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HiTech

ttt-iPodSpiegel-Zx-Seniorenwohnung für die iPod-Generation

Computertechnik hilft bei nahezu jedem Handgriff und kontrolliert ihn auch

   „Willkommen in unserem Service-Apartment", sagt die junge Mitarbeiterin der Fraunhofer Gesellschaft, als der Aufzug im zweiten Stock angekommen ist. Hier, im „inHaus2" in Duisburg, stellt die Forschungseinrichtung die Senioren-Wohnung der Zukunft vor. Die junge Frau steht im altersgerechten Wohnzimmer und hat einen iPod in der Hand. Sie drückt auf den berührungsempfindlichen Bildschirm - und das Licht geht aus. Durch eine weitere Berührung lässt sich das Kopfende der Matratze hochstellen. „Man spart sich das Aufstehen", sagt die Forscherin. „Das ist reine Sturz-Prävention." Durch die technischen Entwicklungen der Fraunhofer Gesellschaft sollen ältere Menschen länger in ihrer eigenen Wohnung leben können. Ein weiterer Tastendruck - und der Flachbildfernseher dreht sich zum Bett.
Eine App fürs Zähneputzen und eine für die Medikamente
   In der Küche hängt eine Art Eieruhr: Für die Dauer, die die Uhr aufgezogen wird, fließt Strom in Herd und Ofen. Danach wird der Stromkreislauf unterbrochen - so brennt nichts an, wenn man das Ausschalten vergisst. Neben dem Herd steht ein Flachbildschirm: Schritt für Schritt führt ein Programm vor, wie man Kalbsbraten im Römertopf zubereitet.
   Im Badezimmer stellt sich die Vorführerin vor einen großen Spiegel. Der Spiegel ist nicht nur ein Spiegel - sondern ein großer Flachbildschirm. Hell leuchten die Symbole der Service-Programme auf. „Icons" oder „App" nennt die Forscherin die Symbole. „Wenn Sie Ihre Medikamente vergessen, erscheint eine Pillendose auf dem Spiegel", sagt sie. Der Bildschirm zeigt an, wie viele Pillen eingenommen werden müssen. Ein Schränkchen mit einem grünen Kreuz drauf springt auf, die Pillendose wird angeleuchtet. Es gibt auch ein „Icon" fürs Zähneputzen: Eine große Zahnbürste leuchtet auf. Ein Sensor erfasst, ob die Bürste aus dem Zahnputzbecher genommen wird. Bleibt die Bürste drin, leuchtet das Zahnbürsten-Symbol weiter auf. Auf dem Bildschirm wird nach dem Herausnehmen noch einmal das Zähneputzen vorgeführt.
   Ein Schränkchen mit einem grünen Kreuz drauf springt auf, die Pillendose wird angeleuchtet. Es gibt auch ein „Icon" fürs Zähneputzen: Eine große Zahnbürste leuchtet auf. Ein Sensor erfasst, ob die Bürste aus dem Zahnputzbecher genommen wird. Bleibt die Bürste drin, leuchtet das Zahnbürsten-Symbol weiter auf. Auf dem Bildschirm wird nach dem Herausnehmen noch einmal das Zähneputzen vorgeführt. Auch das Händewaschen erklärt der Multimedia-Spiegel, danach fährt der Handtuchhalter aus. An das System lassen sich eine Waage und eine Musikanlage anschließen. „Alles, was die ältere Person macht, wird vom System protokolliert und kann an einen ambulanten Pflegedienst weitergeleitet werden", sagt die junge Frau von der Fraunhofer-Gesellschaft. Es sei klar, dass die ,Apps" die gegenwärtige Rentner-Generation abschrecken. Aber: „Die nächste Generation, die mit dem iPhone groß wird, hat damit keine Probleme mehr."
Foto oben:  Wie die Benutzerfläche eines iPhones sieht dieser Badezimmerspiegel aus.
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 incobs Informationspool: Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte www.incobs.de

   Computer, Internet & Co. sind auch für blinde und sehbehinderte Menschen Teil des Alltags geworden. Möglich ist dies durch spezielle elektronische Hilfsmittel. Besonders im Beruf ist die optimale Ausstattung mit leistungsfähigen Hilfsmitteln und barrierefreier Kommunikationstechnik unerlässlich. Erst sie ermöglicht Arbeitnehmern mit Seheinschränkungen die Chance auf zukunftsfähige Arbeitsplätze.
Ziele und Aufgaben
   INCOBS unterstützt die Einrichtung von Computerarbeitsplätzen für blinde und sehbehinderte Menschen. INCOBS informiert anbieterneutral über das Leistungsspektrum elektronischer Hilfen, z.B. Braillezeilen, Bildschirmlesegeräte, Großbildsysteme, Lesesprechgeräte, Screenreader.
   Auch die Nutzbarkeit moderner Kommunikationstechnologien für Menschen mit Sehschädigung wird von INCOBS beschrieben, z.B. Diktiergeräte, Mobiltelefone, Notizgeräte/PDA.
   Basis des Informationsangebotes sind umfassende Produkttests, die gemeinsam mit Anwendern und Experten entwickelt werden. Überprüft wird die Zugänglichkeit wichtiger Anwendungsprogramme sowie die Bedienbarkeit und Ergonomie von Hard- und Software. Die Anbieter nutzen die Ergebnisse zur Produktentwicklung.

INCOBS im Internet

www.incobs.de ist das Portal zum Thema Computer- und Kommunikationstechnologien für Blinde und Sehbehinderte. Anwender, Berater, Kostenträger und Betriebe erhalten hier die notwendigen Informationen zur Auswahl geeigneter Produkte und zur optimalen Ausstattung des Computerarbeitsplatzes.
Unter
www.incobs.de finden Sie:
   Neuigkeiten auf dem Hilfsmittelmarkt, Aktuelle Marktübersichten, Detaillierte Testergebnisse, Tipps und Checklisten für die Produktauswahl, Informationen zur Arbeitsplatzausstattung, Wichtige Adressen und Ansprechpartner
Partner
INCOBS ist ein Projekt der DIAS GmbH, Hamburg, mit Unterstützung des Deutschen Blinden und Sehbehinderten- verbands e.V. und des DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.). INCOBS wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.
Kontakt
DIAS GmbH, Heike Clauss, Tel.: 040 - 43 18 75 15, Fax: 040 - 43 18 75 19, eMail:
clauss@dias.de
Computerhilfen für Blinde und sehbehinderte Menschen
   Fünf neue Handreichungen informieren über den Stand der Technik von Screenreadern, Lesesprechgeräten, Braillezeilen, Bildschirmlesegeräten und Großbildlystemen - Computerhilfsmitteln, die wesentlich zur beruflichen Integration von blinden und sehbehinderten Menschen beitragen Lesen Sie dazu mehr:
Jobbörse.

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Hilfsmittelmesse SightCity in Frankfurt Foto oben.  Bei der Vorbereitung zur SightCity schrak das INCOBS-Team zusammen! 130 Aussteller! Wie sollen wir das schaffen? Auch nachdem wir die Anbieter von Spielen, Uhren etc. ausgeklammert haben, galt es immer noch zahlreiche Ausstellerstände in Augenschein zu nehmen und über einige Produktgruppen hier nun in Kürze zu informieren:
   1. Vorlesesysteme mit Kamera statt Scanner, 2. Neuentwicklung: Vorlesesystem  und  Bildschirmlesegerät in  einem, 3. Und  sonst  für  Sehbehinderte..., 4. Braillezeilen, 5. Pocket-Shopper und andere Helfer für den Einkauf, 6. DAISY-Player und Recorder.

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1. neue Vorlesesysteme mit Kamera statt Scanner Fotos oben
   Deutlich wurde auf der SightCity der Trend zu Vorlesesystemen, die anstelle eines Scanners eine Kamera einsetzen. Die Kamera ist an einem Arm installiert. Das Schriftstück wird darunter gelegt, fotografiert und dann mit einer Texterkennungssoftware für die Sprachausgabe verarbeitet. Vorteil ist, dass solche Kamerasysteme kleiner und leichter sind als Scanner. Zu nennen sind z.B. die Geräte ClearReader+ von Optelec Fotos oben
oder iRead Now von Handy Tech Fotos darunter. Lesen Sie dazu unseren aktuellen Fotobericht > vorlesen

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2. Neuentwicklung: Vorlesesystem und Bildschirmlesegerät in einem: scan2Voice
  Die Technik macht es möglich: Die Grenzen zwischen Vorlese- und Bildschirmlesegerät werden aufgeweicht. So stellt die Firma ImagingSource aus Bremen mit dem Gerät Scan2Voice einen Prototypen vor, der beide Funktionen erfüllt, also Text vergrößert und vorliest. Das Hilfsmittel sieht aus wie eine Schreibtischlampe.
   An einen Rechner mit Bildschirm angeschlossen, überträgt die Live-Kamera die Vorlage vergrößert auf den Monitor. Die Kamera ermöglicht es auch, den Text zu fotografieren. Mithilfe einer Texterkennung wird er anschließend vorgelesen und ist weiter bearbeitbar.
   Die Firma IPD bietet mit Vocatex HD ein Vorlese- und Bildschirmlesegerät mit integriertem Monitor und Kreuztisch von KobaVision an. Auch die Firma Deininger arbeitet an einer ähnlichen Entwicklung mit Namen PC-I.
Lesen Sie dazu weitere Informationen > vorlesen

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3. Und sonst für Sehbehinderte...
 
Der Trend zur Mobilität bleibt weiterhin bestehen. Viele E-Lupen, die im letzten Jahr auf der SightCity angeboten wurden, haben inzwischen einen Nachfolger bekommen. Einige Geräte bieten nun eine stufenlose Vergrößerung. Bei den mobilen Bildschirmlesegeräten haben wir handliche Neulinge mit weniger als 1,5 Kilo Gewicht gesichtet. Übrigens bieten fast alle Anbieter von Bildschirmlesegeräten mindestens ein Gerät mit hochwertiger HD-Kamera an. Im Vergleich zur herkömmlichen Kameratechnologie bieten sie auch im unteren Vergrößerungsbereich gestochen scharfe Bilder.
   Die Firma Reinecker Reha hat mit iZoom eine Vergrößerungssoftware mit Sprachausgabe für den mobilen Einsatz entwickelt. Mit verschiedenen Vergrößerungsstufen, Bildschirmteilung oder diversen Möglichkeiten der Farbeinstellung stellt iZoom laut Hersteller einen ähnlichen Funktionsumfang zur Verfügung wie eine "normale" Vergrößerungssoftware.
Lesen mehr über iZoom > Monitor für Blinde

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4. Braillezeilen
  
Wer nach Braillezeilen Ausschau hielt, fand auf der CightCity überwiegend Altbewährtes, was nicht negativ bewertet werden sollte. Die diesbezügliche Technologie ist weitgehend ausgereift, und die Zeilen genügen in der Regel auch hohen Ansprüchen. Am Stand der Firma Ninepoint Systems aus Österreich wurde das modulare System Cebra
(Cellular Braille) präsentiert. Dabei handelt es sich um ein flexibles, modulares Zeilensystem, dessen Braillemodule und Navigationselemente vom Anwender selbst nach seinen eigenen Wünschen zusammengesteckt werden können. Jede einzelne Zeile besteht aus 20 Modulen, so dass der Anwender sich z.B. mit vier Zeilen eine 80er-Zeile zusammenstellen kann. Sogar eine 100er- oder 120er-Zeile wäre möglich. Das sieht recht innovativ aus. Bleibt nur die Frage, ob das Material einem häufigen Wechsel bzw. Ein- und Ausstecken der Module auf Dauer standhalten wird. Mit Distributoren für Deutschland ist man bei Ninepoint Systems in Verhandlung.
Lesen Sie mehr über den neuen Braille Notetaker Ninepoint und Cebra > Braille-Tech

neu auf derSight-City in Frankfurt ttt-1-PocketShopper-1xxx  Pocket-Shopper

5. Pocket-Shopper und andere Helfer für den Einkauf
   Gleich drei Systeme, die Produkte anhand ihres Strichcodes erkennen, wurden auf der Messe präsentiert. Vorreiter in Sachen Einkaufshilfe war wohl der Einkaufsfuchs der Firma Synphon. Diesen gibt es jetzt auch als kabellose Variante für ca. 3.100 €. Nahezu alle Hilfsmittelanbieter Deutschlands vertreiben den Einkaufsfuchs.
   Der Pocket-Shopper von Elumo ist ein System für Handynutzer. Voraussetzung ist ein Handy-Screenreader wie Talks oder Mobile Speak. Nachdem die Pocket-Shopper-Software auf dem Handy installiert ist, wird das Handy drahtlos via Bluetooth mit einem handlichen Strichcodescanner verbunden.
   Woodscan heißt der Einkaufshelfer der Schweizer Firma Bones (Milestone). Hier wird der Strichcodescanner per USB an den Milestone angeschlossen.
Lesen Sie weiter > suchen & finden
Fazit der SightCity in Frankfurt
   Auch diese Messe spiegelte den allgemeinen Trend wider: die Geräte werden immer kleiner, sie sind mobil einsetzbar und mit immer mehr Funktionen ausgerüstet. So verschwimmen zusehends die Grenzen zwischen früher klar abgetrennten Produktgruppen, wie z. B. bei Bildschirmlesegeräten/Vorlesesystemen.
   Für die Nutzer ist diese Entwicklung von Vorteil, schafft sie doch mehr Flexibilität. Auf der anderen Seite muss man sich noch besser informieren, um herauszufinden, welche Funktionen welche Produkte bieten, was man tatsächlich davon benötigt und ob die Bedienung trotz Funktionsvielfalt nicht zu komplex wird.

               Auf den folgenden Seiten bringen wir für unsere blinden und sehbehinderten Mitglieder aktuelle Berichte über hochtechnische neue Hilfsmittel, die ein barrierefreies Leben im Alltag ermöglichen, wie etwa den Lilli-Pen für Diabetiker oder ein winziges Telefon, das Schallwellen über den menschlichen Körper überträgt oder auch ein Video-Telefon - das erste Armbanduhr-Handy.
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Video-Telefon  - Das erste Armbanduhr-Handy

   Ein Video-Telefon in Form einer Armbanduhr hat der südkoreanische Elektronikkonzern LG vorgestellt. Das „3 G Armbanduhr-Telefon" ermögliche es, jederzeit und allerorten Video-Telefonate zu führen. HA081230AFP

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   Weltneuheit! Das "3-G-Armbanduhr-Telefon" ist bislang weltweit einzigartig und ermögliche es Nutzern, jederzeit und allerorten Video-Telefonate zu führen, erklärte das Unternehmen.
   Das Gerät hat einen Touch-Screen, eine Kamera und einen Lautsprecher sowie ein Spracherkennungssystem. Der Bildschirm misst nur 3,63 Zentimeter und ist knapp 14 Millimeter dünn. In Europa soll das Gerät noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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 Das Unternehmen wurde als Goldstar Co., Ltd., 1958 gegründet. Der Konzern bietet Produkte aus den Bereichen Informationstechnik, Unterhaltungselektronik und Mobilfunk sowie Haushaltsgeräte an. LG Electronics-Produkte gelten mittlerweile als qualitativ hochwertig und innovativ. Seit 2004 strebt LG Electronics auch einen Platz im europäischen Markt für Mobilfunkgeräte an.

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Wer spricht denn da mit seiner Armbanduhr? Foto links: LG GD 910 Foto rechts: Samsung S9110

  Wer sich damit albern vorkommt, lässt besser die Finger davon. Aber die beiden Watch-phones Samsung S 9110 und LG GD 910 wissen durchaus zu gefallen.
   Man könnte sie für ein extravagantes Spielzeug halten: zwei Armbanduhren von Samsung und LG mit eingebautem Mobilfunk-Modul. Solche „Watchphones" gibt es schon länger, Prototypen und Studien haben wir bereits vor mehr als zehn Jahren gesehen. Bisher waren allerdings solche Apparate kaum praxistauglich. Trotz opulenter Maße hielt ihr Akku bestenfalls einige Stunden durch, und das Telefonieren im Freisprechbetrieb erinnerte an ein Dosentelefon. So wundert kaum, dass sich manche Hersteller auf Bluetooth-Uhren konzentrierten, die im Display lediglich neue Anrufe oder SMS eines angekoppelten Handys zeigten.
  Die neuen Modelle Samsung S9110 und LG GD 910 halten jedoch, was sie versprechen. Sie sind ein brauchbarer Handy-Ersatz, lassen sich einfach bedienen, ihr Akku hält mehrere Tage (LG) oder sogar eine ganze Woche (Samsung) durch, und im Freisprechmodus ist die Akustik des Telefonats gut. Beide Geräte haben eine sehr technische Anmutung, der Liebhaber teurer mechanischer Uhren wird sich mit Schrecken abwenden und sie als „Plastikspielzeug" titulieren. In der Tat wirken sie eher wie eine 100-Euro-Uhr, obwohl die LG fast 1.000 Euro und die Samsung rund 650 Euro kostet. Beide sind groß und schwer, über und unter dem silberfarbenen Rahmen sitzt jeweils eine Verlängerung aus schwarzem Kunststoff, um das üppige Volumen zu kaschieren. Beim LG ist der Akku mit 480 mAh fest eingebaut, zum Laden wird das Gerät in eine Spezialhalterung eingesetzt. Das Samsung verwendet einen wechselbaren Kraftspender mit 630 mAh, hier kommt ein proprietärer Ladeanschluss zum Einsatz, der von einem filigranen Plastiknippel geschützt wird.
   Das Samsung mit 117 Gramm und 5,9 x 3,9 x 1,2 Zentimeter ist geradezu ein Trumm am Arm, der sofort Aufmerksamkeit weckt. Das deutlich kleinere LG (3,9 x 4,9 x 1,4 Zentimeter) lässt sich gegebenenfalls sogar unter dem Ärmel tragen, ist mit 91 Gramm etwas leichter und insgesamt weniger auffällig. Beide setzen auf einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der mit 128 x 160 Pixel (LG) und 176 x 220 Pixel (Samsung) auflöst und die Bedienung mit dem Finger wie bei einem modernen Smartphone ermöglicht. Mit vorsichtigem Streicheln über die Anzeigewechselt man zwischen verschiedenen Bildschirmen, auf der virtuellen Zifferntastatur kann man mit spitzen Berührungen ordentlich tippen und sogar SMS halbwegs kommod schreiben. Das LG zeigt auch im Stand- by-Modus die Uhrzeit und das Datum in einer allerdings sehr kontrastarmen Darstellung, während man beim Samsung zunächst eine der drei Seitentasten drücken muss, um überhaupt etwas zu sehen, denn im Bereitschaftsmodus ist der Bildschirm schwarz. Beide bieten verschiedene Darstellungen der Uhr, analog und digital, jeweils hübsch gemacht und großen Vorbildern nachempfunden.
   Obwohl das LG deutlich kleiner ist, bietet es die üppigere Ausstattung: Hier ist ein vollwertiges UMTS-Modul mit HSDPA für schnelle mobile Datenübertragungen eingebaut. Unseres Erachtens ein überflüssiges Detail, denn die GD 910 bietet weder einen Internet-Browser noch eine eMail-Software. Datenverbindungen lassen sich also nur mit einem angeschlossenen PC nutzen, und dann ist wiederum der Akku minutenschnell leer. Das LG hat ferner 82 Megabyte Speicherplatz, der sich unter anderem mit eigener Musik bestücken lässt, und zur Wiedergabe wird das Bluetooth-Profil A2DP unterstützt. Zwecks Video-Telefonie ist eine Kamera mit VGA-Auflösung eingebaut. Wecker, Taschenrechner und Sprachrekorder sind ebenfalls vorhanden, und das Telefonbuch mit bis zu 1.000 Einträgen entspricht bis ins kleinste Detail der Ausstattung eines gehobenen Mittelklasse-Handys. Verschiedene Profile lassen sich programmieren, im Flugmodus ist die Mobilfunk-Einheit ausgeschaltet. Ferner steht eine Sprachwahl zur Verfügung, und als besonderes Extra liest das LG eingegangene SMS und andere Bildschirminhalte sogar mit einer synthetischen Stimme vor.
   Beim Samsung mit 40 Megabyte Speicher fällt die Bedienung etwas leichter. Kein Wunder, ist doch der Bildschirm größer und das Menü insgesamt etwas kompakter ausgefallen. Auch hier gibt es ein großes Telefonbuch (300 Einträge), Sprachmemos, Wecker, Taschenrechner und eine Weltuhr. Die Sprachwahl erweist sich als hilfreich, und verschiedene Profile stehen ebenfalls parat. Dank Bluetooth lässt sich mit einem Headset telefonieren, und es ist sogar das Bluetooth-Profil Sim-Access für hochwertige Autotelefone eingebaut. Der Internet-Browser bringt ob der geringen Bildschirmauflösung keinen Vorteil.
   Die spannende Frage ist jedoch, wie man mit dem Apparat am Arm telefonieren kann. Komisch sieht das in jedem Fall aus, wenn man à la Dick Tracy oder Night Rider mit seiner Armbanduhr spricht. Aber das Ergebnis hat uns durchweg überrascht. Über die jeweils eingebauten Mini-Lautsprecher ist der Gesprächspartner klar und deutlich zu verstehen, man ist geradezu verblüfft. Auch die von uns Angerufenen attestierten eine sehr ordentliche Akustik. Selbst im Auto mit Nebengeräuschen war die Verständlichkeit gut, und man kann beim Telefonieren beide Hände am Lenkrad lassen. Natürlich hat man bei jedem Gespräch im Freisprechmodus sofort die Blicke aller Umstehenden auf sich gerichtet, jeder kann alles mithören. Wer ein bisschen mehr Privatsphäre sucht, nimmt ein Bluetooth-Headset mit Knopf im Ohr. Das gehört beim Samsung zum Lieferumfang, beim deutlich teureren LG leider nicht.
  An allem sind beide Geräte alltagstauglich und eine Überlegung wert, wenn man wohl oder übel stets zwei Handys mit sich herumträgt. Beide Watchphones könnten besser verarbeitet sein. Bei unserem Testgerät von LG war an der Oberkante schon eine Delle im Rahmen zu sehen. Das Samsung mit seiner deutlich längeren Bereitschaftszeit hat uns besser gefallen. Nur ist es viel zu groß, und es fehlt eine permanente Anzeige der Uhrzeit. 
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HiT-Tel-x Bei Anruf: Finger im Ohr HiT-Tel-x-

   Das klingt nach James Bond oder Science-Fiction. Doch in Japan ist es Realität: ein winziges Telefon, das Schallwellen über den menschlichen Körper überträgt: Der Clou:Statt eines Hörers steckt man den Finger ins Ohr.
   Ein japanischer Ingenieur hat ein Handy entwickelt, das den Finger zur Übermittlung der Sprachsignale verwendet. Umgesetzt wurde die Idee von dem Mobilfunk-Anbieter NTT DoCoMo. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Das Mobiltelefon der besonderen Art nennt sich "Finger Whisper" und besteht lediglich aus einem Armband. Das sorgt dafür, dass die Sprachsignale in Schwingungen umgewandelt werden. Diese werden dann an die Handknochen übermittelt. Wer mit dem "Finger Whisper" telefonieren will, muss sich tatsächlich den Finger ins Ohr stecken. Die Vibrationen werden in verständliche Sprachsignale umgewandelt. Über den Finger wird der Anrufer gehört. Über ein Mikrofon im Armband wird kommuniziert. Der "Finger Whisper" kommt völlig ohne Steuerungselemente und Wahltasten aus. Die Telefonnummer oder Name des Gesprächspartners wird einfach ins Mikrofon gesagt.
   Das Telefon klingelt nicht, sondern löst ein Vibrieren am Handgelenk aus. Um das Gespräch anzunehmen, drückt man Daumen und Zeigefinger aneinander und steckt sich dann den Finger ins Ohr. Die Elektronik wandelt die Schallwellen in Vibrationen um, die vom Körper transportiert werden. Da Knochen die Vibrationen besser als Luft leiten, sollen Anrufe mit dem Finger-Handy klarer sein als mit herkömmlichen Geräten. Das Mikro im Armband wählt über eine Spracherkennung die Nummern, die hineingesprochen werden.
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  Erfunden wurde das handliche Mobiltelefon vom japanischen Forscher Masaaki Fukumoto. Fukumotos Arbeitgeber, der Mobilfunk-Riese NTT DoCoMo, setzte die Idee um. Seit nun fünf Jahren ist dieses Handy auf dem Markt, hat sich aber offenbar nicht durchgesetzt.

Sensationelle neue Technik für Blinde

   Blinde Menschen sollen künftig mit einer neuen Erfindung auch unterwegs selbst „lesen” können. Forscher des Berliner Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft haben dafür eine hochauflösende Kamera inklusive Mini- Computer entwickelt. Damit sollen Zeitungen, Bücher oder andere Texte gescannt werden. Der Text werde anschließend in gesprochene Sprache umgewandelt und vorgelesen. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler daran, die Hardware so zu verkleinern, dass sie in eine Brille mit Kopfhörer passt. dpa050401

Neues Licht für blinde Menschen

  Mit Chip-Implantaten soll die „technische” Voraussetzung zum Sehen geschaffen werden. Die Kombination aus Operation, Trainingsprogramm und Sehtests soll blinden Menschen Orientierungssehvermögen geben.
Hintergrund:
   Mit Spezial-Brille und Labyrinth zum Sehen. Ein Hightech-Trainingsprogramm soll das Gehirn an neue Reize gewöhnen. Blinden Menschen Orientierungssehvermögen zu geben - das soll an der Medizinischen Universität Graz bald möglich werden. An der Hochschule werden Patienten im „Artificial Vision Center” (AVC) mit einem einzigartigen Konzept behandelt: Zuerst werden mit einer Chip-Implantation die „technischen” Voraussetzungen zum Sehen geschaffen. Dann wird den Betroffenen in einem Trainingsprogramm und mit neu entwickelten Tests der Umgang mit dem Sehen vermittelt.
Licht und Umrisse
   Zurzeit sei es zwar nicht möglich, mit Hilfe eines Implantats eine Sehleistung zu erzeugen, die das Lesen oder das Erkennen von Gesichtern ermöglicht: „Aber bereits die reduzierte Form des Sehens stellt einen großen Fortschritt für einen blinden Menschen dar”, erklärte Michaela Velikay-Parel, Leiterin des Forschungszentrums AVC an der Med Uni Graz. „Mit dem Erkennen von Licht und Umrissen gewinnt die Unabhängigkeit enorm.  Für unsere Patienten bedeutet dieses Sehvermögen eine entscheidende Verbesserung.” In der Augenheilkunde gab es bisher keine geeigneten Testmethoden, um die Verbesserung dieses neuen Sehens und deren praktische Bedeutung überprüfen zu können, berichteten die Verantwortlichen. Die neuen Tests wurden in Zusammenarbeit mit dem Industriepartner IMI  (Intelligent Medical Implant), lokalen Blindenverbänden und Behinderten- institutionen wie z.B. dem Odilieninstitut erstellt und für die Praxis überprüft. Im Spitzenfeld „Blinden dazu zu verhelfen, dass sie wenigstens Licht-Schatten und Konturen erkennen können, ist eine wichtige Aufgabe in diesem Projekt” sagte Gerhard Franz Walter, Rektor an der Medizinischen Universität Graz. Weltweit arbeiten auf diesem Standard zwei bis drei Forschungsgruppen an Implantatsystemen, hieß es. „Mit der Erprobung der ersten Implantate befindet sich die Med Uni Graz im Spitzenfeld der Forschung auf diesem Gebiet. Gelingt das Forschungsvorhaben, ist das ein großer Durchbruch in der Augenheilkunde”, sagte Andreas Wedrich, Vorstand der Grazer Universitäts-Augenklinik. „Blinden dazu zu verhelfen, dass sie wenigstens Licht-Schatten und Konturen erkennen können, ist eine wichtige Aufgabe in diesem Projekt”, meinte Rektor Gerhard Franz Walter.
    Das AVC ist im Zentrum für Grundlagenforschung (ZMF) der Hochschule untergebracht. Dort sind auf rund 4.200 Quadratmeter Fläche neben Schreib- und Seminarräumen 89 Labors eingerichtet. Derzeit nützen 55 Forschungsgruppen die Einrichtung um ZMF, berichtete Leiter Andreas Tiran.
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ttt-eyesyPlatform-xx   Neue Simulationstechnik für Augenoperationen

EYESi ist ein hochentwickelter Simulator für die intraokulare Chirurgie
   Das Design von EYESi ermöglicht Flexibilität und einfache Bedienung. Training von Katarakt- und vitreoretinalen Operationen ist auf derselben Plattform möglich. Während einer simulierten Operation arbeitet der Operateur mit realistischen handgeführten Instrumenten, die in ein künstliches Auge eingeführt werden. Die Bewegung der Instrumente und die Orientierung des Auges werden durch hochpräzise Sensoren detektiert und an einen Computer übermittelt, welcher das virtuelle Operationsszenario in das EYESi-Mikroskop einblendet.
   Die Trainingseinheiten der simulierten Operation sind nicht vordefiniert, sondern hängen von der Arbeit des Operateurs ab. Das modulare Designkonzept von EYESi ermöglicht die Anpassung des Simulators an individuelle Bedürfnisse. Eine EYESi-Konfiguration besteht aus Simulatorplattform, Operations-Interfaces für vitreo- retinale und/oder Katarakt-OPs und die zugehörigen Simulationssoftware-Module. Der Austausch der Operations- Interfaces kann in wenigen Sekunden vorgenommen werden. 

Das darf schon mal ins Auge gehen. Neue Simulationstechnik unterstützt den Arzt bei Operationen

   Der graue Star (Katarakt), eine Trübung der Augenlinse, betrifft nach Aussagen des Deutschen Grünen Kreuzes rund 90 Prozent aller Deutschen über 65 Jahre. Jährlich werden in Deutschland 600.000 Katarakt-Operationen durchgeführt. Der langsame Sehverlust vieler durch die Krankheit, die durch den Anstieg der Lebenserwartung immer häufiger wird, führt dazu, dass viele kompetente und belastungsfähige Augenärzte gebraucht werden. Ihre Ausbildung muss kompakt und praxisorientiert sein, denn „Ärzte müssen einfach in der Lage sein, schnell richtige Entscheidungen zu treffen und effektiv zu arbeiten", sagt der Gründer und' Geschäftsführer der VRmagic GmbH aus Mannheim, Markus Schill. „Piloten haben eine Verantwortung für viele Menschen, das ist beim Arzt im Operationssaal ähnlich. Beide benutzen teure Ausrüstung, und wenn ein Fehler gemacht wird, sind unter Umständen Menschenleben in Gefahr."
   Um diesen Bedingungen besser und schneller gerecht zu werden, werden Ärzte von moderner Technik unterstützt. Schon in der Ausbildung setzt man Operationssimulatoren ein, die junge Ärzte früh mit einer reell wirkenden Situation im Operationssaal in Kontakt bringen. Die 2001 gegründete VRmagic hat eine Nische der Trainingssimulation entdeckt und entwickelte einen Simulator für intraokulare Chirurgie,den EYESi, der Ärzte Operationen am und im Auge realistisch üben lässt.
   Eingriffe können damit simuliert und beliebig oft wiederholt werden. Der Arzt in der Ausbildung verwendet dabei Originalinstrumente an einem mechanischen Auge. VRmagic wirbt auch mit der Möglichkeit, mit dem Simulator die chirurgische Leistung der Studenten zu beurteilen. EYESi speichert viele Parameter einer Trainingssitzung, darunter die Verletzung von Gewebe, die Genauigkeit beim Führen der Instrumente und die aufgewendete Zeit für einen Eingriff. Aus diesen Daten werden Trainingsberichte generiert, die die Lernkurve des Studenten aufzeigen.
   Durch die Vertrautheit mit der bevorstehenden Situation wird die Verunsicherung junger Ärzte verringert. „In einer Studie der Uni-Augenklinik Tübingen wurden bei am Simulator trainierten Ärzten in der Ausbildung in realen OP-Situationen gegenüber untrainierten Anfängern signifikant bessere Ergebnisse festgestellt", sagt Professor Hermann Gümbel, Leiter der Augenabteilung des Bundeswehrkrankenhauses Ulm. EYESi wird dort seit 2005 für Sanitätsoffiziere der Bundeswehr angewendet. „Der große Vorteil, den wir bei Anfängern intraokularer Chirurgie sehen, ist die Möglichkeit, sich im dreidimensionalen Raum zu orientieren." Der einzige Nachteil sei das Fehlen der primären Eröffnung des Auges, nach Gümbels Aussage „ein heiliger Schritt im Leben eines Augenchirurgen".
  Die von neun Wissenschaftlern einer interdisziplinären Arbeitsgruppe der Mannheimer und der Heidelberger Universität gegründete VRmagic entwickelt die Software von EYESi, der 2001 mit dem Forschungs- und Innovationspreis der Stiftung Rhein-Neckar-Dreieck ausgezeichnet wurde, ständig weiter. Im Jahr 2007 erhielt das Unternehmen den Europäischen ICT-Preis, eine Auszeichnung für innovative Produkte und Dienste an der europäischen Informationsgesellschaft. VRmagic ist ein stetig wachsendes Unternehmen, das mittlerweile in Cambridge, Massachusetts eine amerikanische Tochtergesellschaft hat. Im Mannheimer Firmensitz werden neue Geräte entwickelt und produziert. Seit der Gründung der GmbH konnte man in jedem Jahr ein Wachstum von ungefähr 30 Prozent bezogen auf wichtige Wachstumsindikatoren, zum Beispiel Umsatz und Mitarbeiterzahl, verzeichnen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Zahl der Angestellten weiter von 35 (27 Wissenschaftler, drei Techniker und fünf administrative Mitarbeiter) auf 60 gesteigert werden. Der Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2007 lieferte positive Zahlen. Die Bilanzsumme betrug 2,6 Millionen Euro, der Jahresüberschuss 269.000 Euro. Im kommenden Jahr wird VRmagic ein neues Produkt auf den Markt bringen: einen Augmented-Reality-Simulator, mit dem die Diagnose von Netzhauterkrankungen trai- niert werden kann. Dieses Produkt wird erwartungsgemäß in viel höheren Stückzahlen vertrieben werden als der Operationssimulator und neue Absatzmärkte erschließen.
  Der wichtigste Markt für EYESi ist noch Amerika. Allein 35 von 100 verkauften Exemplaren sind in amerikanischen Krankenhäusern installiert, der Stückpreis liegt bei rund 150.000 Euro. Der Simulator wird schon von einem Viertel der Ausbildungsstätten in Amerika genutzt, „und wenn sich ein Produkt in Amerika durchsetzt, kommt es meistens auch früher oder später nach Europa", stellt Schill fest. „Wenn es gelingt, einen Simulator in das Standardprogramm einer Ausbildungsstätte zu integrieren, dann müssen alle anderen diesen Simulator auch haben", sagt Schill. Somit wären in Zukunft immer mehr Krankenhäuser interessiert, EYESi in der ärztlichen Ausbildung zu nutzen, was den Umsatz noch um ein Vielfaches steigern würde. Die Kosten des EYESi-Systems sind „schon genug, um den Gegenwert für ein durch einen Anfängerfehler zerstörtes Auge zu ersetzen", sagt Gümbel, die Kosten-Nutzen-Relation sei also gut.
LukasSchuckKeplerGymnasiumFreiburg090215FAZ

diabLilly-1xx Für Dieabetiker: endlich ein Pen, der sich für Sie erinnert

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   Dieser wiederbefüllbare Pen ist nicht nur in Sachen Design und Zuverlässigkeit eine ideale Lösung für Sie als Diabetes-Patient: Er hat einen eingebauten Daten-Chip, der die Daten Ihrer Injektionen speichert. Damit haben Sie nicht nur Ihren Tag, sondern auch Ihren Diabetes noch besser im Griff. Der Dosisspeicher des HumaPen® Memoir ermöglicht es Ihnen, immer die letzten 16 Dosierungen mit Einheiten, Datum und Uhrzeit abzurufen (Inklusive der Entlüftungseinheiten). Die Bedienung ist dabei einfach:

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Fotos oben: 1. Kappe 2. Patronenhalter 3. Digitales Display, Fotos unten: 4. Startknopf 5. Dosierknopf

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Bereitschaftsmodus:
   Um den Pen einzuschalten, drücken Sie den Ein-Knopf, so dass die Insulinanzeige auf 0 steht.
Anschließend stellen Sie durch einfaches Drehen des Dosierknopfes die Einheiten ein. Sollten Sie sich vertan haben, lässt sich der Pen durch Zurückdrehen wieder korrigieren – ganz ohne Insulinverlust. Nun können Sie das Insulin injizieren.
Abrufen der Dateien: Drücken Sie den Dosierknopf, wenn der Pen im Bereitschaftsmodus ist. Im Display sehen Sie dann die Daten Ihrer letzten Injektion mit Zeit, Datum.
Datum/Uhrzeit Insulin-Einheiten
   Ihnen als Diabetes-Patient ist das bestimmt auch schon passiert: Gerade wollten Sie Insulin spritzen, da lenkt sie etwas ab, z. B. das Telefon. Etwas später sind Sie nicht mehr sicher, ob Sie Insulin gespritzt haben. Das ist mit Lilli-Pen jetzt kein Problem mehr.
   Für mehr Infos fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker oder Ihre Diabetesberaterin.
Lilly-Pen-Hotline 0800 - 54 55 97 36 
www.memoirpen.de

Heilende Kontaktlinsen

   Ein japanisches Unternehmen hat wegwerfbare Kontaktlinsen entwickelt, die während des Tragens nach und nach Medikamente ans Auge abgeben und zum Beispiel Heuschnupfen-Patienten helfen könnten. Die Linsen bestehen aus einem hoch elastischen und wasserhaltigen Kunststoff, wie die Firma Seed mitteilte. Sie sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. afpHA030905 Mehr über Kontaktlinsen > Hornhaut

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Foto oben: Mr. Raman mit seinem Blindenführhund Hubbell und Charles Chen, der Spezialist für Anwendungen für Blinde und Sehbehinderte ist hat den ScreenReader für Firefox entwickelt.
Foto unten: Mr. T. V. Raman ist Pionier bei Google, um die Technologie für blinde Nutzer kundenfreundlicher zu gestalten. Sein eigener PC liest Texte in dreifacher Geschwindigkeit

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  T.V.Raman war schon als Kind ein Bücherwurm und entwickelte sehr früh ein Ineresse an Mathematik und an Puzzles. Diese Leidenschaft gab er auch nicht auf, nachdem er im Alter von 14 Jahren an einer Glaukom- Erkrankung erblindete. Was sich in der Verfolgung seiner Interessen änderte waren die technologische Entwicklung und seine eigenen Erfindungen.
  Dem indischen Einwanderer in die USA halfen ehrenamtliche Helfer bei seinem Studium an einer Technischen Universität Bücher vorzulesen. Heute führt er ein selbständiges Leben in Silicon Valley, wo er ein anerkannter Computer-Wissenschaftler und Ingenieur bei Google ist.
   Bei seiner Arbeit entwickelte Mr. Raman eine Anzahl von Werkzeugen, die ihm halfen, Geräte und Techniken zu gebrauchen, die nicht speziell für Blinde entworfen waren. Darunter war ein Rubik’s Würfel, den er anstelle von Farben mit Braille-Schriftzeichen gestaltete und verschiedene Software-Programme, die mit komplexen mathematischen Formeln arbeiten und sie auch laut vorlesen können. Das wurde auch die Grundlage seiner Promotion in Philosophie an der Cornell-TU. Inzwischen hat Mr. Raman auch eine Version für die Google für blinde Menschen entwickelt.
   Mr. Raman, 43, arbeitet zur Zeit an Veränderungen eines neuen technischen Gerätes, das nach seiner Meinung das Leben für blinde Menschen leichter machen würde: ein touch-screen-Telefon.
   Was Herr Raman leistet ist bewundernswert, sagt Paul Schroeder, Vizepräsident für Entwicklung der Amerikanischen Stiftung für die Blinden, der Forschungsaufgaben leitet, die für Sehbehinderte eine Hilfe sein könnten. „Er ist ein führender Denker für erreichbare Ergebnisse; seine Fähigkeiten Technologien zu erarbeiten und zu ändern, um Hindernisse zu überwinden ist einzigartig.“
   Einige Erfindungen von Mr. Raman machen elektronische Geräte und Web-Dienste mehr benutzerfreundlich für jedermann.  Statt sich zu fragen, wie etwas gehen sollte, wenn jemand nicht sehen kann, zieht er es vor sich zu fragen: „Wie kann etwas gelingen, wenn der Nutzer nicht auf den Bildschirm schaut?“ Solche Systeme könnten für Fahrer hilfreich sein oder auch für jeden, für den es vorteilhaft wäre, ohne hinzusehen beim Telefonieren. Das könnte auch Älteren mit Sehschwächen helfen, eine Technik zu nutzen, auf die sie sich verlassen können.
   Mr. Raman nähert sich einer Sache wie oftmals in der Geschichte: dass viele Erfindungen zunächst für Menschen mit Behinderungen entwickelt wurden, dann aber später einem breiten Publikum von Nutzen waren, sagt Larry Goldberg von Radio Boston. Diese Entwicklungen betreffen Rollstühle und auch die Möglichkeit, Bildunterschriften auf Fernsehgeräten zu erkennen, wie sie heute schon zum Vorlesen von Büchern und vielen Computer- Anwendungen benutzt werden.
   Es mag eine entmutigende Herausforderung sein, auf einer Glasoberfläche ohne Knöpfe Cellophon zu spielen – aber Mr. Raman sagt, mit dem richtigen Trick könnten touch-screen-Telefone, die heute oft schon mit GPS- Technologie und Kompass geliefert werden, blinden Menschen helfen, sich in der Welt zurechtzufinden. „Wie stark muss der Glaube sein”, fragt Mr. Raman, “um sich vorzustellen, dass Ihr Telefon sagen kann ‘Geh gerade aus und in 60 Metern erreichst du die Schnittstelle XY‘. Das ist jetzt schon möglich.“
   Blindenverbände klagen oft über die Industrie, dass ihre Geräte nicht leicht zugänglich seien. Obschon das Netz Blinden viele Möglichkeiten bietet, ist es oft noch wie ein Sieb mit vielen Hindernissen. Anspruchsvolle Software zum Vorlesen von Webseiten kosten oft mehr als 1.000 Euro. Aber auch mit dieser Technik ist es schwer durch manche Seiten zu navigieren. Die Natonal Federation of the Blind erreichte im letzten Jahr ein Abkommen mit einer Firma, deren Website - wie Rechtsanwälte feststellten – nicht zu gebrauchen sei. Der Einzelhändler versprach, seine Angebote im Netz für Blinde erreichbar zu machen. Die Blindenvereinigung überprüft und bewertet den Internetauftritt der Firmen. Nur wenige Seiten sind voll zugänglich.
   Eine Herausforderung bleibt, dass die Technik sich oft schneller als die Richtlinien entwickelt. Im Dezember hat eine internationale Standard-Gruppe des World Wide Web für den Zugang die neuen Richtlinien in der Version 2.0 herausgegeben und damit die Version von 1999 abgelöst, als das Netz im wesentlichen noch statisch war und nicht interaktiv wie heute.
PeterDaSilvaNewYorkTimes090109

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Digitaler Museumsführer - Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sind Preisträger
im LoCo Mummy Contest © 1995-2007 Informationsdienst Wissenschaft eV.
Entwickelt wurde GuidelT von Magdeburger Informatikern um Claus Vielhauer und Sandra Gebbensleben.

Museumstechnik
   Heißt es künftig im Museum „Handy an”? Der multimediale Museumsführer „GuidelT” setzt jedenfalls auf die flächendeckende Verbreitung von Mobiltelefonen und will diese als Endgeräte nutzen. Das an der Otto von Guericke-Universität Magdeburg erarbeitete System besteht nur aus der Software und den entsprechenden Inhalten. Zunächst lädt der Museumsbesucher direkt in der Ausstellung mittels Bluetooth das Programm aufs eigene Handy. Die Software organisiert dann passend zu den Exponaten die Wiedergabe von Texten, Bildern, Videos und Audiodaten. Immer leistungsfähigere Handys machen die Arbeit mit verschiedenen Medienformaten möglich. Vorteile haben beide Seiten von dieser Lösung, bei der die Besucher das Endgerät selbst mitbringen: Für die Museen entfällt die Anschaffung teurer Geräte. Und die Gäste müssen nicht auf die Ausgabe von Audioguides warten. Außerdem können sie die digitalen Informationen als virtuellen Katalog mit nach Hause nehmen. Entwickelt wurde GuidelT von Magdeburger Informatikern um Claus Vielhauer und Sandra Gebbensleben. Gerade ist der Handy-Museumsführer mit einem Preis im Loco Mummy Contest 2006 ausgezeichnet worden. Erste Versuche in der Museumsrealität soll es in den Bauhaus-Meisterhäusern in Dessau geben.
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   Claus Vielhauer forscht mit seiner Gruppe intensiv unter anderem an multimodalen Verfahren, um die Mensch- Computer-Interaktion zu verbessern, wobei das ausgezeichnete System "GuideIT" eine neue Form eines digitalen Museumsführers darstellt. Im Vergleich zu herkömmlichen digitalen Museumsführern weist dieser Ansatz im wesentlichen zwei Vorteile auf: Zum einen erübrigt sich für das Museum die Anschaffung und Wartung spezieller teurer Geräte, die an die Besucher verliehen werden. Statt dessen wird die Software drahtlos per Bluetooth auf die persönlichen Mobiltelefone der Kunden übertragen. Zum anderen können Besucher auch nach dem Besuch noch Informationen zum Museum erhalten, ohne Verbindungsgebühren zu entrichten, da die Software auf dem persönlichen Gerät verbleiben kann.
   Der GuideIT wurde auf marktgängigen Handys auf Eignung überprüft. Diese Handys haben den Test erfolgreich bestanden:  Motorola V3 2.0;   Nokia 6230 2.0;   Siemens SL65 2.0;  Sony  Ericsson  T630 1.0, Sony Ericsson K700i 2.0  Weitere Handys werden noch getestet.

„Vibrator-Schuhe” als Augen für Blinde

  Ein tschechischer Forscher hat vibrierende Schuhe erfunden, die Blinden helfen sollen, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden. In die speziellen Schuhe ist ein Infrarot-Sensor eingebaut. Trifft dieser auf ein Hindernis, zum Beispiel eine Gehsteigkante oder eine Treppenstufe, löst es eine Vibration in der Schuhsohle aus. Antonin Kaspara, der Erfinder: „Das Ganze funktioniert so ähnlich wie das Sonar von Fledermäusen. Nur benutzt es zum Orten von Hindernissen keinen Ton, sondern Infrarotlicht. Aber es funktioniert auch so!” Der Schuh wird mit einer Batterie betrieben, die ähnlich wie der Akku eines Handys aufgeladen werden kann.
    Die Herstellungskosten betragen nur rund 20 Euro pro Schuh. Kaspara: „Schon bald könnte mein Patent auf den Markt kommen. Es wäre wirklich eine Revolution!”
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HiTGeldautomat-x       Geldautomat für Blinde!  

  In Deutschland gibt es mehr als 53.600 Geldautomaten. Bislang dienen sie vor allem der Geldausgabe. Doch ihre Funktionen sollen ausgeweitet werden. Die Haspa will ihren Kunden künftig ermöglichen, dort auch Handy- Prepaidkarten aufzuladen.  Volks- und Raiffeisenbanken wollen darüber auch Konzertkarten verkaufen. Die Deutsche Bank stattet ihre Automaten künftig zusätzlich mit einem Sprachprogramm und Kopfhörern aus, damit sie von Blinden leichter bedient werden können. Die Deutsche Bank ist der Ansicht, dass ihre Kunden keinen Bedarf an zusätzlichen Serviceleistungen haben. „Wir hatten bereits vor Jahren einen Testlauf mit Konzertkartenverkauf an Bankautomaten. Doch unsere Kunden hat das Angebot nicht interessiert”, so Sprecher Michael Lermer. Deshalb entwickelt sie - wie auch die Dresdner Bank - nur neue Serviceleistungen für benutzerfreundlichere Abwicklung der Bankgeschäfte. Dazu gehörten Automaten mit Kopfhörern, die Kunden über die Bedienungsschritte informierten. „Das Angebot richtet sich in erster Linie an blinde Menschen”, so Lermer.
   Noch verdienen die Banken nach eigenen Angaben an den neuen Angeboten nichts. „Es zählt einzig der Servicegedanke”, sagt Thorsen von der Hamburger Bank. Gewinne bringe das Geschäft erst, wenn es lange Zeit erfolgreich liefe. „Denn die Umrüstungskosten sind groß.”
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Sparkasse und Volksbank betreiben erstmals gemeinsamen Geldautomaten für Blinde
   Der Automat spricht: „Sie finden das Kartenlesegerät rechts vor Ihnen in Richtung zwei Uhr.” Über Kopfhörer erklärt eine Stimme, wie das Gerät zu bedienen ist - ein Service für Blinde. Und: Für Kunden von zwei heimischen Banken ist das Geldabheben im neuen Klinikum Minden künftig kostenlos.
  Möglich macht's eine neue Kooperation der Volksbank Minden-Hille-Porta und der Sparkasse Minden-Lübbecke nach dem Zwei-in-eins-Konzept. Für deren Kunden ist die Nutzung gratis, die Kunden anderer Geldinstitute hingegen zahlen die üblichen Gebühren. Patienten und Mitarbeiter des Klinikums können in der Eingangshalle künftig rund um die Uhr Geld abheben. Der Geldautomat ist in dreifacher Hinsicht behindertengerecht: Er befindet sich zum einen direkt im ebenerdigen Foyer. Rollstuhlfahrer können das Gerät unterfahren und so Tasten, Kartenlesegerät und Geldausgabe bequem erreichen. Und die Sprachkommunikation erleichtert blinden und sehbehinderten Menschen die Bedienung. „Die meisten Blinden haben einen Kopfhörer mit Standardstecker dabei”, erläutert Gerald Watermann (Sparkasse). Darüber hinaus gibt es die Kopfhörer, die Patienten auch zum Fernsehgucken und Radiohören nutzen können, an verschiedenen Automaten. An der Rezeption können sie darüber hinaus auch ausgeliehen werden. Nach dem Einstöpseln übernimmt dann der Automat die Führung: „Bitte geben Sie Ihre Karte ein”, heißt es dann. 
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Zielvereinbarung für barrierefreie Sparkassen unterzeichnet
   Menschen mit Behinderungen einen barrierefreien Zugang zu den Dienstleistungen und Gebäuden der Sparkassen in Rheinland-Pfalz zu ermöglichen, ist Anliegen einer unterzeichneten Zielvereinbarung zwischen dem Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz und den Organisationen und Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderungen. Im Beisein des Staatssekretärs im rheinland-pfälzischen Sozialministerium und Landes- beauftragten für die Belange behinderter Menschen, Richard Auernheimer, unterzeichneten Hans Otto Streuber, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Rheinland-Pfalz, und Vertreterinnen und Vertreter der Verbände der Menschen mit Behinderungen die Zielvereinbarung in Mainz.
   Bisher gab es bereits bei Banken und Sparkassen eine Vielzahl guter Beispiele, die Zugänglichkeit für behinderte Menschen durch Rampen zu den Filialen sicherzustellen. Die Zielvereinbarung geht darüber hinaus; insbesondere für blinde und sehbehinderte Kundinnen und Kunden soll das Angebot noch verbessert werden, heißt es in der Pressemitteilung des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums. So sollen Bankautomaten mit taktil erfassbaren Tasten und Sprachausgabemöglichkeit mit Kopfhörer ausgestattet werden, so dass die Geräte auch für blinde Menschen nutzbar sind. Die Beschriftung soll kontrastreich und in ausreichender Größe gestaltet, die Menüführung soll leichtverständlich sein. Auch die Internetangebote der Sparkassen sollen für blinde und sehbehinderte Menschen besser gestaltet werden, um beispielsweise mit einer Sprachausgabe am Computer besser kompatibel zu funktionieren. Grundsätzlich soll auf das „Zwei-Sinne-Prinzip” geachtet werden, das Informationen für mindestens zwei der drei Sinne „Hören, Sehen, Tasten” zugänglich macht, um eine weitreichende Barrierefreiheit zu ermöglichen. Insgesamt zwölf Maßnahmen zur Barrierefreiheit haben die rheinland-pfälzischen Verbände behinderter Menschen und der Sparkassen- und Giroverband unter der Moderation des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Staatssekretär Richard Auernheimer, in der Zielvereinbarung aufgelistet. Jetzt wird es darum gehen, die Institute vor Ort für den Beitritt zu der Vereinbarung zu gewinnen. Der Sparkassen- und Giroverband hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis Ende 2009 alle Sparkassen in Rheinland-Pfalz beitreten. Dabei wird er von den Vereinbarungspartnern unterstützt.

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Orientierung in einer visuell gestalteten Welt. Blinde und sehbehinderte Menschen
müssen auf eigene Methoden und Techniken zurückgreifen, um sich zurechtzufinden
Foto oben: Bei einer Blindenuhr kann man die Zeit regelrecht erfühlen.
oben rechts: Auf bekannten Pfaden kann auch der Blinde zügig ausschreiten.

  Wie führt man einen Blinden? Nicht, indem ihn am Arm packt, sondern indem man den eigenen Arm den Blinden anbietet, damit er ihn greifen kann. Ich komme mir dabei ungelenk und ungeschickt vor, versuche die für mich sichtbaren Hindernisse mit dem von ihm mittels Stock ertastbaren Gegebenheiten abzugleichen und jene Hindernisse, von denen ich glaube, dass er sie nicht wahrnehmen kann, verbal zu erläutern. Dabei remple ich ihn öfter versehentlich an. Endlich haben wir Sitzplätze in einem Straßencafé gefunden. Jetzt, beim Sprechen, schaut er mich nicht an. Wie soll er auch? Seine Augen können nicht sehen.
    Marcus S., 26 Jahre, Jura-Student in Marburg, nippt an seinem Erfrischungsgetränk und erzählt: “Ich bin blind auf die Welt gekommen, in einer normalen Familie ohne Geschwister aufgewachsen, mit vier Jahren in den Kindergarten gekommen, mit sechs Jahren in eine Grundschule für Blinde in Soest. Dann, Anfang der 80er Jahre, als der Trend,  Blinde und Sehbehinderte integrativ zu schulen, gerade einen Höhepunkt erreichte, bin ich bis zur achten Klasse in ein normales Gymnasium gegangen ...”
   Auch wenn er das Zusammensein und die Gruppenarbeiten mit den gleichaltrigen, sehenden Kameraden schätzte (“Mich hat das weiter gebracht!”) findet er es im nachhinein schwierig, sich in dieser Altersgruppe tatsächlich zu integrieren. “Die Interessen sind halt völlig unterschiedlich gewesen. Die Zwölf- bis Dreizehn- jährigen interessierten sich hauptsächlich für Sport und Computerspiele” - beides Bereiche, mit denen die meisten blinden Menschen auf eine Statistenrolle beschränkt sind. “Manchmal habe ich mich halt daneben gesetzt, um mit dabei zu sein, aber so richtig Spass gemacht hat das nicht. Außerdem gehen mit der Pubertät sowieso genug Probleme einher. Damals fiel es mir schwer, andere Menschen anzusprechen und um Auskünfte oder Hilfe zu bitten.”
   Dabei ist gerade die unbefangene Kontaktaufnahme zu Menschen in seiner Umgebung eine der wesentlichen Fähigkeiten, die der blinde Mensch braucht, um selbstständig und mobil zu sein. “Es ist gerade für uns wichtig, sich nicht ins stille Kämmerlein zurückzuziehen, sondern nach draußen zu gehen, einzutauchen, mitzumischen, Atmosphäre zu erleben, sich nicht zu Hause zu verstecken.”
   Marcus S. kann das. Er scheint wenig Berührungsängste zu haben, geht souverän mit seiner Blindheit und den damit einhergehenden Besonderheiten im Alter um. Dabei betont er immer wieder, dass andere Blinde ihr Dasein anders empfinden, anders meistern. Der Marburger Student spricht stets nur für sich und nichts von dem, was er sagt, will er verallgemeinert wissen. Er hat einen großen Bekanntenkreis aus sehenden und blinden Menschen. “Ich würde eher privat was unternehmen, als in einen Verein zu gehen”, sagt er. Auch geht es ihm in den Zirkeln und Vereinen speziell für blinde Menschen teilweise zu “stammtischmäßig” zu und er vermisst die Öffnung nach außen: “Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie sich regelrecht abschotten.” Für Marcus S. haben seine Freunde die erste Priorität.
    Doch natürlich hat er diese nicht immer um sich herum. Menschen, die er auf seinen Wegen trifft und um eine Auskunft bittet, unterteilt er in drei Gruppen: Die erste Gruppe reagiert gar nicht, ignoriert ihn einfach. Die zweite Gruppe besteht aus Leuten, die zwar antworten, aber das Falsche sagen. Die dritte Gruppe schließlich gibt die gewünschte Auskunft. Ein Grund für Frust? “Nö,” lacht Marcus S., “das ist doch normal”.
    Seiner Erfahrung nach ist die Unsicherheit der sehenden Bevölkerung gegenüber den Blinden in Deutschland immens: “Das hab’ ich im Ausland häufig anders erlebt. Angenommen man sucht einen Weg und benötigt Unterstützung, da bin ich in Holland und Frankreich auf eine viel größere Offenheit gestoßen. Viele Leute scheinen dort zu wissen, wie man einen Blinden führt. In den Schulen haben sie Behinderungen als Thema und lernen auch den Umgang mit den behinderten Menschen.”
   Marcus S. hat Spass am Reisen und interessiert sich für fremde Länder. Als Austauschschüler und Teilnehmer von Gruppenreisen hat er schon Holland, Frankreich und Polen bereist. Sprachen interessieren ihn und deshalb lernt er neben seinem Jurastudium Niederländisch, Englisch und Französisch. Über das Internet hat er Zugang zu allen großen Zeitungen und kann sich auch mittels der fremdsprachlichen Organe auf dem Laufenden halten. Dabei ist der Computer zu einem wichtigen Helfer geworden.  Ausgerüstet mit einer Braille-Zeile und einem Sprach-Decoder sind ihm die digitalen Daten vollständig zugänglich. Allerdings ausschließlich in Textform. “Gut, dass heutzutage viele Bücher auf CD-ROM vorliegen.”  Und wenn einmal nicht, dann scannt er sich auch Buchseiten ein, um sie für ihn in eine verständliche Form zu bringen.
    Bilder kennt er nicht und vermisst sie deshalb auch nicht. “Wahrscheinlich ist es für mich einfacher als für jemanden, der sehen konnte und dann erst erblindete”, vermutet er und erläutert: “Der taktile Plan eines S- Bahn-Netzes würde mir nichts nutzen. Ich kann damit nicht viel anfangen, ich würde eher die S-Bahn-Auskunft anrufen, um eine Information zu bekommen.” Im Alltag bedeutet das für ihn, der alleine in einer Wohnung lebt, dass er beispielsweise die Fahrpläne der für ihn relevanten Busse im Kopf hat. Beim Einkaufen fragt er nach Sonderangeboten oder dem Verfallsdatum. Sein Gedächtnis scheint gut trainiert, ohne Probleme merkt er sich Telefonnummern und Internet-Adressen. In seine Vorlesungen nimmt er sich öfter einen Laptop mit, um sich Notizen zu machen. Bei der Literatur-Recherche und dem Erfassen von kürzeren Texten bedient er sich eines Vorlesers, eine Dienstleistung, die vor wechselnden Studenten angeboten wird.
   Der Kontakt zu den Kommilitonen ist eher distanziert. “Da läuft viel über Blickkontakt: Man trifft sich etwa in der Bibliothek und stellt fest: Ah, Du schreibst ja auch Deine Hausarbeit zu dem Thema ... Ich hingegen gehe mit meinem Vorleser in einen Extra-Raum, da gibt es dann wenig Anknüpfungspunkte.”
   Innerhalb von Deutschland besucht Marcus S. Freunde und Bekannte in den verschiedensten Ecken. Das Management für seine Mobilität hat er fest im Griff. “Ich orientiere mich entlang der Bordsteinkante!”, erläutert er den Umgang mit dem Blindenstock, den er in Halbkreisen vor sich her am Boden entlangführt. Auch Hauseingänge und Torausfahrten dienen dem nichtsehenden Menschen als Orientierungshilfe: Sie hören intensiver, der Schall wird hier anders zurückgeworfen.
    Bei weiteren Reisen sorgt Marcus S. neben der Fahrkahrte auch für die entsprechende Platzreservierung. Für die Umsteigebahnhöfe meldet er sich bei der Bahnhofsmission oder beim Fahrpersonal und fordert eine Umsteigehilfe an.
   “Züge sind unsere Hauptfortbewegungsmittel. Sonst wäre man immer auf andere angewiesen ...” Folglich betrifft sein Wunsch für Verbesserungen im Alltag auch spontan den öffentlichen Verkehr: “In allen öffentlichen Verkehrsmitteln sollte es Ansagen geben!” und nach einigem Überlegen: “Und im Straßenverkehr sind die Kreisel problematisch, weil man nicht nachvollziehen kann, woher die Fahrzeuge kommen, wenn keine Ampel da ist”
UlrikeFleischmann/DasJournal030

Leitsystem Orientierungs- und Leitsystem für Blinde

   Ein besonderer Übergang („Zebrastreifen“) in Osnabrück an der Rehmstraße (wie auch an der Knollstraße und der Bramstraße) sind die weißen geriffelten Pflasterungen auf dem Bürgersteig direkt vor dem Überweg. Es handelt sich um zwei Querstreifen, die durch einen Längsstreifen verbunden sind. Das ist keine Anti-Rutsch- Pflasterung für Matschwetter, sondern, wie es im Amtsdeutsch heißt, ein Orientierungs- und Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde.
   Bislang gibt es das schon an Bushaltestellen und auf Bahnsteigen. Blinde und Sehbehinderte können mit ihrem Taststock die Markierung erkennen und genau den Beginn des Zebrastreifens erspüren.
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Der weiße Stock weist den Weg. Für Sehbehinderte steckt der Alltag voller Hindernisse:

Wie sich eine Betroffene in der Innenstadt von Hannover zurechtfindet.
Eva Westphal ertastet den Weg zum Bahnhof anhand einer im Boden eingelassenen Leitlinie.
    Ohne Hektik tastet sich Eva Westphal mit ihrem weißen Blindenstock - dem Erkennungszeichen und wichtigsten Hilfsmittel von Sehbehinderten - durch die Menschenmenge in Hannover am Kröpcke. Die meisten Menschen bemerken sie und machen der blinden Frau Platz. Manche aber nehmen sie gar nicht wahr. Doch die 53-Jährige ist selbst aufmerksam, spürt und hört näherkommmende Menschen, wird langsamer und lässt andere vorbeigehen. Doch man merkt ihr an, dass sie dabei angestrengt ist. „Ich kann nicht wie eine Sehende entspannt durch die Straßen schlendern”, sagt. „Je mehr Menschen um mich herum sind, desto mehr muss ich mit meinen Sinnen arbeiten.” Damit meint die Heilpädagogin vor allem ihr Hörvermögen und ihren Tastsinn. Sie muss sich allein darauf verlassen - zusammen mit dem weißen Stock sind diese beiden Sinne ihre wichtigsten Werkzeuge.
   Eva Westphal ist seit ihrer Kindheit sehbehindert. Mit sechs Jahren begann ihr Augenlicht aufgrund einer Netzhauterkrankung schwächer zu werden, bis sie schließlich nahezu vollständig erblindete. Heute kann sie lediglich noch hell und dunkel unterscheiden. Doch zu viel Licht verträgt sie nicht. Bei Sonnenschein, erzählt sie, lege sich ein Schleier über ihre optischen Wahrnehmungen. „Dann wird alles nebelig.”
   An diesem Tag scheint die Sonne. Die Stadt ist voll, und durch die entsprechende Geräuschkulisse fällt ihr die Orientierung schwer. „Da rechts vorne ist ein Cafe”, sagt Westphal. Sie hört die Tassen klappern - trotz der lärmenden Baustelle im Hintergrund. Auch den Übergang vom Kröpcke in die Bahnhofstraße bekommt sie mit, denn die Oberfläche der Steinplatten sind glatter gearbeitet, aus dem Buchladen hört sie Musik. „Die beschallen mit ihren Boxen immer die Straße”, sagt Westphal. Auf ihrem Weg durch die Innenstadt riecht die 53-Jährige Drogeriemärkte und Bäckergeschäfte. Durch das Geräusch ihres weißen Stockes kann sie sogar bestimmen, ob rechts und links von ihr Häuser oder Autos stehen.
  Doch dann gibt es Probleme: Am Geldautomaten der Sparkasse ist für Eva Westphal nichts zu holen. „An den meisten Geräten gibt es leider immer noch keinen Kopfhörereingang für Blinde”, sagt sie. Zwar ließen sich die Bedienknöpfe häufig mit den Fingern ertasten, doch wisse sie nie, was auf dem Bildschirm stehe. Nur eines von vielen alltäglichen Problemen sehbehinderter Menschen. Ein weiteres offenbart sich nur wenige Meter weiter im Hauptbahnhof: Zum Eingang führt eine genoppte Leitlinie, die in das Straßenpflaster eingelassen ist, und die sich mit dem Stock ertasten lässt. Doch leider hört die Richtungshilfe direkt vor dem Eingang auf. „Von dort aus müssen wir uns halblinks halten, um an eine Übersichtstafel
Foto oben rechts in Blindenschrift zu kommen.” Daran könne man sich allerdings nur halten, wenn man das auch wisse. Zu allem Überfluss sei die Tafel dann auch noch unübersichtlich aufgebaut. Besser seien die speziellen Informationsschilder an den Treppenläufen der einzelnen Gleise geeignet: „Gleis 1 ist links, Gleis 2 rechts.” Westphal kann diese Information fühlen.
   Tickende Ampeln, vor dem Ende des Bahnsteigs in U-Bahn-Stationen warnende Noppenplatten, Vorlese- programme für Internetseiten, audiovisuelle Tonspuren bei Fernsehprogrammen: In den vergangenen Jahren habe sich einiges für Blinde und Sehbehinderte getan, meint Westphal. Trotzdem sei noch vieles zu verbessern. So hielten die Stadtbahnen häufig an anderen Stellen, als an den gekennzeichneten Feldern, und die Tonsignal- ampeln an den wichtigsten und gefährlichsten Stellen fehlten. „Die Ansätze sind gut, aber oftmals wird bei der Ausführung einfach nicht genug nachgedacht”, meint die zweifache Mutter.
    Rund um ihr Zuhause in Kirchrode ist für sie alles einfacher als in der Innenstadt: „Da ist weniger los, da kenne ich mich aus”, sagt sie. Dort ist auch ihr Arbeitsplatz im Tauben- und Blindenzentrum, wohin sie jeden Morgen allein zu Fuß geht. Ins Zentrum laufe sie dann aber lieber in Begleitung. Mit den Armen bei Tochter Judith untergehakt kann dann auch Eva Westphal ein wenig entspannter schlendern.

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Weißer Stock      HiTWeißer-Stock-x     Der Aktionstag

  Den „Tag des weißen Stockes” nutzen Blindenverbände weltweit, um auf die Situation sehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen. Die Idee des weißen Stockes als Schutz- und Erkennungszeichen entstand 1930 in Paris und wurde 1931 offiziell eingeführt. Seither gilt die Orientierungshilfe weltweit als Symbol für Blinde und Sehbehinderte. Auch in Hannover gibt es um den Aktionstag viele Veranstaltungen, die auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen sollen. So hat der Blindenverband Niedersachsen ein Dunkelcafe in der Kühnsstraße 18, Eingang Gaststätte Felsentreff, eingerichtet. Hier können Interessierte am Tag des weißen Stockes zusammen mit Blinden und Sehbehinderten in absoluter Dunkelheit Gespräche führen und sich so in deren Situation hineinfühlen. Dabei gibt es viel Neues zu erfahren: Welche Geräusche nimmt man wahr, was riecht und schmeckt man, und wie sensibel reagiert eigentlich der eigene Tastsinn? Abends gibt die Gruppe „Ellingtons” ein Konzert im Dunkeln - auch für die sehenden Musiker ist das eine Premiere. In Niedersachsen leben derzeit rund 12.000 blinde Menschen und etwa 35.000 Sehbehinderte.  HAZ081015sfu

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Eine Stadt mit Leitsystem für Blinde. Bohmte, ein Ort ohne Verkehrsschilder, besteht den Praxistest mit Sehbehinderten. Foto links: Im Selbstversuch: Hans-Werner Lange vom Blinden- und Sehbehindertenverband und der Behindertenbeauftragte Karl Finke Foto rechts: Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk Hamburg

   Ein kleiner Ort bei Osnabrück zieht derzeit Besucher aus der ganzen Welt an. Im Mai hatte die Gemeinde Bohmte in ihrem Zentrum alle Straßenschilder abmontiert. Auf einem Abschnitt von 500 Metern verschwanden Ampeln, Zebrastreifen und Bürgersteige. Nun kommen jeden Tagen Gäste in den Ort, um sich das „Wunder” von Bohmte anzuschauen. Bürgermeister Klaus Goedejohann (CDU) lässt jetzt eigens Führer ausbilden, die das „shared space” genannte Projekt erläutern können. Er selber stellte das von der EU geförderte Verkehrskonzept Vertretern von Behinderten in Niedersachsen vor.
   Hans-Werner Lange bringt die ursprüngliche Skepsis auf den Punkt: „Wir dachten, die Bohmter machen da was, dass wir Blinden nicht mehr auf die Straße können.” Lange ist Geschäftsführer des Blindenverbandes Nieder- sachsen. „Share space” setzt statt auf Regeln und Grenzen vor allem auf Rücksichtnahme und Bereitschaft zur Verständigung. „Aber Blickkontakt und Zuwinken, das geht bei unsereins ja nun mal nicht”, sagt zu Beginn seines Besuchs Karl Finke, der Landesbeauftragte für Behinderte in Niedersachsen. Er ist stark sehbehindert.
   Bürgermeister Goedejohann weiß von solchen Sorgen. „Wir haben intensiv mit Vertretern von Blinden und Sehbehinderten diskutiert.” Als Konsequenz haben die Bohmter ein sogenanntes taktiles Leitsystem in ihren neuen durchgängig rot gepflasterten Straßenbereich installiert. Weiße Streifen mit ertastbaren Rippen auf jeder Straßenseite und verschiedene Übergänge mit Noppen im Pflaster.
   Lange und Finke machen in Bohmte den Selbstversuch. Beide tasten sich mit dem Stock die Straße entlang und suchen die Stelle für den Übergang. „Mein erster Eindruck: Ich kann hier gut laufen”, sagt Finke. Lange registriert zufrieden, dass „die Autofahrer tatsächlich reagieren. Wenn ich auf die Straße zugehe, fahren sie langsamer.” Der Bürgermeister bestätigt die Erfahrung. Sobald Autofahrer das rote Pflaster erreichten, führen sie rücksichtsvoll und defensiv, berichtet er zufrieden. Mehr als 12.000 Fahrzeuge, darunter viele Schwerlastwagen, passieren täglich den Straßenabschnitt. Trotzdem, so Goedejohann, habe es seit Einführung des Systems keinen einzigen Unfall gegeben.
   Und dies obwohl auch schon mal Autos links herum über den zentralen Kreisel fahren. Fasziniert steht am Rand Helmut Voigtland. Der Hamburger ist nach Bohmte gekommen, weil der Senat seiner Heimatstadt ähnliche Zonen einrichten will. Nun spricht er mit Lange und Finke über ihre Eindrücke. „Shared space kann funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen”, sagt Lange. Ähnlich wiederholt er es auf einer Fachtagung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes anschließend in Osnarück. Der Dialog mit allen Beteiligten sei wichtig, sagt Willem Foorthuis, Experte für „share space” aus den Niederlanden. Die Straße solle wieder Lebensraum für alle sein, eben auch für die Behinderten. Bohmte ist laut Foorthius so zum „Welthit” geworden. Vergangene Woche waren Besucher aus Brasilien und Japan zu Gast. Und für die kommende Woche haben sich die Grünen aus Hamburg angekündigt.
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„Gemeinschaftsstraße”
   „Share Space” heißt das Vorbild und Pilotprojekt im niedersächsischen Bohmte, wo sich bereits Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichberechtigt eine Verkehrszone teilen. Die Leser des „Hamburger Abendblatt” haben für den englischen Begriff einen deutschen gesucht. Das Ergebnis wurde der Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (GAL) überreicht. Der Gewinner ist: „Gemeinschaftsstraße". „Ein einfaches und treffendes Wort”, sagte Senatorin Anja Hajduk. „Wir werden den Begriff bei der weiteren Projektplanung als Anregung berücksichtigen”. „Wir”, damit meint Senatorin Hajduk ihre Behörde und die Bezirke. Sie wolle das Verkehrskonzept nicht „von oben” anordnen, sondern viele Entscheidungsträger einbeziehen. Derzeit sind die Gremien der jeweiligen Stadtteile dazu aufgerufen, Stellen zu benennen, die zur gemeinschaftlichen Straße werden könnten. Voraussetzung: ausreichend Parkplätze und Umgehungsmöglichkeiten für den Verkehrsfluss. Bereits im nächsten Jahr würden dann „ausgewählte Orte” feststehen, um das Projekt zu testen. HA080901pvs

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Gutachter ziehen nach anderthalb Jahren Bilanz. Die Sicherheit hat sich nicht verschlechtert

   Share Space" heißt das bundesweit einmalige Verkehrskonzept, das der Gemeinde Bohmte im Osnabrücker Land vor eineinhalb Jahren zu einer gewissen Berühmtheit verholfen hat. Eine Untersuchung der Fachhochschule Osnabrück bestätigt der Gemeinde jetzt, dass sich mehr als zwei Drittel der Anwohner seit der viel beachteten Umstellung wohler in ihrem Heimatort fühlen. Ampeln, Verkehrszeichen und Zebrastreifen wurden damals abgeschafft. Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger müssen sich in Bohmtes Ortskern ohne die bislang gewohnten Hilfsmittel verständigen. Handzeichen und Blickkontakt sollen genügen. Ein Blick in den Ort: Etwa 500 Meter misst der Straßenabschnitt. Die übliche Trennung zwischen Fahrbahn und Fußweg ist verschwunden. Stattdessen eine durchgehende Pflasterung aus roten Steinen, unterbrochen nur durch die weißen Streifen mit Rippen, die sehbehinderten Menschen die Orientierung erlauben. Bohmtes Ortsmittelpunkt muss viel Verkehr verkraften, auch nach der Umstellung auf „Share Space". Rund 1.000 Fahrzeuge, darunter viele Schwerlastwagen, passieren täglich diesen Straßenabschnitt.
   Trotzdem ereigneten sich seit dem Umbau im Sommer 2008 lediglich 23 Unfälle, davon die allermeisten mit leichtem Sachschaden vor einem Gasthof.  Eine Straßenlaterne, die einige Autofahrer beim Einparken überforderte, wurde deshalb mittlerweile abgebaut. Bürgermeister Klaus Goedejohann (CDU) lobt ein anderes Ergebnis aus der Studie: „Es ist hier kein einziger Fußgänger zu Schaden gekommen."
   In den Schubladen der Bohmter Gemeindeverwaltung liegen bereits die Pläne für einen Ausbau von „Share Space". Weitere 800 Meter der Straße bis zum Bahnhof sollen neu gestaltet werden. Auch Nachahmer gibt es bereits: Die Bezirksversammlung Hamburg-Nord hat beschlossen, den Mühlenkamp in der Hansestadt nach dem Bohmter Modell auszubauen.
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Maximal Tempo 50, rechts vor links und ein Herz für die Mitmenschen: der markante, im Durchmesser etwa 30 Meter große Kreisverkehr im Zentrum von Bohmte. „Wir erleben eine Verkehrserziehung“
Wissenschaftler Jürgen Gerlach glaubt an das Konzept „Shared Space“ – nicht nur in Bohmte

O-BohmteShareSp-JürgenGerla    Verkehrsforscher Jürgen Gerlach

   „Shared Space" ist ein von der EU gefördertes modernes Verkehrskonzept, das der Niederländer Hans Monderman entwickelt hat. Dabei werden Straßen und Plätze völlig umgestaltet: Ampeln, Schilder, Zebrastreifen, Inseln, Bürgersteige und andere Barrieren verschwinden. Autofahrer, Radler und Fußgänger sollen so miteinander kommunizieren und aufeinander achten. In Bohmte im Landkreis Osnabrück gibt es den deutschlandweit einzigen „Shared Space"-Bereich, eine Sehenswürdigkeit für Gäste aus aller Welt. Zu diesem Thema ist nun das Buch „Shared Space" erschienen. Jürgen Gerlach, Mitautor und Professor für Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal, spricht im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über das Bohmter Modell, Hamburgs Pläne und den regelverliebten deutschen Verkehrsteilnehmer.
Herr Gerlach, seit zwei Jahren nutzen die Menschen in Bohmte den „Shared Space" genannten Kreis- verkehr. Sie bezeichnen Bohmte als das konsequenteste Beispiel eines solchen Konzepts. Warum?
   Bohmte ist insofern konsequent, als es keine Beschilderung gibt und es auf die Einsicht der Bürger setzt. Politik und Planung haben die Bürger früh mit ins Boot genommen. Was umgesetzt wurde, wird akzeptiert. Hinzu kommt ein wenig der Faktor der weltweiten Aufmerksamkeit: Die Bohmter wissen, dass sie sich sicher verhalten müssen, um weiter beachtet zu werden.
Liegt hier also „Shared Space" in Reinkultur vor?
   Es ist nicht klar definiert, was „Shared Space" planerisch sein soll. Zwei Dinge stehen aber fest: Erstens wollen wir das Verhalten der Bürger nachhaltig wandeln, hin zu mehr Rücksicht. Zweitens sollen die Menschen beteiligt werden. Wir Deutschen stellen grundsätzlich international nicht die Spitze der Verkehrssicherheit dar. In Skandinavien beispielsweise halten sich die Menschen an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und in den USA steht jeden Tag in der Zeitung, wer sich verkehrswidrig verhalten hat. 80 bis 90 Prozent der Nutzer in Bohmte verhalten sich freiwillig vorsichtig. Das ist beachtlich.
Viele Bohmter freuen sich darüber, dass aus einer unfallträchtigen Ampelkreuzung ein sichererer Kreis wurde. Sollten wir in Deutschland im Straßenverkehr also stärker auf Schilder und Regeln verzichten?

   Ich glaube nicht, dass dieses Konzept überall umgesetzt werden kann. Es ist auf bestimmte Bereiche begrenzt. Aber es ist wichtig, mehrere Pilotprojekte zu installieren. Und zwar in Hauptgeschäftsstraßen mit Tischen und Stühlen, wo viel los ist, Fußgänger und Radfahrer längs und quer unterwegs sind.
Gefährlich wird es auch, wenn sowohl Auto- als auch Radfahrer den Kreisel in Richtung Gegenverkehr, also im Linksverkehr, als Abkürzung nutzen. Wenn man das beobachtet, wird einem angst und bange.
   Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits ist der Bohmter Kreis anders als alle anderen Kreise, das macht aufmerksam. Man nähert sich vorsichtiger. Andererseits aber bräuchten gerade ältere Verkehrsteilnehmer mehr Standardisierung. Der normale Kreisverkehr ist ein bewährtes Mittel mit hoher Sicherheit. Eigentlich müssten wir die Komplexität des Straßenverkehrs weiter reduzieren. Ein Urteil über Bohmte fällt also schwer, weil die Anlage zu frisch ist. Irgendwann wird es auch hier leider einen Unfall geben.
Verlassen wir Bohmte. New York hat den Times Square verkehrsberuhigt. Hamburg will „Shared Space" einführen. Welche Chance geben Sie diesem Ansatz in einer Großstadt?
  Fünf Straßen kommen in Hamburg infrage, einen Beginn der Bauarbeiten halte ich Ende 2012 für realistisch. Der große Unterschied ist, dass die Nutzer der Straßen nicht so wie in Bohmte immer die gleichen sind. Man erwischt sie in einer Bürgerbeteiligung also kaum. Ich habe in einem Gutachten für Hamburg eine Empfehlung aufgestellt: Das Parken muss über Poller oder Schilder reglementiert werden. Das Ziel sind aufgeräumte Straßenzüge mit bester Sicht zwischen den Verkehrsteilnehmern, vor allem zwischen Kindern und Autofahrern. Das wird aber Widerstand wie in den 70er-Jahren bei den Fußgängerzonen hervorrufen – nach dem Motto: Meine Existenz wird bedroht.
Der Verkehr rollt flüssig über den „Shared Space". Weniger Lärm und Luftverunreinigung sowie eine bessere Lebensqualität sind die Folge. Wird sich diese Idee irgendwann durchsetzen?
   Ich kann mir vorstellen, dass in einigen Gemeinden und Städten das Miteinander umgesetzt wird, weil es viele Anfragen gibt. Doch es gibt eben räumliche Grenzen, ungefähr zwischen 300 und 800 Meter Länge, in denen man gegenseitige Rücksicht übt, langsam fährt, einen kultivierten Stil an den Tag legt. Vor zehn Jahren hätten wir uns auf diesen auch engen Platzverhältnissen nicht getraut, dass Lkw aneinander vorbeifahren.
Der geteilte Raum scheint selbst erklärend zu sein. Hätten Sie dem typischen deutschen Verkehrs- teilnehmer eine solche Emanzipation von Vorschriften zugetraut?
   Es stimmt schon: Wir sind Regeln gewohnt, und jetzt fallen sie weg. Ich erinnere jedoch daran, dass immer die Straßenverkehrsordnung gilt. Wenn man über „Shared Space" spricht und es akzeptiert, kommen auch die Deutschen damit klar.
„Shared Space" geht von gleichberechtigten und rücksichtsvollen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern aus. Soziales Kommunizieren verdrängt aggressives Verhalten. Welche Folgen kann das jenseits dieses Bereiches haben?
   Die Niederländer wollen das Prinzip zum Beispiel bei der Jugendbetreuung anwenden. Man kann es bestimmt auf andere Gesellschaftsbereiche übertragen. Der Verkehr ist ideal für die Kombination aus soziologisch- kommunikativem Verhalten und der Raumgestaltung. Gibt es ein Kollektivverhalten mit Vorbildern, erleben wir tatsächlich eine Verkehrserziehung.
Unfallforscher warnen in Bezug auf „Shared Space" davor, Kinder als Tempo-Bremse zu missbrauchen. Halten Sie diesen Hinweis für berechtigt?

   Ja, durchaus. Dort, wo viele Kinder vor Kindergärten und Schulen sind, brauchen sie Schutzräume. Wir dürfen nicht überall alles zulassen.  Kinder brauchen Regeln. Eltern und Polizei müssen ihnen diese vermitteln. Aber „Shared Space" ist eine Verbesserung gegenüber der heutigen Situation mit parkenden Autos zwischen der Straße und dem Bürgersteig.
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Buchtipp: Cornelius Bechtler (Hrsg.): Shared Space - Beispiele und Argumente für lebendige öffentliche Räume. AKP gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Verkehrsclub Deutschland. 216 S.,15 €

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Regelung ohne Schilder und Ampeln - In Hamburg heißt SHARE SPACE Gemeinschaftsstraße

Das Prinzip der Gemeinschaftsstraße: keine Ampeln, keine Schilder, gegenseitige Rücksichtnahme
   Sie soll nicht zu stark befahren sein, maximal 400 Meter lang und in einem Geschäftsbereich liegen. Seit Monaten sind Hamburgs Bezirke auf der Suche nach der optimalen Gemeinschaftsstraße. Jetzt stehen die ersten Favoriten fest. Vier Bezirke haben sich jeweils auf eine Straße geeinigt, mit der sie sich bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bewerben:
Altona: Bährenfelder Straße (ein 200 Meter langer Abschnitt)
Mitte: Lange Reihe (zwischen Baumeisterstraße und Schmilinskystraße)
Bergedorf: Weidenbaumsweg (zwischen Alte Holstenstraße und dem Bahnhofsvorplatz)
Nord: Mühlenkamp (zwischen Kreuzung Hofweg/Am Langenzug/Winterhuder Weg/Grillparzerstraße und Kreuzung Mühlenkamp/Poelchaukamp/Preystraße). Sollte der Mühlenkamp abgelehnt werden, wurden als Alternativen die Tangstedter Landstraße (zwischen Langenhorner Chaussee und U-Bahnhof) sowie die Alsterdorfer Straße (zwischen Winterhuder Marktplatz/Hudtwalckerstraße und Lattenstieg) ausgewählt.
   In drei Bezirken müssen sich die politischen Gremien unterdessen noch zwischen folgenden Straßen entscheiden: Harburg: Neue Straße oder Striepenweg; Eimsbüttel: Osterstraße, Grindelhof oder Grelckstraße; Wandsbek: Kunaustraße, Ostpreußenplatz, Stormarnplatz oder Rahlstedter Bahnhofstraße.
   Die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus der Gemeinde Bohmte in Niedersachsen berücksichtigt, wo es die bislang einzige deutsche Gemeinschaftsstraße (dort unter dem Namen Shared Space) gibt. Die Analyse hat gezeigt: Mehr als 75 Prozent der Befragten halten Share Space für einen Erfolg. Durch den besseren Verkehrsfluss seien Lärm und Luftverunreinigung zurückgegangen. Zudem sei der Bereich gemütlicher und sauberer als vorher, die Befragten halten sich dort jetzt lieber auf. Aber: Ein Teil der Befragten fühlt sich in dem neuen Bereich unsicherer. Das liege an der fehlenden Verkehrsordnung und der mangelnden Rücksichtnahme. Und obwohl auf der Straße erstmals keine Menschen verletzt worden sind, ist die Zahl der Unfälle mit Blechschäden gestiegen.
   Der Leiter der Studie, Wolfgang Bode, bewertet das Prinzip Gemeinschaftsstraße dennoch positiv: „Ein gewisses Maß an Unsicherheit ist gewollt - sie erhöht die Aufmerksamkeit." Zudem sei das Sicherheitsgefühl sehr subjektiv: Viele fühlten sich unsicher, weil sie Schilder und Ampeln vermissen. An dieser Wahrnehmung müsse man arbeiten.
   Was heißt das für Hamburg? „Wir können die Ergebnisse aus Bohmte nicht direkt übertragen", sagt Behördensprecherin Krstanoski. „Sicherheit hat aber Priorität. Wir gucken, was wir tun können, damit jeder Verkehrsteilnehmer sich sicher fühlt."
   Der Interessenverband der Fußgänger FUSS e.V. ist von den Ergebnissen jedoch beunruhigt. „Fußgänger sind immer die schwächsten Verkehrsteilnehmer, im Zweifelsfall werden sich Auto- und Radfahrer durchsetzen", sagt Sprecherin Sonja Tesch. „Vor allem bei Kindern und Älteren."
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Neue Töne für Hamburgs Blindenampeln

   Alle 230 Ampelanlangen in Hamburg, die mit einem akustischen Signal für Blinde und Sehbehinderte ausgestattet sind, wurden jetzt auf einen neuen Ton umgestellt. Das sagte Helma Krstanoski, Sprecherin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, dem Hamburger Abendblatt.
   Demnach wird das so genannte „Freigabesignal” in Tonhöhe und -taktung von der bisherigen Hamburger Norm auf eine neue deutschlandweit einheitliche DIN-Norm verändert. Der neue Freigabeton ist höher als vorher und gleichmäßig getaktet - ähnlich dem „Besetztzeichen beim Telefon. Nach Angaben der Behörde verbessere dies die akustische Wahrnehmung des Signals, „weil es sich deutlicher als zuvor von den üblichen Umweltgeräuschen abhebt und das Richtungshören besser unterstützt”. Außerdem sind die neuen Ampelanlagen mit Richtmikrofonen ausgestattet, die die Lautstärke der Töne je nach Umgebungslärm verstärken.
   Anders als bisher wird in Zukunft an den Ampeln ausschließlich die Grünphase mit einem Ton angezeigt. Mit einem Knackgeräusch wird den Blinden und Sehbehinderten aber weiterhin der Weg zur Ampelsäule gewiesen. Durch die Umstellung passt sich die Stadt Hamburg an die Randgemeinden an, die das akustische DIN-Signal bereits früher für blinde Bürger eingerichtet haben.
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Container-Portemonnaie für Blinde und Sehbehinderte

   Die Containerbörse vom Victoria-Versand hat ein eigenes Fach für jede Sorte Euro-Münzen. So hat man einen genauen Überblick über sein Kleingeld in den acht Fächern von 1 Cent bis 2 Euro. Die Öffnungen sind geschützt, herausfallen kann nichts. Sind alle Fächer voll, hat man 11 Euro im Portemonnaie. Das erleichtert auch Menschen, die nicht mehr so gut sehen, einen centgenauen Betrag abzuzählen. Die bereits mit dem deutschen Lederwarenpreis ausgezeichnete Börse hat darüber hinaus noch zwei Scheinfächer, ein Geheimfach, zwei Kartenfächer für zusammen sechs Stück sowie ein Steckfach. Sie misst 12 x 2 x 9,5 Zentimeter und wiegt 80 Gramm. Der Geld-Container besteht aus schwarzem Rindleder und kostet 26,95 Euro zuzüglich Versandkosten: Tel. 07142 - 68 31.  smmFAZ070313

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Von Geburt an blind, und doch ein treffsicherer Schütze.  Oliver Bindseil zielt mit den Ohren

  Mit dem Schießen ist es wie mit dem Fasten. Jeder hat seine eigene Methode, doch führen viele Wege zum Schuss ins Ziel, wie Oliver Bindseil beweist. Der 39-jährige Lehrter Sportschütze trifft fast immer - obwohl er von Geburt an blind ist. Was Bindseil an Sehvermögen fehlt, gleicht er mit dem Gehör aus. Nicht ein Auge ist auf das Ziel gerichtet, sondern sein linkes Ohr, während sein Kinn den Schaft seines Luftgewehres fixiert.
    Bindseil zielt mit Hilfe eines Infrarotgerätes, das wie ein Zielfernrohr auf dem Lauf seiner Waffe montiert ist. Das Gerät sendet einen Infrarotstrahl aus, mit dem Bindseil die Zielscheibe ertastet. Die sieht ähnlich aus wie andere - mit einem Unterschied: Sie ist in der Mitte weiß und wird mit jedem Ring nach außen hin dunkler.
   Ein Sensor erfasst die Lage des Infrarotstrahls auf der Scheibe und wandelt diese Information in akustische Signale um, die Bindseil über einen Kopfhörer als lang gezogenen Piepton wahrnimmt. Je höher der Ton, desto genauer zielt Bindseil. Und desto höher ist damit die Wahrscheinlichkeit, „ins Weiße” zu treffen. Neben dieser technischen Hilfe gibt es auch noch eine aus Fleisch und Blut: Eine Betreuerin lädt das Gewehr durch, hängt die Zielscheiben in die Vorrichtung und teilt dem Schützen seine Ergebnisse mit. Jeden Don- nerstag trainiert Bindseil zusammen mit einem weiteren blinden und einem stark sehbehinderten Schützen im Schießstand der Lehrter Bürgerschützen. Bindseil ist seit dem Ende der 1980er Jahre im Verein und damit Lehrter Blindenschütze der ersten Stunde.
   Seitdem hat er mehr als ein Dutzend Pokale nach Hause gebracht und auch schon die deutsche Meisterschaft im Blindenschießen gewonnen. Denn er ist nicht nur ein begeisterter Sportschütze, sondern auch einer der Besten unter den knapp 30 aktiven deutschen Schützen mit (nahezu) fehlendem Augenlicht, die in rund zehn Vereinen organisiert sind.
   Bindseil ist Sportfreund auf der ganzen Linie: In seiner Freizeit hält sich der Telefonist mit Schwimmen, Rudern und Tandemfahren fit. An der „feurigen” Disziplin reizt Bindseil auch der integrative Charakter. Ein gutes Beispiel dafür bietet das Lehrter Schützenfest im Juli. Wenn dann alle Schützen vom Rathaus ins Stadion marschieren, ist Bindseil mitten unter ihnen - eingehakt bei seinen sehenden Nachbarn.
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Blinde sollen für Polizei Telefone abhören

   Belgiens Innenminister Patrick Dewael will 35 Blinde für Lauschaktionen der Kriminalpolizei einstellen. „Blinde hören nun einmal Dinge, die einem normalen Menschen nicht auffallen”, sagte ein Ministeriumssprecher. „Blinde hören besser und unterscheiden mehr Nuancen als Menschen ohne Sehprobleme.” Nach Erfahrungen der niederländischen Polizei könnten sie Hintergrundgeräusche leichter erkennen und so bei abgehörten Telefon- gesprächen helfen, den Ort des Telefonats zu lokalisieren. NOZdpa0260225
Vor zwölf Jahren ging diese Nachricht durch die Presse. Hier berichten wir, was daraus gewordenden ist:

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Foto links: Sacha van Loo, blinder Beamter der belgischen Bundespolizei in Antwerpen, hört gerade eine Tonbandaufnahme ab, die seine Kollegen heimlich angefertigt haben. Was häufig bei normal geschulten Ohren in Nebengeräuschen untergeht, kann er mit seinem fast perfekten Gehör herausfiltern.
Foto rechts:
Vor einem Transparent des belgischen Blinden-Bundes arbeitet ein Mann an einem eigens für Blinde ausgestatteten Computer. Die Tasten haben Reliefpunkte, aus denen sich insgesamt 64 Zeichen bilden lassen.

Die blinden Terrorfahnder von Antwerpen

   Belgiens Polizei beschäftigt Spezialisten, die nicht sehen, aber dafür perfekt hören können. Sacha van Loo und seine Kollegen können Autotypen am Motorengeräusch erkennen, Dialoge aus schlechten Bandmitschnitten filtern und arabische Dialekte identifizieren. Und sie gehen auch mit zum Schießtraining.
  „Schauen Sie mal her, das ist nicht schlecht für einen Typen wie mich, wie finden Sie das?” Sacha van Loo klopft mit dem Handrücken auf die durchlöcherte Papierschießscheibe, die hinter seinem Schreibtisch an der Wand klebt. Die Einschüsse liegen ziemlich dicht beim Schwarzen. Aber wie zielt man als Blinder mit einer Pistole? „Natürlich hat der Trainer ein wenig meine Hand geführt, aber nur aus Sicherheitsgründen”, sagt van Loo. Man habe niemanden gefährden wollen.
  Schießtraining ist beim Antwerpener Direktorat der belgischen Bundespolizei für alle Beamten obligatorisch. Auch für die glorreichen sechs vom „Commissariat canne blanche”, der Abteilung Blindenstock, wie sie im Volksmund heißt. Sie sollen fühlen, dass sie richtige Flics sind. Deshalb lernen sie, wie man mit einem Schießeisen umgeht.
   Die Blinden helfen seit einiger Zeit in Belgien bei der Terroristenjagd und im Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Sie sind die Wunderwaffe der Polizei von Antwerpen. Das Erfolgsgeheimnis ist ganz simpel. „Weil ich blind bin, habe ich andere Sinnesorgane weiterentwickelt”, sagt Antiterrorismus-Spezialist Sacha van Loo. Besonders die Ohren. Er hört Details und Unterschiede, die Sehende nicht erkennen können. Und was auch nicht ganz belanglos sei, sagt van Loo: „Es fällt leichter, meine Grenzen zu erkennen.” Das kann für einen Polizisten überlebenswichtig sein. Nein, Supercops sind sie nicht. Das wollen sie auch nicht werden.
   Die Erfahrung hat gezeigt, dass Blinde besonders konzentriert und gründlich arbeiten. Polizeirektor Paul van Thielen kann es nicht verstehen, dass Arbeitgeber immer noch Vorbehalte gegen Blinde haben. „Blind" suggeriert Fehlerhaftigkeit und Minderwertigkeit. Das Wort ist rundum negativ besetzt. Blinddarm, Blindgänger, blindwütig. Die Aufstellung der Antwerpener Blindentruppe war insofern auch sozialpolitisch erwünscht, weil sie dazu beitrug, die Arbeitslosenquote unter Behinderten zu senken. Es war aber nicht das Hauptmotiv. Der Andrang war anfangs enorm.  Van Thielen musste mehrere Dutzend Bewerber zurückweisen, weil ihr Augenlicht zu gut war. Sacha van Loo findet sein Talent nicht sonderlich bemerkenswert. Was er kann, das können auch andere Blinde. Man lernt ganz beiläufig im Alltag, mit den Ohren zu sehen. „Sie müssen ja auch im Straßenverkehr hören, ob ein Lastwagen von rechts oder von links kommt.” Nur, ihre Hörkraft ist nicht von vornherein besser als die von normalen Menschen. Ihre Ohren sind nur besser trainiert. Viel besser.
   Dreiviertel aller sinnlichen Eindrücke werden über die Augen aufgenommen. Die Ohren sind im Allgemeinen un- terfordert. Dabei können sie viel mehr, als nur Geräusche wahrnehmen und ans Gehirn weiterleiten. Schall- reflexionen lassen auch akustische Rückschlüsse auf Konturen, Größe und Entfernung von Gegenständen zu.
   Sacha van Loo ist blind von Geburt an. Das ist ein tragisches Schicksal. Aber es hat ihm geholfen, Fertigkeiten zu entwickeln, um die ihn Kollegen zuweilen beneiden. Kollege Alain Thonet musste härter kämpfen, bevor er sich zurechtfand. Er wurde mit einer starken Sehschwäche geboren, erblindete aber erst ganz, als er zwölf Jahre alt war. Danach musste er sein Verhältnis zu der Welt, die ihn umgab, komplett reorganisieren. Es war für ihn wie der Einstieg in ein neues Leben. Aber er hat die Aufgabe gemeistert. Erst in der Schule, dann an der Universität, schließlich in seinem Beruf.
   Van Loo und Thonet können hören, welche Telefonnummer ein Verdächtiger wählt und ob die Wände holz- getäfelt sind oder mit Raufaser tapeziert. Oder ob das Mineralwasser in einer Flasche die auf einen Teppich fällt, Kohlensäure enthält oder nicht. Sie können auch Automarken am Motorengeräusch unterscheiden.
   Was er erlauscht, tippt van Loo in die Braille-Tastatur seines Computers. Braille-Tasten haben sechs Reliefpunkte. Daraus lassen sich 64 verschiedene Zeichen bilden. Ein PC für Blinde ist viermal so teuer wie ein normaler. Aber auch technisch perfekter. Er kann zum Beispiel geschriebene in gesprochene Texte umwandeln.
   Van Loos Einheit ist spezialisiert auf die Auswertung von heimlichen Tonbandmitschnitten. Das belgische Parlament hatte nach den skandalösen Pannen bei der Fahndung nach den Serienkindermördern Dutroux und Fourniret die gesetzlichen Grundlagen für beinahe unbegrenzte Lauschangriffe geschaffen. Doch die Bandaufnahmen sind häufig so verquast und verrauscht, dass man sie mit normal entwickeltem Gehör nicht verwenden kann. Das sind Fälle für Sacha van Loo und seine Kollegen. Sie können mit gespitzten Ohren einen Telefondialog verstehen, auch wenn er von den Geräuschen einer Flughafen- oder Bahnhofshalle oder eines Hamburger Restaurants überlagert wird.
   Das Gehör von Blinden erkennt auch schnelle Tonfolgen da, wo Normalsichtige nur noch raten können. Die amerikanischen Soul-Virtuosen Ray Charles und Stevie Wonder brachten es auch deshalb zur Weltklasse, weil sie blind waren. Das Selbstbewusstsein, das für seine Karriere nötig war, so sagte Ray Charles einmal, habe er seiner Mutter zu verdanken. Sie habe ihn zum Radfahren gezwungen, als er noch ein kleiner Junge war.
   Blindheit kann in der visualisierten Welt in vielen Bereichen von Vorteil sein. Optische Eindrücke lenken ab vom wahren Charakter der Mitmenschen. Akustik ist präziser und wirklichkeitsgetreuer. Wer einen anderen nur nach dessen Stimme beurteilt, bekommt ein authentischeres Charakterbild als ein Sehender.
   Die menschliche Stimme sagt viel aus über körperliche und seelische Zustände. Man muss sie aber zu deuten verstehen. Man merkt am Zittern, dass einer unsicher ist. Blinde können bisweilen den Wahrheitsgehalt der Aussage  eines Menschen,  den sie nicht sehen, zuverlässiger bewerten als ein Lügendetektor. Für einen Polizisten im Erkennungsdienst ist das eine vorteilhafte Begabung.
   Sacha van Loo, Vater von zwei Kindern, ist ein Multitalent. Er spricht sieben Sprachen, darunter Russisch und Arabisch. Er kann sogar ein halbes Dutzend arabische Dialekte unterscheiden. Neulich hat er dem Rauschgiftdezernat geholfen, einen hochkarätigen albanischen Drogenhändler zur Strecke zu bringen.
   Die Kollegen hatten die Dealer-Wohnung tagelang abgehört. Sie kämen zu dem Schluss, dass der Mann aus Marokko stammen müsse. Die Spur versandete aber, weil sich in Antwerpen zu der Stimme kein passender Marokkaner finden ließ. Dann bekam van Loo den Mitschnitt auf den Schreibtisch. Er hörte hinein und stellte fest, dass der Gesuchte nicht aus Marokko, sondern aus Albanien stammte. Tags darauf war der Albaner in Haft.
  Der schönste Erfolg war die Festnahme einer Gruppe von Arabern, die in Belgien versuchten, Selbst- mordattentäter für den Irak zu rekrutieren. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung gehabt, dass ihnen die Polizei auf den Fersen war.
   Der Aufbau des Blindenstock-Dezernats rief im Antwerpener Präsidium zunächst Irritationen hervor. „Viele Kollegen meinten, die Blinden würden die Schlagkraft der Truppe beeinträchtigen”, sagt Direktor van Thielen. „Die meisten wussten nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollten.” Man wollte ja die Neuen nicht düpieren.
   Protokollarische Rücksicht ist aber nicht erwünscht. Praktische Rücksichtnahme schon eher. Zum Beispiel, dass alle darauf achten, keine PC-Kabel am Boden liegen zu lassen, in denen sich ein Blinder verheddern kann.
   Belgische Polizisten sehen selten aus wie Polizisten. Sie sind eher bürgerlich und ein wenig behäbig, wenn auch nicht ohne Esprit. Das weiß man aus den Büchern von Agatha Christie und George Simenon. Van Loo und Thonet stehen im Einklang mit dieser Typologie. Van Loo ist ein schlaksiger, witziger Typ. Er hat, wie die meisten blinden Polizisten, seine Seele gegen Depressionen mit Humor imprägniert. Er sagt, man brauche ein dickes Fell, um all den Auswurf zu verkraften, den man heimlich am Telefon mithört: Mord- und Komplottpläne, Hassausbrüche, sexuelle Perversionen. Er hat am Telefon auch schon mal miterlebt, wie ein Mann brutal verprügelt wurde. Van Loo hat erfahren müssen, dass es manchmal nicht leicht fällt, die eigene Neugier unter Kontrolle zu halten. Man könnte auch sagen: den eigenen Voyeurismus. Das allerdings wäre unpassend, weil das Wort von „voir” kommt. Das heißt auf Deutsch zuschauen.
HAEWiedemann081008

Warum sich das Sehzentrum im Gehirn auch zum “Hören” eignet

   Wieso können Blinde meist viel besser hören als Sehende? Kanadische Forscher haben bewiesen, dass blinde Menschen Töne genauer hören. Dieses „Supergehör" war um so besser, je früher die Personen erblindet waren. Dahinter steckt die Wandlungsfähigkeit unseres Gehirns. Bei der Geburt sind die Zentren für das Hören, das Sehen und die anderen Sinne noch stark miteinander verknüpft. Diese Verbindungen werden im Laufe der Zeit abgebaut. Und eine andere „Fähigkeit” entwickeln viele Blinde: Sie „hören” mit ihrem Sehzentrum, das heißt, sie aktivieren zugunsten ihres Gehörs eine Region in ihrem Gehirn, die eigentlich für das Sehen zuständig ist. Nachgewiesen wurde dies in Experimenten, bei denen erblindete Kinder und Sehende angeben sollten, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Die Schwierigkeit: ein Ohr war blockiert. Keiner der sehenden, aber ein Großteil der blinden Testteilnehmer konnte die Geräuschquelle lokalisieren. Bei ihnen entdeckten die Wissenschaftler mit speziellen bildgebenden Verfahren eine deutlich erhöhte Aktivität in der Sehrinde. HA081008cr

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