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 Im Pressedienst UCAnews - cathNEWS India und in der italienischen Monatszeitschrift Trenta Giorni fanden wir Berichte über die katholische Kirche in Indien, die wir hier an unsere Mitglieder barrierefrei weiterreichen.
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   Die Syro-Malabarische Kirche wählte zum ersten Mal ihr Oberhaupt: den Großerzbischof George Alencherry Foto links. Diese orientalische Kirche führt ihren Ursprung auf den Apostel Thomas zurück. Sie ist eine der 22 Ostkirchen, die in voller Gemeinschaft mit dem Papst stehen. Papst Johannes Paul II. ernannte noch 1999 den Vorgänger, gab aber 2006 der syro-malabarischen Synode in Kochi (Kerala/Indien) das Recht, ihr Oberhaupt selbst zu wählen. Bischof George Alencherry wurde 1945 im Kottayam-Distrikt  (Kerala) geboren; 1972 wurde er zum Priester, 1997 zum Bischof von Thuckalay geweiht. Papst Benedikt XVI. bestätigte die Wahl und er- nannte 2012 den Großerzbischof, der zugleich Vorsitzender der syro-malabarischen Synode ist, zum Kardinal. An der Synode nahmen 43 Bischöfe teil, unter ihnen war auch der Vorsitzende des päpstlichen Rates für die orientalischen Kirchen  Leonardo Kardinal Sandri Foto rechts.

ind-sy-WahlGroß-aep-zz   Großerzbischof  Georg Alencherry

gewählt am 24. Mai 2011 vom Synod  ind-sy-Ernakulam-2z

„Unser Glaube ist der Glaube der Apostel, der vom heiligen Thomas überliefert wurde"
  
Der heilige Thomas hätte nicht aus eigener Kraft eine neue Kirche ins Leben rufen können. Auch in Indien tat er nur das, was zu tun ihm Jesus aufgetragen hatte. Aus demselben Grund stehen der heilige Thomas und all jene, die von ihm die Verkündigung des Evangeliums erhalten haben, in Gemeinschaft mit Petrus, und das ist die Garantie unseres Glaubens.
   Die apostolischen Wurzeln. Die Treue zu den Traditionen. Die Beziehungen zu den Hindus und die Blüte eines Lebens, das keine Grenzen kennt. Die Beziehung zu Rom. Interview mit George Kardinal Alencherry, Großerzbischof der syro-malabarischen Kirche, anlässlich seines Besuchs bei Papst Benedikt XVI.

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Fotos: Papst Benedikt ernennet den indischen Großerzbischof George Alencherry zum Kardinal.
„Unser Glaube ist der Glaube der Apostel, der vom heiligen Thomas überliefert wurde".
Interview des indischen Kardinals von Roberto Rotondo und Gianni Valente in “30 Giorni”, Roma.

   George Alencherry wurde 1945 geboren. Zwei seiner Brüder sind ebenfalls Priester; eine Schwester ist Ordensfrau. Sein Studium absolvierte er am „Joseph's Pontifical Semlnary" von Alwaye; sein beruflicher Wer- degang begann im Erzbistum Changanacherry, wo er verschiedene verantwortungsvolle Ämter bekleidete. Vor und nach der Arbeit in der Diözese studierte er eine Zeitlang in Frankreich (Doktorat in Katechetik am Pariser Institut Catholique und Doktorat in Bibeltheologie an der Sorbonne). 1996 wurde er zum ersten Bischof von Thuckalay ernannt, einer  Diözese, die aus der Aufteilung des Erzbistums Changanacherry entstanden war. 46 Bischöfe des Synods haben ihn am 24. Mai 2011 zum Großerzbischof der syro-malabarischen Kirche gewählt und so die Zweldrittel-Mehrhelt im zweiten Wahlgang garantiert. Zwei Tage später wurde die Wahl von Papst Benedikt XVI. bestätigt.
Das Bischofsmotto von Mar George Alencherry: „Dienst am Dialog der Wahrheit und der Liebe". Foto unten

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   Rom ist weit entfernt von Malabar. Aber wenn man die Nähe, die von der Communio Ecclesiarum zum Aus- druck gebracht wird, wirklich verstehen will, muss man nur das Band der unentgeltlichen und gegenseitigen Anerkennung betrachten, das die Kirche von Rom mit der syro-malabarischen Kirche verbindet. Zwei Reali- täten, die fast 10 Jahrhunderte lang keinerlei rechtlich-institutionelle Beziehung zueinander hatten. George Alencherry, der im Mai dieses Jahres zum Großerzbischof dieser indischen Kirche orientalischen Ritus gewählt wurde, die ihre Entstehung dem Apostel Thomas zu verdanken hat, hat den Nachfolger Petri im Oktober an seinem Apostolischen Sitz besucht.

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Foto: Betende Gläubige bei einem Gottesdienst in der Kirche Unsere Liebe Frau vom Heil in Hyderabad,
 im Bundesstaat Andhra Pradesh

Eure Seligkeit, wie ist Ihre Begegnung mit dem Heiligen Vater verlaufen?
   GEORGE ALENCHERRY
: Ich wurde im Mai 2011 vom Synod der syro-malabarischen Kirche zum Groß- erzbischof gewählt, und die Wahl wurde dann vom Papst bestätigt. Es war das erste Mal. dass nach dieser Prozedur verfahren wurde: die beiden Großerzbischöfe, die meine Vorgänger waren, waren nämlich direkt vom Heiligen Stuhl gewählt worden. Meine Wahl fand am 24. Mai statt; am 29. Mai erfolgte dann meine Amtseinführung als Großerzbischof und Erzbischof der Diözese Ernakulam-Angamaly. Mein Besuch beim Papst im Oktober war mein erster Besuch in meiner Eigenschaft als Großerzbischof, und begleitet hat mich dabei der Ständige Synod unserer Bischöfe. So hatte ich die Gelegenheit, meine Loyalität und meinen Gehorsam dem Nachfolger Petri gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Im Rahmen dieser Reise habe ich auch andere Dikasterien des Heiligen Stuhls besucht - u.a. natürlich die Kongregation für die Orientalischen Kirchen.
Über welche Themen haben Sie bei diesen Begegnungen im Vatikan gesprochen?
  
Wir haben viel über die Jurisdiktionsprobleme gesprochen, die unserem pastoralen Wirken im Wege stehen. Die Gläubigen der syro-malabarischen Kirche belaufen sich auf ca. 4 Millionen; 3.400.000 davon leben in den 28 Diözesen in Indien. 18 dieser Diözesen (Kerala, ein Teil von Tamil Nadu und Karnataka) befinden sich auf dem Territorium der syro-malabarischen Kirche. Nur in diesen 18 Diözesen haben wir Territorial-Jurisdiktion. Und es würde uns freuen, wenn wir eine Territorial-Jurisdiktion hätten, die das gesamte indische Territorium abdeckt: das ist eine der Bitten, die wir an den Heiligen Vater gerichtet haben. Für uns ist es eine wichtige Forderung, ja, wir glauben, dass es unser Recht ist. Vor der Ankunft der Missionare aus dem Westen - die Portugiesen sind im 16. Jahrhundert gekommen - war die Jurisdiktion von uns Christen des heiligen Thomas" auf ganz Indien ausgeweitet. Doch dann gelang es den westlichen Missionaren, durch den Einfluss der euro- päischen Herrscher die Jurisdiktion über ganz Indien zu übernehmen. Unsere Jurisdiktion war nur noch auf die Gebiete beschränkt, in denen die meisten von uns lebten.
Diese Forderung Ihrerseits könnte wie das Einfordern „altgedienter" Rechte wirken, die längst vergessen und begraben sind...
  
Nein, es ist eine Frage, die die Gegenwart betrifft, und zwar in einer sehr konkreten Weise. Die Zahl unserer Gläubigen  nimmt ständig zu, und damit auch ihre Verbreitung in anderen Gebieten. Aber dort passiert es dann, dass es für unsere Leute keine angemessene Seelsorge gibt, und darunter leiden sie natürlich. Unsere Gläubigen sind an unsere Liturgie gewöhnt, an unsere Bräuche, unsere Art, zu beten und daran, dass die Laien bei der Verwaltung der Pfarreien mithelfen. Die Rolle der Laien im Pfarreileben und bei der Katechese ist eine Besonderheit der syro-malabarischen Kirche. In vielen Großstädten gibt es eine hohe Konzentration von syro-malabarischen Gläubigen: 70.000 in Delhi. 50.000 in Chennai und Bangalore, ca. 20.000 in Hyderabad. Wir würden zumindest in diesen großen städtischen Zentren Diözesen errichten wollen.
Was hat man Ihnen geantwortet?
   Der Heilige Stuhl hat uns gesagt, dass wir prinzipiell ein Recht auf Jurisdiktion haben. Da sich in den anderen Regionen aber die lateinische Kirche niedergelassen hat, ist es notwendig, dass wir uns mit den Lateinern einigen. Der Heilige Vater versteht unsere Bedürfnisse und hat uns erklärt, dass man Schritt für Schritt vor- gehen müsse. Er hat uns die Worte des II. Vatikanischen Konzils ins Gedächtnis gerufen, für das jede Kirche sui iuris das Recht auf ein Leben in Autonomie hat. Hier liegt eine historische Anomalie vor, die korrigiert werden muss. Wir sind geduldig, aber es ist nicht richtig, dass es so weitergehen soll.
Welche Einwände werden hinsichtlich Ihrer Forderung vorgebracht?
  
Die syro-malabarische, die syro-malankarische und die lateinische Kirche haben schon jetzt Diözesen, die sich mit unserem historischen Territorium überlappen. Einige Bischöfe sind jedoch der Meinung, dass es Probleme geben könnte, wenn wir unsere Jurisdiktion auf Gebiete ausweiten würden, die in ihre Diözesen fallen. Immerhin machen die syro-malabarischen Gläubigen in einigen lateinischen Diözesen einen großen Teil der Gläubigen aus, die von den lateinischen Priestern betreut werden. Wenn wir unsere Jurisdiktion aus- weiten würden, könnten in manchen dieser lateinischen Diözesen nur noch wenige Gläubige des lateinischen Ritus übrigbleiben. Und dann macht man sich auch Sorgen wegen der syro-malabarischen Priester, die den lateinischen Ritus gelernt haben und in den lateinischen Diözesen arbeiten. Es gibt mehr als 30 Bischöfe syro- malabarischer Herkunft, die als lateinische Bischöfe in den Diözesen des Nordens arbeiten.
Und wie sieht die Situation außerhalb Indiens aus?
  
Außerhalb Indiens gibt es eine große Zahl syro-malabarischer Gläubiger. In den USA sind es ca. 100.000. und für sie ist eine Diözese errichtet worden, deren Zentrum Chicago ist. Der Großteil der Gläubigen im Ausland lebt am Persischen Golf. In Saudi-Arabien leben mehr als 80.000, fast alle Gastarbeiter, die dorthin gezogen sind. Der Papst hat zwei Apostolische Vikare und einen Nuntius ernannt, aber die Priester, die sich um die Seelsorge dieser Gläubigen kümmern sollen, haben sich trotz ihrer syro-malabarischen Herkunft den lateinischen Kongregationen angeschlossen und sind im lateinischen Ritus ausgebildet worden. Das Fehlen von Priestern unseres Ritus hat in diesen Ländern gewisse Spannungen geschaffen. Das ist ein weiteres Problem, das wir dem Heiligen Stuhl unterbreitet haben, und wir hoffen, dass man uns Gehör schenken wird. Funktioniert die Zusammenarbeit der verschiedenen katholischen Kirchen in Indien?
   Die drei Kirchen - die lateinische, die syro-malabarische und die syro-malankarische - sind Teil der einzigen Weltkirche, und es gibt eine Bischofskonferenz der Bischöfe der drei Kirchen. Unsere Zusammenarbeit in dieser Konferenz ist vollkommen problemlos. Die katholische Kirche ist eine Gemeinschaft verschiedener Teilkirchen: wir haben 22 orientalische Kirchen, die mit der lateinischen Kirche die Weltkirche ausmachen. Nur von dieser Theologie ausgehend ist die Ökumene möglich: wenn den griechisch-orthodoxen Gläubigen die Existenz dieser Gemeinschaft bewusst wäre, würden sie sich den Katholiken anschließen. Ökumene bedeutet nicht, die orthodoxe Kirche der Verwaltung durch die lateinische Kirche zu unterstellen. Wir wollen eine wirk- liche Ökumene, die von innen ausgeht. Die Orthodoxen verlangen sie von außen. Aber manche Lateiner ver- stehen das nicht.
Wie steht es um die Beziehungen zu den Hindus?
  
Allgemein gesehen ist der Hinduismus eine Religion, die nach Frieden und Harmonie strebt. Der Großteil dieser Menschen betrachtet uns mit Sympathie, und wir arbeiten auch zusammen. Aber wie Sie wissen, hat es in der Vergangenheit Fundamentalisten-Gruppen gegeben, die Probleme gemacht haben. Aus dem ein oder anderen Grund gibt es in jedem Land Fundamentalisten. So wie es auch die politischen Extremisten gibt, die wir Terroristen nennen. In Indien gibt es im Innern des Hinduismus zwei Extremisten-Gruppen: wer an den authentischen Hinduismus glaubt, mag sie nicht, aber diese Gruppen bereiten vor allem den Christen Proble- me. Sie fürchten, dass es den Christen durch die Konversionen gelingen könnte, die Kontrolle des Landes an sich zu reißen. Aber das ist eine Befürchtung, die jeder Grundlage entbehrt - immerhin reagieren die Christen nicht einmal auf ihre Angriffe mit Gewalt. Die Regierung weiß das, und hilft uns.
   Die syro-malabarische Kirche ist dem Glauben der Apostel treu geblieben, lebt inmitten einer Kultur, die in anderen religiösen Voraussetzungen verwurzelt ist. Das ist ein herrliches Zeugnis dafür, dass die Kirche die Kirche Jesu Christi ist, wie Paul VI. in seiner Enzyklika Ecclesiam Suam geschrieben hat. Was können Sie der übrigen Christenheit bezüglich der syro-malabarischen Christen ans Herz legen?
   Unser Erbe ist das Resultat von 20 Jahrhunderten des Zeugnisses für den katholischen Glauben, dem wir treu geblieben sind, auch als es auf Seiten der ausländischen Missionare ernste Missverständnisse gegeben hat. Unsere Kirche hat einen einzigartigen Katechese-Stil: in den Familien. den Pfarreien und in den Schulen bringen wir den Kindern bei, den Glauben zu bewahren. Hier in Rom gibt es ca. 6.000 syro-malabarische Gläu- bige: am 16. Oktober hatten wir in der Lateranbasilika eine schöne liturgische Feier. In der Basilika war kein freier Platz mehr.
Die syro-malabarische Kirche hat die Gemeinschaft mit Rom nach Jahrhunderten ohne Kontakte bestätigt. Das zeigt, dass die Gemeinschaft der Kirche nicht in erster Linie das Resultat rechtlicher Beziehungen ist..
   Unser Glaube ist der Glaube der Apostel, der vom heiligen Thomas überliefert wurde. Der heilige Thomas hätte nicht aus eigener Kraft eine neue Kirche ins Leben rufen können. Auch in Indien tat er nur das, was zu tun ihm Jesus aufgetragen hatte. Aus demselben Grund stehen der heilige Thomas und all jene, die von ihm die Verkündigung des Evangeliums erhalten haben, in Gemeinschaft mit Petrus, und das ist die Garantie unseres Glaubens. Die Treue zum Papst kommt aus unserer Glaubenserfahrung: bei der Eucharistiefeier beten wir für den Papst, wir gedenken in der Liturgie der Heiligen aller Teilkirchen zusammen mit unseren Heiligen. Was die Glaubenslehre angeht, bewahren wir das, was wir vom Glaubensbekenntnis von Nizäa empfangen haben. Die Eucharistie und die anderen Sakramente, als Gabe des Heiligen Geistes, vereinen uns in der einen, heiligen und apostolischen Kirche.

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Foto links: Eine Prozession anlässlich der „dukhrana", dem Gedenktag des heiligen Thomas in der Nähe der diesem Heiligen geweihten Kirche in Palayur, Bundesstaat Kerala.
Foto rechts: Marienverehrung in Srinagar, Bundesstaat Jammu und Kashmir.

Wie äußert sich Ihre Verehrung des heiligen Thomas?
   
Nach den Festen unseres Herrn, Weihnachten und Ostern, und nach den Festen der seligen Jungfrau Maria - Maria Unbefleckte Empfängnis, Mariä Geburt und Mariä Himmelfahrt -, ist das wichtigste Hochfest in der syro- malabarischen Kirche die „dukhrana", der Gedenktag des heiligen Thomas. Wir feiern ihn in der ganzen Welt; auch in Saudi-Arabien, wo keine offiziellen Zelebrationen gehalten werden dürfen. Mehr als 300 Gläubige haben sich an einem privaten Ort versammelt, mich angerufen und um einen Segen gebeten. Der Über- lieferung nach gründete der heilige Thomas in Indien 7 Gemeinschaften. Diese Orte sind Pilgerziele geworden. Und am ersten Sonntag nach Ostern wird das Fest des heiligen Thomas gefeiert, der die Seite Jesu berührt. Es ist ein großes Fest, an dem auch viele Hindus teilnehmen.
Kardinal Levada hat beim letzten Synod der Orientalischen Kirchen angekündigt, dass er die orientali- schen Patriarchen bezüglich einer möglichen Reform der Ausübung des Petrusdienstes konsultieren werde. Was schlagen Sie hinsichtlich der Beziehungen zu den orientalischen Kirchen vor?
  
Die katholische Kirche hat durch den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen bereits einen Dialog zum Thema Primat begonnen. Ich denke, dass man diesen Dialog weiter vorantreiben und ein Über- einkommen mit den Kirchen des Orients finden muss, wie es in den ersten vier Jahrhunderten der Christenheit war. Damals gab es ein gemeinsames Verständnis von Primat. Nun wendet die orthodoxe Kirche ein, dass es unmöglich ist, auf die Theologie vor dem Konzil von Chalzedon zurückzugehen, weil wir kein Dokument aus dieser Epoche besitzen. Aber ich glaube, dass es auch ausgehend von den Dokumenten und Aussagen nach der Zeit von Chalzedon möglich ist, einen Dialog und eine Übereinkunft hinsichtlich des Petrusdienstes zu fin- den. Weil es den Ausdruck primus inter pares gibt. Wir brauchen alle einen Petrusdienst, der sich auf die Einheit für alle Kirchen bezieht. Ich hoffe, dass man auf der Mitte des Weges einen Punkt findet, wo sich die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen in der vollen Gemeinschaft der Kirche Christi finden.
Jahrhunderte lang musste Ihre Kirche den „Latinisierungs"-Prozessen Rechnung tragen, die ihr gegen- über in Gang gebracht wurden. Der ein oder andere hielt euch für Häretiker oder Schismatiker, weil ihr eure Gebete hattet, eure Liturgien, und weil ihr nicht lateinisch gesprochen habt. Ist diese Mentalität noch heute spürbar?
  
Die Denkweise hat sich sehr geändert, auch in der lateinischen Kirche, bei den Theologen, dem Großteil der Bischöfe, und am Apostolischen Stuhl. Pater Placid Podipara CMI, ein renommierter Theologe und Historiker unserer Kirche, hat gesagt, dass die syro-malabarische Kirche aus Glauben christlich ist, hinduistisch aus Kul- tur und orientalisch im Kult. Leider haben das die Missionare, die im 16. Jahrhundert gekommen sind, nicht verstanden. Sie hatten keine bösen Absichten, taten nur das, was damals üblich war. Aber jetzt kann das, was in ihren Augen falsch war, wieder hergestellt werden. Das ist es, was das II. Vatikanische Konzil besagt. Es hat sich viel geändert, aber dort, wo es diese Veränderung nicht gegeben hat, gibt es Probleme. Und das passiert mit der Mentalität einiger lateinischer Bischöfe. Auch zum Papst habe ich gesagt: „Heiliger Vater, es gibt sehr viele lateinische Bischöfe, die die Ekklesiologie der Gemeinschaft korrekt verstehen, aber es gibt auch andere…“

 Das Sakrament der Firmung    ind-sy-GeorgeAlencherryFirm

Die Liturgie war für die historische Kontinuität Ihrer Kirche sehr wichtig. Wie beurteilen Sie die Bedeu- tung, die der Liturgie im Lehramt des derzeitigen Papstes beigemessen wird?
  
Das Lehramt des derzeitigen Papstes ist wirklich dabei, die Kirche unserer Zeit zu retten. Es gibt viele Ab- weichungen, die in unsere Kirche eingedrungen sind, manchmal im Namen des II. Vatikanischen Konzils, das oft falsch interpretiert wurde. Von den Personen nämlich, die sich bei zweitrangigen Dingen aufhalten und das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Der Papst dagegen will dem folgen, was das II. Vatikanische Konzil wirklich sagen wollte. Und wenn es ihm nach und nach gelingen wird, diese Dinge durchzusetzen, wird die Kirche wirklich vereint sein. Maßlosigkeit und Verweltlichung sind in der Kirche wirklich weit verbreitet, be- sonders in Europa, und deshalb braucht dieser Prozess seine Zeit. Aber es ist die Absicht des Papstes, und die syro-malabarische Kirche ist auf seiner Seite.
Aber es hat auch in der syro-malabarischen Kirche hitzige Debatten gegeben: die „Chaldäisierer" wollen das traditionelle liturgische Erbe vollkommen zurückerlangen, die „Latinisierer" halten das für traditio- nalistischen Asthetizismus...
  
Es spielt doch gar keine Rolle, ob etwas chaldäisch ist, oder europäisch, oder von irgendeinem anderen Ort kommt: was gültig ist, ist gültig. Manche aber sind infolge der Latinisierung zu der Überzeugung gelangt, dass das, was zur westlichen Kultur gehört, gut ist, und das, was aus dem Orient kommt, eben nicht. Dieser Ein- druck wurde von der Latinisierung geschaffen, der wir drei Jahrhunderte lang unterworfen waren. Auch wenn die Weltkirche uns mit dem II. Vatikanischen Konzil die Freiheit zurückgegeben hat, die gültigen Elemente unseres Erbes zurückzugewinnen, hat sie ein großer Teil der Kirche vergessen und verspürt kein Bedürfnis mehr nach ihnen. Sie sagen: machen wir weiter mit dem, was wir jetzt haben, und wenn wir noch etwas brauchen, dann nehmen wir es von der lateinischen Kirche. Das ist ihre Einstellung. Andere wieder meinen, dass wir, um weiter das sein zu können, was wir sind, zunächst das wiedererlangen müssen, was uns ge- nommen wurde und verloren gegangen ist.
   Ich werde in meinem Amt versuchen, mehr Einheit zu schaffen und auch eine gewisse Uniformität bei den liturgischen Feiern. Nicht eine integrale Uniformität, sondern eine Einheit im Wesentlichen, die Schritt für Schritt bewerkstelligt werden muss. Allmählich. So gab es ja in der lateinischen Kirche auch den einen oder anderen, der sagte, dass wir auf die Wand blickend zelebrieren. Aber nach Osten blicken bedeutet nicht, auf die Wand zu blicken. Es bedeutet, in die Richtung zu blicken, von der der Herr kommt. In der Theologie un- serer Kirche bieten Volk und Zelebrant Gott Vater - nach Osten gewandt - gemeinsam das Opfer dar.
Indien ist dabei, zu einer Art geo-ökonomischer Supermacht zu werden. Es gibt neue Probleme. Wie wirkt sich das auf Ihre Pastoralarbeit aus?
  
Die sich verändernde Welt verändert auch uns. Unsere Gläubigen wandern aus, um zu studieren, um Arbeit zu suchen. Nur ein Drittel lebt in den Ursprungsdiözesen. Circa zwei Drittel sind in die Großstädte ausge- wandert. In Amerika und Europa gibt es syro-malabarische Ärzte, Unternehmer. Kaufleute, die die soziale Leiter hochgeklettert sind. Wenn die universale Jurisdiktion über unsere Gläubigen anerkannt wird, können wir aus dieser Energie Nutzen ziehen, ihre Kraft wirklich in den Dienst der Weltkirche stellen. Sonst wird das, was wir verlieren, auch die universale Kirche verlieren. Und wenn unsere Gläubigen zu unserem geistlichen Erbe keinen Zugang mehr haben, werden sie den geistlichen Sinn in den Gruppen der Pfingstbewegung oder in ähnlichen Realitäten suchen. Und das passiert bereits. Wir sind dabei, unsere Gläubigen zu verlieren. Sie kommen aus Indien in den Westen, finden jemanden, der ihnen sagt: warum musst du in die Kirchen der Lateiner gehen? Komm mit uns, lasst uns gemeinsam beten.  Wir haben viele verloren. Wir machen uns Sorgen, und diese Sorge haben wir auch den vatikanischen Dikasterien unterbreitet. Alle scheinen zu ver- stehen, was wir sagen wollen, aber letztendlich werden doch keine Entscheidungen getroffen. Man muss viele Personen konsultieren, und so vergeht viel Zeit. Und die Dinge laufen immer schlechter. Viele scheinen nicht zu verstehen, dass wenn die syro-malabarische Kirche wächst und gedeiht, auch die Weltkirche wächst und gedeiht. Weil jede Teilkirche für die universale Kirche ist. Und auch die lateinische Kirche ist eine Teilkirche. Manche dagegen meinen, „universal" wäre gleichbedeutend mit „lateinisch". Das ist natürlich nicht die offi- zielle Lehre. Kein ernsthafter Theologe denkt das. Aber es ist die Mentalität vieler, und sie schafft Probleme.
Erst kürzlich wurde an der Päpstlichen Universität Gregoriana ein wichtiger internationaler Kongress über die sogenannte Anaphora von Addai und Mari abgehalten. Was macht diese Anaphora unter einem ökumenischen und liturgischen Aspekt so besonders?
  
Die Anaphora von Addai und Mari ist die älteste Anaphora der Weltkirche. In ihr nehmen wir die einfachste Theologie der Evangelien wahr, das ursprünglichste Verständnis des Geheimnisses Christi, ohne die später dazugekommenen lehrmäßigen Formeln. Ebenso wie das Evangelium nach Markus das einfachste Evangelium ist, so ist die Liturgie von Addai und Mari die einfachste Liturgie. Und wenn wir sie feiern, erfahren wir gemein- sam, dass Jesus gegenwärtig, in unserer Mitte ist. Auch die Erwartungen und die Fürbitten der Kirche sind sehr gut in die Anaphora eingebaut. Sie enthält die Gebete für die Schwachen, die Unterdrückten, die Ge- quälten, die Armen und die Flüchtlinge. Sie hat also die Schönheit der Einfachheit. Die Anaphora von Addai und Mari wird in der assyrischen Kirche des Orients gebraucht, und hat das Merkmal, dass in ihr nicht in ausdrück- licher Weise die Einsetzungsworte enthalten sind, die Worte Jesu beim Letzen Abendmahl („Nehmt und esst, das ist mein Leib... Nehmt und trinkt, das ist mein Blut... Tut dies zu meinem Gedächtnis!"). Auch die syro- malabarische Kirche hat bis zum 16. Jahrhundert die traditionelle Form dieser Anaphora benützt, ohne Interpolation. Aber die lateinischen Theologen waren der Meinung, dass es ohne die Einsetzungsworte keine wahre Konsekration gebe, und betrachteten die Anaphora von Addai und Mari folglich als nicht gültig. Im Jahr 2001 hat der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen dann aber - mit Zustimmung der Kon- gregation für die Glaubenslehre - die Gültigkeit dieser Anaphora anerkannt, die seit undenklichen Zeiten auch in unserer Qurbana benützt wurde, dem eucharistischen Opfer im malabarischen Ritus.

ind-sy-GeorgeAlencherry-x-       Kardinal Mar George Alencherry: Verbundenheit mit Ostkirchen

   Er ist, vereinfacht gesagt, einer der „Exoten“ im Reigen der neuen 22 Kardinäle. Der indische Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly, Kardinal Mar George Alencherry, einer der beiden Kardinäle unter den neuen Pur- purträgern, die aus Asien kommen. Alencherry ist das Oberhaupt von fast vier Millionen Gläubigen der syro- malabarischen Kirche, die vor allem im indischen Bundesstaat Kerala leben. Alencherry ist der erste syro-mala- barische Großerzbischof seiner Kirche, der nicht vom Papst, sondern von einer Bischofssynode ernannt wurde. Die Berufung des Großerzbischofs ins Kardinalkollegium ist Zeichen der Verbundenheit des Papstes mit der syro-malabarischen Kirche, einer der größten mit Rom unierten Ostkirchen.
   Katholizismus in Indien muss man sich vielfältiger vorstellen als hierzulande, zumindest was die Liturgie an- geht: Die syro-malabarischen Christen haben es mit einem Mix katholischer Riten zu tun. Die römische Liturgie war über Missionare in Kolonialzeiten in das Land eingeführt worden, erzählt Kardinal Alencherry im Gespräch mit Radio Vatikan:
   „Wegen dieses Einflusses haben wir in unserer Kirche nicht nur den syro-malabarischen Ritus, es gibt einen Mix mit der römischen Liturgie. Und um diese einzelnen katholischen Kirchen zusammenzuhalten, haben wir die Konferenz der katholischen Bischöfe Indiens (CBCI), die zum Beispiel im Bereich der Mission zusammen- arbeitet. Da wird auch manches Mal diskutiert, aber wir halten zusammen.“
   Großerzbischof Alencherry wurde als erstes syro-malabarisches Kirchenoberhaupt von einer Bischofssynode gewählt. Möglich wurde dies mit der Anerkennung der syro-malabarischen Kirche als autonomer Teilkirche – im Kirchenjargon „sui iuris“ – unter Papst Johannes Paul II.. Bei Fragen der Jurisdiktion sei der Vatikan sehr umsichtig vorgegangen, so Kardinal Alencherry:
   „Wir haben uns ja immer die Anerkennung unserer Kirche als autonom gewünscht, und die haben wir im Jahr 1998 bekommen. Aber wegen der Lateinisierung aus früheren Zeiten waren Fragen zur Einheit in unserer Kirche aufgetaucht - in Bezug auf die Liturgie und andere Traditionen. Um uns immer mehr zu vereinen, ging der Heilige Stuhl mit Bedacht vor: Er übertrug uns Schritt für Schritt Kompetenzen, was die Liturgie, die Kirchenverwaltung und schließlich auch die Wahl der Bischöfe betrifft.“
   Dem Kardinal liegt es am Herzen, dass die Vielfalt der katholischen Riten für die Gläubigen in seinem Heimat- land kein Hindernis ist – etwa bei Heiraten oder beim Wunsch, die Kinder mit mehreren Liturgieformen auf- wachsen zu lassen. Auf diese Bedürfnisse müsse man reagieren, appelliert der Kardinal, der sich mehr Flexi- bilität im Umgang mit solchen Gläubigen wünscht:
   „Dialog wird die Situation sicher verbessern. Die lateinischen Bischöfe denken immer an eine territoriale Jurisdiktion. Sie denken, dass das Territorium ihnen gegeben ist und niemand anderer das Recht hat, irgend- etwas darauf zu tun, und dass eben alles durch sie geschehen solle. Unserer Tradition nach können die Dinge ja nur durch unsere Priester und Bischöfe gemacht werden. Das ist wirklich ein Problem.“
   Der Papst sollte im postsynodalen Schreiben zur Nahost-Bischofssynode vom Oktober 2010, das Benedikt XVI. schon im Herbst diesen Jahres bei einer Reise in den Libanon übergeben könnte, das Problem der Zu- sammenarbeit der Gläubigen verschiedener katholischer Riten ansprechen, meint der neue indische Kardinal:
   „Die Kirche muss dieses Problem angehen, denn die Weltkirche ist eine Vereinigung individueller Kirchen. Auch wenn einige dieser individuellen Kirchen sehr kleine Gemeinschaften sind, müssen wir sie schützen und ihr Erbe wertschätzen. Wir müssen sie in der universellen Kirche halten, und es ist Aufgabe der lateinischen Bischöfe und Kirchen, sie zu beschützen.“
   Als positives Beispiel des Dialoges zwischen Kirchen verschiedener katholischer Riten nennt der Kardinal die USA und Australien. In anderen Ländern sei man dagegen in diesem Feld nicht sehr offen. Ein Datum für einen Libanon-Besuch des Papstes steht noch nicht fest. Rv120220pt

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„Hier gibt es keine Christenverfolgung“ – Kardinal Sandris Reise ins indische Kerala

   Mit guten Nachrichten ist Kardinal Leonardo Sandri Foto, Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, von einer Reise ins südwestindische Kerala nach Rom zurückgekehrt. In dem Bundesstaat leben anteilmäßig die meisten Christen ganz Indiens; neben Hindus und Muslimen machen Christen in Kerala immerhin rund ein Fünftel der Bevölkerung aus. Diskriminierung oder Verfolgung von Christen wie vor einigen Jahren im ostindi- schen Orissa gibt es hier nicht. Im Vergleich zu anderen Bundesstaaten herrscht in Kerala keine drastische Armut, auch das Bildungs- und Gesundheitssystem ist relativ gut ausgebaut. Kardinal Sandri, der auf Einla- dung lokaler christlicher Gemeinschaften nach Kerala kam, nennt die Regierung des indischen Bundeslandes „sehr offen und achtsam“. „Und zwischen den religiösen Konfessionen sowie Indiens großen Religionen wie dem Hinduismus und dem Islam herrschen Kooperation, gutes Zusammenleben und gegenseitiger Respekt. Es gibt hier nicht solche Gewalteskapaden, Verfolgungen und Unsicherheiten, wie es sie in anderen Regionen des Landes gab.“ Rv120120

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Foto links: Peter Kardinal Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden
Foto rechts: Oswald Kardinal Gracias, Erzbischof von  Mumbay: Kooperation statt Korruption

   Die indische Bischofskonferenz will mithelfen, die grassierende Korruption im Subkontinent zu bekämpfen. Das haben die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung beschlossen, wie der indische Kardinal Oswald Gracias im Gespräch mit Radio Vatikan sagt. Der Erzbischof von Bombay erinnert daran, dass die Korruption in seinem Land die Mitschuld trage an Armut und Ineffizienz.
   „Im Augenblick braucht unser Land eine gute Regierungsführung auf allen Ebenen. Dazu können wir als katholische Kirche Einiges beitragen. Durch unsere Schulen beispielsweise können wir bei der Ausbildung mit- helfen, den Sinn für die Gemeinschaft zu fördern. Es geht also darum, dass die Inder lernen, gute Bürger zu sein. Dazu braucht es ethische und moralische Standards, die von allen geteilt werden. Übrigens: das gute Beispiel möchten wir selber machen und unsere eigenen Führungskräfte in Institutionen überprüfen.“
   Mit mehr Transparenz wolle die Bischofskonferenz zeigen, dass es sich lohne „ehrlich für alle“ zu arbeiten, fügt Kardinal Gracias an. Indien sei zusammen mit China im Augenblick das Land mit den höchsten Wirt- schaftswachstumszahlen.
   „Doch Fakt ist, dass die Schere zwischen armen und reichen Menschen mehr und mehr auseinander geht. Es gibt zwar immer mehr Inder, die von dem Wachstum profitieren, doch das betrifft Bürger, die bisher schon besser gestellt waren. Die wahren Armen bleiben weiterhin arm oder werden sogar noch ärmer. Und da müssen wir unbedingt etwas dagegen unternehmen.“ Ihm sei bewusst, dass die katholische Kirche in Indien nicht überall gut angesehen sei. Angriffe auf Kirche und christliche Gemeinschaften sind noch in vielen Regionen Indiens aktuell.
   „Es gibt zwar weiterhin Angriffe gegen Katholiken. Das gilt insbesondere noch im Süden in Karnataka. Auch im Bundesstaat Kaschmir hatten wir jüngst solche Fälle. Doch diese Angriffe können uns nicht davon abhalten, unseren Dienst für die gesamte indische Gesellschaft anzubieten und mitzuhelfen aus Indien ein besseres Land zu machen.“
   Als Zeichen der Solidarität fand die Vollversammlung der Bischofskonferenz gerade in Bangalore im Bundes- staat Karnataka statt, wo die Christenverfolgung derzeit am stärksten verbreitet ist. Die Versammlung stand unter dem Leitwort: ,,Ein besseres Indien: Die Rolle der Kirche“. Insgesamt haben über 160 katholische Bischöfe der drei verschiedenen katholischen Riten (lateinisch, syro-malabrisch und syro-malankarisch) teil- genommen. Unter den Gästen waren der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson, sowie verschiedene indische Wissenschaftler. RV120211mg

14 katholische Bischöfe klagen über das Vorgehen der Regierung gegen Christen
im südindischen Bundesstaat Karnataka. Die Christen hatten für eine restlose Aufklärung der Angriffe auf etwa dreißig Kirchen demonstriert. Ende 2008 hatten Hindu-Fundamentalisten die Kirchen in der Region von Mangalore attackiert. Eine Untersuchung hatte damals ergeben, dass die Angriffe von der in Karnataka regierenden national-hinduistischen Partei BJP unterstützt wurden. In einem Memorandum fordern die Bischöfe vom neugewählten Premierminister Karnatakas, Sadananda Gowda (BJP), den Schutz der christlichen Minderheit und eine adäquate Untersuchung der Ereignisse von 2008.  > Hinduismus
   In den letzten vier Jahren kam es in Indien zu über 4.000 Fällen von Gewalt gegen religiöse Minderheiten. Dabei starben insgesamt 648 Menschen, über 11.000 wurden verletzt. RV111102apic

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Foto: Die Kapelle des Päpstlichen Johannes-Damascenus-Instituts - Die Ikonen hat Jakob Kooroth geschaffen
In der Mitte: ein Mosaik von Marko Ivan Rupnik

Ein Stück Indien im Herzen Roms - Das Päpstliche Johannes-Damnascenus-Institut 

   Papst Pius XII. hatte dieses Institut geplant. Heute beherbergt es 40 Priester des syro-malabarischen und syro-malankarischen Ritus. Unser Besuch gibt uns die Gelegenheit, diese beiden Riten besser kennen zu lernen, die - gemeinsam mit dem lateinischen Ritus - die katholische Kirche Indiens ausmachen: Eine der blühendsten Kirchen der Christenheit.
   Am Päpstlichen Johannes-Damascenus-Institut herrscht ein freundliches Klima. Hier leben 40 indische Priester, die in Rom ihre Studien vervollkommnen wollen. Die Priester gehören zur Kirche des heiligen Tomas, die - so die Überlieferung - vom Apostel des Herrn im äußersten Süden Indiens gegründet wurde, dem heuti- gen Bundesstaat Kerala: 31 von ihnen gehören der syro-malabarischen katholischen Kirche an. Die anderen neun der syro-malankarischen. Die 40 jungen Männer sind zwischen 30 und 35 Jahre alt und können auf eine mehrjährige Priestererfahrung zurückblicken.

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Foto links: Die Studenten des Johannes-Damascenus-Instituts mit Kardinal Leonardo Sandri, Präfekt der Glaubenskongregation für die Orientalischen Kirchen, bei der Segnung der Ikonostase am 04. Okt. 2010
Foto rechts: Ikone des heiligen Tomas im Atrium des Johannes-Damscenus-Instituts

   Geleitet wird das Institut von Pater Varghese Kurisuthara: der Syro-Malabare stammt aus Kerala. Er leitet das Johannes-Damascenus-Institut seit vier Jahren, war neun Jahre lang Vizerektor. Nach Studium und Pries- terweihe in Indien erwarb er an der "Accademia Alfonsiana" das Doktorat in Moraltheologie, eine Disziplin, die heute am Teresianum in Rom Foto unten links gelehrt wird, der theologischen Fakultät des Internationalen Kollegs der Unbeschuhten Karmeliten der heiligen Theresia von Jesus und des heiligen Johannes vom Kreuz.
    Pater Varghese gehört der Malabaren-Provinz des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten an. „Die Karmeli- ten spielten eine wichtige Rolle in der Geschichte der Tomaschristen", erläutert der Rektor. „Papst Alexander VII. unterstellte sie Mitte des 17. Jahrhunderts der Jurisdiktion der Kongregation für die Evangelisierung, um die Gläubigen zu vereinen und den kontinuierlichen Disputen zwischen den portugiesischen Missionaren und den Tomaschristen ein Ende zu setzen. Sie wurden vor allem im Staate Kerala von den indischen Christen so geschätzt, dass sich auch einheimische Karmeliten-Kongregationen von ihnen inspirieren ließen".
   Unter den Priestern des Johannes-Damascenus-Instituts befinden sich auch Studenten der Missionskongre- gation des Allerheiligsten Sakraments, der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz, der Kongregation der heiligen Theresia von Jesus, der Kongregation der Oblaten vom Heiligen Herzen, des "Order of Imitation of Christ" und der Missionsgesellschaft des Apostels Tomas.

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   Alle 40 Priester konnten dank eines Stipendiums der Kongregation für die Orientalischen Kirchen nach Rom kommen. Einige wollen hier ihr Lizentiat erwerben, der Großteil aber das Doktorat: 13 Studenten besuchen die Vorlesungen in Kirchenrecht und orientalischer Liturgie am Päpstlichen Orientalischen Institut Foto oben rechts. Die anderen studieren vor allem Theologie und Philosophie an den anderen Päpstlichen Universitäten. „Das von Papst Pius XII. gewollte Institut, das am 4. Dezember 1940 eingeweiht wurde, hat seine Entstehung der Notwendigkeit zu verdanken, nicht nur für die Priester der Orientalischen Kirchen, die ohne eigene Aus- bildungshäuser waren, eine Unterkunft zu schaffen, sondern auch für jene Priesterkandidaten, die ihren Priesterdienst im Orient ausüben wollten. Damals gab es in dieser päpstlichen Hochschule noch keine Inder", weiß Pater Varghese zu berichten. „Der Papst wollte das Institut nach Johannes von Damaskus benennen - wegen der Treue dieses heiligen Kirchenlehrers zum Papsttum und seiner besonderen Verehrung der Muttergottes".
   Die indischen Seminaristen und Priester bewohnten damals einen Hügel des Päpstlichen Kollegs "Russicum". Als das kommunistische Regime rumänischen Priestern verbot, nach Rom zu kommen, wurden die indischen Seminaristen ans Rumänische Kolleg "Pius" verlegt. 1993 übernahm das Institut eine ehemalige Klinik, einge- pfercht in die engen Gassen zwischen den Basiliken St. Johann im Lateran und "Santa Croce in Gerusalemme." Die Kongregation für die Orientalischen Kirchen hatte das Gebäude erworben und vollkommen umgebaut.
   Das Johannes-Damascenus-Institut untersteht dem Präfekten der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Kardinal Leonardo Sandri. Seit dem akademischen Jahr 1996-1997 ist es ausschließlich den Alumnen vorbehalten, die der syro-malabarischen und der syro-malankarischen katholischen Kirche angehören.

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 Foto links: Die Messe im syro-malabarischen Ritus in der römischen Kirche "St. Maria in Portico in Campitelli".
Foto rechts: Der Rektor des Johannes-Damscenus-Institutes Pater Varghese Kurisuthara

Ein Institut für zwei Kirchen
   Der Tag am Institut beginnt - wie uns der Rektor erklärt - mit der Morgenmesse um 6.30 Uhr. Sie wird in den jeweiligen Kapellen in beiden Riten gefeiert: in der größeren Kapelle die Messe für die Malabaren im syro- malabarischen Ritus; in der kleineren die für die Malankaren im syro-antiochenischen Ritus. „Wir feiern die Messe alle zusammen auch im lateinischen Ritus. Es ist eine Art "Übung" für später, wenn sie sonntags in den römischen Pfarreien, auch an Weihnachten oder zu Ostern, die Messe zelebrieren. Oder wenn die indischen Priester des syro-antiochenischen Ritus im Sommer in den Pfarreien in Italien und in Deutschland aushelfen". Davon, dass die Küche des Instituts exzellent ist, können wir uns selbst überzeugen: zweimal in der Woche wird indisch gekocht, die übrige Zeit italienisch.
   Wir fragen Pater Varghese, was diesen Priestern nach ihrer Rückkehr in die Heimat bevorsteht. „Ein Teil von ihnen wird in den Priesterseminaren unterrichten, ein anderer wird in der bischöflichen Kurie, in der Jugend- pastoral und Katechese der Diözese eingesetzt. Wieder andere werden Pfarrer".
   Im indischen Bundesstaat Kerala leiten die syro-malabarischen und syro-malankarischen Gläubigen sehr viele katholische Schulen aller Art, an denen die normale staatliche Schulbildung erworben werden kann. „Die Kosten gehen zum Großteil zu Lasten der Kirchen. Wegen des hohen Bildungsniveaus, das an diesen Schulen angeboten wird, werden sie nicht nur von Katholiken, sondern auch von vielen Hindus besucht. Und dass Kerala der indische Bundesstaat mit dem höchsten Bildungsniveau ist, hat er vor allem den katholischen Schu- len zu verdanken". In Indien machen die Katholiken (des lateinischen, syro-malabarischen und syro-malanka- rischen Ritus) insgesamt 17 Millionen aus: das sind nicht einmal 2% der indischen Bevölkerung.
   Die drei Kirchen leiten insgesamt 25.000 Schulen – darüber hinaus Tausenden von Häusern für Witwen und Waisen, Hospizen für Leprakranke und Aids-Kranke, Krankenhäusern und Altenheimen. Der Bundesstaat Kerala, wo die Christen 22 % der Bevölkerung ausmachen, kann sich des höchsten Bildungsniveaus ganz Indiens rühmen - und das gilt auch für die Ausbildung der Mädchen. Er ist auch der "belesenste" Staat Indiens: Seit 2008 wird dank der Unbeschuhten Karmeliten der Malabar-Provinz in der Ortssprache Malayalam auch eine Wochenausgabe des Osservatore Romano gedruckt. Und schließlich ist Kerala auch der Bundes- staat, der sich für einen starken religiösen Pluralismus auszeichnet: ein Beispiel also für ein funktionierendes Zusammenleben.
   „An den katholischen Schulen, die allen offenstehen, wird der übliche staatliche Lehrplan angeboten. Darüber hinaus gibt es Sonderkurse für die christlichen Schüler, beispielsweise in Glaubenslehre, Ethik und Sittenlehre."
   Was ist der Grund für die Vitalität der syro-malabarischen Kirche, die mit ihren mehr als vier Millionen Gläu- bigen die orientalische Kirche mit dem schnellsten Wachstum der gesamten Christenheit darstellt? Sie kann fast 70 % der 120.000 Priester- und Ordensberufungen des gesamten katholischen Indien auf sich verzeich- nen. In diesem Staat haben fast alle Diözesen ein Knabenseminar, und es ist eine der wenigen Regionen, die in der Lage sind, Priester und Ordensschwestern zu "exportieren".

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Foto: Schüler des Knabenseminars Saint Paul in der Diözese Irinjalakuda, Bundesstaat Kerala.

   „Die Ursache dafür ist in den Familien zu suchen, in denen dem Angelusgebet, dem Rosenkranz und der Besuch der heiligen Messe ein großer, bedeutender Stellenwert gegeben wird", verrät uns der Rektor. „Eltern und Großeltern bringen ihren Kindern sehr früh das Kreuzzeichen und die ersten Gebete bei. Es wird ihnen praktisch schon mit der Muttermilch mitgegeben. Die Familie ist also ein günstiges Umfeld für das Wachsen von Priesterberufungen, die in den Familien hoch geschätzt werden".

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Foto links: Studenten des Johannes-Damascenus-Instituts im Refektorium. Foto unten: Der heilige Johannes von Damaskus auf einer von Lauretta Viscardi gemalten Ikone im Atrium des Instituts.

Die Diözese Adilabad: eine blühende Kirche
   Die syro-malabarischen katholischen Priester leben in einer paradoxen Situation: obwohl ihre Kirche zu den blühendsten der gesamten Christenheit gehört, befinden sie sich außerhalb des Staates Kerala auf Missions- gebiet.„Um unsere Sendung bestmöglich erfüllen und den Gläubigen unsere Traditionen vermitteln zu können, brauchten wir unsere eigenen Eparchien. Das ist der Grund, warum wir den Heiligen Vater schon seit langem bitten, unsere Jurisdiktion über den Staat Kerala hinaus auszuweiten", erklärt uns Don Prince Panengadan Devassy, ein junger Priester, der nach Rom gekommen ist. um an der Urbaniana das Lizentiat in Bibeltheo- logie zu erwerben.
   Er kommt aus der Stadt Thrissur, wo er die Volksschule und das Gymnasium besucht hat; danach hat er zwei Jahre am Seminar in Bangalore, im Bundesstaat Karnataka, Philosophie studiert. „Später bin ich in die Mission in die Eparchie von Adilabad gegangen, im indischen Staat Andhra Pradesh."
   Adilabad ist eine der jüngsten Eparchien Indiens. Papst Johannes Paul II. hat sie am 23. Juni 1999 ge- schaffen. Davor gehörte sie zur Diözese Chanda in den Staaten Maharashtra und Andhra Pradesh. Eine Diö- zese mit zwei verschiedenen Sprachen und Kulturen also. Die ersten syro-malabarischen Priester kamen 1962 nach Adilabad und gründeten dort Schulen für Mädchen und die Kinder der Ärmsten der Armen.

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Foto links:  Kinder in der katholischen Schule von Champakulam, im Bundesstaat Kerala, beim Mittagessen;
Foto rechts: Eine Taufe in der Kirche Saint Alex (Calangute, Bundesstaat Goa).

   In den Dörfern arbeiteten die Missionare intensiv daran, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbes- sern. Vor allem im Bereich des Gesundheitswesens und der Ernährung. Und viele Menschen haben sich, ange- zogen von dem wunderbaren Zeugnis der Missionare, für das christliche Leben entschieden. Heute zählt die Kirche von Adilabad 15.000 Katholiken, 60 indische Priester, 24 davon Diözesanpriester; 7 einheimische junge Männer fühlen sich zum priesterlichen Dienst berufen.
   Don Prince konnte sich mit eigenen Augen von diesem schönen Zeugnis überzeugen. „Um mit den Menschen kommunizieren zu können, musste ich ihre Sprache lernen. Bei uns in Kerala spricht man Malayalam. Im Bundesstaat Andhra Pradesh dagegen Telugu. Auch die Schriftsprache ist vollkommen anders", erzählt er.
   Nach der Zeit in Adilabad ging Don Prince in den Norden, nach Madhya Pradesh, wo er vier Jahre lang Theo- logie studierte. Nach seiner Priesterweihe kehrte er für 2 Jahre wieder nach Adilabad zurück. Wir fragen ihn, was es bedeutet, inmitten einer Masse von Hindus und einer großen Zahl von Muslimen Missionsarbeit zu leisten. ..Das ist das Wunder der indischen Kultur. Indien ist ein Land, in dem verschiedene Religionen ent- standen und alle Religionen der Welt Aufnahme gefunden haben. Die Inder sind tolerant, friedliebend und aufgeschlossen. Die anderen Religionen respektieren und das Gute mit offenen Armen annehmen, ganz egal, woher es kommt, ist typisch für die indische Kultur. Jeder hat die Freiheit, sich die Religion auszusuchen, die ihm zusagt", meint der junge Priester weiter. „Für uns bedeutet Mission vor allem, die Dörfer in den weiten Landgebieten zu besuchen, deren Einwohner einfache Bauern und Viehzüchter sind. Wir sprechen mit ihnen nicht über Jesus und das Evangelium, sondern beschränken uns darauf, die Kranken und Armen zu betreuen. Wir bitten die Eltern dann, uns ihre Kinder anzuvertrauen, damit wir ihnen eine kostenlose Bildung geben kön- nen. Sie sind fast immer einverstanden. Wir nehmen diese Kinder an unseren Schulen auf und geben ihnen so eine schulische Grundausbildung. Das ist die erste Phase der Mission. Also jene, in der wir versuchen, eine starke Beziehung zu den Menschen aufzubauen, indem wir ihren Bedürfnissen entgegen kommen. Viele Missionare haben sich dafür eingesetzt, die abgelegenen Dörfer mit Strom und Wasser zu versorgen.

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Das Letzte Abendmahl. Die von Jacob Kooroth gemalte Ikone wird im Refektorium des Instituts aufbewahrt.

   Erst wenn es uns gelungen ist, eine auf gegenseitiges Vertrauen gegründete Beziehung aufzubauen versuchen wir, ihnen die Bedeutung der Menschenwürde und der Menschenrechte klar zu machen. Manchmal helfen wir auch, sie aus ungerechten Situationen der Ausbeutung zu befreien", sagt Don Prince Panengadan Devassy. „Wenn wir erst einige Zeit in den Dörfern und an den Schulen tätig waren, kommt es oft vor, dass uns die Leute nach unserer Religion und nach unserem Gott fragen. Erst dann sprechen wir von Jesus. Wir verkünden Jesus nicht mit dem „Schwert", versuchen niemanden dazu zu überreden, sich zu bekehren. Aber wir versuchen, durch unser Leben Zeugnis abzulegen für Jesus: indem wir zeigen, dass wir alle Menschen lieben, ohne Unterschied. Diese Lebensart zieht die Menschen an. Sie fragen uns, wie wir es schaffen, alle anzunehmen, Reich und Arm; wer Jesus wirklich ist, und was das Evangelium ist. Um das Verständnis unseres Glaubens zu erleichtern, zeigen wir manchmal in einem Saal oder auf dem Dorfplatz einen Film über das Leben unseres Herrn, da hier kaum jemand einen Fernseher hat. Das Schöne ist, dass viele dieser Menschen, vor allem die Kinder, die persönliche Erfahrung Jesu machen. Dank der Gebete, dank der persönlichen Beziehung zu Ihm sehen sie nämlich eine Entsprechung zu ihrem Leben, finden Antwort auf ihre Fragen, wie es nie zuvor der Fall war. Gewiss, viele von ihnen wollen nichts von Christus wissen. Wenn sie aber doch ja sagen, dann empfangen sie einen Glauben, der unglaublich stark ist. Wir bekehren also niemanden: die Menschen selbst sind es, die sich unter dem Wirken der göttlichen Gnade bekehren. Es ist ihre eigene Entscheidung. Und in diesem Kontext garantiert der Staat den Menschen die Freiheit, sich ihre Religion selbst auszusuchen. Das ist die dritte Phase der Mission", meint Don Prince abschließend. „Natürlich kommen nicht alle Menschen, die von uns betreut werden, an demselben Punkt an. Viele bleiben bei der ersten oder zweiten Phase stehen. Das kann uns aber nicht davon abhalten, unseren Dienst zu tun. Wir dienen diesen Menschen weiter: unsere Aktivität zielt nämlich nicht auf die Bekehrung ab, die Werk des Heiligen Geistes ist, sondern darauf, einen respektvollen und freien Vorschlag zu machen".
   In der Zwischenzeit ist Benedict Kurian von der syro-malankarischen katholischen Kirche dazugekommen. Er stammt aus der Eparchie Mavelikara. Suffragansitz der Erzeparchie Trivandrum. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 2002 war er 4 Jahre lang in Amburi, im Bundesstaat Kerala, als Pfarrer tätig. Seit 2007 ist er in Rom, wo er Orientalisches Kirchenrecht studiert und an seiner Doktorarbeit über die Rechte und Pflichten der Laien arbeitet. „Rom gefällt mir sehr. Auch weil wir die Geschichte des Römischen Reiches schon in der Schule in Indien studiert haben", meint er.
   Wir fragen ihn, was an den syro-malankarischen Katholiken, die erst 1930 zur Gemeinschaft mit Rom zurück- gekehrt sind, so besonders ist. „Der Unterschied zu unseren malabarischen Brüdern liegt allein in der Liturgie; die unsrige ist die syro-antiochenische. Die der syro-malabarischen Kirche dagegen entstammt der chaldäi- schen Tradition. Eine Besonderheit unserer Liturgie besteht darin, dass der Priester die Messe immer zum Altar gerichtet zelebriert, und dass unsere Gläubigen sehr viel Wert auf die liturgische Tradition legen", erklärt Don Benedict.
   „Die Wiedervereinigung mit dem Nachfolger Petri, dem Papst, haben fünf Personen zustande gebracht. Heute sind wir 500.000. In unserer Kirche sind auch zwei Frauenorden entstanden: die "Sisters of the Imitation of Christ" und die "Daughters of Mary"; und ein Männerorden: der "Order of Imitation of Christ".
   Wir syro-malankarischen Gläubigen haben dieselbe apostolische Tradition, dieselbe Herkunft wie die syro- malabarischen Gläubigen. Wir sind auch die Erben der Tomaschristen. Und ebenso wie unsere malabarischen Brüder und Schwestern bitten auch wir die Heilige Mutter Kirche von Rom, uns dabei zu helfen, unsere Jurisdiktion auszuweiten".
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