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Kardinal von Galen

> Clemens August Kardinal von Galen: Protest gegen  Euthanasie-Morde der Nationalsozialisten 1941
> Weltrundschreiben von Papst Pius XI. “Mit brennender Sorge”
unten auf dieser Seite

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Freude über die Seligsprechung
2. Reliquie Graf von Galens in San Bartolomeo und in Cloppenburg-Bethen
3. Der “Löwe von Münster” predigte öffentlich gegen das Hitler-Regime
4. Fotobericht von der Seligpreisung in Rom
5. Entlarvung der NS-Ideologie
6. Tröster nach dem Krieg
7. Brief von Papst Pius XII. an den Bischof von Münster
8. Brief von Papst Pius XII. an den Bischof von Berlin Konrad von Preysing
9.     1943 - weiterer Breif von Papst Pius XII. an den Bischof von Münster
10. Brief des NS-Gauleiters Weser-Ems Carl Röver an die Reichskanzlei Berlin
11. Münster im Krieg - Lufrangriffe
12. General Arthur Harris plant die “Hamburgisierung” Deutschlands
13. Drei Briefe des Bischofs Clemens August von Galen an Pius XII.
14. Die letzte Predigt des Kardinals von Galen
15. Hörbuch über Kardinal von Galen
16. Dinklage: Wo der “Löwe” laufen lernte
17. Kurzvita Clemens August Graf von Galen
18. Der Bischof von Münster erhebt 1941 nachdrücklichen Protest gegen Euthanasie-Morde
19. Predigt von Galens in der Liebfrauenkirche in Münstger am 20. Juli 1941
20. Der Widerstand gegen den NS-Staat der Geschwister Scholl - inspiriert von Kardinal Newman
21. Die Enzyklika Papst Pius XI. : Vigilante Cura -  Mit brennender Sorge
22. Eine Bericht der “Catholic Times” vom 31. Juli 2015
23. Kardinal Clemens August von Galen: nec laudibus nec timore

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Freude über Seligsprechung

Bischof und Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878-1946)
   Seligsprechung: 9. Oktober 2005 in Rom - Liturgischer Gedenktag: 7. September
NEC LAUDIBUS NEC TIMORE - Weder Menschenlob noch -furcht (sollen uns bewegen). Der Wahlspruch des todesmutigen Hirten aus dem Münsterland vermag wohl am besten auszudrücken, wer diese lichtvolle Größe der deutschen Kirchengeschichte eigentlich war. Kardinal von Galen, der »Löwe von Münster«, kämpfte - nur Gott fürchtend - furchtlos für die Achtung der bedrohten Würde aller Menschen.
   Clemens August wurde am 16. März 1878 auf Burg Dinklage im Oldenburger Münsterland als elftes von 13 Kin- dern gläubiger Eltern geboren. 1904 empfing er im Münsteraner Dom die Priesterweihe, wirkte 23 Jahre lang als Diasporaseelsorger in Berlin, bis er 1929 zum Pfarrer an der Kirche St. Lamberti zu Münster und 1933, zu Beginn des Dritten Reiches, als Nachfolger des heiligen Ludger (+ 809) zum Bischof von Münster ernannt wurde. Wie der Glaubensbote setzte sich der große Marienverehrer von Beginn an für die religiöse Erneuerung seiner Diözese ein.
  Von der Kanzel herab und in Hirtenbriefen demaskierte er früh die gottlosen Ziele der NSDAP, warnte vor deren meschenunwürdiger und neuheidnischer Ideologie und verurteilte die Hinrichtung von Christen ebenso wie die Tötung sogenannten »lebensunwerten Lebens«, also behinderter Menschen. Seines prophetischen Weitblicks wegen wurde er von Pius XI. zur Mitarbeit an der Enzyklika »Mit brennender Sorge« (1937) Volltext unten auf dieser Seite eingeladen. Die deutlichen Worte des Oberhirten erzürnten die Machthaber. Aus Angst, seine Ermor- dung könnte Unruhe in das katholisch geprägte Münsterland bringen, wurden statt seiner 42 Geistliche verhaftet und zehn von ihnen getötet.
   Jede seiner Visitationen und Firmreisen wurde zwar mit Schikanen begleitet, und doch waren sie eindrucksvolle Kundgebungen des Glaubens. Für sein Wirken und seinen unerschütterlichen Mut verlieh ihm Papst Pius XII. 1946 den Kardinalspurpur. Unvergesslich blieb den Menschen sein letzter Auftritt vor den Trümmern des Domes am 16. März 1946. In seiner Ansprache erklärte er, dass er aus Gewissensgründen das Unrecht anprangerte. »Ich habe es getan, weil ich glaubte, damit meinem Volke und meinen Diözesanen den besten Dienst zu erweisen. Ich habe es getan, weil ich wusste, dass ich nicht für mich und meine Person alleine sprach, sondern für Hunderte und Tausende, die hinter mir standen und nicht sprechen konnten.« Am 22. März 1946 starb das »Vorbild des christlichen Mutes«, wie ihn Benedikt XVI. nannte, an einem Blinddarmdurchbruch. DT100306StefanWirth

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Reliquie Graf von Galens in »San Bartolomeo«

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   Eine Reliquie des seligen Clemens August Graf von Galen ist von der Diözese Münster der römischen Gemein- schaft »Sant’Egidio« übergeben worden. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Basilika »San Bartolomeo« auf der Tiberinsel überreichte Weihbischof Heinrich Janssen (Münster) zusammen mit dem Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, das bedeutungsvolle Geschenk. An der Feier in »San Bartolomeo«, dem Gedächtnisort für die Märtyrer des 20. Jahrhunderts, nahmen zahlreiche Bischöfe teil, die aus Anlass des 38. Jahrestags der Gründung der Gemeinschaft »Sant’Egidio« nach Rom gekommen waren. OR060303

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Von-Galen-Reliquie in Cloppenburg-Bethen

   Eine Reliquie des 2005 seliggesprochenen Kardinals Clemens August Graf von Galen (1878-1946) hat der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, in Cloppenburg-Bethen hinterlegt. Dabei erinnerte er an die Predigten von Galens gegen die Tötung kranker und behinderter Menschen durch das NS-Regime. Die Finger-Reliquie hat ihren Platz in der Krypta der St.-Marien-Basilika. OR070831

Der „Löwe von Münster" predigte öffentlich gegen das Unrecht im Hitler-Regime

   Vielen Deutschen galt er als Symbolfigur des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Mit dem Ehrentitel „Löwe von Münster“ ging Bischof Clemens August Kardinal von Galen in die Geschichte ein. In Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. wurde er im Petersdom seliggesprochen.
   Clemens August von Galen wurde 1878 als Sohn des Grafen und Reichstagsabgeordneten des Zentrums, Ferdinand von Galen, auf Burg Dinklage im oldenburgischen Münsterland geboren. Pünktlichkeit, Fleiß, Traditions- bewusstsein, Gehorsam gegenüber der Obrigkeit und eine konservativ-katholische Lebensanschauung - das waren die Werte, die dem elften von 13 Kindern anerzogen wurden.
    Seine Amtszeit als Bischof fiel praktisch mit der Dauer des Dritten Reichs zusammen. Am 23. Oktober 1933 wurde er nach seiner Pfarrtätigkeit in Berlin und Münster im Alter von 50 Jahren zum Bischof von Münster geweiht. Er gilt als einer der wenigen deutschen Kirchenführer, die es offen wagten, gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime Stellung zu beziehen. Aufsehen erregten seine Predigten gegen Euthanasie und Naziterror.  Am 21. Februar 1946 ernannte ihn Papst Pius XII. in Anerkennung seiner aufrechten Haltung während der NS-Zeit zum Kardinal. Nur einen Monat später, am 22. März, starb der Kardinal an einer Blinddarm-Entzündung.
   Das nun abgeschlossene Seligsprechungsverfahren wurde bereits 1956 eingeleitet. Die Liturgie stand unter der Leitung von Kurienkardinal Jose Saraiva Martins.
  Im Vorfeld der Feierlichkeiten würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Galen als christliches Vorbild. Sein Einsatz für das Lebensrecht aller Menschen machte ihn zu einem „außerordentlich zukunftsweisenden Bischof”, so Lehmann. Ähnlich äußerte sich der Nachfolger von Galen auf dem Münsteraner Bischofsstuhl, Reinhard Lettman. Der Kardinal habe „unerschrocken und profiliert” christliche Posi- tionen vertreten. Lettmann hat zu Beginn der Seligsprechungsfeier im Vatikan einen Überblick über das Wirken des neuen Seligen gezeichnet. Allein aus dem Heimatbistum Galens kamen rund 4.000 Pilger nach Rom, weitere deutsche Bischöfe, Vertreter der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie der Stadt Münster.
    Nach Aussage des Lübecker Historikers Professor Peter Voswinckel war Kardinal von Galen auch Vorbild für die Lübecker Märtyrer. Die katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evan- gelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten die Predigten von Galens abgetippt und verteilt. Dafür waren sie am 10. November 1943 in Hamburg hingerichtet worden.              HA/fis051007owie

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   Der frühere Bischof von Münster, Clemens August Kardinal Graf von Galen, wurde am 9. Oktober im Petersdom zu Rom während der Weltbischofssynode seliggesprochen. Hier bringen wir die ersten Fotos von der Liturgie der Seligsprechungsfeier und den Empfang der Ehrengäste durch Papst Benedikt XVI.

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 4. und 6. Foto von oben: Bischof Reinhard Lettmann (Münster):  “Eine prophetische Persönlichkeit”

  Clemens August Graf von Galen wurde am 16. März 1878 auf der Burg Dinklage im Oldenburgischen Teil des Bistums Münster geboren. Als elftes von dreizehn Kindern wuchs er in der Geborgenheit seiner gläubigen Familie auf. Nach dem Abitur studierte er in Innsbruck und Münster Theologie und wurde am 28. Mai 1904 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe wurde Clemens August zunächst Domvikar am Dom zu Münster  mit dem Auftrag, seinen Onkel, Weihbischof Maximilian Gereon Graf von Galen, auf seinen Firmungsreisen durch das Bistum Münster zu begleiten. In dieser Tätigkeit lernte er viele Pfarreien im großen Bistum Münster kennen.
  1906 wurde er zum Kaplan an St. Matthias in Berlin ernannt. Damit begann eine 23jährige priesterliche Tätigkeit als Kaplan und Pfarrer in der Reichshauptstadt. Er erlebte in Berlin die schwere Zeit des Ersten Weltkrieges, die Wirren der Nachkriegszeit und einen großen Teil der Zeit der Weimarer Republik. Die Diaspora-Situation in der Großstadt Berlin stellte ihn vor große pastorale Anforderungen.
    1929 wurde Graf von Galen ins Bistum Münster zurückgerufen und zum Pfarrer an der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster ernannt. Nachdem Tod von Bischof Johannes Poggenburg wählte ihn das Domkapitel zum Bischof von Münster. Am 28. Oktober 1933 empfing er die Bischofsweihe. Sein Wahlspruch: »Nec laudibus - nec ti- more.« [“weder Lob - noch Furcht”]
    Bischof Clemens August begann sein bischöfliches Wirken mit der Eröffnung der »Ewigen Anbetung« in der Servatii-Kirche in Münster. Dies ist bezeichnend für seine tiefe persönliche Frömmigkeit. Sie zeigte sich auch in einer lebendigen Marienverehrung. Häufig pilgerte er allein zu Fuß in der Morgenfrühe nach Telgte, einem Wallfahrtsort zwölf Kilometer von Münster entfernt, um am Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter die heilige Messe zu feiern.

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Entlarvung der NS-Ideologie
   Schon in seinem ersten Fastenhirtenbrief 1934 entlarvte Bischof Clemens August die neuheidnische Ideologie des Nationalsozialismus. Immer wieder trat er in den folgenden Jahren für die Freiheit der Kirche und der kirch- lichen Verbände und für die Erhaltung des Religionsunterrichtes an den Schulen ein. Er wusste sich dabei von den Priestern und Laien im Bistum Münster getragen. Vor allem seine zahlreichen Firmungsreisen durch die Dekanate des Bistums wurden trotz aller Schikanen der nationalsozialistischen Partei und der Geheimen Staatspolizei  zu unübersehbaren Kundgebungen des Glaubens und der Solidarität. In einer großen Predigt im Dom zu Xanten, am Grab des heiligen Viktor, eines Märtyrers aus frühchristlicher Zeit, klagte Bischof Clemens August im Frühjahr 1936 das nationalsozialistisehe Regime an, Christen wegen ihres Glaubens zu diskriminieren, ins Gefängnis zu werfen und sogar zu töten. Er sagte: »Es gibt in deutschen Landen frische Gräber, in denen die Asche solcher ruht, die das Deutsche Volk für Märtyrer hält.« Diese Predigt fand über die Grenzen Deutschlands hinaus nachhaltigen Widerhall. Schon damals rechnete der Bischof mit der Möglichkeit, dass auch er der Freiheit beraubt und an der Ausübung des bischöflichen Amtes gehindert werden könnte.
   Bischof Clemens August war unter den Bischöfen, die Papst Pius XI. im Januar 1937 nach Rom einlud, um mit ihnen über die Situation in Deutschland zu sprechen und das Weltrundschreiben
                    »Mit brennender Sorge« Volltext der Enzyklika siehe unten auf dieser Seite!
vorzubereiten, in dem er das nationalsozialistische Regime vor der Weltöffentlichkeit anklagte.
   Gemeinsam mit den übrigen Bischöfen trat Bischof Graf von Galen in verschiedenen Hirtenbriefen der Rassen- ideologie des Nationalsozialismus entgegen. Er gehörte zu den Bischöfen in der Fuldaer Bischofskonferenz, die ein energischeres Auftreten gegenüber dem Nationalsozialismus auch in der Öffentlichkeit forderten.
    1941, als das »Dritte Reich« auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, begannen die staatlichen Stellen, Klöster zu beschlagnahmen und Ordensleute zu vertreiben. Gleichzeitig wurde bekannt, dass größere Aktionen zur Tötung geistig behinderter Menschen durchgeführt wurden. In drei großen Predigten am 13. und 20. Juli sowie  am 3. August prangerte der Bischof  in aller Öffentlichkeit diese Unrechtsmaßnahmen an. In der Predigt am 3. August prangerte Bischof Clemens August das nationalsozialistische Regime wegen des Mordes an geistig kranken Men- schen an. Er wies darauf hin, dass seine schriftlichen Einsprüche und Proteste nichts genutzt haben. »So müssen wir damit rechnen, dass die armen, wehrlosen Kranken über kurz oder lang umgebracht werden. Warum? ... Weil sie nach dem Urteil eines Amtes, nach dem Urteil irgendeiner Kommission >lebensunwert< geworden sind, weil sie nach diesem Gutachten zu den >unproduktiven< Volksgenossen gehören! Man urteilt: Sie können nicht mehr produzieren, sie sind wie eine alte Maschine, die nicht mehr läuft, sie sind wie ein altes Pferd, das unheilbar lahm geworden ist. Sie sind wie eine Kuh, die nicht mehr Milch gibt. Was tut man mit solch alter Maschine? Sie wird verschrottet. Was tut man mit einem lahmen Pferd, mit solch einem unproduktiven Stück Vieh? Nein, ich will den Vergleich nicht zu Ende führen, so furchtbar seine Berechtigung ist und seine Leuchtkraft ... Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, >unproduktive< Mitmenschen zu töten - und wenn es jetzt auch nur arme, wehrlose Geisteskranke trifft -, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also den unheilbar Kranken, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben.«
    Diese Predigten des Bischofs erregten weithin Aufsehen. Sie wurden geheim vervielfältigt und weitergegeben bis über die GrenzenDeutschlands hinaus. Der Bischof rechnete damit, dass die Gestapo ihn nach diesen Predigten verhaften würde. Der damalige Reichsleiter Bormann schlug Hitler vor, den Bischof von Münster zu verhaften und zu erhängen. Die nationalsozialistische Führung fürchtete jedoch, dass in einem solchen Fall die Bevölkerung des Bistums Münster für die Dauer des Krieges abzuschreiben sei. Es bedrückte den Bischof, dass an seiner statt 24 Weltpriester und 13 Ordensgeistliche aus der Diözese Münster ins Konzentrationslager gebracht wurden und zehn von ihnen ums Leben gekommen sind.

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Tröster nach dem Krieg
   Der Krieg zerstörte den Dom und die Wohnung des Bischofs. In der brennenden Stadt Münster suchte er die Menschen zu trösten. In den schweren Monaten der Nachkriegszeit war Bischof Clemens August eine Persön- lichkeit, an der sich viele aufrichteten. Mit Freimut trat er auch den Besatzungsbehörden entgegen, wenn es galt, Not und Unrecht zu beseitigen oder zu verhindern. Entschieden widersprach er der damals umgehenden Meinung von der Kollektivschuld der Deutschen.
   Papst Pius XII. berief Bischof Clemens August am 21. Februar 1946 in das Kardinalskollegium. Es war eine Aner- kennung und Ehrung für seine unerschrockene Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Der überfüllte Peters- dom jubelte ihm, dem »Löwen von Münster«, zu, als er aus der Hand des Papstes die Kardinalswürde entgegen- nahm. Am 16. März wurde Kardinal von Galen bei seiner Rückkehr nach Münster von einer großen Volksmenge begeistert empfangen. Vor den Trümmern des Domes hielt er vor 50.000 Gläubigen seine letzte Predigt. Am Tag darauf erkrankte er schwer. Eine Operation konnte keine Hilfe mehr bringen. Er starb am 22. März 1946 und fand sein Grab in der Ludgeruskapelle des zerstörten Domes. Anlässlich seiner zweiten Deutschlandreise besuchte Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 den Dom zu Münster, um die Persönlichkeit des Kardinals zu ehren und an seinem Grab zu beten.
   Was bedeutet die Seligsprechung des Kardinals für uns heute? Seine tiefe persönliche Frömmigkeit, seine Treue zu Jesus Christus und sein Einsatz für Leben und Recht der Menschen aus dem Glauben sind uns ein Vermächtnis im Einsatz gegen alle um sich greifenden Gedanken, sich als Herren des Lebens aufzuspielen und vor allem, den Beginn und das Ende des menschlichen Lebens zu manipulieren.
   Die Seligsprechung stellt uns in Kardinal von Galen ein Vorbild vor Augen, unsere eigene Glaubenstreue neu zu festigen und in kritischer Zeitgenossenschaft unsere christlichen Überzeugungen vom Wert des menschlichen Lebens unerschrocken und profiliert in den gesellschaftlichen Diskurs mit einzubringen.
   Das II. Vatikanische Konzil spricht von der Teilnahme der Gläubigen am prophetischen Amt Christi Dogmatische Konstitution über die Kirche, Nr.12. Hat Clemens August Kardinal von Galen sich als Prophet verstanden? Sicher nicht.
    Und doch steht er in der Linie der Propheten. Was macht das Wesen des Propheten des Alten Bundes aus? Propheten schauen nicht gleichgültig zu. Sie mischen sich ein, vor allem da, wo Unrecht geschieht.  Propheten sind Anwälte derer, die zu schwach sind, ihre eigene Sache zu vertreten. Propheten verkünden, dass Gott das Böse nicht gleichgültig ist. Propheten haben den Mut, Götzen zu entlarven und zu stürzen.
    Gehen wir von diesem Begriff des Propheten aus, können wir sagen: Kardinal von Galen war eine prophetische Persönlichkeit. Er erkannte früh, dass die Ideologie des Nationalsozialismus an die Stelle Gottes neue Götter setzte.
   Anstelle des Menschen, der sich von seinem Gewissen leiten lässt, wollte der Nationalsozialismus Hörige und Höflinge.  An die Stelle der Menschenrechte, die Gott dem Menschen mit dem Menschsein gegeben hat, setzte der Nationalsozialismus sein eigenes Recht. Er maßte sich sogar an zu definieren, wer Mensch ist und wer nicht.
    Diese prophetische Dimension der Persönlichkeit Clemens August Kardinal von Galens kann auch uns Vorbild und Beispiel sein.

tn_cardvGStud_psd    als Student an der Uni Innsbruck 1899

   Die New York Times bezeichnete Bischof von Galen am 08. Juni 1942 als „erbittertsten Gegner des antichrist- lichen nationalsozialistischen Programms.” Seine furchtlosen Predigten gegen Hitler gingen von der Kanzel der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti zu Münster um die ganze Welt. Wie auch der Ruf seines beispielhaften Mutes. Und Papst Pius XII. versicherte ihn in seinen Briefen seiner vollen Unterstützung und Dankbarkeit.

tn_cardvGconfirm_psd      mit Firmlingen

 Zwei dieser Schreiben von Papst Pius XII., auch den Brief an von Preysing, finden Sie unten auf dieser Seite

    Die Bedeutung dieser Briefe wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, in welchem Kontext sie enthalten sind. Die Briefe an von Galen sind nämlich Teil eines corpus von 124, im Zeitraum von 1939-1944 von Pius XII. an die deutschen Bischöfe geschriebenen Briefen. Den Grund für diese Korrespondenz erläuterte Pius XII. den vier deutschsprachigen Kardinälen gegenüber, die im März 1939 zum Konklave nach Rom gekommen waren, das ihn zum Papst wählte. Nach dem Konklave verlängerten die Kardinale ihren Aufenthalt in der Ewigen Stadt, um mit dem neuen Papst die Situation der Kirche in Deutschland zu besprechen, eine Situation, die der Papst aus nächs- ter Nähe verfolgt hatte, zuerst als Nuntius und dann als Staatssekretär. Er sagte zu ihnen: „Die deutsche Frage ist für mich die wichtigste. Ich behalte mir vor, mich selbst darum zu kümmern”. Pacelli hatte also - ausnahmsweise - die Kardinale, und, durch sie, den Episkopat, aufgefordert, direkt an ihn zu schreiben. In seinem ersten Brief an den deutschen Episkopat vom 20. Juli 1939 erinnerte sich Pius XII. voller Rührung an die in Deutschland ver- brachten Jahre und die Kontakte, die er dort noch hatte: „... denn das hat es Uns ermöglicht, heute von der Situation, dem Leid, den Aufgaben, den Bedürfnissen der Katholiken Deutschlands jene tiefe Kenntnis zu haben, die nur aus der direkten persönlichen, in langen Jahren gemachten Erfahrung erwachsen kann”. Mit Beginn des Krieges sollten sich diese direkten Beziehungen als noch wertvoller erweisen.  Mit der Aufforderung, ihm zu schrei- ben, hatte ihnen der Papst gezeigt, dass die Nuntiatur in Berlin über einen sicheren Korrespondenzkanal zu Rom verfügte. Die Korrespondenz, die bis zum letzten Kriegsjahr aufrecht erhalten werden konnte, zeigt, wie ausführ- lich die Bischöfe von der außergewöhnlichen Möglichkeit Gebrauch machten, mit dem Oberhaupt der Kirche zu kommunizieren. Sie schickten ihm regelmäßig alle nur möglichen Informationen und legten dieser auch die Kopien der wichtigsten Dokumente bei.
  Die Lettres de Pie XII aux eveques allemands sind jedoch nach wie vor - von den Gelehrten einmal abgesehen - den meisten unbekannt. Und das, obwohl die in ihnen enthaltenen Erklärungen von großer Bedeutung dafür sind, nicht nur den katholischen Widerstand in Deutschland, die Verfolgung unter den Nazis und die Haltung des deut- schen Episkopats zu verstehen, den man zu Unrecht oft als nazifreundlich betrachtete: Wie Pierre Biet in seinem Pio XII e la Seconda guerra mondiale negli Archivi  vaticani erklärte,  „stellen sie auch  ein außergewöhnliches Dokument des Denkens von Pius XII. dar, seiner Absichten und seines Wirkens”. Dieselbe Absicht und dasselbe Wirken wie das jenes Kirchenmannes, der es gewagt hatte, den Nazis unerschrocken ins Gesicht zu schreien: „Ich kann nichts mehr gemeinsam haben mit Menschen, die sich anmaßen sich zum Herrn zu machen über Leben und Tod der Mitmenschen : Ihr Gott ist der Bauch.”

tn_cardvGconsecr._psd     bei seiner Bischofsweihe 1933

   Lesen Sie hier im vollständigen Wortlaut drei Briefe, die Pius XII. auf deutsch an die Bischöfe von Berlin und Münster geschrieben hat. Die Briefe, die zeigen, wie sehr Pius XII. von Galen schätzte, stammen aus dem II. Band der Actes et documents du Saint Siege relatifs à la Seconde guerre mondiale mit dem Titel Les lettres de PieXII aux eveques allemands, 1939-1944.

 DER BRIEF VON PIUS XII. AN DEN BISCHOF VON MÜNSTER

Aus dem Vatikan, den 16. Februar 1941 
              Unserem ehrwürdigen Bruder
              Clemens August von Galen, Bischof von Münster
   Wir entbieten dir, ehrwürdiger Bruder, Unseren im Drang der sich häufenden Arbeiten und Lasten etwas späten, dafür aber um so innigeren Dank für deine treuen Wünsche zum laufenden Jahre. Von Herzen erwidern Wir sie für dich, deinen Klerus und deine Gläubigen. Wir beten und opfern täglich für euch, dass dieses Jahr, dessen noch dunkle Schicksale alle mit angstvoller Erwartung erfüllen, sich euch zu einem Gnadenjahr wende, in dem Gott seine Erbarmungen über euch ausschütte cf. Buch der Weisheit 18,9.
  Die Schreiben, die Uns in den letzten Monaten aus dem deutschen Episkopat zugegangen sind, wecken zwar den Eindruck, dass das Jahr 1941 auch der katholischen Kirche in eurem Vaterland neue harte Prüfungen zu bringen drohe. Dein Bericht (mit Anlagen), den Wir mitfühlend zur Kenntnis genommen haben, hebt besonders die Not der katholischen Jugend hervor. Sie ist eure und Unsere größte Sorge, um so größer, als die Entchristlichung der Ju- gend unter einem Zwang vor sich geht, gegen den das Elternhaus und die Kirche oft auch beim besten Willen fast wehrlos sind. Um so mehr erkennen Wir lobend an, was ihr zur Bewahrung des Glaubens in der Jugend durch den besonderen kirchlichen Religionsunterricht getan habt. Auch anderswo haben Wir viel Erhebendes über den Erfolg der „Glaubensstunde“ gehört. Aber selbst wenn er spärlich sein sollte, tut weiter was in euren Kräften steht, und stützt, soviel ihr nur könnt, das religiöse Leben in der Familie.
   Deiner Beurteilung des Vorgehens gegen das kirchliche Eigentum in Oldenburg stimmen Wir zu. Die betreffende Maßnahme liegt in der Richtung jener einseitigen staatlichen Eingriffe, durch welche die wirtschaftlichen Verhält- nisse der Kirche in Österreich, im Sudetenland, im so genannten Warthegau sowie in Elsass-Lothringen schwer geschädigt worden sind. Dabei ist es im Falle Oldenburg unbezweifelbar, dass das Vorgehen der staatlichen Stel- len gegen einwandfreie Konkordatsverpflichtungen verstößt.
   Der Eifer, mit dem du, ehrwürdiger Bruder, das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Gesamtkirche und der Verbin- dung mit dem Stellvertreter Christi in deinen Gläubigen lebendig erhältst, tut Uns wohl, und zwar um euretwillen. Es wäre verhängnisvoll, wenn die Bestrebungen, die deutschen Katholiken abzuschließen und dem Papste zu ent- fremden, Boden gewännen.Unsere Liebe gehört gewiss gleicherweise allen Kindern der Kirche, ohne Unterschied von Land und Volk, auf beiden Seiten der Kriegsfronten. Das hat aber Unsere Liebe zu euch nicht verringert. Wir sind euch so nahe wie in den Jahren, da Wir euch von Stadt zu Stadt und  von Gau zu Gau besuchen konnten, ja noch näher, wo Wir euch in schwerem Ringen um die Rettung eures heiligen Glaubens stehen sehen. Sage deinen Gläubigen, dass Wir in dem gewaltigen Geschehen des Augenblicks nur daran denken und dafür arbeiten, die Ver- heerungen des Krieges, vor allem die seelischen: Gottentfremdung, Hass und Grausamkeit zu vermindern und dem Frieden die Wege zu bahnen; einem Frieden, der das Gesetz Gottes und die Freiheit seiner heiligen Kirche achtet, einem Frieden, der mit der Ehre, den Rechten und den Lebensnotwendigkeiten aller beteiligten Völker vereinbar ist, so wie Wir es in Unseren Weihnachtsbotschaften der beiden letzten Jahre verkündet haben.
    Als Unterpfand reichster Gnade Gottes, durch die der Allmächtige den katholischen Glauben, die christliche Tugend, den kirchlichen Sinn in euch lebendig und unverletzt erhalten möge, erteilen Wir dir, ehrwürdiger Bruder, allen deinen Mitarbeitern im Priestertum und Laienstand und allen dir anvertrauten Gläubigen aus der Fülle des Herzens den erbetenen Apostolischen Segen. 

tn_cardvGcreat._psd     zum Kardinal gewählt: in Telgte

DER BRIEF VON PIUS XII. AN DEN BISCHOF VON BERLIN

Aus dem Vatikan, den 30. September 1941
          Unserem ehrwürdigen Bruder
          Konrad von Preysing, Bischof von Berlin
   Nimm Unseren herzlichen Dank entgegen, ehrwürdiger Bruder, für deine Schreiben vom 28. Juni, 16. August, 28. August, 4., 11.und 12.September.
   Über die diesjährige Fuldaer Bischofskonferenz und den aus ihr hervorgegangenen gemeinsamen Hirtenbrief hat Uns der Bischof von Innsbruck, dem es hierher zu kommen gelang, ausführlich Bericht erstatten können. Es ist richtig, dass manche gewünscht hätten, der Hirtenbrief verriete noch etwas mehr von dem katholischen Selbstbe- wusstsein, das aus den drei Predigten des Bischofs von Münster atmet. Aber auch sie geben zu, was Wir von allen Seiten hören, dass der Hirtenbrief im Volke sehr gut gewirkt habe.
   Die drei Predigten des Bischofs von Galen bereiten auch Uns einen Trost und eine Genugtuung, wie Wir sie auf dem Leidensweg, den Wir mit den Katholiken Deutschlands gehen, schon lange nicht mehr empfunden haben. Der Bischof hat den Augenblick für sein mutvolles Hervortreten günstig gewählt, das hohe Ansehen, das sein Name und seine Persönlichkeit schon im vornherein genossen, mag zu dem Erfolg beigetragen haben. Aber diese Um- stände allein erklären die tiefe Wirkung seines Schrittes nicht. Sie ist, wenn Wir richtig sehen, darin begründet, dass der sittliche Ernst und der Stärkegrad seiner Verwahrung als gerade im richtigen Verhältnis stehend empfun- den wurde zu dem Unrecht, das die katholische Kirche in Deutschland hat erleiden müssen, wie zu der verletzen- den Form, in der es ihr angetan worden ist; sodann hat der Bischof in sehr offenmütiger, aber edler Art den Finger auf Wunden und Schäden gelegt, die, wie Wir es so oft hören, jeder noch rechtlich denkende Deutsche schmerz- voll und bitter empfindet.
    Wenn als Ergebnis der mutigen Tat des Bischofs von Galen die Einstellung der Maßnahmen gegen die Kirche ge- folgt ist, mag sie auch vielleicht nur vorübergehend sein und vor allem das angetane Unrecht noch lange nicht wieder gutmachen, so sind die drei Predigten des Bischofs von Münster und der Hirtenbrief des Gesamtepiskopats ein Beweis dafür, wie viel sich durch offenes und mannhaftes Auftreten innerhalb des Reiches immer noch errei- chen lässt. Wir betonen das, weil die Kirche in Deutschland auf euer öffentliches Handeln um so mehr angewiesen ist, als die allgemeine politische Lage in ihrer schwierigen und oft widerspruchsvollen Eigenart, dem Oberhaupt der Gesamtkirche in seinen öffentlichen Kundgebungen pflichtmäßige Zurückhaltung auferlegt. Dass aber die Bischöfe, die mit solchem Mut und dabei in so untadeliger Form wie Bischof von Galen für die Sache Gottes und der heiligen Kirche eintreten, an Uns immer Rückhalt finden werden, das brauchen Wir dir und deinen Mitbrüdern nicht eigens zu versichern.
 Was deine Anregung angeht, der Heilige Stuhl möge zur Stärkung der Bischöfe seinerseits über die Deutsche Bot- schaft einen Schritt bei der Reichsregierung unternehmen, so ist er deinem Wunsch sozusagen zuvorgekommen, nicht nur einmal, sondern öfters in den letzten Jahren. Freilich mit so geringem Erfolg, dass auf seine Schreiben bis heute noch nicht einmal eine Antwort eingelaufen ist. Gleichwohl wird hier auch weiterhin sorgsam darauf gesehen werden, keine wenn auch nur irgendein schwaches Ergebnis versprechende Gelegenheit vorübergehen zu lassen, um schriftlich oder mündlich die Sache der deutschen Katholiken zu vertreten.
  Du berichtest Uns im letzten Schreiben über die Zusammenkunft von drei Bischöfen mit Vertretern der so hart ge- prüften Ordensfamilien in Frankfurt. Wir loben solche Beratungen und würden es begrüßen, wenn die auf der Fuldaer Konferenz  erfolgte Anregung zur Ausführung gelangte, durch häufigere Sonderberatungen der Bischöfe der einzelnen Kirchenprovinzen und sodann der Metropoliten untereinander die Gesinnungseinheit des Episkopats zu lebendiger Tateinheit werden zu lassen, soweit diese Tateinheit jeweils von der augenblicklichen Lage gefor- dert wird. Es hieße das nichts anderes als die durch die Kirchenverfassung und die hierarchische Ordnung bereit gestellten Kräfte altem kirchlichem Brauch folgend wirksam auszunützen. Mit den Konferenzen der westdeutschen Bischöfe ist ja in freier Form schon lange ein glücklicher Anfang gemacht.
   Wir benützen die Gelegenheit, um Dir, ehrwürdiger Bruder, streng vertraulich noch zwei Fragen vorzulegen ... Dich und deine Diözese innigst den Erbarmungen der göttlichen Vorsehung empfehlend, mit der gleichen Innigkeit aber auch um euer Gebet für den Fährmann des in tobendem Sturm stehenden Schiffleins Petri bittend, erteilen Wir dir, ehrwürdiger Bruder, und allen deiner Hirtensorge Anvertrauten von ganzem Herzen den erbetenen Apostolischen Segen.  

tn_cardvGMS_psd     Prozession 1933 in Münster

 DER BRIEF VON PIUS XII. AN DEN BISCHOF VON MÜNSTER

Aus dem Vatikan, den 24. Februar 1943 
              Unserem ehrwürdigen Bruder
             Clemens August von Galen, Bischof von Münster
     Die Glückwünsche, die du, ehrwürdiger Bruder, Uns zum Gedächtnistag Unserer Wahl und Krönung im eigenen Namen wie im Namen deiner Diözesanen entboten hast, nehmen Wir mit Dank und Freude entgegen. Kommen sie doch von einem Hirten, in dem durch die katholischen Überlieferungen seines Hauses und erst recht durch die glaubensvolle Erfassung seines bischöflichen Amtes das Bewusstsein der Verbundenheit mit dem Stellvertreter Christi besonders lebendig ist, und von einer Herde, die sich immer durch kirchliche Treue ausgezeichnet hat. Wir danken vor allem für euer Gebet; für das Gebet, das ihr anlässlich Unseres Bischofsjubiläums für Uns zu Gott empor gesandt habt, wie für das Gebet, mit dem ihr am Sonntag „Invocabit” Gottes Segen auf das fünfte Jahr Unseres Pontifikats herabflehen wollt. Wir können euch nur ermuntern, in der Fürbitte für den Nachfolger Petri auszuharren, da es schwer hält zu entscheiden, was größer ist: die Nöte und Gefahren, in denen die heilige Kirche steht und die ihr noch drohen, oder die gewaltigen Aufgaben und weltweiten Hoffnungen, die sich in nächster und fernerer Zukunft für sie auftun. Wir brauchen nicht beizufügen, dass Wir Unsererseits eurer und euer Anliegen - Wir wissen, wie viele und sorgenvolle es sind - im Gebet und beim heiligen Opfer täglich gedenken.
    Wir danken dir sodann für die beiden Anlagen, das Hirtenwort vom 22. März 1942, das in Westdeutschland und fast gleich lautend in Bayern zur Verlesung kam, und den bei euch im Westen verlesenen Adventshirtenbrief. Beide Kundgebungen haben Unsere ungeteilte Zustimmung gefunden, weil sie so mutvoll für die Rechte der Kirche, der Familie und des Einzelmenschen eintreten. Selten, vielleicht niemals in der neueren Kirchengeschichte ist die Schicksalsverbundenheit dieser drei: der Menschenwürde, der Familie und der Kirche so greifbar zutage getreten wie heute. Uns ist es jedes Mal ein Trost, wenn Wir Kenntnis erhalten von einem offenen und mutigen Wort eines deutschen Bischofs oder der deutschen Bischöfe. Weit schauende Überlegung wird euch auch davon überzeugen, dass ihr durch mannhaftes Eintreten für Wahrheit und Recht, gegen Härte und Unrecht dem Ruf eures Volkes im Ausland nicht schadet, sondern eher nützt, mögen vielleicht auch augenblicklich andere in bedauerlicher Verken- nung der Sachlage den gegenteiligen Vorwurf gegen euch erheben. Du, ehrwürdiger Bruder, bist übrigens der letzte, dem gegenüber Wir dies eigens zu erwähnen brauchen.
  Die beiden von dir übersandten Hirtenbriefe haben Unserer Weihnachtsbotschaft vom 24. Dezember 1942 gleich- sam den Boden bei euch bereitet. Wir hören gerne, dass du den Inhalt Unserer Botschaft auf den Dekanats- konferenzen behandeln lässt. Das bestärkt die seelische Verbindung zwischen Uns und eurem Klerus, zwischen euch und der weiten katholischen Welt. Unsere Worte haben über die ganze Erde hin, in den Krieg führenden und den wenigen vom Krieg noch nicht unmittelbar berührten Ländern, tiefen Widerhall gefunden. Unseren Kundge- bungen, vor allem den Weihnachtsbotschaften seit 1939 lag nicht die Annahme zugrunde, dadurch das Kriegs- geschehen an sich wesentlich beeinflussen zu können. Wir folgten nur unserer Pflicht als Stellvertreter Christi, für die jetzt vor bedeutsamen Neugestaltungen stehenden zwischenstaatlichen und innerstaatlichen Ordnungen dem Naturrecht und dem Gesetz Christi die Wege zu bahnen, der Gefahr unchristlichen Denkens und eines übertrie- benen Nationalismus bei Unseren Gläubigen entgegenzutreten, endlich, wenn es Gott so gefallen und er seinen Segen dazu geben wollte, wegweisend, klärend und versöhnend die Lösung der überwältigend schweren Auf- gaben gesinnungsmäßig vorzubereiten, die mit Kriegsende in Angriff zu nehmen sein werden.
  Die leidvollen Sorgen, die du aus deiner Diözese anführst: Priester um des Glaubens willen in der Verbannung oder in Konzentrationslagern (den Pfarreien und Angehörigen der dort Verstorbenen gilt Unser besonderer Se- gen); die Wegnahme des um Priesterberufe und führendes katholisches Laientum so verdienten bischöflichen Kollegs in Gaesdonck, der Priestermangel infolge des Ausfalls der Kriegsjahrgänge und Einziehung junger Priester zur Wehrmacht - diese Sorgen berühren allgemeine  Nöte der katholischen Kirche in Deutschland, die Wir lebendig und innig mit euch Bischöfen teilen. Der Priestermangel ist im Begriff, zu einer europäischen Kirchennot zu werden, die sich zudem auch für die Missionsgebiete verhängnisvoll auswirken wird. Immerhin wird die Kirche den Priester- mangel noch als das mindere Übel hinnehmen und mit Gottes Hilfe allmählich überwinden, wenn nur der verblei- bende Klerus, besonders der jüngere und der aus dem Feld heimkehrende, übernatürlich, kirchentreu, unter sich einig und in ehrlichem Vertrauen mit Bischof und Papst verbunden, demütig, opferbereit und seeleneifrig dasteht, mit offenen Augen für zwei vordringliche priesterliche Aufgaben: die überzeugende Verkündigung und Verteidigung des katholischen Glaubens und der gesamten katholischen Weltanschauung bis in ihre letzten Folgerungen für den Einzelnen und die Gemeinschaft, und die Erneuerung oder Neuschaffung christlicher Lebensformen. Wir können es in Worten nicht ausdrücken, wie viel Wir Uns darum sorgen, dass der Klerus seiner Verantwortung, besonders in der treuen, gewissenhaften Verwaltung des Predigtamtes und Bußsakraments, sich bewusst und seiner Aufgabe gewachsen sei. Was Uns in Unseren Sorgen stärkt und tröstet, sind Nachrichten wie die in deinem Schreiben über den Besuch der Marienwallfahrtsorte deiner Diözese im vergangenen Jahr. Solange die Grad- messer des religiösen Lebens so hoch stehen, braucht ihr und brauchen Wir um euch trotz der Stürme der ver- gangenen Jahre und trotz des Dunkels der Zukunft nicht zu bangen. Wir glauben auch nicht daran zweifeln zu dürfen, dass nach Gottes Willen der Welt in unseren düsteren Tagen gerade durch die Fürbitte der Gottesmutter Rettung, Segen und Friede werden soll.
     Dein Wunsch, ehrwürdiger Bruder, wieder einmal zum Heiligen Vater nach Rom zu kommen, kann nicht stärker sein als Unser Verlangen, dich und die anderen deutschen Bischöfe in Unserem Haus begrüßen und mit euch die Anliegen der katholischen Kirche in Deutschland besprechen zu können. Es ist jetzt schon lange her, dass Wir deutsche Oberhirten hier sahen. Trotzdem würdigen und billigen Wir deinen Plan, die „Visitatio liminum Apostolorum“ vorerst aufzuschieben; Wir hoffen nur, dass die Ereignisse euch baldigst den Weg nach Rom frei- geben mögen.
    Sage deinen Diözesanen, dass Wir beten, opfern und arbeiten für einen Frieden, der allen Völkern ohne Ausnahme erträgliche Verhältnisse schafft; dass Uns wenige Dinge so am Herzen liegen wie die „Freiheit und Erhöhung“ der katholischen Kirche und des gesamten religiösen Lebens in eurer Heimat; dass Wir Gott danken für die Glaubensfestigkeit der deutschen Katholiken und sie väterlich mahnen, in Starkmut, Geduld und ungebro- chenem Vertrauen auf die göttliche Vorsehung Christus die Treue zu wahren. Als Unterpfand seines unbe- sieglichen Beistandes und seiner alles überwindenden Gnade erteilen Wir dir, ehrwürdiger Bruder, deinem Klerus und deinen Gläubigen, besonders den an der Front stehenden und der Jugend, aus der Fülle des Herzens den erbetenen Apostolischen Segen.

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 Foto links oben: Der Bischof von Berlin Konrad  von Preysing.
Foto rechts: Papst Pius XII. (Eugenio Pacelli)   StefaniaFalascaTrentaGiorni

tn_cardvGGöringGoebbels_psd      Joseph Göbbels, Hermann Göring

Brief des nationalsozialistischen Gauleiters Weser-Ems Carl Röver an die Reichskanzlei Berlin vom 6.4.1934

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Adolf Hitler in München 1925 - ganz links auf dem Foto: Alfred Rosenberg

   Der Löwe von Münster, bzw. der „unerschrockenste Gegner des Nazismus”, wie ihn die New York Times 1942 definierte, beklagt die schrecklichen Bombenangriffe der Alliierten, die die deutschen Städte in ein Trümmerfeld verwandelten. Lesen Sie hier, was der Bischof von Münster in den Kriegsjahren an Pius XII. geschrieben hat.

cd.v.Galen.MS.2x       Münster im Krieg

   In der Geschichte der im 2. Weltkrieg von den Alliierten bombardierten deutschen Städte gibt es einen Tag, den die Stadt Münster wohl nie vergessen wird: den 10. Oktober 1943. Einen Sonntag. Unter einem strahlend klaren Herbsthimmel hatten sich die katholischen Gläubigen in den frühen Nachmittagsstunden vor den Pforten des alten Doms zu Münster eingefunden. Es war der Tag, an dem man das Fest der Mutterschaft Mariens beging. Der Hoch- altar der majestätischen, gotischen Kathedrale war in warmes Kerzenlicht getaucht. Die Domkapitulare des Doms hatten gerade in den Chorstühlen Platz genommen, als plötzlich die Sirenen zu heulen begannen: Bombenalarm! Es war 14 Uhr 55.
 „Man hatte uns um 22 Uhr eines Samstag Abend, mitten auf einer Party, Bescheid gegeben, uns bereit zu halten,” steht in dem Bericht von Major Ellis B. Scripture, US-Navigator des 95. Bombengeschwaders, zu lesen. „Der Befehl für den Luftangriff ging per Fernschreiber ein. Man teilte uns mit, dass unser Ziel der Eingang des Doms zu Münster sei. Ich war entsetzt - zum ersten Mal seit Kriegsanfang sollten Zivilisten bombardiert werden! Ich begab mich sofort zu Oberst Gerhart und sagte ihm, dass ich einen solchen Befehl unmöglich ausführen könnte. Er aber reagierte genau so, wie ich mir das von einem dienstbeflissenen Karriereoffizier erwarten musste: „Jetzt hören Sie mir mal gut zu, Herr Major,” wies er mich zurecht: „Wir haben Krieg! Haben Sie das verstanden?? K-R-I-E-G! Das ist eine Schlacht mit allen Mitteln, töten die Deutschen etwa nicht seit Jahren unschuldige Menschen in ganz Europa? Unsere Aufgabe ist es, sie in Stücke zu reißen. Und genau das werden wir auch tun! Ich bin der Leiter dieser Mission, und Sie sind mein Navigator, Sie werden also genau das tun, was ich Ihnen sage! Noch irgend- welche Fragen?“„Nein, Sir!“ antwortete ich. Und damit war die Sache erledigt. Die erste Sprengbombe traf ihr Ziel mit unglaublicher Präzision: das viereckige Gewölbe des Doms zu Münster. Der von stattlichen romanischen Türmen eingefasste Ost-Eingang des Doms war wirklich auch nur schwer zu verfehlen. Die Überlebenden ergriffen panikartig die Flucht, suchten unter den Mauern der Türme Zuflucht, die - solide wie das Firmament - sieben- hundert Jahre überdauert hatten. Doch schon die zweite Sprengbombe traf sie mit voller Wucht, brachte sie zum Einstürzen: ein Trümmerregen ergoss sich auf die schutzsuchenden Menschen. Und nach den Sprengbomben ka- men die Brandbomben. Die getroffenen Gebäude fingen sofort Feuer. Die Altstadt glich einer einzigen Fackel. Dich- te, gelb-schwarze Rauchschwaden stiegen kilometerhoch in den Himmel. Nur wenige Minuten hatten genügt, um die schöne, altehrwürdige Bischofsstadt Münster - im wahrsten Sinn des Wortes - in Schutt und Asche zu legen. Um 16 Uhr 30 erklärte Oberst Gerhart die „Operation Münster” für abgeschlossen.
   So endet die detaillierte Rekonstruktion jener Bombardierung. Zu verdanken haben wir sie dem Historiker Jörg Friedrich. Die Geschichte ist aus Geschichten gemacht, und um diese zu erzählen, fügte Friedrich in den Anmer- kungen noch eine Randbemerkung an. Ein Detail, zu dem sich jeder Kommentar erübrigt. „Oberst Gerhart musste allerdings zugeben, dass doch nicht alles nach Plan gelaufen war. Die Mission war nicht ganz zu Ende geführt worden. „Es ist uns ein Fehler unterlaufen”, heißt es in der Kommunikation: „Das 305. Bombengeschwader hat nicht Münster, sondern Enschede, in Holland, angepeilt. Da man es mit der deutschen Stadt verwechselte, wurde die gesamte Bombenladung über Enschede abgeworfen. Sorry. Tut uns leid!”.
    Doch auch die Bewohner von Münster fragten sich, ob sie nicht Opfer eines Irrtums geworden waren. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass die Bomben ihr wahres Ziel verfehlten. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 1941 waren bereits 6 Bomben auf Münster abgeworfen worden. Die englischen Flugzeuge hatten den Rhein überquert, nachdem die Deutschen Rotterdam bombardiert hatten. Sie hatten zwar 16 konkrete Objekte zwischen Köln und Dortmund im Visier gehabt, letztendlich aber überall dort Bomben abgeworfen, wo Lichter auf irgendeine Ansiedlung hingewiesen hatten. Ein Detail. Auch das. Und derer hat es viele gegeben. Wie in den Berichten der Überlebenden jenes 10. Oktober, den Zeugenberichten jener, in deren entsetzten Blicken sich die verkohlten, zerfetzten Menschenleiber spiegelten, die man in den Trümmern der Groitgasse, auf dem Marienplatz, aufgehäuft hatte ... In den Berichten jener, die dort, in diesem einzigen Trümmerfeld, zwischen all den Toten, noch nach Lebenden suchten und denen sich das grauenhafte Bild von Frauen- und Kinderleichen bot - grausam erstickte Menschen, denen ihr Zufluchtsort zum tödlichen Gefängnis geworden war. Details. Wie jene, die dort erzählt wer- den, wo noch andere Erinnerungen lebendig werden: die der Zeugen, die beim Seligsprechungsprozess von Cle- mens August von Galen, Bischof von Münster, ausgesagt haben.
    Als die Sirenen Bombenalarm gaben, legte der Bischof gerade die Paramente an, um in die Kathedrale hinunter- zugehen.  Er schaffte es nicht, rechtzeitig in den Luftschutzkeller zu kommen, berichtet Kanoniker Alois Schröer: seine Residenz wurde von Sprengbomben getroffen und zerstört. Er hielt sich an der einzigen Mauer fest, die stehen geblieben war. Und genau dort fand ihn sein Sekretär Heinrich Portmann: „Während die Flugzeuge noch die Stadt überflogen,  sah ich den ehrenwerten Monsignore dort oben stehen, unter freiem Himmel, zwischen den rauchenden Trümmern ... wie durch ein Wunder war er unversehrt geblieben. Unter großen Schwierigkeiten half ich ihm herunter ... Später, im Kolleg Ludgerianum, informierte ich ihn über die Todesopfer unter den Gläubigen ... Vikar Emmerich und die 59 Clemensschwestern, deren Kloster von einer Brandbombe getroffen worden war, was sie alle das Leben gekostet hatte. Nachts bat er mich, ihn zum Dom zu begleiten. Und dort stand er dann, bewegungslos, vor diesem Trümmerfeld, das ein Raub der Flammen geworden war, und weinte lautlos”.
   War es nicht genau hier gewesen, in Münster, wo der „Löwe von Münster“ seine unerschrockenen Anklagen gegen die schrecklichen Verbrechen der Nazis erhoben, es gewagt hatte, Hitler die Stirn zu bieten - wie niemand zuvor im Dritten Reich? So dass ihn - erst ein Jahr zuvor - sogar die New York Times wegen seines ungebrochenen Mutes, seiner Furchtlosigkeit, als „unerschrockensten Gegner des Nazionalsozialismus” bezeichnet hatte. Der vor Wut schäumende Hitler hatte zwar geschworen, mit ihm abzurechnen, aber auch erkannt, dass er damit ganz Westfalen gegen sich aufgebracht hätte. Und hatte sich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass die „Abrechnung“ bis Kriegsende warten musste. Aber das gehört ja inzwischen alles der Vergangenheit an.
   Am 4. November 1943 schrieb Bischof von Galen an Pius XII. und berichtete ihm von dem katastrophalen Zustand der Stadt Münster und dem Schmerz über die Opfer der Bomben der Alliierten. „Doch außer dem Schmerz über das Leid der Bevölkerung war er auch über die Zerstörung der zweihundert Kirchen der Diözese zutiefst betrübt,  vor allem des Doms, und er konnte einfach nicht verstehen, warum die Alliierten das getan hatten”, gab Priester Theodor Holling beim Seligsprechungsprozess zu Protokoll. Was Hitler nicht geschafft hatte, das schaffte das moral bombing - wie Churchill die Strategie des „gerechten Luftkrieges“ definiert hatte, der das Ziel hatte, „durch systematisches Brechen des moralischen Widerstands der Deutschen die Moral wiederherzustellen“. Im Jahr 1943 wurde Münster von 49 Luftangriffen „befreit“, dazu kamen noch 53 weitere bis Kriegsende: die schlimm- sten waren die vom 30. September und vom 22. Oktober 1944. Insgesamt 5.000 Sprengbomben und 200.000 Brandbomben wurden auf eine Stadt mit 66.000 Einwohnern abgeworfen.
    Ein Schicksal, das Münster mit vielen anderen deutschen Städten teilte, in dieser „therapeutischen Versteifung” auf den Feuertod, die zur gänzlichen Zerstörung des Landes führte”. Münster gehörte jedoch nicht zu den von den alliierten Bomberstaffeln vorgezogenen Städten. Jenen also, an denen so ausgeklügelte Techniken wie „maximum use of fire”, mit Spezialeffekten à la „Feuersturm” „ausprobiert” wurden und die Deutschland in Ödland verwan- delten: Städte wie Potsdam, Lübeck, Hamburg, Dresden ... die „Lieblingskinder” von Arthur Harris, „Kopf” des moral bombing, der die verzeichneten „Vernichtungserfolge” als „Operation Gomorra“ bezeichnete.

cd.v.Galen.Harris.xx   General Arthur Harris

   Und doch: kaum hatte die Zahl der Opfer dieser Operationen eine vierstellige Größenordnung erreicht, hörte man in England - während die Militärköpfe die „Hamburgisierung” Deutschlands planten - damit auf, diese Zahlen öffentlich bekannt zu geben. Die Engländer, die die feindlichen Luftangriffe auf London über sich ergehen hatten lassen müssen, wussten nur allzu gut, was die „gezielten Säuberungsaktionen durch die Bomber Commands” bedeuteten. Und als die Strategie der Flächenbombardierung intensiviert wurde, musste der anglikanische Erz- bischof von York, Cyril Forster Garbett, einschreiten und wieder einmal die Augustinus-Definition vom „gerechten Krieg“ ausgraben, um diesen ungeheuren Aufwand an menschlichen und wirtschaftlichen Ressourcen der öffent- lichen Meinung gegenüber zu rechtfertigen. Ein anderer namhafter Vertreter der anglikanischen Kirche, der Bischof von Chichester, George Bell, wagte es jedoch, öffentlich eine andere Frage zu stellen: „Wer verkörpert das ,krieg- liebende Deutschland”, und wer ist dagegen einfach nur Opfer des gerechten Krieges', mit dem diesem Krieg ein Ende gesetzt werden soll?” Und vor einem House of Lords in Aufruhr erklärte Bell: „Die Alliierten dürfen sich nicht zu Gottheiten aufschwingen, die den Feind vom Himmel aus in Rauch und Flammen aufgehen lassen. Ein Gott kann alle Plagen schicken, die er will, weil er keinem Gesetz unterworfen ist, ja, selbst das Gesetz repräsentiert. Das auf unserem Banner geschriebene Schlüsselwort heißt Recht. Wir, die wir zusammen mit unseren Alliierten die Be- freier Europas sind, müssen unsere Kraft in den Dienst des Rechtes stellen. Und das Recht ist gegen die Bombar- dierung der Feindesstädte,  vor allem gegen Flächen-Bombardierungen!”. „Und daher fordere ich,” schloss er, „dass von der Regierung die Rechtfertigung ihrer Politik der derzeit erfolgenden Bombardierungen von Feindes- städten verlangt wird, vor allem der Aktionen gegen Zivilisten, Nicht-Kämpfende sowie nicht-militärische und nicht- industrielle Ziele“. Das war am 11. Februar 1943. Ein Jahr später, am 9. Februar 1944, zog Bell im House of Lords erneut unerbittlich gegen eine Praxis ins Feld, die sich als wahres Desaster erwiesen hatte: „Die eingesetzten Mittel und das erreichte Ziel müssen im rechten Verhältnis zueinander stehen.  Eine ganze Stadt auszulöschen, hat damit gewiss nichts mehr zu tun. Die Frage der Bombardierungen ohne Maß und Ziel ist von entscheidender Bedeutung für Politik und Handeln der Regierung! Die Nazi-Mörder und das deutsche Volk, dem von ersteren alles Mögliche angetan wurde, auf eine Stufe zu stellen, bedeutet, der Barbarei Tor und Tür zu öffnen”. Dieselben weit- blickenden und mutigen Feststellungen also, die, auf der anderen Seite, im vom moral bombing verwüsteten Deutschland, schon Bischof von Galen getroffen hatte!
  Als die Bevölkerung von Münster nach dem Krieg, am 1. Juli 1945, zum ersten Mal wieder zum Marienheiligtum von Telgte wallfahrtete, protestierte von Galen öffentlich gegen das Verhalten der alliierten Militärregierung. Dagegen, dass sie nicht dafür sorgte, dass die Rechte des deutschen Volkes gewahrt wurden. Den Gläubigen - so berichtete Heinrich Portmann -, zu deren Sprachrohr sich von Galen inmitten all dieser Widrigkeiten, all dieses Lei- des machte - war das ein großer Trost. Die Befehlshaber der Besatzungsmächte dagegen waren wenig begeistert, und so wurde der Bischof prompt zum Militärkommandanten von Warendorf zitiert. Eine Begegnung, die in der Aussage von Priester Friedrich Sühling so dokumentiert ist: „Kommandant Jackson verlangte von dem Bischof Klärung hinsichtlich des von ihm Gesagten, doch dieser gab nicht klein bei, sondern wies darauf hin, dass sie als Besatzungsmächte auch Pflichten hätten, und er - sollten sie diese nicht erfüllen - nicht zögern werde, sich genau- so zu verhalten, wie er es im Falle der Ungerechtigkeiten und der Barbarei des Nationalsozialismus getan hatte. Dann führte er einige Beispiele an, die ihm besonders am Herzen lagen: die Übergriffe seitens ausländischer Arbeiter, vor allem Russen und Polen, sowie das gewalttätige Vorgehen der Besatzungstruppen gegen Zivilisten. Besonders letzteres brachte den Bischof sichtlich in Rage: Er schlug mit der Faust auf den Tisch und forderte den anwesenden Dolmetscher auf, alles von ihm Gesagte auch wirklich wortwörtlich zu übersetzen. Nach langer Diskussion konnten die Wogen geglättet werden, aber der Bischof nahm nicht ein Wort von seiner Predigt zurück“. Und gerade in Münster kam es dann, im Oktober 1945, im Sitz der Militärregierung, zu einer Begegnung zwischen von Galen und dem anglikanischen Bischof von Chichester, in Anwesenheit von Brigadegeneral Chadwick. Bell, der sich als Repräsentant der anglikanischen Kirche in Deutschland aufhielt, machte aus seiner Wertschätzung und Sympathie für den deutschen Bischof kein Hehl. Er betonte, mit welch „glühender pastoralen Liebe er sich für den Schutz der ihm anvertrauten Herde eingesetzt“, sich nicht gescheut hatte „zur Verteidigung des Rechtes Gottes und der mit Füßen getretenen Menschenwürde kein Blatt vor den Mund zu nehmen, auch jetzt nicht, wo Chaos und Barbarei durch die mit dem Einmarsch der alliierten Truppen einhergehenden Übergriffe, Plünderungen und Gewaltakte Tor und Tür geöffnet waren”.
  Am 20. August 1945 hatte von Galen an Papst Pacelli geschrieben: „Müssen doch sogar die von den Besatzungs- mächten dirigierten neuen deutschen Zeitungen immer wieder Äußerungen veröffentlichen, die dem gesamten deutschen Volke, auch jenen, die den Irrlehren des Nationalsozialismus niemals gehuldigt und nach Vermögen ihnen Widerstand geleistet haben, eine Kollektivschuld und Verantwortung für alle Verbrechen der früheren Machthaber andichten wollen.” Und voller Bitterkeit hatte er danach festgestellt: „Es scheint, dass diese Gesin- nung die Grundlage für die ... rücksichtslose Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Heimat und Besitz ... ist.” Und weiter: „Wahrhaft erschreckend ist es, wie der im Rassekult des Nationalismus kulminierende übertriebene Nationalsozialismus jetzt auch bei den Siegern derartig herrschend geworden ist, dass man in Potsdam beschlos- sen hat, die gesamte deutsche Bevölkerung aus den an Polen und die Tschechoslowakei fallenden Gebieten auszuweisen und in die jetzt schon überbevölkerten deutschen Westgebiete zusammenzudrängen”.
   In seinem Brief vom 25. September 1945 beschrieb er Papst Pacelli erneut den schrecklichen Zustand der besetzten Gebiete und bat ihn, „dem gedemütigten und niedergetretenen deutschen Volke zu Hilfe zu kommen, sei es durch direkte Unterstützung, sei es durch Vorstellungen bei den Siegermächten!.
   Am 6. Januar 1946 schrieb Bischof von Galen den letzten Brief an Pius XII. - bevor er nach Rom reiste, wo er das Kardinalsbirett erhielt. An jenem Tag wollte er in den Trümmern des Marienheiligtums von Telgte das Dreikönigs- fest feiern. Seine Homilie schloss er mit folgenden Worten: „Unter dem Nazismus habe ich folgendes öffentlich ge- sagt - und das Hitler 1939, als keine Macht eingreifen wollte, um seinem Expansionstreben Einhalt zu gebieten, auch geschrieben: Die Gerechtigkeit ist das Fundament des Staates; wenn die Gerechtigkeit nicht wieder hergestellt wird, wird unser Volk von innen her verwesen. Und heute muss ich sagen: wenn unter den Völkern das Recht nicht respektiert wird, wird es niemals Frieden und Harmonie zwischen den Völkern geben”.

P.XII-xx  Brief vom 4. November 1943 an Pius XII.

Heiliger Vater!
   Zu den Füßen Eurer Heiligkeit im Geiste niederkniend, bitte ich demütig, meinen unendlichen Dank darbringen zu dürfen für die gnädige Berufung zum Thronassistenten Eurer Heiligkeit, wovon Seine Eminenz der Kardinalstaats- sekretär dem Domkapitel unserer Kathedralkirche unter dem 8. September 1943 Mitteilung gemacht hat. Dass ich nunmehr die Ehre habe, in die engste „päpstliche Familie” aufgenommen zu sein, ist ein unverdienter Vorzug, der um so mehr mein Herz erfreut und beglückt, weil mich durch Gottes Gnade und durch die Erziehung meines Eltern- hauses von Jugend auf die innigsten Bande der Ehrfurcht, der Liebe und der Unterwürfigkeit mit dem Stellvertreter Christi auf Erden verbinden; eine Gesinnung, die durch die väterliche Herablassung und Güte Eurer Heiligkeit für meine Person noch gesteigert worden ist. Ich bitte Gott, dass Er meinem schwachen Willen helfe, in unwandel- barer Treue zu Rom, zum Felsen Petri und zum erhabenen Nachfolger des Apostelführers bis ans Ende auszu- harren und auch meinen Klerus und die mir anvertrauten Gläubigen in der Treue zum Heiligen Vater zu bewahren und zu befestigen. Er wolle es gnädig fügen, dass es mir bald vergönnt sein möge, Eurer Heiligkeit persönlich mich zu nahen, um meinen Gefühlen der Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit mündlichen Ausdruck zu geben.
    Euer Heiligkeit drängt es mich, ganz besonders zu danken für das väterlich liebevolle Handschreiben vom 24. Februar 1943, das mir im Mai durch Seine Exzellenz den Apostolischen Nuntius zugestellt worden ist. Die väter- lichen und weisen Lehren und Mahnungen desselben habe ich voll Freude meinem Klerus und meinen Gläubigen mitgeteilt. Sie sollen uns Ermutigung und Wegweisung sein der vielfach so sehr erschwerten Seelsorge, beson- ders aber auch im Ringen um die eigene Heiligung.
   Eurer Heiligkeit würde ich gern mit anderen Zeitdokumenten den Text von zwei Predigten vorlegen, die ich am 29. Juni und am 19. September in unserer Domkirche gehalten habe, in denen ich die Gläubigen mit den beleh- renden und ermunternden Worten Eurer Heiligkeit bekannt gemacht und zugleich die abscheulichen Verleum- dungen, die im Stillen gegen den Heiligen Vater ausgestreut werden, energisch zurückgewiesen habe. Leider sind diese Texte, wie auch alle anderen für die Versendung nach Rom zurückgelegten Berichte und Zeitdokumente am 10. Oktober bei der Zerstörung der bischöflichen Residenz und des Ordinariatsgebäudes durch feindlichen Flieger- angriff verbrannt.
   Im Laufe des letzten Jahres sind vor allem unsere Industriestädte Bottrop, Bocholt, Sterkrade, Gladbeck und be- sonders Duisburg-Hamborn oftmals durch feindliche Flieger angegriffen und beschädigt worden.  Dabei haben auch zahlreiche Kirchen und kirchliche Gebäude, mehrere Krankenhäuser schweren Schaden erlitten.  Auch auf Münster war am 10. Juni ein schwerer Angriff, der u.a. mehrere Kirchen zeitweise, die Herz-Jesu-Kirche für lange Zeit, unbrauchbar machte. Jetzt hat ein kurzer, aber ungemein brutaler Angriff feindlicher Bomber am Sonntag, 10. Oktober, große Teile, besonders der altehrwürdigen Innenstadt von Münster, zu einem Trümmerfeld gemacht. Sehr schmerzlich sind die Todesopfer: neben einer großen Anzahl Laien starben vier Priester: zwei Mitglieder unseres Domkapitels, die Prälaten Prof. Dr. Emmerich und Prof. Dr.Diekamp, ferner Prof.i.R.Dr.Vrede und Studienrat Dr.Hautkappe. Im Mutterhaus unserer „Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern von der Allerseligsten Jungfrau und Schmerzhaften Mutter Maria (Clemensschwestern)” wurde die Generaloberin getötet mit den beiden Provinzialoberinnen der zwei bestehenden Ordensprovinzen, außerdem 56 Schwestern, zum großen Teil Filial- oberinnen, die gerade zur Teilnahme an Exerzitien ins Mutterhaus berufen waren. Auch noch andere Ordens- häuser in der Stadt wurden, ebenso das Priesterseminar und das Theologenkonvikt, schwer beschädigt.
   Vor allem beklagen wir die Zerstörung an den alten großen Kirchen der Stadt Münster. Der nördliche Turm der Kathedrale wurde von einer Sprengbombe getroffen und in Brand gesteckt; das herabfallende Gestein hat zwei Gewölbe des Hauptbaues eingeschlagen, mehrere beschädigt und im Innern vieles zerstört; das ganze Dach ist durch Feuer vernichtet. Bei der Liebfrauen- und der Lambertipfarrkirche sind die Gewölbe des Chores eingestürzt, die Martini-, die Clemens-, die Petri-Kirche sind so stark beschädigt, dass die Möglichkeit der Wiederherstellung zweifelhaft ist.
   Am Domplatz sind die Kurien des Dompropstes, Domdechanten und die Wohnungen von drei weiteren Dom- kapitularen völlig zerstört und ausgebrannt, so dass die Hochwürdigen Herren außer etwas Kleidung fast nichts gerettet haben; unter den Geschädigten ist auch Herr Domkapitular Franz Vorwerk, der immer noch unschuldig in der Verbannung weilt.
   Persönlich bin ich durch Gottes gnädigen Schutz in dem durch drei Sprengbomben getroffenen, teilweise stür- zenden bischöflichen Hofe bis auf einige leichte Wunden unverletzt geblieben, habe freilich dann durch den nach- folgenden Brand mein gesamtes Mobiliar, alle Bücher, Schriften, Akten, darunter auch, was mir besonders schmerzlich ist, die gütigen Handschreiben Eurer Heiligkeit verloren; die meisten Pontifikalparamente und Ausrüstungsgegenstände sind vernichtet; doch konnten die notwendigsten Kleidungsstücke gerettet werden.
    Noch schlimmer und von unabsehbaren Folgen ist es, dass auch das Dienstgebäude des Generalvikariats und des Ofifizialats mit sämtlichen Akten aus der Zeit seit etwa 1820 völlig zerstört und ausgebrannt ist. Seine Exzellenz den Apostolischen Nuntius habe ich bereits gebeten, mir diesmal Dispens zu erwirken von der Anfer- tigung der in diesem Jahre fälligen „Relatio de statu dioecesis”, da uns auch hierfür alle Vorlagen, Unterlagen und Vorarbeiten verloren gegangen sind.
    Heiliger Vater! Schwerer als diese äußeren Verluste bedrückt mich die Sorge um das Seelenheil der mir anvertrauten Gläubigen und die Erhaltung der christlichen Religion in unserem Lande. Wohl stehen noch Tausende aus allen Lebens- und Berufsständen, auch aus der Jugend, treu zu Christus und seiner heiligen Kirche, und ich darf mit Dank gegen Gott es feststellen, dass die Bewohner der seit alters her überwiegend katholischen Teile unseres Bistums sich durchweg bewähren in der Prüfung, und die Leiden der Kriegszeit in Ergebung und Starkmut ertragen und Gott aufopfern. Ich habe auch in diesem Jahr bei Firmungsreisen und bei Wallfahrten mich vielfach erbauen und erfreuen können an der im Rahmen des Möglichen ungemein lebhaften Bekundung treukatholischer Gesinnung und der Ergebenheit gegen den von Gott bestellten Oberhirten des Bistums. Aber es ist doch nicht zu leugnen, dass im Großen gesehen, ganz erhebliche Teile des deutschen Volkes dem Christentum, ja, dem wahren Gottesglauben gleichgültig, sogar ablehnend gegenüberstehen und immer mehr die bisherigen sittlichen Bindun- gen der christlichen Vergangenheit beiseite setzen. Wir müssen wohl in dem Vernichtungskrieg, der große Teile des nichtchristlichen Europa zur Trümmerstätte und Einöde zu machen droht, ein gerechtes Strafgericht über jene sehen, die „den Quell lebendigen Wassers verlassen und sich Brunnen gegraben haben, die kein Wasser halten.” Ihnen den Weg der Rückkehr zu zeigen zu den „fontes Salvatoris” ist unsere große und drückend schwere Aufgabe. Einstweilen wird es das Nötigste sein, dass wir mit allen Treugebliebenen dem Beispiel und den oft- maligen Mahnungen Eurer Heiligkeit folgend, die Leiden und Verluste willig und dankbar aus Gottes Hand an- nehmen und als Beitrag der Buße und Sühne der göttlichen Majestät aufopfern. Euer Heiligkeit für alle Beleh- rungen und Ermahnungen, die zu uns gekommen sind, innigen Dank zu sagen, möge mir zum Schluss dieser Zeilen gestattet sein. Der Inhalt besonders des Rundschreibens „Mystici Corporis Christi”, und vor allem der Hinweis auf das „tremendum sane mysterium, ac satis nunquam meditatum: multorum salutem a mystici Iesu Christi Corporis membrorum precibus voluntariisque afflictionibus pendere“, war mir in diesen letzten Wochen Trost und Stärkung, indem ich daraus die Hoffnung schöpfe, dass unsere Opfer und Leiden in Vereinigung mit dem Kreuze Christi Gottes Erbarmen für uns und unser Volk und alle Völker erwirken und beschleunigen werden.
   In der Hoffnung, dass unsere Gebete und Opfer beitragen dürfen, Eurer Heiligkeit alle göttlichen Gaben und Freiheit und Gesundheit zu erflehen, bitte ich demütig um den Apostolischen Segen für meine Diözesanen, Laien und Priester, besonders für die an der Kriegsfront stehenden, und für unsere Jugend, und verbleibe in tiefster Verehrung Eurer Heiligkeit ergebenster und gehorsamster Sohn und Diener  + CA

kip-cd.v.Galen-CH-ZzZ

Brief vom 20. August 1945 an Pius XII.

Heiliger Vater!
  In tiefster Ehrfurcht und kindlicher Liebe knie ich im Geiste an den Stufen des päpstlichen Thrones, um den erha- benen Stellvertreter Jesu Christi, den gemeinsamen Vater der Christenheit zu begrüßen. Schon vor Monaten habe ich bei der britischen Militärregierung den Antrag gestellt, uns den freien Briefverkehr mit Rom und einen persön- lichen Besuch bei Eurer Heiligkeit zu gestatten und zu ermöglichen.  Bisher leider ohne Erfolg! Jetzt hoffe ich, bei der bevorstehenden Konferenz der Bischöfe in Fulda Gelegenheit zu haben, wenigstens diese kurzen Zeilen durch Vermittlung Seiner Exzellenz des bisherigen Apostolischen Nuntius Eurer Heiligkeit unterbreiten zu können.
  Euer Heiligkeit zuerst Dank zu sagen, auch in Namen meiner Diözesanen, ist mir Pflicht und Herzenssache. Die monatelange Absperrung von Rom und die Unmöglichkeit, von Eurer Heiligkeit Lage, Worten und Taten Kunde zu erhalten, haben unsere Liebe zum Heiligen Vater und unseren Eifer im Gebet für Ihn nicht vermindert, noch auch unser Verlangen, Belehrung, Weisung und Tröstung von Ihm zu empfangen. Die ersten Worte Eurer Heiligkeit, die wir seit langer Zeit empfangen, waren jene der Ansprache an die Versammlung der Kardinäle vom 2. Juni 1945, die uns vor kurzem der Apostolische Nuntius zusandte,  und mir dann auch der endlich heimgekehrte Staatssekretär Dr. Pünder überbrachte. Der echte Wortlaut mit der unwiderleglich klaren Darstellung der Vergangenheit und der jetzigen Lage und ihrer Gefahren zeigt uns darüber hinaus erneut Eurer Heiligkeit gütiges Verstehen und unveränderte Liebe für uns und unser armes Volk und Vaterland, für die fast die gesamte übrige Welt nur Hass, Abscheu, Vergeltungssucht zu haben scheint. Müssen doch sogar die von den Besatzungsmächten dirigierten neuen deutschen Zeitungen immer wieder Äußerungen veröffentlichen, die dem gesamten deutschen Volke, auch jenen, die den Irrlehren des Nationalsozialismus niemals gehuldigt und nach Vermögen ihnen Widerstand geleistet haben, eine Kollektivschuld und Verantwortung für alle Verbrechen der früheren Machthaber andichten wollen. Es scheint, dass diese Gesinnung die Grundlage ist für die der Genfer Konvention widersprechende Behandlung der kriegsgefangenen deutschen Soldaten (von den in russische Gefangenschaft gefallenen fehlt noch jegliche Nach- richt), für die Zulassung der Raub- und Plünderungszüge der seinerzeit nach Deutschland verschleppten ausländi- schen Arbeiter, besonders der Russen und Polen, mit ihren Brandstiftungen, Mordtaten, Vergewaltigungen ehrenhafter Frauen und Jungfrauen, für die rücksichtslose Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Heimat und Besitz, wie sie teils schon durchgeführt, teils für die Zukunft beschlossen ist. Wahrhaft erschreckend ist es, wie der im Rassekult des Nationalsozialismus kulminierende übertriebene Nationalismus jetzt auch bei den Siegern derartig herrschend geworden ist, dass man in Potsdam beschlossen hat, die gesamte deutsche Bevölkerung aus den an Polen und die Tschechoslowakei fallenden Gebieten (Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, Böhmen usw.) auszuweisen und in die jetzt schon überbevölkerten deutschen Westgebiete zusammenzudrängen. Andererseits geht man z.B. in Holland so weit, sogar jenen deutschen Männern, die früher jahrelang in Holland gelebt und gewohnt haben, dort mit Holländerinnen verheiratet waren, und deren Familien dort sind  und nach der Heimkehr des Vaters verlangen, die Rückkehr, ja, sogar den Besuch ihrer Frauen und Kinder zu verweigern. Eine solche gewaltsame Trennung der Familien erinnert ebenfalls an die Rassenlehren des Nationalsozialismus, die in der Judenverfolgung und gewaltsamen Trennung auch christlicher Ehen mit getauften Juden ihren Ausdruck fanden.
   Wie dankbar sind wir bei solcher Haltung der Welt für die gütigen, verstehenden, tröstenden und ermunternden Worte Eurer Heiligkeit am 2. Juni 1945. Wir empfinden sie als Worte des Stellvertreters dessen, der in die Welt gekommen ist,non ut iudicet mundum, sed ut salvetur mundus per ipsum.
   Euer Heiligkeit schreibe ich aus den Ruinen der Stadt Münster, die noch in den letzten Kriegstagen, am 23. und 25. März 1945, erneut mit Spreng- und Brandbomben überschüttet wurde. Mit dem Dom sind damals die alten Teile der Stadt fast völlig zerstört und ausgebrannt; von den alten Kirchen kann nur noch eine einzige, die St. Mauritz-Kirche außerhalb der Stadt benutzt werden. Die Arbeiten zur Wiederherstellung, ja, zum Schutz und zur Erhaltung der wieder verwendbaren Reste finden bei den Besatzungsmächten keine Förderung und müssen auch wohl zurückbleiben angesichts der bestehenden Wohnungsnot.
   Mit größter Sorge sehen wir der Zukunft entgegen. Unzählige haben durch den Bombenkrieg Wohnung, Werk- statt und Geschäft verloren. Unzählige im Westen und Osten sind vor der herannahenden Kriegsfront aus der Heimat geflohen und können nicht wieder heimkehren: das gilt vor allem von den vor den russischen Truppen Geflüchteten, die weder zurückkehren können, noch irgendeine Nachricht von ihren zurückgebliebenen Angehöri- gen erhalten.
  Unsere christliche Landbevölkerung hat in großer Weitherzigkeit die Flüchtlinge aus den Städten, von den Grenzen, aus dem Kriegsgebiet aufgenommen, sich vielfach selbst aufs äußerste eingeschränkt, um den Fremden Obdach und Beköstigung zu gewähren. Aber mit der Länge der Zeit wird das enge Zusammenleben früher selbst- ständiger Familien in beschränkten und untrennbaren Wohnungen, die Gemeinsamkeit der Räume, Möbel und Kochgeschirre zu einer schweren Geduldsprobe und Belastung, und eine Gefährdung nicht nur der Liebe, sondern auch der guten Sitten. Dazu kommt die Aussichts- und Hoffnungslosigkeit unserer wirtschaftlichen Lage und die drohende Gefahr der Proletarisierung, ja, völligen Verarmung großer, bisher auskömmlich versorgter und wohl- habender Familien, auch aus den gebildeten Schichten. Wie schwer wird es sein, die zahlreichen Menschen, die das „Proletarierschicksal der Daseinsunsicherheit“ werden tragen müssen, im Glauben an Gottes Vatergüte und in der treuen Erfüllung der Gebote der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe zu erhalten! Schon jetzt entfalten Apostel des gottlosen Kommunismus eine rege Agitationstätigkeit, besonders im Industriegebiet: wir fürchten, dass der Siegeszug der bolschewistischen Ideen weit über die Grenzen der russischen Besatzungszone hinausgehen wird. Leider scheinen die Besatzungsmächte im Westen, England und Amerika, diese Gefahr nicht zu sehen oder nicht den Mut zu haben, die notwendigen Gegenmaßnahmen zu treffen, dass sie der Gefahr der Proletarisierung des deutschen Volkes entgegenwirken.
   Heiliger Vater! Ich bitte demütigst um Verzeihung, dass ich mit dieser Darlegung unserer schweren Lage  das Vaterherz  Eurer Heiligkeit betrübe. Ich darf auch andererseits versichern, dass unser gläubiges Volk bisher treu ausharrt im Glauben, dass die heimkehrenden Krieger zum großen Teil sogleich wieder zur katholischen Tradition der Heimat zurückfinden, dass die aus dem Kriege zurückkehrenden Priestersoldaten und Seminaristen durchweg den Eindruck machen, dass sie ihren heiligen Beruf in Ehren gehalten und unbefleckt durch alle Gefahren getragen haben. Gott sei Dank für so viele wirksame Gnaden und für den Trost, den solche Beobachtungen bereiten. Sie sollen mir Ansporn sein zu unbegrenztem Gottvertrauen und frohem Optimismus in der Arbeit und Sorge für Christi Reich.    
   Ich muss weiter um Verzeihung bitten, dass ich es wage, Euer Heiligkeit in dieser nach Form, Papier und Schrift mangelhaften und wenig würdigen Weise zu schreiben. Ich bitte demütigst, das meiner Armut zugute zu halten, da ich tatsächlich mit dem Vorhandenen fürlieb nehmen muss. Ich wage es, indem ich dem kindlichen Verlangen meines Herzens folge, dem gütigen Vaterherzen auf dem Stuhle Petri meine Ehrfurcht darzubringen und meine Sorgen vorzutragen. Im Vertrauen auf die von Eurer Heiligkeit meiner geringen Person so oft erwiesene Güte erlaube ich mir auch noch die Mitteilung beizufügen, dass mein Euer Heiligkeit bekannter jüngerer Bruder Franz, Geheimkämmerer Eurer Heiligkeit, der im August 1944 von der Gestapo ohne erkennbaren Grund verhaftet und abgeführt war, im April aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg  befreit und im Juli zu seiner Familie zurückgekehrt ist, lebend, aber entkräftet und an der Gesundheit schwer geschädigt.
   In dem ich mir erlaube, den Text einer Predigt, die ich am 1. Juli 1945 im Wallfahrtsort Telgte bei Münster ge- halten habe, beizulegen, bitte ich demütig um den Apostolischen Segen für mich, meine Diözese, meine Priester, die heimkehrenden Soldaten, die vielfach bedrängten und getrennten Familien, die gefährdete Jugend und ver- bleibe in kindlicher Ehrfurcht
Euer Heiligkeit gehorsamster Sohn und Diener
Bischof von Münster
+ CA.

Der Brief vom 6. Januar 1946 an Papst Pius XII.

Heiliger Vater!
   Mit kindlicher Ehrfurcht im Geiste zu Eurer Heiligkeit Füßen kniend, suche ich vergeblich nach Worten, die aus- drücken, was mein Herz bewegt. - Der Rundfunk und dann die Zeitung haben es bekannt gemacht, dass Eure Heiligkeit geruht haben, das Heilige Collegium der Kardinäle durch die Berufung einer großen Anzahl neuer Mitglieder zu ergänzen. Eure Heiligkeit haben dabei die Übernationalität der heiligen katholischen Kirche und ihre den Völkerhass beschämenden Einheit und Einigkeit in unübertrefflicher Weise vor der ganzen Welt erwiesen und zur Darstellung gebracht, indem Männer aus allen Erdteilen, Völkern und Nationen in den höchsten Senat und Beirat des Oberhauptes der Kirche berufen wurden. Dass dabei auch unser armes, durch den Krieg verwüstetes, durch die Niederlage gedemütigtes, heute von allen Seiten durch Hass und Rachgier zertretenes deutsches Volk nicht übergangen, sondern durch die Berufung von drei deutschen Bischöfen in das Kardinalskollegium ausge- zeichnet wurde, dafür danken die deutschen Katholiken mit ihren Bischöfen und Priestern, dafür danken auch viele nichtkatholische Deutsche dem Stellvertreter Christi auf Erden aus tief gerührtem Herzen.
   Wenn aber Eure Heiligkeit bestimmt haben, dass auch meine geringe Person zu diesen gehören und in das Collegium der Kardinäle eintreten soll, so kann ich nur sagen, dass diese unerwartete und unverdiente Auszeich- nung und Berufung mich tief erschüttert hat, mich beschämt und bedrückt, so dass ich mit dem heiligen Petrus sprechen möchte: Exi a me, quia homo peccator sum, Domine. Nur der in meinem ganzen bisherigen Leben nach Kräften hochgehaltene Grundsatz, jeden Wunsch des Papstes als ein Gebot dessen zu betrachten, der ihn zum Hirten der ganzen Herde bestellt hat, bestimmt mich, in Demut, wie einst am Tage der Priesterweihe, mein „Adsum“ zu sprechen, und die übertragene Würde und Ehre hinzunehmen. Dabei tröstet mich, dass ich darin eine Anerkennung sehen darf der tapferen Haltung der Mehrzahl der Katholiken des mir anvertrauten Bistums Münster, die in den Jahren der Verfolgung und Bedrückung die Treue zu Christus, zu seiner heiligen Kirche, zum Heiligen Vater bewahrt haben und es mir durch ihre Gesinnung und Haltung möglich gemacht haben, auch in der Öffent- lichkeit für die Rechte Gottes und der Kirche, für die von Gott gegebenen Rechte der menschlichen Persönlichkeit einzutreten. Die nicht zu hemmenden Freudenbezeugungen meiner Diözesanen bei Bekanntwerden der Nach- richt meiner Berufung, die unzähligen Glückwünsche aus der Diözese und aus allen Teilen Deutschlands geben mir das Recht, den Gnadenerweis Eurer Heiligkeit in diesem Sinne zu deuten und anzunehmen.
    Eurer Heiligkeit spreche ich daher im Namen meiner Diözesanen und gleichzeitig der deutschen Katholiken in kindlicher Hingabe den ehrerbietigsten Dank aus für diesen erneuten unverdienten Erweis der Huld und der väter- lichen Liebe. Ich erneuere dabei das Gelöbnis unwandelbarer Treue, steten Gehorsams und kindlicher Liebe zum Oberhaupt der Kirche, dem Stellvertreter Christi auf Erden, und zu Eurer Heiligkeit erhabenen Person, für den wir täglich in unseren armen Gebeten Gottes Gnade, Schutz und Beistand herabzuflehen uns bemühen.
   In der frohen Hoffnung, bald zu den Füßen Eurer Heiligkeit knien zu dürfen und mit der demütigen Bitte um den Apostolischen Segen für mich und meine Diözesanen verbleibe ich in tiefster Ehrerbietung Eurer Heiligkeit gehor- samer Sohn und Diener
C.A.

Die letzte Predigt Kardinal von Galens

Bitter beklagen wir ...
Auszüge aus der Ansprache, die von Galen am 16. März 1946 in Münster hielt, nachdem er von Papst Pius XII. in Rom den Kardinalspurpur erhalten hatte.
   Meine lieben hier versammelten Diözesanen, ... Ich danke Euch, dass Ihr mich begrüßt, heute, wo ich als Kardinal der Heiligen Römischen Kirche zurückkehre in diese unsere liebe Stadt, ja, in meine liebe Heimat. Der Heilige Vater hat mir diese Würde verliehen, und ich kann Euch versichern, ich bin überwältigt geradezu von der Güte und Liebenswürdigkeit herablassenden Gnade, die der Stellvertreter Christi, der Nachfolger des heiligen Petrus, mir persönlich erwiesen hat durch diese Ehrung und durch die Liebe, mit der er mich aufgenommen hat. Aber wenn das Oberhaupt der Kirche einen solchen Akt vollzieht, dann handelt es sich nicht darum, irgendeine Person zu ehren ...
    Er hat mir eine Stellung gegeben, die mich zum Führer und verantwortlichen Leiter von Hunderten und Tau- senden machte, die gleich mir es schwer empfanden ... wie Gottes Wahrheit und Recht, wie Menschenwürde und Menschenrecht beiseite gesetzt, getreten, zu Boden geworfen wurden. Die mit mir und gleich mir es empfanden als ein bitteres Unrecht auch am wahren Wohl unseres Volkes, wenn Christi Religion und Wahrheit immer mehr eingeengt und beiseite geschoben wurden ... Ich wusste, dass viele Schweres, viel Schwereres als ich persönlich zu leiden hatten unter den Verfolgungen der Wahrheit und des Rechtes, die wir erlebt haben.
  Sie konnten nicht sprechen. Sie konnten nur leiden. Vielleicht haben sie vor Gottes Augen, in denen das Leiden, ja, vielleicht das Leiden trotzdem viel mehr wiegt wie das Handeln und Sprechen, vielleicht haben viele auch von denen, die hier stehen, in Wirklichkeit vor Gottes heiligen Augen mehr geleistet, weil sie mehr gelitten haben als ich.
    Aber mein Recht und meine Aufgabe war es zu sprechen, und ich habe gesprochen für Euch, für Unzählige, die hier versammelt sind, für Unzählige in unserem lieben deutschen Vaterlande, und Gott hat es gesegnet, und Eure Liebe und Treue, meine lieben Diözesanen, haben auch das von mir ferngehalten, was vielleicht mein Verhängnis, aber vielleicht auch mein schönster Lohn gewesen wäre, dass sie die Macht der Krone des Martyriums ...                [undeutlich, mit stark bewegter Stimme gesprochen].
   Eure Treue hat es verhindert. Dass Ihr hinter mir standet, und dass die damaligen Machthaber wussten, dass Volk und Bischof in der Diözese Münster eine unzertrennliche Einheit waren und dass, wenn sie den Bischof schlugen, das ganze Volk sich geschlagen gefühlt hätte.
    ... Der Heilige Vater hat drei deutsche Bischöfe ins Kardinalskollegium berufen und hat damit vor einer Welt, die zum großen Teil, wenigstens nach den Äußerungen der öffentlichen Meinung in vielen anderen Ländern zu rech- nen, geneigt ist, in Deutschland nur das Ende eines verbrecherischen und widerchristlichen Systems zu sehen, ..., das ganze deutsche Volk für eine Gesellschaft von Verbrechern zu halten. Vor dieser ganzen Welt hat der Heilige Vater durch die Berufung dreier deutscher Kardinäle gezeigt, dass er nicht so denkt. Er hat vor der ganzen Welt es gezeigt, dass er Deutschland besser kennt wie jene, die so uns beurteilen und so uns verurteilen und so uns verdammen wollen.
   Er hat gezeigt, dass trotz des Unrechts und der Verbrechen vieler Deutscher, die wir bitter beklagen, deren Fol- gen wir tragen müssen in der Zerstörung unserer Städte und in anderen Kriegsfolgen, dass ein großer Teil unseres Volkes diesen verderblichen, heidnischen Grundsätzen nicht gehuldigt hat, und dass es zahlreiche, Tausende, Millionen von Deutschen gibt, die es als ehrenwerte Menschen wahrhaft verdienen, dass auch ihnen wieder Freiheit und Recht zuteil werde wie allen anderen Völkern auf der Welt, allen anderen Kindern Gottes auf dieser Erde ....

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Seligsprechung vor dem Petersdom in Rom durch Papst Benedikt XVI.

Hörbuch über Kardinal von Galen   -    O-Ton eines Seligen

   Über den als „Löwe von Münster” verehrten Bischof ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel publiziert worden: nicht zuletzt im Vorfeld der Seligsprechung im Herbst 2005. Das Hörbuch des LWL-Medienzentrums versucht einen neuen Zugang, indem es Bischof von Galen gewissermaßen selbst zu Wort kommen lässt und „nachfragt”. Dazu wurde bewusst ein dialogisches Format gewählt: Sprecher Rudolf Guckelsberger rezitiert aus- gewählte Textdokumente aus der galenschen Vita. Markus Köster, Leiter des Medienzentrums, bündelt die ange- sprochenen Themen zu Fragen, und Professor Hubert Wolf, Kirchenhistoriker an der Universität Münster und Leibnizpreisträger, bettet die jeweiligen Tonzeugnisse in ihren historischen Kontext ein und vertieft so Aus- sagekraft und Wirkung der Quellen. Die Texte spannen einen weiten Bogen: Persönliche Zeugnisse machen die starke familiäre und adelige Prägung des Kirchenmannes aus dem Oldenburger Münsterland deutlich. Sein durch- aus kritisches Verhältnis zur Weimarer Parteiendemokratie wird an Hand von Texten aus Galens Zeit als Groß- stadtpfarrer in Berlin zum Thema. Weitere Predigten und Hirtenbriefe stehen für das mühevolle Ringen um die rechte Balance zwischen Gehorsam und Gewissen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Ein- drucksvoll dokumentieren die auf den CD's eingesprochenen Texte Galens großen Mut und vor allem sein „Über- sich-Hinauswachsen” in den großen Predigten des Sommers 1941, in denen er scharf gegen das Euthanasie- programm des nationalsozialistischen Regimes Front machte. Zum Schluss der Doppel-CD wird Clemens August Graf von Galen selbst hörbar. Das einzige bekannte Original-Tondokument - seine Ansprache beim Kardinals- empfang in Münster am 16. März 1946, sechs Tage vor seinem Tod - macht seine Persönlichkeit in ganz beson- derer Weise lebendig. DTpbm071215
Die Doppel-CD „Nachgehört und nachgefragt” mit Booklet kostet 14,90 Euro

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Wo der Löwe laufen lernt.    Foto: Das Denkmal für Graf Kardinal Clemens von Galen in Dinklage

   Ein Besuch in Dinklage, dem Geburtsort von Clemens Kardinal Graf von Galen, der öffentlich gegen Hitlers Eutha- nasie-Politik protestierte. An die Widerständigkeit katholischer Milieus erinnerte jetzt eine Tagung in Vechta.
   „Als Kind habe ich in der lieben Heimat niemals schlechte Beispiele und Verführungen zur Sünde gesehen, son- dern nur Vorbilder unerschütterlich festen Glaubens,  treuen katholischen Lebens, festen Gottvertrauens, aufrich- tiger Frömmigkeit und inniger Liebe zur Kirche", schrieb 1933 der neue Bischof von Münster, Clemens August von Galen, in einem Brief nach Dinklage, seinen Geburtsort.
 12.844 Einwohner, davon 4.344 Jugendliche unter 25 Jahren, zählt heute das Städtchen im Oldenburger Münster- land. Diese katholische Ecke in Niedersachsen,  die die Landkreise Vechta und Cloppenburg umfasst, verzeichnet die höchste Geburtenrate in ganz Deutschland. Zugleich meldete die wirtschaftlich blühende Gegend bei der jüngsten Bundestagswahl das beste Ergebnis für die Unionsparteien, sogar recht deutlich vor den Hochburgen der CDU in Baden-Württemberg oder der CSU in Bayern.
  Professor Joachim Kuropka versammelte jetzt in dem, wie er sagt, „schwärzesten Wahlkreis" der Republik renom- mierte Wissenschaftler auch aus Israel, Polen und den USA, um die Stabilität katholischer Milieus in der Endphase der Weimarer Demokratie und in der Hitlerzeit zu analysieren. Wie widerstandsfähig, wie resistent blieben die konfessionell geprägten Lebenswelten gegenüber dem Aufstieg des Nationalsozialismus? Historiker, Theologen, Ökonomen und Politologen verglichen ein Dutzend Regionen und Städte miteinander:  vom Emsland über das thüringische Eichsfeld bis zum Ermland im alten Ostpreußen, von der linksrheinischen Pfalz über Passau bis ins heutige Polen, nach Gleiwitz in Oberschlesien und zur Grafschaft Glatz, an der einstigen Grenze des Reichs zur Tschechoslowakei.
   Kuropka, aus Schlesien gebürtig und mittlerweile emeritiert, hat an der kleinen Universität Vechta die Arbeits- stelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung geleitet. Er kennzeichnete das Oldenburger Münsterland als eine der dichtesten konfessionellen Lebenswelten und daraus folgend als eine Hochburg des politischen Katho- lizismus, also der 1933 untergegangenen Deutschen Zentrumspartei. Zwar sei bereits in der Weimarer Phase eine gewisse Erosion festzustellen, doch auch die NS-Gleichschaltung habe den „Milieuzusammenhang" letztlich nicht gefährden können.
  Für die Identität der unterschiedlichen Regionen spielte übrigens die damals außerordentlich vielfältige katholi- sche Presse eine Hauptrolle, die noch näher zu erforschen wäre. Einen Band mit allen Beiträgen der dreitägigen Konferenz unter dem Titel „Die Grenzen des Milieus" will Kuropka im kommenden Jahr herausgeben.
   Derweil erinnert im Oldenburger Münsterland noch viel an Bischof Galen, der die Lehre des Christentums als wir- kungsvollsten Damm gegen die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus vertrat. Weit über Westfalen hinaus wurden 1941  seine mutigen Predigten gegen die Ermordung von Geisteskranken bekannt. Die Burg Dinklage, wo er 1878 zur Welt kam, ist seit 1949 ein Kloster. Vor dem Eingang stehen noch zwei Linden siehe Foto oben, die Clemens August und sein Bruder Franz am Tag ihrer Kommunion gemeinsam mit dem Vater gepflanzt haben. Die Benediktinerinnen im Kloster pflegen das Erbe, betreiben in der ruhigen Waldlage auch einen Klosterladen mit Cafe. Bald wollen sie ein anderes Nebengebäude zu einer Gedenkstätte für den 2005 seliggesprochenen Ober- hirten umgestalten.
   Mitten im Milieu lernte der spätere „Löwe von Münster" das Laufen. Sein Vater war Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei, und vom Großonkel Wilhelm Emanuel von Ketteler, dem berühmten Mainzer Bischof, bewahrte er ein kostbares Buch als Geschenk auf, das heute in einer Vitrine in der Pfarrkirche Sankt Catharina ausgestellt ist.
   Clemens August von Galen, kurz vor seinem Tod 1946 zum Kardinal erhoben, kehrte zeitlebens immer wieder nach Dinklage zurück und sprach einmal davon, dass ihn das „Verlangen nach katholischer Luft" in die alte Heimat seiner Familie ziehe. Seinerzeit 1934, als sich der konservative Kirchenfürst bereits gegen das NS-Regime wandte, scholl bei seinem Besuch ein Lied aus der Epoche des Kulturkampfes mächtig durch die Reihen: „Fest soll mein Taufbund immer stehen." Das alte Kampflied war nun wieder als Bekenntnis gegen den unchristlichen Zeitgeist zu verstehen.
   Zwei Jahre später, 1936, tobte der Oldenburger Kreuzkampf, an den ein eigenes Denkmal in Dinklage erinnert. Das Kirchenvolk, von Galen unterstützt, setzte sich gegen das Hitlerregime erfolgreich für den Verbleib der Kreuze - und Lutherbilder - in den Schulen ein. Das Motto des Bischofs lautete: Nec laudibus, nec timore (Weder durch Lob noch durch Drohung weiche ich von Gottes Wegen ab). Nicht nur für das Oldenburger Münsterland scheint Galen heute noch oder heute wieder als eine Identifikationsfigur zu taugen. DT091119
Der Autor Dr. Theo Schwarzmüller ist Historiker und schrieb zuletzt das Buch „Hauenstein gegen Hitler".

Clemens August Graf von Galen (1878-1946) Der Löwe von Münster.   Kurzvita

   Clemens August Graf von Galen kam im März 1878 als elftes von 13 Kindern auf Burg Dinklage im Olden- burgischen Münsterland zur Welt. Nach dem Studium in Fribourg, Innsbruck und Münster empfing er 1904 die Priesterweihe. 1933 wurde er zum Bischof von Münster ernannt. Als solcher wurde er vor allem berühmt durch seine mutigen Schriften und Predigten, in denen er sich scharf gegen die Rassenlehre der Nationalsozialisten aussprach. Am 21. Februar 1946 wurden von Galen in Rom die Kardinalsinsignien überreicht. Nur einen Monat später, am 22. März, starb er an einem Blinddarmdurchbruch.
Biographische Daten:
16.3.1878 - Geburt auf Burg Dinklage als elftes von 13 Kindern
ab 31.5.1890 - Besuch des Jesuitenkollegs in Feldkirch (Österreich) bis 1894
21.8.1896 - Reifeprüfung am Gymnasium Antonianum in Vechta
ab Herbst 1896 - Studium der Philosophie und Theologie in Fribourg, Innsbruck und Münster
28.5.1904 - Priesterweihe im Dom zu Münster durch Bischof Hermann Dingelstad
1904 bis 1906 - Kaplan von Weihbischof Maximilian Gereon Graf von Galen
1906 bis 1911 - Kaplan an St. Matthias in Berlin-Schöneberg
1911 bis 1919 - Seelsorger (Kurat) an St. Clemens Maria Hofbauer in Berlin
1919 bis 1929 - Pfarrer an St. Matthias in Berlin
1929 bis 1933 - Pfarrer an der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster
5.9.1933 - Ernennung zum Bischof von Münster durch Papst Pius XI. 28.10.1933
Bischofsweihe im Dom durch Kardinal Joseph Schulte (Köln) 13./20.6 und 3.8.1941
Predigten gegen "Klostersturm" und Euthanasie der Nazis 21.2.1946  Volltext unten auf dieser Seite!
Berufung in das Kardinalskollegium durch Papst Pius XII. 16.3.1946
Triumphaler Empfang in Münster, Ernennung zum Ehrenbürger 19.3.1946 
Schwere Erkrankung, Operation, Empfang der Krankensalbung 22.3.1946
Tod des Kardinals im Franziskushospital in Münster 28.3.1946
Beisetzung in der Ludgeruskapelle des Domes zu Münster 9.10.2005 - Seligsprechung in Rom
Vita:
  
Clemens August Graf von Galen kam am 16. März 1878 auf Burg Dinklage im Landkreis Vechta zur Welt. Er war das elfte von 13 Kindern der gräflichen Familie. Seine Eltern waren Ferdinand Heribert Graf von Galen und dessen Frau Elisabeth, geborene Reichsgräfin von Spee.
   Nach seiner Schulzeit, die er teils in Vechta, teils im Jesuitenkolleg Feldkirch in Österreich verbrachte, begann Clemens August gemeinsam mit seinem Bruder Franz ein Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie. Nach einer Romfahrt und einer Privataudienz bei Papst Leo XIII. im Jahr 1898 fühlte er jedoch die Berufung zum Priesteramt und er wechselte die Studienrichtung. Seine universitäre Laufbahn führte ihn über Innsbruck nach Münster, wo er am 28. Mai 1904 zum Priester geweiht wurde.

Mit großem Mut das Rechte getan. Der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen
erhob 1941 nachdrücklichen Protest gegen die Euthanasie-Morde

arte-Lamberti-MS-z      St.Lambertikirche Münster

   Seine eigene Person sah er eher kritisch. Er glaube nicht, schrieb er 1925 in die von-Galensche Haus- und Fami- lienchronik, dass es nach den berühmten Vorfahren - der letzte war der Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteier, sein Großonkel - noch bedeutende Männer in der Galenschen Familie geben werde. Und doch gelang dem hochgewachsenen, glaubensfesten Bischof von Münster im "Dritten Reich" etwas, was sonst keinem anderen ka- tholischen Würdenträger dieser Zeit gelang: nämlich eine Serie von Nazi-Verbrechen vor der deutschen und inter- nationalen Öffentlichkeit so nachhaltig zu brandmarken, dass das Regime sie aussetzte - wenigstens auf Zeit.
   Am 3. August 1941 erhob Clemens August Graf von Galen bei einem Sonntagsgottesdienst in der überfüllten Lambertikirche in Münster nachdrücklichen Protest gegen "die furchtbare Lehre, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will, die die gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbar Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt". Dieses j'accuse richtete sich gegen die Initiatoren der Morde in den psych- iatrischen Anstalten; unmittelbarer Anlass war der bevorstehende Abtransport von Geisteskranken aus dem nahe bei Münster gelegenen Marienthal. Wer sei noch sicher, fragte der Bischof, wenn "unproduktive" Mitmenschen ein- fach getötet werden könnten? Werde man eines Tages auch schwer Kriegsverletzte umbringen? Nach der Rede erlebte man in der Kirche tumultartige, in katholischen Gottesdiensten sonst unbekannte Szenen. Die Texte (zwei andere Predigten waren bereits vorangegangen) verbreiteten sich mit Windeseile im In- und Ausland. Galen hatte den Schleier des Schweigens zerrissen, den das Regime über die Krankenmorde gelegt hatte. In der Umgebung Martin Bormanns plante man daher, den Bischof kurzerhand zu verhaften und aufzuhängen. "Eine unverschämte und provozierende Rede", notierte Joseph Goebbels in seinem Tagebuch. Dann geschah das Überraschende: Hit- ler sistierte den größten Teil seines Euthanasieprogramms, das bis dahin 70.000 Menschenleben gekostet hatte, für mehr als ein Jahr vertagte die Abrechnung mit den Kirchen auf die Zeit "nach dem Endsieg". Kein Wunder, dass der "Löwe von Münster" in kurzer Zeit im In- und Ausland zur Legende wurde, dass man ihn bestaunte und ver- ehrte. Von Papst Pius XII. noch zu Lebzeiten zum Kardinal ernannt (1946), wurde er nach dem Tod von seiner Bischofsstadt mit einem Denkmal geehrt (1978) und im Oktober 2005 in Rom seliggesprochen.
   Wie konnte ein so unverkennbar konservativer Geist wie Galen ("Wir Christen machen keine Revolution!") solch heroischen Mut entwickeln? Wie wurde er zur Symbolfigur des kirchlichen Widerstands? Wie sah sein Kirchenbild aus, seine Spiritualität? Wie prägte ihn die adelige Herkunft? Was waren seine politischen Vorstellungen, wie dachte er über die Weimarer Republik, den Verfassungsstaat, die Demokratie? Wie urteilte er über die zeitgenös- sische Kultur, über die Großstadt, über Berlin und Münster (in beiden Städten war er Pfarrer)? Diesen Fragen geht ein von Hubert Wolf, Thomas Flammer und Barbara Schüler herausgegebener Sammelband in 17 Beiträgen nach. Wer sie liest, hat eine vorläufige Bilanz der bisherigen Galen-Forschung in Händen. Die Autoren bemühen sich darum, Galen als einen lebendigen Menschen und Seelsorger mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Grund- sätzen und seinen Vorurteilen in die Zeit, die Umwelt hineinzustellen. Es geht nicht um Apologie oder Polemik, sondern um die "Einweisung in den historischen Ort" (Heinz Hürten).
   Stärker auf die Gegenwart und das westfälische Umfeld sowie die Galen-Rezeption der jüngsten Zeit bezogen (bis hin zu dem umstrittenen Galen-Film von 2005) ist der zweite hier anzuzeigende Sammelband, den Joachim Kuropka herausgegeben hat, mit gleichfalls 17 Beiträgen und einem umfangreichen Dokumententeil. Er greift aktuelle Kontroversen auf, klärt mit neuen Ergebnissen die Berufung Galens zum Bischof von Münster (Pacelli als Schlüsselfigur), wirft Licht auf sein Umfeld, die Familie, den Berliner Klerus in den zwanziger Jahren und thema- tisiert die Wandlungen des Galen-Bildes in der Nachkriegszeit. Galen: ein Streitfall? Der Buchtitel (und das vom Verlag gewählte grelle Layout des Bandes) scheint ein wenig mit den Erwartungen des Publikums zu spielen. Dieses hat sich ja in den vergangenen Jahren daran gewöhnen müssen, dass auch bei großen, lange Zeit unbestrittenen Figuren der Zeitgeschichte die "kritische Historie" (und die Weisheit der später Geborenen, die den Ausgang weiß) ihr Werk tut - eingeschlossen Streit, Polemik, Denkmalsturz. Doch der Inhalt des umfangreichen Bandes ist eher erklärender und verteidigender Natur. Vieles ist ja auch in der seriösen Forschung über den Mün- steraner Bischof inzwischen nicht mehr strittig, auch nicht zwischen den Autoren der beiden Bände.
   So weiß man heute, dass Galen in seiner politischen Orientierung ein Zentrumsmann des rechten Flügels war. Man kann ihn jedoch nicht als "Rechtskatholiken" bezeichnen: Er akzeptierte durchaus die Spielregeln der Partei- politik und hielt gegenüber adeligen Standesgenossen ausdrücklich an der Legitimität der Weimarer Republik fest. Fest steht auch, dass er zwar dem Laizismus, den er vor allem in der Berliner Öffentlichkeit und in der damaligen Sozialdemokratie wahrnahm, kritisch gegenüberstand, deshalb jedoch keineswegs "die Moderne" in Bausch und Bogen ablehnte. Im sozialen Chaos der Zeit suchte Pfarrer von Galen seelsorgliche Wege der Hilfe und Befriedung ähnlich denen Carl Sonnenscheins. Auch sein Verhältnis zum Judentum war differenziert, wie die Beiträge von Heinrich Mussinghoff (im ersten Band) und Joachim Kuropka (im zweiten Band) zeigen. Trotz kritischer Äußerungen über einzelne Juden blieb das jüdische Volk für ihn "auch heute noch ... das auserwählte Volk Gottes" - von dieser Äußerung des Bischofs im Krieg wissen wir aus Gestapo-Akten.
   Galen war 1938 nach der "Reichskristallnacht" zum öffentlichen Protest bereit, um den ihn die Münsteraner Judenschaft gebeten hatte. Erst nach einem zweiten abratenden Besuch des Rabbiners Steinthal - dieser befürchtete Repressalien - unterließ er diesen Schritt. Ob Bischof Galen freilich den Nationalsozialismus von Anfang an in seiner Gefährlichkeit durchschaut hat, wie Kuropka meint, möchte der Rezensent bezweifeln. Ihn überzeugen eher die Argumente Rudolf Morseys, der auf erwartungs- und verständnisvolle Äußerungen und Gesten Galens aus den Jahren 1933/34 hinweist, die man nicht einfach als Tarnung und Versteckspiel abtun kann.
   Es dauerte freilich nicht lange, bis die Illusionen der Anfangszeit - es waren nicht nur die Galens, sondern auch die anderer prominenter Katholiken in Deutschland - angesichts der nationalsozialistischen Verbrechen und der immer unverhüllter hervortretenden Kirchenfeindschaft des Regimes verflogen. In den Kriegsjahren gehörte Galen längst zu jenen Bischöfen, die gegenüber dem zögernden Vorsitzenden der Bischofskonferenz, dem Breslauer Kar- dinal Bertram, eine schärfere Tonart gegen den Nationalsozialismus und öffentliche Proteste, nicht nur papierene Eingaben verlangten. Der Münsteraner Alleingang" war nicht zuletzt auch eine Reaktion auf die Haltung des Schweigens, Zögerns, Diplomatisierens, Abschwächens innerhalb des Bischofskollegiums. Die Nationalsozialisten freilich sahen in den Münsteraner Predigten - irrtümlich! - den Auftakt zu einer neuen schärferen Haltung des Ge- samtepiskopats und reagierten, ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit, defensiv und taktisch abwiegelnd.
   Erhellend zur historischen Einordnung der Ereignisse sind Feststellungen von Winfried Süß, der in beiden Bänden mit (teilidentischen) Beiträgen vertreten ist. Er umschreibt die Grundbedingungen des Galenschen Protests und seiner Wirkung wie folgt: Das Regime reagierte auf eine konkurrierende Wertordnung, die ihre Fähigkeit zur Anhängermobilisierung demonstriert hatte, mit einem Teilrückzug und mit Konfliktvertagung." Die nationalsozia- listische Führung "beseitigte daher stillschweigend den sichtbaren Teil des Skandalons und ließ den Ankläger un- behelligt, erkannte aber die Legitimität seines Protests nicht an. Einen entscheidenden Moment lang hat der wohl erfolgreichste Akt der Skandalisierung gegen das NS-Regime dessen Handlungsspielräume empfindlich begrenzt und das gesellschaftliche Fundament seiner Herrschaft gefährdet - dauerhaft verhindern konnte er die Morde aller- dings nicht."
   In der Tat wurde die Technik des Massenmords, erprobt in den Euthanasie-Morden an Kranken in der Heimat, wiederaufgenommen in den Vernichtungslagern des europäischen Ostens. Sie führte dort, ins Gigantische gestei- gert, zur Tötung von Millionen Juden. Die neuen Todesfabriken lagen - anders als die alten - außerhalb der allge- meinen Wahrnehmung der Bevölkerung. Sie waren nicht ins soziale Leben, in Kommunikation und Austausch ein- bezogen wie die psychiatrischen Anstalten in der Heimat. Auschwitz war nicht Marienthal.
Fazit: Der "Löwe von Münster" war gewiss kein Musterrepublikaner, kein Musterdemokrat. Er hat seiner Zeit, ihren Ansichten Vorurteilen - wie viele Persönlichkeiten des Widerstandes (und wie wir Heutigen nicht minder) - seinen Tribut gezahlt. Dennoch hat er im entscheidenden Moment mit großem Mut das Rechte getan, allen Beengungen zum Trotz. Ist das so wenig? Man sollte auf jeden Fall seine Taten bedenken und würdigen, ehe man sich eilfertig anschickt ihn wegen seiner Ansichten vom Sockel zu stoßen. Denn das "Fegefeuer des westfälischen Adels“ (Annette von Droste-Hülshoff) hat der „Onkel Kardinal" - wie ihn manche seiner  Srandesgenossen im Land der roten Erde noch heute zärtlich nennen - nicht verdient.
Hans Maier
Hubert Wolf/Thonas Flammer/Barbara Schüler (Herausgeber): Clemens August von Galen. Ein Kirchenfürst im Nationalsozialismus. Wissenschaftliche Buchgelellschaft, Darmstadt 2007. 277 S., 79,90 Euro
Joachim Kuropka (Herausgeber): Streitfall Galen. Studien und Dokumente. Aschendorff Verlag, Münster 2007. 541 S., 29,80 Euro Buchtitel: Clemens August von Galen, Buchautor: Wolf, Hubert, Text: FAZ071022

Bischof Clemens August Graf von Galen: Predigt vom 20. Juli 1941
Mitschrift der Predigt, gehalten in der Liebfrauenkirche (Überwasserkirche) in Münster

Meine lieben Diözesanen von Münster!
   Am heutigen Sonntag wird in allen Gemeinden der Diözese, die bisher selbst nicht durch Kriegsschäden gelitten haben, die von mir angeordnete Kollekte gehalten für die Bewohner der [Stadt] Münster. Ich hoffe, dass es durch das Eintreffen [Eingreifen], der dafür zuständigen staatlichen und städtischen Stellen und [durch] die brüderliche Hilfe der Katholiken unseres Bistums, deren Spenden die Caritasstellen verwalten und verteilen werden, gelingen wird, vielerlei Not zu lindern. Gott sei Dank: Seit mehreren Tagen haben neue Angriffe der Kriegsgegner unsere Stadt nicht mehr erreicht. Aber leider muss ich sagen: die Angriffe unserer Gegner im Inneren des Landes, deren Beginn ich am vorigen Sonntag in St. Lampert besprochen habe, sind in der letzten Woche, unbekümmert um unsere Proteste, unbekümmert um das Herzeleid, das dadurch den Betroffenen, [und] ihren Angehörigen bereitet wird, fortgeführt worden.
   Am vorigen Sonntag habe ich öffentlich beklagt und als himmelschreiendes Unrecht gebrandmarkt, dass die Ge- stapo die Ordensniederlassungen der Immakulataschwestern in Wilkinghege und der Jesuiten in Münster aufge- hoben, Häuser und Inventar beschlagnahmt, und die Bewohner auf die Straße gejagt, aus der Heimat vertrieben hatte. Auch das Lourdeskloster an der Frauenstraße wurde für die Gauleitung beschlagnahmt. Ich wusste damals noch nicht, dass am [gleichen Tage, am Sonntag, dem 13. 7., die Gestapo das Kamilluskloster-Kolleg] Mauritz-[in] Sudmühle und unsere Benediktiner Abtei St. Josef in Gerleve bei Coesfeld besetzte, beschlagnahmte und die Patres und Brüder von dort vertrieb. [Sie mussten am gleichen Tage Westfalen verlassen.] Die Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung wurden am 15. Juli von Vinnenberg bei Warendorf ausgetrieben und über die Provinzgrenze verjagt. Am 17. Juli mussten die Kreuzschwestern im Hause Aspel bei Rees ihr Besitztum und den Kreis [Rees] verlassen.
   Vor wenigen Stunden bekam ich [noch] die Trauernachricht, daß gestern am 19. Juli zum Abschluß dieser [der zweiten] Schreckenswoche [Schreckensnacht] für unser Münsterland, die Geheime Staatspolizei auch das deut- sche Provinzialhaus der Missionare vom heiligsten Herzen Jesu, das Euch allen wohl bekannte große Missions- kloster in Hiltrupp [Hiltrup], besetzt, beschlagnahmt und enteignet hat. Die noch dort wohnenden Patres und Brü- der mussten bis gestern Abend 8 Uhr ihr Heim und ihren Besitz verlassen. Auch sie sind aus Westfalen und wiederum aus der Rheinprovinz ausgewiesen. Die dort noch wohnenden Patres und Brüder: ich sage das mit besonderer Betonung: denn aus der Reihe der Hiltruper Missionare stehen zur Zeit, wie ich kürzlich von zuverläs- siger Seite [zufällig] erfuhr, 161 Männer als deutsche Soldaten im Felde, teilweise direkt vor dem Feind! 53 Patres von Hiltrup sind als [deutsche] Sanitäter im Dienste der verwundeten Soldaten im Felde tätig! 42 Theologen und 66 Brüder dienen als Soldaten mit der Waffe dem Vaterland, sind teilweise mit E. K. [Eisernem Kreuz], mit dem Sturmabzeichen und anderen Auszeichnungen geschmückt. Ähnlich ist es bei den anderen Orden [den Patres von Sudmühle (Kamillus-Kolleg), bei den Jesuiten von Sentmaring und bei den Benediktinern in Gerleve]. Während diese deutschen Männer an der Front stehen, [in treuer Kameradschaft mit den anderen deutschen Brüdern] unter Einsatz ihres Lebens, gehorsam ihrer Pflicht für die Heimat, kämpfen, wird ihnen im Vaterland rücksichtslos und ohne jeden Rechtsgrund die Heimat genommen, das klösterliche Elternhaus zerstört. Wenn sie, wie wir hoffen, siegreich wiederkommen, finden sie ihre Klosterfamilie von Haus und Hof vertrieben, ihre Heimat von Fremden, von Feinden besetzt! Soviel ich weiß, gibt es ein Gesetz, wonach man keinem deutschen Mann, der als Soldat dient, die Wohnung und den Arbeitsplatz nehmen darf.  Ob dieses Gesetz für die Gestapo und ihre Auftraggeber nicht gilt?  Sind  unsere  Ordensleute  nicht auch deutsche Männer? Die eine Wohnung haben und verdienen, dass ihnen ihr Arbeitsplatz nicht genommen wird, nachdem sie der Heimat und dem Vaterlande dienen durften? Was soll  das?! [Wie soll das enden?] Es handelt sich nicht etwa darum, für obdachlose Bewohner von Münster eine vorübergehende Wohnung [Unterkunft] zu schaffen. Die Ordensleute waren bereit und entschlossen, ihre Wohnungen für solche Zwecke aufs äußerste einzuschränken, um gleich andere Obdachlose aufzunehmen und zu verpflegen [gleich anderen den Obdachlosen eine Wohnung zu verschaffen und sie zu verpflegen]. Nein, darum handelt es sich nicht: Im Immakulatakloster in Wilkinghege richtet sich, wie ich höre, die Gaufilmstelle ein. Man sagt mir, in der Benediktiner Abtei St. Josef werde ein Entbindungsheim für uneheliche Mütter eingerichtet. Was in Sentmaring, in Sudmühle und im Kloster Vinnenberg eingezogen ist, habe ich noch nicht erfahren.
   Ich bin am Montag, [dem] 14. Juli, persönlich beim Herrn Regierungspräsidenten gewesen und habe ihn um Schutz und Hilfe für die Freiheit und das Eigentum schuldloser deutscher Menschen gebeten. Er hat mir erklärt, dass die Gestapo eine völlig selbständige und von der Regierung unabhängige Behörde sei, in deren Maßnahmen er nicht eingreifen könne. Er hat mir aber versprochen, meine Beschwerden und Bitten sofort dem Herrn Ober- präsidenten und Gauleiter Dr. Meyer vorzutragen. Es hat nichts genützt! Am gleichen Montag, den 14. Juli, habe ich an die Reichskanzlei des Führers in Berlin ein Telegramm gesandt mit folgendem Wortlaut:
   Nachdem seit dem 6. Juli die Kriegsgegner die Stadt Münster mit furchtbaren Nachtangriffen zu zerstören ver- suchten, hat die Gestapo. am 12. Juli begonnen, die Klöster und Ordenshäuser in Stadt und Umgebung zu be- schlagnahmen und samt Inventar zum Gunsten der Gauleitung zu enteignen. Die Bewohner, schuldlose Männer und Frauen, ehrenhafte Mitglieder deutscher Familien, deren Angehörige zum Teil [zur Zeit] als Soldaten für Deutschland kämpfen, werden ihres Heimes und Eigentums beraubt, auf die Straße gejagt und aus der Heimat- provinz verbannt. - Ich bitte den Führer und Reichskanzler, im Interesse der Gerechtigkeit und [der] Ge- schlossenheit der inneren Front, um den Schutz der Freiheit und des Eigentums deutscher Menschen gegen die Willkür der Gestapo  und gegen Beraubung zu Gunsten der Gauleitung.
   Ähnliche Bitten habe ich telegrafisch dem Reichsstatthalter für Preußen, Reichsmarschall Hermann Göring, dem Reichsinnenminister, dem Reichskirchenminister und schließlich auch dem Oberkommando der Wehrmacht unter- breitet. Ich hatte gehofft, dass, wenn nicht Erwägungen der Gerechtigkeit, so doch wenigstens die Erkenntnis [der Folgen] für die Geschlossenheit der inneren Front jetzt im Kriege jene Stellen bewegen würde, dem Vorgehen der Gestapo [gegen] unsere Brüder und Schwestern Einhalt zu tun, und dass man schuldlos[en] deutschen Frauen ritterlichen Schutz nicht versagen werde. Es war vergebens!
   Das Vorgehen wurde fortgesetzt, und es ist bereits eingetreten, was ich schon lange vorausgesehen und am vorigen Sonntag gesagt habe: Wir stehen vor den Trümmern der inneren Front. Volksgemeinschaft, die in diesen Tagen rücksichtslos zerschlagen wurde.
  Ich habe den Regierungspräsidenten, die Herren Minister, das Oberkommando der Wehrmacht eindringlich darauf hingewiesen, wie diese Gewalt[tat]en gegen unbescholtene deutsche Männer, wie diese Roheit gegenüber wehr- losen deutschen Frauen, die aller Ritterlichkeit Hohn sprechen und nur aus einem abgründigen Hass gegen die christliche Religion und gegen die katholische Kirche entspringen können, wie diese  [Machenschaften geradezu wie] Sabotage und Sprengung der Volksgemeinschaft wirken.
   Volksgemeinschaft mit den Männern, die unsere Ordensleute, unsere Brüder und Schwestern ohne Rechtsgrund, ohne Untersuchung, Verteidigungsmöglichkeit und Gerichtsurteil, wie Freiwild aus dem Lande hetzen? Nein! Mit ihnen und allen dafür Verantwortlichen ist mir keine Gemeinschaft im Fühlen und Denken mehr möglich! Ich werde sie nicht hassen, ich wünsche von Herzen, dass sie zur Einsicht kommen und sich bekehren. - Wie ich auch sofort ein fürbittendes Gebet zum Himmel sandte für die Seele des am 5. Juli plötzlich verstorbenen Ministerialdirigenten Roth. Er war katholischer Priester der Diözese München, war seit Jahren ohne Erlaubnis und gegen den Willen seines Bischofs Beamter des Reichskirchenministeriums und hat gar viele, die Rechte der Kirche verletzenden und die Würde der Kirche kränkenden Schriftstücke für den Minister Kerrl verfasst und unterzeichnet. Jetzt ist er bei einer Bootsfahrt auf dem Inn verunglückt und im reißenden Strom ertrunken. Gott sei seiner armen Seele gnädig! - So wollen wir nach dem Gebot des Herrn beten für alle, die uns verfolgen und verleumden. Aber solange sie sich nicht ändern, solange sie fortfahren, Unschuldige zu berauben, aus dem Lande zu treiben, einzukerkern, solange lehne ich jede Gemeinschaft mit ihnen ab. Nein, die Gemeinsamkeit und die Gesinnung und Streben in unserem Volke ist gegen unseren Willen ungeachtet unserer Warnungen zerrissen, ist unheilbar zerstört. Ich kann mir nicht vorstellen, daß unsere alteingesessenen Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter, dass Eure Väter, Brüder und Söhne, die jetzt an der Front ihr Leben für Deutschland einsetzen, mit den Verfolgern und Vertreibern der Ordensleute irgendeine Gesinnungsgemeinschaft pflegen werden.
   Wir werden ihnen gehorchen, soweit sie als Vertreter der rechtmäßigen Obrigkeit uns Befehle zu erteilen haben. Aber [Gesinnungsgemeinschaft, ein Gefühl innerer Verbundenheit mit diesen] Kirchenverfolgern, mit diesen Klosterstürmern, die wehrlose Frauen und Mädchen, Kinder unserer besten Familien, unsere Schwestern aus ihrer klösterlichen Heimat jagen, wo sie teilweise seit Jahrzehnten in Gebet und Arbeit nur Gutes unserem Volke getan haben, das kann es für uns nicht geben. Ich müsste mich schämen, vor Gott und vor Euch, ich müsste mich schä- men [vor unseren edlen Vorfahren], vor meinem ritterlichen adeligen [seligen] Vater, der meine Brüder und mich mit unerbittlichem Ernst zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen, zu ritterlichem Schutz aller unschuldig Bedrängten, besonders jener, die als Frauen Abbilder unserer eigenen Mutter, ja der lieben Mutter Gottes im Himmel sind, ermahnt, erzogen und angeleitet hat ..., wenn ich Gemeinschaft halten würde mit jenen, die [schuldlose und] schutzlose Frauen aus Heim und Heimat vertreiben und obdachlos und mittellos aus dem Lande jagen! Dazu kommt, was ich schon am letzten Sonntag in der Lambertikirche ausführlich bewiesen habe, was ich heute noch einmal mit großem Ernst aus Liebe zu Volk und Vaterland warnend sage: Dieses strafweise Vorgehen der Gestapo gegen Schuldlose, Verdammung [Verbannung] von vornhinein Verurteilter [ohne Gerichts- urteil und ohne gerichtliches Verfahren] und jeglicher Verteidigungsmöglichkeit Beraubter, wie Reichsminister Dr. Frank es genannt hat, zerstört die Rechtssicherheit, untergräbt das Rechtsbewusstsein und vernichtet das Vertrauen auf die Staatsführung!
   Gewiss! Wir Christen machen keine Revolution! Wir werden weiter treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen Gott, aus Liebe zu unserem deutschen Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für Deutschland, aber nicht für jene Menschen, die durch ihr grausames Vorgehen gegen unsere Ordensleute, gegen ihre Brüder und Schwestern, unsere Herzen verwundeten und dem deutschen Namen vor Gott und den Mit- menschen Schmach antun. Wir kämpfen tapfer weiter gegen den äußeren Feind. Gegen den Feind im Innern, der uns peinigt und schlägt, können wir nicht mit Waffen kämpfen. Da bleibt uns [nur] ein Kampfesmittel: starkes, zähes, hartes Durchhalten!
   Hart werden, fest bleiben! Wir sehen und erfahren jetzt deutlich, was hinter den neuen Lehren steht, die man uns seit einigen Jahren aufdrängt, denen man zuliebe die Religion aus der Schule verbannt hat, unsere Vereine unterdrückt hat, jetzt die katholischen Kindergärten zerstören will: abgrundtiefer Hass gegen das Christentum, das man ausrotten möchte! Wenn ich recht unterrichtet bin, hat das auch der Schulungsleiter Schmidt vor 14 Tagen in der Stadthalle vor einem zwangsweise geladenen Publikum, darunter Schüler und Schülerinnen, offen ausgesprochen. Und der Kreisleiter Mierig hat begeistert Beifall gespendet und versprochen, für die Ausführung solcher Pläne sich einzusetzen. Hart werden, fest bleiben! Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboss. Andere, meist Fremde und Abtrünnige, hämmern auf uns, wollen mit Gewaltanwendung unser Volk, uns selbst, unsere Jugend neu formen, aus der geraden Haltung zu Gott verbiegen. Wir sind Amboss, nicht Hammer. Aber seht einmal zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und lasset euch sagen: Was auf dem Amboss geschmiedet wird, erhält seine Form nicht bloß vom Hammer, sondern auch vom Amboss. Der Amboss kann nicht und braucht auch nicht zurückschlagen, er muss nur fest, nur hart sein! Wenn er hinreichend fest, zäh, hart ist, dann hält meistens der Amboss länger als der Hammer. Wie heftig der Hammer auch schlägt, der Amboss steht in ruhiger Festigkeit da und wird noch lange dazu dienen, das zu formen, was neu geschmiedet wird.
   Was jetzt geschmiedet wird, das sind die ungerecht Eingekerkerten, die schuldlos Ausgewiesenen und Verbann- ten. Gott wird ihnen beistehen, dass sie Form und Haltung christlicher Festigkeit nicht verlieren, wenn der Hammer der Verfolgung sie bitter trifft und ihnen ungerechte Wunden schlägt.
   Was in diesen Tagen geschmiedet wird, sind unsere Ordensleute, Patres, Brüder und Schwestern. Ich habe vorgestern einen Teil der Vertriebenen in ihren provisorischen Unterkünften besuchen können und mit ihnen gesprochen. Ich habe mich erbaut und begeistert an der tapferen Haltung der braven Männer, der schwachen wehrlosen Frauen, die man roh und rücksichtslos aus ihrer Klosterheimat, aus der Kapelle und der Nähe des Tabernakels verjagte; die [nun] erhobenen Hauptes, im Bewusstsein ihrer Schuldlosigkeit, in die ungewisse[ungerechte] Verbannung gehen, vertrauend auf jenen, der die Vögel [des Himmels] speist und die Lilien [des Feldes] kleidet, ja freudig in jener Freude, die der Heiland seinen Jüngern empfiehlt [anbefiehlt]:Selig seid ihr, wenn Euch die Menschen hassen und verfolgen um meinetwillen. Freuet Euch und frohlocket, denn Euer Lohn ist groß im Himmel! Wahrhaftig, diese Männer und Frauen sind Meisterwerke der göttlichen Schmiedewerkstatt. Was in dieser Zeit geschmiedet wird zwischen Hammer und Amboß ist unsere Jugend. Die heranwachsende, die noch unfertige, die noch bildungsfähige, weiche Jugend. Wir können sie den Hammerschlägen des Unglaubens, der Christusfeindlichkeit, den falschen Lehren und Sitten nicht entziehen! Was wird ihnen vorgetragen und aufge- drängt in ihren Heimabenden und den Dienststunden jener Jugendvereinigungen, denen sie, wie man sagt, unter Zustimmung ihrer Eltern [freiwillig] beigetreten sind? Was hören sie in den Schulen, in die heute alle Kinder ohne Rücksicht auf [den Willen der] die Eltern hineingezogen [hineingezwungen] werden? Was lesen sie in den [neuen] Schulbüchern? Lasst euch doch, christliche Eltern, die Bücher zeigen, besonders die Geschichtsbücher der höheren Schulen. Ihr werdet entsetzt sein, mit welcher Unbekümmertheit um die geschichtliche Wahrheit da versucht wird, die unerfahrenen Kinder mit Misstrauen gegen Christentum und Kirche, ja mit Hass gegen den christlichen Glauben zu erfüllen. In den bevorzugten staatlichen Lehranstalten, den Hitlerschulen und den neuen Lehranstalten für künftige Lehrer und Lehrerinnen, wird jeder christliche Einfluss, ja jede wirklich religiöse Betätigung grundsätzlich ausgeschlossen. - Und was geschieht mit den im letzten Frühjahr unter Hinweis auf die Luftgefahr in ferne Ge- genden verschickten Kindern? Wie steht es mit dem Religionsunterricht [für sie]? Und mit der Übung der Religion? Christliche Eltern, um all das müsst ihr euch kümmern, sonst versäumt ihr eure heiligsten Pflichten, sonst könnt ihr nicht bestehen vor eurem Gewissen in jenem [und vor Jenem], der euch die Kinder anvertraut, damit ihr sie auf den Weg zum Himmel führt.
   Wir sind Amboss, nicht der Hammer! Ihr könnt eure Kinder, das edle, aber noch ungehärtete und ungestählte Rohmaterial leider den Hammerschlägen der Glaubensfeindlichkeit, der Kirchenfeindlichkeit nicht entziehen. Aber[auch] der Amboss formt mit. Lasst euer Elternhaus, lasst eure Elternliebe und -treue, lasst euer vorbildliches Christenleben der starke, zähe, feste und unerschütterliche Amboss sein, der die Wucht der feindlichen Schläge auffängt, der die noch schwache Kraft der noch jungen Menschen immer wieder stärkt und festigt in dem heiligen Willen, sich nicht biegen zu lassen in der Richtung zu Gott.
   Was in dieser Zeit geschmiedet wird, seid [fast] ohne Ausnahme ihr alle. Wie viele sind abhängig durch Pen- sionen, Staatsrenten, Kinderbeihilfen und ähnliches. Wer ist denn heute noch unabhängig und freier Herr in die- sem [seinem] Besitz und [oder] Geschäft?
  Es mag sein, dass zumal im Krieg eine starke Überwachung und Lenkung, ja auch [die] Zusammenfassung und Zwangssteuerung von Produktion und Wirtschaft, von Erzeugung und Verbrauch notwendig sind, und wer wird das nicht aus Liebe zu Volk und Vaterland willig tragen? Aber damit ist auch eine Abhängigkeit jedes Einzelnen von vielen Personen und Dienststellen gegeben, die nicht nur die Freiheit des Handelns beschränken, sondern auch die freie Unabhängigkeit der Gesinnung in schwere Gefahr und Versuchung bringen, wenn diese Personen und Dienststellen zugleich eine christentumfeindliche Weltanschauung vertreten und bei den von ihnen Abhängigen[Menschen] durchzusetzen versuchen. Erst recht ist eine solche Abhängigkeit gegeben bei allen Beamten, und welcher Mut, welcher Heldenmut mag für manche Beamte dazu gehören, sich trotz allen Druckes noch immer als echte Christen, als treue Katholiken zu beweisen und öffentlich zu bekennen.
   Wir sind zur Zeit Amboss und nicht Hammer. Bleibt stark, fest und unerschütterlich wie der Amboss bei allen Schlägen, die auf ihn niedersausen, im treuesten [Dienst] für Volk und Vaterland, aber stets auch bereit, im äußersten Opfermut nach dem Wort zu handeln: Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen! Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott zu jedem von uns. Gehorcht stets unweigerlich (dem Gewissen) der Stimme des Gewissens. Nehmt euch zum Beispiel und Vorbild jenen preußischen Justizminister der alten Zeit - ich habe ihn früher schon einmal erwähnt -, dem einst König Friedrich der Große das Ansinnen stellte, er solle sein gesetzmäßig gefälltes Gerichtsurteil nach dem Wunsche des Monarchen umstoßen und ändern. Da hat dieser echte Edelmann, ein Herr von Münchhausen, seinem König die prachtvolle Antwort gegeben: Mein Kopf steht Euer Majestät zur Verfügung, aber nicht mein Gewissen! Ich bin bereit, für meinen König zu sterben, ja, ich wünsche [würde] im Gehorsam sogar den Tod von Henkers Hand annehmen, mein Leben gehört dem König, nicht aber mein Gewissen!
   Ist das Geschlecht solcher Edelleute, die so gesinnt sind und so handeln, [sind die preußischen Beamten dieser Art] ausgestorben? Gibt es nicht mehr Bürger und Bauern, Handwerksmeister und Arbeiter von gleicher [Gesin- nung? Von gleicher] Gewissenhaftigkeit und gleichem Edelmut? Das kann, das will ich nicht glauben. Und darum noch einmal: Werdet hart, werdet fest, bleibt standhaft, wie der Amboß unter den Hammerschlägen! Es kann sein, dass der Gehorsam gegen Gott, die Treue gegen das Gewissen mir oder euch das Leben, die Freiheit, die Heimat kostet. Aber: Lieber sterben, als sündigen! Möge Gottes Gnade, ohne die wir nichts vermögen, euch und mir diese unerschütterliche Festigkeit geben und erhalten!
   Meine lieben Katholiken von Münster! Nachdem in der Nacht vom 7. zum 8. Juli das Seitenschiff des Domes von einer Sprengbombe durchschlagen war, hat in der folgenden Nacht eine an der Außenwand herabkommende Bombe den Ludgerusbrunnen, das Denkmal der Rückkehr des seligen Bischofs Johann Bernhard aus der Verban- nung im Jahre 1884 zerstört. Die Statuen der beiden Bischöfe Suitger und Erpho an beiden Seiten des Denkmals sind stark beschädigt. Fast unzerstört geblieben ist die Steinfigur des heiligen Ludger, des Apostels unseres Münsterlandes und ersten Bischofs von Münster. Segnend, zum Himmel weisend, erhebt [er] die unbeschädigt ge- bliebene [rechte] Hand, gleich, als sollte uns durch die fast wunderbare Errettung dieses Bildes die Mahnung zu- gerufen werden: Was auch kommen mag, haltet fest an dem von Gott geoffenbarten, von den Vorfahren ererbten katholischen Glauben! In aller Zerstörung menschlicher Werke, in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung: Empor die Herzen! Sankt Ludger ermahnt euch. Ich, sein 70. Nachfolger auf dem Münsterbischofsstuhl, ermahne euch mit den Worten, die in der ersten Christenverfolgung der erste Papst den bedrängten Christen schrieb: Demütigt euch unter Gottes allmächtige Hand, dann wird er zur rechten Stunde euch erhöhen. Werfet alle Sorgen auf ihn, denn er nimmt sich eurer an. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Feind, der Teufel, geht umher wie ein nach Beute brüllender Löwe. Widersteht ihm standhaft im Glauben. Der Gott aber aller Gnaden, der euch durch Christus Jesus berufen hat, nach kurzer Leidenszeit in seine Herrlichkeit einzugehen, er wird euch aus- rüsten, stärken, festmachen. Ihm sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! 1. Petrus 5.
   Lasset uns beten für unsere verbannten Ordensleute, für alle, die ungerecht leiden müssen, für alle Notlei- denden, für unsere Soldaten, für Münster und seine Bewohner, für Volk und Vaterland und seinen Führer.
Text und Ergänzungen aus: Heinrich Portmann, Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht, Band 1, Münster (Westfalen) 1946, S. 133-143

Enzyklika "Mit brennender Sorge" ["Cum Cura ardenti"] -Weltrundschreiben Papst Pius XI. [1922 - 1939]
Über die Lage der Kirche in Deutschland - Passionssonntag, den 14. März 1937

   Diese Enzyklika erschien als einzige zunächst in deutscher Sprache; maßgeblich beteiligt an der Entstehung wa- ren die Kardinäle Eugenio Pacelli, damals Apostolischer Nuntius in Deutschland(1939 zum Papst gewählt, Pius XII.) und Michael Faulhaber, der damalige Erzbischof von München-Freising. Von uns verwendete Textvorlage: P. Wil- helm Jussen (Hg.), Gerechtigkeit schafft Frieden. Reden und Enzykliken des Heiligen Vaters Papst Pius XII., Ham- burg 1946, 352 - 384.
   Pius XI. wusste um den engen Zusammenhang zwischen gerechter Staatsführung und wahrer Religion. "Habt acht, Ehrwürdige Brüder, daß vor allem der Gottesglaube, die erste und unersetzbare Grundlage jeder Religion, in deutschen Landen rein und unverfälscht erhalten bleibe!" Adolf Hitler richtete seinen Kampf gezielt gegen die ka- tholische Kirche, sowohl durch Massenmord an Priestern und Mitgliedern katholisch geprägter Widerstands- bewegungen (bekannt ist v.a. die "Weiße Rose" siehe den nachfolgenden Beitrag, der die Geschwister Hans Scholl und Sophie Scholl angehörten) als auch durch propagandistische Beeinflussung des religiösen Bewusstseins (z. B. durch "Hitlergebete" wie: "Herrgott, steh dem Führer bei, dass Dein Weg der Seine sei, dass Sein Weg der Deine sei, Herrgott,  steh dem Führer bei").  Die "Blut und Boden"-Literatur (auch "Blubo"- Literatur genannt) und die heidnischen Mythen, wie sie z. B. von Richard Wagner im "Ring der Nibelungen" verbreitet wurden, vermittelten ein neues Weltbild.
   Die Aussagen des Papstes sind angesichts der heutigen Situation in Deutschland, angesichts der Verhöhnung und Knebelung der römisch-katholischen Christen sowohl durch den Staat als auch durch die Konzilssekte („röm.- kath. Kirche e.V. von höchster Aktualität: „Hier ist der Punkt erreicht, wo es um Letztes und Höchstes, um Rettung oder Untergang geht, und wo infolgedessen dem Gläubigen der Weg heldenmütigen Starkmutes der einzige Weg des Heiles ist.“
Den Wortlaut der Enzyklika von Papst Pius XI. “mit brennender Sorge” finden Sie unten auf dieser Seite!

arte-Sophie-KlosterSoefling

Wie Henry Kardinal Newman die Gegner der Nazis inspirierte Foto: In dem Film „Sophie Scholl -
die letzten Tage“ spielt Julia Jentsch die Rolle von Sophie Scholl. Sie, ihr Bruder Hans und ihr Freund Christoph Probst, waren drei Mitglieder der “Weißen Rose”, eine Gruppe die Studenten zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufrief. Am 22. Februar 1942 wurden sie im Minutentakt hingerichtet.

   Sophie Scholl war gerade 21 Jahre alt, als sie im Münchner Gefängnis Stadelheim enthauptet wurde, nachdem sie und ihr Bruder Hans im berühmten Lichthof der Münchener Universität Flugblätter von oben auf die Studenten herabwarfen, um sie zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen.
   Christoph Probst, Vater von drei Kindern, wurde wenige Stunden vor seiner Hinrichtung in articulo mortis(kirchenrechtlich: in Todesgefahr) in die katholische Kirche aufgenommen. Danach sagte er dem Priester, der ihn taufte und ihm die Beichte abnahm, „nun wird mein Tod leicht und voll Freude sein“. Auch die evangelischen Geschwister Scholl wollten nach Aussage ihrer Schwester Inge in die katholische Kirche aufgenommen werden, aber der evangelische Gefängnispastor Karl Alt redete es ihnen aus, indem er beiden sagte, das würde ihre zutiefst verzweifelte Mutter noch mehr aufregen.
   Sophie hatte schon früher daran gedacht, katholisch zu werden. 1942 erlebte sie Ostern in der Auferstehungsmesse des Klosters Söflingen bei Ulm.

arte-Sophie-KlosterSoeflingen-ZZ

Foto: das Bild der Aufnahme Mariens in den Himmel an der Außenwand der Pfarrkirche in Söflingen. Damals fasste sie die Gewissensentscheidung, jeden Tag in der Kirche zu beten. In ihr Tagebuch schrieb sie: „Ich liebe es sehr, in die Kirche zu gehen. Nicht in die protestantische, wo ich kritisch zuhöre, was der Pastor sagt, sondern in die andere, wo ich offen bin und alles annehme. Aber ist es die richtige?“

   Heute ist Sophie eine der bewunderten Frauen in der deutschen Geschichte. Mehr als 190 Schulen sind nach ihr benannt. Es gibt zwei Filme über ihr Leben mehrere gute Biografien, geschrieben von Historikern in allen Welt- teilen, darunter Dr. Frank McDonough, einem international bekannten Historiker an der John Moores Universität in Liverpool und Autor des bemerkenswertenBuches über Sophie Scholl: „The Real Story oft he Woman Who Defied Hitler.“
   Diese Erzählung berichtet von einer einzigartigen jungen Frau, die ihren ganzen Mut zusammennimmt, um mit dem öffentlichen Opfer ihres Lebens eine politische Bewegung gegen Adolf Hitler aufzubauen. Die Forschung der letzten drei Jahre belegen klar die scharfsinnige und kraftvolle Motivation der Mitglieder der Weißen Rose.
 Sophie und ihre Freunde wurden wachgerüttelt durch die Predigt von Clemens August von Galen, dem Bischof von Münster, gegen die Euthanasie-Programme der Nazis zur Tötung „unwerten Lebens“. Hans Scholl sagte nach dem Lesen der vervielfältigten Predigt: „Endlich hat es jemand ausgesprochen!“
   Im Studium lernten die Mitglieder der Weißen Rose den älteren katholischen Professor Carl Muth kennen, der sie einführte in die Werke von Thomas von Aquin und Augustinus von Hippo. Muth machte die Weiße Rose auch be- kannt mit seinem Freund Theodor Haecker, der in den 1920er Jahren die Werke von John Henry Kardinal Newman vom Englischen ins Deutsch übersetzte.
  Haecker war eine Autorität in Sachen Sören Kierkegaard. Er konvertierte zum katholischen Glauben im Jahr 1921, ein Jahr, nachdem er vom Birmingham Oratory das erbetene Buch von Kardinal Newman „The grammar of Assent“ erhalten hatte. Die Begeisterung von Haecker für Newman übernahmen führende katholische Theologen wie Erich Przywara, Dieter von Hildebrand, Edith Stein, Romano Guardini, Matthias Laros und Otto Karrer. Im schnellen Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland nannte der Historiker Günther Biemer die Wertschätzung der Werke von Newman eine besondere Chance. Haecker benannte den Januar 1933 als Datum für den „deutschen Abfall vom Glauben“. Die Schriften Haeckers fanden Widerspruch von dem Philosophen Martin Heidegger. Haecker selbst bekam von den Nazis Redeverbot und wurde bedroht, er durfte aber noch Literatur übersetzen. Der irische Oratorianer Fr. Demot Fenlon meint: Haecker „fand den wirksamsten Weg, Hitler zu widerstehen indem er die Schriften von Newman übersetzte“, weil er Newman als Prophet eines heraufziehenden Zeitalter des Unglaubens sah. Er gab Deutschland „in tiefer Not eine angemessene Antwort auf einen antichristlichen Totalitarismus“.
   Den zweiten Weltkrieg nannte Haecker einen „Religionskrieg“, weil es ein Kampf gegen die fundamentale Wahr- heit der menschlichen Person sei - mit Deutschland auf der falschen Seite.
   Es geht wohl zu weit zu behaupten, dass die Aktionen der Weißen Rose durch die Schriften von Newman ver- anlasst worden sind, aber es ist sehr wahrscheinlich nach der Meinung von Pater Fenlon, dass Newmans Werke einen Einfluss auf die Aktionen der Weißen Rose „in einem kritischen Moment“ nahmen. Dieser Schluss ist möglich, weil Professor Biemer und Professor Jakob Knab das Tagebuch und die Briefe von Sophie Scholl ausgewertet haben, ebenso auch die Texte der anonymen Flugblätter, die von der Weißen Rose wahllos verteilt wurden.
   Etwa ein Viertel der Flugblätter werden als „Original Newman“ klassifiziert, weithin übernommen aus Newman’s Werk über den Antichrist, darin wachen die Christen durch alle Jahrhunderte auf das zweite Kommen Christi gegen eine Serie von „Antichristen“, darunter auch Hitler, eine Gestalt, die die letzte große Verfolgung gegen Gottes Volk anführen wird.
   „Wirklich, wir müssen mit den Mitteln der Vernunft einen Kampf führen gegen den nationalsozialistischen terro- ristischen Staat“, heißt es auf einem Flugblatt. „Aber wer immer noch zweifelt an der Wirklichkeit, an der Existenz dämonischer Mächte, hat bei weitem die metaphysische Realtiät dieses Krieges nicht verstanden. Hinter den konkreten, sichtbaren Ereignissen, hinter allen objektiven und logischen Erwägungen finden wir das irrationale Element: den Kampf gegen den Dämon, gegen die Diener des Antichrist.“
  Die Flugblätter behaupten, dass alle Versuche das Böse zu bekämpfen ohne die Einheit mit Gott vergeblich seien. „Gewiss ist der Mensch frei, aber ohne den wahren Gott ist er wehrlos gegen das Prinzip des Bösen“, wird in den Flugblättern erklärt. „Er ist wie ein steuerloses Schiff im Sturm, wie ein Säugling ohne seine Mutter, wie eine Wol- ke, die sich in Luft auflöst.“
   Diese Worte sind kaum politisch. In der Entwicklung der Weißen Rose wurden ihre Aufrufe politischer und we- niger religiös, auch deswegen, weil ihre Mitglieder sich zu verbinden suchten mit einer breiteren Widerstands- bewegung.

Weiße Rose  arte-SophieScholl-xx in der Mitte:Sophie Scholl

  Die Schriften von Kardinal Newman fanden inzwischen eine breitere Aufnahme am Rand dieser Bewegung. Sophie gab ihrem Freund Leutnant Fritz Hartnagel zwei Bände der Predigten von Newman, übersetzt von Matthias Laros, der im Mai 1942 an der Ostfront eingesetzt war. Als Leutnant Hartnagel in der Stadt Mariupol, sah er russische Soldaten, die von ihren deutschen Wachen erschossen waren und hörte erstmals von Deportationen und Mas- sentötungen der örtlichen Juden. In seinen Feldpostpostbriefen schrieb er an Sophie, das Lesen der Worte New- mans an solch einem furchtbaren Platz sei wir der Geschmack von „Tropfen eines köstlichen Weins“. „Was für eine Täuschung ist es, die Natur als unser Leitbild für unsere Handlungen zu nehmen und diese Grausamkeiten als ‚groß‘ zu beschreiben“, schrieb er. „Wir aber wissen, von wem wir geschaffen sind und dass wir moralische Verpflichtungen haben gegenüber unserem Schöpfer … Das Gewissen gibt uns die Fähigkeit, zwischen gut und böse zu entscheiden.“
   Prof. Knab hat die Worte Hartnagels identifiziert als wortgetreue Übernahme aus der Predigt von Newman „The testimonyof Conscience“ - Das Gewissenszeugnis. Später fand Hartnagel den Mut, bei seinen Vorgesetzten ge- gen diese Brutalität zu protestieren. Kurz vor der Kapitulation in Stalingrad wurde er noch aus dem Kessel ausge- flogen, weil er einige Finger durch den harten Frost verloren hatte. Als er nach Hause kam, war seine Freundin bereits tot.
  Sophies Eltern, Magdalene und Robert Scholl, waren inhaftiert, verurteilt nach dem Sippenhaft-Gesetz, das ihre Familie verantwortlich machte für die Taten der Angehörigen. Haecker besuchte Sophie im Gefängnis und unter- schrieb im  Besucherbuch mit dem Motte von Kardinal Newman: Cor ad cor loquitur (Das Herz spricht zum Herzen).
   Trotz aller Erkenntnis, die sich vor uns auftut bleibt es schwierig abzuwägen, welchen Einfluss Newman in dieser außerordentlichen Zeit auf diese kleine Widerstandsgruppe hatte. Es gibt da offensichtlich auch andere Erwägun- gen. Die Niederlagen in den Schlachten von El Alamein und Stalingrad mögen den Widerstand verstärkt haben, als Deutschland jetzt merkte, dass es von einem Verrückten in einen Krieg geführt wurde, der verloren gehen würde. Doch wie wirklichkeitsfremd ist es, in dieser Episode eine Anfangswirkung von etwas zu sehen, das seinen Ursprung in zarter, innerlicher Inspiration hatte?
   Sechs Wochen nach der Hinrichtung von Sophie Scholl wurde ein Wehrmachtsoffizier in Lazarett in München eingeliefert um seine Schrapnell-Wunden zu behandeln, die er bei einem alliierten Luftangriff in Nordafrika erlitt, wobei er ein Auge verlor, seine rechte Hand und zwei Finger von seiner linken Hand. Während seiner Genesung erkundigte er sich über die Studentengruppe der Weißen Rose. Sein Name: Claus Graf von Stauffenberg, dessen Attentat auf den Führer in die Geschichtsbücher einging.
   Anders Als Stauffenberg und die Geschwister Scholl überlebte Haecker den Krieg. Er starb 1945 infolge seiner Diabetes, gerade zu dem Zeitpunkt, als eine Generation von nachkriegsdeutschen Katholiken von Newman faszi- niert war. Unter ihnen war auch Joseph Ratzinger, der Newmans „Theologie des Gewissens” 1946 gründlich zu studieren begann, als er in das Priesterseminar von Freising eintrat. Nach einer Aussage des damaligen Studienpräfekten Alfred  Läpple  „war Newman nicht ein Thema wie andere … Newman war unsere Leidenschaft.“

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Mehr als 50 Jahre später erklärte Papst Benedikt XVI., dass die Größe und Tiefe des Mannes, den er im Jahre 2010 selig gesprochen hatte Foto „noch keineswegs völlig bewertet ist“. Die Schriften Newmans inspirieren auch heute noch viele Christen, besonders jene, die spüren, dass die Zeit von Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst, Bischof von Galen und Theodor Haecker auch unsere eigne Zeit ist.  CT130217SimonCaldwell

Weltrundschreiben von Papst Pius XI. pp-PiusXI.-xx “Mit brennender Sorge” im Wortlaut

Ehrwürdige Brüder!
Gruß und Apostolischen Segen!
   Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.
   Diese Unsere Sorge ist nicht vermindert worden durch das, was die Uns an Unserem Krankenlager besuchenden Vertreter des hochwürdigsten Episkopates wahrheits- und pflichtgemäß berichtet haben. Neben viel Tröstlichem und Erhebendem aus dem Bekennerkampf ihrer Gläubigen haben sie bei aller Liebe zu Volk und Vaterland und bei allem Bestreben nach abgewogenem Urteil auch unendlich viel Herbes und Schlimmes nicht übergehen können. Nachdem Wir ihre Darlegungen vernommen, durften Wir in innigem Dank gegen Gott mit dem Apostel der Liebe sprechen: "Eine größere Freude habe ich nicht, als wenn ich höre: meine Kinder wandeln in der Wahrheit" 3.Jo 4.. Der unserem verantwortungsvollen apostolischen Amt ziemende Freimut und der Wille, Euch und der gesamten christlichen Welt die Wirklichkeit in ihrer ganzen Schwere vor Augen zu stellen, fordern von Uns aber auch, daß Wir hinzufügen: eine größere Sorge, ein herberes Hirtenleid haben Wir nicht, als wenn Wir hören: viele verlassen den Weg der Wahrheit vgl. 2. Petr. 2.2.
   Als Wir, Ehrwürdige Brüder, im Sommer 1933 die Uns von der Reichsregierung in Anknüpfung an einen jahrealten früheren Entwurf angetragenen Konkordatsverhandlungen aufnehmen und zu Euer aller Befriedigung mit einer feierlichen Vereinbarung abschließen ließen, leitete Uns die pflichtgemäße Sorge um die Freiheit der kirchlichen Heilsmission in Deutschland und um das Heil der ihr anvertrauten Seelen – zugleich aber auch der aufrichtige Wunsch, der friedlichen Weiterentwicklung und Wohlfahrt des deutschen Volkes einen ganz wesentlichen Dienst zu leisten.
   Trotz mancher Bedenken haben Wir daher Uns damals den Entschluss abgerungen, Unsere Zustimmung nicht zu versagen. Wir wollten unseren treuen Söhnen und Töchtern in Deutschland im Rahmen des Menschenmöglichen die Spannungen und Leiden ersparen, die andernfalls unter den damaligen Verhältnissen mit Gewissheit zu er- warten gewesen wären. Wir wollten allen durch die Tat beweisen, dass Wir, einzig Christus suchend und das was Christi ist, niemanden die Friedenshand der Mutterkirche verweigern, der sie nicht selbst zurückstößt. Wenn der von Uns in lauterer Absicht in die deutsche Erde gesenkte Friedensbaum nicht die Früchte gezeitigt hat, die Wir im Interesse Eures Volkes ersehnten, dann wird niemand in der weiten Welt, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, heute noch sagen können, die, Schuld liege auf Seiten der Kirche und ihres Oberhauptes.
   Der Anschauungsunterricht der vergangenen Jahre klärt die Verantwortlichkeiten. Er enthüllt Machenschaften, die von Anfang an kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskampf. In die Furchen, in die Wir den Samen aufrichtigen Friedens zu säen bemüht waren, streuten andere – wie der Feind inimicus homo in der Heiligen Schrift Mt. 13,25 – die Unkrautkeime des Misstrauens, des Unfriedens, des Hasses, der Verunglimpfung, der heim- lichen und offenen, aus tausend Quellen gespeisten und mit allen Mitteln arbeitenden grundsätzlichen Feindschaft gegen Christus und Seine Kirche. Ihnen und nur ihnen, sowie ihren stillen und lauten Schildhaltern fällt die Verantwortung dafür zu, dass statt des Regenbogens des Friedens am Horizont Deutschlands die Wetterwolke zersetzender Religionskämpfe sichtbar ist.
   Wir sind, Ehrwürdige Brüder, nicht müde geworden, den verantwortlichen Lenkern der Geschicke Eures Landes die Folgen darzustellen, die aus dem Gewährenlassen oder gar aus der Begünstigung solcher Strömungen sich zwangsweise ergeben müssten. Wir haben alles getan, um die Heiligkeit des feierlich gegebenen Wortes, die Unverbrüchlichkeit der freiwillig eingegangenen Verpflichtungen zu verteidigen gegen Theorien und Praktiken, die – falls amtlich gebilligt – alles Vertrauen töten und jedes auch in Zukunft gegebene Wort innerlich entwerten müssten. Wenn einmal die Zeit gekommen sein wird, diese Unsere Bemühungen vor den Augen der Welt offen zu legen, werden alle Gutgesinnten wissen, wo sie die Friedenswahrer und Friedensstörer zu suchen haben.
   Jeder, dessen Geist sich noch einen Rest von Wahrheitsempfinden, dessen Herz sich noch einen Schatten von Gerechtigkeitsgefühl bewahrt hat, wird dann zugeben müssen, dass in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Konkordatszeit jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen. Er wird aber auch mit Befremden und innerster Ablehnung feststellen müssen, wie von der anderen Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsaushöhlung, schließlich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.
   Die von Uns trotz allem bezeigte Mäßigung war nicht eingegeben von Erwägungen irdischer Nützlichkeit oder gar unziemlicher Schwäche, sondern lediglich von dem Willen, mit dem Unkraut nicht etwa wertvolles Wachstum aus- zureißen; von der Absicht, nicht eher öffentlich zu urteilen, als bis die Geister für die Unentrinnbarkeit dieses Ur- teils reif geworden wären; von der Entschlossenheit, die Vertragstreue anderer nicht eher endgültig zu verneinen, als bis die eiserne Sprache der Wirklichkeit die Hüllen gesprengt hätte, in die eine planmäßige Tarnung den Angriff gegen die Kirche zu hüllen verstanden hatte und versteht. Auch heute noch, wo der offene Kampf gegen die kon- kordatgeschützte Bekenntnisschule und wo die vernichtete Abstimmungsfreiheit der katholischen Erziehungs- berechtigten auf einem besonders wesentlichen Lebensgebiet der Kirche den erschütternden Ernst der Lage und die beispiellose Gewissensnot gläubiger Christen kennzeichnen, rät Uns die Vatersorge um das Heil der Seelen, die etwa noch vorhandenen, wenn auch geringen Aussichten auf Rückkehr zur Vertragstreue, und zu verant- wortbarer Verständigung nicht unberücksichtigt zu lassen. Den Bitten des hochwürdigsten Episkopates folgend werden Wir auch weiterhin nicht müde werden, bei den Lenkern Eures Volkes Sachwalter des verletzten Rechtes zu sein und Uns – unbekümmert um den Erfolg oder Misserfolg des Tages – lediglich Unserem Gewissen und Unserer Hirtenmission gehorchend einer Geisteshaltung zu widersetzen, die verbrieftes Recht durch offene oder verhüllte Gewalt zu erdrosseln sucht.
   Der Zweck des gegenwärtigen Schreibens aber, Ehrwürdige Brüder, ist ein anderer. Wie Ihr Uns an Unserem Krankenlager liebevoll Besuch abgestattet habt, so wenden Wir Uns an Euch und durch Euch an die katholischen Gläubigen Deutschlands, die – wie alle leidenden und bedrängten Kinder – dem Herzen des gemeinsamen Vaters besonders nahe stehen. In dieser Stunde, wo ihr Glaube im Feuer der Trübsal und der versteckten und offenen Verfolgung als echtes Gold erprobt wird, wo sie von tausend Formen organisierter religiöser Unfreiheit umgeben sind, wo der Mangel an wahrheitsgetreuer Unterrichtung und normaler Verteidigungsmöglichkeit schwer auf ihnen lastet, haben sie ein doppeltes Recht auf ein Wort der Wahrheit und der seelischen Stärkung von dem, an dessen ersten Vorgänger das inhaltsschwere Heilandswort gerichtet war: "Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke, und du hinwiederum stärke deine Brüder Lk 22,32.
   Habt acht, Ehrwürdige Brüder, dass vor allem der Gottesglaube, die erste und unersetzbare Grundlage jeder Religion, in deutschen Landen rein und unverfälscht erhalten bleibe! Gottgläubig ist nicht, wer das Wort rednerisch gebraucht, sondern nur, wer mit diesem hehren Wort den wahren und würdigen Gottesbegriff verbindet.
   Wer in pantheistischer Verschwommenheit Gott mit dem Weltall gleich setzt, Gott in der Welt verweltlicht und die Welt in Gott vergöttlicht, gehört nicht zu den Gottgläubigen. Wer nach angeblich altgermanisch-vorchristlicher Vor- stellung das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persönlichen Gottes rückt, leugnet Gottes Weisheit und Vorsehung, die "kraftvoll und gütig von einem Ende der Welt zum anderen waltet" Weish 8,1. und alles zum guten Ende leitet. Ein solcher kann nicht beanspruchen, zu den Gottgläubigen gerechnet zu werden.
   Wer die Rasse oder das Volk oder den Staat oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult verherrlicht, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit vom wahren Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.
   Habet acht, Ehrwürdige Brüder, auf den in Rede und Schrift zunehmenden Missbrauch, den dreimal heiligen Gottesnamen anzuwenden als sinnleere Etikette für irgendein mehr oder minder willkürliches Gebilde mensch- lichen Suchens und Sehnens. Wirkt unter Euren Gläubigen dahin, dass sie solcher Verirrung mit der wachsamen Ablehnung begegnen, die sie verdient. Unser Gott ist der persönliche, übermenschliche, allmächtige, und endlich vollkommene Gott, einer in der Dreiheit der Personen, dreipersönlich in der Einheit des göttlichen Wesens, der Schöpfer alles Geschaffenen, der Herr und König und letzte Vollender der Weltgeschichte, Der keine Götter neben Sich duldet noch dulden kann.
   Dieser Gott hat in souveräner Fassung Seine Gebote gegeben. Sie gelten unabhängig von Zeit und Raum, von Land und Rasse. So wie Gottes Sonne über allem leuchtet, was Menschenantlitz trägt, so kennt auch Sein Gesetz keine Vorrechte und Ausnahmen. Regierende und Regierte, Gekrönte und Ungekrönte, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, stehen gleichermaßen unter Seinem Wort. Aus der Totalität Seiner Schöpferrechte fließt seinsgemäß die Totalität Seines Gehorsamsanspruchs an die Einzelnen und an alle Arten von Gemeinschaften. Dieser Gehorsams- anspruch erfasst alle Lebensbereiche, in denen sittliche Fragen die Auseinandersetzung mit dem Gottesgesetz for- dern und damit die Einordnung wandelbarer Menschensatzung in das Gefüge der unwandelbaren Gottessatzung.
   Nur oberflächliche Geister können der Irrlehre verfallen, von einem nationalen Gott, von einer nationalen Religion zu sprechen; können den Wahnversuch unternehmen, Gott, den Schöpfer aller Welt, den König und Gesetzgeber aller Völker, vor Dessen Größe die Nationen klein sind wie Tropfen am Wassereimer Is 40,15, in die Grenze eines einzelnen Volkes, in die blutmäßige Enge einer einzelnen Rasse einkerkern zu wollen.
  Die Bischöfe der Kirche Christi, aufgestellt "für das, was sich auf Gott bezieht" Hebr 5,1, müssen darüber wachen, dass solche verderblichen Irrtümer, denen noch verderblichere Praktiken auf dem Fuße zu folgen pflegen, inner- halb der Gläubigen nicht Boden fassen. Ihre heilige Amtspflicht ist es, soviel an ihnen liegt, alles zu tun, damit die Gebote Gottes als verpflichtende Grundlage des sittlich geordneten privaten und öffentlichen Lebens beachtet und befolgt werden; dass die Majestätsrechte Gottes, der Name und das Wort Gottes nicht verunehrt werden Tit 2,5; dass die Gotteslästerungen – in Wort und Schrift und Bild, zeitweise zahlreich wie der Sand am Meere – zum Schweigen gebracht werden; dass dem trotzenden Prometheusgeist der Gottesverneiner, Gottesverächter und Gotteshasser gegenüber der Sühnegeist der Gläubigen nie erlahme, der wie Rauchwerk Stunde um Stunde zum Allerhöchsten emporsteigt und Seine strafende Hand aufhält.
   Wir danken Euch, Ehrwürdige Brüder, Euren Priestern und all den Gläubigen, die in der Verteidigung der Maje- stätsrechte Gottes gegen ein angrifflüsternes, von einflussreicher Seite leider vielfach begünstigtes Neuheiden- tum, ihre Christenpflicht erfüllt haben und erfüllen. Dieser Dank ist doppelt innig und mit anerkennender Bewun- derung für diejenigen verknüpft, die in Ausübung ihrer Pflicht gewürdigt wurden, um Gottes willen irdische Opfer und irdisches Leid auf sich nehmen zu dürfen.
   Kein Gottesglaube wird sich auf die Dauer rein und unverfälscht erhalten, wenn er nicht gestützt wird vom Glauben an Christus. "Niemand kennt den Sohn als der Vater, und niemand kennt den Vater als der Sohn, und wem es der Sohn offenbaren will" Mt 11,27. "Das ist das ewige Leben, dass sie Dich erkennen, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus" Jo 17,3. Es darf also niemand sagen: ich bin gottgläubig, das ist mir Religion genug. Des Heilands Wort hat für Ausflüchte dieser Art keinen Platz. "Wer den Sohn leugnet, hat auch nicht den Vater; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater 1 Jo. 2,23.
   In Jesus Christus, dem menschgewordenen Gottessohn, ist die Fülle der göttlichen Offenbarung erschienen. "Auf vielerlei Art und in verschiedenen Formen hat Gott einst zu den Vätern durch die Propheten gesprochen. In der Fülle der Zeiten hat Er zu uns durch den Sohn geredet" Hebr 1,1f. Die heiligen Bücher des Alten Bundes sind ganz Gottes Wort, ein organischer Teil Seiner Offenbarung. Der stufenweisen Entfaltung der Offenbarung entsprechend liegt auf ihnen noch der Dämmer der Vorbereitungszeit auf den vollen Sonnentag der Erlösung. Wie es bei Ge- schichts- und Gesetzbüchern nicht anders sein kann, sind sie in manchen Einzelheiten ein Spiegelbild menschlicher Unvollkommenheit, Schwäche und Sünde. Neben unendlich vielem Hohen und Edlen erzählen sie auch von der Ver- äußerlichung und Verweltlichung, die in dem die Offenbarung und die Verheißungen Gottes tragenden alttesta- mentlichen Bundesvolk immer wieder hervorbrachen. Für jedes nicht durch Vorurteil und Leidenschaft geblendete Auge leuchtet jedoch aus dem menschlichen Versagen, von dem die Biblische Geschichte berichtet, um so strah- lender das Gotteslicht der über alle Fehde und Sünde letztlich triumphierenden Heilsführung hervor. Gerade auf solchem oft düsteren Hintergrund wächst die Heilspädagogik des Ewigen in Perspektiven hinein, die wegweisend, warnend, erschütternd, erhebend und beglückend zugleich sind. Nur Blindheit und Hochmut können ihre Augen vor den heilserzieherischen Schätzen verschließen, die das Alte Testament birgt. Wer die Biblische Geschichte und die Lehrweisheit des Alten Bundes aus Kirche und Schule verbannt sehen will, lästert das Wort Gottes, lästert den Heilsplan des Allmächtigen, macht enges und beschränktes Menschendenken zum Richter über göttliche Ge- schichtsplanung. Er verneint den Glauben an den wirklichen, im Fleische erschienenen Christus, Der die mensch- liche Natur aus dem Volke annahm, das Ihn ans Kreuz schlagen sollte. Er steht verständnislos vor dem Weltdrama des Gottessohnes, Welcher der Meintat Seiner Kreuziger die hohepriesterliche Gottestat des Erlösertodes ent- gegensetzte und damit den Alten Bund in dem Neuen Bunde seine Erfüllung, sein Ende und seine Überhöhung finden ließ.
   Der im Evangelium Jesu Christi erreichte Höhepunkt der Offenbarung ist endgültig, ist verpflichtend für immer. Diese Offenbarung kennt keine Nachträge durch Menschenhand, kennt erst recht keinen Ersatz und keine Ablösung durch die willkürlichen "Offenbarungen", die gewisse Wortführer der Gegenwart aus dem sogenannten Mythus von Blut und Rasse herleiten wollen. Seitdem Christus der Gesalbte das Werk der Erlösung vollbracht, die Herrschaft der Sünde gebrochen und uns die Gnade verdient hat, Kinder Gottes zu werden – seitdem ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den sie selig werden können, als der Name Jesu Apg. 4,12. Kein Mensch – möge auch alles Wissen, alles Können, alle äußerliche Macht der Erde in ihm verkörpert sein – kann einen anderen Grund legen als den, der in Christus bereits gelegt ist 1. Kor 3,11. Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen  und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muss sich sagen lassen, dass er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: "Der im Himmel wohnt, lachet ihrer" Ps 2,4.
   Der Christusglaube wird sich nicht rein und unverfälscht erhalten, wenn er nicht gestützt und umhegt wird vom Glauben an die Kirche, "die Säule und Grundfeste der Wahrheit" 1. Tim. 3,15. Christus selbst, Gott hochgelobt in Ewigkeit, hat diese Säule des Glaubens aufgerichtet. Sein Gebot, die Kirche zu hören Mt 18,17, aus den Worte und Geboten der Kirche Seine eigenen Worte und Gebote herauszuhören Lk 10,16, gilt für die Menschen aller Zeiten und Zonen. Die von dem Erlöser gestiftete Kirche ist eine – für alle Völker und Nationen. Unter ihrem Kuppelbau, der wie Gottes Firmament die ganze Erde überwölbt, ist Platz und Heimat für alle Völker und Sprachen, ist Raum für die Entfaltung aller von Gott dem Schöpfer und Erlöser in die Einzelnen und in die Volksgemeinschaften hinein gelegten besonderen Eigenschaften, Vorzüge, Aufgaben und Berufungen. Das Mutterherz der Kirche ist weit und groß genug, um in der gottgemäßen Entfaltung solcher Eigenarten und Eigengaben mehr den Reichtum der Mannigfaltigkeit zu sehen als die Gefahr von Absonderungen. Sie freut sich des geistigen Hochstandes des Einzelnen und der Völker. Sie sieht in ihren echten Leistungen mit Mutterfreude und Mutterstolz Erziehungsfrüchte und Fortschritte, die sie segnet und fördert, wo immer sie es im Gewissen kann. Aber sie weiß auch, dass dieser Freiheit Grenzen gezogen sind durch die Majestät des Gottesgebotes, das diese Kirche in allem Wesenhaften als untrennbare Einheit gewollt und gegründet hat. Wer an diese Einheit und Untrennbarkeit rührt, nimmt der Braut Christi eines der Diademe, mit denen Gott Selbst sie gekrönt hat. Er unterwirft ihren auf ewigen Fundamenten ruhenden Gottesbau der Überprüfung und Umgestaltung durch Baumeister, denen der Vater im Himmel keine Bauvollmacht erteilt hat.
   Die göttliche Sendung der Kirche, die unter Menschen wirkt und durch Menschen wirken muss, mag schmerzlich verdunkelt werden durch das Menschlich-Allzumenschliche, das zu Zeiten immer und immer wieder als Unkraut unter dem Weizen des Gottesreiches durchwuchert. Wer das Heilandswort über die Ärgernisse und die Ärgernis- geber kennt, weiß, wie die Kirche und wie jeder Einzelne über das zu urteilen hat, was Sünde war und Sünde ist. Wer über diesen verurteilenswerten Abweichungen zwischen Glauben und Leben, zwischen Wort und Tat, zwi- schen äußerer Haltung und innerer Gesinnung bei Einzelnen – und wären es ihrer auch viele – die Unsumme von echtem Tugendstreben, von Opfersinn, von Bruderliebe, von heldenhaftem Heiligkeitsdrang vergisst oder gar wis- sentlich verschweigt, der enthüllt eine bedauernswerte Blindheit und Ungerechtigkeit. Wenn dann vollends er- kennbar wird, dass er den harten Maßstab, den er an die gehasste Kirche anlegt, in demselben Augenblick ver- gisst, wo es sich um Gemeinschaften anderer Art handelt, die ihm aus Gefühl oder Interesse nahestehen, dann offenbart er sich in seinem angeblich verletzten Reinlichkeitsgefühl als verwandt mit denen, die nach des Heilands schneidendem Wort über den Splitter im Auge des Bruders den Balken im eigenen Auge übersehen. So wenig rein aber auch die Absicht derer ist, die aus der Beschäftigung mit dem Menschlichen in der Kirche einen Beruf, vielfach sogar ein niedriges Geschäft machen, und obgleich die in Gott ruhende Gewalt des kirchlichen Amtsträgers nicht abhängig ist von seiner menschlichen und sittlichen Höhe, so ist doch keine Zeitepoche, kein Einzelner, keine Ge- meinschaft frei von der Pflicht ehrlicher Gewissenserforschung, unerbittlicher Läuterung, durchgreifender Erneu- erung in Gesinnung und Tat. In Unserer Enzyklika über das Priestertum, in Unserem Sendschreiben über die Katholische Aktion haben wir mit beschwörender Eindringlichkeit auf die heilige Pflicht aller Angehörigen der Kirche und allen voran der Angehörigen des Priester- und Ordensstandes und des Laienapostolates hingewiesen, Glaube und Lebensführung in die von Gottes Gesetz geforderte, von der Kirche mit nimmermüdem Nachdruck verlangte Übereinstimmung zu bringen. Und auch heute wiederholen Wir mit tiefem Ernst: es genügt nicht, zur Kirche Gottes zu zählen. Man muss auch lebendiges Glied dieser Kirche sein – im Geiste und in der Wahrheit. Und das sind nur die, die in der Gnade des Herrn stehen und unausgesetzt in Seiner Gegenwart wandeln – in Unschuld oder in aufrichtiger und tätiger Buße. Wenn der Völkerapostel, das "Gefäß der Auserwählung" seinen Leib unter der Zuchtrute der Abtötung hielt, um nicht, nachdem er anderen gepredigt, selbst verworfen zu werden 1. Kor. 9,27, kann es dann für die übrigen, in deren Händen die Wahrung und Mehrung des Reiches Gottes gelegt ist, einen anderen Weg geben als den der innigsten Verbindung von Apostolat und Selbstheiligung? Nur so wird der Menschheit von heute und in erster Linie den Widersachern der Kirche gezeigt, dass das Salz der Erde, dass der Sauerteig des Christentums nicht schal geworden, sondern fähig und bereit ist, die in Zweifel und Irrtum, in Gleichgültigkeit und geistiger Ratlosigkeit, in Glaubensmüdigkeit und Gottesferne befangenen Menschen der Gegenwart die seelische Erneuerung und Verjüngung zu bringen, deren sie – ob eingestanden oder geleugnet – dringender bedürfen als je zuvor. Eine sich in allen ihren Gliedern auf sich selbst besinnende, jede Veräußerlichung und Verweltlichung abstreifende, mit den Geboten Gottes und der Kirche ernst machende, in Gottesliebe und tätiger Nächstenliebe sich bewährende Christenheit wird der im tiefsten Grunde kranken, nach Halt und Weg- weisung suchenden Welt Vorbild und Führerin sein können und müssen, wenn nicht unsagbares Unglück, wenn nicht ein alle Vorstellung hinter sich lassender Niedergang hereinbrechen soll.
   Jede wahre und dauernde Reform ging letzten Endes vom Heiligtum aus; von Menschen, die von der Liebe zu Gott und dem Nächsten entflammt und getrieben waren. Aus ihrer großmütigen Gemeinschaft heraus, auf jeden Ruf Gottes zu hören und ihn zunächst in sich selbst zu verwirklichen, sind sie in Demut und mit der Selbstsicherheit von Berufenen zu Leuchten und Erneuerern ihrer Zeit herangewachsen. Wo der Reformeifer nicht aus dem reinen Schoß persönlicher Lauterkeit geboren wurde, sondern Ausdruck und Ausbruch leidenschaftlicher Anwandlungen war, hat er verwirrt, statt zu klären, niedergerissen, statt aufzubauen, ist er nicht selten der Ausgangspunkt für Irrwege gewesen, die verhängnisvoller waren als die Schäden, die man zu bessern beabsichtigte oder vorgab. Gewiss – Gottes Geist weht, wo Er will Jo 3,8. Er kann Sich aus Steinen Wegbereiter Seiner Absicht erwecken Mt 3,9; Lc. 3.8. Er wählt die Werkzeuge Seines Willens nach eigenen Plänen und nicht nach denen der Menschen. Er, Der die Kirche gegründet und sie im Pfingststurm ins Dasein gerufen hat, Er sprengt nicht das Grundgefüge der von Ihm Selbst gewollten Heilsstiftung. Wer vom Geiste Gottes getrieben ist, hat von selbst die gebührende innere und äußere Haltung gegenüber der Kirche, der Edelfrucht am Baume des Kreuzes, dem Pfingstgeschenk des Gottesgeistes an die führungsbedürftige Welt.
   In Euren Gegenden, Ehrwürdige Brüder, werden in immer stärkerem Chor Stimmen laut, die zum Austritt aus der Kirche aufrufen. Unter den Wortführern sind vielfach solche, die durch ihre amtliche Stellung den Eindruck zu er- wecken suchen, als ob dieser Kirchenaustritt und die damit verbundene Treulosigkeit gegen Christus den König eine besonders überzeugende und verdienstvolle Form des Treubekenntnisses zu dem gegenwärtigen Staate darstelle. Mit verhüllten und sichtbaren Zwangsmaßnahmen, Einschüchterungen, Inaussichtstellung wirtschaft- licher, beruflicher, bürgerlicher und sonstiger Nachteile wird die Glaubenstreue der Katholiken und insbesondere gewisser Klassen katholischer Beamten unter einen Druck gesetzt, der ebenso rechtswidrig wie menschlich un- würdig ist. Unser ganzes väterliches Mitgefühl und tiefstes Mitleid begleitet diejenigen, die ihre Treue zu Christus und Kirche um so hohen Preis bezahlen müssen. Aber – hier ist der Punkt erreicht, wo es um Letztes und Höch- stes, um Rettung oder Untergang geht, und wo infolgedessen dem Gläubigen der Weg heldenmütigen Starkmutes der einzige Weg des Heiles ist. Wenn der Versucher oder Unterdrücker an ihn herantritt mit dem Judasansinnen des Kirchenaustrittes, dann kann er ihm nur – auch um den Preis schwerer irdischer Opfer – das Heilandswort entgegenhalten: "Weiche von mir, Satan, denn es steht geschrieben: den Herrn deinen Gott sollst du anbeten und Ihm allein dienen!" Mt 4,10; Lc. 4,8. Zu der Kirche aber wird er sprechen: Du meine Mutter von den Tagen meiner Kindheit an, mein Trost im Leben, meine Fürbitterin im Sterben – mir soll die Zunge am Gaumen kleben, wenn ich – irdischen Lockungen oder Drohungen folgend – an meinem Taufgelübde zum Verräter würde. Solchen aber, die vermeinen, sie könnten mit äußerlichem Kirchenaustritt das innere Treuverhältnis zur Kirche verbinden, möge des Heilands Wort ernste Warnung sein: "Wer Mich vor den Menschen verleugnet, den werde Ich auch vor Meinem Vaterverleugnen, Der im Himmel ist" Lk. 12,9.
  Der Kirchenglaube wird nicht rein und unverfälscht erhalten, wenn er nicht gestützt wird vom Glauben an den Pri- mat des Bischofs von Rom. In dem gleichen Augenblick, wo Petrus allen Aposteln und Jüngern voran, den Glauben an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes bekannte, war die seinen Glauben und sein Bekenntnis belohnende Antwort Christi das Wort von dem Bau Seiner Kirche, der einen Kirche, und zwar auf Petrus dem Felsen Mt 16,18. Christus, die Kirche und der Primat stehen also miteinander in einem geheiligten Zusammenhang. Echte und legale Autorität ist überall ein Band der Einheit, eine Quelle der Kraft, eine Gewähr gegen Zerfall und Zersplitterung, eine Bürgschaft der Zukunft; im höchsten und hehrsten Sinne da, wo, wie einzig bei der Kirche, solcher Autorität die Gnadenführung des Heiligen Geistes, Sein unüberwindlicher Beistand verheißen ist. Wenn Leute, die nicht einmal im Glauben an Christus einig sind, euch das Wunsch- und Lockbild einer deutschen Nationalkirche vorhalten, so wisset: sie ist nichts als eine Verneinung der einen Kirche Christi, ein offenkundiger Abfall von dem an die ganze Welt gerichteten Missionsbefehl, dem nur eine Weltkirche genügen und nachleben kann. Der geschichtliche Weg anderer Nationalkirchen, ihre geistige Erstarrung, ihre Umklammerung oder Knechtung durch irdische Gewalten zeigen die hoffnungslose Unfruchtbarkeit, der jeder vom lebendigen Weinstock der Kirche sich abtrennende Reb- zweig mit unentrinnbarer Sicherheit anheimfällt. Wer solchen Fehlentwicklungen daher gleich von den ersten An- fängen an sein wachsames und unerbittliches Nein entgegensetzt, dient nicht nur der Reinheit seines Christen- glaubens, sondern auch der Gesundheit und Lebenskraft seines Volkes.
   Ein besonders wachsames Auge, Ehrwürdige Brüder, werdet Ihr haben müssen, wenn religiöse Grundbegriffe ihres Wesensinhaltes beraubt und in einem profanen Sinne umgedeutet werden.
   Offenbarung im christlichen Sinne ist das Wort Gottes an die Menschen. Dieses gleiche Wort zu gebrauchen für die "Einflüsterungen" von Blut und Rasse, für die Ausstrahlungen der Geschichte eines Volkes ist in jedem Falle verwirrend. Solch falsche Münze verdient nicht, in den Sprachschatz eines gläubigen Christen überzugehen.
   Glauben ist das sichere Fürwahrhalten dessen, was Gott geoffenbart hat und durch die Kirche zu glauben vorstellt: "die feste Überzeugung vom Unsichtbaren" Hebr 11,1. Das freudige und stolze Vertrauen auf die Zukunft seines Volkes, das jedem teuer ist, bedeutet etwas ganz anderes als der Glaube im religiösen Sinne. Das eine gegen das andere auszuspielen, das eine durch das andere ersetzen wollen und daraufhin verlangen, von dem überzeugten Christen als "gläubig" anerkannt zu werden, ist ein leeres Spiel mit Worten oder bewusste Grenz- verwischung oder Schlimmeres.
   Unsterblichkeit im christlichen Sinne ist das Fortleben des Menschen nach seinem irdischen Tode als persönliches Einzelwesen – zum ewigen Lohn oder zur ewigen Strafe. Wer mit dem Worte Unsterblichkeit nichts anderes bezeichnen will als das kollektive Mitfortleben im Weiterbestand seines Volkes für eine unbestimmt lange Zukunft im Diesseits, der verkehrt und verfälscht eine der Grundwahrheiten des christlichen Glaubens, rührt an die Funda- mente jeder religiösen, eine sittliche Weltordnung fordernden Weltanschauung. Wenn er nicht Christ sein will, sollte er wenigstens darauf verzichten, den Wortschatz seines Unglaubens aus christlichem Begriffsgut zu berei- chern.
   Erbsünde ist die erbliche, wenn auch nicht persönliche Schuld der Nachkommen Adams, die in ihm gesündigt haben Rö 5,12, Verlust der Gnade und damit des ewigen Lebens, mit dem Hang zum Bösen, den jeder durch Gnade, Buße, Kampf, sittliches Streben zurückdrängen und überwinden muss. Das Leiden und Sterben des Gottessohnes hat die Welt vom Erbfluch der Sünde und des Todes erlöst. Der Glaube an diese Wahrheiten, denen heute in Eurem Vaterlande der billige Spott der Christusgegner gilt, gehört zum unveräußerlichen Bestand der christlichen Religion.
    Das Kreuz Christi, mag auch schon sein bloßer Name vielen eine Torheit und ein Ärgernis geworden sein 1. Kor 1,23, es bleibt den Christen das geheiligte Zeichen der Erlösung, die Standarte sittlicher Größe und Kraft. In seinem Schatten leben wir. In seinem Kusse sterben wir. Auf unserem Grabe soll es stehen als Künder unseres Glaubens, als Zeuge unserer dem ewigen Licht zugewandten Hoffnung.
   Demut im Geiste des Evangeliums und Gebet um Gottes Gnadenhilfe sind mit Selbstachtung, Selbstvertrauen und heldischem Sinn wohl vereinbar. Die Kirche Christi, die zu allen Zeiten bis in die jüngste Gegenwart hinein mehr Bekenner und freiwillige Blutzeugen zählt, als irgendwelche andere Gesinnungsgemeinschaft, hat nicht nötig, von solcher Seite Belehrungen über Heldengesinnung und Heldenleistung entgegenzunehmen. In seinem seichten Gerede über christliche Demut als Selbstentwürdigung und unheldische Haltung spottet der widerliche Hochmut dieser Neuerer seiner selbst.
   Gnade im uneigentlichen Sinne mag alles genannt werden, was dem Geschöpf vom Schöpfer zukommt. Gnade im eigentlichen und christlichen Sinne des Wortes umfasst jedoch die übernatürlichen Erweise göttlicher Liebe, die Huld und das Wirken Gottes, durch das Er den Menschen zu jener innersten Lebensgemeinschaft mit Sich erhebt, die das Neue Testament Gotteskindschaft nennt. "Seht, wie große Liebe uns der Vater erwiesen hat: wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es auch 1.Jo 3,1. Die Ablehnung dieser übernatürlichen Gnadenerhebung aus angeb- lich deutscher Wesensart heraus ist Irrtum, eine offene Kampfansage an eine Kernwahrheit des Christentums. Die Gleichsetzung der übernatürlichen Gnade mit den Gaben der Natur ist Eingriff in den durch die Religion geschaffe- nen und geweihten Wortschatz. Die Hirten und Hüter des Volkes Gottes werden gut daran tun, diesem Raub am Heiligtum und dieser Arbeit an der Verwirrung der Geister mit Wachsamkeit entgegenzutreten.
  Auf dem wahren und rein bewahrten Gottesglauben ruht die Sittlichkeit der Menschheit. Alle Versuche, die Sitten- lehre und sittliche Ordnung vom Felsenboden des Glaubens loszulösen und auf dem wehenden Flugsand mensch- licher Normen aufzubauen, führen früher oder später Einzelne und Gemeinschaften in moralischen Niedergang. Der Tor, der in seinem Herzen spricht, es gibt keinen Gott, wird Wege der sittlichen Verdorbenheit wandeln Ps 13,1. Die Zahl solcher Toren, die heute sich unterfangen, Sittlichkeit und Religion zu trennen, ist Legion geworden. Sie sehen nicht oder wollen nicht sehen, dass mit der Verbannung des bekenntnismäßigen, d.h. klar und bestimmt gefassten Christentums aus Unterricht und Erziehung, aus der Mitgestaltung des gesellschaftlichen und öffent- lichen Lebens Wege der geistigen Verarmung und des Niederganges beschritten werden. Keine Zwangsgewalt des Staates, keine rein irdischen, wenn auch in sich hohen und edlen Ideale, werden auf die Dauer imstande sein, die aus dem Gottes- und dem Christusglauben kommenden letzten und entscheidenden Antriebe zu ersetzen. Nimmt man dem zu höchsten Opfern, zur Hingabe des kleinen Ich an das Gemeinwohl Aufgerufenen den sittlichen Rückhalt aus dem Ewigen und Göttlichen, aus dem aufrichtigen und tröstenden Glauben an den Vergelter alles Gu- ten und Ahnder alles Bösen – dann wird für Ungezählte das Endergebnis nicht sein die Bejahung der Pflicht, son- dern die Flucht vor ihr. Die gewissenhafte Beobachtung der 10 Gebote Gottes und der Kirchengebote, welch letztere nichts anderes sind als Ausführungsbestimmungen zu den Normen des Evangeliums, ist für jeden Einzel- menschen eine unvergleichliche Schule planvoller Selbstzucht, sittlicher Ertüchtigung und Charakterformung. Eine Schule, die viel verlangt, aber nicht zu viel. Der gütige Gott, Der als Gesetzgeber spricht: "Du sollst!", gibt in Seiner Gnade auch das Können und Vollbringen. Sittlichkeitsbildende Kräfte von so starker Tiefenwirkung ungenützt lassen oder ihnen den Weg in die Bezirke der Volkserziehung zu versperren, ist unverantwortliche Mitwirkung an der religiösen Unterernährung der Volksgemeinschaft. Die Auslieferung der Sittenlehre an eine subjektive, mit den Zeitströmungen wechselnde Menschenmeinung, statt ihrer Verankerung im heiligen Willen des ewigen Gottes, in Seinen Geboten, öffnet zersetzenden Kräften Tür und Tor. Die hiermit eingeleitete Preisgabe der ewigen Richt- linien einer objektiven Sittenlehre zur Schulung der Gewissen, zur Veredelung aller Lebensbereiche und Lebensordnungen ist eine Sünde an der Zukunft des Volkes, deren bittere Früchte die kommenden Geschlechter werden kosten müssen.
   Im verhängnisvollen Zug der Zeit liegt es, wie die Sittenlehre, so auch die Grundlagen des Rechtslebens und der Rechtspflege vom wahren Gottesglauben und von den geoffenbarten Gottesgeboten mehr und mehr loszulösen. Wir denken hier besonders an das sogenannte Naturrecht, das vom Finger des Schöpfers selbst in die Tafeln des Menschenherzens geschrieben wurde Rö 2,14 und von der gesunden, durch Sünde und Leidenschaft nicht ver- blendeten Vernunft von diesen Tafeln abgelesen werden kann. An den Geboten dieses Naturrechts kann jedes positive Recht, von welchem Gesetzgeber es auch kommen mag, auf seinen sittlichen Gehalt, damit auf seine sitt- liche Befehlsmacht und Gewissensverpflichtung nachgeprüft werden. Menschliche Gesetze, die mit dem Naturrecht in unlösbarem Widerspruch stehen, kranken an einem Geburtsfehler, den kein Zwangsmittel, keine äußere Macht- entfaltung sanieren kann. Mit diesem Maßstab muss auch der Grundsatz: "Recht ist, was dem Volke nützt" gemessen werden, wenn man unterstellt, dass sittlich Unerlaubtes nie dem wahren Wohle des Volkes zu dienen vermag. Indes hat schon das alte Heidentum erkannt, dass der Satz, um völlig richtig zu sein, eigentlich umge- kehrt werden und lauten muss: "Nie ist etwas nützlich, wenn es nicht gleichzeitig sittlich gut ist. Und nicht weil nützlich, ist es sittlich gut, sondern weil sittlich gut, ist es auch nützlich". Cicero de officiis 3,30. Von dieser Sittenregel losgelöst würde jener Grundsatz im zwischenstaatlichen Leben den ewigen Kriegszustand zwischen den verschiedenen Nationen bedeuten. Im innerstaatlichen Leben verkennt er, Nützlichkeits- und Rechtserwä- gungen miteinander verquickend, die grundlegende Tatsache, dass der Mensch als Persönlichkeit gottgegebene Rechte besitzt, die jedem auf ihre Leugnung, Aufhebung oder Brachlegung abzielenden Eingriff von seiten der Gemeinschaft entzogen bleiben müssen. Die Missachtung dieser Wahrheit übersieht, dass das wahre Gemeinwohl letztlich bestimmt und erkannt wird aus der Natur des Menschen mit ihrem harmonischen Ausgleich zwischen persönlichem Recht und sozialer Bindung, sowie aus dem durch die gleiche Menschennatur bestimmten Zwecke der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft ist vom Schöpfer gewollt als Mittel zur vollen Entfaltung der individuellen und sozialen Anlagen, die der Einzelmensch gebend und nehmend, zu seinem und aller anderen Wohl auszuwerten hat. Auch jene umfassenderen und höheren Werte, die nicht vom Einzelnen, sondern nur von der Gemeinschaft verwirklicht werden können, sind vom Schöpfer letzten Endes des Menschen halber gewollt zu seiner natürlichen und übernatürlichen Entfaltung und Vollendung. Ein Abweichen von dieser Ordnung rüttelt an den Tragpfeilern, auf denen die Gemeinschaft ruht, und gefährdet damit Ruhe, Sicherheit, ja Bestand der Gemeinschaft selbst.
   Der gläubige Mensch hat ein unverlierbares Recht, seinen Glauben zu bekennen und in den ihm gemäßen For- men zu betätigen. Gesetze, die das Bekenntnis und die Betätigung dieses Glaubens unterdrücken oder erschwe- ren, stehen im Widerspruch zum Naturgesetz.
   Gewissenhafte, ihrer erzieherischen Pflichten bewusste Eltern haben ein erstes und ursprüngliches Recht, die Erziehung der ihnen von Gott geschenkten Kinder im Geiste des wahren Glaubens und in Übereinstimmung mit seinen Grundsätzen und Vorschriften zu bestimmen. Gesetze oder andere Maßnahmen, die diesen naturrechtlich gegebenen Elternwillen in Schulfragen ausschalten oder durch Drohung und Zwang unwirksam machen, stehen im Widerspruch zum Naturrecht und sind im tiefsten und letzten Kern unsittlich.
   Die Kirche, die berufene Hüterin und Auslegerin des göttlichen Naturrechtes, kann daher gar nicht anders, als die im Zustand notorischer Unfreiheit erfolgten Schuleinschreibungen der jüngsten Vergangenheit als ein Zwangs- produkt zu erklären, dem jeglicher Rechtscharakter abgeht.
   Als Stellvertreter Dessen, Der im Evangelium zu einem Jungmann gesprochen hat: "Willst du zum Leben ein- gehen, so halte die Gebote" Mt 19,17, richten Wir ein besonders väterliches Wort an die Jugend. Von tausend Zungen wird heute vor Euren Ohren ein Evangelium verkündet, das nicht vom Vater im Himmel geoffenbart ist. Tausend Federn schreiben im Dienst eines Scheinchristentums, das nicht das Christentum Christi ist. Drucker- presse und Radio überschütten Euch Tag für Tag mit Erzeugnissen glaubens- und kirchenfeindlichen Inhalts und greifen rücksichtslos und ehrfurchtslos an, was Euch hehr und heilig sein muss.
   Wir wissen, dass viele, viele von Euch um der Treue zum Glauben und zur Kirche, um der Zugehörigkeit zu kirch- lichen im Konkordat geschützten Vereinigungen willen düstere Zeiten der Verkennung, der Beargwöhnung, der Schmähung, der Verdächtigung Eurer vaterländischen Treue, vielfacher Schädigung im beruflichen und gesell- schaftlichen Leben ertragen mussten und müssen. Es ist Uns nicht unbekannt, wie mancher ungenannte Soldat Christi in Euren Reihen steht, der trauernden Herzens, aber erhobenen Hauptes sein Schicksal trägt und Trost findet allein in dem Gedanken, für den Namen Jesu Schmach zu leiden Apg. 5,41.
   Heute, wo neue Gefahren und neue Spannungen drohen, sagen Wir dieser Jugend: "Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkünden wollte, als jenes, das ihr empfangen habt" auf den Knien einer frommen Mutter, von den Lippen eines gläubigen Vaters, aus dem Unterricht eines seinem Gotte und seiner Kirche treuen Erziehers – "der sei ausgeschlossen!" Gal. 1,9. Wenn der Staat eine Staatsjugend gründet, die Pflichtorganisation für alle sein soll, dann ist es – unbeschadet der Rechte der kirchlichen Vereinigungen – selbstverständlicher und unveräu- ßerlicher Rechtsanspruch der Jungmannen selbst und ihrer für sie vor Gott verantwortlichen Eltern, zu fordern, dass diese Pflichtorganisation von all den Betätigungen christentums- und kirchenfeindlichen Geistes gesäubert werde, die bis in die jüngste Vergangenheit, ja bis in die Gegenwart hinein die gläubigen Eltern in unlösbare Gewissenskonflikte zwingen, da sie dem Staat nicht geben können, was im Namen des Staates verlangt wird, ohne Gott zu rauben, was Gottes ist.
   Niemand denkt daran, der Jugend Deutschlands Steine in den Weg zu legen, der sie zur Verwirklichung wahrer Volksgemeinschaft führen soll, zur Pflege edler Freiheitsliebe, zur unverbrüchlichen Treue gegen das Vaterland. Wogegen Wir uns wenden und Uns wenden müssen, ist der gewollte und planmäßig geschürte Gegensatz, den man zwischen diesen Erziehungszielen und den religiösen aufweist. Und darum rufen Wir dieser Jugend zu: singt Eure Freiheitslieder; aber vergesst über ihnen nicht die Freiheit der Kinder Gottes! Lasst den Adel dieser unersetz- baren Freiheit nicht hinschwinden in den Sklavenketten der Sünde und Sinnenlust! Wer das Lied der Treue zum irdischen Vaterland singt, darf nicht in Untreue an seinem Gott, an seiner Kirche, an seinem ewigen Vaterland zum Überläufer und Verräter werden. Man redet zu euch viel von heldischer Größe – in bewusstem und unwahren Gegensatz zur Demut und Geduld des Evangeliums. Warum verschweigt man euch, dass es auch ein Heldentum im sittlichen Kampf gibt? Dass die Bewahrung der Reinheit des Tauftages eine heldische Tat darstellt, die im religiö- sen und im natürlichen Bereich der verdienten Wertung sicher sein sollte? Man redet Euch viel vor von mensch- lichen Schwächen in der Geschichte der Kirche. Warum verschweigt man Euch die Großtaten, die ihren Weg durch die Jahrhunderte begleiteten; die Heiligen, die sie hervorbrachte; den Segen, der aus der lebendigen Verbindung zwischen dieser Kirche und Eurem Volk für die abendländische Kulturwelt floss?
   Man redet zu Euch viel von sportlichen Übungen. Mit Maß und Ziel betrieben, bedeutet die körperliche Ertüch- tigung eine Wohltat für die Jugend. Ihrem Betätigungsraum wird jetzt aber vielfach ein Umfang gegeben, der weder der harmonischen Gesamtausbildung von Körper und Geist, noch der gebührenden Pflege des Familien- lebens, noch dem Gebot der Sonntagsheiligung Rechnung trägt. Mit einer an Nichtachtung grenzenden Gleich- gültigkeit werden dem Tag des Herrn so seine Weihe und Sammlung genommen, wie sie bester deutscher Über- lieferung entsprechen. Wir erwarten vertrauensvoll von der gläubigen katholischen Jugend, dass sie in der schwierigen Umwelt der staatlichen Pflichtorganisationen ihr Recht auf christliche Sonntagsheiligung nachdrücklich geltend macht, daß sie über der Ertüchtigung des Leibes ihre unsterbliche Seele nicht vergisst, dass sie sich nicht vom Bösen überwinden lässt, vielmehr durch das Gute das Böse zu überwinden trachtet Röm 12,21;dass ihr höch- ster und heiligster Ehrgeiz der bleibt, in der Rennbahn des ewigem Lebens den Siegeskranz zu erringen1. Kor 9, 24f.
   Ein besonderes Wort der Anerkennung, der Aufmunterung, der Mahnung richten Wir an die Priester Deutsch- lands, denen in Unterordnung unter ihre Bischöfe in schwerer Zeit und unter harten Umständen die Aufgabe obliegt, der Herde Christi die rechten Wege zu weisen in Lehre und Beispiel, in täglicher Hingabe, in apostolischer Geduld. Werdet nicht müde, geliebte Söhne und Mitteilhaber an den heiligen Geheimnissen, dem ewigen Hohen- priester Jesus Christus in Seiner Samariterliebe und Samaritersorge zu folgen. Bewährt Euch Tag für Tag in makel- losem Wandel vor Gott, in unablässiger Selbstzucht und Selbstvervollkommnung, in erbarmender Liebe zu allen Euch Anvertrauten, insbesondere zu den Gefährdeten, Schwachen und Schwankenden; seid die Führer der Treu- en, die Stütze der Strauchelnden, die Lehrer der Zweifelnden, die Tröster der Trauernden, die uneigennützigen Helfer und Berater aller! Die Prüfungen und Leiden, durch die Euer Volk in der Nachkriegszeit hindurchgeschritten ist, sind nicht spurlos an seiner Seele vorübergegangen. Sie haben Spannungen und Bitterkeit hinterlassen, die erst langsam ausheilen können, deren echte Überwindung nur möglich sein wird im Geiste uneigennütziger und tätiger Liebe. Diese Liebe, die das unentbehrliche Rüstzeug des Apostels ist, zumal in der aufgewühlten und hass- verzehrten Welt, wünschen und erflehen wir Euch vom Herrn in überreichem Maße. Diese apostolische Liebe wird Euch viel unverdiente Bitterkeiten, wenn nicht vergessen, so doch verzeihen lassen, die auf Euren Priester- und Seelsorgspfaden heute zahlreicher sind als je zuvor. Diese verstehende und erbarmende Liebe zu den Irrenden, ja selbst zu den Schmähenden bedeutet allerdings nicht und kann nicht bedeuten irgendwelchen Verzicht auf die Verkündigung, die Geltendmachung, die mutige Verteidigung der Wahrheit und ihrer freimütigen Anwendung auf die Euch umgebende Wirklichkeit. Die erste, die selbstverständlichste Liebesgabe des Priesters an seine Umwelt ist der Dienst an der Wahrheit und zwar der ganzen Wahrheit, die Entlarvung und Widerlegung des Irrtums, gleich in welcher Form, in welcher Verkleidung, in welcher Schminke er einherschreiten mag. Der Verzicht hierauf wäre nicht nur ein Verrat an Gott und Eurem heiligen Beruf, er wäre auch eine Sünde an der wahren Wohlfahrt Eures Volkes und Vaterlandes. All denen, die ihren Bischöfen die bei der Weihe versprochene Treue gehalten; all denen, die wegen Ausübung ihrer Hirtenpflicht Leid und Verfolgung tragen mussten und müssen, folgt – für manche bis in die Kerkerzelle und das Konzentrationslager hinein – der Dank und die Anerkennung des Vaters der Christenheit.
   Den katholischen Ordensleuten beiderlei Geschlechts gilt ebenfalls Unser väterlicher Dank, verbunden mit inniger Anteilnahme an dem Geschick, das infolge ordensfeindlicher Maßnahmen viele von ihnen aus segensreicher und liebgewordener Berufsarbeit herausgerissen hat. Wenn einzelne gefehlt und sich ihres Berufes unwürdig erwiesen haben, so, mindern ihre auch von der Kirche geahndeten Vergehen nicht die Verdienste der gewaltigen Überzahl, die in Uneigennützigkeit und freiwilliger Armut bemüht waren, ihrem Gott und ihrem Volk mit Hingabe zu dienen. Der Eifer, die Treue, das Tugendstreben, die tätige Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft der in Seelsorge, Kranken- dienst und Schule wirkenden Orden sind und bleiben ein ruhmwürdiger Beitrag zur privaten und öffentlichen Wohlfahrt, denen zweifellos eine spätere, ruhigere Zeit mehr Gerechtigkeit wird widerfahren lassen als die auf- gewühlte Gegenwart. Wir haben das Vertrauen zu den Leitern der Ordensgenossenschaften, dass sie die Schwierigkeiten und Prüfungen zum Anlass nehmen, um durch verdoppelten Eifer, vertieftes Gebetsleben, heiligen Berufsernst und echt klösterliche Zucht von dem Allmächtigen neuen Segen und neue Fruchtbarkeit auf ihre schwere Arbeit herabzurufen.
   Vor Unserem Auge steht die unübersehbare große Schar treuer Söhne und Töchter, denen das Leid der Kirche in Deutschland und ihr eigenes Leid nichts geraubt hat von ihrer Hingabe an die Sache Gottes, nichts von ihrer zärtlichen Liebe gegen den Vater der Christenheit, nichts von ihrem Gehorsam gegen Bischöfe und Priester, nichts von ihrer freudigen Bereitschaft, auch in Zukunft – komme, was da wolle – dem treu zu bleiben, was sie geglaubt und von ihren Voreltern als heiliges Erbe erworben haben. Ihnen allen senden wir aus gerührtem Herzen Unseren Vatergruß.
   Allen voran den Mitgliedern der kirchlichen Verbände, die tapfer und um den Preis vielfach schmerzlicher Opfer Christus die Treue hielten und sich nicht bereit fanden die Rechte preis zu geben, die ein feierliches Abkommen der Kirche ihnen nach Treu und Glauben gewährleistet hatte.
   Ein besonders inniger Gruß ergeht an die katholischen Eltern; ihre gottgegebenen Erzieherrechte und Erzieher- pflichten stehen gerade im gegenwärtigen Augenblick im Mittelpunkt eines Kampfes, wie er schicksalsvoller kaum gedacht werden kann. Die Kirche Christi kann nicht erst anfangen zu trauern und zu klagen, wenn die Altäre ver- wüstet werden, wenn sakrilegische Hände die Gotteshäuser in Rauch und Flammen aufgehen lassen. Wenn man versucht, den Tabernakel der durch die Taufe geweihten Kinderseele durch eine christusfeindliche Erziehung zu entweihen; wenn man aus diesen lebendigen Tempeln Gottes die ewige Lampe des Christusglaubens heraus- gerissen und an ihrer statt das Irrlicht eines Ersatzglaubens gesetzt hat, der mit dem Glauben des Kreuzes nichts mehr zu tun hat – dann ist die geistige Tempelschändung nahe, dann wird es für jeden bekennenden Christen Pflicht, seine Verantwortung von der der Gegenseite klar zu scheiden, sein Gewissen von jeder schuldhaften Mitwirkung zu solchem Verhängnis und Verderbnis freizuhalten. Und je mehr die Gegner sich bemühen, ihre dunklen Absichten abzuleugnen und zu beschönigen, umso mehr ist wachsames Misstrauen am Platze und misstrauische und durch bittere Erfahrung aufgerüttelte Wachsamkeit. Die formelle Aufrechthaltung eines, zudem von Unberufenen kontrollierten und behinderten Religionsunterrichtes im Rahmen einer Schule, die in anderen Gesinnungsfächern planmäßig und gehässig derselben Religion entgegenarbeitet, kann niemals einen Rechtferti- gungsgrund abgeben, um einer solchen religiös zersetzenden Schulart die freiwillige Billigung eines gläubigen Christen einzutragen. Wir wissen, geliebte katholische Christen, dass von einer solchen Freiwilligkeit bei Euch nicht die Rede sein kann. Wir wissen, dass eine freie und geheime Abstimmung unter Euch gleichbedeutend wäre mit einem überwältigenden Plebiszit für die Bekenntnisschule. Und deshalb werden wir auch in Zukunft nicht müde werden, den verantwortlichen Stellen die Rechtswidrigkeit der bisherigen Zwangsmaßnahmen, die Pflichtmäßigkeit der Zulassung einer freien Willensbildung freimütig vorzuhalten. Inzwischen vergesst eines nicht: von dem gottgewollten Band der Verantwortung, das Euch mit Euren Kindern verknüpft, kann keine irdische Gewalt Euch lösen. Niemand von denen, die Euch heute in Euren Erzieherrechten bedrängen und Euch von Euren Erzieher- pflichten abzulösen vorgeben, wird an Eurer Statt dem ewigen Richter antworten können, wenn Er an Euch die Frage richtet: Wo sind die, die ich dir gegeben? – Möge jeder von Euch antworten können: "Keinen von denen, die Du mir gegeben hast, habe ich verloren" Jo 18,9.
  Ehrwürdige Brüder! Wir sind gewiß, daß die Worte, die Wir in entscheidungsvoller Stunde an Euch und durch Euch an die Katholiken des Deutschen Reiches richten, in den Herzen und in den Taten Unserer treuen Kinder das Echo finden werden, dass der liebenden Sorge des gemeinsamen Vaters entspricht. Wenn Wir etwas mit besonderer Inbrunst vom Herrn erflehen, dann ist es dies: dass Unsere Worte auch das Ohr und das Herz solcher erreichen und zum Nachdenken stimmen, die bereits begonnen haben, sich von den Lockungen und Drohungen derer einfangen zu lassen, die gegen Christus und Sein heiliges Evangelium stehen.
   Jedes Wort dieses Sendschreibens haben Wir abgewogen auf der Waage der Wahrheit und zugleich der Liebe. Weder wollten Wir durch unzeitgemäßes Schweigen mitschuldig werden an der mangelnden Aufklärung, noch durch unnötige Strenge an der Herzensverhärtung irgendeines von denen, die Unserer Hirtenverantwortung unterstehen und denen Unsere Hirtenliebe deshalb nicht weniger gilt, weil sie zur Zeit Wege des Irrtums und des Fremdseins wandeln. Mögen manche von ihnen sich den Gepflogenheiten ihrer neuen Umgebung anpassen, für das verlassene Vaterhaus und den Vater selbst nur Worte der Untreue, des Undanks oder gar der Unbill haben, mögen sie vergessen, was sie hinter sich geworfen haben – der Tag wird kommen, wo das Grauen der Gottes- ferne und der seelischen Verwahrlosung über diesen heute verlorenen Söhnen zusammenschlägt; wo das Heim- weh sie zurücktreiben wird zu dem "Gott, Der ihre Jugend erfreute", und zu der Kirche, deren Mutterhand sie den Weg zum himmlischen Vater gelehrt hat. Diese Stunde zu beschleunigen, ist der Gegenstand Unserer unauf- hörlichen Gebete.
   So wie andere Zeiten der Kirche wird auch diese der Vorbote neuen Aufstiegs und innerer Läuterung sein, wenn der Bekennerwille und die Leidensbereitschaft der Getreuen Christi groß genug sind, um der physischen Gewalt der Kirchenbedränger die Unbedingtheit eines innigen Glaubens, die Unverwüstlichkeit einer ewigkeitssicheren Hoffnung, die bezwingende Allgewalt einer tatstarken Liebe entgegenzustellen. Die heilige Fasten- und Osterzeit, die Verinnerlichung durch Buße predigt und des Christen Blick mehr noch als sonst auf das Kreuz, zugleich aber auch auf die Herrlichkeit des Auferstandenen richtet, sei für alle und jeden von euch freudig begrüßter und eifrig genutzter Anlass, Sinn und Seele mit dem Helden-, dem Dulder-, dem Siegergeist zu erfüllen, der vom Kreuze Christi ausstrahlt. Dann – des sind Wir gewiss – werden die Feinde der Kirche, die ihre Stunde gekommen wäh- nen, bald erkennen, dass sie zu früh gejubelt und zu voreilig nach der Grabschaufel gegriffen haben. Dann wird der Tag kommen, wo an Stelle verfrühter Siegeslieder der Christusfeinde aus dem Herzen und von den Lippen der Christustreuen das Te Deum der Befreiung zum Himmel steigen darf; ein Te Deum des Dankes an den Aller- höchsten; ein Te Deum der Freude darüber, daß das deutsche Volk auch in seinen heute irrenden Gliedern den Weg religiöser Heimkehr beschritten hat, daß es in leidgeläutertem Glauben sein Knie wieder beugt vor dem König der Zeit und Ewigkeit Jesus Christus; und daß es sich anschickt, im Kampf gegen die Verneiner und Vernichter des christlichen Abendlandes in Harmonie mit allen Gutgesinnten anderer Völker den Beruf zu erfüllen, den die Pläne des Ewigen ihm zuweisen.
   Er, der Herz und Nieren durchforscht Ps. 7,10, ist Unser Zeuge, dass Wir keinen innigeren Wunsch haben als die Wiederherstellung eines wahren Friedens zwischen Staat und Kirche in Deutschland. Wenn aber – ohne unsere Schuld – nicht Friede sein soll, dann wird die Kirche Gottes ihre Rechte und Freiheiten verteidigen im Namen des Allmächtigen, Dessen Arm auch heute nicht verkürzt ist. Im Vertrauen auf Ihn "hören wir nicht auf zu beten und zu rufen" Kol 1,9 für Euch, die Kinder der Kirche, daß die Tage der Trübsal abgekürzt und Ihr treu erfunden werdet am Tage der Prüfung, und auch für die Verfolger und Bedränger: der Vater alles Lichtes und aller Erbarmung möge ihnen eine Damaskusstunde der Erkenntnis schenken, für sich und alle die vielen, die mit ihnen geirrt haben und irren.
   Mit diesem Flehgebet im Herzen und auf den Lippen erteilen wir als Unterpfand göttlicher Hilfe, als Beistand in Euren schweren und verantwortungsvollen Entschließungen, als Stärkung im Kampf, als Trost im Leid, Euch, den bischöflichen Hirten Eures treuen Volkes, den Priestern und Ordensleuten, den Laienaposteln der katholischen Aktion und allen, allen Euren Diözesanen – nicht zuletzt den Kranken und Gefangenen – in väterlicher Liebe den apostolischen Segen.
Gegeben im Vatikan, am Passionssonntag, den 14. März 1937. pp-PiusXI--

The “Catholic Times” berichtet über Kardinal von Galen in der Ausgabe vom 31. Juli 2015

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    The tapestry of German bishop Clemens August von Galen is unveiled during his beatification ceremony celebrated by Portuguese Cardinal Jose Saraiva Martins, in St Peter’s Basilica at the Vatican, in October 2005. Von Galen, was known as the ‘Lion of Münster’ for his homilies in which he condemmed anti-Semitism and other policies of Hitler’s Nazi regime. 

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  This year, as we mark the 70th anniversary of the end of the Second World War, we might note the significance of one of the great German figures to emerge in that era - the 'Lion of Münster', Bishop - now Blessed - Count Clemens von Galen.
 I first became interested in the story of Bishop von Galen back in the 1980s when I was living in Ger­many as an Army wife in what was then the British sector of Berlin. It was impossible not to be reminded of the events of World War II: the Berlin Wall still stood as a scar across the city, a daily reminder of the re­ality of the divided Europe that had emerged after 1945.
Of course I knew about the horrors of the Nazis: the con­centration camps, the Holocaust, the ghastly treatment meted out to Poland and other subject na­tions. I knew less - indeed very little - of the German opposition to the Nazis.
   Bishopvon Galen came from a noble family with a rich Catholic heritage. He was a pa­triot, and his family had for gen­erations played a major role in the life of Germany. Born in 1878, he spent his childhood in the family castle - he was the eleventh of 13 children - in a regime that included daily Mass, an austere lifestyle with few modern amenities, much outdoor activity and a strong sense of affection and mutual loyalty. He was educated at a Jesuit school in Austria with high academic standards - Latin was the every­day language for all students - and later attended the Catholic University of Freiburg, and then trained for the priesthood at Innsbruck.
Appointed to a working-class parish in Berlin, he became pop­ular for his care for the poor, working with schools and youth groups. The First World War brought his strong sense of pa­triotism to the fore, and he visited front-line troops and saw Ger­many as having a civilising mis­sion in Europe. The defeat in 1918 brought massive social unrest, and in the uncertain years that followed, he remained a con­vinced monarchist and old-fashioned conservative, distrustful of the Weimar Republic. He con­tinued to hold these deep-rooted beliefs as he laboured in Berlin - running soup-kitchens and charitable projects during the years of hardship in the 1920s - and when he was appointed as Bishop of Munster in 1933.
When the Nazis took power, he remained wary - his whole world-view was such as to regard any such movement as crude, modern, godless and lacking in authentic Christian roots. He opposed the Nazi ideology of race, its attempts to revive pre-Christian pagan cults, and the seizing of Church property. He denounced attempts to impose anti-Jewish materials in school textbooks, and fought for the right to continue having cruci­fixes in classrooms. With other German bishops, he helped to draft the papal letter vigilante cura “Mit brennender Sorge” opposing Nazism.
   It was during the Second World War, when Allied bombers were attacking German cities, and any opposition to the Nazi regime was seen at traitorous, that he became nationally famous, speak­ing out against the Nazi eu­thanasia programme in which mentally and physically handi­capped people were being killed. His thunderous sermons de­nounced the killings, in words that were reprinted by under­ground groups and spread in newsletters aroundGermany.Because of his position, the centuries-old tradition of public serv­ice of his family, and his reputa­tion as a patriot, the Nazis did not dare arrest him forfear of amassive uprising.
   The Allies regarded him as a hero and spoke of him as the 'Lion of Münster'. His sermons against euthanasia spoke pas­sionately about the right to life of every person, however sick or aged, and he gave details of eu­thanasia programmes which had been kept secret. He also de­nounced the brutality of the Gestapo, and the cruelty of the concentration camps. Copies of the sermons found their way to German soldiers serving at the front, and into towns and in cities across the country. The 'White Rose' group in Munich, led by Hans and Sophie Scholl, distrib­uted them among university stu­dents and other young people.
   After Germany's defeat British and American authorities met the bishop, and found him to be a strong defender of the ordinary German people, many of whom were by then starving He repeated requests for protection for the thousands of German girls who were being raped, and for the families of prisoners desperate for news of their husbands and sons.
   In 1946 he was made a cardinal, and with difficulty - any travel for Germans at that time - was severely restricted - was fi­nally able to travel to Rome for the ceremony. He was given a hero's welcome, met the Pope and was also able to make visits to prisoner-of-war camps where he gathered hundreds of messages for families back in Ger­many. But by this stage he was gravely ill, and after a joyful re­ception on return to Munster - people gathered in the streets, - and decorated their ruined houses and public buildings with whatever garlands and bunting they could find - he was taken to hospital where he died.
   He was buried in his ruined cathedral and his tomb soon became a place of veneration. As the years went by, and Germany was rebuilt, his reputation grew as scholars and historians recognised the depth and heroism of the opposition to the Nazis. His personal sacrifices – especially of food, when he routinely fasted in order to ensure that anything available went to others - were also noted. Above all, his tragic position as a traditional patriot passionately concerned that Ger­many should be a nation honoured for its culture and achievements, who had to endure the knowledge of what the Nazis were doing, make him a poignant figure.
    Today, when euthanasia has become fashionable again and when paganism is seen as excit­ing and Christianity hidebound and dull, the voice of this great German bishop echoes across the decades. The idea that Ger­many's leading ant-Nazi voice was that of a staunchly patriotic old-fashioned aristocrat is some­thing that challenges today's thinking. The story of Blessed Clemens, Count von Galen, is worth discovering, and sharing with new generations.  Catholic Times, 150731 Johanna Bogle

Kardinal Clemens August von Galen card.v.Galen-127-zx “nec laudibus nec timore”

                                  kbwn:Kardinal von Galen

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