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Experten-Rat

Das Hamburger Abendblatt veranstaltet mit dem Norddeutschen Rundfunk 90,3 regelmäßig Gesundheitsforen mit Experten; ebenso auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung und die Neue Osnabrücker Zeitung.
Hier lesen Sie die interessanten Antworten zu den Fragen:
Besser leben mit Diabetes. Augenleiden: Grauer Star, Makula-Degeneration. Grüner Star, Hilfe bei trockenen Augen und Glaskörpertrübungen “Fliegende Mücken”.

ExpRatHAndr-xx       Experten-Rat

   Die Experten in der „Sprechstunde” von NDR 90,3 und Hamburger Abendblatt l-r.: Privatdozent Dr. Ulrich Schaudig, Dr. Jan Zurdel, Dr. Eike Matthiessen und Dr. Udo Heuer. HACorneliaWerner 080126

Wenn der Blick getrübt ist -  Wann wird ein grauer Star operiert? Wie behandelt man einen grüner Star?
Kann man vorbeugend etwas für die Augen tun? Vier Hamburger Augenspezialisten gaben Rat.

Was ist eine Makuladegeneration?
   Bei dieser Erkrankung findet im höheren Alter am Punkt des schärfsten Sehens an der Netzhaut eine Degenera- tion statt, die die normale Funktion behindert. Bei der feuchten Makuladegeneration bilden sich an diesem Punkt neue Blutgefäße unter der Netzhaut, und es sammelt sich Flüssigkeit in den Netzhautschichten, was das Sehen weiter verschlechtert. Die Patienten können dann einen Gegenstand, den sie mit den Augen fixieren, nicht mehr scharf oder gar nicht mehr sehen.
Privatdozent Dr. Ulrich Schaudig, Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde an der AK Barmbek
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Makuladegeneration?
  Es gibt für bestimmte Stadien der Makuladegeneration unterschiedliche Therapieformen, die sich im Wesentlichen auf die feuchte Form beziehen. Bei vielen Stadien kann man Medikamente ins Auge injizieren, die die Neubildung der Blutgefäße hemmen. Das kommt aber nur für Patienten infrage, bei denen die Sehschärfe nicht bereits zu weit reduziert ist. Die Grenze liegt etwa bei fünf Prozent.
Dr. Jan Zurdel, Oberarzt der Abteilung für Augenheilkunde an der AK Barmbek
Helfen MultiVitaminpräparate bei der Makuladegeneration?
  Bei der Makuladegeneration muss man unterscheiden zwischen der trockenen und der feuchten Form. Bei einer trockenen Makuladegeneration ist es nach wie vor so, dass es eine nachgewiesenermaßen wirksame Therapie nicht gibt. Für die Einnahme von Multi- vitaminpräparaten hat sich in einer großen Studie nur bei einer Unterform ein belegbare Effekt gezeigt, und zwar, wenn ein Patient auf einem Auge schon eine feuchte Form der Makula- degeneration hat und auf dem anderen Auge eine trockene Makuladegeneration. Dr. Zurdel
Wie kann ich bei einer Makuladegeneration besser sehen?
  Unser Sehen geht nicht nur vom Sehzentrum aus, sondern auch von den Seiten. Wenn im Zentrum durch die Makuladegeneration eine Narbe entstanden ist, ist am Rand dieser Narbe noch scharfes Sehen möglich. Das können Sie einsetzen, wenn sie nicht genau auf das Objekt schauen, das Sie sich ansehen wollen, sondern ein wenig daneben.  Dr. Udo Heuer, niedergelassener Augenarzt
Welche Hilfsmittel gibt es, um das Sehvermögen bei Makuladegeneration zu verbessern?
Es gibt spezielle Lesegeräte und die sogenannte Lupenbrille, die individuell angepasst werden muss. Dafür gibt es Spezialambulanzen, etwa in augenärztlichen Praxen oder auch spezialisierte Geschäfte Mehr dazu: Lupe & Brille. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen, wenn die Sehfähigkeit sehr reduziert ist.
Dr. Eike Matthiessen, niedergelassener Augenarzt
Kann ich mich bei einer feuchten Makuladegeneration am grauen Star operieren lassen?
   Die Frage kann man nicht prinzipiell mit Ja oder Nein beantworten. Wir raten von einer Operation immer dann ab, wenn die Linsenentfernung wegen der schlechten Netzhautfunktion keine Verbesserung herbeiführen wird und wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Entfernung des grauen Stars einen negativen Einfluss auf die Makula- degeneration haben wird. Solange die Makuladegeneration feucht ist, wird man zurückhaltend sein. Der Operateur wird immer Nutzen und Risiko gegeneinander abwägen.  Dr. Schaudig
Wie wird bei einer Linsentrübung, dem sogenannten grauen Star, eine neue Linse eingesetzt?
   Das Auge ist wie eine Kamera aufgebaut. Es gibt einen optischen Anteil und einen dahinter gelegenen Teil, der das aufgenommene Bild ans Gehirn weiterleitet, wo es verarbeitet wird. Im optischen Teil liegt die Linse, die hinter der Hornhaut und der Pupille sitzt. Um diese auszutauschen, machen wir einen sehr kleinen Schnitt zwischen einem und drei Millimetern am Rand der Hornhaut, führen sehr feine Instrumente weiter bis zur Linsenkapsel, in die wir ein kleines Loch schneiden. Durch diese Öffnung kann man die Linse absaugen und eine Kunstlinse in den intakten Kapselsack einsetzen. Dr. Schaudig
Wann muss ein grauer Star operiert werden?
   Das hängt von der Sehschärfe und den Beschwerden ab. Wenn die Sehschärfe noch 90 Prozent beträgt und Sie noch wenig Einschränkungen haben, würde man nicht schnell operieren. Wenn Sie nachts beim Autofahren sehr blendungsempfindlich sind, könnte man sich auch bei einer relativ guten Sehschärfe entschließen, früher zu operieren. Dr. Zurdel
Wie lange hält eine neue Linse bei grauem Star?
   Bei der Staroperation wird eine Kunststofflinse eingesetzt, die ewig hält. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass nicht diese Linse nachtrübt, sondern der Kapselsack der alten Linse. Das merken Sie daran, dass das Sehen einige Monate nach der Operation wieder ein wenig schlechter wird. Der Augenarzt kann durch einen Lasereingriff diese Kapselsacktrübung beheben. Dr. Matthiessen
Kann ich Probleme bei der Operation eines grauen Stars bekommen, wenn ich bereits grünen Star habe?
   Wenn Sie einen grünen Star haben, ist eine solche Operation genauso möglich wie bei Patienten, die nur grauen Star haben. Die Operation ist in solchen Fällen genauso sicher.  Dr. Zurdel
Können Medikamente gegen grünen Star Reizungen am Auge verursachen?
   Dieses Problem bei der Behandlung des Glaukoms mit Augentropfen ist nicht selten. Sie können versuchen, in Rücksprache mit Ihrem behandelnden Augenarzt Augentropfen gegen den grünen Star zu nehmen, die kein Konservierungsmittel enthalten. Die andere Möglichkeit wäre, Augentropfen auszuwählen, die nur einmal am Tag angewendet werden müssen. Wenn zusätzlich ein sogenanntes trockenes Auge vorliegt, kann zusätzlich ein anderes Medikament getropft werden, ein Tränenersatzmittel. Dr. Schaudig
Wann reichen Augentropfen aus und wann muss ein grüner Star operiert werden?
   Solange man mit den Augentropfen gut zurechtkommt und der Augeninnendruck damit langfristig stabil bleibt, würde ich daran nichts ändern. Wenn es ein fortschreitender Verlauf ist, ist es legitim, sich zu einer Operation zu entschließen. Bei einem solchen Eingriff werden im Auge künstliche Abflusswege geschaffen.   Dr. Matthiessen
Was ist ein Engwinkelglaukom?
  Viele Menschen, insbesondere die, die weitsichtig sind, haben einen engeren vorderen Augenabschnitt und damit einen engeren Kammerwinkel, in dem das Augenwasser abfließt. Wenn dieser Winkel sehr eng ist, kann der Augendruck ansteigen, insbesondere wenn es dunkel wird und das Auge von sich aus eine weite Pupille bekommt. Um einem Glaukom vorzubeugen, sollte man mit dem Laser eine sogenannte Iridotomie durchführen. Dabei wird mit dem Laser unter örtlicher Betäubung ein kleines Loch in der Regenbogenhaut erzeugt und so eine Verbindung zwischen vorderer und hinterer Augenkammer geschaffen. Dr. Matthiessen
Was bedeutet es, wenn man Fusseln und Lichtblitze sieht?
   Diese beiden Symptome kommen häufig vor und sollten vom Augenarzt abgeklärt werden. Die Fusseln, auch bezeichnet als „fliegende Mücken”, sind in der Regel Glaskörpertrübungen, die an sich harmlos sind. Die Blitze sind Hinweise auf Veränderungen im Auge. Deswegen sollte in diesem Fall die komplette Netzhaut vom Augenarzt untersucht werden. Die Blitze entstehen, wenn sich der geleeförmige Glaskörper im Auge von seiner Unterlage, der Netzhaut, abhebt. In der Regel ist bei der Untersuchung beim Augenarzt dann nichts zu sehen. Wenn etwas zu sehen ist, das können Vorstufen von Löchern oder Netzhautablösungen sein, wird der Arzt Sie an einen Spezialisten überweisen, der das behandelt, zum Beispiel mit einer Lasertherapie.   Dr. Matthiessen
Nach einer Verletzung hat sich auf der Hornhaut ein kleiner Knoten gebildet, so dass ich auf dem betroffenen Auge nur noch 20 Prozent sehen kann. Kann mir durch eine Operation geholfen werden?
   Man muss zunächst untersuchen, was genau an der Hornhaut, dem vorderen klaren Teil des Auges, geschädigt ist. Wenn nur die Hornhaut geschädigt und der hintere Teil des Auges intakt ist, dann ist ein operativer Eingriff an der Hornhaut sicherlich Erfolg versprechend. Das kommt darauf an, wie gut Ihre Sehschärfe ist. Das müsste man untersuchen und dann im Einzelfall entscheiden, ob eine Hornhautverpflanzung infrage kommt.  Dr. Heuer
Abends kann ich Kleingedrucktes nur noch mit einer Lupe lesen. Woher kommt das?
   Das nennt man die Alterssichtigkeit, die Mitte bis Ende 40 beginnt, meistens damit, dass man bei schlechter Beleuchtung schlechter sehen, aber bei Sonnenlicht noch gut lesen kann. Sie können sich das Leben erleichtern, wenn Sie sich für die Situationen, in denen sie so nicht mehr zurechtkommen, eine Lesebrille zulegen. Dr. Heuer
Ich bin 44 Jahre alt. Was kann ich tun, um Augenerkrankungen vorzubeugen?
   Eine Vorbeugung gibt es nicht. In dem Alter würde man empfehlen, einmal pro Jahr beim Augenarzt einen Check- up machen zu lassen, insbesondere den Augendruck zu testen. Dr. Zurdel

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Altersdiabetes bei Kindern. Bewegungsmangel und Übergewicht Hauptursachen
Foto: Steht die Diagnose, muss auch der junge Patient zunächst eingestellt werden.

   Anlässlich des Weltdiabetestags drehte sich bei der Lesertelefonaktion der NOZ alles um die kleinen und großen Diabetes-Patienten. Es folgen die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie kann ich der Entstehung eines Typ-2-Diabetes vorbeugen?
   Für die gesunde Entwicklung von Kindern sind eine vielseitige Ernährung mit wenig Fett und ausreichend Bewe- gung unerlässlich. Studien haben gezeigt, dass in erster Linie die stark übergewichtigen Kinder und Jugendlichen an einem Typ-2-Diabetes erkranken.
Was sind erste Anzeichen der Erkrankung?
   Das tückische an einem Typ-2-Diabetes ist, dass er jahrelang ohne Symptome verlaufen kann. Um die Erkran- kung früh zu erkennen, sind die Bewertung von Risikofaktoren wie einer familiären Vorbelastung und starkem Übergewicht sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unerlässlich. Ein Typ-1-Diabetes hingegen macht sich durch häufigen Harndrang und großen Durst, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen, Infektanfälligkeit und Bauchschmerzen akut bemerkbar. Bei diesen Anzeichen sollten Sie mit Ihrem Kind schleunigst einen Arzt auf- suchen.
Können Eltern eine Diabetes-Erkrankung an ihre Kinder vererben?
   Hier muss man zwischen einem Typ-1- und einem Typ-2-Diabetes unterscheiden. Bei einem Typ-2-Diabetes spielt die genetische Disposition eine ganz entscheidende Rolle. Ist ein Elternteil erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind im Laufe seines Lebens auch einen Typ-2-Diabetes entwickelt, bei 40 Prozent, sind beide Eltern betroffen, steigt diese Wahrscheinlichkeit auf 60 Prozent. Ob sich der Diabetes tatsächlich manifestiert, hängt aber auch ganz vom Lebenswandel ab. Bewegung und gesunde Ernährung sind der beste Schutz. Ein Typ-1-Diabetes ist nur sehr selten erblich bedingt.
Bei meinem Sohn wurde gerade ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Was kommt jetzt alles auf uns zu, und wo finde ich einen erfahrenen Arzt?
   Steht die Diagnose, muss Ihr Kind zunächst „eingestellt” werden. Das bedeutet, dass eine Insulin-Behandlung ausgewählt wird, die einen normalen Blutzuckerspiegel gewährleistet. Die Ersteinstellung erfolgt meist im Krankenhaus. Danach sollten Sie mit Ihrem Kind eine Diabetologische Schwerpunktpraxis aufsuchen, wo sich der Diabetologe in Zusammenarbeit mit dem Haus- oder Kinderarzt, Diabetesberatern und Psychologen um die Behandlung des Kindes kümmert.
Ich muss seit kurzem Insulin spritzen, mein Blutzucker ist jetzt in Ordnung, aber ich habe stark zugenommen..
   Durch die Insulingabe kann Ihr Körper den Blutzucker wieder verwerten, was sich jetzt in der Entstehung von Fettgewebe bemerkbar macht. Um einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken, sollten Diabetes-Patienten daher parallel zur medikamentösen Behandlung ihre Ernährung umstellen und sich viel bewegen.
Müssen auch Patienten mit einem Typ-2-Diabetes Insulin spritzen?
  Zu Beginn der Erkrankung nicht. Ihre Bauchspeicheldrüse produziert ja Insulin, es wirkt nur unzureichend im Kör- per. Zuerst wird immer versucht werden, den Blutzuckerspiegel durch eine Ernährungsumstellung und mehr Be- wegung zu senken. Wenn das nicht ausreicht, können Medikamente zur Blutzuckerregulierung gegeben werden.
Mein Mann leidet an einem Typ-1-Diabetes. In letzter Zeit ist er mehrfach bewusstlos geworden. Was kann ich tun, wenn diese Situation wieder auftritt?
   Die Bewusstlosigkeit ist am ehesten Folge einer Unterzuckerung. Für diesen Notfall gibt es die sogenannte Glukagon-Spritze, die sich Ihr Mann vorsorglich von seinem Arzt verschreiben lassen sollte und die Sie ihm dann geben können. In jedem Fall sollten Sie aber unbedingt den Notarzt verständigen!
Mein Sohn hat einen Typ-1-Diabetes, und ich habe ständig Angst vor einer Unter- oder Überzuckerung, will ihn aber nicht mit permanentem Blutzuckermessen unter Druck setzen...
   Wichtig ist, dass Ihr Kind an den Patientenschulungen in der diabetologischen Schwerpunktpraxis oder einer speziell ausgebildeten Kinderklinik teilnimmt. So lernt es Schritt für Schritt, dass es selbst die Verantwortung für das eigene Wohlergehen in seinen Händen hält und dass die notwendigen Maßnahmen wie Blutzuckermessen keine Schikanen sind. Sie können sich außerdem nach einem psychologisch-pädagogischen Beratungsprogramm für Eltern von Kindern mit Diabetes erkundigen.
Darf meine achtjährige Tochter mit Typ-1-Diabetes alles essen?
   Ja, wenn das Kind und die Eltern ausreichend im Umgang mit Insulin und im Hinblick auf die Ernährung geschult sind. Bei entsprechenden Kenntnissen sind sogar Süßigkeiten in Maßen dann kein großes Problem mehr.
NOZ081117le

Eine weitereTelefonberatung der NOZ: Arzt und Patient müssen Hand in Hand arbeiten
Diabetes ist gut behandelbar - Warnzeichen: Ständiger Durst

   Über den aktuellen Stand in der Diabetestherapie informierten Diabetologen bei unserer Telefonaktion. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was sind typische frühe Symptome eines Typ-2-Diabetes?
   Bei ständigem, übermäßigem Durst sollten Sie aufmerksam werden, ebenso bei vermehrtem Harndrang, Mattigkeit und Abgeschlagenheit. Auch Juckreiz, Heißhunger, Sehstörungen und Anfälligkeit für Infekte zählen zu den möglichen Symptomen eines Typ-2-Diabetes.
Inwieweit kann ich einen Typ-2-Diabetes durch Ernährungsumstellung beeinflussen?
   Neben ausreichender körperlicher Bewegung und einer medikamentösen Einstellung des Blutzuckerspiegels ist die Ernährung der wichtigste Schlüssel, um Diabetes in den Griff zu bekommen. Eine Diabetestherapie wird daher immer zuerst bei Ernährung und Bewegung ansetzen. Diabetiker sollen eine kohlenhydratreduzierte und bei Übergewicht auch fettreduzierte Kost über mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag verteilen. Empfehlenswert: Vollkorn- produkte, denn sie lassen den Blutzucker langsam ansteigen. Zum Süßen eignen sich kalorienfreie Süßstoffe. Ansonsten gilt: Für Diabetiker muss nicht „extra gekocht" werden, wenn Zutaten, Menge und Verteilung der Mahlzeiten über den Tag stimmen.
Bei mir ist es schon öfter zu einer Unterzuckerung gekommen.Gibt es Antidiabetika, die dieses Risiko senken?
   Einige der älteren Medikamente wie Sulfonylharnstoffe zwingen die Bauchspeicheldrüse zur vermehrten Insulin- abgabe - egal, wie hoch der Blutzuckerwert tatsächlich ist. Wenn dieser schon relativ niedrig ist, kommt es zu der gefürchteten Unterzuckerung. Moderne Medikamente wie die DPP-4-Hemmer wirken hingegen bedarfsgerecht: Insulin wird nur dann ausgeschüttet, wenn der Zucker zu hoch ist. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob solche Wirk- stoffe für Sie infrage kommen.
Mein Vater hat einen Typ- 2-Diabetes. Ist mein Risiko für eine Erkrankung damit erhöht?
   Wir wissen, dass Kinder und Geschwister von Typ-2-Diabetikern ein 50-prozentiges Erkrankungsrisiko haben. Genetische Studien weisen ebenfalls auf eine erbliche Veranlagung hin. Es ist allerdings derzeit nicht möglich, mit genetischen Tests exakt vorherzusagen, ob jemand an Diabetes erkranken wird.
Verschlechtern alle Antidiabetika die körpereigene Produktion von Insulin?
   Dr. med. Elmar Jaeckel: Die klassischen Wirkstoffe können nicht verhindern, dass im Laufe der Zeit die Funktion der Bauchspeicheldrüse weiter und weiter zurückgeht. Neuartige Wirkstoffe wie Sitagliptin, Vildagliptin und Saxa- gliptin senken nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern können einen positiven Effekt auf den Funktionserhalt der Zellen haben,die für die körpereigene Insulinproduktion zuständig sind.
Ich habe gelesen, dass von speziellen Nahrungsmitteln für Diabetiker abgeraten wird. Warum?
  Die moderne Diabetes-Ernährung unterscheidet sich kaum von der Ernährung eines Gesunden. Lediglich Mengen, Zusammensetzung und die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel wie etwa Weißmehlprodukte sind beim Diabetiker anders. Diabetiker können sich aus dem üblichen Angebot an Nahrungsmitteln bedienen, soweit sie ihre Therapievorgaben beachten. Spezielle Diabetiker-Produkte bieten keine Vorteile, sind aber meist teurer als herkömmliche Lebensmittel. Achten Sie auf mehr Ballaststoffe , also viel Salat und Gemüse. NOZ101013

Exp.Diabetes.xx   Diabetes-Experten

Foto oben: Die Experten der Telefonaktion: Jörg von Hübbenet von links, Diabetologe, Diabeteszentrum Wandsbek; Regina Ohland, Diabetesberaterin, Diabeteszentrum Wandsbek; Renate Fisch, Diabetesberaterin, Asklepios Westklinikum; Dr.Wolfgang Tigges, Chefarzt der Chirurgie, Asklepios Westklinikum; Prof. Manfred Dreyer, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin,  Kardiologie, Angiologie, Diabetologie, Asklepios Westklinikum.   CorneliaWernerHernandezHA060729

Was muss ich beachten, wenn ich zuckerkrank bin? Das war das Thema.
Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Ab welchen Blutzuckerwerten spricht man von einem Diabetes?
   Die Diagnose Diabetes wird definiert durch zwei Blutzuckerwerte, die höher liegen als 126 Milligramm pro Deziliter (mg/dl), gemessen morgens nüchtern. Der Bereich von 110 bis 126 mg/dl gilt als Grau- bereich. Ein Wert, der morgens nüchtern unter 110 mg/dl liegt, ist normal. Prof. Manfred Dreyer, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Diabe- tologie, Asklepios Westklinikum HH-Rissen
Wie unterscheiden sich 1 Diabetes Typ 1 und Typ 2?
   Typ-1-Diabetes entsteht dadurch, dass das Immunsystem Antikörper gegen die Zellen in der Bauch- speicheldrüse, die Insulin produzieren, bildet und so langsam zerstört. Deswegen haben diese Patienten irgendwann nicht mehr genug Insulin und müssen Insulin spritzen. Der Typ-2-Diabetes entsteht dann, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin produziert, um den Blutzuckerspiegel auf dem Normalwert zu halten. Hauptrisikofaktoren für den Typ-2-Diabetes sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Eine Rolle spielt dabei auch die erbliche Veranlagung. Jörg von Hübbenet, Diabetologe, Diabeteszentrum Wandsbek
Muss ich als Diabetiker mein Leben von heute auf morgen umstellen?
   Man sollte sich genau mit dem Patienten über seinen Lebensstil unterhalten und dann versuchen, die Therapie so weit wie möglich daran anzupassen. Diese Vorgehensweise ist auf lange Sicht sehr viel Erfolg versprechender, als wenn man von dem Patienten eine radikale Änderung seiner Lebensweise verlangt.
Regina Ohland, Diabetesberaterin, Diabeteszentrum Wandsbek
Muss ich dann auf alle Speisen verzichten, die ich gerne mag?
   Man muss nicht grundsätzlich auf alles verzichten, was man gerne mag. Es ist mehr die Frage, in welchen Mengen diese Dinge gegessen werden und welche Wirkung sie auf den Blutzuckerspiegel haben. Wenn man zum Beispiel auf das Stückchen Kuchen am Nachmittag nicht verzichten möchte, sollte man zwei Stunden nach dem Verzehr des Kuchens seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren, um festzustellen, ob der Wert noch zu tolerieren ist. Wer Insulin spritzt, kann damit auch entsprechend gegensteuern. Man sollte aber nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Kalorien im Blick behalten. Das heißt, wenn man ein Stück Kuchen isst, könnte man etwas anderes dafür weglassen.  Regina Ohland, Diabetesberaterin, Diabeteszentrum Wandsbek
Macht Insulin dick?
   Insulin an sich macht nicht dick, nur in Verbindung mit einem Überschuss an nicht verbrauchter Energie. Das heißt, wenn man viele Kohlenhydrate zu sich nimmt - und damit auch Kalorien - und gleichzeitig Insulin spritzt, kann es sein, dass die überflüssigen Kalorien direkt im Fettgewebe gespeichert werden.  Jörg von Hübbenet
Wie wirkt sich Bewegung auf den Blutzuckerspiegel aus?
   Wer regelmäßig drei- bis viermal pro Woche eine halbe Stunde flotten Schrittes spazieren geht,  kann damit den Blutzuckerspiegel dauerhaft senken. Das haben Studien ergeben. Patienten berichten immer wieder, dass sie niedrigere Blutzuckerspiegel haben, wenn sie sich moderat bewegen, also Spazierengehen oder Hausarbeit erledigen. Wenn sie sich überanstrengen, sind die Blutzuckerwerte hingegen hoch. Das entsteht dadurch, dass der Körper bei großer körperlicher Anstrengung seine Zuckerreserven mobilisiert. Deswegen ist weniger mehr. Ein bisschen Bewegung, aber mit Kontinuität und Ausdauer, hat einen enormen Effekt auf den Blutzucker und steigert auch den Fettabbau.  Jörg von Hübbenet 
Ist die Zuckerkrankheit heilbar?
  Diabetes ist, von ganz seltenen Ausnehmen abgesehen, nicht heilbar. Allerdings kann man das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu bekommen, durch eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und gesunder Ernährung deutlich reduzieren. Studien beweisen: Bis zu 56 Prozent der Menschen, die nach gesunden Richtlinien leben,  entwickeln keinen Typ-2-Diabetes.   Jörg von Hübbenet
Kann ich mit Diabetes verreisen?
 Grundsätzlich ja, dann kommt es aber auch darauf an, wie der Diabetes behandelt wird. In der Regel nehmen alle Diabetiker an einer Schulung teil, bei der auch das Thema Urlaub besprochen wird. Dabei wird individuell festgelegt, worauf der einzelne aufpassen muss und mit welchen Maßnahmen er dafür sorgen kann, dass er im Urlaub kein Problem mit seinem Diabetes bekommt. Jörg von Hübbenet
Wovor haben die Patienten die größte Angst?
   Die größte Angst haben die Patienten davor, sich Insulin spritzen zu müssen. Deswegen muss sich in unserer Klinik jeder Diabetiker, auch wenn er mit Tabletten behandelt wird, einmal unter Anleitung selbst Insulin spritzen. Die meisten stellen dabei fest, dass das Spritzen gar nicht so schlimm ist, wie sie befürchtet hatten. Mit dieser Vorerfahrung fällt es den Patienten später leichter, mit einer Umstellung  der Therapie von Tabletten auf Insulinspritzen umzugehen. Renate Fisch, Diabetes-Beraterin, Asklepios Westklinikum, HH-Rissen
Wie muss ich das Medikament Metformin einnehmen?
   Metformin wird mit dem Essen eingenommen, das heißt zum Beispiel etwa nach der Hälfte des Frühstücks oder nach dem Essen. Das wird für Metformin empfohlen, um Unverträglichkeiten im Magen-Darm-Bereich zu vermeiden. Bei den meisten anderen Diabetesmedikamenten müssen die Tabletten in der Regel vor dem Essen eingenommen werden. Wenn ein Patient eine Mahlzeit ausfallen lässt, soll er auch kein Metformin einnehmen. Die Einnahme dieses Medikamentes richtet sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach den großen Mahlzeiten, die man über den Tag zu sich nimmt.  Prof. Dreyer
Muss man auch als Typ-2-Diabetiker irgendwann Insulin spritzen?
   Das gilt nur für etwa 50 Prozent der Typ-2-Diabetiker. Prof. Dreyer
Welche Folgeerkrankungen kann der Diabetes nach sich ziehen?
   Dabei unterscheiden wir Krankheiten, die das Nervengewebe betreffen und kribbelnde Schmerzen in Füßen und Unterschenkeln hervorrufen, und Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen.  Treten diese an den Nieren auf, kann das dazu führen, dass die Patienten irgendwann eine Dialyse (Blutwäsche) brauchen.  Auch am Augenhintergrund kommt es zu solchen Gefäßveränderungen, die bis zur Erblindung führen können. Diese Probleme treten vor allem bei Typ-1-Diabetikern auf. Bei Typ-2-Diabetikern kommt es eher zu Veränderungen an den großen Blutgefäßen, und zwar deshalb, weil diese Patienten häufig auch einen Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen haben. Das Herzinfarktrisiko für Patienten mit Typ-2-Diabetes ist zwei- bis dreimal so hoch wie bei Nichtdiabetikern. Mit einer guten Therapie von Fettstoffwechsel,  Blutdruck und Diabetes ist dieses Risiko wieder normalisierbar. Alles muss optimal eingestellt sein und regelmäßig kontrolliert werden.
Prof.Dreyer
Welche Kontrolluntersuchungen sind nötig?
   Diabetiker sollten einmal pro Jahr ihren Augenhintergrund untersuchen lassen. Der Augenarzt kann schon kleine Veränderungen frühzeitig erkennen. Veränderungen an der Niere lassen sich frühzeitig an einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin feststellen. Diese Untersuchung kann man beim Hausarzt durchführen lassen, ebenso wie die Untersuchung der Tiefensensibilität mit der Stimmgabel. Prof. Dreyer
Was ist der diabetische Fuß?
   Der Fuß des Diabetikers ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Durch die Nervenschädigung fehlen die Schutzmechanismen, weil die Patienten an den Füßen keine Schmerzen spüren. So kann es zu Fehlbelastungen mit Hornhautverdickungen kommen, die das darunter liegende Gewebe verletzen. Ein anderer Mechanismus: Die Patienten ziehen sich eine banale Verletzung zu, etwa eine kleine Wunde durch einen Stein im Schuh. Auf Grund der Nervenschädigung wird der Schmerz dort nicht wahrgenommen. Dann entzündet sich die Wunde, doch wegen des fehlenden Schmerzes wird der Fuß weiter belastet, so dass die Infektion sich immer mehr ausbreitet. Im schlimmsten Fall muss der Fuß amputiert werden.  Prof. Dreyer 
Wie können Gefäßchirurgen Diabetikern helfen?
   Im Bereich der Gefäßchirurgie ist die Blutzuckererkrankung ein Risikofaktor für Durchblutungs- störungen, und wir haben uns darauf spezialisiert, Bypassoperationen bis hinunter zum Fuß durch- zuführen. Durch einen solchen Bypass können wir die Durchblutung verbessern und damit Amputationen verhindern.
Dr.Wolfgang Tigges, Chefarzt Chirurgie, Asklepios Westklinikum,HH-Rissen

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   Experten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung antworten in einer Telefonaktion zu Diabetes auf Fragen: von links: Prof. Diethelm Tschöpe, Diabeteszentrum NRW; Prof. Thomas Danne, Kinderklinik auf der Bult, Hannover; Ralph Geldmacher, Hannover; Michael Sarbandi, Bielefeld.

Ich habe bereits seit vielen Jahren Typ-2-Diabetes. Erst halfen mir Tabletten, inzwischen muss ich aber Insulin spritzen. Dass Bewegung den Zuckerstoffwechsel verbessert, glaube ich gerne. Aber mit meiner Herzschwäche und den Bypässen kann ich nicht mal ordentlich spazieren gehen. Haben Sie trotzdem einen Tipp für mich?
   Leider gibt es viele Typ-2-Diabetiker, die wie Sie Herzprobleme haben. Das ist eine Folgeerscheinung der Zucker- krankheit, die es tatsächlich schwer macht, allgemeine  Bewegungsempfehlungen umzusetzen. Trotzdem lohnt es sich Bewegung auf jeden Fall - Sie werden jede kleine Verbesserung spüren. Sport sollte allerdings nach einem individuellen Trainingsplan und unter ärztlicher Aufsicht stattfinden. Eine gute Anlaufstelle sind da beispielsweise Herzsportgruppen. Ihr Arzt kann Ihnen sicher eine solche Gruppe empfehlen. Ganz wichtig: Bevor Sie mit dem Training beginnen, sollten Sie Ihren Diabetes optimal einstellen - notfalls in einer Diabetesklinik. Denn schlechte Werte setzen auch  die  Herzleistung  herab. Zudem kann es sein, dass Sie durch die Herzschwäche Wasser- ansammlungen im Körper haben. Diese wiederum reduzieren die Wirksamkeit des Insulins.
Meine Mutter hat Diabetes und ich habe den Verdacht, dass ihre Medikamente nicht richtig wirken. Was bedeuten die verschiedenen Blutzuckerwerte und in welchem Bereich sollten sie liegen?
   Die Blutzuckerwerte beschreiben, wie viel Glukose das Blut enthält. Bei Diabetikern sind diese Werte abhängig vom Alter, Begleiterkrankungen und Lebensumständen. Als Anhaltspunkt kann Folgendes dienen: Nüchtern sollte der Blutzuckerwert zwischen 80 und 100 Milligramm pro Deziliter Blut liegen, zwei Stunden nach dem Essen zwischen 80 und 135 Milligramm pro Deziliter Blut. Daneben gibt es den sogenannten Langzeitblutzuckerwert, HbA1c. Er zeigt die Menge der Verbindungen von Zucker mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin im Blut in Prozent. Weil die Zucker-Hämoglobin-Komplexe etwa 60 Tage stabil sind, kann der Arzt anhand des HbA1c-Wertes den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel in den letzten Wochen ablesen. Der HbA1c- Wert sollte möglichst unter sieben liegen.
Ich bin 66 Jahre alt, übergewichtig und habe seit etwa 20 Jahren Diabetes Typ 2. Leider habe ich morgens um acht immer sehr hohe Nüchternblutzuckerwerte, obwohl ich zwischen 22 und 23 Uhr immer ein Verzögerungsinsulin zur Nacht nehme. Morgens muss ich trotzdem große Mengen Insulin spritzen. Auch zusätzliche Tabletten haben bisher nichts gebracht. Außerdem schlafe ich schlecht und liege oft wach. Haben Sie einen Rat für mich?
   Ein Problem ist sicher, dass Sie erst gegen acht Uhr morgens wieder Insulin spritzen. Denn kein Verzögerungs- insulin wirkt länger als acht Stunden. Zudem produziert unser Körper morgens vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin, die den Blutzuckerspiegel zusätzlich anheben. Wenn Sie nachts ohnehin wachliegen, können Sie probieren, um 4.30 Uhr ein Normalinsulin zu spritzen. Das garantiert Ihnen eine Wirkung bis in den Morgen hinein und sie können auf das Verzögerungsinsulin verzichten. So wird auch eine Gewichtsreduktion einfacher. Auch tägliches Spazierengehen beeinflusst den Insulinspiegel enorm und tut den Gelenken gut. Sie wissen ja: Wer rastet, der rostet!
Mein Freund hat Diabetes Typ 1 und spritzt regelmäßig Insulin. Er möchte aber nicht darüber reden. Wie kann ich ihm helfen?
   Dass jüngere Menschen, die seit ihrer Kindheit Diabetes haben, nicht über ihre Krankheit sprechen möchten, beobachten wir häufig. Oft sind sie frustriert, weil ihr Langzeitblutzuckerwert zu hoch ist, obwohl sie Medikamente nehmen. Gerade in schwierigen Phasen wie Pubertät oder Ausbildung klappt es mit dem Blutzuckermanagement oft nicht wie gewünscht. Dann sollte man sich nicht durch zu hoch gesteckte Ziele demotivieren zu lassen. Auch kleine Fortschritte helfen. Bei einem Langzeitblutzuckerwert von neun macht schon eine kleine Senkung eine enorme Verbesserung aus. Wer sich gar nicht kümmert, den holen dann ab Mitte 20 die ersten Anzeichen von Folgeerkrankungen ein: Eiweiß im Urin, Bluthochdruck oder erste Schäden am Augenhintergrund.
Ich bin 78 Jahre alt und habe seit einigen Jahren Diabetes Typ 2.  Noch komme ich mit Tabletten aus, die meine Insulinresistenz bekämpfen. Auch mein HbA1c-Wert liegt unter sieben. Wie schaffe ich es, diesen Zustand möglichst lange zu erhalten?
   Anhand Ihrer Medikamente kann ich ersehen, dass Sie noch am Anfang der Erkrankung stehen. Beim Diabetes Typ 2 verlieren die Zellen ihre Sensibilität für Insulin.  Die Tabletten sollen diesen Zustand verbessern. Denn je weniger der Körper auf das Insulin reagiert, desto mehr von diesem Hormon schüttet die Bauchspeicheldrüse aus - bis sie irgendwann erschöpft schlappmacht und die Insulinproduktion immer mehr einstellt. Dann benötigt der Diabetiker zusätzliches Insulin. Um diesen Zeitpunkt hinauszuzögern ist eine Gewichtsabnahme ein gutes Mittel. Am besten erreichen Sie das durch regelmäßige Bewegung. Das müssen keine längeren Radtouren sein. Spaziergänge und Treppensteigen tun es auch.
Vor einem Jahr hat mir mein Arzt gesagt, dass ich Diabetes habe. Eigentlich bin ich nicht der typische Risikokandidat. Ich bin 58 Jahre alt, schlank, gesund und bewege mich viel. Wie kann das sein?
   Ich könnte mir vorstellen, dass Sie eine Sonderform  des  Diabetes  haben,  den spätmanifestierten Jugenddiabetes (Typ 1). Das macht für Sie zunächst keinen großen Unterschied. Allerdings werden Sie beim Typ-1-Diabetes eher insulinpflichtig, weil das Insulin im Körper fehlt. Das lässt sich auch durch mehr Bewegung nicht beeinflussen. Ich würde Ihnen empfehlen, sich in einem  Fachzentrum  ambulant oder stationär einstellen zu lassen.
Meine Freundin ist 24 Jahre alt, Typ-1-Diabetikerin und sucht nach einem geeigneten Sport. Ihre Eltern haben sie leider bei der Bewegung immer gebremst. Was würden Sie ihr empfehlen?
   Am besten ist, sie probiert aus, was ihr Spass macht. Beispielsweise gibt es Einsteigersportarten wie Nordic Walking. Auch das Tanzen wird oft unterschätzt. Das ist ein Sport, der Rhythmus, Spass und Geselligkeit verbindet. Auch Ballspiele wie Badminton machen in jedem Alter Spass. Und: Es gibt auch viele Leistungssportler mit Diabetes-Typ-1. Weil jede Form von Bewegung jedoch die Sensiblität der Körperzellen für Glukose erhöht, sollten Sie mit Ihren Arzt sprechen, bevor Sie mit dem Sport starten. Er muss Ihren Blutzucker so einstellen, dass die Bewegung mit eingeplant ist. HAzeZ070503

Wissen, was bei Diabetes zählt. Aktionstage sollen für Blutzuckerwerte sensibilisieren
   Übergewicht und Bewegungsmangel sind wesentliche Risikofaktoren für die Volkskrankheit Diabetes. Deshalb sind Sport und Bewegung für Zuckerkranke besonders wichtig. Sport hilft nicht nur dabei, den Bauchumfang zu reduzieren, sondern er wirkt sich auch positiv auf den Blutzuckerspiegel aus und erhöht das persönliche Wohlbefinden.
   Das Problem für viele chronisch Kranke ist allerdings den richtige Einstieg in eine regelmäßige Bewegung zu finden. Dabei will die Aktion „Wissen, was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7" helfen. Mit Aktionstagen weisen die Pharmafirma Sanofi-Aventis und ihre Partner auf die Bedeutung des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c hin. Er ist ein wichtiger Marker für Folgeerkrankungen wie Nierenleiden, Nervenprobleme oder Gefäßschäden. HAzeZ070503

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Besser leben mit Diabetes. 
   Mehr als 200 Gäste kamen ins Krankenhaus Bethanien in Hamburg zum Gesundheitsforum von NDR 90,3, N3, Hamburg Journal und dem Hamburger Abendblatt. Die Experten auf dem Podium: Dr.Wolfgang Tigges, Chefarzt chir. Abteilung, Asklepios Westklinikum: Dr. Jürgen Wernecke, Chefarzt Geriatrie, Bethanien; Annette Welcker, Moderation Hamburger Abendblatt; Prof.Manfred Dreyer,  Ärztlicher  Direktor  Bethanien; Dr. HansUllrich Clever, niedergelassener Diabetologe, Renate Fisch; Diabetesberaterin, Bethanien.
HA040703 Foto: Mit einem Pieks im Ohrläppchen wird der Blutzuckerspiegel überprüft.

Wie viele Menschen sind von Diabetes betroffen?
   Die Diabeteshäufigkeit nimmt dramatisch zu. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Diabetiker in Deutschland sich alle 15 Jahre verdoppelt. Aus Untersuchungen wissen wir auch, dass fast 40 Prozent der über 45-jährigen Deutschen durch Diabetes bedroht sind. Die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel  nehmen in der Bevölkerung laufend zu. Wenn wir in der Bevölkerung eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von fünf bis sieben Kilo und fünfmal eine halbe Stunde schnelles Spazierengehen in der Woche erreichen, nimmt das Diabetesrisiko um die Hälfte ab. Prof. Manfred Dreyer, Diabetologe und Ärztlicher Direktor des Bethanien-Krankenhauses
Wie wird Diabetes festgestellt?
   Es wird der Blutzucker gemessen. Wenn dieser Wert zweimal nüchtern, das heißt vor dem Frühstück gemessen, höher als 126 ist oder im Laufe des Tages einmal über 200 liegt, dann besteht ein Diabetes. Prof. Dreyer
Was bedeutet der HbA1c-Wert?
   Der HbA1cWert gibt an, wie viel Prozent der roten Blutkörperchen durch hohe Blutzuckerwerte verzuckert sind. Wenn der Wert unter sieben Prozent liegt, sind wir mit der Einstellung des Blutzuckers sehr zufrieden.
Dr.Hans-U.Clever, Diabetologe in einer Hamburger Diabetes-Schwerpunktpraxis
Was gehört zu einer guten Diabetes-Einstellung?
   Jeder Diabetiker, egal welche Therapie er bekommt, sollte eine Grundlagenschulung machen. Viele Hausärzte bieten solche Schulungen an, in denen man das Wichtigste über Diabetes, richtige Ernährung, diabetische Fuß- komplikationen, Blutzucker- oder Urinzuckerkontrollen erfährt. Wer intensivere Tablettentherapien oder Insulin benötigt, braucht intensivere Schulungen, die in speziellen Einrichtungen, Kliniken und Schwerpunktpraxen ange- boten werden.   Dr. Clever
Wie kann ich abnehmen?
   Mit zunehmendem Alter, ab dem 30. Lebensjahr, verbraucht man weniger Energie. In einem Kilogramm Fettgewebe stecken 7.000 Kalorien. Das heißt, ich muss 7.000 Kalorien einsparen, um ein Kilo Fett abzunehmen. Dafür braucht man lange. Man kann es nur schaffen, wenn man seine Energiezufuhr verringert, also etwas weniger aufnimmt als man braucht und dann über lange Zeit abnimmt. Wenn Sie ein Kilo im Monat schaffen, haben sie sehr viel erreicht, auch wenn es ein Kilo in zwei Monaten ist. Auch wenn Sie es schaffen, ihr Gewicht zu halten, ist das schon ein Erfolg.  Renate Fisch, Diabetesberaterin, Krankenhaus Bethanien
Wie kann ich mich so bewegen, dass ich abnehme?
   Um Fett abzubauen, müssen Sie sich lange genug bewegen, zum Beispiel mit Nordic Walking. Das heißt eine halbe Stunde stramm gehen. Oder gehen Sie schwimmen oder Rad fahren. Um Fett abzubauen, sollten Sie Ausdauersport betreiben,  wobei die Ausdauerbelastung mindestens 20 Minuten betragen sollte, eher länger. Die Intensität ist dabei nicht von so großer Bedeutung. Es reicht eine Pulsfrequenz von 100 in der Minute. Hans-Hauke Engelhardt, Geschäftsführer von „Herz in Form”
Welche Folgen hat ein zu hoher Blutzuckerwert?
  Zu hohe Blutzuckerwerte können zu Komplikationen an kleinen Blutgefäßen mit Nieren- und Augen- veränderungen führen, an großen Blutgefäßen mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen an den Beinen und zu Nervenveränderungen mit entsprechenden Gefühls- störungen. All diese Komplikationen lassen sich durch eine gute Blutzuckereinstellung gut vermeiden.
Prof. Dreyer
Welche Ursachen haben offene Stellen an den Füßen?
   Es gibt eine Venenschwäche, bei der die Haupttherapie darin besteht, dass man Kompressionsstrümpfe trägt. Dann heilen solche Wunden, kleine Geschwüre, die sich üblicherweise am Unterschenkel entwickeln, wieder ab. Viel gefürchteter ist das diabetische Fußsyndrom, das auf dem Boden einer Durchblutungsstörung oder einer Ner- venstörung entstanden ist. Aus Hornhautschwielen, die plötzlich aufplatzen, entstehen Wunden unter dem Fuß, die nicht weh tun und in denen sich schnell unbemerkt Infektionen bilden können. Wunden, die nicht innerhalb weniger Tage abheilen, sollten dem Arzt gezeigt werden. Möglicherweise braucht man Antibiotika, um die Infektion zu beherrschen. Wenn sie trotzdem nicht abheilen, liegen oft auch Durchblutungsstörungen vor. Auch das muss man abklären. Dr. Clever
Welche Aufgabe hat der Chirurg in der Behandlung?
   Diabetes ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung der Arteriosklerose, und die Arteriosklerose bedingt Durchblutungsstörungen. In unserer Klinik führen wir sehr viele gefäßchirurgische Eingriffe durch, in denen wir durch Bypässe die Durchblutung verbessern können, damit offene Wunden beim diabetischen Fuß zur Abheilung gelangen können. Dr.Wolfgang Tigges, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung, Asklepios-Westklinikum HH.
Wie werden die Bypässe gelegt?
  Durch einen Bypass, den man zum Beispiel von der Leiste oder vom Kniegelenk bis zum Fußrücken zieht, lässt sich die Durchblutung so verbessern, dass die Wunde zur Abheilung kommt. Jede Wunde am diabetischen Fuße braucht Sauerstoff, um abzuheilen. Wichtig ist auch festzustellen, ob diese Wunde durch Durchblutungsstörungen bedingt ist, die auf Grund der Schmerzlosigkeit durch die Nervenschädigung nicht bemerkt werden. Begleitende Durchblutungsstörungen sind bei bis zu 50 Prozent dieser diabetischen Fußsyndrome gegeben. Das Problem ist, sie frühzeitig zu erkennen. Je weniger Gewebsschädigung eingetreten ist,  desto eher hat man die Möglichkeit, größere Gewebsdefekte oder Amputationen zu vermeiden.  Dr. Tigges
Was ist bei älteren Menschen besonders zu beachten?
   Viele denken, dass die Symptome, die sie spüren, wie Leistungsabbau, Gedächtnisstörungen oder Gang- unsicherheiten mit ihrem Alter zu tun haben. Aber oft steckt dahinter ein beginnender Diabetes und schlechte Blutzuckerwerte, die dazu führen, dass man viel Flüssigkeit verliert und dann durch die Stoffwechselstörung diese Symptome hat. Wenn der Diabetes gut eingestellt ist, können diese Symptome ganz schnell wieder verschwinden, und man kann bis in höchste Alter hinein seine Leistungsfähigkeit gut erhalten.
Dr. Wernecke, Chefarzt der Geriatrie, Krankenhaus Bethanien
Können Süßigkeiten bei Kindern zu Diabetes führen?
   Das Problem dabei ist die einseitige Ernährung. Die Ernährung sollte ausgewogen sein und nicht zu Übergewicht führen. Kinder, die mit Übergewicht aufwachsen, haben schon dadurch ein erhöhtes Risiko, einen Diabetes zu bekommen. Der andere Teil des Risikos ist genetisch bedingt. Wenn mehrere Familienmitglieder unter den Eltern oder Großeltern an Diabetes erkrankt sind, dann ist das Risiko um einiges höher, selbst auch einen Diabetes zu bekommen. Aber Vermeidung von Übergewicht, genug Be- wegung und gesunde Ernährung können diese Entwicklung viel entscheidender stoppen.  
Dr. Wernecke. CorneliaWernerHA040703

Rat und Hilfe für die Augen. Eine Telefonaktion des Hamburger Abendblattes  und NDR 90,3 zu den Fragen:
Grauer und Grüner Star, Makula-Degeneration und Hilfe bei trockenen Augen

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Foto von links:  Lars Critzmann, Optiker; Dr. Harald Wirt, Oberarzt, AK Barmbek; Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt, AK Barmbek; Dr. Patricia Kübek, Oberärztin, AK Barmbek; Dr. Friedrich Flohr, niedergelassener Augenarzt.

Ich hatte eine Venenthrombose am Auge und sehe jetzt alles verschleiert. Was kann ich tun, damit es besser wird?
   Der normale Verlauf ist, dass sich die Blutungen und Netzhautveränderungen zu einem Großteil wieder auflösen. Damit kann sich das Sehvermögen etwas bessern, aber meistens wird der ursprünglich gute Ausgangswert nicht wieder ganz erreicht. Sie müssen jetzt darauf achten, dass keine Folgeerkrankungen auftreten. Ihr Augenhinter- grund muss  von einem niedergelassenen Augenarzt regelmäßig kontrolliert werden weil es zu Gefäßneubildungen kommen kann, die behandelt werden müssen. Wichtig ist auch, dass der Blutdruck und die Blutfettwerte gut eingestellt sind.
Dr. Patricia Kübek, Oberärztin in der Abt. für Augenheilkunde, AK Barmbek
Helfen Vitamine gegen eine trockene Makuladegeneration?
   Bei der trockenen Makuladegeneration sollte der Augenarzt regelmäßig kontrollieren, ob sie nicht in eine feuchte Makuladegeneration übergeht. Das einzige therapeutische Mittel bei der trockenen Makuladegeneration sind hochdosierte Vitaminpräparate. Damit kann man die Makuladegeneration nicht heilen. Sie können auch nicht verhindern, dass sich der Zustand verschlechtert, aber Sie können den Prozess verlangsamen.
Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde, AK Barmbek.
Führt die trockene Makuladegeneration zur Erblindung?     
    Zur Erblindung führt die Makuladegeneration nicht. Was nachlässt, ist die zentrale Sehschärfe, also die Lese- schärfe, aber das Gesichtsfeld außenherum bleibt erhalten.  Das heißt, die Orientierung im Raum, um sich in einem Zimmer sicher bewegen zu können, bleibt erhalten. Dr. Patricia Kübek, Oberärztin, AK Barmbek.
Gibt es eine neue Therapie der feuchten Makuladegeneration?
   Die feuchte Makuladegeneration führt in relativ kurzer Zeit zum Verlust des zentralen Sehens. Eine Laser- therapie (Photodynamische Therapie) soll die Gefäßneubildung, die unter der Netzhaut stattfindet, zum Stillstand bringen. Dabei wird versucht, die neu gebildeten Gefäße zu verschließen. Damit kann der Prozess nicht gestoppt, aber zumindest verlangsamt werden. Die Gefäße können aber wieder regenerieren und eine erneute Therapie erforderlich machen. Leider kann die Therapie nicht beliebig oft wiederholt werden.
Dr.Harald Wirt, Oberarzt, Abteilg. Augenheilkunde, AK Barmbek.
Ich hatte eine Netzhautablösung, die gelasert worden ist, und  habe nun Flocken im Auge. Was ist das?
   Diese „Mouches volantes”, übersetzt „fliegende Mücken”, entstehen durch Glaskörpertrübungen. Wenn die Seh- beeinträchtigungen ganz massiv sind, könnte man diese Trübungen operativ durch eine so genannte Glas- körperoperation entfernen. Dabei werden die Trübungen aus dem Glaskörper herausgeschnitten. Das ist aber eine risikoreiche Operation, zu der man nur rät, wenn sie unbedingt nötig ist. Deshalb verzichtet man bei den meisten Patienten darauf. Dr. Harald Wirt, Oberarzt in der Abteilung für Augenheilkunde, AK Barmbek.
Was kann ich gegen extrem trockene Augen tun?
  Es gibt unterschiedliche Befeuchtungstropfen, dünn- bis dickflüssig. Sie müssen ausprobieren, welche Ihnen am besten helfen. Wenn Tropfen nicht reichen, gibt es noch die Möglichkeit, den Tränenabfluss zu bremsen. Dabei wird probeweise der Abflusskanal mit kleinen Pfropfen verstopft. Wenn das eine Steigerung der Tränenmenge am Auge bewirkt, kann man operativ die Tränenpünktchen dauerhaft verschließen.
Dr. Patricia Kübek - Oberärztin, AK Barmbek.
Kann ich akuten Schüben bei chronischer Lidrandentzündung vorbeugen?
  Auch wenn es juckt, lautet die Parole: „Finger weg vom Auge”. Zusätzlich ist eine gründliche Augenpflege wichtig. Einige Patienten profitieren  von  einer täglichen Reinigung der Augenlider mit Baby-Shampoo. Mit Hilfe eines Q- Tipps lassen sich die Wimpern vorsichtig shampoonieren, so dass kleine Ablagerungen und Krüstchen, die eventuell eine Entzündung hervorrufen können, beseitigt werden. Dr. Friedrich Flohr, niedergelassener Augenarzt.
Nach körperlicher Anstrengung hatte ich Sehstörungen, die für zwei Stunden anhielten. Die Netzhaut- untersuchung beim Augenarzt zeigte sich völlig normal. Was kann das sein?
    Zusätzlich sollten auch die Halsschlagadern und die Blutsenkung überprüft werden. Auch ein zu niedriger Blut. druck kann die Ursache von Sehstörungen sein. Dr. Friedrich Flohr, niedergel. Augenarzt
Meine Augen tränen, sind geschwollen, und ich habe einen Druck hinter dem Auge. Zusätzlich ist eine Über- funktion der Schilddrüse bekannt.
   Das A und 0 ist die gute Einstellung Ihrer Schilddrüsenfunktion mit Werten im Normbereich. Damit besteht die Chance, dass sich der Zustand der Augen beruhigt und keine weiteren Veränderungen auftreten.  Wichtig ist, dass es nicht zum Hervortreten der Augen kommt. Falls am Auge nun vermehrt Beschwerden auftreten, sollte eine hochdosierte Cortisontherapie oder eine Bestrahlung der Augen durchgeführt werden.
Dr. Harald Wirt, Oberarzt in der Augenheilkunde, AK Barmbek
Wie wird ein grauer Star operiert? 
   Es ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation. Die Operation verspricht exzellente Aussichten auf eine Rehabilitation und kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Bei der Operation wird die Linse entfernt, wobei aber die Naheinstellungsreaktion verloren geht, so dass man zum Lesen eine Lesebrille benötigt.
   Neuere Kunstlinsen, so genannte akkomodierende Linsen, verändern die Brechkraft nur in einem sehr be- grenzten Bereich. Vorher muss mittels einer Ultraschalluntersuchung genau die individuelle Linse berechnet werden. Weitere neuere Linsen sind so genannte Multifokallinsen. Bei diesem Linsentyp müssen beide Augen operiert werden. In das eine Auge wird eine Linse mit Schwerpunkt für das Nahsehen, in das andere eine Linse mit Schwerpunkt für das Weitsehen eingesetzt. Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Linsentyp sehr gut für das räumliche Sehen ist. Die Patienten können im günstig- sten Fall ganz auf eine Brille verzichten.
Dr.Harald Wirt,Oberarzt Augenheilkunde,Barmbek
Welche Untersuchungen sind beim grünen Star notwendig?    
   Das wichtigste ist, dass der Augeninnendruck, das Gesichtsfeld und der Sehnerv regelmäßig kontrolliert werden.  Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt für Augenheilkunde, AK Barmbek
Was kann die Ursache für eine Episkleritis sein?
   In Betracht kommen meistens rheumatische Erkrankungen, im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich oder der Zähne, auch können die Prostata oder eine Muskelentzündung Ursache für die Episkleritis sein. 
Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde, AK Barmbek.
Was ist die Ursache für einen grünen Star bei Jugendlichen?   
   Es handelt sich dabei um eine angeborene Störung der Abflusskanälchen. Sie lassen das Kammerwasser des Auges nicht richtig abfließen. Eine Operation ist möglich, sollte aber so spät wie möglich durchgeführt werden, da die Erfolgsrate steigt, je älter der Patient ist.
Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde, AK Barmbek  
CORNELIA WERNER/DANIELA TOMINSKI,HA040228

AMD,Mak,xx      AMD

   Die Netzhaut des Auges besteht aus mehreren Schichten. Die eine bildet die Nervenfasern, die andere besteht aus den Netzhautsinneszellen. Diese Sinneszellen sind in das so genannte Pigmentepithel eingebettet, die Grenz- schicht zur darunter liegenden Aderhaut. Das Pigmentepithel sorgt für die Ernährung der Sinneszellen und den Abtransport von Stoffwechselabfallprodukten. Bezogen auf sein Gewicht hat es die höchste Stoffwechselaktivität im Körper. Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) wachsen dort neue Gefäße ein.

HAZRolfWinter HAZAnkeLuhr HAZWolfgangWichmann HAZSabineSchule HAZGerhardPfannschmidt

F otos oben von links:
Die Experten der Telefonaktion der HAZ: Die Experten: Prof. Rolf Winter, Leiter der Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH); Dr. Anke Luhr, MHH-Augenklinik; Dr. Wolfgang Wichmann, Augenarzt in Hannover; Sabine Schule und Gerhard Pfannschmidt, Pro Retina Selbsthilfe Hannover. SurreyHAZ051011

Wie stellt man eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) fest?
   Die AMD schränkt das Sehvermögen im Punkt des schärfsten Sehens, der Makula, ein. Die Betroffenen selbst merken von der Erkrankung meist erst etwas,  wenn das Lesevermögen schon teilweise verloren gegangen ist. Um eine beginnende AMD rechtzeitig zu erkennen, sollte man seine Augen regelmäßig untersuchen lassen. Eine AMD stellt der Augenarzt durch eine Netzhautspiegelung fest. Dazu wird die Pupille mit Augentropfen eine Weile weit gestellt. Der Augenarzt kann dann den Augenhintergrund genau untersuchen. Als weiterführende Untersuchung gibt es noch Fluoreszenz-Angiographie. Damit kann der Augenarzt die tieferen Schichten der Netz- hautbesser darstellen.
Was ist der Unterschied zwischen trockener und feuchter AMD?
   Bei der trockenen AMD funktioniert der Stoffwechsel in der Netzhaut altersbedingt schlechter, so dass sich dort Stoffwechselabfallprodukte ablagern. Dadurch kann das Lesevermögen verloren gehen. Bei der feuchten AMD wachsen heue Gefäße aus der Aderhaut in das Pigmentepithel der Netzhaut ein. Weil sie brüchig sind, kommt es dabei oft zu Blutungen, die Ablagerungen hinterlassen.
Der Augenarzt hat bei mir eine feuchte AMD festgestellt. Was kann ich selber tun, um das Fortschreiten auf- zuhalten?
   Der wichtigste Risikofaktor für die AMD ist das Rauchen. Aber auch Übergewicht spielt eine Rolle. Zusätzlich sollten Sie darauf achten, dass eventuell vorhandener Bluthochdruck oder ein Diabetes gut eingestellt sind.
Ich bin 68 Jahre alt und habe eine trockene AMD. Jetzt hat mir die Apothekerin ein Vitaminpräparat empfohlen. Ist das sinnvoll?
   Fachleute diskutieren heute, dass wir möglicherweise nicht mehr genügend Vitamine aufnehmen, wenn wir älter werden. Für ältere Menschen könnte es daher sinnvoll sein, zusätzliche Vitamine über Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen, damit die Netzhaut besser ernährt wird. In Ihrem Fall wären das vor allem die Vitamine A, C, E, B1, B2, B6, Lutein und Zeaxanthin. Damit lässt sich die AMD zwar nicht heilen, aber es kann sein, dass sie langsamer fortschreitet. Eine große Vitaminstudie hat zumindest festgestellt, dass ein Teil der Patienten profitiert. Wichtig ist allerdings, dass Sie nicht rauchen, wenn Sie diese Vitamine nehmen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Vitamin E zusammen mit Zigarettenrauch die Lungenkrebsrate erhöht.
Ich trage seit 32 Jahren Kontaktlinsen. Nun gibt es den Verdacht, dass ich AMD habe. Muss ich dann auf die Linsen verzichten?
   Nein, bei der AMD ist nicht die Hornhaut, sondern der Augenhintergrund betroffen. Dort bekommt die Netzhaut zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Die Linsen haben darauf keinen Einfluss.
Mein Arzt hat bei mir eine AMD festgestellt. Wo bekomme ich Informationsmaterial?
    Informationsmaterial können Sie bei der Geschäftsstelle der Selbsthilfevereinigung Pro Retina, Vaalser Straße 108, 52074 Aachen, Telefon (0241) 87 00 18, bestellen. Treffpunkt für Betroffene aus Hannover ist die Regional- gruppe Hannover von Pro Retina, die einen Austausch mit anderen und Vorträge zu Augenerkranküngen bietet. Die Kontaktnummer lautet 05594-14 66.
Ich habe eine AMD. Hilft Akupunktur?
   Ein Kollege bietet seinen Patienten Akupunktur an. In einem Teil der Fälle haben diese davon auch profitiert. Man kann das probieren, Sie müssen aber selbst entscheiden, ob und wie lange Sie das weiterführen - und bezahlen.
Mein Mann ist 79 und hat eine trockene AMD. Auf einem Auge sieht er noch 40 Prozent, auf dem anderen 10 Prozent. Kürzlich war er dann beim Augenarzt, um sich mit einem Kaltlaser behandeln zu lassen. Das hat aber nicht geholfen. Wie kommt das?
   Bei einer trockenen AMD hilft die Laserbehandlung nicht. Man kann die Krankheit nicht aufhalten,  aber glück- licherweise wird sie nur langsam schlechter. Alles, was man tun kann, ist, den Stoffwechsel durch Vitamin- präparate zu verbessern, die Lutein und Zeaxanthin enthalten. Bei der feuchten AMD hilft die Laserbehandlung dagegen in vielen Fällen. Kommt zu der trockenen also noch eine feuchte AMD hinzu, sollte man über eine Lasertherapie nachdenken.
Mein Schwiegervater ist 82, hat eine AMD und grauen Star auf beiden Augen. Er sieht starke graue Schleier. Würde es etwas bringen, den grauen Star operieren zu lassen?
   Wenn Ihr Schwiegervater eine trockene AMD hat, die stabil ist, kann man ohne Probleme operieren. Bei einer feuchten AMD sollte man damit vorsichtiger sein,  weil die Operation eine Verschlechterung auslösen könnte.
Ich habe grünen Star und gehe alle drei Monate zur Kontrolle zum Augenarzt. Dazu nehme ich Betablocker und ein Medikament, das die Pupille eng stellt. Kann ich dabei bleiben oder sollte ich andere Medikamente ausprobieren?
   Es ist richtig, dass Sie eine „ältere” Therapie bekommen. Inzwischen gibt es auch andere Medikamente wie die Prostaglandinanaloga und Dorzolamid. Um beurteilen zu können, ob Ihnen diese möglicherweise besser helfen, muss man das Auge gründlich untersuchen. Dazu gehört ein Tagesprofil des Augendrucks und auch eine Messung der Hornhautdicke.
Ich bin 61 Jahre alt und arbeite den ganzen Tag am Computer. Wenn ich dann vor die Tür gehe, sehe ich für eine Weile die Fahrbahnstreifen doppelt. Woran liegt das?
  Das hört sich nach einer Überlastung an. Wenn wir am Monitor sitzen, werden die Augen stärker zusammen- gestellt. Geschieht das längere Zeit ohne Unterbrechung,  kann es sein, dass die Augen sich wieder neu einstellen müssen. Ich würde Ihnen empfehlen, die Arbeit von Zeit zu Zeit zu unterbrechen oder Entspannungsübungen zu machen. Oft hilft es, ohne Brille in die Ferne zu sehen. Man kann auch vorsichtig die Augen massieren.
Ich habe auf beiden Augen kleine Netzhautrisse. Mein Arzt sagt, das sei eine Erbkrankheit, gegen die man nichts unternehmen kann. Stimmt das?
   Leider ja. Die Risse in der Netzhaut resultieren aus einer erblichen Bindegewebsschwäche. Man kann sie nicht behandeln. Weil daraus aber leicht zusätzlich eine feuchte AMD entstehen kann, sollten Sie Risikofaktoren wie das Rauchen dringend vermeiden.
Seit einiger Zeit habe ich auf einem Auge einen Schatten. Was hat das zu bedeuten?
   Meist ist ein Schatten etwas Harmloses. Der Glaskörper unseres Auges besteht aus einem wässrigen Gel, das in eine Art Molekülgitter eingelagert ist. Verschiebt sich dieses Gitter, kann es zu einer Glaskörpertrübung kommen. Man kann diese zwar nicht entfernen, aber das Gehirn sieht normalerweise mit der Zeit darüber hinweg. Vorsichtshalber sollten Sie aber beim Augenarzt überprüfen lassen, ob Ihre Netzhaut in Ordnung ist.

 Das Auge fest im Blick -  Mehr als 350 Gäste kamen zum Forum,  zu dem das Hamburger Abendblatt,
 NDR 90,3 und Hamburg Journal eingeladen hatte. Thema: Augenleiden

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   Teilnehmer am Gesundheitsforum im AK Barmbek Foto oben v.l.n.r: Wolfgang Simon, Optiker; Prof. Dietrich von Domarus, Chefarzt der Augenklinik des AK Barmbek; Annette Welcker, Moderation, Hamburger Abendblatt; Dr. Harald Wirt, Leitender Oberarzt der Augenklinik AK Barmbek;  Dr. Kathrin Jokisch, Oberärztin der Augenklinik im AK Barmbek; Dr. Friedrich Flohr, niedergelassener Augenarzt; Prof. Wolfgang Haase, Konsiliarius für Strabologie und Neuroophthalmologie, Augenklinik, Barmbek.

Diese Experten geben hier Antworten auf folgende Fragen:
 1. Kann eine Laser-Operation die Brille ersetzen?
 2. Wie hoch darf der Augendruck sein?
 3. Können Cortison-Medikamente den Augendruck steigern?
 4. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Sehstörungen?
 5. Kann man eine Makula-Degeneration lasern?
 6. Helfen Blutwäsche oder Ozontherapie bei trockener Makula-Degeneration?  
 7. Kann man grauen Star operieren, wenn gleichzeitig ein grüner Star vorliegt?
 8. Wie entsteht eine Netzhautablösung?
 9. Was kann man gegen Kalkablagerungen auf dem Sehnerv tun?
10. Wie gefährlich ist ein Naevus auf der Netzhaut?
11. Wie funktioniert die photodynamische Therapie?
12. Wie kann man eine chronische Bindehautentzündung am Besten behandeln?

Hier die Antworten der Experten: 1. Kann eine Laser-Operation die Brille ersetzen?
   Prof. Dietrich von Domarus: Wenn Sie gesunde Augen haben und eine Brille für die Nähe und eine für die Ferne brauchen, kann man mit einem speziellen Laser die Brechkraft des Auges ändern. Dem sind aber relativ enge Grenzen gesetzt. Die Weitsichtigkeit können wir nur bis zu etwa drei Dioptrien weglasern. Bei einer Kurzsichtigkeit sollte man nicht über zehn Dioptrien minus hinausgehen. Es gibt auch Ärzte, die nur bis minus acht Dioptrien den Laser ansetzen. Der Laser kann aber nicht für die Nähe und die Ferne gleichzeitig die Brille ersetzen.  Mehr auf unserer Site > “Lasik”
2. Wie hoch darf der Augendruck sein?
    Oberärztin Dr. Kathrin Jokisch: Normalerweise sagt man, dass der Augendruck zwischen zehn und zwanzig Millimeter Quecksilbersäule (mm/Hg) recht gut liegt. Das kann man aber nicht verallgemeinern, weil nicht allein der Augendruck ein Teil der Erkrankung des grünen Stars ist. Es gehören viele andere Dinge dazu, zum Beispiel der Zustand des Sehnerves, auch die Durchblutung spielt eine große Rolle. Die Ursachen für den Symptomenkomplex grüner Star sind nicht bekannt. Wir wissen aber, dass es sehr viele Risikofaktoren gibt. Das bedeutet, dass ein Augendruck, der beispielsweise über viele Jahre zwischen 19 und 21 mm/Hg liegt, keinen Schaden anrichten kann und ein so genanntes Niedrigdruckglaukom, das über viele Jahre zwischen zehn und 15 mm/ Hg liegt, einen deutlichen Schaden anrichten kann, sprich, den Sehnerv schädigen und damit auch Gesichtsfeldausfälle herbeiführen kann. Eindeutig ist,  dass ein Druck von 30 mm/Hg im krankhaften Bereich liegt, der unbedingt kurzfristig behandelt werden muss, und Kontrollen notwendig sind bei Druckwerten, die 15 mm/Hg überschreiten.
3. Können Cortison-Medikamente den Augendruck steigern?
   Ltd. Oberarzt Dr. Harald Wirt: Grundsätzlich kann Cortison, in jeder Form genommen, als Tropfen, Salbe, Spray oder Tabletten, zu einer Augendrucksteigerung führen. Patienten, die Cortison bekommen, sollten ihren Augendruck messen lassen.
4. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Sehstörungen?
  Chefarzt Prof. Ulrich Schwedes: Durch die Zuckerkrankheit kann es zu Augenhintergrundveränderungen kommen, die im Endeffekt, wenn man das nicht behandelt, zur Erblindung führen können. Deswegen muss der Augen- hintergrund vom Augenarzt regelmäßig kontrolliert werden. Unser Bestreben als Zuckerspezialisten ist, den Patienten immer wieder dazu zu bringen, dass er in Abständen,  am Anfang der Erkrankung einmal jährlich, wenn Veränderungen vorhanden sind, halbjährlich, eventuell sogar vierteljährlich, zum Augenarzt geht. mehr: Diabetes und: Diabetes & Auge
5. Kann man eine Makula-Degeneration lasern?
  Prof. Dietrich von Domarus: Eine trockene Makula-Degeneration können wir nicht lasern, aber eine feuchte Makula-Degeneration in speziellen Fällen. Dazu bedarf es einer sehr ausgiebigen Untersuchung durch den Augenarzt. Er wird eine Spezialuntersuchung mit einem Farbstoff machen und Fotos mit einer speziellen Kamera aufnehmen lassen. Wenn an bestimmten Stellen Flüssigkeit unter oder in die Netzhaut austritt, gibt es manchmal die Möglichkeit, mit einer Speziallaserbehandlung, der so genannten photo-dynamischen Therapie, dies zu behandeln. Diese Behandlung gibt es erst seit wenigen Jahren, und die Erfolge sind nur auf wenige spezielle Formen der feuchten Makuladegeneration beschränkt.
6. Helfen Blutwäsche oder Ozontherapie bei der trockenen Makuladegeneration?
   Ltd. Oberarzt Dr. Harald Wirt: Die Therapie der Blutwäsche wird vorgenommen beiPatienten mit einer trockenen Makuladegeneration. Patienten, bei denen Fettablagerungen in der Netzhaut, so genannte Drusen festgestellt werden, kommen dafür zur Zeit in Frage.
   Es gibt erste Studien, die über einen positiven Effekt berichten, aber diese Therapie ist noch nicht über das experimentelle Stadium hinausgekommen. Es fehlen bei allen diesen Therapien, vor allem auch bei der Ozon- therapie, die Nachweise großer Studien. Man sollte abwarten, bis solche Therapieformen etabliert sind und wirklich empfohlen werden können. Die Ozontherapie halte ich für sehr fraglich.
7. Wann kann man grauen Star operieren, wenn gleichzeitig ein grüner Star vorliegt?
   Ltd. Oberarzt Dr. Harald Wirt: Das hängt im wesentlichen von dem Fortschreiten des grünen Stars ab und zum anderen von der Ausprägung des grauen Stars. Wenn das Sehvermögen so stark durch den grauen Star herabgesetzt wird, dass sie sich selbst nicht mehr allein helfen können, ist vom grauen Star her der Zeitpunkt gekommen, eine Operation durchzuführen. Dabei ist immer zu berücksichtigen, dass der grüne Star letztlich viel gefährlicher ist, weil er eine chronische Erkrankung darstellt. Ein chronisch erhöhter Augendruck kann den Sehnerv zerstören und dann ist das Sehvermögen auf Dauer zerstört. Insofern ist immer die Erkrankung des grauen und grünen Stars abzuwägen, und die Entscheidung, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation gekommen ist, kann nur der Augenarzt treffen. Man kann heutzutage den grauen und den grünen Star auch kombiniert operie- ren. Dabei wird durch eine Operation, durch die der Abfluss verbessert wird, der Augendruck gesenkt und gleichzeitig kann eine neue Linse eingepflanzt werden.
8. Wie entsteht eine Netzhautablösung?
  Oberärztin Dr. Kathrin Jokisch: Die Ursachen für eine Netzhautablösung sind vielfältig. Es gibt mehrere Risiko- faktoren, die Kurzsichtigkeit beispielsweise. Bei bestehenden Voroperationen im Alter spielt auch die Kunstlinse eine Rolle. Weitere Ursachen sind Verletzungen, zum Beispiel durch einen Schlag. Außerdem gibt es Netzhaut- ablösungen, die spontan auftreten, die ganz rasch behandelt werden müssen, um einen bleibenden Schaden zu verhindern. 
9. Was kann man gegen Kalkablagerungen auf dem Sehnerv tun?
   Augenarzt Dr. Friedrich Flohr: Man kann diese Ablagerungen sehr gut im Ultraschall sehen. Im Extremfall kann es dazu führen, dass ein Gesichtsfeldverlust eintritt. Aber man kann diese Kalkablagerungen am Sehnervenkopf, Drusen genannt, nicht therapieren und auch die Zunahme der Kalkablagerungen nicht verhindern. Diese ist selten, meistens bleibt es so wie es ist und meistens sind auch keine Gesichtsfeldausfälle vorhanden.
10. Wie gefährlich ist ein Naevus auf der Netzhaut?
   Augenarzt Dr. Friedrich Flohr: Ein Naevus ist ein pigmentierter Fleck auf der Netzhaut. Gefährlich wird es dann, wenn sich solch ein Pigmentfleck verändert, wie das auch auf der Haut passieren kann. Das kann dann ein Melanom werden. Aber das Aderhautmelanom ist sehr selten. Man sollte allerdings diesen Pigmentfleck regelmäßg beim Augenarzt kontrollieren lassen.
11. Wie funktioniert die photodynamische Therapie?
   Ltd. Oberarzt Dr. Harald Wirt: Es handelt sich um die Behandlung der feuchten Makuladegeneration, bei der Gefäße sich neu bilden unter dem Sehzentrum und das Sehzentrum zerstören. Mit einem Medikament, das sich gezielt in diesem Bereich der Gefäßbildung ansammelt, wird anschließend eine Laserbehandlung dieser Durch- blutungsstörung vorgenommen. Das Ziel ist es, dort einen Verschluss der neu gebildeten Gefäße zu erreichen. Der Vorteil dieser Laserbehandlung ist der, dass die darüber liegenden Nervenzellen geschont werden.
12. Wie kann man eine chronische Bindehautentzündung am besten behandeln?
   Oberärztin Dr. Kathrin Jokisch: Es gibt unterschiedliche Formen der chronischen Bindehautentzündung. Man kann zwei Hauptursachen unterscheiden. Zum einen kann der Abfluss der Tränenwege gestört sein. Zum andern kann die Zusammensetzung des Tränenfilmes verändert sein. Der Tränenfilm besteht normalerweise aus drei Komponenten:  eine flüssige, eine schleimige und eine fettige. Wenn sich diese Zusammensetzung verändert, kann es sein, dass die Tränen vermehrt laufen, obwohl man im Grunde ein trockenes Auge hat. Man kann mit relativ einfachen Tests prüfen, wie die Tränenflüssigkeit beschaffen ist und wie stark die Tränensekretion ist. Wenn man das festgestellt hat, gibt es unterschiedliche Tränenersatzmittel, die subjektiv ganz deutlich Erleichterung schaffen können.  HA/CorneliaWerner020521

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