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° Jahr des Glaubens: vom 11. Oktober 2012 bis 24. November 2013

Lesen Sie das apostolische Schreiben des Papstes > Porta Fidei (Die Tür zum Glauben)
Papst kündigt „Jahr des Glaubens“ an
Zur Stärkung des Glaubens in den Ländern des Westens hat der Papst ein „Jahr des Glaubens“ ange- kündigt. Benedikt XVI. beging im Petersdom eine Messe mit katholischen Kirchenvertretern aus aller Welt, die sich um eine Erneuerung des Glaubens bemühen – und zwar in Ländern, in denen das Christentum zwar Tradition hat, aber an Kraft verliert. Der Gottesdienst bildete den Abschluss einer internationalen Konferenz zum Thema im Vatikan, auf der sich Kurienvertreter sowie Mitglieder von über 30 nationalen Bischofs- konferenzen und 115 Orden und christlichen Gemeinschaften über ihre Erfahrungen mit der Neuevangeli- sierung ausgetauscht hatten. „Um der Verkündigung der ganzen Kirche einen erneuerten Impuls zu geben, dass sie die Menschen aus der Wüste, in der sie sich im Augenblick befinden, herausführt zum Ort des Lebens, der Freundschaft mit Christus, der uns das Leben in Fülle gibt, möchte ich in dieser eucharistischen Feier Folgendes bekannt geben: Ich habe entschieden, ein „Jahr des Glaubens“ zu verkünden, das ich in einem apostolischen Schreiben genauer erklären werde. > Porta Fidei (Die Tür des Glaubens). Es wird am 11. Oktober 2012 beginnen, am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und es wird am 24. November 2013, dem Christkönigsfest, enden. Es wird eine Zeit der Gnade und einer immer engeren Verbindung mit Gott sein, um unseren Glauben an ihn zu stärken und ihn mit Freude den Menschen unserer Zeit zu ver- künden.“ Nach dem Paulusjahr im Jahr 2008/09 und dem Priesterjahr 2009/10 will Benedikt XVI. also mit einem Jahr des Glaubens die Mission der Kirche unterstützen. Denn die Sendung der Kirche bedeute ja „vor allem, von Gott zu sprechen, an seine Hoheit zu erinnern“, führte der Papst aus. Und sie bedeute auch, stets an die Wahrheit zu erinnern, so Benedikt XVI. mit Blick auf die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts. Nach der „unheilvollen Zeit der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts“ bräuchten die Menschen heute „einen umfas- senden Blick auf die Welt und die Zeit“. Der Papst: „Einen wirklich freien Blick, einen friedlichen Blick, einen Blick, den das zweite Vatikanische Konzil in seinen Dokumenten überliefert hat, und den meine Vorgänger, der Diener Gottes Paul VI. und der selige Johannes Paul II. In ihrer Lehre gezeigt haben.“ Weiter unterstrich Benedikt XVI. in seiner Predigt die Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft für die Weiter- gabe und Stärkung des Glaubens: Alleine könne man nicht evangelisieren, erinnerte der Papst, der aus einem Brief des „größten Evangelisators aller Zeiten“ - des Apostels Paulus - zitierte. Für Paulus „moderne Nachfol- ger“ heißt das also in den Worten des Papstes: „Die neuen Evangelisatoren sind gerufen, vor allem diesen Weg zu gehen, der Christus ist, um dem Nächsten die Schönheit der frohen Botschaft zu zeigen, die Leben gibt. Und auf diesem Weg geht man nicht alleine, sondern in Gemeinschaft: Eine Erfahrung der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit, die sich ereignet, wenn wir uns begegnen, um unsere Erfahrungen Christi und seiner Kirche zu teilen.“ Vor der Papstpredigt erbat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, vom Papst ermutigende Worte für die im Petersdom versammelten Geistlichen und deren Mission. Papst Benedikt XVI. war bereits am Vorabend kurz mit den Konferenzteilnehmern in der Audienzhalle Foto unten links zusammengetroffen und hatte dort an Wesen und Aufgabe des Neuevangeli- sierungsrates erinnert. Erzbischof Rino Fisichella Foto unten rechts hatte bei dieser Gelegenheit darauf ver- wiesen, dass Neuevangelisierung nicht erst mit Einrichtung einer neuen Vatikanbehörde stattfinde, sondern bereits Realität sei – dank des Einsatzes tausender Gläubiger und Kirchenvertreter, die auf der ganzen Welt das Evangelium aktiv und neu verkünden. Rv111016pr

Das apostolische Schreiben Porta Fidei [Tür zum Glauben] von Papst Benedikt XVI. zum Jahr des Glaubens erklärt Radio Vatikan im folgenden Interview:
Worum geht es Papst Benedikt mit seinem „Jahr des Glaubens“? Er weist in seinem Motu Proprio Porta fidei selbst darauf hin, dass schon Paul VI. 1967 ein solches Jahr durchgeführt hat – und dass es damals um die Umsetzung des kurz zuvor beendeten Konzils ging. Auch Benedikt dem XVI. geht es bei seiner Initiative um das Zweite Vatikanische Konzil, darum startet sein Glaubensjahr zum 50. Jahrestag der Konzilseröffnung. Er fordert die Gläubigen dazu auf, sich die Konzilstexte anzueignen und sich vor allem mit – wie er schreibt – „einer der wichtigsten Früchte des Konzils“ zu beschäftigen, nämlich dem Weltkatechismus. Dieser war zu Anfang der 90er Jahre vom heutigen Papst zusam- mengestellt worden; Joseph Ratzinger war damals Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Also, es geht dem Papst wesentlich um eine Wiederaneignung von Glaubenstexten: „Nicht zufällig“, so bemerkt er, „waren die Christen in den ersten Jahrhunderten dazu angehalten, das Credo auswendig zu lernen.“ Was schlägt der Papst an Aktionen für das „Jahr des Glaubens“ vor? Er äußert sich nicht konkret dazu, ob er – wie 1967 Papst Paul VI. – im Namen der Kirche ein feierliches Glaubensbekenntnis verfassen und vorlesen wird. Stattdessen verweist er auf die Bischofssynode zur Neu- evangelisierung, die genau zum Start des Glaubensjahres im Vatikan stattfindet, und lädt alle Bischöfe dazu ein, das Jahr in einer, wie er schreibt, „würdigen und fruchtbaren Weise“ zu begehen. Er schlägt den Bistümern, Pfarreien und katholischen Gruppierungen weltweit ein „öffentliches Bekenntnis des Credo“ vor in der Form, die sie für richtig halten, und kündigt an, dass es bald konkrete Vorschläge aus der Glaubenskon- gregation zum „Jahr des Glaubens“ geben wird. Wichtig ist dem Papst aber nicht nur das öffentliche Glau- bensbekenntnis von Einzelnen und Gruppen: Die Menschen sollen dem Glauben „ihre Herzen öffnen“ und ihn auch in der Öffentlichkeit leben. Die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern wirkt aber nicht sehr offen für das Zeugnis von Glaubenden. Das erwähnt Benedikt XVI. in seinem Motu Proprio auch. Es werde heute oft geleugnet, dass der Glaube „eine offensichtliche Voraussetzung für das Zusammenleben“ sei; die „Glaubenskrise“ sei weitverbreitet. Aber er wolle nun einmal „nicht akzeptieren, dass das Salz schal wird und das Licht unter den Scheffel gestellt wird“: „Auch der Mensch von heute“, so der Papst wörtlich, „kann von neuem das Bedürfnis spüren, wie die Samaritanerin zum Brunnen zu kommen, um Jesus zu hören... Wir müssen den Geschmack wiederfinden, uns vom Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren“. Steckt hinter dem Glaubensjahr die Vorstellung, dass die Katholiken einfach mal wieder öffentlich zeigen müssen, wer sie sind? „Nicht nur – Benedikt ruft in seinem Motu Proprio auch nach einer „Erneuerung der Kirche“. Aber die gebe es eben vor allem – so wie er das auch bei seiner Deutschlandreise betont hat – „durch ein erneuertes Zeugnis des Lebens bei den Gläubigen“. Darum wünscht sich der Papst allem voran „eine authentische und erneute Umkehr zum Herrn“, einen „Glauben, der durch Gelebtwerden stärker wird“. Und davon ausgehend dann ein neuer Elan der Kirche, damit auch andere „wieder die Freude am Glauben entdecken“. Er zeigt übrigens wieder mal seinen tiefen Respekt vor allen, die nicht glauben, aber auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Diese Suche nennt er „eine echte Präambel zum Glauben“. Übrigens betont der Papst auch, dass er im „Jahr des Glaubens“ auf eine intensivierte Caritas hofft – das gehört für ihn nämlich zum Glauben mit dazu" Es gab unter Benedikt XVI. schon ein Priester- und ein Paulusjahr, jetzt also ein Jahr des Glaubens. Was kommt danach? „Das weiß man noch nicht. Allerdings darf man wohl zu diesem Glaubensjahr, womöglich auch schon vorher, mit einer Enzyklika Benedikts zum Thema Glauben rechnen. Und der Papst betont, dass es mit einem Glau- bensjahr von gut 13 Monaten – es endet ja erst Ende November 2013 – nicht getan ist: Wer die „Tür des Glaubens“, die immer offenstehe, durchschreite, der sei „auf einem Weg, der das ganze Leben dauert“. Rv111017sk

Benedikt XVI.: „Neuevangelisierung in Kontinuität mit meinen Vorgängern“
Auch beim Angelus-Gebet blieb Papst Benedikt XVI. beim Thema Neuevangelisierung. Im italienischen Redetext erinnerte er daran, dass er mit der neuen Stärkung des Glaubens ein Anliegen verfolge, das sich bereits seine Vorgänger auf dem Stuhl Petri auf die Fahnen geschrieben hatten. Sie haben den Begriff geprägt: In seiner Eröffnungsansprache zum Zweiten Vatikanischen Konzil hatte Papst Johannes XXIII. schon davon gesprochen, dass die Kirche neu und mit verstärkter Kraft das Evangelium verkünden müsse. Der selige Johannes Paul II. habe der Kirche die neue Evangelisierung als wichtige Aufgabe ans Herz gelegt, so Papst Benedikt XVI.. Auch Papst Paul VI. habe Zeichen in diese Richtung gesetzt. Und er habe anlässlich des Jubiläums zum Martyrium der Apostel Petrus und Paulus im Jahr 1967 auch ein „Jahr des Glaubens“ aus- gerufen, so Papst Benedikt XVI. weiter - in einer Zeit, die durch „große kulturelle Umwälzungen“ geprägt war: „Ich meine, dass es ein halbes Jahrhundert nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das mit der Erinnerung an den Seligen Johannes XXIII. verbunden ist, an der Zeit ist, die Schönheit und Zentralität des Glaubens neu zu vergegenwärtigen und auf die Notwendigkeit zu verweisen, den Glauben zu stärken und zu vertiefen, auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene: Das sollte nicht in preisender Weise geschehen, sondern in Gestalt der Mission und der neuen Evangelisierung.“ RV111016

Papst Benedikt XVI. hat den Bischof von Washington, Kardinal Donald William Wuerl, zum Generalrelator der Bischofssynode im Jahr 2012 ernannt. Das teilte der Vatikan mit. Die Synode wird zum Thema „Neu- evangelisierung“ tagen. Gleichzeitig ernannte der Papst den Erzbischof von Montpellier, Pierre-Marie Carre, zum Sekretär der Synode. rv11102

Benedikt XVI. zu Aufgaben des Neuevangelisierungsrates: „Kostbares Instrument“ Als eine Art „Seismograph“ für die Moderne hat der Papst den Päpstlichen Rat für Neuevangelisierung beschrieben. Benedikt XVI. äußerte sich vor Teilnehmern der internationalen Konferenz über Neuevangelisie- rung in den Ländern des Westens. Auch wenn die Neuevangelisierung keine leichte Aufgabe sei - die christ- liche Botschaft habe das Potential, auch in der heutigen Gesellschaft die gleiche Faszination entfalten wie zu Zeiten der Apostel, zeigte sich der Papst überzeugt. rv111016pr
Das Treffen fand als eines der ersten seiner Art im Vatikan statt, eingeladen dazu hatte der Rat für Neu- Evangelisierung. Ranghohe Vertreter von 33 nationalen Bischofskonferenzen, aus dem Vatikan und von 115 geistlichen Gemeinschaften und Orden hörten dem Papst in der vatikanischen Audienzhalle zu, als er ihnen Gedanken zum Auftrag und Wesen der neuen Kurienbehörde zur Neuevangelisierung mit auf dem Weg gab. Benedikt XVI. hatte diese im September 2010 selbst neu eingerichtet. „Der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ist ein kostbares Instrument, um die großen Fragen zu identifizieren, die verschiedene Bereiche der Gesellschaft und der modernen Kultur umtreiben. Der Rat soll der Kirche bei ihrer Mission vor allem in Ländern antiker christlicher Tradition helfen, die gegenüber dem Wort Gottes gleichgültig oder gar feindlich eingestellt geworden sind.“ Der moderne Mensch sei „häufig verwirrt“ und nicht dazu in der Lage, Antworten auf viele Fragen zu finden, die sich ihm zum Sinn seines Daseins stellten, so der Papst. Auch das „flüchtige Glück“ könne dieses tiefe Bedürfnis nach Sinn nicht stillen. Umso dringender brauche es heute Vermittler, die sich für die Verkündigung des Glaubens einsetzten, unterstrich Benedikt XVI. an seine geistlichen Zuhörer gerichtet: „Wenn ich euch und euren großen Einsatz sehe, mit dem jeder von euch seine Mission erfüllt, bin ich über- zeugt davon, dass es immer mehr Evangelisatoren geben wird, die eine echte Veränderung einleiten werden, die die Welt heute braucht. Nur durch Männer und Frauen, die von Gottes Präsenz erfüllt sind, wird Gottes Wort weiter in der Welt Früchte tragen. Evangelisatoren zu sein ist kein Privileg, sondern ein Einsatz, der vom Glauben her kommt.“ Auch wenn Neuevangelisierung keine leichte Aufgabe sei - die christliche Botschaft habe das Potential, auch in der heutigen Gesellschaft die gleiche Faszination entfalten wie zu Zeiten der Apostel, zeigte sich der Papst überzeugt. Die Überzeugungskraft des Evangeliums hänge letztlich nicht vom menschlichen Handeln ab, sondern verdanke sich dem Wirken Gottes, sagte Benedikt XVI. Vor der Ansprache des Papstes fand in der Synodenhalle ein Konzert mit dem italienischen Tenor Andrea Bocelli statt Foto unten. Nach der Begegnung mit dem Papst hatte die Diözese Rom die Teilnehmer des Kongresses zum gemeinsamen Gebet in mehrere Kirchen der historischen Innenstadt eingeladen. rv111015pr

Internetseite zur Neuevangelisierung
Im Rahmen der Konferenz zur Neuevangelisierung im Vatikan ist eine Internetseite zum Thema Glauben präsentiert worden. Auf der Internetplattform www.aleteia.org können sich Gläubige und am Thema inter- essierte Menschen rund um Glaubensfragen und spirituelle Themen austauschen. Verbunden ist die Seite mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, so dass sich die „Debatte“ auch auf diesen Kanälen im Internet fortsetzen kann. Die Seite sei als „Dialogplattform“ gedacht, als „Brücke zwischen Glaubenden und denen, die nach Antworten und Sinn für das eigene Leben suchen“, gab Kardinal Sean O’Malley auf der Kon- ferenz zur Neuevangelisierung an. Die Seite wurde von der Medienabteilung des Rates zur Förderung der Neuevangelisierung initiiert und entstand in Zusammenarbeit mit zahlreichen katholischen Kommunikations- profis. Der Begriff „aleteia“ kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Wahrheit, die sich offenbart“. Die Seite ist seit dem 19. Oktober 2011 in Funktion. RV111016pr
Jesus Colina Neues Internet-Portal zur Neuevangelisierung
Kongress in Rom zur Neuevangelisierung Der Päpstliche Rat zur Neuevangelisierung ist mit achttausend Teilnehmern aus aller Welt - davon mehrere Hundert aus dem deutschen Sprachraum - an den Start gegangen. Thema der Zusammenkunft ist nach Angaben des Präsidenten dieses Rates, Erzbischof Rino Fisichella, die Glaubensverkündigung in einem religionsfernen Umfeld. Mit einem neuen Portal will der Heilige Stuhl die Neuevangelisierung nun auch im Internet vorantreiben. Die Seite www.aleteia.org soll Fragen und Antworten zu Themen des Glaubens behandeln, wie der Präsident des Päpstlichen Rates zur Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, in einem Interview der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ mitteilte. Ob es auch eine deutschsprachige Version geben wird, ist noch offen. In den vergangenen Tagen war bekanntgeworden, dass der spanische Journalist und frühere Chefredakteur des mit dem Orden „Legionäre Christi" verbundenen Internetdienstes Zenit, Jesus Colina, das neue Portal zur Neuevangelisierung aufbauen soll. Colina war mit weiteren Redakteuren zu www.aleteia.org gewechselt. Jesus Colina , Anfang 40, ist ein dynamischer katholischer Laie, der vor 14 Jahren die Nachrichtenagentur „Zenit“ gründete, die er bald zum größten katholischen Nachrichtendienst der Welt entwickelte. Auf diese Zeit blickt er zurück: „Wir haben gute Arbeit geleistet.“ Wir werden von ihm im Portal der Neuevangelisierung noch hören. orLifeSiteNewsDT111014-15kna

Das Jahr des Glaubens und die deutsche Kirche: Erzbischof Zollitsch im Interview - Erzbischof Robert Zollitsch ist Mitglied im Rat zur Förderung der Neuevangelisierung
Der Papst hat in der Predigt ein ‚Jahr des Glaubens’ angekündigt, es wird eröffnet zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und während der Bischofssynode zur Neuevangelisierung im Oktober 2012. Nach der Messe haben wir den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zu diesem Projekt des Papstes und der Kirche befragt. Zollitsch ist selber Mitglied im Rat zur Förderung der Neuevangelisierung und hat an der Veranstaltung im Vatikan zu diesem Thema an diesem Wochenende teilgenommen. Herr Erzbischof, wozu brauchen wir dieses ‚Jahr des Glaubens’? „Ich sehe das so, dass es darum geht, uns auf die Grundlage dessen zu besinnen, wovon wir leben. Wir sollen wissen, dass bei allem, was wir tun, was wir entscheiden, es auf die persönliche Beziehung zu Jesus Christus und zu Gott ankommt; Gott ist das Ziel und die Mitte unseres Lebens. Damit spüren wir eines der zentralen Anliegen Papst Benedikts. Ich verstehe ihn so, dass er uns auf dieses Fundament hinweisen möchte und von dort auch dann das Konzilsjubiläum begehen will.“ Über die Neuevangelisierung, das ‚Jahr des Glaubens’ und den Gesprächsprozess Es gibt ja schon eine ganze Reihe von Veranstaltungen; was hat das zum Beispiel mit dem Gesprächs- prozess in Deutschland zu tun, der dann auch noch laufen wird? „Wir werden sehen, wie wir das intensiv miteinander verbinden; aber sie wissen ja, dass es beim Ge- sprächsprozess sehr darum geht, den Weg der Erneuerung der Kirche zu gehen, um die Besinnung auf das, wovon wir leben, auf das, was trägt. Damit sind wir bei der zentralen Frage nach dem Glauben. Ich sehe das so, dass die Frage nach dem Glauben die Folie ist, auf der wir den Gesprächsprozess durchführen werden. Diese Folie erinnert uns immer daran: ‚Vergesst Gott bei alldem nicht! Vergesst nicht, wovon ihr wirklich lebt! Vergesst nicht, worauf es entscheidend ankommt.’ Insofern sehe ich eine gute Verbindung mit dem Dialogprozess in Deutschland.“ Es ist also nicht zurückzuführen auf die Formulierung des Konfliktes: Wir haben ein Glaubensproblem, kein Kirchenproblem? „Es wäre schade, wenn wir hier Gegensätze formulieren würden. Wir haben tatsächlich beides. Wir haben ein Glaubensproblem, nämlich die Gottesfrage. Wir spüren, dass die Frage nach Gott weit in den Hintergrund getreten ist und dass viele Menschen diese Frage gar nicht mehr stellen. Aber wir spüren zugleich, dass es auch die ganz konkreten Fragen gibt, die damit eng verbunden sind. Es ist immer schade, wenn wir Gegen- sätze machen. Ich glaube, das katholische ‚et et’ – das ‚sowohl als auch’ – geboten ist, dass wir die Dinge verbinden und von der Wurzel angehen.“ Über die Fähigkeit, offen über den eigenen Glauben zu sprechen Mit der Messe ist das Treffen zur Neuevangelisierung zu Ende gegangen, bei dem sie dabei waren. Was nehmen sie nach Deutschland mit? „Es war für mich die Erfahrung, dass es weltweit eine ganze Fülle von Initiativen gibt, denen es darum geht, das Evangelium neu zum leuchten zu bringen. Das Schöne bei diesem Treffen war, dass eine ganze Band- breite aufgetaucht ist. Andererseits habe ich aber auch feststellen dürfen, dass vieles von dem, was ich gestern gehört habe, tatsächlich bei uns in Deutschland schon angepackt ist. Da ist vieles gewachsen, vieles am werden, und die vielen Initiativen dürften nun in diesem Jahr und in der Bischofssynode näher zusammengeführt werden, damit die Stoßkraft noch größer wird.“ Da möchte ich noch einmal nachfragen: Sie persönlich tragen ja in Kopf und Seele viel von den Fragen, Problemen und Möglichkeiten der deutschen Kirche herum. Was nehmen sie persönlich von diesem Treffen mit? „Ich nehme mit, dass die Frage der Weitergabe des Glaubens nicht nur ein Problem in Deutschland ist, son- dern ein weltweites Problem. Und ich nehme mit – und das ist etwas Entscheidendes, was wir Deutsche ler- nen müssen – dass es in der Frage der Weitergabe des Glaubens auf das persönliche Zeugnis ankommt. Wenn ich in Amerika bin, ob das die USA oder Lateinamerika ist, da kann man mit einer großen Selbstver- ständlichkeit über den Glauben sprechen und darüber, was er mir bedeutet. Wir Deutschen halten das mehr im Herzen verborgen. Wir müssen lernen, von dem zu sprechen, was uns belebt, wovon wir leben und dann auch ganz persönlich Zeugnis zu geben. Das nehme ich mit, denn das haben viele in einer ganz spontanen Weise bei dem Treffen gezeigt; davon können wir Deutschen wirklich lernen. Warum verstecken wir das, was uns Gott bedeutet, das, was wir glauben, das wovon wir wirklich leben? Warum ist das nur eine Frage des Herzens? Es muss eine Frage im ganz normalen Gespräch werden.“ Über die Jugendarbeit, die sich früher hätte rühren müssen Eine der Anfragen an das Treffen war, dass es nicht repräsentativ genug gewesen sei. Diese Anfrage kam vor allem aus den Jugendverbänden, aus dem BDKJ. Es seien vor allem neue geistliche Bewegungen versammelt, das würde gar nicht die Kirche in Deutschland repräsentieren. Wie bewerten sie das? „Man muss es vom Ausgangspunkt her sehen. Es war offen eingeladen worden: Die, die im Bereich der Neuevangelisierung schon etwas machen, sollen sich melden. Da haben sich vor allem viele geistliche Gemein- schaften gemeldet, viele Initiativen. Unser BDKJ hat sich erst gemeldet, als sie merkten, dass sie nicht ein- geladen waren. Sie haben vielleicht etwas spät entdeckt, dass da eine Aufgabe ist. Das, was wir in der Jugendarbeit tun, ist natürlich eine Form der Evangelisierung, vielleicht hätte man hier etwas früher schalten dürfen. Aber ich habe die Frage hier selbstverständlich bei den Verantwortlichen angesprochen.“ Über Wiederverheiratete Geschiedene und andere Konflikte Vor dem Papstbesuch - und dann etwas vom Papstbesuch verdeckt - gab es ja auch noch andere Themen, sie hatten selber die Frage nach den Wiederverheirateten Geschiedenen angesprochen. Dann war die Frage nach der Spaltung in der katholischen Kirche, die in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Bleibt das jetzt vom Papstbesuch und den neuen Initiativen verdeckt oder wie gehen sie da weiter vor? „Wir haben jetzt bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe darüber beraten, was der Papstbesuch für uns bedeutet und haben das in der ganzen Breite angesprochen. Wir werden dann bei der nächsten Sitzung des ständigen Rates schauen, wie wir konkret diese Themen angehen, die für uns wichtig sind. Etwa, wie wir in der Pastoral mit denen umgehen, die geschieden und wieder verheiratet sind. Wie schaffen wir das unter ganz klarer Respektierung und Anerkennung der Unauflöslichkeit der Ehe. Wie gehen wir damit um? Oder auch die Frage nach der Stellung der Laien oder der Frauen in der Kirche. Diese Fragen werden wir in aller Sachlichkeit in nächster Zeit angehen. Aber der Hintergrund ist die Frage, was der Glaube für uns heute bedeutet. Ich erlebe immer wieder persönlich die Frage, ob es nicht die Alternative wäre, Neuevangelisierung statt Dialogprozess. Da sage ich Nein, der Dialogprozess ist für uns ein Weg auch im Rahmen dessen, wie wir den Glauben neu verkünden wollen. Denn das Katholische ist, dass wir die Bandbreite dessen auszuhalten ver- suchen, was bei uns in der Kirche da ist, und deswegen dürfen auch die verschiedenen Anliegen und die verschiedenen Probleme auch zur Sprache kommen.“ RV111016ord

Der Papst startet die neue Evangelisierung Interview mit Erzbischof Rino Fisichella Foto. Motive und Inhalt der Neuevangelisierung
“In unserer Zeit, wo in vielen Regionen der Welt der Glaube Gefahr läuft, wie eine Flamme zu erlöschen, ist für alle von höchster Priorität, Gott in dieser Welt präsent zu machen und den Menschen einen Zugang zu Gott zu ermöglichen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Antlitz wir erkennen in seiner Liebe bis zum äußersten, in Christus dem Gekreuzigten und Auferstandenen.” So hat es Papst Benedikt XVI. im Heiligtum von Fatima gesagt bei seinem Besuch im Jahre 2010.
Wer sind nun konkret die Träger der Neuevangelisierung? Es sind die Vertreter der Kirche in all ihren Erscheinungsformen: Delegierte aus mehr als 30 Bischofs- konferenzen und damit mehr als die Hälfte der anzusprechenden westlichen Länder in den USA, Kanada, Europa und Lateinamerika; Vertreter der Diözesen und Gemeinden, alte und neue Bewegungen, traditionelle religiöse Orden und neue Ausdrucksformen des gottgeweihten Lebens. Es sind vor allem sehr viele Jugend- liche, weil die Neuevangelisierung besonders die junge Generation begeistert hat. Wir dürfen aber auch nicht jene Ordensgemeinschaften vergessen, welche die Notwendigkeit der Neuevangelisierung verstanden haben und bereit sind diesen Weg mitzugehen. Was ist das Ziel dieses Treffens im Vatikan? An erster Stelle wollen wir dem Papst jene Tausende und Abertausende, vielleicht sogar Millionen von Gläubigen vorstellen, die bereits an der Neuevangelisation teilhaben. Bei unserem ersten Treffen in Rom waren es 8.000, aber es ist evident, dass die neuen Verkünder des Evangeliums weitaus mehr sind. Dies hier ist nur ein erstes Zeichen, womit wir dem Papst eine dynamische, lebendige Wirklichkeit zeigen, unter ande- rem viele junge Menschen, die zuerst die Botschaft von Johannes Paul II. und nun von Benedikt XVI. zu Her- zen genommen haben und nun daran arbeiten, eine tiefe, christliche Identität wieder zu gewinnen: durch ein starkes Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Kirche und die Teilhabe an der Freude am Glauben weiterzugeben an so viele andere, die gleichgültig oder vielleicht auf der Suche sind. Welches Thema haben Sie gewählt? Einen Text aus der Apostelgeschichte: „Das Wort des Herrn aber wuchs und breitete sich aus. 12,24. Deswegen präsentieren wir öffentlich die neuen Verkündiger des Evangeliums für die Kirche, weil so das Wort Gottes erkannt wird und die Zahl der Jünger des Herrn wächst. Vorrangig ist der Wille, eine Geisteshaltung und Kultur zu schaffen, für die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das zweite Ziel ist dann, der nächsten Bischofssynode ein klares Zeichen vom Auftritt der Neuevangelisierung zu geben, die nicht in einer vatikanischen Behörde entstanden ist, sondern die bereits geschieht und eine Realität in der Kirche ist. Wir müssen nur eine gemeinsame Basis im Respekt für die verschiedenen kirchlichen Erfahrungen finden Was haben Sie vorbereitet? Wir haben alle eingeladen, von denen wir erfahren haben während des ersten Jahres seit der Gründung des päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, obwohl wir noch keine Schreibtische haben. Es ist eine ständige Pilgerschaft zu vielen Orten: zu den Bischöfen und Diözesen, zu alten und neuen Bewegungen, zu den Orden und religiösen Kongregationen. Die Idee zu diesem Treffen entstand in Zusammenarbeit mit diesen Gemeinschaften, durch ihre Vorschläge und aktive Beteiligung. Schauen wir auf die Tagesordnung. Am Morgen treffen sich die Delegierten in Fachgruppen. Wir werden von den Vorbereitungen der Bischofssynode 2012 hören, die sich mit verschiedenen Bereichen der Neuevangelisierung befassen wird: Kultur, Einwanderung, Kommunikation, Liturgie, Politik, Familie und Pastoral. Deswegen wird unser Treffen nicht nur eine einfache Selbstdarstellung sein, sondern vielmehr ein gemeinsamer Weg, den wir zusammen gehen, es ist ein Augenblick des Prüfens, was konkret zu tun ist, insbesondere mit der Hilfe derer, die schon in diesen Bereichen arbeiten. Am Samstagnachmittag im Saal Paul VI., sind vor dem Konzert mit dem blinden Tenor Andrea Bocelli und dem Grußwort des Papstes vier Zeugnisse vorgesehen. Können Sie uns etwas über den Inhalt sagen? Zunächst hören wir das Zeugnis einer tiefen Spiritualität von Schwester Verónica Berzosa Bericht unten, einer außergewöhnlichen Frau, die in kurzer Zeit mit der ihr eigenen Begeisterung und mit ihrem großen Entwurf eines radikal-religiösen Lebens in Spanien die Iesu Communio gründete, die mehr als 150 junge Frauen in einem gottgeweihten Leben zusammenführte. Das zweite Zeugnis betrifft die Frage der Kultur, Fragen des Westens zu Jesus Christus. Dann wird es um die Welt der Wissenschaft gehen, weil junge Menschen heute Nachrichten hören, die nicht wahr sind: dass der Glaube im Gegensatz zu Fortschritt und Forschung steht. Das vierte Zeugnis wird von Lateinamerika handeln, wo es eine große kontinentale Mission gibt, reich an Erfahrungen der Neuevangelisation. Papst Benedikt XVI. wird zwei Mal dabei sein. Wie beurteilen Sie diese Aufmerksamkeit? Es ist ein großes Geschenk und Privileg, und ich gestehe, dass ich mich ein wenig schuldig fühle, den Heiligen Vater gebeten habe, diese große Anstrengung auf sich zu nehmen. Andererseits zeigt dies auch, was ihm die Neuevangelisierung bedeutet. Wir danken ihn für die prophetische Tat der Errichtung eines päpst- lichen Rates für die Neuevangelisierung, aber auch für seine geistvollen Reden die er auf seinen Reisen - wie jetzt in Deutschland – gehalten hat. Ich denke zum Beispiel an seine Rede auf der Sitzung des Zentral- komitees der deutschen Katholiken in Freiburg am 25. September, wo der Papst der Kirche den Weg zeigt, wohin die Reise geht, weil die Verkündigung des Evangeliums der ureigene Auftrag der Kirche ist. Welche anderen Projekte stehen noch an? Die Eröffnung am Samstag wird unseren Auftrag zielorientiert in die Medien bringen: Die neue Web-Site www.Aleteia.org. wird Fragen und Antworten bringen zum Thema „Glauben“ in Zusammenarbeit mit dem päpst- lichen Rat für Kommunikationsmittel. Weiter arbeiten wir an einer Zusammenfassung der Neuevangelisation mit allen einschlägigen Texten des kirchlichen Lehramtes von Pius XII. bis Benedikt XVI. Diese Handreichung wird hilfreich und nützlich sein für Bischöfe und Priester, aber auch für alle Gläubigen, für Verkündigung und Studium. Und dann ist da noch die „Großstadtmission in der Fastenzeit 2012…. Dieses Experiment ist zur Zeit auf Europa bezogen, wird aber dann ausgeweitet auf andere Gebiete der Welt. Es sind zunächst 12 Großstädte – eine Zahl mit starker Symbolik für die Apostel – die eine hohe Kultur und auch ein weithin säkularisiertes Leben haben. Das Ziel ist, ein einheitliches Zeichen zu geben: 12 große Metropolen gehen zusammen und machen den gleichen Weg zur selben Zeit, wenn auch mit je eigener Tradition. Die Ortskirche ist gerufen zur Mitte, zur Kathedrale, die wieder auf Neue zur Mutter wird, die uns beschützt, uns unterweist, mit uns den Glauben feiert und die lebt durch die Liebe. OR111015LaBuhardilladeJerónimoArbeitsübersetzung:kbwn.
Die Kathedrale von Burgos begrüßt die neue Schwesterngemeinschaft „Iesu Communio”.

Die Gründerin und Oberin des neuen spanischen Schwesternordens "Iesu Communio", Sr. Verónica Maria Berzosa Martinez Foto oben links, war zum Kongress zur Neuevangelisierung eingeladen. Erst im Februar 2011 wurde diese Kongregation in Burgos (Spanien) vom Vatikan als Institut päpstlichen Rechts anerkannt. In der überfüllten Kathedrale von Burgos wurde diese neue Gemeinschaft vom Nuntius und dem Erzbischof von Burgos begrüßt. Den Schwestern, die von den Klarissen in Lerma und Aguilera kamen, haben sich viele junge Frauen ange- schlossen. Zur Gemeinschaft gehören jetzt 177 Schwestern Foto oben rechts. Eine so große Zahl von Beru- fungen hat die Kirche von Spanien seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr gesehen. Sie sind jung, viele haben studiert. Unter ihnen finden sich Ärztinnen, Ingenieurinnen, Architektinnen und Dolmetscherinnen. Im Vatikan wurde das Institut vorgestellt als eine neue Form gottgeweihten Lebens, das in einer spirituellen Nähe zur Neu-Evangelisierung steht, im Dienst gegen Armut und Ungleichheit. An der Spitze dieser Gemeinschaft steht Schwester Verónica Maria Berzosa Martinez, eine leibliche Schwester des neuen Bischofs von Ciudad Rodrigo(Raúl, der auch in der Kathedrale von Burgosdabei war). Sr. Verónica ist eine einflussreiche Frau in der spanischen Kirche – mit guten Kontakten zum Heiligen Vater. Kraft ihrer überwältigenden Ausstrahlung ist es ihr gelungen, eine starke und einflussreiche Schwesterngemeinschaft aus dem Nichts in Rekordzeit zu schaffen. Eine Nähe zu den neuen nachkonziliaren Bewegungen ist unverkennbar, viele Schwestern kommen aus den neuen jugendorientierten Gemeinschaften. Die Gemeinschaft Iesu Communio" wird den Ideale des heiligen Franz von Assisi und der heiligen Clara von Assisi folgen. Auf dem Weltjugendtag in Madrid zeigten sie sich erstmals der Öffentlichkeit.

Selbstbewusst treten die Schwestern des Instituts Iesu Communio auf: ein Jeans-Kleid mit weißem Gürtel, dazu ein blauer Schleier und ein Medaille als Halsschmuck sind ihre Kennzeichen. DiocBurgosNet111020

„Uns ist das Bild Gottes eingeprägt, wir gehören ihm“ Predigt Papst Benedikt XVI. bei der Messfeier zum Ende des Treffens zur Neuevangelisierung
Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Schwestern und Brüder, Mit Freude feiere ich heute die heilige Messe für euch, die ihr in allen Teilen der Welt für die Neuevange- lisierung im Einsatz seid. Diese Feier bildet den Abschluss des Treffens, das euch gestern hierher zu Begeg- nungen mit verschiedenen Bereichen dieser Aufgabe zu gerufen hat. Ich selber konnte euch einige Gedanken vorlegen, während ich heute für euch das Brot des Wortes und der Eucharistie breche, in der Gewissheit - die ihr teilt - dass ohne Christus, Wort und Brot des Lebens, wir nichts tun können Joh 15,5. Ich bin froh, dass dieses Treffen im Monat Oktober stattfindet, dem Weltmissionsmonat: So werden wir an die richtige Ausrichtung der Neuevangelisierung erinnert, im Gleichklang mit der Sendung zu allen Völkern. Ich richte einen herzlichen Gruß an euch alle, die ihr der Einladung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung gefolgt seid. Besonders grüße ich den Präsidenten dieses vor kurzem erst gegründeten Rates, Erzbischof Salvatore Fisichella Foto oben rechts [Mitte], und seine Mitarbeiter. Wenden wir uns den biblischen Lesungen zu, durch die der Herr heute zu uns spricht. Die erste Lesung aus dem Buch Jesaja sagt uns, dass Gott einzig ist, einer allein; es gibt keinen anderen als Ihn. Und sie sagt uns, das auch der mächtige Kyros, der Herrscher der Perser, Teil eines größeren Planes ist, den nur Gott kennt und den nur Gott vorantreibt. Diese Lesung gibt uns das theologische Verständnis von Geschichte: Die epochalen Umbrüche, die Abfolge der großen Mächte finden unter der Herrschaft Gottes statt; keine Macht kann sich an Gottes Stelle setzen. Die Theologie der Geschichte ist ein wichtiger Gesichtspunkt, wesentlich für die neue Evangelisierung, weil die Menschen unserer Zeit, nach der unheilvollen Zeit der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts, einen umfas- senden Blick auf die Welt und die Zeit brauchen, einen wirklich freien Blick, einen friedlichen Blick, einen Blick, den das zweite Vatikanische Konzil in seinen Dokumenten überliefert hat, und den meine Vorgänger, der Diener Gottes Paul VI. und der selige Johannes Paul II. in ihrer Lehre gezeigt haben. Die zweite Lesung ist der Beginn des ersten Briefes an die Tessalonicher, und allein das ist schon be- deutungsvoll, denn es handelt sich um den ältesten uns erhaltenen Briefe des größten Evangelisators aller Zeiten, des Apostels Paulus. Er sagt uns vor allem, dass man nicht alleine evangelisieren kann: auch er hatte in Silvanus und Timotheus Mitarbeiter, dazu viele weitere. Und er fügt sofort eine weitere wichtige Sache hinzu: Dass die Verkündung immer vom Gebet vorbereitet, begleitet und gefolgt werden muss. Er schreibt: „Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken.“ Der Apostel weiß wohl, dass nicht er die Mitglieder der Gemeinde ausgewählt hat, sondern Gott: „ihr seid von Gott erwählt“, bestätigt er. Jeder Verkünder des Evangeliums muss sich immer dieser Wahrheit bewusst sein: Es ist der Herr, der die Herzen durch sein Wort und seinen Geist berührt. Er ruft die Menschen zum Glauben und zur Gemeinschaft in der Kirche. Abschließend hinterlässt uns Paulus eine besonders kostbare Lehre, aus seiner Erfahrung genommen. Er schreibt: „Wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit.“ Um wirkmächtig zu sein benötigt der Verkünder des Evange- liums die Kraft des Geistes, der die Verkündung belebt und ihr diese „Gewissheit“ verleiht, von der der Apostel spricht. Das Wort „Gewissheit“ heißt im griechischen Original pleroforìa: Ein Wort, dass sowohl den subjektiven Aspekt ausdrückt, den psychologischen, wie auch die Fülle, die Treue, die Vollständigkeit - in diesem Fall der Verkündigung Christi. Eine Verkündigung, die - um treu zu sein - von Zeichen begleitet werden muss, von Gesten, wie die Predigt Jesu. Wort, Geist und Gewissheit - im Zusammenspiel - sind untrennbar und sorgen dafür, dass die frohe Botschaft wirksam verbreitet wird. Verweilen wir einen Augenblick beim Evangelium. Es geht um die Legitimität der Steuern für Caesar, die Stelle enthält die berühmten Worte Jesu „gebt Caesar, was Caesars ist und Gott, was Gottes ist.“ Aber bevor wir zu diesem Punkt kommen, gibt es einen Vers, den wir auf die beziehen können, denen die Aufgabe der Verkündung gegeben ist. Die Gesprächspartner Jesu - die Anhänger der Pharisäer und des Herodes - nähern sich Jesu mit Bewunderung. Sie sagen: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen.“ Es ist diese Aussage die, auch wenn sie geheuchelt ist, unsere Aufmerksamkeit fordert. Die Anhänger der Pharisäer und die Herodianer glauben nicht, was sie sagen. Sie machen das, was man eine captatio benevolentiae nennt, um gehört zu werden, aber ihr Herz ist weit entfernt von der Wahrheit. Sie wollen Jesu in die Falle führen, um ihn anklagen zu können. Für uns ist diese Aussage aber wertvoll: Jesus ist wahrhaft und lehrt wahrheitsgemäß. Er selbst ist der „Weg Gottes“, den wir gerufen sind, zu gehen. Wir können uns die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium in Erinnerung rufen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Ein Kommentar des heiligen Augustinus ist in diesem Zusammenhang erhellend: „Es war notwendig, dass Jesus sagte, ,ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘, denn wenn der Weg einmal bekannt ist, so kennen wir das Ziel. Der Weg führt zur Wahrheit, diese führt zum Leben ... Wohin sollen wir gehen, wenn nicht zu Ihm? Und welchen Weg sollen wir gehen, wenn nicht den seinen?“ Die neuen Evangelisatoren sind gerufen, vor allem diesen Weg zu gehen, der Christus ist, um dem Nächsten die Schönheit der frohen Botschaft zu zeigen, die Leben gibt. Und auf diesem Weg geht man nicht alleine, sondern in Gemeinschaft: Eine Erfahrung der Gemeinschaft und der Brüderlichkeit, die sich ereignet, wenn wir uns begegnen, um unsere Erfahrungen Christi und seiner Kirche zu teilen. So kann das das Zeugnis vereint mit der Verkündung die Herzen der Vielen öffnen, die die Wahrheit suchen, damit sie beim wirklichen Sinn ihres Lebens ankommen können. Einige kurze Gedanken zur Frage der Steuern für Caesar. Jesus antwortet mit einem überraschenden politischen Realismus, verbunden mit dem Theozentrismus aus der Tradition der Propheten. Die Steuern müssen gezahlt werden, weil das Bild auf der Münze das seine ist; aber der Mensch, jeder Mensch, trägt in sich ein anderes Bild, das Bild Gottes, und deswegen schuldet jeder Ihm und Ihm allein seine Existenz. Die Kirchenväter, inspiriert durch die Tatsache, dass Jesus sich auf das eingeprägte Bild des Kaisers auf der Münze bezieht, haben diese Passage im Licht der Einsicht interpretiert, dass der Mensch Bild Gottes ist, wie es im ersten Kapitel des Buches Genesis beschrieben ist. Ein uns unbekannter Autor schreibt: „Das Bild Gottes ist nicht in Gold eingeprägt, sondern im Menschengeschlecht. Die Münze Caesars ist Gold, aber diejenige Gottes ist die Menschheit ... Deswegen gib deinen Reichtum dem Caesar, aber erhalte für Gott die Unschuld des Gewissens, in dem Gott geschaut wird ... Caesar dagegen hat sein Bild auf allen Geldstücken verlangt, aber Gott hat den Menschen auserwählt, ihn hat er erschaffen, um seine Herrlichkeit sichtbar zu machen.“ Der heilige Augustinus hat darauf in einigen Predigten Bezug genommen: „Wenn Caesar sein Bild, ein- geprägt in Münzen, zurück verlangt, schulden wir dann nicht Gott das Abbild Gottes, das ihm eingeprägt ist?“ Und weiter: „Wie Caesar die Steuermünze gegeben wird, so wird Gott die die Seele - erleuchtet durch sein Antlitz - gegeben. Jesus Christus wohnt im Menschen.“ Diese Worte Jesu sind voller anthropologischer Bedeutung, und sie lassen sich nicht auf die politische Bedeutung beschränken. Die Kirche beschränkt sich nicht darauf, die Menschen an die rechte Trennung zwischen der Autorität Caesars und der Gottes zu erinnern, zwischen Politik und Religion. Die Sendung der Kirche, wie die Jesu, bedeutet vor allem, von Gott zu sprechen, an seine Hoheit zu erinnern, und alle - vor allem jene, die ihre Identität vergessen haben - an das Recht Gottes auf das Seine zu erinnern, das Recht auf unser Leben. Um der Verkündung der ganzen Kirche einen erneuerten Impuls zu geben, dass sie die Menschen aus der Wüste, in der sie sich im Augenblick befinden, herauszuführen zum Ort des Lebens, der Freundschaft mit Christus, der uns das Leben in Fülle gibt, möchte ich in dieser eucharistischen Feier bekannt geben, dass ich entschieden habe, ein „Jahr des Glaubens“ zu verkünden, das ich in einem apostolischen Schreiben noch genauer erklären werde. Es wird am 11. Oktober 2012 beginnen, am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und es wird am 24. November 2013, dem Christkönigsfest, enden. Es wird eine Zeit der Gnade und einer immer engeren Verbindung mit Gott sein, um unseren Glauben an ihn zu stärken und ihn mit Freude den Menschen unserer Zeit zu verkünden. Liebe Schwestern und Brüder, ihr seid die Protagonisten der Neuevangelisierung, die die Kirche begonnen hat - nicht ohne Schwierigkeiten - aber mit dem selben Enthusiasmus wie die frühe Kirche. Abschließend möchte ich mir den Worten des Apostels Paulus, die wir in den Lesungen gehört haben, anschließen: Ich danke Gott für euch alle, und ich versichere euch, dass ich eurer im Gebet gedenke, eurem Einsatz aus Nächstenliebe und euere Hoffnung in unseren Herrn Jesus Christus. Die Jungfrau Maria, die keine Angst hatte, auf das Wort des Herrn mit „Ja“ zu antworten, hat sich nach der Empfängnis voll Freude und Hoffnung auf den Weg gemacht; sie sei immer euer Vorbild und leite euch. Lernt von der Mutter des Herrn gleichzeitig mutig und demütig zu sein; einfach und klug; sanft und stark, nicht mit der Macht der Welt, sondern mit der der Wahrheit. Amen. Rv111016ord
Benedikt XVI.: Rat für Neuevangelisierung „kostbares Instrument“
Als eine Art „Seismograph“ für die Moderne hat der Papst den Päpstlichen Rat für Neuevangelisierung beschrieben. Benedikt XVI. äußerte sich vor Teilnehmern der internationalen Konferenz über Neuevangeli- sierung in den Ländern des Westens. Das Treffen fand als eines der ersten seiner Art im Vatikan statt, ein- geladen dazu hatte der Rat für Neuevangelisierung. Ranghohe Vertreter von 33 nationalen Bischofs- konferenzen, aus dem Vatikan und von 115 geistlichen Gemeinschaften und Orden hörten dem Papst in der vatikanischen Audienzhalle zu, als er ihnen Gedanken zum Auftrag und Wesen der neuen Kurienbehörde zur Neuevangelisierung mit auf dem Weg gab. Benedikt XVI. hatte diese im September 2010 selbst neu eingerichtet. „Der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ist ein kostbares Instrument, um die großen Fragen zu identifizieren, die verschiedene Bereiche der Gesellschaft und der modernen Kultur umtreiben. Der Rat soll der Kirche bei ihrer Mission vor allem in Ländern antiker christlicher Tradition helfen, die gegenüber dem Wort Gottes gleichgültig oder gar feindlich eingestellt geworden sind.“ Der moderne Mensch sei „häufig verwirrt“ und nicht dazu in der Lage, Antworten auf viele Fragen zu finden, die sich ihm zum Sinn seines Daseins stellten, so der Papst. Auch das „flüchtige Glück“ könne dieses tiefe Bedürfnis nach Sinn nicht stillen. Um so dringender brauche es heute Vermittler, die sich für die Verkündigung des Glaubens einsetzten, unterstrich Benedikt XVI. an seine geistlichen Zuhörer gerichtet: „Wenn ich euch und euren großen Einsatz sehe, mit dem jeder von euch seine Mission erfüllt, bin ich überzeugt davon, dass es immer mehr Evangelisatoren geben wird, die eine echte Veränderung einleiten werden, die die Welt heute braucht. Nur durch Männer und Frauen, die von Gottes Präsenz erfüllt sind, wird Gottes Wort weiter in der Welt Früchte tragen. Evangelisatoren zu sein ist kein Privileg, sondern ein Einsatz, der vom Glauben her kommt.“ Auch wenn Neuevangelisierung keine leichte Aufgabe sei - die christliche Botschaft habe das Potential, auch in der heutigen Gesellschaft die gleiche Faszination entfalten wie zu Zeiten der Apostel, zeigte sich der Papst überzeugt. Die Überzeugungskraft des Evangeliums hänge letztlich nicht vom menschlichen Handeln ab, sondern verdanke sich dem Wirken Gottes, sagte Benedikt XVI.. Vor der Ansprache des Papstes fand in der Synodenhalle ein Konzert mit dem italienischen Tenor Andrea Bocelli statt. Nach der Begegnung mit dem Papst hatte die Diözese Rom die Teilnehmer des Kongresses zum gemeinsamen Gebet in mehrere Kirchen der historischen Innenstadt eingeladen. Rv111016pr
Neuevangelisierer stecken die Köpfe zusammen - Neuevangelisierung – wie macht man das?
Darüber haben sich etwa 8.000 Experten und Praktiker aus vielen westlichen Ländern im Vatikan beraten. Eingeladen hat sie der neue Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung unter Erzbischof Rino Fisichella. Am Abend war auch Papst Benedikt dazugekommen. Zuvor haben Menschen, die auf ihre Weise schon längst mit diesem Projekt begonnen haben, aus ihren Erfahrungen berichtet. Johannes Seidel ist einer von ihnen: Der Mannheimer koordiniert so genannte Alphakurse in katholischen Pfarreien in Deutschland und Österreich. Eine von vielen Ideen, um die es in Rom geht. „Der Alphakurs ist ein Kurs von zehn Einheiten; in der Regel wird er wöchentlich gehalten, und jeder Abend beginnt mit einem Abendessen. Es ist deshalb auch nicht so sehr ein Kurs, es ist vielmehr eine Einladung. Ein zweiter Teil ist ein Impulsvortrag über eines der grundlegenden christlichen Themen: Wer ist Jesus? Wozu starb Jesus? Wie kann ich beten? Was bedeutet die Bibel? Wie führt mich Gott? Und der dritte Teil – das ist eigentlich der wichtigste Teil – ist ein Gespräch in Kleingruppen, in denen sich die Leute frei über das austauschen, was sie gehört haben, was sie empfunden haben, wo sie Schwierigkeiten haben.“ Alphakurse sind eigentlich eine anglikanische Idee: Eine Londoner Pfarrei erfand sie vor etwa zwanzig Jahren. Aber jede gute Idee ist willkommen, wenn sie den Christen im Westen neuen Schwung zu geben vermag, findet Seidel. „Das Anliegen des Alphakurses ist, die Begegnung mit dem Herrn auch anderen zugänglich zu machen. Durch die Gemeinschaft beim Essen, durch Lehre und Zeugnisse, aber auch dadurch, dass man Menschen kennen lernt, die Christen sind. Viele Menschen heute in unserer Zeit, in unseren säkularisierten Ländern kenne überhaupt niemanden, der sich zu Christus bekennt und das pflegt. Das ist sozusagen die Grundlage: Christus bekannt zu machen. Für viele ist der Alphakurs so etwas wie die offene Tür zur Gemeinde. Wenn man in einen Gottesdienst geht, erschließt sich unser Glaube nicht von allein durch die Heilige Messe. Manche haben gesagt, der Alphakurs sei wie der erste Teil eines Films, von dem wir immer nur den zweiten Teil sehen. In meinem eigenen Dorf in unserem ersten Alphakurs hat jemand geschrieben: Wenn ich jetzt in den Gottes- dienst gehe, ist mir nicht mehr so langweilig, weil mich jetzt jemand anspricht.“ Langweilig wurde es auch den Kongressteilnehmern im Vatikan nicht: Dafür sorgte u.a. der bekannte italie- nische Tenor Andrea Bocelli. Einige Gruppen wollten nach dem Treffen im Vatikan auch mal rausgehen nach Rom und dort auf den Straßen evangelisieren. Am Sonntag feierte Papst Benedikt mit den Kongressteilnehmern die Messe im Petersdom. Dabei war auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Er erklärte dem Kölner Dom- radio, worum es dem Papst bei der Neuevangelisierung geht. „Er sieht ganz klar, dass unsere Geschichte vom Evangelium geprägt ist, dass wir eine gute christliche Basis besitzen - der Glaube an Jesus Christus aber an Glanz verloren hat. Wir müssen eine neue Sprache für den Glauben finden. Eine Sprache, die die Menschen verstehen, in Bildern, die die Menschen verstehen. Darum müssen wir ringen!“ Unter den Gästen der Konferenz im Vatikan waren Vertreter von mehr als 30 nationalen Bischofs- konferenzen sowie knapp 120 geistlichen Gemeinschaften, Orden und Gruppen. Aus dem Vatikan waren rund zwei Dutzend Kurienbischöfe sowie ein halbes Dutzend Kardinäle anwesend. Vortragende bei der Konferenz hinter verschlossenen Türen waren Erzbischof Rino Fisichella, der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescun Mutis und der italienische Publizist Vittorio Messori. Ferner hielt Verónica Berzosa ein Referat, die Gründerin der im vergangenen Dezember vom Vatikan anerkannten spanischen Gemeinschaft „Iesu Communio“, die sich der Mission unter Jugendlichen widmet. Über das Gespräch zwischen Wissenschaft und Glauben hielt der italienische Astrophysiker Marco Bersanelli von der Universität Mailand einen Vortrag. RVdr111015sk

Europäische Bischöfe beraten über Neuevangelisierung Foto links: St.Paulus-Kathedrale Tirana Foto rechts: Kardinal Peter Erdö, Erzbischgof von Budapest
Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen tagte in der albanischen Hauptstadt Tirana. Die Gespräche drehten sich vor allem um die Neuevangelisierung, auch im Hinblick auf die Synode im Oktober 2012, die Papst Benedikt XVI. zu diesem Thema einberufen hat. Der Erzbischof von Budapest und Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Peter Erdö, hat mit Radio Vatikan über das Thema „Neu- Eevangelisierung“ gesprochen: „Hier in Albanien können wir natürlich nicht über dieses Thema reden, ohne über das Schicksal der Märtyrer zutiefst gerührt zu sein. Dieses traurige Experiment aus der Zeit der Kommunisten, die den Atheismus zur Staatsreligion machten und damit die Freiheit jeder religiösen Konfession beschnitten. Wir erinnern an die Märtyrer dieses Landes, die durch ihr Schicksal eine Quelle der Kraft für das heutige Europa geschaffen haben. Für uns alle, die wir in den jeweiligen Ländern arbeiten.“ Neuevangelisierung, so der Kardinal, bedeute die Verbreitung und Neuentdeckung des Evangeliums in jenen Ländern, deren kulturelle Wurzeln zwar im Christentum lägen, sich aber in großem Maße vom christ- lichen Glauben entfernt hätten. „Es gibt also wahre Menschenmassen in Europa, die mit dem christlichen Glauben noch nie in direkten Kon- takt getreten sind. Darum ist die Neuevangelisierung auf der einen Seite wichtig, aber auch die Erneuerung der christlichen Identität und vor allem die Suche nach einer geeigneten Sprache, um die frohe Botschaft, die uns anvertraut worden ist, besser verbreiten zu können.“ Die Menschen in Europa hätten sich verändert, so der Kardinal. Sie kommunizierten mehr über die Bild- sprache, legten Wert auf audiovisuelle Effekte, interessierten sich eher für Eindrücke und Sensationen des Augenblicks. Dagegen verlöre die Schrift an Bedeutung, so der Budapester Erzbischof: „Das geschriebene Wort, die logische Argumentation, schafft manchmal Schwierigkeiten für viele unserer Zeitgenossen. Wenn wir also auf der einen Seite all diese neuen Sprachen der Kommunikation lernen müssen, dann müssen wir auf der anderen Seite auch jene Sprachen bewahren, die vielleicht weniger in Mode sind. Wir dürfen weder die Bibel, die schriftliche Ausarbeitung unseres Glaubens, noch die logische Argumentation ablehnen.“ RV110930ak
Benedikt XVI. Bartholomaios I.
Papst an Orthodoxe: Neuevangelisierung ist gemeinsames Anliegen
Die Wiederbelebung des christlichen Glaubens in säkularisierten Ländern muss nach Worten von Papst Benedikt XVI. ein gemeinsames Anliegen von katholischen und orthodoxen Christen sein. Die Überzeugungs- kraft der Botschaft Jesu hänge maßgeblich von der Einheit der Christen ab, heißt es in der traditionellen Botschaft des Papstes zum Andreasfest an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.. In dem Schreiben, das der päpstliche Ökumene-Minister, Kurienkardinal Kurt Koch, dem Patriarchen am Mittwoch in Istanbul überreichte, überbrachte der Papst dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit Grüße und Glückwünsche zum Patronatsfest. Gleiche Herausforderungen Das gegenwärtige kulturelle, wirtschaftliche und politische Umfeld stelle Katholiken und Orthodoxe vor „exakt die gleiche Herausforderung“, hebt Benedikt XVI. hervor. In den „zahlreichen“ einst christlich ge- prägten und heute weitgehend säkularisierten Regionen der Welt sei eine Verkündigung der Botschaft Jesu auf neuen Wegen besonders dringend. Die Verdrängung der Religion habe den Menschen seiner „tiefsten Dimension“ beraubt. Zugleich würdigte Benedikt XVI. die gemeinsamen Bemühungen um den interreligiösen Dialog. Er verwies auf das Weltfriedenstreffen im italienischen Assisi Ende Oktober, an dem auch Bartho- lomaios I. teilgenommen hatte. Gemeinsam mit ihm habe er die „aufrichtige Freundschaft“ und die „wahrhafte Brüderlichkeit“ zwischen den Religionen stärken können, so der Papst. RV111130mg
133 Kardinäle treffen Papst hinter verschlossenen Türen
Über das Thema Neuevangelisierung reden 133 Kardinäle vor dem Konsistorium 1912 hinter verschlossenen Türen mit dem Papst. Einen Tag vor seiner Ernennung von neuen Kardinälen hatte Benedikt XVI. seinen „Senat“ zu einem Tag des Nachdenkens und Betens zusammengerufen. Die Beratungen starteten mit Reden von Kardinaldekan Angelo Sodano sowie den Erzbischöfen Timothy Dolan aus New York und Rino Fisichella von der Kurie. Danach folgten sieben frei gehaltene Ansprachen. Insgesamt gehören 213 Personen zum Kardinalskollegium, wenn man die 22 „Neuen“ mit einrechnet. Fisichella, der den neuen Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung leitet, stellte den Kardinälen und dem Papst unter anderem den voraussichtlichen Kalender von Ereignissen für das „Jahr des Glaubens“ ab Oktober 2012 vor; der Kalender ist noch nicht öffentlich bekannt. Der neuernannte Kardinal Dolan unterstrich, „nicht nur Guinea“ müsse missioniert werden, sondern auch seine Bischofsstadt New York. Die Säkularisierung sei „keine Bedrohung für Gläubige, die von außen kommt, sondern entstellt den christlichen Glauben von innen“. Dolan fuhr fort, „als Gläubigen müssen uns aber vor allem auch die am Herzen liegen, die sich als Agnostiker oder Atheisten bezeichnen“. Die Kirche solle „immer vertrauensvoll sein, aber nie triumphal“. Rv120217sk

Papst approbiert Neokatechumenalen Weg
Die neue geistliche Bewegung des Neokatechumenalen Wegs ist nun endgültig vom Heiligen Stuhl anerkannt. Das entsprechende Dekret des Päpstlichen Laienrates wurde am 20. Januar 2012 veröffentlicht. Papst Benedikt empfing zu diesem Anlass am Vormittag 7.000 Angehörige des Neokatechumenats in Audienz. Dabei ermutigte er die Familien und Priester ausdrücklich dazu, die Gemeinschaft mit der Weltkirche fest im Blick zu behalten. Gleichzeitig bedankte sich der Papst im Namen der Kirche bei den Angehörigen der geistlichen Bewegung. „Die Kirche braucht euch für die Neuevangelisierung“, so Benedikt wörtlich. Und weil die Laien- mission ein Schwerpunkt des Neokatechumenats ist, entsandte der Papst bei der Audienz mehrere Klein- gruppen von Laienmissionaren. Rv120120
Papst Benedikt XVI. begrüßt Francisco “Kiko” Argüello
„Sucht in eurem wertvollen Weg immer eine tiefe Einheit mit dem Apostolischen Stuhl und mit den Hirten der Ortskirchen, in die ihr eingefügt seid: Die Einheit und die Harmonie des Körpers der Kirche sind eine wichtige Bezeugung Christi und seiner Botschaft in unserer Welt.“ Gleichzeitig bedankte sich der Papst im Namen der Kirche bei den Angehörigen der geistlichen Bewegung. „Die Kirche braucht euch für die Neuevangelisierung“, so Benedikt wörtlich. Danach ging er auf die spirituellen Feiern ein, die dem Neokatechumenat eigen sind und die mancherorts zum Verdacht geführt hatten, die Be- wegung wolle aus der Weltkirche ausscheren. Diese Feiern, sagte der Papst, dienten der Vorbereitung des einzelnen Christen auf die eigentliche Gemeindemesse. Sie seien „nicht streng liturgisch, sondern gehören zum Weg des Wachstums im Glauben. Dies ist ein weiteres Element, das euch zeigt, wie die Kirche euch aufmerksam in einem geduldigen Prozess der Findung begleitet, ein Prozess, der euren Reichtum umfasst, aber auch auf die Einheit und Harmonie des Körpers der gesamten Kirche schaut. … Die zunehmende Reifung der Einzelnen und der kleinen Gemeinschaft muss ihre Eingliederung in das Leben der großen kirchlichen Gemeinschaft fördern, die ihre ordentliche Form in der liturgischen Feier der Pfarrei findet, in die und für die sich das Neokatechumenat einsetzt.“ Ein Schwerpunkt des Neokatechumenats ist die Laienmission. So entsandte der Papst bei der Audienz Foto unten mehrere Kleingruppen von Laienmissionaren. Jede von ihnen besteht aus drei bis vier Familien und einem Priester und wird in säkularisierte oder noch nicht evangelisierte Gebiete geschickt, um die Frohe Botschaft zu leben und zu verkünden. Die Feier der Eucharistie ist auch für den Neokatechumenalen Weg der Höhepunkt des christlichen Lebens, zitierte Papst Benedikt bei der Audienz aus den Statuten der Bewegung. Die von den Angehörigen der Bewegung gefeierten Messen müssen überdies allen Gläubigen offen stehen. „Eben um die Annäherung an den Reichtum des sakramentalen Lebens für Menschen zu begünstigen, die sich von der Kirche entfernt haben oder keine entsprechende Ausbildung erhalten haben, können die Neokatechumenalen die sonntägliche Eucharistie in der kleinen Gemeinschaft feiern, nach der Vesper am Samstagabend. Aber jede eucharistische Feier ist eine Handlung des einzigen Christus zusammen mit seiner einzigen Kirche und deshalb offen für alle, die dieser seiner Kirche angehören.“ Die liturgischen Bücher seien „treu zu befolgen“, schärfte der Papst den Angehörigen der Bewegung ein. Wie der Neokatechumenale Weg in einer Aussendung mitteilte, hat die vatikanische Gottesdienstkongrega- tion die Feiern der Bewegung 15 Jahre lang geprüft, ehe sie für gut befunden wurden. Mit der nun erfolgten Billigung sei die Approbation der Bewegung insgesamt abgeschlossen. Bereits 2008 hatte der Heilige Stuhl deren Statuten anerkannt. 2010 folgte die kirchenrechtliche Billigung des 13 Bände umfassenden Kate- chismus der Bewegung „als gültige und verbindliche Unterstützung für die Katechesen des Neokatechume- nalen Wegs“. In dem jetzt verlesenen Dekret heißt es, dass alle Feiern approbiert seien, die bisher noch nicht durch die katholische Liturgie gedeckt waren. RV120120gs

Priester des neokatechumenalen Wegs bei der Verkündigung des Dekrets durch Papst Benedikt XVI.
Der Neokatechumenale Weg und seine Liturgie Der Neokatechumenale Weg begann am Stadtrand von Madrid, als 1964 der Künstler Francisco „Kiko“ Argüello erst allein, dann gemeinsam mit der Theologin Carmen Hernández begann, ihren Glauben in den Elendsvierteln der Stadt zu bekennen und Menschen um sich zu sammeln. Bald wurde daraus eine eigene Form der Katechese, die einen Weg der Initiation in den christlichen Glauben darstellt. Jeder, der diesen Weg unternimmt, wird Schritt für Schritt und über bis zu 14 Jahre hinweg zu einem engagierten und gemein- schaftlich gelebten christlichen Glauben geführt. Rv120120 Der Neokatechumenale Weg hat sich seit ihrer Gründung in der ganzen Welt verbreitet und zählt nach eigenen Angaben heute in 8.000 Pfarreien in über 900 Diözesen 30.000 Gemeinschaften. Die Zahl der Anhän- ger des Neokatechumenats (und folglich auch die Feier von deren Eigenliturgie) hat mittlerweile international die Millionengrenze weit überschritten. 2007 befanden sich auf dem Neokatechumenalen Weg 3.000 Priester und 5.000 Ordensschwestern. Vom Neokatechumenat wurden 73 neue Priesterseminare in der ganzen Welt gegründet, im deutschen Sprachraum finden sie sich in Berlin, Bonn und bei Wien. Diese werden Redemptoris Mater „Mutter des Erlösers“ genannt und sind Eigentum der jeweiligen Diözese. Bisher sind ungefähr 1.000 Priester in diesen Seminaren ausgebildet worden, weitere 2.000 wurden in Diözesanseminaren ausgebildet. Darüber hinaus erwuchsen aus dem Neokatechumenalen Weg 5.000 weibliche Berufungen zum Ordensleben.

Fotos (l-r): Ikone des neokatechumenalen Wegs, Benedikt XVI., Der Gründer des Weges: Kiko Argüello
Ursprung Die Bewegung breitete sich sehr bald aus, zunächst in spanischen Großstätten, aber bald auch schon in Rom. 1985 gab es bereits mehr als 7.200 Gemeinschaften in über 2.600 Pfarreien in 65 Nationen. Geistlich versteht sich der Neokatechumenale Weg als Prozess der Umkehr, der sich in Pfarreistrukturen und in Verbindung mit der Ortskirche vollzieht. Man will die Verkündig vor allem für Getaufte, die den Glauben nicht mehr leben. Die Erwachsenenkatechese findet in kleinen Gemeinschaften statt. Diese Katechese ist in Methode und Inhalt genau festgelegt und in einem 13-bändigen Katechismus festgehalten, der vom Vatikan 2010 approbiert wurde. Das Programm ist verpflichtend. Liturgische Besonderheiten Liturgisch gibt es einige Besonderheiten, die bereits 2005 weitgehend an die kirchliche Liturgie angepasst wurden. Die weiterhin bestehenden Sonderformen wurden jetzt durch den Vatikan approbiert. So werden die Messfeiern bereits am Samstagabend gefeiert. Während des Wortgottesdienstes werden die Lesungen von Vorbereitern eingeleitet und kommentiert. Auch vor der Predigt haben die Anwesenden die Gelegenheit, zu sprechen und etwas aus ihrer Lebenserfahrung oder ihrer Lebenssituation beizutragen. Das wohl bekann- teste Merkmal ist, sich direkt nach den Fürbitten und nicht erst während der Kommunionfeier den Friedens- gruß zu reichen. Auch wird Matzen als eucharistisches Brot verwendet und die Kommunion unter beiderlei Gestalten, also in Form von Brot und Wein, am eigenen Platz entgegengenommen. Der Neokatechumenale Weg vermeidet den Begriff der Heiligen Messe und des Opfergedankens, die eucha- ristische Liturgie soll dem urchristlichen Feiern wieder näher kommen. Der Prozesscharakter Die Liturgien richten sich am Wegcharakter der Bewegung aus, nicht alle Liturgien sind für alle Stufen des Prozesses gedacht. Sie sollen die Gemeinde durch ihre Riten in ihrem Prozess begleiten. Der Neokatechumenale Weg will durch diese Weg-Methode den Nöten des modernen Menschen entspre- chen. Es entstehen strukturierte und von Laien geleitete Gruppen, in denen Kirche und Geschwisterlichkeit erfahren werden. Glaube und soziale Beziehungen fallen so zusammen und stützen einander. rv120120ord
Vatikanisches Lob für die Feiern des Neokatechumenats 
15 Jahre lang hat die vatikanische Gottesdienstkongregation die liturgischen Feiern des Neokatechume- nalen Weges geprüft; jetzt kam dann die offizielle Billigung. Die Hinführung zum Christentum ist immer eine Einheit aus Wort und Feier, das wurde mit der Approbation des Neokatechumenalen Weges bestätigt, sagte Kardinal Antonio Canizares Llovera, der Präfekt der Gottesdienstkongregation, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Es ist das Wort Gottes, das Handeln Gottes, es ist Gott, der in den Feiern spricht. Diese Feiern markieren die verschiedenen Abschnitte des Neokatechumenalen Weges, die der Weg jeder christlichen Initiation sind. Schon in der Spätantike war die Vorbereitung der Täuflinge durch besondere Feiern für jeden Abschnitt markiert, und heute macht man dasselbe. Diese Feiern des Neokatechumenats haben also nichts Künstliches, sie sind keine eigens erfundene simple Methodologie, sondern entsprechen dem Weg der Bekehrung, des Glaubens und der gänzlichen Eingliederung in das christliche Leben der Kirche.“ Als Spanier kennt Kardinal Canizares das Neokatechumenat schon lange: Die geistliche Bewegung ist in den 60er Jahren in Spanien entstanden. Besonders würdigt Canizares im Gespräch mit Radio Vatikan das Verhält- nis zwischen religiöser Unterweisung und Liturgie im Neokatechumenat; dieses sei „vorbildlich“. „Einige wollen ja eine Hinführung zur Taufe ausschließlich auf Basis der Katechese, also etwas, das vom Menschen gemacht wird und sich auf rein intellektueller Ebene abspielt. Aber die christliche Initiation ist immer ein Handeln der Mutter Kirche, in der wiederum Gott handelt. Gott ist die Priorität: Gott handelt, der Mensch antwortet. Der Mensch vollzieht einen Weg, der vom Wort Gottes erleuchtet sein muss und gleichzeitig als Handeln Gottes erlebt und angenommen werden muss. Das ist im Neokatechumenalen Weg sehr klar.“ Hintergrund Der Neokatechumenale Weg ist eine der neuen geistlichen Gemeinschaften der Kirche. Sein Ziel ist es, ge- taufte Christen langfristig auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Das geschieht durch geistliche Übungen und durch die Bildung fester Gruppen, die über einen Zeitraum von mindestens fünfzehn Jahren bestehen. Die Angehörigen der Bewegung feiern ihre Gottesdienste oft im geschlossenen Kreis, ihre Eucharistiefeier unter- scheidet sich in einigen Punkten von der römischen Messe. RVgs120123sk

Vesper in Léon: Papst mahnt zur Einheit in der katholischen Kirche
Die Katholiken in Lateinamerika müssen in einem harmonischen Miteinander leben. Das sagte der Papst bei einer Vesper mit den lateinamerikanischen Bischöfen in der Kathedrale von León in Mexiko. Benedikt XVI. rief die Oberhirten auf, sich stärker für die Evangelisierung einzusetzen. Der Papst sprach bei der Vesper auch über sozialpolitische Herausforderungen. Zu den anwesenden Bischöfen sagte er: „Die augenblickliche Situation eurer Diözesen weist sicherlich Herausforderungen und Schwierigkeiten ver- schiedenster Herkunft auf. Doch da wir wissen, dass der Herr auferstanden ist, können wir zuversichtlich voranschreiten, in der Überzeugung, dass das Böse in der Geschichte nicht das letzte Wort hat und dass Gott einer Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt vgl. Röm 5,5, neuen Raum geben kann. Als Nachfolger Petri, so der Papst weiter, danke er den lateinamerikanischen Bischöfen „für den geduldigen und demütigen pastoralen Eifer“. Die Bischöfe seien nicht allein, so Benedikt XVI. weiter. „Wenn ich sehe, wie sich in euren Gesichtern die Sorgen um die Herde widerspiegeln, um die ihr euch küm- mert, kommen mir die Versammlungen der Bischofssynode in den Sinn, in denen die Teilnehmer applaudieren, wenn diejenigen das Wort ergreifen, die ihren Dienst in Situationen versehen, die für das Leben und die Sendung der Kirche besonders schmerzlich sind. Diese Geste entspringt aus dem Glauben an den Herrn und bedeutet Brüderlichkeit im apostolischen Einsatz sowie Dankbarkeit und Bewunderung für die, welche das Evangelium unter Dornen in Form von Verfolgungen, Ausgrenzung oder Verachtung aussäen. Auch fehlt es nicht an Sorgen wegen mangelnder Mittel und menschlicher Ressourcen oder wegen der Einschränkungen der Freiheit der Kirche in der Erfüllung ihrer Sendung.“ Benedikt erinnerte an die Sorgen der Kirche bei der Ausübung ihrer Mission. Er erwähnte unter anderem die Schranken, die ihrer Freiheit in der Religionsausübung gesetzt seien. Die Bischöfe sollten sich aber trotz Hindernissen nicht davon abbringen lassen, in der Neuevangelisierung den Glauben den Menschen näher zu vermitteln. Die Kirche Lateinamerikas müsse eine „Saat der Hoffnung“ bleiben. Denn der katholische Glaube habe das Leben, die Gebräuche und die Geschichte Lateinamerikas, in dem viele seiner Nationen gerade das zweihundertjährige Jubiläum ihrer Unabhängigkeit feiern, deutlich geprägt, fügte der Papst an. Weiter ging er auf die Initiativen zum Jahr des Glaubens ein. „Eine Hilfe leistet dazu auch die in Aparecida geförderte Misión continental, die in den Teilkirchen Lateinamerikas und der Karibik bereits viele Früchte kirchlicher Erneuerung erntet. Unter anderem das Studium, die Verbreitung und die Meditation der Heiligen Schrift, welche die Liebe Gottes und unser Heil verkündet. In diesem Sinn rufe ich euch auf, weiterhin die Schätze des Evangeliums zu erschließen, damit sie sich in eine Kraft der Hoffnung, der Freiheit und des Heils für alle Menschen verwandeln (vgl. Röm 1,16). Und seid auch treue Zeugen und Ausleger des Wortes des menschgewordenen Sohnes, der lebte, um den Willen des Vaters zu erfüllen und der sich als Mensch unter den Menschen für sie aufopferte bis zum Tod.“ RV120325mg

Wie kommt Gott ins Internet?
Der Medienverantwortliche des Vatikan, Erzbishof Claudio Maria Celli, hat es beklagt: Die Kirche ist nicht präsent genug, wenn es um die digitalen Medien und die Verkündigung geht. Ein Projekt, das für sich damit wirbt, eine „Marke“ zu sein, die für eine neue Form der Verkündigung stehe, ist der YouCat. Zuerst ein Buch und ein Katechismus für Jugendliche, dann auch ein Gebetbuch, ist es bald auch ins Internet gegangen, hat einen Blog, ist bei Facebook präsent und auch sonst sehr netzaffin. Am 04. Mai 2012 hat Bischof Konrad Zdarsa in Augsburg das YouCat Zentrum eröffnet, ganz ‚real’ und nicht nur ‚virtuell’. Stephan Ahrens ist Mit- arbeiter dort, mit ihm haben wir über die Wege ins Netz gesprochen, die der YouCat Gott und dem Glauben bereiten will. YouCat-Institut in Augsburg: Wie kommt Gott ins Netz? Wie sag’ ich’s meinen Kindern? Für Christen, die den Glauben weitergeben wollen, stellt sich diese Frage bedrängender denn je, denn die Welten der Kommunikation driften immer mehr auseinander. Gerade erst wieder wird das durch eine Studie bestätigt, die vom Sinus-Institut herausgegeben wurde. So verschieden die Lebenswelten der nachwachsenden Generation sind, so identisch ist ihre Einstellung zu Glau- be und Kirche: Sie begegnen ihnen einfach nicht, Glaube, Gott und Kirche kommen nicht vor. Jugendliche be- wegen sich in der digitalen Welt, sie nutzen Foren und Facebook, leben im Augenblick des Internets und nutzen nicht mehr die Wege, die für andere Generationen noch selbstverständlich waren oder sind. Wenn im Vatikan im Oktober die Bischöfe der ganzen Welt über das Thema der Verkündigung in der moder- nen Welt, die Neuevangelisierung, sprechen, dann wird das ein sehr prominentes Thema sein müssen. Am vergangenen Wochenende machten sich Fachleute im Stift Heiligenkreuz Gedanken darüber, wie man sich der Verkündigung unter den digitalen Bedingungen zuwenden könne. Erst einmal müsse man die Realität ins Auge fassen, so Erzbischof Claudio Maria Celli, im Vatikan zuständig für die sozialen Kommunikationsmittel. Und diese Realität sei wenig tröstlich: „Wenn man sich die Diözesen in der Welt anschaut, stellt man fest, das nur etwa 50% eine eigene Web- seite haben. Hier in Österreich hat jedes Bistum eine, das stimmt, aber ich darf doch sagen, dass das meistens alte Webseiten sind: Das ist das „Web 1“, in dem der Name des Bischofs, des Generalvikars und der Mitarbeiter genannt werden. Wenn der Bischof aktiv ist, dann stellt er auch seine Predigten ins Netz. Aber wer liest schon die Predigt eines Bischofs? Und selbst das machen nur 50% der Bistümer. Die moderne Welt läuft schon mit „Web 2“, man spricht schon über das Web 3, und unsere aktiveren Menschen sind immer noch im Web 1.“ Zu dieser inneren Kluft, dem technischen Hinterherlaufen, tritt noch eine zweite: Die Kluft zwischen den „digital natives", also jenen Internetnutzern, die ihr christliches Lebenszeugnis im Netz leben, und jenen, die „als sozial und ökonomisch Marginalisierte" keinen Zugang zum Netz haben, werde größer, so Celli. Aber selbst diejenigen, die Zugang hätten, würden das Internet vernachlässigen. „Gehen wir mal der Frage nach, wer Jesus ist. Einer nicht mehr ganz neuen Zählung nach gibt es im Netz dazu 281 Millionen Antworten. Heute wird es noch mehr geben, sicherlich mehr als 300 Millionen Antworten auf die Internetsuche „Wer ist Jesus?“ Wenn ich im Netz etwas suche, bleibe ich normalerweise bei den ersten fünf Ergebnissen, maximal bei den ersten zehn. Wir brauchen mehr katholische Seiten in den Top 10! Es gibt darunter eine islamische Antwort auf die Frage, wer Jesus ist. Sie lachen, aber ich lache da nicht mehr. Wir überlassen es islamischen Organisationen, eine Antwort auf die Frage, wer Jesus ist, zu geben. Und wir Katholiken sind nicht präsent.“ Kein Platz also für katholische Selbstüberschätzung, ein ganzer Kommunikationsraum liegt brach. Ganz brach? Nein, immer wieder gibt es Initiativen, die sich den neuen Verkündigungswegen widmen. Ein Projekt, das für sich damit wirbt, eine „Marke“ zu sein, die für eine neue Form der Verkündigung stehe, ist der YouCat. Zuerst ein Buch und ein Katechismus für Jugendliche, dann auch ein Gebetbuch, ist es bald auch ins Internet gegangen, hat einen Blog, ist bei Facebook präsent und auch sonst sehr netzaffin. Bischof Konrad Zdarsa hat in Augsburg das YouCat Zentrum eröffnet, ganz ‚real’ und nicht nur ‚virtuell’. Stephan Ahrens ist Mitarbeiter dort und zuständig für die Vernetzung des Projektes mit dem Internet. Radio Vatikan hat ihn gefragt, was die Kirche in Sachen Verkündigung im Internet von Projekten wie dem seinen lernen kann. „Was man zuerst vielleicht lernen kann ist, dass man mit relativ wenigen Mitteln ins Internet gehen kann und auch mit wenigen Mitteln Menschen erreichen kann. Im August 2011 sind wir mit dem YouCat online gegangen, wir haben die internationale Hompage youcat.org ins Leben gerufen, die mittlerweile in acht Spra- chen online ist. Außerdem sind wir auf Facebook altiv und haben eine eigene YouCat Gruppe, in der etwa 27000 User Mitglied sind. Angegliedert an diese Hauptgruppe auf Facebook sind so genannte „Study Groups“, d.h. es gibt Gruppen, in denen sich Jugendliche in Gruppen treffen, un in denen Sie über den Glauben sprechen. Wir haben seit August letzten Jahres über 170 Study Groups bei Facebook freigeschaltet – das waren immer Jugendliche, die sich bei uns gemeldet haben, um eine solche Gruppe zu gründen. Da wird sehr lebendig über den Glauben gesprochen und auch mal kontrovers diskutiert. Wir haben mit sehr wenigen Mitteln sehr viele Leute erreichen können, die sich über den Glauben austauschen möchten. Im Vorwort zum YouCat hat Papst Benedikt geschrieben, dass es sein Herzenswunsch sei, dass Jugendliche den Katechismus studieren, Lerngruppen bilden und sich im Internet austauschen. Hier haben wir den heili- gen Vater beim Wort genommen.“ Die YouCat Initiative beschreibt sich selbst als Marke, wobei Marken ja normalerweise sich selbst ver- markten. Was will diese neue Marke darüber hinaus bei jungen Menschen erreichen? „Wir haben festgestellt, dass es wirklich einen großen Durst gibt – gerade unter jungen Menschen – nach Glauben und einen großen Durst nach Wissen über den Glauben. YouCat selber ist nicht nur der Katechismus, sondern unter dieser „Marke“ YouCat entstehen gegenwärtig viele Buchprojekte. Im Herbst ist ein YouCat Gebetbuch veröffentlicht worden, im kommenden Herbst kommt ein YouCat Firmbuch heraus, und im nächsten Jahr kommt der „DoCat“ heraus, von to do, etwas tun. Damit soll die Soziallehre der Kirche verständlich ge- macht werden. Sozialethiker schreiben Artikel zur Soziallehre und Jugendliche entwerfen To-Do-Listen, wie das im Alltag gelebt werden kann. Das Internet ist der zweite Pfeiler, und der dritte Eckpfeiler ist das YouCat- Zentrum, dass am Freitag eröffnet wurde. Da sollen sich Jugendliche auch wirklich treffen können und über den Glauben austauschen.“ Mit der Eröffnung des Zentrums in Augsburg gehen sie noch mal einen Schritt zurück oder weiter, je nach- dem, wie man das sieht: Vom Buch, also etwas Realem, erst in die Virtualität des Internets und nun wieder zurück oder weiter in die reale Welt. Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt? „Wir wollen zu einer Art Vollständigkeit gelangen. Wir wollen nicht den Fehler begehen und sagen, dass Glaubensverkündigung nur noch im Internet stattfindet. Wir wollen uns dann auch in der realen Welt um uns über den Glauben von Angesicht zu Angesicht austauschen.“ RV120505ord
Erzbischof Vincent Nichols
Katechese-Kongress: „Jungen Menschen helfen, sich selbst zu verstehen“
Wie junge Menschen in den Glauben einführen? Zu dieser Frage beraten in Rom Bischöfe aus mehr als 30 Ländern Europas. Schwerpunkt des Katechese-Kongresses, der vom Rat der Europäischen Bischofskonfe- renzen (CCEE) veranstaltet wird, sind die Vorbereitungen für die Erstkommunion und Firmung. Die Bera- tungen stehen im Kontext des von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen „Jahr des Glaubens“ und der Bischofs- synode zum Thema „Neuevangelisierung“ im kommenden Oktober. Vorbereitet wurde das Treffen vom Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols: „Ich glaube, dass in verschiedenen Ländern die Situation auch verschieden ist. Eine der Stärken des Kongresses wird es sein, über Allgemeinplätze hinaus auf die einzelnen Stärken der Länder zu blicken, über die wir sprechen. In einigen ist das die Pfarrei, woanders die Schule oder die Unterstützung für Familien.“ Eine Arbeitsgruppe hatte in den vergangenen Monaten einen Überblick über die Einführungen in den christ- lichen Glauben in Europa erstellt. Diese Daten wurden dem Kongress nun vorgelegt. In der Studie wurde do- kumentiert, welchen Einfluss die Familie oder soziale und ökonomische Umstände auf die religiöse Ent- wicklung von Jugendlichen haben. Die Ergebnisse wurden dann in Beziehung gesetzt zur jeweiligen Form der Katechese. Jugendliche und Heranwachsende haben bei der Befragung in ihren Antworten die Bedeutung persönlicher Entscheidungen betont. Diese Entscheidungen würden überwiegend zur Entfernung vom Glauben und von religiösen Vollzügen führen, steht in der Studie. Sie seien aber auch Zeichen der Suche, die junge Menschen ansprechbar mache für die „großen Fragen“, heißt es weiter. Dazu Erzbischof Nichols: „Die Herausforderung liegt darin, jungen Menschen zu helfen, sich selbst und ihre Erfahrungen und Wün- sche zu interpretieren und das im Zusammenhang mit dem Evangelium zu sehen. Ich glaube nicht, dass das Evangelium irrelevant ist, sondern wir sind es, die wir die Verbindung mit dieser Relevanz verlieren. Es ist schwierig, weil sich die ganze Kultur Europas verändert hat. Was einmal ein christlicher Kontinent war, ist nun aus ganz verschiedenen Gründen der Ebbe und Flut ganz verschiedener Glaubensüberzeugungen und Überzeugungen unterworfen. Was wir aber bei dem Kongress besprechen wollen, ist die darunter liegende Offenheit für das Transzendente – die können wir in jungen Menschen wahrnehmen.“ RV120508ord
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