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Schonende OP gegen erhöhten Augendruck. Glaukom. Neues Gerät erlaubt einen minimalinvasiven Eingriff. Anschließend sind weniger Medikamente nötig
Eine Glaukom-Erkrankung beginnt meist schleichend, von den Betroffenen unbemerkt. Sie verursacht keine Schmerzen und ist auch äußerlich nicht erkennbar. Doch im Laufe der Zeit verschlechtert sich das Sehvermögen erheblich. Das Glaukom (umgangssprachlich auch „Grüner Star" genannt) ist in Deutschland die zweithäufigste Erblindungsursache. In den allermeisten Fällen werden die Nervenfasern des Sehnervs durch einen erhöhten Augendruck geschädigt. Eine neue Operationsmethode, die helfen soll, den Augen- druck dauerhaft zu senken, wird auf dem Kongress der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin diskutiert. Ein Patient, bei dem ein Glaukom aufgrund erhöhten Augendrucks festgestellt wurde, muss dauer- haft Augentropfen verwenden, um den Druck im Augeninneren zu senken. So soll das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder gestoppt werden. Doch die Medikamente reichen dafür nicht immer aus. „Außerdem sind Tropfen für ältere Menschen, bei denen das Glaukom hauptsächlich vorkommt, häufig eine unüberwindbare Hürde, weil es nicht einfach ist, Augentropfen zu nehmen", sagt Privatdozent Dr. Jens Jordan von der Universitäts-Augenklinik in Freiburg. Eingriff durch einen 1,6 Millimeter großen Schnitt In diesen Fällen können verschiedene chirurgische Verfahren eingesetzt werden, um den Augeninnen- druck zu senken. Dies sind jedoch für den Patienten große Eingriffe, bei denen die Gefahr von Kompli- kationen und Narbenbildung besteht. In den USA wurde ein chirurgisches Gerät entwickelt, mit dem ein minimalinvasiver Eingriff am Auge möglich ist. Das sogenannte Trabektom wird dort seit 2005 eingesetzt. Seit Juli 2009 arbeiten Dr. Jordan und seine Kollegen in Freiburg mit diesem winzigen Messer. Bereits 300 Patienten wurden hier mit der neuen Methode behandelt. „Durch einen nur 1,6 bis 1,7 Millimeter breiten Schnitt wird mit dem Trabektom ein Teil des sogenannten Trabekelmaschenwerks entfernt", erläutert Dr. Jordan. „Das Trabekelmaschenwerk ist ein netzartiges Gewebe, das vor den eigentlichen Abflusswegen den Abfluss des Kammerwassers dynamisch reguliert." Beim Glaukom verändere sich dieses Gewebe und werde zu einer starren Barriere für das Kammerwasser. Durch die Entfernung des 0,3 Millimeter dicken Trabekelmaschenwerks sollen die natürlichen Abflusswege wieder freigelegt werden. Der Augendruck lasse sich dadurch um 30 bis 40 Prozent senken, die Medika- mentengabe könne halbiert werden, so Dr. Jordan. Die Operation dauert nur fünf bis zehn Minuten, es ist lediglich eine örtliche Betäubung nötig. Der winzige Schnitt im Auge schließt sich anschließend sofort wieder von selbst. Das Trabektom wird in Deutschland bereits in mehreren Kliniken (unter anderem in Freiburg, Göttingen, Düsseldorf, Hamburg, Bremen und Würzburg) eingesetzt. HAZ110930HASabineAbel

Augeninnendruck. Bis zu drei Millionen Deutsche sind gefährdet. Foto: Mit blauem Licht den grünen Star entlarven. Mit einem Spezialinstrument misst der Augenarzt den Augendruck, schnell und schmerzfrei. Der Wert zeigt an, ob die Patientin gefährdet ist.
Unbehandelt führt die Erkrankung zur Blindheit. Ein einfacher Vorsorge-Check kann das verhindern. Als der Hamburger Augenarzt Dr. Udo Heuer bei einem Routinecheck den Sehnerv seiner 50 Jahre alten Patientin überprüfte, bemerkte er eine Art Kuhle, so als würde an der schwächsten Stelle etwas heraus- gedrückt. Für den Fachmann ein Warnzeichen, auch wenn die Patientin bisher nicht das Gefühl hatte, ihre Sehkraft habe nachgelassen. Die schnelle und schmerzfreie Messung des Augeninnendrucks ergab einen stark erhöhten Wert - ein deutliches Warnzeichen für die Erkrankung, die so harmlos klingt: grüner Star(Glaukom). Unbehandelt führt sie zur Erblindung. Und die Gefahr ist groß. Experten schätzen, dass es außer den bundesweit rund 500.000 Grüner-Star-Patienten weitere 2,5 bis drei Millionen unerkannte Fälle im Land gibt. Viele könnten vor der Blindheit bewahrt werden. Denn wenn der Augenarzt die Symptome erkannt hat, lässt sich mit Augentropfen der erhöhte Augeninnendruck oft auf einen harmlosen Wert herunterfahren und die Durchblutung verbessern. Die Gefahr ist damit fürs Erste gebannt. Schlimmer sind die Schäden, die bereits am Sehnerv entstanden sind. Denn dessen empfindliche Fasern kann kein Mediziner nicht wiederherstellen. Die Folge: blinde Flecken im Gesichtsfeld und eine nachlassende Sehschärfe. Das Fatale: Nur bei einem akuten Druckanfall spüren die Patienten den erhöhten Augeninnendruck, etwa weil der Augapfel schmerzt oder sich rot verfärbt. Bei solchen Alarmzeichen sollte schnell ein Augenarzt nach den Ursachen suchen. „Doch meist merken die Betroffenen nichts", sagt Dr. Heuer. „Sie haben keine Schmerzen und können lange Zeit normal sehen."Gerade deshalb sei eine regelmäßige Vorsorge so wichtig. Was sind die Ursachen des grünen Stars? Dr. Heuer: „Es kommt durch normale Ablagerungen in dem sogenannten Abfluss (Trabekelwerk des Schlemmschen Kanals), der aus schwammähnlichen Poren besteht, zu einer langsamen Verstopfung." Eine besonders ausgeprägte Variante ist das sogenannte Pex-Syndrom (Pseudoexfoliationssyndrom), auf das jedes vierte Glaukom zurückgeht. Dabei entstehen Eiweiß-Ablagerungen (Proteine) auf der Linse, die, wenn sie sich lösen, auf den Boden des Kammer- winkels im Auge fallen. Hier blockieren sie den Abfluss des Kammerwassers, „wie ein verstopftes Sieb", erklärt Heuer. Auch dieses Leiden trifft vermehrt Ältere. Wie geht der Augenarzt vor, wenn er den Augeninnendruck misst? Dazu gibt es mehrere Methoden. Die Genaueste ist die sogenannte Applanationstonometrie. Der Patient bekommt einen Tropfen eines leichten Betäubungsmittels ins Auge, das mit einem Farbstoff versehen ist. Mit einem Spezialgerät kann der Mediziner dann den Augeninnendruck ablesen, wobei auch die Dicke der Hornhaut mit einer Zusatzuntersuchung berücksichtigt werden kann. Dies ist wichtig, weil bei einer zu dicken Hornhaut ein zu hoher Augendruck gemessen wird und bei einer zu dünnen ein zu niedriger. Dr. Heuer: „Dies ist, nebenbei, eine Besonderheit, die speziell bei Patienten, die sich einer Hornhautlaser- operation zur Beseitigung der Brille unterziehen, wichtig. Denn bei dieser Lasik wird die Hornhaut verdünnt. In der Folge bestimmt man hier immer einen besonders niedrigen, guten, aber falschen Wert." Eine alternative Art der Messung ist die sogenannte Non-Contact-Tonometrie, also eine Messung, bei der das Auge nicht berührt wird. Die Verformung der Hornhaut wird dabei ohne Betäubung mit einem Luftstoß gemessen. Allerdings sind die Werte nicht ganz so genau wie bei dem anderen Verfahren und dienen deshalb meist nur zu einer ersten Einschätzung. Bei Erwachsenen gilt ein Wert niedriger als 20 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg) als normal und unauffällig, wobei es Ausnahmen gibt. Wenn mit Augentropfen der Innendruck des Kammerwassers nicht gesenkt werden kann, ist auch eine Operation möglich. Das Standardverfahren ist hier die sogenannte Trabekulektomie. Bei dem Eingriff wird aus den Strukturen des Auges eine Art Ventil gebildet und ein Abflussloch und ein Ventildeckel angelegt. Das Kammerwasser fließt so durch das Loch unter die Bindehaut, wo es vom Körper aufgenommen wird. An dieser Stelle ent- steht ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, ein sogenanntes Sickerkissen. Um zu verhindern, dass die Iris das Abflussloch verlegt, wird während der Operation ein kleines Irisstück im Bereich des Abflusslochs ent- fernt (Iridektomie). Seltener wird zur Senkung des Augeninnendrucks ein Drainageimplantat eingesetzt, ein Mini-Schlauch in die Vorderkammer des Auges, das mit einem kleinen Hohlraum verbunden ist, meist aus Silikon, über den die Flüssigkeit unter die Bindehaut abfließen kann. Die Operationen werden meist mit lokaler Betäubung ambulant durchgeführt und dauern etwa 30 bis 40 Minuten. HA091003ChristRind
Beliebt ohne Beweis: das Screening zum „Grünen Star“
Ein Dimdi-Bericht zieht den Nutzen der Glaukom-Früherkennung in Zweifel Schmerzlose Glaukom-Vorsorge: Messung des Augeninnendrucks mit einem Tonometer
Wenn die Krankenversicherung für eine Leistung bezahlt, wurden Sinn und Zweck der Maßnahme meist überprüft. Weil aber die Kosten für individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) der Patient selbst trägt, gibt es dafür keine Kontrollinstanz. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi) in Köln hat jetzt den Nutzen der derzeit häufigsten IGeL-Leistung bewertet, der Früherkennung des Grünen Stars oder Glaukoms. Insgesamt schätzt man die jährlichen Ausgaben für IGeL-Leistungen auf rund 1,5 Milliarden Euro, auf die Früherkennung des Glaukoms sollen vierzig Prozent entfallen. Der Dimdi-Bericht spricht der Untersuchung den Nutzen ab, er ist auf der Homepage des Institutes abrufbar www.dimdi.de. Die Experten begründen ihre Einschätzung damit, dass der Nutzen nicht mittels einer kontrolliert-rando- misierten Studie belegt ist. Der Bundesverband der Augenärzte Deutschlands hat das Urteil kritisiert und hält an seiner Leitlinie zur Früherkennung fest. Die Augenärzte verweisen insbesondere auf die Bedeutung der Glaukomerkrankung. Sie ist in Deutschland der zweithäufigste Grund für Blindengeldzahlungen, 800.000 Patienten sollen er- krankt sein. Die Betroffenen verlieren besonders am Rand des Gesichtsfeldes ihre Sehfähigkeit, weil die Nervenfasern im Sehnerv langsam zugrunde gehen. Dem liegt meist ein erhöhter Druck im Innern des Auges zugrunde. Der Patient bemerkt den schleichenden Verlust nicht, bis ihm irgendwann deutliche Ausfälle am Gesichtsfeldrand zu schaffen machen. Diese zeitliche Lücke will die Früherkennung schließen. Die Therapie kann den Gesichtsfeldverlust bei den meisten Patienten verhindern oder eindämmen. Ein Standardscreening kostet zwischen fünfzehn und vierzig Euro, teurer sind Spezialuntersuchungen. Ab dem vierzigsten Lebensjahr soll sich jeder alle drei Jahre, ab 65 alle ein bis zwei Jahre kontrollieren lassen. Die Untersuchung birgt kaum Risiken, sie ist weitgehend verlässlich, bis zu 90 Prozent der tatsächlich Erkrankten werden richtig erkannt. So gut wie niemandem wird fälschlich ein Glaukom zugeschrieben. Bezahlen die Patienten sie gleichwohl umsonst? Zwar ist der Nutzen der Untersuchung nicht mittels einer kontrolliert-randomisierten Studie nachgewiesen. Aber das Fehlen von Evidenz für den Nutzen heißt nicht, dass es ihn nicht gibt. Um ihn nachzuweisen, müsste man allerdings das Schicksal vieler Probanden über Jahre hinweg verfolgen. Die einen würden ständig gescreent und bei Bedarf behandelt, bei den anderen würde man lediglich abwarten, um dann zu vergleichen, wie vielen Betroffenen in der jeweiligen Gruppe das Augenlicht gerettet wurde. Voraussetzung einer solchen Studie wäre zudem, dass sich die Teilnehmer freiwillig bereit erklärten, sich zufällig einer der beiden Gruppen zuteilen zu lassen. Dem würde kaum jemand zustimmen. Insofern werden Patienten absehbar ohne einen Nutzenbeleg entscheiden müssen, ob sie für die Untersuchung dennoch zahlen möchten. FAZ111005MartinaLenzenSchulte
Glaukom Röhrchen im Auge
Neue OP-Methoden bei stark erhöhtem Innendruck
Fast eine Million Deutsche leiden unter dem Grünen Star, einer Augenkrankheit, die auch Glaukom genannt wird. Dabei schädigt meist ein zu hoher Augeninnendruck Netzhaut und Sehnerv - bis zur Erblindung. Bisher halfen regelmäßige Augentropfen, um den Druck zu senken. Doch auf dem Welt- augenkongress im Juni in Berlin wurden nun neue operative Behandlungsmethoden diskutiert. Der erhöhte Augeninnendruck entsteht durch eine gestörte Regulation des Augenkammerwassers. In den beiden Kammern zwischen Hornhaut, Iris und Linse kann es nicht mehr richtig abfließen. Die Wirkung allerdings entfaltet sich für den Patienten kaum merklich: Sehr langsam schreitet die Zer- störung des Sehnervs voran. Manche merken es erst, wenn es schon fast zu spät ist. Kontrollierte Studien liegen noch nicht vor Für die verschiedenen Operationsverfahren gebe es bisher keine kontrollierten Studien, sagt Prof. Günter Krieglstein, Direktor am Zentrum für Augenheilkunde am Klinikum der Universität Köln. Deshalb könne man noch nicht sagen, welches das Beste ist. Zum Standard gehören Methoden wie die so- genannte Lasertrabekuloplastik, bei der das Bindegewebe mit Licht beschossen und so der Abfluss verbessert wird. Operationen seien für Patienten mit schwerem Befund zu empfehlen, sagt Krieglstein. „Auch wen die Aussicht auf dauerhafte Einnahme von Medikamenten schreckt, für den ist die Opera- tion eine Alternative." Bei den bisher praktizierten operativen Behandlungsmethoden kam es in der Vergangenheit häufig zu Komplikationen und Narbenbildungen. Augenärzte suchen deshalb seit Langem nach erfolgreicheren Verfahren. Die neueste Entwicklung sind sogenannte Mikrostents, Röhrchen wie der iStent siehe Grafik oben mit Ventilfunktionen, die in den Schlemm-Kanal implantiert werden und durch die das Kammerwasser kontrolliert abfließen kann. Augenärzte der Rostocker Uniklinik um Prof. Rudolf Guthoff testen derzeit Mikro-Gefäßstützen aus Keramik mit einer neuartigen Kortisonbeschichtung. Das Medikament wird langsam freigesetzt und verhindert, dass sich um diese ein bis drei Millimeter langen Stents Narbengewebe bildet. Ebenfalls neu ist die Kopplung mit einem druckgesteuerten Ventil, das den Abfluss des Kammerwassers präzise an den Augeninnendruck anpasst. „Für Aufsehen erregende Ergebnisse ist es zu früh", dämpft Krieglstein zu hohe Erwartungen. „Wenn sich der Mikrostent im Ver- hältnis von Wirksamkeit und Risiko überlegen zeigt, dann müssen wir umlernen und ihn zur führenden Operationsmethode machen", sagt Krieglstein. Diese Methode sei ein wirklicher Durchbruch für jene Patienten, bei denen die medikamentöse Option - also drucksenkende Augentropfen nicht in Frage kommt oder nicht wirksam genug ist, sagt Augen- arzt Dr. Ronald Gerste, Generalsekretär des Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung. In Deutsch- land litten eine Million Menschen an einem Glaukom. Mindestens eine weitere Million sei gefährdet, ohne es zu wissen - nicht nur durch zu hohen Augendruck sondern auch durch eine schlechte Durchblutung des Sehnervs. Denn inzwischen gilt ein überhöhter Augendruck (größer 21 bis 22 mmHG) nicht mehr allein als Aus- löser des Grünen Stars. Heute steht das Geschehen in den Ganglienzellen von Netzhaut und Sehnerv im Mittelpunkt der Glaukom-Forschung, erläutert Gerste. Ein niedriger Blutdruck, von Ärzten oft scherzhaft als beste Lebensversicherung bezeichnet, sei für Glaukompatienten ebenso gefährlich wie ein schwankender Blutdruck. Josef Flammer, Chefarzt der Augenklinik in Basel, konnte mittlerweile nachweisen, dass bei Glau- kompatienten verstärkt kalte Finger und Füße, eine erhöhte Neigung zu Tinnitus und andere Störungen der Mikrogefäße auftreten. „Die Betroffenen leiden überwiegend am Normaldruckglaukom, einer Form der Krankheit, bei der der Augendruck scheinbar normal ist, der Sehnerv jedoch durch die mangelhafte und unregelmäßige Blutversorgung ähnlich geschädigt wird wie beim klassischen Hochdruckglaukom", sagt Flammer. Momentan werden die Kosten für eine Glaukomfrüherkennung, bei der neben dem Messen des Augen- innendrucks auch der Sehnervenkopf auf Schäden untersucht wird, in der Regel noch nicht von den Kran- kenkassen übernommen. Prof. Carl Erb, Chefarzt der Augenklinik der Berliner Schlossarkklinik, empfiehlt die Untersuchung dennoch für Menschen über 40 alle ein bis zwei Jahre. Ein Glaukom würde sich schließlich „fast unbemerkt anschleichen", sagt Erb. Ein Anzeichen können auch extrem trockene Augen sein, unter denen nach Erbs Untersuchungen mehr als die Hälfte der Betroffenen leidet.« HAZ100219HaDieterWeirauch

Tunnelblick: Die Sehkraft beim Glaukom lässt meist von den Rändern her und in der Mitte nach. Weil der Sehverlust schleichend verläuft, bemerken ihn Betroffene oft erst sehr spät
Grauer Star Sympton: Beim Grauen Star (Katakarakt), nicht zu verwechseln mit dem Grünen Star (Glaukom), trübt sich die Augenlinse ein. Die Umwelt erscheint verschwommen, matt, farblos oder verzerrt. Manche sehen Doppelbilder. Mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen ist davon betroffen. Ursachen sind oft nicht bekannt. Behandlung: „Die einzige Möglichkeit ist der mikrochirurgische Eingriff, bei dem die getrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt wird", sagt Prof.Gisbert Richard, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Hamburg-Eppendorf. Deutschlandweit werden mehr als 700.000 Operationen jährlich durchgeführt. Das Operationsrisiko ist dabei sehr gering. Mehr als 99 Prozent der Patienten können anschließend besser sehen. Informationen: Hotline Grauer Star unter Tel. 0800 - 01 12 11 (mittwochs zwischen 15 und 17 Uhr, gebührenfrei). Details zu OP und verschiedenen künstlichen Linsen unter www.initiativegrauerstar.de Ratschläge SELBSTHILFE Initiative Glaukom e.V., Schuhmarkt 4,35037 Marburg, Tel: 06322 - 98 82 83 www.initiative-auge.de Bundesverband Glaukom-Selbsthilfe e.V. Wißstr. 9,44137 Dortmund, Tel.: 0231 – 97 10 00 34, www.bundesverband-glaukom.de Initiative Glaukomfrüherkennung, Postfach 1718, 82102 Germering, www.glaukom.de Hotline: montags von 16 bis 18 Uhr unter:0800 - 800 88 80 (gebührenfrei), Patientenforen www.glaukom-forum.net www.glaukom-kinder.de Bücher „Glaukom, Handbuch für Betroffene", Josef Flammer, Verlag Hans Huber, 17,95 Euro „Keine Angst vor Grünem Star: Ein Buch für Patienten: Ursachen - Hintergründe - Begleittherapie", Ilse Strempel, KVC Verlag, 17,80 Euro „Glaukom-Ein Ratgeber: Wie Früherkennung und neue Therapien das Augenlicht retten können und was der Patient darüber wissen muss", Ronald Gerste, Verlag ad manum medici, Antiquariat
„Regelmäßige Vorsorge ist wichtig“ Dr. Udo Heuer, Augenarzt, Hamburg
Rund 20 Euro für den Check, der das Augenlicht retten kann Das Hamburger Abendblatt interviewt Dr. Udo Heuer, Augenarzt in Hamburg: Was ist das Tückische am grünen Star? Der Patient spürt lange Zeit nichts von der Erkrankung. Lässt seine Sehkraft dann spürbar nach, ist es schon zu spät und der Sehnerv irreparabel geschädigt. Wie erkennt der Facharzt den grünen Star? Mit einer Untersuchung des Sehnerven und einer Messung des Augeninnendrucks. Wer ist besonders gefährdet? Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko. Deshalb sollte man spätestens mit 50 Jahren alle ein bis zwei Jahre zur Vorsorge gehen. Zahlt das die gesetzliche Krankenkasse? Nein, nur bei begründetem Verdacht auf grünen Star, wie bei Patienten, die etwa regelmäßig Cortison nehmen müssen und deren Erkrankungsrisiko etwas höher ist. Wie viel kostet die Vorsorgeuntersuchung? Je nach Aufwand 18 bis 22 Euro und bis zu 40 Euro, wenn die Werte im Grenzbereich liegen und der Facharzt deswegen mit einem speziellen Gerät noch genauer überprüfen muss. Kann man nach der Vorsorgeuntersuchung Auto fahren? Ja, die Fahrtüchtigkeit wird nicht eingeschränkt. HA091003ChristophRind
Früherkennung rettet Augenlicht
Früherkennung rettet Augenlicht! Das gilt für das weit verbreitete und gefährliche Augenleiden Glaukom, auch Grüner Star genannt. Denn oft ist es, wenn die Betroffenen die Krankheit bemerken, schon fünf nach zwölf. Wer an einem Glaukom erkrankt, verspürt meist keine Schmerzen. Keine Symptome warnen rechtzeitig vor dieser besonders heimtückischen Krankheit, die ohne Therapie zum Verlust des Augenlichts führt. Der „Weltweite Tag der Sehkraft” wurde geschaffen, um die Wichtigkeit der Ausmerzung vermeidbarer Blindheit zu erkennen und zu unterstreichen. Die Ursache dafür ist in den meisten Fällen ein erhöhter Augeninnen- druck. Er zerquetscht nach und nach den Sehnerv, der aus einer Million feinster Fasern besteht, welche die vom Auge eingefangenen Sinneseindrücke an das Gehirn weiterleiten. Diese Schäden können nicht repa- riert, das Fortschreiten der Krankheit kann aber wirksam gebremst werden. Fast eine Million Deutsche leiden an einem Glaukom. Die Erkrankung kann nur vom Augenarzt festgestellt werden. Betroffene, die regelmäßig beim Optiker ihre Sehstärke kontrollieren lassen, wiegen sich oft in trügerischer Sicherheit. Die Devise „unbedingt zum Augenarzt” gilt auch für die zweite typische Augenerkrankung des älteren Menschen, den Grauen Star. Hauptursache für die Entwicklung einer Katarakt, der Trübung der Augenlinse, ist der ganz normale Alterungsprozess. NOZrgz080829djd
Mit Mini-Gefäßstützen gegen den grünen Star
Wer an grünem Star leidet, kann blind werden, wenn der erhöhte Augeninnendruck nicht gesenkt wird. Winzige Gefäßstützen könnten in Zukunft bei der Behandlung der auch als Glaukom bezeichneten Krankheit helfen. Bisher setzen Ärzte kleine Implantate aus Silikon oder Kunststoff ein, die das Kammerwasser unter der Bindehaut abfließen lassen. Allerdings können sich Druckstellen und Verschlüsse bilden oder es fließt zu viel ab. „Jedes Jahr müssen etwa zehn Prozent der Implantate entfernt werden", sagt Prof. Günther Kriegl- stein vom Uni-Klinikum Köln. Abgelöst werden könnten diese Implantate von kleinen Stützen, sogenannten Mikrostents. Sie leiten das Augenwasser, das zur Druckerhöhung führt, in das Drainagesystem des Auges. „Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend." Augenärzte diskutierten darüber auf dem 107. Kongress der Ophthalmologischen Gesellschaft in Leipzig. HA090917
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und Glaukom sind zwei häufige Erblindungsursachen. Warum regelmäßige Augenuntersuchungen vorbeugen und wie sich die Krankheiten behandeln lassen, erklärt die Broschüre „Altersblindheit vermeiden". Sie ist kostenlos bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, oder im Internet unter www.altersblindheit-vermeiden.de erhältlich. HAZ090714
Glaukom Grüner Star
Bei Patienten mit Grünem Star zeigt die Netzhaut des Auges deutliche Veränderungen. Der Kopf des Sehnervs - auf dem Foto als heller Fleck zu sehen - erscheint wie eine Aushöhlung, die von einem verdickten Randwulst (gelb) umgeben ist.
„Die Schmerzen waren die Hölle" Bei Übelkeit sollte man auch an die Augen denken, denn ein Glaukomanfall geht auch auf den Magen

Schnelle Diagnose: Dorothee Brockmann untersucht den Augendruck eines Patienten.
Die Schmerzen kamen nachts, überfallartig und mit voller Wucht. Doris G. verspürte einen unglaublichen Druck über ihrer rechten Augenbraue. Die Schmerztabletten, die sie nahm, nützten nichts. „Es war die Hölle”, sagt sie. Am nächsten Morgen kam noch die Übelkeit dazu. Zum Glück kannte die 67-Jährige die Warnsignale und fuhr sofort zu ihrer Augenärztin. Die deutete Schmerzen und Kreislaufbeschwerden richtig und schickte ihre Patientin in die Medizinische Hochschule Hannover(MHH). Diagnose: akuter Glaukomanfall. „Die Patientin ist mit einem akuten Winkelblockglaukom zu uns überwiesen worden”, sagt Dorothee Brockmann, Oberärztin an der MHH-Augenklinik. „Dabei kann das Augenwasser nicht mehr frei um die Iris herum zirkulieren und staut sich in der hinteren Augenkammer.” Dadurch wölbt sich die Iris vor, und der Abflussweg wird verlegt. Weil die Flüssigkeit nun nicht mehr abfließen kann, erhöht sich der Innendruck. Das geschieht sehr rasch und verursacht enorme Schmerzen. Bei chronischem Glaukom grüner Star hingegen steigt der Augendruck unmerklich an. Der Patient verspürt kaum Schmerzen. Geht er zu spät zum Arzt, kann das Auge bereits unwiederbringlich geschädigt sein. Doris G. hat schon seit Jahren Probleme mit den Augen. 1992 erlitt sie ihren ersten Glaukomanfall. „Ich sah bunte Kreise, und bei strahlendem Sonnenschein erschien alles nebelig”, erinnert sie sich. Eine Freundin riet ihr, zum Augenarzt zu gehen. Seitdem nimmt Doris G. spezielle Medikamente. Weil sie weit- sichtig ist und der Augapfel daher stark gedrungen ist, verengt sich der Abflusswinkel in der vorderen Augenkammer. Und weil sich die Linsen mit zunehmendem Alter verdicken, verstärkt sich das Problem. „Die Tropfen sollten die Pupille eng stellen, damit sich die Regenbogenhaut möglichst entspannt”, erklärt die 67- Jährige. So sollte der Abflusswinkel möglichst weit gehalten und einem drohenden Augenwasserstau entgegengewirkt werden. Jahrelang ging das auch gut. Bis zu jener Nacht, in der das rechte Auge erneut einen Glaukomanfall erlitt. In der MHH wurde der Patientin sofort geholfen. „Wir haben ein kleines Loch in der Regenbogenhaut ge- schaffen und so den Abflussweg wieder geöffnet”, erklärt Brockmann. Was sich für Unbeteiligte dramatisch anhören mag, ist für erfahrene Augenärzte eine unkomplizierte Routinesache und für den Patienten relativ kurz und schmerzlos. Mit Medikamenten haben die MHH-Mediziner die Pupillen verengt, danach die Augen mit Tropfen örtlich betäubt. „Ich hatte beim Lasern keine Schmerzen”, sagt Doris G. noch immer verwundert. Eigentlich hätte sie den Eingriff schon viel früher vornehmen lassen sollen. Ihre Augenärztin hatte ihr schon lange dazu geraten. Doch Doris G. schob es aus Angst hinaus. „Hätte ich gewusst, wie ein- fach und schnell das geht, wäre mir viel Kummer erspart geblieben”, stellt sie heute fest. Damit ihr auch in Zukunft so ein Erlebnis erspart bleibt, haben die Ärzte vorsorglich beide Augen mit einem sogenannten Kurzschluss versehen und einen direkten Abflussweg durch die Iris gelegt. „Das linke Auge haben wir mitbehandelt, damit das Problem dort gar nicht erst auftreten kann”, erklärt Brockmann. Am dritten Tag nach ihrer Einweisung in die Augenklinik ist Doris G. bereits wieder fast genesen. Übelkeit, Schmerzen und Schwindelanfälle waren kurz nach der Laserbehandlung vorbei. Nur das rechte Auge ist nach den Strapazen noch etwas gerötet und muss sich erst erholen. Dass sie keine bleibenden Schäden davontragen wird, verdankt Doris G. auch der schnellen Diagnose. Häufig suchen die Patienten wegen Übelkeit und Erbrechen zunächst den Allgemeinmediziner auf und werden auf Magen-Darm-Probleme behandelt. „Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit”, betont die Augen- ärztin. Ihre Patientin hat noch einmal Glück gehabt. Und weil durch die Laserbehandlung die Gefahr eines erneuten Glaukomanfalls gebannt ist, muss Doris G. in Zukunft nicht einmal mehr Medikamente einnehmen. HAKirstenAllee080408
Augentropfen gegen grünen Star Augentropfen mit einem Nerven-Wachstumsfaktor könnten die Zerstörung von Sehzellen bei Glaukom- Patienten zumindest verlangsamen. Das berichten italienische Wissenschaftler nach Untersuchungen an Ratten und ersten Patienten in den „Proceedings” der amerikanischen Akademie der Wissenschaften online vorab. Der größte Risikofaktor ist eine Erhöhung des Drucks in den Augen. Glaukome sind eine der Haupt- ursachen für Erblindung. HA090804dp

Oft viele Jahre unbemerkt. Früh erkannt, lässt sich das Glaukom verhindern. Hoher Augendruck ist einer der Risikofaktoren. Die UKE-Augenklinik hat eine der größten Glaukom- Sprechstunden in Europa, betont Prof. Dr. Gisbert Richard Foto oben rechts.
Zu ihren tückischsten Begleiterscheinungen gehört, dass der Patient lange nichts von dieser Erkrankung bemerkt. Erst wenn ihm auffällt, dass - sobald er einmal konzentriert und ohne die Augen zu bewegen geradeaus blickt - sein Gesichtsfeld sich eingeengt hat und er dann zum Augenarzt geht, wird der grüne Star, das Glaukom, diagnostiziert. In Deutschland leiden, eine große Dunkelziffer eingeschlossen, zwischen 2,5 und drei Millionen Menschen an einem Glaukom, das sich über Jahre unbemerkt entwickeln kann. Unbehandelt führt es allmählich zur Erblindung. Früherkennung kann dies verhindern. Eine der Ursachen ist der krankhaft erhöhte Augeninnendruck. Aber es gibt weitere Merkwürdigkeiten. Der Direktor der Augenklinik im Universitätsklinikum Eppendorf, Prof. Dr. Gisbert Richard, zählt auf: Rund 40 Prozent der Glaukom-Patienten haben normalen, 30 Prozent noch nie einen erhöhten Augeninnendruck. Gelegentlich entwickeln Patienten trotz erhöhter Werte kein Glaukom. Wo also liegen die Ursachen? Richard verweist auf die neu als Risikofaktor entdeckte dünne Hornhaut, von der er annimmt, dass sie bei der Entstehung möglicherweise ebenso ins Gewicht fällt wie der erhöhte Augeninnendruck. Gleichermaßen bedeutsam wie dieser sind Venenverschlüsse im Auge, die zu falscher Druckmessung und der verhängnisvollen Annahme verleiten, ein Glaukom liege nicht vor. Hohe Kurz- und hohe Weitsichtigkeit, niedriger und schwankender Blutdruck, Diabetes und ein hohes Alter sind ebenfalls Ursachen des Innendruck-Anstiegs. Auch bei mit Kortison behandelten Patienten stieg der Augeninnen- druck. Die Augenärzte unterscheiden zwischen dem häufigeren primären Offenwinkelglaukom und dem selteneren Winkelblockglaukom. Bei beiden ist ausschlaggebend für die Entstehung, dass im Ziliarkörper des Auges mehr Kammerwasser produziert wird als aus der vorderen Augenkammer abfließt. Dieses Miss- verhältnis lässt den Druck steigen. Ein gesunder Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 20 Millimeter/ Quecksilbersäule mm/Hg und er ist notwendig, um das Auge in seiner glatten gerundeten Form zu halten. Am Tag schwankt der Druck um bis zu fünf mm/Hg. Der hohe Druck verschlechtert aber auch die Durchblu- tung von Sehnervenkopf und Netzhaut, eine weitere gewichtige Ursache der Glaukom-Entstehung. So setzt ein Verlust von Nervenfasern am Sehnervenkopf ein, der nach und nach regelrecht ausgehöhlt wird. In der Folge entstehen die charakteristischen Gesichtsfeldausfälle. „Das ist aber erst der Fall”, so Richard, „wenn von den zwei Millionen Nervenfasern rund eine Million zugrunde gegangen ist. Doch bevor der Patient davon etwas merkt, sind Monate bis Jahre vergangen, und dann ist meist der Schaden am Sehnerv schon weit fortgeschritten.” Eine Schädigung lässt sich nicht rückgängig machen. Deshalb zielt alles darauf ab, das Restsehvermögen zu erhalten und die Erblindung zu verhindern. Erste Wahl bei der Behandlung sind zunächst Augentropfen. Mit der Zeit jedoch verlieren sie an Wirk- samkeit. Richard bedauert zudem eine nachlässige Anwendung vieler Patienten. Die Laser-Energie kann zweifach eingesetzt werden: zur Verödung des Ziliarkörpers, der das Kammer- wasser bildet, und noch einmal zur Narbenbildung im Kammerwinkel, die einen besseren Abfluss des Kammerwassers ermöglicht. Im UKE ist der Wirkmechanismus des Lasers geklärt worden: Er lässt eine Ent- zündung mit Narben entstehen, die wohl die Senkung des Drucks verantwortet. Wenn Tropfen und Laser nicht helfen, bleibt nur die OP Im UKE wird meist für das Kammerwasser ein neuer Abfluss durch die ge- fensterte Lederhaut und unter die Bindehaut gelegt, wo das Wasser allmählich versickern kann. Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde. Der Patient bleibt drei Tage. HAMaxConradt080423
Der Augeninnendruck Der Augeninnendruck - im Innern des Augapfels - entsteht durch das Kammerwasser. Diese Flüssigkeit versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen.Produktion und Abfluss sind beim gesunden Auge im Gleichgewicht. Der Druck wird in der gleichen Einheit gemessen wie der Blutdruck. Beim gesunden Erwachsenen liegt er zwischen 10 und 21 Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Die Messung des Augeninnendrucks „Tonometrie" zahlen die Kassen nur bei Krankheitsverdacht. Augenärzte bieten dies als freiwillige Leistung an (ca. 16-20 Euro). Dabei wird die Hornhaut mit Spezialtropfen kurz betäubt, dann mit einem Sensor die Rundung drei Millimeter eingedrückt. Der dazu nötige Druck entspricht dem Augeninnendruck. HAcri080423
Patientin Heidrung Dobrick nach der Laser OP.
Leichter Nebel vor den Augen Heidrun Dobrick (68) erging es wie vielen Grüner-Star-Patienten. Das sogenannte Glaukom entstand unbemerkt. Es tat Heidrun Dobrick nichts weh, - „nur dass ich leichten Nebel vor dem Gesichtsfeld hatte”, so die Norderstedterin über die ersten Anzeichen. Der Arzt stellte 2000 einen erhöhten Augendruck fest und verschrieb Augentropfen. Acht Jahre nahm sie Medikamente, die Allergien verursachten oder nicht halfen. Schließlich riet Augenarzt Dr. Friedrich Flohr zur Laser-OP. Am 15. Januar 2008 wurde zuerst das rechte Auge behandelt, einen Monat später das linke. Dabei setzte Flohr die Laser-Energie zur Verödung des Ziliarkörpers ein, wodurch die Kammerwasserproduktion herab- gesetzt wurde. Einen Tag und eine Nacht verbrachte die Patientin in einem komfortablen Zwei-Bett-Zimmer der Park-Klinik Manhagen. Die Schmerzen nach der kurzen Vollnarkose seien minimal gewesen. Noch nicht mal Tabletten habe sie nehmen müssen. „Vor der Laserbehandlung braucht niemand Angst zu haben, ich habe mir vorher zu viele Sorgen gemacht", sagt sie. Endgültig gebannt ist die Gefahr der Erblindung allerdings nicht, weil der grüne Star wieder auftreten kann. Deshalb geht die Rentnerin alle drei Monate zur Kontrolle in die Augenarztpraxis, denn sie weiß mittlerweile, wie gefährlich und heimtückisch sich die Erkrankung entwickeln kann. HAFranziskaFelsch080423
Augenleiden weckt Ängste. Kein Beweis für ein erhöhtes Demenzrisiko bei Grünem Star
Augenärzten fällt derzeit eine ungewohnte Aufgabe zu. Viele an Grünem Star leidende Patienten sind näm- lich verunsichert und möchten von ihnen wissen, ob diese Erkrankung mit einem erhöhten Demenzrisiko einhergeht. Es liegt dann an den Ärzten, sie aufzuklären - oder vielmehr zu beruhigen. Jüngster Anlass für die Besorgnis von Patienten ist eine Veröffentlichung in den „Proceedings” der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften Bd.104, S.13444, in der über Gemeinsamkeiten zwischen Alzheimer-Demenz und Grünem Star spekuliert wird. Forscher um Francesca Cordeiro vom University College in London haben bei Ratten den Innendruck eines Auges künstlich erhöht. In diesem Auge fand man danach eine erhöhte Konzentration an Beta-Amyloid, einer Eiweißsubstanz, die sich charakteristischerweise auch bei Alzheimer- Patienten im Gehirn vermehrt ablagert. Ob es indes einen tatsächlichen oder gar ursächlichen Zusammen- hang zwischen Grünem Star (Glaukom) und Alzheimer-Demenz gibt, ist eher fraglich. Traditionellerweise erklärte man die mit einem Glaukom verbundenen Sehbeeinträchtigungen damit, ein zu hoher Druck im Augeninnern schädige die Nervenzellkörper in der Netzhaut und deren Ausläufer.Diese sammeln sich im Augenhintergrund im Kopf des Sehnerven, der von dort ins Gehirn weiter- zieht. Derartige Beeinträchtigungen treten jedoch bisweilen auch bei normalem Augeninnendruck auf - Ärzte sprechen dann vom Normaldruckglaukom. Daher nimmt man nun an, dass zusätzlich - oder bei manchen Patienten sogar hauptsächlich - ein vom Druck unabhängiges Absterben von Nervenzellen stattfindet. Das führte zu der Vermutung, es könne sich um ein neurodegeneratives Geschehen handeln, wie man es etwa von der Parkinson-Krankheit oder eben der Alz- heimer-Demenz her kennt. Die Ergebnisse einer Untersuchung an Alzheimer-Patienten in Japan schienen die Verbindung zu bestä- tigen. Bei den Demenzkranken diagnostizierte man nämlich mehr als doppelt so häufig ein Glaukom wie in der Vergleichsgruppe. Zudem finden sich verschiedene für die Alzheimer-Demenz charakte- ristische Eiweiße auch bei Glaukompatienten im Kammerwasser der Augen. Schließlich scheint eine Veränderung des Apolipo- protein-E-Gens sowohl mit einem erhöhten Risiko für die Demenz als auch für ein Glaukom verbunden zu sein. Das hat jedenfalls eine Untersuchung an tasmanischen Patienten ergeben. Im Forschungslabor der Universitätsaugenklinik Mainz hat man unlängst im Blut von Glaukompatienten eine erhöhte Konzentration von Antikörpern gegen das Protein Alpha-Fodrin gemessen. Derartige Immunreaktionen gegen Alpha-Fodrin lassen sich zwar auch bei der Alzheimer-Krankheit nachweisen. „Dennoch muss man sich im Augenblick hüten, aufgrund solcher Befunde ursächliche Beziehungen zwischen Glaukom und Alzheimer-Demenz herzu- stellen”, sagt Norbert Pfeiffer, der Leiter der Universitätsaugenklinik in Mainz. „Es gibt nämlich eine Vielzahl weiterer Proteine, die die Glaukomkrankheit ebenfalls mit zahlreichen anderen Erkrankungen gemeinsam hat, ohne dass wir auch nur eine Ahnung hätten, wie das zusammenhängt.” Der Grüne Star werde inzwischen mit Migräne, Schilddrüsenerkrankungen, erhöhtem Blutdruck, dem Magen- keim Helicobacter pylori, Hörverlusten, Schlafstörungen und der Zuckerkrankheit in Verbindung gebracht. Man spreche daher zunehmend von einem kranken Auge in einem kranken Organismus, sagt Pfeiffer. Aussagen im Hinblick auf das Risiko, von anderen Erkrankungen heimgesucht zu werden, lassen sich nach Ansicht des Mainzer Spezialisten jedoch nicht ableiten. Beta-Ämyloid kommt auch bei Zuckerkranken ver- mehrt im Auge vor. Daher könnte der jüngste Befund eher auf einen Schaden als auf eine Ursache hin- weisen. Beruhigend für Patienten mit Grünem Star ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung in Dänemark, die sich auf eine umfangreiche Datenanalyse stützt. Hierbei fand man bei Glaukompatienten kein erhöhtes Risiko für Alzheimer-Demenz („Journal of Glaucoma”, Bd.16, S.47. Deshalb muss auch der zweite Befund aus der Londoner Arbeitsgruppe mit Zurückhaltung bewertet werden. Cordeiro berichtet nämlich, dass sich das Absterben von Nervenzellen durch eine Kombination von drei Gegen- spielern des Beta-Amyloids um 84 Prozent vermindern lässt. Das sei vielleicht ein neuer Ansatz, jenen Patienten mit Normaldruckglaukom zu helfen, bei denen die druck- senkenden Medikamente oder Augenoperationen den Verlauf der Erkrankung nicht zu bremsen vermögen, hofft das Londoner Team. Allerdings, und hier liegt der logische Bruch, hat man auch in diesem Experiment zunächst eine Druckerhöhung bei den Ratten erzeugt. Einen erhöhten Augeninnendruck zu behandeln ist jedoch nicht das, was Augenärzten derzeit Schwierigkeiten bereitet. Woran es mangelt, sind wirkungsvolle Strategien für jene Kranken, bei denen der Sehnerv trotz eines normalen Drucks geschädigt wird. Einen weiteren Rückschlag auf diesem Gebiet markiert eine große klini- sche Studie, in der bereits an Glaukompatienten - und nicht lediglich an Ratten - das zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassene Medikament Memantine getestet wurde. Die Ergebnisse erfüllten nicht die Hoffnungen. Während man also die Glaukompatienten im Hinblick auf ihr Alzheimer-Risiko mit gutem Grund beruhigen kann, muss man sie, was neue Medikamente angeht, noch enttäuschen.FAZMLenzenSchulte070917
Glaukom - Sehnerv unter Druck. In Deutschland leiden fast zwei Millionen Menschen am Glaukom oder einer Vorstufe davon – dem erhöhten Augeninnendruck.
Krankheitsbild Ausfälle am Rand des Gesichtsfelds Diagnose Blick ins Auge Therapie Vorwiegend medikamentös Vorbeugung Vorsorgeuntersuchungen nutzen Die blinden Flecken sieht der Glaukom-Patient gar nicht, weil sein Gehirn sie ergänzt Das Glaukom zerstört die Sehnervenfasern an der Stelle, wo der Sehnerv in das Auge eintritt. Auslöser sind ein erhöhter Augeninnendruck und eine unzureichende Blutversorgung der empfindlichen Nervenzellen. Ein hoher Augeninnendruck entsteht, wenn die Flüssigkeit im Augeninneren nicht ausreichend abfließen kann. Sie versorgt Linse und Hornhaut mit Nährstoffen und fließt dann über ein Filter- und Kanalsystem in den Blutkreislauf ab. Normalerweise liegt der Augeninnendruck zwischen 10 und 21 mm/Hg. Der Abfluss- widerstand hält ihn konstant. Der Druck steigt, wenn zu wenig Flüssigkeit abfließt. Dadurch kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs. Offenwinkelglaukom Die Mehrheit der Patienten leidet an dieser Form. Das Kammerwasser im Auge kann nicht ausreichend abfließen, weil altersbedingte Ablagerungen das Maschenwerk des Abflusskanals verengen. Im Verlauf dieser Glaukomform kommt es zu typischen Ausfällen im Gesichtsfeld, die der Patient längere Zeit nicht wahrnimmt. Fehlende Bildelemente ergänzt das Gehirn zu einem logischen Bild. „Der Augendruck steigt über Jahre hinweg ganz langsam. Die Patienten haben weder Sehstörungen noch Schmerzen”, sagt Prof. Dr. Franz Grehn, Direktor der Universitätsaugenklinik in Würzburg. Normaldruckglaukom Früher galt ein Augeninnendruck von über 21 mmHg als einziges Kriterium für die Diagnose Glaukom. Heute ist bekannt, dass auch Patienten am Glaukom leiden können, deren Augeninnendruck deutlich unter diesem Grenzwert liegt. Die Definition des Krankheitsbilds Glaukom erfolgt durch den Sehnervschaden. Bei Patienten mit einem Normaldruckglaukom ist häufig die Durchblutung der Nervenfasern im Auge gestört. Dadurch gehen die Nervenzellen zugrunde Winkelblockglaukom Im Alter wird die Augenkammer enger, und der Durchfluss durch die Pupille ist behindert. Die Iris wölbt sich dann vor, so dass sie das Abflusssystem blockiert. Auch eine Vergrößerung der Linse, die mit zunehmendem Alter entsteht, kann den Abfluss verengen. Ein akuter Glaukomanfall zeigt sich durch heftige Schmerzen im Auge, Kopfweh, Schleiersehen, plötzliche starke Übelkeit. Der plötzliche enorm hohe Augen- innendruck kann schon nach wenigen Stunden zu erheblichen Schäden führen. Diagnose Da das Glaukom meist lange Zeit beschwerdefrei verläuft, bemerken Patienten es oft erst, wenn es irreparabel weit fortgeschritten ist. „Die Dunkelziffer für Glaukome liegt in Europa bei 50 Prozent. Das bedeutet, dass auf jeden Patienten mit Therapie ein Patient kommt, dessen Erkrankung nicht bekannt ist”, erklärt Prof. Dr. Franz Grehn, Direktor der Universitätsaugenklinik in Würzburg. Je früher aber das Glaukom diagnostiziert wird, desto erfolgreicher ist eine Therapie. Den Augeninnendruck zu messen genügt für eine Diagnose nicht, da Normaldruckglaukome damit unerkannt bleiben. Entscheidend ist die Beurteilung des Sehnervs durch den Augenarzt. Untersuchung mit der Spaltlampe: Die Spaltlampe ist ein flexibles Mikroskop mit spezieller Beleuchtung. Für die Diagnose des Glaukoms untersucht der Augenarzt die Vorderkammertiefe, die Regenbogenhaut, die Linse und vor allem die Eintritt- stelle des Sehnervs (Papille) am Augenhintergrund. Mit dieser Untersuchung lässt sich sehr früh erkennen, ob ein Glaukomverdacht besteht, ob ein manifestes Glaukom vorliegt und ob es trotz Behandlung fort- schreitet. Applantationstonometer: Es misst den Augeninnendruck. Dessen Bestimmung ist allerdings für eine verlässliche Diagnose nicht aus- reichend. Gesichtsfeldmessung: Die Messung des Gesichtsfeldes bestimmt das Ausmaß eines bereits bestehenden Schadens. Außerdem zeigt sie, ob eine Therapie erfolgreich verläuft. Therapie Vorwiegend medikamentös Die Schäden, die ein Glaukom verursacht hat, sind nicht umkehrbar. „Wir können heute das Fortschreiten des Glaukoms verlangsamen oder aufhalten, es aber nicht heilen”, sagt Prof. Dr. Franz Grehn, Direktor der Universitätsaugenklinik in Würzburg. Medikamentöse Therapie: In vielen der Fälle genügt es, wenn die Patienten regelmäßig Augentropfen nehmen, deren Wirkstoff den Augeninnendruck senkt. Je nach Wirkmechanismus reduzieren einige Medikamente die Produktion des Kam- merwassers (Betablocker-, Karboanhydrasehemmer- oder Brimonidin-Augentropfen), andere verbessern dessen Abfluss durch den Ziliarmuskel (Prostaglandine). Die Behandlung muss lebenslang erfolgen. Noch in der Erprobungsphase für das Glaukom ist das therapeutische Prinzip der Neuroprotektion: Medikamente sollen die Nervenzellen stabilisieren, damit sie dem erhöhten Druck besser standhalten. Im Tierversuch hat sich der bei Alzheimer-Erkrankung wirksame Stoff Memantin bewährt. Zwei große klinische Studien erpro- ben gerade seine Wirksamkeit für glaukomkranke Patienten. Lasertherapie: Die relativ schonende Laserbehandlung des Maschenwerkes im Kammerwinkel kann den Abfluss des Kammerwassers verbessern. Allerdings ist die Wirkung begrenzt, und der Effekt hält nicht immer lange vor. Operationen: Ein operativer Eingriff ist dann notwendig, wenn Medikamente nicht den nötigen Erfolg haben, wenn ein Patient Unverträglichkeiten zeigt oder wenn ein Glaukomschaden trotz Therapie fortschreitet. Beim Winkel- blockglaukom ist eine Laseridotomie notwendig, wobei das Laserskalpell ein kleines Loch in die Regen- bogenhaut stanzt. Es gleicht Druckdifferenzen zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer aus. Der kurze Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung des Auges. Die Trabekulektomie ist die Operation für das Offenwinkelglaukom. Dabei wird ein neuer Abfluss für das Kammerwasser geschaffen. Dazu legt der Chirurg eine neue Öffnung ins Augeninnere an, die durch ein kleines Stückchen der Lederhaut (Sklera) geschützt wird, und verschließt die darüber liegende Bindehaut wieder. „Problem der OP ist, dass die neu geschaffene Öffnung wieder zuwachsen kann. So genannte Zytostatika, Wirkstoffe, die das Zellwachstum hemmen, verbessern den Operationserfolg”, berichtet Prof. Dr. Franz Grehn, Direktor der Universitätsaugenklinik in Würzburg Vorbeugung: Vorsorgeuntersuchung: Die früher verbreitete Meinung, Lesen bei schlechtem Licht, Reizung durch Kontaktlinsen oder eine falsche Ernährung würden ein Glaukom bedingen, hat sich wissenschaftlich nicht bestätigt. Die wichtigsten Glaukom-Risiken: erhöhter Augeninnendruck Lebensalter (ab 40 Jahre, insbesondere höheres Lebensalter) eine geringe Hornhautdicke beginnende Aushöhlung des Sehnervkopfs Ablagerung eines speziellen Eiweißstoffs im Auge (Pseudoexfoliation) starke Kurzsichtigkeit (über 5 Dioptrien) familiäre Vorbelastung Herz-Kreislauf-Erkrankungen, niedriger Blutdruck Einige Erkrankungen können ein Glaukom nach sich ziehen, z.B. schwere Augenentzündungen Kortisonbehandlung über einen längeren Zeitraum Augenärzte raten allen, die ein oder mehrere Risiken haben, ab 40 Jahren regelmäßig die Vorsorgeunter- suchungen wahrzunehmen. Sehnerv-Check und Augendruckmessung kosten beim Augenarzt um die 20 Euro. Kassenpatienten müssen die Kosten dafür selbst übernehmen.
Untersuchung auf Grünen Star
Grünem Star keine Chance geben. Symptome lange unauffällig - Frühzeitige Prävention und Behandlung
Zwei Prozent der über 40-Jährigen sind vom Grünen Star (Glaukom) betroffen. Das Glaukom ist eine der Hauptursachen für Blindheit, doch die Hälfte aller Betroffen weiß nichts über ihre Erkrankung, da die Anfänge unbemerkt verlaufen. Eine Verbesserung der Früherkennung ist nötig, andernfalls müssen wir bis zum Jahr 2030 mit einer Steigerung von 60 Prozent bei Erblindungen rechnen, so die Deutsche Ophtamologische Gesellschaft (DOG). Die Bezeichnung „Star” für Blindheit entstand im 16. Jahrhundert. Augenärzte unterschieden Erblin- dungsfälle anhand der Pupillenverfärbung. Der Grüne Star ist eine Drucksteigerung im Augeninneren. Ständig gebildetes Kammerwasser füllt die vordere Augenkammer zwischen Hornhaut und Linse. Das Kammerwasser versorgt Hornhaut und Linse mit Nährstoffen und fließt stetig durch feine Kanäle an den Seiten des Auges wieder ab. Beim gesunden Auge unterliegt der vom Kammerwasser abhängige Innendruck nur geringen Schwankungen. Steigt der Druck jedoch stark an, schädigt er die Nervenfasern im vorderen Bereich des Sehnerven. Gesichtsfeldeinschränkungen bis hin zu Blindheit sind die Folge. Häufigstes Glaukom Bei einem offenen Offenwinkelglaukom, der häufigsten Form des Grünen Stars, kommt es infolge einer Verlegung des Abflusses aus der Augenkammer zu einer allmählichen, nicht schmerzhaften Druck- erhöhung; die feinen Fasern des Sehnervs sterben nach und nach ab. Die Gefahr, an diesem chronisch verlaufenden Glaukom zu erkranken, steigt ab dem 40. Lebensjahr. Weitsichtigkeit und Glaukomerkran- kungen in der eigenen Familie erhöhen das Risiko. „Diese Form des Grünen Stars ist heimtückisch, weil man so lange nichts bemerkt”, so Prof. Dr. Volker Seiberth, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde der Niels- Stensen-Kliniken / Marienhospital Osnabrück. Wenn dem Patienten schließlich starke Seheinschränkungen im Alltag auffallen, sei der Schaden schon sehr groß. Zerstörungen am Sehnerv sind nicht mehr zu beheben. Die Therapie des Grünen Stars kann lediglich ein weiteres Absterben des Sehnervs stoppen. Dies ist mit einer regelmäßigen Gabe von Tropfen, die den Augeninnendruck regulieren, möglich. Doch „sicherlich die Hälfte der Patienten nimmt es nicht ernst und nimmt die Tropfen nicht”, berichtet Seiberth aus der Praxis. Grund für die Nachlässigkeit der Betroffenen seien die lange Zeit unauffälligen Symptome des Grünen Stars. Bei einem medikamentös nicht zu regulierenden Augeninnendruck oder schweren Nervenschädigun- gen kann man auch mittels einer Operation einen drucksenkenden Abfluss des Kammerwassers schaffen. Glaukomanfall Weniger häufig, jedoch dramatischer ist der Glaukomanfall oder das Winkelblockglaukom. Hier kommt es zu einer akuten Verlegung der Abflusswege des Auges. Der Augeninnendruck steigt plötzlich extrem an. Anfallsartige starke Augenschmerzen und Übelkeit sind die Folge. Die Betroffenen sehen Ringe um Lichtquellen, das Sehvermögen lässt deutlich nach, und die Augen sind gerötet. Infolge einer Reizung des vegetativen Nervensystems kann es auch zu starken Bauchschmerzen kommen. „Mancher Patient wurde schon wegen eines akuten Bauches operiert, hatte jedoch einen Glau- kom-Anfall”, so Seiberth. Bei einem Glaukomanfall ist ein schnelles Aufsuchen des Augenarztes wichtig, denn der erhöhte Augeninnendruck kann innerhalb kurzer Zeit zu schweren Sehnervschädigungen führen. Angeborenes Glaukom Das seltene angeborene Glaukom ist eine Fehlentwicklung des Augeninneren. Außergewöhnlich schöne, große Augen eines Babys können auf ein Glaukom hindeuten. Auch Lichtscheue, vermehrtes Augentränen oder eine vorübergehende Trübung der Hornhaut können Symptome sein. Nur eine frühzeitige Operation kann bei dieser Form ein Erblinden verhindern. Prävention Mit einer frühzeitigen Prävention und Behandlung lassen sich die Spätfolgen des Grünen Stars begrenzen. „Eine alleinige Druckmessung beim Optiker ist nicht ausreichend, denn in Ausnahmefällen kann auch bei normalen Augendruckwerten ein Glaukom vorliegen”, betont der Experte. Um schwere Sehschädigungen und Erblindungen zu verhindern, fordert die DOG regelmäßige Kontrollen des Augeninnendrucks sowie eine Sehnervuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr. bsfNOZ07020
Ein ins Auge implantierter Chip soll Erblindungen vorbeugen
Das winzige Elektronikteil soll den Augeninnendruck überwachen und damit die Entstehung des gefürchteten Grünen Stars verhindern helfen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen in Duisburg und eine Firma in Hannover haben einen Chip entwickelt, mit dem sich der Augen- innendruck kontinuierlich messen lässt. Der drei Millimeter breite Drucksensor aus Silizium sitzt auf einer künstlichen Linse, wie sie schon heute routinemäßig zur Behandlung des Grauen Stars ins Auge implantiert wird. Er sendet seine Messwerte per Funk an eine Empfangseinheit, die in die Brille des Patienten ein- gebaut ist. Ein in der Hemd- oder Jackentasche getragenes kleines Lesegerät wertet die Messdaten anschließend aus und speichert sie für den Arzt. Krankhaft erhöhter Augeninnendruck führt zur Entstehung des gefürchteten Grünen Stars (Glaukom), der häufigsten Ursache für Erblindungen in Deutschland. Bisher können die Betroffenen den Druck nur punktuell bei gelegentlichen Arztbesuchen überprüfen lassen, Schwankungen im Tages- und Nachtverlauf werden dabei nicht erkannt. Rund um die Uhr gewonnene Daten wären aber wichtig, um den Verlauf der Krankheit zu kontrollieren und auf das Ansteigen des Innendrucks rechtzeitig mit Medikamenten reagieren zu können. Nach klinischen Tests an Menschen wird mit der Markteinführung des Geräts in diesem Jahr gerechnet.
Sehnerv kontrollieren lassen
Lange galt, dass der grüne Star durch einen erhöhten Augeninnendruck entstehe. Doch fast die Hälfte aller Glaukompatienten haben einen „normalen" Augeninnendruck. Entscheidender sei der Zustand des Sehnervs, erklärt Prof. Holger Busse, Direktor der Uni-Augenklinik Münster und Wissenschaftlicher Beirat des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA). Patienten, die zur Glaukomvorsorge zum Augenarzt gehen, wie es ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich sinnvoll ist, sollten darauf achten, dass der Innendruck der Augen gemessen und der Sehnerv kontrolliert wird. mpHA070502
grüner Star
Ärzte warnen vor den Gefahren des Grünen Stars. Nur Früherkennung hilft. Weitere Information: www.glaukom.de
Zu einer besseren Vorsorge gegen Augenerkrankungen hat der bundesweite Initiativkreis zur Glaukom- Früherkennung aufgerufen. Weltweit seien bislang schätzungsweise sieben Millionen Menschen durch Glaukom erblindet, warnte der Augenarzt Andreas Mohr in Bremen. Glaukom, früher Grüner Star genannt, sei tückisch. Betroffene bemerkten die Krankheit erst, wenn irreparable Schäden am Sehnerv entstanden seien. Nur durch Früherkennung sei das Sehvermögen zu erhalten. In Deutschland sind nach Mohrs Angaben etwa fünf Millionen Menschen über 40 Jahre gefährdet, an Glaukom zu erkranken. Risikofaktoren seien das Alter, Durchblutungs- Störungen, Diabetes und Kurzsichtigkeit. Bei der Krankheit gingen die Nervenzellen am Sehnerv zu Grunde, nach und nach werde so die Verbindung zwischen Auge und Gehirn zerstört, erläuterte Mohr. “Das ist irreparabel. Wenn man erst zum Arzt geht, wenn man etwas spürt, ist es zu spät.” Eine rechtzeitige Behandlung mit Medikamenten könne die Zerstörung des Sehnervs stoppen. Der Initiativkreis wurde vor zwölf Jahren gegründet und hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf. Die Organisation kämpft laut Mohr seit Jahren mit den Krankenkassen um eine Kostenübernahme der Vorsorgeuntersu- chung. Bislang müssten die gesetzlich Kranken- versicherten die rund 20 Euro teure Untersuchung selbst zahlen. Bericht/Foto:dpaNOZ030628
Beratung bei grünem Star
Patienten beantworten am Telefon Fragen zum Leben mit der Augenkrankheit „grüner Star”. Die Initiative Auge hat unter dem Motto „Patienten helfen Patienten” ein zweites Beratungstelefon für Glaukom-Kranke eingerichtet, teilt das Deutsche Grüne Kreuz mit. Jeden letzten Freitag im Monat können sich Betroffene (16-18 Uhr) mit Patienten austauschen. Jeden Mittwoch (14-16 Uhr) beantworten Ärzte Fragen zum grünen Star: 0800 / 011 21 18, Der Anruf ist kostenlos. HA050816
Schutz vor Erblindung
Augenärzte rufen zu besserer Vorsorge gegen den grünen Star auf. Mit Früherkennung könnten 30 Prozent der Erblindungen in Deutschland verhindert werden, betonte der Direktor der Augenklinik der Universität Münster, Prof. Holger Busse. Das so genannte Glaukom ist die bundesweit zweithäufigste Erblindungsursache. Jährlich erblindeten zirka 10.000 Menschen. Insgesamt leben in Deutschland 160.000 Blinde und 600.000 schwer Sehbehinderte. dpaHA040216

Die Gesundheit im Auge behalten. Glaukom. Früherkennung ist meist Sache der Patienten. Die Kasse zahlt selten.
Die Untersuchung zur Früherkennung des grünen Stars (Glaukom) sorgt für Verwirrung - nicht nur bei den Patienten. Auch die Krankenkassen und Augenärzte selber blicken nicht immer durch. Wann zahlen die gesetzlichen Krankenkassen und wann nicht? „Das ist eine Baustelle”, sagt Barbara Marnach, Ärztin beim AOK-Bundesverband. Die Glaukom-Früherkennung gehört zu den „Individuellen Gesundheits-Leistungen“ - kurz: IGeL. Das heißt, die Ärzte rechnen die Leistung privat ab, auf Kosten der Patienten. Die zahlen dafür zwischen 14,80 Euro und 31 Euro - je nachdem, ob der Arzt ihnen den einfachen Wert oder einen Steigerungssatz (1,3- fach oder 2,3-fach) berechnet. Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, der festlegt, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen und welche nicht, hat im Dezem- ber 2004 noch einmal bestätigt: Die drei Bestandteile der Untersuchung - die Augendruckmessung, eine Spiegelung des Augen-Hintergrunds und eventuell noch eine Gesichtsfeldbestimmung - seien nicht zuverlässig genug, um in das Früherkennungsprogramm der Kassen aufgenommen zu werden. Nichtsdestotrotz: „Bei begründetem Verdacht, dass ein Glaukom vorliegt, zahlt selbstverständlich die Kasse”, sagt Marnach. „Doch welche Verdachtsmomente das sind, ist nicht in allen Details geregelt.” Besonders kompliziert liegt der Fall bei Diabetes: „Diabetespatienten werden im Rahmen der jährlich empfohlenen und vergüteten Augenuntersuchung automatisch auch auf ein Glaukom untersucht, auch wenn Diabetes kein anerkannter Risikofaktor ist”, erklärt Steffen Hilfer, Augenarzt beim AOK-Bundes- verband. Offiziell haben nur Patienten mit einer durch Diabetes verursachten Netzhauterkrankung Anrecht auf eine kassengetragene Glaukomuntersuchung. Bei einer anderen Volkskrankheit sieht die Sache klarer aus: Hochdruckpatienten gelten nicht als Risiko- patienten. Auch wenn es etwa die Verbraucherzentrale Hessen so angibt. Folgende Verdachtsmomente machen laut Hilfer die Glaukomuntersuchung zu einer Kassenleistung: * Beschwerden des Patienten, die für den grünen Star typisch sind: * starkes Druckgefühl im Auge, schlechteres Sehen und akute Schmerzen * hochgradige Kurzsichtigkeit * eine Viruserkrankung des Auges * Entzündungen im Augeninneren * eine Behandlung mit Kortison * Augenverletzungen * operative Eingriffe am Auge, bei denen ein Glaukom auszuschließen ist. Letztlich hängt es aber vom Augenarzt ab, wie er das Risiko bewertet. Ein Tipp von Christine Richter vom BKK Bundesverband: „Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie besonders gefährdet sind.” Auch Prof. Norbert Pfeiffer von der Universitäts-Augenklinik in Mainz rät Patienten, ihren Augenarzt nach einer eventuellen Gefähr- dung zu fragen. Sieht dieser keinen Hinweis auf ein Glaukomrisiko, müsse der Patient die gegebenenfalls erst einmal selbst bezahlen. Ergibt sich dabei ein Glaukom-Verdacht, übernimmt künftig die Kasse die Kosten. HAZAnkeNolte050310
Glaukom wird oft zu spät erkannt
Eine Million Menschen in Deutschland sind an Glaukom erkrankt, ohne es zu wissen. Etwa 10 Prozent der Menschen über 40 Jahre gelten als gefährdet, die früher “Grüner Star” genannte Krankheit zu bekommen. Darauf haben Mediziner auf dem Internationalen Glaukom-Kongress in Dresden hingewiesen. Glaukom ist eine der häufigsten Ursachen der Erblindung. Die Krankheit ist nach Angaben von Lutz Pillunat, dem Direktor der Universitäts-Augenklinik in Dresden, deshalb besonders tückisch, weil sie schleichend verläuft und zunächst kaum wahrgenommen wird. Glaukom ist nicht heilbar, kann aber in jedem Entwicklungsstadium gestoppt werden. Deshalb sei es wichtig, dass die Augen regelmäßig vom Augenarzt untersucht werden, sagte Pillunat. Nach Ansicht des Vereins “Initiativkreis zur Glaukom-Früherkennung” sollten sich alle über 40jährigen alle zwei Jahre untersuchen lassen. Zudem gebe es Anzeichen dafür, dass auch Kurzsichtige und Diabetiker besonders gefährdet sein können. rebFAZ020601
“Grüner Star” - unterschätzte Volkskrankheit
Der als “Grüner Star” bekannte Glaukom hat sich nach Meinung von Augen-Ärzten zu einer unter- schätzten Volkskrankheit entwickelt. Bei einer halben Million Bundesbürgern sei die Krankheit diagnosti- ziert worden, sagte der Augenmediziner Carl Erb von der Medizinischen Hochschule Hannover. 50.000 von ihnen seien dadurch bereits erblindet. Durch die Alterung der Bevölkerung zeigten sich die Symptome immer häufiger. Vom 40. Lebensjahr an sei eine jährliche Augen-Innendruckmessung zur Früherkennung dringend zu empfehlen. dpa/Ini/NOZ030118
Gesunde Augen sind für die meisten von uns selbstverständlich. Dennoch ist Früherkennung – etwa für Grünen Star – wichtig
Das Tückische ist, dass man zunächst nichts merkt. „Der grüne Star, auch Glaukom genannt, ist bis zum Spätstadium schmerz- und symptomfrei”, erläutert Lutz E. Pillunat, Direktor der Universitäts-Augenklinik Dresden. Wenn der Sehverlust durch blinde Flecken im Gesichtsfeld auffällt, ist es jedoch schon zu spät - die Schäden am Sehnerv sind dann nicht mehr rückgängig zu machen. Beim Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland in Düsseldorf stellte Pillunat neue Behandlungsoptionen für den grünen Star vor und plädierte für eine breite Früherkennung. In Deutschand sind rund 800.000 Menschen an einem Glaukom erkrankt - die Hälfte davon, ohne es zu wissen. Nach der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist das Glaukom hier zu Lande die zweit- häufigste Erblindungsursache. Nur wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird, kann der Augenarzt weitere Schäden verhindern. Der wichtigste Risikofaktor für den grünen Star ist der Augeninnendruck. Normalerweise fließt überschüssige Flüssigkeit aus dem Glaskörper des Auges über den so genannten Offenwinkel, einen kleinen Kanal im Augenwinkel, nach außen ab. Ist der Kanal verstopft, steigt der Augeninnendruck. „Dann kann es dazu kommen, dass der Augeninnendruck auf den Sehnerv drückt und die Nervenzellen zerstört”, sagte Pillunat. Am besten lässt sich diese Entwicklung erkennen, indem der Augenarzt den Augenhintergrund beurteilt. Dabei hilft ihm heute ein Laserscanner, auch kleinste Veränderungen zu erkennen. Tatsächliche Schäden lassen sich jedoch nur ausmachen, indem der Arzt mit einer Gesichtsfeldmessung eventuelle Sichtbe- schränkungen aufdeckt. Ein zusätzliches Kriterium der Früherkennung ist die Messung des Augeninnen- drucks - obwohl etwa 50 Prozent der Patienten auch bei normalem Augeninnendruck ein Glaukom (Normaldruckglaukom) entwickeln, während andere hohen Druck ohne Probleme tolerieren. „Das hängt von der individuellen Empfindlichkeit des Sehnervs ab”, erklärte Pillunat. Ihm zufolge spielen neben dem Augeninnendruck auch die Durchblutung und neurologische Faktoren in unterschiedlicher Zusammen- setzung eine Rolle. „Jeder Patient braucht daher ein individuell maßgeschneidertes Konzept.” Eine allge- meine Augendruck-Grenze sei nicht die Lösung. „Heute haben wir im Vergleich zu 1990 ein deutlich erweitertes Spektrum von Medikamenten und operativen Therapien”, sagte Pillunat. „Es sollte eigentlich kein Patient mehr an einem Glaukom erblinden.“ Mit Augentropfen, die so genannte Betarezeptorenblocker oder Prostaglandinanaloga enthalten, lässt sich der Augendruck senken. Neue Substanzen wie das Dorzolamid senken nicht nur den Augen- innendruck, sondern verbessern gleichzeitig die Durchblutung des Sehnervs. Inzwischen gibt es sogar Anhaltspunkte dafür, dass die bereits zur Augendrucksenkung eingesetzten alpha-2-Agonisten auch den Nervenzelluntergang bremsen könnten. Helfen diese Mittel nicht mehr, gibt es zudem die Möglichkeit, durch eine Operation einen neuen Ablauf für die Augenflüssigkeit zu schaffen. Das Wichtigste bleibt für Pillunat jedoch die Vorbeugung. Ab 40 Jahren, so rät der Bundes- verband der Augenärzte Deutschlands (BVA), sollte jeder Bundesbürger alle ein bis zwei Jahre zur Glaukom-Vorsorge zum Augenarzt gehen. Allerdings bezahlen die Krankenkassen diese Untersuchungen nur in Ausnahme- fällen. Gerade sei eine BVA-Initiative, die die Kostenübernahme zum Ziel hatte, im entsprechenden Bun- desausschuss gescheitert, bedauerte Prof. Norbert Pfeiffer von der Universitäts-Augenklinik in Mainz. „Bezahlt wird nur bei begründetem Glaukom-Verdacht“, sagte Pfeiffer. „Aber der Arzt, der ein Glaukom übersieht, kann gerichtlich belangt werden.” HAZNicolaZellmeh050310
Staroperation
Durch die technische und medizinische Entwicklung der letzten 20 Jahre sind wir heute in der Lage, mit operativen Maßnahmen vielen Menschen das Augenlicht zu bewahren. Dieses betrifft in erster Linie den grauen Star (Katarakt), aber auch den grünen Star (Glaukom), sowie die anderen Erkrankungen des vorderen Augenabschnittes wie Hornhautübertragungen oder Tumoroperationen. Während früher bei der Staroperation die getrübte Linse entfernt wurde und durch ein schweres, so genanntes Starglas ersetzt werden musste, wird heute eine Kunststofflinse von wenigen Millimeter Durchmesser in das Auge implantiert. Allein in Deutschland werden zurzeit jährlich etwa 400.000 Patienten nach dieser Methode operiert. Damit ist dieses die häufigste Operation in der Medizin überhaupt geworden. Technische Verfeinerungen lassen es zu, dass diese Ultraschallzertrümmerung der Linse durch einen Schnitt von knapp drei Millimeter Breite erfolgt. In geeigneten Fällen lässt sich dann eine gefaltete Linse implantieren. Andere weitere Entwicklungen betreffen Bifokal-Linsen und akkommodative Linsen, um gleichzeitig in der Nähe und Ferne scharf sehen zu können. Eine effektive medikamentöse Therapie des grauen Stars gibt es bis heute nicht. Für die Behandlung des grünen Stars stehen uns seit einigen Jahren mehrere neue sehr wirksame Medikamente zur Verfügung, die den Augendruck, also den wichtigsten Parameter des grünen Stars erheblich senken, so dass eine weitere Schädigung des Auges verhindert werden kann. Die Lasertherapie des grünen Stars hat infolge der neuen Medikamente an Bedeutung verloren. Beim Versagen der Tropftherapie sollte eher ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden, bevor eine weitere Schädigung des Auges eintritt. Leider wird gelegentlich durch eine zu starke Vernarbung der drucksenkende Effekt der OP verringert, so dass dann ein zweites Mal operiert werden muss. Durch eine Hornhautübertragung können optisch störende Hornhaut-Trübungen beseitigt werden. Trotz ausgefeilter Operationstechnik ist eine Nachbehandlungszeit von zum Teil über einem Jahr erforderlich. Wir sind darauf angewiesen, dass die Politik die richtigen Weichen stellt. Die erforderlichen Gelder sind leider in zunehmendem Maße nicht mehr vorhanden. Trotz aller erforderlichen wirtschaftlichen Maßnahmen dürfen wir einer Kommerzialisierung der Medizin ebenso wenig das Wort reden wie einer Bürokratisierung. In den Krankenhäusern wurde seit langer Zeit mit hoher Qualität gearbeitet. Eine Sicherung dieser Qualität war gegeben durch gegenseitige Kontrollen, Visiten und gemeinsame Fortbildungen. Eine büro- kratische Datenerfassung, wie sie zur Zeit läuft, ist hingegen nicht in der Lage, die Qualität zu sichern. Im Gegenteil: Der gewaltige bürokratische Aufwand, der durch die Ärzte betrieben werden muss, führt zwangsweise zur Leistungsminderung an anderem Ort. Hier sind die Politiker aufgerufen, das System zu überdenken und die Krankenkassen zu überwachen.
Untersuchungen am Auge mit adaptiver Optik
Mit einer bei astronomischen Teleskopen angewendeten Technik wollen amerikanische Forscher bessere Bilder vom Augenhintergrund gewinnen. Eine sogenannte adaptive Optik sorgt für eine bessere Sicht auf die Zellen der Netzhaut. Adaptive Optiken wurden ursprünglich dafür entwickelt, durch Luftströmungen verursachte Schlieren beim Beobachten weit entfernter Sterne auszugleichen. Donald Miller und Larry Thibos von der Indian School of Optometry in Bloomington/Indiana haben nun auf dieser Grundlage ein “Aberrometer” entwickelt, das Unregelmäßigkeiten in der Augenlinse und im Glaskörper ausgleicht. Dadurch soll es dem Arzt möglich werden, einzelne lebende Zellen in der Netzhaut zu beobachten und Erkrankungen wie den Grünen Star und die Makula-Degeneration frühzeitig zu erkennen. Von dem Gerät existieren bislang fünf Prototypen. FAZ030205
Grüner Star bei Babys
Schon im Mutterleib kann ein Kind am Grünen Star erkranken. Allein die Vorsorge durch die Eltern könne verhindern, dass das betroffene Baby binnen weniger Monate an den Folgen dieses „Glaukoms” erblindet, berichtet der Direktor der Mainzer Universitäts-Augenklinik, Norbert Pfeiffer. Ein Warnhinweis, dem man nachgehen sollte, seien größer erscheinende Augen des Säuglings. Dies deute darauf hin, dass das wachsende Auge einem erhöhten Druck im Augeninneren nachgebe. Das Gleiche gelte für starke Lichtempfindlichkeit. HA/ap040619
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