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„Wir sind zur Ewigkeit berufen“. Botschaft des Heiligen Vaters zum XXV. Weltjugendtag am 28. März 2010: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Mk 10,17 Glauben bedeutet, das Glück am eigenen Leib zu erfahren - auch das ist eine Botschaft der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. im Sommer 2008 während des Weltjugendtags in Sydney.
Liebe Freunde! In diesem Jahr begehen wir zum 25. Mal die Einrichtung des Weltjugendtages, den der verehrungswürdige Johannes Paul II. als jährliche Begegnung junger Gläubiger aus der ganzen Welt wollte. Es war eine prophetische Initiative, die reiche Früchte gebracht hat, indem sie den neuen christlichen Generationen ermöglichte, einander zu begegnen, auf das Wort Gottes zu hören, die Schönheit der Kirche zu entdecken und starke Glaubenserfahrungen zu erleben, die viele zu der Entscheidung geführt haben, sich ganz Christus hinzugeben. Dieser 25. Weltjugendtag stellt eine Etappe auf dem Weg zum nächsten Weltjugendtreffen dar, das im August 2011 in Madrid stattfinden wird, wo Ihr, so hoffe ich, zahlreich zusammenkommen werdet, um dieses gnadenvolle Ereignis zu leben. Um uns auf diese Feier vorzubereiten, möchte ich Euch einige Betrachtungen zum Thema dieses Jahres vorschlagen: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" Mk 10,17, das aus der Episode des Evangeliums über die Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling stammt; ein Thema, das bereits 1985 von Papst Johannes Paul II. in einem wunderschönen Schreiben angesprochen wurde, das sich zum ersten Mal an die Jugendlichen richtete. 1. Jesus begegnet einem jungen Mann „Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, - heißt es im Evangelium des heiligen Markus - lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen" Mk 10,17- 22. Diese Erzählung bringt auf deutliche Weise die große Aufmerksamkeit zum Ausdruck, die Jesus den Jugendlichen, Euch, Euren Erwartungen, Euren Hoffnungen entgegenbringt, und sie zeigt, wie groß sein Wunsch ist, Euch persönlich zu begegnen und mit jedem von Euch in einen Dialog zu treten. Christus unterbricht seinen Weg, um die Frage seines Gesprächspartners zu beantworten, und zeigt seine volle Disponibilität gegenüber diesem jungen Mann, der von dem glühenden Wunsch bewegt wird, mit dem „guten Meister" zu reden, um von Ihm zu lernen, der Straße des Lebens zu folgen. Mit diesem Abschnitt aus dem Evangelium wollte mein Vorgänger jeden von Euch auffordern, „euer eigenes Gespräch mit Christus zu führen - ein Gespräch, das von grundlegender und wesentlicher Bedeutung für einen jungen Menschen ist" Dilecti amici, Nr. 2. 2. Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb Im Bericht des Evangeliums hebt der heilige Markus hervor, dass „Jesus ihn ansah und ihn heb gewann" vgl. Mk 10,21. Im Blick des Herrn hegt der Kern dieser ganz besonderen Begegnung und der gesamten christlichen Erfahrung. Tatsächlich ist das Christentum nicht in erster Linie eine Moral, sondern die Erfahrung Jesu Christi, der uns persönlich liebt, jung oder alt, arm oder reich; er liebt uns, auch wenn wir ihm den Rücken zukehren. Bei der Auslegung dieser Szene, sagte Papst Johannes Paul II. dann weiter, an die Jugendlichen ge- wendet: „Ich wünsche euch, diesen Blick Jesu erleben zu dürfen! Ich wünsche euch, die Wahrheit zu erfahren, dass er, Christus, euch in Liebe anblickt!" Dilecti amici, Nr. 7. Eine Liebe, die am Kreuz auf so vollkommene und vollständige Weise sichtbar geworden ist, dass der heilige Paulus voller Staunen schreibt: „Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben" vgl. Gal 2,20. „Das Bewusstsein, dass der Vater uns immer schon in seinem Sohn geliebt hat - schreibt Papst Johannes Paul II. weiter -, dass Christus selbst einen jeden ohne Unter lass liebt, (wird) zu einem festen Halt für unsere gesamte menschliche Existenz" Dilecti amici,Nr. 7 und erlaubt uns, alle Prüfungen zu überwinden: die Entdeckung unserer Sünden, das Leid, die Entmutigung. In dieser Liebe findet sich die Quelle des ganzen christlichen Lebens und der fundamentale Grund der Evangelisierung: Wenn wir Jesus wirklich begegnet sind, können wir gar nicht anders, als vor denen Zeugnis für ihn abzulegen, die seinem Blick noch nicht begegnet sind! 3. Die Entdeckung des Lebensentwurfs In dem jungen Mann des Evangeliums können wir einen Zustand ausmachen, der dem eines jeden von uns sehr ähnlich ist. Auch Ihr seid reich an guten Eigenschaften, an Energie, an Träumen; an Hoffnungen: Reich- tümer, die Ihr in Fülle besitzt! Schon Euer Alter stellt einen großen Reichtum dar, nicht nur für Euch, sondern auch für die Anderen, für die Kirche und für die Welt. Der reiche Jüngling fragt Jesus: „Was muss ich tun?". Die Lebensphase, in der Ihr Euch gerade befindet, ist eine Zeit der Entdeckungen: der Gaben, die Gott Euch gespendet hat und Eurer Verantwortlichkeiten. Es ist gleichzeitig eine Zeit der Grundentscheidungen, um Euren Lebensentwurf zu entwickeln. Es ist also der Moment, Euch über den echten Sinn des Daseins Fragen zu stellen, Euch zu fragen: „Bin ich zufrieden mit meinem Leben? Fehlt da etwas?" Wie der junge Mann aus dem Evangelium erlebt vielleicht auch ihr Situationen der Unbeständigkeit, der Verwirrung oder des Leidens, die Euch dazu führen, auf ein Leben zu hoffen, das nicht mittelmäßig ist, und Euch zu fragen: „Worin besteht ein gelungenes Leben? Was soll ich tun? Was könnte mein Lebensentwurf sein?„Was muss ich tun, damit mein Leben seinen vollen Wert und Sinn habe?"ebd.Nr.3. Habt keine Angst, Euch diese Fragen zu stellen! Weit davon entfernt, Euch zu überwältigen, bringen sie die großen Wünsche zum Ausdruck, die in Eurem Herzen sind. Daher muss man auf sie hören.Sie warten auf Ant- worten, die nicht oberflächlich sind, sondern Eure echten Lebens- und Glückserwartungen erfüllen können. Um den Lebensentwurf zu entdecken, der Euch vollkommen glücklich machen kann, horcht auf Gott, der einen Plan der Liebe für jeden von Euch hat. Fragt ihn voller Vertrauen: „Herr, was ist Dein Plan als Schöpfer und Vater für mein Leben? Was ist Dein Wille? Ich möchte ihn erfüllen." Seid gewiss, dass er Euch antworten wird. Habt keine Angst vor seiner Antwort! „Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles" 1 Joh 3,20. 4. Komm und folge mir nach! Jesus fordert den reichen Jüngling dazu auf, weit über die Erfüllung seiner Wünsche und seiner persönlichen Vorhaben hinauszugehen, und sagt zu ihm: „Komm und folge mir nach!". Die christliche Beru- fung geht aus einem Vorschlag der Liebe des Herrn hervor, und sie kann nur dank einer Antwort der Liebe verwirklicht werden: „Jesus fordert seine Jünger zur Ganzhingabe ihres Lebens auf, ohne menschliche Rechnung und Gegenrechnung, mit einem vorbehaltlosen Vertrauen in Gott. Die Heiligen nehmen diese anspruchsvolle Aufforderung an und begeben sich demütig und gefügig in die Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Christus. In der nach menschlichen Gesichtspunkten manchmal unverständlichen Logik des Glaubens besteht ihre Vollkommenheit darin, dass sie nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern dass sie sich entscheiden, nach dem Evangelium zu leben und damit gegen den Strom zu schwimmen" Predigt von Benedikt XVI. bei der Heiligsprechung von fünf Seligen, 11. Oktober 2009. Nehmt auch Ihr, liebe Freunde, nach dem Vorbild so vieler Jünger Christi, voller Freude die Aufforderung zur Nachfolge an, um intensiv und fruchtbar in dieser Welt zu leben. Mit der Taufe ruft er jeden dazu auf, ihm mit konkreten Taten zu folgen, ihn mehr als alles zu lieben und ihm in den Brüdern zu dienen. Der reiche Jüngling hat die Einladung Jesu leider nicht angenommen und ging traurig weg. Er hatte nicht den Mut gefunden, sich von den weltlichen Gütern zu trennen, um das größere Gut zu finden, das Jesus ihm vorgeschlagen hatte. Die Traurigkeit des reichen Jünglings aus dem Evangelium ist die Traurigkeit, die im Herzen eines jeden entsteht, wenn man nicht den Mut hat, Christus zu folgen, nicht den Mut, die richtige Entscheidung zu treffen. Doch es ist niemals zu spät, um Ihm zu antworten! Jesus wird nie müde, seinen liebenden Blick auf uns zu richten und dazu aufzurufen, seine Jünger zu sein, doch einigen schlägt Er eine radikalere Entscheidung vor. In diesem Priesterjahr möchte ich die Jungen und die jungen Männer dazu auffordern, aufmerksam darauf zu achten, ob der Herr zu einem größeren Geschenk einlädt, auf dem Weg des Priestertums, und sich bereit zu erklären, dieses Zeichen besonderer Bevorzugung großherzig und mit Begeisterung anzunehmen, indem sie mit einem Priester, mit dem geistlichen Begleiter den notwendigen Weg der Unterscheidung aufnehmen. Habt auch keine Angst, liebe Jugendliche, wenn der Herr Euch zum Ordensleben im Kloster oder in der Mission beruft oder zu einer besonderen Weihe: Er vermag denen, die mutig antworten, tiefe Freude zu schenken! Ich lade weiter alle, die die Berufung zur Ehe verspüren, dazu ein, sie im Glauben anzunehmen, und sich zu bemühen, eine feste Grundlage zu schaffen, um eine große und treue Liebe zu leben, offen für das Geschenk des Lebens, das Reichtum und Gnade für die Gesellschaft und für die Kirche ist. 5. Ausgerichtet auf das ewige Leben „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?". Diese Frage des jungen Mannes aus dem Evangelium scheint weit entfernt von den Sorgen vieler heutiger Jugendlicher, denn, wie mein Vorgänger beobachtet hat: „Sind wir nicht die Generation, deren Lebenshorizont völlig von der Welt und dem zeitlichen Fortschritt ausgefüllt wird?" Dilecti amici Nr. 5. Doch die Frage nach dem „ewigen Leben" taucht in beson- ders schmerzhaften Augenblicken des Lebens auf, wenn wir den Verlust eines uns nahestehenden Menschen erleiden oder die Erfahrung eines Misserfolgs erleben. Doch was ist das „ewige Leben", auf das sich der reiche Jüngling bezieht? Das erläutert uns Jesus, als er zu seinen Jüngern gewandt sagt: „Ich werde euch Wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude" Joh 16,22. Dies sind Worte, die auf ein aufregendes Angebot ewigen Glücks hinweisen, ein Angebot der Freude, für immer mit göttlicher Liebe erfüllt zu werden. Sich über die endgültige Zukunft Fragen zu stellen, die jeden von uns erwartet, gibt dem Dasein einen vollen Sinn, da es den Lebensentwurf auf Horizonte ausrichtet, die nicht begrenzt und vorübergehend sind, sondern weit und tief, die dazu führen, die Welt zu lieben, die von Gott selbst so sehr geliebt wird, sich ihrer Entwicklung zu widmen, aber immer mit der Freiheit und der Freude, die aus dem Glauben und aus der Hoffnung hervorgehen. Es sind Horizonte, die dabei helfen, die irdische Wirklichkeit nicht zu verabsolutieren, wenn wir hören, dass Gott eine größere Perspektive für uns bereithält, und mit dem heiligen Augustinus zu wiederholen: „Verlangen wir nach dem Vaterlande droben, seufzen wir nach dem Vaterlande droben, betrachten wir uns hier als Fremdlinge" Vorträge über das Johannes-Evangelium, 35,9. Den Blick fest auf das ewige Leben gerichtet, hat der Selige Pier Giorgio Frassati, der 1925 im Alter von 24 Jahren verstorben ist, gesagt: „Ich will leben und nicht mein Leben vertun!" und auf das Foto einer Klettertour, das er einem Freund schickte, schrieb er: „Nach oben", wobei er auf die christliche Vollkommenheit anspielte, aber auch auf das ewige Leben. Liebe Jugendliche, ich fordere Euch dazu auf, diese Perspektive in Eurem Lebensentwurf nicht zu ver- gessen: Wir sind zur Ewigkeit berufen. Gott hat uns geschaffen, um für immer bei Ihm zu sein. Er wird Euch helfen, Euren Entscheidungen einen vollen Sinn zu geben und Eurem Dasein Wert verleihen. 6. Die Gebote, der Weg der echten Liebe Jesus erinnert den reichen Jüngling an die zehn Gebote, als notwendige Bedingung, „um das ewige Leben zu gewinnen". Sie sind wesentliche Bezugspunkte, um in der Liebe zu leben, um klar das Gute vom Bösen zu unterscheiden und einen festen und dauerhaften Lebensentwurf zu entwickeln. Auch Euch fragt Jesus, ob Ihr die Gebote kennt, ob Ihr Euch bemüht, Euer Gewissen nach dem göttlichen Gesetz auszubilden und ob Ihr sie in die Praxis umsetzt. Gewiss, es handelt sich um Fragen, die unkonventionell sind im Hinblick auf die zeitgenössische Mentalität, die eine von Werten, Regeln und objektiven Normen losgelöste Freiheit vorschlägt und dazu auffordert, jede Einschränkung augenblicklicher Wünsche abzulehnen. Doch statt zur wahren Freiheit zu führen, bringt diese Art von Vorschlag den Menschen dazu, zum Sklaven seiner selbst zu werden, seiner unmittelbaren Wünsche, von Götzen wie Macht, Geld, dem zügellosen Vergnügen und den Verführungen der Welt, und macht ihn auf diese Weise unfähig, seiner angeborenen Berufung zur Liebe zu folgen. Gott gibt uns die Gebote, weil er uns zur wahren Freiheit erziehen will, weil er mit uns ein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens errichten will. Auf sie zu hören und sie in die Praxis umzusetzen bedeutet keine Entfremdung, sondern den Weg der echten Freiheit und der echten Liebe zu finden, da die Gebote das Glück nicht begrenzen, sondern aufzeigen, wie man es finden kann. Jesus ruft zu Beginn seines Gesprächs mit dem reichen Jüngling in Erinnerung, dass das von Gott gegebene Gesetz gut ist, dass Gott gut ist. 7. Wir brauchen Euch Wer heute seine Jugend lebt, muss viele Probleme bewältigen, die sich aus der Arbeitslosigkeit oder aus dem Mangel an sicheren idealen Bezugspunkten und an konkreten Zukunftsperspektiven ergeben. Manch- mal kann der Eindruck entstehen, angesichts der derzeitigen Krisen und negativen Tendenzen ohnmächtig zu sein. Lasst Euch trotz der Schwierigkeiten nicht entmutigen und gebt Eure Träume nicht auf! Hegt vielmehr in Euren Herzen die große Sehnsucht nach Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden. Die Zukunft liegt in den Händen derjenigen, die starke Gründe des Lebens und der Hoffnung zu suchen und zu. finden vermögen. Wenn Ihr wollt, ist die Zukunft in Euren Händen, denn die Gaben und die Reichtümer, die der Herr im Herzen eines jeden von Euch eingeschlossen hat, die Ihr von der Begegnung mit Christus geformt seid, können der Welt echte Hoffnung bringen! Es ist der Glaube in seiner Liebe, der Euch, indem er Euch stark und großherzig macht, den Mut geben wird, den Weg des Lebens mit Gelassenheit anzugehen und in der Familie und im Beruf Verantwortung zu übernehmen. Bemüht Euch, Eure Zukunft ernsthaft durch persönliche Bildung und durch Lernen aufzubauen, um auf kompetente und großherzige Weise dem Allgemeinwohl zu dienen. In meiner letzten Enzyklika über den ganzheitlichen menschlichen Fortschritt, „Caritas in veritate", habe ich einige wichtige aktuelle Herausforderungen aufgeführt, die für das Leben dieser Welt drängend und wesentlich sind: die Verwendung der Erdressourcen und die Beachtung der Ökologie, die gerechte Verteilung der Güter und die Kontrolle der Finanzmechanismen, die Solidarität mit den armen Ländern im Bereich der menschlichen Familie, der Kampf gegen den Hunger in der Welt, die Förderung der Würde der menschlichen Arbeit, der Dienst für die Kultur des Lebens, die Schaffung des Friedens unter den Völkern, der interreligiöse Dialog, der gute Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel. Dies sind Herausforderungen, auf die zu reagieren Ihr aufgerufen seid, um eine gerechtere und brüder- lichere Welt zu errichten. Es sind Herausforderungen, die einen anspruchsvollen und mitreißenden Lebens- entwurf erfordern, in den Ihr all Euren Reichtum einbringen müsst, gemäß dem Plan, den Gott mit jedem von Euch hat. Es geht nicht darum, heldenhafte oder außerordentliche Taten zu vollbringen, sondern die eigenen Talente und Möglichkeiten Frucht bringen zu lassen und sich darum zu bemühen, beständig im Glauben und in der Liebe voranzuschreiten. In diesem Priesterjahr fordere ich Euch dazu auf, das Leben der Heiligen kennenzulernen, vor allem das der heiligen Priester. Ihr werdet sehen, dass Gott sie geführt hat und dass sie Tag für Tag ihren Weg gefunden haben, gerade im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Christus ruft jeden von Euch dazu auf, sich mit Ihm zu bemühen und die eigene Verantwortung anzunehmen, um die Zivilisation der Liebe zu errichten. Wenn Ihr Seinem Wort folgt, wird auch Euer Weg erleuchtet und euch zu hohen Zielen führen, die dem Leben Freude und einen erfüllten Sinn geben. Möge die Jungfrau Maria, die Mutter der Kirche, Euch mit ihrem Schutz begleiten. Ich versichere Euch, dass ich Eurer im Gebet gedenke, und erteile Euch von ganzem Herzen meinen Segen. Vatikan, am 22. Februar 2010 Benedictus PP. XVI. DT100318ÜbersetzungClaudiaReimüller

Abschlusspredigt auf dem WJT 2008 in Sidney (Australien) Papst fordert „neue Ära”
Zum Abschluss des Weltjugendtages hat Papst Benedikt XVI. mit rund 500.000 Teilnehmern den größten Gottesdienst in der Geschichte Australiens gefeiert. Dabei rief er am Sonntagmorgen in Sydney zu einer Erneuerung von Gesellschaft und Kirche auf. Er warnte er vor neuen „geistigen Wüsten”, die sich überall ausbreiteten. Stattdessen forderte er eine „neue Ära”, in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung ersetzt werden sollten. Dazu brauche es eine innere Erneuerung der Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes. Wir dokumentieren hier Auszüge der Predigt in offizieller deutscher Übersetzung: Liebe Freunde! „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird” Apg 1,8. Wir haben die Erfüllung dieser Verheißung gesehen! Am Pfingsttag hat, wie wir in der ersten Lesung gehört haben, der auferstandene Herr, der zur Rechten des Vater sitzt, den Geist auf die im Obergemach, im Abendmahlssaal versammelten Jünger herabgesandt. In der Kraft dieses Geistes zogen Petrus und die Apostel aus, das Evangelium bis an die Grenzen der Erde zu predigen. In allen Zeiten und in allen Sprachen fährt die Kirche fort, in der ganzen Welt die Wundertaten Gottes zu verkünden und alle Nationen und Völker zum Glauben, zur Hoffnung und zu einem neuen Leben in Christus zu rufen. (…) Ich bete, daß diese große Versammlung, die junge Menschen „aus allen Völkern unter dem Himmel” vgl. Apg 2,5 vereint, ein neuer Abendmahlssaal sei. Das Feuer der Liebe Gottes komme herab, um Eure Herzen zu erfüllen, es verbinde Euch immer vollkommener mit dem Herrn und seiner Kirche und sende Euch aus als eine neue Generation von Aposteln, um die Welt zu Christus zu bringen! (…) In jeder Meßfeier kommt nämlich der Heilige Geist erneut herab, wenn er durch das feierliche Gebet der Kirche angerufen wird, nicht nur um unsere Gaben von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn zu verwandeln, sondern auch um unser Leben zu verwandeln, um uns in seiner Kraft „ein Leib und ein Geist in Christus” werden zu lassen. Aber was ist diese „Kraft” des Heiligen Geistes? Es ist die Kraft des göttlichen Lebens! Es ist die Kraft desselben Geistes, der am Anfang der Schöpfung über den Wassern schwebte und der, als die Zeit erfüllt war, Jesus von den Toten auferweckt hat. Es ist die Kraft, die uns und unsere Welt auf das Kommen des Gottesreiches ausrichtet. Im heutigen Evangelium verkündet Jesus, dass eine neue Zeit angebrochen ist, in der der Heilige Geist über die ganze Menschheit ausgegossen wird vgl.Lk 4,21. Er selbst, der durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren wurde, ist zu uns gekommen, um uns diesen Geist zu bringen. Als Quelle unseres neuen Lebens in Christus ist der Heilige Geist auch auf sehr reale Weise die Seele der Kirche, die Liebe, die uns mit dem Herrn und untereinander verbindet, und das Licht, das unsere Augen öffnet, damit wir die Wunder der Gnade Gottes sehen, die uns umgeben. Hier in Australien, diesem „großen Südland des Heiligen Geistes“, haben wir alle eine unvergessliche Erfahrung von der Gegenwart und der Kraft des Geistes in der Schönheit der Natur gemacht. (…) Auch hier in dieser großartigen Versammlung junger Christen aus der ganzen Welt haben wir eine lebendige Erfahrung von der Gegenwart des Geistes und von seiner Kraft im Leben der Kirche gemacht. Wir haben die Kirche als das gesehen, was sie wirklich ist: der Leib Christi, eine lebendige Gemeinschaft der Liebe, die in der aus unserm Glauben an den auferstandenen Herrn kommenden Einheit Menschen aller Rassen, Nationen und Sprachen, aller Zeiten und Orte umfasst. Die Kraft des Heiligen Geistes hört nie auf, die Kirche mit Leben zu erfüllen! (…) Doch diese Kraft, die Gnade des Geistes, ist nicht etwas, das wir uns verdienen oder erarbeiten, sondern nur als reines Geschenk empfangen können. Gottes Liebe kann ihre Kraft nur entfalten, wenn wir zulassen, dass sie uns von innen her verändert. Wir müssen sie die harte Kruste unserer Gleichgültigkeit, unserer geistlichen Trägheit und unserer blinden Anpassung an den Geist dieser Zeit durchbrechen lassen. Nur dann können wir sie unsere Vorstellungskraft entflammen und unsere tiefsten Sehnsüchte formen lassen. Aus diesem Grund ist das Gebet so wichtig: das tägliche Gebet, das persönliche Gebet in der Stille unseres Herzens und vor dem Allerheiligsten und das liturgische Gebet im Herzen der Kirche. Gebet ist reine Aufnahmebereitschaft für Gottes Gnade, Liebe in Aktion, Gemeinschaft mit dem Geist, der in uns wohnt und uns durch Jesus in der Kirche zu unserem himmlischen Vater führt. In der Kraft seines Geistes ist Jesus immer in unseren Herzen gegenwärtig und wartet ruhig darauf, dass wir bei ihm still werden, um seine Stimme zu hören, in seiner Liebe zu weilen und die „Kraft aus der Höhe” zu empfangen, eine Kraft, die uns befähigt, Salz und Licht der Welt zu sein. (…) Liebe junge Freunde, erlaubt mir, Euch jetzt eine Frage zu stellen. Was werdet Ihr der nächsten Generation hinterlassen? Baut Ihr Euer Leben auf festen Fundamenten und errichtet Ihr etwas, das Bestand haben wird? Lebt Ihr Euer Leben auf eine Weise, die inmitten einer Welt, die Gott vergessen will oder ihn im Namen einer falsch verstandenen Freiheit sogar ablehnt, Raum schafft für den Geist? Wie setzt Ihr die Gaben ein, die ihr empfangen habt, die „Kraft”, die der Heilige Geist auch jetzt in Euch freisetzen möchte? Welches Erbe werdet Ihr jenen jungen Menschen hinterlassen, die nach Euch kommen? Welchen Unterschied werdet Ihr machen? Die Kraft des Heiligen Geistes beschränkt sich nicht darauf, uns zu erleuchten und zu trösten. Sie richtet uns auch auf die Zukunft aus, auf das Kommen des Gottesreiches. Was für eine wunderbare Vision einer erlösten und erneuerten Menschheit sehen wir in der neuen Zeit, die uns vom heutigen Evangelium verheißen wird! (…) Die Ausgießung des Geistes Christi auf die Menschheit ist ein Unterpfand der Hoffnung und der Erlösung von allem, was uns verarmen lässt. Sie schenkt den Blinden neues Augen- licht, sie befreit die Zerschlagenen und schafft Einheit in und durch Ver- schiedenheit vgl. Lk 4,18 Jes 61, 1-2. Diese Kraft kann eine neue Welt schaffen: Sie kann „das Antlitz der Erde erneuern“ vgl. Ps 104,30! Gestärkt durch den Geist und gestützt auf die Weitsicht des Glaubens, ist eine neue Generation von Christen dazu berufen, zum Aufbau einer Welt beizutragen, in der das Leben angenommen, geachtet und geliebt und nicht abgelehnt, wie eine Bedrohung gefürchtet und zerstört wird. Eine neue Zeit, in der die Liebe nicht gierig und selbstsüchtig, sondern rein, treu und wahrhaft frei, offen für andere und voll Achtung für ihre Würde ist, ihr Wohl sucht und Freude und Schönheit ausstrahlt. Eine neue Zeit, in der die Hoffnung uns von der Oberflächlichkeit, der Lustlosigkeit und der Ichbezogenheit befreit, die unsere Seele absterben lassen und das Netz der menschlichen Beziehungen vergiften. Liebe junge Freunde, der Herr bittet Euch, Propheten dieser neuen Zeit zu sein, Boten seiner Liebe, die die Menschen zum Vater hinziehen und eine Zukunft der Hoffnung für die ganze Menschheit aufbauen. Die Welt braucht diese Erneuerung! In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich neben dem materiellen Wohlstand eine geistliche Wüste aus: eine innere Leere, eine namenlose Furcht und ein heimliches Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Wie viele unserer Zeitgenossen haben in ihrer verzweifelten Suche nach Sinn – nach dem letzten Sinn, den nur die Liebe schenken kann – rissige und leere Zisternen gegraben vgl. Jer 2,13. Darin liegt die große und befreiende Gabe des Evangeliums: Es offenbart unsere Würde als Männer und Frauen, die als Abbild Gottes und ihm ähnlich geschaffen wurden. Es offenbart die erhabene Berufung der Menschheit, die darin besteht, die Erfüllung in der Liebe zu finden. Es erschließt uns die Wahrheit über den Menschen und die Wahrheit über das Leben. Auch die Kirche braucht diese Erneuerung! Sie braucht Euren Glauben, Eure Idealismus und Eure Großzügigkeit, damit sie im Geist immer jung sein kann vgl. Lumen gentium, 4! (…) Die Kirche braucht besonders die Gaben der jungen Menschen, aller jungen Menschen. Sie muß in der Kraft des Geistes wachsen, der Eurer Jugend auch jetzt Freude schenkt und Euch anregt, dem Herrn mit Frohsinn zu dienen. Öffnet Eure Herzen für diese Kraft! Diese Bitte richte ich in besonderer Weise an all jene, die der Herr zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben beruft. Fürchtet Euch nicht, Jesus „ja” zu sagen.(…) Was bedeutet es, das „Siegel“ des Heiligen Geistes zu empfangen? Es bedeutet, ein unauslöschliches Zeichen zu tragen, dauerhaft verwandelt und eine neue Schöpfung zu sein. Für jene, die diese Gabe empfangen haben, darf nichts beim Alten bleiben! Im Geist „getauft” zu werden bedeutet, von der Liebe Gottes entflammt zu werden. „Vom Geist getränkt“ zu werden vgl. 1 Kor 12,13 bedeutet, von der Schönheit des Planes des Herrn für uns und für die Welt erquickt zu werden und dadurch selber eine Quelle geistlicher Erquickung für andere zu werden. „Mit dem Geist besiegelt” zu werden bedeutet, bei unserem Einsatz für den Sieg der Zivilisation der Liebe keine Angst zu haben, für Christus einzustehen und unser Sehen, Denken und Handeln von der Wahrheit des Evangeliums durchdringen zu lassen. (…) Auch euch, liebe junge Freunde deutscher Sprache, gilt mein herzlicher Gruß. Der Heilige Geist ist ein Geist der Gemeinschaft und wirkt Verständigung und Kommunikation. Sprecht mit anderen über eure Hoffnungen und Ideale, und sprecht von Gott und mit Gott! Glücklich ist der Mensch, der in der Liebe Gottes und in der Liebe zum Nächsten lebt. Gottes Geist führe euch auf Wegen des Friedens! Benedikt pp. XVI. Die Papst-Ansprache in voller Länge sind nachzulesen auf der Homepage des Vatikans www.vatican.va

Botschaft von Papst Benedikt XVI. anlässlich des 22. Weltjugendtages "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" Joh 13,34
Liebe Jugendliche, anlässlich des XXII. Weltjugendtages, der in den Diözesen gefeiert wird, möchte ich Euch zur Meditation diese Worte Jesu vorschlagen: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben” Joh 13,34. Ist es möglich zu lieben? Jeder Mensch verspürt den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden. Und dennoch: Wie schwierig ist es zu lieben; wie viele Irrtümer und Fehlschläge sind bei der Liebe zu verzeichnen! Manch einer kommt sogar dazu, daran zu zweifeln, dass die Liebe möglich ist. Wenn aber emotionale Mängel oder Enttäuschungen im Gefühlsleben auch daran denken lassen, dass Liebe eine Utopie ist, ein unerreichbarer Traum: darf man deshalb resignieren? Nein! Die Liebe ist möglich, und Ziel dieser meiner Botschaft ist es, einen Beitrag zu leisten, damit in jedem von Euch, die Ihr die Zukunft und die Hoffnung der Menschheit seid, das Vertrauen in die wahre, treue und starke Liebe neu geweckt wird - eine Liebe, die Frieden und Freude hervorbringt; eine Liebe, die die Menschen untereinander verbindet, so dass sie sich in gegenseitiger Achtung frei fühlen. Lasst uns also gemeinsam drei Stationen des Weges hin zur „Entdeckung” der Liebe beschreiten. Gott, Quelle der Liebe Die erste Station betrifft die Quelle der wahren Liebe. Es gibt nur eine einzige Quelle der Liebe, und das ist Gott. Der hl. Johannes macht dies deutlich, wenn er erklärt, dass Gott „die Liebe” ist 1 Joh 4,8.16. Nun will er nicht nur sagen, dass Gott uns liebt, sondern dass das Wesen Gottes selbst Liebe ist. Wir stehen hier vor der hellsten Offenbarung der Quelle der Liebe, die das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist: Im einen und dreifaltigen Gott findet zwischen den Personen des Vaters und des Sohnes ein ewiger Austausch der Liebe statt; und diese Liebe ist keine Energie oder ein Gefühl, sondern eine Person: der Heilige Geist. Das Kreuz Christi offenbart die Liebe Gottes in Fülle Wie offenbart sich uns Gott, der die Liebe ist? Wir sind hier an der zweiten Station unseres Weges angelangt. Auch wenn es schon in der Schöpfung deutliche Spuren der göttlichen Liebe gibt, so geschah die volle Offenbarung des innersten Geheimnisses Gottes in der Fleischwerdung, als Gott selbst Mensch wurde. In Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, haben wir die Liebe in ihrer ganzen Tragweite kennen gelernt. In der Tat, so habe ich in der Enzyklika Deus Caritas est [siehe:Deus Caritas] geschrieben, sind „das eigent- lich Neue des Neuen Testaments (...) nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt” (12). Die Offenbarung der göttlichen Liebe ist total und vollkommen am Kreuz, wo - wie der heilige Paulus sagt - „Gott aber (...) seine Liebe zu uns darin erwiesen (hat), dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren” Röm 5,8. Jeder von uns kann somit wahrhaft sagen: „Christus hat mich geliebt und sich für mich hingegeben” vgl. Eph 5,2. Da es durch sein Blut erlöst wurde, ist kein menschliches Leben unnütz oder von geringem Wert, denn wir alle werden persönlich von ihm mit einer leidenschaftlichen und treuen Liebe geliebt, einer Liebe ohne Grenzen. Das Kreuz Torheit für die Welt, Ärgernis für viele Gläubige - ist hingegen „Weisheit Gottes” für all diejenigen, die sich in den Tiefen des eigenen Seins berühren lassen, „denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen” vgl. 1 Kor 1,24-25. Ja, mehr noch: Der Gekreuzigte, der nach der Auferstehung die Male seines Leidens für immer trägt, lässt die „Täuschungen” und Lügen in Bezug auf Gott, die in der Gestalt von Gewalt, Rache und Abweisung auftreten, offenbar werden. Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt auf sich nimmt und den Hass aus dem Herzen des Menschen vertreibt. Das ist die wahre „Revolution”, die er bringt: die Liebe. Den Nächsten lieben wie Christus uns liebt So sind wir bei der dritten Station unserer Überlegung angekommen. Am Kreuz ruft Christus: „Mich dürstet” Joh 19,28. So offenbart er den brennenden Durst danach, zu lieben und von einem jeden von uns geliebt zu werden. Nur wenn es uns gelingt, die Tiefe und Intensität dieses Geheimnisses zu erfassen, wird uns die Notwendigkeit und die Dringlichkeit klar, ihn unsererseits zu lieben wie er uns geliebt hat. Das bringt die Bemühung mit sich, getragen von Seiner Liebe auch das eigene Leben für die Brüder hinzugeben, falls es notwendig sein sollte. Schon im Alten Testament hat Gott gesagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst” Lev 19,18. Die Neuheit Christi aber besteht in der Tatsache, dass „wie er lieben” heißt: alle lieben, ohne Unterschied; auch die Feinde, „bis zur Vollendung” vgl. Joh 13,1. Zeugen der Liebe Christi Jetzt möchte ich bei drei Bereichen des alltäglichen Lebens innehalten, in denen Ihr, liebe Jugend- liche, besonders aufgerufen seid, die Liebe Gottes offenbar werden zu lassen. Der erste Bereich ist die Kirche, die unsere geistliche Familie ist und sich aus allen Jüngern Christi zusammensetzt. Fördert - eingedenk seiner Worte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt” Joh 13,35 - mit Eurem Enthusiasmus und mit Eurer Liebe die Tätigkeiten der Pfarreien, der Gemeinschaften, der kirchlichen Bewegungen und der Jugendgruppen, denen Ihr angehört. Sorgt Euch darum, das Wohl des anderen zu suchen, in Treue zu den eingegangenen Verpflichtungen. Zögert nicht, mit Freude auf einige Eurer Vergnügungen zu verzichten. Nehmt frohen Herzens die notwendigen Opfer auf Euch. Bezeugt Eure treue Liebe zu Jesus, indem Ihr sein Evangelium besonders unter Euren Altergenossen verkündigt. Sich auf die Zukunft vorbereiten Der zweite Bereich, in dem Ihr dazu berufen seid, die Liebe zum Ausdruck zu bringen und in ihr zu wachsen, ist Eure Vorbereitung auf die Zukunft, die Euch erwartet. Wenn Ihr verlobt seid, hat Gott einen liebevollen Plan für Eure Zukunft als Ehepaar und Familie, und deshalb ist es so wesentlich, dass Ihr ihn mit Hilfe der Kirche entdeckt, frei vom verbreiteten Vorurteil, dass das Christentum mit seinen Geboten und Verboten der Freude der Liebe Hindernisse in den Weg lege und im besonderen verhindere, jenes Glück zu genießen, das Mann und Frau in ihrer gegenseitigen Liebe suchen. Die Liebe des Mannes und der Frau steht am Ursprung der menschlichen Familie, und das aus Mann und Frau gebildete Paar hat seinen Grund im ursprünglichen Plan Gottes vgl. Gen 2,18-25. Zu lernen, sich als Ehepaar zu lieben, ist ein wunderbarer Weg, der nichts- destoweniger eine anspruchsvolle Lehrzeit erfordert. Die Zeit der Verlobung ist grundlegend für die Formung des Paares; sie ist eine Zeit der Erwartung und der Vorbereitung, die in der Keuschheit der Gesten und der Worte zu leben ist. Dies gestattet es, in der Liebe, in der Fürsorge und in der Aufmerksamkeit dem anderen gegenüber zu reifen; es hilft, Selbstbeherrschung zu üben und die Achtung vor dem anderen zu entwickeln. All dies sind Kennzeichen der wahren Liebe, die an erster Stelle weder die eigene Befriedigung noch das eigene Wohlergehen sucht. Bittet im gemeinsamen Gebet den Herrn darum, dass er Eure Liebe behüte und vermehre und sie von jeglichem Egoismus reinige. Zögert nicht, dem Ruf des Herrn großherzig zu folgen, denn die christliche Ehe ist eine wahre Berufung in der Kirche. Liebe junge Männer und Frauen, seid gleichermaßen bereit, Ja zu sagen, wenn Gott Euch ruft, ihm auf dem Weg des Priestertums oder des geweihten Lebens nachzufolgen. Euer Vorbild wird viele andere Eurer Altersgenossen, die auf der Suche nach dem wahren Glück sind, ermutigen. Jeden Tag in der Liebe wachsen Der dritte Bereich des Einsatzes, den die Liebe mit sich bringt, ist der des alltäglichen Lebens mit seinen mannigfaltigen Beziehungen. Ich beziehe mich insbesondere auf die Familie, die Schule, die Arbeit und die Freizeit. Liebe Jugendliche, pflegt Eure Talente nicht nur, um einen sozialen Status zu erreichen, sondern auch, um den anderen beim „Wachsen” zu helfen. Entwickelt Eure Fähigkeiten nicht nur, um „konkurrenz- fähiger” und „produktiver” zu werden, sondern um „Zeugen der Nächstenliebe” zu sein. Verbindet mit der Berufsausbildung die Bemühung, religiöse Kenntnisse zu erwerben, die nützlich sind, um Eure Sendung auf verantwortliche Weise verwirklichen zu können. Ich lade Euch insbesondere dazu ein, die Soziallehre der Kirche zu vertiefen, damit ihre Prinzipien Euer Handeln in der Welt inspirieren und erleuchten. Der Heilige Geist mache Euch erfindungsreich in der Nächstenliebe, standhaft in den Aufgaben, die Ihr übernehmt, und kühn in Euren Initiativen, damit Ihr Euren Beitrag zum Aufbau der „Zivilisation der Liebe” leisten könnt. Der Horizont der Liebe ist wirklich grenzenlos: er ist die ganze Welt! Dem Beispiel der Heiligen folgend „die Liebe wagen” Liebe Jugendliche, ich möchte Euch dazu einladen, „die Liebe zu wagen”; das heißt, nichts Geringeres für Euer Leben zu ersehnen als eine starke und schöne Liebe, die fähig ist, das ganze Dasein zu einer freudigen Verwirklichung der Gabe Eurer selbst an Gott und die Brüder zu machen, in Nachahmung dessen, der durch seine Liebe für immer den Hass und den Tod besiegt hat vgl. Offb 5,13. Die Liebe ist die einzige Kraft, die imstande ist, die Herzen der Menschen und der ganzen Menschheit zu wandeln und die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen Reich und Arm, zwischen Kulturen und Zivilisationen fruchtbringend zu machen. Davon legt das Leben der Heiligen Zeugnis ab, die als wahre Freunde Gottes Weg und Abglanz dieser ursprünglichen Liebe sind. Bemüht Euch darum, sie besser kennen zu lernen; vertraut Euch ihrer Fürsprache an und versucht, wie sie zu leben. Ich beschränke mich darauf, Mutter Teresa zu zitieren: Weil sie auf den Ruf Christi „Mich dürstet!” - einen Schrei, der sie zutiefst bewegte - prompt antworten wollte, begann sie, todkranke Menschen auf den Straßen Kalkuttas in Indien aufzunehmen. Von da an bestand die einzige Sehnsucht ihres Lebens darin, den Durst Jesu nach Liebe zu löschen - nicht mit Worten, sondern mit konkreten Handlungen, wobei sie dessen entstelltes, nach Liebe dürstendes Antlitz im Gesicht der Ärmsten unter den Armen erkannte. Die selige Teresa setzte die Lehre des Herrn in die Praxis um: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan” vgl. Mt 25,40. Und die Botschaft dieser demütigen Zeugin der göttlichen Liebe hat sich in der ganzen Welt verbreitet. Das Geheimnis der Liebe Einem jeden von uns ist es gegeben, diesen Grad an Liebe zu erreichen - aber nur, wenn wir die un- verzichtbare Hilfe der göttlichen Gnade in Anspruch nehmen. Nur die Hilfe des Herrn erlaubt es uns nämlich, angesichts der gewaltigen Größe der zu bewältigenden Aufgabe nicht der Resignation zu erliegen, und nur sie verleiht uns den Mut, das zu verwirklichen, was nach menschlichem Ermessen undenkbar ist. Vor allem die Eucharistie ist die große Schule der Liebe. Nimmt man regelmäßig und mit Ehrfurcht an der Heiligen Messe teil, verbringt man in Gesellschaft mit dem eucharistischen Jesus lange Momente der Anbetung, so ist es leichter, die Länge, Breite, Höhe und Tiefe seiner Liebe zu begreifen, die jede Erkenntnis übersteigt vgl. Eph 3,17-18. Durch das Teilen des eucharistischen Brotes mit den Brüdern der kirchlichen Gemeinschaft wird man dann dazu angetrieben, die Liebe Christi „mit Eile”, wie es die Jungfrau gegenüber Elisabeth getan hat, in einen großherzigen Dienst an den Brüdern umzusetzen. Benedikt pp. XVI.

3. Auflage!
»Herders Neues Bibellexikon wurde Riesenerfolg
»Herders Neues Bibellexikon« ist zu einem in diesem Ausmaß nicht vorhersehbaren Verkaufserfolg geworden: Die Erstauflage des auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Oktober erstmals präsentierten Buches war nach nicht einmal drei Monaten fast vergriffen. Auch die Medienresonanz war enorm, zahlreiche Print- und elektronische Medien berichteten mit durch- wegs positivem Tenor. Der Herder-Verlag leitete daraufhin Anfang des Jahres 2009 den Nachdruck des Lexikons in die Wege, ab Mitte Februar konnte wieder ausgeliefert werden. Jetzt musste wiederum nachgedruckt werden, da ein weiterer Verlag das Lexikon in sein Programm aufnehmen will. Damit kann ein noch größerer Personenkreis für die Botschaft der Bibel aufmerksam ge- macht werden, freut sich der Herausgeber des Lexikons, Franz Kogler, vom Bibelwerk der Diözese Linz. Der Herausgeber findet es bemerkenswert, dass nicht nur »Insider« Interesse an dem Nach- schlagewerk bekunden. Die breit gestreuten Anfragen und Bestellungen würden beweisen, »dass die Bibel kein abgelegtes oder uninteressantes Buch ist, sondern Menschen auch heute neugierig macht, Fragen aufwirft, zum Blättern und Diskutieren anregt. Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift sei auch heute aktuell und wichtig, so der Linzer Bibel-Fachmann. Preis im Buchhandel: 58 Euro. DT090829
Der Fall Judas – war es Habgier, Frust oder Gottes Plan? Ein neuer Bibel-Roman, der auf dem Weg zum Bestseller ist, wird die Debatte um den Verräter Judas neu entfachen
Das Evanglium nach Judas 
Bestseller-Autor Jeffrey Archer stützt sich auf eine Papyrus-Schrift, die erst unlängst enträtselt wurde. Seine These: Der Verrat geschah, weil der Erlöser nicht half, die römische Fremdherrschaft ab- zuschütteln. „Sie erklären, dass Kain seine Gewalt vom höchsten Gott empfangen habe, und wollen von Esau, Korah, den Sodomiten und all solchen Leuten abstammen”, schreibt Kirchenvater Irenäus (135-202) gegen die Sekte der Kainiten. „Sie erklären auch, dass Judas, der Verräter, die Wahrheit wie kein anderer gekannt und das Mysterium der Erlösung vollendet habe. Sie haben dazu eine fiktive Ge- schichte ersonnen, die sie Evangelium des Judas nennen. Aber wie kann das alles sein, wo Judas doch aus der Schar der Apostel ausgestoßen worden ist?” 18 Jahrhunderte später wird die Warnung vor dem theologischen Irrweg wieder aktuell: Nachdem die lange verschollene Verteidigungsschrift für den am meisten verachteten Verräter der Weltgeschichte als TV-Dokumentation weltweit Aufsehen erregte, wappnet sich der Vatikan jetzt für die Diskussion um einen Roman zum gleichen Thema, der in Rom jetzt vorgestellt wurde. Denn wie in der antiken Anti-Bibel der Kainiten geht es auch in dem Werk „Das Evangelium nach Judas” des britischen Bestsellerautors Jeffrey Archer um die klassische Frage, ob Judas wirklich nur der geld- gierige Bösewicht war, als den ihn die Bibel schildert. TV-Dokumentation und Roman speisen sich aus der gleichen Quelle: Das „Evangelium des Judas” wurde um das Jahr 150 von Anhängern der Gnosis verfasst, einer damals wirkungsreichen Strömung, die jüdisch-christliche Religion mit griechischer Philosophie vereinbaren wollte. Die Sekte der Autoren nannte sich nach dem Brudermörder Kain und zählte zu ihren Heroen etwa den mit Heidenfrauen verheirateten Isaaksohn Esau, den Mosefeind Korah und die wegen ihrer Sünden vertilgten Einwohner der Stadt Sodom am Toten Meer. Ihr Gott war nicht der Jahwe des Alten Testaments, sondern ein noch weit übergeordnetes Wesen, als dessen Diener die genannten „wahren Erleuchteten” denn auch von den Christen in Misskredit gebracht worden seien. Über Judas heißt es in der Schrift, Jesus selbst habe den Apostel zu dem Verrat aufgefordert: „Du musst den Menschen töten, der mich umhüllt.” Auf die Frage des Judas, was sein Lohn für den Verrat sei, habe der Erlöser geantwortet, die ganze Welt werde ihn auf ewig hassen und verdammen, er aber werde als Erleuchteter ebenfalls in das wahre göttliche Reich eingehen. Damit steht das Judas-Evangelium im diametralen Gegensatz zu den von der Kirche anerkannten Evan- gelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes: Die Bibel schildert den Verräter als vom Teufel Be- sessenen, der als Lohn 30 Silberlinge kassiert und sich aus Scham und Reue erhängt. Irenäus, zweiter Bischof von Lyon, entdeckt die Judas-Schrift in einer christlichen Gemeinde in Gallien und hält die darin enthaltenen Ansichten für so gefährlich, dass er sie in seinem fünfbändigen Haupt- werk „Adversus Haereses” („Gegen die Irrlehren”) Satz für Satz zerpflückt. Nachdem sich die junge Kirche in mehreren Konzilien auf den noch heute gültigen Inhalt des Neuen Testaments festgelegt hat, verschwindet das Judas-Evangelium ebenso wie viele andere pseudo- religiöse Schriften aus dem Bewusstsein der Christenheit. Es taucht erst 1978 als Kopie wieder auf: Bei der mittelägyptischen Stadt al-Minya wird ein 62-seitiger Papyrus-Codex gefunden, auf dessen Einband in koptischer Sprache „Evangelium des Judas” steht und den ein unbekannter „Judas-Priester” im 4. oder 5. Jahrhundert angefertigt hatte. 1983 gerät der Fund in den Antiquitätenhandel, ein Ägypter bietet ihn weltweit zu dem sehr hohen Preis von drei Millionen Dollar an. 1983 verhandelt er in Genf mit dem Münsteraner Koptologen Stephen Emmel: „Wie durften keine Notizen machen”, schildert der Pro- fessor die abenteuerlichen Umstände; er habe nicht gewagt, die zerbröselnden Blätter auch nur mit einer Pinzette zu berühren. Im Jahr 2000 bekommt die griechische Antiquitätenhändlerin Frieda Nussberger-Tchacos die Schrift angeblich für 300.000 Dollar. Ein Jahr später übergibt sie das Dokument der Maecenas-Stiftung für antike Kunst in Basel, die es restaurieren lässt. Die Kosten übernimmt „National Geographic” für das Recht der weltweiten Veröffentlichung. Das Original kehrt nach Ägypten zurück und liegt heute im Kop- tischen Museum in Kairo. Die „National Geographic”-Sendung setzt eine Diskussion in Gang, die noch längst nicht abge- schlossen ist. So erklärt etwa der Kirchengeschichtler Hans van Oort von der Radboud-Universität im niederländischen Nimwegen das biblische Bild vom Verräter für obsolet: „Judas befreite Jesus, indem er ihn auslieferte.” Der Wuppertaler Theologe Thomas Söding dagegen, Mitglied der Päpstlichen Bibel- kommission, findet den Text „religionsgeschichtlich interessant, aber nicht sensationell”. Er belege lediglich „eine Facette der Frömmigkeit innerhalb der religiösen Bewegung der Gnosis”. In diese Diskussion stößt jetzt der Archer-Roman. Archer ist mit Schlagzeilen vertraut: Der Drucker- sohn saß mit 26 Jahren im Londoner Stadtparlament, zog drei Jahre später als jüngster Abgeordneter ins Unterhaus ein, trat mit Millionenschulden zurück und schrieb den Bestseller „Kain und Abel” über einen polnischen Einwanderer in Amerika. 1992 geadelt, kandidierte er 2000 in London als Bürgermeister, wurde aber wegen Meineids in einer Affäre mit einer Prostituierten angeklagt und zu vier Jahren Ge- fängnis verurteilt.
Der Judas-Kuss (Giotto 1303)
In seinem neuen Roman „Das Evangelium nach Judas, von Benjamin Iskariot” macht Archer sich nicht die Sichtweise der Kainiten zu eigen, folgt aber auch nicht der Darstellung im Neuen Testament, sondern erzählt die von manchen Bibelforschern schon länger vertretene These, Judas habe den Gottessohn aus politischer Enttäuschung an die Hohenpriester ausgeliefert: Damals gab es in Judäa zahlreiche Gruppen, die darauf hofften, mit göttlicher Hilfe die römische Fremdherrschaft ab- zuschütteln. Als Jesus sagte, sein Reich sei nicht von dieser Welt, wandten sich viele Jünger ab, innerlich vielleicht auch Judas. Als Erzähler führt Archer einen fiktiven Sohn des Apostels namens Benjamin ein, als Koautor nahm er den australischen Theologen Francis Moloney von der Catholic Uni- versity of America in Washington an Bord. Zur Leitung der Buchpräsentation im Presseklub von Rom erklärte sich der Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts, Stephen Pisano, bereit.
Der Papst über Judas und die Sünde
Die möglichen Motive des Verräters bewegten zuletzt auch Benedikt XVI., der bei einer General- audienz auf dem Petersplatz sagte: „Die Frage ist Gegenstand verschiedener Hypothesen. Einige ziehen den Faktor seiner Geldgier heran. Andere befürworten eine Erklärung auf messianischer Ebene: Judas sei enttäuscht gewesen, dass die politisch-militärische Befreiung seines Landes nicht zu den Plänen Jesu gehörte. In Wirklichkeit aber unterstreichen die Evangelien einen anderen Aspekt. Johannes sagt aus- drücklich: ,Der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu ver- raten und auszuliefern.’ Auf diese Weise geht man über die historischen Motivationen hinaus und erklärt das Geschehen auf der Grundlage der persönlichen Verantwortung des Judas, der einer Versuchung des Bösen auf erbärmliche Weise nachgab.” Der Verrat des Judas, sagte Benedikt weiter, „bleibt auf jeden Fall ein Geheimnis”. Die Möglichkeiten der Verirrung des menschlichen Herzens seien in der Tat zahlreich. Der einzige Weg, ihnen vorzubeugen, bestehe darin, „nicht nur eine rein individualistische, autonome Sicht der Dinge zu pflegen, sondern sich im Gegenteil immer wieder aufs Neue auf die Seite Jesu zu stellen und seine Sichtweise anzunehmen”. Im Übrigen sei die negative Rolle des Judas „der höheren Führung der Ereignisse durch Gott” unter- zuordnen: „Sein Verrat führte zum Tod Jesu, der die schreckliche Hinrichtung in einen Akt Heil bringender Liebe und in die Hingabe seiner selbst an den Vater umwandelte. In seinem geheimnisvollen Heilsplan nimmt Gott die unentschuldbare Tat des Judas als Gelegenheit zur vollkommenen Hingabe des Sohnes für die Erlösung der Welt an.” JosefNyaryHA070315
Das sagt die Bibel über Judas
In der Heiligen Schrift trägt Judas den Beinamen „Iskariot”, entweder weil er aus dem Ort Kerijot bei Hebron stammt oder weil er ein „sicarius” ist, einer der Freischärler, die sich mit einem Dolch(lateinisch „sica”) bewaffnen. Er verwaltet die Kasse der Apostel und veruntreut offenbar Spendengelder, da er von dem Evangelisten Johannes als „Dieb” bezeichnet wird. Beim letzten Abendmahl erfährt Judas von Jesus, dass er ihn ausliefern werde, und geht sofort hinaus. Er verrät den Gottessohn für 30 Silberlinge an die Hohenpriester. Bei der Festnahme zeigt er den Schergen im Garten Gethsemane durch einen Bruderkuss an, wen sie ergreifen sollen. Nach Jesu Verurteilung wirft er das Sündengeld in den Tempel und erhängt sich. In der Apostelgeschichte reißt der Strick, der Leichnam fällt auf den Boden und birst entzwei. Zu seinem Nachfolger bei den Aposteln wird später Mattias gewählt, der einzige Apostel, dessen Grab nördlich der Alpen liegt (in Trier).
Die Judas-Forschung
Judas ist die griechische Form des jüdischen Jehuda oder Juda („Gepriesener”), zu Jesu Zeiten einer der häufigsten Namen. Juda heißt schon der vierte der zwölf Stammväter Israels, nach dem das Land Judäa und seine Bewohner Juden genannt sind. In steinernen Gebeinkisten jener Zeit kommt der Name häufig vor, mindestens einmal sogar zusammen mit Jesus und Maria. Ein zweiter Apostel namens Judas führt zur Unterscheidung den Beinamen Thaddäus. Ein anderer Judas war ein Schriftgelehrter aus Gamala östlich des Jordan und bezahlte im Jahr 6 n. Chr. einen erfolglosen Aufstand gegen die Römer mit dem Leben.
Über Irenäus von Lyon
Irenäus ist der älteste unter den sogenannten altkatholischen Vätern. Man kann ihn insofern als den ersten Kirchenvater bezeichnen, als er der erste ist, der die katholische [im Sinn von ökumenische] Kirche als Begriff voraussetzt und theologisch erörtert. Er unterscheidet sich dabei nicht grundsätzlich von Ignatius, wo der Begriff »katholische Kirche« zum ersten Mal gebraucht wird. Das Geburtsjahr des Irenäus ist auf 140/150 zu schätzen. Er war Kleinasiate und kam auf eine unbekannte Art nach Gallien. Nach seiner Rückkehr aus Rom, wo er in einem Streit vermittelte, trat er die Nachfolge des inzwischen als Märtyrer gestorbenen Bischofs Photinus an. Später wurde er noch einmal in kleinasiatischem Interesse tätig. Nach Ausbruch des Osterfeststreites zwischen Papst Victor [189-198] und den kleinasiatischen Bischöfen mahnte er in mehreren Schreiben, von denen mindes- tens eines an Victor gerichtet war, zum Frieden. Texte der Kirchenväter, Kösel
Die Auferstehung Jesu Christi. Carsten Peter Thiede: “Ohne das leere Grab hätte die frühchristliche Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi in ihrem jüdischen Umfeld keine fünf Sekunden überlebt.” Der Autor war Historiker und Papyrologe, lehrte in Basel und Beer-Scheva und leitete im Auftrag der Israelischen Antikenbehörde eine Ausgrabung bei Jerusalem.

Wer die jüdischen Schriften aus der Zeit vor Jesus liest, begreift sofort eines: der jüdische Auf- erstehungsglaube war nicht mythisch, auch nicht symbolisch oder sonst wie im Irrealen beheimatet, er war leiblich. Es ging nicht um Visionen, sondern um Knochen und Körper. Allgemein bekannt ist die Stelle über „Israel, das Totenfeld” in Hesekiel 37. Die Prophezeiung von den verdorrten Gebeinen enthält unter anderem die Verse 5 bis 6: „So spricht der Herr Gott zu diesen Gebeinen: Siehe, ich will Atem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut und will euch Atem geben, damit ihr wieder lebendig werdet, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.” Daraus war zuerst einmal die Körperlichkeit der Auferstehung abzuleiten, in unübersehbarem Ge- gensatz zu allen antiken Mythen, dann aber auch noch etwas anderes, Wichtiges: Der Körper eines am Ende der Tage Auferstehenden ist ein neuer, veränderter Körper. Sehnen, Fleisch, Haut: Nach Hesekiel entstehen sie neu über den verdorrten Gebeinen. Tatsächlich fällt auf, dass die Menschen, die dem auferstandenen Jesus begegnen, ihn zuerst nicht erkennen - Maria Magdalena hält ihn für einen Gärtner, - die Emmaus-Jünger wissen erst überhaupt nicht, wer er ist, und - der Jünger Thomas, der zu Unrecht den Beinamen „der Ungläubige” erhielt - denn er war allenfalls skeptisch -, will weitergehende Beweise. Der Glaube der Juden an eine reale Auferstehung des Leibes Dennoch ist in keinem dieser Fälle eine Vision vorausgesetzt, sondern eine reale, körperhafte Person, die trotz aller Veränderung auch noch unzweideutige Kennzeichen trägt: Thomas gegenüber weist Jesus auf seine unter dem Gewand nicht sofort sichtbaren Wundmale hin. Er hat einen wirklichen Körper, er kann gehen, Fisch braten, essen und trinken - aber wiedererkennbar ist er erst an Gesten wie dem Brotbrechen, und an bestimmten Worten. Für Petrus war später das Essen und Trinken ein so ent- scheidendes Kriterium, dass er es ausdrücklich hervorhob, um dem römischen Hauptmann Cornelius und allen anderen Anwesenden in Caesarea die Leibhaftigkeit der Auferstehung zu beweisen Apg 10,41; vgl. Lk 24,42-43. Dem beharrenden Thomas wird noch etwas Zusätzliches gezeigt, und gerade da ist es aufschluss- reich, dass uns die nicht zuletzt durch zahllose Gemälde verbreitete Deutung irreführt: Er berührt die Wunden nämlich nicht, obwohl Jesus ihm das sogar ausdrücklich anbietet Jo 20, 27-28. Wenn es in dieser Situation ein Wunder gab, dann lag es nicht etwa darin, dass der Auferstandene plötzlich, wie es schien, durch Türen oder Wände hindurch auftrat. Was ein Auferstandener leisten konnte, war von den prophetischen Schriften im Einzelnen schließlich nicht festgelegt - da musste man, als informierter und aufgeklärter Zeitgenosse, einfach offen sein. Verblüffend, nicht zuletzt für Thomas, war vielmehr etwas anderes: Da Thomas als ein mit den Heiligen Schriften aufgewachsener Jude wissen musste, dass der Auferstehungsleib ein neuer Körper war, durfte es diese Wundmale eigentlich gar nicht mehr geben. Dass der neue, veränderte Leib des auferstandenen Jesus sie dennoch als Zeichen des Leidens am Kreuz unverändert trug, überwältigte ihn. Er verstand, dass der Auferstandene zugleich immer noch der Gekreuzigte war. Inmitten historischer Wirklichkeit begriff er eine Heilswahrheit, und so erst konnte er Jesus seinen Herrn und Gott nennen Jo 21,28. Das wird in den Evangelien sorgfältig notiert, sachlich und ohne weitschweifige Kommentare. Warum hätten sie gerade hier auch kommentieren sollen? Wie es an Jesus, dem Auferstandenen, zu beobach- ten war, so hatte Hesekiel es schließlich beschrieben. Es ist eines dieser eigentümlichen Ergebnisse der Archäologie, dass in der Synagoge auf der jüdischen Festung Masada, in einem Raum hinter der Torah- Nische, ein Schriftrollenfragment mit Hesekiel Kapitel 37 entdeckt wurde. Das war es, was die verzwei- felten Juden, die sich gegen die Römer verteidigten, im Jahre 73/74 nach Christus beim Herannahen des sicheren Todes lasen: Die Zusage einer wirklichen, körperlichen, nicht etwa irgendwie geisterhaften Auferstehung. Die Hoffnung dieser Männer und Frauen war nicht abstrakt, sondern sehr leiblich, sehr konkret. Ähnlich argumentiert Jesaja Jes 26,19: „Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auf- erstehen.” Oder lesen wir Daniel 12,2: „Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden auf- wachen.” Leichname sind hier gemeint, nicht Geistwesen, Seelen oder ähnlich Unkörperliches. Die Men- schen dieser Zeit konnten zwischen einer körperlichen Auferstehung und Geistwesen sehr genau unter- scheiden Apostelgeschichte 23,8. Die Sadduzäer, die weder an die Auferstehung noch an Engel und Geister glaubten, waren die liberalen Theologen ihrer Zeit - sie hatten Macht, doch niemand traute ihnen. Nicht nur die Pharisäer waren da erheblich aufgeklärter und glaubten daran. Auch die Bewegung der Essener, die zurzeit Jesu keineswegs nur in Qumran, sondern überall im Heiligen Land präsent war, zeigte sich von der leiblichen Auferstehung überzeugt: In der vierten Höhle, der großen Bibliothekshöhle von Qumran, wurde das Fragment 4 Q 521 entdeckt. Es greift diesen festen Glauben unmittelbar vor der Zeit Jesu auf und bestätigt damit,dass auch diese sehr frommen, sehr orthodoxen Juden nicht zögerten, solche Zuversicht auszusprechen. „Der Herr wird die Toten auferwecken”, heißt es da, und etwas spä- ter wird gesprochen von „dem Einen, der auferweckt, der die Toten seines Volkes auferstehen lässt ...”. Gegen Ende des letzten Bruchstücks dann noch einmal, völlig eindeutig, dieser Satz: „Und er wird öffnen die Gräber”. Kurz: Jüdischer Auferstehungsglaube beharrte auf den Knochen, auf die Gott seine Sehnen spannen und das neue Fleisch und die neue Haut legen konnte. Auch einem Gekreuzigten wurde die leibliche Auferstehungs-Hoffnung nicht verweigert, auch er wurde nicht verscharrt, auch er hatte ein Recht darauf, wie jeder andere Jude von Gott allein endgültig beurteilt zu werden, auch er durfte, mit seinen Knochen, auf die leibliche Auferstehung warten: Aus der Zeit zwischen 7 und 66 nach Christus stammt der im Nordjerusalemer Stadtteil Givat ha-Mivtar(„Ammunition Hill”) entdeckte Knochenkasten („Ossuar") eines Jehochanan Ben Hazkul. Unter seinen Knochen war auch die von einem Nagel durchbohrte rechte Ferse. Man hatte diesen Johannes (denn das heißt Jehochanan übersetzt) mit den Beinen seitlich an den Kreuzesstamm genagelt. Dadurch, dass sich der rechte Nagel beim Auftreffen auf eine Verhärtung im Holz vorn umgebogen hatte, konnte er bei der Abnahme des Leichnams nicht herausgezogen werden. Der Fersenknochen wurde mit dem Nagel in das Ossuar gelegt. Wenn nicht etwas „dazwischengekommen” wäre So haben wir auf diese Weise den einzigen archäologischen Beleg für eine Kreuzigung, exakt aus der Zeit Jesu. Und das Ossuar des Jehochanan zeigt uns, wie glaubwürdig das Verhalten des Joseph von Arimathäa ist, der sich den Leichnam Jesu geben lässt, um ihn nach jüdischer Sitte zu bestatten. Auch für Jesus hätte es später sicher ein solches Ossuar gegeben, wenn nicht zwei Tage später etwas „dazwischengekommen” wäre: die leibliche Auferstehung dieses Gekreuzigten. All das heißt, dass kein Jude an eine Auferstehungsbotschaft glauben konnte, bei der das Grab noch ungeöffnet und der Leichnam noch vorhanden war. Um es anders zu sagen: Ohne das leere Grab am Ostermorgen hätte die frühchristliche Botschaft in ihrem jüdischen Umfeld keine fünf Sekunden überlebt. Weder hätten die Frauen daran geglaubt, noch einer der später hinzueilenden Männer, und schon gar nicht irgendeiner der Skeptiker und Gegner. Das leere Grab war die unverzichtbare, historische Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt irgend jemand, Mann oder Frau, von einer Auferstehung berichten konnte. Auch für den Juden Paulus war das so selbstverständlich, dass er es in seinen Briefen ebenso wenig ausdrücklich erwähnt, wie ein Biologielehrbuch erwähnen muss, dass ein Schimmel weiß ist. Die Evangelien, die von historischen Abläufen berichten, müssen es natürlich darlegen. Auch Petrus, der in seiner öffentlichen Rede zu Schavuot, dem Wochenfest, das wir Pfingsten nennen, vor den versammelten Festpilgern aus aller Welt sprach, wies auf den Gegensatz hin, von dem sich nun gleich jeder selbst überzeugen konnte: Das Grab Jesu war leer, das Grab des von allen verehrten Erzvaters David dagegen, nicht weit entfernt auf dem Ofel-Hügel, war noch immer voll. ApG 2,29-32. Das Problem für die Skeptiker war damals eben nicht, dass dieses Grab leer war. Ihr Problem bestand darin, den Vorgang möglichst geschickt umzuinterpretieren, um sich den Konsequenzen nicht stellen zu müssen. Man kann sich gut vorstellen, dass Matthäus ein wenig lächelte, als er aufschrieb, was den Gegnern der Botschaft schließlich einfiel: dass die Jünger den Leichnam gestohlen hätten. Das ist als Begründung so armselig, dass die Gegner noch die Vermutung der Bestechung hinzunehmen mussten Mt 28,13-15. Wie auch hätten die niedergeschlagenen, in all ihren messianischen Hoffnungen restlos und bitter enttäuschten Jünger plötzlich zu begeisterten, todesbereiten Rednern und Verkündern der Auf- erstehung werden können, wenn sie irgendwo im Schrank oder im Keller zwischen den Weinflaschen noch den Leichnam des Gekreuzigten aufbewahrt hätten und jederzeit damit rechnen mussten, dass die jüdischen und römischen Suchtrupps ihnen auf die Spur kommen würden? Eine gänzlich absurde Vor- stellung. Gerade weil wir es hier mit Juden zu tun haben, müssen wir uns noch einmal vergegenwärtigen, was da geschehen war: Jesus war als Verbrecher von den Römern gekreuzigt worden. Der Tod „am Holz” galt seit der Torah als schändlichste Form der Hinrichtung Deut 21,22-23.Das heißt: Nach mensch- lichem Ermessen hatten die verbliebenen Anhänger Jesu nicht die geringste Chance, weiter daran zu glauben, dass er der von den Gott verheißene, von den Propheten verkündete Messias, der Gesalbte des Allerhöchsten, gewesen sein könnte. Durch den Tod am Kreuz galt er unter frommen Juden im Ge- genteil als „verflucht bei Gott”. Wollte man den Beweis, dass Jesus nicht der Messias war, sondern bes- tenfalls ein weiterer gescheiterter Prätendent, dann hatte sein Tod am Kreuz diesen Beweis erbracht. Der nüchterne Befund: die Faktizität der Ereignisse Ein Jude hatte nun keine Chance mehr, Jesus für den wahren Messias zu halten. Seine ehemaligen An- hänger mussten sich, wenn sie messianisch gesinnt bleiben wollten, einfach einen neuen Kandidaten suchen, oder aber still und leise nach Hause gehen, um im Dunkel der Anonymität zu verschwinden. Wer wollte denn zugeben, einem falschen Messias gefolgt zu sein, Haus, Arbeit und Familie für einen hingerichteten Verführer verlassen zu haben und sich dafür auch noch auslachen lassen? Denn er- schwerend kam hinzu, dass die geradezu erdrückende Mehrheit des Judentums nicht daran glaubte, dass es einen sterbenden und auferstehenden Messias geben könnte: Jene Stellen vor allem bei Jesaja und Daniel, aber auch in anderen Schriften, die seit dem frühesten, jüdischen Christentum so verstan- den wurden, kamen erst nach dem unerwarteten Ostergeschehen in den Blick. Anders gesagt: Schon aus solchen Beobachtungen folgt zwangsläufig, dass die Jünger Jesu nicht nach einem oder zwei Tagen Bedenkzeit gleichsam von innen heraus das Gegenteil glaubten, was sie als Juden bis dahin für sicher hielten, um ohne physische Evidenz öffentlich zu erklären, dass doch alles ganz anders war. Er- schwerend kam ja noch hinzu, dass selbst die Mehrzahl der Juden, die an eine leibliche Auferstehung glaubten, damit erst für das Ende der Zeiten rechneten, wenn es zu einer allgemeinen Auferstehung des Volkes Gottes kommen würde. Dass einer allein, und dann noch ein zuvor Gekreuzigter, vorangehen würde, lag zu diesem Zeitpunkt keineswegs im Bereich des zu Erwartenden oder zu Erhoffenden. Und gegen alle diese Widerstände, die ihnen als frommen Juden natürlich bestens vertraut waren, verkündeten sie schon wenige Tage später, ohne Scheu vor ihren Mitjuden, auf deren höhnisches Gelächter oder erbitterten Widerstand sie sofort gefasst sein mussten, dass es genau so war. Es ist geradezu abenteuerlich, angesichts solcher Zusammenhänge, vor dem Hintergrund einer so vollstän- digen Katastrophe, von wenig später einsetzendem fröhlichem Wunschdenken und Einbildungen zu sprechen, statt den nüchternen Befund zur Kenntnis zu nehmen: die Glaubwürdigkeit der Zeugen und Faktizität der Ereignisse. DT040410 Wir weisen empfehlend auf ein Buch des Autors über die Welt des Jesus Christus hin: Carsten Peter Thiede: Ein Fisch für den römischen Kaiser, Luchterhand, ISBN 3-630-87994-2
Die Psalmen zum Beten und Singen: Pater Dr. Willibald Kuhnigk OSB Foto oben, uns bekannt durch unsere Einkehrtage im Benediktinerpriorat Nütschau, gehört zum Übersetzer-Team. Psalter: Die hohe Dichtung neu übersetzt
In schönes schwarzes Leinen sind sie eingebunden. In der neuen Buchform liegen sie gut in der Hand. Und auf der Vorderseite zieht sich ein farbiges Band mit Spektrallinien über den Titel und hebt sich vom Schwarz ab. “Die Psalmen enthalten das ganze Spektrum der menschlichen Emotionen und des Lebens, wie die Farben das Licht ausmachen”, erklärt Andreas Wagner, Sprecher des Vier-Türme-Verlags, die grafische Entscheidung für den Einband. Insider haben lange darauf gewartet, nun sind sie auch für die Allgemeinheit zugänglich, die Psalmen in “Neu”-Übersetzung. Benediktiner aus dem deutschsprachigen Raum haben sie in langer Kleinarbeit zu- sammen mit Kirchenmusikern erarbeitet. Und doch ist diese Übersetzung so neu nicht. Über zehn Jahre saßen seit Mitte der achtziger Jahre Fachleute für Altes Testament und Kirchenmusik zusammen. Letztere haben immer wieder den Rhythmus der Sprache abgeklopft, ob sich die Übersetzungen auch gut im Stundengebet singen lassen. “Die Arbeit war zunächst gar nicht für die Allgemeinheit bestimmt, sondern für den internen bene- diktinischen Gebrauch im Stundengebet”, erkärt Pater Dr. Willibald Kuhnigk vom Kloster Nütschau. Der im Alten Testament promovierte Theologe aus dem Erzbistum Hamburg hat an den Übersetzungen fast von Anfang an mitgewirkt. Gedruckt werden die neu übertragenen Psalmen zunächst zwischen anderen Liedern, Antiphonen und Introiti erstmals 1995 für das Stundengebet der Benediktiner in drei dicken Büchern, die bisher über 100 Euro kosteten. Nun hat der Vier-Türme-Verlag die Psalmen in die biblische Reihenfolge gestellt und zwei verschiedene Ausgaben auf den Markt gebracht, in schwarzem Leinen und als Taschenbuchausgabe für die Reise. Die Psalmüberschriften hat der Nütschauer Bruder Willibald exklu- siv für den Druck neu erstellt, denn sie werden im Stundengebet nicht gesungen. “Münsterschwarzacher Psalter” steht auf dem Buch. Nicht nur weil die Initiative von den Klosterbrüdern in der Nähe von Würzburg ausging. Erklärt wird dieser selbstbewusst klingende Titel in zwei Versionen. Während die Übersetzer bescheiden sagen, sie wollten nicht in Konkurrenz zur Einheitsübersetzung treten, behaupten die Marktstrategen im Verlag, es gehe auch darum eine “neue Marke zu schaffen, die Inbegriff von Klosterleben signalisiert”, so Andreas Wagner. Dabei sollte der gute Ruf der Benediktiner von Münsterschwarzach (Anselm Grün) bewusst eingesetzt werden, um die Ausgaben verkäuflich zu machen. Aber auch Bruder Willibald gibt zu bedenken: “Die Einheitsübersetzung ist nun schon einige Jahre alt und die Erkenntnisse gerade im Alten Testament haben sich erweitert.” In ihrer Arbeit haben die Übersetzer bewusst den hebräischen Text zur Grundlage genommen und sich nicht wie in der katho- lischen Tradition üblich auf die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testamentes ge- stützt. Obwohl davon auszugehen ist, dass diese alte griechische Übersetzung auf viel älteren hebrä- ischen Textdokumenten beruht. “Es geht nicht immer nach älter oder jünger und nebenbei gesagt sind die Datierungen der Textfragmente auch nicht immer eindeutig”, gibt Pater Willibald zu bedenken. Es sei ihnen vor allem darum gegangen, die Poesie der hebräischen Sprache zu erspüren und diese dann im Deutschen nachzubilden. “Die Psalmen sind hohe Dichtung und Dichtung ist immer in einer höheren Sprache geschrieben und das ist nicht die Sprache der Zeitung, sondern eine Sprache, die heraus- fordert”, beschreibt der Nütschauer Benediktiner das Deutsch in der nun vorliegenden Ausgabe. Und so wird beispielsweise im Psalm 73,6 das alte Wort “Hoffart” wieder ein- gesetzt, wo die Einheits- übersetzung das leichter verständliche “Hochmut” verwendet. Dichtung heißt, über einzelne Worte nachdenken und ihre Bedeutungen erarbeiten. Wer sich einige Verse laut vorliest, merkt gleich: Die Psalmen in der benediktinischen Übersetzung lassen sich viel schöner lesen als andere Übertragungen, sie haben Rhythmus. Die großen Zusammen- hänge lassen sich leicht verstehen. Auch der Satzspiegel der kleinen neuen Ausgaben ist hervorragend gelungen. Für die Drucklegung sei viel in die grafische Arbeit investiert worden, so Wagner vom Verlag. Und verrät: “Bei den Preisen von 20 Euro für die gebundene und 12,80 Euro für die Taschenbuchausgabe wird sich das Projekt erst nach der zweiten Auflage rechnen”. Dennoch rät Pater Willibald auch den Käufern einer Bibelausgabe, erst einmal die Übersetzung im Buch- laden zu vergleichen und die zu kaufen, die einem am meisten liegt. “Das ist wie in der Liebe”, so der Benediktiner schmunzelnd, “nicht alle finden das gleiche Mädchen schön”. kibo 04/03

Psalmenauslegung Kein anderes Buch der Bibel verdichtet die Fülle und Vielfalt menschlicher Erfahrung so sehr und auf so poetische Weise wie das Buch der Psalmen. Bibelkundig und mit Gespür für das Leben hat der Münsteraner Theologe die Psalmen zugänglich gemacht. Die vier Bände dieser Ausgabe versammeln die reiche Frucht jahrzehntelanger Beschäftigung mit den biblischen Texten, hier erstmals erschlossen durch ein Psalmenregister für alle Bände und mit aktualisierten Literatur- empfehlungen versehen. Für Studium, für Meditation und Gebet ein Gewinn. 4 Bände (Paperback, je 11,9x19,8 cm), 896 Seiten in einer Schmuckkassette € 38,- /€ [A] 39,10 ISBN 3-451-27615-1
Msgr. Johann J. Meyer: Das Vaterunser
Wir alle wünschen uns Schalom. Die Übersetzung aus dem Hebräischen heißt aber nicht einfach “Frieden”, sondern wörtlich: “Übereinstimmung mit dem Willen Gottes”. Das ist die unaufgebbare Voraussetzung für den inneren Frieden des Menschen - die Grundlage für den Frieden in der Welt. Die Jünger haben an Jesus die Bitte gerichtet: “Herr, lehre uns beten!” Die Antwort und damit verbindliche Weisung Jesu finden wir in der kürzesten Zusammenfassung des Evangeliums, im Vaterunser. Das Gebet des Herrn, das uns Schalom bringt, möchte ich Ihnen biblisch erklären.
Das Vaterunser.
Einheitsübersetzung. Lukas 11: 1 Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. 3 Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. 4 Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. 5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, 7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? 8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. 9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. 10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, 12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? 13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten. Einheitsübersetzung. Matthäus 6 9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt,10dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. 11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 12 Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Erklärungen zum Text: Gegenüber Matthäus fehlen bei Lukas die 3. und 7. Bitte. Grund: Zur Zeit der Evangelienabfassung hatte sich das Vaterunser noch nicht einheitlich durchgesetzt. Es war noch nicht Liturgie geworden. In den jungen Christengemeinden wurde es drei Mal täglich privat gebetet. Die Texte erweisen: es handelt sich hier nicht um ein Gebetsformular sondern um eine Gebetsnorm! Die Jünger bitten nicht: ‚Herr, lehre uns ein Gebet’, sondern: ‚lehre uns beten’. Die Jünger sollen am Gebet des Herrn lernen, wie sie ihr eigenes Gebet gestalten sollen. Aus zwei Gründen wurde die Matthäus-Fassung zum Standard in der Kirche: 1. weil in der Urkirche das Mattäus-Evangelium sehr angesehen war und 2. weil die jungen Christen vom Gebet des Herrn möglichst viel haben wollten, also die längere Fassung wählten. Vater. „Abba” ist Ausdruck eines intimen Gottesverhältnisses. Mattäus schränkt das vertrauliche Abba durch das Abstand gebietende „im Himmel” ein. Ein Jude scheut sich, mit Gott so intim zu werden. Name. Hier die Verhüllung Gottes (JHWH) in den Vier-Buchstaben gemeint. Unter Namen ist hier zu verstehen: das Wesen, die Wirklichkeit Gottes - wie im Psalm 5,12: Doch alle sollen sich freuen, die auf dich vertrauen, und sollen immerfort jubeln. Beschütze alle, die deinen Namen lieben, damit sie dich rühmen. Psalm 9,3: Ich will jauchzen und an dir mich freuen, für dich, du Höchster, will ich singen und spielen. Der Name Gottes soll geheiligt werden bedeutet: Gott selbst soll geheiligt werden. Hinter solcher vorsichtigen Ausdrucksweise verhüllten die Menschen des Alten Bundes ehrfürchtig den Namen Gott! Übersetzt in unsere Sprache müssten wir sagen: „Heilige Deinen Namen, Gott!” Das finden wir öfter im Alten Testament. Jesaja 5,16: Doch der Herr der Heere ist erhaben, wenn er Gericht hält, durch seine Gerechtigkeit erweist der heilige Gott sich als heilig. Hesekiel 20,44: Ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich um meines Namens willen so an euch handle und nicht nach eurem verkehrten Verhalten und nach euren verwerflichen Taten, ihr vom Haus Israel - Spruch Gottes, des Herrn. Gott erweist sich als heilig, weil er die Macht besitzt, sein Volk aus der Knechtschaft herauszuführen. Hesekiel 36,23: Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Völker - Spruch Gottes, des Herrn - werden erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. Das Schicksal Israels wurde von den Völkern als Schwäche Jahwes ausgelegt.Deshalb hat Gott sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt und nach Jerusalem hinaufgeführt und somit seinen Na- men geheiligt. Gott schützt sein Volk Hesekiel 38,22 und erweist sich als der Starke. Hesekiel 38,23 So werde ich mich als groß und heilig erweisen und mich vor den Augen vieler Völker zu erkennen geben. Dann werden sie erkennen, dass ich der Herr bin. Maria hat diese Worte meditiert. Ihre Antwort im Magnificat: Lk 1,46f Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter ... Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Durch das Handeln Gottes im Gericht und Heil wird sein Name machtvoll geheiligt. Es komme dein Königtum. Vom Königtum Jahwes sprach auch das Judentum. Gott ist König - das ist sowohl Glaubensbekenntnis als auch ethischer Ruf. Wer das Königtum Gottes anerkennt, der unterstellt sich jetzt schon der Königsherrschaft Gottes, akzeptiert Gott und seine Thora. Noch waren es damals wenige. Die Herrschaft Gottes ist verborgen. In der zukünftigen Welt wird sie auch äußerlich sichtbar die ganze Welt umfassen, sie wird e i n Reich sein. Das griechische Wort „Basileia” bedeutet Königsherrschaft und Reich. Gott ist schon immer Herr auf Grund der Schöpfung, er ist in einem besonderen Sinn Herr bei denen, die bereit sind, sein Gesetz anzunehmen und er wird später einmal die Herrschaft über die ganze Welt antreten. Dann wird sich sein Wille überall durchsetzen. Die rabbinische Theologie sprach nicht so deutlich wie Jesus vom Kommen des Reiches. „Es möge sich offenbaren. Es möge das Reich erscheinen”. Das Vaterunser spricht vom zukünftigen Hereinbruch des Reiches. Dieser einmalige Akt der Offenbarung Gottes ist mit dieser Bitte gemeint. Gott wird dann der einzige offenbare König sein. Dann wird erfüllt sein, was in der 3. Bitte bei Matthäus ausgedrückt wird: Dein Wille geschehe. Gib uns jeden Tag das tägliche Brot. Unser Brot für morgen gib uns Tag für Tag. In einer alten kopti- schen Übersetzung steht hier „morgig”. Im Aramäischen gibt es nicht das Wort täglich. Dafür steht: Dieser Tag und der folgende Tag. Demnach würde die griechische Übersetzung lauten: Unser Brot gib uns Tag für Tag. Jesus weist also seine Jünger an, für das Brot zu beten. Dies setzt auf Seiten der Jünger das Wissen um die Abhängigkeit von Gott voraus, aber auch das Vertrauen auf die Güte Gottes. Zugleich erzieht die Bitte den Jünger zur Genügsamkeit und Freiheit, da sie ihm verwehrt, Vorrats- wirtschaft zu treiben. Die Haltung dieser Bitte ist die des Kindes, sie entspricht ganz der Verkündigung Jesu. Das ganz neue Gottesverhältnis kommt hier einzigartig zum Ausdruck. Jesus anerkennt, was der Mensch braucht. Der Mensch soll und darf um den täglichen Lebensbedarf bitten. Aber vor diesen Bitten stehen jene, die sich auf das Königtum Gottes beziehen. Das Vaterunser will kein Gebetsformular sein, sondern eine Gebetsnorm. Vergib uns unsere Schuld. Der Jünger soll auch um die Vergebung der Sünden bitten. Voraussetzung dafür ist, dass auch wir jedem vergeben. Matthäus schreibt sogar: „.. weil wir schon vergeben haben müssen”. Nach ihm muss also die Vergebung der Schuld der Mitmenschen schon der Bitte um die Vergebung unserer Sünden vorausgegangen sein [vgl. dazu die Parabel vom unbarmherzigen Knecht]. Und führe uns nicht in Versuchung. Gott führt den Menschen in Versuchung. Das setzt diese Bitte voraus. Hier ist also eine göttliche Versuchung gemeint, nicht eine diabolische. Gen 22,1f Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.. Ex 16,4 Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hin- ausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. Deut 8,2 Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während dieser vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen. Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden würdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht. Deut 13,4 dann sollst du nicht auf die Worte dieses Propheten oder Traumsehers hören; denn der Herr, euer Gott, prüft euch, um zu erkennen, ob ihr das Volk seid, das den Herrn, seinen Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele liebt. 2 Chron 32,31 So war es auch, als die babylonischen Obersten ihre Unterhändler zu ihm sandten, um Auskunft über das Zeichen zu erlangen, das im Land erschienen war. Da überließ ihn Gott sich selbst, um zu erproben, wie er wirklich gesinnt war. Sir 2,1f . . . wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich auf Prüfung gefasst! Sei tapfer und stark, zur Zeit der Heimsuchung überstürze nichts! Hänge am Herrn, und weiche nicht ab, damit du am Ende erhöht wirst. Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! Denn im Feuer wird das Gold geprüft, und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis. Vertrau auf Gott, er wird dir helfen, hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen. Die Versuchung durch Gott will die Bewährung des Menschen. Jak 1,13f Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Hier ist eine moralische Versuchung gemeint. Die Versuchung von Gott besteht in einer Heilszu- wendung, die aber für den Menschen zugleich eine Bewährung seines Herzens bedeutet, weil er sie zurückweisen und falsch deuten kann. Jesus weist die Jünger an, Gott zu bitten, sie nicht in solche Versuchungen zu führen, weil sie den Menschen oft in Stolz uns falsche Selbstsicherheit führen. Die Ge- fährdung soll den Jüngern zum Bewusstsein kommen. Gerade die Gnade kann den Menschen gefährden. Auch die Erlösung kann zur Versuchung werden - wie der Pharisäismus zeigt. So will diese Vaterunser- Bitte den Jünger vor Stolz bewahren. Erlöse uns von dem Bösen. Diese letzte Bitte im Matthäus-Vaterunser fehlt bei Lukas. Die Kirche lässt es offen, ob hier “der Böse” oder “das Böse” gemeint ist. Viele Bibelwissenschaftler schließen aus der Syntax der griechischen Sprache, dass wir hier in der Urschrift des Neuen Testamentes um die Be- freiung von “dem Bösen” bitten sollen; denn wenn das erste Wort im Vaterunser Vater heißt, so ist das am weitesten davon entfernt stehende Wort “der Böse” ganz sicher ebenfalls personal zu verstehen, wie wir von Jesus an vielen Stellen der Heiligen Schrift vor dem Lügner von Anbeginn, dem Herrscher der Welt, dem Satan, dem Verwirrer gewarnt werden. Schluss. Das Vaterunser hat schon in der frühen Übersetzung der Sachsen – in der Ulfilas-Bibel – den Zusatz erhalten: Denn dein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkieit in Ewigkeit. Amen. Dieser Zusatz steht nicht im Neuen Testament und ist aus 1 Chron 29,10f übernommen: "Da pries David den Herrn vor der ganzen Versammlung und rief: Gepriesen bist du, Herr, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Dein, Herr, sind Größe und Kraft, Ruhm und Glanz und Hoheit; dein ist alles im Himmel und auf Erden. Herr, dein ist das Königtum. Du erhebst dich als Haupt über alles.
Gotteswort - im Jahr der Bibel. Dei Verbum Apostolische Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Göttliche Offenbarung
Vorwort 1. Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes:"Wir künden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschien. Was wir gesehen und gehört haben, künden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns. Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus” 1 Joh 1,2-3. Darum will die Synode in Nachfolge des Trienter und des Ersten Vatikanischen Konzils die echte Lehre über die göttliche Offenbarung und deren Weitergabe vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung liebt1. 1. Kapitel: Die Offenbarung in sich 2. Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun vgl. Eph 1,9: dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur vgl. Eph 2,18; 2 Petr 1,4. In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17 aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15 und verkehrt mit ihnen vgl. Bar 3,38, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen. Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind: die Werke nämlich, die Gott im Verlauf der Heilsgeschichte wirkt, offenbaren und bekräftigen die Lehre und die durch die Worte bezeichneten Wirk- lichkeiten; die Worte verkündigen die Werke und lassen das Geheimnis, das sie enthalten, ans Licht tre- ten. Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil des Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist2. 3. Gott, der durch das Wort alles erschafft vgl. Joh 1,3 und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den geschaffenen Dingen Zeugnis von sich vgl. Röm 1,19-20. Da er aber den Weg übernatürlichen Heiles eröffnen wollte, hat er darüber hinaus sich selbst schon am Anfang den Stammeltern kundgetan. Nach ihrem Fall hat er sie wiederaufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach vgl. Gen 3,15. Ohne Unterlass hat er für das Menschengeschlecht gesorgt, um allen das ewige Leben zu geben, die das Heil suchen durch Ausdauer im guten Handeln vgl. Röm 2,6-7. Später berief er Abraham, um ihn zu einem großen Volk zu machen vgl. Gen 12,2, das er dann nach den Patriarchen durch Moses und die Propheten erzog, ihn allein als lebendigen und wahren Gott, als fürsorgenden Vater und ge- rechten Richter anzuerkennen und auf den versprochenen Erlöser zu harren. So hat er dem Evangelium den Weg durch die Zeiten bereitet. 4. Nachdem Gott viele Male und auf viele Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, “hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn” Hebr 1,1-2. Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes Kunde bringe vgl. Joh 1,1-18. Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als “Mensch zu den Men- schen” gesandt3, “redet die Worte Gottes” Joh 3,34 und vollendet das Heilswerk, dessen Durch- führung der Vater ihm aufgetragen hat vgl. Joh 5,36; 17,4. Wer ihn sieht, sieht auch den Vater vgl. Joh 14,9. Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, dass Gott mit uns ist, um uns aus der Finsternis von Sünde und Tod zu befreien und zu ewigem Leben zu erwecken. Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit vgl. 1 Tim 6,14 und Tit 2,13. 5. Dem offenbarenden Gott ist der “Gehorsam des Glaubens” Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10, 5-6 zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich “dem offen- barenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft” 4 und seiner Offenbarung willig zustimmt. Dieser Glaube kann nicht vollzogen werden ohne die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes und ohne den inneren Beistand des Heiligen Geistes, der das Herz bewegen und Gott zuwenden, die Augen des Verstandes öffnen und “es jedem leicht machen muss, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben”5. Dieser Geist vervollkommnet den Glauben ständig durch seine Gaben, um das Verständnis der Offen- barung mehr und mehr zu vertiefen. 6. Durch seine Offenbarung wollte Gott sich selbst und die ewigen Entscheidungen seines Willens über das Heil der Menschen kundtun und mitteilen, “um Anteil zu geben am göttlichen Reichtum, der die Fassungskraft des menschlichen Geistes schlechthin übersteigt” 6.Die Heilige Synode bekennt, “dass Gott, aller Dinge Ursprung und Ziel, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann” vgl.Röm 1,20; doch lehrt sie, seiner Offenbarung sei es zuzuschreiben, “dass, was im Bereich des Göttlichen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzu- gänglich ist, auch in der gegenwärtigen Lage des Menschengeschlechtes von allen leicht, mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung von Irrtum erkannt werden kann” 7. 2. Kapitel: Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung 7. Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte so hat er in Güte vefügt - für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet vgl. 2 Kor 1, 20; 3,16-4,6, den Aposteln geboten, das Evangelium, das er als die Erfüllung der früher ergangenen prophetischen Verheißung selbst gebracht und persönlich öffentlich verkündet hat, allen zu predigen als die Quelle jeg- licher Heilswahrheit und Sittenlehre 1 und ihnen so göttliche Gaben mitzuteilen. Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Einrich- tungen weitergaben, was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch durch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vom Heil niederschrieben2. Damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bischöfe als ihre als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen “ihr eigenes Lehramt überliefert” 3. Diese Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, in dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf ihrer irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, so wie er ist vgl.1 Joh 3,2. 8. Daher musste die apostolische Predigt, die in den inspirierten Büchern besonders deutlichen Aus- druck gefunden hat, in ununterbrochener Folge bis zur Vollendung der Zeiten bewahrt werden. Wenn die Apostel das, was auch sie empfangen haben, überliefern, mahnen sie die Gläubigen, die Überlieferungen, die sie in mündlicher Rede oder durch einen Brief gelernt haben vgl. 2 Thess 2,15, festzuhalten und für den Glauben zu kämpfen, der ihnen ein für allemal überliefert wurde vgl. Jud 3 4. Was von den Aposteln überliefert wurde, umfasst alles, was dem Volk Gottes hilft, ein heiliges Leben zu führen und den Glauben zu mehren. So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie glaubt. Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt5: es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen vgl. Lk 2,19.51, durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen. Die Aussagen der heiligen Väter bezeugen die lebenspendende Gegenwart dieser Überlieferung, deren Reichtümer sich in Tun und Leben der glau- benden und betenden Kirche ergießen. Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt, in ihr werden die Heiligen Schriften selbst tiefer verstanden und unaufhörlich wirksam gemacht. So ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlass im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evan- geliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und lässt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen vgl. Kol 3,16. 9. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben anein- ander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde.Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden 6. 10. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet vgl. Apg 8,42 griech., so dass im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen 7. Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte 8 Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut 9, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft. Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass keines ohne die anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen. 3. Kapitel: Die göttliche Inspiration und die Auslegung der Heiligen Schrift 11. Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem An- hauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16, Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche über- geben sind 1. Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Ge- brauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten 2, all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam 3 - geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern 4. Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte 5. Daher “ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohlgerüstet zu jedem guten Werk” 2 Tim 3,16-17 griech. 12. Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat 6, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte. Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen. Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagio- graph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend - mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen - hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat 7. Will man richtig ver- stehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muss man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfas- sers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren 8. Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde 9, erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Über- lieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Schrifterklärung betrifft, untersteht letztlich dem Urteil der Kirche, deren gottergebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen 10. 13. In der Heiligen Schrift also offenbart sich, unbeschadet der Wahrheit und Heiligkeit Gottes, eine wunderbare Herablassung der ewigen Weisheit, “damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennen lernen und erfahren, wie sehr er sich aus Sorge für unser Geschlecht in seinem Wort herab- gelassen hat” 11. Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist. 4. Kapitel: Das Alte Testament 14. Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich nach seinem besonderen Plan ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen. Er schloss mit Abraham vgl. Gen 15,8 und durch Moses mit dem Volke Israel vgl. Ex 24,8 einen Bund. Dann hat er sich dem Volk, das er sich erworben hatte, durch Wort und Tat als einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, dass Israel Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, dass es sie durch Gottes Wort aus der Propheten Mund allmählich voller und klarer erkannte und sie unter den Völkern mehr und mehr sichtbar machte vgl. Ps 21,28-29; 95,1-3; Jes 2, 1-4; Jer 3,17. Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern voraus- verkündet, berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes; darum behalten diese von Gott eingegebenen Schriften ihren un- vergänglichen Wert: “Alles nämlich, was geschrieben steht, ist zu unserer Unterweisung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost der Schriften Hoffnung haben” Röm 15,4. 15. Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen vgl. Lk 24, 44; Joh 5,39; 1 Petr 1,10 und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen vgl.1 Kor 10,11. Die Bücher des Alten Bundes erschließen allen entsprechend der Lage, in der sich das Menschengeschlecht vor der Wiederherstellung des Heils in Christus befand, Wissen über Gott und Mensch und erschließen die Art und Weise, wie der gerechte und barmherzige Gott an den Menschen zu handeln pflegt. Obgleich diese Bücher auch Unvollkommenes und Zeitbedingtes enthalten, zeigen sie doch eine wahre göttliche Er- ziehungskunst 1. Ein lebendiger Sinn für Gott drückt sich in ihnen aus. Hohe Lehren über Gott, heil- bringende menschliche Lebensweisheit, wunderbare Gebetsschätze sind in ihnen aufbewahrt. Schließlich ist das Geheimnis unseres Heiles in ihnen verborgen. Deshalb sollen diese Bücher von denen, die an Christus glauben, voll Ehrfurcht angenommen werden. 16. Gott, der die Bücher beider Bünde inspiriert hat und ihr Urheber ist, wollte in Weisheit, dass der Neue im Alten verborgen und der Alte im Neuen erschlossen sei 2. Denn wenn auch Christus in seinem Blut einen Neuen Bund gestiftet hat vgl. Lk 22,20; 1 Kor 11,25, erhalten und offenbaren die Bücher des Alten Bundes, die als Ganzes in die Verkündigung des Evangeliums aufgenommen wurden 3, erst im Neuen Bund ihren vollen Sinn vgl. Mt 5,17; Lk 24, 27; Röm 16,25-26; 2 Kor 3, 14-16, wie sie diesen wiederum beleuchten und deuten. 5. Kapitel: Das Neue Testament 17. Das Wort Gottes, Gottes Kraft zum Heil für jeden, der glaubt vgl. Röm 1,16, kommt zu einzigartiger Darstellung und Kraftentfaltung in den Schriften des Neuen Bundes; denn als die Fülle der Zeit kam vgl. Gal 4,4, ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll Gnade und Wahrheit vgl. Joh 1, 14. Christus hat das Reich Gottes auf Erden wiederhergestellt, in Tat und Wort seinen Vater und sich selbst geoffenbart und sein Werk durch Tod, Auferstehung, herrliche Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Von der Erde erhöht zieht er alle an sich vgl. Joh 12,32 griech.; denn er allein hat Worte des ewigen Lebens vgl. Joh 6,68. Anderen Geschlechtern ward dieses Geheimnis nicht kund- getan, wie es nun geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Heiligen Geist vgl. Eph 3,4-6 griech., damit sie das Evangelium verkünden, den Glauben an Jesus als Christus und Herrn wecken und die Kirche sammeln. Dafür sind die Schriften des Neuen Bundes das unvergängliche und göttliche Zeugnis. 18. Niemandem kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes 1. 19. Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zu- verlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde vgl Apg 1,1-2. Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit 2 zufloss 3. Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich über- liefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren 4. Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, “die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren”, es ging ihnen immer darum, dass wir die “Wahrheit” der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben vgl. Lk 1,2-4. 20. Der neutestamentliche Kanon umfasst außer den vier Evangelien auch die Briefe des heiligen Paulus und andere apostolische Schriften, die unter der Eingebung des Heiligen Geistes verfasst sind. In ihnen wird nach Gottes weisem Ratschluss die Botschaft von Christus dem Herrn bestätigt, seine echte Lehre mehr und mehr erklärt, die Heil bringende Kraft des göttlichen Werkes Christi verkündet; die An- fänge der Kirche und ihre wunderbare Ausbreitung werden erzählt und ihre herrliche Vollendung voraus- verkündet. Denn der Herr Jesus ist bei seinen Aposteln geblieben, wie er verheißen hatte vgl. Mt 28,20, und hat ihnen als Beistand den Geist gesandt, der sie in die Fülle der Wahrheit einführen sollte vgl. Joh 16,13. 6. Kapitel: Die Heilige Schrift in Leben der Kirche 21. Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah sie immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens, weil sie, von Gott eingegeben und ein für alle Male niedergeschrieben, das Wort Gottes selbst unwandelbar vermitteln und in den Worten der Propheten und der Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen lassen. Wie die christliche Religion selbst, so muss auch jede kirchliche Verkündigung sich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientieren. In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft west im Worte Gottes, dass es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist. Darum gelten von der Heiligen Schrift in besonderer Weise die Worte: “Lebendig ist Gottes Rede und wirksam” Hebr 4,12, "mächtig aufzubauen und das Erbe auszuteilen unter allen Geheiligten” Apg 20,32; vgl. 1 Thess 2,13. 22. Der Zugang zur Heiligen Schrift muss für die an Christus Glaubenden weit offen stehen. Darum hat die Kirche schon in ihren Anfängen die älteste Übersetzung des Alten Testamentes, die griechische, die nach den Siebzig (Septuaginta) benannt wird, als die ihre übernommen. Die anderen orientalischen und die lateinischen Übersetzungen, besonders die so genannte Vulgata, hält sie immer in Ehren. Da aber das Wort Gottes allen Zeiten zur Verfügung stehen muss, bemüht sich die Kirche in mütterlicher Sorge, dass brauchbare und genaue Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden, mit Vor- rang aus dem Urtext der Heiligen Bücher. Wenn die Übersetzungen bei sich bietender Gelegenheit und mit Zustimmung der kirchlichen Autorität in Zusammenarbeit auch mit den getrennten Brüdern zustande kommen, dann können sie von allen Christen benutzt werden. 23. Die Braut des fleischgewordenen Wortes, die Kirche, bemüht sich, vom Heiligen Geist belehrt, zu einem immer tieferen Verständnis der Heiligen Schriften vorzudringen, um ihre Kinder unablässig mit dem Worte Gottes zu nähren; darum fördert sie auch in gebührender Weise das Studium der Väter des Ostens wie des Westens und der heiligen Liturgien. Die katholischen Exegeten und die anderen Vertreter der theologischen Wissenschaft müssen in eifriger Zusammenarbeit sich darum mühen, unter Aufsicht des kirchlichen Lehramts mit passenden Methoden die göttlichen Schriften so zu erforschen und aus- zulegen, dass möglichst viele Diener des Wortes in den Stand gesetzt werden, dem Volke Gottes mit wirklichem Nutzen die Nahrung der Schriften zu reichen, die den Geist erleuchtet, den Willen stärkt und die Menschenherzen zur Gottesliebe entflammt 1. Die Heilige Synode ermutigt die Söhne der Kirche, die Bibelwissenschaft treiben, das glücklich begonnene Werk mit immer neuen Kräften und ganzer Hingabe im Geist der Kirche fortzuführen 2. 24. Die heilige Theologie ruht auf dem geschriebenen Wort Gottes, zusammen mit der Heiligen Überlieferung, wie auf einem bleibenden Fundament. In ihm gewinnt sie sichere Kraft und verjüngt sich ständig, wenn sie alle im Geheimnis Christi beschlossene Wahrheit im Lichte des Glaubens durchforscht. Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und, weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes: Deshalb sei das Studium des heiligen Buches gleichsam die Seele der heiligen Theologie 3. Auch der Dienst des Wortes, nämlich die seelsorgliche Verkündigung, die Katechese und alle christliche Unter- weisung - in welcher die liturgische Homilie einen hervorragenden Platz haben muss - holt aus dem Wort der Schrift gesunde Nahrung und heilige Kraft. 25. Darum müssen alle Kleriker, besonders Christi Priester und die anderen, die sich als Diakone oder Katecheten ihrem Auftrag entsprechend dem Dienst des Wortes widmen, in beständiger heiliger Lesung und gründlichem Studium sich mit der Schrift befassen, damit keiner von ihnen werde zu “einem hohlen und äußerlichen Prediger des Wortes Gottes, ohne dessen innerer Hörer zu sein” 4, wo er doch die un- übersehbaren Schätze des göttlichen Wortes, namentlich in der heiligen Liturgie, den ihm anvertrauten Gläubigen mitteilen soll. Ebenso ermahnt die Heilige Synode alle an Christus Glaubenden, zumal die Glieder religiöser Gemeinschaften, besonders eindringlich, durch häufige Lesung der Heiligen Schrift sich die "alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi” Phil 3,8 anzueignen. “Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.” 5 Sie sollen deshalb gern an den heiligen Text selbst herantreten, einmal in der mit göttlichen Worten gesättigten heiligen Liturgie, dann in frommer Lesung oder auch durch geeignete Institutionen und andere Hilfsmittel, die heute mit Billigung und auf Veranlassung der Hirten der Kirche lobenswerterweise allenthalben verbreitet werden. Sie sollen daran denken, dass Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muss, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch; denn “ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir Gottes Weisungen lesen”. Die kirchlichen Vorsteher, “bei denen die Lehre der Apostel ist” 7, sollen die ihnen anvertrauten Gläubigen zum rechten Gebrauch der Heiligen Bücher, namentlich des Neuen Testamentes und in erster Linie der Evangelien, in geeigneter Weise anleiten durch Übersetzungen der heiligen Texte, die mit den notwendigen und wirk- lich ausreichenden Erklärungen versehen sind, damit die Kinder der Kirche sicher und mit Nutzen mit den Heiligen Schriften umgehen und von ihrem Geist durchdrungen werden. Darüber hinaus sollen mit ent- sprechenden Anmerkungen versehene Ausgaben der Heiligen Schrift geschaffen werden, die auch Nichtchristen gebrauchen können und die ihren Verhältnissen angepasst sind. Die Seelsorger und die Christen jeden Standes sollen auf jede Weise klug für ihre Verbreitung sorgen. 26. So möge durch Lesung und Studium der Heiligen Bücher “Gottes Wort seinen Lauf nehmen und verherrlicht werden” 2 Thess 3,1. Der Schatz der Offenbarung, der Kirche anvertraut, erfülle mehr und mehr die Herzen der Menschen. Wie das Leben der Kirche sich mehrt durch die ständige Teilnahme am eucharistischen Geheimnis, so darf man neuen Antrieb für das geistliche Leben erhoffen aus der gesteigerten Verehrung des Wortes Gottes, welches “bleibt in Ewigkeit” Jes 40,8; vgl. 1 Petr 1,23-25. Anmerkungen: Vorwort/Kapitel 1: 1 Vgl. Augustinus, Büchlein vom ersten katechetischen Unterricht, 4: PL 40, 316. 2 Vgl. Mt 11,27; Joh 1,14.17; 14,6; 17,1-3; 2 Kor 3,16; 4,6; Eph 1,3-14. 3 Brief an Diognet VII., : F. X. Funk, Patres Apostolici I (Tübingen 1901) 403. 4 I. Vat.Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 3: Denz. 1789 (3008). 5 II. Konzil von Orange, can. 7: Denz. 180 (377); I. Vat. Konzil, a. a. O.: Denz. 1791 (3010).6 I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap.2: Denz. 1786 (3005). 7 Ebd.: Denz. 1785 und 1786 (3004 und 3005). Kapitel 2: 1 Vgl. Mt 28,19-20 und Mk 16,15. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501). 2 Vgl. Konzil von Trient, a. a. O.; I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006). 3 Irenäus, Adv. Hær.III.,3, 1:PG 7, 848; Harvey 2,9. 4 Vgl. II. Konzil von Nicæa: Denz. 303 (602). IV. Konzil von Konstantinopel, Sess. X. can.1: Denz. 336 (650-652). 5 Vgl. L Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 4: Denz.1800 (3020). 6 Vgl. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783(1501). 7 Vgl. Pius XII., Apost. Konst. Munificentissimus Deus, 1. Nov. 1950: AAS 42 (1950) 756. Vgl. die Worte Cyprians: "die Kirche, das mit dem Priester vereinte Volk und die ihrem Hirten anhängende Herde", Ep. 66, 8: CSEL 3, 2, 733. 8 Vgl. I. Vat. KonziI., Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap.3: Denz. 1792 (3011). 9 Vgl. Pius XII., Enz. Humani generis, 12. Aug. 1950: AAS 42 (1950) 568-569; Denz. 2314 (3886). Kapitel 3: 1 Vgl. I.Vat. Konzil, Dogm.Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006); Bibelkommission, Dekret, 18. Juni 1915: Denz. 2180 (3629) und Ench. Bibl. 420; Hl. Officium, Brief, 22. Dez. 1923: Ench. Bibl. 499. 2 Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflante, 30. Sept. 1943: AAS 35 (1943) 314; Ench. Bibl. 556. 3 In und durch den Menschen:vgl.Hebr 1,1;4,7 (in); 2 Sam 23, 2; Mt 1,22 und passim (durch); I. Vat. Konzil, Schema über die katholische Lehre, Note 9: Coll. Lac. VII., 522. 4 Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus, 18. Nov. 1893: Denz. 1952 (3293); Ench. Bibl. 125. 5 Vgl. Augustinus, De Gen. ad litt. 2, 9, 20: PL 34, 270-271; CSEL 28, 1, 46-47 und Brief 82, 3: PL 33,277; CSEL 34, 2, 354; Thomas v. Aquin, De ver. q.12, a. 2, C; Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501); Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 121.124.126-127; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 539. 6 Augustinus, De Civ. Dei XVII., 6, 2: PL 41, 537; CSEL 40, 2, 228. 7 Augustinus, De Doctr. Christ. III., 18, 26: I, L 34, 75-76; CSEL 80, 95. 8 Pius XII., a. a. O.: Denz. 2294 (3829-3830); Ench. Bibl. 557 - 562. 9 Vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus, 15. Sept. 1920: Ench. Bibl. 469; Hieronymus, In Gal. 19- 21: PL 26, 417 A. 10 Vgl. I. Vat.Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: enz. 1788 (3007). 11 Johannes Chrysostomus, ln Gen. 3,8 hom. 17,1: PG 53,134: “herab- gelassen”, lateinisch “attemperatio”, griechisch “synkatábasis”. Kapitel 4: 1 Pius XI., Enz. Mit brennender Sorge, 14. März 1937: AAS 29 (1937) 151. 2 Augustinus, Quæst. in Hept. 2, 73: PL 34, 623. 3 Irenäus, Adv, Hær. III., 21, 3: PG 7, 950 (- 25,1: Harvey 2, 115); Cyrill von Jerusalem, Catech. 4, 35: PG 33, 497; Theodor von Mopsuestia, In Soph.1, 4-6: PG 66, 452 D- 453 A. Kapitel 5: 1 Irenäus, Adv. Hær. III., 11, 8: PG 7, 885; Ausg. Sagnard, 194. 2 Vgl.Joh 14,26; 16, 13.3 Vgl. Joh 2, 22; 16,16; vgl. 14,26; 16,12-13; 7,39. 4 Vgl. die Instruktion Sancta Mater Ecclesia der Päpstlichen Bibelkommission: AAS 56 (1964) 715. Kapitel 6: 1 Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 551.553.567; Päpstl. Bibelkommission, Instruktion über die rechte Art, in Klerikalseminarien und Ordenskollegien über die Bibel zu dozieren, 30. Mai 1950: AAS 42 (1950) 495- 505. 2 Vgl. Pius XII., ebd. 569. 3 Vgl. Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 114; Benedikt. XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 483. 4 Augustinus, Serm. 179, 1: PL 38, 966. 5 Hieronymus, Comm. in Jes., Prol.: PL 24,17; vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 475-480; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 544. 6 Ambrosius, De officiis ministrorum I, 20, 88; PL 16, 50.7 Irenäus, Adv. Hær. IV, 32, 1: PG 7, 1071 (= 49, 2: Harvey 2, 255).
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