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Königsblau schimmert die Untersuchungslampe auf dem Auge der Patientin. Augenärzte blicken damit in das Organ hinein, mit dem wir hinaus in die Welt sehen.
Das Fenster zur Welt. Ohne die Augen würde uns ein wichtiges Sinnesorgan fehlen. Wir zeigen Ihnen, wie das hoch spezialisierte Organ aufgebaut ist und wie wir damit unsere Umwelt wahrnehmen.
Der Mensch ist ein Augentier. Etwa 70 bis 80 Prozent unserer Sinneseindrücke nehmen wir optisch wahr. Wir orientieren uns mit den Augen im Raum, schätzen unsere Umwelt ein, nehmen Blickkontakt zu anderen Menschen auf. Auch unsere Sprache ist von Begriffen aus der visuellen Welt geprägt. Wenn wir Argumenten nachgeben, sehen wir etwas ein. Sollen Dinge genau beurteilt werden, müssen wir sie von allen Seiten betrachten. Interessiert sich ein Mann für eine Frau, wirft er ein Auge auf sie. Und wer auch nur einen Augenblick zu spät kommt, den bestraft manchmal das Leben. Blicken wir in den Spiegel, schauen uns unsere eigenen Augen an, und wir erkennen uns selbst. Von unseren Sinnesorganen jedoch sehen wir nur einen kleinen Teil. Das ganze Auge hat in etwa die Form einer Kugel und beträgt im Durchmesser etwa 22 Millimeter. Der Augapfel liegt geschützt in den Augenhöhlen, die von den Schädelknochen gebildet werden. Im Innenraum verleiht der Glaskörper dem Auge Stabilität.

Im Laufe der Evolution hat sich unser kompliziertes Auge aus immer neuen Umwandlungen der Haut entwickelt. Den äußeren Schutz bietet die sogenannte Lederhaut. Sie ist weiß und fest und geht vorn in eine durchsichtige Hornhaut über, ohne die das Sehen nicht möglich wäre. Trübt sich die Hornhaut komplett ein, ist das Auge blind. Die zweite Gewebeschicht ist die von vielen Blutgefäßen durchzogene Aderhaut. Der vordere Teil besteht aus der Regenbogenhaut, der Iris. Sie kann blau, grün, grau oder braun gefärbt sein und hat eine ganz individuelle Zeichnung. Die Irisstruktur ist so einmalig wie der menschliche Fingerabdruck und verändert sich im Laufe des Lebens normalerweise nicht - außer bei einigen schweren Augen- erkrankungen. Daher eignet sich das Muster der Regenbogenhaut sehr gut, um Menschen einwandfrei zu erkennen - ein Grund, weshalb Irisscanner zur biometrischen Identifikation so hoch im Kurs stehen. Dabei vergleicht der Rechner 266 Merkmale wie charakteristische Muster, Bänder, Furchen, Flecken und Ringe mit den gespeicherten Daten. Beim Fingerabdruck sind es gerade einmal 40. Bei Sehen wirkt die Iris wie die Blende eines Fotoapparates. Das Loch in der Mitte lässt sich je nach Lichteinfall vergrößern oder verkleinern. Bei großer Helligkeit misst die Pupille nur 1,2 Millimeter, im Dunkeln öffnet sie sich auf neun Millimeter. Die hinter der Iris liegende Linse ist an Muskeln auf- gehängt und kann so ihre Dicke ändern. Das ist wichtig, damit sowohl von nahe gelegenen als auch von weit entfernten Gegenständen ein scharfes Bild entsteht. Mit zunehmendem Alter verhärtet sich die Linse, und das Auge verliert die Fähigkeit, nahe Gegenstände scharf abzubilden. Diese Alters- weitsichtigkeit beginnt etwa vom 40. Lebensjahr an. Fallen Lichtstrahlen in das Auge, werden sie von Hornhaut und Linse gebrochen und landen auf der Netzhaut, der innersten Auskleidung des Augapfels. Hier liegen die lichtempfindlichen Nervenzellen. Diese sogenannten Photorezeptoren enthalten Sehfarbstoffe. Das farbige Sehen funktioniert nur bei ausreichenden Lichtverhältnissen und wird von den sieben Millionen Zapfen geregelt. Drei verschiedene Arten nehmen jeweils nur einen bestimmten Anteil des Lichtes auf. Je nach Sorte filtern sie aus dem Spektrum des scheinbar weißen Lichtes die Rot-, Grün- und Blaukomponenten heraus. Aus diesen drei Farben lassen sich alle anderen mischen. Unser „trichromatisches Sehen” funktioniert jedoch etwas anders als im Tuschkasten. Denn beim Sehen ergibt die Mischung aus roten und grünen Lichtanteilen den Eindruck „Gelb". Im Tierreich gibt es allerdings Vertreter, die wesentlich besser ausgestattet sind. Viel bunter als wir nimmt der Fangschreckenkrebs die Welt wahr. Er lebt in Korallenriffen und verfügt allein im für den Menschen sichtbaren Lichtbereich über acht Farbrezeptoren. Außerdem hat der Krebs noch vier weitere für ultraviolettes Licht. Die 120 Millionen Stäbchen sind Lichtsinneszellen, die in der Dunkelheit aktiv werden. Sie können allerdings keine Farben unterscheiden, weshalb für uns nachts auch alles grau und farblos er- scheint. Auch sehen wir nachts unschärfer. Denn die Stelle der maximalen Sehschärfe ist nur ein ganz kleiner Teil der Netzhaut, etwa 1,5 Millimeter im Durchmesser groß. Auf dieser sogenannten Makula drängeln sich 147.000 Zapfen pro Quadratmillimeter. Zum Vergleich: Ein hochauflösender Computer- monitor verfügt auf der gleichen Fläche etwa über 33 Bildpunkte. Der eigentliche Seheindruck entsteht jedoch nicht auf der Netzhaut, sondern in unserem Kopf. Denn die Zapfen und Stäbchen geben ihre Informationen an Nervenzellen weiter. Über den Sehnerv gelangen die Signale von der Rückwand des Auges zum Gehirn. Im Hinterkopf versucht das Sehzentrum, aus all den bunten Flecken ein Bild zu konstruieren. Das Gehirn ist auch für optische Täuschungen verantwortlich. Dabei handelt es sich um optische Grenzsituationen, die schwierig zu bewerten sind. Es entschlüsselt die Bildinformationen zwar auch korrekt, ordnet sie aber falsch zu. HAKirstenAllee080408

Fotos oben: Vor hundert Jahren wurde die erste Hornhauttransplantation vorgenommen. Seither haben ungezählte Menschen von einem solchen Eingriff profitiert. Das linke Bild zeigt die durch- getrübte Hornhaut bei einem Patienten mit Hornhautdystrophie vor der Operation. Man kann unschwer ermessen, was diese Trübung für das Sehvermögen bedeutet hat. Auf dem rechten, nach der Operation aufgenommenen Bild ist die mit feinen Nähten fixierte klare Spenderhornhaut in der Mitte zu erkennen. Der Patient kann wieder gut sehen.
Zehn Quadratmillimeter für den wieder gewonnenen Durchblick- Vor hundert Jahren glückte einem Arzt in Olmütz die erste Hornhauttransplantation: Erkenntnisse über die Bedeutung des Lymphsysystems führten zu Impulsen auch für andere Disziplinen
Nur zwei Gewebe kommen ohne Blutgefäße aus: Das eine ist der Knorpel, das andere die Hornhaut des Auges. Für das perfekt durchsichtige, lediglich einen halben Millimeter dicke Hornhautscheibchen wären Blutgefäße aus zwei Gründen nachteilig. Zum einen würden sie den Blick trüben, zum anderen sind sie Einfallstore für patrouillierende Abwehrzellen. Immunabwehr äußert sich immer in einer Art Entzündung - ein höchst unwillkommenes Geschehen in einem Organ, das glasklar bleiben muss und nicht anschwellen darf. Die Immunabwehr ist es auch, die ein fremdes Organ abstößt. So kommt es, dass die Hornhaut für Transplantationsmediziner ein „privilegiertes” Organ ist. Bereits vor hundert Jahren, am 7. Dezember 1905, gelang dem Augenarzt Eduard Zirm im ehemaligen Olmütz im heutigen Tschechien mit einer Hornhautverpflanzung die erste Transplan- tation überhaupt. Siehe dazu den Bericht unten. Kein anderes Organ wird heute häufiger ersetzt als die Hornhaut. Allein in Deutschland erfolgen im Jahr rund 8.000 derartige Transplantationen. Claus Cursiefen von der Universitätsaugenklinik Erlangen hat die auch auf Nachbardisziplinen abstrahlende Erfolgsgeschichte der Hornhauttransplantation unlängst im „Deutschen Ärzteblatt“ geschildert Bd.102, S.A-3078. Ultrafeines Nahtmaterial, das Operieren unter dem Mikroskop, der Laser als exaktes Schneideinstrument sowie die Möglichkeit, im Labor die feinen Hornhautscheibchen in Kulturmedien frisch zu halten und so Reserven anzulegen, haben entscheidend zu der Verbesserung und Ausweitung dieser Transplantationen beigetragen. Rund 80 Prozent der übertragenen Hornhäute sind nach zwei Jahren noch intakt, und das ohne Immunsuppression und ohne Rücksicht auf Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger. Je nach ursächlicher Erkrankung darf man sogar auf noch bessere Erfolgschancen hoffen, sind doch die Fehlschläge hauptsächlich bei jenen Patienten zu verzeichnen, die vor dem Eingriff das Immun- privileg eingebüßt haben. So zählen etwa Verätzungen mit Chemikalien oder eine Herpesinfektion am Auge nicht nur zu den häufigsten Ursachen einer Erblindung durch Hornhauttrübung und Narben- gewebe. Sie führen auch unglücklicherweise dazu, dass dort Blutgefäße einwachsen. Auch manche Kontaktlinsen können die Neubildung von Blutgefäßen in der eigentlich abgeschotteten Hornhaut befördern, wenn nämlich infolge ihrer Materialeigenschaften nicht genügend Sauerstoff bei den Zellen ankommt. So versucht der Organismus, durch mehr Blutgefäße dem Mangel abzuhelfen. Nicht nur Blutgefäße, sondern auch Lymphgefäße tragen dazu bei, dass eine Entzündung bestehen bleibt. Wie Cursiefen erläutert, kann man die Rolle der üblicherweise nicht darstellbaren Lymphgefäße inzwischen besser untersuchen, weil es gelingt, sie mittels charakteristischer Marker - zum Beispiel LYVE1 - immunhistochemisch sichtbar zu machen. Derzeit wird experimentell geprüft, inwieweit sich die Erfolgsraten einer Hornhauttransplantation bei Risikopatienten steigern lassen, wenn man das Aussprossen von Blutgefäßen unterdrückt und zugleich die Lymphgefäße am Wachsen hindert. Die an der Hornhaut gewonnenen Erkenntnisse über die Bedeutung des Lymphsystems haben dazu beigetragen, dass auch bei anderen Transplantationen auf solche Einflüsse geachtet wurde. So fanden sich in transplantierten Nieren, die abgestoßen worden waren, erheb- lich mehr Lymphgefäße als in jenen Nieren, die vom Körper des Empfängers toleriert wurden. Was das Auge angeht, so verschafft die moderne Stammzelltherapie den Ärzten inzwischen eine Möglichkeit, die Hornhaut wieder gegenüber den Schutztruppen aus den Blut- und Lymphgefäßen abzuschotten. Stammzellen gibt es im Auge in jenem Ring oder Limbus, der den Randwall um die Hornhaut bildet und der etwa nach Verätzungen zerstört ist. Dieser Limbus ist zugleich die Grenze für Blut- und Lymphgefäße. Entnimmt man dem gesunden anderen Auge des Patienten nun jene Stamm- zellen und vermehrt sie im Labor, so lässt sich mit der daraus hervorgehenden Zellpopulation der Grenzwall auf dem kranken Auge wieder aufbauen. Die Arbeitsgruppe um Gaziella Pellegrini an der Universitätsaugenklinik Venedig konnte auf diese Weise die Erfolgsraten einer Hornhauttransplantation bei Hochrisikopatienten erheblich steigern. Auch in Erlangen verfügt man inzwischen über positive Erfahrungen mit dem Stammzellverfahren. Es gibt bereits eine Warteliste von Patienten, die mit herkömmlichen Transplantationen so gut wie keine Aussicht auf Wiedererlangung ihres Augenlichtes hätten. Angesichts der vielfältigen Fortschritte werden die Chancen derer, die durch eine Hornhaut- trübung ihre Sehfähigkeit verloren haben, fast ausschließlich deshalb begrenzt, weil es an Spen- dern mangelt. Dabei sind die Voraussetzungen um vieles günstiger als bei einer anderen Organspende. Zum einen hinterlässt die Entnahme des rund zehn bis elf Quadratmillimeter großen Scheibchens keinen sichtbaren Defekt. Wenn die Augen als Ganzes entnommen werden, ersetzt man sie durch Glasaugen und verhindert so jedwede Entstellung des Toten. Zum anderen ist eine Hornhaut auch noch 72 Stunden nach dem Ableben uneingeschränkt verwendbar, eben weil dieses Gewebe nicht von der Durchblutung des Organismus abhängig ist. Das verschafft den Ärzten Zeit und gibt auch den Angehörigen Gelegenheit, die Möglichkeit einer Spende in Ruhe zu überdenken. Vor allem kommen auch jene alten Patienten als Spender in Frage, deren übrige Organe sich wegen schwerer Krankheiten nur ein- geschränkt eignen. Gerade die Hornhaut älterer Spender ist für jene Patienten geeignet, bei denen es zum Beispiel infolge einer Operation des grauen Stars im Alter zur Hornhauttrübung kommt, die anders als durch eine Transplantation nicht mehr behoben werden kann. MartinaLenzen-SchulteFAZ051207

Hornhauttransplantation: Gerettetes Augenlicht
Die langen Wartelisten für die Organtransplatation in Deutschland verdient allgemeine Beachtung. Insbesondere der Hinweis auf die Einbeziehung Herztoter als Spender erscheint mir sehr interessant. Bei der Hornhauttransplantation handelt es sich um die älteste (1905 Eduard Konrad Zirm, siehe die Privatfotos oben. Information finden Sie unter: www.drzirm.org) und am häufigsten vorgenommene Transplantation weltweit. Entsprechend einer Erhebung, die wir seit Jahren im Auftrag der Vereinigung Ophtalmologischer Lehrstuhlinhaber (VOL) durchführen (“Deutsches Keratoplastik Register”), erfolgten im Jahr 2000 in Deutschland 4.650 Hornhauttransplantationen und damit mehr als alle anderen Transplantationen zu- sammen (etwa 3.800). Der Bedarf an Hornhautspendergewebe dürfte in Anbetracht der langen Wartelisten in allen deutschen Kliniken mit Kornea-Spezifikation bei 5.000 bis 6.000 pro Jahr liegen. Allein in Erlangen führen wir pro Jahr etwa 300 Keratoplastiken durch und haben dennoch seit Jah- ren eine Warteliste von mehr als 100 Patienten. Mehr unter: www.kornea-bank.org. Die Tatsache, dass die Hornhauttransplantation in Beiträgen zur Transplantationsmedizin regelmäßig vergessen wird, behindert und erschwert die Gewinnung von transplantierbarem Hornhautgewebe. Besonders betont werden muss in diesem Zusammenhang die grundlegende Besonderheit der Kornea- Spende: Prinzipiell besteht keine Altersbegrenzung, und die Gewebe können noch mindestens 48 Stunden nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand entnommen werden. Die sogenannte “Hirntod-Proble- matik” spielt also hier keine Rolle. Dr.med.BertholdSeitErlangenFAZ011227
Schonendere Operation bei getrübter Hornhaut
Bei einer Trübung der Hornhaut hilft oft nur eine Transplantation. Mit einer neuen Technik können Ärzte statt der gesamten Hornhaut nur eine hauchdünne Schicht übertragen. Davon erhole sich das Auge wesentlich schneller, betont die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft. Das in den USA entwickelte DSAEK-Verfahren wird vermehrt in Deutschland genutzt. HA100508apn
Prof. Rolf Winter MHH
Ob Unfälle oder Erkrankungen: Es gibt viele Gründe, warum Menschen eine Hornhauttransplantation brauchen. Doch leider fehlen Spender, beklagt Prof. Rolf Winter, in Hannover Leiter der Augenklinik der MHH. Interview mit Kirsten Allée. HAZ080408
Hornhaut für Durchblick Seit 27 Jahren beschäftigen Sie sich als Arzt mit der Übertragung von Hornhaut am menschlichen Auge. Für wen kommt eine Hornhäuttransplantation infrage? Die Hornhauttransplantation ist eine der häufigsten Transplantationen in der Medizin. Sie ist gängige Therapie bei Entzündungen, Geschwüren oder Vorwölbungen der äußersten Augenschicht. Auch bei Unfällen und anschließenden Vernarbungen der Hornhaut ist eine Transplantation oft nötig. Denn ist die Hornhaut durch Erkrankungen oder Verletzungen getrübt, führt das in jedem Fall zu einer Verschlechterung des Sehvermögens. Leider gibt es viel zu wenig Spender. Warum ist das so? Viele Menschen sind zurückhaltend, weil das Auge ein ganz besonderes Sinnesorgan ist. Dabei ist gerade hier die Entnahme weitgehend unkompliziert und kann bis zu 48 Stunden nach dem Tod problemlos erfolgen. Auch ist der Spender anschließend nicht entstellt, wenn ihm nach Entnahme der Hornhaut eine Kunstlinse aufgesetzt wird. In Deutschland nehmen wir etwa 5.000 bis 6.000 Horn- hauttransplantationen vor. Allein in Hannover an der MHH können wir dank unserer Hornhautbank jährlich etwa 100 Patienten behandeln und ihnen das Sehvermögen retten. Der Bedarf ist allerdings schätzungsweise doppelt so hoch. Lässt sich Hornhaut nicht züchten? Bislang gibt es auf diesem Gebiet noch keine befriedigenden Ergebnisse. Zwar arbeiten Forscher an der Züchtung künstlicher Hornhäute. Die sind jedoch bislang trüb, nützen also nichts für den Sehvorgang. Vielleicht gelingt es irgendwann, durchsichtige Häute zu züchten. Das halte ich jedoch für Zukunftsmusik. Wo zeigen sich jetzt schon Fortschritte bei der Therapie von Augenerkrankungen? Ein echter klinischer Durchbruch ist bei der Behandlung der Makuladegeneration zu verzeichnen. Bei dieser Erkrankung wird die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut zerstört. Bei einer be- stimmten Krankheitsform ist es gelungen, den Verlauf zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Das betrifft die feuchte Variante, bei der es zu wuchernden Blutgefäßen kommt. Bei der Therapie werden Antikörper direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt und hemmen dort die Wachstumsfaktoren des wuchernden Gewebes. Bei trockener Makuladegeneration funktioniert das nicht. Dabei geht das Gewebe altersbedingt zugrunde. Der Prozess verläuft aber zum Glück viel lang- samer. Um diese Form zu therapieren, wird an Ersatzgewebe gearbeitet, aber das ist noch nicht einsatzfähig. Welche Fortschritte gibt es in der Diagnostik? Der Laser setzt sich immer mehr durch, nicht nur in der Therapie, sondern auch in der Untersuchung von Augenerkrankungen. Ein Beispiel ist der Optische Kohärenz-Tomograph (OCT). Die Untersuchung ist ähnlich wie beim Ultraschall, verwendet aber Licht. Der OCT liefert Querschnittansichten der Netzhaut- struktur und erleichtert die Diagnose von Glaukom- und Netzhauterkrankungen. Die für machen Patienten unangenehme Angiographie, bei der ein Farbstoff in die Armvene gespritzt werden muss, um die feinen Blutgefäße im Auge besser sichtbar zu machen, ist seither seltener nötig.
Forschung: Warum die Hornhaut durchsichtig bleibt: Köder für Wachstumsfaktoren verhindern das Hineinwachsen von Blutgefäßen
Jahrzehntelange Bemühungen, eine künstliche Hornhaut des Auges herzustellen, sind bis heute gescheitert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Organismus das große Kunststück vollbringt, ein zwar lebendiges, aber dennoch gefäßfreies Gewebe zu bilden. Tote Zellen lösen sich irgendwann ab, lebende Zellen müssen jedoch ernährt werden, wozu in aller Regel Blutgefäße notwendig sind. Gefäße in der Hornhaut würden aber stören, denn sie muss durchsichtig bleiben. Andernfalls würde das Licht dabei behindert, zur Netzhaut vorzudringen und uns ein klares Bild der Außenwelt zu vermitteln. Die Hornhaut kommt ohne Blutgefäße aus, alle Nährstoffe werden durch reine Diffusion herangeschafft. Da Gefäße aber gerne überallhin vordringen, war es immer schon ein Rätsel, warum sie ringförmig um den Rand der Hornhaut herum plötzlich haltmachen und somit kein Blut zuführen können. Das ist um so erstaunlicher, als doch andere Strukturen im Auge zu den am besten durch- bluteten im Körper überhaupt gehören. Claus Cursiefen von der Universitätsaugenklinik Erlangen und Reza Dana vom Schepens Eye Research Institute der Harvard Medical School haben jetzt einen der molekularen Mechanismen entschlüsselt, mit deren Hilfe die Hornhaut wachsenden Blutgefäßen Einhalt gebietet und sich den Durchblick bewahrt. Wie die Forscher bei Mäusen nachgewiesen haben, wird auf dem Hornhautepithel, den obersten Zellschichten der Hornhaut, ein Bindungsprotein gebildet, das sonst nur auf Endothelien, der inneren „Tapete” von Blutgefäßen, vorkommt. Es handelt sich dabei um den VEGF-(vascular endothelial growth factor-) Rezeptor 3. Diesem lagern sich die Wachstumsfaktoren VEGF-C und VEGF-D an. Beide spielen eine wichtige Rolle für die Entstehung und das Einsprossen neuer Gefäße. Das betrifft sowohl Blutgefäße als auch Lymphgefäße, die zum Beispiel für den Transport von Abwehrzellen aus dem Ge- webe in die Lymphknoten zuständig sind. Wenn man das Hornhautepithel entfernt, ist der Schutz dahin: Eine Verletzung, die sonst nicht mit dem Einsprossen von Gefäßen einhergeht, führt dann plötzlich dazu, dass der Damm bricht und die Hornhaut überwuchert wird. Ebenso konnten die deutschen und amerikanischen Hornhautspezialisten belegen, dass das Abfangen von VEGF-C und VEGF-D mittels passender, löslicher Rezeptoren die Funktion der entfernten Epithelzellschicht - den Schutz vor der Gefäßeinsprossung - wiederherzustellen vermag. Die Ergebnisse, die kürzlich in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften Bd.103, S.11405 vorgestellt wurden, lassen den Schluss zu, dass in der Epithel- zellschicht der Hornhaut systematisch jene Wachstumsfaktoren abgefangen und dadurch neutralisiert werden, die ansonsten das Einsprossen von Gefäßen befördern würden. Damit wird zugleich der Nachweis geführt, dass VEGF-Bindungsproteine zwei ganz verschiedene Funktionen erfüllen können. Einmal sorgen sie, wie schon länger bekannt ist, für die Neubildung und das Wachstum von Gefäßen, ein andermal bewirken sie das genaue Gegenteil. Ein Trick des Organismus besteht darin, das Bindungsprotein in der Hornhautoberfläche gleichsam im Übermaß bereitzuhalten. Das ermöglicht es, diese Abfangpatrouille rasch abzukommandieren, sobald das notwendig erscheint. Wird die Produktion des VEGF-Rezeptors nämlich herunterreguliert, können Blutgefäße ungehindert vordringen, was etwa dann notwendig werden könnte, wenn die Hornhaut einer bedrohlichen Infektion ausgesetzt ist. Damit ist nicht nur ein zuvor unbekanntes Prinzip, die Hornhaut frei von Blutgefäßen zu halten, offengelegt worden. Vielmehr haben die beiden Arbeits- gruppen auch herausgefunden, dass sich die gleiche Wirkung durch lösliche Substanzen erzielen lässt, die nicht an die Epithelzellen gebunden sind und die pharmakologisch hergestellt werden können. Gelänge es, in Hornhauttransplantaten diesen Schutzeffekt zu aktivieren, könnte womöglich die bei einigen Patienten zu beobachtende Neubildung von Gefäßen unterdrückt werden, die den Eingriff ansonsten misslingen lassen kann. Auch in Situationen, in denen schwer heilende Geschwüre der Hornhaut das Einsprossen neuer Gefäße nach sich ziehen - etwa bei den gefürchteten Herpes- Entzündungen -, könnten in Kulturmedien herangezüchtete Hornhautepithelien verwendet werden, die ebenfalls über geeignete VEGF-Fallen verfügen. MartinaLenzen-SchulteFAZ060816

Hornhaut aus Kunststoff
Eine künstliche Augenhornhaut könnte manchen Patienten wieder zum Sehen verhelfen. Denn Spenderhornhäute sind rar und auch nicht bei jeder Krankheit geeignet. Die Nachbildung dieser Außen- schicht des Auges ist allerdings kompliziert. Zum Beispiel sollte das Material am Rand festwachsen, in der Mitte darf es das aber nicht, damit es durchsichtig bleibt. Durch Oberflächenbeschichtungen hat ein Potsdamer Forscher mit einem internationalen Team die Aufgabe gelöst und die Kunst-Hornhaut wurde auch schon bei einem Patienten erfolgreich eingesetzt. Dafür erhielt der Wissenschaftler jetzt den Joseph-von-Fraunhofer-Preis. Künstliche Hornhaut bringt Sehkraft zurück In Deutschland wird jedes Jahr bei etwa 4.000 Patienten eine neue Hornhaut eingesetzt. Wenn die alte Hornhaut zum Beispiel bei einem Unfall zerstört wurde, ist diese Transplantation oft der einzige Weg, den Patienten ihr Augenlicht wiederzugeben. Aber in manchen Fällen ist das Auge so stark ge- schädigt, dass eine Spenderhornhaut nicht anwächst. Helfen kann dann wohlmöglich eine künstliche Hornhaut aus Kunststoff, die Forscher aus Potsdam entwickelt haben. Die Neuentwicklung wurde jetzt in München mit dem Fraunhofer-Preis für herausragende Forschung ausgezeichnet. FraunhoferGesellschaftLeonardoSaschaOttMartinGent100520
Neues aus der Wissenschaft - Gesunde Hornhaut – scharfes Sehen Synthetische Augenhornhaut viel versprechend getestet Eine Augenhornhaut aus synthetischem Gewebe ist in Schweden mit guten Erfolgen getestet worden. Der besondere Vorteil des Gewebes: es ruft keine Abstoßungsreaktionen hervor. Die Sehfähigkeit verbesserte sich nicht ganz so stark wie nach einer Transplantation einer Spenderhornhaut. Da aber viele Spenderorgane fehlen, könnte das neue Kollagengewebe eine gute Alternative werden. Wissenschaftler haben eine Augen-Hornhaut aus Biomaterial bei zehn Personen erfolgreich eingesetzt. Bei Verletzungen des Auges bleibt als einzige Möglichkeit oft nur eine Hornhaut-Transplantation, jedoch gibt es nicht genug Spender-Material von Toten, sodass auf künstliche Implantate zurückgegriffen werden muss. Das neue synthetische Gewebe wird statt der beschädigten Hornhaut auf das Auge gesetzt, wo es mit natürlicher Hornhaut und Nerven verwächst. Im Gegensatz zu Spender-Hornhaut wird es vom Körper nicht abgestoßen und birgt auch keine Infektionsgefahr. Bei allen Testpersonen gab es keine Komplikationen, bei sechs verbesserte sich die Sehfähigkeit sogar. Quelle: Science Translational Medicine - Leonardo100826
Dr. Jörg Draeger, Hamburg Künftige Risiken nicht ausgeschlossen
Zu „Das Vertrauen in den Augenlaser wächst” von Martina Lenzen-Schulte FAZ „Natur und Wissenschaft” vom 2. Juli 2008: Das Thema ist derzeit aktuell und wird publikumswirksam von den Betreibern beworben, bis hin zu riesigen Reklameplakaten an Autobussen oder in U-Bahnen. Dies beweist zunächst aber mehr die wirtschaftliche Bedeutung für die Betreiber als den tatsächlichen langfristigen Erfolg: Immerhin sind zum Beispiel in den Vereinigten Staaten bereits mehrere tausend Fälle von „iatrogenic keratectasy” in wissenschaftlichen Publikationen beschrieben, eine Vielzahl auch in anderen Ländern. Worum geht es dabei? Es ist ja nicht so, dass es nur auf die in Ihrem Artikel beschriebene zentrale Verdünnung des Hornhautparenchyms ankommt, die zur Krümmungsänderung, zur Abflachung führt, sondern, dass eben auch eine der beiden entscheidenden Stützmembranen des Auges die - wie ein Doppel-T-Träger - die bleibende Stabilität gegenüber dem ja immer von innen drängenden Augen- druck gewährleisten, zirkulär durchtrennt und damit in ihrer Stabilität entscheidend geschwächt wird. Diese Schwäche der vorderen Augengrenzmembran ähnelt sehr dem genetischen Krankenbild des sogenannten „Keratokonus”, der auch - sehr häufig erst nach 15 bis 25 Jahren - auftritt. Dieser Augenüberdruck, der ja für den Erhalt der Kugelform des Auges als optisches Instrument aus Horn- haut, Linse und Netzhaut erforderlich ist, übt verständlicherweise einen zirkulären Druck auf das umgebende Gewebe aus, das normalerweise stabil genug ist, um diesem Gegendruck standzuhalten. Man kann also keinesfalls nach der bisherigen Beobachtungszeit, die für die Mehrzahl aller Fälle erst wenige Jahre beträgt, sagen, dass hier keinerlei zukünftiges Risiko vorliegt. Der Hinweis auf die möglichen Probleme bei einer anstehenden Kataraktoperation oder gar bei späterem Glaukom(krankhaft erhöhtem Augeninnendruck) ist sehr richtig, sehr wichtig. Auch hier stehen die zu erwartenden Erfahrungen bei vielen Millionen derart behandelter Augen überhaupt erst an. Von Folgeschäden an der Netzhaut, die in der Überschrift auch erwähnt werden, ist demgegenüber wenig zu erwarten. Wenn es also später in einer steigenden Zahl von Fällen etwa zur Notwendigkeit einer Hornhaut- transplantation zur Behebung auftretender Folgeschäden kommen sollte, werden die Folgen tragische Ausmaße annehmen: Schon heute benötigen wir für die etwa 4.000 jährlich in Deutschland durchgeführten Hornhauttransplantationen etwa 2.000 zugekaufte Hornhäute aus dem Ausland, da unser eigenes Spenderaufkommen leider gering ist. Wenn der Bedarf nun also auf das Vielhundert- fache stiege, träten hier Probleme auf, deren Lösung man sich kaum vorstellen könnte. Wenn also gesagt wird, „das Vertrauen in den Augenlaser wächst", dann ist dies mehr eine Folge flächendeckender Reklame als gesicherter langfristiger Prognosen.LeserbriefFAZ080818PrfDrJörgDraeger
Neue Partner für Hornhautbank:
Die hannoversche Hornhautbank hat Verstärkung bekommen: Im wissenschaftlichen Beirat der Institution, die Augenhornhäute von Spendern für die Transplantation aufbereitet, sind jetzt Experten von sieben niedersächsischen Kliniken vertreten, darunter die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Krankenhaus Nordstadt des Klinikums Region Hannover. Die Kliniken wollen künftig ihre Aktivitäten bündeln, um mehr Gewebespenden für Niedersachsen und Bremen zur Verfügung stellen zu können. Die Hornhautbank Hannover wurde 1994 an der MHH gegründet und 2007 im Rahmen des neuen Gewebetransplantationsgesetzes umgestaltet. HAZ090226ze
Hornhaut des Auges in großen Höhen gefährdet
Selbst bei gesunden Bergsteigern schwillt die Hornhaut des Auges in großen Höhen durch Sauer- stoffmangel merklich an. Durch langsamere Anpassung an die Höhe lässt sich dieses Risiko verringern. Das hat eine Schweizer Studie an 23 Bergsteigern ergeben, die den 7546 Meter hohen Muztagh Ata im Westen Chinas bewältigten „Archives of Ophthalmology",Bd. 128, S. 184. Zwölf Teilnehmer durften sich in einem Zwischenlager auf 5.533 Meter Höhe vor dem Aufstieg zum Gipfel einige Tage länger Zeit lassen. Dabei stellte sich heraus, dass diese Anpassung das Ausmaß der Schwellung geringer ausfallen lässt. Die Befunde belegen darüber hinaus, dass die im Zentrum nur rund einen halben Millimeter dicke Hornhaut stärker vom Blutsauerstoff abhängt als bisher vermutet. Sie enthält keine Blutgefäße, son- dern wird durch Diffusion von außen und innen versorgt. In Situationen, in denen der Sauerstoff- partialdruck der Luft merklich sinkt, kommt es offenbar umso mehr darauf an, dass wenigstens die Diffusion aus den inneren Gewebeschichten, die ih¬rerseits den Sauerstoff durch Blutgefäße erhalten, gut funktioniert. Dass hier ein Zusammenhang besteht, zeigte sich in der vorliegenden Studie auch daran, dass frühe Anzeichen einer Höhenkrankheit bei zu starkem Abfall des Blutsauerstoffgehalts erkennbar mit dem Anschwellen der Hornhaut einhergingen. Die Forscher empfehlen deshalb selbst gesunden Bergsteigern, sich ihre Augen auf mögliche Barrierestörungen für die innere Diffusion vor dem Aufstieg in große Höhen testen zu lassen. FAZ100310mls
Hornhautentzündung durch Kontaktlinsen: Gefährliche Pflegefehler . In Deutschland erkranken jährlich 3.000 - 4.000 Kontaktlinsenträger an einer Hornhautentzündung. Augenärzte warnen daher vor einem allzu sorglosen Umgang insbesondere mit weichen Linsen und raten zu strenger Hygiene bei der Pflege. AnkeNolteHAZ040513
Kontaktlinsen
Bevor Gerd seine weichen Linsen ins Auge setzt, spült er sie immer mit Wasser ab. Susanne geht mit ihren Haftschalen schwimmen, ohne eine Schwimmbrille zu benutzen. Beide klagen über gerötete Augen, nebliges Sehen und Blendempfindlichkeit der Beginn einer Hornhautentzündung. „Viele ernste Infektionen bei Linsenträgern entstehen durch Berührung mit Wasser”, berichtet Gerald Böhme. Der Leiter des Arbeitskreises Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte ärgert sich über Veröffentlichungen, die dazu raten, Kontaktlinsen mit Wasser abzuspülen. „Linsen und Behälter sollten niemals mit nicht sterilisiertem Wasser gereinigt werden, denn dort lauern mikroskopisch kleine Tierchen, die über die Linsen das Auge infizieren können.” Zum Beispiel die Akanthamöbe, die sich von den Ablagerungen auf der Kontaktlinse ernährt. Da es gegen diesen Parasiten kein Antibiotikum gibt, kann eine Infektion im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen. Um die Sehfähigkeit zu retten, bleibt dann als letzter Ausweg nur eine Hornhaut- transplantation. Doch so weit muss es nicht kommen. „Abspülen sollte man die Kontaktlinsen immer mit steriler Kochsalzlösung”, rät Böhme. Beim Schwimmen ist es ratsam, eine gut sitzende Schwimmbrille zu tragen oder die Linsen vorher herauszunehmen. Eine andere Möglichkeit sind Ein-Tages-Linsen, die man nach dem Baden wegwirft. Etwa 3.000 bis 4.000 Kontaktlinsenträger erkranken jährlich in Deutschland an einer gefährlichen Hornhautentzündung, weil sich Keime auf den Linsen angesiedelt haben. Besonders weiche Kontakt- linsen sind anfällig für solche Verunreinigungen, weil sie wie ein Schwamm Schmutzpartikel und Mikroorganismen aufsaugen. Rund 70 Prozent aller Kontaktlinsenträger entscheiden sich für weiche Haftschalen, weil sie angenehmer zu tragen sind als harte. Andererseits verursachen sie schwerere Komplikationen als ihre formstabilen Kollegen, wenn sie nicht richtig gereinigt werden. „Viele waschen sich nicht die Hände, bevor sie die Kontaktlinsen einsetzen”, berichtet Böhme etwa. Auch so können sich Keime festsetzen. Die Aufbewahrungslösung mehrmals zu benutzen kann ebenfalls ins Auge gehen, weil sich ihre Fähigkeit zur Desinfektion nach einer Nacht verbraucht. Oft ist der Behälter die Quelle der Verunreinigung. „Das Aufbewahrungsgefäß sollte einmal die Woche ausgekocht oder in der Spülmaschine gereinigt werden”, rät Böhme. Alle drei Monate sollte man einen neuen Behälter kaufen. Kontaktlinsenträger sollten ihre unsichtbaren Sehhilfen sorgsam reinigen, desinfizieren, abspülen und aufbewahren. Das traditionelle Pflegesystem besteht aus Lösungen mit Wasserstoffperoxid. Sie wirken am besten desinfizierend, wie die Zeitschrift Ökotest meldet, und reinigen meist gleichzeitig. Weil Peroxid ätzend wirkt, muss es, bevor die Linse ins Auge eingesetzt wird, neutralisiert werden. Dafür braucht man entweder eine zweite Lösung, einen speziell beschichteten Behälter oder - das ist der bequemste Weg - man wirft eine Tablette in die Lösung. Da Konservierungsmittel das Augengewebe schädigen und zu trockenen Augen führen können, ist man mit Pflegesystemen ohne Konservierungs- mittel auf der sicheren Seite. Zusätzlich benötigt man sterile Kochsalzlösung zum Abspülen - am besten ebenfalls unkonserviert - und ein Mittel gegen Eiweißablagerungen. Wer nicht mit vielen Fläschchen hantieren möchte, kauft sich All-in-one-Produkte. Doch die Stiftung Warentest meldet Zweifel an den Kombilösungen an: Enthält die Lösung so viel an Wirkstoffen, dass sie die Linsen reinigt, kann sie auch die Augen schädigen, wenn sie als Abspüllösung angewendet wird. Sind die Wirkstoffe jedoch schwächer dosiert, ist die Reinigungswirkung nicht garantiert. Böhme rät den Kontaktlinsenträgern zu All-in-one-Pflegemitteln, die einen fettreichen Tränenfilm haben und damit zu starken Ablagerungen auf ihren Haftschalen neigen. Er warnt allerdings vor einer möglichen allergischen Reaktion: „Je mehr chemische Stoffe in einer Lösung enthalten sind, desto höher ist das Allergierisiko.” Bei harten Kontaktlinsen, die meistens mit den Kombimitteln gepflegt werden, ist das jedoch un- problematisch, weil sie die Substanzen nicht aufsaugen wie die weichen Linsen. Neu auf dem Markt ist eine Art batteriebetriebene „Kontaktlinsen-Waschmaschine” für weiche Kontaktlinsen. Man braucht die Linsen nur in das Gerät zu legen, wo sie zwei Minuten lang durchgeschüttelt werden. Als „Waschmittel” dienen All-in-one-Produkte. Vorteil: Die Finger bleiben aus dem Spiel. Von daher ist das Gerät geeignet für Menschen, deren Hände durch ihre Arbeit - etwa im Garten, als Kfz-Schlosser oder auf der Baustelle - häufig verschmutzt sind. Gegen so genannte „jelly bumps" - fetthaltige Ablagerungen, die jeder Pflege trotzen - hilft nur ein Ersetzen der Weichlinsen. Bei anderen hartnäckigen Ablagerungen kann eine Intensivreinigung mit stärker wirkenden Substanzen und Ultraschall nützen, die viele Augenärzte und Optiker durchführen. Beim Augenarzt sollte man alle sechs Monate seine Augen und Linsen kontrollieren lassen.
Keime unter der Kontaktlinse
Ohne ausreichender Hygiene werden Kontaktlinsen zum Gesundheitsrisiko Sie sind da, um Menschen mit Sehproblemen das Leben leichter zu machen. Doch wenn man sie nicht gut genug pflegt, dann können die kleinen Kontaktlinsen zum großen Gesundheitsrisiko für die Augen werden. Gerade in weichen Linsen nisten sich unter Umständen Krankheitserreger ein, die gefährliche Hornhautentzündungen auslösen. Krankheitsfälle in den USA In den USA traten in den vergangen Jahren vermehrt Fälle von schwerer Hornhautentzündung auf, die durch Parasiten und Pilze (Akanthamöben und Fusarium-Pilze) ausgelöst wurden. Weil viele der be- troffenen Patienten zwei ganz bestimmte Pflegemittel verwendeten, wurden diese weltweit vom Markt genommen. In den Mitteln selbst wurden zwar keine Erreger gefunden,aber aus Laborstudien weiß man, dass manche Erreger und Bakterien resistent sind gegen bestimmte Desinfektionsmittel. Gerade deshalb müssen Kontaktlinsenträger es mit der Hygiene sehr genau nehmen. Worauf bei der Pflege zu achten ist Weil Leitungswasser nicht keimfrei ist und Erreger wie die ge- fährlichen Akanthamöben darin vorkommen, darf man seine Kontaktlinsen nie mit Wasser abspülen, sondern immer nur mit steriler Kochsalzlösung. Aus dem gleichen Grund rät zum Beispiel der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, nicht mit Kontaktlinsen zu schwimmen, zu duschen oder zu baden und auch im Whirlpool die Kontaktlinsen nicht zu tragen. Kontaktlinsen – mit Ausnahme von Eintageslinsen - müssen regelmäßig gereinigt, desinfiziert und mit speziellen Mitteln von Proteinablagerungen befreit werden (bei der Auswahl der Pflegemittel sollte man sich vom Optiker oder Augenarzt beraten, nicht jedes Pflegesystem passt zu jeder Linse). Den Kontaktlinsenbehälter nicht vergessen! Er muss ebenfalls gereinigt, desinfiziert und regelmäßig ausgetauscht werden. Vor dem Herausnehmen und Reinigen der Kontaktlinsen immer gründlich die Hände waschen! Die Linsen nie länger als empfohlen tragen, auf keinen Fall über Nacht drin lassen. Alle sechs Monate sollten Kontaktlinsenträger zur Kontrolle zum Augenarzt gehen. Weiche Kontaktlinsen sind in Bezug auf Keime anfälliger als formstabile (harte) Kontaktlinsen. Wer die Wahl hat, sollte sich also für die risikoärmeren, harten Linsen entscheiden. Linktipps: Der Berufsverband der Augenärzte gibt sehr ausführliche Tipps zu den verschiedenen Kontakt- linsenarten, zur Anpassung, Eingewöhnung und zur Pflege: (auf „Patienten und Besucher“ klicken) www.augeninfo.de Der Berufsverband äußert sich in einer Pressemitteilung auch zu den Krankheitsfällen in den USA: Zu finden ist der Artikel vom 25.06.07 im Bereich „Presse“ unter „Archiv Pressemitteilungen“. Einen Fachartikel zum Thema Hygiene bei weichen Kontaktlinsen, geschrieben von einem Augenarzt der Universität Greifswald, findet man über die Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Kran- kenhaushygiene (auf „Informationen“ und dann „Fachinformationen“ klicken) www.dgkh.de Die Zeitschrift „Ökotest“ hat in ihrer Ausgabe vom 21.07.08 Pflegemittel für weiche Kontaktlinsen getestet. Die Ergebnisse kann man sich im Internet für 1,20 € herunterladen. www.oekotest.de Leonardo090311
Für einen klaren Blick: Pflege von Kontaktlinsen verhindert Augeninfektionen
Teurer Spaß Sowohl Kontaktlinsenreiniger als auch die Linsen selbst gibt es längst nicht mehr nur beim Optiker: Discounter, Kaffeeröster und Internetanbieter kämpfen erbittert um den niedrigsten Preis. Doch Augenarzt Gerald Böhme aus Backnang warnt eindringlich: „Es ist eine Vielzahl von Produkt- fälschungen auf dem Markt." Wenn die neuen Linsen dann nicht die richtige Passform haben, zu wenig Sauerstoff ans Auge lassen oder das angebliche Marken-Reinigungsmittel nicht ausreichend des- infiziert, wird aus dem vermeintlich günstigen Kauf ein teurer Spaß - der im schlimmsten Fall das Augenlicht kostet. NOZ091208ddp
Die Freude über die vielen Vorteile von Kontaktlinsen kann jäh ins Gegenteil umschlagen, wenn die Linsen zur Brutstätte fieser Bakterien werden, weiß Gerald Böhme vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. „Wer seine Kontaktlinsen nicht richtig und regelmäßig reinigt, riskiert Infektionen bis hin zum Verlust der Sehkraft", warnt der Augenarzt und Kontaktlinsenexperte aus Backnang. „Die Linsen sitzen auf der Hornhaut, der Windschutzscheibe des Auges. Damit die richtig funktioniert, muss sie mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden", erläutert der Experte. Diese Aufgabe übernimmt die Tränenflüssigkeit. Zudem transportiert sie Ausscheidungen und Schmutz ab - die Kante des Augenlids wirkt dabei wie ein Scheibenwischer. „Wenn ich Kontaktlinsen trage, behindere ich diese Funktion, und das Risiko für Infektionen steigt." Und zwar umso mehr, wenn beim Einsetzen auch noch die Reste vom Vortag an der Linse kleben. Die grundsätzlichen Handgriffe beim Reinigen sind bei allen Linsentypen gleich. Die wichtigste, aber viel zu selten befolgte Regellautet: „Hände waschen! Und zwar sowohl vor dem Einsetzen als auch vorm Herausnehmen der Linsen", erklärt Böhme. „Nach dem Herausnehmen sollte man die Linse mit ein paar Tropfen Reinigungslösung benetzen und einige Sekunden mit dem kleinen Finger in der Hand- fläche abreiben. Das löst grobe Verschmutzungen, den Rest erledigt das Reinigungsmittel." Dazu wandern die Sehhilfen in den mit der Lösung befüllten Aufbewahrungsbehälter. „Dieser sollte alle vier Wochen ausgetauscht werden", empfiehlt Böhme. „Außerdem muss man auch den Deckel mit Reinigungslösung abspülen, denn auch dort bilden sich Biofilme." Tipp: Wer den Behälter kurz auf den Kopf stellt, desinfiziert den Deckel gleich mit. Nach dem Einsetzen am nächsten Morgen sollte der Behälter geleert und offen stehen gelassen werden. So kann er trocknen und bietet Bakterien keinen Nährboden. Oder man befüllt ihn mit frischer Lösung und nimmt ihn mit, „denn Kontaktlinsenträger sollten nie ohne Aufbewahrungsbehälter das Haus verlassen", mahnt Böhme. Irgendwann gerät doch immer etwas ins Auge und reibt. „Dann muss die Linse raus und gründlich gereinigt werden, bevor man sie wieder einsetzt." Böhme warnt eindringlich vor dem weit verbreiteten Märchen, es genüge, die Linse mit Speichel zu reinigen oder gar abzulutschen. Auch Leitungswasser ist als Reinigungs- oder Aufbewahrungsmittel nicht geeignet. Wer tatsächlich einmal keinen Aufbewahrungsbehälter dabei hat und die Linse her- ausnehmen muss, dem bleibt bei weichen Linsen nichts weiter übrig, als sie zu entsorgen. Harte Linsen können auch mal kurze Zeit austrocknen - „vorausgesetzt, sie werden schonend transportiert und gründlich gereinigt“. Einmal pro Woche sollten alle Kontaktlinsen eine Extra-Pflegeeinheit bekommen: „Eine Proteinlösertablette ist nicht nur bei harten, sondern auch bei weichen Kontaktlinsen sinnvoll", betont Böhme. Aber: „Nicht jedes Material ist mit jedem Reiniger kompatibel, daher sollte man kein x-beliebiges Mittel verwenden, sondern sich nach der Angabe der Kontaktlinsenhersteller richten", empfiehlt der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Augenoptiker, Jürgen Eichinger. Je nach Empfindlichkeit könnten einige Inhaltsstoffe auch allergische Reaktionen auslösen, sagt der Augenoptikermeister. Tendenziell geschieht dies eher bei weichen Linsen, denn diese saugen sich wie ein Schwamm mit dem Mittel voll. NOZ091208ddp
Schlechte Kontaktlinsen schädigen Hornhaut
Falsch angepasste und schlecht gepflegte Kontaktlinsen können der Hornhaut schwere Schäden zufügen. Das ergab eine Studie, von der die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft berichtet. Die Hornhaut, ein klares Gewebe ohne Gefäße, wird über den Tränenfilm mit Sauerstoff versorgt. Dies können Kontaktlinsen behindern. Zum Ausgleich sprießen dann kleine Äderchen in die Hornhaut ein und führen mit dem Blut Sauerstoff heran,was im fortgeschrittenen Stadium zu Seheinschränkungen führt. Ha091008AP
Der totale Durchblick mit der Gleitsichtkontaktlinse
Gleitsichtkontaktlinsen - auch Multifokallinsen oder Mehrstärkenkontaktlinsen genannt - verbinden mehrere Sehstärken in einer Linse. Diese Linsen ersetzen die Lesebrille, die bei eintretender Alters- weitsichtigkeit benötigt wird. Sie gleichen sowohl die Kurz- als auch die Weitsichtigkeit aus. Durch diese Methode ist grenzenloses Sehen wieder möglich, und eine Brille wird nicht mehr benötigt. Dank einer neuen Technik mit verschiedenen Dioptrie-Bereichen innerhalb einer einzigen Kontakt- linse bekommt das Auge in voller Schärfe stets jene optische Information, die es für scharfes Sehen benötigt. Beim Einkaufen Preise erkennen, ohne eine Brille aufsetzen zu müssen, am Arbeitsplatz ohne Schwierigkeiten vom Bildschirm auf die Tastatur blicken, Sport treiben, ein Buch lesen, ohne den Kopf unnatürlich zu halten: Diese Möglichkeiten bieten moderne Gleitsichtkontakdinsen. Wichtig ist die optimale Anpassung bei einem Augenarzt oder Linsenspezialisten. Auch eine laufende Kontrolle ist nötig, da sich die Altersweitsichtigkeit schnell verändern kann. Die Auswahl an Kontakt- linsen ist mittlerweile sehr groß und es ist möglich, fast alle Fehlsichtigkeiten auch zu korrigieren. NOZ081029Privatkliniken
Bei Ausflügen Tageslinsen benutzen
Wenn Kontaktlinsenträger zum Zelten oder Wandern aufbrechen, greifen sie am besten auf Tageslinsen zurück. Damit sei die Gefahr, dass sich das Auge durch Schmutz auf der Linse entzündet, am geringsten, sagte Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Tageslinsen werden nur einmal verwendet und ersparen dem Träger die Aufbewahrung in Hygiene- wasser. „Für die Benutzung in der freien Natur ist das nützlich”, so Eckert. HA080825dpa
Erkältung: Finger weg von Kontaktlinsen
Schnupfen und Husten sind klassische Symptome für eine Erkältung. Aber auch gerötete Augen zeigen mitunter, dass der Körper mit Viren zu kämpfen hat. „Auf Kontaktlinsen sollte man in diesem Fall verzichten, weil sich Erreger auf den Sehhilfen besonders gut festsetzen können”, sagt Gerald Böhme, Augenarzt in Backnang bei Stuttgart. Stattdessen sollte vorübergehend eine Brille getragen werden. Über den Tränen-Nasen-Kanal sind die Augen direkt mit Nase und Rachen verbunden. Bei einer Infektion in diesem Bereich wandern die Erreger deshalb rasch in die Augen. Darüber hinaus gelangen sie über die Hände durch meist unwillkürliche Berührungen dorthin. „Insbesondere weiche Kontaktlinsen können zum Problem werden, weil sie die gesamte Hornhaut abdecken”, sagt Böhme. Die künstliche Schicht beeinträchtigt die Sauerstoffversorgung und den Abtransport von Abfallprodukten. Wenn die Abwehrkräfte wegen einer Infektion ohnehin schon geschwächt sind, erhöht sich das Risiko einer Hornhautentzündung. „Im schlimmsten Fall sind sogar Geschwüre möglich, die bleibende Schäden verursachen können”, warnt der Augenarzt. NOZ089208
Infektionen bei Trägernvon Kontaktlinsen
Wasser ist die Hauptquelle von Augeninfektionen bei Kontaktlinsen-Trägern. Die Linsen sollten deshalb immer nur mit trockenen Fingern eingeÂsetzt, und im Wasser sollte immer eine dicht sitzende Schwimmbrille getragen werden, beÂrichtet die „Apotheken Umschau". Am meisten gefährdet sind Träger weicher Linsen. Ursache sei deren schwammartige Struktur, die Krankheitskeimen einen guten Lebensraum biete, erklärt der Mediziner. HA100116apri
Bei Infekt keine Kontaktlinsen
Bei Erkältungen sollten Menschen mit Sehfehlern keine Kontaktlinsen, sondern Brillen tragen. Sonst ist das Risiko groß, dass sie sich eine Bindehautentzündung zuziehen, so die Techniker Krankenkasse. Ursache dafür ist, dass Krankheitserreger zum Auge wandern und sich an der Linse festsetzen. Hinzu kommt, dass bei erkälteten Personen oft die Menge der Tränenflüssigkeit verringert ist, die die Augen von Bakterien und Viren säubert. dpaHA041023
Linsen formen Kurzsichtigkeit weg
Orthokeratologie: Individuell gefertigte Kontaktlinsen aufs Auge Kontrolle ist wichtig: Individuell gefertigte Kontaktlinsen sollen Sehschwachen über Nacht beseitigen
Besser sehen über Nacht - wer unter Sehschwäche leidet, kennt diesen Traum. Die sogenannte Orthokeratologie soll aber genau das bewirken. Während des Schlafens übt diese Linse einen zarten Druck aus, die obere Zellschicht der Hornhaut verschiebt sich, und am nächsten Morgen hat das Auge einen anderen Brechwert. Kurzsichtigkeit bis zu 4,5 Dioptrien wird auf diese Weise einfach „weggeformt". Am Tage ist das Sehen ohne Sehhilfe gut, in der Nacht wird die stützende Linse dann wieder eingesetzt. Das hört sich faszinierend einfach an, aber so simpel ist die Orthokeratologie in der praktischen Anwendung nicht. „Nur gesunde Augen können so behandelt werden, unverzichtbar ist vor der Kontaktlinsenanpassung ein gründlicher Augencheck bei einem spezialisierten Augenarzt",betont Gudrun Bischoff, 1.Vorsitzende der Deutschen Augenärztlichen Kontaktlinsen Gesellschaft. Das Material der neuen Orthokeratologie-Kontaktlinsen ist hochgradig sauerstoffdurchlässig. Den- noch sehen viele Augenärzte das Verfahren kritisch, weil sie nicht nur die Sauerstoffversorgung des Auges, sondern auch die Versorgung mit Tränenflüssigkeit hinterfragen. Deshalb warnen sie vor un- sachgemäßer und unkritischer Anwendung. Die Reaktion des Auges auf diese Art nächtlicher Bandage variiert von Fall zu Fall. Unverzichtbar ist für den Träger orthokeratologischer Kontaktlinsen die engmaschige augenärztliche Kontrolle, anfangs sogar täglich bis wöchentlich. Die augenärztlichen Kontaktlinsen-Experten der deutschen Fachgesellschaft betrachten die Orthokeratologie bei guter Kooperation mit aufgeklärten, geeigneten Patienten aber mit vorsichtigem Optimismus. Wichtig ist auch: Die Linsen anpassen darf nur, wer vorher eine Schulung absolviert hat. HAZ091028
Über Nacht zur vollen Sehkraft? Neue Methode aus den USA - Experten warnen vor Euphorie
Im Schlaf von der Kurzsichtigkeit geheilt zu werden, bleibt ein Traum. Aber mit einer neuen Methode aus den USA, die auch in Deutschland immer beliebter wird, können Brillen- und Kontaktlinsenträger künftig tatsächlich tagsüber auf Sehhilfen verzichten: Bei der so genannten Orthokeratologie werden spezielle Linsen auf die Augen gesetzt, die die Kurzsichtigkeit über Nacht quasi wegformen. Am nächsten Morgen nimmt der Patient die Linsen heraus und hat für viele Stunden volle Sehkraft ohne Brille. Experten warnen allerdings vor einem zu sorglosen Umgang mit dem neuen Verfahren. Das Prinzip der Orthokeratologie ist nach Angaben der Deutschen Augenärztlichen Kontaktlinsen- Gesellschaft relativ einfach: Die individuell angefertigten und hoch sauerstoffdurchlässigen Linsen sind so stabil geformt, dass sie während des Schlafens sanften Druck auf die Augen ausüben. In der Folge verschiebt sich die obere Zellschicht der Hornhaut, und nach acht Stunden haben die Augen einen anderen Brechwert, wie die Vorsitzende der Gesellschaft, Gudrun Bischoff, erklärt. Nach Entnahme der Linsen dauert es bis zu 16 Stunden, ehe die Sehkraft wieder nachlässt. Allerdings kommt nicht jeder Patient für die Behandlung in Frage: “Voraussetzung ist eine Kurz- sichtigkeit bis höchstens 4,5 Dioptrien und eine nur ganz geringe Hornhautverkrümmung”, betont Gerald Böhme vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Das Auge solle zudem gesund und nicht - wie vor allem bei älteren Menschen - trocken sein. Und schließlich ist die Orthokeratologie auch eine Frage des Geldes: Für eine einmalige Anpassung der Linsen sind etwa 250 Euro fällig, anschließend müssen jeden Monat rund 50 Euro bezahlt werden. Die Krankenkassen erstatten von diesen Kosten bislang keinen Cent. Doch auch die Ärzte sind sich ohnehin noch nicht sicher, ob sie ihren Patienten die Behandlung empfehlen sollen: “Das große Problem ist, dass wir bislang nur sehr wenig Erfahrung mit dieser neuen Form der Orthokeratologie haben”, sagt Böhme. Derzeit könne noch niemand sagen, welche Folgen mit einer Langzeitbehandlung verbunden seien. Zudem sei die Komplikationsrate relativ hoch: Rund 25 Prozent der Patienten stiegen aus der Therapie wieder aus, weil sich die so genannten Ortho-K-Linsen festsetzten, schmerzten, nicht rechtzeitig zentrierten oder sogar kleinere Verletzungen am Auge verursachten. Mit Sorge sehen die Mediziner daher, dass das neue Verfahren immer häufiger auch von Optiker- geschäften angeboten wird. Ohne strenge augenärztliche Kontrolle seien die Risiken aber viel zu hoch, warnen Bischoff und Böhme: “Die Hornhaut ist ein extrem empfindliches Gewebe.” Und selbst von den Ärzten seien nur jene für die Behandlung qualifiziert, die eine mehrtägige Fortbildung absolviert hätten. Die Augenärztliche Kontaktlinsen-Gesellschaft will nun bis nächstes Jahr alle Behandlungsfälle in Deutschland dokumentieren, um Nutzen und Risiken der Methode besser einschätzen können. Ein positives Ergebnis dieser Studie könnte nach Einschätzung aller Experten tatsächlich einen Durchbruch in der Therapie der Fehlsichtigkeit bedeuten. Denn gegenüber der rund 2.000 Euro teuren Laserbehandlung, der sich jährlich mehr als 100.000 Menschen in Deutschland unterziehen, habe die Orthokeratologie den großen Vorteil, dass sie reversibel sei, betont Böhme: “Bei Problemen kann die Therapie sofort abgebrochen werden, und die Hornhaut kehrt in wenigen Tagen in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Bei einer Laserbehandlung dagegen lässt sich die Abtragung der Hornhaut nicht mehr rückgängig machen.” Böhne selbst wendet in seiner Praxis in Backnang das neue Verfahren dann an, wenn Patienten dies wünschen und keine medizinischen Bedenken bestehen. Vor allem für Menschen wie Stewardessen oder Handwerker, die wegen ihrer Arbeit in trockener oder staubiger Luft Kontaktlinsen kaum vertragen, bedeuten die Ortho-K-Linsen eine enorme Erleichterung, sagt der Arzt und tritt zugleich auf die Euphoriebremse: “Wir sammeln erst Erfahrungen und müssen noch sehr vorsichtig sein.” FrobenHomburgerNOZ030426
ExpertenForum: Neuartige Nachtlinsen sind nicht ganz ohne Risiko
Neue Linsen, die nur über Nacht getragen werden, versprechen Kurzsichtigen tagsüber Unab- hängigkeit von der Brille. Gerald Böhme, Leiter des Arbeitskreises Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, rät jedoch zur Vorsicht, weil es noch keine Langzeiterfahrung gibt. Frage:Eine neue Kontaktlinse verspricht, Sehschwächen im Schlaf zu korrigieren. Was steckt dahinter? Gerald Böhme: Die Aussage ist insofern falsch, als man eine Sehschwäche nicht mit einer Brille oder durch Kontaktlinsen korrigieren kann. Eine Sehschwäche ist eine Erkrankung des Gehirns, das die Seh- Eindrücke eines Auges ganz oder teilweise unterdrückt. Kurz- oder Weitsichtigkeit dagegen sind Fehlsichtigkeiten, also Bildlagefehler des Auges. Aber die kann man mit Linsen korrigieren? Das stimmt. In manchen Fällen sogar besser als mit einer Brille. Die Methode der Orthokeratologie, also das Linsentragen über Nacht, funktioniert aber nur bei einer geringeren Kurzsichtigkeit bis etwa -3,5 Dioptrien, in einzelnen Fällen auch bis -4,5 Dioptrien. Bei Weitsichtigkeit kommt sie nicht in Frage. Außerdem dürfen keine wesentlichen Hornhautverkrümmungen vorhanden sein. Und wie funktionieren die Linsen? Kurzsichtigkeit bedeutet, dass das Auge im Verhältnis ein bisschen zu lang ist. Der Brennpunkt fällt dadurch vor die Netzhaut, statt direkt darauf. Bei einer Brille sorgen speziell geschliffene Gläser dafür, dass der Brennpunkt wieder auf die Netzhaut rückt. Bei der so genannten Orthokeratologie platten formstabile Kontaktlinsen über Nacht die Hornhaut in der Mitte ab. Dadurch wird die Länge des Auges minimal verändert, vor allem aber die Form der Hornhaut. Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei den umstrittenen Augenoperationen, bei denen die Hornhaut eingeschnitten und durch Narbenbildung abgeplattet wird. Der Unterschied zur Orthokeratologie ist, dass letztere reversibel ist. Langzeit- studien fehlen allerdings bislang. Aber nach allem, was uns heute bekannt ist, erreicht das Auge einige Wochen nach dem Absetzen der Linsen wieder seinen früheren Zustand. Welche Risiken birgt das Verfahren? Wir Augenärzte befürchten, dass bei längerer Anwendung Schäden, etwa durch Sauerstoffmangel auftreten könnten. Auch bei hochsauerstoffdurchlässigen Linsen wird die Hornhaut nachts über Stunden geringer mit Sauerstoff versorgt. Zudem neigt die Orthokeratologielinse dazu, sich auf der Hornhaut festzusetzen. Nimmt man sie morgens mit Gewalt raus, kann man die Hornhaut verletzen. Ein anderes Problem ist die starke Hornhautverkrümmung, die durch die Linse hervorgerufen werden kann, wenn diese nachts ein bisschen verrutscht. Dann sehen die Leute tagelang nicht mehr gut. Da ist sicherlich noch Entwicklungsarbeit nötig. Was würden Sie Interessierten raten? Wir wissen derzeit noch nicht, wie wir unsere Patienten beraten sollen, wenn diese jahrelang Orthokeratologielinsen tragen wollen. Es gibt ja Berufsgruppen, die Kontaktlinsen kaum tragen können, etwa Friseure, die ständig im Sprühnebel stehen, oder Köche, die in Fettdünsten arbeiten. Für die können die Linsen durchaus interessant sein. Wir wissen heute, dass die Methode funktioniert, aber wir wissen noch nicht, wie häufig es Langzeitschäden durch Sauerstoffmangel gibt. Die Anpassung sollte auf jeden Fall in Zusammenarbeit mit einem Augenarzt geschehen. Gerade am Anfang muss man gut kontrollieren. Was kosten die Korrekturlinsen? Die Preisempfehlungen sind sehr unterschiedlich. Die Herstellerfirma empfiehlt Optikern etwa 250 Euro pro Linse und dann 50 Euro pro Monat für Kontrolle und Folgeversorgung. Sinnvoll ist auch ein zweites Paar Linsen. Denn wenn er eine Linse verliert, sieht der Patient nichts mehr, weil sich das Auge ein paar Tage regenerieren muss. Auch die Brille passt dann nicht. Wer sollte die Linsen keinesfalls probieren? Jeder, der irgendwelche Augenerkrankungen und Infektionen hat, besonders, wenn die Lidränder gerötet sind. Diese Menschen können ernste Geschwüre der Hornhaut mit bleibendem Sehverlust bekommen. ZellmerHAZ030611
Richtig sehen über Nacht - Kontaktlinsen formen während des Schlafes die Augenhornhaut um.
So eine Brille ist schon lästig. Ist es draußen kalt, beschlägt sie ständig. Am falschen Ort abgelegt, findet man sie nicht wieder. Eigentlich gehört das schlechte Sehen ab- geschafft. Mit Laser- operationen ist das zwar möglich, doch diese Methode hat Neben. wirkungen und schießt auch schon mal daneben. Jetzt gibt es ein neues Mittel gegen Kurzsichtigkeit: Die Orthokeratologie (OK). Das bedeutet soviel wie Hornhautkorrektur. Dabei sind spezielle Kontaktlinsen im Spiel: Sie werden vor dem Schlafengehen aufs Auge gesetzt und verändern die Hornhaut während der Nacht so, dass die Kurzsichtigkeit tagsüber verschwunden ist und man ohne Linsen auskommt. Das Tragegefühl der OK-Linsen ist das gleiche, wie bei normalen harten Linsen. Nach einer Woche haben sie die Augen so weit korrigiert, dass die Kurzsichtigkeit für zwei Tage verschwunden ist - und erst dann zurückkehrt, wenn die Linsen nicht mehr regelmäßig getragen werden. Die Verträglichkeit der Linsen gilt als gut, das liegt daran, dass die mechanische Belastung der Augen geringer ist als bei normalen Linsen, schließlich blinzeln wir im Schlaf nicht. Zudem kommt durch den gasdurchlässigen Kunststoff auch Nachts genügend Luft ans Auge. Die Orthokeratologie kann daher auch für diejenigen interessant sein, die tagsüber nur sehr schlecht Kontaktlinsen vertragen. Es ist die spezielle Form, die den Linsen ihre Wirkung verleiht. Während normale Kontaktlinsen gleichmäßig geschwungen sind, bestehen die Rückseiten der OK-Linsen aus unterschiedlich ge- krümmten Ringen. Diese Form sorgt dafür, dass die Hornhaut auf einem Durchmesser von sechs Milli- meter um bis zu 50 Mikrometer abgeflacht wird, das entspricht der Dicke eines menschlichen Haares. Die Veränderung beruht vor allem auf dem Tränenfilm, der von den Linsen unter Druck gesetzt wird und dadurch Zellen, die aus den unteren Hornhautschichten an die Oberfläche nachwachsen, umverteilt. Die oberste Hornhautschicht, das so genannte Epithel, wird so in ihrem Zentrum etwas dünner, im Umkreis jedoch etwas dicker. Neben diesen gewollten Veränderungen haben manche Forscher auch einen unerwünschten Eingriff bis ins Endothel, der unteren Hornhautschicht festgestellt. Allerdings sehen auch diese Kritiker keine Langzeitfolgen. Allen Studien zufolge bilden sich die Veränderungen am Auge wieder zurück, wenn die OK-Linsen nicht mehr getragen werden. Außerdem gibt es Nebenwirkungen, die sich nicht vermeiden lassen: Viele Träger berichten, dass bei Dunkelheit Lichterscheinungen zu sehen sind. Diese stehen im Zusammenhang mit der Pupille, die sich Nachts weitet, um mehr Licht ins Auge zu lassen. Diese “Halos” genannten Lichterscheinungen umkränzen jede Lichtquelle mit einem kleinen Strahlenring. Wie stark sie das Sehen beeinträchtigen hängt von der Anpassung und der Stärke der Kurzsichtigkeit ab. Nicht jeder Kurzsichtige kann von der Methode, die drei Kontaktlinsenhersteller gegenwärtig auf den deutschen Markt bringen, profitieren: Korrigieren lässt sich nur eine Fehlsichtigkeit von höchstens minus vier Dioptrien, auch komplizierte Hornhautverkrümmungen auf der Innenseite der Hornhaut sind mit der Orthokeratologie nicht behandelbar. Zudem müssen OK-Linsen wesentlich intensiver kon- trolliert werden - drei Untersuchungen in der ersten Woche empfehlen die Herstellerfirmen, später reichen monatliche Nachkontrollen. Zusammen mit der Erstanpassung, der speziellen Geometrie und dem notwendigen jährlichen Austausch der Linsen sorgt das für relativ hohe Kosten, die 500 Euro im Jahr deutlich übersteigen können. mehr dazu im Internet: http://www.uic.edu/com/eye/patients/clinics/Orthokeratology/Index.htm http://www.allaboutvision.com/contacts/orthok.htm
Kontaktlinsen für alle Fälle
Kontaktlinsen haben sie gegenüber der guten alten Brille andere Vorteile: ein Rundum-Blickfeld, keine störenden Bügel und „Glasbausteine" vor den Augen. Und die jüngste Generation Kontaktlinsen funktioniert im Falle eines Falle sogar wie Gleitsichtgläser bei Brillen - im Nah-,Mittel- und Fernbereich. Die technologische Weiterentwicklung der unauffälligen Sehhilfen in den vergangenen 20 Jahren ist rasant verlaufen. Wer damals harte Kontaktlinsen ausprobiert und sie nicht vertragen habe und jetzt mit modernen Linsen einen neuen Versuch wage, werde positiv überrascht sein, sagt Augenoptiker und Kontaktlinsenexperte Peter Meyer. Der Tragekomfort von damals und heute sei nicht miteinander zu vergleichen. Darüber hinaus gebe es heutzutage für fast jedes Bedürfnis die geeignete Kontaktlinse: Tages-, Monats- oder Jahreslinsen… Solche, die jeweils über einen Tag getragen und abends heraus- genommen werden. Andere, die eine Woche im Auge bleiben können. Oder mittlerweile auch solche, die nur nachts getragen werden. Tagsüber müsse man dann keine Kontaktlinsen tragen. Durch die be- sondere Gestaltung der Rückseite der Linse werde die Hornhaut des Auges über Nacht so modelliert, dass der Träger in aller Regel innerhalb weniger Tage tagsüber weder eine Brille noch Kontaktlinsen tragen müsse. Je kürzer die Tragezeit der Speziallinse sei, desto schneller gehe die Hornhaut tagsüber wieder in in Ursprungsstellung zurück. Daher lasse die Sehfähigkeit ohne Linse in den ersten Tagen bereits nach einigen Stunden wieder nach. Diese Eingewöhnungsphase sei jedoch normalerweise nach einer Woche vorüber. So schön der Linsentyp auch sei, nicht jeder könne ihn tragen, sagt der Fachmann. Geeignet sei die Linse unter anderem bei schwacher bis mittlerer Kurzsischtigkeit bis minus vier Dioptrien oder einer geringen Hornhautverkrümmung bis minus 1,5 Dioptrien. Ab etwa 40 Jahren lässt bei vielen Menschen die Elastizität des Auges nach. Dadurch wird es für das Auge schwieriger, sich zügig auf verschiedene Entfernungen einzustellen. Insbesondere das Scharfstellen auf Nahdistanz wird zur Herausforderung für das Auge.Viele Leute kennen diesen Effekt, wenn plötzlich die Länge des eigenen Armes nicht mehr ausreicht, um das Buch so weit entfernt zu halten, dass die Schrift leserlich bleibt. Früher waren in diesem Fall Brillen mit Gleitsichtgläsern das Mittel der Wahl. Heutzutage, so Meyer, können auch moderne Kontaklinsen gegen dieses Übel helfen. Jedes Auge ist verschieden. So ist es kein Wunder, dass nicht jede Kontaktlinse auf jedes Auge passt. Standardlinsen helfen nicht in jedem Fall weiter. Modernste Messmethoden versetzen den Optiker in die Lage, für jeden Kunden individuell die geeignete Linse zu ermitteln. Das geschieht unter anderem mit modernen Messgeräten, die 22.000 Punkte auf dem Auge ausmessen und die Linse wie eine farbige Landkarte darstellen. NOZ100216SLX
Schmuck im Auge - Motivkontaktlinsen sind im Kommen
Ein neuer Trend bereichert den großen Markt der Kontaktlinsen: Nachdem bereits die farbigen Kontaktlinsen jedem ermöglichen, seine Augen selbst zu tönen, gibt es nun immer mehr Anbieter, die die sogenannten Motivkontaktlinsen verkaufen. Viele bekannte Motive wie das Katzenauge, der Stern, ein Anarchiezeichen oder sogar ein Pentagramm kann man bereits für 50 Euro erwerben. Die meisten dieser Motive sind zusätzlich noch mit Farben ausgestattet, so dass man damit nicht nur die Augen farbig, sondern bunt und mit Bildern gestalten kann. Allerdings sollte der Träger beachten, dass diese Linsen kein Ersatz für die dauerhaften Kontaktlinsen sein können. Denn so witzig und inspirierend sie auch sind, sollte man dennoch beachten, dass sie den Augen auf Dauer schaden können und zudem auch keine ausreichende Sehkorrektur bieten. Zudem sollten die Kontaktlinsen zunächst nicht zu lange eingesetzt werden, damit die Augen sich an das Neue gewöhnen können. Anfangs können Reizungen entstehen, die sich in Form von rötlichen oder juckenden Augen äußern. Meist legen sich diese Irritationen aber mit der Zeit. Das Autofahren mit diesen Kontaktlinsen sollte übrigens unterlassen werden. Und in einem Punkt unterscheiden sich die Motivlinsen nicht von allen herkömmlichen Kontaktlinsenarten: Sie müssen genauso sorgfältig gereinigt werden, um Ablagerungen vorzubeugen. Schlechte Pflege kann außerdem das Verblassen der knalligen Motive zur Folge haben. NOZ081029Privatkliniken
Tag-und-Nacht-Linsen nur für gesunde Augen
Eine neue Generation von Wegwerfkontaktlinsen kann einen Monat ohne Unterbrechung im Auge bleiben - auch nachts. Was praktisch klingt, birgt aber auch Risiken. „Studien haben zwar gezeigt, dass die Hornhaut trotz der Linsen ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Voraussetzung ist allerdings, dass das Auge wirklich gesund ist”, sagt Augenarzt Gerald Böhme aus Backnang. Bevor die Sehhilfen zum ersten Mal getragen werden, sollte ein Arzt mikroskopisch überprüfen, ob die Lidränder in Ordnung sind und ob sich kein Herpes im Auge befindet. Zudem müssten sie vom Arzt oder Optiker angepasst werden. Sonst könnten die Linsen langfristig die Nährstoffversorgung der Hornhaut etwas behindern, betont Böhme. ddpHAZ070124
Gerald Böhme
Linsen helfen nicht immer. Geht es nach den Herstellern von Kontaktlinsen, könnten moderne Multifokallinsen bald die bisher übliche Gleitsichtbrille ersetzen. Gerald Böhme Foto, Leiter des Ressorts „Kontaktlinsen” beim Bundesverband der Augenärzte, erklärt, in einem Interview mit Kirsten Allée von der HAZ warum Vorsicht angebracht ist.
Die Qualität von Kontaktlinsen wird immer besser. Heißt das, dass das Zeitalter der Brille bald vorbei sein könnte? Nein, das kann ich so nicht bestätigen. Zwar entwickelt sich die Technik auch bei den Kontaktlinsen weiter. Doch sind sie nicht für jeden Menschen und jede Augenschwäche gleich gut geeignet. Was können Brillen besser? Brillen sind beispielsweise für Kinder meist besser zu handhaben. Auch bei einer Altersweitsichtigkeit kommen die Patienten oft mit einer speziellen Lesebrille oder Gleitsichtbrille besser zurecht als mit Linsen. Und wie steht es mit den so genannten Multifokallinsen, die in Zukunft die Gleitsichtbrillen ersetzen sollen? Multifokallinsen haben zwar den Vorteil, dass sie ebenso wie die Gleitsichtbrille für Fern- und Nah- sicht geeignet sind. Sie müssen diese Leistung allerdings auf einer wesentlich kleineren Fläche unterbringen. Es gibt mittlerweile ganz unterschiedliche Bauweisen. Die einen haben das Areal für Nahsehen in der Mitte und den Teil für Fernsicht darum herum, bei anderen Linsen ist es genau umgekehrt. Die für jeden Einzelfall optimale Lösung gibt es nach meiner Erfahrung jedoch noch nicht. Worin besteht denn der Vorteil der Brille? Die Brille bietet zum einen gleitendere Übergänge zwischen den beiden Sehbereichen. Wer den ganzen Tag Linsen trägt, ist außerdem wesentlich blendempfindlicher bei Gegenlicht. Das ist vor allem nachts und beim Autofahren wichtig. Außerdem schützt die Brille das Auge vor Zugluft, Staub und Verletzung. Grundsätzlich kann ein Patient natürlich auch mit Linsen gut beraten sein, zumal sie anders als die Brille das Gesichtsfeld nicht einengen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Linse möglichst luftdurchlässig ist, damit die Hornhaut des Auges genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Diese Eigenschaft besitzen etwa Linsen aus Silikon-Hydrogelen. Was ist vom Einsatz künstlicher Linsen zu halten? Grundsätzlich sind Intraokularlinsen für Patienten mit grauem Star sinnvoll. Eine klare Augenlinse wird dagegen nur sehr selten entfernt, beispielsweise bei extrem hoher Kurzsichtigkeit. Ein solcher Eingriff will zudem gut überlegt sein. Worauf sollte der Patient bei seiner Entscheidung für Kontaktlinsen oder eine Brille achten? Die Wahl einer Brille oder von Kontaktlinsen hängt stark von der individuellen Lebenssituation und natürlich auch von der ärztlichen Diagnose ab. Der Patient sollte sich daher die unterschiedlichen Möglichkeiten von seinem Arzt genau erklären lassen. Außerdem ist es wichtig, Preise zu vergleichen, da die Kassen eigentlich nur noch in ganz wenigen Fällen Zuschüsse zahlen. Wer sich dann für Linsen entscheidet, sollte zuvor sowohl die Kosten für die Anpassung der Linse als auch für die Kontaktlinse selbst genau erfragen. InterviewKirstenAlléeHAZ060829
Auf Kontaktlinsen verzichten
Bei starkem Augenjucken sollten Pollenallergiker auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichten. Andernfalls können die Symptome sich verstärken, berichtet die „Ärzte-Zeitung“”unter Berufung auf den Augenarzt Gerald Böhme aus Backnang. Im allgemeinen müssen Allergiker in der Pollenflugzeit aber nicht auf Kontaktlinsen verzichten: Wenn die Augen von der Allergie nicht betroffen sind, bieten weiche Linsen dem Experten zufolge sogar Schutz vor den Pollen. dpaHA060726
Brille statt Kontaktlinsen
Bei Erkältung sollte statt Kontaktlinsen eine Brille getragen werden, um Bindehautentzündungen zu vermeiden, rät die Techniker Krankenkasse Hessen. Bei Schnupfen wanderten die Keime von der Nase über die Tränenwege ins Auge und setzten sich an der Kontaktlinse fest. Fieber führe dazu, dass Tränenflüssigkeit schnell verdunste und das Auge nicht mehr gut von Bakterien und Viren gereinigt werde. Bei ausgetrockneten Augen reibt die Kontaktlinse auf der Hornhaut. Dies erleichtere den Erregern das Eindringen ins Auge. HA060110
Ist das Auge trocken, können Tropfen helfen.
Starrer Blick trocknet das Auge aus
Wer den ganzen Tag im Büro arbeitet und auf den Computer starrt, kennt das Problem. Irgendwann beginnen die Augen zu brennen, sind müde, gerötet und trocken. Derartige Symptome entstehen, wenn sich zu wenig Tränenflüssigkeit im Auge befindet. Die ist für die Funktion des Sehorgans wichtig. Der Tränenfilm schützt das Auge vor dem Austrocknen, spült Fremdkörper heraus, schützt vor Infektionen und versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen und Sauerstoff. Produziert das Auge zu wenig Tränen- flüssigkeit oder verdunstet diese zu schnell, ist der Schutzmechanismus gestört, und die Augen- oberfläche entzündet sich. Etwa zehn Millionen Men- schen hierzulande sind von trockenen Augen betroffen, schätzt Prof. Horst Brewitt, Leiter des Ressorts „Trockenes Auge” im Bundesverband der Augenärzte Deutschlands. In der Altersgruppe ab 60 Jahre leiden rund zwei Millionen Senioren ständig darunter. „Trockene Augen sind in erster Linie eine lästige Störung”, sagt der Arzt. Bei ungünstigem Verlauf allerdings könne die Augen- oberfläche auch wund werden und sogar aufbrechen. Das führt im Extremfall zu schwerwiegenden Sehstörungen. Bislang stand der Computer unter Generalverdacht. Ausdünstungen des Bildschirmes sollten verantwortlich für die Augenprobleme sein. Eine aktuelle Studie von Prof. Renate Wrbitzky, Leiterin der Abteilung Arbeitsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, hat diese Vermutung jedoch nicht nachvollziehen können. „Unsere Untersuchung zeigt übereinstimmend mit anderen Studien, dass der Bildschirmarbeitsplatz an sich kein erhöhtes Risiko für das trockene Auge darstellt”, sagt die Wissen- schaftlerin. Auch allgemeine Arbeitsplatzbedingungen wie relative Luftfeuchtigkeit, Beleuchtungsstärke oder Bildhelligkeit hätten offenbar keinerlei nachweisbaren negativen Einfluss - nur das Alter. Nach Erkenntnissen von Brewitt gibt es abgesehen vom Alter des Patienten allerdings noch weitere Ursachen. Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma, bestimmte Medikamente wie Antidepressiva oder Betablocker, Hormonumstellungen oder die Einnahme der Antibabypille können trockene Augen fördern. „Das kann nur der Augenarzt feststellen”, sagt Brewitt. Aber auch wer viel auf den Bildschirm, auf ein Buch oder in ein Mikroskop blicken muss, fördert die Reizung. Denn das konzentrierte Starren lässt das Auge regungslos verharren. So wird der Tränenfilm nicht ergänzt. HAale080408
Japaner entwickeln „blinzelnde" Brillen
Ein japanischer Brillehhersteller hat eine Lösung für Bücherwürmer und Computerspiel-Fans ent- wickelt, deren Augen durch unablässiges Starren ohne ausreichendes Blinzeln austrocknen: Die neuen „Blinzel-Brillen" von Masunaga Optical Manufacturing sollen Brülenträgern das Blinzeln praktisch ab- nehmen. Ein Sensor misst dabei die Blinzel-Häufigkeit. Hat der Träger länger als fünf Sekunden nicht ge- blinzelt, verschleiern sich die Brillengläser durch flüssige Kristalle. Sobald der Träger blinzelt, wird das Glas wieder klar. Die Brillen sollen umgerechnet rund 300 Euro kosten. HA091028AFP
Da bleibt ein Auge trocken - Wenn die Augen jucken, gereizt sind und gerötet
Die Augen sind gerötet, brennen oder jucken und es fühlt sich an, als ob Sandkörner im Auge reiben. So schildern Patienten ihre Beschwerden, wenn sie unter einem “Trockenen Auge” leiden. Das Problem: Das Auge wird nicht ausreichend befeuchtet. Der Tränenfilm, der mit jedem Lidschlag über die Hornhaut verteilt wird, ist nicht mehr intakt. Mehr als nur Tränen Der Tränenfilm hält die Hornhaut feucht, versorgt sie mit Nährstoffen, wehrt Bakterien ab und schwemmt Fremdkörper aus. Mehrere Beteiligte Ist die Tränenfilmproduktion, an der mehrere Drüsen beteiligt sind, zu gering oder stimmt die Zusammensetzung nicht, so reißt der Film vorzeitig auf und das Auge wird trocken. Dann reizt jeder Lidschlag die empfindliche Hornhaut und Infektionen haben ein leichtes Spiel. Manchmal geht es von alleine weg Fast jeder hat schon einmal die Folgen eines Trockenen Auges erlebt. Wenn zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag vor dem Computer oder einer durchfeierten Nacht mit zu wenig Schlaf die Augen brennen, sich müde anfühlen und die Lidränder leicht geschwollen sind. Hier regeneriert sich der Tränenfilm meist schnell und die Beschwerden verschwinden. manchmal nicht Wenn jedoch die Beschwerden häufiger und für längere Zeit auftreten, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Mit unterschiedlichen Testverfahren kann er den Zustand des Tränenfilms genau analysieren. Ursachen Mit der Diagnose “Trockenes Auge” oder “Sicca-Syndrom” allein sollte man sich aber nicht zufrieden geben, sondern nach den Ursachen forschen. Die können ganz unterschiedlicher Natur sein. Das Trockene Auge ist eine echt häufige Begleiterscheinung bei Allergien, Funktionsstörungen der Schilddrüse, rheumatischen Erkrankungen und Diabetes. Mit einer entsprechenden Therapie ver- bessert sich in der Regel der Zustand des Tränenfilms wieder. Nebenwirkung Trockenes Auge Ein Trockenes Auge kann als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten. Dazu zählen die Beta- Blocker und Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille. Eine leichte Veränderung der Dosierung oder ein Wechsel des Präparates in Absprache mit dem behandelnden Arzt kann zur Linderung der Beschwerden am Auge führen. Ursache Umwelt Nicht selten ist es unser moderner Alltag, der ein Sicca-Syndrom hervorruft oder zumindest verstärkt. Trockene Raumluft,Zigarettenrauch oder die Lüftungsanlage im Auto setzen dem Tränenfilm gehörig zu. Computer und Fernsehen zwingen uns, den Blick für lange Zeit konzentriert auf eine Fläche zu richten, mit der Folge, dass wir viel zu selten zwinkern und der Tränenfilm leidet. Dagegen kann man etwas tun: Für eine ausreichende Raumbefeuchtung sorgen, ab und zu vom Bildschirm aufschauen und zwinkern und die Augen zusammenkneifen. Das Alter spielt eine Rolle Etwa ab der Lebensmitte lässt die Tränenfilmproduktion naturgemäß nach. Deshalb leiden ältere Menschen häufiger an Trockenen Augen als jüngere. Frauen in und nach den Wechseljahren sind durch die Hormonumstellung besonders oft betroffen. Künstliche Tränen Als sehr wirksam bei der Behandlung des Trockenen Auges haben sich Tränenersatzflüssigkeiten erwiesen, auch “künstliche Tränen” genannt. Sie bekämpfen zwar nicht die Ursache, aber sie sorgen für die nötige Feuchtigkeit auf der Hornhaut und lindern so die Beschwerden. In den Apotheken findet man eine Vielzahl derartiger Mittel, sei es als Tropfen, Gels oder Salben. Man sollte sich vom Arzt oder Apotheker bei der Auswahl beraten lassen. Die Kosten für diese Präparate werden in der Regel von den Kranken- kassen nicht übernommen. Lidkante Eine besondere Bedeutung bei der Entstehung des Tränenfilms kommt den Lidrändern zu. Auf ihnen sitzen dicht an dicht kleine Drüsen, die für die stabilisierende Fettschicht des Tränenfilms sorgen. Sehr häufig entsteht ein Trockenes Auge durch eine Fehlfunktion dieser so genannten Meibom'schen Drüsen. Ein wenig Pflege der Lidkanten durch sorgfältige Reinigung mit einer Augenvaseline oder durch Auflegen von Kompressen mit lauwarmem schwarzem Tee hilft, die kleinen Drüsen fit zu halten. Kontaktlinsen adé? Kontaktlinsenträger leiden besonders stark, wenn kein ausreichender Tränenfilm vorhanden ist. Dann kleben die Linsen förmlich auf der Hornhaut und reiben unangenehm. Kurzzeitig können künstliche Tränen dies verhindern. Grundsätzlich aber wird das Tragen von Kontaktlinsen bei einem Sicca-Syndrom problematisch. Vielleicht kann man die Linsen dann nur noch einige Stunden am Tag tragen oder man wechselt zu Kontaktlinsen aus speziellen Materialien. Was im Einzelfall sinnvoll ist, kann nur ein ausführliches Gespräch mit dem Augenarzt klären. Links zum Thema: Das Zentrum für Augenheilkunde des Universitätsklinikums in Essen unterhält eine eigene Sprech- stunde für Menschen mit Trockenen Augen Terminvereinbarung (Sekretariat der Poliklinik): Tel. 0201 - 723 29 00 Internet: http://www.uniklinik-essen.de/augenklinik/trockenesauge.html Auf der Seite des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) gibt es eine Informations- broschüre zum Trockenen Auge als pdf-Datei. Anschrift: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Pressestelle Hauptstr. 11 c, 89250 Senden; Telefon: 07307 – 44 66 Internet: http://www.augeninfo.de Leonardo 080416
Ursachen von Augenrötungen
Ist das „Weiße im Auge” ohne klare Ursache gerötet, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Sind die feinen Äderchen auf der Bindehaut sichtbar, kann das auf ernste Probleme wie Entzündung der Bindehaut oder Gefäßhaut hindeuten, berichtet die „Apotheken-Umschau”. Meist ermitteln die Mediziner aber zu trockene Augen als Ursache der Reizungen. Zuviel Trockenheit im Auge kann Infektionen oder Hornhauttrübungen hervorrufen. HAdpa060215
Kontaktlinsen aus Silikon
Kontaktlinsen aus Silikon verringern das Risiko von Hornhautentzündungen erheblich, selbst wenn sie im Schlaf getragen werden. Die Gefahr sinkt um das Fünffache, ergab eine Studie der University of Manchester. Die Art der benutzten Kontaktlinsen und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Hornhautentzündung wurden in Zusammenhang gebracht. Demnach erkrankten von 10.000 Menschen, die mit Hydrogel-Linsen einschliefen, 96 an einer Hornhautentzündung. Bei Silikon-Hydrogel-Linsen waren es nur 20, berichtet das „British Journal of Ophthalmology”. apHAZ050326
Künstliche Hornhaut
Eine künstliche Hornhaut wird an der Rostocker Augenklinik getestet. Das Silikon-Schaumstoff- Plättchen könnte künftig Patienten mit eingetrübter Hornhaut eingesetzt werden. Die Ergebnisse seien sehr gut, sagte Augenarzt Eike Berker. Mit einer künstlichen Hornhaut aus dem neuen Material würden aber erst in zwei bis drei Jahren Patienten behandelt werden können. HA021126
Künstliche Hornhaut - Hoffnung für Bünde
Potsdamer Forscher haben jetzt eine künstliche Hornhaut entwickelt, die jetzt erstmals einem blinden Patienten eingepflanzt wurde. „Seine Sehkraft ist deutlich stärker als vorher", so das Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung. Im August sei die Hornhaut einem Patienten in der Uniklinik für Augenheilkunde Halle (Saale) implantiert worden. Sollten weitere Tests erfolgreich laufen, sei Mitte 2010 damit zu rechnen, dass das Produkt auf den Markt komme, so die Forscher. Die Hornhaut wurde im Rahmen des von der EU geförderten Forschungsprojekts „Cornea", in dem seit 2005 mehrere Partner kooperieren, entwickelt. HA091019dpa
Warum behalten unsere Augen stets den Durchblick? 
Ob im Kino oder bei Open-Air-Veranstaltungen, manchmal wünschen wir uns, durch andere Men- schen durchsehen zu können. Tatsächlich ist das sogar an zwei Stellen im menschlichen Körper möglich: den menschlichen Augen. Warum ist gerade die Hornhaut transparent und der Rest unseres Körpers so undurchsichtig? Die Haut beispielsweise hat es ganz schön in sich: Überall sind Pigmente eingelagert. Je nach Zusammensetzung und Menge erscheint der Mensch dadurch hell, dunkel, rot oder sogar gelb. Doch selbst Menschen, denen diese Farbstoffe fehlen, sogenannte Albinos, sind nicht einfach durchsichtig. Denn das Geflecht aus Blutgefäßen in unserem Hüllorgan ist noch viel ausgeprägter als das Zusammenspiel der Farbstoffe. Auf 6,5 Quadratzentimeter Haut kommen bis zu 4,5 Meter Blutgefäße. Diese regulieren unter anderem die Körpertemperatur. Bei sommerlich heißem Wetter erweitern sie sich und geben dadurch an der Hautoberfläche Strahlungsenergie als Wärme ab. Bei kühlerem Wetter wird dieser Effekt umgekehrt durch eine Verengung der Gefäße verringert. Ganz sicher ist das dicke Geflecht der Blutgefäße jedoch blickdicht. Wer dort durchschauen möchte, benötigt beispielsweise die Hilfe von Röntgenstrahlen. Dennoch gibt es in unserer Haut zwei Stellen, an denen keine Blutgefäße wuseln. Die würden dort auch viel nachhaltiger unsere Sicht stören als die vollständig versammelte örtliche Basketballmannschaft im Kino vor uns. Die Rede ist natürlich von der Hornhaut in unseren Augen. Nur in dieser Schicht gibt es keine stören- den Gefäße, und nur dadurch haben wir einen permanent guten Durchblick. Doch wie verhindert der Körper, dass Blutgefäße in diese Zone einwandern? „Er trickst sich selber aus”, berichten Forscher der Augenklinik Erlangen im Fachmagazin „PNAS”. Gemeinsam mit ameri- kanischen Forschern haben sie den zugrunde liegenden Mechanismus entschlüsselt. Demnach muss der Körper in der Hornhaut der Augen deutlich anders reagieren als sonst. Denn im Normalfall führen äußere Reize dazu, dass Wachstumsfaktoren frei werden, die daraufhin Blut- und Lymphgefäße zum Einwandern anregen. In den Augen schützt sich die Hornhaut vor diesem Prozess, in dem sie in ihrer äußersten Schicht be- stimmte Zielproteine bildet. Diese fangen die Wachstumsfaktoren ab und machen sie so unschädlich. „Im Prinzip funktioniert das wie bei einem Köder“, erklärt Forschungsgruppenleiter Claus Cursiefen. Die Zielproteine binden die Wachstumsfaktoren und verhindern, dass sie in die tieferen Schichten der Hornhaut gelangen, wo sie ungehindert eine Entzündungsreaktion auslösen könnten. Cursiefen konnte diese Hypothese bestätigen, indem er bei Experimenten mit Mäusen einmal die äußerste Schicht der Hornhaut entfernte und bei einem weiteren Versuch das Zielprotein blockierte. In beiden Fällen wuchsen Blutgefäße in die Hornhaut ein. Derzeit überprüft der Forscher, ob die Erkennt- nisse bei Patienten mit Infektionen in der Hornhaut Anwendung finden können. HAZart061111

Robert Kurson erzählt, wie ein Blinder wieder sehend wurde. Soll man ihm diese Geschichte abkaufen?
Die zur Leitwissenschaft erklärten Gebiete der Hirn- und Stammzellforschung ermöglichen vormals nicht vorstellbare Einsichten. Die Konsequenzen werden meist nicht mitbedacht. Da gilt der Satz: Wir übernehmen keine Haftung. Die körperlichen und psychologischen Folgen trägt der Patient. Einen Blinden sehend machen, das klingt nach dem medizinischen Fortschritt schlechthin. Der Blinde aber lernt mit seinen anderen Sinnen zu „sehen”. Wie kommt nun ein Mensch damit zurecht, wenn man ihm die bisherige Basis seiner Wahrnehmung entzieht? Robert Kurson erzählt den Fall von Michael May, der bei einem Unfall im Alter von drei Jahren sein Augenlicht verloren hat. Der Versehrte passt sich den neuen Umständen an und kann, auch im Wissen um den erlittenen Verlust, sein Leben mit Abstrichen normal weiterführen. Statt ihn zu bemitleiden oder gegenüber seinen Geschwistern zu bevorzugen, setzt die Mutter des kleinen Michael auf Gleichbehandlung und Integration: Er lernt Rad- und Ski- fahren, indem er sich an den Geräuschen der Straße oder an den Zurufen seines Vorfahrers orientiert; er geht auf eine normale Schule, besucht das College, ergreift einen Beruf und gründet eine Familie. Michael führt ein geregeltes und, wie er sagt, erfülltes, ja „großartiges” Leben. Aus dem, wie es schien, hoffnungslosen Fall eines schwerstverletzten Dreijährigen ist ein Erwachsener geworden, „der genau das war, was er sein wollte”. Eines Tages jedoch erfährt Michael von der Möglichkeit, ihn operativ von seiner Blindheit zu heilen. Die Heilung eines Blinden gilt seit jeher als Wunder, dem mit großer Skepsis oder Ehrfurcht begegnet wird. Bevor Jesus einen Blindgeborenen heilt, indem er eine Mischung aus Speichel und Lehm auf die Lider streicht, sagt er zu seinen Jüngern, an diesem Blinden „sollen die Werke Gottes offenbar werden” Joh. 9,3. Die Aussicht auf ein Wunder tut ihre Wirkung. Michael kann nicht mehr die Augen davor verschließen, eines Tages doch wieder sehen zu können. Schließlich vereinbart er einen Operationstermin: Die milchig-weiße Schicht auf der Hornhaut, die beim Blinden verhindert, dass das Licht ins Augeninnere gelangt, wird abgekratzt, auf die gesäuberte Hornhaut trägt der Arzt Spender-Stammzellen auf. Diese bereiten nun den Boden dafür, dass körpereigene Tochterzellen die Hornhaut von Verschmutzungen rein halten. Erst dann kann die Hornhaut eines Zweitspenders auf das regenerierte Auge gesetzt werden. Schon am Tag nach der Transplantation nimmt der Arzt Michael den Verband ab. Er kann sehen. Wie in einem Comic heißt es dazu: „Wumm! Wusch! Oohhhhhhhhhhhhh!” Man könnte es begrüßen, dass Robert Kurson sich bemüht, so anschaulich zu schreiben. Diese Stelle, die einen Höhepunkt des Buches beschreibt, ist leider nicht die einzige, bei der Kurson der Spagat zwischen wissenschaftlichem Sachbuch und leicht daherkommender Erzählung gründlich misslingt. Es ist aber gar nicht die angestrengt locker, flockig erzählte Lebens-, Liebes- und Erfolgs- geschichte, die dem wissenschaftlichen Anspruch der sachorientierten Kapitel zu Augen- und Hirnforschung zuwider- läuft, sondern die unter diesen Umständen erwartete, aber weitgehend fehlende Leidensgeschichte des Protagonisten. So wie Kurson ihn darstellt, muss man Michael fast penetrant optimistisch nennen, weshalb man immer wieder hadert, ihm diese Geschichte abzukaufen. Zwar deutet Kurson mehrmals an, dass andere Blinde, die wieder sehen lernten, darüber keines- wegs froh, sondern geradezu depressiv wurden. Es kann, so meint man, nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der positiv denkende Michael an der „kognitiven Schwerstarbeit” des Sehenlernens ver- zweifelt. Auch nach dem Eingriff ist er weit entfernt davon, wie ein Gesunder zu sehen. Die Operation lässt ihn gesichtsblind zurück, das heißt, die Gesichter seiner eigenen Familie kann er bestenfalls in Schemen erahnen. Untersuchungen an der Universität San Diego, denen sich Michael schließlich zur Verfügung stellt, offenbaren die Ursache seiner weiterhin bestehenden Behinderung. Sein Problem ist nicht die mentale Überforderung durch den neu oder rückerlangten Sinn. Ein Hirnscan zeigt, dass bestimmte Areale in Michaels Gehirn nicht oder nur unzulänglich auf visuelle Reize reagieren. Als die anderen Sinne die Aufgaben der geschädigten Augen übernahmen, sind wesentliche Entwicklungsprozesse zum Stillstand gekommen, die nun nicht mehr nachzuholen sind. Die wissenschaftliche Begründung, so könnte man meinen, ersetzt die psychologische Auseinandersetzung. Kurson (ehemaliger Reporter der „Chicago Sun-Times”) hat einen Riecher für den Zeitgeist - eine von der Zuversicht des Protagonisten getragene Erfolgsgeschichte, verknüpft mit den neuesten Erkenntnissen der Stammzellen- und Hirnforschung, wird ihre Abnehmer finden. Gewiss auch hier- zulande, wo das Buch in diesen Tagen erscheint. Bei all der Aufklärung, die Michael aufgrund der medizinisch-technischen Möglichkeiten erfährt, bleibt das eigentümlich Dialektische dieses Vorgangs unterbelichtet. Ist die Heilung erst einmal in Aussicht gestellt, gibt es kein Zurück mehr. Ist die Hornhaut verpflanzt, ist der Weg frei für den Blick, aber ausschließlich für den nach vorne, Scheu- klappen inklusive. Dem wissenschaftlichen Erkenntnisdrang kann sich Michael nicht mehr entziehen, mehr volens als nolens ist er zum „Crash-Test-Dummy” der Möglichkeiten geworden, offensichtlich auch zu denen einer publizistischen Ausschlachtung. FAZFriederikeReents081010 Robert Kurson: „Der Blinde, der wieder sehen lernte”. Eine wahre Geschichte. Aus dem Ameri- kanischen von Ulrich Enderwitz. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008. 368 . Abb., geb. 23 €
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