anerkennen. Nur auf dieser Grundlage könnten beide Seiten zu einem konstruktiven Dialog kommen. Mit keinem Wort ging der Politiker auf das Schreiben von Papst Benedikt XVI. vom Sommer 2007 ein, in dem er der chinesischen Regierung einen neuen Dialog angeboten hatte.
   Seit 1958 besteht in der Volksrepublik China neben der romtreuen katholischen Untergrundkirche eine regierungsnahe „Patriotische Vereinigung Chinesischer Katholiken“. In den vergangenen 50 Jahre habe sie in Abstimmung mit den staatlichen Behörden 170 Männer „autonom“ zu Bischöfen ernannt, betonte Du in seiner Rede. - Die meisten von ihnen haben jedoch inzwischen um eine Anerkennung durch den Heiligen Stuhl nachge- sucht und diese erhalten. „Die Rede von Du Qinglin bringt einen Refrain alter Slogans und Vorurteile“ und zeige, wie unvorbereitet die Partei der Frage von Religionsfreiheit und Bischofsernennungen gegenübersteht, kommen- tiert asianews. Rv081221kna 

   Die Diözese Schanghai hat Papst Benedikt XVI. ein Bild und ein Basrelief geschenkt. Der Jesuitenpater Matteo Chu überreichte die Gaben dem katholischen Kirchenoberhaupt am Ende der Generalaudienz an. Beide Kunst- werke sind Portraits von Unserer Frau von Scheschan und stammen aus Schanghai. Pater Chu bat den Papst außerdem um Segen für die katholische Kirche in China und das Vorantreiben der Seligsprechung Matteo Riccis und Paul Xu Guangqis. RV100617asianews

 China: „Kirche kann sich hier durch die Enzyklika Caritas in veritate neu profilieren“

   In China kann die Globalisierungs-Enzyklika Papst Benedikts dazu beitragen, das Ansehen der katholischen Kirche neu zu stärken. Das glaubt der katholische Wirtschaftsethiker Stefan Rothlin, der seit elf Jahren in Peking lehrt. In China sind die Katholiken eine wachsende und nicht immer wohlgelittene Minderheit. Kirchenleute, sagt Rothlin, wissen ohnehin, dass die katholische Soziallehre der Gesellschaft in China eine besondere Richtung geben kann. Zögernd, aber doch, setze sich dieses Bewusstsein nun auch in offiziellen Kreisen durch, beobachtet der Wirtschaftsethiker:
   „Das zeigt sich auch daran, dass selbst in der chinesischen Regierung anerkannt wird, welche Leistungen die Kirche im sozialen Umfeld bringt. Ich meine, dass sich hier die Kirche durch diese Enzyklika tatsächlich neu pro- filieren kann, weil sich die sozialen Gegensätze in China sehr zugespitzt haben. Das ist meine große Hoffnung, dass das auch ein zusätzlicher Anlass wird, dass die Kernpunkte der Soziallehre – wie Subsidiarität und Solidarität - konkret neu ins Blickfeld der chinesischen Katholiken kommen.“
   Noch ist die chinesische Übersetzung der Enzyklika nicht erschienen – an ihr wird derzeit gearbeitet. „Es gibt Schwierigkeiten der Übersetzung ins Chinesische bezüglich des Vokabulars der Wirtschaftsethik. Damit habe ich selber zu kämpfen, weil ich eine Schriftenreihe leite: Uns ist natürlich ein Anliegen, dass sich eine Kohärenz der Begriffe durchsetzt, was die Schlüsselbegriffe der Wirtschaftsethik betrifft.“ Rothlin macht darauf aufmerksam, dass aufgrund der noch ausstehenden Übersetzung die Rezeption  der Enzyklika in China noch nicht begonnen hat. Mit umso größerer Spannung erwarten die Katholiken das päpstliche Lehrschreiben: „Aufgrund des Echos des Papstbriefes an die Kirche in China vermute ich, dass das Interesse und die Spannung tatsächlich da sind, dass man wirklich ein klärendes Wort erwartet, ja dass man sich sogar darauf freut.“
   Nichtsdestotrotz: Das offizielle China steht dem Papst und jenen Katholiken, die sich zu ihm bekennen, reser- viert gegenüber. Regelmäßig erleiden romtreue Christen – wie auch Angehörige anderer Religionen – Gänge- lungen und Ausgrenzungen, katholische Priester und Bischöfe werden vorübergehend festgenommen. Dennoch ist der Wirtschaftsethiker zuversichtlich, dass ausgerechnet das neue Sozial-Lehrschreiben des Papstes auf offizielles Wohlwollen stoßen wird, auch weil sich im Zug der Krise das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden der Chinesen verlagert hat – durchaus im Sinn christlicher Werte.
   Rothlin: „Da gab es kürzlich einen prophetischen Aufschrei des Bischofs von Schanghai im Zug der gegen- wärtigen Wirtschaftskrise: er hat sehr hart, erstaunlich hart, Unternehmer kritisiert, die ihr Geld mit aufwendigen Mahlzeiten verschwenden. Gleichzeitig hat er die Pfarreien seiner Diözese – immerhin 150 in Schanghai – dazu aufgerufen, sich um Arbeitsmigranten zu kümmern. Das sind in der Größenordnung von mehr als 25 Millionen, die Arbeit verloren haben. Die Chinesen sind da sehr zugänglich, wenn man nicht nur mit der Theorie kommt, sondern das festmacht an bestimmten Beispielen. Sie haben recht, es gibt hier eine sehr schlimme Form von Kapitalismus, vielleicht in der schlimmsten Form, was auch hier als nationale Tragödie angesehen wurde, die Sklavenarbeit im engeren Sinn – Menschen, die in den Minen zu gefährlicher Arbeit gezwungen wurden oder auch Kinderarbeit. Da schreit es geradezu nach einem prophetischen Wort wie in dieser Enzyklika. Von daher bin ich da optimistisch, dass sich die Kirche in China ein gutes Profil geben kann, wenn sie zeigen kann, dass sie das umsetzt.“ Rv090710

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Bischof Matthias Chen Xilu von Tangshan  war der Vorgänger von Petrus Feng Xinmao.
 Lesen Sie hier die bewegende Lebensgeschichte dieses Martyrers unserer Zeit.
Foto: Petrus Feng Xinmao, der amtierende Bischof von Hengschui, Provinz Hebei,
dessen Weihbischof ist der “Olympia-Bischof” Peter Fang Jianping

  Am 16. Januar starb im Alter von fast 80 Jahren im Krankenhaus von Jizhou Bischof Matthias Chen Xilu von Kinghsien (Jingxian/Hengshui) in der Provinz Hebei. Seit 2002 lag er nach einer Hirnblutung im Koma. Er wurde am 6. Februar 1928 in einer seit Generationen katholischen Familie geboren. 1943 trat er in das kleine Seminar der Diözese Jingxian  ein uns setzte sein Studium an den Seminaren in Tianjin und Peking fort. 1949 unterrichtete er als Lehrer an der Grundschule Wang Fuma in Peking. 1950 Trat er in das Große Seminar in Schanghai ein und am 18. Mai wurde er vom späteren Kardinal und damaligen Bischof Ignace Kung Pigmei zum Priester geweiht.
   Nach seiner Priesterweihe war er als Arzt in einer Klinik in Jingxian tätig und widmete einen Teil seiner Zeit der Evangelisierung. 1958 wurde er zu sieben Jahren Haft und drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. 1979 durfte er nach der teilweisen Rehabilitation wieder als Englischlehrer an der Mittelschule seines Heimatdorfes unterrichten. Während dieser Zeit war er so weit es möglich war samstags und sonntags als Seelsorger tätig und besuchte auch als wandernder Händler Gläubige, die in entlegene Dörfer umgesiedelt worden waren, um unter ihnen und in den Familien den Glauben zu verkünden.
   1980 durfte er seine Tätigkeit als Seelsorger wieder aufnehmen. In dieser Zeit wurde er vor allem für sein Enga- gement in der Krankenstation in Jingxian und die Gründung der Augenklinik „Catholic Xi Lu Optical” bekannt. Seine Mitarbeiter aus dieser Zeit bezeichneten ihn als höflichen und eifrigen Priester, der theologisch gut ausgebildet war, Geschick bei der Verwaltung zeigte und die Rechte der Kirche loyal verteidigte. Er war Generalvikar der Diözese als er von seiner Berufung zum Bischof erfuhr: er selbst vermutete „für das Amt des Bischofs nicht die richtigen Tugenden zu besitzen” erklärte sich jedoch „bereit, den Beschlüssen des Heiligen Stuhls zu gehorchen”. Am 28. Oktober 1996 wurde er zum Bischofskoadjutor geweiht und stand damit Bischof Peter Fan Wenxing zu Seite, dem er 1999 in seinem Amt folgte. Am 12. März 2002 erlitt er eine Hirnblutung und fiel ins Koma, aus dem er seither 6 Jahre lang nicht mehr aufwachte. Am 6. Januar 2004 übernahm sein Koadjutor, Bischof Peter Feng Xinmao ,die Leitung der Diözese.
   Die Leiche des Bischofs werde im Dom von Jingxian aufgebahrt, wo jeden Tag eine Messe für ihn gefeiert wurde und die Gläubigen für den Verstorbenen den Rosenkranz beteten. Die feierliche Beisetzung fand am 22. Januar statt. Es zelebrierte Bischof Pietro Feng Xinmao der “Olympia-Bischof” und Bischof Joseph Li Liangui von Sienhsien (Xianxian) und Bischof Peter Fang Jianping, Bischofskoadjutor in Yüngping (Yongping/Tangshan). An der Beiset- zung nahmen alle Priester und Ordensleute der Diözese und rund hundert Priesterseminaristen aus der Provinz Hebei sowie etwa zweitausend Gläubige teil.
  Die Diözese Jingxian liegt rund 300 Kilometer südöstlich von Peking und hat rund 25.000 Gläubige, 40 größtenteils junge Priester, 30 Pfarreien und 40 Kultstätten. Rund 60 Schwestern gehören einer diözesanen Schwesternkongregation an, die sich vor allem im Krankendienst und in der Altenpflege engagieren. Gegenwärtig gibt es 15 Priesteramtskandidaten und 8 Seminaristen in der Vorbereitung. In Trägerschaft der Diözese befinden sich vier Kliniken und ein Altersheim.
   Von den 2000 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochenen Märtyrern kamen viele aus der Diözese Jingxian: darunter auch neun Mitglieder der Familie Wu. Als der Großvater Paul Wu Anjyu die Familie auf dem Land in Sicherheit bringen wollte, wurden die ganze Familie gefasst und verhört: „Seid ihr katholische Christen?”, wurden sie gefragt. „Ja, wir sind es”, lautete die Antwort. „Dann bringen wir euch um!”, hieß der Befehl. „Bringt uns ruhig um, wir werden in Ewigkeit katholische Christen bleiben”, so die Familie Wu. Bischof Matthias Chen war überzeugt, dass die guten Ergebnisse der Evangelisierung dem Zeugnis dieser Märtyrer zu verdanken waren. Er setzte sich auch dafür ein, dass in der Diözese die Reliquien besondere Verehrung erfuhren. Fides080125

Beschränkungen für Untergrundkirche in China

   Anhänger der romtreuen katholischen Untergrundkirche in China mussten während der Zeit der Olympischen Spiele ihre religiösen Aktivitäten einschränken. Nach Angaben der Nachrichtenagentur UCANews hatten chinesi- sche Autoritäten Priester und Ordensleuten der vom Staat nicht anerkannten Untergrundkirche verboten, im Großraum Peking Sakramente zu feiern und pastorale Aktivitäten auszuüben. Mehrere Bischöfe standen unter Hausarrest, schreibt UCANews. Andere mussten verschärfte Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Priester der romtreuen Kirche hatten ihren Gläubigen empfohlen, für die Zeit der Olympischen Spiele an den Messen der offi- ziellen, vom chinesischen Staat kontrollierten katholischen Kirche teilzunehmen. rv080811ag

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Im Daily Telegraph, London, lesen wir diese Nachricht aus China:
Foto oben: Kirche Xishiku, Peking und Erstkommunion in Xishiku

   In der Wiege der kommunistischen Revolution in China in Yan'an hat die katholische Kirchengemeinde nun die staatliche Genehmigung zum Bau ihrer ersten Kirche erhalten. 70 Jahre nach der Revolution ist ein religiöses Wiedererstarken im China nicht mehr zu übersehen. Jahrelang hatte die kleine, aber wachsende christliche Gemeinde mit den kommunistischen Parteiführern vor Ort über den Neubau der Kirche verhandelt. Nun ist über ein neues Grundstück am Stadtrand von Yan'an eine Übereinkunft erzielt.
   Dies ist eine dramatische Wende für eine Kirche, die ihre bedeutende Kathedrale beim Einmarsch des “großen Führers” Mao am Ende seines “Langen Marsches”  aufgeben musste und dann viele Jahre harte Verfolgung durch- litt. Der junge katholische Pfarrer Peter Zhang, der 600 Katholiken in der Stadt betreut erklärte: “Dies ist ein heiliger Ort für die Kommunistische Partei Chinas”. Noch vor zehn Jahren lebten hier und in den Nachbarorten nur wenige katholische Christen. Der Priester vermutet, dass noch weitere Gläubige im verborgenen leben, aber diese neue Kirche möge ihnen die Kraft geben, ihren Glauben öffentlich zu bekennen. "Viele Menschen, die die Kultur- revolution durchlitten haben, fürchten immer noch eine Wiederkehr solcher Zeiten der schrecklichen Verfolgung. Aber ich denke, das wird nicht geschehen. Damals kämpfte die Partei gegen Landlords und auch gegen Intel- lektuelle, nun wünscht die Regierung, jeder solle Eigentum besitzen und eine gute Ausbildung erfahren.” Die Religion in all ihren Formen hat in China in den letzten zehn Jahren eine Wiedergeburt erlebt, seitdem sie aus dem Untergrund wieder aufgetaucht ist.  CT071014

 â€žEine Kirche” - auch in Peking

   Auch für Sprachunkundige ist eine Messe in einer katholischen Kirche in Peking ein Erlebnis. Das Christliche hat die Zeit der Verfolgung überstanden. Überraschend viele junge Menschen streben in die Gottesdienste.
  Auch in Peking kann man gemäß dem katholischen Sonntagsgebot „eine Messe mit Andacht” hören. Die Andacht bei der Sonntagsmesse um 10 Uhr in der Nord-Kirche von Peking, an der Xishiku-Straße, nicht weit vom Kaiser- palast der Verbotenen Stadt, und ganz nahe an einem Chininesisch-Deutschen Ausbildungszentrum gelegen, nur durch den “Klingelbeutel” gestört. Es ist so katholisch, wie man es an vielen Stätten der Weltkirche finden kann. Ein neugotischer Bau, vor dem eine blaue Lourdes-Grotte mit Madonna die christlich-konfessionelle Ausrichtung anzeigt. Innen hohe Gewölbe, schwarz-rote Pfeiler und große bunte Fenster. Weil es jetzt heiß ist, sehr heiß in Peking, drehen sich träge zahllose weiße Ventilatoren. Die Bänke sind gut gefüllt. Die Lesungen entsprechen dem 15. Sonntag, Isaias, Römerbrief und Matthäus. Ein junger Priester predigt lebhaft und eindringlich, ohne dass auf den Gesichtern der Gläubigen Reaktionen ob der Mahnungen oder frommen Versprechen festzustellen wären, geschweige denn auf denen der sprachunkundigen Fremden. Dem Verlauf der Messe kann man folgen. Auch in China kann man sich darauf verlassen, dass in das darauf folgende Glaubensbekenntnis nichts Falsches einge- schmuggelt wird. Denn im Credo kommt der Papst nicht vor. Und für den römischen Bischof zu beten verbietet nicht einmal die kommunistische Staatspartei. Genauso wenig wie für den von Köln, München oder Sydney.
   Nach dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an die „Eine Kirche” kommen die Fürbitten, die von Ministran- tinnen und Ministranten in weiß-roten Röcken vorgetragen werden. Die Gläubigen sind meist jung. Verwunderlich daran ist, dass sie oder ihre Eltern zu einer Zeit geboren wurden, in der katholische Gottesdienste verboten oder geächtet waren. Das Christliche hat sich über Generationen als kleine, doch nicht verschwindende Minderheit ge- halten. Einige Bankreihen weiter vorn steht hinten auf dem T-Shirt eines Mädchens auf Englisch: „Ich weiß, wie cool ich bin, aber wenn Du mich jetzt küsst ...” Beim Zeichen des Friedens erhält auch sie von allen Seiten nur eine kleine Verneigung bei zusammengefalteten Händen. Eine große Zeigeruhr neben dem Altar drängt, auf dass die Messe pünktlich zu Ende gehe. Draußen wartet ein Paar, die Braut ganz in Weiß, auf die Trauung. Noch weiter draußen eine lange weiße amerikanische Limousine. Das Olympiamotto, „Eine Welt, ein Traum", soll sich erfüllen.
  Am Samstagmittag ist die Süd-Kathedrale, südwestlich vom Tiananmen-Platz, erstaunlich gefüllt. Die der „Unbe- fleckten Empfängnis” geweihte - also ganz klar katholische Kirche ist die älteste Pekings, 1650 von dem Kölner Jesuitenpater und Kaiserlichen Hofastronom Adam Schall zuerst erbaut, nach Bränden Anfang des 20. Jahrhun- derts wieder neu errichtet; angeschlossen ist die Residenz des Bischofs. Auch bei ihm fragt niemand so genau, von wem er ernannt oder approbiert ist, offiziell oder im Geheimen, vom Staat oder vom Vatikan. Zwischen Rom und Peking stimmt man jetzt, besonders vor den Olympischen Spielen, das „Lob der Flexibilität” an, wozu chinesische und vatikanische Diplomaten nicht lange gezwungen werden müssen.
   Eine Dame zwischen 50 und 60 sitzt vor dem Altar, vor einem Tischchen und hält eine Vorlesung. Eine Bibellesung, erfährt man, vor gut gefüllten Bänken und aufmerksamen Zuhörern, jungen vor allem. Die Digitaluhr links zeigt 13.32 Uhr, das Thermometer zeigt 31° Celsius. Das Gefühl sagt, dass es mehr als 40 Grad sind. Die zahllosen Schirme, die draußen die Chinesinnen gegen die Sonne tragen und selbst in der Kirche nur widerwillig entspannen, bestätigen dies.
   Zwei Stunden zuvor macht der Küster die Türen der Sankt-Josephs-Kirche gerade zu. Wir waren durch eine der Haupteinkaufsstraßen Pekings gelaufen. Da öffnete sich plötzlich, bei Hausnummer 74, nach all den Konsum-Heilig- tümern, ein grüner, europäisch beschaulicher Platz mit einer neugotischen Kirche. Grau, wie man sie in Frankreich häufig findet. Man kann sich nur noch die Öffnungszeiten einprägen, 8.30 bis 11.30 Uhr; 14.00 bis 17.00 Uhr; werktags beginnt die erste Messe um 6.30 Uhr,  auf Latein, sonntags schon um 6.15 Uhr; am Wochenende sind es insgesamt sechs. Chinesen schlendern heran und staunen. FAZ080714Heinz-JoachimFischer

Papst betont weltweite Verbindlichkeit der Menschenrechte

   Die Menschenrechte gründen „in der Würde der menschlichen Person, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat” – und darum sind sie auch weltweit verbindlich. Das hat Papst Benedikt mit Blick auf Asien betont. Im Vatikan empfing er Bischöfe aus Malaysia, Singapur und Brunei. Dabei lobte er auch das Wirken von Laien-Kate- chisten in vielen Teilen des Kontinents. Hier sind die Kernsätze aus seiner Ansprache:
   „Der Glaube der Kirche an Jesus ist ein Geschenk, das wir mit anderen teilen wollen – das größte Geschenk, das die Kirche für Asien hat. Zum Glück gibt es bei den Völkern Asiens ja auch eine intesive Suche nach Gott. Der Glaube muss, um blühen zu können, tiefe Wurzeln im Boden Asiens schlagen – er darf nicht als Import aus dem Ausland wirken, der mit Kultur und Traditionen eurer Völker nichts zu tun hätte.”
   „Wir sollten die wahren Errungenschaften der Aufklärung begrüßen – vor allem die Betonung der Menschen- rechte und der freien Religionsausübung. Die Menschenrechte gründen in der Würde der menschlichen Person, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat; wer daher ihren universellen Charakter betont, der leistet eine wichtige Evangelisierungs-Aufgabe. Diese Lehre nämlich ist ein wesentlicher Aspekt des Evangeliums.”
   „Mir ist klar, dass es in vielen eurer Gebiete ernste Schwierigkeiten gibt, etwa wenn es um christlichen Religions- unterricht an Schulen geht. Lasst euch davon nicht entmutigen... Im offenen und ehrlichen Gespräch mit Moslems, Buddhisten, Hindus und den Gläubigen anderer Religionen helft ihr euren Mitbürgern, das „in ihre Herzen eingeschriebene” Gesetz zu erkennen, wenn ihr klar die Wahrheit des Evangeliums verkündet. Dadurch erreicht eure Lehre weite Kreise und trägt zu einem gemeinsamen Nenner bei. Und das wiederum sollte euch helfen, mehr Religionsfreiheit zu erreichen...” rv080606sk

Zwei neue Bischöfe für Chinamit Zustimmung des Papstes geweiht

  Chinas offizielle katholische Kirche hat zwei neue Bischöfe, deren Wahl vom Papst gebilligt worden ist. In Kanton wurde Joseph Gan Junqiu geweiht, einige Tage vorher war Francis Lu Shouwang in Yichang in der Provinz Hubei geweiht worden. Die katholische Agentur Asianews berichtete, dass die Weihe beider mit Zustimmung des Papstes erfolgte. Damit scheint sich in den Beziehungen zwischen China und dem Vatikan eine Besserung anzu- deuten.
   Bereits im September war der neue Bischof von Peking, dem traditionell eine Schlüsselrolle zukommt, ebenfalls mit Zustimmung des Papstes ernannt worden. Die Ernennung von Bischöfen ist einer der Streitpunkte zwischen dem Vatikan und China, die die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bisher vereitelt haben. Peking besteht darauf, dass Chinas katholische Kirche ihre Bischöfe selbst ernennt. Die Ernennung von Bischöfen durch den Papst wie sie in der katholischen Kirche üblich ist, bezeichnet China als „Einmischung in innere Angelegenheiten”.
   Die meisten Bischöfe der offiziellen Kirche haben mittlerweile die Zustimmung des Papstes bekommen. In vielen Diözesen wird versucht, Kandidaten zu finden, die sowohl die Zustimmung der Behörden als auch die des Papstes bekommen können. Die „patriotische Vereinigung” der Kirche hat aber auch immer wieder Bischöfe ausdrücklich gegen den Willen des Papstes ernannt.
   Wenn jetzt zwei Bischöfe ernannt werden, die sich der Zustimmung des Papstes erfreuen, so zeigt dies, dass die offizielle Kirche wieder kooperativer sein darf. Joseph Gan aus Kanton habe sich öffentlich loyal dem Papst gegenüber erklärt, dies habe seine Weihe hinausgezögert, so Asianews. Gan war 2006 von der chinesischen Bischofskonferenz gewählt worden. Der 43 Jahre alte Bischof wurde im Jahr 1991 zum Priester geweiht und war zu Fortbildungen in Belgien und Frankreich.
   Papst Benedikt XVI. hatte sich im Mai mit einem offenen Brief an die geschätzten 15 Millionen Katholiken Chinas gewandt und sie zur Versöhnung aufgerufen und die Religionspolitik der chinesischen Regierung kritisiert.
Den Wortlaut dieses Briefes finden Sie auf der näschsten Seite: > China II    Zpk071215

cdZenZe-kiunSDBxx    Benedikt, Kardinal Zen Ze-kiun

Neuer Bischof von Peking geweiht

  Chinas katholische Kirche hat am 21. September 2007  einen neuen Bischof von Peking geweiht. Die Weihe von Joseph Li Shan, der bislang Pfarrer in der Pekinger Ostkirche war, war vorab vom Vatikan öffentlich gebilligt worden. Die Zustimmung des Vatikans zu einem von der chinesischen Seite gekürten Kandidaten könnte nach Ansicht von Kirchenkreisen ein Vorbild für zukünftige Bischofsernennungen werden.
  Der 42 Jahre alte Joseph Li Shan tritt die Nachfolge des im April verstorbenen Bischofs Michael Fu Tieshan an, der über Jahrzehnte als Bischof von Peking und Vorsitzender der Bischofskonferenz Chinas die Geschicke der offiziellen katholischen Kirche geleitet hatte. Fu Tieshan war umstritten, da er auch Regierungsämter innehatte und sehr eng mit den staatlichen Religionsbehörden zusammenarbeitete. Von Bischof Li Shan wird berichtet, er halte größere Distanz zu den Behörden. Nach Angaben einer Kirchensprecherin nahmen 3.000 Gläubige und Gäste an der Weihe in der Pekinger Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis teil.
  Die Ernennung von Bischöfen war einer der Streitpunkte zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan. Die chinesische Regierung sprach dem Vatikan das Recht ab, in China Bischöfe zu ernennen. Sie bezeichnete dies als „Einmischung in innere Angelegenheiten”. Die chinesische katholische Kirche musste sich in den fünfziger Jahren von Rom lossagen. FAZpk070922 Der Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesische Kirche > China II hat offenbar diesen Weg für eine friedliche Zukunft geöffnet.

                > > > Lesen Sie den Wortlaut des Briefes von Papst Benedikt XVI an die katholischen Christen in China  
Dokumente, Informationen und ein Interview mit Prof. Ren Yanli,  
Mitglied der chinesischen Akademie für  Sozialwissenschaften >
China II

            kbwn:China

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