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Fatima-Erscheinungen

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Erscheinungsdaten
2. Erste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova de Iria
3. Die drei Seherkinder: Jacinta, Franzisco und Lucia nachder Erscheinung
4. Zweite Erscheinung der Gottesmutter
5. Dritte Erscheinung der Gottesmutter
6. Vierte Erscheinung der Gottesmutter
7. Fünfte Erscheinung der Gottesmutter
8. Sechste Erscheinung der Gottesmutter
9. Zeitlicher Ablauf der Ereignisse in Fatima im Jahre 1917
10. Vom Jahrhundert der Sünde zum Jahrhundert der Sühne
11. Die fünf Sühnesamstage -Was ist darunter zu verstehen?
12. Schreiben von Papst Johannes Paul II. an Schwester Lucia
13. Tarcisio Kardinal Bertone befragt Sr. Lucia zum “3. Geheimnis”
14. Rosenkranz-Sühne-Kreuzzug - Wien
15. Papst benedikt überbringt die Goldene Rose in Fatima

  13. Mai 1917
13. Juni 1917
13. Juli 1917
19. August 1917
13. September 1917
13. Oktober 1917

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13. Mai 1917 - Erste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

   Die Kinder waren auf die Begegnung mit der übernatürlichen Welt gut vorbereitet worden. Sie wussten nun - und nahmen es durchaus sehr ernst -, dass sie viel beten und viele Opfer zu bringen haben; dass Gott Sühne verlangt von jenen Menschen, die dazu bereit sind, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen und insbesondere für jene Menschen, die Buße und Umkehr nicht mehr ernst nehmen. Sie hatten das Gebet des Engels täglich oft wiederholt. Gott, der Geber alles Guten, senkte seine Liebe in diese kleinen Sühneseelen und machte sie würdig, himmlische Worte zu hören, die den Menschen zur Rettung gegeben wurden und an denen keiner mehr unberührt vorbeigehen kann, ganz gleich, ob er sie zur Kenntnis nimmt oder nicht. Gott steht zu seinem Wort, unabhängig von menschlichem Dafürhalten.

Die drei Seherkinder: Jacinta, Francisco und Lucia nach der Erscheinung

  Es war gegen Mittag des 13. Mai 1917. Lucia spielte mit den beiden anderen Kindern auf einer Anhöhe der Senke von Iria. Um der sengenden Hitze zu entkommen, bauten sie sich ein kleines Häuschen aus Ästen und Blättern. Plötzlich vernahmen alle drei einen Blitz. Schnell sammelten sie die Herde ein und wandten sich dem Heimweg zu, ohne auch nur zu prüfen, von wo der Blitz bei heiterem Himmel hätte kommen können. So erreichten sie etwa die Mitte des Abhanges. In der Senke standen viele uralte Steineichen. Plötzlich sahen sie neben sich über der Eiche erneut einen Blitz. Sie schauten nach oben und erblickten eine Frau, ganz in Weiß gekleidet, strahlender als die Sonne. Obwohl sie durch die vorausgegangenen Engelserscheinungen strahlende, übernatürliche Wesen schon kannten, schien dieses tausendfach heller und majestätischer zu sein. Überrascht durch diese Wahrnehmung hielten sie an - so nahe beim Licht, dass sie sich noch innerhalb des Lichtkranzes empfanden, der auch sie um- gab. Die Frau lächelte die Kinder an und sagte:
   “Fürchtet euch nicht! Ich tue euch nichts Böses!”
   Lucia fasste Mut und fragte: "Woher kommen Sie?”
   “Ich bin vom Himmel”, war die Antwort.
   “Und was wollen Sie von mir?” wollte Lucia weiter wissen. Dann bat die Frau, “in den folgenden sechs Monaten, jeweils am 13., zur selben Stunde, hierher zu kommen”; dann werde sie sagen, wer sie sei und was sie wolle. Lucia richtete weitere Fragen an die Frau: “Komme  ich auch in den Himmel? Und Francisco? Und Jacinta?” Die Frau bejahte jedes Mal. Dann fragte sie die Kinder:
    “Wollt ihr euch Gott darbieten, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken wird, zur Sühne für die Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder?”
    Gott lässt die Menschen am Schönsten und Größten teilnehmen: an der Errettung unsterblicher Seelen! Die Kinder, mit dem Sühnegedanken schon recht gut vertraut, schienen auf diese Frage gleichsam gewartet zu haben. Lucia sprach es freudig aus: “Ja, wir wollen es!” Die Dame nahm ihr freies Angebot an und bestätigte ihnen: “Ihr werdet also viel leiden müssen, aber die Gnade Gottes wird eure Stärke sein!”
    Über die nun folgenden Augenblicke der Entzückung lassen wir lieber Lucia selber reden. “Als sie diese letzten Worte sagte”, schreibt Lucia, “öffnete sie zum ersten Mal die Hände und übermittelte uns ein so starkes Licht, wie ein Widerschein, der von ihren Händen ausging; es drang uns in die Brust und bis in die tiefste Tiefe der Seele und ließ uns selbst in Gott schauen, der dieses Licht war, viel klarer als wir uns im besten Spiegel sehen können. Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilt wurde, fielen wir nun auf die Knie und wiederholten ganz innerlich: Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an; mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im heiligsten Sakrament! Nach einigen Augenblicken fügte Unsere Liebe Frau hinzu: “Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen!”
    Die Kinder sahen nun, wie sich die Frau erhob und sich langsam gegen Sonnenaufgang entfernte, bis sie ihren Blicken entschwand. Lucia wird später ihrem Bischof auf die Frage nach ihrem Befinden antworten, dass “die Erscheinungen Unserer Lieben Frau uns weder Angst noch Schrecken einflößten”, sie hätten sie nur überrascht. Über die Blitze schreibt sie, dass es sich um “keine eigentlichen Blitze handelte, sondern um einen Widerschein des Lichtes, das sich näherte. Wenn wir dieses Licht sahen, sagten wir manchmal, wir sähen Unsere Liebe Frau kommen; wir konnten aber Unsere Liebe Frau erst vom Licht unterscheiden, wenn sie schon über der Steineiche war.”
   Die Jungfrau Maria sagte bei dieser ihrer ersten Erscheinung in Fatima nichts Neues. Als sie am 11. Februar 1858 in Lourdes zum ersten Mal erschien, zeigte sie sich als eine Frau von wunderbarer Schönheit, mit einem Antlitz von Milde und Anmut, in einem strahlenden Gewand; über dem Haupt einen Schleier, um die Hüften ein blaues Band und an der Hand der Rosenkranz. Am Sonntag, dem 21. Februar 1858, bat sie Bernadette Soubirous, von einem schmerzvollen Blick begleitet: “Bete für die Sünder!” Schließlich rief sie am 24. Februar 1858 zur Buße auf und gab am darauf folgenden 1. März der Seherin eine Lehre, die Bernadette tief ins Herz einschloss: Sie solle ihren Rosen- kranz stets bei sich tragen.
    In Lourdes wollte der Himmel zeigen, wie ernst er es mit dem Menschen - der aus Leib und Seele besteht - meint. Der Leib, als Tempel des Heiligen Geistes 1 Kor 6,19, wird von Gott sehr ernst genommen - und durch ihn die ganze materielle Welt. Es kann dem Schöpfer nicht gleichgültig sein, was mit seiner Schöpfung geschieht! Fatima ergänzte Lourdes und führte den Gedanken der Sorge Gottes um seine Geschöpfe weiter. Hier wurde durch die Vermittlung der Gottesmutter jene ernste Gefahr beschworen, in die Leib und Seele geraten können, wenn sie sich von ihrem Schöpfer abwenden.
   Lourdes und Fatima sagen uns: Gott wünscht einen gesunden Leib und eine Seele, die ewig ihm allein gehört!

13. Juni 1917  -  2. Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

  Die Kinder waren voller Erwartung, hatte doch die Frau ihnen aufgetragen, am 13. jeden Monats in die Cova da Iria zu kommen. Zu ihnen gesellten sich einige Menschen aus dem Dorf, mit denen sie den Rosenkranz beteten. Dann sahen sie den “Blitz”, ähnlich wie im Mai, auf sich zukommen, bis sie die Frau über der Steineiche erblickten. Lucia konnte es nicht erwarten, bis sie zu ihr sprach. “Was wünschen Sie von mir?” fragte sie die Frau. Lucia be- richtete anschließend ihren Eltern, dass die Frau ihr auftrug, lesen und schreiben zu lernen - ein Auftrag, der eher ungewöhnlich war für ein einfaches Dorfkind, war doch Lesen und Schreiben zu dieser Zeit, und erst recht in Aljus- trel, eher ein Privileg der Wohlhabenden. Dann bat die Frau erneut um den täglichen Rosenkranz. “Ich möchte Sie bitten”, sprach Lucia die Frau an, “uns in den Himmel mitzunehmen.” “Ja”, antwortete die Frau. “Jacinta und Fran- cisco werde ich bald holen. Du bleibst noch einige Zeit hier. Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Men- schen mich erkennen und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen. Wer sie annimmt, dem verspreche ich das Heil, und diese Seelen werden von Gott geliebt wie die Blumen, die von mir hingestellt sind, um seinen Thron zu schmücken.” 
   Hier wird vorangekündigt, was die Gottesmutter bei der Erscheinung am 13. Juli versprechen und am 10. De- zember 1925 in Pontevedra einlösen wird. Wir kommen im zweiten Teil auf die Ereignisse in Pontevedra noch ausführlich zu sprechen.
   Nach diesen Worten öffnete die Gottesmutter erneut die Hände, wie schon im Mai, und tauchte die Seherkinder in ein unermessliches Lichtmeer ein. Lucia schreibt: “Darin sahen wir uns wie in Gott versenkt. Jacinta und Fran- cisco schienen in dem Teil des Lichtes zu stehen, der sich zum Himmel erhob, und ich in dem Teil, der sich über die Erde ergoss. Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau befand sich ein Herz, umgeben von Dornen, die es zu durchbohren schienen. Wir verstanden, dass dies das Unbefleckte Herz Mariens war, verletzt durch die Sünden der Menschheit, das Sühne wünscht.”

13. Juli 1917  -   Dritte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

   Die Dorfbewohner haben den Ruf der Gottesmutter vernommen. Sie nahmen den Rosenkranz in die Hand und begleiteten diesmal die Seherkinder zur Cova da Iria. An der Steineiche angekommen, sah Lucia bald wieder den ersehnten “Blitz” sich nahen. Auf die erneute Frage, was die Frau von ihr wünsche, erhielt Lucia eine Antwort, die fortan dem Rosenkranz eine unerhörte, bisher unbekannte Dimension verleihen sollte:
   “Betet weiterhin jeden Tag den Rosenkranz zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, um den Frieden für die Welt und das Ende des Krieges zu erlangen, denn nur sie allein kann es erreichen!”
    Mit diesen ihren Worten stellte sich die Gottesmutter geradezu als Anwältin und Vermittlerin der Gnade des Friedens zwischen Gott und den Menschen hin. Das Mittel dazu ist der tägliche Rosenkranz!
    Lucia bat um ein Zeichen. Doch die Gottesmutter verwies sie auf den Oktober; da werde sie ein Wunder voll- bringen, damit alle zum Glauben kommen. Mit einer wiederholten Bitte, doch weiterhin täglich den Rosenkranz zu beten, leitete Maria über zu einer Vision, die biblische Glaubensaussagen über das Leben jenseits der erfahrbaren Welt in einer bisher noch nie da gewesenen Weise eröffnen. Sie können daher auch nur im Glauben und im Lichte der Aussagen der Heiligen Schrift gesehen und verstanden, nie hingegen spekulativ oder rational erkannt werden. An dieser wichtigen Stelle des Fatima-Ereignisses angekommen, lassen wir Lucia selbst erklären, was geschah. Dann fuhr sie fort: “Opfert euch auf für die Sünder und sagt oft, besonders wenn ihr ein Opfer bringt: O Jesus, aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens!”
  Bei diesen letzten Worten öffnete Sie aufs neue die Hände wie in den zwei vorhergehenden Monaten. Der Strahl schien die Erde zu durchdringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer und eingetaucht in dieses Feuer die Teufel und die Seelen, als wären sie durchscheinend und schwarz oder bronzefarbig glühende Kohlen in mensch- licher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgehoben von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen hernieder, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren machten. Die Teufel waren gezeichnet durch die schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheuß- lichen, unbekannten Tieren, aber auch die waren durchsichtig und schwarz. (Ich muss wohl bei diesen Anblick ‘ai’ geschrieen haben, wie die Leute es angeblich hörten.)”
    Lucia vermerkt in ihren Aufzeichnungen, dass alle drei Kinder “erschrocken und wie um Hilfe bittend” den Blick zur Gottesmutter erhoben; sie aber fuhr mit sanfter Stimme fort: “Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele gerettet werden; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat Pius XI. ein anderer, schlimmerer Krieg beginnen. Wenn ihr eine Nacht er- hellt sehen werdet durch ein unbekanntes Licht, dann wisset, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein, wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.
    Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und es wird eine Zeit des Friedens der Welt geschenkt werden. In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten. Davon sagt niemand etwas; Francisco könnt ihr es mitteilen. 

     Wenn ihr den Rosenkranz betet, dann sagt nach jedem Geheimnis:
    “O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden;
     bewahre uns vor dem Feuer der Hölle,
     führe alle Seelen in den Himmel,
     besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.”

Erneut erhob sich die Erscheinung und verschwand in östlicher Richtung in der Ferne des Firmaments.
   Hier muss bemerkt werden, dass Schwester Lucia den Namen von Papst Pius XI. (1922-1939) ihrem Bischof gegenüber ausdrücklich bestätigte. Auf den später erhobenen Einwand, dass der 2. Weltkrieg (1939-1945) erst unter dem Pontifikat Pius XII. begann, antwortete sie, dass die Besetzung Österreichs 1938 als der eigentliche Beginn des Krieges anzusehen sei. Lucia nahm in der Tat an, dass das “außergewöhnliche” Nordlicht in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1938 jenes Zeichen Gottes für den Beginn des Krieges war, von dem in der Vision die Rede ist.
   Hier haben wir auch den Ansatz für ein späteres Kommen der Gottesmutter in Pontevedra, wo sie am 10. Dezember 1925 die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens als Sühne für die Sünden der Menschheit verlangt und dann am 13. Juni 1929 in Tuy, wo Lucia den Auftrag erhält, die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz von der Gesamtkirche zu fordern. Während alle anderen Voraussagungen an die Bedingung der Besserung der Menschen gekoppelt sind, scheint die Aussage: “Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren”, bedingungslos zu sein und wird sich mit Sicherheit erfüllen.

19. August 1917  -  Vierte Erscheinung der Gottesmutter in den Valinhos

   Am Morgen des 13. August lag große Spannung über den Elternhäusern von Lucia bzw. Francisco und Jacinta. Schon am Abend vorher kam das Volk aus allen Gegenden Portugals. Man hatte allen Grund dazu, denn schon meldete sich die atheistische Staatsmacht lautstark zu Wort, die im ganzen Geschehen um Fatima nichts anderes als eine Machenschaft der Kirche und des Klerus gegen die Pläne des Staates vermutete. Kurz zuvor hatte man als Staatsziel erklärt, dass in zwei Generationen der Gottesglaube in Portugal zur Gänze ausgerottet sein werde. Konfessionelle Schulen wurden geschlossen, öffentliche Gottesdienste verboten, Klöster aufgehoben. Und jetzt stand diese geballte Macht ratlos vor drei Kindern. Unter dem Vorwand, die Kinder vor dem Ortspfarrer zur Re- chenschaft zu ziehen, wurden sie buchstäblich aus der Hand ihrer Eltern entführt und kurzerhand ins Gefängnis der Kreisstadt Ourem geworfen. 
Erscheinungsort vom 19. August 1917
   Dort verbrachten sie die Zeit zwischen dem 13. und 15. August. Im Gefängnis selber spielten sich ergreifende Szenen ab. Lucia schreibt: “Es war die Abwesenheit der Eltern, die Jacinta am schwersten fiel. Mit tränen- überströmtem Gesicht klagte sie: “Weder deine noch meine Eltern kamen, um uns zu besuchen. Sie haben nichts mehr für uns übrig.” - “Weine nicht”, sagte Francisco zu ihr, “opfern wir es Jesus für die Sünder auf.” Augen und Hände zum Himmel erhoben, sprach er das Aufopferungsgebet: “O mein Jesus, es ist aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder.” Jacinta fügte hinzu: “Und auch für den Heiligen Vater und zur Wiedergutmachung der Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden.”
   Die beiden Kinder Marto wurden im Gefängnis von Lucia getrennt verhört. Als man sie wieder zusammenbrachte, drohte man ihnen,  falls sie nicht zugäben, die Erscheinungen seien bloße Sinnestäuschung oder eine erfundene Lüge gewesen, sie bei lebendigem Leib zu braten. Die Kinder nahmen das Wort der Erwachsenen ernst und be- reiteten sich darauf vor, bald gebraten zu werden. Jacinta hatte, trotz des Willens, für das Gesehene zu sterben, Tränen in den Augen. Lucia fragte die Kleine, warum sie weine: “Weil wir sterben werden, ohne unsere Väter und Mütter wiedergesehen zu haben”, antwortete sie, “ich möchte wenigstens meine Mutter sehen!” Auf die Frage Lucias, ob sie denn nicht wirklich alles für die Bekehrung der Sünder aufopfern möchte, rief sie: “Ich will, ich will!” Und um dies zu bekräftigen, verrichtete sie sofort das Aufopferungsgebet, das sie vor einigen Minuten zusammen mit ihrem Bruder Francisco schon einmal gebetet hatte. Das Verhalten der drei Kinder machte einen gewaltigen Eindruck auf die weiteren Insassen des Gefängnisses; als die Seher den Rosenkranz zu beten begannen, betete so manch ein Insasse aus Rührung und Staunen mit.
   Schließlich wurden die Kinder dennoch freigelassen. Die kirchenfeindliche Staatsmacht hatte vor drei kleinen Kindern, die sich nicht scheuten, selbst ihr Leben für ihre Überzeugung zu opfern, kapituliert. Hat Gott diese Ver- höre zugelassen, damit wir nachträglich aus dem schriftlichen Zeugnis der Feinde Fatimas wissen, was damals geschah?
  So verstrich der 13. August. Die Kinder waren traurig, da sie nicht in die Cova da Iria gehen konnten. Geduldig warteten sie nun auf den 13. September. Doch schon ein paar Tage danach, am 19. August, als die Kinder mit ihren Schafen eine neue Weide aufsuchten, erreichten sie die Stelle, die Valinhos heißt. Lucia bemerkte den “Blitz”, den Lichtschein, mit dem die Gottesmutter ihr Kommen ankündigte. Es war wohl ein Dankeschön des Himmels, dass die Gottesmutter sich hier, in Valinhos, den Kindern zeigte und sie erneut bat, täglich den Rosenkranz zu beten für die Bekehrung der Sünder. Dem fügte sie erneut die Ankündigung hinzu, dass sie “im letzten Monat”, das heißt bei ihrer letzten Erscheinung, ein Wunder wirken werde, damit alle glauben. Bevor die Gottesmutter verschwand, sprach sie die eindringlichen Worte:

“Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder,
denn viele Seelen kommen in die Hölle,
weil sich niemand für sie opfert und für sie betet.”

Dann erhob sie sich und verschwand, wie gewöhnlich, in Richtung Osten.

13. September 1917 - Fünfte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

  Die Kunde von den Erscheinungen in der Cova da Iria verbreitete sich in Windeseile. Zahlreiche Leute, Menschen aus dem Adel und Bauern gleichermaßen, drängten sich durch die engen Gassen von Aljustrel, wo die Kinder wohnten. Alle wollten mit ihnen sprechen, sie sehen, fragen, um Heilung bitten. Die atheistischen Gegner warteten auf eine passende Gelegenheit, den von ihnen vermuteten Schwindel aufzudecken, und warnten die Leute vor einem Besuch in der Cova da Iria.  Alles  nützte nichts.  Am 13. September  waren, so  vorsichtige  Schätzungen, 25.000 Personen aus allen Teilen Portugals anwesend, als die Gottesmutter zur gewohnten Mittagszeit sich an- kündigte. Lucia beschreibt diesen Morgen in ihren Erinnerungen mit lebhaften Worten, besonders die vielen Kran- ken und Leidenden,  die um Hilfe und Fürsprache baten. “Wenn diese Leute sich vor drei armen Kindern nieder- warfen, nur weil ihnen barmherzigerweise die Gnade geschenkt wurde, mit der Gottesmutter zu sprechen, was würden sie erst tun, wenn sie Jesus Christus selbst vor sich sähen?”
   Als die Seherkinder an der Steineiche ankamen, betete das Volk schon den Rosenkranz. Die Gottesmutter ließ nicht auf sich warten. Nach der üblichen Ankündigung durch einen hellen Lichtschein sahen die Kinder sie über der Steineiche. Sie knieten nieder und vernahmen die Worte:

“Betet weiterhin den Rosenkranz, um das Ende des Krieges zu erlangen.”

  Zurückkommend auf das Versprechen, im Oktober ein großes Wunder zu wirken, weitete sie die Vorankündigung aus und sagte: “Im Oktober wird auch Unser Herr kommen, Unsere Liebe Frau von den Schmerzen und vom Karmel und der heilige Josef mit dem Jesuskind, um die Welt zu segnen. Gott ist mit euren Opfern zufrieden, aber er will nicht, dass ihr mit dem Strick schlaft. Tragt ihn nur tagsüber.” Aus lauter Bußeifer hatten sich die Kinder nämlich einen rauen Strick um den Leib gebunden, damit sie auch dann Opfer bringen könnten, wenn es mal eine Stunde geben sollte, in der sie sonst nichts aufzuopfern hätten. Voller Liebe sah die Gottesmutter auf diese Opfer- bereitschaft und milderte die selbstauferlegte Härte ab.
   Lucia bat die Gottesmutter erneut, wie auch schon bei den vorausgehenden Erscheinungen, um die Heilung “einiger Kranken und eines Taubstummen”, was ihr die Gottesmutter auch sofort gewährte, bevor sie sich, im Lichtschein eingehüllt, in Richtung Osten entfernte.

13. Oktober 1917 - Sechste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

   Die Zeit vom 13. September bis zum 13. Oktober war für die Seherkinder sehr bewegt. Sie litten viel unter den täglichen Beleidigungen der Dorfbevölkerung, deren größter Teil zwar sichtlich neugierig war, jedoch ein sehr ablehnendes bis spöttisches Verhalten an den Tag legte. Der Dorfpriester versuchte eifrig den Kindern und deren Eltern einzureden, dass sie alles zu leugnen hätten, da die Gottesmutter nicht so einfach irgend jemandem erscheine, und erst recht nicht in Fatima, und besonders auch wegen der feindseligen Einstellung der staatlichen Behörden, die das Leben der Kirche auch ohne wunderbare Erscheinungen schon zur Genüge einschränkten und erschwerten. Die Kinder mögen daher im Gehorsam und zum Wohle der Kirche derlei Dinge nicht weiterhin be- haupten. Andere wiederum drohten den Kindern, nicht zuletzt der Administrator, der in Aussicht stellte, dass er im Oktober eine Bombe neben den Kindern zünden werde.
   Am 13. Oktober regnete es schon frühmorgens in Strömen. Da die Eltern Lucias fürchteten, es könnte doch noch ein “Schwindel” aufgedeckt werden und dies der letzte Tag ihres Lebens sei, munterten sie Lucia auf, zur heiligen Beichte zu gehen; sie selbst wollten, um ihr Kind zu beschützen, bei der behaupteten Erscheinung in unmittelbarer Nähe sein. Die Kinder arbeiteten sich durch den großen Schlamm, unterstützt von ihren Eltern, zur Steineiche durch. Überall suchten die Menschen den Kindern ihre Bitten mitzugeben: “Betet für meinen blinden Sohn, für einen Gelähmten, für einen Kranken ...”
   Der Regen schien nicht aufhören zu wollen. Um die Mittagszeit knieten die Kinder nieder, denn sie sahen “ihren Blitz”, währenddessen das ganze Volk, es waren schätzungsweise 70.000 Personen zugegen, durchnässt vom Regen und in tiefem Morast stehend, den Rosenkranz betete.
   “Was wünschen Sie von mir?” sprach Lucia die Gottesmutter an. “Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll weiterhin täglich den Rosen- kranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren.” “Ich wollte Sie um vieles bitten: ob Sie einige Kranke heilen und einige Sünder bekehren möchten”, fragte Lucia. “Einige ja, andere nicht. Alle aber müssen sich bessern und um die Vergebung ihrer Sünden bitten.”
    Lucia fügt hier an, dass die Gottesmutter “mit traurigem Ausdruck” sagte: “Man soll den Herrn, unsern Gott, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist.” Die “Frau” hatte ihren Namen genannt: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Hatte sie bisher immer nur von den Kindern verlangt, täglich den Rosenkranz zu be- ten, so sprach sie nun alle Christen an: “Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten!” Als Bestätigung der Macht, die sie diesem Gebet zu verleihen gedenkt, sagte sie voraus, dass die Soldaten bald heimkehren werden. 
    Man mag sich zuweilen fragen, warum den Rosenkranz? Und es mögen auch viele plausiblen Argumente dafür sprechen, im Grunde genommen jedoch bleibt die Antwort das Geheimnis der Gottesmutter. Viel wichtiger scheint mir an dieser Stelle der Hinweis darauf zu sein, dass es die Mutter Jesu und unsere himmlische Mutter war, die diesen Wunsch äußerte und Großes durch ihn versprach.  Ziemt es sich für uns nicht, den Wunsch einer Mutter, auch wenn alle Hintergründe nicht erhellt sind, zu erfüllen?
   Als Dank für ihre Treue öffnete die Gottesmutter vor ihrem Weggang erneut ihre Hände, und ein Strahl, stärker als die Sonne, durchflutete den Ort. Die Kinder sahen sie in gewohnter Weise am östlichen Horizont verschwinden, währenddessen die Anwesenden Augenblicke des höchsten Glücks und zugleich unaussprechlicher Schrecken, das große Sonnenwunder, erlebten. Viele Menschen waren schlagartig gesund, Lahme erhoben sich und priesen Gott, Blinde riefen ihre Freude über das zurückgewonnene Augenlicht aus und jene, die die Erscheinungen - und mit ihnen den Glauben des Volkes - bekämpften, schlugen sich reumütig und zum Zeichen ihrer Bekehrung an die Brust.
    Avelino de Almeida, ein Reporter, beschreibt in “O Século” den Ablauf der Ereignisse, wie sie von den Anwesen- den erlebt wurden. Das ganze Volk in der Cova sah plötzlich ein Lichtbündel wie einen Sonnenball. “Der Stern erinnerte an eine Platte aus mattem Silber. Es war möglich, ohne auch nur im geringsten geblendet zu werden, in diese ‘Scheibe” zu schauen. Sie brannte und blendete nicht. Man möchte sagen, dass sich eine Sonnenfinsternis ereigne. Aber siehe! Es löst sich ein kolossaler Schrei, und man hört von den Zuschauern, die sich in der Nähe befanden, wie sie rufen: “Ein Wunder, ein Wunder! Ein Event, ein Event!” “Bleich vor Schrecken, mit entblößtem Haupt, starrte alles in den blauen Himmel; der Feuerball hatte die Wolken durchbrochen und war zu sehen wie eine vibrierende Sonne. “Die Sonne machte schroffe Bewegungen, wie sie bisher niemals zu beobachten waren, ganz gegen alle kosmischen Gesetze; es löste sich auch aus dem Mund einiger der typische Ausdruck: “Die Sonne tanzte.”
   Vom Vater Lucias sind die Worte überliefert: “Alle hatten die Augen zum Himmel erhoben, als die Sonne still stand, und danach zu tanzen begann. Sie blieb stehen, um nochmals zu tanzen, bis sie sich ganz vom Himmel zu lösen und auf uns hernieder zu fallen schien wie ein riesiges Feuerrad. Es war ein schrecklicher Augenblick. Viele schrien: “O weh, wir sterben alle! Unsere Liebe Frau, hilf uns!” Es gab Leute, die laut ihre Sünden bekannten. Schließlich blieb die Sonne auf ihrem gewohnten Platz stehen.”
   Erst als das Ereignis vorbei war, bemerkten die Menschen, dass ihre völlig durchnässten Kleider plötzlich trocken waren.
    Die Seher selbst bemerkten kaum etwas von dem, was um sie herum geschah. Noch schauten sie der im Hori- zont verschwindenden Lichtflut nach, als ihnen plötzlich weitere Schauungen zuteil wurden. Lucia beschreibt das Folgende mit sehr einfachen, schlichten Worten als ein unvergessliches, eindrückliches Erlebnis und bemerkt dazu, dass sie, um alles richtig zu beschreiben, keine passenden menschlichen Worte fände.
    Der heilige Josef segnet die Welt mit dem Jesuskind auf seinen Armen. “Nachdem Unsere Liebe Frau in der un- endlichen Ferne des Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand die Erscheinung.” 
   Die Gottesmutter hatte schon in der Erscheinung vom September angedeutet, dass sie im Oktober nicht allein kommen werde. Als erstes sah Lucia den heiligen Josef, der seinen Segen der Welt spendet. Dies darf als Hinweis gewertet werden, dass die Familie in dem eben begonnenen Jahrhundert schwerwiegenden Belastungsproben ausgesetzt sein werde. Fatima zeigt hier einen Weg auf, wie die Familien aus der Krise kommen können: Die demütige Bescheidenheit, mit der der heiligen Josef seinerzeit den Willen Gottes ohne große Nachforschungen erfüllte, ist, bei näherem Hinsehen, genau der Gegenpol jenes Familienbildes, in dem jeder nur auf seine Freiheit, seine zu erreichenden Ziele, seine Ideale pocht und vielfach Partner und Kinder auf der Strecke - von Streit, Zwietracht und Auseinandergehen - bleiben. Der heilige Josef hat unserer heutigen Welt, gerade im Hinblick auf die Familie, einiges zu sagen!
   Entsprang wohl der große Wunsch Lucias, einmal Karmelitin zu werden, dieser Vision? Hier wird vorausgesetzt, dass der Leser über die Segnungen des Karmel-Skapuliers bestens Bescheid weiß, ist es doch in den letzten Jahr- zehnten gerade Schwester Lucia gewesen, die bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit aus der Verborgenheit des Karmelklosters heraus mit Nachdruck die Seelsorger daran erinnerte, das Karmel-Skapulier zahlreich den Gläubigen aufzuerlegen.

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Zeitlicher Ablauf der Ereignisse in Fatima 1917

1916:    Drei Engelserscheinungen
1917:    Sechs Erscheinungen der Gottesmutter von Mai bis Oktober. Erscheinungskapelle in der Cova da Iria.
13. 10. 1921: Es wird die Erlaubnis erteilt, in der neu erbauten  Erscheinungskapelle die heilige Messe zu feiern.
6. 3. 1922: Die Erscheinungskapelle wird durch ein Sprengstoffattentat der Gegner Fatimas schwer beschädigt.
1926:    Der Apostolische Nuntius von Portugal kommt aus Lissabon nach Fatima.
1925/26: Erscheinungen in Pontevedra
1927:    Der Heilige Stuhl genehmigt eine eigene Votivmesse für die Zelebration in der Cova da Iria.
1929:    Erscheinungen in Tuy

1930: Der Bischof von Leiria, Dom José, veröffentlicht ein Pastoralschreiben, in dem er die “Verehrung Unserer Lieben Frau in Fatima” offiziell als “glaubwürdig” erklärt: “Auf Grund der dargelegten Überlegungen und anderer, die wir der Kürze halber weglassen, unter demütiger Anrufung des Heiligen Geistes und im Vertrauen auf den Schutz der heiligsten Jungfrau, nachdem wir die Konsultoren dieser Diözese angehört hatten, halten wir es für gut:
   1. die Visionen, die den drei Hirtenkindern in der Cova da Iria auf dem Gebiet der Pfarrei Fatima im Bereich dieser Diözese an den Tagen des 13. Mai und des 13. Oktober 1917 zuteil wurden, als glaubwürdig zu erklären und
   2. die Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima offiziell zu gestatten.”
   1931: Große Pilgerfahrt der Bischöfe Portugals nach Fatima und Weihe Portugals an das Unbefleckte Herz Mariens.
   31. 10. 1942: Abschluss der 25-Jahrfeier der Erscheinungen. Zu diesem Anlass hält Papst Pius XII. eine Radiobotschaft in portugiesischer Sprache und vollzieht die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens. (Papst Pius XII. wurde am 13. Mai 1917 von Papst Benedikt XV. in Rom zum Bischof geweiht.)
   13. 5. 1946: Ein päpstlicher Gesandter krönt das “Gnadenbild” Unsere Liebe Frau von Fatima; so sollte “Maria, die Königin des Friedens und der Welt” geehrt werden.
   13. 10. 1951: Kardinal Tedeschini kommt zum Abschluss der Feierlichkeiten des Heiligen Jahres nach Fatima als Gesandter Papst Pius’ XII. In seiner Ansprache gibt der Kardinal bekannt, dass der Heilige Vater in den Vatikanischen Gärten ein ähnliches Sonnenwunder gesehen habe, wie es sich am 13. Oktober 1917 in Fatima zugetragen hat.

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  13. 5. 1956: Kardinal Roncalli, Patriarch von Venedig, der spätere Papst Johannes XXIII., Foto oben unternimmt eine Pilgerfahrt nach Fatima.
  13. 5. 1967: 50-Jahrfeier der Erscheinungen. Papst Paul VI. zieht als Pilger nach Fatima.
  13. 5. 1982: Papst Johannes Paul II. besucht ein Jahr nach dem Attentat auf dem Petersplatz Fatima und vollzieht die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens.
   25. 3. 1984: Papst Johannes Paul II. wiederholt in Rom die Weltweihe von 1982. 

Vom Jahrhundert der Sünde zum Jahrhundert der Sühne
Sühne für jene, die Maria direkt in ihren heiligen Bildern verunehren”

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   Am Ende der Erscheinung vom 13. Juli 1917 sprach die Gottesmutter: „Ich werde wiederkommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu erbitten.” Dieses Versprechen wurde zu einer Zeit eingelöst, als die junge Postulantin Lucia für kurze Zeit von Tuy nach Pontevedra versetzt wurde. „Am 10. Dezember (1925) erschien mir die Heiligste Jungfrau in Pontevedra”, schreibt Schwester Lucia zurückblickend.
  Die Erscheinung war in der Zelle der Postulantin, die heute zu einer kleinen Hauskapelle umgebaut ist, in einer leuchtenden Wolke; an der Seite der Gottesmutter war das Jesuskind zu sehen.
   Die Gottesmutter legte ihre Hand auf die Schulter von Sr. Lucia  und zeigte ein von Dornen umgebenes Herz, das sie in der rechten Hand hatte. Das Kind sagte:

   „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Men- schen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.”
    Darauf sagte die Heiligste Jungfrau: „Meine Tochter, schau mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen die un- dankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten es ständig durchbohren. Suche wenigstens du mich zu trösten und teile mit, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosen- kranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten ...”
  „Meine Tochter, der Grund ist einfach: Es geht um die fünf Arten von Beleidigungen und Lästerungen, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden:
1. die Lästerungen gegen die Unbefleckte Empfängnis,
2. gegen ihre Jungfräulichkeit,
3. gegen ihre Gottesmutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, sie als Mutter der Menschen anzuerkennen;
4. jene, die öffentlich versuchen, den Kinderherzen die Gleichgültigkeit, die Verachtung und sogar den Hass gegen diese unbefleckte Mutter einzuflößen;
5. jene, die sie direkt in ihren heiligen Bildern verunehren.”

Über die fünf Sühnesamstage.  Wir sind aufgefordert, Sühne zu leisten für jene,
die Maria in ihren Bildern verunehren. Was ist darunter zu verstehen?

   Natürlich darf man davon ausgehen, dass es eine Gott wohlgefällige Andacht ist, das Bildnis seiner heiligsten Mutter, der auserlesenen Braut des Heiligen Geistes, in Ehren zu halten. Doch um diese natürliche Haltung einer Mutter gegenüber zu fordern braucht es keine Botschaft des Himmels. Die Ehre der Eltern hat Gott schon im 4. Gebot verankert: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden!” 5 Mos 5,16. Vielmehr ist zu vermuten, dass es hier um das Bild Jesu geht, das er in seinem Herzen von seiner Mutter trug beziehungsweise um das Bild, das Maria von Jesus in ihrem Herzen bewahrte. Es gilt also tiefer einzudringen in diesen fünften Grund, die Sühnesamstage ernst zu nehmen. Um die beiden Herzensbilder ver- ständlicher zu machen, benützen wir zwei Berichte aus der Heiligen Schrift. Sie zeigen exemplarisch an, was unter dem „Bild Mariens” zu verstehen ist.

   Einst gab es in Kana eine Hochzeit, zu der auch Maria aus Nazaret und ihr Sohn geladen waren. Vorerst Gäste wie alle anderen. Plötzlich war kein Wein mehr da. Das könnte für das junge Paar peinlich werden. Maria aus Nazaret zeigt großes Mitgefühl für die Not des Brautpaares. Für sie tut es nichts zur Sache, dass vielleicht der eine oder andere schon zu viel getrunken hat. Mit feinem Gespür nimmt sie die Not wahr. Nur sie allein kennt ihren Sohn. Nur sie allein weiss, dass der Gottessohn zugegen ist. Vor dreißig Jahren sagte sie zur Menschwerdung des Gottessohnes: „Fiat - mir geschehe nach deinem Wort; ich selbst bin ja nur die Magd Gottes.” Sie ist auch hier auf der Hochzeit nur die Magd ihres göttlichen Sohnes. Die Aussage ist eher eine Bitte an Ihn: „Sie haben keinen Wein mehr!” Joh 2,3
   In diesem Augenblick geschieht etwas ungeheuerlich Großes! Jesus offenbart jenes Bild, das er in seinem Her- zen  von seiner Mutter trug. Er liebt seine Mutter über alles. Er weiß, wenn er erfüllt, was in der Bitte ausgedrückt wurde, gibt es für ihn kein Zurück mehr. Die Blicke Mariens und Jesu kreuzen sich. Sie reden Bände. Die Antwort Jesu wird kein Mensch je in seiner ganzen Fülle erfassen können! „Mutter! Sag mir, dass meine Zeit noch nicht ge- kommen ist! Mutter, wenn ich tue, was du verlangst, dann darf ich nicht mehr mit dir nach Nazaret in die Gebor- genheit deines trauten Heimes zurück – dann beginnt mein Weg nach Jerusalem; er wird auf Golgota enden! Mutter! Sag mir, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist!” Doch Maria ist und bleibt die Magd des Herrn. Nur des Herren Wille zählt. Noch kreuzen sich die Blicke. „Geh, mein Sohn! Du wirst das Volk lehren, du wirst es zum Vater führen! Geh, mein Sohn! Beginne deinen Weg nach Kalvaria! Die Menschheit wartet auf dich! Sie sehnt sich nach dir, nach der Erlösung, nach der Hinführung ins Reich deines Vaters!”
   Das stumme Gespräch ist beendet. Die Mutter hat entschieden und der Sohn fügt sich. Jetzt kann sie – ohne weitere Worte an Jesus zu richten - zu den Dienern sagen: „Was er euch sagt, das tut!”  Das Wunder ist schon längst geschehen. Was nun folgt, ist der bloße Beweis der Hinwendung Gottes zur Not des Menschen; erster zaghafter Beweis jener Aufgabe, welche Maria inskünftig in diesem Leben und im Jenseits zufällt: Eintreten für die Menschen, Fürsprecherin sein! Jesus wird das Wasser nicht berühren, gleich den Augen des Blindgeborenen; er wird die sonst immer vor einem Wunder übliche Frage „Glaubst du ...” auch nicht stellen. Mariens Glaube bürgt für die Tat. „Füllt die Krüge mit Wasser und bringt es dem Speisemeister!” Joh 2,7-8
   Keiner kennt das Herz seiner Mutter besser als Jesus! Nicht das Wunder von Kana in Galiläa ist in diesem bibli- schen Bericht das Wichtige - nein! Hier geht es um mehr! Hier wird jene unglaubliche Macht gelüftet, mit der die Allerheiligste Dreifaltigkeit Maria ausgestattet hat. Sie - und kein anderer – bestimmt die Stunde, wann das Werk der Erlösung seinen Lauf nimmt. Damals mit dem „Fiat” und hier mit dem Anstoß an den Gottessohn: Gehe und offenbare Deinen Auftrag, die Menschheit zu erlösen! Im durch Maria festgelegten Zeitpunkt und angestoßen von ihr, beginnt Jesus sein öffentliches Wirken. Er geht nicht mehr zurück nach Nazaret, sondern beginnt mit dem er- habenen Bild seiner Mutter im Herzen den Weg nach Jerusalem, nach Golgota! Ginge es bei diesen biblischen Be- richt „nur” um das Wunder, wäre dieser Moment aus dem Leben Jesu, angesichts der viel größeren Wunder, die er vollbrachte, nie aufnotiert worden. Nein, hier geht es um den deutlichen Hinweis, wie eng verknüpft aber auch mitentscheidend Marias Rolle im Heilsplan Gottes ist!
   Die vierte Station des Kreuzwegs trägt dieselben Züge wie die Hochzeit zu Kana, wenn es um das Verhältnis zwischen Jesus und seiner Mutter geht. Und dennoch gibt es einen großen Unterschied. Hier wird uns das Bild Mariens offenbart, das sie von Ihrem Sohne Jesus in sich trug.
   Mariens Unruhe treibt sie nach Jerusalem. Aber es scheint zu spät zu sein. Schon hat die Welt ihr Urteil über Gott gesprochen. Damals wie heute gibt es Menschen, die mit Mariens Hinweis: „Was er euch sagt das tut” Joh 2,5 nicht viel anfangen können. So klingt es heute: Ich kann einfach nicht glauben; ich will nicht glauben; ich „suche” Gott; Naturkräfte ja – aber Gott ...? Wenn schon Gott - aber warum dann Kirche ...? Und so klang es damals: „Ans Kreuz mit ihm!”
   Maria sieht ihren Sohn: das Gesicht blutüberströmt, staubig verklebt, die Dornen der Krone ziehen Blutstriemen quer übers Gesicht. Das Kreuz ist groß und schwer – eben erhebt er sich vom ersten Fall. Maria steht vor ihrem Sohn Auge in Auge. „Ist das der Weg, auf den ich ihn damals in Kana geschickt habe?” Es ist nicht das Bild, das Maria von ihrem Sohn im Herzen trägt! Ihre Blicke kreuzen sich wie damals und sprechen Bände. „Ja, Mutter, das ist der Weg, den ich gehen will! Was du siehst, ist nicht mein Angesicht! Du siehst in meinem Angesicht die gesamte Menschheit. Du siehst ihre Seelen, zermartert und zerfetzt durch die Sünde, untergegangen im Staub der Versuchungen dieser Welt, blutend aus allen Wunden, die nach Linderung schreien, durch ihre eigenen Vergehen mit schier untragbaren Kreuzen beladen! Siehe, Mutter, das ist die Menschheit, die ich Dir in einigen Stunden vom Kreuze herab anvertrauen werde. Siehe deine Söhne; siehe deine Töchter; siehe die unschuldig Gemarterten; siehe die blutigen Hände der Mächtigen und die von Geißelhieben zerfurchten Rücken jener, die mir folgen werden; siehe die Ungeborenen, in den Staub der Erde zurückgekehrten noch ehe sie zum Leben geboren wurden; siehe das Antlitz der erbarmungswürdigen Menschheit ... Ja, Mutter, das ist der Weg, den ich gehen will!”
   Das „Fiat - ich bin ja nur eine Magd des Herrn!” weitet sich in diesem Augenblick auf die ganze Menschheit aus. Nur weil Jesus dieses erneute „Fiat” seiner Mutter sah und angenommen hat, kann er vom Kreuze herab sie, die reinste, die unbefleckte Jungfrau, zur Mutter aller Menschen bestimmen! Im Antlitz ihre Sohnes liebt sie fortan jene Menschheit, denen „der Wein ausgegangen ist”, deren Glaube geschwunden ist. Und sie wird sich, wie einst in Kana, mit großer Sorge ihr zuwenden. Sie wird zu den Menschen sprechen, ob in La Salette oder Lourdes, ob in Fatima oder an jedem Wallfahrtsort der Welt! Sie wird zu Einsicht, Buße, Umkehr und Sühne aufrufen. Und sie wird dabei immer nur das eine, wahre Bild Jesu in ihrem Herzen tragen, das auch die 4.Station nicht auslöschen konnte. In diesem Antlitz hat sie uns auch ins Herz geschlossen und sie kann nichts anderen wollen, als dass alle Men- schen in ihrem Herzen mit dem Bild Ihres Jesus sich begegnen.
   Das also ist das Bild von dem in Pontevedra gesprochen wird. Es ist, als würde Jesus uns sagen: Macht mit mir was ihr wollt, ihr Menschen! Geißelt mich, krönt mich erneut mit Dornen, legt alle eure schweren Lasten auf meine Schulter, kreuzigt mich so oft ihr wollt, denn ich bin euer Erlöser! Meine Barmherzigkeit wird immer siegen! Ich wer- de euch in meinem unendlichen Erbarmen verzeihen bis ich wiederkomme in Herrlichkeit! Aber bitte lasst das Bild meiner Mutter - eurer Mutter - unangetastet! Liebt es und pflegt es, beleidigt es nicht weiter! Tut Sühne für die Beleidigungen gegen ihr unbeflecktes Herz! Legt das Bild, das ich von ihr in meinem Herzen trage, in die Herzen eurer Kinder! Gebt eure Kinder nicht der Sünde und dem Staub der Erde preis!
  Als die Gottesmutter in Fatima erschien begann das blutigste Jahrhundert der Sünde und des Hasses, das die Menschheit je kannte. Maria steht in Fatima im Geiste erneut vor der 4. Station des Kreuzweges; sie sieht die Menschheit und will ihr helfen! Sie ruft zur Umkehr, zur Sühne, zur Buße. Wurde ihre zarte, liebende, mütterliche Stimme gehört? Wäre dem so, wir würden nicht über ein grausames Jahrhundert sprechen!

Was ist zu tun?
   Die Antwort ist einfacher, als man denkt: Kehren wir um; wenden wir uns erneut Gott zu; geben wir unseren Kindern einen unverfälschten Glauben weiter; beschützen wir sie vor dem Glaubensabfall; beginnen wir bei uns selbst!
   Lasst uns mit Maria von einem Jahrhundert der Sünde - das hinter uns liegt – in ein Jahrhundert der Sühne schreiten! 

Schreiben von Papst Johannes Paul II. an Schwester Lucia

Ehrwürdige Schwester Maria Lucia, Konvent von Coimbra
  Im Jubel der österlichen Festtage grüße ich Sie mit dem Wunsch, den der Auferstandene an seine Jünger ge- richtet hat: “Der Friede sei mit dir!” Ich freue mich, Sie am ersehnten Tag der Seligsprechung von Francisco und Jacinta treffen zu können, die - so Gott will - am kommenden 13. Mai stattfinden wird. Da jedoch an diesem Tag keine Zeit sein wird zu einem Gespräch, sondern nur für einen kurzen Gruß, habe ich eigens Msgr.Tarcisio Bertone, Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, beauftragt, Sie aufzusuchen und mit Ihnen zu sprechen. Diese Kongregation arbeitet engstens mit dem Papst zusammen, um den wahren katholischen Glauben zu schützen, und hat, wie Sie wissen, seit 1957 Ihren handschriftlichen Brief aufbewahrt, der den dritten Teil des Geheimnisses enthält, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Msgr. Bertone, der von Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria, begleitet wird, kommt in meinem Namen, um einige Fragen zu stellen zur Deutung des “dritten Teils des Geheimnisses”.
   Ehrwürdige Schwester Maria Lucia, sprechen Sie auch offen und ehrlich mit Msgr. Bertone, der mir Ihre Antwor- ten persönlich berichten wird.
   Ich bete innig zur Mutter des Auferstandenen für Sie, für die Gemeinschaft von Coimbra und für die ganze Kirche. Maria, die Mutter der Menschheit auf dem Pilgerweg, halte uns stets eng an Jesus, ihren geliebten Sohn und unseren Bruder, den Herrn des Lebens und der Herrlichkeit.     
   Mit einem besonderen Apostolischen Segen.
                                                          
 Johannes Paul pp II.

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Foto links: Tarcisio Kardinal Bertone mit Schwester Lucia  Foto rechts: Papst Johannes Paul II. in Fatima

   Das Treffen von Schwester Lucia mit Msgr. Tarcisio Bertone, dem Sekretär der Kongregation für die Glaubens- lehre und Beauftragten des Heiligen Vaters, und Monsignore Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria-Fatima, fand im Karmel der heiligen Teresa von Coimbra statt. Schwester Lucia war geistig wach und ge- lassen. Sie freute sich sehr, dass der Heilige Vater Fatima besuchen würde, um die von ihr lang ersehnte Selig- sprechung von Francisco und Jacinta vorzunehmen. Der Bischof von Leiria-Fatima las den vom Heiligen Vater unter- schriebenen Brief vor, der die Gründe des Besuchs erläuterte. Schwester Lucia fühlte sich dadurch geehrt und las selbst den Brief noch einmal, indem sie ihn in ihren Händen betrachtete. Sie erklärte sich bereit, auf alle Fragen frei zu antworten. An dieser Stelle legt ihr Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone die beiden Umschläge vor: den äuße- ren und denjenigen, der den Brief enthält mit dem dritten Teil des “Geheimnisses” von Fatima. Als sie ihn mit den Fingern berührt, sagt sie sofort: “Es ist mein Papier”. Und als sie ihn dann liest: “Es ist meine Schrift”.
  Mit Hilfe des Bischofs von Leiria-Fatima wird der Originaltext, der auf portugiesisch abgefasst ist, gelesen und ge- deutet. Schwester Lucia teilt die Interpretation, nach der der dritte Teil des “Geheimnisses” in einer prophetischen Schau besteht, die man mit jenen der heiligen Geschichte vergleichen kann. Sie betont ihre Überzeugung, dass sich die Vision von Fatima vor allem auf den Kampf des atheistischen Kommunismus gegen die Kirche und die Christen bezieht, und beschreibt das ungeheure Leid der Opfer des Glaubens im zwanzigsten Jahrhundert.
   Auf die Frage: “Ist die Hauptperson der Vision der Papst?”, antwortet Schwester Lucia sofort mit Ja und erinnert daran, dass die drei Hirtenkinder sehr betrübt waren über das Leiden des Papstes und dass Jacinta wiederholte: “Coitadinho do Santo Padre, tenho muita pena dos pecadores!”Armer Heiliger Vater, ich muss viel leiden für die Sünder!” Schwester Lucia fährt fort: “Wir wussten den Namen des Papstes nicht; die Dame hat uns den Namen des Papstes nicht gesagt; wir wussten nicht, ob es Benedikt XV. war oder Pius XII. oder Paul VI. oder Johannes Paul II., aber es war der Papst, der litt und auch uns leiden ließ”. Was den Abschnitt anbelangt, der vom weißge- kleideten Bischof handelt, d.h. vom Papst - wie die Hirtenkinder die “Vision” sofort wahrnahmen -, der tödlich ge- troffen zu Boden fällt, so teilt Schwester Lucia voll die Feststellung des Papstes: Es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und der Papst, der mit dem Tode rang, blieb auf der Schwelle des Todes stehen”. Johannes Paul II. Meditation mit den italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, 13. Mai 1994.

ppJPIIZ - Kopie      Papst Johannes Paul II.

   Bevor Schwester Lucia den versiegelten Umschlag, der den dritten Teil des “Geheimnisses” enthält, dem damaligen Bischof von Leiria-Fatima übergab, hatte sie auf den äußeren Umschlag geschrieben, dass dieser erst nach 1960 entweder vom Patriarchen von Lissabon oder vom Bischof von Leiria geöffnet werden dürfe. Daher stellt Msgr. Bertone die Frage: “Warum gibt es den Termin 1960? Hat die Madonna dieses Datum angegeben?” Schwester Lucia antwortet: “Es war nicht die Dame, sondern ich habe 1960 als Datum gesetzt, weil man es - wie ich spürte - vor 1960 nicht verstehen würde. Man würde es nur danach verstehen. Jetzt kann man es besser verstehen. Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst”.
  Schließlich kommt die Sprache auf die nicht veröffentliche Handschrift, die Schwester Lucia als Antwort auf viele Briefe von Marienverehrern und Pilgern vorbereitet hat. Das Werk trägt den Titel “Os apelos da Mensagen de Fatima”; es fasst Gedanken und Überlegungen zusammen, die in katechetischer und paränetischer Weise ihre Gefühle sowie ihre klare und einfache Spiritualität zum Ausdruck bringen. Auf die Frage, ob sie sich freue, wenn es veröffentlicht würde, gab sie die Antwort: “Wenn der Heilige Vater einverstanden ist, freue ich mich. Andernfalls gehorche ich dem, was der Heilige Vater entscheidet”.
   Schwester Lucia möchte den Text der kirchlichen Autorität zur Approbation vorlegen und hegt die Hoffnung, mit ihrer Schrift einen Beitrag dafür zu leisten, die Männer und Frauen guten Willens auf den Weg zu geleiten, der zu Gott hinführt, dem letzten Ziel aller menschlichen Erwartung. Das Gespräch endet mit dem Austausch von Rosen- kränzen:
   Schwester Lucia erhält einen Rosenkranz als Geschenk vom Heiligen Vater; sie übergibt ihrerseits einige Rosen- kränze, die sie selbst angefertigt hat. Der im Namen des Heiligen Vaters erteilte Segen beschließt die Begegnung. 

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Wien:  »Rosenkranz-Sühnekreuzzug« beging 60jähriges Jubiläum
Foto oben links: Pater Petrus Pavlicek, Gründer des Rosenkranz-Sühnekreuzzug (RSK)

Der »Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden der Welt (RSK) - Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt« hat in der Wiener Franziskanerkirche sein 60-Jahr-Jubiläum begangen. Provinzial Pater Anton Brück ofm zelebrierte den Festgottesdienst und erinnerte an die »Stunde von Mariazell« im Jahr 1946, in der P. Petrus Pavlicek zur Grün- dung des RSK inspiriert wurde.
   Vor 60 Jahren, am 2. Februar 1947, hatte P. Petrus Pavlicek eine Gemeinschaft gegründet, die bald als »Rosen- kranz-Sühnekreuzzug« bekannt wurde. Die Vorgeschichte der Gründung ist mit den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts verknüpft: Im Zweiten Weltkrieg zum Sanitätsdienst einberufen, befand sich P. Petrus 1944 in einem riesigen Kriegsgefangenenlager bei Cherbourg (Frankreich). Von einem Mitgefangenen erhielt er ein Büchlein über Fatima. Auch geistig ausgehungert berührte ihn tief, was er da las, und die Fatima-Botschaft ließ ihn, der damals 43 Jahre alt war, nicht mehr los. Ein Jahr nach Kriegsende konnte er in Mariazell für die glückliche Heimkehr dan- ken. Tief besorgt betete er für seine österreichische Heimat, die von vier Großmächten besetzt war. Pater Petrus hörte in Mariazell eine innere Summe: »Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben« - dieser Aufruf er- ging schon 1917 an die Seherkinder von Fatima.
   Während er als Volksmissionar durch die Pfarreien zog, reifte in Pater Petrus der Plan, eine Gemeinschaft von Rosenkranzbetern zu gründen, die für den Frieden in der Welt sowie die Freiheit Österreichs beten sollten. Die ersten Mitbeter suchte er unter seinen Bekannten und Beichtenden sowie unter den Ordensschwestern. In einem gewöhnlichen Schreibheft vermerkte er die Mitglieder, mit der Uhrzeit, zu der sie den Rosenkranz beten wollten. Als er etwa 500 Mitglieder gesammelt hatte, suchte er die kirchliche Zustimmung. Kardinal Theodor Innitzer gab sie bereitwillig. Unter den Mitbetern war schon seit 1948 der Nachkriegsbundeskanzler Leopold Figl, später stieß Bun- deskanzler Julius Raab dazu. Die Zahl der Mitglieder stieg, so ist es nicht verwunderlich, dass in der unerwarteten Zustimmung der Russen zum Staatsvertrag im Jahre 1955 viele die Erfüllung ihrer Bitten an die Gottesmutter ge- sehen haben.
   »Was sie für Österreich getan haben, das tun sie nun auch für die Welt.« Mit diesen Worten ermutigte der damalige Bischof von Fatima P. Petrus, sein Werk über die Grenzen Österreichs hinaus zu verbreiten. Und so schlossen sich Gläubige in der Schweiz und Südtirol, in den Ostblockstaaten und in den Missionsländern der Gebetsgemeinschaft an, die heute international verbreitet ist. Derzeit zählt sie rund 800.000 Mitglieder.
   Pater Petrus starb am 14. Dezember 1982, am 41. Jahrestag seiner Priesterweihe. Sein Grab befindet sich in der Wiener Franziskanerkirche in Wien direkt unter der Kanzel, von der aus er seine mitreißenden Predigten gehalten hatte. Am 14. Dezember 2001 wurde der Diözesanprozeß für seine Seligsprechung von Kardinal Christoph Schön- born abgeschlossen und wird zu Zeit in Rom weitergeführt. Ein Ausspruch des Dieners Gottes bringt sein großes Anliegen zum Ausdruck: »Geeintes Gebet ist eine Macht, die Gottes Barmherzigkeit auf diese Welt herabzieht.« OR070216

Papst Benedikt überreicht in Fatima eine “goldeneRose”   am-Fatima-11z

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