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Guadalupe

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Das Gnadenbild von der Jungfrau von Guadalupe (Mexiko)
- Bericht einer Pilgerreise
- Geschichte der Ereignisse
- Stern der Evangelisation
- Das erste Wunder
- Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen
- Krönung und Gebet von Papst Johannes Paul II.

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   In Mexiko Stadt haben die Feiern zum 300. Jahrestag des Marienheiligtums von Guadalupe begonnen. Kardinal Norberto Rivera, Erzbischof von Mexiko Stadt, rief ein Jubiläumsjahr aus, das am 1. Mai 2009 begann. Gefeiert wird die Errichtung der ersten Kapelle zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe. Das Heiligtum ist heute der größte katholische Wallfahrtsort der Welt. Jedes Jahr pilgern rund 20 Millionen Menschen zur Muttergottes von Guadalupe, die 1531 dem Indio Juan Diego erschien. Rv090419

Reisebericht: Europäer unter mexikanischen Pilgern in Guadalupe

  Nach tagelangen Fußmärschen erreichen die Pilger die Basilika von Guadalupe in Mexiko-Stadt und sehen nun auf zum Gnadenbild. Im Jahre 1531 ist dem Heiligen Juan Diego hier die Muttergottes erschienen. Nach diesem Ereignis haben sich Millionen Azteken zum Christentum bekehrt.
   Vor der Kathedrale ist ein Meer von singenden und tanzenden Pilgern zu sehen. Sie bringen Blumen, Bilder, Gaben und Fahnen zur Jungfrau Maria. Die Gruppe aus Europa ist mitten unter ihnen, sie ist am weitesten gereist, aber nur wenig gelaufen. Die Menge der Mexikaner musste hundert und mehr Kilometer pilgern um diesen Wallfahrtsort zu erreichen. Von einem Balkon aus begrüßt ein Priester jede eintreffende Gruppe. Die Menschen klatschen und rufen “Ave Maria”, und freuen sich, dass sie nun nach großer körperlicher und geistlicher Anstrengung am Ziel sind.
   Die Geschichte der Jungfrau von Guadalupe beginnt mit Juan Diego. Er war ein einfacher india- nischer Mann, der nicht lesen und schreiben konnte. Am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, am 9. Dezember 1531, war ihm auf dem Weg zu heiligen Messe eine geheimnisvolle Frau erschienen, die ihm auftrug, den Bischof Zumarrage zu beauftragen, eine Kirche zu ihrer Ehre auf dem Tepeyac Hügel bauen, wo früher ein Tempel von Tonantzin stand. 
   Der Bischof jedoch verlangte einen Beweis und forderte Juan Diego auf, die Erscheinung um ein Zeichen zu bitten. Die Jungfrau schickte Juan den Hügel hinauf.  Oben fand er Rosen, die er in seine Tilma (Umhang) legte um sie im Auftrag der Jungfrau dem Bischof bringen. Juan gehorchte. Doch als er die Tilma vor dem Bischof öffnete, konnte man auf seiner Tilma ein farbenprächtiges Bild jener jungen Frau erblicken, die Juan Diego auf dem Berg gesehen hatte. Dieses wunderbare Bild überzeugte Bischof  Zumarrage und einige Zeugen, die dabei waren. Die Frau auf der Tilma war eine Indianerin,  etwa 14 Jahre alt und schwanger. Sie hatte sich Juan zu erkennen gegeben als Maria, die Mutter Jesu und Königin des Himmels.
   Auf dem von Maria bezeichneten Grundstück wurde nun eine kleine Kirche errichtet, die Juan Diego anvertraut wurde. Dieses Amt übte er segensreich aus, und was spanische Priester nicht erreichten, gelang ihm: neun Millionen Azteken bekehrten sich zum Christentum.
   Diese Tilma wird nun in der Basilika hinter Sicherheitsglas gezeigt, nachdem sie 200 Jahre der Luft und dem Kerzenruss ausgesetzt war und viele Besucher sie mit ihren Wunden berührt hatten. Die Tilma hatte viel auszustehen: sie wurde bei einer Flut überspült, eine Flasche Säure wurde bei einer Restaurierung darüber gegossen, sie überstand ein Sprengstoffattentat von Kommunisten und in jüngster Zeit auch Röntgenstrahlen und eine wissenschaftliche Untersuchung.
   Ein Meer von Pilgern strömt nun in die Basilika, wird geradezu eingesogen in den kühlen Schatten der Kathedrale aus dem 20. Jahrhundert. Hier wird die Tilma gezeigt, die nach dem Neubau aus der alten Kirche des 18. Jahrhunderts hierher gebracht wurde.

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   Die pilgernde Menge drängt nach vorn, rhythmisch bewegen sich ihre Füße im Stil von Gringos und in lateinamerikanischer Begeisterung hinter einer Band, die mit ihren Blechinstrumenten mitreißende Melodien schmettert. Hier ist keine andachtsvolle Stille, hier ist Lärm, Tanz, schwingende Körper und Fahnen die wie Segel in die Höhe gereckt werden. Die sich wiegende fröhliche Menge kommt aus der sengenden Mittagssonne und taucht ein in die Kühle einer höhlenähnlichen Dunkelheit. Strauchelnd werden die Augen dieser Lichtveränderung angepasst, Hüte und Sonnenbrillen werden abgesetzt und die Band hält ein. Nun nähert sich die Menge dem Gnadenbild. Auf drei Förderbändern werden – ähnlich wie in einem Flughafen – die Pilger in der Wallfahrtsbasilika am Bild vorbeigezogen. Jeder blickt auf und sucht den Schlüssel für dieses Mysterium. Ängstlich, enttäuscht zu werden, und ein wenig besorgt darüber, wenn dieses das ist, was viele Menschen darüber berichten, was sagt es den Pilgern?
   Man sieht, wie sehr Lateinamerikaner und besonders Mexikaner dieses Gnadenbild verehren. Die Gesichter zeigen außerordentliche Freude, aber auch schweres Leid, wie Spitzensportler, wenn sie die Ziellinie überqueren. Die Pilger starren auf zu dem heiligen Bild, senken die Augen verstohlen zum Laufband, schauen hinauf und wieder herunter. Einige weinen, wenn sie einen Blick auf das Bild erhaschen.
   Hunderte und Tausende Menschen stehen wie ein brandendes Meer noch vor der Basilika und so bleibt keine Zeit für langes Schauen. In den wenigen Sekunden brennt sich das Bild ins Gehirn, einen kurzen Augenblick der Besinnung  - und schon drängen die folgenden Gruppen nach. Wahrhaftig, das Bild bleibt prägt sich ein. Unmerklich dringt es in die Herzen der Pilger und bleibt unauslöschlich. Es ist verborgen und doch klar, und wenn man näher herangeht, wird es nicht klarer. Das Gnadenbild ist gleicher Weise vorn wie hinten in der Basilika zu sehen. Die letzten werden die ersten sein, und die ersten die letzten. Alle sehen dasselbe, und von jedem Blickwinkel ist die Tilma gleich. Das Bild Mariens – die Indianer nennen es Unsere Liebe Frau von Tepeyac – ist zugleich alt und modern, mehrdeutig und verblüffend. Eine physische Realität und ein wissenschaftliches Rätsel, eine spirituelle Versöhnung und eine moderne Herausforderung. 
   Auf dem Bild trägt ein Engel Maria auf einem Halbmond. Grün, weiß und rot sind die Farben der Jungfrau von Guadalupe: ihr Mantel, ihr Kleid und die Federn der Engelsflügel. Dies sind die Farben der Azteken, und heute der mexikanischen Flagge. Der Mond deutet Maria als Widerschein der Herrlichkeit ihres Sohnes Jesus, für die Azteken ist er ein Hinweis darauf, dass sie die Wiege ihres Landes im Mond sehen. Carlos Crowly sieht in diesem Gnadenbild das einzige wirkliche Wunder auf unserer Erde. Nichts, so fühlt er, kommt diesem gleich. Das Wort Wunder übersteigt alle anderen Worte. Doch im Pilger weckt es Fragen: Was haben wir gesehen? Was ist es?
   Wissenschaftler antworten dann zunächst damit, was es nicht ist. Es ist kein Gemälde (es gibt keine Pinselstriche oder Untermalungen, keine Zeichnung und keinen Grundanstrich). Die Farbe ist weder tierisch, pflanzlich noch mineralisch und ist nicht von den Fäden des Gewebes zu trennen. Die Tilma ist aus Kaktuspflanzen hergestellt. Ein solches Produkt hält sich nur 20 Jahre und zerfällt dann schnell. Die Tilma von Juan Diego ist nun fast 500 Jahre alt. Sie ist wie ein Bildteppich, weil die Far- ben eingewebt sind wie Fäden in einen Teppich.
   Als in den 1950er Jahren Wissenschaftler die Tilma genau untersuchten, entdeckten sie in den Augen der heiligen Frau das Bild von Juan Diego, Bischof Zumarraga und des Dolmetschers – diese drei waren im Moment der Enthüllung im Raum anwesend. Dies ist ein Phänomen in der Fotografie, so ist dieses Bild fast ein Foto, aber es ist kein Foto.
   Und dann ist da noch ein größeres Wunder: es betrifft den Umhang und das Dekor der Sterne dar- auf. Es ist nachgewiesen, dass die Darstellung der Sterne eine exakte Kopie der Sterne am Himmel über Mexiko ist - im Jahre 1531, als dieses Ereignis geschah. Aber das ist noch nicht alles: Die Ster- ne sind so angeordnet, wie sie vom oben aus gesehen werden, nicht von der Erde aus. Das ist un- begreiflich. Nur eine Antwort ist möglich: Es ist ein Wunder – wie kein anderes auf dieser Erde.

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Die Ereignisse.

    In Guadalupe, das sich am Stadtrand von Mexiko City befindet, ist am 9. Dezember 1531 einem 55- jährigen Indio mit dem Namen Cuauhtlatoatzin ein unbekanntes junges Mädchen auf dem Hügel Tepeyac erschienen. Die Begegnung fand am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens statt, das dort am 9. Dezember gefeiert wurde. Das Mädchen nannte den Witwer “Juanito” , er nannte sie “Ni niña” (mein kleines Mädchen).
   Bereits bei der ersten Begebenheit sagte La Morenita (Die kleine Braune): “Ich bin die immerwäh- rende Heilige Jungfrau Maria, die Mutter des einzig wahren heiligen Gottes, des Leben spendenden Schöpfers aller Menschen. Er ist der Herr des Nahen und des Fernen, des Himmels und der Erde. Ich wünsche mir sehr, dass mir hier ein Heiligtum errichtet wird, wo ich ihn zeigen, preisen und für immer bezeugen kann. Ich werde den Menschen meine ganze Liebe spenden, meinen erbarmenden Blick, meine Hilfe, meinen Trost, meine Rettung. Denn ich bin wahrhaftig eure mitleidende Mutter: deine Mutter und die aller Menschen, die dieses Land bewohnen - wie auch die Mutter aller übrigen Stämme und Menschen, die mich lieben, rufen und anflehen. Ich bin die Mutter all derer, die mich suchen und mir vertrauen. Hier werde ich ihr Weinen und ihr Klagen hören. Hier werde ich sie in ihrer Trauer trösten und all ihre Schmerzen lindern. Hier werde ich sie heilen in ihrer Pein, ihrem Elend und Leid. Und um aber auszuführen, was meine mitleidigen und barmherzigen Augen vorhaben, geh zum Bischof von Mexiko. Sag ihm, dass ich dich geschickt habe und eröffne ihm, mit welcher Sehnsucht es mich danach verlangt, hier eine Heimstatt zu haben. An dieser flachen Stelle soll er mir ein Heilig- tum errichten. Sag ihm das alles und erzähle, was du hier gesehen, bewundert und gehört hast. Sei dir sicher, dass ich dich reich belohnen und entlohnen werde: Ich werde es dir danken wissen. Ja ich werde dich glücklich machen  und dir viel Freude schenken.”
   Der Mann, der einer der wenigen getauften Indios und erst sieben Jahre zuvor nach den Aposteln Johannes und Jakobus auf die Namen Juan Diego getauft wurde, ging zum Bischof und berichtete ihm das ganze. Doch dieser wollte ihm nicht zuerst nicht glauben. Nach einer weiteren Begegnung mit dem Bischof am nächsten Tag bat der Bischof um ein Zeichen von der Muttergottes, da er noch immer nicht glauben wollte. Dieses Zeichen geschah am letzten Tag der Erscheinungen. Es begannen bei der Begegnung mit der Muttergottes plötzlich auf dem Hügel wunderschöne Rosen zu blühen. Juan Diego begann diese zu pflücken und in seinem Umhang zu sammeln. Die Muttergottes sagte: “Diese bunten Blumen sind das untrügliche Zeichen, das du dem Bischof bringen wirst. Sag ihm von mir, dass er in ihnen meinen Wunsch erkennen und danach meinem Willen und Verlangen stattgeben soll. Du bist mein Botschafter. Du hast mein Vertrauen. Mit allem Nachdruck verlange ich von dir, nur in der Gegenwart des Bischofs deine Tilma zu öffnen und ihm zu zeigen, was du bei dir trägst. Erzähl ihm alles ganz genau! Wie ich dich auf die Anhöhe geschickt habe, um Blumen zu pflücken, erzähl im alles, was du gesehen und bewundert hast! So wirst du bestimmt sein Herz überzeugen. Danach wird er tun, was er tun soll, und mit der Errichtung meines Heiligtums beginnen, wie ich es verlangt habe.”
   Juan Diego ging zum Bischof. Diesmal war der Bischof anders und auch offener. Er fühlte, dass dies- mal das Zeichen der Wahrheit passieren sollte. Der Indio erzählte ihm alles wahrheitsgemäß. Dann breitete er vor dem Bischof und einigen Mitarbeitern den Mantel mit den Blumen aus, die sich in einem Augenblick in ein Zeichen verwandelten.  Das Bild der immerwährenden Jungfrau erschien auf dem Tuch. Alle fielen augenblicklich auf die Knie. Unter Tränen bat der Bischof die Heilige Jungfrau um Vergebung, dass er ihrem Willen nicht gleich entsprochen habe. Er begann bereits kurz danach mit dem Bau des Heiligtums. Später sollte das Wunder von Guadalupe zur größten Bekehrungswelle in der Geschichte führen. Paul Badde schreibt dazu in seinem Buch: “Unmittelbar nach dieser Begebenheit wurden plötzlich acht Millionen Indios katholisch, die sich nur zehn Jahre vorher kaum etwas Schöneres vorstellen konnten, als Spanier beziehungsweise Katholiken ‘in Kakao zu kochen und aufzuessen’.” Im Jahr 1541 sollen laut Angaben des Franziskaners Toribio de Benavente Motolinea, der auch Juan Diego und seine Frau getauft hat, inzwischen bereits neun Millionen Azte- ken getauft worden sein.

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Maria - Stern der Evangelisation

Anfang des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der spanischen Eroberer der Neuen Welt, war die eigentliche Eroberin Maria. Denn als “Stern der Evangelisation”, wie Papst Johannes Paul II. sie bezeichnete, gelang ihr das, was alle Missionare zusammen nicht vermochten: innerhalb von sieben Jahren gewann sie in Mexiko die Herzen von mehr als neun Millionen Azteken für den katholischen Glauben, und der nahezu unüberbrückbare Graben zwischen ihnen und den Spaniern wurde überwunden.
   Diese riesige, in der Kirchengeschichte einzigartige Bekehrungswelle fand zu einer Zeit statt, als der Kirche in Europa durch die Reformation fünf Millionen Gläubige verloren gingen.
   In seiner einzigartigen Schönheit ist dieses wunderbare Gnadenbild der Jungfrau von Guadalupe über alle Jahrhunderte hinweg stets aufs Neue jenes sichtbare, anziehende und unanfechtbare Zeichen der liebevollen mütterlichen Gegenwart Mariens geblieben. Heute ist Guadalupe mit jährlich 20 Millionen Pilgern der größte Marienwallfahrtsort der Welt.
   “Alle, ob gläubig oder nicht, finden in der Jungfrau von Guadalupe etwas, was sie lieben und verehren können”, hieß es in einer Zeitung - und es stimmt. Wer könnte auch den zärtlich tröstenden Worten der Gottesmutter widerstehen, die sie in unaussprechlicher Güte nicht nur damals an ihren demütigen Indiosohn Juan Diego richtete, sondern auch jedem von uns heute sagt: “Nichts soll dich betrüben, nichts dich bekümmern. Bin ich nicht hier, deine Mutter?”
   Genau drei Jahre vor dem Erscheinen der Gottesmutter traf 1528 Juan de Zumarraga als erster Bischof der Neuen Welt in Tenochtitlan ein. Bekannt als “lebendiges Abbild des heiligen Franziskus” setzte er sich mit Eifer für die unterdrückten Indios ein. Dennoch gab es nur sehr wenige Bekehrungen. Der Grund war einfach: Keine 10 Jahre nach der Unterwerfung Mexikos beuteten die spanischen Eroberer getrieben von Macht und Besitzgier das Volk erbarmungslos aus, versklavten es als “Wesen ohne Seele”, rotteten ganze Familien aus und brannten ihre Häuser nieder.
   Als unermüdlicher “Schützer und Verteidiger der Indios” bekannt, wurde Zurnarraga mit seinen treuen Patres von den eigenen Landsleuten, den spanischen Machthabern, bedroht und aufs heftigste verfolgt. Schließlich gelang es ihm, eine Botschaft über die schrecklichen Zustände, “schlimmer als bei Herodes und Diokletian”, in einem ausgehöhlten Kruzifix an Kaiser Karl V. nach Spanien zu schmuggeln. Zwar wurde vom König 1530 eine gute neue politische Führung eingesetzt, doch zu jener Zeit stand Mexiko unmittelbar vor einem blutigen Aufstand. In dieser äußerst gespannten, aussichtslosen Situation griff der Himmel selbst ein, da niemand es erwartete und alle es so nötig hatten.  
   Unter den ersten Mexikanern, die 1525  zwei Jahre nach der Ankunft der ersten Franziskaner- missionare getauft wurden, waren auch zwei einfache, bescheidene Bauersleute aus Cuautitlan, 20 Kilometer von Tenochtitlan entfernt. Seit der Taufe hieß das Indioehepaar Juan Diego und Maria Lucia, und schon bald zählte auch Juan Bernardino, Juan Diegos Onkel aus Tolpetlac, zu den ersten Christen des Landes. Nach seiner Heirat ging Juan Diego vom Dorf seines Onkels, bei dem er aufgewachsen war, nach Cuautitlan. Dort bewirtschaftete er mit seiner Frau als freier Bürger der Mittelschicht eine kleine Landwirtschaft und lebte ein einfaches Leben.
   Von allen als freundlich, still, zurückhaltend und mild beschrieben, war seine Demut wohl die auf- fallendste Tugend. Als tieffrommem und wißbegierigem Neugetauften war es ihm ein großes Bedürfnis, jeden Sonntag am heiligen Messopfer und an der Katechese im neuen Glauben teilzunehmen. Barfuß wie alle Indios machte das fromme Ehepaar aber auch jeden Samstag den weiten Kirchweg, um bei der heiligen Messe zu Ehren der Gottesmutter dabeisein zu können. Als 1529 seine Frau starb, zog Juan Diego zu seinem betagten Onkel nach Tolpetlac.
  Noch im Dunkeln machte sich der inzwischen 57jährige Juan Diego am Samstag, dem 9. Dezember 1531, wieder einmal auf die 12 Kilometer lange Fußreise über die Hügel nach Tlatilolco. Es war ein ganz besonderer Tag, denn in der Missionsstation sollte - wie zu jener Zeit üblich - das Fest der Un- befleckten Empfängnis Mariens gefeiert werden. Als sich Juan Diego bei Sonnenaufgang dem Hügel Tepeyac näherte, wo einmal der Tempel der Muttergottheit Tonantzin gestanden hatte, vernahm er plötzlich herrliche Musikklänge wie wunderschönen Vogelgesang. Erstaunt blieb er stehen, und zum Hügel aufschauend, hörte er von dort eine sanfte Frauenstimme seinen Namen herabrufen:
   “Juanito! Juan Dieguito!”, indem sie liebevoll die zärtliche Verkleinerungsform seines Namens ver- wendete. Innerlich gedrängt kletterte Juan Diego den Hügel hinauf, um zu schauen, wer ihn rief. Dort fand er sich plötzlich einer Dame von überwältigender Schönheit gegenüber. Ihr Gewand leuchtete wie die Sonne, und die Strahlen, die von ihr ausgingen, durchdrangen die Felsen der Umgebung. Die Sträucher und Disteln glitzerten in bunten Farben. Die Dame schien jung, und als sie Juan Diego winkte näherzukommen, gehorchte er und sank vor ihr auf die Knie. “Höre, Juanito, mein lieber kleiner Sohn, wohin gehst du?” fragte sie mit leiser, sanfter Stimme voll Hochachtung und großer Liebe. “Meine Herrin, mein kleines Mädchen”, antwortete er und drückte mit diesen Worten große Ehrfurcht, Wertschätzung und zugleich zärtliche Liebe aus, “ich bin auf dem Weg nach Tlatilolco zur heiligen Messe.”
   Die Dame lächelte zustimmend und sagte: “Wisse, mein kleiner Sohn, dass ich die Makellose und Immerwährende Jungfrau Maria bin, die Mutter des wahren Gottes, durch den alles lebt, des Schöpfers aller Dinge, der Herr über Himmel und Erde ist. Es ist mein inniger Wunsch, dass man mir hier ein Gotteshaus baut, wo ich den Menschen meine ganze Liebe, mein Mitleid und Erbarmen, meine Hilfe und meinen Schutz erweisen und schenken will. Denn ich bin eure erbarmungsreiche Mutter, die Mutter aller Menschen, all jener, die mich lieben, die zu mir rufen, die Vertrauen zu mir haben. Hier will ich auf ihr Weinen und ihre Sorgen hören und will ihre Leiden, ihre Nöte und ihr Unglück lindern und heilen.
   Damit ich meine Absichten verwirklichen kann, gehe in das Haus des Bischofs in der Stadt Mexiko und sage ihm, dass ich dich gesandt habe und es mein Wunsch ist, dass hier ein Gotteshaus gebaut wird. Sage ihm, was du gesehen und gehört hast. Sei versichert, dass ich mich sehr dankbar er- weisen und dir alles vergelten werde, was du mit Sorgfalt ausführst, worum ich dich gebeten habe. Nun, da du meine Worte gehört hast, mein Sohn, geh und tue alles, was du tun sollst.”
  Juan Diego verneigte sich sehr tief und sagte mit Ehrfurcht: “Meine Herrin, ich werde sofort alles tun, worum du mich bittest.” Schüchtern klopfte Juan Diego an die Tür der bischöflichen Residenz, und die abweisenden Diener ließen den armen Indio lange warten, bis der ungewöhnliche Besucher schließlich vor Bischof Zumarraga stand, der ihn höflich und mit Güte begrüßte. Don Juan Gonzales, der 31jährige Dolmetscher, übersetzte, was Juan Diego dem Bischof kniend erzählte. Seine Nervosität unter- drückend, berichtete der Indio von seiner außergewöhnlichen Begegnung und wiederholte den Wunsch der Dame. Obwohl beeindruckt von der Bescheidenheit und offensichtlichen Aufrichtigkeit des Mexikaners, blieb Bischof Zumarraga dennoch unschlüssig und sagte schließlich in beruhigendem Ton:
   “Du mußt einmal wiederkommen, mein Sohn, wenn ich mehr Zeit habe, um dir zuzuhören. Inzwischen will ich über das nachdenken, was du mir erzählt hast.” Schweren Herzens und traurig über seinen Misserfolg verließ Juan Diego am Spätnachmittag die Stadt. Als er sich dem Tepeyac-Hügel näherte, kletterte er, einem inneren Antrieb folgend, den steinigen Hang hinauf und wirklich, dort stand die Dame im hellen Strahlenkranz, der er sich sofort zu Füßen warf und sein Herz ausschüttete:
   “Meine Herrin, meine kleine Tochter, mein kleines Mädchen”, sprach er sie in Indioart wieder mit den ehrfürchtigen und liebevollen Titeln an und klagte: “An der Art, wie der Bischof mir antwortete, er- kannte ich, dass er der Meinung ist, ich erfände die Geschichte von deinem Wunsch, dass hier eine Kirche erbaut werden soll. So bitte ich dich von Herzen, meine Herrin, mein Kind, vertraue diese Botschaft jemand Bedeutendem an, jemandem, der gut bekannt und angesehen ist, damit dein Wunsch erfüllt wird. Denn ich bin nur ein armer Mann, ein Schnürchen, ein kleines Holzleiterchen, nur Laub und ein Nichts, und du, mein Kind, meine kleine Tochter, meine Herrin, hast mich an einen Ort gesandt, wo ich kein Ansehen habe. Vergib mir, meine Herrin, wenn ich dich enttäuscht und in meinem Auftrag versagt habe.”
  Maria lächelte zärtlich und antwortete: “Höre, mein kleiner Sohn, und wisse, dass ich viele Diener und Boten habe, die ich mit der Überbringung meiner Botschaft beauftragen könnte. Doch es ist ganz und gar notwendig, dass du derjenige bist, der diese Mission ausführt, und dass durch deine Vermittlung und deine Hilfe mein Wunsch erfüllt wird. Ich bitte dich sehr, mein kleiner Sohn, morgen wieder zum Bischof zu gehen. Sage ihm in meinem Namen, und lass ihn ganz genau meine Anordnung verstehen, dass er das Gotteshaus, um das ich ihn bitte, bauen lasse. Wiederhole ihm, dass ich persönlich es bin, die immerwährende Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die dich sendet.”
   “Meine Herrin, mein Mädchen”, erwiderte Juan Diego. “Ich will dich nicht enttäuschen. Auf deinen Befehl hin will ich gerne noch einmal hingehen, auch wenn man mich vielleicht nicht anhören und mir nicht glauben wird. Morgen bei Sonnenuntergang will ich hierher zurückkehren und dir über die Antwort des Bischofs Bescheid geben.” Damit stand Juan Diego auf und ging nach Hause.
   Anderntags besuchte er in Tlatilolco die Sonntagsmesse und hörte die Christenlehre. Es war zehn Uhr vormittags, als er beim Bischof vorsprach. Auf den Knien und unter Tränen wiederholte er die Bitte der Gottesmutter, und Bischof Zumarraga stellte viele Fragen. Doch obwohl der Indio ihm keine Antwort schuldig blieb, wollte der Bischof etwas Überzeugendes, ein Zeichen. “Señor, mein Herr, was für ein Zeichen wollt Ihr? Ich werde sofort hingehen und die Herrin des Himmels, die mich gesandt hat, darum bitten.” Nachdem Zumarraga erklärte, er überlasse es der angeblichen Erschei- nung, ein Zeichen zu geben entließ er Juan Diego, schickte ihm aber zuverlässige Leute nach, die ihm heimlich folgen sollten, um alles, was geschehe, zu beabachten. 
   Beim Tepeyac angekommen, war er ihren Blicken plötzlich entschwunden. Nach vergeblichem Suchen kehrten sie in die Stadt zurück. Inzwischen aber kniete Juan Diego vor der Gottesmutter und über- brachte die Antwort des Bischofs “Es ist gut so, mein Sohn”, tröstete sie, ihn, “komm morgen hierher zurück, und du sollst das Zeichen er halten, das er verlangt hat. Dann wird er glauben und nicht länger zweifeln oder dich verdächtigen. Achte gut auf das, was ich sage mein Sohn: Ich werde dich reich entschädigen für allen Verdruss und alle Arbeit und Mühen, die du für mich hattest. Du kannst nun nach Hause gehen morgen werde ich hier auf dich warten.”
   Abends daheim fand Juan Diego seinen Onkel Juan Bernardino schwerkrank vor, und weil sich des- sen Zustand zusehends verschlechterte, machte sich sein Neffe gegen vier Uhr morgens auf, um aus Mexiko Stadt einen Priester zu holen. Um keine Zeit zu verlieren, versuchte er, ungesehen von der Gottesmutter an der Ostseite des Tepeya, vorüberzueilen. Plötzlich sah er Maria umgeben von Licht vom Hügel herabkommen und sich ihm nahen: “Was ist geschehen, mein kleiner Sohn?” fragte sie liebevoll und gütig. “Wohin gehst du?” Verwirrt und seine Bestürzung verbergend antwortete er: “Mein Kind, mein Mädchen, wie geht es dir? Hast du gut geschlafen? Bist du gesund? Es wird dich betrüben zu hören, was ich zu sagen habe. Mein Onkel, dein armer Diener, ist sehr krank. Er leidet an hohem Fieber und liegt im Sterben. Ich eile zur Kirche in der Stadt Mexiko, um einen Priester zu holen, der ihm die Beichte hören und die Sterbesakramente spenden soll. Wenn ich das getan habe, werde ich unverzüglich zurückkommen, um deinen Auftrag auszuführen.Meine Herrin, mein Mädchen, bitte vergib mir und hab Geduld mit mir. Ich will dich nicht täuschen. Ich verspreche dir, mein Mädchen, getreulich morgen hierher zu eilen.”
   Einen Augenblick war Stille, dann tröstete ihn Maria zärtlich: “Höre und lass es in dein Herz dringen, mein liebster kleiner Sohn: Nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben. Dein Herz beunruhige sich nicht. Fürchte nicht diese Krankheit noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer. Bin ich denn nicht hier, deine Mutter? Bist du denn nicht in meinem Schatten, unter meinem Schutz? Bin ich nicht der Brunnen deiner Freude, dein Heil? Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme? Bist du nicht in meinem Schoß? Brauchst du noch mehr als das? Lass dich weder wegen der Krankheit deines Onkels, noch wegen irgend etwas anderem beunruhi- gen, denn er wird daran nicht sterben. Sei gewiss, er ist schon geheilt.”
   Getröstet durch die mitleidvollen Worte der Mutter bot sich Juan Diego sofort an, mit einem Zeichen zum Bischof zu eilen. Die Dame lächelte und wünschte, dass er auf den Hügel steige, “zu der Stelle, wo du mich zum ersten Mal gesehen hast und ich dir,  mein kleiner Sohn, die Botschaft anvertraut habe. Dort wirst du viele Blumen finden.  Pflücke sie, sammle sie ein und bringe sie dann her zu mir.” Juan Diego gehorchte; er fand eine leuchtende Fülle stark duftender Rosen und kehrte damit zur Gottesmutter zurück.  
   Sie ordnete die herrliche Blumenpracht sorgfaltig in der Tilma, dem traditionellen Umhang der Indios, und sagte dabei: “Mein kleiner Sohn, diese verschiedenen Rosen sind der Beweis und das Zeichen, das du dem Bischof bringen sollst. Sage ihm in meinem Namen, dass er daraus meinen Willen erkennen soll und ihn erfüllen muss. Du sollst mein Botschafter sein, der mein ganzes Vertrauen besitzt. Ich befehle dir, die Tilma nicht zu öffnen und ihren Inhalt erst in Gegenwart des Bischofs zu enthüllen. Dann sage ihm alles der Reihe nach. Schildere, wie ich dich nach oben auf den Hügel geschickt habe, um die Blumen zu pflücken, und was du dort gesehen und bewundert hast, damit du den Bischof überzeugen kannst, meinen Wünschen nachzukommen und das Gotteshaus hier zu bauen, wie ich gebeten habe.”      Diesmal eilte Juan Diego zuversichtlich in die Stadt zum Haus des Bischofs. Der Spott der Diener und ein schier endloses Warten in der Kälte konnten den armen Indio nicht abschrecken. Als er endlich vorgelassen wurde, verbeugte er sich tief vor Bischof Zumarraga und dessen Besuch, Bischof Don Sebastian Ramirez y Fuenleal, dem neuen Gouverneur Mexikos, und berichtete: "Mein Herr, ich ge- horchte Eurer Anweisung. Ganz früh heute morgen sagte die Herrin des Himmels zu mir, ich solle noch einmal hierher gehen und mit Euch sprechen. Ich bat um das Zeichen, das Ihr verlangtet und das sie mir zu geben versprochen hatte, damit Ihr mir glaubt. Sie sandte mich nach oben auf den Hügel, dort wo ich sie früher gesehen hatte, um die Rosen, die dort wuchsen, zu pflücken. Ich wusste ganz gut, dass oben auf dem Hügel, auf dem vereisten steinigen Boden keine Blumen wachsen können. Doch zweifelte ich nicht an ihren Worten. Als ich oben ankam, war mir, als sei ich im Paradies, umgeben von herrlichsten Rosen, auf denen Tautropfen glänzten. Ich pflückte sie und brachte sie zu ihr zurück. Sie ordnete sie mit ihren eigenen Händen und legte sie wieder in mein Gewand, damit ich sie Euch als das erbetene Zeichen bringe und sich ihr Wunsch erfüllt und Ihr die Echtheit  meiner Botschaft erkennt. Hier sind sie. Seht da, nehmt sie.”
   Mit diesen Worten ließ Juan Diego die Enden seiner Tilma los, und im selben Moment, da die Rosen zu Boden fielen, prägte sich auf der Tilma in wunderbarer Weise das kostbare Gnadenbild der Got- tesmutter von Guadalupe ein. Der Bischof und alle Anwesenden sanken staunend und voll Be- wunderung ehrfürchtig auf die Knie. Verwirrt blickte nun auch Juan Diego an sich herab und war ganz überwältigt, als er auf seinem Umhang ein herrliches Abbild der himmlischen Dame sah, genau so, wie sie ihm auf dem Tepeyac erschienen war.
   Als Bischof Zumarraga sich schließlich erhob, bat er den einfachen Indio für sein Misstrauen um Verzeihung und lud ihn als Ehrengast über Nacht ein. In Windeseile verbreitete sich das wunderbare Ereignis in der ganzen Stadt, und als sich der Bischof tags darauf den genauen Erscheinungsort Mariens zeigen ließ, begann man sofort mit dem Bau einer Kapelle. 
   Mit einem großen Ehrengeleit kehrte Juan Diego in sein Dorf zurück, wo er zu seiner Freude Onkel Juan Bernardino gesund antraf. Immer wieder nickte dieser bestätigend, als ihm Juan Diego die un- gewöhnlichen Geschehnisse erzählte, und berichtete nun seinerseits etwas ganz Erstaunliches: Als sein Neffe fortgegangen war, um einen Priester zu holen, fühlte Juan Bernardino, dass sein letzter Augenblick gekommen war. Doch plötzlich wurde der Raum von einem strahlenden Licht erhellt, und eine schöne Dame erschien ihm. Im selben Moment fühlte er sich vom Fieber befreit und ganz gesund. Als er dann vor der Dame kniete, teilte sie ihm liebevoll mit, dass sie seinen Neffen aufgehalten und mit ihrem heiligen Bild auf seiner Tilma eingeprägt zum Bischof gesandt habe. Dann offenbarte sie Juan Bernardino jenen Namen, unter dem sie angerufen werden möchte: “Die immerwährende Jungfrau, Unsere liebe Frau von Guadalupe.”
   Juan Diego und sein Onkel blieben 14 Tage lang Ehrengäste in der Bischofsresidenz in Mexiko Stadt, bis am 26. Dezember - nur zwei Wochen, nachdem das wunderbare Bild Mariens auf der Tilma er- schienen war - das kostbare Kleinod unter Beteiligung des ganzen Volkes feierlich in die erste kleine Steinkapelle auf den Tepeyac übertragen wurde. Tag und Nacht hatten Spanier und Indios gemeinsam das bescheidene Gotteshaus errichtet, das Bischof Zurnarraga ohne zu zögern der Obhut Juan Diegos anvertraute. Dort lebte der demütige Seher von Guadalupe die letzten 17 Jahre seines Lebens aske- tisch und genügsam in einer kleinen Klause direkt beim Heiligtum als großer Beter und eifriger Apostel der “Santisima Virgen de Guadalupe”. Nie wurde er müde, den Tausenden Indios, die ihn für einen Heiligen hielten, die zärtlichen Worte der Gottesmutter und die Geschichte des Gnadenbildes zu erzählen. 
   Im Laufe der Jahre strahlten Juan Diegos vergeistigtes Gesicht und sein ganzes Wesen eine tiefe Würde aus. 1544 ging Juan Bernardino seinem Neffen im hohen Alter von 84 Jahren in die Ewigkeit voraus. Juan Diego, der immer ein armer Indio geblieben war, folgte ihm vier Jahre später, am 30. Mai 1548, mit 74 Jahren und wurde in der Kapelle beigesetzt. Nur drei Tage später starb auch Bischof Zumarraga im Ruf der Heiligkeit.

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Das erste Wunder

  Geübt im Lesen von Bildern und Symbolen riefen die heidnischen Azteken beim Anblick der wunder- schönen Dame mit indianischen Zügen in ihre Muttersprache Nahuatl immer wieder voll Begeisterung: “Sie ist eine von uns!” Sofort hatten sie nämlich verstanden das Bild zu deuten: Strahlend vor der Sonne stehend musste sie größer als ihr gefürchteter Sonnengott Huitzilopochtli sein. Mit einem Fuß auf dem Halbmond, dem Symbol für den gefiederten Schlangengott Quetzalcoatl, zeigte die Dame ihnen, dass sie diesen mächtigsten aller Aztekengötter besiegt hat. Die blaugrüne Farbe ihres Mantels - die Farbe der aztekischen Könige - deutete auf ihre Königswürde hin, und die 46 Sterne auf ihrem Mantel ließen erkennen: Sie ist größer als die Sternengötter des Himmels. Ihr anmutig in Verehrung geneigtes Haupt und die gefalteten Hände machten jedoch deutlich, dass auch sie einem in Ehrfurcht dient, der noch größer ist als sie. Und schließlich erkannten sie im kleinsten aller Zeichen, dem schwarzen Kreuzlein am Halsausschnitt des Kleides, jenes christliche Symbol der Spanier wieder, das ihnen zu verstehen half: Die Religion der Eroberer ist auch die Religion der Jungfrau von Guadalupe und soll auch unsere werden.
   Bis 1531 hatten sich fast alle erwachsenen Azteken den Bemühungen der Missionare widersetzt. Als sich jedoch die Verehrung Unserer lieben Frau von Guadalupe über das riesige Land ausbreitete, bewirkte Maria selbst eine gewaltige Welle von Bekehrungen, die alle Stämme, Rassen und Religionen Mexikos erfasste. “Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich nicht wagen, es zu schildern”, schrieb Pater Toribio. “Ich kann aber bezeugen, dass im Kloster Quecholac ein anderer Priester und ich selbst vierzehntausend und zweihundert Seelen in fünf Tagen tauften. Es war wahr- haftig keine kleine Arbeit.” Vom flämischen Franziskanermissionar Peter van Ghent berichteten Zeit- genossen, dass er mit eigener Hand mehr als eine Million Mexikaner taufte. Die Missionare selbst waren überwältigt von den schier endlosen Menschenreihen, die nach Katechese und Taufe verlangten, und Maria hat sich offensichtlich als erbarmungsreiche Mutter ihres Volkes in der Neuen Welt erwiesen.  
   Nicht allein das Gnadenbild war für die Bekehrung der Mexikaner ausschlaggebend. Für die Indios, die alles erzählend weitergaben und ein erstaunliches Gedächtnis besaßen, waren ebenso die Worte der Gottesmutter entscheidend, die ihnen Juan Diego, der große Katechet der Indios, immer wieder bereitwillig wiederholte. Aus seinem Mund wuchs die lebendige Tradition von Guadalupe, und seine Zuhörer verstanden:
   Die Mutter der Christen ist schön, sie will nichts für sich, keine Menschenopfer, sondern nur ein kleines Haus. Sie demütigt und droht uns nicht, sondern ihre Worte sind voll Trost und Mitleid. Das Wort “Guadalupe”, der Titel, mit dem sich die Gottesmutter Juan Bernardino vorstellte, mag für den Indio in seiner Eingeborenensprache wohl wie “coatlaxopeuh” geklungen haben, was bedeutet: “welche die Steinschlange zerstört, zertritt, vernichtet”. Andere vertreten die Meinung, der Dolmetscher  habe damals gemeint, Juan Bernardino hätte versucht, das spanische Wort “Guadalupe” auszusprechen, nach dem das größte Marienheiligturn Spaniens benannt ist. Und so wurde dieser Name in Mexiko übernommen, der seiner Wortwurzel nach aus dem Arabischen stammt und soviel wie “Ströme des Lichtes” oder “fließendes Licht” bedeutet. Wie auch immer sich die Gottesmutter Juan Bernardino vorgestellt haben mag, eines ist sicher: In genialer Weise wählte sie in Mexiko einen Namen, der so- wohl für die Indios in ihrer Sprache bedeutsam war als auch für das Ohr der Spanier sehr vertraut klang.

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  Auch wenn sich die Schönheit des Bildes von Guadalupe am tiefsten dem betenden Betrachter er- schließt, so wurde es doch bis herauf in unsere Zeit Gegenstand vieler wissenschaftlicher Unter- suchungen, die erstaunliche Ergebnisse erbrachten.
   Immer noch ist der Wissenschaft ganz und gar unerklärlich, dass die grobe Tilma aus Agavefaser, die normalerweise maximal eine Lebensdauer von 20 Jahren hat, nach 470 Jahren noch nicht das geringste Anzeichen von Verschleiß, Rissigkeit oder Verfall aufweist. Zudem sind die Farben leuchtend und frisch, obwohl das Bild mehr als ein Jahrhundert völlig ungeschützt in der feuchten Steinkapelle unablässig dem starken Rauch Tausender Votivkerzen und Weihrauch ausgesetzt war und von unzähligen Händen und Gegenständen berührt wurde.
   Prof. Richard Kuhn, Nobelpreisträger für Chemie und Direktor der chemischen Abteilung am Kaiser- Wilhelminstitut, untersuchte 1936 eine rote und gelbe Faser vom Gnadenbild. Unglaublicherweise fand er keinerlei Farbe auf und in den Fasern und erklärte, dass die verwendeten Materialien, die wie Farbe aussehen, weder tierische, pflanzliche noch mineralische Farbstoffe und der Wissenschaft unbekannt sind. Eine mikroskopische Untersuchung im Jahr 1946 wies erstmals nach, dass keine Pinselstriche auf dem Bild vorhanden sind, d.h. es ist keine Malerei. Es weist keine Anzeichen einer uns bekannten Art der Malerei auf, sondern besitzt eher den Charakter einer Fotografie, wie die Geschäftsleitung der Firma Kodak 1963 betonte.
   1929 entdeckte ein Berufsfotograf namens Alfons Gonzales auf einer mehrfachen Vergrößerung des Bildes in der Pupille des rechten Auges der Gottesmutter etwas, was wie ein menschliches Gesicht aussah. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden durch Digitalverfahren weitere sieben Personen im Auge Mariens identifiziert, und schließlich stand das Ungeheuerliche fest:  
   Im Auge der Jungfrau von Guadalupe spiegelt sich ein authentisches, perfektes Bild jener Szene wider, die stattfand, als Juan Diego vor dem Bischof die Tilma öffnete. Wer aber hätte 1531 jene Szene zu malen vermocht, die erst bei vieltausendfacher Computervergrößerung erkennbar wird?
   Am 7. Mai 1979 wurden von zwei amerikanischen Wissenschaftlern von hohem Rang, Prof. P.Calla- han und Prof. J. Smith, viele Infrarotfotografien von der Tilma gemacht, die erneut bestätigten, dass die Farbenfrische und die Farbgebung unerklärlich sind. Auf dem Bild ist keinerlei Untermalung und keine schützende Lackierung vorhanden. Ohne Grundierung aber hätte die Tilma schon vor Jahrhunderten zerfallen müssen. Weiterhin zeigten Nahaufnahmen das Phänomen, dass sich im feinen Antlitz Mariens, z.B. bei den Lippen, grobe hervorstehende Fasern befinden, die Licht und Schatten betonen und somit einen realistischen dreidimensionalen Effekt hervorrufen.
  Besonders beeindruckend für die Wissenschaftler war die Tatsache, dass das grobe Material Licht- brechung und somit eine scheinbare Farbveränderung bei Betrachtung aus verschiedener Entfernung verursacht, wie dies in der Natur vorkommt, wenn man etwa den Flügel eines Schmetterlings oder eines schillernden Käfers aus verschiedenen Winkeln betrachtet. Die Meinungen betreffs gemalter Hinzufügungen oder Übermalungen am Originalbild gehen in wissenschaftlichen Kreisen auseinander. Eines aber bestätigen auch allerletzte wissenschaftliche Untersuchungen: Gesicht, Gewand und Mantel sind nicht von Menschenhand gemalt.  

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Das Bild - wissenschaftliche Ergebnisse:

-  Kein Malmaterial identifizierbar, weder pflanzlichen, noch tierischen noch mineralischen Ursprungs.
-  Malmaterial bis heute unbekannt.
-  Keine Pinselstriche vorhanden.
-  Keine Vorzeichnungslinien, keine Vorzeichnungsskizze vorhanden.
-  Keine Untermalung, keine Grundierung, keine Leimung: dies macht es eigentlich unmöglich, auf der Oberfläche des groben Stoffes zu malen.
-  Keine schützende Lackierung vorhanden trotz unerklärlich guter Erhaltung von Bild und Stoff.
-  Kombination verschiedener Maltechniken: Öl, Tempera, Wasserfarbe und Fresko. Nicht kopierbar.
-  Unebenheiten auf dem Gewebe gezielt ausgenutzt, um dem Gesicht Tiefe zu geben.
-  Rätselhafte Glättung der Oberfläche. Die Bildseite auf der Tilma ist merkwürdig geglättet, glänzend weiss und weich unter dem Bild. Forscher haben keine Erklärung für die zwei unterschiedlichen Materialseiten.
- Lichtbrechung: Bei der Untersuchung 1979 durch Smith und Callahan festgestellt: Die Farben verhalten sich wie Farben auf Vogelfedern, Schmetterlings- oder Käferflügeln: sie verändern sich beim Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln.
- Einseitige Durchsichtigkeit. Das Bild auf der Vorderseite kann deutlich durchscheinend von hinten gesehen werden – jedoch ein rätselhafter grüner Fleck auf der Rückseite des Gewebes kann von der Vorderseite aus nicht gesehen werden.
- Infrarotdurchlässigkeit: die rosa Farbe auf dem Bild ist – entgegen der allgemein vorkommenden Undurchlässigkeit der rosa Farbpigmente – infrarotdurchlässig.
- Umkehreffekt: Aus der Entfernung erscheint das Bild grösser, scheint beim Näherkommen zu „schrumpfen!. Gesicht und andere Details sind nicht aus der Nähe, sondern erst aus einigen Metern Entfernung deutlich zu erkennen.
-  Die Augen: Die Augen des Gesichtes auf der Tilma bilden das grösste Rätsel dieses Artefaktes. In beiden Augen spiegelt sich die damalige Szene der Bildentstehung im Jahr 1531 vor dem Bischof mit Verzerrungen in Abhängigkeit von den Gesetzen der Krümmung der Hornhaut, und im zweiten Auge um genau den Faktor verschoben, wie es sich in einem lebendigen Auge zeigen würde.
- 1956 entdeckt: Lichtreflexe in den Augen der Figur auf der Tilma. (Lichtreflexe im menschlichen Auge sind uns erst bekannt seit Helmhotz’ Entdeckung in den 1880er Jahren! Woher also sollte der Hersteller dieses Bildes im jahre 1531 davon Kenntnis gehabt haben?)
- 1958 entdeckt: Parkinje-Sanson-Effekt in den Augen der Figur auf der Tilma: ein gesehenes Objekt wird in beiden Augen eines Menschen reflektiert, und zwar an drei verschiedenen Stellen verursacht durch die Krümmung der Hornhaut. Genau dies aber findet sich auch in den Augen der Figur auf dem Tilmabild!
- Die sich in den Augen widerspiegelnde Szene – nach modernster Computerbildanalyse: Ein sitzender Indio; die Gesichter von möglicherweise Bischof Zumárraga und Dolmetcher Gonzales; dann Juan Diego, seine Tilma öffnend; die Büste einer Frau und ein bärtiger Spanier. In der  Mitte: eine Eingeborenen- gruppe mit Kind.

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Maria - in Erwartung - 

   Die Jungfrau von Guadalupe hat jene sieben typischen schwarzen Schleifen über ihrem Schoß, die alle Azteken sofort zu deuten wussten: Diese Frau ist in Erwartung. Um das zu bestätigen, wurde 1991 die mexikanische Bischofskonferenz gebeten, ein Phonogramm, eine Geburtshilfeuntersuchung zur Aufzeichnung der Herztöne eines Ungeborenen, am Bild vornehmen zu lassen.
  1995 machte Pater Mario Rojas, Professor der päpstlichen Universität Mexikos, daraufhin mit Hilfe der Herztonuntersuchung die unglaubliche Entdeckung: Auf dem Bild waren im Bereich des Schoßes Mariens eindeutig Herztöne hörbar. Zudem zeigten Videoaufnahmen des Regisseurs John Bird an der- selben Stelle Bewegungen wie bei einer Frau im letzten Schwangerschaftsstadium.
   Nach dieser revolutionären Entdeckung untersuchte der bekannte Gynäkologe Dr. Carlos Fernandez del Castillo im Auftrag Prof. Rajas erneut das Bild auf der Tilma. Dabei konnte er in einem ab- schließenden Gutachten die bereits vorliegenden Befunde bestätigen. Demnach erwartet die Frau auf dem Guadalupebild eindeutig ein Kind, das mit dem Kopf nach unten in sogenannter linker Position in ihrem Schoß liegt. Der Arzt schließt seinen Bericht mit dem Hinweis, dass es sich um eine normale, gesunde Schwangerschaft handelt und die Geburt des Kindes nahe bevorsteht.

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Unsere Liebe Frau von Guadalupe - Heil der Kranken

   Am 16. Dezember 1979 wurde dieses Bild “Unsere Liebe Frau von Guadalupe - Heil der Kranken”, das die Heilung Juan Bernardinos durch die Gottesmutter darstellt, im Auftrag von Papst Johannes Paul II. in einer feierlichen Zeremonie vom päpstlichen Delegaten im Beisein des Primas von Mexiko, Kardinal Ernesto Ahumada, gekrönt. 
   Während das päpstliche Dekret verlesen wurde, geschah etwas ganz Unerklärliches: Plötzlich zeigte sich in der Mitte des Gemäldes ein strömendes Licht, das den Kranken und den Schoß der Gottes- mutter wie helle Sonnenstrahlen bedeckte. Dieses außergewöhnliche Phänomen hielt bis zum Schluss der Verlesung des päpstlichen Schreibens an und wurde fotografiert. Foto oben! Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Maria am 12. Dezember 1531 bei Juan Bernardino ihren Namen offenbarte, der im Arabischen soviel wie “strömendes Licht” bedeutet.
Die Verehrung der Päpste – Gebet
   Neben vielen Päpsten, haben die Päpste des 20. Jahrhunderts die Jungfrau von Guadalupe in besonderer Weise geehrt. Johannes XXIII. rief ihr zu Ehren vom 12. 12. 1960 bis zum 12. 12. 1961 ein marianisches Jahr und pries sie als “Die Mutter beider Amerika” und als “Missioniarin der Neuen Welt”.
   Als erster Papst in der Kirchengeschichte besuchte der neu gewählte Papst Johannes Paul II. am 27. Januar 1979 während seiner ersten Auslandsreise das Heiligtum von Guadalupe. Zu diesem Anlass stellte der Heilige Vater sein Pontifikat unter den Schutz der Gottesmutter, weihte ihr Nord- und Süd- amerika und verfasste zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis eigens ein Weihegebet:

“O unbefleckte jungfräuliche Mutter des wahren Gottes und Mutter der Kirche!
Du, die Du von dieser Stätte aus
Deine Güte und Dein Erbarmen für alle kundtust, die um Deinen Schutz bitten:
höre das Gebet, das wir mit kindlichem Vertrauen an Dich richten ...
Mutter der Barmherzigkeit, Lehrerin des verborgenen und stillen Opfers,
Dir, die Du gekommen bist, um uns Sünder zu besuchen,
weihen wir an diesem Tag unser ganzes Sein und unsere ganze Liebe.
Wir weihen Dir auch unser Leben, unsere Arbeit, unsere Freuden,
unsere Gebrechen und unsere Sorgen ...
Wir möchten ganz Dein eigen sein und zusammen mit Dir
den Weg des vollkommenen Glaubens an Jesus Christus in seiner Kirche gehen.
Halte uns immer an Deiner liebenden Hand.
Jungfrau von Guadalupe, Mutter beider Amerika ...
blicke auf diese unermessliche Ernte und bitte den Herrn,
dass er dem ganzen Gottesvolk Hunger nach Heiligkeit eingeben möge.”  
Papst Johannes Paul II.

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Betancourt dankt Jungfrau von Guadalupe: “Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen!”

Nicolas Sarkozy amIngridBetancourt-xx Ingrid Betancourt 

   Die nach fast sechseinhalb Jahren Geiselhaft aus der Gewalt linker FARC-Rebellen befreite frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist von Bogota aus nach Paris geflogen. Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz in der französischen Botschaft angekündigt, dass sie von Papst Benedikt XVI. im Vatikan empfangen werde. „Das ist ein Treffen, das man sich nicht entgehen lassen darf, sagte die 46-Jährige. Der genaue Termin sei ihr noch nicht bekannt.
   Betancourt war zusammen mit vierzehn weiteren Geiseln bei der spektakulären Aktion von den Streitkräften durch einen Trick und ohne Blutvergießen befreit worden. Ihre Rettung aus der Hand der Rebellen am Fest Maria Heimsuchung schrieb Betancourt der Fürsprache der Muttergottes zu. Der lateinamerikanische Nachrichtendienst „Noticieros Televisa International” berichtete, dass Betancourt in der Pressekonferenz vor dem Abflug der Jungfrau von Guadalupe gedankt habe: „Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen. Fast sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude.”
   Schon unmittelbar nach der Ankunft am Flughafen von Bogota nach der Befreiung hatten Betancourt und ihre Angehörigen Gott und der Jungfrau Maria mit einem Gebet auf Knien gedankt. Betancourt berichtete nach der Landung, sie habe am Morgen nach dem Aufstehen den Rosenkranz gebetet. Am linken Handgelenk trug Betancourt während der Befreiungsaktion einen selbst- geknüpften Rosenkranz. Fotos unten.

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   Die Politikerin stammt aus einer tiefgläubigen Familie. Im Mai hatte ihre Schwester Astrid Betan- court der Zeitschrift „Panorama” gegenüber erklärt, Ingrid und die gesamte Familie vertrauten auf die Gottesmutter und gäben die Hoffnung nicht auf.
   Benedikt XVI., den Betancourts Mutter Yolanda Pulecio Anfang Februar nach der Generalaudienz um sein Gebet für ihre Tochter gebeten hatte, ist erleichtert über die Befreiung, die „Anlass zur Hoffnung” für Kolumbien gibt. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, als die Nachricht über die Rettung der Politikerin bekannt wurde. „Die Nachricht von der Befreiung Ingrid Betancourts und der anderen Geiseln ist eine Nachricht, die uns mit großer Freude erfüllt. Natürlich hoffen wir, dass es sich dabei um ein positives Zeichen handelt, dem andere dieser Art folgen werden. Denn unglücklicherweise leiden immer noch viele Personen auf dieselbe Art, infolge der Gewalttat einer Geiselnahme.", so Lombardi.
   Papst Benedikt hatte oftmals zur Freilassung dieser Geiseln aufgerufen, zuletzt in einer Botschaft an die kolumbianischen Bischöfe, denen er zum 100-jährigen Bestehen ihrer Bischofskonferenz gratulierte. „Der Appell des Papstes hat sein Ergebnis erbracht in dieser Befreiung, die wichtig, aber gleichzeitig begrenzt ist. Wir hoffen, dass alle diese Menschen die Freiheit wiedererlangen, und dass Kolumbien auf Frieden hoffen kann, auf eine Rückkehr zu einem Leben, das frei ist von der ent- setzlichen Gewalt, die das Land seit langer Zeit quält.”
  Auch die kolumbianischen Bischöfe, die derzeit zu ihrer Vollversammlung in Bogota versammelt sind, begrüßten die Rettungsaktion. Dies sei eine „großartige Nachricht”, erklärte Kardinal Pedro Rubiano Saenz. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Luis Augusto Castro, sieht eine Chance auf ein Ende des bewaffneten Konflikts. Die Guerilla-Organisation müsse begreifen, dass nach einer Freilassung aller Geiseln die Tür für eine Verhandlungslösung offen stehe. 
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