MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Europa

                                  Lesen Sie auf der folgenden Seite > > > Europa als Wertegemeinschaft > Euroropa II

  Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Wie die Europa-Flagge entstand: Das Diadem der Muttergottes
2. Der Papst in Österreich - Fotobericht
3. Malteser sind das gläubigste Volk Europas
4. Papstreise nach Tschechien - Fotostrecke
5. Staatsbesuch des Papstes in Großbritannien - Fotobericht
6. Hirtenbrief des Papstes an die Kirche in Irland
7. neuer Erzbischof in Prag: Dominik Duka
8. Papst ernennt Apostolischen Visitator für Maroniten
9. 700-jähriges Jubiläum in Gibraltar: Unsere Liebe Frau von Europa
10. Auseinandersetzungen zwischen radikalen und gut integrierten Muslim
11. Kardinal Kasper beim Patriarchen in Moskau
12. Frankreich: Trennung von Staat und Religion

tn_P_EU_jpg        tn_paneuropa-symbol_gif 

Das Diadem der Muttergottes
 Wie die Europa-Flagge entstand.  Foto oben Mitte:  Flagge der Pan-Europa-Bewegung

 Seit seiner Gründung im Jahre 1949 war sich der Europarat der Notwendigkeit bewusst, Europa ein Symbol zu geben. Am 25. Oktober 1955 fiel in der parlamentarischen Versammlung die Entscheidung, einen Kreis goldener Sterne auf blauem Hintergrund als Emblem anzunehmen. Am 8. Dezember 1955 (dem Fest der Erwählung Mariens) nahm das Minister-Komitee dieses Motiv als die europäische Flagge an.
   Von Paul M.G.Lévi, einem belgischen Juden, gibt es eine schöne Anekdote. Während des Zweiten Weltkriegs soll er das Gelübde abgelegt haben, er werde, wenn er den Krieg überlebe, zum katholischen Glauben konvertieren. Lévi überlebte und wurde katholisch. Eben dieser Mann wurde von 1949 bis 1966 Direktor der Abteilung Presse und Information beim Europarat. Als 1955 die Frage zur Entscheidung stand, wie die Flagge des Europarates aussehen sollte, sei Lévi eines Tages an einer Statue der Muttergottes mit dem Sternenkranz vorbeigekommen. Die goldenen Sterne der Skulptur leuchteten vor dem blauen Himmel. Lévi soll daraufhin den Generalsekretär des Europarates aufgesucht und ihm als Motiv für die Europaflagge zwölf Sterne auf blauem Grund vorgeschlagen haben. Der Vorschlag sei allgemein akzeptiert worden. Diese schöne Geschichte ist doch wohl zu schön, um wahr zu sein. In Wirklichkeit dürfte sich die Entstehungsgeschichte des Symbols weitaus komplizierter gestaltet haben.
    Diadem aus zwölf Sternen. Das Motiv Maria im Sternenkranz geht auf eine Stelle in der Bibel zurück: auf den Anfang des 12. Kapitels der Offenbarung. Dort heißt es: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel. Eine Frau mit der Sonne bekleidet. Der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.” Offenbarung 12,1. In der christlichen Kunst ist diese apokalyptische Frau mit Maria gleichgesetzt worden. So erhielt die Madonna ein Diadem mit zwölf Sternen. Nun ist damit zu rechnen, dass die grafische Bezugnahme auf das Madonnen-Diadem in einer Flagge, die die europäische Einheit symbolisieren soll, den Widerstand vieler nichtchristlicher Europäer hervorruft.
   Möglicherweise geschah es aus diesem Grund, dass Paul Lévi seinen Vorschlag vor dem Europarat anders begründete. Viel später im Jahr 1989 ist Lévi sogar noch einen Schritt weitergegangen und hat jede religiöse Inspiration für die Wahl des Motivs bestritten. In einer Mitteilung von 1989 begründet er die Umstände der Motivwahl folgendermaßen:
   Ein erster Entwurf, den er zusammen mit einem Straßburger Historiker eingebracht hatte und auf dem ein christliches Kreuz zu finden war, sei abgelehnt worden, weil man die Nichtchristen nicht schockieren wollte. Unter den Vorschlägen, die dem Gremium vorlagen, das mit der Suche nach einem Motiv beauftragt war, habe sich auch der Entwurf eines nach Japan emigrierten Deutschen befunden, der einen goldenen Stern auf blauem Grund empfahl. Dies war jedoch bereits die Flagge von Belgisch Kongo. Daraufhin hätten mehrere Personen die Idee gehabt, einen Sternenkranz vorzuschlagen, der die Gesamtheit Europas symbolisieren sollte. Er selbst, Paul Lévi, habe 15 Sterne vorgeschlagen, nach der damaligen Anzahl der Mitgliedsstaaten, was aber am Widerstand Deutschlands gescheitert sei, das das Saarland nicht als politisch eigenständige Einheit anerkennen wollte. Dann habe Léon Marschall, der Generalsekretär des Europarates, zwölf Sterne vorgeschlagen, weil diese Zahl keine politische Bedeutung habe und niemand daran Anstoß nehmen könne. Der Präsident des Ministerkommitees habe bei der Vorstellung des Entwurfs Paul Lévi gefragt,  ob er eine Begründung für die Wahl der Zahl zwölf geben könne, worauf Lévi wörtlich geantwortet habe: Wie die zwölf Sternkreiszeichen das gesamte Universum repräsentieren, so können zwölf Sterne die Völker Europas repräsentieren, diesseits und jenseits der Pyrenäen, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Zwölf ist die Zahl der Vollendung und der Fülle. Es gab das Zwölf- Tafel- Gesetz in Rom, es gibt die zwölf Monate des Jahres, die zwölf Söhne Jakobs, die zwölf Arbeiten des Herakles, die zwölf Stunden des Tages. Das Motiv wurde angenommen. So lautet die Darstellung Paul Lévis 34 Jahre nachdem der Sternenkranz zum Symbol der Europa-Flagge wurde.
   Sollte nicht der Katholik Lévi bei seiner Begründung für die Wahl des Sternenkranzmotivs ein wenig geflunkert haben, um den Widerstand der Nichtchristen im Europarat geschickt zu umgehen? Katholische List? Ein anderer Protagonist der Europäischen Einigung, der österreichische Graf Richard von Coudehove-Kalergi, Gründer der Pan- Europa-Bewegung hat dies behauptet. Damals wollte es der Zufall, dass der Generalsekretär des Europarates, der Chef der Informationsabteilung, so wie der von der Versammlung gewählte Referent für die Flaggenfrage drei fromme Katholiken waren. Sie beschlossen das zwölfsternige Diadem der Madonna zur Flagge des Europarates zu erheben und damit Europa stillschweigend unter den Schutz der Muttergottes zu stellen. Natürlich durfte niemand wissen, dass die künftige Fahne Europas religiösen Charakter tragen sollte. Sie handelten heimlich und glaubten damit Europa zu dienen, und zugleich ihrer Religion.
   Zufall oder Absicht? Zu dieser Darstellung passt, was Paul Lévi des weiteren von dem historischen Ereignis der Annahme des Sternenkranz-Motivs berichtet. Als wir den Saal verließen, meinte Léon Marschall zu mir, durch die zufällige Politik kommen wir nun dazu, den Kranz der zwölf Sterne aus der Apokalypse wieder zu entdecken. Tatsächlich war dies ein altes europäisches Symbol. Am Ursprung der Wahl des Sternenkranzes habe keine religiöse Inspiration, sondern eine Reihe von Zufällen gestanden, über die jeder sich freuen könne, schließt Lévi seine Ausführungen. Es bleibe dem Leser überlassen dies zu entscheiden, ob Lévi und Marschall dem Zufall nicht doch ein bisschen mehr nachgeholfen haben, als Lévi das einer breiteren Öffentlichkeit gestehen wollte.
MichaelTischer/Liboriusblatt/St.Raphael-Hörzeitung

Paneuropa-Union

   Richard Graf Coudenhove-Kalergi  hat 1922 die älteste eruopäische Einigungsbewegung, die “Paneuropa-Union” gegründet.  In ihrem seit Jahrzehnten gültigen Grundsatzprogramm steht: „Das Christentum ist die Seele Europas.” Im Bamberger Programm der Paneuropa-Union Deutschland von 1996 wird dies unter Berufung auf das christliche Menschenbild wie folgt präzisiert: „Die Paneuropa-Union kämpft gegen ... die Gefährdung des menschlichen Lebens durch Abtreibung, Euthanasie sowie seine Veränderung durch Genmanipulation.” FAZ050224

fr-88-Lampedusa-2z

Karlspreis: „Als Papst der Weltkirche zum Europäer geworden“

   Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft ComECE, Kardinal Reinhard Marx, hat Papst Franziskus zum Aachener Karlspreis 2016 gratuliert. Insbesondere denke er in diesem Moment der Bekanntgabe des Preises an den historischen Besuch des Papstes auf der Mittelmeerinsel Lampedusa Foto, schreibt der Kardinal in einem Brief an den Papst: „als das Flüchtlingsdrama in Europa seinen Anfang nahm und die Weltöffentlichkeit weitgehend die Augen davor verschloss, sind Sie an den südlichsten Punkt Europas gereist, um ein Zeichen zu setzen für jene Menschen, denen alles genommen wurde, oft auch ihr Leben. .. Sie haben der Menschheitsfamilie das ganze Drama vor Augen geführt und gelten somit zurecht als jener, der Europa an seine Verantwortung erinnert, den Menschen zu helfen.“ Innerhalb kurzer Zeit sei es Papst Franziskus gelungen, die Europäische Union an ihre Werte und Verantwortlichkeiten zu erinnern, so der Kardinal, als Papst der Weltkirche sei er auch ein Europäer geworden. Rv151223ord

Der Papst in der Wiener Hofburg     B-Wien,Hofburg-xx

Österreich: Immer mehr Erwachsene lassen sich taufen

   Das gab der Pressedienst der Diözese Wien jetzt bekannt. So stieg die Zahl der Kandidaten für Erwachsenentaufen allein in der Erzdiözese Wien seit dem Vorjahr von 52 auf 65. Die diesjährigen Kandidaten sollen bei einer Feier mit Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom für das Sakrament zugelassen werden. Ein Viertel der Gruppe stamme aus islamischem Kontext, andere Taufbewerber kämen aus Korea, viele aus den ostmittel- europäischen und osteuropäischen Reformstaaten. Die Erwachsenentaufe werde in Zukunft immer mehr zum Kirchenalltag gehören, so die zuständige Diözesanreferentin, Friederike Dostal. rv100218kap 

In seiner politischen Rede spricht Papst Benedikt XVI. über Europa

   Das „Haus Europa”, wie wir die Gemeinschaft dieses Kontinents gerne nennen, wird nur dann ein für alle gut bewohnbarer Ort, wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut, die wir aus unserer Geschichte und unseren Traditionen gewinnen. Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen. Sie sind ein Ferment unserer Zivilisation auf dem Weg in das dritte Jahrtausend. Das Christentum hat diesen Kontinent zutiefst geprägt. Der Glaube hat sein Zeugnis vor allem in den unzähligen Menschen, die er durch die Geschichte herauf bis zum heutigen Tag zu einem Leben der Hoffnung, der Liebe und der Barmherzigkeit bewegt hat.
 Heute ist häufig die Rede vom europäischen Lebensmodell. Damit ist eine Gesellschaftsordnung gemeint, die wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Gerechtigkeit, politische Pluralität mit Toleranz, Liberalität und Offenheit, aber auch das Festhalten an Werten bedeutet, die diesem Kontinent seine besondere Stellung geben. Dieses Modell steht angesichts der Zwänge der modernen Ökonomie vor einer starken Herausforderung. Die viel zitierte Globalisierung kann nicht aufgehalten werden, es ist aber eine dringende Aufgabe und eine große Verantwortung der Politik, der Globalisierung solche Regeln und Grenzen zu geben, dass sie nicht auf Kosten der ärmeren Länder und der Ärmeren in den reichen Ländern realisiert wird und den kommenden Generationen zum Nachteil gereicht.
   Freilich hat Europa auch schreckliche Irrwege erlebt und erlitten. Dazu gehören: ideologische Engführungen von Philosophie, Wissenschaft und auch Glaube, der Missbrauch von Religion und Vernunft zu imperialistischen Zielen, die Entwürdigung des Menschen durch einen theoretischen oder praktischen Materialismus und schließlich die Degeneration von Toleranz zu einer Gleichgültigkeit ohne Bezug zu bleibenden Werten. Zu den Eigenschaften Euro- pas gehört aber eine Fähigkeit zur Selbstkritik, die es im weiten Fächer der Weltkulturen besonders auszeichnet...
Dialog der Vernunft
   Zum europäischen Erbe gehört auch eine Denktradition, für die eine substantielle Korrespondenz von Glaube, Wahrheit und Vernunft wesentlich ist. Dabei geht es um die Frage, ob die Vernunft am Anfang aller Dinge und auf ihrem Grund steht oder nicht. Es geht um die Frage, ob das Wirkliche auf Grund von Zufall und Notwendigkeit entstanden ist, ob mithin die Vernunft ein zufälliges Nebenprodukt des Unvernünftigen und im Ozean des Unvernünftigen letztlich auch bedeutungslos ist oder ob wahr bleibt, was die Grundüberzeugung christlichen Glaubens bildet: In principio erat verbum – Am Anfang war das Wort – Am Beginn aller Dinge steht die schöpferische Vernunft Gottes, der beschlossen hat, sich uns Menschen mitzuteilen.
   Lassen Sie mich dazu Jürgen Habermas zitieren, also einen Philosophen, der sich selbst nicht zum christlichen Glauben bekennt: „Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeit und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden. Dazu gibt es bis heute keine Alternative.”
Europas Aufgaben in der Welt
   Aus der Einmaligkeit seiner Berufung erwächst Europa aber auch eine einmalige Verantwortung in der Welt. Dazu darf es sich vor allem selbst nicht aufgeben. Der demographisch rapide alternde Kontinent soll nicht ein geistig alter Kontinent werden. Europa wird seiner selbst auch dann besser gewiss werden, wenn es eine seiner einzigartigen geistigen Tradition, seinen außerordentlichen Fähigkeiten und seinem großen wirtschaftlichen Vermögen angemessene Verantwortung in der Welt übernimmt. Die Europäische Union sollte darum eine Führungs- rolle bei der Bekämpfung der Armut in der Welt und im Einsatz für den Frieden übernehmen. Dankbar dürfen wir konstatieren, dass europäische Länder und die Europäische Union zu den größten Gebern für internationale Entwicklung gehören, sie sollten aber auch ihr politisches Gewicht auf die Waagschale legen, wenn es z.B. um die äußerst dringende Herausforderung geht, die Afrika darstellt angesichts der ungeheuren Tragödien dieses Kontinentes wie die Geißel der AIDS-Erkrankungen, die Situation in Darfur, die ungerechte Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der besorgniserregende Waffenhandel. Ebenso darf der politische und diplomatische Einsatz Europas und seiner Länder die ständig ernste Situation des Mittleren Ostens nicht vergessen, wo der Beitrag aller notwendig ist, um den Verzicht auf Gewalt, den gegenseitigen Dialog und ein wahrhaft friedliches Zusammenleben zu fördern. Auch die Beziehung zu den Nationen Lateinamerikas und des asiatischen Kontinents muss durch ge- eignete Verbindungen im Handelsaustausch ausgebaut werden.
Rede des Papstes beim Staatsempfang in Wien.

Malteser sind das gläubigste Volk Europas; Deutsche in der Rangliste auf Mittelfeld-Position

  Trotz der Hoffnungen in den technischen Fortschritt glaubt die große Mehrheit der Europäer weiter an Gott. 80 Prozent aller EU-Bürger haben religiöse oder zumindest spirituelle Überzeugungen, wie aus einer Umfrage im Auftrag der EU-Kommission hervorgeht, die in Brüssel vorgestellt wurde. Gleichzeitig seien 87 Prozent der Europäer der Ansicht, dass Wissenschaft und Technik ihre Lebensqualität entscheidend verbesserten.
   Der Glaube an Gott ist in der EU auf Malta und Zypern am größten. In Malta gaben 95 Prozent der Befragten an, gläubig zu sein, in Zypern waren es 90 Prozent. Griechenland und Portugal folgten mit 81 Prozent, Polen mit 80 Prozent.
   In der Eurobarometer-Untersuchung erklärten 47 Prozent der befragten Deutschen, sie glaubten an Gott. Das sind deutlich mehr als in Großbritannien (38 Prozent) oder Frankreich (34 Prozent), aber weniger als in Italien (74) und Österreich (54). Der Durchschnitt derjenigen, die angaben, sie glaubten an Gott, lag in der EU bei 52 Prozent. Die geringsten Werte wurden in Estland (16) und der Tschechischen Republik (19) gemessen. Einen hohen Stellenwert messen die Europäer dem Schutz ungeborenen Lebens bei. 53 Prozent der Befragten sagten, der Schutz der Würde von Ungeborenen sei ihnen „sehr wichtig”, zusätzlich nannten ihn 33 Prozent „ziemlich wichtig”. NOZ060614

B-424-x B-423Prag-xx

Papstreise nach Tschechien vom 26. bis 28. September 2009
Foto oben: Blick auf Prag mit dem Veitsdom Foto unten: Ankunft in Tschechien

„Mit Euch fühle ich mich jung!“  B-427cs

   „Ihr seid die Hoffnung der Kirche!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt bei einer Messfeier am Fest des Heiligen Wenzels nahe der tschechischen Ortschaft Altbunzlau (Stara Boleslav) an die Jugend des Landes gewandt. Mehr als zehntausend Jugendliche nahmen an dem Gottesdienst teil. „Mit Euch fühlt sich auch der Papst jung!“ sagte Benedikt und dankte den jungen Menschen für ihr Kommen, das, so der Papst wörtlich, „mich die Begeisterung und die Großzügigkeit spüren lässt, welche die Jugendlichen auszeichnen“.
   Der Papst die Jugendlichen auf, Christus nachzufolgen und „verantwortungsbewusst“ die Grundlagen für ihre Zukunft zu legen. In jedem Jugendlichen gebe es „ein Streben nach Glück“. Dieses werde aber von der heutigen Konsumgesellschaft oft „auf falsche und entfremdende“ Weise ausgenutzt, kritisierte der Papst.
  „In eurem Alter trifft man nämlich die ersten großen Entscheidungen, die ein Leben zum Guten oder zum Bösen hin ausrichten können. Leider lassen sich nicht wenige von euren Altersgenossen durch illusorische Trugbilder von künstlichen Paradiesen verlocken und finden sich dann in trauriger Einsamkeit wieder. Es gibt aber auch viele Jugendliche, die (…) die Lehre in die Tat umsetzen wollen, um ihrem Leben einen vollen Sinn zu geben.“
  Die Sehnsucht junger Menschen nach Glück müsse ernst genommen werden und erfordere eine umfassende Ant- wort, so Benedikt XVI. Gott habe jedem eine besondere Sendung in Kirche und Gesellschaft anvertraut, so Benedikt weiter. Das könnten Ehe und Familie, aber auch die Berufung zum Priester sein. rv090928

B-429cs-x B-430cs-

Bei den Marienwallfahrten am 15. August wird ein Gnadenbild der Jungfrau Maria verehrt

_Altbunzlau-WallfMäAss-x _Altbunzlau,Palladium-x

   1609 war es zum „Palladium Böhmens“, zum Schutzbild des Landes erklärt worden. Papst Benedikt XVI. erhält eine Kopie davon als Andenken. Mehr über die Geschichte des Palladiums nun in einem Interview mit Nina Nováková von der katholischen Tschechischen Christlichen Akademie. RadioPrag090928
Frau Nováková, Papst Benedikt XVI. erhält in Stará Boleslav als Andenken eine Kopie des so genannten böh- mischen Palladiums. Wie sieht dieses Gnadenbild der Jungfrau Maria aus?
   „Es geht um ein Relief der Heiligen Maria mit dem Kind. Das Material ist Kupfer, stark vergoldet. Es ist 19 Zenti- meter hoch und 13,5 Zentimeter breit und sitzt in einem Rahmen, der mit Edelsteinen und Perlen besetzt ist.“
Das Wort „Palladium“ ist für unsere heutigen Ohren recht ungewohnt. Woher kommt dieses Wort?
   „Dieses Wort kommt von der altgriechischen Göttin Pallas Athene, die die Schutzgöttin der Stadt Athen war. Später bekam dieses Wort die Bedeutung eines allgemeinen Schutzsymbols.“
Wo können die Gläubigen das Gnadenbild verehren?
  „Das Bild wird bei jeder Sonntagsmesse in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche ausgestellt und die Gläubigen können es immer am Ende der Messe verehren.“
Das böhmische Palladium hat eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist eng mit dem heiligen Wenzel verbunden, dem Landespatronen Tschechiens. Können Sie unseren Hörern erklären, wer Wenzel war?
   „Wenzel war ein Fürst aus der böhmischen Dynastie der Přemysliden. Er lebte von 907 und 935 n. Chr. und war einer der ersten getauften Herrscher auf dem böhmischen Thron. Bis heute vergleichen die Menschen hier alle Staats- und Regierungschefs mit ihm, denn er ist das bleibende Vorbild für alle Regenten dieses Landes.“
Und wie kam Wenzel in den Besitz des Palladiums?
   „Er bekam das Gnadenbild von seiner frommen Großmutter, der heiligen Ludmilla, zur Taufe geschenkt. Und Fürst Wenzel trug das Gnadenbild immer bei sich, auch wenn er nach Stará Boleslav reiste. In Stará Boleslav hatte sein Bruder eine Burg, und Wenzel besuchte ihn dort am 27. September 935.“
Wenzels Bruder hieß Boleslav, von ihm hat die Stadt ihren Namen. Was geschah nun während dieses Besuchs von Wenzel in Stará Boleslav im September 935?
   „Am Morgen des 28. September ging Wenzel zur Heiligen Messe. Vor der Kirche traf er seinen Bruder. Boleslav strebte an die Macht - er ließ Wenzel ermorden.“
Wenzel hatte wie immer das Gnadenbildzur Heiligen Messe mitgenommen. Was passierte nun damit, nachdem Wenzel ermordet worden war?
   „Wenzel hatte einen treuen Diener, der Podiven hieß. Als dieser Diener erfuhr, dass Wenzel tot war, nahm er das Bild an sich, um es zu retten. Er vergrub es am Waldrand in der Erde. Gemäß der Überlieferung hat ein Bauer das Gnadenbild ungefähr 200 Jahre später beim Pflügen gefunden. An der Fundstelle entstand später die barocke Mariä-Himmelfahrt-Kirche.” Foto oben
Das Gnadenbild wurde später ein christliches Symbol, das viele Pilger anzog. Wann setzten die Marienwallfahrten nach Stará Boleslav ein?
   „Die Christen glauben daran, dass das Gnadenbild Wunder wirken und Kranke heilen kann. Wir haben Aufzeich- nungen, dass schon im 12. Jahrhundert Tausende Pilger nach Stará Boleslav kamen, um das Gnadenbild zu ver- ehren.“
Stará Boleslav ist also ein Ort, an dem zwei bedeutende Heilige verehrt werden. Denn neben der Jungfrau Maria wird hier auch der heilige Wenzel verehrt. Schon im 10. Jahrhundert gab es die Wenzelwallfahrten, immer an Wenzels Todestag, dem 28. September. Kann man also sagen, dass Stará Boleslav der bedeutendste Wallfahrtsort der böhmischen Länder war?
   „Stará Boleslav war auf jeden Fall der älteste Wallfahrtsort. Vom 12. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fanden ununterbrochen Marien- und Wenzelwallfahrten nach Stará Boleslav statt.“
Die Tradition der Marienwallfahrten reicht also bis ins Mittelalter zurück und geht bis herauf in die Gegenwart. Doch das Gnadenbild ging noch mehrmals in der Geschichte verloren …
   „Im Dreißigjährigen Krieg ging es zweimal verloren. Die Sachsen eroberten Stará Boleslav, raubten das Gnadenbild und brachten es nach Sachsen. Aber die böhmischen Adligen kauften das Bild zurück – sie wollten es nicht missen. Am Ende des Krieges fiel das Gnadenbild dann den Schweden in die Hände, die es nach Schweden verschleppten. Doch nach langen diplomatischen Bemühungen erlangten es die Tschechen wieder und 1650 kam es endgültig nach Stará Boleslav zurück.“
Inzwischen war aber die Bedeutung des Gnadenbildes noch gestiegen. Es hatte eine besondere, zusätzliche Bedeutung bekommen. Wie verhielt es sich damit?
 „Im Jahre 1609 wurde es zum nationalen Schutzbild erklärt. Seither Zeit nennt man das Gnadenbild ´Palladium´.“
Wann erreichte die Wallfahrtstradition in Stará Boleslav ihren Gipfel?
   „Die ganze Barockzeit war natürlich eine Periode großer Wallfahrten. Aber wir haben auch aus dem 19. Jahrhundert Belege darüber, dass bei den Marienwallfahrten in Stará Boleslav bis zu 55.000 Pilger zusammenkamen.“
Und wie war es in der kommunistischen Zeit?
   „1950 versteckten die neuen Machthaber das Palladium. Nur eine Kopie war noch vorhanden. Die Gläubigen verehrten das Gnadenbild auch weiterhin. Aber sie mussten es heimlich tun. Wenn wir am 15. August heimlich zur Kirche gingen, hatten wir Angst, dass uns jemand sieht. Wir schlüpften rasch in die Kirche, und erst da fühlten wir uns sicher.“
Und jetzt finden die Wallfahrten wieder statt?
   „Nach der Samtenen Revolution bemühten wir uns, die Wallfahrten wieder zu beleben. Aber das ist nicht ganz einfach. Vor sieben Jahren wurden die Wenzelwallfahrten erneuert. Das hat uns sehr geholfen. Im Jahr 2008 errichteten wir ein Kreuz der Versöhnung. Es erinnert an das Unrecht, unter dem die Menschen in der Geschichte immer wieder leiden müssen. Damals kamen zahlreiche Gläubige aus Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und anderen Ländern nach Stará Boleslav. Und dieses Jahr am 15.August haben wir das 400. Jubiläum des Palladiums, unseres nationalen Schutzsymbols gefeiert. Wir haben auch eine Proozession durch die Stadt gemacht, wie das früher gewesen war, und es war ein großer Erfolg.“RadioPrag090928

B-428csPavel-xx

Foto: Der tschechische Präsident Vaclav Klaus und seine Frau Silvia begrüßen den Papst in Brünn.

   Höhepunkt des dreitägigen pastoralen Besuches von Papst Benedikt XVI. in die Tschechische Republik war die Messe unter offenem Himmel im mährischen Brunn. Dort rief er die Gläubigen dazu auf, nach Jahrzehnten des Kom- munismus zur Religion zurückzukehren: Die Erfahrung der Geschichte zeige, wie sinnlos das Leben eines jeden Menschen werde, „wenn er Gott von seinem Entscheidungs- und Handlungshorizont ausschließt". Es sei nicht einfach, eine Gesellschaft aufzubauen, die sich an den Werten des Guten, der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit orientiere, sagte der Papst vor etwa 120.000 Pilgern. Die Freiheit des Menschen bleibe brüchig, wenn er ohne Orientierung lebe.
   Am ersten Tag hatte Benedikt XVI. in Prag den Fall der Berliner Mauer als einen „Wendepunkt der Weltgeschichte" bezeichnet. Er warnte davor, die Folgen von vierzig Jahren kommunistischer Unterdrückung zu unterschätzen, und rief die Tschechen zu einer Wiederentdeckung ihrer christlichen Tradition auf. „Der Mensch muss von materiellen Zwängen befreit werden, aber mehr noch muss er von den Übeln gerettet werden, diesen Geist befallen", sagte er auf der Prager Burg. Die wiedergewonnene Freiheit suche ein Ziel. „Sie verlangt nach Über- zeugung", sagte der Papst.
   Auch in Prag betonte Benedikt XVI. die „unersetzliche Rolle" des Christentums „für die Förderung eines grundlegenden ethischen Konsenses". Am gegenwärtigen Scheideweg der Zivilisation müsse sich „jedes Bemühen um Fortschritt vom christlichen Erbe inspirieren lassen". Immer wieder spielte der Papst so auf die geringe Bedeutung der Religion in der Tschechischen Republik an. Etwa 70 Prozent der Tschechen fühlen sich laut Statistik keiner Konfession verbunden. Diese Säkularisierung reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Damals distanzierte sich die tschechische Nationalbewegung von der katholischen Kirche, die mit der Fremdherrschaft der Habsburger in Verbindung gebracht wurde.
  Der tschechische Staatspräsident Klaus bezeichnete es als ein wichtiges Zeichen, dass Benedikt XVI. gerade jetzt, zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer „in das Herz der mitteleuropäischen Region" gekommen sei. Er teile die Sorgen des Papstes um den Verfall der traditionellen Werte der Zivilisation. Die Kirche war nach dem Krieg durch das kommunistische Regime enteignet worden und möchte nun Rückgabe oder Entschädigung durchsetzen. Bisher ist das Parlament in Prag aber nicht zu einem Kompromiss bereit. Im Mai 2003 lehnten die Abgeordneten auch ein Konkordat zwischen der Tschechischen Republik und dem Heiligen Stuhl ab. Am dritten Tag wandte sich der Papst zum Abschluss seiner Reise in Altbunzlau an die Jugend. FAZ0900928jöb 

B-432cs-x B-431cs-x

Pilgerreise des Papstes nach Portugal

Foto unten: Papst Benedikt XVI. mit Präsident Cavaco Silva

be-Fatima-12xxx

Fliegende Pressekonferenz
   Papst Benedikt XVI. hat sich auf dem Flug von Rom nach Portugal zum Säkularisierungsprozess, zur Wirtschaftskrise sowie zu den Missbrauchsskandalen geäußert. Hier eine Dokumentation der Pressekonferenz in der offizi- ellen vatikanischen Übersetzung. 
Federico Lombardi: Heiliger Vater, welche Sorgen und Empfindungen verspüren Sie hinsichtlich der Lage der Kirche in Portugal? Was kann man Portugal sagen, einem Land, das früher zutiefst katholisch war und den Glauben in die Welt hinausgetragen hat, sich aber heute in einem tiefgreifenden Säkularisierungsprozess befindet, sowohl im Alltagsleben als auch im Bereich der Gesetzgebung und der Kultur? Wie kann in einem Umfeld, das der Kirche gleichgültig und feindlich gegenübersteht, der Glaube verkündet werden?
Benedikt XVI.: Zunächst wünsche ich Ihnen allen einen guten Tag. Hoffen wir, dass wir trotz der berühmten Aschewolke, unter der wir uns befinden, eine gute Reise haben. Was Portugal betrifft, empfinde ich vor allem Freude und Dankbarkeit für all das, was dieses Land in der Welt und in der Geschichte geleistet hat und leistet, sowie für die tiefe Menschlichkeit dieses Volkes, die ich bei einem Besuch und im Umgang mit zahlreichen portugiesischen Freunden kennenlernen konnte. Ich würde sagen, es ist wahr und absolut richtig, dass Portugal eine große Kraft des katholischen Glaubens gewesen ist und diesen Glauben in alle Teile der Welt getragen hat; einen mutigen, verständigen und kreativen Glauben; es hat eine große Kultur geschaffen, wie wir es in Brasilien sehen, in Portugal selbst, aber auch am portugiesischen Geist, der in Afrika und in Asien zu finden ist. Andererseits ist die Präsenz des Säkularismus nicht etwas ganz Neues. Die Dialektik zwischen Säkularismus und Glaube hat in Portugal eine lange Geschichte. Schon im 18. Jahrhundert war die Aufklärung stark vertreten. Man braucht nur an den Namen Pombal zu denken. So sehen wir, dass Portugal in diesen Jahrhunderten immer in der Dialektik gelebt hat, die sich natürlich heute radikalisiert hat und alle Züge des heutigen europäischen Geistes zeigt. Darin sehe ich eine Herausforderung und auch eine große Chance. In diesen Jahrhunderten der Dialektik zwischen Säkularismus und Glaube gab es immer Personen, die Brücken bauen und einen Dialog ins Leben rufen wollten, aber leider dominierte die Tendenz des Gegeneinanders und des gegenseitigen Ausschlusses. Heute sehen wir, dass genau diese Dialektik eine Chance darstellt, dass wir die Synthese und einen inhaltsreichen und tiefgehenden Dialog finden müssen. In dem multikulturellen Umfeld, in dem wir uns alle befinden, sieht man, dass eine rein rationalistische europäische Kultur ohne die transzendente religiöse Dimension nicht in der Lage wäre, mit den großen Kulturen der Menschheit in Dialog zu treten, die alle diese transzendente religiöse Dimension haben, die eine Dimension des menschlichen Wesens ist. Es ist daher ein Irrtum zu denken, dass es eine reine, antihistorische Vernunft gibt, die nur in sich selbst existiert, und dass es sich dabei um „die“ Vernunft handelt; wir entdecken immer mehr, dass sie nur einen Teil des Menschen berührt, nur eine bestimmte historische Situation zum Ausdruck bringt und nicht die Vernunft an sich ist. Die Vernunft an sich ist offen für die Transzendenz, und nur in der Begegnung zwischen der transzendenten Wirklichkeit, dem Glauben und der Vernunft findet der Mensch sich selbst. Daher denke ich, dass die Aufgabe und die Sendung Europas in dieser Situation gerade darin besteht, diesen Dialog zu finden, den Glauben und die moderne Rationalität in eine einzige anthropologische Sichtweise zu integrieren, die das menschliche Wesen vollständig erfasst und so auch die Kommunikation unter den menschlichen Kulturen möglich macht. Daher würde ich sagen, dass die Präsenz des Säkularismus etwas Normales ist, aber die Trennung, das Gegeneinander von Säkularismus und der Kultur des Glaubens ist anormal und muss überwunden werden. Die große Herausforderung dieser Zeit ist, dass sich die beiden begegnen und so ihre wahre Identität finden. Das ist, wie erwähnt, eine Sendung Europas und eine menschliche Notwendigkeit in dieser unserer Geschichte."
Lombardi: Danke, Heiliger Vater. Bleiben wir beim Thema Europa. Die Wirtschaftskrise hat sich in letzter Zeit in Europa verschärft und betrifft in besonderer Weise auch Portugal. Manche europäische Führungspersönlichkeiten sehen die Zukunft der Europäischen Union in Gefahr. Welche Lehren können aus dieser Krise gezogen werden, auch auf ethischer und moralischer Ebene? Was sind die Schlüsselpunkte, um die Einheit und die Zusammenarbeit der europäischen Länder in Zukunft zu festigen?
Benedikt XVI.: Ich würde sagen, dass diese Wirtschaftskrise mit ihrer moralischen Komponente, die niemand übersehen kann, ein Anwendungsbeispiel, ein konkreter Fall von dem ist, was ich vorhin gesagt habe, nämlich dass sich zwei voneinander getrennte kulturelle Strömungen begegnen müssen, denn sonst finden wir den Weg in die Zukunft nicht. Auch hier sehen wir einen falschen Dualismus, nämlich einen wirtschaftlichen Positivismus, der glaubt,sich ohne die ethische Komponente entfalten zu können, einen Markt, der sich selbst regulieren soll, allein auf der Grundlage der wirtschaftlichen Kräfte, der positivistischen und pragmatischen Rationalität der Wirtschaft; die Ethik sei etwas anderes und diesem Prozess fremd. In Wirklichkeit sehen wir jetzt, dass ein reiner wirtschaft- licher Pragmatismus, der die Realität des Menschen nicht beachtet - der ein ethisches Wesen ist -, nicht positiv endet, sondern unlösbare Probleme schafft. Daher ist es jetzt Zeit zu sehen, dass die Ethik nicht außerhalb, son- dern innerhalb der Rationalität und des wirtschaftlichen Pragmatismus steht.
   Andererseits müssen wir auch eingestehen, dass der katholische, der christliche Glaube oft zu individualistisch war, die konkreten wirtschaftlichen Dinge der Welt überließ und nur an das individuelle Heil dachte, an die religiösen Handlungen, ohne zu sehen, dass diese eine globale Verantwortung, eine Verantwortung für die Welt mit sich bringen. Daher müssen wir auch hier in einen konkreten Dialog eintreten. In meiner Enzyklika Caritas in veritate habe ich versucht - und die gesamte Tradition der christlichen Soziallehre geht in diese Richtung -, den ethischen und den Glauben betreffenden Aspekt über das Individuum hinaus auf die Verntwortung gegenüber der Welt und auf eine von der Ethik geformte Rationalität auszuweiten. Andererseits haben die jüngsten Ereignisse auf dem Markt in den letzten zwei, drei Jahren gezeigt, dass die ethische Dimension innerhalb des wirtschaftlichen Handelns steht und darin ihren Platz haben muss, denn der Mensch ist eins, und es geht um den Menschen, um eine gesunde Anthropologie, die alles einschließt, und nur so lässt sich das Problem lösen, nur so entfaltet und erfüllt Europa seine Sendung.
Lombardi: Danke. Jetzt kommen wir zu Fatima, dass gewissermaßen auch der geistliche Höhepunkt dieser Reise sein wird. Heiliger Vater, welche Bedeutung haben heute für uns die Erscheinungen von Fatima? Als Sie den Text des dritten Geheimnisses im Juni 2000 im Presseamt des Heiligen Stuhls vorgestellt haben, waren manche von uns und andere Kollegen von damals dabei, und Sie wurden gefragt, ob die Botschaft von Fatima über das Attentat auf Johannes Paul II. hinaus auch auf andere Leiden der Päpste bezogen werden kann. Können Ihrer Ansicht nach auch die durch den Missbrauch von Minderjährigen verursachten Leiden der Kirche von heute im Rahmen dieser Vision gesehen werden?
Benedikt XVI.: Ich möchte zunächst meine Freude über die Reise nach Fatima zum Ausdruck bringen und darüber, vor der Muttergottes von Fatima zu beten, die für uns ein Zeichen der Gegenwart des Glaubens ist, dass gerade aus den Kleinen eine neue Kraft des Glaubens geboren wird, die nicht auf die Kleinen beschränkt bleibt, sondern eine Botschaft für die ganze Welt hat, und die die Geschichte gerade auch in ihrem Heute berührt und diese Geschichte erleuchtet. Bei der Präsentation im Jahr 2000 habe ich gesagt, dass eine Erscheinung - das heißt ein übernatürlicher Impuls, der nicht bloß der Vorstellungskraft der Person entspringt, sondern tatsächlich von der Jungfrau Maria, vom Übernatürlichen herkommt - dass ein solcher Impuls in das Subjekt eintritt und gemäß den Möglichkeiten des Subjekts zum Ausdruck gebracht wird. Das Subjekt ist von seinen geschichtlichen, persönlichen, und charakterlichen Gegebenheiten bestimmt  und übersetzt den großen  übernatürlichen Impuls daher in sein Seh- Vorstellungs- und Ausdrucksvermögen, aber in diesen Ausdrucksweisen, die vom Subjekt geformt sind, verbirgt sich ein Inhalt, der darüber hinausgeht, der tiefer ist, und nur im Lauf der Zeit können wir die ganze Tiefe sehen, die - sagen wir mal - in dieser für die konkreten Personen möglichen Vision „gekleidet“ war. So würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen. Daher ist es richtig, dass man über den in der Vision gezeigten Moment hinaus die Notwendigkeit eines Leidens der Kirche sieht, das sich natürlich in der Person des Papstes widerspiegelt, aber der Papst steht für die Kirche und daher werden Leiden der Kirche angekündigt. Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden würde bis zum Ende der Welt. Wichtig ist dabei, dass die Botschaft, die Antwort von Fatima im Wesentlichen nicht auf bestimmte Andachtsübungen abzielt, sondern auf die grundlegende Antwort, das heißt die ständige Umkehr, die Buße, das Gebet und die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. So sehen wir hier die wahre und grundlegende Antwort, die die Kirche geben muss, die wir, jeder von uns, in dieser Situation geben müssen. Unter dem Neuen, das wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von Außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche.  Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, dass sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; dass sie einerseits zu vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht. Mit einem Wort, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefasst, dass das Böse immer angreift, von Innen und von Außen, aber dass auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und dass letztendlich der Herr stärker ist als das Böse. Und die Muttergottes ist für uns eine sichtbare, mütterliche Garantie der Güte Gottes, die immer das letzte Wort in der Geschichte ist.
Lombardi: Vielen Dank, Heiliger Vater, für die Klarheit und die Tiefe ihrer Antworten und für dieses abschließende Wort der Hoffnung, das Sie uns mitgegeben haben. Wir wünschen Ihnen, dass Sie diese anspruchsvolle Reise in Ruhe machen können und dass Sie sie auch mit der Freude und der geistlichen Tiefe erleben können, die uns die Begegnung mit dem Geheimnis von Fatima schenkt. Wir wünschen Ihnen eine gute Reise und werden uns unsererseits bemühen, unseren Dienst gut zu verrichten und mit Objektivität das zu verbreiten, was Sie tun werden. RVkipa100513kk
Papst in Fatima: „Den Glauben nicht verlöschen lassen“
   Ein unglaublicher Jubel bricht los, als der grüne Militärhubschrauber mit dem Papst an Bord über Fatima auftaucht. Hunderttausende von Menschen sind gekommen, viele waren tagelang zu Fuß unterwegs; sie bereiten dem Gast aus Rom einen tollen Empfang. Unter den Teilnehmern sind viele Mitglieder geistlicher Gemeinschaften, aber auch Einzelpilger, die mit Proviant und Campingausrüstung gekommen sind. Im Wind flattern Fahnen aus Spanien, Italien, Brasilien, Peru, Angola und den Kapverdischen Inseln, aber auch ein Banner aus Bayern. Die Sicherheitsleute sind etwas nervös angesichts dieser Ausgelassenheit; noch wenige Minuten vor dem Eintreffen des Papstes lassen sie die Erscheinungskapelle noch einmal von einer Hundestaffel durchsuchen. Diese Erschei- nungskapelle ist das erste Ziel Benedikts: Hier stand die Steineiche, unter der 1917 Maria drei Kindern erschien. RV100513 
Lesen Sie unsere Fotoberichte dieser Pilgerreise > Fatima  > dritten Geheimnisse
> Rosenkranz > Priester.

Ein historisches Ereignis:
Der erste Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien vom 16. - 19. September 2010

an-LondonBuckkinghamP--z an-LondonWestminsterAbb-z

England erlebt Papst Benedikt XVI. live - Von Herz zu Herz
Fotos o
Mben: der Buckinghampalast in London und die Abtei Westminster

Kardinal Vincent Gerard Nichols   cdVincentNicholsGB-2xx

Kardinal Vincent Gerard Nichols, Erzbischof von Westminster
Präsident der Bischofskonferenz von England und Wales (Großbritannien) schreibt zum Besuch:

   Der Besuch von Benedikt XVI. im Vereinigten Königreich ist zweifellos ein historisches Ereignis. Die Einladung erging von Seiten Ihrer Majestät Königin Elisabeth II., die den Papst am 16. September bei seiner Ankunft in Edinburgh Foto unten: Edinburg Schloss persönlich empfangen hat. Dieser Besuch ist ein Zeichen für eine neue Phase in der langen und komplexen Geschichte der Beziehungen zwischen den Monarchen dieser Erde und dem Papsttum.
Der Papst und die Königin teilen einige tiefe Sorgen: um das Wohlergehen der Völker der Welt, die Rolle der christlichen Werte und der christlichen Erziehung, die Wichtigkeit von stabilen Institutionen zum Wohl der Gesellschaft.

an-EdinghburghSchloss-z be-121St.Mary'sTwickenham-x

   Vom »Saint Mary's University College« Foto oben rechts, wurde die Ansprache des Papstes per Intranet an alle Schulen des Königsreiches übermittelt. Benedikt XVI. hat anschließend verschiedene Persönlichkeiten getroffen, Führungskräfte verschiedener Bereiche und Unternehmen, die Frauen und Männer des Glaubens sind und den unterschiedlichen, in diesem Land vorhandenen Konfessionen angehören. Er hat mit ihnen über die Bedeutung Gottes als formativer und inspirierender Orientierungspunkt für das Gemeinwohl gesprochen.
  Am Nachmittag hat sich der Papst in den Lambeth Palast begeben, den Amtssitz des Erzbischofs von Canterbury, und dann nach Westminster Hall, den großen historischen Saal im Herzen von London. Dort hielt er eine staats- tragende Rede sich an die politischen, zivilen, diplomatischen und unternehmerischen Führungspersönlichkeiten des Vereinigten Königreiches. Westminster Hall ist der Ort, an dem der heilige Thomas Morus 1535 zum Tod verurteilt wurde, weil er dem katholischen Glauben treu blieb. Der Tag fand in der Abtei Westminster seinen Ab- schluss mit dem gemeinsamen Gebet der Vesper mit allen christlichen Gemeinschaften des Vereinigten König- reiches. Der Papst und der Erzbischof von Canterbury haben gemeinsam am Grab des heiligen Eduard des Bekenners gebetet, dem 1066 verstorbenen König von England und Wiederbegründer der Abtei Westminster. Er verkörpert die tiefen gemeinsamen christlichen Wurzeln dieser Landesteile.
   Am nächsten Tag feierte der Papst die Messe in der Kathedrale von Westminster, besuchte ein Pflegeheim für Alte und Sterbende und hielt im Hyde Park im Herzen von London eine Vigil.
   Am Sonntag, den 19. September begab sich Benedikt XVI. nach Birmingham, um dort die heilige Messe zu feiern und den ehrwürdigen Diener Gottes John Henry Newman seligzusprechen. Das ist ein äußerst wichtiger Moment des Besuchs. Die Seligsprechung von Kardinal Newman stellt der Kirche einen bedeutenden Gelehrten vor Augen, einen beachtenswerten und verdienstvollen Schriftsteller und Dichter, einen Gemeindepfarrer, der von allen, die ihn kannten, tief geliebt wurde. Er war ein Mann, der verstand, das Geist und Herz bei den großen Unter- nehmungen des Lebens zusammengehen müssen, besonders bei der größten: der Suche nach Gott und der heilbringenden Beziehung zu ihm.

St-cdJHNew-BirminghOratDesk St-cdJHNewmann-4z

  Newman Foto oben: Kardinal Newman, links sein Arbteitszimmer in Birmingham sprach und schrieb mit der Eloquenz seiner persönlichen inneren Suche und der Freude, die diese mit sich bringt. Die Leere eines Lebens ohne Gott brachte er mit den folgenden Worten zum Ausdruck: »Wenn ich in einen Spiegel blickte und darin mein Gesicht nicht sähe, so hätte ich ungefähr dasselbe Gefühl, das mich jetzt überkommt, wenn ich die lebendige, geschäftige Welt betrachte und das Spiegelbild ihres Schöpfers nicht in ihr finde« Apologia pro vita sua, Illertissen 2010,S.351.
   Die allgemeine Hoffnung, die wir für diesen Besuch hegen, kann in ganz einfache Worte gefasst werden. Wir hoffen, dass die erhellende Gegenwart und die Worte von Benedikt XVI. vielen in unserer Region helfen, zu verstehen, dass der Glaube an Gott kein zu lösendes Problem ist, sondern ein Geschenk, das wiederentdeckt werden muss. Für viele in unserer Gesellschaft ist der Glaube ein Problem geworden, etwas, das man verstecken oder aus dem öffentlichen Leben entfernen muss.
   Dennoch sieht die Wahrheit ganz anders aus: Der Glaube an Gott bringt den Menschen großen Reichtum und große Freude. Er ist die Befreiung und die Leitung, die wir suchen, Inspirationsquelle und Triebfeder der Standhaf- tigkeit, Quelle der Vergebung und des Mitleids.
   Die Einladung zum Glauben ist selbstverständlich eine tief persönliche Angelegenheit. Aus diesem Grund wurde für den Papstbesuch dasselbe Motto gewählt, das John Henry Newman für sein Kardinalswappen wählte: »Herz spricht zum Herzen.« Cor ad cor loquitur Foto unten. OR100903

St-cdJHNew-Wappen-x  St-cdJHNewmPrivatKap-z Privatkapelle

be-141HydePark-z

Fotos vom Staatsbesuch des Papstes in Großbritannien

be-145-WestnC-Cheer-z       Cheers in London

be-140-WcYouth-z

Erzbischof Rowan Williams, Canterbury be-152a-RowanWilliams-z

be-131-GB-Tottenh-z be-135London-z

be-142HydePark-z

be-133HydePark-z

80.000 Menschen erleben den Papst live in der Vigil-Feier im Hyde Park London

be-134HydePark-z

be-128-Edinb-z

be-124-GBEdinburgh-z be-125-Edinb-Begrüßg-z

Papst in Edinburgh eingetroffen – Treffen mit Queen Elizabeth II.

   Zu einer seiner schwierigsten Auslandsreisen bislang ist Papst Benedikt XVI. in Großbritannien eingetroffen. Um halb elf Uhr Ortszeit landete die Alitalia-Maschine mit dem Papst an Bord im schottischen Edinburgh. Zu Beginn seines Staatsbesuchs traf er sich mit Königin Elizabeth II.
   Religion war immer zentral für die Identität Großbritanniens, sagte die Queen in einer kurzen Rede, und sie könne eine Rolle spielen beim Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft. In Großbritannien sei Kultfreiheit an der Basis der Demokratie. Benedikt XVI. wiederum würdigte in seiner Ansprache vor der Queen und anderen politischen und kirchlichen Autoritäten, darunter dem anglikanischen Primas Erzbischof Rowan Williams, den damaligen Widerstand Großbritanniens gegen die Nazidiktatur. Er wandte sich gegen den heutigen „aggressiven Säkularismus“ und forderte die britischen Medien dazu auf, respektvoll mit der Menschenwürde umzugehen.

be-126-Edinb-z

„Gott nicht aus der Gesellschaft ausschließen“
   Hier die Kernsätze der ersten Rede Papst Benedikts auf britischem Boden:
   „Eure Majestät! Ich danke Ihnen für Ihre liebenswürdige Einladung zu einem offiziellen Besuch in das Vereinigte Königreich... Tiefe christliche Wurzeln sind immer noch in jeder Schicht britischen Lebens vorhanden... Der Glaube wird eine starke Kraft zum Guten in Ihrem Königreich bleiben - zum Nutzen für Christen ebenso wie für Nicht- christen.
   Selbst aus unserer Zeit können wir uns in Erinnerung rufen, wie Großbritannien und seine Verantwortlichen der Nazityrannei widerstanden haben, die Gott aus der Gesellschaft entfernen wollte und vielen das allgemeine Menschsein absprachen, besonders den Juden, die als „lebensunwert“ betrachtet wurden. Ebenso möchte ich an die Haltung jenes Regimes gegenüber christlichen Pastoren und Ordensleuten erinnern, welche die Wahrheit in Liebe sagten, sich den Nazis entgegenstellten und diesen Widerstand mit ihrem Leben bezahlten.
   Wenn wir über die nüchternen Lektionen des atheistischen Extremismus des 20. Jahrhunderts nachdenken, wollen wir nicht vergessen, wie der Ausschluss von Gott, Religion und Tugend aus dem öffentlichen Leben uns letztlich zu einer verkürzten Vision des Menschen und der Gesellschaft führt und damit zu einer herab- würdigenden Sicht des Menschen und seiner Bestimmung.“ rv100916

be-127-QueenE-z

Papst Benedikt XVI. bemühte sich zu Beginn seines Besuches in Großbritannien um Versöhnung
und beeindruckte die Presse

   Im Celebrity-süchtigen Großbritannien darf man darauf bauen, dass die Summe der Meinungen und Einschätzungen, die Papst Benedikt XVI. im Vorfeld seines Besuches auf der Insel umbrandete, nicht das letzte Wort sein wird. „Die Stimmung wechselt, wenn der vielfach Angefeindete plötzlich erscheint und ein ganz anderes Licht um sich verbreitet, als man aus vielen bisherigen Kommentaren entnehmen konnte.“ Dieser Satz eines Beobachters trifft ins Schwarze.
   Den Papst in seiner gebrechlichen Hülle zu erleben, wie er mit leicht heiserer Stimme ebenso Worte für das Gastland findet und sein Leitmotiv, die „aggressive Säkularisation“ in der Moderne, anklingen lässt, entlockt den Berichterstattern und den Webseiten der Zeitungen unerwartet respektvolle Töne. Ein BBC-Reporter, der die Phalanx der Notabeln beschrieb, die in Edinburgh dem Besucher die Hand schütteln wollte, schien dem Augenblick schier zu erliegen. „Man spürt“, bemerkte er ehrfürchtig, „wie in diesem Mann die Ausstrahlung einer 2000 Jahre alten Institution zur Wirkung kommt.“
   Der erste Tag des Papstbesuches auf der britischen Insel begann um 10.30 Uhr Ortszeit, als die päpstliche Maschine in Schottlands Hauptstadt Edinburgh landete. Bei klarem Wetter, unterbrochen von dunklen Wolken und Sonnenschein, stieg der Papst mit verhalten-vorsichtigen Schritten die Gangway herunter, an deren Fuß ihn der Herzog von Edinburgh, Prinz Philip, begrüßte. Vom Begrüßungsort ging es weiter zum königlichen Palast Holyrood- house, wo die Queen den Pontifex willkommen hieß. Das Oberhaupt Großbritanniens, der anglikanischen Gemeinschaft und des Commonwealth neben dem Kopf einer Kirche von ebenfalls weltweiter Signifikanz – dem Eindruck von zwei der mächtigsten Institutionen der Gegenwart, die sich im Norden Europas in ihren führenden Figuren ein historisches Stelldichein gaben, konnten sich nur wenige entziehen.
   Nationalhymnen, Ehrengarden und Dudelsackpfeifer waren verklungen, ehe Elizabeth II., mit 84 Jahren nur ein Jahr älter als ihr Gast, das Wort ergriff. Sie sparte nicht mit Lob für die katholische Kirche und für den Vatikan. Der Heilige Stuhl habe wertvolle Dienste zur Verbesserung der Situation in Nordirland geleistet und spiele eine wichtige Rolle bei internationalen Aufgaben, vor allem auch beim Kampf gegen den Hunger in der Welt. Auch beschwor die Queen das gemeinsame christliche Erbe und den Beitrag der Christen für den Weltfrieden.
   Benedikt entgegnete, er wolle dem britischen Volk die „Hand der Freundschaft“ reichen. Ihn muss besonders erfreut haben, wie die Monarchin sich hinter seinen jüngsten Appell stellte, dass Religion niemals ein Vehikel von Hass sein dürfe. Auch, dass Elizabeth II. eigens auf Kardinal John Henry Newman zu sprechen kam, der 1845 vom Anglikanismus zur katholischen Kirche konvertierte und den der Papst am Sonntag in Birmingham seligsprechen will, wurde als besondere Geste gegenüber dem Gast empfunden. Man weiß offenbar auch im Buckingham-Palast um die Bewunderung, die Benedikt XVI. seit Langem für Newman als christlichen Denker und Vorbild auch für unse- re Tage hegt.
   In diesem Zusammenhang äußerte die Queen die Hoffnung, dass durch den Besuch des Papstes die Beziehungen zwischen der katholischen und der anglikanischen Kirche vertieft würden. Wörtlich sagte sie: „Aus Erfahrung wissen wir,  dass durch engagierten Dialog alter Argwohn überwunden und gegenseitiges Vertrauen gestärkt werden kann.“ Das Wort vom „alten Argwohn“ enthielt eine pikante Note. Viele verdächtigen den Papst, er wolle die seit Langem deutliche Unzufriedenheit unter anglikanischen Geistlichen mit der Richtung ihrer Kirche für Rom ausnutzen und seine Einladung an diese Gruppen erneuern, doch zum Katholizismus überzutreten wie Newman 150 Jahre zuvor.
   Benedikt verknüpfte in seiner Antwort großes Lob auf den toleranten Geist Großbritanniens mit ernsten Warnungen vor der Gefahr eines „aggressiven Säkularismus“. Damit intonierte er sogleich in seiner ersten Rede auf britischem Boden das Leitmotiv seines vier Tage währenden Besuches. Auch in einer multikulturellen Gesellschaft müssten die traditionellen Werte bewahrt bleiben, dürfe der „christliche Grund nicht verdunkelt“ werden.
   Aber der Gast machte eine große Verbeugung vor „Großbritannien und seinen Anführern, die der Nazi-Tyrannei widerstanden, welche Gott aus der Gesellschaft auslöschen wollte und vielen Menschen unsere gemeinsame Humanität absprach, besonders den Juden, die man für unwertes Leben erachtete“.
   Der Hinweis auf dieses historische Kapitel, vor allem auf den Widerstand der Insel gegen ein von den Nazis besetztes Europa, kam in der Öffentlichkeit besonders gut an, hatte man in Großbritannien doch gerade in den vergangenen Tagen des 70. Jahrestages des Luftkrieges über der Insel gedacht, Englands „finest hour“.
   Deutlich, wenn auch unausgesprochen, wies der Besucher auch auf die islamistische Gefahr hin, als er anmerkte, niemals dürfe eine Religion den Namen Gottes anrufen, um Hass und Feindschaft in der Welt zu verbreiten. Die britischen Medien ermahnte er, sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst zu sein, „denn ihre Meinungen er- reichen ein weltweites Publikum, was eine besondere Gelegenheit darstellt, den Frieden unter den Nationen zu befördern“. DieWelt100917ThomasKielinger

be-123-GB-Edinb-z Dichtes Reiseprogramm

   Edinburgh war der Auftakt einer viertägigen Reise nach Glasgow, London und Birmingham. Bei den vier großen öffentlichen Auftritten und Gebeten wurden insgesamt mehr als 250.000 Gläubige erwartet. Auf dem dichten Zeitplan des Papstes mit insgesamt 13 Ansprachen stand ein Treffen in London mit Vertretern von Islam, Judentum, Hinduismus und anderen Religionen. Anschließend traf sich der Papst mit dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, in der anglikanischen Westminster Abbey, der Krönungskirche britischer Könige. Später folgt ein ökumenischer Gottesdienst in der anglikanischen Westminster Abbey.
  Nach einem Treffen mit Premierminister David Cameron feierte Papst Benedikt XVI. am Samstag eine Messe in der Westminster Cathedral, der Hauptkirche der Katholiken in England. Bei einer Messe am Sonntagmorgen in Birmingham spach Papst Benedikt den britischen Kardinal John Henry Newman selig. Danach verabschiedete er sich am Flughafen von Birmingham. Iin Rom ist am Sonntagabend um 22.30 Uhr römischer Zeit wieder ein. rv100916

be-152-GB-London-z Rund eine Milliarde Zuschauer weltweit ...

  ... haben nach Schätzung des britischen Senders BBC die Ankunft von Papst Benedikt XVI. in Schottland verfolgt. Das BBC-Fernsehen bot Übertragungen aller Ereignisse des Ankunftstages an. Hinzu kamen in mehreren BBC TV- und Radioprogrammen Sondersendungen, Features und Dokumentationen. Aaqil Ahmed, BBC-Programmdirektor für Religion und Ethik, betonte: „Dies war der erste Papstbesuch seit 28 Jahren und der erste Staatsbesuch eines Papstes überhaupt.“ Die Visite sei bedeutend nicht nur für die Millionen Katholiken des Landes, sondern auch für „zahllose andere Zuschauer im In- und Ausland“. Mit seinen Moderatoren und Spezialisten werde BBC versuchen, Einblicke in diese „historische Ereignis“ zu geben. – Benedikt XVI. hielt sich vom 16. bis 19. September in Großbritannien auf. RV100904kna
Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freute sich sehr über den Besuch des Papstes in Großbritannien. Das schreibt er in einer Medienmitteilung. Die britischen Anglikaner haben Benedikt XVI. mit großer Freude und Wärme aufgenommen, so der Erzbischof. 090925rv
Die Vatikanischen Museen trennen sich vorübergehend von vier Wandteppichen aus der Hand des Renaissance- Künstlers Raffael. In den nächsten Wochen sind die Tapisserien im Londoner Victoria and Albert Museum zu sehen. Die Ausstellung wurde eigens zum Papstbesuch in Großbritannien konzipiert. Raffael hatte die fast 500 Jahre alten Wandteppiche für die Sixtinische Kapelle entworfen. Sie zeigen unter anderem Szenen der Apostelgeschichte. Der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, zog bei der Eröffnung der Schau eine Parallele zwischen guter Kunst und Christentum, besonders dem Katholizismus. Konflikte und die menschliche Anlage zur Sünde könnten die Kirche entstellen, ihre kreative Lebendigkeit aber nicht verdunkeln.  Entscheidend sei hier – wie bei der Kunst - der Zugang. „Wenn wir uns mit Misstrauen nähern, sehen wir nur etwas Altes und Verstaubtes. Aber Glaube und Kunst zeigen uns, wie wir es anstellen, großzügig im Denken und Handeln zu sein“. rv100907
Messen zum Teil in Latein
   Teile der Papst-Gottesdienste in Großbritannien waren auf Latein. Der Papst hat die Präfation und die Hoch- gebete jeweils in Latein gebetet, um die Universalität sowie die Kontinuität des Glaubens zu betonen, wird der Zeremoniar Marini zitiert. Ein Sprecher der Erzdiözese Glasgow begrüßte diese Entscheidung. Dies könne auch ein neues Interesse an der traditionellen Kirchenmusik wecken, so der Sprecher. rv100908

be-136WestmCath-z

Westminster Cathedral: Übertragung  der Papstmesse in die Straßen von London

be-137WestmCath-z

   Das Wort „katholisch“ hat eine griechische Wurzel, „katholikos“, und bedeutet so viel wie das Ganze betreffend, allumfassend. Es reimt sich mit unserer Vorstellung von global, von weltweit, hat also, auch ohne religiösen Kon- text, eine die menschliche Familie einbeziehende, die ganze Welt ansprechende Ausstrahlung. Nirgends wurde dies deutlicher als nach der Messe in der Westminster Kathedrale, der Mutterkirche der englischen Katholiken, als Papst Benedikt XVI. heraus trat und von dem Jubel der multiethnischen Jugend, die draußen auf ihn wartete, schier erdrückt wurde. Die Physiognomie Englands ist geprägt von diesem „katholischen“ Zug. Weit vor allen an- deren Ländern der EU ist die Insel zu einem Beispiel der Family of Man geworden, hier leben Dritte und Erste Welt gleichsam Haut an Haut. Nicht oft wird der Pontifex auf seinen Reisen in Europa von einem jugendlichen Farbigen wie Paschal Uche begrüßt werden, aus dem tiefsten Afrika eingewandert, ein Teenager aus einer Nord-Londoner Gemeinde, der ihm die Zuneigung der Jugend und den Optimismus seiner eigenen Gläubigkeit zu Füßen legte. Vergessen waren die Probleme von Immigration und Integration – was statt dessen überwältigend hervor trat, war das Band, welches die Menschen vereint unter dem, was der Papst, die Jugend ansprechend, die „Zivilisation der Liebe“ nannte. DieWelt100919inter

be-139WcTonyBlairCherieEuan be-132-GB-WestmAbbey-z

Tony Blair mit Eherfrau Cherie und Sohn Euan während der Papstmesse in Weltminster Cathedral
Foto unten: Die englischen Bischöfe und Priester mit Benedikt XVI. in Westminster Cathedral

be-138epiWestmC-z

Die Welt, Berliln kommentiert den Staatsbesuch Benedikts XVI. in Großbritannien:

   Das christliche England war von Anfang an ein päpstliches Projekt – und es ist hilfreich, heute noch einmal daran zu erinnern. Im Jahr 596 hatte Gregor der Große die Christianisierung der Insel quasi zur Chefsache erklärt, als er den Benediktiner Augustinus mit rund 40 Mönchen aus seinem Kloster auf dem Celio-Hügel in Rom in das wilde England schickte. Ostern 597 landeten die päpstlichen Missionare 14 Kilometer neben Canterbury. Am 2. Juni 597 tauften sie Ethelbert, den König von Kent, bevor sie schon Weihnachten 597 in Canterbury 10.000 seiner Untertanen tauften. Mit dem Tod Gregors I. im Jahr 604 war das Fundament der Eingliederung Englands in die abend- ländisch-christliche Kultur stabil gelegt. Wie auf dem Festland, bei den Franken links und rechts des Rheins oder bei den Spaniern und Polen, wurde auch die Geschichte Englands dadurch im Mittelalter in ihrem Kern zur Kirchen- geschichte.
   Deshalb war England auch ganz besonders papsttreu, als auf dem Kontinent mit der Reformation die Neuzeit losbrach. Kaum einer hatte in diesen Auseinandersetzungen den Papst feuriger gegen Dr. Luther verteidigt als Heinrich VIII. von England, der wohl gebildetste Renaissancefürst seiner Zeit. „Was ist das für ein höllischer Wolf, der die Herde Christi zu zerstreuen und die Glieder Christi von ihrem Haupte abzureißen sucht!“, lesen wir in einer seiner Schriften aus dem Jahr 1521. „Wie verdorben ist nicht das Herz, wie verflucht die Pläne dessen, der die begrabenen Trennungen wieder hervorkramt, die alten mit neuen vermehrt und die Ketzereien, die in der ewigen Finsternis hätten bleiben sollen, wieder ans Licht bringt?“ Und so weiter und so fort.
   13 Jahre später allerdings bedurfte es nur der Weigerung Papst Clemens' VII., die Ehe Heinrichs VIII. zu annullieren, dass dieser königliche „Mitstreiter gegen die Häresie“ kurzerhand die Kirche Englands von der lateinischen Christenheit abspaltete und sich mit einem Federstrich zu ihrem Oberhaupt erklärte (nachdem er selbstverständ- lich auch seine Ehe noch rasch selbst aufgelöst hatte). Wieder ein Jahr später hatte der englisch-römische Konflikt mit der Enthauptung John Fishers, des Bischofs von Rochester, und des Lordkanzlers Thomas More schon die ersten Märtyrer (für Rom) hervorgebracht, weil sich beide standhaft geweigert hatten, den neuen Weg der „Church of England“ mitzugehen und den König als ihr Oberhaupt in Glaubensfragen anzuerkennen. Nach dem Bruch mit dem Papst wurde die Gegnerschaft zum katholischen Rom quasi zur Staatsdoktrin des Vereinigten Königreichs – wo die Abkürzung FD für den Titel „Fidei Defensor“ (Verteidiger des Glaubens) neben dem Porträt der Königin dennoch bis heute die Münzen ziert. Katholiken bildeten hier jahrhundertelang die misstrauisch beäugte Minderheit.
   Die Einladung an den Papst zu einem ersten offiziellen Staatsbesuch lässt sich daher jetzt nur als Paradigmenwechsel in der Geschichte Englands begreifen. Bis dahin war es ein langer Weg. 1982 flog Johannes Paul II. auf dem Höhepunkt des Falklandkrieges zwar schon einmal als Vermittler nach England und Argentinien. Doch das war eine pastorale Reise, die sich nicht mit den historischen Schritten Benedikts XVI. in den nächsten Tagen ver- gleichen lässt. Darüber können und dürfen alle Proteste nicht hinwegtäuschen, im Gegenteil. Denn in dem Papst erkennt England ja auch auf eigenartige Weise die Herausforderung eines abgespaltenen Teils seiner selbst: die größere europäische Dimension seiner Geschichte und ihre tieferen und älteren Schichten.
  13 Ansprachen wird Benedikt XVI. dazu nun in vier Tagen auf der Insel halten. Da wird jedes seiner Worte genau gewogen werden. Denn längst sind ja auch die gläubigen Anglikaner eine Minderheit im Vereinigten Königreich geworden. Von 60 Millionen Briten gehören 25 Millionen zur Church of England, rund sechs Millionen sind Katholiken. Ein Blick in die Sendungen der BBC zeigt es aber noch genauer:  Das Christentum ist keine Leitkultur mehr in London. Die Schärfung des christlichen Profils seiner „kreativen Minderheiten“ aber bleibt auch im Zeitalter des Pluralismus ein ebenso eminent persönliches Projekt des Papstes wie die Christianisierung Englands am Anfang durch Gregor I. DieWelt100918PaulBadde

be-130-GB-Twickenham-z be-129-GB-Twickenham-xx

Das „St. Mary’s University College“ im Londoner Stadtteil Twickenham.

   Vor mehr als 4.000 katholischen Jugendlichen hielt der Papst eine Rede. Er wurde umjubelt wie ein Popstar. Sie feierten „ihren“ Papst, jubelten, kreischten, applaudierten. Und Papst Benedikt XVI. genoss den Termin sichtlich. Anschließend weihte er noch den neuen Sportplatz des Colleges ein.
   Wie schon am Vorabend in Glasgow wandte sich das Kirchenoberhaupt in seiner Ansprache mit klaren Worten direkt an die katholische Jugend: Nicht in der Welt des Sports oder des Entertainments sollten sie ihre Vorbilder suchen.
   „Meine Frage an euch ist: Was sind die Stärken, die ihr in anderen seht und euch zu eigen machen wollt? Welche Art von Mensch möchtet ihr wirklich gerne sein?“ Nur Gott könne die tiefsten Bedürfnisse unserer Herzen befriedigen. „Ich bitte euch, gebt euch nicht mit dem Zweitbesten zufrieden“, sagt der Papst. Bild100917

an-CathTrioOverfuse-xx be-117-z

Die britische Band Ooberfüse Foto hat mit einem Papst-Rap junge Leute für den Papstbesuch begeistert

 Laut Medienberichten hat die katholische Kirche in England und Wales den Song also offizielle „Jugendhymne“ anerkannt. Der Rap heißt „Heart’s Cry“ in Anspielung auf das Motto des Papstbesuches„Heart speaks unto Heart“. Darin werden unter anderem Worte des Papstes mit Musik unterlegt. RV100907kipa
Papst Benedikt wählt einen Rap-Song zur Jugendhymne für seinen Besuch in Großbritannien
   Der Papst schätzt die liturgische Tradition, auch die lateinischen Messen mit ihren alten Melodien. Aber wenn es gilt, einen Song zu finden, der den jungen Gläubigen gefällt, entscheidet er sich für Rap. Der Vorbereitungsausschuss hat jetzt einen hip-hop track zur Jugendhymne für den Papstbesuch ausgewählt. Der Titel: „Schrei des Herzens“ Heart’s Cry von dem katholischen Trio Ooberfüse klingt durchaus anders als die üblichen Gesänge im Gottesdienst. Im Hyde Park wird dieser Track der 3-Mann-Band in einer abendlichen Vigil viele Jugendliche ansprechen. Cherrie Anderson, die 24-jährige leadsinger der Gruppe, erklärte dazu in einem Presse-Interview, dass seine Band wolle sich von dem Stereotyp trennen, dass viele moderne christliche Musikgruppen ausschließlich soft- rock spielten. „Wir hoffen sehr, dass wir aktueller sind und damit heute die junge Generation erreichen.“ Zur Gruppe gehören noch der 33-jährige Rapper Hal St. John und der DJ Cornel Sorian, ein gebürtiger Rumäne, der als Musikproduzent in London arbeitet. „Wir erwarten, dass die Menge bei der Vigil im Hyde Park in Begeisterung ausbrechen wird, wenn wir im Lied den Papst – mit seinem charakteristischen deutschen Akzent – einfühlend rezitieren: „Hass wird niemals wieder herrschen in den Herzen der Menschen“ und wenn wir mutig‚ diesem Schrei eine Stimme geben‘, dem Schrei nach Liebe und mit den Schritten einer Taube in die ‚geheimnisvollen und unerforschlichen Tiefen unserer Herzen‘ gehen.“ JeromeTaylor100906Independent,London.
   In der Abendvesper im Hyde Park hat die Siegerin des Talentwettbewerbs Liam McNally das Vater-unser gesungen; Susan Boyle hat bei der Freiluftmesse im Bellahousten Park in Glasgow mitgewirkt.
   Der neue Song „Heart’s Cry“ nimmt das Motiv des Papstbesuches auf: „Herz spricht zum Herzen“ – ein Leitwort des Kardinals John Henry Newman, zu dessen Seligsprechung der Papst nach Birmingham kommt. Der Sound kommt einem zeitgemäßen pop-song nahe, jedoch im 4/4 Takt als Rap. Der Text enthält lyrische Gedanken wie diese: „Geh! hilf dem Ärmsten der Armen, der in der Gosse liegt, hilf wie Mutter Teresa von Calcutta“.  Dazwischen kommen immer wieder Zitate des Papstes mit seinem deutschen Akzent. Das beginnt mit der Erklärung Benedikts XVI.: „Als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus bestätige ich die Worte meines Vorgängers, dass Hass niemals herrschen wird in den Herzen der Menschen“. Vom Piano begleitet folgt dieser Satz: „Gott lebt, auch wenn wir uns manchmal schwer damit tun, seine geheimnisvollen und unerforschlichen Wege zu begreifen.“ Die Jugend-Hymne weckt Erinnerungen an die Single der Black-Eyed-Peas‘: „Where ist the Love?“, die in England die Spitze der Charts erreichte.
   Papst Benedikt XVI. hat in einer Ansprache daran erinnert, dass Musik „Hoffnung in die menschliche Seele ein- gießt, die manchmal gezeichnet und verwundert ist durch die Bedingungen dieser Welt. Die Musik führt zum Aufbau einer Gesellschaft, die offen ist für die Ideale des Geistes.“
   Durch das Medium der Pop-Musik hofft Benedikt die jüngere Generation zu erreichen. Hal, vom Trio Ooberfüse, sagt:  “Ich denke, es geschieht zum ersten Mal in der Geschichte, dass ein regierender Papst die Pop-Kultur umarmt, um die christliche Botschaft von Liebe und Hoffnung zu verbreiten. Der Papst hat gesagt: ‚Über Jahrhunderte und Jahrtausende hat die Musik dazu gedient, auszudrücken, was durch Worte nicht erreicht werden kann.  Musik entfacht Emotionen, die sonst nicht zu vermitteln wären.‘ Wir hoffen, dass die Jugend durch unseren Beitrag eine neue Inspiration erhält, für eine Welt, die auf Gerechtigkeit und Solidarität gegründet ist.“ Die lead-Sängerin Cherrie fügt hinzu: „It’s really cool because the song Heart’s Cry matches the theme of the papal visit ‘Heart Speaks Unto Heart.” In einer Presse-Erklärung des Trio heißt es: „Wir sind überglücklich, dass die Bischöfe von England und Wales unseren Track für den Papstbesuch übernommen haben“.intern010907

be-143BirminghamNewm-z

Festmesse mit der Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman -
dem großen englischen Theologen vor 75.000 Menschen in Birmningham. Auf den Spuren eines Lehrers

Mit der Ehrung Kardinal Newmans beendete der Papst seinen Besuch in Großbritannien
   Die Seligsprechung des britischen Kardinals John Henry Newman war für Benedikt XVI. der Anlass für den ersten Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien seit dem Bruch des Königreiches mit Rom im Jahr 1534 gewesen. Die Messe dazu in Birmingham war für ihn der krönende Abschluss der Reise, die er als Staatsoberhaupt bei Köni- gin Elisabeth II. begonnen hatte und als Oberhirte seiner Weltkirche fortsetzte.
   Zu Beginn der Reise des Papstes schien es so, als wäre er in einem ihm weitgehend feindlich gesinnten Land eingetroffen - Intellektuelle hatten in einem offenen Brief gegen die Würdigung Benedikts als Staatsoberhaupt protestiert, etliche Demonstrationen waren angekündigt. Dann jedoch gewann der Papst vor allem die britische Jugend, nahm selbst anglikanische Geistliche für sich ein, und schließlich würdigte ihn auch die Presse. Für die Öffentlichkeit war das Treffen des Papstes mit fünf Missbrauchsopfern am Samstag ein Grund zum Meinungswandel. Bill Kilgallon, eines der Opfer, berichtete, ihn habe Benedikts Ernsthaftigkeit überzeugt. Der Papst habe Tränen in den Augen gehabt, als er sich bei den Opfern entschuldigte. Benedikt habe gutgeheißen, dass bei der Aufarbei- tung von den Gemeinden bis zu den Diözesen hinauf Geistliche, Unabhängige und staatliche Stellen kooperieren. Wichtig sei freilich auch die Entschädigung der Opfer - nicht um den unheilbaren Schaden gutzumachen, sondern um der Gerechtigkeit willen. Das Gespräch mit den Opfern habe länger gedauert als das Höflichkeitstreffen mit Premierminister David Cameron.
   Für die weitgehend anglikanische Öffentlichkeit war der gemeinsame Gottesdienst in Westminster Abbey, dem wichtigsten Ort der Staatskirche, am Freitag der Wendepunkt gewesen: der erste Gottesdienst mit einem Papst in dieser Kirche, die zwar einst dem Orden der Benediktiner gehört hatte, sich aber seit der Abspaltung von Rom gegen den Papismus definierte. Benedikt bekannte sich zu Freundschaft und Dialog mit den Anglikanern, forderte sie dazu auf, gemeinsam den Glauben zu bekennen und Christi Kirche ins Zentrum zu stellen. Viele Anglikaner sehen darin einen Hinweis darauf, dass sich der Papst als „Nachfolger Petri" selbst in die Mitte rücken wollte; denn Jesus hat nach der Überlieferung Petrus aufgefordert, diese Kirche aufzubauen und zu führen.
Fotos unten: Westminster Abbey

be-151-GB-WestmAbbey-z      be-150-GB-WestmAbbey-z

   Mit diesem unausgesprochenen Anspruch trat der Papst den verschiedenen anglikanischen Geistlichen in der Abtei entgegen, die sich dort zuhause fühlen, aber diverse Orientierungen vertreten und zum Teil so zerstritten sind, dass einige konservative Gruppen vielleicht den vom Papst 2009 angebotenen Weg der Ablösung gehen und mit ihrem Bischof zur katholischen Kirche „zurückkehren". Sie würden Newman folgen, der sich nach einem halben Le- ben als Anglikaner der apostolischen Tradition und dem Nachfolger Petri untergeordnet hatte, sprich: katholisch wurde.
   In seinem Abendgebet vor 80.000 Pilgern am Samstagabend im Londoner Hyde Park stellte der Papst diesen Newman ins Zentrum, als „Vorbild der Leidenschaft für die Wahrheit" und das Gewissen. Newman, der im Alter von 89 Jahren 1890 starb, sei ein Mann der Moderne gewesen. Seine Botschaft sei auch für die heutige Zeit gültig, sagte Benedikt weiter, in der „intellektueller und moralischer Relativismus" die „wahren Fundamente" der Gesell- schaft zu untergraben drohten. Der Papst verlangte von den Gläubigen Mut zum Martyrium. Heute werde man „für die Treue zum Evangelium nicht mehr gehängt", sagte er, aber häufig „lächerlich gemacht oder verspottet". Das hatten jene Pilger erleben müssen, die auf dem Weg zum Hyde Park auf einige tausend Anti-Papst-Demonstranten stießen. „Religion ist dumm", stand auf Plakaten der bunt gemischten Masse aus Atheisten, Humanisten und Laizisten, die auf ihrem Marsch vom Park zum Regierungsviertel gegen eine untergeordnete Rolle der Frauen in der Kirche, den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie die Ablehnung von Abtreibung und Verhütungsmitteln protestierten und eine kirchliche Doppelmoral anprangerten.
   Während seiner letzten Messe auf der Reise vor gut 55.000 Menschen zur Seligsprechung Newmans im Cofton Park von Birmingham - erinnerte der deutsche Papst zunächst an den siebzigsten Jahrestag der Luftschlacht über England. Er beklagte „beschämt und entsetzt" das Leid und die Zerstörung, die deutsche Bomben im nahegelegenen Coventry anrichteten, und forderte dazu auf, für Frieden und Versöhnung einzutreten. Bei dem Bombardement 1940 starben fast 600 Menschen, die Altstadt brannte aus und nur die Außenmauern der Kathedrale blieben stehen.
   Der Papst würdigte Newmans Rolle als Lehrer. Joseph Ratzinger selbst hatte dessen Schriften 1946 als Seminarist kennengelernt und war - nach seinem Vorwort für Newmans deutsche Ausgabe der Autobiographie „Apologia pro vita sua" von 1990 - vor allem von dessen Lehre zum Gewissen in den Bann gezogen worden. „Wir hatten den Anspruch einer totalitären Partei erlebt, die sich selbst als Erfüllung der Geschichte verstand", schrieb Kardinal Ratzinger damals und zitierte zur Veranschaulichung einen NS-Führer: „Ich habe kein Gewissen. Mein Gewissen ist Adolf Hitler."
   So sei es für ihn als Seminaristen befreiend gewesen, „dass das ‚Wir' der Kirche nicht auf dem Auslöschen des Gewissens beruhte". Weil Newman den Menschen „vom Gewissen her, das heißt im Gegenüber von Gott und Seele deutete, war aber auch klar, dass dieser Personalismus kein Individualismus ist und diese Bindung an das Gewissen nicht Freigabe in die Beliebigkeit", schrieb Ratzinger. Von Newman her habe er damals selbst den Primat des Papstes verstanden, der in seiner apostolischen Nachfolge Christi und Petri Gesetzgeber und Richter sei. In der „Apologia" vollzieht Newman seinen langen Weg zur Anerkennung dieses Primats nach. Darin heißt es dann auch, er würde zunächst stets einen Toast auf das Gewissen, dann erst auf den Papst ausbringen.

be-146-diakJackSullivan-xx     Diakon Jack Sullivan

   Bei der Eucharistiefeier in Birmingham verwendete Benedikt einen Kelch aus dem Eigentum des neuen Seligen. Das Evangelium trug der 71 Jahre alte Diakon Jack Sullivan Foto. Er war nach Gebeten zu Newman von einer Wirbelsäulenerkrankung gesundet, die von der Kirche als unerklärliche Genesung, mithin als Wunder anerkannt worden war, eine Voraussetzung für eine Seligsprechung.
   Der Papst sagte bei der Messe: „Der Kardinal erinnert uns daran, dass die Treue zum Gebet uns allmählich verwandelt und Gott ähnlich werden lässt." Benedikt nannte Newman einen „Vater der Seelen". So wie Newman Ratzinger als Seminaristen belehrt und beseelt hatte, könnte der katholische Kirchenlehrer Newman heute Weg- bereiter jener Anglikaner werden, die zum Katholizismus konvertieren wollen.
   Auf den verregneten Straßen Birminghams jubelten die Massen dem Papst zu; er verließ sein Automobil und segnete Jung und Alt. Wie verjüngt wirkte Benedikt XVI. am Abend vor seiner Rückkehr nach Rom. Vatikansprecher Federico Lombardi nannte den Besuch nüchtern einen „spirituellen Erfolg". FAZ100920JörgBremer

be-144HydePark-z

   Wenn Sie mehr über die schwierige Situtation der anglikanischen Weltgemeinschaft, deren Oberhaupt die Königin von England ist, lesen wollen: > Anglikaner Einen ausführlichen Bericht über das Leben und Wirken von Kardinal John Henry Newman finden Sie auf unserer Seite > Heilige - ? Dort lesen Sie auch die Nachricht von einem zweiten Heilungswunder auf die Fürbitte von John Henry Newman.
   In der Westminster Hall hielt der Papst eine Ansprache an das britische Volk und seine Vertreter über den der Religion zukommende Platz im politischen Leben. Lesen Sie selbst > Menschenrechte Über die beiden Weltstar- Sängerinnen Susan Boyle und Michelle Mc Manus, die in der Freiluftmesse in Glasgow auftraten berichten wir unter > Liebst du mich?

B-349xxx

Hirtenbrief des Heiligen Vaters: Papst Benedikt XVI. an die Katholiken in Irland

    1. Liebe Schwestern und Brüder, mit großer Sorge schreibe ich euch als Hirt der weltweiten Kirche. Wie Euch haben auch mich die Informationen über den Missbrauch an Kindern und Schutzbefohlenen durch Mitglieder der Kirche Irlands, besonders durch Priester und Ordensleute, sehr beunruhigt. Ich kann die Bestürzung und das Gefühl des Vertrauensbruchs nur teilen, das so viele von euch beim Erfahren dieser sündhaften und kriminellen Taten und der Art der Autoritäten der Kirche, damit umzugehen, erfahren haben.
   Wie ihr wisst habe ich erst kürzlich die irischen Bischöfe zu einem Treffen hier in Rom eingeladen, dass sie über ihren Umgang mit diesen Angelegenheiten in der Vergangenheit berichten und um die Schritte aufzuzeigen, die sie unternommen haben, um auf diese schwerwiegende Situation zu reagieren. Gemeinsam mit höheren Verantwortlichen der römischen Kurie habe ich gehört, was sie, sowohl einzeln als auch als Gruppe, zu der Analyse der begangenen Fehler und der gelernten Lektionen, als auch in der Darstellung der Programme und jetzt geltenden Richtlinien zu sagen hatten. Unsere Diskussionen waren offen und konstruktiv. Ich bin zuversichtlich, dass resultierend aus diesen Gesprächen die Bischöfe nun besser in der Lage sind, die Aufgabe zu übernehmen, die vergangenen Ungerechtigkeiten wieder gut zu machen und das weitergehende Thema des Missbrauchs an Minderjährigen in einer Weise anzugehen, die den Anforderungen der Justiz und der Lehre des Evangeliums entspricht.
    2. Die Schwere der Vergehen und die oftmals unangemessenen Reaktion der kirchlichen Autoritäten in eurem Land erwägend habe ich entschieden, diesen Hirtenbrief zu schreiben, um meine Nähe zu euch auszudrücken und einen Weg der Heilung, der Erneuerung und der Wiedergutmachung vorzuschlagen.
   Wie viele in Eurem Land betont haben: es ist wahr, dass das Problem des Missbrauchs von Kindern weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches ist. Trotzdem ist Eure Aufgabe nun, das Problem des Missbrauchs aufzuarbeiten, das in der irischen katholischen Gemeinschaft entstanden ist, und dies mit Mut und Bestimmtheit zu tun. Niemand erwartet, dass diese schmerzhafte Situation sich schnell lösen lässt. Wirklicher Fortschritt ist gemacht worden, aber es bleibt noch viel zu tun. Durchhaltevermögen und Gebet sind nötig, mit großem Vertrauen in die heilende Kraft der Gnade Gottes.
   Gleichzeitig muss ich aber auch meine Überzeugung mitteilen, dass die Kirche in Irland, um von dieser tiefen Wunde zu genesen, die schwere Sünde gegen schutzlose Kinder vor Gott und vor anderen offen zugeben muss. Solch eine Anerkennung, begleitet durch ernste Reue für die Verletzung dieser Opfer und ihrer Familien, muss zu einer gemeinsamen Anstrengung führen, um den Schutz von Kindern vor ähnlichen Verbrechen in der Zukunft sicher zu stellen.
 Da Ihr nun die Herausforderungen des Augenblicks auf euch nehmt bitte ich euch, „blickt auf den  Felsen, aus dem ihr herausgehauen seid“ Jesaja 51,1. Bedenkt den großherzigen und oft heroischen Beitrag, den vergangene Generationen irischer Männer und Frauen für die Kirche und die ganze Menschheit geleistet haben. Lasst Euch das Ansporn sein für eine ehrliche Selbstbetrachtung und ein engagiertes Programm kirchlicher und persönlicher Erneuerung. Ich bete dafür, dass die Kirche in Irland, durch den Beistand der vielen Heiligen und gereinigt durch Reue, die augenblickliche Krise überwindet und erneut ein Zeuge für die Wahrheit und die Güte des allmächtigen Gottes wird, die sich zeigt in seinem Sohn Jesus Christus.
   3. In der Geschichte waren die Katholiken Irlands immer eine starke Kraft für das Gute, in der Heimat und außerhalb. Keltische Mönche wie der heilige Kolumban haben das Evangelium in Westeuropa verbreitet und das Fundament für die mittelalterliche Klosterkultur gelegt. Die Ideale von Heiligkeit, Nächstenliebe und transzendenter Weisheit, geboren aus dem christlichen Glauben, fanden ihren Ausdruck in den Kirchen und Klöstern, in den Schulen, Bibliotheken und Hospitälern, die alle daran mitwirkten, die geistige Identität Europas zu festigen. Diese irischen Missionare haben ihre Stärke aus dem festen Glauben, der starken Leitung und der aufrechtem Verhalten der Kirche in ihrem Mutterland gewonnen.
   Beginnend mit dem 16. Jahrhundert haben die Katholiken in Irland eine lange Zeit der Verfolgung erdulden müssen, während derer sie sich mühten, die Flamme des Glaubens unter gefährlichen und schwierigen Umständen lebendig zu halten. Der Heilige Oliver Plunkett, der Märtyrerbischof von Armagh, ist das berühmteste Beispiel einer ganzen Schar von mutigen Söhnen und Töchtern Irlands, die bereit waren, ihr Leben aus Treue zum Evangelium hinzugeben. Nach der katholischen Emanzipation war die Kirche frei, neu zu wachsen. Familien und zahllose Einzelne, die den Glauben in Zeiten der Prüfung erhalten haben, wurden zum Auslöser für das große Wiederaufleben des irischen Katholizismus im 19. Jahrhundert. Die Kirche bot Bildung, besonders für die Armen, und leistete dadurch ihren Beitrag zur Gesellschaft Irlands. Zu den Früchten des Wachsens der neuen katholischen Schulen gehörte eine Zunahme in Berufungen: Generationen von Missionaren, Schwestern und Brüdern, haben ihr Heimatland verlassen um auf allen Kontinenten zu dienen, besonders in der englischsprachigen Welt. Bemerkenswert waren nicht nur ihre große Zahl, sondern auch die Stärke ihres Glaubens und die Standhaftigkeit ihres pastoralen Engagements. Viele Bistümer, besonders in Afrika, Amerika und Australien, haben von der Präsenz irischer Geistlicher und Ordensleute profitiert, die das Evangelium verkündeten und Pfarreien, Schulen, Universitäten und Krankenhäuser gründeten, die sowohl den Katholiken als auch der gesamten Gesellschaft dienten, mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der Armen.
   In fast jeder Familie in Irland gibt es jemanden – einen Sohn oder eine Tochter, einen Onkel oder eine Tante – der sein Leben der Kirche gegeben hat. Irische Familien würdigen und schätzen zu Recht die Ihren, die ihr Leben Christus geweiht haben, die das Geschenk des Glaubens mit anderen Teilen und aus diesem Glauben Taten folgen lassen, in liebendem Dienst an Gott und dem Nächsten.
   4. In den vergangenen Dekaden hatte die Kirche in Eurem Land jedoch neue und schwere Herausforderungen für den Glauben durch die rasche Transformation und Säkularisierung der irischen Gesellschaft zu bestehen. Der schnelllebige soziale Wandel hat oft genug das traditionelle Festhalten der Menschen an den katholischen Lehren und Werten beeinträchtigt. Viel zu oft wurden die sakramentalen und andächtigen Gebräuche vernachlässigt, die den Glauben erhalten und ihm erlauben, zu wachsen, wie etwa die regelmäßige Beichte, das tägliche Gebet und jährliche Einkehrtage. Bedeutsam war während dieser Zeit ebenfalls die Tendenz vieler Priester und Ordensleute, Weisen des Denkens und der Einschätzung säkularer Realitäten ohne ausreichenden Bezug zum Evangelium zu übernehmen. Das Programm der Erneuerung, das das Zweite Vatikanische Konzil vorgelegt hat, wurde häufig falsch gelesen;  im Licht des tiefen sozialen Wandels war es schwer, die richtigen Weisen der Umsetzung zu finden. Es gab im Besonderen die wohlmeinende aber fehlgeleitete Tendenz, Strafen für kanonisch irreguläre Umstände zu vermeiden. In diesem Gesamtkontext müssen wir das verstörende Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu verstehen versuchen, das nicht wenig zur Schwächung des Glaubens und dem Verlust des Respekts vor der Kirche und ihre Lehren beigetragen hat.
   Nur durch sorgfältige Prüfung der vielen Faktoren die zum Entstehen der augenblicklichen Krise geführt haben kann eine klare Diagnose ihrer Gründe unternommen und können wirkungsvolle Abhilfemaßnahmen gefunden werden. Sicherlich können wir zu den entscheidenden Faktoren hinzuzählen: unangemessene Verfahren zur Feststellung der Eignung von Kandidaten für das Priesteramt und das Ordensleben; nicht ausreichende menschliche, moralische, intellektuelle und geistliche Ausbildung in Seminarien und Noviziaten; eine Tendenz in der Gesellschaft, den Klerus und andere Autoritäten zu favorisieren; und eine fehlgeleitete Sorge für den Ruf der Kirche und die Vermeidung von Skandalen, die zum Versagen in der Anwendung bestehender kanonischer Strafen und im Schutz der Würde jeder Person geführt hat. Es muss dringend gehandelt werden um diese Faktoren anzugehen, die so tragische Konsequenzen in den Leben von Opfern und ihrer Familien hatten und die das Licht des Evangeliums in einer solchen Weise verdunkelt haben, wie es noch nicht einmal Jahrhunderten der Verfolgung gelungen ist.
  5. Bereits mehrfach seit meiner Wahl auf den Stuhl Petri habe ich Opfer sexuellen Missbrauchs getroffen und ich bin bereit, das auch in Zukunft zu tun. Ich habe mit ihnen zusammen gesessen, habe ihre Geschichten gehört, ihr Leiden wahrgenommen und ich habe mit ihnen und für sie gebetet. Schon früher in meinem Pontifikat habe ich in meiner Sorge diese Frage anzusprechen, die Bischöfe Irlands aufgefordert, „die Wahrheit dessen, was in der Vergangenheit geschehen ist, festzustellen, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, damit das nie wieder geschehen kann, sicherzustellen, dass die Vorgaben der Justiz voll eingehalten werden und, am wichtigsten, den Opfern und allen von diesen ungeheuerlichen Verbrechen Betroffenen Heilung zu bringen“ Ansprache an die Bischöfe von Irland während des Ad Limina Besuchs, 28. Oktober 2006.
   Mit diesem Brief möchte ich euch alle, das Volk Gottes in Irland, ermahnen, die Wunden am Körper Christi zu betrachten. Betrachtet aber auch die manchmal schmerzhaften Heilmittel, die wir brauchen, um diese Wunden zu binden und zu heilen, und ebenfalls die Notwendigkeit der Einheit, der Nächstenliebe und der gegenseitigen Unterstützung in einem langwierigen Prozess der Wiederherstellung und kirchlicher Erneuerung. Ich wende mich nun an euch mit Worten, die von Herzen kommen und ich möchte zu euch einzeln und zu euch allen gemeinsam als Brüder und Schwestern im Herrn sprechen.
   6. An die Opfer des Missbrauchs und ihre Familien.
 Ihr habt viel gelitten und ich bedaure das aufrecht. Ich weiß, dass nichts das Erlittene ungeschehen machen kann. Euer Vertrauen wurde verraten und eure Würde wurde verletzt. Viele von Euch mussten erfahren, dass, als Ihr den Mut gefunden habt, über das zu sprechen, was euch zugestoßen ist, Euch niemand zugehört hat. Diejenigen von euch, denen das in Wohnheimen und Internaten geschehen ist, müssen gefühlt haben, dass es kein Ent- kommen gibt aus Eurem Leid. Es ist verständlich, dass es schwer für Euch ist, der Kirche zu vergeben oder sich mit ihr zu versöhnen. Im Namen der Kirche drücke ich offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen. Gleichzeitig bitte ich Euch, die Hoffnung nicht aufzugeben. In der Gemeinschaft der Kirche begegnen wir Christus, der selbst ein Opfer von Ungerechtigkeit und Sünde war. Wie ihr trägt er immer noch die Wunden seines eigenen ungerechten Leidens. Er versteht die Tiefe eures Leides und die fortdauernden Auswirkungen auf Euer Leben und Eure eigenen Beziehungen, eingeschlossen Eure Beziehung zur Kirche. Ich weiß, dass es einigen von euch schwer fällt durch die Türen der Kirche zu gehen nach allem, was passiert ist. Aber Christi eigene Wunden, verwandelt durch sein erlösendes Leiden, sind der Weg, durch den die Macht des Bösen gebrochen wird und wir zu Leben und Hoffnung wiedergeboren sind. Ich glaube zutiefst, dass diese heilende Kraft der aufopfernden Liebe Befreiung und die Verheißung eines Neuanfangs bringt – sogar in den dunkelsten und hoffnungslosesten Situationen.
   Ich spreche zu Euch als Hirte, der sich um das Wohl aller Kinder Gottes sorgt und bitte Euch, zu bedenken, was ich gesagt habe. Ich bete, dass durch die Annäherung an Christus und durch die Teilnahme am Leben seiner Kirche – einer Kirche gereinigt durch Buße und erneuert in Nächstenliebe – Ihr die unermessliche Liebe Christi für jeden von Euch wiederentdecken könnt. Ich bin zuversichtlich, dass Ihr auf diese Weise Versöhnung, tiefe innere Heilung und Frieden finden könnt.
   7. An die Priester und Ordensleute, die Kinder missbraucht haben.
   Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in Euch gesetzt wurde, verraten und Ihr müsst Euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten. Ihr habt die Achtung der Menschen Irlands verspielt und Schande und Unehre auf Eure Mitbrüder gebracht. Die Priester unter Euch haben die Heiligkeit des Weihesakraments verletzt, in dem Christus sich selbst in uns und unseren Handlungen gegenwärtig macht. Gemeinsam mit dem immensen Leid, das Ihr den Opfern angetan habt, wurde die Kirche und die öffentlichen Wahrnehmung des Priestertums und des Ordensleben beschädigt.
   Ich mahne Euch, Euer Gewissen zu erforschen, Verantwortung für die begangenen Sünden zu übernehmen und demütig Euer Bedauern auszudrücken. Ehrliche Reue öffnet die Tür zu Gottes Vergebung und die Gnade ehrlicher Besserung. Durch Gebet und Buße für die, denen Ihr Unrecht getan habt, sollt ihr persönlich für Euer Handeln Sühne leisten. Christi erlösendes Opfer hat die Kraft, sogar die größte Sünde zu vergeben und Gutes sogar aus dem schlimmsten Übel wachsen zu lassen. Gleichzeitig ruft uns Gottes Gerechtigkeit dazu auf, Rechenschaft über unsere Taten abzulegen und nichts zu verheimlichen. Erkennt Eure Schuld öffentlich an, unterwerft Euch der Rechtsprechung, aber verzweifelt nicht an der Gnade Gottes.
   8. An die Eltern.
   Ihr seid zutiefst entsetzt über die furchtbaren Dinge, die an den Orten stattgefunden haben, die eigentlich die sichersten und sorgenfreiesten Orte hätte sein sollen. Es ist heute nicht einfach, ein Zuhause zu bilden und Kinder zu erziehen. Sie verdienen es, sicher aufzuwachsen, geliebt und geschätzt mit einem starken Gefühl ihrer Identität und ihres Wertes. Sie haben das Recht, mit authentischen moralischen Werten erzogen zu werden, zutiefst in der Menschenwürde verankert. Sie haben das Recht, inspiriert zu werden durch die Wahrheit unseres katholischen Glaubens und Weisen des Verhaltens und Handelns zu erlernen, die zu einem gesunden Selbstwert und zu dauerhaftem Glück führen. Diese noble aber auch anspruchsvolle Aufgabe ist zuallererst Euch anvertraut, den Eltern. Ich bitte Euch dringend, Eure Rolle bei der Gewährleistung der besten möglichen Fürsorge für die Kinder sowohl zu Hause als auch in der Gesellschaft zu spielen, während die Kirche ihre Rolle wahrnimmt und weiter die Maßnahmen der letzten Jahre umsetzt um junge Menschen in Pfarreien und Schulen zu schützen. Während Ihr Eure lebenswichtige Verantwortung wahrnehmt möchte ich Euch versichern, dass ich Euch nahe bin und die Unterstützung meiner Gebete anbiete.
   9. An die Kinder und die Jugend Irlands.
   Euch möchte ich ganz besonders ermutigen. Eure Erfahrung der Kirche ist sehr unterschiedlich von der Eurer Eltern und Großeltern. Die Welt hat sich sehr geändert seit sie in Eurem Alter waren. Trotzdem sind alle Menschen aller Generationen dazu berufen, denselben Weg durchs Leben zu gehen, gleich unter welchen Umständen. Wir sind alle skandalisiert von den Sünden und dem Versagen von einigen Mitgliedern der Kirche, besonders durch die derer, die eigens dazu ausgesucht waren, jungen Menschen zu dienen und sie anzuleiten. Aber es ist die Kirche, in der Ihr Christus findet, der derselbe ist, gestern, heute und morgen Hebräerbrief 13:8. Er liebt Euch und er hat sich am Kreuz für Euch hingegeben. Sucht eine persönliche Beziehung zu ihm in der Gemeinschaft der Kirche, denn er wird nie Euer Vertrauen missbrauchen! Er allein kann Eure tiefsten Sehnsüchte erfüllen und Eurem Leben den vollen Sinn geben dadurch, dass er es zum Dienst am Nächsten lenkt. Haltet Eure Augen auf Jesus und seine Güte gerichtet und schützt die Flamme des Glaubens in Eurem Herzen. Gemeinsam mit den übrigen Gläubigen in Irland sehe ich in Euch treue Jünger unseres Herrn; bringt den nötigen Enthusiasmus und Idealismus zum Neuaufbau und der Erneuerung Eurer geliebten Kirche.
   10. An die Priester und Ordensleute in Irland.
   Wir alle leiden als Folge der Sünden unserer Mitbrüder, die das heilige Vertrauen missbraucht haben oder versagt haben, gerecht und verantwortungsvoll mit den Missbrauchsvorwürfen umzugehen. In der Wut und der Empörung die das alles nicht nur unter den Gläubigen sondern auch unter Euch und in den Ordensgemeinschaften hervorgerufen hat, fühlen sich viele von Euch mutlos oder sogar verlassen. Mir ist ebenfalls bewusst, dass in den Augen vieler Ihr durch die Nähe zu den Tätern einen Makel tragt und als irgendwie verantwortlich für die Verbrechen anderer gesehen werdet. In dieser schmerzlichen Zeit möchte ich Eure Hingabe an das Priestertum und das Apostolat würdigen und Euch einladen, Euren Glauben in Christus zu festigen, Eure Liebe zu seiner Kirche und Euer Vertrauen in die Verheißung des Evangeliums auf Erlösung, Vergebung und innere Erneuerung. Auf diese Weise werdet ihr aufzeigen, dass da, wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß wurde Römerbrief 5:20.
   Ich weiß, dass viele von Euch von der Art und Weise, wie diese Dinge von Euren Oberen behandelt wurden, enttäuscht, verwirrt und verärgert sind. Trotzdem ist es wesentlich, dass Ihr eng mit den Autoritäten kooperiert und helft,  dass die Maßnahmen zur Bewältigung der Krise wirklich dem Evangelium gemäß, gerecht und effektiv sind. Vor allem aber bitte ich Euch, immer mehr Männer und Frauen des Gebets zu werden, die mutig dem Weg der Bekehrung, Reinigung und Versöhnung gehen. Auf diese Weise wird die Kirche in Irland neues Leben und neue Dynamik aus Eurem Zeugnis für Gottes erlösende Kraft, die in Eurem Leben sichtbar wird, schöpfen.
   11. An meine Mitbrüder im Bischofsamt.
    Es kann nicht geleugnet werden, dass einige von Euch und von Euren Vorgängern bei der Anwendung der seit langem bestehenden Vorschriften des Kirchenrechts zu sexuellem Missbrauch von Kindern versagt haben. Schwere Fehler sind bei der Behandlung von Vorwürfen gemacht worden. Ich erkenne an, dass es schwer war, die Komplexität und das Ausmaß des Problems zu erkennen, gesicherte Informationen zu erlangen und die richtigen Entscheidungen bei widersprüchlichen Expertenmeinungen zu treffen. Trotzdem muss zugegeben werden, dass schwerwiegende Fehlurteile getroffen wurden und Fehler in der Leitung vorkamen. Dies alles hat Eure Glaubwürdigkeit und Effektivität untergraben. Ich erkenne Eure Bemühungen an, vergangene Fehler wieder gut zu machen und zu garantieren, dass sie nicht wieder passieren. Abgesehen von der vollständigen Umsetzung der Normen des Kirchenrechts im Umgang mit Fällen von Kindesmissbrauch: kooperiert weiter mit den staatlichen Behörden in ihrem Bereich. Für die Ordensoberen gilt dasselbe. Sie haben ebenfalls an Diskussionen hier in Rom teilgenommen, um einen eindeutigen und klaren Weg zum Umgang in dieser Angelegenheit zu entwickeln. Es ist zwingend erforderlich, dass die Normen der Kirche in Irland zum Schutz von Kindern kontinuierlich überprüft und aktualisiert werden und dass sie vollständig und unabhängig in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht angewandt werden.
   Ausschließlich entschiedene Handlungsweisen, umgesetzt in voller Aufrichtigkeit und Transparenz, wird den Respekt und den guten Willen des irischen Volks der Kirche gegenüber, der wir unser Leben geweiht habt, wiedergewinnen. Das muss zuallererst aus Eurer Selbsterforschung, aus innerer Reinigung und geistlicher Erneuerung kommen. Die Menschen Irlands erwarten zu Recht, dass Ihr Menschen Gottes seid, dass Ihr gottgefällig und einfach lebt und täglich die persönliche Bekehrung erstrebt. Für sie – in den Worten des heiligen Augustinus – seid Ihr Bischof; aber gemeinsam mit ihnen seid Ihr berufen, Christus nachzufolgen Sermon 340,1. Ich ermahne Euch deswegen, Euren Sinn für die Rechenschaftspflicht vor Gott zu erneuern, in der Solidarität mit Eurem Volk zu wachsen und die pastorale Sorge für alle Mitglieder Eurer Herde zu vertiefen. Besonders fordere ich Euch auf, achtsam zu sein für die geistlichen und moralischen Bedürfnisse jedes einzelnen Eurer Priester. Gebt ihnen durch Euer eigenes Leben ein Beispiel, seit ihnen nahe, hört auf ihre Anliegen, bietet Ermutigung in dieser schwierigen Zeit und nährt die Flamme ihrer Liebe zu Christus und ihr Engagement für den Dienst an ihren Brüdern und Schwestern.
  Die Gläubigen sollen ebenfalls ermutigt werden, ihre eigene Rolle im Leben der Kirche zu spielen. Sorgt dafür, dass sie so ausgebildet sind, dass sie eine verständliche und überzeugende Darstellung des Evangeliums in mitten der modernen Gesellschaft geben können 1. Petrusbrief 3,15 und vollständiger mit dem Leben und dem Auftrag der Kirche kooperieren. Dies wird umgekehrt Euch helfen, wieder glaubwürdige Obere und Zeugen der erlösenden Wahrheit Christi zu werden.
   12. An alle Gläubigen Irlands.
   Die Erfahrung der Kirche eines jungen Menschen sollte immer aus einer persönlichen und Leben spendenden Begegnung mit Jesus Christus in einer liebenden, nährenden Gemeinschaft Frucht bringen. In dieser Umgebung sollten junge Menschen ermutigt werden, ihre menschliche und geistliche Gestalt voll zu entwickeln, das hohe Ideal der Heiligkeit, der Nächstenliebe und der Wahrheit anzustreben, und von den Reichtümern der kulturellen und religiösen Tradition inspiriert zu sein. In unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, in der selbst wir Christen es oft schwer finden, über die transzendente Dimension unserer Existenz zu sprechen, müssen wir neue Wege finden, jungen Menschen die Schönheit und den Reichtum der Freundschaft mit Christus in der Gemeinschaft der Kirche nahe zu bringen. Für die Bewältigung der gegenwärtigen Krise sind Maßnahmen, die gerecht mit individuellem Unrecht umgehen, unerlässlich, aber allein für sich sind sie nicht ausreichend: wir brauchen eine neue Vision, um zukünftige Generationen zu inspirieren, das Geschenk unseres gemeinsamen Glaubens zu schätzen. Indem Ihr den Weg des Evangeliums geht, durch das Halten der Gebote und dadurch, dass Ihr Euer Leben immer mehr in Übereinstimmung mit dem Leben Jesu Christi bringen, werdet Ihr sicher die tiefe Erneuerung erfahren, die wir in dieser Zeit so dringend brauchen. Ich lade Euch ein, auf diesem Weg beständig zu sein.
   13. Liebe Brüder und Schwestern in Christus, ich wollte Euch diese Worte der Ermutigung und Unterstützung aus meiner Fürsorge für Euch alle in dieser schmerzvollen Zeit, in der die Zerbrechlichkeit des menschlichen Wesens so deutlich offenbar geworden ist, schreiben. Ich hoffe, dass Ihr sie als Zeichen meiner geistlichen Nähe und meiner Zuversicht in Eure Fähigkeit empfangt, den Herausforderungen der Stunde dadurch zu begegnen, dass Ihr erneuerte Inspiration und Stärke aus Irlands nobler Tradition der Treue zum Evangelium empfangt, Ausdauer im Glauben und Beharrlichkeit im Erstreben von Heiligkeit. In Solidarität mit Euch allen bete ich, dass mit Gottes Gnade die Wunden, die so viele Einzelne und Familien verletzt haben, heilen und dass die Kirche in Irland eine Zeit der Wiedergeburt und der geistlichen Erneuerung erfahre.
   14. Ich möchte Euch nun auch einige konkrete Initiativen zum Umgang mit der Situation vorschlagen.
Am Ende meines Treffens mit den irischen Bischöfen habe ich darum gebeten, dass diese Fastenzeit reserviert wird für das Gebet um das Ausgießen der Barmherzigkeit Gottes und der Geistesgaben der Heiligkeit und Stärke über der Kirche in Eurem Land. Ich lade Euch alle ein, die Freitagsbuße für die Dauer eines Jahres bis Ostern 2011 dieser Intention zu widmen. Ich bitte Euch, Euer Fasten, Euer Gebet, Eure Schriftlesung und Eure Werke der Nächstenliebe dem zu widmen, damit Ihr so die Gnade der Heilung und der Erneuerung für die Kirche in Irland erlangt. Ich ermutige Euch, aufs Neue das Sakrament der Versöhnung für Euch zu entdecken und häufiger die verwandelnde Kraft seiner Gnade zu nutzen.
   Besondere Aufmerksamkeit sollte ebenfalls der eucharistischen Anbetung zuteil werden; in jedem Bistum soll es Kirchen oder Kapellen geben, die speziell diesem Zweck gewidmet sind. Ich fordere Pfarreien, Seminarien, Ordenshäuser und Klöster dazu auf, Zeiten eucharistischer Anbetung zu organisieren, so dass sich alle beteiligen können. Durch intensives Gebet vor dem anwesenden Herrn könnt Ihr Wiedergutmachung leisten für die Sünde des Missbrauchs, die so viel Schaden angerichtet hat. Gleichzeitig könnt Ihr so die Gnade neuer Stärke erflehen und einen tieferen Sinn des Auftrags aller Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen.
   Ich bin zuversichtlich, dass dieses Unterfangen zu einer Neugeburt der Kirche in Irland führen in der Fülle von Gottes Wahrheit führen wird, denn es ist die Wahrheit, die uns frei macht Johannesevangelium 8:32.
   Darüber hinaus, nachdem ich darüber beraten und gebetet habe, habe ich vor, eine Apostolische Visitation einiger Bistümer Irlands abzuhalten, ebenso von Seminarien und Ordensgemeinschaften. Absprachen für diese Visitation, die der Ortskirche auf ihrem Weg der Erneuerung helfen soll, werden in Absprache mit den zuständigen Büros der römischen Kurie und der irischen Bischofskonferenz getroffen. Die Einzelheiten werden  zu gegebener Zeit bekannt gegeben.
   Ich schlage ebenfalls eine gemeinsame Mission in ganz Irland für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute vor. Es ist meine Hoffnung, dass durch das Nutzen der Expertise erfahrener Prediger und Exerzitienbegleiter von Irland und andernorts und durch das erneute Studium der Dokumente des Konzils, der liturgischen Riten von Weihe und Profess und der neueren päpstlichen Lehren, Ihr zu einem tieferen Verständnis für Eure jeweilige Berufung kommt, um so die Wurzeln Eures Glaubens in Jesus Christus wieder zu entdecken und aus dem Quell des lebendigen Wassers zu trinken, den er Euch durch seine Kirche bietet.
   In diesem Jahr des Priesters empfehle ich Euch ganz besonders den heiligen > Jean-Marie Vianney, der ein reiches Verständnis des Mysteriums des Priestertums hatte. Er schrieb: „der Priester hält den Schlüssel zu den Schätzen des Himmels: er ist es, der die Tür öffnet: er ist der Statthalter des guten Herrn; der Verwalter seiner Güter.“ Der Pfarrer von Ars verstand sehr gut, wie gesegnet eine Gemeinschaft ist, wenn ihr von einem guten und heiligen Priester gedient wird: „ein guter Hirte, ein Hüter nach Gottes Herzen, ist der größte Schatz, den Gott einer Ge- meinde schenken kann und eines der wertvollsten Geschenke göttlicher Gnade.“ Durch die Fürsprache des heiligen Jean-Marie Vianney möge das Priestertum in Irland neu belebt werden und möge die ganze Kirche in Irland wachsen in Wertschätzung für das große Geschenk des priesterlichen Dienstes.
   An dieser Stelle möchte ich denen im voraus danken, die an der Aufgabe der Organisation der Apostolischen Visitation und der Mission beteiligt sind, und genauso den vielen Männern und Frauen in ganz Irland, die schon heute für den Schutz von Kindern im kirchlichen Umfeld arbeiten. Seit der Zeit, als wir begonnen haben, die Schwere und das Ausmaß des Problems zu verstehen, hat die Kirche eine ungemein große Anstrengung in vielen Teilen der Welt geleistet, um sich dem zu stellen und um Abhilfe zu schaffen. Auch wenn keine Anstrengung aufgespart werden sollte, die Verfahren zu verbessern und zu aktualisieren, bin ich doch ermutigt durch die Tatsache, dass die augenblicklichen Verfahren zur Absicherung, die die Kirche eingeführt hat, in einigen Teilen der Welt als vorbildlich für andere Institutionen angesehen werden.
   Ich möchte diesen Brief mit einem besonderen Gebet für die Kirche in Irland beenden, das ich Euch mit der besonderen Sorge des Vaters für seine Kinder und der Zuneigung eines Mitchristen sende, der skandalisiert und verletzt ist durch das, was in unserer geliebten Kirche geschehen ist. Wenn Ihr es in Euren Familien, Pfarreien und Gemeinschaften betet, möge die selige Jungfrau Maria jeden von Euch schützen und leiten zu einer engeren Ver- bindung mit ihrem Sohn, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Mit großer Zuneigung und unentwegter Zuversicht in Gottes Zusage sende ich Euch herzlich meinen apostolischen Segen als eine Zusage von Stärke und Frieden im Herrn.
                             Sign-B-
Aus dem Vatikan, 19. März 2010, am Hochfest des heiligen Josef 

Gebet für die Kirche in Irland

Gott unserer Väter,
erneuere uns im Glauben, der unser Leben und unsere Rettung ist,
in der Hoffnung, die uns Vergebung und innere Erneuerung verheißt,
in der Nächstenliebe, die uns reinigt und unsere Herzen öffnet,
dass wir dich lieben und in dir jeden unserer Brüder und Schwestern.
Herr Jesus Christus,
möge die Kirche in Irland ihre uralte Hingabe
an die Bildung für junge Menschen zu Wahrheit und Güte,
Heiligkeit und freizügigem Dienst an der Gesellschaft erneuern.
Heiliger Geist, Tröster, Anwalt und Lenker,
erwecke einen neuen Frühling der Heiligkeit und apostolischen Eifers
für die Kirche in Irland
Mögen unser Leid und unsere Tränen,
unsere ernsten Anstrengungen, vergangene Untaten wieder gut zu machen,
und unsere feste Absicht der Besserung
eine reiche Ernte der Gnade tragen
für die Vertiefung des Glaubens
in unseren Familien, Pfarreien, Schulen und Gemeinschaften,
für den geistlichen Fortschritt der irischen Gesellschaft,
und das Wachsen in Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Freude und Frieden,
in der gesamten Menschheitsfamilie.
Dir, dreieiniger Gott,
vertrauend auf den liebenden Schutz Mariens,
Königin Irlands, unserer Mutter,
und des heiligen Patrick, der heiligen Brigid und aller Heiligen,
vertrauen wir dir uns, unsere Kinder,
und die Nöte der Kirche in Irland an.
Amen

                                                                            © Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana

Dominik Duka - neuer Erzbischof von Prag  ep-aepDominikDuka-xxx

Katholiken hoffen nun auf bessere Beziehungen zum Staat

   Der neue Prager Erzbischof ist der 66 Jahre alte Dominikaner Dominik Duka, bisher Bischof von Königgrätz (Hradec Králové). Papst Benedikt XVI.  hat den bereits vor zwei Jahren angebotenen Rücktritt von Miroslav Kardi- nal Vlk aus Altersgründen angenommen. Der Tradition folgend wurde der Name seines Nachfolgers gleichzeitig zugleich in Rom und in Prag bekanntgegeben. Die feierliche Einsetzung im Rahmen eines Festgottesdienstes im Veitsdom soll bald stattfinden, ein genaues Datum wurde bisher nicht genannt.
   Die Ernennung des neuen Erzbischofs stand schon lange aus. Schon anlässlich des Prag-Besuches von Benedikt XVI. im September vorigen Jahres hatte man sie erwartet und zuletzt noch einmal am Dreikönigstag. Duka war einer der drei Kandidaten, denen die besten Chancen für die Vlk-Nachfolge eingeräumt worden waren. Die anderen beiden waren der Leitmeritzer Bischof Jan Baxant und der Olmützer Erzbischof Jan Graubner. Beide sind vier Jahre jünger als Duka.
   Dominik Duka wurde am 23. April 1943 in Königgrätz geboren. Sein Vater, der sich während des Zweiten Weltkriegs den Alliierten angeschlossen und unter anderem in der Royal Air Force gedient hatte, war nach der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 verhaftet worden. Ursprünglich hieß er Jaroslav, den Namen Dominik nahm er erst nach seinem Beitritt zum Dominikanerorden an, der 1968 im Geheimen erfolgte. Nach dem Schulabschluss wurde er in einer Fabrik als Werkzeugmacher beschäftigt. Theologie studierte er in Leitmeritz(Litomérice), 1970 wurde er zum Priester geweiht und wirkte als Gemeindepfarrer, bis ihm die Kommunisten 1975 Berufsverbot erteilten.
   Er kehrte an die Werkbank zurück und blieb bis 1989 bei den Skoda-Werken in Pilsen beschäftigt. Im Untergrund widmete er sich in diesen Jahren jedoch weiterhin seinem Orden, was ihm 1981 eine Haftstrafe wegen unerlaubter religiöser Betätigung einbrachte - unter anderem hatte er Studienzirkel für Novizen organisiert. 1986 übernahm er als Provinzial die Leitung der dominikanischen Ordensprovinz in Böhmen und Mähren und übte dieses Amt bis zu seiner Einsetzung durch Papst Johannes Paul II. als Bischof von Königgrätz 1998 aus. 1989 übernahm er den Vorsitz der tschechischen Ordensoberen-Konferenz. In den neunziger Jahren unterrichtete Duka zudem als Gastdozent Bibelwissenschaften an der Universität Olmütz (Olomouc).
   Duka hat den Ruf eines guten Diplomaten. Als Bischof von Königgrätz war er Mitglied der Kommission gewesen, die den Vertrag zwischen dem Vatikan und der Tschechischen Republik ausgearbeitet hatte. Der Entwurf scheiterte 2003 jedoch im tschechischen Parlament: Die damals regierenden Sozialdemokraten hatten dagegen gestimmt. Seither gab es in den Beziehungen zwischen Rom und Prag sowie zwischen Kirche und Staat in der Tschechischen Republik keine nennenswerten Fortschritte.
   Nach wie vor umstritten ist die Rückgabe des Kircheneigentums, und der Streit um den Besitz des Veitsdoms, der vor Gericht für den Staat entschieden wurde, stellte eine zusätzliche Belastung dar. Kardinal Vlk selbst sagte, er habe politisch als Prager Erzbischof so gut wie nichts erreicht. Das Verhältnis zwischen den beiden Herren auf dem Hradschin - dem religiösen und dem weltlichen - war unter Vaclav Havel noch einigermaßen gut gewesen, seit dem Amtsantritt von Präsident Vaclav Klaus war es kühl bis eisig. Das Gesprächsklima zwischen Klaus und Duka dagegen gilt als freundlich und entspannt. Die beiden treffen einander seit Jahren regelmäßig, wobei Klaus Duka besonders wegen seiner intellektuellen Fähigkeiten schätzt. FAZ100215kps

Papst ernennt Apostolischen Visitator für Maroniten

   Papst Franziskus hat den emeritierten Bischof Francois Eid,  Prokurator des maronitischen Patriarchen beim Heiligen Stuhl, zum Apostolischen Visitator für die Maroniten in Bulgarien, Griechenland und Rumänien ernannt. Das bestätigte eine Vatikannote vom Montag.
   Die Maroniten gehören zu den Ostkirchen, die mit Rom uniert sind, aber eigene Riten und Gebräuche haben. Die Maronitische Kirche zählt rund 3,1 Millionen Gläubige weltweit. Rund ein Drittel davon leben im Libanon und in Lateinamerika.   Eid ist seit dem 16. Juni 2012 als Prokurator des maronitischen Patriarchen beim Heiligen Stuhl tätig. Er spricht neben arabisch, französisch, englisch auch syrisch und lateinisch. Rv150413no

am-102-Malta-ZxxZ

700-jähriges Jubiläum in Gibraltar: Unsere Liebe Frau von Europa

am-ULF-Gibraltar-xx

    Mit außerordentlichen Zeichen der Liebe und Hingabe feierte Gibraltar das 700-jährige Jubiläum des Heiligtums Unserer Lieben Frau von Europa. Kardinal José Saraiva Martins überbrachte aus diesem Anlass eine Botschaft von Benedikt XVI. Der Papst nannte diesen Wallfahrtsort herausragend und versprach eine angemessene Förderung. Er ermutigte herzlich die Wallfahrer und setzte volles Vertrauen in die Zukunft, dass von hier aus Gnade ausgehen wird, damit die Bürger Europas ihre alten Wurzeln neue entdecken werden.

am-ULFv.EuJubil-xx am-ULFvEu- am-ULFvEuropa-x

Fotos: Unsere Liebe Frau von Europa im Marienwallfahrtsort von Gibraltar

   Über 4.000 Gläubige kamen zur Jubiläumsmesse und zur Wiedereinweihung des Heiligtums, darunter waren viele spanische Familien von jenseits der Grenze. In seinem Kommentar zur Bedeutung dieses Wallfahrtsortes für das moderne Europa sagte Bischof Charles Caruana von Gibraltar: „Es ist offensichtlich, dass die Päpste über den Weg der Europäischen Union beunruhigt sind. Eine fremde Philosophie verdrängt fundamentale Regeln, Maßstäbe und Werte. Neue nicht hinnehmbare Regeln werden autoritär an ihre Stelle gesetzt. Dieser Entwicklung wird „die neue Aufklärung“ genannt; sie nimmt die Sicherheit und ersetzt sie durch Egoismus und Gier. Der Heilige Vater ermutigt die Christen mit Überzeugung und ganzer Kraft ihren Einfluss in Europa einzubringen.“ Weiter sagte er: „Etwas ist sicher: die Europäische Union ist noch sehr jung. Sehr lange kann sie sich nicht weiter blind gegenüber der Wirklichkeit verhalten. Das sind nichts als Kinderkrankheiten, die irgendwann einmal verschwinden – je eher, desto besser. Ich denke, dass wir einsehen müssen, dass Leute, die als Abgeordnete in die Europäische Union gewählt werden, Grundsätze haben, die Menschenrechte hochhalten, und die Traditionen, die unsere Wurzeln ge- formt haben, achten.“
  Beim anschließenden Fest-Dinner entschuldigte sich Bischof Geoffrey Rowall, der anglikanische Bischof von Europa, für die grausamen Handlungen der Britischen Armee, die 1704 bei der Besetzung von Gibraltar mutwillig die Statue Unserer Lieben Frau von Europa beschädigt hatten. CT090517RuthRees

tn_P_Ma_EU_ep_jpg     a_tn_P_Ma     Gibraltar-x

Gibraltar - Brücke zwischen Afrika und Europa. Foto links:  Der Bischof von Gibraltar Charles Caruana
Foto Mitte:  Die Muttergottes von Europa  15.Jh. Foto rechts: Der Felsen von Gibraltar
Die Geschichte von Gibraltar  Ein Bericht von Ruth Rees. 
CatholicTimes021103

   Auch  die meisten Spanier und Engländer kennen nicht die “Muttergottes von Europa” (Our Lady of Europe) und ihren Wallfahrtsort in Gibraltar. Die lange und turbulente Geschichte beginnt mit der Invasion Gibraltars im Jahre 711. Die siegreichen Muslime änderten nach ihrer Landung den Namen des gewaltigen Felsenmassivs von “Calpe” zu “Gebel Tarik” (Tarik’s Berge) nach ihrem Führer Tarik Ibn Zayib. Ihren Triumph formten sie in Stein: sie bauten die erste Moschee auf dem europäischen Festland.
   Sechs Jahrhunderte später eroberte König Ferdinand IV. Gibraltar im Jahre 1309 zurück. Aus Dank gegen Gott traf er eine bedeutsame Entscheidung: feierlich weihte er den gesamten Kontinent Europa der Mutter des Herrn mit dem Titel: Our Lady of Europe. Sein nächster Schritt: er wandelte die Moschee in ein Marienheiligtum. 24 Jahre später eroberten die Mauren Gibraltar erneut und wandelten die Kirche wieder in eine Moschee um. Erst im Jahr 1462 gewann Ferdinands Enkel Heinrich IV. Gibraltar in einem entschlossenen Feldzug zurück, erneuerte die Ver- ehrung Unserer Lieben Frau von Europa und machte aus der Moschee wieder eine Kirche. Da die Statue der Muttergottes nicht mehr gefunden wurde, ließ er eine neue anfertigen Bild oben Mitte, die bis heute an diesem Ort von den Pilgern verehrt wird.
   Wegen der Bedeutung Gibraltars als Brücke zwischen Afrika und Europa mussten die Bürger in den folgenden Jahrhunderten noch viele Agressionen erdulden. Am schlimmsten wüteten die britischen Truppen nach den Spanischen Erbfolgekriegen: im Jahre 1704 wurde Gibraltar britisch. Die Soldaten, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten, raubten und plünderten rund um den Felsen, zerstörten die Wallfahrtskirche und warfen die Statue der Muttergottes ins Meer. Spanier retteten die zerbrochene Statue  und brachten sie nach Spanien, restaurierten sie und stellten sie in Algeciras, gegenüber von Gibraltar auf, wo sie bis zum 1864 verehrt wurde. In diesem Jahr brachte sie Bischof John Scandella nach Gibraltar zurück. Die Geschichte dieses Wallfahrtsortes liest sich wie ein Drehbuch zu einem Film: im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zu einem Warenhaus für die Armee umgewandelt. Erst 1961 wurde die Kirche vom Militär wieder freigegeben. Die Restaurierung mit Unterstützung der Europäischen Union und der Regierung von Gibraltar dauerte bis 1994 und seither kommen wieder viele Pilger zu diesem Ort des Gebets - mit dem Blick auf das Atlasgebirge in Nordafrika.
   In seiner Botschaft zur Wiedereinweihung 1997 schrieb Papst Johannes Paul II.: “Das Christentum ist nicht nur Teil der europäischen Kultur, es ist die geistige Form der Europäer, sich den universalen Fragen zu stellen ... dieses Heiligtum wird Europa helfen, das christliche Erbe in Erinnerung zu rufen und die Beter zu ermutigen, die Zukunft Europas auf dieses solide Fundament zu stellen.” Bischof Caruana, der weder der spanischen noch der englischen Kirche zugeordnet, sondern direkt Rom unterstellt ist, sagt:  “Viele spanische Besucher kommen nach hier und beten an diesem Wallfahrtsort”.

isl-gBurka-x      Hilflos in Spanien

Immer häufiger erlebt Spanien heftige Auseinandersetzungen zwischen radikalen und gut integrierten Muslimen.

   Fatima Ghailan wollten marokkanische Landsleute ihr spanisches Haus in der katalanischen Gemeinde Cunit anzünden, weil sie keinen Schleier trug. Saada Zarahoui wurde in der kleinen Stadt Socuellamos in der Provinz Madrid von einem ebenfalls marokkanischen Ehepaar mit Faustschlägen traktiert, weil auch sie kein Kopftuch tragen wollte. Mohammed Kamal Mostafa, Imam im andalusischen Fuengirola bei Malaga, musste ins Gefängnis, weil er einen Leitfaden unter dem Titel „Die Frau im Islam" verfasst hatte, in welchem er detailliert schilderte, wie man am besten seine Ehefrau verprügelt, „ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen".
   Mit der Einwanderungswelle des vergangenen Jahrzehnts - allein die Zahl der überwiegend aus Nordafrika nach Spanien gekommenen Muslime wurde zuletzt mit 1.064.904 angegeben - häufen sich auch die Streitigkeiten innerhalb dieser Gruppe. Ziel der Angriffe sind oft Frauen, die sich besonders gut in der neuen Heimat integriert zu haben scheinen. Diese, oft als schamlose „Ungläubige" beschimpften Musliminnen, müssen sich der Grobheiten von Fundamentalisten erwehren, die ihre Nachbarn sind und mit deren Kindern ihre eigenen zur Schule gehen. Die lokalen Behörden sind den Opfern manchmal keine große Hilfe. Sie sähen die schleierlosen Mitglieder einer anderen Glaubensgemeinschaft lieber anderswohin ziehen.
   Das zeigt das Beispiel der 31 Jahre alten Fatima Ghailan, die in Cunit so fest verwurzelt schien, dass sie in der Stadtverwaltung einen Posten als „Kulturvermittlerin" erhielt. Das ging jedoch nur so lange gut, wie sie dem machtbewussten lokalen Imam Mohammed Benbraim nicht in die Quere kam. Es waren wohl eher persönliche als religiöse Differenzen, die zur Auseinandersetzung führten. Ausgetragen wurden sie aber unter dem Vorwurf mangelnden Respekts vor islamischen Traditionen. Das Kopftuch war dann der Casus belli.
   Frau Ghailan hat Anzeige gegen den Imam wegen Bedrohung, Nötigung und Verleumdung erstattet. Der Zeitung „El Pais" sagte sie, die Pressionen hätten mit Schimpfworten auf offener Straße, anonymen Anrufen auf Arabisch und der Drohung begonnen, ihr Haus in Brand zu stecken. Der Imam, für den die Staatsanwaltschaft fünf Jahre Gefängnis beantragte, soll in seiner radikalen Umgebung das Signal zur Verfolgung gegeben haben. Dieses reichte von dem Versuch, Frau Ghailans Mann dazu zu bringen, dass sie ihren Posten aufgebe, bis  zu einer Unterschriftensammlung der Frau des Imams mit dem gleichen Ziel. Während sie sich, wie sie sagt, gelegentlich vor wütenden Attacken in eine Gastsstätte oder ein Geschäft flüchten musste, wurden auch ihre Kinder von den Mitschülern „Ungläubige" gescholten und isoliert. Das Ramadan-Essen hätten sie deshalb einmal alleine auf der Schultoilette eingenommen.
   Den angeblich wohlmeinenden Ratschlägen der sozialistischen Bürgermeisterin Judit Alberich, ihre Anzeige gegen den Imam und einige andere Mitglieder der Islamischen Vereinigung von Cunit doch zurückzuziehen, weil sie damit zu einem „Problem für das Rathaus" geworden sei, lehnte Frau Ghailan ab. Die Publizität ihres Falles mag sie einstweilen noch vor einer Kündigung schützen. Man hat ihr aber schon, wie sie versichert, gesagt, dass wenn sie die Stadt verlassen wolle, man ihr „die Dinge erleichtern" werde. Während ein Prozesstermin noch auf sich warten lässt, hat ein Richter dem Imam nun immerhin verboten, sich der Frau und ihren Kindern zu nähern.
   Auch in Socuellamos, wo Bürgermeister Sebastian Garcia die Schläge für Saada Zarahoui verurteilte, schien das vorrangige Interesse darin zu liegen, abzuwiegeln, anstatt den Zwischenfall vor Gericht eskalieren zu lassen. Der Frau, die wenige Tage nach der Prügelei zum Zweiten Mal in das städtische Spital musste, weil sie eine Fehlgeburt hatte, wurde auch von ihrem Mann geraten, ihre Anzeige zurückzuziehen. Er sagte später: „Sie hat den Aggressoren verziehen. Denn auf jeden Fall wird Allah sie bestrafen."
   Im Fall des Imams von Fuengirola war es indes der Gerichtshof von Barcelona, der ihn vor wenigen Jahren für sein Prügelbuch zu 15 Monaten Gefängnis verurteilte. Das Gericht sah darin eine „frontale Attacke gegen das Recht und die physische und moralische Integrität" der Frauen. Die Anklage hatte zum Beleg Sätze wie diesen zitiert: „Die Schläge sollen auf konkrete Körperteile, wie die Füße und die Hände, verabreicht werden. Dafür sollte man am besten eine feine leichte Rute benutzen, die keine Narben oder blauen Flecken hinterlässt."
   Mohammed Kamal Mostafa kam am Ende aber glimpflich davon. Weil er keine „öffentliche Gefahr" darstelle, wurde er nach nur 20 Tagen Haft entlassen. Sie seien ihm, so sagte er, wie „spirituelle Exerzitien" vorgekommen. Er kam inzwischen auch einer richterlichen Auflage nach, einen Sensibilisierungskurs in spanischem Recht und den internationalen Menschenrechten zu absolvieren. Sein Lehrer, ein Juraprofessor aus Malaga, nannte das Resultat ein rundherum „positives Bildungserlebnis". Auch der nach seiner Aussage geläuterte Imam zeigte sich „sehr zufrieden". Die Vorlesungen über die Situation der Frau im Islam und im spanischen Strafgesetzbuch hätten sein „Leben bereichert". FAZ100215LeoWieland
   Als „pädagogische Maßnahme“ hat die Regierung in Malaysia eine Prügelstrafe für Frauen verteidigt. Nach is- lamischem Verständnis gehe es nicht um Bestrafung der Frauen, sondern darum, die Betroffenen zu „erziehen“ und zur „Reue zu bewegen“. Das sagte der stellvertretende Premierminister Muhyiddin Yassin. In dem südostasiatischen Staat sorgt derzeit ein Fall für Schlagzeilen, nach dem drei Frauen wegen vorehelichen Geschlechtsverkehrs mit Prügel bestraft wurden. Die Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren waren in einem Gefängnis in Kajang mit je sechs Stockhieben geschlagen worden. Es war das erste Mal in der Geschichte des modernen Malaysia, dass die Prügelstrafe an Frauen vollzogen wurde. Familienministerin Shahrizat Abdul Jalil betonte, die an den drei Frauen vollzogene Prügelstrafe stehe im Einklang mit dem islamischen Recht, der Scharia. rv100219kipa
Züchtigung
   ABU DHABI. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Arabischen Emirate hat entschieden, dass ein Mann seine Ehefrau und Kinder schlagen darf, solange dies keine sichtbaren Spuren hinterlässt. Erwachsene Kinder dürften nicht geschlagen werden. NOZ101019dapd

Kardinal Kasper mit Patriarch Alexej      tn_Kasper.Alexis_psd

Die Politik berücksichtigt bei der EU-Erweiterung nicht die religiöse Dimension, kritisiert Kardinal Kasper

   Der ökumenische Dialog mit der Orthodoxie hat nach Ansicht des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper bei der Osterweiterung Europas einen hohen Stellenwert. Wenn es nicht gelinge, die orthodoxe Kirche „mit ins Boot zu bringen, ist die Integration von Ost- und Westeuropa nicht möglich”, sagte der Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen vor Journalisten in Stuttgart. Der Kardinal kritisierte, dass manche Politiker nur die wirtschaftliche Seite der Erweiterung der Europäischen Union sähen und die kulturelle und religiöse Dimensionen nicht berücksichtigten.
   Weiter forderte Kasper dazu auf, sehr genau zwischen Islam und radikalem Islamismus, der die Religion missbrauche, zu unterscheiden. Zugleich verwies er auf bestehende Unterschiede zwischen Christentum und Islam. Beide Weltreligionen hätten manches gemeinsam, doch seien die Unterschiede nicht zu übersehen. So sei dem Islam die Begegnung mit der modernen Welt, etwa mit der Religionsfreiheit, noch nicht gelungen. Diese Begeg- nung werde zum Teil auch verweigert. Dabei gebe es aber keine Alternative zum Dialog, so der Kardinal, der hierbei die Initiative der Deutschen Islamkonferenz begrüßte.  Der Westen müsse seine eigene Kultur achten, sagte Kasper. DTkna061004

Kasper warnt vor Selbstverleugnung
   Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat die Europäer vor „einer kulturellen wie religiösen Selbstverleugnung” gewarnt. Das Kreuz abzuhängen, es auf den privaten Raum zu beschränken oder es zu verstecken komme „einer Kapitulation gleich”, schrieb der Geistliche in der Zeitschrift „Focus”. Damit „werden wir nicht Achtung, son- dern Verachtung der Andersgläubigen ernten”, so Kasper.
   Anlass für die Äußerungen des zweitwichtigsten Deutschen im Vatikan nach Papst Benedikt XVI. sind die jüngsten Auseinandersetzungen um christliche Symbole. In einer oberbayerischen Schule war auf Elternprotest hin ein Holz- Kruzifix mit einer Jesus-Figur durch bunte afrikanische Kreuze ersetzt worden. In Mailand hätten aus Rücksicht auf Muslime 40 Prozent der Kindergärten auf Weihnachtskrippen verzichtet. Und in Bozen hätten Kindergärtnerinnen versucht, Weihnachtslieder mit Jesus-Bezug zu verbieten. „Wir sitzen gegenwärtig einem falschen, um nicht zu sagen: einem schwächlichen und feigen Verständnis von Toleranz auf”, kommentiert Kardinal Kasper die aktuellen Fälle. Toleranz bedeute „Respekt und Achtung vor der Überzeugung anderer, nicht Verzicht auf die eigene Überzeugung”.
   In dem Beitrag verteidigte Kasper außerdem die heftig umstrittenen Äußerungen des Kölner Kardinals Joachim Meisner zu multireligiösen Feiern. Mit Muslimen oder anderen Nicht-Christen gemeinsam beten und Gottesdienst feiern zu wollen sei „nicht möglich”, sagte Kasper, der auch „Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen” ist. „Die Vermischung verschiedener Religionen ist nicht Achtung, sondern Missachtung des anderen. Sie verleugnet nicht nur den eigenen Glauben, sondern veranlasst auch den anderen, seinen Glauben zu verleugnen”, schrieb Kardinal Kasper in seinem Beitrag. apOR061222

Frankreich: Trennung von Staat und Religion

   Am 9. Dezember 1905 wurde in Frankreich die radikale Trennung zwischen Staat und Kirche gesetzlich vollzogen. Vor 100 Jahren wurde beschlossen, den Religionsgemeinschaften die staatliche Unterstützung zu entziehen und sie aus den öffentlichen Einrichtungen auszuschließen. Seither gibt es an öffentlichen Schulen keinen Religionsunterricht mehr, und die vor 1905 gebauten Kirchen gingen in öffentliches Eigentum über, das die „Kultvereinigungen” nutzen können. Der Ausschluss der Kirche aus dem Erziehungswesen Frankreichs, der bis heute Wirkung zeigt, erklärt sich aus der „laicité”. Dieser Begriff umfasst das ganze französische Selbstverständnis und ist doch kaum ins Deutsche zu übersetzen. Er enthält eine Botschaft an uns alle.
   Um diese zu verstehen, muss man freilich in die Geschichte der französischen Sprache und Kultur eintauchen. Ein „laic” ist etwas anderes als ein „Laie”, und ein „Etat laic” ist alles andere als ein „Laienstaat”. Im katholisch geprägten Frankreich hat der Laie eine antiklerikale Gestalt angenommen. So ist die „laicité” zu einem Kampfbegriff gegen den Einfluss der Kirche im Staat und verlangt eine konsequente Trennung von Staat und Religion.
 Wie weit diese Vorstellungen reichen, hat der Streit um die Präambel des europäischen Verfassungswerks gezeigt. Während die Deutschen eine Erwähnung auch der religiösen Wurzeln des europäischen Kulturerbes wünschten und einen ausdrücklichen „Gottesbezug” im Text fixiert sehen wollten, lehnten die Franzosen diese Formulierungen ab und sprachen sich für eine Beschränkung auf das geistig-kulturelle Erbe aus. Gott gehört für sie nicht in die Verfassung.
 Am deutlichsten kommt die laizistische Prägung Frankreichs im Schulwesen zum Ausdruck. Hier gibt es keinen vom Staat gesicherten Religionsunterricht; nur in konfessionellen Privatschulen sind Glaubenslehren zugelassen. Auch Kruzifixe finden sich nicht in öffentlichen Schulen.
 Seit einigen Jahren aber kommt Bewegung in die französischen Debatten über den Platz der Religionen in der Gesellschaft. Seit der Islam zur zweitstärksten Glaubensgemeinschaft im Lande geworden ist, lässt sich die Beachtung der Glaubenswirklichkeiten nicht mehr verdrängen; der Ruf nach einer Revision des radikalen Laizismus wird lauter.  HAZR.vThadden051209

                                        Lesen Sie auf der folgenden Seite > > > Europa als Wertegemeinschaft > Euroropa II

            kbwn:Europa

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Weltjugendtag] [Weltkirche] [Europa] [Türkei] [Nahost] [Nordamerika] [Mittelamerika] [Südamerika] [Afrika] [China aktuell] [China] [Indien] [Korea] [Philipppinen] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]