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Ein Bekenntnis zum persönlichen Glauben ist ein Wagnis in Zeiten, in denen es nicht gerade als modern gilt, religiös zu sein. Daher ist es nur folgerichtig, dass Matthias Matussek sein neuestes Buch Das katholische Abenteuer genannt hat.
Aber der Untertitel „Eine Provokation“ deutet schon an, dass es kein romantisch-verklärter Blick ist, den Matussek auf den Katholizismus wirft. Er schimpft, er ringt, er geht mit vielen hart ins Gericht (unter anderem mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff) – aber letztlich tut er, was den meisten sehr schwer fällt: Matussek glaubt. Kann man dem lieben Gott Wembley verzeihen? Und ist er überhaupt lieb? Zehn Fragen der Bild.net an den Autor des Spiegel-bestsellers Matthias Matussek: 1. Religion – ist das eher etwas für den Kopf oder für das Herz? Der gesamte Mensch ist da gefragt. Der heilige Augustinus hat gelacht und getanzt und geweint. Wir hier im Norden sind zu verkopft, wir diskutieren dauernd, und machen uns wichtig und sind missmutig. Das hat Jesus ganz bestimmt nicht gewollt. 2. Was tun Sie, wenn Sie manchmal der Zweifel an Ihrem Glauben packt? Warten, bis der Anfall vorübergeht. Und er geht vorüber. Beten hilft. 3. Hat ein Matthias Matussek seine eigenen zehn Gebote? Ich wäre als Religionsstifter eine enorme Fehlbesetzung – mit den zehn Geboten, die wir haben, habe ich schon alle Hände voll zu tun. Aber mir fällt dieser hübsche Witz ein von Moses, der mit den Gesetzestafeln vor seinem Volk erscheint und sagt: „Also Leute, die gute Nachricht ist, ich hab' ihn auf zehn Gebote runter- gehandelt. Die schlechte ist, das sechste Gebot ist nach wie vor dabei." *Anm. d. Red: Für diejenigen, denen es im Moment entfallen ist: Das sechste Gebot lautet „Du sollst nicht ehebrechen“ 4. Sie schreiben: „Die Niederlage von Wembley war lange nicht aus meinem Gemüt zu tilgen. Gab es Gott?“ Waren da noch andere Dinge, die Sie Ihrem Gott fast nicht verziehen hätten? Na ja, vier Jahre später gab es dieses unglücklich verlorene Jahrhundertspiel gegen Italien... 5. Ein weiteres Zitat aus Ihrem Buch: „Ich glaube, dass ich eine unsterbliche Seele habe“. Wie genau stellen Sie sich das Jenseits vor, vor allem, wenn Sie sich nicht immer sicher sind, dass „es ein lieber und gerechter Gott“ ist, den wir da haben? Wenn ich eine genaue Vorstellung vom Jenseits hätte, könnten Sie mich getrost einweisen lassen (oder das Requiem für mich beten lassen) – das Paradies ist das, wovon wir nur hoffen oder träumen können, ein Zustand der grenzenlosen Seligkeit und Geborgenheit... Tja, und die Frage nach dem lieben Gott stellt sich wohl jeder bisweilen mit einem Blick auf den Katastrophen-Verlauf der Welt, aber der heilige Augustinus sagte: „Si comprehendis non est deus“ – wenn Du es verstehst, ist es nicht Gott. Er bleibt der Rätselhafte, Unbegreifbare... 6. Was werden Sie bei der nächsten Beichte zugeben müssen? Das sage ich nur meinem Beichtvater. Oder meiner Frau. 7. Anders gefragt: Gibt es eine Todsünde, die Sie sich ab und zu erlauben? Wie wärs mit Zorn? 8. Als Kind haben Sie gesehen, wie Ihr Vater seine Brille im Meer wiederfand, nachdem die ganze Familie gebetet hatte. Haben Sie noch weitere Wunder erlebt? Meine Kindheit war voller Wunder. Sie war vom Kirchenkalender bestimmt, von Krippenspiel und Ostermette und Fastenzeit und Ministrantendienst und Heiligenlegenden. Sehr theatralisch. Und sehr geborgen. Ich wusste, wo oben und unten ist. Oben der liebe Gott, unten die Hölle. Und dazwischen jede Menge Schutz- engel, die auf mich aufpassten, in einem anstrengenden Schichtbetrieb, denn es passierte dauernd was. 9. Wie modern sollte oder darf Kirche sein? Was verstehen Sie unter modern? Es gibt nichts Angestaubteres als das, was sich Reformkatholiken unter „modern“ vorstellen. Gutmenschengeklampfe mit Ringelpietz interessiert keinen Menschen. Die Kirche ist dort stark, wo sie ihr Geheimnis behauptet. Wo sie klarmacht: Wir sind anders. Und dazu gehört natürlich die Liturgie, der Rosenkranz und meinetwegen der Weihrauch. Also: Aufregend ist die Kirche, die sich gerade nicht anpasst! 10. Dürfen wir über das Christentum lachen? Wir dürfen mit dem Christentum lachen, denn es hat tatsächlich eine frohe Botschaft. Witze über Kruzifixe find ich allerdings blöde, denn man lacht nicht über einen Menschen am Kreuz, der wegen seines Glaubens gefoltert und halbtot geschlagen wurde. Das ist dumm, roh und blöde. Finde ich auch sonst, ich bin Mitglied bei Amnesty International. Also, mit anderen Worten: Madonna, die vor einem Kreuz unter einer Dornenkrone ihre Bühnenshow abzieht, finde ich debil. Bild.de1106 >>> Mehr zum bestseller von Matthias Matussek “Das katholische Abenteuer” > Vorhof der Völker
Alexander Armbruster interviewt Justin Bieber
Ich habe selbst gedrehte Musikvideos auf Youtube gestellt und wurde dort von meinem jetzigen Manager entdeckt. Der hat mich dann mit Usher zusammen gebracht und der wiederum mit einer Plattenfirma. So kam es zum ersten Album. . . Auf Deiner neuen CD „My Worlds - The Collection" gibt es ein Lied mit dem Titel „Pray". Das klingt ziemlich ernst, es handelt vom Beten und von Gott - ein Thema, dass auch in der Biografie häufig vorkommt. Ja, das ist mir wichtig. Ich glaube, dass die Leute mehr inspirierende Musik brauchen, und in diesem Sinne ist Gott etwas, das mir am Herzen liegt. Betest Du? Ja, jeden Tag. Wie stellst Du Dir Gott vor? Ich glaube, dass er alles erschaffen hat, die ganze Welt, Dich und mich. Und er hat mir die Möglichkeit ge- geben, vor der ganzen Welt zu singen, so dass viele Menschen heute zu mir aufschauen. Ich möchte für sie ein Vorbild sein. Heute gilt Gott als irgendwie uncool. Redest Du mit Deinen Freunden denn über solche Themen? Gott ist wichtig für mich. Vielleicht gilt er in Deinem Land ja als uncool. Für mich ist Gott jemand, auf den man sich verlassen kann. FAZ101206 Nach dem Unfall in der Wetten-dass-Sendung rief Popstar Justin Bieber dazu auf, für Samuel Koch zu beten Justin Bieber, einer der vielen Gäste der Sendung, der bis zu diesem Moment aber noch nicht aufgetreten war, twitterte schnell seine Bestürzung über den Vorfall. Er bete für Samuel, ließ er seine Fans wissen, und bat sie, das auch zu tun. Eine gute Geste, wenn man bedenkt, dass viele dieser Fans am Sonnabend weniger die Sorge um die Gesundheit des Kandidaten umtrieb als die Frage, wann Justin Bieber denn nun endlich auftrete. HA101206hell
Im Internet schreibt Justin Bieber über die Katastrophe in Japan: 
“Japan ist einer meiner liebsten Plätze auf der Welt ... es hat eine unglaubliche Kultur mit beeindruckenden Menschen. Ich bete für sie. Wir alle müssen helfen.” HAZ110316

Niederländischer Nationalstürmer Wesley Sneijder Fotos oben ist katholisch geworden.
Wie niederländische Medien berichteten, hat seine Freundin den großen Star im Team der niederländischen Fußballmannschaft dazu gebracht, sich in der vergangenen Saison in einer Kirche bei seinem Club Inter Mai- land taufen zu lassen. Seither bete er täglich mit Yolanthe Cabau van Kasbergen am Telefon. „Gott gibt mir Kraft“, zitiert „De Telegraaf“ den schussgewaltigen Stürmer. Sneijder bezeichnet sich nun als tief gläubig und trägt den Rosenkranz – ein Geschenk von Yolanthe – stets bei sich. “Ich bin nicht gläubig aufgewachsen. Schon in meiner Zeit bei Real Madrid hat mich der Glaube der südamerikanischen und spanischen Vereinskameraden begeistert.” Durch die Freundschaft mit Cabau von Kasbergen fand er definitiv den Weg zur Kirche. “In Mailand wohnen wir nur 100 Meter vom Dom, jede Woche sind wir in der Stadt und auch im Dom.” Wesley hat im Glauben Frieden gefunden. Wesley Sneijder (* 9. Juni 1984 in Utrecht) ist ein niederländischer Fußballspieler, der seit dem Sommer 2009 bei Inter Mailand in der italienischen Serie A unter Vertrag steht und zudem aktueller Nationalspieler seines Landes ist. Im August 2007 wechselte Sneijder für 27 Millionen Euro zum spanischen Rekordmeister Real Madrid in die Primera Division, wo er einen Vertrag bis 2012 unterschrieb. Am 28. August 2009 meldete Inter Mailand die Verpflichtung Sneijders für eine Transfersumme von circa 15 Millionen Euro. Bei Inter erhält er einen Vier-Jahres-Vertrag und die Rückennummer 10. Anfang Juni 2010 wurde er in den Kader für die Welt- meisterschaft 2010 in Südafrika berufen.
Wesley Sneijder Yolanthe Cabau
Seine Verlobte Yolanthe Cabau van Kasbergen schenkte ihm nach der Taufe einen Rosenkranz, den er jetzt immer bei sich trägt. Bei seinem Club Inter Mailand wuchs das Interesse an der katholischen Kirche. „Einmal bin ich mit meinen Club-Kameraden in die Kirche gegangen. Aufmerksam beobachtete ich, dass meine Freunde Kraft und Vertrauen im Glauben fanden. Dann lernte ich meine Freundin Yolanthe kennnen: sie ist getauft, gefirmt und zur ersten heiligen Kommunion gegangen. „Ich bin katholisch“, sagt er im Interview mit der nieder- ländischen Tageszeitung „de Volkskrant“. „Wir haben eine Kirche auf dem Gelände von Inter. Da wurde ich ge- tauft. Mit dem Priester habe ich viel Kontakt, eigentlich über Zanetti.“ Zanetti ist der argentinische Kapitän von Inter Mailand. „Der katholische Glaube gibt mir Kraft. Mit dem Priester tausche ich oft SMS aus. Er ist ein echter Inter-Fan, jetzt aber auch Fan der niederländischen Nationalmannschaft. Jetzt bleibe ich stark in bestimmten Situationen. Wenn ich mal gerade nicht gut drauf bin, bete ich. Dann kann ich das schlechte Gefühl von mir abwerfen. Jeden Abend bete ich mit Yolanthe den Rosenkranz, jetzt in Südafrika während der WM 2010 beten wir den Rosenkranz am Telefon”. Rv100623Vk

Teemu Sippo - der neue katholische Bischof von Helsinki
Mitte der siebziger Jahre schrieb ein Finne in Freiburg im Breisgau eine Diplomarbeit in Katholischer Theologie. Hinter ihm lag ein ungewöhnlicher Lebensweg: Teemu Sippo, am 27. Mai 1945 in Lahti geboren, hatte sich schon als Schüler von der lutherischen Gemeinde losgesagt und war katholisch geworden, hatte sich dem seit langem unter den wenigen Katholiken in Finnland tätigen Orden der Herz-Jesu-Priester angeschlossen und ein Studium in Deutschland aufgenommen. Nun verfasste er eine Arbeit über „Das Prinzip des Protestantismus bei Paul Tillich" - Bestnote. Der Kontakt zwischen dem Freiburger Professor und seinem Schüler aus Finnland riss nie ab. Jetzt sahen sich Sippo und sein damaliger Freiburger Professor wieder. Die Begegnung wurde live im finnischen Fernsehen übertragen. Der Schüler von einst kniete vor seinem akademischen Lehrer nieder, dieser legte ihm die Hände auf. Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann weihte Teemu Sippo zum Bischof von Helsinki. Ungewöhnlich, aber für das gute Verhältnis der Konfessionen untereinander bezeichnend ist der Ort des Geschehens: Sippo wird nicht in der kleinen katholischen Bischofskirche von Helsinki geweiht, sondern in der mittelalterlichen, seit der Reformation als lutherischer Bischofssitz dienenden Kathedrale von Turku Foto oben. Katholiken und Lutheraner sind in Finnland einander so nahe wie kaum anderswo auf der Welt: „Sie haben die bischöfliche, die episkopale Struktur nach der Reformation beibehalten", sagt Sippo. Das bringt die luthe- rischen Christen Finnlands und die katholische Kirche näher zusammen, als das in Deutschland der Fall ist." Freilich kennt sich Sippo nicht nur in Deutschland gut aus. Seit seiner Priesterweihe lebt er in Finnland und kennt fast jeden der heute etwa 11.000 Katholiken in dem Land persönlich. Nicht nur die etwa 5.000 katho- lischen Finnen, von denen nicht wenige im Erwachsenenalter katholisch geworden sind, sondern auch die katholischen Einwanderer aus mehr als 70 Ländern, allen voran aus den Philippinen und aus Vietnam. „Wir nehmen jedes Jahr um 500 bis 1.000 Katholiken zu", sagt der neue Bischof. Wenn Sippo nun den Bischofssitz in Helsinki übernimmt, ist das eine kleine Sensation. Der letzte gebürtige Finne als katholischer Bischof von Turku war 1510-1522 Arvid Kurki. Er ertrank 1522 auf der Flucht in der Ost- see, sein Nachfolger führte die Reformation ein. FAZ090907DanielDeckers Die katholische Kirche muss den Weg der Ökumene unbeirrt weitergehen. Das hat Papst Benedikt an gegen- über einer lutherischen Delegation aus Finnland betont. Unermüdlich müssten sich beide Seiten bemühen, die verloren gegangene Einheit unter den Christen wiederherzustellen. Maßgeblich für diese Arbeit bleibe die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von der katholischen Kirche und dem lutherischen Weltbund unterzeichnet worden war. Der Papst hat die zehnköpfige Abordnung anlässlich des Festtags des Heiligen Heinrich von Uppsala, dem Patron Finnlands, empfangen. Damit begannen die Feierlichkeiten zur Woche der Einheit der Christen. rv100118apic
Steffen Seibert Staatssekretär, Bundesprecher ![a_bu-zdf-[1] a_bu-zdf-[1]](../assets/images/a_bu-zdf-_1_.gif)
Steffen Seibert (49), Staatssekretär und Pressesprecher der Bundesregierung hat sich lange nach seinem Austritt aus der evangelischen Kirche dem katholischen Glauben zugewandt. „Da war einfach eine große Sehn- sucht nach Religion und nach einem Aufgehobensein im Glauben", sagte der Moderator der „heute"-Nach- richten im ZDF der Zeitschrift Frau im Spiegel. „Dann gibt es immer ein paar biografische Zufälle, wem man begegnet, wer einem besonders wichtig ist. Das waren bei mir eher katholische Menschen“, erklärte Seibert, der unter anderem das „heute journal“ präsentierte. Der gebürtige Münchener ist in seiner Familie der einzige Katholik und besucht „häufig, aber nicht jeden Sonntag" die heilige Messe. Oft aber entscheide er sich, „unter der Woche in die Kirche zu gehen". Heute lebt er mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern in Wies- baden. HAZzdf090910ddp Zum 8o. Geburtstag gratulierte Steffen Seibert Papst Benedikt XVI.: “Heiliger Vater, wir sind uns nie begegnet, dennoch sind Sie mir nah: in Ihren Reden, Predigten und Schriften. Auf Ihren demnächst erscheinenden Band über Jesus bin ich besonders gespannt, vielleicht ist er so etwas wie die Summe Ihres lebenslangen Glaubens und Nachdenkens über den Glauben. Als Sie ... ihr Amt antraten, als ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn, wie Sie der Menge damals zuriefen, da stand ich auf einem römischen Hausdach ganz in Ihrer Nähe. Ich wusste gleich, und ohne dass ich es mir hätte erklären können, dass damit auch für mich etwas Wichtiges begonnen hatte, dass Sie mir ein Lehrer und Hirte sein würden. Und so ist es gekommen, wofür ich ebenso dankbar wie wahrscheinlich Millionen anderer Christen bin. Zu Ihrem 80. Geburtstag wünsche ich Ihnen Gesundheit und Gottes Segen, mögen Sie noch viele Jahre die Kraft haben, ein Lehrer und Hirte zu sein.”
Bischof Emile Destombes, Phnom Penh
Bischof Destombes: - Junge Buddhisten werden Katholiken
In Kambodscha seien brutale Übergriffe auf Religionsgemeinschaften wie im Nachbarland Vietnam unvor- stellbar. Das betonte der Bischof von Kambodscha, Emile Destombes (75) in einem Gespräch mit der in Würz- bzurg erscheinenden „Tagespost". Bischof Destombes, der vor zwanzig Jahren als erster Priester in dem von den Roten Khmer zerstörten Land die Arbeit aufgenommen hatte, spricht von einem guten Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Regierung. Der im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit wiedergewählte Ministerpräsident Hun Sen halte sich an die Prinzipien der Religionsfreiheit, die 1990 in der kambodschanischen Verfassung verankert worden sei, versichert der in Frankreich geborene Bischof. Besonders eng sei die Zusammenarbeit zwischen der Caritas und dem für den religiösen Bereich zuständigen Ministerium. Die Aufgaben in dem südostasiatischen Land seien zahlreich angesichts der immer noch erschreckend hohen Armut. Immer noch müsste die Mehrheit der rund 14 Millionen Kambodschaner mit wenig mehr als einem Dollar am Tag auskommen. Daher sei Kambodscha von der internationalen Wirtschaftskrise auch ganz besonders betroffen worden, erklärt Destombes. Der in der Hauptstadt Phnom Penh residierende Bischof spricht von seinen Bistümern in Phnom Penh, Battam- bang und der Provinz Kompong Chhang mit rund 20.000 Katholiken und 55 Priestern. Destombes weist aller- dings auf eine bemerkenswerte Entwicklung hin: Jährlich konvertierten einige hundert Jugendliche mit buddhis- tischem Elternhaus zum Katholizismus. „Mit dem Buddhismus können diese Jugendlichen ganz offensichtlich nichts mehr anfangen", sagt der Bischof. Destombes kennt den von den Roten Khmer verbreiteten Schrecken aus eigenem Erleben. Er war schon zwölf Jahre Priester in Kambodscha, als die Khmer in Phnom Penh einmarschierten. Rettung fand er in der Französischen Botschaft, von der aus er über die Grenze nach Thailand flüchtete. Doch Kambodscha ließ Des- tombes nicht mehr los; 1989 kehrte er zurück. DT090901RobertLuchs

"Wenn meine Mutter nicht römisch-katholisch gewesen wäre, wäre ich wohl abgetrieben", so bekennt der Vice-Kapitän und Verteidiger des 1. FC Liverpool Jamie Carragher Foto links.
“Mein Buch beginnt ziemlich dramatisch: Meiner Mutter Paula Carragher wurde geraten, die Schwangerschaft wegen einer schweren Komplikation abzubrechen. Die medizinische Diagnose: Spaltwirbelsäule – ein Geburts- fehler, der das Rückenmark betrifft. Meine Mutter ist tief religiös; deswegen kam für sie eine Abtreibung nicht in Frage. Sie wollte das Leben, mein Leben, ganz gleich, wie schwer ich behindert sein würde. Sie bestand darauf: 'Es ist Gottes Wille'. Sie ist der Fels, worauf meine Familie gegründet ist. Die Entscheidung für mein Leben traf sie vor 30 Jahren. Jamies Mutter widerstand mutig dem Rat der Sozialarbeiter und Mediziner zur Beendigung der Schwanger- schaft. Nun dankt sie Gott für seine Gnade, und sie ist stolz, dass ihr Sohn ein Fußballer der Weltklasse ist und dass der FC Liverpool auch mit seinem Einsatz Gewinner der European Champions League geworden ist. Seine Mutter ist sich sicher: Wir müssen kämpfen und beten für ein Ende der Kultur des Todes. Das Reich Gottes verlangt den konkreten Einsatz für den Aufbau einer Kultur des Lebens. Zivilisationen werden nicht durch Kriege besiegt, Zerstörung geschieht vor allem religiös und moralisch. Viele verlieren den Willen zum Leben. Sie sehen keinen Grund mehr zu leben. Ohne Christentum verliert die Gesellschaft ihren Kompass. CT081123FrFrancisMarsden
Weihnachtsbotschaft
Andrea Nahles Foto, Katholikin, verzichtet auf eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie und ihr Mann auch ein behindertes Kind annehmen würden. Damit stellt sie sich gegen das verbreitete Machbarkeitsbewusstsein in der heutigen Gesellschaft und verlässt einmal die Erfolgs- und Machtorientierung in der Politik. Eine Politikerin, die Werte nicht nur mit Worten hochhält, sondern sie in ihrem ganz privaten Bereich mutig auch lebt. Vor Jahrzehnten sagte mir während des Studiums ein Assistent, er habe ein während der Schwangerschaft durch Röteln geschädigtes Kind. Meine spontane Reaktion war: Hat man das nicht vorher gemerkt? Die Unge- heuerlichkeit dieser Äußerung und ihr so verletzender Charakter wurden mir erst danach klar. Ich habe sie nie vergessen. Frau Nahles hat für viele Familien gesprochen, die tatsächlich unter großen Belastungen und vielfach allein- gelassen mutig und mit großer Liebe Tag für Tag für ihr behindertes Kind sorgen. Eine kleine Nachricht vor Weihnachten. DrAnnetteBoernerFAZ

Mit einer Puppe nachgestellt wie eine Frau ihr Kind in eine Babyklappe legt Hinter der Babyklappe: Findelkinder - Sr. Bernadetta pflegt abgelegte Säuglinge
„Die Kleider sind der einzige Schatz, den diese Kinder von ihren Eltern haben” „Die ersten Stunden des Lebens sind die wichtigsten", sagt Schwester Bernadetta. Die Ordensfrau hat sich ein Tuch gekauft, die Kinder vor die Brust gebunden und sie tagelang herumgetragen, wenn es wieder soweit war. Wenn ein anonymes Baby in der Klappe lag. „Keiner weiß, was es vor und nach der Geburt erlebt hat", sagt sie. „Es wird die Ablehnung und Not der Mutter gefühlt haben. Deshalb muss es den Herzschlag spüren und erkennen: Jemand ist jetzt für dich da." Schwester Bernadetta ist ein Engel hinter der Babyklappe. In der Kinderklinik ihres Ordens in Berlin hat sie fünf Jahre lang solche verlorenen Kinder betreut, sie gewickelt, ihnen vorgesungen, bis sich neue Eltern fan- den. Sie hat einige wenige Mütter zu ihren Neugeborenen zurückgebracht und ein Netzwerk zwischen den Adoptiveltern geknüpft. Damit die Kinder andere treffen können, die ihr Schicksal teilen. Von den Eltern wissen sie nichts anderes, als dass sie ihr Baby schnell und ungesehen loswerden wollten. Alle müssen später damit leben, verstoßen worden zu sein. Nach einer Minute klingelt der Alarm Deutschlandweit gibt es 81 solcher Abgabestellen, in die vier Berliner Klappen wurden seit 2001 28 Kinder gelegt. Manche Krankenhäuser denken sich schönere Namen aus, nennen sie „Babynest" oder „Babyfenster". Manche sind aus kaltem Edelstahl, andere sehen aus wie weiße Türen. Wenn jemand ein Baby in die beheizte Kammer legt und die Klappe schließt, gibt es vorerst kein Zurück. Die Tür ist dann verriegelt. Eine Minute später klingelt der Alarm in der Notaufnahme der Kinderklinik, Zeit, die der Mutter bleibt, um wegzugehen. Schwester Bernadetta holt einen Umschlag hervor, wie ihn die Klinik in die Klappe legt. Ein Brief an die Mutter: „Wir helfen Ihnen gerne und freuen uns, wenn Mutter und Kind zusammenbleiben können", steht da. Als geheimes „Zeichen" gibt es eine gebastelte halbe Postkarte. Die fehlende Hälfte liegt in der Klinik. Mit ihrer Hälfte kann sich die Mutter zu erkennen geben. Zusätzlich sind Gen-Untersuchungen nötig, wenn sie ihr Baby wiederhaben möchte. Das wollen nur wenige. Eine 19-Jährige zum Beispiel hatte ihre Tochter allein zu Hause geboren, sieben Stun- den lang, und mit der Küchenschere abgenabelt. Der Familie mochte sie sich nicht anvertrauen, bangte um ihre Arbeitsstelle. Im Internet fand sie die Adresse der Babyklappe, gab dort das Neugeborene ab und ging zur Arbeit. Einen Tag später zog die Verzweiflung sie zurück zur Klinik. Mit Hilfe von Schwester Bernadetta konnte der Großvater als familiärer Vermittler eingeschaltet werden. Es ist schwer zu verstehen, aber es geschieht in solchen Fällen oft, dass Familie und Freunde von der Schwangerschaft nichts mitbekommen oder mitbekommen wollen. Obwohl der jungen Frau sogar beim Besuch ihrer Mutter die Fruchtblase geplatzt ist. Manche Frauen schicken Briefe an ihr Baby, schildern die Umstände, die Armut, die Angst, als illegale Ausländerin aktenkundig zu werden. Manche geben dem Kind einen Namen und schreiben, dass sie sich als Verbrecherinnen fühlen. Den meisten Kindern aber bleiben nur die Kleider, die sie auf dem Leib trugen. Schwester Bernadetta hebt sie auf. „Das ist der einzige Schatz, den sie von ihren Eltern haben", sagt sie. Sie macht Fotos, nimmt einen Fußabdruck, gibt ihnen einen kleinen Schutzengel für den Nachttisch und einen Namen aus der Bibel. Zwei für Jungen, zwei für Mädchen liegen in der Notaufnahme immer bereit. So kommt das Findelkind zum Eintrag beim Standesamt. In vergangenen Jahrhunderten hat man solche Kinder vor Klöstern durch die Klappe zur Armenspeisung ge- reicht. Heute liegen die Klappen verborgen an Seiteneingängen der Kinderkliniken, vor allem aber in einer juristischen Grauzone. Denn nach der Verfassung hat jedes Kind ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind. Im juristischen Gedankengebäude ist nicht vorgesehen, dieses Recht in Frage zu stellen. Derzeit beschäftigt sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema. Die Hoffnung der Betreiber, die Klappen zu legalisieren, weicht der Befürchtung, sie könnten alsbald ausdrücklich verboten werden. Um ihren Hals trägt Schwester Bernadetta eine Medaille der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Die mittel- alterliche Legende erzählt, Elisabeth sei dabei ertappt worden, wie sie den Armen in der Hungersnot gegen den Willen ihrer gräflichen Familie Brot bringen wollte. Doch in ihrem Korb waren auf wundersame Weise statt Brot nur Rosen zu sehen gewesen. Ein ähnliches Rosenwunder, das die Gegner besänftigen könnte, will sich im Streit um die Babyklappen bislang nicht einstellen. Sie rechnen vor, dass auch neun Jahre nach Eröffnung der ersten Station die Zahl der Kindstötungen bei 25 bis 30 pro Jahr stagniert. Sie sagen: Kein Baby werde gerettet, aber viele Kinder durch das anonyme Angebot zu Verstoßenen gemacht. In Wahrheit kann wohl niemand sagen, was aus den Klappenkindern ohne Klappe geworden wäre. Schwes- ter Bernadetta zitiert das Gleichnis vom verlorenen Schaf in der Herde der Hundert und wie viel wichtiger die Anstrengung um dieses eine sei, als um die 99 anderen, die der Hilfe nicht bedürfen. Vielleicht geht es bei Babyklappe nicht nur um Lebensrettung. Nebenan in der Jugendpsychiatrie des gleichen Krankenhauses kennt man viele Fälle von Kindern, die jeden Tag aufs Neue von ihren leiblichen Eltern verstoßen worden sind. „Nicht gewollt zu sein", sagt Bernadetta, „ist für ein Kind das Schlimmste überhaupt." HA081219ChristianSeel Schwester Bernadetta ist eine von 326 Schwestern, die in Deutschland für die Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth arbeiten. Der katholische Orden betreibt hierzulande acht Krankenhäuser. Geboren 1973 in einem polnischen Dorf bei Posen als eines von sieben Geschwistern trat die gelernte Kranken- schwester mit 20 Jahren in den katholischen Orden ein, studierte Theologie und kam 2003 als Kinderkranken- schwester zum St.Joseph-Krankenhaus in Berlin, wo sie unter anderem die Babyklappe betreute. Seit kurzem arbeitet sie als Seelsorgerin in den Krankenhäusern Sankt Elisabeth und Sankt Barbara in Halle. >>> Babyklappen in Deutschland >>> www.babyklappe.info/alle_babyklappen/index.html

Dorothee Bär, CSU, stellv. Bundesvorsitzende der Jungen Union
Dorothee Bär - die Politikwissenschaftlerin, die in den Jahren, als sie noch nicht hauptberufliche Politikerin war, als Journalistin bei Hörfunk und Zeitungen gearbeitet hat, gilt als wertkonservativ. Das gab sie in Rust in einem Satz komprimiert zu erkennen: Die Junge Union habe noch viel zu tun, wenn in der Öffentlichkeit eine Aufnahme der Türkei in die EU mehr Unterstützung findet als die Aufnahme des Gottesbezugs in die Präambel des europäischen Zukunftsdokuments. In den Debatten über die gesellschafts- und forschungspolitischen Grundsatz- und damit ethischen Fragen bildet sie mit anderen den Flügel der CSU, der sich vom modischen Pragmatismus nicht beeindrucken lässt. Die hochgewachsene Frau mit dem sicheren Auftreten verkörpert eigentlich schön die nächste Generation der CSU. Trotz der zehn Jahre Altersunterschied gehört sie wegen ihrer vielfachen Erfahrungen schon zu der Gruppe von Talenten, die jetzt von Horst Seehofer auf größere Aufgaben vorbereitet werden und ansonsten zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig sind. FAZ081110GeorgPaulHefty
Dr. Philipp Rösler (35) 
Der Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler ist mit seiner eigenen Patentante verheiratet. Als er als junger Krankenhaus-Arzt viel mit Leiden und Sterben konfrontiert gewesen sei, habe er mit seiner damaligen katholischen Freundin und Kollegin intensiv über Glaube und Gottvertrauen geredet, sagte der FDP-Politiker der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Vor neun Jahren habe ich mich dann taufen lassen, und meine Freun- din war Taufpatin." Später sei sie seine Frau geworden. „So bin ich einer der wenigen, die ihre Patentante geheiratet haben", sagte Rösler. Inzwischen sind er und seine Frau Wiebke Foto Eltern von Zwillingstöchtern. Vizekanzler Vietnamesische Wurzeln: Philipp Rösler kam im Februar 1973 in Vietnam zur Welt. Im gleichen Jahr wurde er von deutschen Eltern adoptiert und wuchs in Hamburg-Harburg und Bückeburg auf. Soldat und Arzt: Bei der Bundeswehr ließ er sich zum Augenarzt ausbilden. Später promovierte er zum Dr. med. Erfolgreicher Politiker: Der 35-Jährige ist Vorsitzender der FDP. Von Rösler angeführt, gewannen die Liberalen bei der niedersächsischen Landtagswahl 8,2 Prozent.

Sir Paul McCartney Foto rechts an der Geburtsgrotte von Jesus Christus in Betlehem links
Beatle Sir Paul McCartney nannte seine Reise zum ersten Konzert in Israel “Frieden für Israel und die Paläs- tinenser”. Nach der “Freundschafts-Tournee” besuchte Sir Paul auch die Geburtskirche auf der Westbank. An dem Ort, wo Jesus Christus geboren wurde, entzündete er eine Opferkerze. CT0810

Für Benedikt XVI. sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze Foto: Der Papst begrüßt den britischen Physiker Steven Hawking im Vatikan
Der große Denker der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., empfängt und segnet den größten Physiker und Kosmologen unserer Zeit, den Briten Stephen Hawking. So unterschiedlich ihre Ansichten über die Ent- stehung oder das Sein unserer Welt sein mögen, so ähnlich sind sich die beiden Männer im Bemühen, Ant- worten zu finden. Sei es, in der Wissenschaft - oder eben im Glauben. Hawking leidet an der ALS-Krankheit, die zwar das Nervensystem seines ganzen Körpers befallen hat, nicht aber sein Hirn. Er lebt quasi gefangen in seinem eigenen Kosmos, kann nur noch mit den Augen und mithilfe eines Infrarot-Gerätes kommunizieren. Trotzdem ist er für Benedikt ein wichtiger Teilnehmer des Kongresses der päpstlichen Wissenschaftsakademie über „Wissenschaftliche Einblicke in die Evolution des Universums und des Lebens”, die im Vatikan nach Angaben des Akademiepräsidenten Nicola Cabibbo wissenschaftliche Beiträ- ge sammelt, „die die Evolutionstheorie bestätigen oder widerlegen”. Schon 1981 hatte Hawking auf einer Kosmologietagung des Vatikans seine Sicht des Weltalls erläutert, so, wie er sie später auch in seinem Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit” niedergeschrieben hat - und sein Publikum damals damit begeisterte: „Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?” Für Papst Benedikt steht die Schöpfungslehre aber nicht im Widerspruch zur empirischen Wissenschaft. „Die Feststellung, dass die Schaffung des Kosmos und seine Entwicklungen letztlich vorausschauende Weisheit des Schöpfers sind, bedeutet nicht, dass die Schöpfung nur mit dem Anfang der Geschichte der Welt und des Lebens zu tun hat”, sagte er. Das bedeute vielmehr, dass der Schöpfer diese Entwicklungen ständig weiter unterstütze. „Wissenschaftliche Wahrheit ist selbst Teil der göttlichen Wahrheit und kann so der Philosophie und Theologie zu einem besseren Verständnis der menschlichen Person und der göttlichen Offenbarung über den Menschen helfen”, fügte er hinzu. Für Atheisten mögen das schwer verdauliche Sätze sein. Sind aber Relativitätstheorie, Schwarze Löcher oder die Stringtheorie von Hawking, die alle die Welt erklären wollen, für normalsterbliche Geister leichter zugäng- lich? Das Wichtigste an dem Treffen in Rom bleibt der unvoreingenommene Dialog von Wissenschaft und Reli- gion. Und dass man sich dabei versteht - selbst ohne Worte, wie Hawking und der Papst.HAEgbertNießler081101
Hamas Ramallah Wahlkampf
Naher Osten: Ein heikler Übertritt zum Christentum
Der Sohn eines Führers der radikal-islamischen Bewegung Hamas ist zum christlichen Glauben übergetreten. Das berichtet die israelische Zeitung Haaretz. Nach ihren Angaben handelt es sich um Massab Joussef, Sohn von Scheich Hassan Joussef. Nach eigenen Worten sei sich der Neubekehrte, der sich im US-Bundesstaat Kalifornien aufhält, darüber im Klaren, dass sein Leben gefährdet ist und dass sein Religionswechsel dafür verantwortlich sei, wenn er seinen Vater verliere. Er hoffe, dass „Gott ihm und meiner Familie Geduld und die Bereitschaft gibt, ihre Augen für Jesus und den christlichen Glauben zu öffnen”. Vielleicht werde er eines Tages in der Lage sein, nach Palästina zurückzukehren – „mit Jesus im Königreich Gottes”. Das biblische Gebot „Liebe deine Feinde” sei der Satz gewesen, „der mich gleich beim ersten Kontakt zum christlichen Glau- ben faszinierte”, beschreibt der Palästinenser seinen Weg vom Islam zum Christentum. Dieses Gebot habe im Widerspruch zu allem gestanden, mit dem er bislang aufgewachsen war. Sein Weg zum Glauben an Jesus habe in Jerusalem mit einem Vortrag zum besseren Verständnis der Religionen begonnen. Christliche Freunde habe er allerdings schon immer gehabt. Seit seiner Bekehrung nennt er sich „Josef”. In dem Zeitungsgespräch warnte der Palästinenser die Juden, das sie niemals Frieden mit Hamas erlangen würden. Er betont seinen Respekt vor dem Staat Israel: „Ich achte Israel sehr und bin gegen Angriffe auf Zivilisten oder deren Aus- nutzung im Kampf”, zitiert ihn die israelische Zeitung. „Ihr Juden, macht euch bewusst, ihr werdet nie, aber auch nie Frieden mit der Hamas haben. Der Islam, und die Ideologie, die sie führt, wird ihr nicht erlauben, ein Friedensabkommen mit den Juden zu schließen.” RVidea080803sk
Sr. Jordana Foto sprach das Wort zum Sonntag vom Katholikentag in Osnabrück live: “Vielen Dank, Thomas Hermanns, nach Hamburg! ...
... Hier in Osnabrück auf dem Katholikentag stehe ich jetzt auf der MISEREOR-Bühne im Schlosspark. Und die Stimmung ist super! Wir hatten einen Tag voller angeregter Diskussionen auf Podien und in Workshops, in denen wir uns mit Themen wie Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und das Miteinander in der Kirche aus- einandergesetzt haben. Und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. “Osnabrück rockt für Eine Welt”: Eine Welt, in der es gerecht zugeht und wir erkennen, dass wir nur gemeinsam etwas verändern können. Das Motto des Katholikentages ist: “Du führst uns hinaus ins Weite”. Weite bedeutet eben genau das: Nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben. Wir feiern hier unseren Glauben an Gott, der uns nicht nur ins Weite führt, sondern der uns auch die Kraft gibt, diese Weite zu füllen, mit krea- tiven Ideen die Zukunft gerecht und friedlich zu gestalten. Und dass wir da nicht allein stehen, das ist hier spürbar. Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: Dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Das gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt, was zu einem guten Miteinander beiträgt. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: “Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorsingt, wenn du sie vergessen hast.” Auf dass Sie diese Freundschaft – die Freundschaft Gottes und anderer Menschen – spüren und in Ihnen etwas anrührt! Hier in Osnabrück und in der ganzen Welt. In diesem Sinne schicken wir Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!” ARD080525

... und ein Kommentar dazu von Imre Grimm in der HAZ:
Eine Nonne außer Rand und Band Das Klischee will es so: Nonnen sind stille Wesen, die züchtig und gottesfürchtig hinter dicken Kloster- mauern dem Sinn des Lebens nachträumen und sich in tiefer Demut in Arbeit und Gebet ergehen. Amen. Denken Sie genauso? Vergessen Sie's. Sie haben Schwester Jordana verpasst. Die Schwester vom Orden der Dominikanerinnen ist 39 Jahre alt und hauptberuflich Erziehungsleiterin im Bethanien Kinder- und Jugend- dorf Schwalmtal-Waldniel. Nebenberuflich darf sie seit Kurzem das „Wort zum Sonntag” in der ARD sprechen, und schon die allererste Ausgabe zeigte: Das tut sie wie niemand sonst. Ihre Premiere ging kurz vor dem Eurovision Song Contest über die Bühne. Jemand bei der ARD hatte die zündende Idee, gegen 20.50 Uhr direkt von der Grand-Prix-Party auf der Hamburger Reeperbahn zum Katholikentag nach Osnabrück zu schal- ten, von Party zu Party quasi. Dass das „Wort zum Sonntag” Jahr für Jahr mitten im Grand-Prix-Count-down zu sehen ist, ist immer wieder ein Quell der Freude. Diesmal aber stand Schwester Jordana auch noch mitten auf der „Schlossparkbühne von Misereor" vor 20.000 entfesselten Jungkatholiken und rockte das Haus. Für einen Moment war unklar, ob die Show in Belgrad schon begonnen hatte. „Die Stimmung ist super!”, rief Schwester Jordana, „und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. Das Motto des Katholikentages ist: ,Du führst uns hinaus ins Weite.’ Weite bedeutet eben genau das: nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben. Und diese Weite wünsche ich mir auch für diese Dings, äh, gerechte Welt. Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Dass gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt.” Und so weiter und so fort. Ins Schwingen und in Bewegung kam dabei vor allem Schwester Jordana selbst, die auf sympathische Weise zeigte, dass sie nicht jeden Tag vor 20.000 Menschen auftritt, dies aber unbedingt öfter tun sollte. „Ein afrikanisches Sprichwort sagt: ,Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorsingt, wenn du sie vergessen hast.’ Wir schicken Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!”, rief die enthusiasmierte Ordensschwester, und dann kam der Sänger Don Abi und rief, man müsse an die „Kraft der Gemeinsamkeit glauben, we are all one! Party people! Yeah!”, und dazu rockte die Nonne, obwohl noch gar keine Musik zu hören war. Gegen Schwester Jordanas Auftritt war die Grand-Prix-Party von der Reeperbahn ein Kaffeenachmittag im Nonnenkloster. Obwohl - „Kaffeenachmittag im Nonnenkloster”? Wieder so ein Wortbild, das in den Papier- korb gehört. Es ist immer gut, wenn man seine Vorurteile regelmäßig überprüft. Und liebe ARD: Wenn's bei „Schmidt & Pocher” mal nicht mehr so läuft - es gäbe da einen Ersatz.

Fotos oben: Familie Blair, Tony Blair mit Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, Westminster Cathedral. O’Connor: “Ich bin glücklich, Tony Blair in der katholischen Kirche willkommen zu heißen"
Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister, hält künftig ein Religions-Seminar an der amerikanischen Eliteuniversität Yale. Blair werde im kommenden akademischen Jahr unter anderem Veranstaltungen zum Thema Glaube und Globalisierung anbieten, teilte die Universität im US-Bundesstaat Connecticut mit. Blair hat ein starkes Interesse an Religion und war erst kurz vor Weihnachten 2007 zur katholischen Kirche über- getreten. Er hatte eingeräumt, dass sein Glaube auch umstrittene politische Entscheidungen wie den Ein- marsch im Irak beeinflusst habe. Das Programm der Universität steht auch in Verbindung mit der Initiative Blairs, eine Glaubens-Stiftung ins Leben zu rufen. Der Auftrag in Yale ist einer von mehreren Aufgaben, die Blair seit seinem Rücktritt im Juni 2007 übernmommen hat. Neben seiner Arbeit als Sondergesandter des Nahost-Quartetts berät er die US- Investmentbank JP Morgan sowie das Finanzinstitut Zürich. HAdpa080310

Foto links: Tony Blair wird von Prof. G. Vittadini auf dem Kongress “communione e liberatione” in Rimini am 29. August 2009 als Gastredner begrüßt. Foto rechts: Audienz bei Papst Benedikt XVI.
Vittadini: Was hat Sie überzeugt, katholisch zu werden? Tony Blair: “Offen gesagt - das war meine Frau. Es fing damit an, dass ich eine heilige Messe besuchte. Natürlich wollten wir gemeinsam am Gottesdienst teilnehmen. Manchmal ging ich in eine anglikanische Kirche, dann wieder in eine katholische. So macht ich es viele Jahre. Mit der Zeit aber erlebte ich immer mehr, dass die katholische Kirche meine Heimat wurde – nicht nur durch die Lehre der Kirche und den katholischen Glauben, mehr noch durch weltweite Präsenz der katholischen Kirche. In den letzten beiden Jahren besuchte ich die heilige Messe in Peking, in Singapur, in Kigali, in Tokio. In Tokio saß ich ganz einfach hinten in der Kirche zwischen den Gläubigen. Zum Schluss des Gottesdienstes kam eine Frau, die eine Lesung vorgetragen hatte, zu mir und erklärte mir: „Wir haben in unserer Gemeinde eine Tradition: wenn immer ein Besucher aus dem Ausland bei uns ist, bitten wir ihn, etwas von sich selbst zu erzählen.“ Da wurde es ganz still in der Kirche und ich sagte der japanischen Gemeinde: „Ich heiße Tony und komme von London.“
Tony Blair: mein Herz ist katholisch Der frühere britische Premierminister Tony Blair berichtete von seiner Konversion zum katholischen Glauben und wie seine Frau Chrerie ihn dabei begleitet hat. Auf einer Pressekonferenz in Italien sagte er, dass er sich wohl fühle in der katholischen Kirche: “Das ist der Ort, wo mein Herz schlägt“. Mr. Blair leitet heute die die von ihm gegründete „Glaubensstiftung“. Bald nach dem Weggang von der Dow- ning Street 2007 trat er von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche über. Bein einem Treffen der Organisation „Kommunion und Befreiung“ in Rimini, Italien erzählte er: „Seit ich mit den Vorbereitungen begann, katholisch zu werden, fühlte ich, dass ich nach Hause komme und dort schlägt mein Herz nun und ich weiß, wohin ich gehöre.“ Mr. Blair meinte, als „als ganz neu hinzugetretener zur katholischen Kirche lässt es mich bescheiden werden, vor so bedeutenden Delegierten zu sprechen.“ In einer Randbemerkung fügte er hinzu: „Offen gesagt: alles begann mit meiner Frau. Ich fing damit an, die heilige Messe zu besuchen – und wir gingen zusammen dahin. Wir hätten zur anglikanischen oder katholischen Kirche gehen können – ahnen Sie, wer gewonnen hat?“ Dann fuhr er fort: „Die Zeit schritt voran, schon lange nahm ich an der heiligen Messe teil ... es ist schwer für mich, die rechten Worte zu finden. Ich hatte das tiefe Gefühl: das ist gut für mich. Da gab es etwas ... nicht nur die Lehre der Kirche, sondern die universale Natur der katholischen Kirche.“ Nach seinem umfassenden Vortrag dankten ihm die Zuhörer mit „standing ovations“, zugleich auch für seinen Einsatz in früheren politischen Gipfeltreffen. Tony Blair antwortete: „Ich erinnere mich gut, als wir 2005 die Klima-Veränderung und die globale Armut auf der G-8-Konferenz in Gleneagles auf die Tagesordnung setzten, gab es eine beachtliche Unruhe unter den Politikern, verunsichert durch die Forderungen an ihre Staaten. Aber ihre Last wurde durch die solide und klare Unterstützung der Kirche erleichtert. In der Suche auf dem Pfad der Wahrheit, geführt durch die Liebe Gottes und geleitet durch göttliche Gnade kann die Kirche eine geistliche Stimme sein, damit die Globalisierung als Dienst verstanden wird und nicht als Beherrschung.” Und Mr. Blair unterstreicht: „Meine Stiftung dient dem Respekt und dem Verständnis zwischen den Religionen. Ich sage dabei deutlich: Ich bin und bleibe ein Christ, der das Heil sucht durch unseren Herrn Jesus Christus.“ CT090906EmilyAshton

Ein Sprecher des Vatikans sagte, dass eine „Persönlichkeit von so hoher Autorität" wie Blair den Katholizismus als seine Religion gewählt habe, sei „Anlass zu Freude und Respekt".
Blair jetzt Katholik Der frühere britische Premierminister Tony Blair ist jetzt offiziell von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche übergetreten. Der Vatikan begrüßte diesen Schritt Blairs, der bereits seit langem erwartet worden war. Der Politiker wurde in London in einem Gottesdienst in der Kapelle des Erzbischofs von West- minister, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, in die katholische Glaubensgemeinschaft aufgenommen, der auch seine Frau Cherie und seine vier Kinder angehören. „Ich bin sehr glücklich, Tony Blair in der katholischen Kirche willkommen zu heißen”, sagte der Kardinal nach der Zeremonie. „Er hatte schon oft an unseren Gottes- diensten teilgenommen, und in den letzten Monaten hat er ein Programm zur Vorbereitung auf die Aufnahme mitgemacht.” Ein Sprecher des Vatikans sagte dem Sender BBC, dass eine „Persönlichkeit von so hoher Auto- rität” wie Blair den Katholizismus als seine Religion gewählt habe, sei „Anlass zu Freude und Respekt”. Eine seiner letzten Amtshandlungen als Premierminister war nach zehn Jahren an der Macht im Juni ein offi- zieller Besuch bei Papst Benedikt XVI. in Rom Foto oben. FAZdpa071224 Es heißt, aus Respekt vor seinem Amt als Premierminister habe er zuvor von einem Übertritt abgesehen. Das britische Recht schreibt für den Regierungschef nicht die Zugehörigkeit zur anglikanischen Staatskirche vor. Allerdings macht der Premierminister der Königin Vorschläge zur Ernennung anglikanischer Bischöfe. In Großbritannien hat es seit mehr als 400 Jahren keinen katholischen Regierungschef gegeben. FAZkna071110 Die katholische Ehefrau des britischen Premierministers hat sich in der letzten Zeit verschiedentlich zu ihrem Glauben geäußert. Schon lange ist bekannt, dass die ganze Familie Blair regelmäßig die heilige Messe besucht. Die vier Blair-Kinder sind katholisch. Frau Blair ist Mutter von vier Kindern und Rechtsanwältin. Sie praktiziert unter ihrem Mädchennamen Cherie Booth und ist im Bereich der Menschenrechte spezialisiert. Frau Blair stammt aus einer Arbeiterfamilie in Liverpool. Liverpool befindet sich an der Westküste Groß- britanniens. Ihr Katholizismus und ihre politische Einstellung seien beide auf ihre Familie zurückzuführen, er- klärt Frau Blair: „Wir waren zuhause eine Arbeiterfamilie. Katholizismus und Sozialismus waren die beiden Wege, von denen wir eine Besserung unserer Lage erhofften. Der Katholizismus gab uns das Streben nach der Gleichheit aller.” Die Bande zur Religion hätten sich während ihrer Studentenzeit gelöst. Doch Frau Blair kehrte zum Glauben zurück, als sie Kinder bekam. „Ich hatte nie das Gefühl, die Kirche verlassen zu haben” – erklärt sie: „Es war wie bei vielen. Als ich Mutter wurde, begann ich wieder regelmäßig zur Kirche zu gehen.” „Ich wollte, dass meine Kinder katholisch aufwachsen, mit einem Sinn für die Religion und vertraut mit der religiösen Praxis.” „Der Sinn für die Gemeinschaft zog mich besonders an, als ich begann, mit meinen Kindern die Messe in unserer Pfarrei regelmäßig zu besuchen. Die Gemeinschaft übt auf mich immer noch eine starke Anziehung aus”. Diese Verbundenheit habe sich noch verstärkt, weil ihre Kinder die katholische Primarschule einer Pfarrei besuchen. Sie sei eine Feministin mit einer „bleibenden Schwäche für die Jungfrau Maria”, erklärte Frau Blair im Interview mit „The Independent”. „Die Muttergottes ist für mich ein wichtiger Teil des Katholizismus, weil ich der leidenschaftlichen Überzeugung bin, dass es im Leben keine wichtigere Rolle gibt als die Mutterschaft.” „Ich bewundere ihr Selbstopfer, ihre Fähigkeit, den göttlichen Willen anzunehmen und ihr Vertrauen in Gott. Für mich ist es oft schwierig, auf Gott zu vertrauen.” kreuznet0711 In einem Interview an der Yale-University berichtete der ehemalige britische Premierminister, dass er seine Frau Cherie gegen den Willen seiner streng protestantischen Großmutter geheiratet hatte. Seine Großmutter Sarah Corscadden hatte, als sie starb, seine Hand ergriffen und ihm gesagt: “Was auch immer du tust, heirate nie eine katholische Frau”. “Ich hatte ihr damals nicht gesagt, dass ich gerade Cherie kennen gelernt hatte, sie war katholisch. ”Blair heiratete Cherie 1980 und hat mit ihr vier Kinder. Er wurde vor drei Jahren in die katholische Kirche aufgenommen. Einer seiner letzten Besuche als Premierminister führte ihn in den Vatikan – er war Gast bei Papst Benedikt. CT081123B
Zum Staatsbesuch des Papstes schreibt der frühere Premierminister Tony Blair in einem Leitartiikel in der Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“. Er rühmt den „intellektuellen Mut“ von Benedikt XVI. in gleicher Weise wie von John Henry Newman. Beide verkünden furchtlos die Wahrheit – auch wenn sie unpopulär ist. „Benedikt ist tief verbunden mit dem Geist und den Ideen von Kardinal Newman, dessen historische Studien ihn vom Anglikanismus nach Rom geführt haben.“ Blair fügt hinzu: „Die Schriften und Ideen von Kardinal Newman stellen die spirituelle Wahrheit über alle anderen Werte.“ Blair erinnert daran, dass John Henry Newman, als er in die katholische Kirche eintreten wollte, schrieb: „Niemand kann einen ungünstigeren Eindruck vom Zustand der heutigen Katholiken haben als ich.“ Diese Feststellung meint Tony Blair, „ist nicht sehr diplomatisch, aber das störte John Hernry Newman nicht, weil er immer das tat, was nach seiner Ansicht richtig war – selbst dann, wenn es unhöfliche oder unpopulär war. „Dieser intellekutelle Mut ist bewundernswert“, schreibt Tony Blair. „Genau das ist es, was viele Katholiken an Papst Benedikt XVI. bewundern.“ CT100926
   
Bestseller-Autor GP Taylor will katholisch werden
Der Kinderbuch-Autor, Preisträger und anglikanische Pfarrer GP Taylor, verheiratet und Vater von drei Kin- dern, spricht offen darüber, dass er mit einem katholischen Geistlichen im Kontakt steht mit dem Ziel, die Priesterweihe zu empfangen. Pfarrer Taylor sagt: „Seit ich meine Entscheidung, die anglikanische Gemein- schaft zu verlassen, öffentlich gemacht habe, habe ich viel Zustimmung von Anglikanern erfahren. Aber es gab auch verletzende Angriffe. Menschen, die sich für liberal halten, sind nur so lange liberal, wenn du ihrer Mei- nung bist. So bald du eine andere Sicht der Dinge hast, geht ihre Liberalität und Toleranz aus dem Fenster.“ Der Schriftsteller wird wegen seiner Romanserie Foto oben „Shadowmancer“ auch der „christliche Harry Potter“ genannt. Jetzt nennt er die anglikanische Gemeinschaft ein „sinkendes Schiff“ und sagt den Übertritt tausender Anglikaner zur katholischen Kirche voraus, weil die anglikanische Weltgemeinschaft zu den Themen „Abtreibung, Ehe, Sexualität und auch von Jesus“ nichts zu sagen habe.„Ich bin auf einem abschüssigen Weg, die Anglikaner zu verlassen, aber ich bin ordiniert, und so schnell geht das nicht – das ist ein Prozess. Aber das kann ich sagen: sobald die erste Bischöfin ordiniert wird, verlasse ich die anglikanische Gemeinschaft – nicht weil ich sexistisch bin, sondern weil dieses schriftwidrig ist.“ Dann erzählt der Autor von seiner kürzlich erkrankten Tochter, die im Krankenhaus lag und dort von einem katholischen Priester besucht wurde, der ihr die Krankensalbung spendete. Sie hatte ihn nicht gerufen. Er kam einfach zu ihr. Das spricht Bände!“ CT091122 Aloysius Rocastle
Lesen Sie mehr über die anglikanische Gemeinschaft >>> Anglikaner

Fotos oben: Schwestern und Convent der Society of All Saints’ - Sisters of the Poor in Baltimore USA
Eine anglikanische Schwesterngemeinschaft aus dem Nordosten der USA hat sich entschieden, der katholischen Kirche beizutreten. Der Erzbischof von Baltimore, Edwin F. O’Brien, spendete zehn Schwestern der „Society of All Saints’ Sisters of the Poor“ das Sakrament der Firmung. Im Rahmen der Feier erneuerten die Schwestern auch ihre Ordensgelübde. Zwei Angehörige der Gemeinschaft wollten nicht konvertieren, wohnen jedoch weiterhin mit ihren Mitschwestern zusammen. Nach Zeitungs- angaben hatten die Schwestern während Jahren die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils studiert. Einem Beitritt zur katholischen Kirche stehen wenig Hindernisse theologischer Art entgegen, finden sie; allerdings hätten einige von ihnen anfänglich Mühe mit dem Konzept der päpstlichen Unfehl- barkeit gehabt. Auch der Priester, der die Gemeinschaft betreut, will katholisch werden. Rv090904kipa Lesen Sie den ausführlichen Bericht auf unserer Seite > Anglikaner
Ruth Kelly, Verkehrsministerin, GB 
Ruth Kelly (40), britische Verkehrsministerin, hat auf dem Parteitag der Labour Party in Manchester ange- kündigt, das Kabinett von Premierminister Gordon Brown bei der nächsten Kabinettsumbildung verlassen zu wollen. Als Grund gab die Mutter von vier Kindern an, mehr Zeit für ihre Familie haben zu wollen. Brown wies Gerüchte zurück, die den angekündigten Rückzug als Zeichen der Ablehnung seiner Regierungsarbeit wer- teten. Es ist aber bekannt, dass es zwischen beiden fundamentale Differenzen in den gesetzlichen Rege- lungen der Embryonenforschung gibt. Die überzeugte katholische Ministerin war im Mai der zweiten Lesung eines diesbezüglichen Gesetzes im Londoner Unterhaus ferngeblieben, weil sie es ablehnt, die Herstellung von Tierzellmembranen mit menschlichem Erbgut zu ermöglichen.

„Traditionelle Anglikaner” wollen die Einheit Eine Gemeinschaft namens „Traditionelle Anglikaner”, kurz TAC, bittet den Vatikan um die Erlaubnis zum Übertritt in die katholische Kirche. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, versichert der von der anglikanischen Kirche abgespaltenen Gruppe in einem Brief, der Vatikan denke „ernsthaft“ über die Anfrage, die vom Oktober letzten Jahres stammt, nach. Das Schreiben, das auf den 5. Juli datiert ist, wurde auf der TAC-Internetseite Foto oben veröffentlicht. In dem Brief erinnert Kardinal Levada aber auch an die „allgemeine Lage der anglikanischen Gemeinschaft”, die in jüngster Zeit „komplexer ge- worden” sei. Der Dialog zwischen der TAC und dem Vatikan war zu Beginn der neunziger Jahre in Gang gekommen. Die Gruppe hatte sich im Widerstand gegen die Priesterweihe von Frauen und Homosexuellen in der anglikanischen Kirche gebildet; ihr gehören derzeit etwa 400.000 Menschen an. apicRV080730sk
Eine Buchvorstellung mit Fürstin Alessandra Borghese und Gloria von Thurn und Taxis. Interview mit Fr. Paul Bonnici: Die Fürstin entdeckt wie schön ein Leben mit Jesus ist
Alessandra Borghese Foto oben links sieht Gott und die Kirche mit neuen Augen. Wie der Name schon sagt, findet sich in ihrer Ahnentafel der Papst, der den Bau der St. Petersbasilika in Rom vollendete, auch ein Heiliger ist darunter, und ein Kardinal, der die größte Kunstsammlung Europas – die Vatikanischen Museen – begründete. Die Verleihung des Titels, den Fürstin Alessandra Borghese trägt, liegt schon Jahrhunderte zurück. Diese Zeit der weltlichen Herrschaft des Papstes ist mit dem Einmarsch der italienischen Truppen im Rom im Jahre 1870 vergangen. In ihrem neuen Buch Con Occhi Nuovi (Mit neuen Augen), das in Rom veröffentlicht und zugleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde, schreibt Fürstin Alessandra Borghese über ihre neue Liebe. Das ist keine neue Seifenoper. Sie schreibt sehr nüchtern, klar und ehrlich: „Ich bin verliebt in Gott!“ Fr. Paul Bonnici traf sie am Ufer des Tiber zu einem Interview. „Unsere katholische Religion”, sagt sie, „ist eine Begegnung mit Gott. Es mag überzogen klingen, solches zu sagen, aber es ist wahr. In unserer Religion erleben wir den menschenfreundlichen Gott als wahren Gott und wahren Menschen. Wenn sich das in dir ereignet, kannst du es nicht für dich selbst behalten, du musst es weitersagen. Es ist so, wie wenn du eine wunderschöne Reise in ein liebenswertes Land gemacht hast, dann möchtest du es deinen Eltern, deinen Freunden und Bekannten erzählen. Aber Gott zu begegnen und Gott zu erkennen ist weit mehr als eine kurzer Trip. Es ist eine Reise, der Grund des Lebens. Da ich denke, dass ich etwas Talent habe und zu schreiben verstehe, habe ich dieses Buch geschrieben, um anderen diese Reise und diese Begegnung mitzuteilen.” „Mit neuen Augen”, schreibt die Fürstin die Geschichte ihrer Umkehr. Das ist eine alte katholische Heimkehr, die den Lebensstil verändert. Das Herz drängt zur Beichte zu gehen, die heilige Messe täglich zu besuchen, und die Lehre der Kirche besser kennen zu lernen. „Für viele Jahre lebte ich in der Gesellschaft angepasst, Gott spielte keine große Rolle in meinem Leben, weil ich dachte, ich könnte alles allein schaffen. Ich war jung, sah gut aus, hatte Geld und einen interessanten Namen. Wozu brauchte ich Gott? Alles, was ich wollte, konnte ich tun. So legte ich Gott in eine Schublade, holte ihn hervor, wenn ich in Not war, und sehr selten, um Danke zu sagen. Es war eine sehr distanzierte Beziehung. Ich glaubte an Gott, aber er war sehr, sehr weit weg, und ich wollte mich auch nicht auf ihn einlassen. Darum erschien mir auch die Kirche als alt, kompliziert, rückwärtsgewandt und wie ein Widerspruch zur heutigen Freiheit. Dann änderte ich meine Meinung. Ich denke, wer seine Meinung ändert, zeigt, dass er intelligent und nicht festgefahren ist. Ich änderte mich, denn ich berührte die Liebe Gottes. Meine Beziehung zu Gott änderte sich total. Zu Beginn hätte ich gesagt: ich glaube an Gott. Seit sieben oder acht Jahren, seit ich zur Kirche gehe, auch zur Beichte, kann ich sagen: ich vertraue auf Gott und ich weiß dass er mich liebt und dass er immer für mich da ist.” Alessandra besuchte das berühmte Sacré-Coeur-Gymnasium an der Spanischen Treppe in Rom. Sie gibt zu: „selbst in der Zeit, als ich mich weit vom Glauben entfernte, besonders in den schlimmsten Jahren, habe ich „vielleicht nur durch die Erziehung einer Kindergärtnerin und das Bemühen meiner Lehrer immer – wenn auch noch so armselig - gebetet. Immer habe ich den Samen des Glaubens am Leben erhalten, einen Glauben an die Existenz Gottes, gewiss nicht lebendig, auch fühlte ich mich Gott nicht nahe, aber ich habe niemals aufge- hört, irgendwie zu glauben. Vielleicht hat sich das, was ich gelernt hatte, tief in meinem Unterbewusstsein gespeichert. Nun habe ich den christkatholischen Glauben in seiner ganzen Fülle wiederentdeckt, der nie ganz ausgelöscht war, aber erdrückt und erwürgt in einem Winkel meines Herzens lag.” Bei einem Abendessen mit ihrer Freundin, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis Foto oben begegnete sie dem attraktiven, jungen deutschen Monsignore Michael Schmitz, der von Kardinal Ratzinger die Priesterweihe erhalten hatte. Sie sprach mit dem Priester über die Beichte, und wie sehr sie den Kardinal bewundere und wie gern sie an seinen Messen teilnahm und seinen Worten zuhörte, schon bevor er zum Papst gewählt wurde. Die Prinzessin zeigt sich tief beeindruckt von seiner Einfachheit und seinem heiligmäßigen Leben. Alessandra Borghese ist eine Römerin, alles, was sie sagt und tut, macht sie mit Leidenschaft, das gehört zu Rom. Und sie erzählt ganz offen, wie sie Christus nachfolgt. Sie sagt: „Heute kommt uns die Kirche vor wie ein Handbuch mit komplizierten Regeln, sehr schwierig und nervend, und die Freiheit einengt. Man darf dies nicht tun. Man darf das nicht tun. Ich sehe, dass es manchmal schwierig ist, Jesus Christus zu folgen. Es ist viel leichter, ihm nicht zu folgen. Ich behaupte nicht, dass uns die Nachfolge Jesu Erfolg bringt, oder uns der rote Teppich ausgerollt wird. Aber wir werden klar wissen, wohin wir gehen. Jeder Mensch sollte wissen, wohin er geht, und was der Sinn dieses Lebens ist. Ich habe erfahren, dass mir die Kirche und die Sakramente helfen können, und ohne sie könnte es oft schwierig werden.” Fr. Paul Bonnici fragt: „Was würden Sie den Menschen sagen, denen es schwer wird, zu beichten?” Sie ant- wortet, sie wisse wohl, wie mühsam das ist, und erzählt dann die Geschichte eines englischen Lord, mit dem sie befreundet sei, und der von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche konvertiert ist: „Ich fragte ihn, was für ihn das Schönste gewesen sei, als er katholisch wurde. Er antwortete: ‚Die Beichte’. Als ich ihn fragte, warum?, sagte er: ‚Das war wunderschön. Ich spürte, dass ich geliebt und nicht verurteilt wurde.’ Menschen, die zu Psychologen gehen, lassen sich analysieren. Beichte ist keine Analyse. Man geht nicht zu einem Priester zur Analyse. Du gehst zu einem Priester und sagst: ‚Gott möge mir verzeihen. Ich habe wieder gesündigt. Ich war schwach. Ich habe Gott beleidigt. Bitte, gib mir deine Hand, hilf mir!” Und dann frage ich sie: „Und was ist der Unterschied, wie sehen Sie die Kirche heute?” „Ich sehe die Kirche heute aus der Sicht einer römischen Frau. Die Kirche lebt. Sie ist gut aufgestellt. Die Kirche ist jung. Ich bin der Kirche begegnet. Kirche - das sind nicht nur Bischöfe und Priester. Kirche – das ist Gottes Volk. Wir sind wohl nicht in der Mehrheit, aber die Qualität ist hervorragend”, antwortet die Fürstin. FrPaulBonniciCT061105
Günter Grass: zum Thema Beichte
Der deutsche Schriftsteller Günter Grass lobt die Beichte. In einem Interview fragte Radio Vatikan den Literatur-Nobelpreisträger (und Agnostiker), was ihm an der Kirche gefällt. Darauf antwortete er: „Ich finde die Einrichtung der Beichte etwas sehr Menschliches. Weil die Gegenseite ans Schweigegebot gebunden ist, und der Mensch sich erleichtern kann, von dem was ihn bedrückt. Eine sehr menschliche Geste. Keine öffent- liche Anklage, man macht das in dem Beichtstuhl aus. Die Beichte ist etwas sehr Gutes.” rv080424sk

Foto links: Chinesische Flagge auf dem Petersplatz, Foto rechts: Bischof Jin, Shanghai
Der Bischof von Shanghai Aloysius Jin Luxian ruft seine Diözese auf, die Verkündigung des Evangeliums zu verstärken im Hinblick auf das 400-jährige Jubiläum der Gründung der Kirche von Shanghai. In seinem Hirten- wort erwartet er von den Gläubigen eine Geisteserneuerung als Antwort auf das Schreiben von Papst Benedikt XVI. an die Kirche in China und die darin enthaltene Bitte, am 24. Mai die Jungfrau von Scheshan um Fürbitte anzurufen. An diesem Tag bittet der Papst die weltweite Christenheit ihre Gebete zu Maria zu erheben. An diesem größten Wallfahrtsort Chinas wird Maria als “Hilfe der Christen” verehrt. Bischof Jin, 94, erinnert in seinem Brief an die Gründung der Kirche von Schanghai im Jahre 1608 und bittet, “die Missionare nicht zu vergessen”, darunter Jesuiten aus Italien wie Matteo Ricci und Julius Aleni und aus Deutschland Pater Adam Schall, der sich große Verdienste in der chinesischen Kunst und Wissenschaft erworben hatte. CT080113 Mehr über die Kirche von China und den Papstbrief im Wortlaut
Paul Kirchhof 
Paul Kirchhof: Der katholische Glaube wird gerade in der heutigen Zeit wieder attraktiv. Das glaubt der frühere Verfassungsrichter Professor Paul Kirchhof
Im Gespräch mit Radio Vatikan meinte der Heidelberger Professor: „Ich glaube, gerade in unserer Gegen- wart, in der die Kulturen aufeinanderprallen, in der wir das Problem eines weltweiten Terrorismus haben, in der die Weltoffenheit der Märkte die unterschiedliche Verteilung der Güter bewusst macht, zeigt sich dieser Glaube als die Antwort auf unsere Zukunft. Der Grundgedanke - dass jeder Mensch die gleiche Würde hat – kommt aus Griechenland und aus dem Judentum; er hat aber im Christentum seine wesentliche Ausprägung erfahren. Der Mensch ist Ebenbild Gottes, Gott ist Mensch geworden. Das ist ein nahezu revolutionärer Ge- danke. Das heißt: Jeder Mensch kann diesem Gott eine Heimat geben! Das ist ja ein radikaler Gleichheits- und Freiheitssatz, wie es ihn in der Rechtsgeschichte als solchen noch nie gegeben hat. Und er ist gegenwärtig, wo wir in der Offenheit der Welt die Verschiedenheit der Menschen, aber auch der Völker, der Gruppen, der Kulturen empfinden, aktueller denn je.” rv080325sk
Benediktinerinnenkloster in Indonesien eröffnet
In Indonesien ist das erste Benediktinerinnenkloster des Landes gegründet worden. Wie der Pressedienst misna meldete, nahm der Konvent seinen Sitz in Kupang auf Westtimor. Den Angaben zufolge stammen fünf der Benediktinerinnen aus Indonesien selbst; einige Schwestern kämen aus der mittelitalienischen Stadt Orte. Kupang ist Zentrum eines Erzbistums mit 125.000 Katholiken. Der Anteil der katholischen Christen an den 220 Millionen Einwohnern des süd-ostasiatischen Inselstaates liegt bei drei Prozent. Indonesien ist der bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Staat der Welt. DTkna070519

Papstaudienz für Peter Maffay
Deutschrocker Peter Maffay (57) hat für seine internationalen Kinderhilfsprojekte Unterstützung von Papst Benedikt XVI. erhalten. Bei einer Audienz in Rom segnete der Pontifex den Musiker und würdigte dessen humanitäres Engagement. „Für mich war das eine völlig neue Erfahrung. Ihn als geistige Stütze zu wissen, ist eine schöne Motivation für uns alle weiterzumachen”, erklärte Maffay nach dem Besuch. Im Gegenzug über- reichte er dem Papst das Album „Begegnungen - Eine Allianz für Rinder”, an dem 14 Musiker aus 13 Ländern mitgewirkt haben. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der CD und aus Konzerten unterstützt Maffay internationale Wohltätigkeitsprojekte. Schirmherrin der Aktion ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Internet ist auch eine Seite zum Projekt Maffays aufrufbar: www.maffay.de/begegnungen. In Korea und der Ukraine, in Schweden und Südafrica, in Indien, Afghanistan und vielen anderen Ländern traf sich Maffay mit anderen Musikern. Er bat Politiker, sich mehr für Kinder zu engagieren.
An Gott denken: Peter Seewald beschreibt seinen Weg zur Kirche
Auf die Frage, wie viele Wege es zu Gott gibt, antwortete Kardinal Joseph Ratzinger in seinem Buch- Interview „Salz der Erde”: „So viele, wie es Menschen gibt. Denn auch innerhalb des gleichen Glaubens ist der Weg eines jeden Menschen ein ganz persönlicher. Der Journalist Peter Seewald ist ein Jahr später selbst wieder in die Kirche eingetreten und hat nun seinen Weg zum Glauben beschrieben in dem Buch „Grüß Gott. Als ich begann, wieder an Gott zu denken.” Von der Botschaft fasziniert In der Nähe von Passau wächst Seewald in einer katholischen Familie auf und ist ein eifriger Ministrant. Zeitweise denkt er sogar daran, Priester zu werden. 1968 gerät Seewald als Vierzehnjähriger in den Sog der linken Szene. Immer mehr lässt er sich von deren Gedankengut anstecken. Vom Maoismus begeistert, zieht er in eine Wohngemeinschaft, verteilt Flugblätter und will als Streetworker arbeiten. In diese Zeit fällt auch sein Kirchenaustritt, da er Religion nur noch als „Opium fürs Volk” ansieht. 1976 gründet er in Passau eine links- radikale Wochenzeitung, die allerdings nach zwei Jahren wieder eingeht. 1981 beginnt Seewald als Journalist beim Spiegel und wechselt sechs Jahre später zum Stern. Als er 1989 erfährt, dass die „Süddeutsche Zeitung” ein Magazin aufbauen will, bietet er sich als freier Mitarbeiter an und schlägt das Thema „Beten” vor, das so- fort auf große Begeisterung stößt. Durch seine Kirchenferne meint er, neutral und objektiv über religiöse Fra- gen berichten zu können. Doch je mehr er sich hiermit beschäftigt, um so mehr kommt in seinem Inneren ein Prozess in Gang, der nicht mehr zu stoppen ist. Er erhält schließlich den Auftrag, ein groß angelegtes Inter- view mit dem Präfekten der katholischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, zu führen. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon längst begonnen, wieder an Gott zu denken und zu beten. Wann er genau begann, wieder an Gott zu denken, kann er gar nicht so genau sagen. Viele kleine Begebenheiten brachten ihn zum Nachdenken. Jetzt setzt er sich mit den Gedanken Ratzingers intensiv auseinander und ist beeindruckt von der Stimmigkeit des Welt- und Gottesbildes Ratzingers. Den Kardinal selbst erlebt er als einen Menschen, der „sich aus dem Glauben an Christus heraus um Wahrhaftigkeit bemüht.” Die Begegnung mit Kardinal Ratzinger gibt Seewald den letzten Anstoß für seinen Wiedereintritt in die katholische Kirche. „Wer versucht, bloßer Beschauer zu sein, erfährt nicht”, hat der Kardinal gesagt, mit dem Seewald nach dem Interview „Salz der Erde” (1996) auch das Interview „Gott und die Welt” (2000) veröffentlichte. Zweierlei wird bei der Lektüre von Seewalds Glaubensbuch spürbar: Er ist immer noch ein Revolutionär, aber er ist auch ein ehrlicher Sucher nach der Wahrheit. „Mit keinem Thema kann man so provozieren, wie wenn man sich auf die Seite der so verachteten Kirche stellt.” Doch es geht ihm nicht um Provokation, sondern um den Glauben, der für ihn so etwas ist wie „der Blick nach vorne zurück”. Diesen Glauben möchte er auch seinen beiden Söhnen mitgeben, die bis dahin gänzlich ohne religiöse Erziehung aufwachsen. Peter Seewald ist fasziniert von der Botschaft des Evangeliums, aber auch von den christlichen Traditionen und den Dogmen der Kirche. „Nur Esel haben keine Dogmen”, zitiert er Gilbert Keith Chesterton. Gerade die Gesellschaftskritik der Kirche ist es, die ihn fasziniert. Im Gegensatz zum revolutionären „Macht kaputt, was euch kaputt macht” wird hier konstruktiv kritisiert. Eine verbürgerlichte, angebiederte Kirche war es, die ihn damals zum Kirchenaustritt bewog; und auch heute noch ist ihm in dieser Kirche jede Anbiederung an den Zeitgeist zuwider. Bei der Lektüre von Seewalds Buch wird deutlich, dass eine modernistische Theologie ehrliche Glaubenssucher eher abschreckt als anzieht. „Ihr Verdienst war es, Christus nicht im Himmel, sondern in der Grabkammer zu entdecken. Ich hatte genug davon.” Seewald freut sich über die kirchlichen Riten und die alten Lieder, die immer noch im Gottesdienst gesungen werden. „Die Kirche bräuchte meinetwegen nichts anderes als die Werke der Barmherzigkeit und ihre göttliche Liturgie.” Bezüglich der Liberalisierung in der Kirche klagt Seewald: „Die Kirche vermag es längst nicht mehr, jemandem Lasten aufzuerlegen, wie wir ihr das vorgehalten hatten. Ihr Reden ist wie ein Reden unter Wasser geworden, stumm.” Ein ehrliches Buch Auch die traditionelle Spiritualität sei heute weitgehend vergessen. „Die Kirche selbst ist daran nicht schuld- los. Übungen, die über Jahrhunderte den Menschen geholfen hatten, sich selbst zu finden, wurden einer ver- staubten Frömmigkeit zugeschrieben und abgelegt. Prächtiges Mobiliar und Gemälde des Ewigen flogen in hohem Bogen aus den Gotteshäusern, wie wertloses Gerümpel. Die Heiligen musterte man aus, und die Schar der Engel schien es schließlich von selbst vorzuziehen, aus der Kirche auszutreten – um eines Tages in den Zirkeln des New Age wieder aufzutauchen, plötzlich ganz en vogue.” „Grüß Gott“ ist ein ehrliches Buch. Peter Seewald spricht in einer erfrischend unkonventionellen Sprache über den katholischen Glauben. Er vermeidet abgedroschene und leere Phrasen, die er leider bei Pfarrern und Theologen so oft feststellen muss. Seewald ist auch so ehrlich, seine eigenen Glaubensschwierigkeiten zu erwähnen. Denn den Glauben wahrhaft zu verstehen ist ein langer Weg. Peter Seewald hat die ersten Schritte zurückgelegt. Ein immer größeres Desinteresse an Glaubensüberzeugungen wird spürbar. Mit diesem Buch hat Peter Seewald ein persönliches Glaubenszeugnis vorgelegt, das hoffentlich viele anregt, sich selbst auf den Weg zu machen. GeorgAloisOblingerT030503 Peter Seewald: Grüß Gott. Als ich wieder begann an Gott zu denken. Verlag: Dva, 4. Aufl. 2003. Ausstattung/Bilder: 157 S. 19,90 Euro ISBN-13: 9783421056771, ISBN-10: 3421056773
Nächstenliebe. In der Innenstadt von Hamburg ist sie der Anlaufpunkt für Menschen in Not: Die “Mutter Teresa” vom Gerhart-Hauptmann-Platz - Liebfrauenschwester Petra Schulte.

Mit ihrem Volkswagen steht Ordensschwester Petra regelmäßig vor Karstadt und hilft Obdachlosen und anderen Bedürftigen. Die gute Seele vom Gerhart-Hauptmann-Platz feierte jetzt ihren 70. Geburtstag
Schwester Petra verteilt Brötchen, Kaffee und Tee, Jacken, Pullover und Schlafsäcke an Obdachlose. Eisig braust der Wind durch die Hamburger Innenstadt. In der Mönckebergstraße müssen sich die Passanten hüten, nicht zu straucheln. Frostige Zeiten ganz besonders für Obdachlose und andere Bedürftige. Welch Segen, dass es Schwester Petra gibt. Unerschütterlich steht sie ihre Frau - stabil, das gesamte Jahr über. Grundsätzlich an der gleichen Stelle, am Gerhart-Hauptmann-Platz vor Karstadt. Seit 1998 gilt ihr weißer VW Caddy dort als Bastion der Nächstenliebe, als Anlaufpunkt für Menschen in Not. Zweimal täglich verteilt die 70 Jahre alte Ordensschwester heiße Getränke, selbst geschmierte Brote, warme Kleidung und manches aufmunternde Wort an jene, die es bitter nötig haben. So wie Helmut. Der Frührentner verbringt die Nächte derzeit in einem Wohnheim in der Nähe des Hauptbahn- hofs. Der Fußweg zu Schwester Petra zählt seit Jahren zu den Konstanten in seinem Leben. Beide kennen sich (auch mit Namen) und klönen vertraut. Mit einem Pappbecher Kaffee, einem belegten Rundstück und einem Stück Kuchen zieht der Mann von dannen. „Ohne Schwester Petra wäre das Leben ärmer", sagt er. „Gott sei Dank, dass es diese Einrichtung der mobilen Hilfe gibt." Die paar Minuten am Heck des Mini-Liefer- wagens haben ihm ein bisschen Wärme gebracht. So und so. Derweil hat sich Schwester Petra, von den umliegenden Geschäftsleuten auch „Hamburgs Mutter Teresa" genannt, anderen zugewandt. In diesen Wintertagen stehen morgens zwischen zehn und elf Uhr meist 25 Personen am helfenden Mobil; nachmittags sind es etwas weniger. Viele sind Stammkunden und kennen sich untereinander. Neulingen hilft die rüstige Ordensschwester nicht nur mit Jacken, Pullovern, Schlafsäcken, Schals und Socken, sondern auch mit handfesten Tipps. Wo sind Sozialarbeiter oder Seelsorger zu finden? Was bringt das Winternotprogramm? Wo gibt es die schnelle Unterkunft? „Manchmal sind ein liebes Wort und ein offenes Ohr ebenso wichtig wie Tee oder Brötchen", sagt Schwester Petra Schulte während einer kurzen Verschnaufpause. Sie selbst sei so kuschelig gekleidet, dass sie der Frost nicht störe. Mehr schon die Gleichgültigkeit, mit der mancher Passant auf das Schicksal der Notleidenden rea- giere. Dennoch überwiegen Verständnis und Anteilnahme bei weitem. Zuspruch, Komplimente, aber auch Zu- schüsse in die Spendenbüchse gehören dazu. Eine Bekleidungsfirma stiftete einen Satz Handschuhe, und jüngst übergab ein Mann spontan seine Pelzjacke. Wie gut, dass die Caritas ihrem Namen alle Ehre macht und Schwester Petras anpackenden Dienst ermöglicht. Das speziell ausgerüstete Auto wurde 1997 vom Erlös eines Benefizkonzerts im Michel gekauft, das 22.000 Euro einbrachte. Wenige Monate später ging's los. Seitdem startet die gebürtige Meppenerin aus dem Liebfrauenorden in Beim bei Osnabrück werktäglich um 6.30 Uhr mit ihrem Projekt, welches zur Herzens- sache wurde. Nach dem Gebet in ihrer Wohnung im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg auf St. Georg werden Dutzende Brötchen geschmiert, 15 Liter Kaffee gebrüht und vier Liter Wasser für Tee aufgesetzt. Zeit- gleich liefern Zivildienstleistende von der Bahnhofsmission Kuchenspenden an. Um 9.30 Uhr setzt sich die Ordensschwester in ihren Volkswagen und braust Richtung Einsatzort. Dass Helmut, Dieter und andere Stammkunden diesmal mit Blumen kamen, hat guten Grund: Schwester Petra feierte ihren 70. Geburtstag. Mit Gottesdienst und Dank des Weihbischofs. Zeit zum Aufhören? „Eine Ordensschwester geht nie in Rente", entgegnet sie. „Solange mir der Herrgott die Kräfte gibt, bleibe ich hier stehen." HA100204JensMeyerOdewald So hilft die Caritas Obdachlosen Unter dem Motto „Not sehen und handeln" setzt sich der Caritasverband Hamburg für schwache und benach- teiligte Menschen ein. Seit 1995 ist die Mobile Hilfe mit einem Kleinbus unterwegs, um eine medizinische Erst- versorgung anzubieten. Hinzu kommt ein „Zahnmobil". Im ehemaligen Hafenkrankenhaus gibt es eine „Kran- kenstube" mit 14 Betten für Notleidende, und in der Innenstadt befindet sich ein „Stützpunkt" für Obdachlose. Die Caritas ist zusammen mit der Stadtmission und dem Kirchenkreisverband auch Träger der Bahnhofs- mission. Im Rahmen des Winternotprogramms fahren Ehrenamtliche der Kirchengemeinden jeden Abend Men- schen von der Bahnhofsmission zu der Notunterkunft in die Sportallee. In der Caritas-Zentrale in der Danziger Straße gibt es eine Kleiderkammer und eine Sozialberatung. HA100204JensMeyerOdewald Die Ordensgemeinschaft der Liebfrauenschwestern hat ihr Mutterhaus in Belm bei Osnabrück. 31 Schwes- tern haben hier ihr “zuHause”, erhalten hier ihre Ausbildung und übernehmen dann als Frauen des gottge- weihten Lebens Aufgaben im Dienst des Evangeliums wie Schwester Petra. Es ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Berufung zu einem sinnerfüllten Leben. > eMail: haus.st-marien@t-online.de

Hollywood-Star Russel Crowe
Russell Crowe, der Hollywood-Schauspieler und frühere Atheist hat sich zum Glauben bekannt. Das sagte der Hollywood-Star in einem Interview mit der Zeitschrift „Celebrity” – Er wolle sich gemeinsam mit seinem Sohn Tennyson taufen lassen. Zur Begründung sagte der gebürtige Neuseeländer: „Es gibt so viel Unerklär- liches auf der Erde, so viel Wunderbares. Pflücken Sie nur eine Blume, wie kompliziert sie konstruiert ist.” Und außerdem habe selbst der Religionsfeind und Naturwissenschaftler Charles Darwin (1809-1882) auf dem Totenbett noch gebetet. Crowe hatte im Jahr 2000 den Oscar als bester Hauptdarsteller in dem Film „Gla- diator” erhalten. Der 43-Jährige ist seit 2003 mit der australischen Sängerin und Schauspielerin Danielle Spencer verheiratet. Sie haben zwei Söhne. Wie Crowe weiter sagte, sei die Schauspielerei nicht mehr das Wichtigste für ihn: „Ich bin jetzt vor allem Vater und ein Tag ohne meine Söhne oder meine Frau Danielle ist ein verschwendeter Tag.” HA071014

Prof. Francis J. Beckwith, Präsident der nordamerikanischen Gesellschaft für evangelikale Theologie konvertiert zur katholischen Kirche
Konversionen prominenter protestantischer Theologen zur katholischen Kirche sorgen in den Vereinigten Staaten immer häufiger für Aufsehen. Vor wenigen Wochen wurde offiziell bekannt, dass der 47-jährige Präsident der über viertausend Mitglieder zählenden nordamerikanischen „Gesellschaft für evangelikale Theologie”, einer der bedeutendsten Zusammenschlüsse von Theologen und Pastoren, zusammen mit seiner Frau Foto oben katholisch geworden ist. Beide sind jetzt Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph in Woodway, Texas, USA. Die Gesellschaft für evangelikale Theologie erkennt Katholiken nicht als Christen an. Ein größerer Gegensatz zur katholischen Kirche ist kaum vorstellbar. Francis J. Beckwith ist auch für deutsche Theologen kein Unbekannter. In zahlreichen Artikeln und Büchern hat er philosophisch wie rechtssystematisch Stellung vor allem zu Fragen der Ethik, insbesondere zum Relativismus und zur Abtreibungsgesetzgebung, genommen. Zum Disput um die gleichgeschlechtliche Ehe, Stammzellforschung oder Diskriminierung hat er ebensowenig geschwiegen. Unter seinen zwölf Büchern finden sich aber auch klassisch apologetische Werke, welche die evangelikale Theologie gegen die Mormonen verteidigen. Geboren 1960 in New York, wuchs Beckwith in Las Vegas auf. Katholisch getauft und gefirmt, schloss er sich schon bald den Evangelikalen an. An der Jesuitenuniversität Fordham erwarb er seinen Magister- und Doktor- grad in Philosophie, einen juristischen Abschluss von der Washington University in St. Louis. Von 2003 bis 2007 war er Direktor des J. M. Dawson Instituts für „Studien zum Verhältnis von Staat und Kirche” an der anerkannten und im nationalen Ranking an den obersten Plätzen stehenden Baylor Universität in Texas. Was hat Beckwith aber nun veranlasst, wieder in die katholische Kirche zurückzukehren? Bereits 2005 hatte er in einem Essay gestanden, dass Evangelikale viel von Johannes Paul II. lernen könnten, insbesondere in der Bibel-Exegese. Dass ein evangelikaler Protestant die exegetische Auslegung eines Papstes lobt, ist be- merkenswert. Denn, so Beckwith, erst die Fülle der katholischen Tradition erlaube es, die Schrift in ihrer gan- zen Tiefe zu verstehen und auszulegen. Doch erst seit Januar las er intensiv die Kirchenlehrer und katholische Werke über die Rechtfertigungslehre. „Ich wurde davon überzeugt, dass die frühe Kirche mehr katholisch als protestantisch war und dass die ka- tholische Sicht der Rechtfertigung, korrekt verstanden, biblisch und historisch zu verteidigen ist. Auch wenn ich glaube, dass man auch die reformierte Sichtweise biblisch und historisch verteidigen kann, denke ich, dass die katholische mehr Erklärungskraft besitzt. Vieles von dem, was ich als Protestant für selbstverständlich nehme - zum Beispiel die katholischen Glaubensbekenntnisse - sind die Frucht einer Kirche, die über bestimmte Fragen geurteilt hat. Nicht-Katholiken wie wir Evangelikale haben diese Dokumente zur Grundlage rechten Glaubens erklärt, ohne damit Katholiken weniger feindlich gegenüber gesonnen zu sein.” Der evangelikale Apologet James White, der es Katholiken vehement abspricht, Christen zu sein, hat die Rückkehr Beckwiths auf seinem „Blog” ohne vorherige Absprache der Öffentlichkeit präsentiert. Im April kam es zur Entscheidung. Sein Neffe rief ihn an und bat ihn bei seiner Firmung Pate zu sein. Nun kann man nur als Katholik dieses wichtige Amt wahrnehmen. „Wie sollte ich es aber übers Herz bringen, meinem Neffen abzu- sagen, der doch gerade durch seine Gespräche mit mir zu seinem katholischen Glauben gefunden hat.” Im April wurde Francis Beckwith wieder in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen. Seine Frau, wird am nächsten Osterfest diesen Schritt vollziehen. UlrichLLehnerDT070707

Napalm-Mädchen leidet noch immer unter den Narben
Thi Kim Phuc, die als flüchtendes, nacktes Kind im Vietnam-Krieg auf einem der eindringlichsten Fotos der Pressegeschichte linkes Foto und kleines Bild rechts festgehalten ist, leidet noch heute unter ihren Brandverletzungen. „Meine Narben schmerzen. Vor allem, wenn das Wetter wechselt”, sagte die 43- Jährige der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Angriff mit US-Napalm-Bomben hatte sie am 8. Juni 1972 fast das Leben gekostet. Die Bilder des Fotografen Nick Ut von der aus ihrem Dorf flüchtenden Neunjährigen waren damals um die Welt gegangen. Heute, 35 Jahre danach, lebt Thi Kim Phuc mit ihrer Familie in Toronto (Kanada). Trotz aller Schmerzen habe sie schon vor 25 Jahren Frieden mit ihrem Schicksal geschlossen. „Schon 1982, als ich zum Christentum konvertiert bin. Ich habe wirklich gelernt, mich und meine Feinde zu lieben. Zuvor habe ich mich gehasst, mein Leben, meine Verletzungen und alle Menschen, die normal waren.” Und bestimmt auch diejenigen, die für den Angriff auf Ihr Dorf ver- antwortlich waren? „1996 habe ich den Offizier John Plummer, der den Angriff koordiniert hatte, ge- troffen. Ich war froh, ihn zu sehen. Aber wie gesagt, ich hatte gelernt zu vergeben, bevor ich ihn traf.” 1997 gründete Thi Kim Phuc ihre Stiftung, die sich für Kinder in mehreren Ländern einsetzt. www.kimfoundation.com dpaNOZ070224

Windsors heiraten im Vatikan
Der Vatikan wurde jetzt Zeuge eines historischen Ereignisses in der Beziehung zwischen der katholischen Kirche und der britischen Monarchie, als jetzt Lord Nicholas Windsor, der Sohn des Herzogs und der Herzogin von Kent, und die in England geborene kroatische Adelige Donna Paola Doimi de Frankopan sich das JA-Wort gaben Foto oben rechts. Die kirchliche Hochzeit wurde in der Sankt-Stefans-Kirche in den vatikanischen Gär- ten hinter dem Petersdom unter der Assistenz des Bischofs Alan Hopes, Foto oben links Weihbischof von Westminster, vollzogen. Lord Windsor, dessen Taufpaten der Prince of Wales und der verstorbene Erzbischof von Canterbury, Lord Coggan, waren, ist der erste aus der königlichen Familie, der je im Vatikan getraut wurde. Es ist auch das erste Mal seit der Reformation, dass ein Mitglied der königlichen Familie frei und legal nach katholischem Ritus getraut wurde. Der eigens zusammengetretene Kronrat erklärte das nach dem Gesetz erforderliche Einver- ständnis der Königin für die Hochzeit. Lord Windsor konvertierte im Jahre 2001 zur katholischen Kirche. Dadurch verlor er automatisch sein An- recht auf den Thron – nach dem 1701 erlassenen Act of Settlement, das katholische Christen von der Thron- folge in England ausschließt. Der in der Öffentlichkeit wenig bekannte und eher publikumsscheue Lord Nicholas, nimmt seit seinem Übertritt lebhaft am Leben der Kirche teil. Im April 2005 stand er in Rom mit Zehntausenden in der Schlange beim Tod von Papst Johannes Paul II., um Abschied zu nehmen. Der Lord und seine junge Frau, die ein Studium an der Universität in Cambridge absolvierte, besuchen sonntäglich die Heilige Messe in der Westminster-Kathedrale und auch im Brompton Oratory. Die Mutter des Bräutigams, die Herzogin von Kent, wurde 1994 als bekanntes Mitglied des königlichen Fa- milie in die katholische Kirche aufgenommen. Auch die Prinzessin von Kent und die Gräfin von Sankt Andrews, eine Schwägerin von Lord Nicholas, bekennen sich zur katholischen Kirche. Der bei der Trauung assistierende Weihbischof Alan Hopes war 26 Jahre Priester in der anglikanischen Gemeinschaft und wurde vor fünfzehn Jahren zum Priester der Diözese Westminster geweiht. Vor neun Jahren empfing er die Bischofsweihe. Bei der Hochzeitsfeier im Vatikan war auch der Vater der Bräutigams anwesend, der Herzog von Kent und Groß- meister der Vereinigten Großen Freimaurerloge von England. Während die Trauung im Vatikan im engsten Familienkreis stattfand, wird nach der Rückkehr in England ein großes Fest für die übrigen Mitglieder der königlichen Familie und nahe Freunde nachgeholt. TomLomaxCT061105
Bobby Jindal
Wunderkind
Bobby Jindal war immer der Jüngste. Mit 24 Jahren wurde das politische Wunderkind zum Gesundheits- minister des Bundesstaates Louisiana berufen und brachte in zwei Jahren das Kunststück fertig, ein Defizit von 400 Millionen Dollar abzubauen. Mit 26 wurde er an die Spitze des nationalen Ausschusses für die Senio- renkrankenversicherung „Medicare” berufen, zwei Jahre später zum Präsidenten der Universität Louisiana er- nannt. Präsident George W. Bush machte ihn 2001 zum Abteilungsleiter des Planungsstabs im Washingtoner Gesundheitsministerium, ehe sich Jindal 2003 um das erste gewählte öffentliche Amt seiner Laufbahn bewarb. Der konservative Republikaner unterlag im Rennen um den Gouverneursposten Louisianas knapp der demo- kratischen Kandidatin Kathleen Blanco, wurde aber 2004 für den ersten Wahlbezirk Louisianas zum Abge- ordneten ins Repräsentantenhaus in Washington gewählt - mit 78 Prozent der Stimmen. Nun ist Jindal überzeugend die Revanche für seine knappe Niederlage gegen die wegen ihres kläglichen Krisenmanage- ments nach den Hurrikanen „Katrina” und „Rita” vom Spätsommer 2005 zuletzt unpopuläre Blanco gelungen. Jindal ist der jüngste unter den Regierungschefs der fünfzig Bundesstaaten sein. Jindal wurde am 10. Juni 1971 in Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas, als Sohn indischer Einwanderer geboren. Als Jugendlicher konvertierte er vom Hinduismus zur katholischen Kirche. Jindal ist seit 1997 mit seiner ebenfalls indischstämmigen Frau Supriya Jolly verheiratet, sie haben drei Kinder. Seinen indischen Vornamen Piyush tauschte Jindal schon als Kind gegen das amerikanische Bobby ein - weil es ihm in der einst populären Vorabendserie „The Brady Bunch” der jüngste Sohn der Fernsehfamilie, eben Bobby Brady, besonders angetan hatte. Der praktizierende Katholik Jindal ist wegen seiner entschie- denen Gegnerschaft zur Abtreibung und zur Homosexuellen“ehe” der jugendliche Liebling der konservativen „Wertewähler”, ohne deren Zustimmung kein Republikaner etwas werden kann - schon gar nicht in den Südstaaten. Und er ist am Vorabend eines Wahljahres, das für die Republikaner nichts Gutes verheißt, zum vorerst hellsten Hoffnungsschimmer geworden. Jindal entschied sich nach einem Studium der Biologie und der Politologie an der Brown University in Providence /Rhode Island und als Rhodes-Stipendiat in Oxford für die politische Laufbahn; er gab einen gut- dotierten Job bei „McKinsey” bald auf. Sein bisher stupender Erfolg zeigt, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. In seiner Ansprache nach dem Wahlsieg versprach Jindal in Baton Rouge, er werde sein Wahlversprechen, den Kampf gegen die Korruption - in Louisiana seit Menschengedenken ein Synonym für Politik -, kompromisslos erfüllen. „Entweder sie gehen leise oder sie gehen laut, aber sie werden gehen”, sagte er über jene, die sich auch und gerade beim Wiederaufbau Louisianas und der Metropole New Orleans in allzu bekannter Manier aus den öffentlichen Kassen bedient haben. FAZMatthiasRüb071101

Foto links: Baut Brücken: Dr.Chulud Daibes, Fatah-Mitglied, Ministerin für Tourismus und Archäologie Foto rechts: Grenzdurchgang nach Betlehem
Gemeinhin erhält eine Frau im palästinensischen Kabinett das Frauenressort oder das Sozialministerium. So berief die Hamas eine ihrer Frauen an die Spitze des Sozialministeriums. Bei der Übergabe aber trat vor allen Dingen ihr Mann in Erscheinung, die Ministerin blieb in der Frauenecke. Das kann Chulud Daibes allerdings nicht passieren. Sie wurde als Fachfrau von der Fatah zur Ministerin für Tourismus und Archäologie bestellt. Die bisherige Direktorin des Betlehemer „Zentrums zur Erhaltung des Kulturerbes” ist den Umgang mit Män- nern gewohnt. Frau Daibes hat ihr Programm. Natürlich ist sie gegen gewalttätigen Widerstand, aber ihre „Arbeit ist eine Form des zivilen und friedlichen Kampfes”, Der Umgang mit dem Erbe sei auch eine Antwort auf die Besatzung und die Gefahr der Eliminierung von Geschichte und Identität. Weil die Autonomiegebiete noch keinen Staat bilden, war es bisher nicht möglich, zum Beispiel die Geburtsbasilika Betlehems zum Weltkulturerbe zu erklä- ren. Das steht ganz oben auf ihrer Liste. Wenig Verständnis hat Frau Daibes für das Zögern der westlichen Welt, wenn es um die Kontaktaufnahme mit jenen Ministern geht, die im Kabinett der nationalen Einheit unabhängig sind oder zur Fatah gehören, nicht zur Hamas: Die Welt wolle, dass wir Israel und die Verträge der PLO mit Israel anerkennen, „in Mekka kam aber nur heraus, dass dieses Kabinett die bisherigen Verträge respektiert. Wie auch immer man dazu steht, Respekt hat in der palästinensischen Sprache einen hohen Wert. Man respektiert zum Beispiel seine Eltern. Respekt kann als stärker denn Anerkennung angesehen werden, wenn man das will.” Frau Daibes hat in Hannover mit einem Stipendium des DAAD (des Deutschen Akademischen AuslandsDienst) Architektur stu- diert und, gefördert durch den katholischen KAAD, promoviert. Deutschland wurde für die 1965 geborene Katholikin zur zweiten Heimat. Jetzt will sie eine Brücke bauen, eingedenk dessen, dass die Christen eine Minderheit von nur noch knapp zwei Prozent im Heiligen Land sind und von der säkularen Welt ziemlich ver- gessen. Sie ging durch das deutsch-protestantische Bildungssystem, besuchte erst die Martin-Luther-Schule in Jerusalem und dann Talitha Kumi in Beit Jala, wo jetzt die drei Kinder lernen, die sie mit ihrem Mann Suleiman Abu Dajje, der für die Friedrich-Naumann-Stiftung arbeitet, hat. Das Paar hat im palästinensischen Beit Jala wie im Ostjerusalemer Stadtteil Bet Zafa eine Wohnung. Es wird an den Israelis und ihrer Mauer liegen, ob die Ministerin sich weiterhin frei bewegen kann. Im Kampf um die palästinensische Identität weiß sie, dass sie gegen die Ideologen der Ausschließlichkeit ankämpfen muss. „So wie es falsch ist, dass das Grab der Erzmutter Rachel in Bethlehem als allein jüdisches Heiligtum gilt, so muss deutlich werden, dass zur palästinensischen Identität jede Schicht gehört, die die Archäologen hier ausgraben. Wir Palästinenser müssen wissen, dass unsere Identität durch alle drei Religi- onen geprägt ist, die hier entstanden.” Jede Woche, die wegen des Boykotts vergeht, sei verlorene Zeit, mahnt sie. „Jedes Zögern beunruhigt die Straße und stärkt jene in der Hamas, die von vornherein dagegen waren, unsere Gruppe von bürgerlichen, unabhängigen und Fatah-Politikern in die Regierung aufzunehmen." JörgBremerFAZ070327

Vatikan: Taufe eines prominenten Muslims durch den Papst erregt Aufsehen
Die Taufe des vom Islam zum katholischen Glauben konvertierten Publizisten Magdi Allam durch Papst Benedikt XVI. hat ein breites Medienecho in Italien ausgelöst. Zeitungen und Nachrichtensendungen meldeten ausführlich den Glaubensübertritt des Vize-Direktors der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Der 55-jährige, der zu den prominentesten Wortführern in der Islam-Debatte des Landes zählt, wurde als Sohn einer muslimischen Familie in Kairo geboren und ist seit 1986 italienischer Staatsbürger. Er war in der Oster- nacht im Petersdom gemeinsam mit sechs anderen Erwachsenen durch Benedikt XVI. in die katholische Kirche aufgenommen worden. Der Sprecher des italienischen Islam-Verbands UCOII, Izzedin El Zir, kommentierte in der Tageszeitung «Il Giornale» die Taufe mit den Worten, Allam sei «frei, seine persönliche Entscheidung zu treffen». Wichtig sei, so El Zir, «dass jeder seine Religiosität auf friedliche Weise und in Respekt vor den anderen Religionen lebt». Auf kritische Äußerungen Allams über die UCOII angesprochen, entgegnete der Verbandsvertreter, man ak- zeptiere «die Kritik, nicht die Lügen». Allam selbst legte im «Corriere» in einem umfangreichen Beitrag die Gründe seiner Konversion dar. Den Übertritt zum Katholizismus nannte er eine «radikale und endgültige Wende» gegenüber seiner Vergangen- heit sowie eine Absage an seinen früheren muslimischen Glauben. Er fühle sich befreit «von den Schatten einer Predigt, in der Hass und Intoleranz gegenüber dem ‘Anderen’, unkritisch als ‘feindlich’ Verurteilten Vor- rang haben vor der Liebe und dem Respekt vor dem Nächsten», schrieb der Journalist. Weiter machte Allam anhaltende Drohungen islamischer Extremisten für seine Entscheidung geltend. Seit fünf Jahren lebe er unter Polizeischutz. Er habe sich gefragt, wie es sein könne, dass er als überzeugter Verfechter eines gemäßigten Islam und Kritiker eines islamischen Extremismus und Terrorismus «im Namen des Islam zu Tode verurteilt» worden sei. Unmittelbar vor der Osternachtsfeier am Samstagabend hatte der vatikanische Pressesaal in einer Erklä- rung den Namen Allams als Taufbewerber bekanntgegeben. Der Publizist wurde darin als «bekannter Jour- nalist ägyptischer Herkunft» vorgestellt; den muslimischen Hintergrund erwähnte die Mitteilung nicht. «Für die katholische Kirche hat jede Person, die nach eingehender persönlicher Prüfung, einer freien Entscheidung und einer angemessenen Vorbereitung um den Empfang der Taufe bittet, das Recht, sie zu empfangen», erklärte der Vatikan weiter. Der Papst nehme die Taufen in der Osternacht «ohne Unterscheidung der Person» vor. rv-kna080323mc Reaktionen auf Taufe Dass der Papst in der Osternacht einen früheren Moslem getauft hat, führt zu Reaktionen in der islamischen Welt. Benedikt XVI. hatte im Petersdom den italienischen Journalisten Magdi Allam getauft; der Vize-Direktor der Tageszeitung „Corriere della Sera”, dessen Familie aus Ägypten stammt, ist schon seit längerem ein offener Kritiker von islamischem Fundamentalismus. „Al Quds al-arabi”, eine extreme arabische Tageszeitung, die in London verlegt wird, nimmt das Ereignis auf die Seite eins. Ihre Schlagzeile lautet: „Der Papst ruft bei Moslems Befremden hervor, weil er einen Ex-Moslem tauft, der Israel stützt und für seine Aversion gegen den Islam bekannt ist.” Die in Kairo erscheinende „Al-Masri el-jaum” behauptet, Allam sei für den italienischen Geheimdienst tätig und beleidige die Araber und Moslems immer wieder. Der Fernsehsender „al-Arabiya” nennt Magdi Allam „einen der umstrittensten Journalisten Italiens”, während auf der Internetseite der Tages- zeitung „El Shark El-Ausat” die Formulierung steht, das Wasser, das Papst Benedikt auf Allams Kopf gegossen habe, sei „wie Benzin auf das Feuer des Zusammenstoßes der Zivilisationen”. Nun sind allerdings empörte Kommentare in der arabischen Presse nicht immer zum Nennwert zu nehmen: Ressentiments, die durch jahrhundertelange Demütigungen genährt werden, machen sich traditionell in scharfen Worten Luft. Mit dem Sturm nach der Regensburger Rede des Papstes sind diese Kommentare über- haupt nicht zu vergleichen. Hinzu kommt, dass Allam sich tatsächlich oft mit eigenwilligen Meinungen exponiert hat; so gehörte er vor fünf Jahren zu den eifrigsten Befürwortern des Irak-Kriegs. Seinen Übertritt zum Christentum schildert der Journalist als persönliche Angelegenheit, als „langen inneren Weg”. Die Reaktionen in der islamischen Gemeinschaft Italiens sind denn auch verhalten: „Eine freie Wahl, die wir respektieren”, sagt der bekannte Moslem-Vertreter Mario Scialoja. Derweil hat der vatikanische „Dialog-Minister” Kardinal Jean-Louis Tauran die Taufe Allams während der Osternacht verteidigt. „Die Gewissensfreiheit ist ein Grundrecht”, sagte der Präsident des Päpstlichen Dialogrates einer Tageszeitung. Zudem mache der Papst bei der Auswahl der Täuflinge während des Oster- gottesdienstes keinen Unterschied. repubblica/rv080325sk
Benedikt tauft Magdi Allam
Der ägyptische Journalist Magdi Allam, 55, konvertierte in Italien vom Islam zur katholischen Kirche. Ostern wurde er von Papst Benedikt XVI. mit weiteren sechs Erwachsenen im Vatikan getauft. Sein Weg vom Islam zur Kirche
Magdi Allem hörte in der Osternacht in der St.Peters-Basilika die Worte des Papstes: “Eine Konversion ist nicht eine Wahl für einen Tag. Der Eintritt in die Kirche erweist sich im grundlegenden Verhalten im täglichen Leben. Konversion heißt”, erklärt Benedikt weiter, “seine Seele Jesus Christus zuzuwenden und somit zum lebendigen Gott, zum Licht. Das Herz wird zu Gott erhoben über alle schwere Gedanken, über unsere Sehn- süchte und Ängste und unsere Zerstreuung. Konversion bedeutet, sich immer und immer wieder von falschen Wegen abwenden. Immer aufs Neue müssen wir unserem Herz erlauben sich von der Schwere freizumachen, die es herunterzieht und tiefinnerlich müssen wir unser Herz emporheben zur Wahrheit und Liebe.” Nach diesen Worten taufte der Papst die sieben erwachsenen Taufbewerber im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Allam ist stellvertretender Direktor des “Corriere della Sera”, einer der ältesten und größten Tageszeitungen in Italien. Als Moslem lebt er seit fast 35 Jahren in Italien. Nach seiner Taufe sagt er: “Für mich ist dies der schönste Tag meines Lebens.” Im Corriere della Sera begründete er öffentlich den Weg zum Christentum. Als Taufnamen wählte er Christian. Das Zeugnis von katholischen Christen spielte eine bedeutende Rolle bei seiner Konversion. Schritt für Schritt hätten sie ihm die Gewissheit der Wahrheit und die Tragfähigkeit der Werte vermittelt. Unter diesen Christen nannte Allam besonders den Präsidenten der Bewegung “Gemein- schaft und Befreiung” Pater Julia Carron; den Rektor des Salesianer-Ordens Pascual Chavez Villanueva; den vatikanischen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone und den Rektor der Lateran-Universität Bischof Rino Fisichella, der ihn persönlich begleitete auf dem Weg zur Annahme des christlichen Glaubens. Allam erklärt: “Der entscheidende Einfluss kam von Benedikt XVI., den ich als Moslem bewunderte, weil er meisterlich die unauflösliche Verbindung zwischen Glaube und Vernunft verteidigt als Grundlage der authen- tischen Religion und der menschlichen Zivilisation. Vollkommen folge ich als Christ Benedikt und lasse mich von ihm mit neuem Licht inspirieren, damit ich die Sendung, die Gott für mich vorgesehen hat, erfüllen kann.” Dann spricht Allam über seine Konversion: “Ich habe mich der christlich-katholischen Religion zugewandt und widerrufe meinen früheren islamischen Glauben. Endlich also sehe ich durch göttliche Gnade das Licht – die gesunde Frucht des Reifeprozesses, lebe in Freud und Leid, und zugleich in innerlicher und gewissenhafter Reflexion. Das Geschenk des christlichen Glaubens während der Feier der Auferstehung Christi aus der Hand des Heiligen Vaters zu erhalten, ist für einen Gläubigen ein unvergleichliches und unschätzbares Privileg. Mit fast 56 Jahren ist dies ein historisches, außerordentliches und unvergessliches Ereignis, das eine radikale und endgültige Wende im Blick auf das Vergangene bezeichnet. Das Wunder der Auferstehung Christi erschüttert meine Seele, befreit sie von der Dunkelheit der Verbreitung von Hass und Intoleranz gegenüber den “anderen”, die kritiklos zu ‘Feinden’ erklärt werden und sich somit über Liebe und Respekt für den Nächsten hinwegsetzen, der immer und in jedem Fall ‘Person’ ist. Nun, da mein Verstand befreit ist vom ideologischen Obskurantismus, der Lüge und Täuschung rechtfertigt, vor brutalem Tod, bis hin zu Mord und Selbstmord, befreit von blinder Tyran- nei, jetzt folge ich der wahren, authentischen Religion der Wahrheit, des Lebens und der Freiheit.” Allam sagt, dass er als Christ an seinem ersten Osterfest Jesus entdeckte, mehr noch: zum ersten Mal ent- deckte er das Antlitz der wahren und einzigen Gottes, den Gott des Glaubens und der Vernunft. Dann erklärt er: “Meine Bekehrung zur katholischen Kirche ist ein langsames Hinabsteigen in eine tiefinnerliche Meditation, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Seit fünf Jahren bin ich zu einem Leben unter Bewachung verurteilt, zuhause dauernd unter Bewachung und unter ständigem Polizeischutz, wegen der Todesdrohungen und der Todesurteile von islamischen Extremisten und Terroristen in Italien und auch aus dem Ausland. Die Haltung derer, die öffentlich ‘Fatwas’ (juristische islamische Urteile) gegen mich erlassen, müssen mir zu denken ge- ben. Fatwas gegen mich – ich war ein Moslem – als ‘Feind des Islam’, verleumdet als ‘koptischer Christ, der sich als Muslim ausgibt, um dem Islam Schaden zuzufügen’, als ‘Lügner und Verleumder des Islam’ begrün- deten mein Todesurteil. Ich fragte mich, wie ist es nur möglich, dass solche Menschen wie ich, die ernstlich und laut nach einem ‘gemäßigten Islam’ rufen, die öffentlich Verantwortung übernehmen und den islamischen Extremismus und Terrorismus anklagen, eben deswegen im Namen des Islam und auf der Grundlage des Korans zum Tode verurteilt werden. Ich musste erkennen, dass ein global operierender islamischer Extre- mismus und Terrorismus seine Wurzel in einem Islam findet, der real gewalttätig und historisch konfliktträchtig existiert.” Allam war vier Jahre alt, als seine Mutter Safeya – eine gläubige und praktizierende Muslima – ihm in ein erstes ‘zufälliges Ereignis’ führte, das wie sich zeigen wird, keineswegs Zufall war, sondern ein wesentlicher Teil der göttlichen Vorsehung. Die Mutter vertraute ihn der Fürsorge von Sr. Lavinia von den Comboni- Missionsschwestern an, überzeugt von der guten Erziehung der italienischen Ordensschwestern, die nach seiner Geburtsstadt Kairo gekommen waren, um durch ein karitatives Werk Zeugnis für den christlichen Glau- ben zu geben. Allam sagt: “So begann ich meine Lebenserfahrung in einer Klosterschule. Es folgte die Oberstufe und das Ordens-Gymnasium Don Bosco der Salesianer, wo mir nicht nur Wissen vermittelt wurde, sondern vor allem auch das Bewusstsein für Werte. Ich verdanke katholischen Ordensleuten die Vermittlung von wesentlichen und tiefen Werten für das Leben: die geschaffene Person als Ebenbild Gottes ist zur Mit- arbeit an einem universalen und ewigen Plan gerufen, der hinführt auf die Auferstehung der Menschen in dieser Welt und der ganzen Menschheit am Tage des Gerichts. Der Grund dafür ist der Glaube an Gott und der Primat der Werte, die persönliche Verantwortung kennt und auch Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Dank der christlichen Erziehung und der Teilhabe an den Lebenserfahrungen der Ordensleute wuchs in mir ein tiefer transzendentaler Glaube und auch das Suchen nach Gewissheit der Wahrheit in absoluten und univer- salen Werten. Es gab eine Zeit, als die liebende Nähe meiner Mutter und religiöser Eifer mich näher zum Islam führten. Diesen Glauben praktizierte ich auf kultureller Ebene und ich hielt das damals – es war in den 70er Jahren – für eine geistliches Leben entsprechend der Auffassung der damaligen Zeit. Im Kontext des Nasser-Regimes war dieser Glaube respektvoll zu Personen und tolerant gegenüber dem Nächsten. Damals galt das Prinzip der Trennung zwischen der religiösen und weltlichen Sphäre.” Allams Vater Muhammad war vollkommen weltlich gesinnt. Er stimmte mit der Meinung der Mehrheit der Ägypter überein, hielt den Westen als Modell für die bürgerliche Freiheit und Gesellschaft, sowie die moderne Kultur und Kunst. Auch der politische Totalitarismus Nassers und die kriegerische Ideologie des Panarabismus, der die physische Vernichtung Israels zum Ziel hatte, und der unglücklicherweise zum Desaster für Ägypten führte, das wiederum zur Erstarkung des Pan-Islamismus führte und zum Aufstieg islamischer Extremisten zur Macht und zur Explosion des weltweiten islamischen Terrorismus. Die langen Jahre nach der Schulzeit erlaubten Allam die katholische Kirche näher kennen zu lernen und erlebte Frauen und Männern näher, die in der Kirche ihr Leben Gott geweiht hatten. Schon damals las er die Bibel und die Evangelien und gibt zu, dass er “besonders fasziniert von der menschlichen und göttlichen Person des Jesus”. Er sagt: “Ich besuchte regelmäßig die Heilige Messe. Einmal ging ich zum Altar, um die heilige Kommunion zu empfangen. Es war eine Geste die meine Nähe zum Christentum zeigte und meinen sehnlichen Wunsch, Teil dieser katholischen religiösen Gemeinschaft zu werden. Nach meiner Ankunft in Italien – Anfang der 70-er Jahre – zwischen den Ufern der Studentenrevolte und den Schwierigkeiten der Integration, ging ich durch eine atheistische Lebensphase, den ich als Fundament absoluter und universaler Werte verstand. Niemals war mir die Gegenwart Gottes gleichgültig, gerade jetzt fühlte ich, dass der Gott der Liebe, des Glaubens und der Vernunft sich vollkommen vereint mit dem väterlichen Erbe der Werte, die in mir verwurzelt sind.” Aber fürchtet Allam jetzt um sein Leben, ist er sich bewusst, dass der Übertritt zum Christentum ihn erneut und noch härter mit der Todes-Fatwa bedroht, die für den Abfall vom Islam den Tod kennt. Ja, er weiß darum und sagt: “Ich kenne diese Drohung; aber ich begegne meinem Schicksal mit erhobenen Haupt und aufrechter Haltung und mit der inneren Festigkeit eines Menschen der seines Glaubens sicher ist. Und ich stehe nach der mutigen und historischen Geste des Papstes um so mehr dazu. Sobald Benedikt XVI. von meinem sehnlichen Wunsch erfuhr, entschied er sofort, die christlichen Sakramente der Eingliederung an mir persönlich zu voll- ziehen.” CT080406TimConroy
Allam veröffentlicht Buch über Glaubensübertritt Der von Papst Benedikt XVI. getaufte italienische Publizist und Ex-Moslem Magdi Allam hat ein Buch über seinen Glaubensübertritt veröffentlicht. Die Autobiografie mit dem Titel „Danke Jesus. Meine Konversion vom Islam zum Katholizismus” ist in Italien im Handel. Die Taufe des aus Ägypten stammenden Allam durch den Papst in der Osternacht hatte international für Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Allam, der zu den prominentesten Muslimen Italiens gehörte, hatte in einem Leitartikel einen Tag nach seiner Taufe dem Islam Hass und Intoleranz vorgeworfen. Der Vatikan hatte die Äußerungen des Publizisten in einer Stellungnahme als Privatmeinung bezeichnet. DT080514

Foto oben: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung der Spanierin Inma Shara hat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.
Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechtserklärung. Auf dem Pro- gramm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla. Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble und seiner Gastdirigentin für die „eindrucksvolle“ Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. HA081212kna

Papst Benedikt blickt skeptisch auf den Auftritt von Bob Dylan Fotos von links: Papst Benedikt XVI., Bob Dylan, Papst Johannes Paul II.
Als er hörte, dass Papst Johannes Paul II. mit Bob Dylan zusammen bei einem Konzert 1997 auf der Bühne stehen sollte, war der damalige Kardinal Joseph Ratzinger derart entsetzt, dass er diesen Doppel-Auftritt zu verhindern suchte. Ohne Erfolg. Der damalige Papst entschied anders. In seinem neuen Buch: “Johannes Paul II. - mein geliebter Vorgänger” berichtet er darüber. Während er mit seinem Vorgänger in den meisten Dingen übereinstimmte, hätte er dessen Vorliebe für Pop-Musik nicht geteilt. “Es gab Gründe, skeptisch zu sein, und das war ich denn auch. Heute sehe ich das immer noch so.” Auf dem Internationalen Eucharistischen Kongress in Bologna mit 300.000 Teilnehmern im Jahre 1997, sang Bob Dylan sein Knockin' on Heaven's Door und A Hard Rain's A-Gonna Fall – den Antikriegsklassiker - und als Zugabe: Forever Young. Bob Dylan sang nicht seinen 1963-er Hit Blowin' in the Wind. Papst Johannes Paul II. zeigte damals, dass er mit diesem Song vertraut war, und erwähnte das in seiner Predigt, um damit eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Der Papst sagte: “Sie singen: 'die Antwort liegt im Wind', mein Freund. Aber es ist so: Es ist nicht der Wind, der die Dinge wegweht, es ist der Atem und das Leben des Heiligen Geistes, dessen Stimme ruft: Komm!” Johannes Paul II. fuhr dann fort: “Im Lied heißt es: Wie viele Straßen muss ein Mann gehen, bis er ein Mann wird. Ich antworte: “Es gibt nur eine Straße für den Menschen, und der Weg ist Jesus Christus, der sagt: 'Ich bin der Weg und das Leben'!” Papst Benedikt, der Mozart vorzieht, fragt sich noch heute, ob es recht war, vor dem Papst diesen jungen so genannten Propheten auftreten zu lassen. Benedikt sieht in der Message des Sängers im Konzert von 1997 eine völlig andere Botschaft als die Verkündigung, die Johannes Paul II. rüberbringen wollte. TimConroyCT070318
Jacques Fesch Bekehrung in der Todeszelle
Eines der erschütterndsten Zeugnisse, wie Gott im 20. Jahrhundert die Umkehr und den geistigen Aufstieg einer Seele wirkte, ist zweifellos Jacques Fesch (1930 - 1957), der am 1. Oktober 1957, durch die Guillotine hingerichtet wurde. Als Jean Maria Kardinal Lustiger, der damalige Erzbischof von Paris und geschätzter Freund Papst Johannes Pauls II., im Dezember 1993 eine Voruntersuchung für die Seligsprechung des 27-jährigen Polizistenmörders einleitete, erregte er damit in Frankreich viel Anstoß. Ein zum Tod verurteilter Krimineller als Heiliger? siehe Bericht > Heilige - ? Welche Provokation! Dennoch zögerte der Kardinal nicht, allen kritischen Stimmen ent- gegenzuhalten: “Vor Gott ist keiner endgültig verloren, auch nicht wenn die Gesellschaft ihn verurteilt hat. Ich hoffe, dass Jacques Fesch eines Tages als Heiliger verehrt wird. Dies würde all jenen große Hoffnung geben, die sich selbst verachten und die sich als unverbesserlich und hoffnungslos verloren glauben.” Rastlos und unglücklich In einer Vorstadt in Paris wuchs Jacques Fesch als Jüngster einer reichen Familie auf. Der Vater war Bank- direktor, Atheist, zynisch und an seinen Kindern kaum interessiert. Die Mutter, religiös und von gutem Charak- ter, war so sehr in sich gekehrt,dass sie der Familie keine Wärme, Vertrautheit und Führung schenken konnte. Vom Elternhaus vernachlässigt, war Jacques also schon als Kind ganz auf sich gestellt. “Meine Eltern ver- standen sich nicht. Die Folge war eine unerträgliche Atmosphäre in unserer Familie. Es gab keine gegenseitige Achtung, keine Liebe. Wir waren wie Monster an Egoismus und Stolz.” Der verschlossene Junge musste wegen seines Leistungsabfalls mehrmals die Schule wechseln. Zwar war “der große Blonde mit der vielen Kohle” wegen seiner Freigebigkeit in der Jugendbande und auf Partys gern gesehen und von vielen Mädchen wegen seines guten Aussehens umschwärmt, aber in Wirklichkeit hatte er keinen einzigen Freund. Mit 19 Jahren unterbrach er schließlich seine Studien und arbeitete lustlos beim Vater in der Bank, bis er zum Militär- dienst nach Deutschland musste. Seine Liebesaffäre mit Pierrette Polack, einem katholischen Mädchen eben- falls aus reichem Hause, mündete 1951 für die beiden Gleichaltrigen in einer standesamtlichen Ehe. Einen Monat später kam ihre Tochter Veronique zur Welt. “Ich liebte meine Frau nicht wirklich, aber wir waren gute Freunde... Meine Tochter hingegen liebte ich ... Ich war eine schwache Natur und hatte einen sehr labilen Charakter, suchte immer den bequemsten Weg.” So schlug nicht nur sein beruflicher Einsatz im Betrieb seines Schwagers fehl, sondern es dauerte auch nicht lange, bis Pierrette mit dem Kind zu ihrer Familie zurückkehrte. Wieder einmal half Mutter Fesch ihrem Sohn und überwies im eine Million Francs, um ein Geschäft aufzubauen. “Beim ersten Misserfolg habe ich alles hin- geworfen. Meine Mutter hatte mich vor die Tür gesetzt, und in der Firma hatte ich hohe Schulden. Was sollte ich in dieser Lage tun? Es war besser, sich einfach aus dem Staub zu machen.” Allein, ohne wirkliches Lebensziel, wurde ihm der Wunsch nach fernen Inseln und einem Segelboot zur fixen Idee. Dafür beging der 23-Jährige im Februar 1954 einen dramatischen Überfall auf den jüdischen Geldwechs- ler Silberstein, bei dem er eine große Menge Goldbarren bestellt hatte. Anstatt zu bezahlen, schlug er dem alten Mann die Pistole seines Vaters über den Kopf und flüchtete kopflos ohne große Beute. Jacques verlor die Brille, und als ihn ein Polizist stellte, drückte er unter seinem Mantel einfach ab. Herzschuss! “Ich sah nichts, ich handelte wie unter Zwang, wie ein Besessener: Was dann kam, war ... ein Mord und das Einfangen eines wilden Tieres. Dann saß ich im Gefängnis”, angeklagt des bewaffneten Raubüberfalls und des Mordes am 35jährigen Polizisten Georges Vergnes, der als Witwer und Alleinerzieher für seine vierjährige Tochter gesorgt hatte. Ich habe keinen Glauben Zu Beginn seiner gut dreieinhalb Jahre in strenger Einzelhaft wollte Jacques Fesch nichts von Gott hören. “Sechs oder sieben Jahre hatte ich ein Leben ohne Gott geführt ... aus Egoismus und Kälte. Ich war nicht fähig zu lieben. Wenn man von Gott sprach, war meine Antwort: Eine schöne Legende, ein Trost für Menschen, die leiden. Religion ist etwas für Sklaven und Unterdrückte.” Schroff wies er Pater Devoyod, den Gefängnis- seelsorger, beim ersten Besuch zurück: “Ich habe keinen Glauben. Die Mühe lohnt sich nicht.” Als überzeugter Atheist wollte er sogar seinen brillanten Anwalt, Paul Baudet, einen eifrigen Neubekehrten und Karmeliter- Terziar, mit intellektuellen Argumenten davon überzeugen, dass es kein geistiges Leben gebe. Im Laufe der folgenden acht Monate jedoch sehnte Jacques die täglichen Gespräche mit dem gütigen und geduldigen P. Devoyod geradezu herbei: "Schritt für Schritt kam ich so weit, dass ich meine früheren Anschauungen über- prüfte. Ich wurde empfänglich für den Glauben, ohne ihn jedoch zu besitzen. Ich versuchte mit dem Verstand zu glauben.” Bekehrungsnacht “Nach einem Jahr Haft, als ich eines Abends mit offenen Augen auf dem Bett lag und litt wie nie zuvor, da entrang sich meinem Herzen ein Hilferuf: ‘Mein Gott!’ Und augenblicklich - wie ein heftiger Wind, von dem ich nicht wusste, woher er kam - packte mich der Geist des Herrn am Hals. Es war keine Einbildung, ich spürte ganz deutlich, wie der Hals zugeschnürt war und ein neuer Geist in mich hineinkam. Es durchdrang mich ein Empfinden unendlicher Kraft und Sanftmut, ein so starker Eindruck, den man nicht lange ertragen könnte. Ab diesem Moment glaubte ich mit einer unerschütterlichen Gewissheit, die mich nie mehr verließ.” In einem von vielen wunderschönen Briefen an Br. Thomas, Benediktiner und selbst Bekehrter, der Jacques zum vertrautesten Freund auf dem Bekehrungsweg wurde, hieß es: “Ich verstehe nicht, wie ich es vorher überhaupt fertig brachte, nicht zu glauben. Die Gnade ist bei mir eingekehrt, eine große Freude überkam mich, und vor allem erfüllt mich ein tiefer Friede. Alles wurde hell und klar in wenigen Augenblicken. Ich bin völlig ‘umgekrempelt’. Eine starke Hand hat mich umgewendet wie einen Handschuh. Vorher war ich nur ein lebendiger Leichnam. Ich danke dem Herrn mit all meinen Kräften, dass Er in meiner höchsten Not Mitleid mit mir hatte und auf mein Verbrechen mit Seiner Liebe antwortete. Ich musste zum ersten Mal weinen, als ich die Gewissheit hatte, dass Gott mir verziehen hat.” In den letzten zwei Lebensjahren begann der 25-jährige Gefangene sich intensiv auf Gott auszurichten: Rosenkranz, Kreuzwegmeditation, Lesen der Messtexte, der Heiligen Schrift und des Breviers gehörten bald zu seinem neuen Alltag. Dennoch blieb stets ein geistiges Ringen “in der Einsamkeit und dem ewigen Eingeschlossensein in den vier Wänden. Oft falle ich noch in eine Art Apathie und Resignation zurück. Zu meiner Bestürzung stelle ich fest, dass alles, was ich längst hinter mir wähnte ... noch immer vor meiner Seele hockt. Die ganzen schlechten Gedanken, wie ich sie vor meiner Bekehrung kannte, überfallen mich mit gleicher Heftigkeit und bringen mein Denken auf Abwege, so dass ich alle Kraft zusammennehmen muss, um sie niederzukämpfen. Doch ich glaube und vertraue alle meine Leiden und Schmerzen Christus an. Er versteht sie.” Schreiben und Lesen wurden Jacques’ Leidenschaft. Er verschlang in einem Jahr über 200 Bücher, darunter auch viele Heiligenbiographien. Sühneopfer für alle, die ich liebe Mit der Familie kam es zu ganz neuen Kontakten. Die krebskranke Mutter Fesch konnte zwar ihren Sohn nicht besuchen, fand aber selbst tief zum Glauben zurück und begann für Jacques zu beten. Sie bot Gott sogar ihr Leben für seine Rettung an, “für einen guten Tod”. War sie doch von Anfang an überzeugt, er werde einmal hingerichtet werden. Sie schickte ihm auch ein Buch über Fatima, das Jacques mehrmals begeistert las. Als er dann am 6. April 1957, an seinem 27. Geburtstag, tatsächlich zum Tod verurteilt wurde, erinnerte er sich an die Worte Mariens an die drei Fatimakinder: für die Bekehrung der Sünder zu beten und Opfer zu bringen als Wiedergutmachung für ihre Sünden. Er fiel in der Todeszelle Nr. 18 auf die Knie und betete: “Herr, hilf mir! Ich opfere Dir meine Leiden auf!” Er entschloss sich: “Anstatt sinnlos zu sterben, werde ich meinen Tod für alle aufopfern, die ich liebe. In meiner Familie ist eine komplette Auferstehung zu wirken. Ich habe noch zwei Monate vor mir und weiß jetzt, was Jesus von mir will: dass ich meinen Willen ganz dem Seinen unterwerfe, dass ich ja sage zum Sühnopfer. Möge mein Blut, das fließen wird, von Gott als ein Ganzopfer angenommen werden und jeder Tropfen meines Blutes eine schwere Todsünde auslöschen.” Doch auch schwere Stunden folgten, in denen Jacques offen gestand: “Ich murre immer wieder gegen den Ratschluss des Herrn (die Verurteilung zum Tode). Ich komme mir vor wie ein böser, alter Gaul, der fest an der Kandare gehalten wird und sich dauernd auf die Hinterbeine stellt, weil er wieder in den Stall der Sünde zurücktraben möchte ... Wenn ich weiterleben würde, könnte ich nicht auf diesem Niveau bleiben, das ich erreicht habe. Es ist besser, dass ich sterbe.” Jacques als Missionar In den letzten Wochen hatte Jacques die Freude, in seinem engsten Kreis mehrere Bekehrungen zu erleben. Seine Mutter hatte 1956 ein christliches Sterben. Seine Schwiegermutter “Mama Marinette” Polack, seine “kostbare Vertraute”, versöhnte sich mit der Kirche, und auch eine seiner Schwestern bekehrte sich. “Seitdem ich hier bin, sind alle in sich gegangen. Die Familie trifft sich wieder und erlebt eine allmähliche Wandlung”, konnte er glücklich feststellen. “Jetzt müssen nur mehr meine zweite Schwester und mein Vater gewonnen werden. Er besucht mich jede Woche und ist als eingefleischter Atheist immer noch genauso fanatisch wie früher. Seit wenigstens 45 Jahren hat er keinen Beichtstuhl mehr von innen gesehen. Ich opfere mein Leben für ihn auf und bin sicher, dass Jesus Mitleid mit ihm haben wird. Wann das sein wird, das weiß allerdings nur Er.” Am allermeisten lagen Jacques aber seine sechsjährige Tochter und seine Frau Pierrette am Herzen. Eine ganz neue ungekannte Liebe war in ihm aufgebrochen, und er schrieb seiner Frau mehr als 350 Briefe aus dem Gefängnis. Sie ihrerseits besuchte ihn pünktlich jeden Samstag, spürte aber: “Mein Jacques ist schon im Himmel, und ich befinde mich irgendwo unten auf dem Fußschemel. Er ist ein ganz anderer geworden.” Doch sein inneres Ringen war nicht umsonst! “Langsam beginnt auch sie Gott zu suchen, aber der Weg ist schwer. Ich glaube, sie fängt an zu begreifen.” Sein größter Wunsch war, dass sie auch vor Gott ein Paar würden. “In der Frage der kirchlichen Trauung wusste ich nicht, was ich tun sollte, und habe deshalb die Gottesmutter gebeten, dass sie sich der Sache annimmt. Und plötzlich gibt es keine Probleme mehr!” Pierrette teilt ihm beim allerletzten Besuch sogar mit Freude mit, sie werde als Vorbereitung auf die Heirat beichten und kommunizieren. Das erste Mal seit Kinder- tagen! Ein Wunder! Am Abend vor der Enthauptung fand die Ferntrauung statt. Selbst seine Aufseher und Mithäftlinge wollte Jacques bis zuletzt für den Glauben gewinnen. So schrieb er im letzten Lebensmonat: “Heute morgen habe ich eine gute Nachricht erhalten: Man sagte mir, dass ein Kame- rad sich taufen ließ und in diesen Tagen die Erstkommunion empfing. Es scheint, dass meine Gespräche (beim Gehen im Hof) ihn allmählich dazu geführt haben, über sein Leben nachzudenken und sich zu bekehren! Ich bin glücklich, dass ich dem Herrn bei einer so lobenswerten Sache als Werkzeug dienen konnte.” Sein liebster Mithäftling war André Hirth, der in der Zelle über ihm war. Ohne einander je zu sehen, hatten die beiden durch die vergitterten Fenster oft lange Gespräche geführt, welche die Bekehrung von André vorbereiteten, der 1987, 30 Jahre später, berichtete: “Ich bewunderte seinen großen Mut, diesen Glauben, den er hatte. Diesen Glauben, den ich noch nicht hatte, den ich anfangs überhaupt nicht verstand.” In der Nacht vor der Hinrichtung nahm Jacques Abschied: “Weißt du, André, wir können nicht wirklich sagen, dass wir uns kennen. Trotzdem weiß ich ... du musst den Weg ändern, sonst ergeht es dir wie mir ... Andre, wenn wir uns dann dort oben treffen, werde ich dich sicher an deiner Stimme erkennen. So sage ich dir ganz einfach: ‘Auf Wiedersehen!’ Wenn du einmal meine Tochter siehst, sag ihr, wie sehr mir alles leid tut und wie sehr ich sie liebe.” “Und ich habe zu ihm gesagt: ‘Ciao, sei tapfer, Brüderchen!’, und ich weinte wie ein kleiner Bub.” Bald werde ich Jesus sehen Die Hinrichtung wurde für den 1. Oktober 1957 festgelegt. Die ganze letzte Nacht schrieb Jacques Ab- schiedsbriefe und an seinem Tagebuch, das er vor zwei Monaten begonnen hatte, um es als kostbares Testament seiner Tochter Veronique zu hinterlassen. Darin hieß es: “Jesus hat mir versprochen, dass er mich sofort ins Paradies führen wird. Meine Augen sind auf das Kreuz geheftet, und meine Blicke hängen an den Wunden meines Erlösers. Ich wiederhole ohne Unterlass: ‘Es geschieht für DICH!’ Dieses Bild will ich mir bewahren bis zu meinem Ende, denn verglichen mit dem, was Er erlitten hat, ist mein Leiden gering. Ich erwarte die Liebe. In fünf Stunden werde ich Jesus sehen!” Während des Wartens in der Zelle brach unerwartet eine wahre Agonie in diese geläuterte Seele ein: “Mein Herz klopft wie wild in meiner Brust. Heilige Jungfrau, hilf mir! Ich spüre die ganze Bitterkeit dieser Stunde.” Das Tagebuch endet mit den Worten: “Heilige Jungfrau, steh mir bei! Adieu, lebt wohl! Der Herr segne euch!” Um 5.30 Uhr war es so weit: Man fand Jacques neben dem Bett kniend im Gebet. Bleich, aber gefasst beichtete und kommunizierte er ein letztes Mal. Als man ihn vor die Guillotine geführt hatte, wünschte er, man möge ihm ein Kreuz reichen. Er küsste es lange und innig. Nachdem er alle erneut um Vergebung gebeten hatte, legte er sein Haupt unter das Fallbeil mit den Worten: “Herr, verlass mich nicht!” Quelle: Französisches Tagebuch von J. Fesch und Briefe aus der Todeszelle, Herder Verlag 1974.

Prälat Dr. Georg Gänswein - Privatsekretär des Papstes Nachts im Vatikan und fast beim Papst: Ein Besuch bei “Don Giorgio”
Oberstleutnant Jean Daniel Pitteloud ist ein äußerst zuvorkommender Mann. Der schmale Schweizer steht zur vereinbarten Zeit an der Pforte Sant' Anna im Vatikan und erweckt den Eindruck, als könnte ihm nichts eine größere Freude bereiten, als den Gast an seinen Bestimmungsort zu bringen. Ein Zauberwort hat genügt, um Einlass zu finden: Don Giorgio. Aber bei allem charmanten Geplauder vergisst er nie, seine Umgebung zu mustern und auf verdächtige Bewegungen hin zu untersuchen. Der studierte Jurist aus dem Waadtland ist der zweite Mann der Schweizer Garde, er kommandiert das französisch-sprachige zweite Geschwader. Beinahe unmerklich vermittelt er das Gefühl, man sei gerade Teil einer eminenten Mission. Dieses Gefühl ver- stärkt sich, als wir nach Durchquerung eines Innenhofs im zweiten Stock in einen zweiten Lift steigen, der uns in der „Seconda Loggia” entlässt. Tagsüber bedienen Livrierte den Aufzug, aber jetzt am Abend sind wir hier allein auf weiten Fluren. Der zweite Stock des päpstlichen Palastes birgt die Herzkammer der vatikanischen Diplomatie. Audienzsäle, Kabinette, Büros, festgeschriebene Wege zum Heiligen Vater und wieder fort von ihm, ohne den nächsten Besucher zu Gesicht zu bekommen. Der Oberstleutnant verabschiedet sich, ein Diener in hellgrauem Frack erwartet den Besucher am Eingang zur Sala Clementina. In diesem Saal empfängt der Papst üblicherweise größere Gruppen bei Privataudienzen. Gut ein halbes Tausend Gläubige findet hier Platz. So viel zur Privatheit. Aber beim obersten Vertreter einer Milliarde Katholiken muss man andere Maßstäbe anlegen. Ein Wunder, dass er mit nur einem Privatsekretär auskommt. Dieser steht nun lächelnd unter der breiten Flügeltür: der hochwürdige Herr Prälat Dr. Georg Gänswein alias Don Giorgio. Schwarm der Massenmedien, Traumbild eines Priesters, der die Damenwelt in Verzückung ge- raten lässt. Ein attraktiver Vertreter seines Geschlechts, die beste Werbung für die Generation fünfzig plus (nun gut, Gänswein ist noch nicht einmal einundfünfzig). Gardemaß, graumeliert, gertenschlank, schwarzer Talar, leuchtend rote Seidenschärpe, Manschetten zum blütenweißen Hemd, eine schlichte goldene Armband- uhr mit Lederband, kein Ring. Dass er schon zwölf Stunden Arbeit hinter sich und noch mehrere vor sich hat, sieht man ihm nicht an. Gänswein lebt in enger Tuchfühlung mit dem Papst, in einer Art Wohngemeinschaft: Über Benedikts Woh- nung im dritten Stock befindet sich noch ein Mezzanin-Geschoss, dort wohnt der Privatsekretär mit Blick auf den Petersplatz, wenn er denn zum Blicken und zum Wohnen kommt: die meiste Zeit des Tages, beginnend mit einer Andacht um sieben Uhr früh, verbringt er im Dienst seiner Kirche. 2003 hatte ihn der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, zum Sekretär ernannt. Als Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt wurde, zog Gänswein mit um. „Diese zwei Jahre als Privatsekretär waren eine Hilfe bei der Vorbereitung auf das neue Amt, ich konnte gleichsam die Melodie des Kardinals aufnehmen.” An ihm vorbei zum Papst zu kommen ist nicht einfach: Don Giorgio filtert aus der Lawine der anbrandenden Post, Anrufe und Audienzwünsche jenes Maß an Wichtigkeiten heraus, das es dem Papst möglich macht, arbeitsfähig zu bleiben. Derzeit laufen die Ad-limina-Gespräche mit den italienischen Bischöfen. Zweihundert- zwanzig Würdenträger haben jeweils ein Anrecht auf ein viertelstündiges Vieraugengespräch mit dem Papst. Buchstäblich die ganze Welt macht so hier ihre Aufwartung. Für Georg Gänswein ist es ein Dienst im Dienst der Hierarchie. Der fehlende direkte Kontakt zu den Gläubigen, das sei die offene Wunde in dem Unikatsleben, das er derzeit führe: „Das ist ja das, wofür einer zum Priester geweiht wird. Ein Minimum an Außenkontakt ist unbedingt notwendig, um den Bezug zur Welt nicht zu verlieren.” Ein Priester gelobt: Gehorsam, Zölibat, Ar- mut. Gänswein kennt die Anfechtungen aus seiner Zeit als Wissenschaftler. Kanonisches Recht studierte der 1984 zum Priester Geweihte bei Winfried Aymans in München. Aber die Nur-Wissenschaft, befindet er in der Nach- betrachtung, berge die Gefahr, das Wesen des Priesterlichen zu reduzieren - und dann werde es gefährlich, weil die anonyme Lebensform des Forschers für den geistlichen Beruf eine Fußangel darstelle. Als Assistent von Aymans hat er sieben Jahre in München gelebt; als Schulseelsorger fuhr er jeden Tag mit dem Fahrrad von der Nymphenburger Straße in die Au. Seine Promotion wurde als Standardwerk begrüßt. Da war es nicht mehr weit nach Rom, ein Jahr noch als Domvikar im heimatlichen Bistum Freiburg - dann kam 1995 der Ruf. Und jetzt: Öffentlichkeit im Übermaß, immer im Schatten des Papstes. Anders als seine Altersgenossen, die dem Shareholdervalue nachrennen, opfert er sich dem Wohlergehen des Pontifex. Gänswein beteuert, ihm gehe es nicht um eine Machtposition, sondern darum, vom vergleichsweise kleinen vatikanischen Apparat aus die große Weltkirche zu befeuern. Und zwar schnell, präzise und effizient. Das hat seinen Preis: „Vom Stoß- dämpfer her betrachtet, fahre ich relativ weit unten”, sagt Don Giorgio, um seine Arbeitsbelastung zu be- schreiben. Alle drei bis vier Wochen versuche er, einen dreiviertel Tag freizuhaben. Wenn möglich, fährt er dann in die Abruzzen, ins Gebiet des Gran Sasso, gute hundert Kilometer von Rom. Zwar könne man dort Ski fahren, aber im Vergleich zu den Pisten der Alpen seien die Möglichkeiten doch arg bescheiden. Der Südbadener, der aus dem 450-Seelen-Dorf Riedern am Wald stammt, gilt seit Jugendtagen als guter Skifahrer, Fußballer und Tennisspieler. Für solche Hobbys ist der Vatikan eine Fehlbuchung. Ab und an eine Stunde Tennis, das lässt sich machen. Sein Idole: Björn Borg, Steffi Graf. Und anfangs, sagt er mit einem Anflug von Ironie, „natürlich der junge Boris Becker, bis ich die ersten Interviews mit ihm gehört habe”. Bei unserem ersten Treffen am Vormittag wirkte der Privatsekretär noch wesentlich angespannter. Aber schon der erste Weg zu ihm war ein inszenatorisches Erlebnis gewesen. Keine Passkontrolle, kein Sicher- heitscheck, und wo hängt die Videokamera? Anmeldung am Bronzenen Tor. Erst ein stählerner Vertreter der weltlichen Polizia, der einen zum ersten Schweizer Gardisten schickt, von dort in einen Warteraum. Es folgt ein Offizier der Garde in Zivil, der einen die breiten Treppen hinauf in den Hof des Apostolischen Palastes führt. In der Sala Clementina salutieren Gardisten gerade einem Bischof, der seinen Besuch schon hinter sich hat. Je näher man zum Papst kommt, desto geistlicher wird das Personal, vom angestellten Saaldiener bis zu den Gentiluomini, mit Orden behangene Ehrendiener im Frack, die nach wie vor aus dem Adel rekrutiert werden, dann Priester. Man sitzt und wartet in einem Zwischenreich. Eine antike Uhr zählt tickend die Sekunden, die Lederschuhe des Gardisten, der den Durchgang zu den Kabinetten bewacht, knarren kaum vernehmbar. Nach sieben Minuten führt ein Gardist den Gast zu einem Kabinett, das sich als Sprechzimmer Don Giorgios entpuppt, die gewölbte Decke ist an die sieben Meter hoch, dennoch ist die Luft stickig. Drei Türen und eine Fensterattrap- pe. Trotz der edlen grünen Wandverkleidungen und der Gemälde wirkt das Ganze wie ein Verhörzimmer. Von einer leisen Glocke gerufen, huscht Don Giorgio hinaus, zwei Zimmer weiter zum Papst, Eminenzen und Exzel- lenzen zu begrüßen und zu verabschieden. Abgang des Botschafters von Montenegro, Auftritt des Kardinals von Bologna. Wenn er Fragen beantwortet, tut er dies mit einer gewissen gesammelten Manier: Die hellen Augen fixieren kurz den Gesprächspartner, dann schweifen sie auf eignen imaginären Punkt in eine nicht vorhandene Ferne ab; die zehn Fingerspitzen formen zusammengewölbt ein Kuppel. „Si, si”, streut er immer wieder in seine Ant- worten, ganz selten nur verrät sein Zungenschlag die Herkunft aus dem Schwarzwald. Also reden wir von seiner Heimat. Sie entgleitet ihm immer mehr. Wird zu einem imaginären Raum, der ihm als Rückzugsgebiet nicht mehr zur Verfügung steht - seit seiner Ernennung schwärmen die Medien aus, wenn er sich dem hei- matlichen Dorf nähert. Vor kurzem hatte seine Mutter fünfundsiebzigsten Geburtstag. Die Mutter, von der sel- ten die Rede ist, weil alle über den elf Jahre älteren, mittlerweile hinfälligen Vater, den Schmiedemeister und Lokalpolitiker, schreiben, der die Familie mit den fünf Kindern nach außen repräsentiert hat. Gottes Lohn? „Meine Mutter hat zu Jubiläen einen Blumenstrauß und freundliche Worte bekommen, dass es ohne sie nicht gegangen wäre, aber sonst war sie nicht präsent. Dabei hat sie zu Hause alles erledigt. Die Erziehung von fünf Kindern, dass wir immer etwas zum Essen und zum Anziehen hatten.” Sich heute in Riedern einfach an den Stammtisch zu setzen - aussichtslos. Längst vorbei die Tage, als der „Schorschi” auf dem Fußballplatz seinem kaiserlichen Idol nacheiferte. Einmal ist er sogar nach einem Foul vom Platz gestellt worden, weil er dem Schiedsrichter auf die Frage nach seinem Namen „Beckenbauer” geantwor- tet hat. Eine normale Dorfjugend habe er durchlebt, aber die „Glaubensquellen sind stark gewesen, auch wenn mir mein damaliger Heimatpfarrer geistlich und intellektuell mild bis leicht porös vorgekommen ist”. Der junge Mann, der bald wegen seiner Begabung auffällt, ist kein Fall von Entscheidungsschwäche. Gleich nach dem Abitur tritt er ins Freiburger Priesterseminar ein. Das Theologiestudium führt ihn in seinem ersten Aus- landsjahr nach Rom. Man geht nicht zum Schmiedle, man geht gleich zum Schmied. Eine folgenreiche Be- gegnung: „In Rom wurde mir bewusst, dass katholisch im Wortsinn weltumspannend heißt. Hier fließen viele Wasser zusammen.” Gänswein ist streitbar, darin unterscheidet er sich nicht von seinem Dienstherrn Ratzinger, der ihn 1996 in die Kongregation für die Glaubenslehre holt. „Salopp gesagt, nicht nur, aber auch eine Art Regulierungs- behörde”, nennt der Prälat die Aufgabe der Kongregation. Person und Institution würden da gern verwech- selt, und das habe auch für Kardinal Ratzinger gegolten. „Ein Mann an dieser Position kann unmöglich every- body's darling sein. ,Sic et non’, das muss er an dieser Stelle sagen können.” Es habe, sagt Gänswein mit Blick auf Deutschland, „immer einen sanften Hass gegen Ratzinger gegeben, bei einem Mann von einer solchen intellektuellen Brillanz vielleicht kein Wunder”. Nun werde diesem Bild langsam das Gift entzogen. Auch Gänswein selbst agiert nach dem Motto „Suaviter in modo, fortiter in re”. Aber die Rollenzuschreibung eines Einflüsterers nach amerikanischem Spin-Doctor-Vorbild will er nicht gelten lassen. „Der Papst fragt, der Papst erbittet Rat, und er nimmt Rat an.” Wie die Regensburger Rede gezeigt hat, ist er durchaus willens, Predigten und Ansprachen allein zu verfertigen. Unlängst hat die Modeschöpferin Donatella Versace eine Herrenserie vorgestellt, zu der sie sich nach eige- ner Aussage von Don Giorgio hat inspirieren lassen. Weniger Muskel, mehr Spiritualität. „Ich kann mich dort ja bewerben, wenn ich hier versage”, scherzt der so Geehrte, der solche Umtriebe der italienischen Begeis- terung für Äußerlichkeiten zuschreibt. Er selbst finde schon Gefallen an schönen Dingen, was aber nicht heißen solle, er pflege einen aufwendigen Lebensstil, dazu fehle ihm auch das nötige Kleingeld: „Ich bin vom Typ her aufs Klassische orientiert.” Die Kleidung sei bei einem Priester „zum Glück” immer die gleiche: „Dass er ge- pflegt sein soll, versteht sich von selbst.” Manche Geistliche fielen in Gesellschaft miserabel ab, das sei nicht hinzunehmen.

Dass er den Papst in Modedingen beraten hat, bestreitet er nicht. „Die weiße Steppjacke und die Base- ballmütze, die nehme ich auf meine Kappe.” Er habe sich ein paar Sachen zur Ansicht bringen lassen, und der Papst habe sie probiert. Das ganze Gewese um seine Attraktivität - sogar die Gattin des Staatspräsidenten Ciampi brach in Entzückensrufe aus - ist ihm lästig, weil es ihn als Persönlichkeit verfehlt. Das beleidigt seinen Verstand. Denn der will größere Räder drehen, Weltkirchenräder. Keine kleindeutschen Befindlichkeiten. Auch bei einem Dauerbrenner wie der Ökumene verschieben sich von Rom aus die Blickachsen: „In Deutschland betrachten sich die Protestanten immer als ersten Partner der Ökumene, und das trifft da auch zu. Im Hinblick auf die weltweiten ökumenischen Dialogbemühungen sieht das von Rom aus freilich etwas anders aus. Da sind die orthodoxen Kirchen näher dran.” Eine andere Baustelle sind die sinkenden Quoten. Gänswein diagnostiziert nüchtern: „Das volkskirchliche Element ist in Deutschland am Abschmelzen. Was aber nicht heißt, dass Religion nicht dennoch das Thema der jungen Leute im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert ist.” Der cantus firmus des Pontifikats werde sein, „das Glaubensgut neu zu entfachen”. Ob Benedikt XVI. eine Wende in der deutschen Glaubensmisere herbeiführen können wird, die Prognose wagt auch Gänswein nicht. Aber dass es Glaubensinhalten gegen- über wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit gebe, sei für ihn unzweifelhaft. Bedrohungen lauern für die Weltkirche überall. Christenverfolgung und ein aggressiv vorrückender Islam mit religiös begründetem Terrorismus. „Man muss vor den Muslimen ja in gewisser Weise den Hut ziehen, dass sie in fremder Umgebung ihre Glaubensidentität nicht aufgeben”, sagt Gänswein. Das Problem sei aber grundsätzlich, dass man es stets mit wechselnden Instanzen zu tun habe, weil es den Islam nicht gebe. Und ein Selbstmordattentäter, der Unschuldige mit in den Tod reißt, als Märtyrer? Eine mit der christlichen Märty- rervorstellung vollkommen unvereinbare Haltung. Im Westen habe der „Säkularisierungsbazillus” noch nicht seine größte Verbreitung erreicht, fürchtet Gänswein, aber die zweite, abendliche Audienzstunde, die wir allein in den weiten Fluren spazierend und diskutierend zugebracht haben, ist vorbei. Der Papst braucht seinen Sekretär. Ein Gardist wacht darüber, dass der Besucher nicht vom Weg abkommt; den Lift darf man nun allein be- dienen. Über den wunderbar weiten Hof San Damaso schreitet man hinunter zum Bronzeportal. Ein Salut zum Abschied, ein deutsches „gute Nacht”. Dann hinaus durch die Kolonnaden auf den beinahe leeren Petersplatz. Über dem Palazzo del Sant' Uffizio, dem früheren Arbeitsplatz Joseph Ratzingers, steht die kalt leuchtende Sichel des zunehmenden Mondes. Im dritten Stock des Apostolischen Palastes sind ganz rechts zwei Fenster erleuchtet. Der Papst arbeitet noch. HannesHintermeierFAZ070130
Mode-Ikone, Dressman, Experte in Kirchenrecht
"Ich bin bereit, das zu tun, was der Papst mir aufträgt – mit all meiner Kraft, mit Herz und Verstand." Der Privatsekretär des Papstes will dienen – und wandte dem Mammon den Rücken.
Das Magazin “Leute” schreibt über den “Sunnyboy im Talar”, die Schweizer “Weltwoche” nennt ihn den “attraktivsten Mann in Soutane”, Donatella Versace widmete ihm eine Modekollektion. Er ist kein Pop-Star oder männliches Model, sondern ein ausgewiesener Experte in Kirchenrecht, Priester und Papst Benedikts Privatsekretär: Msgr. Georg Gänswein. Man sieht ihn bei Gottesdiensten nahe beim Papst und sitzt im Papamobil dem Heiligen Vater gegenüber. Sein Einführungskurs zum Privatsekretär des Papstes war sehr kurz. In einem Interview mit der Münchner Süddeutschen Zeitung erklärt er Peter Seewald, der, nachdem er einige Wochen beim damaligen Kardinal Jo- seph Ratzinger zu Gast war, seine Liebe zur Kirche wieder entdeckte: “Die einzige Einführung in meinen neuen Dienst war eine private Unterredung mit meinem Vorgänger, dem heutigen Kardinal-Erzbischof von Krakau Stanislaus Dzwiwisz. Das war ungefähr zwei Wochen nach dem Konklave und dem Umzug in die päpstliche Wohnung. Er gab mir einen Umschlag mit einigen Schriftstücken und einen Schlüssel für den Safe – ein älteres Modell, deutsche Präzisionsarbeit. Mein Vorgänger sagte nur: ‘Sie haben nun einen sehr wichtigen, sehr schönen aber auch einen sehr, sehr schwierigen Auftrag. Das einzige, was ich Ihnen sagen kann: der Papst darf durch nichts und niemand “erdrückt” werden. Wie das geht, müssen Sie selbst herausfinden.’ Das war die Lektion. Schluss. Mehr sagte er nicht. Das war meine ganze Einführung in die päpstliche Etikette.” Msgr. Gänswein wollte nicht sagen, was in dem Umschlag war, beschreibt den Inhalt aber als “Unterlagen, die von einem Privatsekretär dem nächsten übergeben werden.” Dann aber berichtete er Seewald, wie er das Konklave erlebt hatte, in dem Kardinal Joseph Ratzinger, dessen Sekretär er seit zwei Jahren war, zum Nach- folger von Johannes Paul II. gewählt wurde: “Ich betrat die Sixtinische Kapelle als die Kardinäle dem Papst unter Eid Treue und Gehorsam versprachen. Sein Gesicht war fast so weiß wie sein Talar. Er wirkt ziemlich er- schüttert.” Gänswein gab zu, sein Verstand sei “wie ein Orkan” gewesen, es sei völlig unmöglich gewesen, einen klaren Gedanken zu fassen; auch die folgenden Tage hätten die Wirkung eines Tsunami gehabt. “Ich wusste, dass mein Leben sich fundamental verändern würde. Als ich nach den Kardinälen an der Reihe war, meine Loyalität zu geloben, sagte ich: ‘Heiliger Vater, Ich verspreche Ihnen meinen Gehorsam, meine Treue, meinen Einsatz in allem, was Sie von mir fordern. Ich stehe vorbehaltlos zu Ihrer Verfügung mit all meiner Kraft.’ Seine Antwort? Er sah mich an, nickte mir zu und dankte mir. Auf Fragen der Süddeutschen Zeitung bestätigte er seine Herkunft aus einen kleinen Ort im Schwarzwald und Sohn eines Schmiedes. Ähnlich wie Benedikt XVI. wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf, in kleinen Dörfern. “Das schenkte mir eine gute Gesundheit, eine naturgemäße Lebensart - ein guter Schutz gegen alles Ungesunde in welcher Form auch immer. Instinktiv hilft mir das, Wahres und Falsches zu unterscheiden.” Über seine Kindheit sagt er: “Mein Vater betrieb in siebter Generation eine kleine Schmiede. Später führte er ein Geschäft für landwirtschaftliche Ausrüstung, aber viel Geld hatten wir nie. “Bis zu meinem sechsten Lebensjahr besaßen wir noch eine kleine Landwirtschaft. Mein Vater war Mitglied in verschiedenen Vereinen und in der Politik auf Ortsebene tätig. Deswegen war er abends selten zuhause. Unsere Mutter hatte alle Hände voll zu tun und trug die Last und Pflicht, die Kinder großzuziehen. Wir fünf Kinder hatten eine Kindheit ohne Sorgen, aber wir wurden auch gefordert.” Vor vielen Jahren, im Alter von 15, 18 Jahren, stand er auf Cat Stevens, Pink Floyd und einige andere, darunter auch die Beatles. Damals hatte Georg Gänswein lange, lockige Haare, die seinem Vater gar nicht gefallen wollten. “Gelegentlich gab es Streit, wann es Zeit war, zum Frisör zu gehen. Aber diese Phase meines Lebens endete ziemlich unspektakulär.” Als junger Mann wollte er ernstlich Börsenmakler werden. Als ältester Sohn wurde von ihm erwartet, das Geschäft des Vaters zu übernehmen, aber die Ereignisse an der Börse interessierten ihn mehr. “Ich hatte die Meinung”, so berichtete er Seewald, “dass dort schnell und glänzend eine Menge Geld zu machen sei. Später, ein wenig reifer, als ich tiefer nachdachte, dachte ich: O.k. wenn ich das alles mache und habe Geld, was dann … ? Existentielle Fragen drängten sich plötzlich in den Vordergrund. So suchte ich weiter und fand völlig unge- plant Interesse an einem Studium der Philosophie und Theologie. Das war ein langer und schwieriger Weg. Zunächst zog mich die Welt der Theologie sehr stark an, in einem zweiten Schritt kam dann das Priestertum dazu. Natürlich, der Zölibat war auch ein Frage. Dann kam der Punkt, an dem ich fühlte, ich kann nicht mit hal- ber Kraft fahren. Entweder ich würde diesen Weg voll gehen oder nicht. Ein wenig Theologie, das ist nicht möglich. So, Schritt für Schritt, näherte ich mich dem Priestertum.” Nach der Priesterweihe im Jahr 1984 wurde Georg Gänswein für zwei Jahre als Kaplan in den Schwarzwald gesandt. 1993 promovierte er in München mit einer Arbeit über die Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil. “Dann wurde ich zum Weiterstudium nach München geschickt mit einem Auftrag, der nicht meine Neigung traf: Das Kirchenrecht. Sechs Monate später wollte ich aufgeben und sagte mir: ‘ich gehe zu meinem Erzbischof und bitte ihn, mich in seine Diözese zurückzurufen, denn hier halte ich es nicht mehr aus!’ Das Studium fiel mir immer leicht und ich habe gern studiert, aber das Kirchenrecht erschien mir so trocken, als wenn ich in einem Steinbruch arbeiten müsste ohne Bier – man verdurstet. Durch meinen Professor Winfried Ayman wurde ich gerettet. Später wurde ich sein Assistent. Er half mir sehr aus dieser Lage herauszukommen und zeigte mir neue Perspektiven. Er hat mir sehr geholfen und bewahrte mich davor aufzugeben. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.” 1995 arbeitete Georg Gänswein als Sekretär des Erzbischofs von Freiburg als er zurück nach Rom gerufen wurde. In der Glaubenskongregation übernahm er Aufgaben unter Msgr. (jetzt Bischof) Josef Clemens, dem damaligen Privatsekretär von Kardinal Joseph Ratzinger. Als Bischof Clemens zum Leiter des Päpstlichen Rates für Laien ernannt wurde, übernahm Msgr. Gänswein die Aufgaben des Privatsekretärs des zukünftigen Papstes. Außerdem übernahm er eine Professur für Kirchenrecht an der römischen Universität vom Heiligen Kreuz. Prälat Gänswein ist sehr bewust, was von ihm erwartet wird im Amt des Privatsekretärs des Papstes, der als Bischof von Rom 1,2 Milliarden Mitglieder der Kirche leitet. “Ich weiß um die vielfältigen Aufgaben, aber ich weiß auch, dass ich nicht alles tun kann, und ich sollte es auch nicht von mir fordern.” Dann fügt er hinzu: “Ich habe das zu tun, was mir der Papst aufträgt, und werde das tun mit all meiner Kraft, mit Herz und Verstand.” TimConroyCT070902

Jesus im Drachenboot. Vor 1200 Jahren brachte der „Heliand” den Heiden das Christentum nah – jetzt hat ein Enthusiast die alte Dichtung neu herausgebracht
Der alte Herr macht eine beinahe ehrfürchtige Handbewegung Richtung Computer. „Hier”, sagt er, „hier ist er drin.” Er meint den Heiland - den „Heliand”. Etwa 6.000 Verse stecken in dem Rechner. Eine Lebens- beschreibung Jesu, verfasst zur Zeit der Christianisierung Norddeutschlands in altsächsischen Stabreimen, jetzt neu übersetzt von Clemens Burchhardt aus Verden Foto oben. Monatelang ging der 83-Jährige immer wieder vor dem Bildschirm auf und ab, vor sich alte Aus- gaben des Textes, auf den Lippen immer wieder fast 1200 Jahre alte Worte: „Ich wollte einen akustischen Eindruck vom Altsächsischen bekommen”, sagt der katholische Priester. „Hél uuis thu, Maria”, heißt es in der alten Dichtung beim Ave Maria, „thu bist thÃnun hérron liof.” Heil sei dir, Maria, du bist deinem Herrn lieb. „Es ging mir bei der Übersetzung darum, etwas vom alten Text zu erhalten, diesen aber für die Gegenwart lesbar zu machen”, sagt Burchhardt. So gesehen hatte er im Grunde eine ganz ähnliche Aufgabe wie der Verfasser des „Heliand” um das Jahr 830. Dieser suchte damals die beeindruckendsten Textstellen aus allen Evangelien zusammen, um den heid- nischen Sachsen das Christentum nahezubringen. Das Ganze übersetzte er nicht nur in die Sprache der Sachsen, er passte die Erzählungen auch an deren Lebenswelt an: Jesus stammt aus „Nazaretburg”, die römischen Soldaten wirken wie sächsische Krieger. In der Weihnachtsgeschichte wachen nicht Hirten bei Schafen, sondern stolze Koppelknechte bei stolzen Pferden. Die Hochzeit zu Kanaa ist ein fideles Trinkgelage nach alter Väter Sitte, und Jesus steigt in ein Drachenboot,um über ein Gewässer zu fahren, das ebenso gut die Nordsee wie der See Genezaret sein könnte. Der „Heliand” ist ein Musterbeispiel für das, was man Inkul- turation nennt. Der gebürtige Eichsfelder Burchhardt war in den sechziger Jahren Militärgeistlicher in Hannover, dann kam er nach Verden, wo er schließlich Propst wurde. Er ist kein Historiker, kein Philologe, kein Germanist - er ist ein Enthusiast. Ein Idealist, der seit Langem ein Faible fürs Altsächsische hat und der eine Dichtung, die ihm am Herzen liegt, wieder zur Schullektüre machen möchte. „Der Heliand ist als Kulturgut zu wertvoll, um einfach so vergessen zu werden” , sagt er. Die jüngste Übersetzung war mehr als 50 Jahre alt und sprachlich antiquiert. In Burchhardts Fassung wurden „grimme Unholde” zu „bösen Geistern”, die „Magen” zu „Verwandten” und die „minnigliche Magd” Maria zum „bildschönen Mädchen”. Der Urheber selbst blieb anonym; Historiker vermuten, die erst 1830 wiederentdeckte Dichtung könnte in Corvey entstanden sein. In seiner aufwendig gestalteten, mit Fachaufsätzen und Abbildungen garnierten Edition, die Originaltext und Übersetzung gegenüberstellt, vertritt Burchhardt eine andere These: Der Verdener Priester glaubt, ein Verdener Priester habe den „Heliand” geschrieben - Bischof Heligandus Foto oben, der um 830 Magister an der dortigen Domschule war. Vor zwei Jahren hat Burchhardt dafür gesorgt, dass diesem in der Verdener Innenstadt ein lebensgroßes Bronzedenkmal gesetzt wurde. Ein Exemplar seiner „Heliand”-Ausgabe hat Burchhardt nach Rom geschickt, an einen Mann, den er vor Jahrzehnten im Goslarer Jakobushaus kennengelernt hat. Der junge bayerische Theologieprofessor hatte dort eine Fortbildung gegeben. Benedikt XVI. schickte im Gegenzug prompt ein Exemplar seiner Jesus-Biografie nach Verden. Handsigniert, „mit ganz herzlichem Dank für die große Gabe des ,Heliand’” Clemens Burchhardt: „Heliand - die Verdener altsächsische Evangelien-Dichtung von 830 übertragen ins 21. Jahrhundert". Verlag Ernst Heibig. 312 Seiten, 29,80 Euro. HAZSimonBenne080313

Dem Heiligen Vaters gratulieren zum 80. Geburtstag Kai Diekmann, Gabriele Henkel, Pater Dr. Anselm Grün Fotos von links nach rechts
Kai Diekmann, Chefredakteur BILD Hamburg: “Das Bild der katholischen Kirche hat in den letzten 25 Jahren einen erstaunlichen Wandel erfahren. Was früher scharf kritisiert wurde, was als abgestanden, weltfremd, antiliberal, gar als Fessel des wahren religiö- sen Bekenntnis verstanden wurde, wird heute vielfach ganz anders beurteilt. Nicht mehr die Institution wird als Gefahr begriffen, sondern eher die ungebundene Wucht des Religiösen. Rituale gelten nicht länger als Zwang, sondern als Ausdruck von Stabilität und Verlässlichkeit. Und auch moralphilosophische Klarheit er- scheint niemandem mehr als Anmaßung und Herrschaftsinstrument, sondern als Grundlage unseres Welt- bildes, unserer Werte, auch des poli- tischen Umgangs. Die Gründe für diesen Wandel mögen vielfältig sein – ohne Benedikt XVI. und seinen Vorgänger Johannes Paul II. sind sie nicht denkbar. Beide haben der Frohen Botschaft neue, ganz fassliche Bedeutung gegeben, haben Demut, Nächstenliebe und die Gewissheit des Glaubens im Alltag vorgelebt. Gerade dieses persönliche Bekenntnis hat der Kirche große Sympathien eingebracht und große Möglichkeiten eröffnet. Es wäre meine Hoffnung und mein Wunsch, dass die Kirche sie auch nutzt”. Gabriele Henkel, Düsseldorf: “Glaube, Hoffnung, Liebe – diese Botschaft sendet der Heilige Vater allen, die ihr Herz öffnen. Wir römisch- katholischen Christen fühlen uns geborgen in Gedanken an unseren Papst Benedikt XVI. Und ich bin sicher, dass er auch für Menschen anderer Konfessionen Hoffnung und Liebe bereithält. Er beweist dies mit seiner mitfühlenden, ja, ergreifenden Ausstrahlung. Zum großen Geburtstag ein Gebet, in Verehrung und Dankbarkeit.” Pater Dr. Anselm Grün osb, Abtei Münsterschwarzach: “Lieber Heiliger Vater! Zu Ihrem 80. Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich und wünsche Ihnen, dass die Weisheit, die Sie ausstrahlen, alle Ihre Worte und Entscheidungen prägt. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie nun mit 80 Jahren (80 ist ja die Zahl der Transzendenz) in dieser Welt ein wichtiger Zeuge der Transzendenz Gottes sind, dass Sie den Himmel über den Menschen öffnen und dass der offene Himmel alle Menschen guten Willens miteinander verbindet. Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank für Ihr Wirken.”

weiter gratulieren dem Papst v.l.n.r.: Dr. Esther Betz, Steffen Seibert, Maria von Welser
Dr. Esther Betz, Herausgeberin Düsseldorf: “Heiliger Vater! Mit Freude und Dankbarkeit schließe ich mich der großen, weltweiten Schar der Gratulanten an, die an Ihrem 80.Geburtstag in Liebe und Treue Ihrer gedenken. Mit acht Jahrzehnten ist man dem Himmel schon sehr nahe. Ihnen jedoch ist aufgetragen, bei uns zu bleiben, um uns den Weg in die Vollendung zu weisen. Das ist ein großes Geschenk! An Ihrem 80. Geburtstag bete ich für Sie, um Gottes besonderen Schutz, seinen Beistand und Segen für Ihr Wirken, um Gesundheit, Schaffenskraft und Wohl- ergehen für Leib und Seele.” Steffen Seibert Regierungssprecher, Staatssekretär  “Heiliger Vater, wir sind uns nie begegnet, dennoch sind Sie mir nah: in Ihren Reden, Predigten und Schriften. Auf Ihren demnächst erscheinenden Band über Jesus bin ich besonders gespannt, vielleicht ist er so etwas wie die Summe Ihres lebenslangen Glaubens und Nachdenkens über den Glauben. Als Sie vor knapp zwei Jahren Ihr Amt antraten, als ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn, wie Sie der Menge damals zuriefen, da stand ich auf einem römischen Hausdach ganz in Ihrer Nähe.Ich wusste gleich, und ohne dass ich es mir hätte erklären können, dass damit auch für mich etwas Wichtiges begonnen hatte, dass Sie mir ein Lehrer und Hirte sein würden. Und so ist es gekommen, wofür ich ebenso dankbar wie wahrscheinlich Millionen anderer Christen bin. Zu Ihrem 80. Geburtstag wünsche ich Ihnen Gesundheit und Gottes Segen, mögen Sie noch viele Jahre die Kraft haben, ein Lehrer und Hirte zu sein.” Maria von Welser, TV-Journalistin und -Direktorin, Hamburg: “Dass sich in Deutschland immer mehr Menschen wieder dem Glauben zuwenden, hat mit Ihnen, Heiliger Vater, zu tun. Mit Ihrem Strahlen weit über den Vatikan hinaus, hinein in die Herzen der Menschen. Möge dieses Leuchten immer noch mehr Menschen erreichen, das wünsche ich Ihnen zu Ihrem Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch von Ihrer bayerischen Landsmännin.”

mdr-Intendant Udo Reiter zum Geburtstag. Mit fast 90 Prozent der Stimmen des MDR-Rundfunkrates wurde Udo Reiter erneut zum Intendanten der Drei-Länder-Anstalt gewählt. Damit tritt er seine vierte Amtszeit, die bis 2015 andauert, beim mdr an, den er seit dessen Gründung im Jahr 1991 leitet.
Gibt es einen christlichen Auftrag im öffentlichen Rundfunk? Auf welche Weise kann man da als Katholik und Intendant „an Knöpfen drehen“ – darf man das überhaupt? Wie geht es einem, wenn man mit 22 Jahren von einem Tag auf den anderen im Rollstuhl sitzt – und heute 65 Jahre alt ist? Um diese und andere Fragen kreist das Gespräch, das Aldo Parmeggiani mit Udo Reiter führte, dem Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Frage nach dem Stellenwert der Kirche in den Programmen des mdr beantwortet Reiter so: „Nach der Wiedervereinigung hatten wir ja - was den Mitteldeutschen Rundfunk angeht - eine ganz spezi- elle Situation. In unserem Sendegebiet hatten die christlichen Kirchen nur noch eine kleine Rolle am Rande gespielt. Wir hatten ungefähr noch 20 Prozent Christen unter der Bevölkerung. Da ist mir aufgefallen, dass es vor allem ein riesiges Informationsdefizit gibt. Wenn man mit den Leuten hier gesprochen hat: die Leute wis- sen nicht, was Pfingsten bedeutet. Sie kennen die biblische Geschichte nicht. Und jenseits von religiösen Überzeugungen ist dies auch ein Stück abendländischer Kultur. Wir haben uns deswegen vorgenommen, zuallererst einmal in dieser Richtung missionarisch tätig zu werden, dass wir die christlichen Glaubensinhalte wieder unter die Leute bringen. Und von daher hat die Kirche von Anfang her eine große Rolle gespielt in unseren Programmen.“ Für den öffentlichen Rundfunk sei es selbstverständlich, dem vermeintlichen oder tatsächlichen Verfall ziviler Grundwerte entgegenzutreten, so Reiter. Für eine „bestimmte Weltanschauung“ könne der mitteldeutschen Rundfunk natürlich nicht eintreten, doch ihm persönlich sei das Christentum und als Katholik speziell die katholische Kirche nahe: „Ohne das Christentum gäbe es das Abendland und die weltliche Zivilisation ja nicht. Ich räume gerne ein, dass bei mir persönlich diese dritte Funktion, diese kulturhistorische Dimension eine große Rolle spielt. Ich bin gelernter Mittelalter-Historiker, und von daher hat man natürlich einen besonderen Blick für die Rolle der Kirche. Ich muss sagen, dass sie mir lieb und wert ist, speziell auch in dieser Funktion, und dass ich auch deswegen gerne Katholik und gerne Christ bin, weil ich diese große Tradition spüre und weil ich gerne in ihr lebe.“ Udo Reiter wurde am 28. März 1944 – vor 65 Jahren - in Lindau am Bodensee geboren. Rv090419
Peter Kloeppel, Agrar-Ingenieur und Chefredakteur RTL 
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel (50) zählt die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche „zu den emotionalsten Momenten des noch jungen 21. Jahrhunderts". Die wichtigsten Deutschen der vergangenen 60 Jahre sind für ihn Papst Benedikt XVI., Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, so der bekennende Katholik Kloeppel in der in Hamburg er- scheinenden Zeitschrift „TV DIGITAL". DT090430
Andrea Fischer 
Jetzt hatte Andrea Fischer ein Schlüsselerlebnis. Die ehemalige Gesundheitsministerin der Grünen war zu einer Konferenz der europäischen katholischen Bischöfe nach Rom gereist. Auf dem Programm stand auch eine Audienz mit dem Papst. „Dass ich mich so darauf freuen würde, ihm zu begegnen, hätte ich nicht gedacht”, sagt Fischer.
Hinterher war sie enttäuscht. Nicht von Papst Benedikt, sondern davon, dass sie ihn im Gedränge nicht zu Gesicht bekommen hatte. Die Begeisterung der Expolitikerin für die Kirche und den Papst mutet wie ein kleines Wunder an. Noch vor zehn Jahren war Fischer noch weit entfernt davon. Zwar hatte die Tochter überzeugter Katholiken die übli- chen Etappen einer katholischen Jugend - Kommunion, Firmung, Jugendgruppe - durchlaufen, sich aber zu- nehmend von der Kirche entfremdet. „Konservativ und rückständig” empfand sie die Institution. Mit Mitte 20 zog sie die Konsequenz und trat aus. Doch der Glaube ließ sie nicht los. Mit 34 Jahren zog sie für die Grünen in den Bundestag ein. Bei politischen Debatten stellte sie immer wieder fest, „wie stark ich vom katholischen Wertesystem geprägt bin”. Als sie im Oktober 1987 Gesundheits- ministerin wurde, schwor sie ihren Amtseid auf Gott. Später besuchte sie wieder Gottesdienste und begann mit einem Berliner Pfarrer regelmäßige Gespräche zu führen. „Ich habe gespürt, dass mir etwas fehlte, dass mir der Glaube doch noch etwas bedeutete.” Im Frühjahr 2001, kurz nach ihrem 41. Geburtstag, trat sie wieder in die Kirche ein. Da war sie gerade als Ministerin zurückgetreten. Andrea Fischer ist kein Einzelfall. Die katholische Kirche berichtet von stetig steigende Zahlen von Rück- kehrern. Entschlossen sich im Jahr 2000 noch 8.171 Menschen, wieder Mitglied der katholischen Kirche zu werden, so waren es 16.168 im Jahre 2005. Nicht selten sind es Angehörige der 68er-Generation, die heute eine andere Perspektive auf die Fragen des Lebens haben und in die Kirche zurückkehren. Aber auch Krank- heit und Alter oder Sympathie für das Leiden von Papst Johannes Paul II. haben bei vielen zu einer Wiederannäherung an die Kirche geführt. Hauptgrund für die steigende Rückkehrerzahl ist nach Ansicht von Seelsorger Lay die Verunsicherung in einer globalisierten Welt. „Es ist ein natürlicher Reflex, dass man sich dann an das einzige Ordnungssystem wendet, was einem noch unverfänglich erscheint - die Religion.” Bei den Katholiken gibt es ein Internetportal für Rückkehrwillige www.katholisch-werden.de auch: kirche-online. „Bei jüngeren Menschen hat die katholische Kirche heute eine größere Chance als bei mir als 17-Jähriger”, sagt Andrea Fischer. „Weil sie nicht mehr eine solche Macht hat, sondern nur noch Angebote machen kann.” Wie viele Rückkehrer erlebt Fischer ihr Verhältnis zur Kirche viel entspannter als früher. Heute irritiert Frau Fischer, inzwischen PR-Beraterin und Publizistin, Geschäftspartner schon einmal damit, dass sie Sonntags- termine um 12 Uhr ablehnt, weil da die heilige Messe fest in ihrem Kalender steht. Unverständnis über ihre Rückkehr zur katholischen Kirche lassen sie ebenso kalt wie Diskussionen über deren vermeintliche Rückständigkeit. „Mir sind Glaube und Gemeinschaft wichtiger als intellektuelle Debatten über die schwierigen Seiten der Kirche.” MiriamHollsteinHA070408

Buchvorstellung - Stephan Kulle: Warum wir wieder glauben wollen Stephan Kulle verknüpft behutsam eigene Erlebnisse mit eindringlichen Reflexionen über den Glauben und die Kirche. Ein beeindruckendes Zeugnis - und ein Buch, das vielen Menschen Hoffnung und Antwort geben wird. Stephan Kulle, Jahrgang 1967, ist Theologe, Journalist und Buchautor, Fernsehreporter und Moderator, besonders bekannt durch die Moderation der „heute”-Nachrichten. Kulle lebt in Frankfurt am Main und Rom.
Religion, Rollstuhl - und dann Ratzinger
Wie Stefan Kulle zum ZDF-Vatikan-Berichterstatter wurde Kriege und Krisen machen Reporter zu Medienstars - Konklaven auch. Durch eine zuverlässige Quelle im Vatikan erfuhr ZDF-Journalist Stephan Kulle schon vor der offiziellen Bekanntgabe, dass Joseph Ratzinger der neue Papst ist. Als SMS bekam er die Sensation aufs Mobiltelefon. In dem historischen Moment hatte sich der Informant noch vertippt. Auf Kulles Display erschien „Qatzinger”. Die weltexklusive Nachricht erfuhren Zu- schauer des Ereigniskanals Phoenix, für den Kulle seit Tagen das Konklave erklärte. Stephan Kulle hob sich mit Fachwissen von anderen kirchlichen Experten ab und war aktuell informiert. Während des Theologiestudiums hatte er im Vatikan eine Menge wichtiger Leute kennen gelernt, die er jetzt anzapfen konnte. Zu DDR-Zeiten begann er im Erfurter Priesterseminar, setzte das Studium nach der Wende in Münster fort und war nach einem Autounfall querschnittsgelähmt. Als Journalist fuhr Kulle im Rollstuhl zunächst durch den WDR, später bewegte er sich beim ZDF auf Krücken - und kam nach vielen Therapien wieder auf die Beine. Bis dahin hatte er den Papst mehrmals getroffen. Nach einer Frühmesse durfte er ihn 1990 für einige Bistumszeitungen interviewen. Jahre später traf er Johannes Paul II. an gleicher Stelle wieder. Der Papst segnete Kulles Beine. Doch der bat, lieber gleich den Hals zu segnen, wo die Lähmung ihren Ursprung habe, und zeigte auf die Gehhilfen des Polen: „Wenn ich wieder laufen kann, dann können wir tauschen: Sie bekommen den Rollstuhl, ich den Stock. Der Papst hat sich kaputtgelacht.” Hat er nach so viel Nähe nicht die journalistische Distanz verloren? Kulle hatte zuletzt als Gast einer Christi- ansen-Sendung viele Positionen Johannes Pauls II. verteidigt. „Das war ein Gemetzel. Hans Küng und Heiner Geißler arbeiteten ihren Kritik-Katalog ab, über den sie sich seit Jahren profilieren. Das ging vom Zölibat über die Frauenfrage bis zur Ökumene. Diese Themen werden nur in Deutschland diskutiert und haben für die Weltkirche weniger Bedeutung.” Viele deutsche Journalisten, so Kulle, würden auch ihre negativen Vorurteile gegenüber Ratzinger pflegen. „Fast keiner transportierte die bahnbrechende Nachricht, dass Benedikt XVI. die Bedeutung seines Amtes als Bischof von Rom gegenüber dem Papst-Amt so deutlich herausgehoben hat. Aber dafür müsste man ihn ja loben.” Warum arbeitet Kulle dann nicht gleich in einer Kirchenredaktion? „Die suchen krampfhaft nach Themen, die nicht kirchlich sind. Oder die Redakteure müssen bewusst kritisch sein, damit man als Autor auch kritisch ist.” Noch in Rom hat Kulle ein Buch über die Ereignisse vom Tod Wojtylas bis zur Wahl Ratzingers geschrieben. Er berichtet mit flotter Schreibe über Machtverhältnisse im Vatikan und die Arbeit der Medien. Nur beim Buchtitel „Habemus papam” war Kulle wenig originell. So nannte auch Andreas Englisch, der dem Fernsehzuschauer bekannt ist, sein Werk. Das „Habemus papam” von Stephan Kulle endet mit einem Ausblick auf das Pontifikat Ratzingers: „Wir werden uns noch wundern. Und Wunder gehören zur katholischen Kirche. AxelRothkehlNOZ050611
Interview der DT mit Stephan Kulle (Auszug) Rom erlebt unter Benedikt einen Pilgeransturm, wie es ihn nie gegeben hat. Die Menschen strömen in Scharen, um Benedikt zu begegnen. Was fasziniert so an diesem Papst? Im Grunde kann das niemand abschließend erklären. Da kommen sicher viele Dinge zusammen. Es ist in der Tat so - ich habe vor kurzem die neuen Zahlen der letzten beiden Jahre gesehen -, dass gigantische Mengen von Menschen zu den General- audienzen und zu den Gottesdiensten gekommen sind. Das gab es unter Johannes Paul II. so nie. Was zieht die Menschen an? Unter Johannes Paul II. hat das Papsttum sich medial der Welt geöffnet. Er hat das, was wir heute erleben, vorbereitet und möglich gemacht. Die letzten Jahre seines Pontifikates waren dann geprägt von seiner Krank- heit und seinem Leiden. Das hat die Menschen tief bewegt. Jetzt aber erleben sie mit Benedikt einen Papst, der ganz anders ist. Das Faszinierende an Benedikt ist vielleicht seine Vielschichtigkeit. Einerseits ist er ganz ruhig, fast ein bisschen eckig und wirkt manchmal fast unbeholfen. Andererseits gibt es da diese Momente, in denen er aus sich herausgeht und die Leute wirklich überwältigt. Ich habe das auf dem Petersplatz beob- achtet, wie angerührt die Menschen in solchen Augenblicken sind. Benedikt ist ein großer Intellektueller und gleichzeitig von einer beeindruckenden Bescheidenheit: Das alles macht wohl die besondere Faszination dieses Papstes aus. Wirklich erklären kann man sich dieses Phänomen aber selbst im Vatikan nicht. Wie positiv auf diesen Papst reagiert wird, damit haben sie alle nicht gerechnet. Das vollständige Interview finden Sie unter: www.die-tagespost.de Zuletzt erschienen von Stephan Kulle die Bücher “Warum wir wieder glauben wollen” (Scherz) und im Fischer Taschenbuchverlag “Papa Benedikt – Die Welt des deutschen Papstes”. Interviewauszug mit Markus Reder von der DT mit Stephan Kulle 070419
Durch Papst Benedikt findet “Kaiser Franz” zum Glauben zurück 
Franz Beckenbauer, der Deutschland 1974 zur Fußballweltmeistgerschaft führte, ist beeindruckt von einer Begegnung mit Papst Benedikt und wendet sich seither wieder dem katholischen Glauben zu. Gegenüber der Abendzeitung in München beschreibt er seine Audienz in Rom "zur bedeutendsten Erfahrung meines ganzen Lebens”. Der Papst habe ihn im Oktober 2005 tief beeindruckt. Nach dem Heimatbesuch des Papstes in Bayern im September 2006 begann sich Beckenbauer in die Schriften des Papstes zu vertiefen mit dem Ergebnis, dass er seinen Glauben nun wieder aktiv lebt. “Benedikt XVI. führt die Menschen zur Kirche”, sagt Beckenbauer, “und ich bin selbst das beste Beispiel dafür”. Beckenbauer wurde zweimal zum Europäischen “Fußballer des Jahres” gewählt, er spielte in drei Fußball- weltmeisterschaftsspielen mit – 1966 – 1970 und 1974 und führte die deutsche Nationalmannschaft 1990 zum Sieg. JohnTonerCT070128

ARD-Serie: Um Himmels willen. Auszug aus einem Interview der NOZ mit Janina Hartwig
Frau Hartwig, die Dominikanerin Susanna Mander siehe Bericht unten ist ganz begeistert von Ihnen. Hätten Sie damit gerechnet? Ich habe es gehofft. Natürlich habe ich mich im Vorfeld der Dreharbeiten viel mit Nonnen und einem Karmelitenpater unterhalten, der zu den besten Freunden unserer Familie zählt. Insofern war mir das Thema überhaupt nicht fremd. Wenn ich dann noch von einer Nonne, die sozusagen im Stoff steht, so eingeschätzt werde, freut mich das natürlich um so mehr. Wer ist Ihre engste Beraterin in Nonnenfragen? Ich habe hier in München meine Schwester Rita, die kann ich mit Fragen jeglicher Art anrufen. Und sie ist zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen. Sie sagt: Natürlich ist das eine Komödie, ganz so läuft das bei uns nicht ab, aber es gefällt mir. Da ist das beste Kompliment, das sie mir machen konnte - wir drehen ja schließ- lich keinen Dokumentarfilm über das Klosterleben, sondern spielen eine Komödie. Und so etwas ist immer dramaturgisch überhöht. Hat es eigentlich vonseiten der Kirche mal Versuche gegeben, die atheistische Fernseh-Nonne einzu- gemeinden? Überhaupt nicht, warum auch? Ich bin ja Schauspielerin, Ich habe mal eine Selbst- mörderin gespielt und sitze jetzt ganz lebendig vor Ihnen. Außerdem ist mir das Thema überhaupt nicht fremd gewesen. Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass es neben dem sozialistischen System der DDR noch etwas anderes gibt. Meine Mutter war viel mit uns Kindern in der Kirche, und in meiner Dresdner Zeit hatte ich auch viel Kontakt zu Kirchenleuten. Gerade in der Wendezeit hat die Kirche ja eine große Rolle gespielt. Und die Familie meines Mannes besteht ohnehin aus praktizierenden Katholiken. Mein Mann als Cellist spielt oft Kammerkonzerte in Kirchen, da begleite ich ihn häufig und gern. Gehen Sie Ostern eigentlich in die Kirche? Ganz bestimmt. Fast mit der ganzen Familie - mit meinem Mann, meinem kleinen Sohn und einer der beiden Töchter, die andere hat selbst Besuch. Das hat Tradition bei uns: Erst gehen wir in die Kirche, dann noch ein bisschen spazieren. Einer geht dann schon mal vor, und wenn wir heimkommen, ist der Osterhase da gewesen und hat überall die Eier verteilt. Sie sind doch gar nicht in der Kirche, warum gehen Sie dann rein? Mein Mann ist katholisch, dem ist es ein Bedürfnis, und ich gehe gerne mit. JoachimSchmitzNOZ070407

Dominikanerin Susanna Mander, Kloster Lage-Rieste Foto über ARD-Sr.Hanna
Aus anfänglichem Kopfschütteln wurde Anerkennung für die Fernseh-Nonne Ahnungslos habe ich mich auf etwas eingelassen, das nicht zu meinem Tagesprogramm gehört: TV- Unterhaltungssendungen anzuschauen. „Um Himmels Willen!” musste ich spontan denken, als ich die ersten Folgen der gleichnamigen Reihe gesehen hatte. Denn bei kritischer Betrachtung kann ich nur schmunzeln und den Kopf schütteln über die skurrilen Figuren wie die Nonnen, den Bischof und den Bürgermeister, der sich von einer Nonne die Leviten lesen lässt (was ich toll fände, wenn es so was in der Realität gäbe). Es belustigt mich auch das Drumherum, das Hightech-Büro der Ordensoberin zum Beispiel im Gegensatz zu dem einfachen Kloster in Kaltental. Kurzum: Mit der klösterlichen Realität hat das Ganze wenig zu tun. Was ist es aber, das dieser Serie so hohe Einschaltquoten beschert? Zweifellos ist es die Ordensschwester Hanna, dargestellt von Janina Hartwig. Als „echte” Nonne nahm ich sie, zugegeben, ziemlich skeptisch aufs Korn. Doch ich muss anerkennen: Sie spielt ihre Rolle erstaunlich gut und verstellt das Bild einer Ordensfrau nicht. Warum? Unbefangen und auch natürlich hat sie sich in diese Rolle eingelebt. Sie trifft immer den richtigen Ton, ist ganz bei der Sache und immer anwesend, wenn und wo es brennt. Sie scheut sich nicht, den Menschen die Wahrheit zu sagen, und zwingt sie geradezu, ihre „Machenschaften” zu beenden. Sie ist bei alledem nicht rechthaberisch, ehr- oder selbstsüchtig, sondern setzt sich ein für jene, die in Not und hilfsbedürftig sind, denen Unrecht geschieht. Beispielhaft! Damit verkörpert sie genau das Gegenteil des Bürgermeisters, der rechthaberisch, eitel und berechnend stets auf seinen Vorteil bedacht ist. Interessant ist, dass von den beiden Hauptrollen nur die Person des Bürgermeisters völlig überzogen und karikiert ist, die der Nonne aber nicht. Von der Spannung zwischen diesen beiden Personen, zwischen Nonne und Bürgermeister, zwischen „Kirche und Welt”, zwischen Gut und Böse, ja, auch zwischen Frau und Mann, lebt die Serie. Eine ähnliche Konstellation war schon bei „Don Camillo und Peppone” erfolgreich. Trotz der zum Teil über- zeichneten Charaktere zeigt diese Fernsehreihe zumindest im Hinblick auf die Hauptdarstellerin kein negatives Nonnenbild (was auf ihre Mitschwestern allerdings nicht durchweg zutrifft). Was vermittelt diese Serie? Sicher nicht das wirkliche Ordensleben in einem Kloster - aber doch, in der Per- son von Schwester Hanna, das Bild einer Ordensfrau, die couragiert, engagiert und aufrichtig ihren Weg geht - und davon gibt es in der Realität ganz viele. Das lieben die Zuschauer wohl auch an dieser Fernseh-Nonne. Mal sehen, wie es mit meiner „Mitschwester” Hanna weitergeht. Schwester Susanna Mander gehört seit 1962 dem Dominikanerinnen-Orden an. Seit dem Jahr 2000 lebt sie mit zehn weiteren Schwestern im Dominikanerinnenkloster „Zum gekreuzigten Erlöser”, das das Bistum Os- nabrück vor sieben Jahren in der ehemaligen Kommende Lage in Rieste (Landkreis Osnabrück) errichtet hat. NOZ070407 Mehr: Lage
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