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Galileo

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Das europäische und andere Systeme wollen spezielle Wellenlängen nutzen,
die die Atmosphäre leichter durchdringen.

   Seit 2003 arbeitet die Europäische Weltraumorganisation Esa am Projekt Galileo, einem europäischen Naviga- tionssystem als Alternative zum amerikanischen GPS. Eigentlich sollten die ersten Satelliten 2008 ins All geschos- sen worden sein, doch bislang kreisen dort nur zwei Testobjekte namens Giove A und Giove B. Finanzierungs- probleme machten den Weg ins All zum „langen Marsch". Eine Rakete mit diesem Namen verunsichert nun die Europäer. Sie trug gerade den dritten Satelliten des chinesischen Navigationssystems Beidou (Kompass) ins All - und verschärfte damit den Wettlauf um die besten Frequenzen für den Datenaustausch zwischen Orbit und Erde.
   China und die Europäer wollen zum Teil auf derselben Radiofrequenz funken. Sie ist für beide Länder bei der ITU(International Telecommunications Union) reserviert und muss innerhalb weniger Jahre tatsächlich genutzt wer- den, damit die Anmeldung nicht verfällt. China hat nun einen Vorsprung, den EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso als „ernstes Problem" bezeichnet.
   Für Galileo werden, so die Planung, in wenigen Jahren 32 Satelliten um die Erde kreisen, 30 von ihnen im stän- digen Betrieb, zwei zu Testzwecken. Jeweils zehn „echte" Satelliten werden wie Perlen an einer Schnur auf einer von drei Umlaufbahnen gereiht. Sobald der Empfänger am Boden Kontakt zu drei von ihnen hat, ist eine Orts- bestimmung möglich, die mit dem Empfang weiterer Satelliten immer genauer wird.
   Navigationssatelliten senden auf Frequenzen zwischen 1100 und 1600 - Megahertz. Dabei nutzen sie drei soge- nannte Fenster,  in denen die Wellen besonders leicht die Atmosphäre durchdringen, erklärt Dr. Uwe Feucht, Leiter des Bereichs Flugdynamik bei der Esa. Ihn bringt der Vorsprung der Chinesen nicht aus der Ruhe: „Die Situation ist momentan relativ entspannt."Zwar sollen Galileo und das chinesische System das gleiche Frequenzfenster nutzen, aber „es lässt Platz für eine ganze Reihe von Navigationssystemen", betont Feucht.
   Insgesamt wird Galileo auf drei Frequenzbereichen arbeiten. Zwei von ihnen - diejenigen ohne chinesische Konkurrenz - überlappen sich mit dem GPS. Das ist gewollt, denn das amerikanische und das europäische System sollen im zivilen Bereich zusammenarbeiten. Das heißt: Wer ein Navigationsgerät hat, wird wohl nur eine neue Software aufspielen müssen, um zusätzlich zu den GPS-Signalen auch die Daten von Galileo empfangen zu kön- nen. Dies erhöht die Genauigkeit weiter, obwohl schon der heutige Standard nicht schlecht ist. Feucht: „Die meisten Navis sind bereits so genau, dass man am Bildschirm sieht, auf welcher Fahrspur das Auto unterwegs ist."
  Galileo werde eine „Genauigkeit im Meterbereich" haben, „was bisher noch kein öffentlich zugängliches System angeboten hat", betont die Esa. Die ersten drei Satelliten sind in Arbeit, für den Bau weiterer 14 hat das Bremer Unternehmen OHB Technology gerade einen 566-Millionen-Euro-Auftrag erhalten. „Den ersten Satelliten werden wir voraussichtlich Anfang 2011 ins All bringen", sagt der Esa-Experte.
  Dann wird es auch Zeit, denn die reservierte Frequenz wird derzeit nur durch den Betrieb der beiden ersten Testsatelliten Giove A und B gehalten. Und deren Lebensdauer neigt sich allmählich dem Ende zu. Im schlimmsten Fall, so Feucht, verstummen die beiden Platzhalter, bevor das eigentliche System in Stellung gebracht ist. „Dann müsste Europa die Frequenz zurückgeben. China könnte genau diese Frequenz übernehmen, sodass wir sie endgültig verlieren."
   Doch selbst wenn Galileo rechtzeitig vor Ort ist: Ganz vom Tisch ist die Gefahr nicht, dass die chinesische Re- gierung dem europäischen Projekt dazwischenfunkt. Das gemeinsame Frequenzfenster mit der Bezeichnung E6 ist im Galileo-Projekt - das anders als das GPS, Beidou und das russische Glonass-Navigationssystem ausdrücklich nicht militärisch genutzt werden soll - für staatliche Dienste reserviert, etwa für Polizei- und Rettungswesen. Feucht: „Genau in diesem Frequenzbereich soll der Austausch von sicherheitsrelevanten Daten laufen. Wenn die Chinesen, wie geplant, in unmittelbarer Nachbarschaft senden, ist die Gefahr einer Störung größer." Das könnte auch für Störmanöver von außen gelten, die sich gegen eines beiden Systeme richten und das andere dann womöglich versehentlich  mit treffen würden.
  Neben China und Europa plant auch Indien ein eigenes globales Navigationssystem, und die USA und Russland rüsten ihr Satellitennetz! weiter auf. Angesichts dieser Entwicklung meint auch Uwe Feucht: „Über kurz oder lang wird es tatsächlich eng werden da oben." HA100128AngelikaHillmer 

Galileo   ttt-Galileo-z Galileo-Satelliten werden noch teurer

Navigationssysstem hängt auf der Erde fest
   Europas Pläne waren ehrgeizig: Besser als das US-Satellitennavigationssystem GPS, mit lukrativen Ortungs- diensten aus dem All ausgestattet, sollte die europäische Variante Galileo sein und eigentlich bereits seit zwei Jahren im Orbit kreisen. Doch daraus werde nichts. Nach der jüngsten Kostenexplosion ist der Katzenjammer nun groß, die Hektik von der Politik bis zur Industrie spürbar. Politiker reden vom Sparen, die Industrie fürchtet weitere Verzögerungen, aber unverhofft kommt die Misere nicht. „Man hat sich jahrelang in die Tasche gelogen", sagt ein Insider.
   Schon 2008 habe die Industrie klargemacht, dass die für die Entwicklung und den Aufbau von Galileo ver- anschlagten 5,2 Milliarden Euro nicht reichen werden und vermutlich deutlich unter dem wahren Bedarf liegen. Offiziell nennen Bund und EU nun eine zusätzlich fällige Summe von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro, die mutmaßlich Europas Steuerzahler aufbringen müssen. In der Industrie will man sich nicht darauf festlegen, dass ein solcher Betrag reichen würde. Hinter den Kulissen wird auch ein Kostensprung von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro für möglich gehalten. Klar ist, dass der Betrieb - anders als kalkuliert - ein Zuschussgeschäft wird, das jährlich 750 Millionen Euro kostet, und jede weitere Verzögerung die Preise in die Höhe treibt. Der zeitliche Vorsprung von Galieo ist mittlerweile ohnehin verspielt.
   Die USA wollen ihre dritte, runderneuerte und genauere Version von GPS im Jahr 2015 in Dienst stellen und auch das chinesische Satellitensystem Compass könnte noch vor Galileo bereit sein. Zudem plant Russland ein ziviles Navigationsnetz. Wenn die Rivalen im All der EU nicht den Gefallen tun, sich ihrerseits zu verkalkulieren, könne Europa das Nachsehen haben, warnen Experten. EU-Parlamentarier und mittlerweile auch der Bund möchten eine abgespeckte Sparversion prüfen.
  Insgesamt 32 Galileo-Satelliten sind bislang geplant. Zwei Testsatelliten funken derzeit, vier sind startklar, und die Bremer Hightech-Schmiede OHB hat den Auftrag für 14 weitere Satelliten, die bis 2014 alle um die Erde kreisen sollen. Aufträge für die noch fehlenden 14 Satelliten sollten bis 2012 vergeben werden. OHB-Chef Marco Fuchs ist skeptisch geworden. Es werde nun „sicherlich eine Diskussion darüber geben, ob statt 32 nur 28 Satelliten in den Orbit geschossen werden", fürchtet er. Viel sparen lasse sich damit aber nicht, rechnet ein Vertreter der Industrie vor. 40 Millionen Euro sind es pro Satellit, gemessen an den aktuellen Preisen. Mit vier Satelliten weniger kommt man also bei Weitem nicht in die Nähe der bekannten Verteuerung. Dagegen werde Galileo mit jedem Satelliten weniger auch ungenauer und verspiele damit seinen technischen Vorteil gegenüber GPS.
  Das hat auch der Luft- und Raumfahrtkoordinator des Bundes erkannt. „Nur als Vollsystem bietet es einen echten Mehrwert", stellt Peter Hintze klar. Das System müsse als eines der wichtigsten EU-Technologie Projekte, das Europa im All von den USA unabhängig macht, ohne Abstriche verwirklicht werden. Wie die fälligen Milliarden auf EU-Ebene aufgebracht werden können, solle spätestens bis Ende des Jahres klar werden, heißt es.
   Europas Luft- und Raumfahrtindustrie hat das finanzielle Unheil schon vor drei Jahren kommen sehen - und ist aus dem Projekt als Träger ausgestiegen. Danach hätten die EU-Mitgliedsstaaten aus industriepolitischem Proporzdenken heraus die Hersteller von Galileo in Firmenkonsortien gezwungen, deren Sinn sich den meisten Experten nicht erschlossen hat. So habe man einen Teil der Kostenexplosion selbst ausgelöst, verlautbaren Industrievertreter. HAZ101015ThomasMagenheim
Galileo
   Das Satellitennavigationssystem Galileo ist der europäische Gegenentwurf zum existierenden US-System GPS. Letzteres steht unter militärischer Kontrolle. Seine Signale können deshalb - wie im Golfkrieg bereits geschehen - von den USA ungenau gemacht werden. Bei Galileo soll das anders sein, was einmal als Basis für vermeintlich lukrative Ortungsdienste aller Art galt. Mittlerweile ist allerdings klar, dass diese Kalkulation nicht aufgeht. Für den volkswirtschaftlichen Nutzen bis 2027 wurde für Galileo einmal die Summe von 90 Milliarden Euro genannt. Dagegen sind die Entwicklungskosten von 1,1 auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen, und die Kosten für den Aufbau klettern nun von 3,4 auf rund 5 Milliarden Euro. Der laufende Betrieb von Galileo ab 2018 bis 2027 kostet Europas Steuerzahler rechnerisch nochmals 7,5 Milliarden Euro.  HAZ101015tmh

EU drückt aufs Tempo - Galileo droht Funkfrequenzen an China zu verlieren

   Nach jahrelanger Verzögerung drückt die EU beim milliardenschweren Prestigeprojekt Galileo nun aufs Tempo. Die ersten beiden Satelliten für das Navigationssystem sind 2011 in den Weltraum geschickt, sagt EU- Industriekommissar Antonio Tajani in Brüssel an. 2014 würden die ersten Galileo-Dienste zur Verfügung stehen, darunter ein Navigationssystem für Autofahrer und eines für Rettungskräfte.
   „Europa braucht Galileo. Ich will die Umsetzung beschleunigen", sagte der EU-Kommissar. Es ist ein Lauf gegen die Zeit, denn Galileo hinkt dem Zeitplan um mehr als sechs Jahre hinterher. Damit ist der technische Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern verspielt. Längst ist die Konkurrenz in China (Compass) und Russland (Glonass) am Start, und auch die Amerikaner planen für GPS eine verbesserte Version. In Europa gibt es dagegen bisher nur einen Testbetrieb. China hat für sein eigenes globales Navigationssystem dieselbe Radiofrequenz reserviert wie die Europäer. Wer sie zuerst nutzt, gelangt in ihren Besitz. Um die wichtige Frequenz zu halten, wollte die EU längst erste Satelliten starten.
   Im Jahr 2010 vergab die EU den Auftrag für die Steuerung der Satelliten an Spaceopal, ein Gemeinschafts- unternehmen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der italienischen Firma Telespazio. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 194 Millionen Euro. Zum Team gehört auch die Deutsche Telekom mit ihrer Geschäftskundensparte T-Systems. Gebaut werden die Satelliten vom Bremer Technologiekonzern OHB. Die letzten beiden Aufträge für die Infrastruktur und das Kontrollsystem am Boden vergibt die EU über die Welt- raumbehörde ESA Anfang 2011. HAZ101027dpa

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Das planen die Europäer: Insgesamt 27 Satelliten sollen in 23.260 km Höhedie Erde umkreisen
und von dort das System überwachen.

Mess-Satellit für Galileo gestartet
   Für den geplanten Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo ist vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) der zweite Testsatellit ins All gestartet. Die Sojus-Trägerrakete setzte GIOVE-B sicher in seiner Umlaufbahn in 23.000 Kilometer Höhe ab.
   Der 700 Kilogramm schwere GIOVE-B, gebaut von EADS Astrium Satellites und der italienischen Thaies Alenia Space, hat eine hochpräzise Atomuhr an Bord. Neben der Überprüfung neuer Technik im Erdorbit soll er die Um- laufbahnen für die zukünftigen Galileo-Satelliten vermessen und bestimmen.
   Das europäische Navigationssystem aus 30 Satelliten und mehreren Bodenstationen soll bis 2013 betriebsbereit sein - als Konkurrenz zum US-System GPS. 2005 war der Vorgänger GIOVE-A zur Vorbereitung des Galileo-Aufbaus ins All geschickt worden; er soll in wenigen Monaten abgeschaltet werden.
   Das Europa-Parlament hatte mit großer Mehrheit grünes Licht für die Ausschreibungen zu diesem größten Industrieprojekt Europas gegeben. Die EU-Kommission will zusammen mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA die Aufträge für das 3,4 Milliarden Euro teure Vorhaben noch vor der Sommerpause ausschreiben.
   Auch Russland arbeitet am Aufbau eines Navigationssystems (Glonass), das sich zuletzt aber immer wieder ver- zögerte. Und China plant ein ähnliches Projekt mit der Bezeichnung „Compass". HAdpa080428

Was Galileo mehr könnte als das US-System GPS. Galileo soll zentimetergenau orten
und den Europäern mehr Unabhängigkeit bieten: Europa will Amerika überrunden

   Es soll besser als sein amerikanisches Pendant GPS sein, Zentimeter genaue Ortungen erlauben, 150.000 Arbeitsplätze schaffen, für Milliardenumsätze sorgen: das europäische Satelliten-Navigationssystem „Galileo”. Doch das Prestigeprojekt von EU und europäischer Weltraumbehörde Esa ist erneut ins Trudeln geraten. Ursprünglich sollten zwei Drittel des drei bis vier Milliarden Euro teuren Vorhabens von einem europäischen Industriekonsortium getragen werden. Doch die Unternehmen blieben über die Verteilung der Aufgaben zerstritten und scheuten das finanzielle Risiko. Nun soll der Ministerrat über eine komplette Übernahme der Kosten durch die EU entscheiden.
   „Es ist letztlich billiger, die gesamte Konstruktion aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren, als die Investitionen der privaten Industrie zu 100 Prozent abzusichern”, erklärte Michele Cercone, Sprecher der EU- Kommission. Denn das hatte das Konsortium Anfang Mai gefordert. Dass die EU das Vorhaben ganz aufgibt, ist unwahrscheinlich. Denn hier steht nicht nur das Prestige der Europäer auf dem Spiel, sondern es geht auch um die technologische Unabhängigkeit von den USA und um wirtschaftliche Interessen.
   Die Satelliten-Navigation ist nicht nur eine Erleichterung für Autofahrer. Transportunternehmer kontrollieren da- mit ihre Flotten, in der Schifffahrt hat die Satelliten-Navigation traditionelle Methoden nahezu vollständig ersetzt, und auch in der Luftfahrt sind die Signale aus dem All nicht mehr wegzudenken.
   Bislang gibt es weltweit nur ein funktionsfähiges Satelliten-Navigationssystem: das Global Positioning System der USA, kurz GPS. Und das ist vollständig unter militärischer Kontrolle. Im Fall militärischer Konflikte könnten die Amerikaner die öffentlich zugänglichen Signale des GPS ohne Vorwarnung sperren.
Mehr dazu: GPS-Locator
   Die militärische Kontrolle über das GPS sorgte deshalb angesichts der wachsenden wirschaftlichen Bedeutung der Satelliten-Navigation für Unbehagen bei den Europäern. So einigten sich EU und Esa 2003 auf den Aufbau von Galileo. Ursprünglich sollte das System in diesem Jahr einsatzbereit sein, doch nationale Egoismen sorgten für Verzögerungen.

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     Das fertige System besteht aus 30 Satelliten, drei dienen jeweils als Ersatz, die in drei Bahnebenen in 23.260 Kilometer Höhe um die Erde kreisen. Durch den ständigen Einsatz von 27 - statt wie beim GPS 24 - Satelliten soll insbesondere in Ballungsräumen eine bessere Empfangsabdeckung erreicht werden. Denn dort können hohe Gebäude zu Funkabschattungen führen, sodass der Empfänger nicht die nötige Zahl von Satelliten „sieht”.
   Eine noch bessere Überdeckung lässt sich erreichen, wenn man die Signale von Galileo mit denen des GPS- Systems sowie dem im Aufbau befindlichen russischen Glonass-System kombiniert. Die geplanten Umlaufbahnen der Galileo-Satelliten sind so gewählt, dass auch in hohen geografischen Breiten stets genügend Satelliten über dem Horizont stehen.  Das GPS-System funktioniert etwa in Nordeuropa nur schlecht.
   Das Grundprinzip der Satelliten-Navigation ist einfach. Die Satelliten senden von Atomuhren erzeugte Zeitsignale aus. Aus der Laufzeit der Signale lässt sich dann der Abstand des Empfängers zum Satelliten berechnen. Für eine Positionsbestimmung würde eigentlich der Empfang der Signale von insgesamt drei Satelliten ausreichen. Doch normale GPS-Empfänger besitzen keine ausreichend genauen Uhren. Deshalb ist das Signal eines vierten Satel- liten zur genauen Zeiteichung nötig. Die Anforderungen an das Zeitsignal sind dabei enorm. Denn die Funksignale legen immerhin 300.000 Kilometer pro Sekunde zurück. Um eine Positionsgenauigkeit von Metern oder gar Zenti- metern zu erzielen, müssen die Zeitmessungen deshalb auf den Milliardstel Teil einer Sekunde genau sein. Doch damit nicht genug: Bei der Berechnung der Position müssen auch noch relativistische Effekte berücksichtigt werden. Denn die Satelliten sausen mit 14.000 Kilometern in der Stunde durchs All. Deshalb gehen die Uhren an Bord der Satelliten durch die von Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie beschriebenen Effekte etwas lang- samer als Uhren auf der Erde.
   Es kommt aber noch ein zweiter Effekt hinzu. In der Umlaufbahn der Satelliten ist das Gravitationsfeld der Erde etwas schwächer als unten am Boden - deshalb wiederum gehen die Uhren an Bord der Satelliten etwas schneller als Uhren auf der Erde. Leider heben sich die beiden Effekte nicht auf - deshalb muss das Navigationssystem diese Verzerrung der Zeit durch Schwerkraft und Bewegung mit hoher Genauigkeit berücksichtigen. Die Abweichungen durch die relativistischen Effekte summieren sich immerhin auf mehrere Kilometer pro Tag. Für die genauen Zeit- signale sollen gleich zwei verschiedene Atomuhren an Bord jedes Satelliten sorgen. Doch selbst diese Uhren sind für die Anforderungen nicht stabil genug: Sie müssen regelmäßig mit einem Netzwerk von noch genaueren Atomuhren am Erdboden synchronisiert werden - Uhren, die zu groß und zu teuer wären, um sie in den Weltraum zu schießen.
   Wie das GPS soll auch Galileo einen metergenauen „offenen Dienst” anbieten. Noch genauere Daten hält das GPS lediglich für das amerikanische Militär bereit. Bei Galileo sollen diese Daten dagegen im Rahmen eines „kom- merziellen Dienstes” gegen Gebühr verfügbar sein. Die Genauigkeit ist hier so groß, dass auch Anwendungen in sicherheits-kritischen Bereichen wie zum Beispiel der Flugsicherung möglich sind. Als Novum soll Galileo außerdem einen Such- und Rettungsdienst anbieten, der nicht nur eine schnelle Ortung, sondern auch eine Rückantwort der Rettungsstelle an den Notrufsender ermöglicht.
   Fragt sich, ab wann Galileo einsatzbereit ist. Vermutlich geht die Umstellung von einer privaten auf eine komplett staatliche Finanzierung nicht reibungslos vonstatten. Ob da das jetzt anvisierte Ziel einer Inbetriebnahme im Jahr 2011 zu halten ist, steht in den Sternen.   RainerKayserHA070522

Das europäische Navigationssystem Galileo wird Blinden helfen, sich in fremder Umgebung zurechtzufinden

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Wo immer Sie sind - Galileo wird’s wissen

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Start in Baikonur, Kasachstan

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   Das neue Ortungssystem soll alles und jeden jederzeit finden, zentimetergenau. Es werde unser Leben revolutionieren, sagen Fachleute voraus. Es wird eine große Hilfe für Blinde sein. Der Start in Baikonur(Kasachstan) ist gelungen. Wir werden dieses europäische Projekt beobachten und darüber hier berichten.
  Wenn es nach Georges Gallais geht, könnten schon in wenigen Jahren Elektroautos durch unsere Großstädte surren. Der Mitarbeiter eines französischen Forschungsinstituts will sie aber nicht an Einzelpersonen verkaufen, sondern der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Jeder registrierte Teilnehmer soll den Standort des nächsten verfügbaren Fahrzeugs über Computer oder Mobiltelefon abfragen können. Nach beendeter Fahrt lässt er den Wagen einfach stehen. Der nächste Nutzer findet ihn auf die gleiche Weise.
   Gallais' Idee überzeugte die Jury des diesjährigen „Galileo Masters”-Wettbewerbs, mit dem nach neuen Geschäftsideen für Satellitennavigation gesucht wird.  Denn damit das Car-Sharing-System wirklich funktioniert, ist eine sehr präzise Lokalisierung der Fahrzeuge erforderlich. Die soll von 2011 an das neue europäische Satel- litennavigationssystem „Galileo” gewährleisten, dessen Aufbau jetzt beginnt. Vom Weltraumbahnhof Baikonur ist der erste Testsatellit namens Giove A (Galileo In-Orbit Validation Element A) ins All geschossen werden.
   Hauptaufgaben von Giove A und seinem voraussichtlich im Frühjahr nachfolgenden Pendant Giove B sind die Sicherung der nur bis Juni 2006 reservierten Sendefrequenzen und der Text extrem genauer Atomuhren unter Weltraumbedingungen,  das heißt unter erhöhter Strahlung. In spätestens fünf Jahren soll das gesamte, aus 30 Satelliten bestehende System komplett sein und seinen Betrieb aufnehmen können.
   Dann könnten Diensteanbieter wie Gallais mit ihren Ideen endlich Geld verdienen. Und die Palette der An- wendungsmöglichkeiten scheint unbegrenzt, wenn man den Prognosen der europäischen Weltraumagentur Esa und der EU-Kommission glauben darf. Nach deren Überzeugung bedeutet Galileo nicht nur eine Antwort des alten Europa auf die Amerikaner und den Beginn einer neuen Ära in der Raumfahrt, sondern auch einen „techno- logischen Quantensprung”, von dem eine gesellschaftliche Revolution zu erwarten sei, ähnlich der, die das Handy ausgelöst habe.
  Galileo soll Autofahrern nicht nur den rechten Weg weisen, sondern sie notfalls auch aus Staus heraus zum Ziel führen. Flugzeuge, die von der festgelegten Reiseroute abgekommen sind, kann es automatisch und unbe- einflussbar wieder auf den richtigen Kurs bringen. Es soll die genaue Lokalisierung von Fracht ermöglichen, in welchem Verkehrsmittel - oder in welchem Hehler-Lager sie sich auch immer gerade befindet. Und es soll Blinden helfen, sich in fremder Umgebung zurechtzufinden. Alles zu jeder Zeit, an jedem Ort und: zentimetergenau.
   Sportseglern und Sportfliegern soll es die Navigation erheblich erleichtern, Forschern und Wanderern dient es als Orientierungshilfe in entlegenen Gebieten. Rettungsdienste können noch schneller zu ihrem Einsatzort gelan- gen, Landwirte sparsamer düngen und präziser ihre Erträge überwachen. Weitab jeder menschlichen Ansiedlung können mit Hilfe von Galileo nicht nur Fischvorkommen lokalisiert, sondern auch mögliche Verletzer von Fangverbo- ten aufgespürt werden.
   Galileo rekonstruiert die Route von Schiffen, die irgendwo im Ozean Öl abgelassen haben. Ebenso kann Galileo die Sicherheit von Kindern auf dem Schulweg erhöhen, verschollene Sahara-Touristen aufspüren und sogar die Ursache von Stromausfällen im Leitungsnetz lokalisieren. Die bessere Steuerung des Straßenverkehrs soll Milliar- den-Einbußen reduzieren, die beispielsweise durch Unfälle und andere Behinderungen entstehen. Und die Bahn kann die Frequenz ihrer Züge erhöhen, weil die Ortungsgeräte eine Verkürzung der Sicherheitsabstände erlauben. Es soll handliche Geräte geben, die Signale sowohl von dem amerikanischen System GPS als auch von Galileo empfangen. Das ermöglicht nicht nur die zentimetergenaue Lokalisierung von Personen und Objekten, sondern auch die „Ausleuchtung” von Hochhausschluchten, in deren Schatten GPS bisher nicht eindringen konnte. Galileo, so kündigt die Esa an, soll mit Handys der dritten Generation und dem Internet in Verbindung treten, so dass der Nutzer - wo immer er sich gerade befindet - Informationen über Restaurants (einschließlich Online-Speisekarte zur Vorbestellung), Theater, Hotels und das lokale Wetter abrufen kann.
   Beim „Galileo-Masters“-Wettbewerb erreichte eine Anwendungsidee aus Göteborg einen der vorderen Plätze. „Schutzengel” nennt sich das System. Zielgruppe ist die zunehmende Anzahl von Senioren in den westlichen Industrienationen. Hinter „Guardian Angel” verbirgt sich ein tragbares Gerät, das in kritischen Situationen auto- matisch einen Alarm sendet, die Kommunikation mit Hilfsorganisationen erlaubt sowie den momentanen Standort und digitale Bilder des „Guardian Angel”-Trägers und seiner Umgebung übermittelt. Das Gerät wird dabei ent- weder an einem Band um den Hals getragen oder an der Kleidung befestigt und kombiniert eine digitale Kamera mit einem Satellitennavigations-System und einem Handy. Das Gerät wird über einen so genannten Panik-Knopf oder die Stimme aktiviert.
   Ein anderer Vorschlag, der bei der Masters-Jury gut ankam, soll helfen, die Baumbestände sorgfältiger zu be- wirtschaften und die Forstwirtschaft und Holzindustrie optimal zu unterstützen. Heute dauert der Weg eines Baums bis zur industriellen Verarbeitung rund 80 Tage, mit Hilfe von Galileo soll sich dieser Zeitraum um die Hälfte verkürzen. Herzstück des Systems ist ein chiploser Transponder, mit dem jeder zu fällende Baum versehen wird und der via Galileo die genaue Identifikation und Ortung des Baumes in jedem Punkt der Verarbeitungskette er- möglicht - vom Fällen über Transport und Zwischenlagerung bis in das Sägewerk und anschließend zur ver- arbeitenden Industrie.
   Eigentlich sollte Galileo bereits in diesem Jahr einsatzbereit sein. Doch Streit zwischen den europäischen Regierungen um Finanzierung Und Standorte des Milliarden-Projekts führten zu Verzögerungen. Auch Druck von Seiten des US-Militärs spielte eine Rolle. Das Verteidigungsministerium (Pentagon) ist über die europäische Konkurrenz zum eigenen „Global Positioning System” (GPS) alles andere als erfreut. Vordergründig geht es um mögliche Überschneidungen bei den von Galileo und GPS genutzten Frequenzen. Faktisch gilt es aber, die eigene beherrschende Stellung bei der Satellitennavigation zu verteidigen.
   Die Überlegenheit von Galileo gegenüber GPS liegt nämlich nicht nur in der Genauigkeit - GPS-Satelliten senden lediglich ein Positionssignal, die Galileo-Satelliten gleichzeitig zehn Signale -, sondern auch in dem Umstand, dass GPS vom US-Militär betrieben und jederzeit der zivilen Nutzung entzogen werden kann.
   So beispielsweise während des Kosovo-Krieges: Da mussten die Kapitäne der Handelsschiffe in der Adria plötzlich wieder zum Sextanten greifen, um ihre Position auf hoher See zu bestimmen.  Auch  während des Irak- Krieges schaltete das Pentagon einige der bis dahin präzisen Ortsangaben „unscharf” - aus Sorge, der Feind könnte das System zur Steuerung seiner eigenen Raketen missbrauchen.
   Auf 220 Millionen Euro werden die jährlichen Betriebskosten von Galileo geschätzt, wenn das System erst einmal fertig eingerichtet ist. Ein Klacks angesichts der erwarteten Marktentwicklung. Industrievertreter erhoffen sich eine Steigerung des weltweiten Umsatzes für Satellitennavigations-Produkte von 15  Milliarden  Euro im Jahr 2001 auf 140 Milliarden im Jahr 2015. Bis zu 150.000 Arbeitsplätze sollen im Zusammenhang mit Galileo entstehen.
   Und manch einer wird dann vielleicht im Elektromobil zur Arbeit fahren, dessen Standort er zuvor per Mobiltelefon abgefragt hat.

Je zehn Satelliten in drei Orbits

E   Auf drei verschiedenen Umlaufbahnen in 23.616 Kilometer Höhe sollen jeweils zehn Satelliten in einem Winkel von 56 Grad zum Äquator die Erde umkreisen. Jeweils neun Satelliten verteilen sich in gleichmäßigen Abständen auf einer Umlaufbahn, für die sie 14 Stunden benötigen. Ein Reservesatellit in jedem Orbit stellt sicher, dass das System auch bei Ausfall eines der Satelliten funktioniert. Die Zahl der Satelliten und ihre Positionierung stellen nach Berechnungen der europäischen Raumfahrtagentur Esa sicher, dass jedermann überall in der Welt zu jeder Zeit die Daten von mindestens vier Satelliten empfangen und so seine Position auf den Zentimeter genau bestimmen kann.
   Gemessen wird die Entfernung zu mehreren, an unterschiedlichen, exakt bestimmbaren Positionen befindlichen Satelliten; der Schnittpunkt auf der Erde ist dann der Standort. Errechnet wird die Entfernung aus der Zeit, die das Signal vom Satelliten zum Empfänger benötigt.
   Die Satelliten haben, wie beim amerikanischen GPS, Rubidium-Uhren an Bord; sie gehen in einer Million Jahren drei Sekunden nach. Die 27 Galileo-Satelliten sollen zusätzlich mit Wasserstoff-Maser-Uhren ausgestattet werden, die zehnmal genauer sind. Der Testsatellit Giove B hat erstmals so eine Uhr an Bord. Ein weltweites Netz von 20 Sensor-Stationen wird die Satellitendaten an zwei Kontrollzentren in Europa, Oberpfaffenhofen bei München und Fucino bei Rom, übermitteln. Zusätzlich stellen 15 Funkstationen den Datenverkehr sicher.

Kontrollzentrum bei München

  Das Satellitensystem Galileo ist ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Raumagentur ESA und der Euro- päischen Union (EU). Die Galileo-Betreibergesellschaft wird in Toulouse und London angesiedelt, die Kontroll- zentren für den Dauerbetrieb kommen nach Oberpfaffenhofen bei München und Fucino bei Rom. Der gut 600 Kilogramm schwere Test-Satellit Giove A, der an einen großen dunklen Würfel erinnert, wurde in Großbritannien gebaut und soll auch von dort aus zunächst gesteuert werden. Für Europa ist Galileo nach Angaben der Pariser Esa-Zentrale das größte gemeinsame Technologieprojekt. Immerhin 3,8 Milliarden Euro soll das System nach heutigen Schätzungen kosten. Mittelfristig sollen die Einnahmen aber die Investitionen mehr als viermal übersteigen. Nach EU-Schätzungen entstehen bis zu 150.000 neue Arbeitsplätze.
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Großes Interesse an Galileo

  Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo weckt nach den Angaben von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot große Erwartungen im Ausland. „Das europäische Projekt hat eine Welle des Interesses überall auf der Welt ausgelöst“, sagte Barrot der französischen Wirtschaftszeitung „La Tribune“. Dies habe er zuletzt unter anderem bei einem Treffen mit seinen Kollegen der Mittelmeer-Anrainerstaaten in Marokko festgestellt. Barrot sagte, Galileo werde auf gewisse Weise ein Konkurrent des amerikanischen GPS-Systems werden, auch wenn beide Systeme sich ergänzen könnten. Mit Giove-A wurde der erste von 30 Satelliten des Galileo-Systems ins All gebracht, das auf den Meter genau eine genaue Ortsbestimmung überall auf der Erde ermöglicht. Nach langem Streit zwischen den beteiligten Ländern soll das System nun bald einsatzfähig sein. Barrot verwies auf „immense Anwendungsmöglichkeiten”, die erheblichen Einfluss auf den Alltag der Bürger haben könnten. Diese reichten vom Einsatz in Auto-Navigationssystemen bis zur Unfallverhütung und Fortschritten bei der Distanz-Chirurgie. Das Pro- jekt zeige die Fähigkeit der Staaten der Europäischen Union, sich zusammen für „ehrgeizige und für ihre Bürger, Volkswirtschaften und Europas Platz in der Welt entscheidende Projekte” zu engagieren, sagte Barrot.
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Navigationssystem Galileo ist eines der größten industriepolitischen Vorhaben Europas

   Der Kasten ist ungefähr so groß wie ein (amerikanischer) Kühlschrank, hängt seit Ende Dezember 2005 am Himmel und funkt mehr oder weniger einfache Zeitsignale zur Erde. Sein Name ist Giove A, und er ist der erste Satellit des europäischen Galileo-Projektes, das vom Jahr 2010 an eine Alternative zum Global Positioning System (GPS) des amerikanischen Militärs darstellen soll. Mehr noch: Galileo soll GPS in Sachen Genauigkeit deutlich in den Schatten stellen. Bis auf wenige Zentimeter soll sich die Position eines Gegenstandes rund um den Globus be- stimmen lassen. Giove A ist dafür nur der Anfang und zum Testlauf ins All geschickt. Insgesamt 30 Satelliten werden auf drei Umlaufbahnen im Weltraum verankert. Dann ist Galileo fertig.
   Mit dem Start von Giove A hat für Galileo erst die Phase der Validierung im Weltraum und endgültigen Ent- wicklung begonnen. Die hierfür eingeplanten Mittel von rund 1,2 Milliarden Euro werden von der Europäischen Union über die Raumfahrtagentur Esa (European Space Agency) zur Verfügung gestellt. Von diesem Betrag wurden jetzt rund 950 Millionen Euro freigeschaltet und von der Esa an des Unternehmen Galileo Industries gegeben, in dem sich unter anderem die Unternehmen Alcatel, die EADS und die spanische Galileo Sistemas sowie Thaies aus Frankreich zusammengetan haben.
   Die Vertragsunterzeichnung findet in Berlin statt, wird aber von Meldungen getrübt, dass schon jetzt rund 300 Millionen Euro mehr für die Testphase benötigt werden, als bisher geplant. Ein Sprecher von Galileo Industries begründete diese Mehrkosten unter anderem mit der Zeitverzögerung, die das Projekt seit seinem Start Ende der neunziger Jahre erfahren habe.
   Zu diesen Verzögerungen hat auch ein zäher Streit im europäischen Haus über die Verteilung der Kontroll- zentren und anderer Bodenstationen beigetragen, der erst kurz vor dem Start von Giove A behoben werden konnte. Die Lösung: Ein Kontrollzentrum kommt ins bayerische Oberpfaffenhofen und eines in die Nähe von Rom. Der Sitz der Betreibergesellschaft, die noch in diesem Jahr die Konzession für den Betrieb des Projektes erhalten soll, wird im französischen Toulouse angesiedelt.
   Von den nun freigegebenen 950 Millionen Euro entfällt allerdings nur ein kleinerer Teil auf die Himmelskörper selber. Vier funktionierende Satelliten, die von der EADS hergestellt werden, sollen nach dieser Phase im Weltraum schweben. Die Kosten hierfür liegen bei rund 190 Millionen Euro - einschließlich der Testsatelliten Giove A und B. Die Bodenstationen aus dem Hause Alcatel schlagen hingegen mit 330 Millionen Euro zu Buche und das Boden- kontrollsegment für die Satelliten kostete rund 310 Millionen Euro. Dies soll von EADS Astrium gebaut werden.
  In der darauf folgenden Phase, die dann nur noch zu einem Drittel von der öffentlichen Hand finanziert werden soll, ist geplant innerhalb von zwei Jahren 26 weitere Satelliten ins Orbit zu schießen und das System damit auf volle Funktionstüchtigkeit zu bringen.  Rund 2,2 Milliarden Euro sollen dafür ausgegeben werden.
    Mit diesem Volumen stellt Galileo eines der größten industriepolitischen Vorhaben der EU dar. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die - zumindest offiziell - mit dem Projekt verbunden werden. Zwischen 140.000 und 150.000 neue Jobs sollen allein in Europa durch die genaue Ortungsmöglichkeit entstehen. Bis zum Jahr 2020 sollen dann rund 3 Milliarden Empfänger das Galileo-Signal weltweit nutzen und für einen internationalen Umsatz von rund 275 Milliarden Euro sorgen. Dem sollen Kosten von rund 220 Millionen Euro im Jahr für den Betrieb der Satelliten und der Infrastruktur auf der Erde gegenüberstehen. Soweit die Vorstellungen der EU und der in Galileo Industries versammelten Unternehmen.
   Die Arbeitsplätze sollen dabei vor allem im Dienstleistungssektor, bei navigationsbasierten Lösungen sowie in Entwicklung und Produktion von Geräten zum Galileo-Empfang entstehen.  Es wird allerdings von Fachleuten in- zwischen daran gezweifelt, dass es sich dabei wirklich um neue Stellen in Europa handeln wird.
   Allerdings sind nicht nur die europäischen Staaten am Betrieb und der Nutzung des Systems beteiligt. Auch China, Israel, und Norwegen sowie Indien und Argentinien sind inzwischen in die Planung eingebunden und leisten selbst Beiträge zur Finanzierung der Aufbauphase. Ein Vertrag über eine Zusammenarbeit mit Südkorea wurde gerade unterzeichnet.
   Das Geschäftsmodell von Galileo basiert auf einer unterschiedlichen Qualität des Signals, für die dann gezahlt wird oder auch nicht. Die einfache Variante mit einer Genauigkeit von einigen Metern ist frei empfangbar - wie heute schon das GPS Signal. Allerdings soll Galileos Vorteil gegenüber GPS auch darin bestehen, dass das Signal selbst stärker ist und daher auch innerhalb von Häusern, unter Bäumen oder in den Straßenschluchten Man- hattans funktionieren soll. Hier hat der Konkurrent GPS noch Schwierigkeiten.
   Auf der anderen Seite soll aber auch ein verschlüsseltes Signal ausgestrahlt werden, das dem Kunden nur gegen Entgelt zur Nutzung bereit steht. Dies Signal soll dann die volle Genauigkeit von Galileo ausreizen und zum Beispiel in der Lagerhaltung, im Containerverkehr oder auch bei Aufgaben in der Agrarwirtschaft und der Verkehrs- steuerung eingesetzt werden. Ein Preismodell steht aber noch nicht fest.
  Für sicherheitskritische Anwendungen wird ein zusätzliches Referenzsignal gesendet, das die Echtheit des Navigationssignals bestätigt. Eine Anwendung, die zum Beispiel für die Steuerung von Flugzeugen interessant ist.  Auch durch diese Dienste sollen zusätzliche Einnahmen für Galileo und das Betreiberkonsortium entstehen.
   Diesem Konsortium werden die jetzt schon an der Validierungsphase beteiligten Unternehmen der Galileo Industries und weitere Gesellschaft angehören. Der Anteil deutscher Unternehmen an diesem künftigen Konzessionär für die Galileo-Dienste wird nach derzeitigem Stand bei rund 25 Prozent liegen. Darunter unter anderem die Deutsche Telekom mit ihrer Sparte T-Systems.
   Das Konsortium wird aber auch weiterhin auf das Geschäft mit der öffentlichen Hand setzen. Hierfür wurden eigens zwei der insgesamt 10 Navigationssignale, die von den Satelliten ausgestrahlt werden, reserviert und unter eine öffentliche Regulierung gestellt. So kann zum Beispiel gesichert werden, dass das offene Signal zwar in bestimmten Krisenregionen abgeschaltet wird - dann aber immer noch ein hochverschlüsseltes Signal für öffentliche Anwender zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang wird immer wieder betont, dass es sich bei Galileo um ein ziviles System handele. Allerdings wird von einigen, Staaten auch hervorgehoben, dass zu einer militärischen Nutzung von Galileo keine Aussagen gibt. JohannesWinkelhageFAZ060119

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Galileo: Weltraumnavigationssystem Europas

  Die Europäische Weltraumorganisation ESA und das Firmenkonsortium Galileo Industries unterzeichneten in Berlin den Vertrag über die ersten vier Satelliten. Die Vereinbarung umfasst mehr als eine Milliarde Euro. Bis zum Jahr 2010 soll das Projekt mit 30 Satelliten voll einsatzfähig sein. Die Gesamtkosten für Europas Alternative zum US-Navigationssystem GPS wurden von ESA und EU auf 3,8 Milliarden Euro veranschlagt. Deutschland trägt mit 500 Millionen Euro den größten Anteil.    
   Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee begrüßte den Vertragsabschluss. „Galileo ist eines der wichtigsten europäischen Gemeinschaftsprojekte”, sagte Tiefensee. Der Vorstandschef von Galileo Industries, Günter Stamerjohanns, sprach von einem „Meilenstein” für das Projekt. ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain be- zeichnete den Kontrakt als „einen der wichtigsten Verträge, den die ESA jemals mit der Industrie unterzeichnet hat”.
   In diesem Jahr soll die Entwicklung der gesamten Technik für Galileo abgeschlossen sein. Dann werden die ersten vier Satelliten ins All geschossen und das System auf Funktionsfähigkeit geprüft. Das Projekt ist das erste globale Navigationssystem, das speziell für zivile Zwecke entwickelt wurde. Der US-Konkurrent GPS wird vom ame- rikanischen Militär kontrolliert. Mit Galileo wollen die Europäer vom wachsenden Weltmarkt für Navigation prof- itieren. „Die Satellitennavigation wird schier unendliche Anwendungsmöglichkeiten offerieren”, sagte Tiefensee. Ziel sind neue Anwendungen bei der Kontrolle des Verkehrs, in der Sicherheitstechnik und bei Mautsystemen. Nach Expertenansicht wird Galileo mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Europa schaffen.
  Vor allem die deutsche Raumfahrtbranche erwartet neue Impulse. Eines der beiden Galileo-Kontrollzentren wird voraussichtlich in Oberpfaffenhofen bei München errichtet. Zudem ist das deutsche Konsortium Tele-Op gleich- berechtigter Partner im Betreibergremium des Projekts. „Damit werden in Deutschland Know-how und Arbeits- plätze erhalten und neu geschaffen - gerade auch in der mittelständischen Industrie”, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie Thomas Enders. HA060120esaDPA

„Giove-A” ist Teil des europäischen Satellitensystems Galileo.
Die Europäische Union einigte sich nach langen Verhandlungen auf eine Finanzierung:
Die fehlenden 2,4 Milliarden Euro kommen vollständig aus dem EU-Haushalt.

  Nach jahrelangem Tauziehen hat sich die Europäische Union auf eine Finanzierung des europäischen Satelliten- Navigationssystems Galileo geeinigt. Gegen den Willen Deutschlands beschlossen die EU-Finanzminister und die Europaparlamentarier in Brüssel ein Modell zur Deckung der fehlenden 2,4 Milliarden Euro. Das Geld soll, anders als von Berlin gefordert, vollständig aus dem EU-Haushalt kommen. Deutschland stimmte als einziges der 27 Mit- gliedsländer gegen diese Lösung. Räumen die EU-Verkehrsminister letzte Hindernisse aus, steht dem Startschuss von Galileo nichts mehr im Wege.
  Mit dem Satelliten-Ortungssystem will Europa dem US-System GPS Konkurrenz machen. Ab 2013 soll Galileo einsatzbereit sein - und den milliardenschweren Markt erobern. Der Aufbau soll insgesamt 3,4 Milliarden Euro kosten. Nach Angaben der europäischen Raumfahrtagentur ESA könnten die Einnahmen die Investitionen mittel- fristig aber vier bis fünf Mal übersteigen. Denn die Aussichten sind verlockend: Lagen die Umsätze im Satelliten- markt laut ESA 2003 bei 20 Milliarden Euro, soll sich dieses Volumen bis 2020 auf 250 Milliarden Euro erhöhen. Gleichzeitig soll Galileo in Europa über 100.000 Arbeitsplätze schaffen.
   Trotz dieser Aussichten scheiterte der Plan bisher am Streit um die Finanzierung. Der Starttermin musste immer wieder verschoben werden: War ursprünglich 2010 geplant, wird es nach der Einigung nun wohl später. Die EU- Haushaltskommissarin Dalia Grybauskaite sprach von einem „wichtigen Beschluss”. Wie vorgeschlagen, seien Agrargelder in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für Galileo umgeleitet worden. Die restlichen Mittel kommen aus an- deren EU-Töpfen. Deutschland stimmte als einziges Land gegen den Kompromiss, weil es als größter Nettozahler Mehrbelastungen von bis zu 500 Millionen Euro fürchtet.       HAdpaAFP071126

GalileoRainerGrohe-x       Rainer Grohe, Leiter der Galileo-Gemeinschaft

Geschäftschancen mit Ortungssystemen

  Galileo ist das größte industriepolitische Vorhaben der EU. Gegenwärtig wird mit einem Konsortium von acht großen und vielen kleineren angeschlossenen Unternehmen über die Bildung einer öffentlich-privaten Unter- nehmenspartnerschaft verhandelt. Sie soll sicherstellen, dass Galileo für Anwendungen im Verkehr und auf ande- ren Feldern der Ortung zur Verfügung steht. Mit einer Genauigkeit von weniger als einem Meter soll es das derzeit kostenlos angebotene und weniger genaue amerikanische GPS verdrängen. Bis zum Jahre 2020 könnte Galileo bis zu 150.000 neue Arbeitsplätze und Jahresumsätze zwischen 60 bis 300 Milliarden Euro generieren.
   Auch bei der laufenden Konzessionsvergabe für den Aufbau und Betrieb von Galileo herrscht kein Mangel an Schwierigkeiten. Gesucht wird ein Konzessionär, der das System 20 Jahre betreibt. Dieser Betreiber muss die gesamte Palette des Vorhabens abdecken und den technischen Ausbau des “Unternehmens übernehmen. Dabei gelte: Galileo ist ein anspruchsvolles System, und die angestrebte öffentlich-private Unternehmenspartnerschaft ist eine anspruchsvolle Lösung, sagt der Leiter des Galileo-Gemeinschaftsunternehmens Rainer Grohe. 
   Sein Ziel lautet mit den acht Unternehmen des Konsortiums alle Elemente des Konzessionsvertrages zu verhandeln. Sein Traum für Galileo lautet: Alles wird gut. Dann ist nach 20 Jahren das investierte Geld an die öffentliche Hand als Eigner des Systems zurückgeflossen. „Dann fängt der warme Regen an.” Und wenn sich zeigt, dass Galileo scheitert? „Dann gibt es für die europäischen Länder eine Reißleine. Dann können die beteiligten Staaten aussteigen.”  FAZ060919

Niedersachsen arbeitet an Galileo mit

   Bei der Entwicklung des satellitengesteuerten Navigationssystems Galileo beteiligt sich nun auch der Flughafen Hannover. Das gab das niedersächsische Wirtschaftsministerium in Braunschweig bekannt. Der Internationale Airport ist dem am Braunschweiger Forschungsflughafen beheimateten Projekt „GAUSS” beigetreten. Die Initiative arbeitet daran mit, das erste globale Navigationssystem speziell für zivile Zwecke weiterzuentwickeln.NOZ060905

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Galileo als Paradebeispiel - Konkurrenz zu GPS. Europäisches Satelliten-Navigationssystem kommt voran

 Deutschland wird nach Auffassung des Bundesverkehrsministers zum Zentrum der europäischen Satelliten- navigation. Von hier aus werde das gesamte Satelliten-Navigationssystem Galileo künftig gesteuert und kontrol- liert, sagte Tiefensee bei der Grundsteinlegung für das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München. Das mindestens 3,5 Milliarden Euro teure Projekt soll in Konkurrenz zum US-amerikanischen GPS-System und zum russischen System Glonass aufgebaut werden. Von 2008 an liefern Satelliten Positionsdaten für Navigations- systeme etwa in Fahrzeugen.
  Die Planung liegt in der Hand der Galileo Joint Undertaking (GJU), einer gemeinsamen Gesellschaft von EU  und  Europäischer Weltraumagentur (ESA). Sie finanziert die Aufbauphase mit 1,2 Milliarden Euro. Die restlichen knapp 2,5 Milliarden Euro sollen gemeinsam mit einem europäischen Firmenkonsortium aufgebracht werden,  das später das System marktwirtschaftlich führen soll. Galileo soll spätestens 2010 einsatzbereit sein.
  „Wir können mit Fug und Recht von einem Exzellenzzentrum für Satellitennavigation sprechen”, sagte Tiefensee am Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen über das Projekt. 2008 entstand dort für 16 Millionen Euro ein neues Gebäude. Hier steuern etwa  100 Ingenieure und Wissenschaftler bis zu 30 Satelliten. Bereits seit 2003 ist in Ottobrunn bei München der Hauptsitz des Auftragnehmerkonsortiums für Galileo. In Berchtesgaden wurde ein Testfeld für die unterschiedlichen Anwendungen von Galileo errichtet. Bis zu 30 Satelliten sollen bei Galileo auf drei verschiedenen Erdumlaufbahnen die gesamte Erdoberfläche optimal abdecken und präzise Positionsdaten für Navigationssysteme etwa in Fahrzeugen liefern. Wegen der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Galileo in Verkehr, Umweltschutz oder bei der Energieversorgung wird das Be- schäftigungspotenzial auf über 100.000 Arbeitsplätze in Europa geschätzt.
   Mit Galileo wird Europa nach Überzeugung Tiefensees unabhängig von den beiden weltweit bestehenden Konkurrenzsystemen GPS und Glonass. „Galileo ist für die Bundesregierung eines der wichtigsten europäischen Innovationsprojekte”, bekräftigte er. Deutsche Unternehmen sollten noch mehr an dem weltweit  wachsenden Markt der Satellitennavigation teilhaben.
   Dagegen gehen Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber die europäischen Bemühungen für technologische Innovationen nicht weit genug. Er forderte, Deutschland  solle während seiner EU-Ratspräsidentschaft die For- schung und Entwicklung neuer Technologien zu einem Schwerpunkt machen.
   Erst im September gab es für Galileo einen Rückschlag, als bekannt wurde, dass sich der Start des zweiten Testsatelliten „Giove-B” verzögert. Damit liegt das Konsortium ein Jahr hinter dem Zeitplan zurück. Der Zeitplan für den Aufbau des Galileo-Systems sei aber nicht in Gefahr. HAZdpa061108

Himmlischer Blindenhund in 23.000 km Höhe.
Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo soll bald voll funktionstüchtig sein

   Zwischen 10 und 15 Milliarden Euro - so viel verschlingt nach derzeitigen Schätzungen der Aufbau des ersten weltweit kommerziell nutzbaren Satellitensystems. Galileo und das vorbereitende Projekt „Galileo Joint Under- taking” (GJU) sind bisher das größte Industrie- und das erste Weltraumprojekt der EU und das erste gemeinsame Projekt mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Mitte 2003 hatten sich die Mitgliedstaaten der ESA über die Finanzierung geeinigt, und Ende 2005 flog der erste Testsatellit ins All. Anfang 2007 hat nun wie geplant das von der GJU ausgewählte private Konsortium - unter anderem mit den Unternehmen Alcatel, EADS, Thaies und Immar- sat - den weiteren Ausbau des Systems übernommen, um Galileo einsatzbereit fertig zu stellen.
Auf den Zentimeter genau
  Seit 20 Jahren ist das Global Positioning System (GPS) das gängige Kontroll- und Leitsystem im Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft. In der US-Marine entwickelt, fand es auch Anwendung im zivilen Bereich. Aber die amerikanischen Militärs könnten den zivilen Dienst zu jeder Zeit stören, wenn es ihre Taktik gebietet. Bei Galileo bestehe dieses Risiko nicht, sagt Rainer Grohe, der das Projekt GJU leitete. Außerdem ermögliche Galileo Mes- sungen auf den Zentimeter genau, deutlich präziser als GPS, und gestatte völlig neue Anwendungen.
   Während GPS in der Zivilluftfahrt nur für die Streckenkontrolle der Maschinen dient, kann Galileo ein Flugzeug vom Start bis zur Landung leiten - unabhängig von Wetter und Landeinstrumenten ausrüstungen. Das System umfängt das Flugzeug wie in einem sicheren Käfig und warnt beim Verlassen dieses Sicherheitsbereiches. Reicht GPS in der Seefahrt zur Positionsbestimmung auf Ozeanen, ist Galileo auch für das exakte Manövrieren beim Anlegen und beim Auslaufen der Schiffe tauglich. Für den Eisenbahnverkehr erhöht Galileo ohne einen weiteren Meter Schiene die Kapazitäten der vorhandenen Infrastruktur, kann sie statistisch verdoppeln, da seine Präzision eine deutlich höhere Verkehrsdichte erlaubt. Entsprechendes gilt für den Straßenverkehr. Die Forschungs- abteilungen in der Autoindustrie erkennen bereits, so Grohe, die Vorteile von Galileo gegenüber den bisher entwickelten Sensorenkonzepten.
Suche nach Ressourcen
   Galileo ist aber weit mehr als ein Navigationssystem: Düngung und Ausbringung von Chemikalien zur Schäd- lingsbekämpfung werden vom Flugzeug aus dank präziser Positionsbestimmung exakter, billiger und umwelt- verträglicher, ebenso die Suche nach und Ausbeutung von Energieressourcen. Die Koordinierung von Rettungs- und Hilfsmaßnahmen nach Katastrophen wird besser oder gar erst möglich. Vor allem in unwegsamem Gelände oder wenn die Infrastruktur zerstört ist. Galileo werde auch im Alltag helfen, prophezeit Grohe. Blinden etwa könnten die im Vergleich zu GPS zehnmal stärkeren Galileo-Signale Orientierung in Häusern verschaffen. Quasi als Blindenhund in gut 23.000 Kilometer Höhe.
  Auf drei Umlaufbahnen werden 30 Satelliten - jeweils neun aktive und ein Reservesatellit - die Erde umkreisen. Theoretisch könnten sie dank solarer Energieversorgung ewig ihre Signale senden. Aber die über Land und Ozeanen unterschiedlich starke Anziehungskraft von Mutter Erde erfordert immer wieder Kurskorrekturen. Hierfür reicht der Treibstoffvorrat etwa 12 Jahre. Dann müssen die - wahrscheinlich noch leistungsfähigeren - Nachfolgesatelliten zur Arbeit in den Weltraum geschickt werden.
  Die präzisen Positionsbestimmungen werden möglich, indem die Zeit gemessen wird, die die mit Licht- geschwindigkeit dahinrasenden Satellitensignale benötigen, bis sie die Bodenstationen erreichen. Gesteuert und kontrolliert wird das gesamte Satelliten-Navigationssystem vom Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München. An diesem Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entstand im Jahr 2008 für 16 Millionen Euro ein neues Gebäude.
   Um die Satelliten ins Weltall zu befördern, werden sowohl Raketen des russischen Typs Sojus - der „Lastesel” mit bisher 1.800 erfolgreichen Starts - und die europäische Ariane 5 eingesetzt. Am 28. Dezember 2005 gelangte der erste Testsatellit mit einem Bilderbuchstart auf seine Position „und am 13. Januar 2006 sandte er die ersten Signale”, schwärmt Grohe.
   Laut Schätzungen entstehen in Europa durch Galileo 140.000 Arbeitsplätze. „Mindestens”, ist Grohe überzeugt - und bis 2015 werde es weltweit Umsätze in Höhe von 50 Milliarden Euro geben aus dem Handel mit Signalen und aus der Antennenproduktion.
Kombination mit GPS
   Haben die Amerikaner anfangs nicht an einen Erfolg des Vorhabens geglaubt und es dann als Konkurrenzveranstaltung betrachtet, ist diese Skepsis inzwischen einer ungeduldigen Erwartung auf den Einsatz von Galileo gewichen. Seine Kombination mit GPS ist inzwischen beschlossene Sache. Auch mit der Russischen Föderation, die durch die Entwicklung und den Betrieb des GlonassSystems über wertvolle Erfahrungen verfügt, laufen Verhandlungen über deren Beteiligung. NOZ070224GünterKlenke

Navi-GPS-NAVI-xx GPS-Satellitensystem

Galileo verliert schon Kunden an GPS - Auch Russen und Chinesen sind aktiv
Verzögerungen bei europäischem Satellitensystem nutzen der Konkurrenz

   Geschäftsideen mit Hlfe von Satelliten gibt es viele. Eine zielt darauf, künftig Postkunden auf Wunsch aus dem Orbit zu orten, um ihnen ihr Paket an beliebigen Orten zu übergeben. Ein anderer Dienst soll Autofahrer, die auf nasser Straße zu rasant auf eine Kurve zusteuern, mit Signalen aus dem All vorausschauend warnen. Ein Dritter will per Radar und Satellit die vergrabenen Landminen kartieren, um Bevölkerung vor Ort zu schützen.
   Solch vermeintlich lukrative Anwendungen könnte Europas Satellitennavigationssystem Galileo möglich machen - wenn es denn kommt. Da das auf 30 Satelliten ausgelegte System nach politischem Dauerstreit derzeit jedoch im luftleeren Raum hängt, setzen mögliche Kunden auf das konkurrierende US-System GPS.
    Als neuer Starttermin für Galileo ist dieses Jahr ausgegeben. Technologisch mit dem System befasste Industrie- vertreter halten 2015 für ein realistischeres Datum. Es geht um große Geschäfte. 3,4 Milliarden Euro soll allein der Aufbau von Galileo verschlingen. Über diese Summe streiten derzeit die Politiker. Die Verzögerung um mindestens fünf Jahre lasse die Kosten auf wenigstens 4,5 Milliarden Euro anschwellen, meint der Geschäftsführer der EADS- Raumfahrttochter Astrium, Evert Dudok. Die größten Hoffnungen ruhen aber auf Diensten und Anwendungen, die über Galileo auf die Erde gebracht werden sollen. Bis 2025 entsteht nach EU-Schätzungen ein Markt für zivile Satellitennavigation von 450 Milliarden Euro. Die im Rahmen diverser Ideenwettbewerbe gesammelten Galileo- Anwendungen zielten auf einen Startschuss im nächsten Jahr. „Die Gewinner sollten jetzt loslegen”, sagt ein damit befasster Manager. Das tun die Preisträger mit ihren Start-up-Firmen nun auch - allerdings mittels GPS- Signalen.
   „Ich bin ein Freund von Galileo, aber wir wollen so schnell wie möglich starten”, sagt der Brite Colin Wilson, der zur Messe Systems für seine Idee mit der Landminenortung ausgezeichnet wurde. Er will seinen Innovations- vorsprung nicht verspielen. GPS sei zwar nicht so genau, wie es Galileo einmal sein soll. „Aber GPS gibt es.” So wie er würden viele Galileo-Ideengeber denken, die nun zum US-Signal GPS abwandern.
   Für Dienstleister aus dem All kommen zudem weitere Alternativen zu Galileo auf den Markt. Es soll das russische System Glonass mit 24 Satelliten runderneuert und kommerziell einsetzbar sein. Zudem ist ein chinesisches System namens Compass im Aufbau - allerdings ohne offiziellen Starttermin. HAZThomasMagenheim071030

Galileo steht nichts mehr im Wege
Die EU einig über Vergaberegeln / Tiefensee: Lukrative Aufträge für Deutschland

  Deutsche Unternehmen können mit lukrativen Aufträgen zum Aufbau des europäischen Satellitennavigations- systems Galileo rechnen. Diese Erwartung hat Bundesverkehrsminister Tiefensee nach dem vorläufigen Beschluss des Europäischen Ministerrats über die Vergaberegeln für Galileo geäußert. Für den Aufbau des Navigations- systems, das in diesem Jahr betriebsbereit sein soll, sind 3,4 Milliarden Euro im EU-Haushalt vorgesehen; 150.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
   Nach den nun beschlossenen Vergaberegeln sollen die Aufträge zum Aufbau der Galileo-Infrastruktur in sechs Einzelpakete gestückelt werden, wobei kein Anbieter auf mehr als zwei Lose Zugriff erhalten soll. Damit will man verhindern, dass sich bestimmte Unternehmen, nicht zuletzt aus Frankreich, einen übermäßigen Anteil an den Aufträgen sichern. Außerdem werden mindestens 40 Prozent des Auftragswerts an Subunter- nehmer vergeben.
   Der zunächst gegen den Widerstand Spaniens von den Verkehrsministern mehrheitlich gefasste Beschluss zur Auftragsvergäbe garantiere, „dass ein sehr großer Anteil dieser 3,4 Milliarden Euro direkt und indirekt nach Deutschland zurückfließt”, sagte Tiefensee. Madrid hatte vergeblich umfassende Zusicherungen dafür verlangt, dass es außer im oberbayerischen Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino auch in Spanien ein - gleich- wertiges - Kontrollzentrum für das mindestens 26 Satelliten umfassende europäische Navigationssystem geben müsse. Spanien lenkte nach weiteren Verhandlungen ein.
  Die EADS-Tochter Astrium hofft nun auf die Führung beim Bau der Satelliten. Daneben will sich auch das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB zusammen mit der britischen SSTL um den Auftrag bemühen. Dennoch herrschen in Brüssel große Zweifel, ob deutsche Unternehmen Aufträge in einem Umfang erhalten werden, der dem deutschen Finanzierungsbeitrag zum Projekt von rund 20 Prozent entspricht. Über die Regeln zur Auftragsvergabe hatte es bis zuletzt erbitterte Auseinandersetzungen gegeben. Zunächst hatte sich die Mehrheit der EU-Finanzminister über deutsche Bedenken hinweggesetzt und beschlossen, das Projekt vollständig mit EU-Geldern aufzubauen. FAZnow071201

Der Weg für das Satellitensystem Galileo ist frei
Finanzierung aus dem EU-Budget / 1,6 Milliarden Euro Agrargelder werden umgewidmet

   Der Weg für den Aufbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo ist so gut wie frei. Die EU- Mitgliedstaaten haben sich in Brüssel gegen den Widerstand Deutschlands geeinigt, das Projekt vollständig aus dem EU-Budget zu finanzieren. Zwei Drittel der für Galileo noch benötigten 2,4 Milliarden Euro sollten aus dem Agrarbudget genommen werden, teilte die portugiesische Ratspräsidentschaft mit. Der Rest komme durch die Umschichtung kleinerer Beträge zusammen. Auf ähnliche Weise will die EU das neue Elite-Netzwerk „European Institute of Technology” mit 309 Millionen ausstatten. Deutschland habe als einziges Land mit Nein gestimmt, Spanien habe sich enthalten, sagte ein Diplomat.
   Deutschland hatte sich gegen die nun von den Staaten beschlossene Finanzierung des Projekts gestellt, weil damit der 2005 nach langer Debatte beschlossene Sieben-Jahres-Rahmen für den Haushalt 2007 bis 2013 geändert wird. Die Bundesregierung hatte argumentiert, dass so die Tür dafür geöffnet werde, den Finanzrahmen auch künftig für Sonderwünsche zu verändern. Damit drohe wieder Jahr für Jahr langer Streit über das Budget. Einen konkreten eigenen Vorschlag für die Finanzierung von Galileo hatte die Bundesregierung indes nicht vor- gelegt. Ihre Hauptsorge galt ohnehin der Sicherung von Aufträgen für die deutsche Industrie. Da die Kommission inzwischen zugesagt hat, diese angemessen zu beteiligen, hatte Deutschland in der vergangenen Woche seinen strikten Widerstand aufgegeben.
      ie vereinbarten Umschichtungen im EU-Budget haben für beschlossene Projekte der EU keine Folgen. Die 1,6 Milliarden Euro aus dem Agrarhaushalt sind ausschließlich Geld, das in diesem Jahr, auch wegen der höheren Agrarpreise, nicht benötigt wurde. Das Geld wäre an die Staaten zurückgeflossen. Europäisches Parlament, Kommission und Staaten versicherten, die Revision des Sieben-Jahres-Budgets werde eine Ausnahme bleiben. Sie schrieben auch fest, dass der Aufbau von Galileo bis 2013 nicht mehr als die nun veranschlagten 3,4 Milliarden Euro kosten darf. Die EU hatte für Galileo bisher 1 Milliarde Euro eingeplant. Den Rest sollte ein privates Konsor- tium beisteuern. Dieses Modell war im Frühjahr gescheitert, da die private Seite das Risiko nicht mehr tragen wollte.  Galileo soll dem amerikanischen Satellitensystem GPS Konkurrenz machen. Es soll den Nutzer bis auf wenige Zentimeter genau ans Ziel führen und Positionen etwa von Schiffen oder Flugzeugen exakter als GPS bestimmen.
   Um Deutschland einen angemessenen Teil der Aufträge für Galileo zu garantieren, hat EU-Verkehrkommissar Jacques Barrot nun vorgeschlagen, die Aufträge für den Aufbau und Betrieb von Galileo in sechs bis sieben Pakete aufzuteilen. Kein Konzern soll den Zuschlag für mehr als zwei Pakete bekommen können. Jeder, der den Zuschlag für ein Paket erhält, soll einen Großteil des Auftrags an Subunternehmen weitergeben müssen. Über Details sollen die EU-Verkehrsminister beraten. FAZhmk071126

Auch Militär soll Galileo nutzen - Europaparlament fordert breitere Anwendung

   Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo soll nach Ansicht des Europäischen Parlaments künftig auch für militärische Zwecke genutzt werden. In seinem Bericht „Weltraum und Sicherheit”, der jetzt in Straßburg verabschiedet wurde, ist das EU-Parlament zum ersten Mal von seinem alten Kurs abgewichen, der für Galileo eine ausschließlich zivile Nutzung vorsah.
   Die Forderung einer Neuorientierung von Galileo wurde von einer breiten parlamentarischen Mehrheit von den Christdemokraten über die Sozialisten bis zu den Grünen getragen.  „Es wäre ja geradezu bizarr, wenn Galileo künftig von Unternehmen, Behörden und Privatpersonen zur genauen Standortbestimmung genutzt werden könnte, nicht aber von den EU-Streitkräften, die zum Beispiel auf dem Balkan friedenssichernde Aufgaben wahr- nehmen”, sagte der parlamentarische Berichterstatter, der baden-württembergische Europaabgeordnete Karl von Wogau.
   Mit dem europäischen System, das gegenwärtig aufgebaut wird, kann der eigene Standort über Satelliten präzise ermittelt werden. Wie mit dem derzeit auch in Europa genutzten US-Navigationssystem GPS erleichtert das die Führung von Schiffen oder Flugzeugen. Die Satelliten können aber auch über Truppenbewegungen, Verletzung der Grenzen durch Terroristen oder drohende Angriffe auf EU-Streitkräfte Informationen liefern. Galileo könne deshalb eine Schlüsselrolle für die „strategische Autonomie” der EU spielen, sagte von Wogau. Bisher fehlt den Sicherheitskräften aber die hochmoderne technische Ausstattung zur Aufklärung.
   Die Forderung des Europaparlaments wird nun dem EU-Ministerrat der 27 Mitgliedsstaaten vorgelegt, der in der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik das Sagen hat. Da Galileo nach dem Scheitern privater Finanzie- rungskonzepte jetzt aus dem EU-Haushalt bezahlt wird, das EU-Parlament aber entscheidende Haushaltsrechte besitzt,  können die Regierungen das Votum der europäischen Volksvertreter nicht übergehen.
HAZ080630ThomasGack

OHB erhält Galileo-Zuschlag

   Der Auftrag zum Bau der ersten acht Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo geht an den Bremer Konzern OHB Technology. Der Raumfahrtspezialist habe sich bei der Vergabe durch die europäische Welt- raumbehörde ESA gegen die EADS-Tochter Astrium durchgesetzt, sagte EADS-Chef Louis Gallois der „Wirt- schaftwoche". „Natürlich sind das keine gute Nachrichten. Wir hoffen, bei den weiteren Tranchen von Galileo- Satelliten erfolgreich zu sein."Die OHB-Gruppe hatte ursprünglich versucht, drei deutsche Werke der EADS-Tochter- gesellschaft Airbus zu übernehmen.
   Das 3,4 Milliarden Euro teure Galileo-Navigationssystem soll 2013 seine Arbeit aufnehmen und aus insgesamt 30 Satelliten bestehen. Nach früheren Plänen hätte Galileo eigentlich bereits in diesem Jahr einsatzbereit sein sollen. Das System soll eine präzisere Ortsbestimmung ermöglichen als das US-System GPS. Derzeit sind bereits zwei Testsatelliten für Galileo im Orbit. HAZ091212afp

t-galileo-Sat-xx  Galileo kommt aus Bremen

   Bremen greift nach den Sternen: Die vom Niedergang der Werften gebeutelte Hansestadt entwickelt sich immer mehr zum Hochtechnologiestandort für Luft- und Raumfahrt. Star unter den Unternehmen ist der relativ kleine Bremer Technologiekonzern OHB, der gestern den größten und prestigeträchtigsten Einzelauftrag seiner Firmen- geschichte einheimsen konnte.
   Das Familienunternehmen mit bundesweit 1.500 Mitarbeitern, das kompakte Kleinsatelliten für Wissenschaft und Kommunikation baut, hat von der EU den Zuschlag bekommen, 14 Satelliten für das europäische Navigations- system Galileo zu bauen. Auch wenn die Nachricht von EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani nicht völlig über- raschend kam - schon im Dezember gab es Signale, dass OHB zu den Gewinnern gehört -, dürften Sektkorken geknallt haben. „Das ist ein toller Auftrag für das neue Jahr", meinte OHB-Vorstandschef Marco Fuchs mit hanse- atischer Zurückhaltung. Der 566-Millionen-Auftrag sei ein großartiger Erfolg für Bremen. Insgesamt soll das Galileo- Projekt 3,4 Milliarden Euro kosten.
   Mit der Auftragsvergabe ist Europa seiner eigenen Satelliten-Navigation, die dem amerikanischen GPS-System Konkurrenz machen soll, einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Der Aufbau des seit Mitte der neunziger Jahre geplanten Systems hat sich jahrelang verzögert. Nachdem die EU aus politischen Gründen Firmen zur Kooperation zwingen wollte, die nicht zusammenpassten, stand das Projekt vor einigen Jahren fast vor dem Aus. Jetzt könne die Arbeit endlich losgehen, sagte Fuchs.
   Nach gegenwärtiger Planung sollen die ersten Satelliten im Oktober 2012 vom Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika aus ins All geschossen werden. Aus Kostengründen werden dafür nicht europäische Ariane-, sondern russische Sojus-Raketen eingesetzt. Ab 2014 soll Galileo betriebsbereit sein. Bis zu 32 der telefonzellengroßen Satelliten werden dann in 24.000 Kilometern Höhe um die Erde kreisen und zentimetergenaue Navigation am Boden und in der Luft ermöglichen. Galileo wird nach Angaben der Planer genauer arbeiten als das GPS (Global Positioning System) und die Europäer unabhängig von diesem militärisch organisierten System machen, das im Fallbewaffneter Konflikte unzugänglich gemacht werden könnte.
  Um den Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa gab es hinter den Kulissen ein Hauen und Stechen. OHB machte das Rennen gegen den weit größeren Konkurrenten EADS-Astrium. „Wir haben den Zuschlag bekommen, weil wir inhaltlich besser und wirtschaftlich attraktiver sind", erklärte Vorstandschef Fuchs. OHB habe Erfahrungen im Bau kleiner, robuster und zuverlässiger Satelliten. Auch für den Folgeauftrag zum Bau der restlichen Galileo-Flugkörper rechnet sich OHB nun gute Chancen aus.
  In Bremen wird der Galileo-Auftrag als „Riesenchance" gefeiert. OHB spiele damit eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung der Stadt als Raumfahrt-Modellregion in Deutschland und Europa, sagte der Bremer SPD- Landesvorsitzende Uwe Beckmeyer. HAZ100107MargitKautenburger

 „Galileo"-Projekt gerät in Rückstand

   China hat gestern einen weiteren Satelliten für den Aufbau eines eigenen Navigationssystems in eine Umlaufbahn gebracht. Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch" startete vom Raumfahrtbahnhof in Xichang (Provinz Sichuan). Es ist der dritte Satellit für das „Kompass" (Beidou) genannte Navigationssystem, mit dem sich China unabhängig machen will vom GP-System der USA oder Russlands „Glonass". Das chinesische System steht in Konkurrenz zum europäischen „Galileo"-Projekt, da China und die Europäer die gleiche Radiofrequenz reserviert haben. Wer sie als Erster benutzt, kann sie halten. Da die Chinesen vorn liegen, wird in Brüssel von einem „ernsten Problem" gesprochen. HAZ100118dpa 

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In Braunschweig entsteht der Galileo-TÜV. Europaweites Zentrum für Tests und Zertifizierung von Satelliten- Anwendungen wie Pkw-Maut und Auto-Leitsystemen. Foto: GIOVE-A wurde als erster Satellit des europäischen Navigationssystems Galileo im Dezember 2005 gestartet.

   Galileo macht' s möglich: Mit dem geplanten europäischen Satellitensystem kann der Verkehr mit Auto, Flugzeug oder Zug stärker automatisiert und dadurch effizienter werden. Voraussetzung dafür ist, dass das System jeder- zeit stabil ist, seine Signale in aller Welt zuverlässig verfügbar und die Satellitendienste sicher sein werden. Deshalb müssen sie kontrolliert werden. Sonst könnten schlimme Unfälle passieren.
   Am Forschungsflughafen Braunschweig entsteht dafür ein europaweites Zentrum für Tests und Zertifizierung von sicherheitskritischen Satelliten-Anwendungen im Verkehr - eine Art TÜV für Galileo. Es heißt in der englischen Abkürzung Gauss und ist - so die Zentrums-Manager Günther Kasties und Harry Evers - eine Reverenz an den Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der vor 200 Jahren in Braunschweig wirkte. Träger des Zentrums ist die ITS Niedersachsen GmbH, ein Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Verkehrs- technik.
   Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische Militärsystem GPS, das in weltpolitischen Krisenzeiten die zivile Nutzung schon mal einschränkt. „Das zivile System Galileo wird dagegen eine Servicegarantie geben", erläutert Kasties. Nach jahrelangen politischen Querelen und Verzögerungen sollen 2014 die ersten Dienste verfügbar sein. Spätestens 2018 werden 30 Satelliten in 23.000 Kilometer Höhe um die Erde kreisen.
  Beispielsweise wird es Assistenzsysteme für Autofahrer geben, die teilweise autonom das Fahrzeug steuern, oder automatische und leisere Landeanflüge für Flugzeuge. Neue Sicherungssysteme könnten ohne aufwendige Streckeninfrastruktur künftig Zugkollisionen verhindern, der gesamte Gefahrgütertransport auf der Straße könnte per Galileo ferngesteuert und kontrolliert werden. Auch eine Pkw-Maut sei per Satellit, ganz ohne die derzeitigen Elektronikbrücken über den Autobahnen, technisch machbar.
   „Alle diese Anwendungen sind sicherheitskritisch", sagt Evers. Sie müssten deshalb zertifiziert und kontrolliert werden - die Technik ebenso wie die jeweilige Software. Dafür gibt es am Braunschweiger Forschungsflughafen viel Know-how: Hier sitzen Forschungsinstitute und Unternehmen, die sich schon seit vielen Jahren mit der Satellitennavigation (GPS) beschäftigen. Bei Gauss arbeiten zudem zwei große TÜV-Organisationen (TÜV Nord und TÜV Süd) mit, die das Zulassungsgeschäft beherrschen.
   „Wir sind auf europäischer Ebene an der Entwicklung technischer Standards und Regeln für künftige Galileo- Anwendungen beteiligt", berichtet Evers. Deshalb hoffe man, von den obersten Galileo-Gremien als eine oder sogar als einzige Zertifizierungsstelle in Europa ernannt zu werden.
   Gauss verstehe sich als Service-Center, erläutert Kasties. Man wolle Unternehmen komplett betreuen: von der Entwicklung einer Galileo-Technik oder eines Dienstes über deren Umsetzung und Schulung der Mitarbeiter bis zur Zertifizierung.
   An einigen Projekten ist Gauss bereits beteiligt. So wurde im Berchtesgadener Land ein Galileo-Testfeld eingerichtet, das Gauss zertifiziert hat. Auf acht Berggipfeln wurden Sender installiert, die Galileo-Signale simulieren. Unten im Tal können so Satellitenempfänger oder Dienste für den Straßenverkehr schon heute praktisch getestet werden. Auf dem Braunschweiger Flughafen gibt es ein Testfeld, mit dem satellitengesteuerte Starts und Landungen von Flugzeugen erprobt werden können.
  Die Galileo-Experten sind auch an der Entwicklung eines neuen europäischen satellitengestützten Auto- Notrufsystems eCall beteiligt. Damit soll bei schweren Unfällen automatisch ein Notruf mit der genauen Position des Fahrzeugs an die Notrufzentrale gesendet werden. NOZdpa101220KlausSievers

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Die Animation zeigt, wie Galileo-Satelliten der zweiten Generation,
 die den vier Testsatelliten folgten, die Erde umkreisen

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Wie Satelliten-Navigation noch sicherer wird. Acht der 30 Flugkörper des europäischen Galileo-Systems sind inzwischen im All. Hamburger Experte plädiert für zusätzlichen Ortungsdienst auf Langwelle
Foto: So sollen die 30 Galileo-Satelliten vom Jahr 2020 an die Erde umrunden.

   Der Ausbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo schreitet voran. Seit dem jüngsten Raketenstart (27. März) rotieren acht Satelliten um die Erde. In der ersten Septemberhälfte sollen Nummer neun und zehn folgen. 2016 soll Galileo seinen Betrieb aufnehmen und bis 2020 auf 30 Satelliten aufgerüstet werden. Doch Kritiker warnen davor, sich bei der Navigation komplett auf Satellitensysteme wie GPS oder Galileo zu verlassen. So plädiert Uwe Petersen, Hamburger Navigationsexperte bei der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbands, ein weiteres, technisch unabhängiges System zu betreiben.
   Viele Autofahrer kommen ohne Satellitennavigation kaum mehr ans Ziel, weil ihr Navi die umständlichen Faltkarten längst ersetzt hat. Bislang werden Signale des amerikanischen GPS empfangen und auf eine digitale Karte übertragen. Galileo soll Positionsdaten liefern, die auf einen Meter genau sind - das heutige GPS ist zehnfach ungenauer. Forscher arbeiten bereits daran, auf Basis der genaueren Positionsangaben Autos oder Güterzüge autonom fahren zu lassen. So versorgt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum mehrere Projekte verschiedener Forschungseinrichtungen, die mit Galileo-Navigationssignalen die Anwendung in Fahr- und Flugzeugen an Land, in der Luft und auf See entwickeln.
   Satellitennavigation liefert aber noch viel mehr als Ortsangaben. GPS dient als Zeitbezug im Mobilfunk, für Stromnetze, im Internet, bei Börsentransaktionen. Die Europäische Kommission, Auftraggeberin des Galileo- Systems, geht davon aus, dass heute um die 50.000 Jobs der Spitzentechnologie in Zusammenhang stehen mit der Satellitennavigation. Die Technik sei ein „Katalysator für wirtschaftliche Aktivitäten" und hatte 2013 selbst ein weltweites Marktvolumen von 175 Milliarden Euro, schreibt die Kommission. Sie selbst nimmt viel Geld in die Hand: Die Kosten für die Entwicklung und die erste Aufbauphase von Galileo betragen sechs Milliarden Euro; bis 2020 sollen noch einmal sieben Milliarden Euro hinzukommen.
   Derzeit laufen elektronische Navigations- und sonstige Geräte mit GPS-Signalen, einige auch mit dem russischen GLONASS oder mit beiden Systemen. Wenn Galileo an den Start geht, werden nach und nach die Mehrzahl der Geräte GPS und Galileo nutzen, prognostiziert Uwe Petersen, der bis 1996 beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie die technische Zulassung von Navigationsverfahren für die kommerzielle Schifffahrt leitete.

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Im Internet gibt es Störsender ab 30 Euro in der Größe einer Zigarettenschachtel

   Die Kombination zweier Systeme macht die Navigation sicherer und genauer, weil mehr Daten zur Positionsbestimmung zur Verfügung stehen. Aber ein Problem löst sie nicht: Die Satellitensignale können relativ leicht gestört werden. Das zeigt die Erfahrung mit GPS. Petersen: „Die Signale sind sehr schwach. Im Internet gibt es Störsender ab 30 Euro, in der Größe einer Zigarettenschachtel. Sie dürfen zwar nicht legal betrieben werden, könnten aber von Terroristen oder Hackern missbraucht werden."
   Die Sender geben leistungsstärkere Signale ab und überdecken damit die Signale aus dem All. Diese kleinen Störenfriede haben zwar nur Reichweiten von vielleicht 15 Metern. „In diesem Bereich gibt es dann gar kein Signal. Schwerer wiegt, wenn im Umkreis von 20 bis 30 Metern gestörte, also falsche Signale von den Empfangsgeräten verarbeitet werden, ohne dass dies auffällt", sagt Petersen. Er nennt ein Beispiel: Ein Lkw-Fahrer in den USA habe einen Störsender betrieben, damit sein Arbeitgeber ihn nicht per GPS orten konnte - immer wenn er an dem nahe seiner Firma gelegenen Newark Airport (New York) vorbeifuhr, störte er die GPS-gestützte Landehilfe des Flughafens. Ein anderer Lkw mit Störsender hat in einem Hafen an der Ostküste der USA zwei automatische Kräne für sieben Stunden stillgelegt.
   Wissenschaftler der Universität Texas demonstrierten, dass man GPS-gesteuerte Fahrten und Flüge mit gezielten Manipulationen der Signale vom rechten Weg abbringen kann: Sie versetzten eine 70-Meter-Yacht mehrere Hundert Meter auf einen Parallel­kurs, ohne dass die Crew dies bemerkte. Zuvor hatten die Texaner eine 600 Meter entfernte, zivile Drohne per GPS-Manipulation zur Landung gezwungen. Auch erhöhte Sonnenaktivität oder der Ausfall einzelner Satelliten können die Messwerte stören. Ein weiteres EU-Projekt namens EGNOS verbessert seit 2011 die Sicherheit der Systeme, in dem es fehlerhafte Daten aufspürt: Bodenstationen vergleichen ihre unveränderliche geografische Position mit der Angabe, die aus GPS berechnet wurde. Die Differenz wird als Korrekturangabe entweder direkt an die Empfänger oder an einen darauf spezialisierten Satelliten gesendet, der seinerseits die Korrekturen zu den Empfängern schickt. 110 Flughäfen in 15 Ländern nutzen EGNOS bereits. Die USA unterstützen mit ähnlichen Projekten ihr GPS.
   Doch auch die satellitengestützte Korrekturtechnik arbeitet im GPS-Frequenzbereich und ist deshalb anfällig für Störungen. Petersen favorisiert einen weiteren technischen Ansatz na­mens eLORAN. LORAN steht für Long Range Navigation, für Navigation mit großer Reichweite. Das aktuelle LORAN-C-System entstand in den 1950er-Jahren und arbeitet auf Langwelle, auf einer Frequenz von 100 Kilohertz (1000 Zyklen pro Sekunde, GPS-Frequenz: etwa 1200 Megahertz oder 1,2 Milliarden Zyklen pro Sekunde). Lange Wellen haben die Eigenschaft, dass sie der Erdkrümmung folgen und dadurch um die Erde laufen können. Mehrere Funkmasten an unterschiedlichen Standorten senden die Wellen aus. Ein Schiff oder ein Fahrzeug mit LORAN-C-Navigation empfängt die Wellen von mehreren Sendern. Seine Position liegt auf dem Schnittpunkt der Wellen.
   „Dieses Navigationssystem ist sehr sicher, denn es arbeitet auf einer Frequenz, für die es sehr hohe Antennen braucht, und es wird zudem mit einer sehr hohen Leistung gesendet. Dadurch ist es praktisch kaum zu stören. Aber als das GPS aufkam, war keiner mehr an LORAN-C interessiert, auch weil das System einige Fehler hatte", sagt Uwe Petersen. Vor GPS deckte LORAN-C den Nordatlantik, das Mittelmeer und die Gewässer rund um Nordamerika ab - „die USA nahmen ihre Stationen außer Dienst. Europa hatte das System noch verbessert, aber zukünftig werden nur noch zwei von England betriebene Sendeanlagen arbeiten. Eine von ihnen, ein 200 Meter hoher Mast, steht in Rantum auf Sylt." Nur Großbritannien setze sich für die verbesserte (enhanced) LORAN-Technik, kurz eLORAN, ein. Norwegen und Frankreich haben angekündigt, ihre Anlagen zum Jahresende stillzulegen.
   Europa brauche für eLORAN mindestens drei Sender mit möglichst großen Abständen zueinander, sagt Petersen. Er hofft, dass sich die Europäer entscheiden werden, Galileo und EGNOS noch einen eLORAN-Dienst zur Seite zu stellen: „Viele Experten haben noch nicht im Blick, wie einfach es ist, etwa an viel befahrenen Schifffahrtsstraßen wie der Elbmündung die GPS-Signale zu stören. Dann sind die Schiffspositionen weg. Auch die elektronischen Seekarten und die automatischen Schiffssteuerungen funktionieren nicht mehr. Und dies nicht nur auf dem eigenen Schiff, sondern auch auf den Nachbarschiffen." HA150808AngelikaHillmer

                        kbwn:Galileo

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