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Jobbörse

Unten auf dieser Seite bringen wir interessante Angebote für unsere Mitglieder und Hilfen zur Jobsuche im Internet. Zunächst aber berichten wir vom
Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen (NBT)

Sie lesen auf dieser Seite:
1. „Behinderte stärker in den Arbeitsmarkt integrieren" 
2. Blinde dürfen als Heilpraktiker arbeiten
3. Globetrotter aus Hamburg gilt als Positivbeispiel: Mehr Chancen für Behinderte
4. Die Mitglieder des “Netzwerkes für die berufliche Teilhabe Blinder und Sehbehinderter NBT” möchten Ihr Partner sein, wann immer Sie als Arbeitgeber Probleme, Fragen oder Anregungen haben.
5. Blinde und sehbehinderte Menschen: Ihre Stärken beruflich nutzen
6. Hilfen für den Arbeitsplatz
7. Bundesagentur für Arbeit: Zwei ermutigende Erfahrungsberichte
8. Was kann das betriebliche Integrationsteam tun?
9. Qualifizierte blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten in den unterschiedlichsten Branchen.
Hier möchten wir Ihnen beispielhaft einige von diesen interessanten Berufen vorstellen
10. Fördergeld für behinderte Mitarbeiter
11. Neue Jobbörse mit SMS-Service
12. Kostenfalle bei Jobsuche im Internet - Agentur für Arbeit Osnabrück warnt vor Abzockern
13. Rehadat-CD-ROM
14. Bildungswerk berät Blinde
15. Familienratgeber. Online-Integrationskurs für Blinde und Sehbehinderte
16. Jobbörse für Blinde   
17. Jobportal speziell fiir altere Arbeitnehmer
18. Initiative »Jobs ohne Barrieren« im neuen Gewand
19. Medizinische Tastuntersucherin
20. Ronald Hinz - ein blinder Richter spricht Recht
21. Wann Umschulungen beim BFW bewilligt werden
22. Blinde für Arbeit am Computer fit machen
23. Internet-Stellenbörse:  jobpilot.de, monster.de, arbeitsagentur.de, stellenanzeigen.de, jobware.de, jobscout24.de  und viele mehr
24. die Liste der Internet-Spezial-Anbieterstellenanzeigen.de, jobware.de, jobscout24.de und viele mehr
25. Stellensuche 2.0 -140 Zeichen reichen: Wie Twitter zum neuen Job verhelfen kann

„Behinderte stärker in den Arbeitsmarkt integrieren"    polHubertHüppe-x  

Foto: Regierungsbeauftragter Hüppe: Nicht zu sehr auf die Arbeit in Werkstätten beschränken
 Zu selten: Arbeit mit Behinderung

   Immer ist von den Frauen die Rede, von den Älteren und den Jungen mit Migrationshintergrund. Sie sind diejeni- gen, auf die Politik und Wirtschaft zählen, um den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren einzudämmen.
   Motiviert werden sollen Arbeitslose, Minijobber und Teilzeitbeschäftigte. Dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, reicht das nicht. Er will das Augenmerk auf die Schwerbehin- derten lenken. Sie werden seiner Ansicht nach zu sehr auf die Arbeit in Sondereinrichtungen beschränkt, könnten aber stärker auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden. „Nicht in jedem Betrieb wird die Einstellung eines behinderten Menschen passen. Aber es sollte sich herumsprechen, dass es sich lohnt", sagte Hüppe der Frankfur- ter Allgemeinen Zeitung in Berlin.
   „In Deutschland haben wir nur gelernt, zuerst die Defizite eines Menschen zu sehen. Dabei bringt es viel mehr, wenn wir uns seine Fähigkeiten anschauen. Die Qualifikationen von Menschen mit Behinderungen kommen in der Vermittlung zu selten zum Tragen." In der Vergangenheit seien die „Sonderwelten", in Kindergarten, Schule und Beruf immer gepflegt worden, so dass fast niemand darüber Erfahrung im Umgang mit Behinderten habe. In den Unternehmen gebe es häufig Berührungsängste, die aber abgebaut werden könnten.
   Die Chancen am Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen Jahren auch für Behinderte verbessert. 2011 lebten in Deutschland mehr als 3,2 Millionen schwerbehinderte Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die Art ihrer Behinderungen - meistens sind sie nicht angeboren - variiert stark: Sie sind blind oder taub, gehbehindert, leiden unter einer psychischen Störung oder Lernbehinderung. Wie viele Behinderte heute schon im ersten Arbeitsmarkt tätig sind, ist nicht bekannt. 300.000 arbeiten in Werkstätten. „Dieses Sondersystem wächst. Die es betreiben, sind auch nicht besonders interessiert, dass sich das ändert", kritisiert Hüppe. Jedes Jahr kämen 7.000 Plätze in Werkstätten hinzu. Hüppe findet, dass das Geld, das dorthin fließt, besser zur Unterstützung von Behinderten in Betrieben genutzt werden sollte. „Die Sonderwelten müssen aufgebrochen werden." Nach Hüppes Überzeugung sollten Eltern von Behinderten über das Budget, das die Förderung in Berufsbildungswerken oder Werkstätten kostet, selbst entscheiden dürfen.
   In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit findet sich die Feststellung: Der Anteil von Fachkräften unter behin- derten Menschen sei etwas höher als unter nichtbehinderten Menschen. Dennoch finden behinderte Arbeitslose seltener einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sie sind in der Regel länger arbeitslos als nichtbehin- derte; der Anteil der Langzeitarbeitslosen unter ihnen ist weitaus größer. Gerechtfertigt findet Hüppe das nicht: „Der Behinderungsgrad sagt nichts über die berufliche Leistungsfähigkeit eines Menschen aus." Außerdem wirkten sich Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen positiv auf das Betriebsklima aus. Das Unter- nehmen könne für sich zudem einen Imagegewinn erreichen.
  Hüppe, dessen Stelle im Bundesarbeitsministerium angesiedelt ist, beginnt mit der Konferenzreihe „Unternehmen Inklusive Arbeit - Mehrwert durch Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen". Unternehmen, Verbände und Politik sollen sich über neue Wege der Fachkräftesicherung austauschen. Dem Auftakttreffen in Berlin folgen in den nächsten Monaten regionale Konferenzen. Sie sollen dazu beitragen, behinderte Menschen stärker in den Blick von Personalverantwortlichen zu rücken, besonders in kleinen und mittleren Unternehmen.
    Sinkende Geburtenraten stellen Arbeitgeber vor neue Herausforderungen, auch in der betrieblichen Ausbildung. Berufsausbildung und Weiterbeschäftigung von jungen Menschen mit Behinderungen gewinnen daher an Bedeu- tung. Unternehmen können finanzielle Leistungen wie Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung und zu den Gebühren der Berufsausbildung sowie bei der Schaffung neuer Ausbildungsplätze für behinderte Menschen erhalten. Auch eine Kombination von betrieblicher und außerbetrieblicher Berufsausbildung ist möglich. Auf den Konferenzen zeigen Unternehmen, die schon auf konkrete Erfahrungen zurückblicken können, welche Potentiale in der Ein- stellung von Menschen mit Behinderungen liegen.
   Um die Chancen von Menschen mit Behinderung zu verbessern, finden Arbeitnehmer und Unternehmen viel Un- terstützung. Arbeitsagenturen, Jobcenter, Sozialämter und Rehabilitationsträger gewähren Hilfen bei den Lohn- kosten, Probearbeitsverhältnissen und für eine behindertengerechte Arbeitsplatzausstattung. FAZ120927enn

Blinde dürfen als Heilpraktiker arbeiten

   Blinde Menschen dürfen in Deutschland als Heilpraktiker arbeiten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gestern entschieden Az.: BVerwG 3 C 26.11. Es gab damit einer blinden Frau aus Berlin recht, der das Land die Zulassung verweigert hatte. Der Frau fehle die gesundheitliche Eignung, den Heilpraktikerberuf auszuüben, hatten die Behörden argumentiert. Das sei unverhältnismäßig und ein Einschnitt in die Grundrechte der Frau, urteilte das Bundesverwaltungsgericht. Zwar könne sie keine Heilpraktikertätigkeiten ausüben, für die das Sehen unerlässlich sei. Es gebe aber genug Erkrankungen, die man etwa über den Tastsinn diagnostizieren und behan- deln könne. Als Voraussetzung für die Zulassung müsse die blinde Frau allerdings eine Zusatzprüfung ablegen und n nachweisen, dass von ihrer Arbeit als Heilpraktikerin keine Gefahren zu erwarten sind. HAZ121214dpa

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Mehr Chancen für Behinderte. Viele Firmen scheuen sich, Menschen mit Handicap einzustellen. Globetrotter aus Hamburg gilt als Positivbeispiel Foto rechts: Wir statten den Arbeitsplatz nach dem Leistungsvermögen des Mitar- beiters aus. Chef Andreas Bartmann im Lager des Unternehmens mit Globetrrotter-Mitarbeiter Dominik Bekiel

   Die Situation ist fatal. Während das Gesetz fordert, dass in jedem Unternehmen mit 20 und mehr Arbeits- plätzen mindestens fünf Prozent der Beschäftigten Menschen mit Behinderungen sein müssen, schafft die deut- sche Wirtschaft dieses Ziel nicht. Lediglich 3,2 Prozent aller Beschäftigten in Hamburg haben einen Behinderten- ausweis. Und knapp 3.600 Menschen mit Handicap, das entspricht fünf Prozent aller Arbeitslosen in der Stadt, sind derzeit ohne Job. Bundesweit suchen zugleich 177.062 Behinderte einen Arbeitsplatz. Doch statt einzustellen, zahlen die meisten Firmen lieber eine Ausgleichsabgabe, die zwischen 105 Euro und 260 Euro für jede nicht be- setzte Stelle im Monat liegt. Viele Unternehmer trauen Menschen mit Handicaps zu wenig zu, bemängeln Experten.
   „Menschen mit Behinderungen sind meist gut qualifiziert, leider werden sie von Arbeitgebern oft überhaupt nicht in die engere Wahl gezogen", sagt Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, dem Abendblatt. Heute will er in Berlin bei der Auftaktveranstaltung einer Reihe mit dem Titel „Unter- nehmen inklusive Arbeit" mehr Firmen davon überzeugen, dass Menschen mit Handicap hoch motivierte und quali- tativ exzellente Arbeitskräfte sein können. Weitere Konferenzen in verschiedenen Bundesländern folgen.
 Hüppes Positivbeispiel auf der heutigen Tagung kommt mit Globetrotter aus Hamburg. 42 Mitarbeiter mit Behinde- rung, davon 35 in der Hansestadt, arbeiten für Europas größten Outdoor-Ausrüster. Zum Beispiel Dominik Bekiel. Der 31-Jährige kann seinen rechten Arm kaum noch benutzen. Bei Globetrotter ist er seit 2003 im Lager tätig, scannt dort die verschiedenen Warengruppen. „Der Job macht mir Spaß", sagt er. Auch die Kollegen seien nett. „Probleme im Umgang gibt es nicht."
   Meike Timm, die sehbehindert ist, verteilt die Post bei Globetrotter. „Die Briefe sind für jede Abteilung vorsortiert, die Flure wurden mit großen Buchstaben gekennzeichnet, sodass sie ihren Weg finden kann", sagt Andreas Bartmann, Geschäftsführer und Gesellschafter von Globetrotter. „Natürlich hatten wir am Anfang lange überlegt. Doch heute möchten wir auf die Bereicherung durch die Kollegen nicht mehr verzichten." Sogar einfache Arbeits- prozesse wie etwa das Konfektionieren von Waren hat Bartmann von Asien zurück nach Hamburg geholt, um Behinderten einen Arbeitsplatz zu geben.
   Bartmann selbst ist inzwischen zu einer Art Botschafter für Menschen mit Handicap geworden. Anfang Sep- tember nahm er an einer Talkrunde in Hamburg teil, bei der es um die Beschäftigung Behinderter ging. Heute schickt er seine Personalchefin Katharina Benson zur Tagung nach Berlin. Globetrotter hat die erforderliche Min- destquote von fünf Prozent der Beschäftigten mit einem Anteil von 3,6 Prozent zwar nicht erreicht. Dafür aber hat sich das Unternehmen auf die wohl am schwersten zu vermittelnde Gruppe behinderter Menschen konzentriert: Denn viele der neuen Globetrotter-Mitarbeiter sind bereits in der Schule mit einer großen Lernschwäche aufge- fallen. Gemeinsam mit der Hamburger Arbeitsassistenz, einem gemeinnützigen Unternehmen, das im Jahr 1992 von Eltern behinderter Kinder gegründet wurde, macht Globetrotter sie seit 16 Jahren fit für den Arbeitsmarkt.
   „Wir statten den Arbeitsplatz nach dem Leistungsvermögen des Mitarbeiters aus", sagt Bartmann. So hat auch die Postverteilerin Meike Timm ein Lesegerät bekommen, auf dem die Schrift stark vergrößert angezeigt wird. Bezahlt werden solche Hilfen am Arbeitsplatz größtenteils von den Integrationsämtern der Stadt. Seit 1992 hat die Arbeitsassistenz, die den Firmen auch pädagogische Begleitung anbietet, rund 900 Behinderten einen Job ver- mittelt.
   Bartmann, der auch Aufträge wie die Möbel in der Kantine für die Globetrotter-Mitarbeiter an Behindertenwerk- stätten vergibt, hat sein Engagement nicht bereut. „Das Arbeitsklima hat sich verbessert, es wird mehr Rücksicht genommen", sagt er. Das zeige sich beispielhaft an der Postverteilung. „Die Mitarbeiter achten darauf, dass sich in den Fluren keine Stolperfallen wie Paletten befinden." Behindertenbeauftragter Hüppe sagt: „Gerade bei Globe- trotter zeigt sich, dass sich betriebswirtschaftliche Belange und die Beschäftigung von Menschen mit Behinderun- gen nicht ausschließen. Im Gegenteil - gerade sie sind besonders motiviert, wenn sie ihren Platz in einem Unter- nehmen gefunden haben." Er hofft auf viele weitere Nachahmer. HA120927DanielaStürmlinger

Initiative für neue Jobs
Die Hamburger Arbeitsagentur hat sich inzwischen im Schmidt-Theater getroffen unter anderem mit Vertretern von Hamburger Firmen, darunter etwa der Personalleiter Holger Schultka von Olympus medical oder Anja Aldenhoff, Gesundheitsmanagerin der HSH Nordbank. Konkret geht es darum, wie psychisch kranke Menschen ins Arbeitsl- eben zurückkehren können. „Menschen mit Behinderung sind besonders motiviert und zuverlässig, sie stellen keine Belastung dar", sagt Sönke Fock, Chef der Arbeitsagentur Hamburg. Die Agentur helfe bei der Arbeits- platzausstattung oder unterstütze Firmen mit anderen Zuschüssen.  HA120927Stü

BL-NBT-01xx     Ihre Einstellung ist gefragt ...

  Schön, dass Sie sich bei uns über die Möglichkeiten der Beschäftigung von blinden und sehbehinderten Menschen informieren. Danke auch im Namen unseres Schirmherrn, Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler.
   Die Mitglieder des “Netzwerkes für die berufliche Teilhabe Blinder und Sehbehinderter NBT” möchten Ihr Partner sein, wann immer Sie als Arbeitgeber Probleme, Fragen oder Anregungen haben. Lesen Sie, welche Ziele wir haben und wer uns unterstützt.
   Blinde und sehbehinderte Menschen qualifizieren sich in völlig unterschiedlichen Berufenund arbeiten in der Praxis hoch motiviert und erfolgreich in verschiedensten Branchen. Den Rechtlichen Schutzvorschriften steht bei der Beschäftigung von schwerbehinderten Arbeitnehmern dabei ein umfangreiches Förder- instumentarium gegen- über.

Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen

   Das Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen (NBT) informiert im Internet über die beruflichen Möglichkeiten von blinden und sehbehinderten Menschen sowie über Hilfen und Unterstützungs- angebote. Wir bringen für Sie hier Auszüge aus diesem Netzwerk, das Blinden und Sehbehinderten bemerkens- werte Hilfen anbietet. kbwn

Blinde und sehbehinderte Menschen: Ihre Stärken beruflich nutzen
   Blinde und sehbehinderte Menschen haben es häufig besonders schwer, im Beruf Fuß zu fassen. Dabei haben sie oft spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt. Neue Chancen am Arbeitsmarkt und Beispiele aus der Praxis.
   Blind sein und arbeiten - geht das? Viele Sehende können sich das nicht vorstellen. Sie haben noch nie davon gehört, dass blinde Menschen als Computerspezialisten, Sozialarbeiter oder Industriemechaniker tätig sind. Auch die Vielfalt an modernen Hilfen, von der Braille-Zeile bis hin zur Arbeitsassistenz, kennen die wenigsten. Zur feh- lenden Information kommen häufig Klischees und Vorurteile, wie die blinde Psychotherapeutin und Autorin Eva- Maria Clofke-Schulz feststellt: „Einerseits traut man uns Blinden viel zu wenig zu und glaubt, uns beinahe über eine Straße tragen zu müssen, andererseits redet man vom sechsten Sinn, den wir haben sollen”.
Ursachen und Merkmale
   In Deutschland leben etwa 155.000 blinde und schätzungsweise eine halbe Million sehbehinderte Menschen. In vielen Fällen wird die Behinderung durch eine Schädigung des Sehnervs oder der Netzhaut verursacht, denn diese Erkrankungen sind noch nicht heilbar und auch die entsprechenden Zellgewebe können noch nicht ersetzt oder transplantiert werden. Manche der Betroffenen kommen mit der Behinderung auf die Welt, bei anderen tritt sie erst in einem späteren Lebensalter auf - entweder plötzlich, zum Beispiel durch einen Unfall, oder schleichend, wie bei einigen erblich bedingten Erkrankungen.
   Nicht jeder, der eine Brille trägt, ist sehbehindert. Auch ist eine verminderte Sehschärfe nicht das allein bestim- mende Merkmal einer Sehbehinderung. Es gibt zum Beispiel Menschen, deren Gesichtsfeld so stark eingeschränkt ist, dass sie nur noch einen punktgroßen Ausschnitt ihrer Umgebung sehen können. Andere leiden unter einer extrem hohen Blendempfindlichkeit oder können keine Farben wahrnehmen. Auch starkes Schielen oder eine ver- schleierte Sicht durch eine trübe Linse - wie beim Grauen Star - können das Sehvermögen deutlich herabsetzen.
   Entgegen landläufiger Vorstellung, bedeutet blind zu sein nicht unbedingt, gar nichts (mehr) zu sehen: Nur etwa fünf Prozent der blinden Menschen verfügen über keinen Sehrest, können also auch nicht hell und dunkel unterscheiden.
Auswirkungen im Beruf
   Wenn das Sehvermögen schlechter wird oder gar verloren geht, werden viele Verrichtungen des alltäglichen Lebens - auch im Beruf - zum Problem: beispielsweise Schriftstücke lesen, Papierformulare ausfüllen oder Präsen- tationen verfolgen. Die Betroffenen haben außerdem Schwierigkeiten, sich selbstständig zu orientieren und fort- zubewegen - dies beginnt auf dem Weg zur Arbeit und setzt sich im Betriebsgebäude fort. Ein großes Handicap blinder Menschen in der Kommunikation ist der fehlende Blickkontakt. Sie müssen sich auf die Stimme ihres Gesprächspartners verlassen und sind auf Beschreibungen angewiesen.

Was bedeutet blind und sehbehindert
    
Blindheit und Sehbehinderung werden unter dem Oberbegriff Sehschädigung zusammengefasst.
blind: Nach dem deutschen Sozialrecht gilt als blind, wer auf dem besseren Auge ein Sehvermögen von weniger als zwei Prozent besitzt. Das bedeutet: Auch wer noch über einen Sehrest verfügt und zum Beispiel Lichtschein wahrnimmt, kann als „blind" eingestuft sein.
hochgradig sehbehindert: Das Sehvermögen ist auf zwei bis fünf Prozent der Norm herabgesetzt. Die Betroffe- nen können blinden Menschen gleichgestellt werden.
sehbehindert: Das Sehvermögen auf dem besseren Auge beträgt - trotz Sehhilfen wie Brille oder Kontaktlinsen - höchstens 30 Prozent

   Wie stark jemand durch eine Sehschädigung beeinträchtigt ist, hängt jedoch auch davon ab, in welchem Umfang die behinderungsbedingten Einschränkungen durch andere Fähigkeiten, Hilfen und Strategien kompensiert wer- den können: etwa durch einen feinen Tastsinn, ein gutes Gehör, Kombinationsvermögen oder das Einhalten einer systematischen Ordnung. Diese Stärken können auch beruflich genutzt werden. Darüber hinaus gibt es effektive technische und personelle Hilfen. Hier sind insbesondere Computertechnik und Arbeitsassistenz zu nennen, die vielen blinden Menschen erst eine qualifizierte berufliche Tätigkeit ermöglichen.
Neue berufliche Perspektiven
   Frühere Untersuchungen belegen, dass blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt besonders benachteiligt sind. Dies liegt zum einen daran, dass die Zahl beruflicher Tätigkeiten, die für die Betrof- fenen in Frage kommen, behinderungsbedingt begrenzt ist. Zudem sind in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze verloren gegangen, weil traditionelle „Blindenberufe”, wie der Telefonist in der Vermittlung oder der Masseur, kaum noch nachgefragt werden. Doch haben sich auch neue berufliche Perspektiven eröffnet: So bietet beispiels- weise die IT-Branche zunehmend Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa als Fachinformatiker, IT-Kaufmann oder Webdesigner. Auch Call-Center - sofern sie seriös arbeiten - sind ein Zukunftsmarkt für Betroffene. Gleichzeitig entstehen neue Berufsbilder und Einsatzfelder, zum Beispiel die medizinische Tastuntersucherin in der Brustkrebs- vorsorge oder die Schreibkraft mit einer Zusatzqualifikation für das Verfassen medizinischer Fachtexte. Mittlerweile werden eine ganze Reihe kreativer Ansätze für neue Beschäftigungsmöglichkeiten entwickelt. Sie reichen von der Sprachanalyse bei der Polizei bis hin zur Sensorik, der Geruchs- und Geschmacksprüfung in der Lebensmittel- produktion.

Geburtsblind - spät erblindet
  
Für Menschen, die im Erwachsenenalter erblinden, ist der Verlust der Sehkraft ein tiefgreifender Einschnitt im Le- ben, der große Ängste hervorruft. Die Verarbeitung der Behinderung ist häufig psychisch sehr belastend. Nicht selten kommen weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzu. Dagegen stellen sich Menschen, die von Geburt oder früher Kindheit an erblindet sind, schon früh auf die Behinderung ein. Sie erlernen die Blindenschrift (Braille- oder Punktschrift), werden in ihrer Mobilität trainiert und frühzeitig im Umgang mit entsprechenden modernen Techniken geschult. In einem späteren Lebensalter fällt dies schwerer. Oft zwingt dann auch die Behinderung dazu, den bisher ausgeübten Beruf aufzugeben und beruflich noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Hilfen für den Arbeitsplatz
  Für blinde und sehbehinderte Menschen im Beruf und ihre Arbeitgeber gibt es eine Reihe von Hilfen und Unter- stützungsangeboten, die vom Integrationsamt oder einem Reha-Träger gefördert werden können. Erste Anlauf- stelle für Informationen und Beratung sind die Integrationsämter mit ihren Technischen Beratungsdiensten und die von ihnen beauftragten Integrationsfachdienste (IFD).
> Technische und optische Hilfsmittel
> Fachliche Beratung durch Integrationsfachdienste
> Behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes und technische Ausstattung
> Arbeitsassistenz
> Qualifizierung am Arbeitsplatz (Job-Coaching)
> Orientierungs- und Mobilitätstraining
> Weiterbildungen
> Zuschüsse zu Investitionskosten
> Abgeltung außergewöhnlicher Belastungen

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Zwei ermutigende Erfahrungsberichte:

Sensibilität ist ihre Stärke
   Karla Schopmans betreut als Sozialarbeiterin psychisch kranke Menschen - und das bereits seit 15 Jahren. Dabei wird die blinde Frau von einer Arbeitsassistenz unterstützt.
  Kann eine blinde junge Frau den anspruchsvollen Job einer Sozialarbeiterin bewältigen? Noch dazu, wenn sie viel unterwegs ist und mit einer so „schwierigen” Klientel wie psychisch kranken Menschen arbeitet? Seit 15 Jahren ist Karla Schopmans jetzt dabei. Aber schon während ihres achtwöchigen Praktikums, das sie beim Ludwig-Noll- Verein für psychosoziale Hilfe in Kassel geleistet hat, konnte sie ihren späteren Arbeitgeber überzeugen.
  Studium der Sozialarbeit Karla Schopmans ist mit einem Glaukom (Grüner Star) auf die Welt gekommen. Kenn- zeichnend für diese Erkrankung ist ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv dauerhaft schädigt. Nach dem Abitur an der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg studierte die heute 45-Jährige an der Fachhoch- schule in Esslingen bei Stuttgart Sozialarbeit. Ihre erste feste Arbeitsstelle bekam sie 1993 im Psychosozialen Zentrum des Ludwig-Noll-Vereins in Kassel, wo sie heute noch tätig ist. Im Rahmen des Betreuten Wohnens kümmert sie sich derzeit um zehn psychisch kranke Klienten. Außerdem leitet sie mit einer Kollegin eine 14-tägige Gesprächsgruppe für Angehörige. Zweimal in der Woche sind Betroffene zu einem offenen Kontaktangebot ein- geladen: „Wir kochen und essen gemeinsam”, erzählt Karla Schopmans. Die Teilnehmer am Betreuten Wohnen werden zu Hause besucht. Durch „Beziehungsarbeit”, also im Wesentlichen Gespräche, versucht die Sozial- arbeiterin sie bei der Bewältigung ihres Alltags zu unterstützen, um Krisen und Klinikaufenthalte zu vermeiden.
Hausbesuche bei psychisch Kranken
Ihre Assistenzkraft Thomas Ott ist immer dabei. Finanziert wird die Arbeitsassistenz vom Integrationsamt des Lan- deswohlfahrtsverbandes Hesser in Kassel. „Thomas ist eine wichtige Hilfe für mich. Er kann mir zum Beispiel den Zustand einer Wohnung beschreiben. Und beim Kochen mit der Gruppe hilft er mir, den Überblick zu behalten.” Die Klienten kommen mit seiner Anwesenheit gut zurecht. Auch die Reaktionen auf ihre Behinderung sind überwiegend positiv. Als blinde Frau hat Karla Schopmans wie ihre psychisch kranken Klienten selbst Diskriminierung erlebt. Das schafft Verbundenheit. Nicht zuletzt hat sie durch ihr fehlendes Augenlicht eine besondere Sensibilität entwickelt. So nimmt sie Befindlichkeiten wahr, die ein sehender Berufskollege, abgelenkt durch Äußerlichkeiten, vielleicht übersieht. „Die Einschränkungen und die Fähigkeiten, die ich durch meine Behinderung entwickelt habe, gleichen sich aus”, urteilt Karla Shopmans. „lch denke, ich mache einen ganz guten Job.”

Die freundliche Stimme am Telefon
   Wegen seiner Sehbehinderung entschied sich Ganesh Thevarajah für eine Umschulung zum Büropraktiker. Heute arbeitet er in der Telefonzentrale und Poststelle des Finanzministeriums in Düsseldorf - und ist glücklich darüber.
   „Ich hatte keine Ahnung, welche Hilfen es gibt!” Ganesh Thevarajah, der als Kind von Sri Lanka nach Deutsch- land kam, litt viele Jahre unbemerkt unter seiner Sehbehinderung. Auf Grund eines ererbten Sehnervschwundes verfügt er nur noch über ein Sehvermögen von 20 Prozent. Der 33-Jährige hat vor allem Mühe mit dem Lesen und mit dem Erkennen von Details, besitzt aber einen guten Orientierungssinn.
Umschulung zum Büropraktiker
  Acht Jahre lang arbeitete Ganesh Thevarajah unter größten Schwierigkeiten als Bäckergeselle. Doch irgendwann konnte und wollte er seine Sehschwäche nicht länger verbergen. Er bekannte sich zu seiner Behinderung und be- antragte einen Schwerbehindertenausweis. Schließlich machte ihn eine Augenärztin auf das Berufsförderungswerk (BFW) in Düren aufmerksam. Dort beriet man gemeinsam die beruflichen Alternativen und Ganesh Thevarajah entschied sich für eine Umschulung zum Büropraktiker, eine 18 Monate dauernde anerkannte Berufsausbildung. Mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes für blinde und sehbehinderte Menschen des Blinden- und Seh- behindertenverbandes Nordrhein e.V. beim BFW in Düren fand er im Oktober 2007 eine Anstellung beim Finanz- ministerium des Landes Nordrhein- Westfalen in Düsseldorf. „Zu verdanken habe ich diesen Job nicht zuletzt der Schwerbehindertenvertretung, die sich für mich eingesetzt hat”, so Ganesh Thevarajah.
Job in der Telefonzentrale
   Morgens und abends sortiert er mit zwei Kollegen in der Poststelle die Eingangs- und Ausgangspost - mehrere hundert Sendungen am Tag. Dabei muss ein Teil der eingehenden Briefe auch gelesen werden, um diese dann zuordnen zu können. Bei Bedarf kann Ganesh Thevarajah dafür eine Handlupe oder sein Bildschirmlesegerät be- nutzen, das den Inhalt des Schriftstücks auf dem Bildschirm des Computers vergrößert darstellt. Die meiste Zeit arbeitet der sehbehinderte Mitarbeiter in der Telefonzentrale. „Oft klärt sich das Anliegen eines Anrufers erst im Laufe des Gesprächs. Damit ich ihn dann an die richtige Stelle im Haus weiterleiten kann, muss ich jederzeit wis- sen, wer für welche Fragen der zuständige Ansprechpartner ist.” Die im Computer gespeicherte Telefonliste kann Ganesh Thevarajah mit einer Vergrößerungssoftware lesen. Auch die Beschriftung seiner Tastatur ist extra groß. Die Kosten für die erforderlichen Hilfsmittel am Arbeitsplatz trug die Arbeitsagentur. Ganesh Thevarajah freut sich jeden Morgen, zur Arbeit gehen zu können. Und die Anrufer beim Finanzministerium freuen sich über die freund- liche Stimme am Telefon.

Was kann das betriebliche Integrationsteam tun?
> Beizeiten handeln:
  
Sensibilisieren Sie Belegschaft und Vorgesetzte für erste Anzeichen einer Sehbehinderung: wie schnelle Er- müdung bei der Bildschirmarbeit, stark verkürzter Leseabstand, Danebengreifen, Fehltritte beim Treppensteigen, Lichtscheuheit, verlangsamtes Arbeiten oder zunehmende Fehlerquote. Bei einer Erkrankung frühzeitig handeln und Unterstützung anbieten bzw. das Betriebliche Eingliederungsmanagement durchführen.
> Arbeitsplatz behinderungsgerecht gestalten:
  
Blinde und sehbehinderte Menschen sind besonders auf ihr Gehör angewiesen und müssen deshalb vor Lärm geschützt werden. Die Beleuchtung ist den individuellen Anforderungen der jeweiligen Sehbehinderung (hoher Lichtbedarf oder Blendempfindlichkeit) anzupassen. Schlechtes Sehen kann zu Fehlhaltungen und so zu Rücken- problemen führen. Daher auf eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes achten.
> Ansprechpartner sein:
  
Besuchen Sie sehgeschädigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig an ihrem Arbeitsplatz. Erkundigen Sie sich nach gesundheitlichen oder sonstigen Schwierigkeiten und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Ermutigen Sie die Betroffenen wie auch Vorgesetzte und Kollegen, aufeinander zuzugehen und über Unsicherheiten im Umgang mit der Behinderung offen zu sprechen.

Blinde oder sehbehinderte Mitarbeiter - geht das?

   Blinde und Sehbehinderte machen ihren Job genauso gut wie jeder andere. Natürlich haben sie das Handicap, dass sie nichts oder wenig sehen. Das war es dann aber auch schon mit den Unterschieden zu normalsichtigen Arbeitnehmern.
  Die berufliche Palette für Blinde und Sehbehinderte beinhaltet - für Normalsehende erstaunlich - eine Vielzahl von Berufen, die auf der Arbeit mit dem Computer basieren.
Durch die “Braillezeile”, benannt nach dem Punktschrift-Entwickler Louis Braille, ist es für Blinde ohne Weiteres möglich, am Computer zu lesen und zu schreiben.
   Ein blinder Mensch arbeitet mit einer Braillezeile und einer PC-Tastatur
   Mit der Sprachausgabe ist es zudem kein Problem, sich Texte vom PC vorlesen zu lassen. Sehbehinderte arbeiten am Computer mit maßgeschneiderter Vergrößerungssoftware und Bildschirmlesegeräten.

Beispiele aus der Praxis
Qualifizierte blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten in den unterschiedlichsten Branchen. Hier möchten wir Ihnen beispielhaft einige von diesen interessanten Berufen vorstellen.
 - IT-Fachmann Bernard Siino
 - Physiotherapeutin Nicole Martin
 - Verwaltungsfachangestellter Björn Otto
 - medizinische Schreibkraft Marion Lange
 - Personalsachbearbeiter Michael Seipp
 - medizinische Schreibkraft Mandy Placzek
 - Justizfachangestellter Tim Jäger
 - Call-Center-Agent Sylvia Mazur
 - Verlagsangestellte Ralf und Torsten Michalzik

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IT-Fachmann Bernard Siino  - Karriereneustart dank Braillezeile und Blindenhund Foto oben links
   Nachdem Bernard Siino, gelernter IT-Fachmann, 2002 nach einer Routineoperation völlig erblindete, schien dies für ihn das Karriere-Aus zu bedeuten. Der damals in dem in Villingen-Schwenningen ansässigen Softwareunter- nehmen ISGUS Beschäftigte gab nicht auf.
   Er erlernte die Brailleschrift und ihre Anwendungsmöglichkeiten in der EDV. Mit Hilfe des ausgebildeten Blinden- hund Joschi und dem Langstock meistert er seitdem seinen Alltag. Die Rehabilitationsmaßnahmen des Berufs- förderungswerkes (BFW) Würzburg gaben Bernard Siino das Selbstbewusstsein zurück und ermöglichten ihm den Widereinstig in seinen Beruf als IT-Fachmann.
   Mein Aufgabengebiet ist Dank der Ausstattung meines Arbeitsplatzes mit Braillezeile und Screenreader nahezu identisch geblieben, betont Bernard Siino, der seit 2004 wieder an seinem alten Schreibtisch sitzt.
Nicole Martin, 24 Jahre, Physiotherapeutin Foto oben rechts
   Nicole Martin lebt in Triptis, Thüringen. Jeden Morgen macht sie sich auf den Weg zur Arbeit. Sie ist ausgebildete Physiotherapeutin mit einem besonderen Gespür für die Problembereiche Ihrer Patienten. Ihr feiner Tastsinn lin- dert die Schmerzen Ihrer Patienten. Wenn es einem Patienten einmal schlechter geht, macht Nicole Martin auch Hausbesuche. Immer dabei: der weiße Langstock, ihr ständiger Begleiter im Alltag und neben einem PC mit Braille- tastatur und Sprachausgabe das einzige Hilfsmittel, das die 24-jährige braucht, um ihren Beruf auszuüben.
   Nicole Martin schloss die Ausbildung zur Physiotherapeutin in Chemnitz als eine der besten Ihres Jahrganges ab. Ihre Chefin, die Frau Martin von Anfang an vorurteilsfrei gegenüber trat, ist voll des Lobes: Frau Martin ist voll auf Ihre Arbeit konzentriert. Durch klare Strukturen und ein kleineres Arbeitsumfeld ist Frau Martin in der Lage, sich selbstständig in der Praxis zu orientieren. Selbst die Patienten sind erstaunt über ihr sicheres Auftreten und ihre gute Arbeit. Nicole Martin ist gerne Physiotherapeutin. Ihr Start ins Berufleben im Jahr 2006 brauchte nur eine aufgeschlossene Chefin. Sie hat nie Vorurteile gehabt und war sofort bereit mich einzustellen, erinnert sich Frau Martin und fasst zusammen: Ich fühle mich in dieser Praxis wohl.

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Björn Otto, 27 Jahre, Verwaltungsfachangestellter    Foto oben links
   Björn Otto lebt in Kiel. Jeden Morgen macht er sich auf den Weg zur Wasser- und Schiffahrtsdirektion Nord, wo er in der Stabsstelle Arbeitssicherheit als Verwaltungsangestellter arbeitet. Herr Otto ist auf seinem Weg nicht allein. Sein Führhund begleitet ihn jeden Tag zur Arbeit, denn Björn Otto ist blind. Doch behindern lässt er sich da- von nicht. Er besuchte Regelschulen und wollte auch seine Ausbildung in integrativer Weise machen. Im Bewer- bungsverfahren setzte er sich gegen 150 Mitbewerber durch und bekam einen Ausbildungsplatz zum Verwaltungs- fachangestellten bei der Bundesverkehrsverwaltung im nichttechnischen Dienst.
   Um die Ausbildung absolvieren und seine Arbeit verrichten zu können, benötigt der junge Mann zwar einige Hilfs- mittel, wie einen PC mit Screenreader, eine Brailletastatur, einen Scanner mit Texterkennung und ein Schwell- papiergerät. Doch diese “kleinen Helfer” waren schnell beschafft. Schwierigkeiten gab es eigentlich nur im Vorfeld, als alles organisiert werden musste. Ansonsten ist er eine ganz normale Arbeitskraft, erklärt sein Ausbilder Wulf Kunstein. Nach Abschluss der Ausbildung ist der 27-jährige nun in der Stabsstelle Arbeitssicherheit tätig. Björn Otto hat Spass an seiner Arbeit. Es ist eben alles ganz normal - außer, dass ich nicht gucken kann, sagt Björn Otto lachend.
Marion Lange, 51 Jahre, medizinische Schreibkraft   Foto oben rechts
   Es ist faszinierend, mit welcher Geschwindigkeit sie trotz Blindheit mit dem Rechner umgeht. sagt Silke Serfling,  Chefarztsekretärin  in der Klinik für Innere Medizin in Dessau. Gemeint ist Frau Marion Lange, seit 01. 06. 2007 Ihre neue Kollegin. Für deren Einstellung hatte sich Frau Serfling seit Monaten stark gemacht.
   Lange Zeit konnte Marion Lange ihre Fähigkeiten nicht einbringen. Von 1992-2005 war sie arbeitslos und traf bei Bewerbungen immer wieder auf Vorurteile gegenüber Blinden. Schließlich entdeckte sie die Möglichkeit zur Um- schulung im Berufsförderungswerk Halle. Nach intensiver Überzeugungsarbeit finanzierte die Deutsche Renten- versicherung Bund in Magdeburg der damals 49-jährigen ehemaligen Stenotypistin eine Umschulungsmaßnahme zur Fachkraft für Textverarbeitung. Diese beendete Sie im Juli 2006 mit gutem Ergebnis. An die Umschulung schloss Frau Lange eine Weiterbildung zur medizinischen Schreibkraft an. Nach zwei erfolgreichen Praktika entschloss sich das Städtische Klinikum in Dessau, die medizinische Dokumentationsarbeiten an Frau Lange zu übertragen. Obwohl die finanziellen Mittel knapp sind, konnte das Klinikum ab 01. 06. 2007 einen neuen Arbeits- platz in der Klinik für innere Medizin für Frau Lange schaffen. Kompetent übersetzt die gelernte Stenotypistin ärztliche Phono-Diktate in die Schriftform. Die dafür erforderlichen blindentechnischen Hilfsmittel, wie Braillezeile und Screenreader wurden durch die Deutsche Rentenversicherung Bund finanziert.

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Michael Seipp, 40 Jahre, Personalsachbearbeiter  Foto oben links
   Michael Seipp ist verantwortlicher Personalsachbearbeiter für die 246 Mitarbeiter von Wolz Nautic, einem renommierten Hersteller von Schiffs- und Bootseinrichtungen im unterfränkischen Gaukönigshofen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass der gebürtige Bremer zu 50 Prozent schwerbehindert ist. Ein vererbtes Augenleiden ließ ihm lange weniger als die Hälfte der normalen Sehkraft. Nach einer kürzlich erfolgreich durchgeführten Augenoperation verfügt er nun immerhin über gut 60 Prozent. Ein Quantensprung nach vorne, aber für den Führerschein langt die Sehkraft leider nicht, so der 40-Jährige.
   Als Mitte der 1990er Jahre die Sehkraft zunehmend nachließ, entschied der ehemalige Lagerist neue berufliche Pfade einzuschlagen. Von Bremen ging er nach Würzburg, um sich am BFW Würzburg zum Bürokaufmann aus- bilden zu lassen. Seine Ausbildung schloss er mit der Note 1,8 ab. Dennoch blieben über 70 Bewerbungen, die er quer durch die Republik versandte, erfolglos. Wenn ihm geantwortet wurde, handelte es sich meist um eine Ab- sage. Michael Seipp kennt die Gründe: Die meisten Arbeitgeber assoziieren mit Behinderungen “nicht leistungs- fähig”. Tatsächlich hänge ich mich sogar mehr rein, denn ich will ja zeigen, dass ich es kann, stellt der 40-jährige richtig.
   Sein jetziger Arbeitgeber Wolz Nautic hatte diese Vorurteile nicht und war sofort von seinen Qualitäten über- zeugt.  Seit acht Jahren ist er verantwortlicher Personalsachbearbeiter und bildet Bürokaufleute aus. Herr Seipp ist ein äußerst wertvoller Mitarbeiter bestätigt der kaufmännische Leiter von Wolz Nautic, Jürgen Gnebner. Für uns zählt ausschließlich die gezeigte Arbeitsleistung - und die passt!
Mandy Placzek, 32 Jahre, medizinische Schreibkraft  Foto oben rechts
   Seit einem Jahr beantwortet Mandy Placzek im Informationszentrum der SALUS-Integra gGmbH die Anfragen von Ärzten, Patienten und Institutionen. Ob per Post, eMail oder am Telefon - Frau Placzek gibt kompetent Auskunft und vermittelt die richtigen Ansprechpartner. Hierzu benötigt die medizinische Schreibkraft nur eine Braillezeile für den Computer sowie ein Kameralesegerät. Beide Geräte wurden durch die Deutsche Rentenversicherung geför- dert und ermöglichen Frau Placzek sich und Ihre Fähigkeiten einzubringen. Neben ihr arbeiten zwei weitere sehbehinderte Mitarbeiter im Informationszentrum. Frau Placzek schätzt die Offenheit und die Unterstützung, die ihr entgegen gebracht wurden. Sie mag ihren Beruf und es macht ihr Freude zu sehen, dass mehr und mehr Aufträge eingehen und die Arbeit immer vielfältiger wird. Auf dieser Strecke bin ich in meinem Element, fasst sie zusammen.

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Tim Jäger, 26 Jahre, Justizfachangestellter  Foto oben links
   Tim Jäger ist 26 Jahre alt. Er ist Justizfachangestellter in der Zwangsvollstreckungsabteilung des Amtsgerichtes Flensburg. Mit acht Jahren erlitt er einen Unfall, in dessen Folge er durch Sauerstoffmangel sein Augenlicht verlor. Zunächst war er Schüler in einer Schule für Körperbehinderte. Anschließend besuchte Tim Jäger die Hauptschule bevor er auf die Berufsfachschule für Gesundheit und Ernährung wechselte, die er mit dem Realschulabschluss abschloss.
   Zu diesem Zeitpunkt wurde die Ausbildung zum Justizfachangestellten in Schleswig-Holstein neu eingerichtet. Bei der Ausbildung in einer Behörde rechnete sich Herr Jäger gute Chancen aus, nach Abschluss der Ausbildung übernommen zu werden. Er entschied sich für dieses Berufsbild. Mit Hilfe von Lupen, einem EDV-System mit Lese- gerät und einer Hilfskraft konnte er seine Ausbildung erfolgreich abschließen. Inzwischen steht der 26-jährige in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis und ist stellvertretender Schwerbehindertenbeauftragter des Amtsgerichtes Flensburg.
   Tim Jäger fühlt sich wohl: Ich finde es toll, dass ich mit meiner Sehschädigung keine große Aufmerksamkeit er- rege und nur die Hilfen bekomme, die ich brauche.
Sylvia Mazur, 22 Jahre, Call-Center-Agent   Foto oben rechts
   Sie hat wirklich viel Potenzial für diesen Job und macht das richtig gut, sagt Christian Kurtz, der Teamleiter mit Blick auf Sylvia Mazur. Die sehbehinderte Bürokauffrau telefoniert im Auftrag der theBEEcompany in Krefeld. Bei der Arbeit am Computer benutzt sie eine Schriftvergrößerung. Das stört hier niemanden. Wir sorgen dafür, dass unsere Mitarbeiter eine gute Leistung bringen können und geben ihnen Sicherheit, sagt Petra Hüschen von der JOB AG aus Mönchengladbach. Bei dem Personaldienstleister, der schon einige Menschen mit Behinderung beschäftigt, hat Sylvia Mazur nach ihrer Ausbildung im LWL-Berufsbildungswerk Soest ihre erste Anstellung gefunden. Jetzt macht sie das, was sie richtig gut kann und was ihr Spass macht: Sie telefoniert. Die Arbeit in einem Call-Center habe ich mir am Anfang als sehr schwierig vorgestellt, aber hier ist das nicht so, sagt Sylvia Mazur und ergänzt: Hier sind alle total nett. Es gefällt mir und die Arbeit klappt gut. Wegen meiner Sehbehin- derung Stellenabsagen zu bekommen, war sehr frustrierend, ergänzt sie. Bei theBEEcompany hat sie jetzt die Chance auf eine dauerhafte Anstellung. Christian Kurtz dazu: Die Sehbehinderung spielt für uns keine Rolle.

Info
   Es stellen sich unzählige weitere Fragen zur Praxis im Job: Was ist nach dem Gesetz und in der Praxis eigentlich Blindheit und Sehbehinderung? Arbeitsmittel Nr. 1 ist im Berufsleben vielfach der PC. Wie arbeiten die Betroffenen eigentlich am Computer? Welche Hilfsmittel stehen sonst noch zur Verfügung und wie werden sie benutzt? Auf diese und weitere Fragen finden Sie Antwort im Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen (NBT). Es informiert im Internet über die beruflichen Möglichkeiten von blinden und sehbehinderten Menschen sowie über Hilfen und Unterstützungsangebote: www.ihre-einstellung.de

Fördergeld für behinderte Mitarbeiter

   Menschen mit Behinderung kann es bei der Jobsuche helfen, Arbeitgeber gezielt auf Fördermöglichkeiten hinzu- weisen. Denn so bedauerlich es auch ist: „Viele Firmen haben noch Hemmungen, behinderte Menschen einzu- stellen, weil sie glauben, dass dadurch hohe Extrakosten auf sie zukommen”, sagt Hans-Joachim Reckzeh von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. „Wenn man Arbeitgebern dann vorrechnet, wie viel Geld sie zum Beispiel für nötige Umbauten vom Staat erhalten, lassen sich solche Ängste oft aber aus- räumen”, erklärt Reckzeh.
  Zum Beispiel biete das Bundesarbeitsministerium seit Anfang 2007 das Förderprogramm „Job 4000” an. Damit soll erreicht werden, dass mehr Schwerbehinderte einen Job oder einen Ausbildungsplatz außerhalb von Behin- dertenwerkstätten bekommen. So erhalten Arbeitgeber bis zu fünf Jahre lang eine staatliche Unterstützung, wenn sie Schwerbehinderte einstellen.
  Auch ein Ausbildungsplatz für körperlich oder geistig beeinträchtige Menschen wird mit bis zu 3.000 Euro zu Beginn der Ausbildung und mit maximal 5.000 Euro bei einer späteren Übernahme in eine unbefristete Stellung prämiert. Förderanträge könnten beim Integrationsamt gestellt werden, so Reckzeh weiter. NOZ080412tmn

Neue Jobbörse mit SMS-Service

   Jobsuchende hinterlassen bei www.arbeiten.de zunächst ihr Suchprofil und werden per SMS oder eMail benachrichtigt, sobald ein adäquates Angebot eingetroffen ist. In der Benachrichtigung enthalten ist auch gleich die Telefonnummer des möglichen neuen Chefs. Der Standort des poten- ziellen neuen Arbeitsplatzes ist mit Google Maps schnell gefunden.Internet: www.arbeiten.de  cidNOZ070602

Kostenfalle bei Jobsuche im Internet - Agentur für Arbeit Osnabrück warnt vor Abzockern

  Wer bei Internetsuchmaschinen den Begriff „Arbeitsagentur” eingibt, kann ungewollt auf kostenpflichtigen Seiten landen, die nicht von der Bundesagentur für Arbeit stammen. Darauf weist die Agentur für Arbeit Osnabrück hin. Die Internetadresse www.berufs-wahl.de unter der ein Betreiber einen kostenpflichtigen Berufstest anbietet, ist beispielsweise leicht mit dem Internet-Portal der Agentur für Arbeit unter www.berufswahl.de zu verwechseln. Bei vielen Internetseiten anderer Betreiber ist die Kostenpflicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Der zu ent- richtende Betrag versteckt sich im „Kleingedruckten” der Allgemeinen Geschäftsdingungen.
   Sobald in der Internetadresse neben dem Begriff „Arbeitsagentur” weitere Worte stehen, ist nicht mehr aus- zuschließen, dass es sich um kostenpflichtige Seiten anderer Anbieter handelt, warnt Klaus Dieter Voß, Presse- sprecher der Agentur für Arbeit Osnabrück
NOZ070707.

Rehadat-CD-ROM

   Neue und aktualisierte Informationen zum Thema Beruf und Behinderung sind wieder auf der aktuellen REHADAT-CD-ROM veröffentlicht. REHADAT bietet folgende Schwerpunkte an: Hilfsmittel, Praxisbeispiele, Literatur, Forschung, Recht, Adressen, Werkstätten und Seminare. Ergänzt oder erweitert wurden zum Beispiel folgende Inhalte:
-  Allgemeine Produktinformationen zu Hilfsmitteln (Stomaprodukte und Gehhilfen)
-  Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung
-  Internationale Klassifikation ISO 9999 „Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen"
-  Praxisbeispiele zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement
-  Volltext: Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit
-  Kontaktinformationen der Integrationsfachdienste
-  Interessenten können die CD kostenlos unter der
-  Tel.: 0221 -  498 18 44 oder bei gall@iwkoeln.de bestellen.

Bildungswerk berät Blinde

  Blinde und sehbehinderte Erwachsene können sich künftig in Kirchrode über Möglichkeiten des Wiedereinstiegs in den Arbeitsmarkt informieren. Das bundesweit tätige „Berufsförderungswerk Würzburg” eröffnete in Hannover in der Straße Großer Hillen 2 eine Landesgeschäftsstelle.
   In Niedersachsen leben rund 12.000 blinde und 35.000 sehbehinderte Menschen. Auskunft über berufliche Förderprogramme gibt das Bildungszentrum auch unter Tel: 0511 - 336 37 63.    bkHAZ070228

Familienratgeber. Online-Integrationskurs für Blinde und Sehbehinderte

   Das Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg bietet ab sofort einen Integrationskurs an, der per Internet abge- schlossen werden kann. Gedacht ist das neue Angebot besonders für Menschen, die aus familiären oder ge- sundheitlichen Gründen nicht ins Bildungszentrum kommen können. Sie haben Gelegenheit, von zu Hause aus vier Monate an ihrer beruflichen Weiterentwicklung zu arbeiten.
   Ein achtmonatiges Betriebspraktikum in Wohnortnähe soll den Kursteilnehmern im Anschluss gute Chancen auf eine feste Anstellung eröffnen.
   “Als bundesweit erstes Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte bieten wir die Möglichkeit, sich durch eine umfassende Integrationsmaßnahme von zu Hause aus weiterzubilden”, so BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz. Optimal geeignet sei der Online-Integrationskurs beispielsweise für Mütter oder Väter, die tagsüber ihre Kinder betreuen müssen. Auch für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, deren Erblindung noch nicht lange zurück- liege oder für Menschen mit Mehrfachbehinderung kann eLearning die Ideallösung auf dem Weg zurück in den Job darstellen. Die Kursteilnehmer sind dabei nicht auf sich alleine gestellt, sondern werden online durch qualifizierte Trainer betreut, erläutert Alfred Schulz. Mehr dazu: www.familienratgeber.de

Jobbörse für Blinde   http://www.jobline-reha.de

  Seit 1. Oktober 2000 ist das Gesetz zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter in Kraft. Es sieht die Schaffung von 50.000 neuen Arbeitsplätzen innerhalb von zwei Jahren vor. Um erfolgreich blinde und sehbehinderte Arbeitskräfte an Unternehmen vermitteln zu können, gibt es jetzt die Stelleninforma- tionsdatenbank “Jobline-Reha” für blinde und sehbehinderte Arbeit Suchende. In der Bewerberdatenbank Jobsearch können Unternehmen online direkt über das Feld Beruf/Tätigkeit nach geeigneten Mitarbeiter(innen) suchen.Stellengesuche können unter “Bewerberprofile eingeben” aufgegeben werden.
    Die Kontaktaufnahme zwischen Arbeitgeber und Arbeit Suchendem kann auf Wunsch auch über die Reha, die Stiftung Blindenanstalt Frankfurt, Adlerflychtstr.8-14, 60318 Frankfurt,
                      Tel.: (069) 95 51 24 60   eMail:
lippold@stiftung-blindenanstalt.de
oder die Berufsföderungswerke beziehungsweise Berufsbildungswerke für Blinde und Sehbehinderte sowie an- dere Multiplikatoren erfolgen. Jobline-Reha hat im Rahmen der “Aktion Praktikumsplätze” Unternehmen, Institu- tionen und Behörden dazu aufgefordert, Praktikumsplätze speziell für Blinde und Sehbehinderte zur Verfügung zu stellen. Weitere Serviceleistungen sind Tipps zu Nachrichten, Hörfunk und Fernsehen. Die Stiftung bietet ein kostenloses Bewerbungstraining an. Links gibt es zu verschiedenen Bildungsstätten und Firmen, die sich für die berufliche Fortbildung Sehbehinderter einsetzen. Jobline-Reha wird mehrmals wöchentlich aktualisiert und um- fasst  rund 5.000 neue Angebote aus Tageszeitungen und Fachzeitschriften pro Woche. Die Nutzung der Daten- bank ist kostenlos und steht nur blinden und sehbehinderten Menschen zur Verfügung.
Hildegard Strigl in: neue Caritas 10/01/T020531

Portal für Ältere:  www.expertia.de

   Ein Jobportal speziell fiir altere Arbeitnehmer, die bei www.jobwelt.de oder in anderen Offerten nicht fündig wurden, bietet sich jetzt im Internet unter: www.expertia.de. Nach der kostenlosen Registrierung können Stellen- suchende dort einen Lebenslauf und Wünsche für ihre berufliche Entwicklung einstellen, erläutern die Betreiber mit Sitz in Bielefeld. Finanziert wird das Portal durch Gebühren der Unternehmen. Diese müssen für die Einsicht in die Bewerberdaten zahlen. Auch Stellenanzeigen auf der Seite sind für Firmen dabei kostenpflichtig. NOZdapEb061111

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Initiative »Jobs ohne Barrieren« im neuen Gewand

  Seit kurzem steht die Initiative »Jobs ohne Barrieren« in einer optimierten Version im Internetangebot des Bun- desministeriums für Arbeit und Soziales bereit.
   Mit der Überarbeitung sind alle laufenden und neuen Projekte, die die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben fördern, über die eigenständige Adresse www.jobs-ohne-barrieren.de erreichbar. Die 2004 vom dama- ligen Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung gegründete Initiative setzt sich für die Förderung der Ausbildung und Beschäftigung behinderter Menschen sowie in der betrieblichen Prävention ein. Auf der neu gestalteten Webseite präsentiert sie sich, ihre Zielsetzungen und Partner und informiert gleichzeitig alle Betroffe- nen und Interessierten über mögliche Beteiligungsformen, unterstützte Projekte und die Sonderprogramme der Länder. Umfangreiche Zwischenberichte zeigen die Erfolge und den Fortgang der geförderten Maßnahmen sowie weitere Aktivitäten aller beteiligten Unternehmen auf.
   Neben einer grafischen Überarbeitung wurden alle Inhalte neu strukturiert und übersichtlich aufbereitet. Hilf- reiche Downloads geben kontextbezogen weitere Auskünfte und die Veranstaltungsberichte ermöglichen einen Rückblick auf erreichte Meilensteine und Schwerpunktthemen.

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Den Knoten auf der Spur:
Zur besseren Orientierung hat Marie Luise Voll die Brust der Patientin mit Streifen abgeklebt

   Mit Händen sehen: Brustkrebs. Die blinde Tastuntersucherin Marie Luise Voll spürt verdächtige Knoten auf. „Die meisten sind sehr aufgeregt, wenn sie zu mir kommen"
   Marie Luise Voll ist eine zierliche Person, ihre dunkelbraunen Haare trägt sie schulterlang. Ihre schmalen, zarten Hände tasten sich Millimeter für Millimeter über die Brust einer Patientin. Sie wirkt sehr konzentriert, aber auf ihrem Gesicht liegt ein leichtes Lächeln. Trotz ihrer Blindheit kann sie mehr sehen als andere. Marie Luise Voll arbeitet in der Krebsfrüherkennung in einem völlig neuen Beruf - als Medizinische Tastuntersucherin, kurz MTU genannt. Neben ihr gibt es bislang nur fünf andere Frauen in Deutschland, die diese Ausbildung gemacht haben.
   Der Duisburger Gynäkologe Frank Hoffmann hatte eine Idee, die nun bundesweit Schule machen soll. Seine These: Blinde Frauen können mehr sehen als Ärzte, sie haben häufig einen besseren Tastsinn als Sehende. Eine Gabe, die sie in der Brustkrebsfrüherkennung gut einsetzen können. Denn sie finden Knoten in der Brust, die bei der klassischen Früherkennungsuntersuchung unentdeckt blieben. Manche sind erst drei oder vier Millimeter groß. Klein genug, um rechtzeitig eine Therapie einleiten zu können.
Die Untersuchung dauert 30 Minuten
   Ursula Jurzik hat die ganze Nacht kein Auge zugemacht. „Ich hatte Schmerzen von der linken Achselhöhle bis zur Brust", berichtet sie. Marie Luise Voll nimmt sich für die Untersuchung rund 30 Minuten Zeit. Millimeter für Millimeter tastet sich die blinde Frau behutsam an der Brust entlang. Zuvor teilt sie den Oberkörper der Patientin mit Hilfe von Klebestreifen in Zonen ein. So kann sie sich auf dem Oberkörper orientieren und dem Arzt bei einem Fund die genaue Lage des Knotens erklären.
 Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 57.000 Frauen neu an Brustkrebs, mehr als 15.000 sterben an den Fol- gen. Dabei könnten viele geheilt werden, wenn die Knoten früh erkannt worden wären. „Die Tastuntersuchung der Brust spielt dabei eine zentrale Rolle", sagt Gynäkologe Hoffmann, der geistige Vater des Projekts, das sich „discovering hands" (entdeckende Hände) nennt.
Mit Patientinnen zu reden ist besonders wichtig
   Den Ärzten fehlt im Praxisalltag die Zeit, um die Brüste der Patientinnen so intensiv zu untersuchen, wie es die neuen Praxishilfen tun. Marie Luise Voll hat Zeit und redet beruhigend auf die Patientin ein. Reden ist besonders wichtig. Auch für die ängstliche  Ursula Jurzik. Am Ende der Untersuchung ist sie sehr erleichtert: Marie Luise Voll hat keine verdächtigen Knoten entdecken können.
  Die 56-Jährige zierliche Frau verlor erst vor gut drei Jahren ihr Augenlicht. „Dass ich irgendwann nichts mehr sehen werde, hat mir damals mein Augenarzt mit aller Brutalität, die in dieser Prognose steckt, gesagt." Marie Luise Voll kämpfte. Auch für die Weiterbildung zur MTU. Denn ihren Beruf als Krankenschwester konnte sie ohne ihr Augenlicht nicht mehr ausüben. „Für mich stand sofort fest, das mache ich",sagt Marie Luise Voll. Heute ist sie froh, diesen Schritt getan zu haben.
   In der Praxis von Frank Hoffmann in Duisburg bewegt sich die zierliche Frau als könne sie sehen. Sie kennt jeden Winkel. Draußen ist sie auf ihren Blindenstock angewiesen. „Es hat ein wenig gedauert bis ich mich damit zurecht gefunden und auch die Blindenschrift gelernt habe", erzählt Marie Luise Voll.
   Hoffmann ist von seinem Projekt überzeugt. In der Startphase wurde es wissenschaftlich begleitet. „Weil das Modell erfolgversprechend lief, sollen wir im Laufe des Jahres weitere Standorte für die Ausbildung etablieren", sagt er. Bundesweit eignen sich nach Angaben des Berufsförderungswerks Düren rund 400 blinde Frauen für die Ausbildung. Nur Frauen? „In der Tat könnten blinde Männer den Job genauso gut machen", sagt Hoffmann. „Wir haben während der Studie unsere Patientinnen befragt, ob sie es angenehmer finden, wenn sie von einer Frau untersucht würden. Die meisten sagten, es sei ihnen egal." Es könnte also durchaus sein, dass bei großer Nach- frage auch blinde Männer die Ausbildung absolvieren können.
   Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, überzeugte sich in Düren von dem Projekt, das nicht als Konkurrenz zur Mammographie sondern als Ergänzung etabliert wurde. Der Gynäkologe setzt große Hoffnungen in den Besuch, denn er möchte, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Bislang zahlt nur eine einzige Kasse in jedem Fall die 29 Euro teure Untersuchung, die anderen nur bei einem positiven Befund.
Gespür für Empfindungen der Patientinnen
   Für die blinden Frauen bedeutet die Ausbildung zugleich den Start in ein neues Leben. Die Krankenschwester konnte, nachdem sie ihr Augenlicht verloren hatte, ihren Beruf nicht mehr ausüben. „Es wäre in dieser Situation schrecklich für mich gewesen, nichts zu tun zu haben", sagt Marie Luise Voll.
   Sie liebt den Umgang mit den Menschen und hat ein Gespür für die Empfindungen der Patientinnen. „Die meisten" sind sehr aufgeregt, wenn sie zu mir kommen. Da habe ich gemerkt, wie wichtig die Kommunikation in diesem Beruf ist." Nicht umsonst sind über 200 Kommunikations-Traingsstunden fester Bestandteil der Ausbildung.
   Marie Luise Voll ist sehr zufrieden mit ihrem neuen Beruf. „Die Frauen sind so dankbar und am schönsten ist es, wenn ich ihnen die Angst vor der Untersuchung nehmen kann." HAZ090918SusanneWächter

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Zur Person: Marie-Luise Voll, Medizinische Tastuntersucherin
   Die Dunkelheit kam langsam, seit drei Jahren ist sie vollständig erblindet. Marie Luise Voll brauchte lange, um sich mit der Vorstellung an ein Leben in Blindheit abzufinden, das für die alleinlebende Wuppertalerin auch bedeutete, ihren Beruf als Krankenschwester aufgeben zu müssen. Deshalb ergriff die heute 56-Jährige die Initiative. Im Berufsförderungswerk für Blinde in Düren machte sie eine Fortbildung zur Medizinischen Tastuntersucherin. Während sie die Wochenenden in Wuppertal verbringt, lebt und arbeitet sie unter der Woche in Duisburg, wo der Gynäkologe Frank Hoffmann seine Praxis und das Projekt „discovering hands" betreibt. Das Projekt zur Qualifizierung blinder Frauen wird mittlerweile auch in anderen Regionen angeboten. Informationen unter: www.discovering-hands.de  Tel. 0203-713 86 80

Pia Hemmerling   med-PiaHemmerlingTastUS-z  Ihr können Frauen vertrauen

Pia Hemmerling ist die einzige Medizinische Tastuntersucherin Hamburgs. Die fast Blinde spürt kleinste Knoten auf. Foto: Pia Hemmerling (23) ertastet Brüste zur Krebsfrüherkennung

  Sie können weich sein. Manche sind elastisch, andere derb. So beschreibt Pia Hemmerling die verschiedenen Brüste, die ihr unter ihre grazilen Finger kommen. Im Monat tastet die 23-Jährige im Schnitt 23 Frauen nach Ver- änderungen in ihren Brüsten ab. Sie ist die einzige Medizinische Tastuntersucherin (MTU) in Norddeutschland. Ihr Tastsinn ist besonders ausgeprägt. Denn Pia Hemmerling ist von Geburt an fast blind. Sie leidet unter einem Glaukom (Grüner Star) und kann lediglich Umrisse und Farben erkennen.
   Millimeter für Millimeter tastet Pia Hemmerling die Brüste der Patientinnen in der Frauenarztpraxis von Jürgen Kröger in Bergedorf ab. 30 Minuten dauert die risiko- und schmerzfreie Untersuchung. So viel Zeit könnte sich ihr Chef, können sich andere Frauenärzte, gar nicht nehmen. Entdeckt Pia Hemmerling eine Veränderung, tastet Kröger die betroffene Stelle ebenfalls ab, im Zweifel muss eine Ultraschalluntersuchung folgen. 30 Euro kostet die Untersuchung bei einer professionellen Brustabtasterin. Bis auf die BKK mobil oil übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür nicht. Die Patientinnen kommen sogar aus Braunschweig extra in die Bergedorfer Frauenarzt- praxis. „Blinde haben ein besseres taktiles Gefühl, das können wir als Sehende so gar nicht umsetzen", sagt Dr. Kröger. Seine blinde Mitarbeiterin kann schon fünf Millimeter kleine Veränderungen ertasten. „So ein Knoten kann glatt sein, rau, rund oder oval." In kreisenden Bewegungen dringt sie mit Zeige- und Mittelfinger in die Tiefe des Gewebes vor.
   Ihr Chef sagt zwar, dass nur Blinde solch ein Fingerspitzengefühl hätten, doch Pia Hemmerling ist bescheidener: „Ich vermute, wir Blinden sind einfach trainierter." Eine Mammografie ersetzt das Abtasten nicht, es ist aber eine Möglichkeit zur Krebsfrüherkennung.
  Als Dr. Kröger von einer Ausbildungsinitiative eines Duisburger Kollegen hörte, war er gleich begeistert und wollte unbedingt eine ausgebildete Brustabtasterin einstellen. Neun Monate dauert die Ausbildung, die ausschließlich Sehbehinderte absolvieren dürfen. Pia Hemmerling arbeitet seit eineinhalb Jahren in dem Job und ist eine von bun- desweit zehn Brustabtasterinnen. Für sie ist es der perfekte Job.
   Ihre Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau hatte sie abbrechen müssen. Sie kann die Schriften am Computer- bildschirm zwar erheblich vergrößern und lesen, aber für die Arbeit im Reisebüro war sie einfach zu langsam. Sich selbst tastet Pia Hemmerling übrigens nicht ab. „Dann würde ich mich ja verrückt machen."

Eine exklusive Fortbildung:
   Medizinische Tastuntersucherin
ist eine Fortbildung, die nur blinden Frauen vorbehalten ist. Weil die Chancen auf Arbeit für blinde Menschen gering sind, möchte Janine Zehe, 30, aus Volksdorf sich ebenfalls zur Medizinischen Tastuntersucherin ausbilden lassen. Die blinde Frau hat ihr Sozialpädagogik-Studium vor vier Jahren erfolgreich abgeschlossen, ist aber arbeitslos und lebt von Hartz IV. „Ich habe auch schon eine Frauenarztpraxis gefunden, die mich gern einstellen möchte", sagt sie.
Die Kosten für eine Fortbildung zur Brustabtasterin aber will die Hamburger Arbeitsagentur nicht übernehmen. „Frau Zehe hat einen qualifizierten Studienabschluss und trotz ihrer Behinderung Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Damit ist ein neuer Berufsabschluss gesetzlich nicht begründet”, sagt Sprecher Knut Böhrnsen. Dagegen hat Zehe Widerspruch eingelegt.  HA100617GenevieveWood

au-RonaldHinz-HH   Ronald Hinz - ein blinder Richter spricht Recht

Der 43-Jährige wohnt im Herzen von Hamburg St. Pauli und arbeitet beim Landgericht Hamburg
vor 20 Jahren verlor er seine Sehkraft. „Ich führe ein ganz normales Leben sagt er, nur mit einem Handicap."

   Dass Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, blind sei, über den lockeren Spruch, der bisweilen zu hören ist, hat Ronald Hinz noch nie ernsthaft nachgedacht. Hinz ist Richter - er kann niemanden sehen. Nicht den jungen Mann, der an diesem Morgen im Prozess vor ihm sitzt, der zwei Autos gekauft hat und nun vom Händler verklagt wird, weil er sie nicht bezahlt hat, nicht den Anwalt des Klägers, nicht die Protokollführerin. Keiner ahnt es im Saal: Ronald Hinz ist blind, ist einer von rund 60 blinden Richtern in Deutschland.
   Der 43-Jährige, der den Fall am Landgericht an diesem Morgen verhandelt, kann gerade noch Hell und Dunkel wahrnehmen, schemenhaft, Kontraste, mehr nicht. Das ist ihm nicht anzumerken. Er trägt keine Blindenbinde, scheint den Beteiligten direkt ins Gesicht zu schauen. „Wo ist denn Ihr Anwalt?", fragt er, als er die Verhandlung eröffnet, die Personalien der Anwesenden abgefragt hat. „Nicht da", sagt der Beklagte. Hinz: „Das ist schlecht, Sie brauchen beim Landgericht einen Anwalt, sonst kommen wir hier nicht weiter."
   6.000 Euro begehrt der Advokat des Klägers für seinen Mandanten, den Händler. „Ich kann nichts zahlen, viel- leicht 20 Euro im Monat", sagt der Autokäufer. Hinz erlässt ein „Versäumnisurteil", weil der Beklagte ohne Anwalt erschien. Doch der Rechtsprecher versprüht Lebensmut: „Nicht den Kopf in den Sand stecken." Der Autokäufer hebt seinen Kopf, freut sich über die Ansprache. Hinz diktiert den Fall der Protokollführernin, die gibt es in den PC ein, erledigt ist die Sache.
   Der blinde Richter steht auf, verabschiedet sich. Er geht aus dem Saal, mit sicherem Gang. Links herum, ein paar Meter. Dann wieder links. Er hält vor einer Tür. Sein Büro. Er schließt auf. Orientierung ohne Blindenstock. Hinz lächelt. „Hier kenne ich jeden Winkel", sagt er. Er fährt den Computer hoch. Eine Stimme aus dem PC begrüßt ihn. Sie benennt jeden Mausklick, den Hinz macht. Eine besondere Sprach-Software für Blinde macht es möglich. Blindenschrift versteht Hinz nur wenig. Die Computer-Stimme liest ihm jede Mail vor. Die Akten mit den Zivil- rechtsfällen, die er braucht, werden alle zuvor eingescannt. Eine Assistentin bespricht täglich mit ihm die Post.
  Ronald Hinz wohnt im Herzen von St. Pauli. „Mitten im Leben", sagt er und lacht. Er wirkt positiv, dynamisch. Gut zwanzig Minuten benötigt er bis zum Gerichtsgebäude. Ampelsignale beachten, ein Auto, das ausparkt. Hupen, Stimmengewirr. Hinz horcht genau hin. „Vorsicht, da ist ein Pfeiler", sagt er einmal dem Reporter. Sein Weg: Heiligengeistfeld, Planten un Blomen, bis zum Sievekingplatz. Er geht zügig. Schritt für Schritt, punktgenau ertastet er mit dem Blindenstock die Hürden. Den klappt er vor dem Ziviljustizgebäude zusammen, verstaut ihn in seiner Aktentasche. Im Gebäude kennt er sich aus.
   Ronald Hinz wuchs in Othmarschen auf, sein Vater war Steuerberater. Als Kind ist er nur stark kurzsichtig. Doch er weiß, seine Sehkraft kann sich verändern. Jeden Tag. Retinitis pigmentosa, heißt die Stoffwechselerkrankung, an der Hinz leidet, eine Netzhautdegeneration.
   Er besuchte das Jenisch-Gymnasium. Als Ronald Hinz 15,16 Jahre alt ist, kann er kaum noch ein Buch lesen. Er muss mehr pauken als seine Mitschüler, härter ackern fürs Abitur. Aber er schafft es. Behält seinen Humor: „Die Bundeswehr wollte mich erstaunlicherweise nicht haben." Hinz studiert Jura in Marburg. Er lässt sich den Weg zur Uni zeigen und merkt sich, wo die Waren im Supermarkt liegen. Er wohnt in einer Studentenbude. Der junge Mann beißt sich durchs Jura-Studium, trotz Handicap. „Das war eine Quälerei."
   Beim Jura-Studium lernt er seine spätere Ehefrau kennen. Er lächelt, sagt trocken: Damals habe ich sie noch gesehen." Er schafft beide Examina, jobbt unter anderem als Anwalt. Bei TV-Richterin Barbara Salesch, früher am Landgericht in Hamburg tätig, hatte er im Referendariat eine Ausbildungsstation gehabt. 2001 wird er selbst Richter. Der Einsatz von blinden Richtern ist gesetzlich nicht geregelt. Es gibt höchstrichterliche Rechtsprechung, wonach ein blinder Richter nicht Vorsitzender einer Hauptverhandlung beim Strafgericht sein darf. Ronald Hinz arbeitet beim Zivilgericht, in einer Kammer mit zwei Kollegen. Er verhandelt in der Regel als Einzelrichter Bau- rechts-Streitfälle, allgemeines Zivilrecht.
  Nach dem Mittagessen sitzt er wieder im Sitzungssaal. Es geht um schwere Harley-Davidson-Motorräder. Streitwert: 37.000 Euro. Ein verzwickter Fall. „Wollen Sie nicht beide aufeinander zugehen?", fragt Richter Hinz wenig später die Prozessparteien. Sie schließen einen Vergleich. Der Richter blickt in zufriedene Gesichter - die er nicht sehen kann.
   Es ist Nachmittag. Ronald Hinz zieht seine Robe aus. „Feierabend", sagt er. Denkt er an die Zeit, als er noch sehen konnte? Daran, wie seine Sehkraft verschwand, ganz langsam? „Nein", sagt er. „Ich würde mich doch un- glaublich belasten damit, ich lebe im Hier und Jetzt." Er mag es, mit seiner Frau einzukaufen. „Sie sucht aus." Oder mit Freunden ein Bier trinken. Joggen mit einem Kumpel. Er spielt Fußball in der Blinden-Mannschaft des FC St. Pauli. Läuft dabei einem Ball hinterher, an dem eine Klingel hängt. Hinz war sogar mal Nationalspieler. „Ich führe ein ganz normales Leben", sagt er, „nur mit einem Handicap." HA090718RalfNehmzow

BL-PapeReinheimer-xx   Rüdiger Pape und Katja Reinheimer mit Blindenführhund Henri

Sie ist blind - und hat voll den Durchblick: Katja Reinheimer arbeitet als Assistentin des Personalleiters
bei Lufthansa Technik. Wann Umschulungen beim BFW bewilligt werden

   Sie hat einen ausgefüllten Arbeitstag. Katja Reinheimer bucht Seminare für Top-Führungskräfte, verhandelt mit Vorständen, prüft Rechnungen. Die Aufgaben der HR-Assistentin in der Abteilung Management Führungskräfte und Personalentwicklung bei Lufthansa Technik sind anspruchsvoll und vielschichtig. Sie verlangen Genauigkeit und soziale Kompetenz. „Es läuft alles wunderbar", sagt die 37jährige. Ihre Aussage klingt so selbstverständlich, dabei liegt hinter ihr ein Weg mit vielen Hindernissen und Widerständen, denn Katja Reinheimer ist blind.
   Bereits seit ihrer Kindheit kurzsichtig, erblindete sie mit 34 Jahren durch Glaukom. Bis dahin war Katja Reinheimer 15 Jahre lang in der Pflege tätig, zuletzt in der Verwaltung. Dann folgte die Zäsur. „Ich bin mit meiner Behinderung auf viel Unsicherheit und Angst gestoßen", berichtet Reinheimer. Sie ließ sich beim Integrationsfachdienst (IFD) für eine Arbeitsvermittlung registrieren und bekam Angebote als Taxifahrerin und Werkstatthelferin. Man schlug ihr eine Reha und das Erlernen der Blindenschrift vor. „Doch ich brauchte eine langfristige Perspektive", sagt die tat- kräftige Frau.
   Ein privater Kontakt brachte dann erste Gespräche bei Lufthansa Technik. Bis alle behördlichen und technischen Dinge geregelt waren - wie spezielle Software für Buchungen, Bestellungen und SAP - verging ein Jahr. Reinheimer machte eine auf ihre künftige Arbeit zugeschnittene SAP-Schulung beim BFW für Zeiterfassung und Bestellanfor- derungen. „Ich habe jedoch keine blinden-spezifische Umschulung gemacht", betont die HR-Assistentin. „Von ihrer Willensstärke habe auch ich mir etwas abgeschaut", sagt Rüdiger Pape, 50, Reinheimers Chef und Personalleiter Führungskräfte und Personalentwicklung bei LT. Er habe seine Entscheidung, Katja Reinheimer einzustellen nach einem klassischen Auswahlverfahren getroffen und sich auch von Widerständen nicht beirren lassen.
Das Unternehmen startete ein Pilotprojekt mit Behinderten
   Katja Reinheimer hat ihre Probezeit geschafft. Mit ihrer Anstellung begann bei Lufthansa Technik das Pilotprojekt „Beschäftigung von Blinden". „Nur in unseren Köpfen ist es ein Riesenschritt. Aus Unkenntnis ist man überrascht und beschämt was geht", sagt Pape. Gute Erfahrungen macht das Unternehmen bereits seit 2000 mit der Aus- bildung Gehörloser zum Werkzeugmechaniker. Die Absolventen arbeiten problemlos in den Werkstätten.  
   Die Gründe für eine Schulung beim Berufsförderungswerk (BFW) sind Unfälle, Krankheiten, Behinderungen oder Lernschwächen und Blockaden. Auch Allergien, Diabetis oder Herzinfarkte gehören dazu. „Die Umschüler müssen ein Handicap haben, um bei uns zu landen", sagt Ausbilder Frank Baier. Bei 30,2 Prozent der Teilnehmer liegen seelische Störungen oder eine Sucht vor. Diese Gruppe wird zunehmend größer. Bei 32,6 Prozent gibt es Probleme mit dem Skelett, Muskeln oder Bindegewebe. Für die Berufsfindung wird zwei Wochen lang täglich in ausgiebigen Tests und intensiven Gesprächen mit Arbeitspsychologen die Eignung überprüft.    HA100515ManualaKeil

BL-Stud-uBerufswahl-     Neue Ausgabe des Studienführers „Studien- & Berufswahl” erschienen

Studien- & Berufswahl - 39. überarbeitete Auflage, 19 x 12,5 cm, 816 Seiten, ISBN: 978-3-8214-7315-4, Euro: 8.80
Studien- & Berufswahl ist das Standardwerk für alle angehenden Abiturienten in Deutschland: Eine erstklassige Orientierungs- und Entscheidungshilfe, die präzise Einführungen in alle Studiengänge an deutschen Hochschulen enthält. Informationen zu Beschäftigungsmöglichkeiten und Arbeitsmarktentwicklungen sowie zu alternativen Aus- bildungswegen außerhalb der Hochschulen runden das Angebot ab. Ein unentbehrlicher Erstratgeber mit Adressen von Beratungsstellen, wichtigen Literaturangaben, nützlichen Online-Hilfen und Tipps zum Start ins Berufsleben.
Pressestimme: "Eine erstklassige Orientierungs- und Entscheidungshilfe, die präzise Einführungen in alle Studien- gänge und Berufe enthält." Vogue Business.  Die aktuelle Ausgabe des von der Bundesagentur für Arbeit und der Bund-Länder-Kommission heraus- gegebenen Studienführers „Studien- & Berufswahl können Sie im Internet unter http://www.bwverlag.de/seiten/seite258.php?f=st0  für eine Schutzgebühr von € 8,80 bestellen. Kostenlose Exemplare gibt es bei den örtlichen Arbeitsagenturen. Darüber hinaus verfügt die Informations- und Beratungsstelle über ein Kontingent von Freiexemplaren, das Sie einzeln abrufen können unter: studium-behinderung@studentenwerke.de Eine Leseprobe ist dort abrufbar.

Ivanka Kobsch im Otto-Konzern    Bl-IvankaKobsch-

Sie HÖRT, wo andere sehen
  Kann jemand, der blind ist, am Computer arbeiten? Ivanka Kobsch kann es - als Übersetzerin beim Otto- Konzern, mit einer speziellen Software. Integration ist oft einfacher als viele Firmen meinen.

Information für Arbeitgeber:
Integrationsamt Hamburg: Herr Eikmeier, Telefon 040 - 42863 - 2858
Herr Paetow,  Telefon 040 - 43863 - 2868
und: Outplacement-Büro: Telefon 040  - 29 99 43 61
Siehe hierzu auch unserer Seite: Braille-Zeile

  Was für Invanka Kobsch ganz selbstverständlich ist, können ihre Mitmenschen oft nicht fassen. Als sie in ihrem Großraumbüro beim Otto-Versand einmal Schwierigkeiten mit dem PC hatte, telefonierte sie mit dem System- techniker. Er bat sie, ihren Bildschirm anzuschalten. “Das ist nicht nötig, ich bin blind”, antwortete sie. Er weigerte sich hartnäckig, mir zu glauben, er fühlte sich verschaukelt und hat den Hörer beleidigt aufgelegt”, erzählt sie. Solche Situationen nimmt sie mit nachsichtigem Humor. Wenn sie lacht, kneift sie die Augen zusammen, und feine Lachfalten kräuseln sich in ihrem lebendigen Gesicht.
Inzwischen hat sich unter den Mitarbeitern beim Otto-Versand herumgesprochen, dass sie eine blinde Kollegin ha- ben. Ivanka Kobsch ist Übersetzerin.  Mitten im Großraumbüro sitzt sie kerzengerade vor dem Computer. Sie trägt einen Kopfhörer, damit ihre Kollegen sich von der Stimme nicht gestört fühlen, die ihr jedes geschriebene Wort vorspricht. Denn während andere die Darstellung auf dem Bildschirm sehen, kann sie hören: Ihr Computer ist mit einer speziellen Software ausgestattet, die die grafische Oberfläche liest und über eine Sprachausgabe ansagt.
   Ivanka Kobsch übersetzt Texte für alle Bereiche des Hauses aus dem Englischen. Ihre Aufträge bekommt sie per eMail zugeschickt. Parallel zum Hören liest sie mit den Fingern auf einem Braille-Display, was in den Dateien steht: Auf einem 60 Zentimeter breiten Band erheben sich Millimeter dünn die Punkte der Blindenschrift. Durch elektrische Impulse treten die Braillestifte aus dem Display hervor oder versinken, so dass Ivankas geübte Fingerkuppen sie fühlen können. “Diese Software gehört mir, ich könnte sie unter den Arm nehmen und woanders damit arbeiten”, sagt sie.

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   Als die Tochter von kroatischen Einwanderern 1972 als Frühgeburt zur Welt kam, wurde sie im Brutkasten mit Sauerstoff überversorgt und erblindete. Aber sie ist nicht in der Dunkelheit stehen geblieben. “Meine Eltern machten mir früh klar, dass ich alles schaffen kann, was ich erreichen will. Falls es nicht gleich klappt, muss ich es nur wieder versuchen”, sagt sie. In der Schule war sie eine der hellsten, und auch ihr Studium der Anglistik an der Universität Hamburg absolvierte sie mit Auszeichnung. Anschließend arbeitete sie zwei Jahre lang als Führerin in der Erlebnis-Ausstellung “Dialog im Dunkeln” Hamburg im Dunkeln in der Speicherstadt: Dort können Besucher in die Welt der Blinden eintauchen. Bei einem Seminar wurde sie von Christiane Bohn, Pressereferentin bei Otto, ent- deckt: “Ivanka Kobsch hatte einen super Lebenslauf und ein überzeugendes Auftreten.” Christiane Bohn setzte sich dafür ein, dass die Anglistin ein Praktikum bei Otto absolvieren konnte. Weil Ivanka auch hier mit ihren Leistungen überzeugte, wurde aus dem Praktikum bald eine Anstellung auf Probe. Jetzt hat sie die Stelle fest, die extra für sie eingerichtet wurde. Ivanka Kobsch gehört damit zu den wenigen Glücklichen, die einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt ergattern konnten.
   Für Menschen mit Sehbehinderung eine seltene Chance. Das Hamburger Arbeitsamt führt unter den gemeldeten Arbeitslosen insgesamt 3.500 Menschen mit schwerer Behinderung, 230 sind sehbehindert oder erblindet. Meist bekommen sie aber nur ein befristetes Arbeitsverhältnis.
 Bei einer Betriebsgröße bis zu 39 Mitarbeitern sind Firmen verpflichtet, einen mit Behinderung einzustellen; tun sie es nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Erst allmählich setzt ein Umdenken ein. Friedemann Stracke, Chef des Otto Recruitment, findet, dass die Unternehmen neue Wege gehen solten: Arbeitgeber müssen flexibel sein. Es ist auch bei Otto eine neue Erfahrung, nicht danach zu entscheiden, welche Stelle ein Mitarbeiter mit Be- hinderung ausfüllen könnte, sondern genau andersherum zu fragen: Welche Stärken hat dieser Mensch, die uns nutzen könnten? Bei Frau Kobsch sind es ihre hervorragenden Englisch-Kenntnisse, ihre Persönlichkeit und ihr Engagement.”
   Finanziert wurde die 25.000 Euro teure Ausstattung von Ivanka Kobschs Arbeitsplatz durch das Integrationsamt - aus den Ausgleichsabgaben von Firmen. Überhaupt kostet die Einrichtung eines solchen Arbeitsplatzes den Ar- beitgeber nichts - außer Geduld mit den Ämtern. Aber im Gegenzug bekommt die Firma auch sehr viel. Zum einen, sagt die Betriebsrätin Heike Hartung, wird “gelebte Menschlichkeit” wieder erweckt. Zweitens: Die Mitarbeiter sind hochmotiviert und nutzen ihre Chance doppelt: “Ivanka gibt mehr als 100 Prozent. Drittens: Den Ämtern ist es einiges wert, Menschen mit schwerer Behinderung auf feste Arbeitsplätze zu vermitteln, dafür zahlen sie Einglie- derungshilfe.
   “Auf Ivankas Schultern ruht die Last, dass sie als positives Beispiel durchs Haus laufen muss”, gibt Heike Har- tung zu. Das tut Ivanka aber ganz gern. Und die guten Erfahrungen mit ihr bewogen den Otto-Konzern kürzlich, sechs schwer behinderte Auszubildende zum Groß- und Außenhandelskaufmann einzustellen.
   Auch auf der Straße bewegt sich Ivanka mit dem weißen Pendelstock in so entschiedenem Tempo, dass Pas- santen die hübsche junge Frau im Blumenkleid erstaunt angucken. Zweimal in der Woche fährt sie mit ihrem (sehenden) Mann per Tandem in ein Fitness-Studio, und am Wochenende kurven die beiden mit vier Pedalen über die Landstraßen. Früher hat sie in einer Band gesungen und Keyboard gespielt. “Aber dazu habe ich jetzt keine Lust mehr”, sagt sie, “lieber gehe ich am Abend mal gemütlich mit Freunden ins Irish Pub.”
    Ab und zu schreibt sie in ein portables Notiz- und Lesegerät Geschichten über ihr Blindsein und die Blindheit der Sehenden. “Aber am allerliebsten sonne ich mich und entspanne mich mit einem Buch in der Hand”. Literatur, die sie aus kleinen Punkten erfühlt. GydeColdHA030927Foto:Piel

Blinde für Arbeit am Computer fit machen

   Mit der Maus „mal da oben rechts auf den Bildschirm klicken” - mit einer solchen Aufforderung können blinde PC- Nutzer wenig anfangen. Sie bedienen Computer mit Kurzbefehlen und einer so genannten Braille-Zeile, die die einzelnen Programme für sie „lesbar” macht. „Gemeinsame PC-Schulungen mit Sehenden sind für Blinde meist nutzlos“, sagt Rüdiger Wachholz vom Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB). Dabei sei es gerade für Behin- derte unerlässlich, sich ständig in Computerprogrammen weiter zu bilden. „Sonst  haben  sie auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance.” 
  Das LBZB im hannoverschen Stadtteil Kirchrode bietet seit 1987 Fortbildungen für sehbehinderte und blinde Erwachsene aus ganz Niedersachsen an.  Spezialisiert ist das Bildungsinstitut auf mehrwöchige PC-Schulungen mit intensiver Einzelbetreuung. „Nur so können wir ausreichend auf die Anforderungen in den verschiedenen Berufen eingehen”, erklärt Wachholz.  Während der Kurse trainieren die Teilnehmer, wo die Kurzbefehle eines neuen Pro- gramms „versteckt” sind und wie sich eine Grafik mit der Braille-Zeile darstellen lässt. Für das Intensivtraining kann ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden - das Geld kommt Mitteln, die bei einem beim Landessozial- amt verwaltet werden, in den Betriebe einzahlen, die die Schwerbehindertenquote nicht erfüllen.
   Das LBZB bietet auch PC-Workshops an, die vom niedersächsischen Blindenhilfefond bezuschusst werden. Zudem bereitet das LBZB künftige Telefonisten und Kaufmänner für Bürokommunikation auf die Berufswelt vor; die Ausbildungen starten jeweils Anfang August.
Informationen: www.lbzb.de oder unter Tel: 0511-524 72 88.    
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Wo Buchstaben Gestalt annehmen: Schreiben auf der Braillezeile

    Nur ein knappes Drittel der Sehbehinderten und Blinden arbeitet. Dabei gibt es viele Arbeitsplätze, an denen sie genauso viel leisten können wie jeder andere - manchmal sogar mehr.
   Es ist Mittwochmorgen, 7.30 Uhr. Siegfried Saerberg sitzt in der S-Bahn nach Dortmund und klappt seinen Lap- top auf, das Startgeräusch ertönt. „Ich bin ganz froh, dass ich das Signal habe”, sagt Saerberg. Von den um- sitzenden Pendlern verzieht dazu keiner eine Miene, auch nicht, als leises Brabbeln aus dem Gerät ertönt. „Ich muss mal eben meinen Vortrag suchen”, sagt Saerberg. Gebeugt horcht er in den Rechner hinein, während die Computerstimme die Ordnernamen herunterrasselt. Dann setzt Saerberg die Kopfhörer auf, um sich auf das Se- minar einzustimmen, in dem er heute eine Gruppe Sonderpädagogikstudenten in die Grundlagen der Feldfor- schung einführen will.
   Schon als Kind ist Siegfried Saerberg durch eine Netzhauterkrankung allmählich erblindet. Seine Behinderung motivierte ihn zur Auseinandersetzung mit Mobilität. Er schrieb seine Abschlussarbeit in Soziologie über „Blinde auf Reisen” und promovierte über die Raumorientierung blinder Menschen. Die praktische Kostprobe dazu liefert Saer- berg auf dem Universitätsgelände, wo er zielsicher auf eines der Gebäude zusteuert. Nicht nur einzelne Geräusche helfen, auch Schallreflexionen an Wänden, Decken, Gegenständen und die typischen Grundklänge eines Platzes, einer Halle oder Landschaft.
   Im Seminarraum hat Saerbergs Assistentin schon den Beamer installiert. „Wie viele sind wir?”, fragt Saerberg. Ein Dutzend Stimmen ertönen, denen der Dozent ohne Zögern den richtigen Namen zuordnet. Es geht um die „Soziologie des Schmerzes”. Aus der Theorie entwickelt sich bald ein Gespräch über Schmerzempfindung. Am Nachmittag folgt Saerbergs Spezialthema: die Konstruktion des Raumes in der Begegnung Blinder und Sehender.
  „Herr Saerberg ist ein ausgezeichneter Phänomenologe. Er holt die Studenten ab, wo sie stehen”, lobt Professor Ronald Hitzler, Ordinarius am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, seinen Mitarbeiter später. Dabei sei er selbst anfangs „stärkster Bedenkenträger gegen den Lehrauftrag” gewesen, gibt er zu. Würde Saerberg mit den Stu- denten zurechtkommen? Oder müsste sich das ohnehin schon belastete Team von nun an ständig um ihn bemühen? Doch Saerberg organisierte sich die nötigen technischen Hilfsmittel selbst. Nach etlichem Hin und Her mit Arbeitsagenturen, Integrationsfachdienst, Herstellern und Uni-Verwaltung kam schließlich die komplette Ausrüstung zusammen: eine stationäre und eine mobile „Braillezeile”, die Computertexte in die Punktschrift für Blinde umwandeln, ein „Screenreader”, der die Windows-Oberfläche zugänglich und Texte hörbar macht, ein Scanner, ein Blindenschriftdrucker und der Laptop. „Literatur recherchieren und markieren, Folien entwerfen, Refe- rate lesen, hören, ausdrucken und korrigieren ist damit Routine”, sagt Saerberg.
   Auch Fatima Haidar arbeitet an einem speziell ausgerüsteten Computer, ihrer befindet sich in der Deutschen Bank. Sie betreut Geschäftskunden im Business-Service-Center. „Die Sprachausgabe ist eine große Hilfe, ich höre die eMails der Kunden ab, das geht schneller  als das Tasten auf der Braille-Zeile”, erläutert die Angestellte, die vor ihrer Erblindung Mathematik, Physik und Informatik studiert hat. Das Unternehmen hatte die inzwischen 49 Jahre alte Mitarbeiterin vor zwölf Jahren mit zwei weiteren Absolventinnen von Bürokommunikationslehrgängen direkt über das Berufsförderungwerk in Düren - eine von bundesweit zehn Aus- und Weiterbildungsstätten für Blinde und Sehbehinderte - zu einem Praktikum eingeladen. „Bei uns bewerben sich kaum Behinderte”, berichtet Angela Meurer, die Schwerbehindertenvertreterin in der Bankzentrale in Frankfurt.
  Die fachliche Leistung ist die eine Seite, das Teamklima die andere. „Man muss fragen”, betont Haidar, bei der vor knapp zwanzig Jahren eine Netzhauterkrankung ausgebrochen ist. „Bringst du mir bei, wie diese Kaffeemaschine funktioniert?” habe sie zum Beispiel eine Kollegin gebeten. „Wenn ich etwas nicht kann, sage ich es. Das ,BL' im Schwerbehindertenausweis steht für ,blind', nicht für ,blöd'”, entgegnet sie gerne, wenn andere ihr etwas nicht zutrauen. Einmal zeigen, einmal üben, dann allein das Neue wagen - Blinde müssen risikofreudig sein.
   „Die erste Stufe ist, einen Arbeitsplatz zu bekommen, die zweite, ihn zu behalten”, sagt Burkhard Hautow. Der diplomierte Betriebswirt bearbeitet im Rechnungswesen der Kölner Ford-Werke Problemfälle in der Vertrags- abwicklung. Kürzlich hat er seine Ausstattung erweitert und sich einen „Taktilen Interaktionsmonitor” für die Arbeit mit Grafiken besorgt. Hier waren bisher die Kollegen eingesprungen. Jetzt kann er mit der rechten Hand auf einem Tastfeld die Grafiken ertasten, die links mit einer Handkamera abgefahren werden.
   Den kritischen Zeitpunkt nach zwei Jahren, wenn die Lohnzuschüsse für Schwerbehinderte durch die Arbeits- agenturen in der Regel enden, hat er überstanden. Woran das liegt, abgesehen von der fachlichen Leistung? Ein Stichwort ist Empathie: „Hilfreich ist es, sich in andere hineinzuversetzen. Ich kann nicht verlangen, dass sich der andere mit Behinderungen auskennt”, sagt er. „Fragen zur Behinderung und auch Scherze müssen erlaubt sein.” Inzwischen ist Hautow auch ins „Community Involvement” des Unternehmens eingebunden. Er leitet das Projekt „Autofahren für blinde und sehbehinderte Menschen”. Alle ein bis zwei Jahre werden dabei Interessierte auf der Kölner Teststrecke des Unternehmens von Fahrlehrern begleitet. „Erblindete Menschen mit Führerschein genießen es, wieder einmal fahren zu können. Für die anderen verbinden sich die Fahrgeräusche erstmals mit den konkre- ten Aktionen an Pedalen und Schalthebel”, erzählt Hautow.
   „Wenn er sehen könnte, würde ich ihm noch mehr an Leistung zutrauen”, sagt sein Vorgesetzter Volker Merz über den 36 Jahre alten Mitarbeiter. Je mehr Text und mündliche Kommunikation eine Tätigkeit mit sich bringt, desto günstiger sei sie für einen sehgeschädigten Menschen, schätzt er. Das Querlesen von Tabellen sei dagegen zeitaufwendiger. Aber andere hätten eben andere Schwächen. „Wir sind eine Gruppe.  Entscheidend ist für mich, dass der Laden läuft”, betont der Gruppenleiter. „Etwas weniger Tempo wird toleriert”, sagt auch die Schwer- behindertenvertreterin der Deutschen Bank. Vor allem müsse der Arbeitsplatz passen. „Wir achten darauf, dass Schwerbehinderte entsprechend eingestellt werden, etwa im Back Office, wo es nicht ganz so auf Tempo an- kommt.”
   Durch den technologischen Wandel sind typische „Blindenberufe” - etwa in der Telefonvermittlung - teils wegge- brochen, teils komplexer geworden. Neue Möglichkeiten sind hinzugekommen. 58 Qualifikationen für Verwaltungs- tätigkeiten, Informationstechnik, Telekommunikation, gewerbliche Berufe, Handwerk, Landschaftsbau, Gesund- heitswesen und musische Berufe hat das „Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen” im Internet zusammengestellt. Hinzu kommt die Ausbildung an Hochschulen. „Etwa fünfzig blinde oder schwer sehbehinderte Abiturienten beginnen jedes Jahr ein Studium”, schätzt Michael Richter, Referent für Sozialpolitik des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf.
  Dennoch steht nur ein knappes Drittel der rund 30.000 Blinden und hochgradig Sehbehinderten im erwerbs- fähigen Alter in Lohn und Brot. Im öffentlichen Dienst herrscht weitgehender Einstellungsstopp. In der Wirtschaft wachse der Druck, enge Vorgaben mit immer weniger Leuten zu erfüllen, sagt Jürgen Gade, Gesamtschwerbe- hindertenvertreter der Ford-Werke. „Der Wind wird rauher.” Doch von Zeit zu Zeit eröffnen sich auch Marktlücken. Auf Anregung eines Frauenarztes wurde kürzlich im Rheinland eine Qualifizierung zur „Medizinischen Tast- untersucherin” (MTU) für blinde Frauen ins Leben gerufen. Diese können in Arztpraxen in der Brustkrebs- früherkennung mitarbeiten. Eine günstige Konstellation: Durch das fehlende Augenlicht ist der Tastsinn von Blin- den oft besonders gut ausgeprägt.  FAZ081018LeonieVManteuffel

Weitere Informationen:

   Als blind gilt gesetzlich, wessen Sehleistung auch mit Brille oder Kontaktlinsen auf dem besseren Auge weniger als 2 Prozent der Norm erreicht. Als sehbehindert gilt, wer nicht mehr als 30 Prozent der normalen Sehkraft erreicht.
   Einen Überblick über berufliche Einsatzmöglichkeiten, Ausbildungsstätten und Hilfsmittel gibt das „Netzwerk be- rufliche Teilhabe” im Internet unter www.ihre-einstellung.de. Hilfreich ist auch die Seite www.talent-plus.de.
   Beratung und Hilfsmittelfinanzierung leisten die Integrationsämter: www.integrationsaemter.de.
   Eine unternehmensübergreifende Hilfsmittelberatung finden Interessierte unter www.incobs.de. www.talent-plus.de

Experten warnen: Klima für Behinderte wird schlechter

   Das gesellschaftliche Klima für Behinderte hat sich nach Ansicht von Experten auf Grund der Fortschritte in der Gentechnik deutlich verschlechtert.
   Bei einer Tagung der Caritas-Behindertenhilfe in Niedersachsen zum Thema “1000 Fragen zur Bioethik” machte der Moraltheologe Elmar Kos von der Universität Vechta/Osnabrück einen Widerspruch aus: Eine Abweichung von der Norm werde in der Gesellschaft zwar zunmehmend akzeptiert, doch andererseits würden Behinderte immer mehr abgewertet, bemängelte er vor rund 170 Teilnehmern in Osnabrück.
   Verstärkt gebe es den Trend, bestimmte Krankheiten durch Selektion loswerden zu wollen. Der Theologe erklärte, während die Forschung nach einer Zäsur in der Entwicklung des Menschen suche, stehe der Embryo in der christlichen Position von der Befruchtung an unter dem Schutz der Menschenwürde.
   Als bedenklich stuften Kos und weitere Teilnehmer die Tendenz von Ärzten ein, angesichts zu erwartender Behinderungen Druck auf Schwangere auszuüben. “90 Prozent aller Frauen treiben bei einem Defekt ab”, kriti- sierte die Theologin Gunhild Buse aus Georgsmarienhütte, die Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ethik des Bistums Osnabrück ist.  “So kommt ein Klima auf, in dem die Menschen denken,  dass Behinderungen nicht mehr sein müssen.” Kritisch äußerten sich die Experten dabei zur Präimplantations-Diagnostik (PID) zur Erkennung von Schädigungen vor der Geburt. Buse sprach sich für eine breite Diskussion über PID aus. Darüber könne man mit anderen Müttern “auch wunderbar auf dem Spielplatz reden”. Niedersachsens Landesbehindertenbeauftragter Karl Finke rief dazu auf, Behinderte in den Ethikkommissionen zur Biomedizin angemessen zu beteiligen.
hav/dapNOZ030404

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Foto oben: Modellprojekt in der Region Osnabrück. Meilenstein in der Behindertenpolitik:
Jeder erhält für sich ein persönliches Budget. tw/NOZ040209Foto:MichaelHehmannNOZ
Bargeld lacht: Auf einhellige Zustimmung stieß die Einführung des “Persönlichen Budgets”,
mit dem behinderte Menschen in Zukunft ihren Leistungsbedarf eigenständig einkaufen können.
Das Modellprojekt wurde im Kreishaus Osnabrück offiziell vorgestellt
Foto von links: Staatssekretär Gerhard Hoofe, Sonja Gartemann, Verwaltungsvorstand des Landkreises Osnabrück, Projektleiterin Claudia Schröder, Projektleiter Achim Hohwieler
und Werner Lukas-Nülle, Bereichsleiter beim Fachdienst Soziales.

   Die Selbstbestimmung des eigenen Lebens und die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für behinderte Menschen soll das Modellprojekt „Persönliches Budget” ermöglichen. Jetzt ging es offiziell an den Start.
   „Das Modellprojekt ,Persönliches Budget' stellt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg dar, den der Landkreis Osnabrück mit seiner Behindertenpolitik der letzten Jahre beschritten hat”, sagte Sonja Gartemann vom Verwal- tungsvorstand des Landkreises Osnabrück zu Beginn der Auftaktveranstaltung im Kreishaus.
  Mit dem „Persönlichen Budget” können Menschen mit Behinderung ihren Bedarf an Leistungen nach dem Bundes- sozialhilfegesetz (BSHG) decken. Die Betroffenen bekommen das Geld vom Sozialamt, nachdem sie dort einen An- trag gestellt haben, um ihre Unterstützungs- und Hilfeleistungen selbstständig einzukaufen. Die Höhe des „Per- sönliches Budgets” richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen. Darin zuammengefasst sind alle Leistungen nach dem BSHG außerhalb teilstationärer und/oder stationärer Einrichtungen.
   Das Modellprojekt richtet sich an Menschen, die behindert oder von einer Behinderung bedroht sind, die die Voll- jährigkeit erreicht haben und im Landkreis Osnabrück oder im Landkreis Emsland wohnen: Das Modell kann bei Bedarf verlängert werden.
    Das im Mai 2003 vom Landtag beschlossene „Persönliche Budget” und die daraus resultierende Teilhabe am ge- sellschaftlichen Leben, die Selbstbestimmung und die Gleichstellung behinderter Menschen werde auch von der Landesregierung nachdrücklich unterstützt, erklärte Staatssekretär Gerd Hoofe. Obwohl das Modellprojekt auf ein- hellige Zustimmung stieß, gab es aber auch einige kritische Anmerkungen.
    Bei der Entscheidung für das „Persönliche Budget” solle der Gewinn an Lebensqualität im Vordergrund stehen und nicht der Kostenaspekt, merkte Franz Haverkamp von der Heilpädagogischen Hilfe in Osnabrück an. Das Mo- dell sei eine radikale und grundlegende Veränderung des Hilfesystems, das die Selbstbestimmung, die Souverä- nität und die Individualisierung fördere. „Damit einher geht die Gefahr der Vereinzelung, der Vereinsamung und die Beschleunigung der Entsolidarisierung der Gesellschaft. Hier gilt es achtsam zu sein”, erläuterte Haverkamp den zahlreichen Anwesenden im Kreishaus und wies darauf hin, dass es keine neutralen Helfer in dem Modell gebe, die den Budgetnehmern beratend zur Seite stünden.
   Das Modellprojekt wird von der Evangelischen Fachhochschule in Hannover wissenschaftlich begleitet, um es durch die gewonnenen Erfahrungen zu optimieren. In den Prozess sind alle Beteiligten eingebunden, also die Menschen mit Behinderung, die jeweiligen Modellregionen, die Leistungsanbieter und gegebenenfalls die Ein- richtungen vor Ort.
   Wer mehr über da „Persönliche Budget” erfahren möchte, kann sich Internet unter: www.lkos.de 
oder www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de  informieren.
Telefonische Beratung gibt es bei dem Projektleiter Achim Hohwieler, Telefon 05 41 - 501 30 06 oder
bei Milena Roters und Werner Lukas-Nülle von der Fachstelle für Eingliederungshilfe, Tel. 0541 – 501 30 32

Internet-Stellenbörse: jobpilot.de, monster.de, arbeitsagentur.de,
stellenanzeigen.de, jobware.de, jobscout24.de und viele mehr

  Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, kommt heutzutage an einer Internet-Stellenbörse kaum vorbei. Im Vergleich zu den gängigen Stellenangeboten in Tageszeitungen  oder Anzeigenblättern gibt es bei Internet- Stellenbörsen deutlich mehr Suchmöglichkeiten. ComputerBild ermittelte als Test-Sieger Jobpilot.de und lobt die durchdachte und einfach zu bedienende Suchfunktion. Außerdem lassen sich die Treffer bequem an die eigene eMail-Adresse senden. Prima: Der Test-Sieger fand sehr viele zum Such- profil passende Stellenangebote. Ärgerlich, dass persönliche Daten nicht verschlüsselt wurden. CB0607

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Test-Sieger jobpilot.de Foto oben überzeugte ComputerBild in Sachen Bedienungsfreundlichkeit. 
Pluspunkt: Über die Seite lässt sich auch Kontakt zu anderen Jobsuchenden aufnehmen.

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Nur bei zwei von sechs getesteten Stellenbörsen
Foto oben: Bundesagentur für Arbeit wurde die Übertragung der persönlichen Daten sicher verschlüsselt

Stellenbörsen im Internet versprechen schnelle Hilfe bei der Jobsuche. ComputerBild hat sechs Börsen getestet

 Millionen Arbeitslosen stehen über 400.000 freie Stellen gegenüber. Wie kann das angehen? Auch andere Online- Stellenvermittler werben auf ihren Angebotsseiten mit bis zu 50.000 verfügbaren Jobs. Aber gibt es die wirklich alle? Und wenn ja, werden dem Arbeitssuchenden die passenden Jobs auch angeboten?
   Computerbild wollte es genau wissen und nahm sechs Internet-Stellenbörsen unter die Lupe. So viel schon mal vorab: Bei den Stichproben waren nicht einmal die Hälfte der angebotenen Arbeitsplätze frei.
Welche Suchmöglichkeiten bieten die Internet-Stellenbörsen? Drei Suchmöglichkeiten gibt's:
Schnellsuche: Sie müssen nur einen Suchbegriff eintippen, etwa den Wunschberuf. Bei einigen Stellenbörsen lässt sich die Schnellsuche eingrenzen, etwa nach Regionen. So können Sie  rasch herausfinden, ob die Stellenbörse zu Ihrer Anfrage genügend Jobangebote aufstöbert.
Detail-Suche: Hier können Sie beispielsweise Ihre berufliche Qualifikation, Ihr gewünschtes Berufsfeld (Branche) oder die Art der Anstellung (Festanstellung oder freiberufliche Tätigkeit) angeben.
Suche per Suchprofil: Dafür müssen Sie sich einmalig bei der Stellenbörse anmelden. Danach können Sie Ihren Jobwunsch nach Tätigkeit, Berufsfeld, Region, Gehaltsvorstellung und Arbeitgeber recht genau eingrenzen. Prak- tisch: Angemeldete Mitglieder können sich die neuesten Suchtreffer auch per eMail zuschicken lassen (Ausnahme: Bundesagentur für Arbeit). Oder Sie geben Ihren Lebenslauf ein. Dann können registrierte Arbeitgeber Sie bei der Jobbörse finden.
Kostet die Stellensuche bei den getesteten Jobbörsen was?
   Nein, alle getesteten Stellenbörsen bieten ihre Suchdienste kostenlos an. Nur für Zusatzdienste wie Karriere oder Gehaltsberatung einige verlangten einige Jobsuchdienste Geld.
Wie sicher sind meine Daten?
  Zwar versprechen alle Anbieter, sensible Daten wie den Lebenslauf auf Wunsch nur anonymisiert zu veröffent- lichen. Doch eine Verschlüsselung der Datenübertragung war lediglich bei der Bundesagentur und bei „Jobware“  erkennbar. Unverschlüsselt übertragene Daten könnten ausspioniert werden.
Kann ich von der Jobsuche bis hin zur Bewerbung alles per Internet abwickeln?
  Im Prinzip ja. Bei einigen Stellenbörsen kann man per Mausklick ein Formular aufrufen und sich direkt bewerben. Ein weiteres Ergebnis der zahlreichen Computerbild-Testanrufe war: Die deutschen Personalchefs räumen inzwi- schen einer Bewerbung per eMail den gleichen Stellenwert ein wie der klassischen Bewerbungsmappe.
Gibt es spezialisierte Jobbörsen?
   Jede Art von Job gibt es bei der Bundesagentur. Auch die großen Börsen wie „Monster” oder „Jobpilot.de” haben ein breites Angebot. Aber es gibt auch viele Anbieter für spezielle Berufsgruppen. Am Ende dieser Seite finden Sie eine Liste dieser Internet-Spezial-Anbieter

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oben: www. jobpilot.de   unten: www.monster.de

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oben: www.arbeitsagentur.de   unten: www.stellenanzeigen.de

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oben: www.jobware.de   unten: www.jobscout24.de Jetzt neu: www.jobs.de

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... und hier die Liste der Internet-Spezial-Anbieter

tc-Nokia-Twitter-z    neuer Job gesucht?

Stellensuche 2.0  -  140 Zeichen reichen: Wie Twitter zum neuen Job verhelfen kann

   Die einen twittern, dass sie gerade ein Marmeladenbrötchen gegessen haben, die anderen, wie sie den „Tatort" fanden. Aber der Micro-Blogdienst hat auch ganz andere Seiten. Das Gezwitscher ist nicht nur Gequatsche: Es hilft sogar bei der Stellensuche.
 Wichtige Nachrichten müssen nicht lang sein. Für Stellenangebote per Twitter reichen 140 Zeichen. „Twitter ist ein weiterer Kanal für Arbeitgeber, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie jemanden suchen",sagt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. „Und es ist ein Tool, das in einer bestimmten Zielgruppe sehr anerkannt ist." Das gilt gerade für Deutschland, wo Twitter weniger als Kommunikationsmedium für Teenager genutzt wird als zum Austausch von Informationen, von denen die Twitterer denken, dass sie auch für andere interessant sein könnten.
   Das kann alles Mögliche sein - auch ein Stellenangebot. Zurzeit ist Twitter zugegebenermaßen noch eine Nische auf dem Stellenmarkt. „Und dort sind in aller Regel auch nur Stellen zu finden, die anderswo ebenfalls angeboten werden", sagt der Social-Media-Experte Tim Schlüter. Das gelte zum Beispiel, wenn ein Unternehmen jemanden einstellen möchte, der genau das machen soll: Twittern.
   Der große Nachteil von Twitter sei, dass eine aktive gezielte Suche nach Stellen - zum Beispiel in einer bestimmten Region - nicht möglich ist, sagt Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg. Der Vorteil sei der Schneeballeffekt: Durch häufiges Retweeten verbreite sich der Hinweis auf eine Stelle schnell. „Auch für die Unternehmen ist es nur gut, wenn solche Informationen möglichst breit gestreut werden."
   Interessant dabei ist ein Phänomen, das schon länger bekannt ist: „Leute bekommen meist nicht über direkte, sondern über entferntere Kontakte eine Stelle", sagt Schmidt. Also nicht über Papa, Cousin oder den besten Freund, sondern über einen ehemaligen Kollegen, von dem man schon länger nichts gehört hat. „Netzwerke wie Xing oder Twitter machen es leichter, genau solche Kontakte zu pflegen", erklärt der promovierte Soziologe.
   In vielen Branchen kann es nach Einschätzung von Tim Schlüter ein Vorteil sein, mit dem Arbeitgeber über Twitter in Kontakt zu treten und dadurch zu zeigen: „Ich kenne mich damit aus." Das gilt sicher nicht für Hand- werksberufe oder den öffentlichen Dienst. Aber zum Beispiel für Berufe rund um technische Kommunikation, sagt Schlüter. „Und für Marketing, PR, Pressestellen oder auch für Hochschulen."
   Es gehe dabei nicht nur um Stellen für Praktikanten und Trainees, sagt Tobias Kärcher. Er ist für Social Media beim Hamburger Personalberatungsunternehmen atenta verantwortlich, das Jobtweet, die erste Twitter-Stellen- suchmaschine, entwickelt hat. „Die Unternehmen bieten oft auch reguläre Jobs an." Die Hoffnung der Arbeitgeber ruht dabei nicht nur auf den eigenen Followern: „Eine Stellenanzeige lebt davon, dass sie retweetet wird", sagt Kärcher. Und weil Follower vor allem das retweeten, was ihnen wichtig ist, kann das durchaus einige Resonanz haben.
   Die Unternehmen hätten das Potenzial inzwischen erkannt und würden auch immer besser darin, Twitter für die Mitarbeitersuche zu nutzen. Noch ist die Zahl der aktiven Twitter-Nutzer in Deutschland überschaubar - 200.000, schätzt Kärcher. „Aber die Zahl wächst stetig." Jobtweet verzeichnet bei Twitter rund 50.000 Stellenangebote. Jobs für Projektmanager sind genauso darunter wie für Staplerfahrer oder Bürokaufleute.
   Viele Unternehmen von Daimler bis zur Deutschen Bahn twittern Hinweise auf offene Stellen. „Das kann man sich sogar ansehen, ohne bei Twitter angemeldet zu sein", sagt Tim Schlüter. Wer angemeldet ist, kann Follower solcher Unternehmen werden, also alle Tweets von ihnen zu sehen bekommen.
  Auch wenn Twitter verglichen mit sozialen Netzwerken wie Facebook in Deutschland noch eine kleine Nummer ist, kann die Reichweite der eigenen Mitteilungen sogar größer sein: „Bei Facebook kann man seinem Freundeskreis erzählen, dass man eine neue Stelle sucht", sagt Tim Schlüter. „Mitteilungen auf Twitter haben mehr Marktplatz- charakter. Da kann das prinzipiell jeder sehen."
   Das sollte man natürlich im Hinterkopf haben: Die eigenen Tweets werden auch von Google gefunden. Wer diskret nach einer Stelle suchen will, sollte das also lieber nicht über Twitter tun. Für die Arbeitgeber hat Twitter klare Vorteile: „Personaler können sich die Tweets von einem Bewerber ansehen und gucken, was das für einer ist", sagt Schlüter. „Was ist das für ein Typ? Wie reagiert der auf Anfragen? Wie umgänglich ist der?" Trotzdem habe Twitter insgesamt eine begrenzte Reichweite, betont Jan-Hinrik Schmidt. „Und ich bezweifle, dass Unter- nehmen Stellen bald nur über Twitter besetzen wollen. Das würden den Pool der Kandidaten einfach zu sehr ein- schränken."
   Tobias Kärcher empfiehlt, bei Unternehmen, die als Arbeitgeber infrage kommen, Follower zu werden. Oft gebe es dort zum Beispiel Hinweise auf Jobmessen. „Aber man muss auch aktiv netzwerken und sich Leute suchen, die einem vielleicht einen Job anbieten könnten."
   „Die Bedeutung von Twitter bei der Stellensuche wird noch zunehmen, gerade bei der jungen, internetaffinen Zielgruppe", sagt Svenja Hofert. Aber auch hier gilt: Das Instrument für die Stellensuche muss zu demjenigen passen, der damit spielen will. „Wer gar kein Interesse an Social Media hat, dem nutzen sie auch nichts bei der Stellensuche", warnt Tim Schlüter. Im Zweifelsfall macht er mehr Fehler und zeigt, dass er keine Ahnung hat.
NOZ100626AndreasHeimann

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