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Freiheit für einen Mörder in Rawalpindi 
Wut – Anhänger verschiedener religiöser Gruppen schwingen Fahnen zur Unterstützung für Malik Mumtaz Hussain Qadri vor seinem Wohnsitz in Rawalpindi, Pakistan. Qadri wurde verhaftet, weil er den Gouverneur der Punjab-Provinz in Pakistan Salman Taseer ermordet hatte, der sich gegen das nationale Blasphemie- Gesetz gestellt hatte. In seiner Neujahrsansprache an die im Vatikan akkreditierten Diplomaten hatte Papst Benedikt XVI. die Aufhebung der pakistanischen Blasphemie-Gesetze gefordert. > Menschenrechte Keine Hoffnung auf Aufhebung der Blasphemie-Gesetze Sprecher der katholischen Kirche in Pakistan zeigten sich enttäuscht über Premierminister Yousuf Raza Gilani, der erneut jede Änderung der nationalen Blasphemie-Gesetze ablehnte. Nach diesem Gesetz wird Beleidigung des Propheten Muhammed oder des Korans mit lebenslänglichem Gefängnis oder dem Tod bestraft. „Das ist ein Rückschritt auf unserem Weg – aber wir müssen weitermachen“, sagt Erzbischof Lawrence Saldanha von Lahore, Präsident der pakistanischen Bischofskonferenz. „Wir sind wirklich enttäuscht“, meint Peter Jacob, Sprecher der katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Lahore. Eine solche Erklärung zu diesem sensiblen Thema ist typisch für die politische Lage der Regierung. Die Pakistanische Volkspartei, die größte Partei in der Koalitionsregierung Gilani hat nur 125 Sitze unter 342 Mitgliedern der Nationalversammlung und ist abhängig von der Unterstützung pro-islamischer Parteien und unabhängiger Abgeordneten zum Überleben der Regierung. Beena Sarwar, Muslim und prominentes Mitglied der „Bürger für Demokratie“, die gegen den Missbrauch der Blasphemie-Gesetze kämpfen, hält die Bemer- kung des Premierministers, dass eine Gesetzesänderung ausgeschlossen sei, daher für einen „politischen Schachzug“. Die Lage soll entschärft werden, zumal die Rechtsextremisten durch Demonstrationen einen starken Druck auf die Regierung ausüben, meint Beena Sarwar. Aber „eine Beschwichtigung der Hardliner auf dem rechten Flügel, den Kampf zu beenden, werden langfristig keinen Erfolg haben“. Im Gespräch mit Journalisten drängt Gilani diese aus Verantwortung den Streit um die Blasphemie-Gesetzte zu beenden. Der Premierminister reagierte auch auf die Forderung in der Neujahrsansprache des Papstes an das diplomatische Corps, die Blasphemiegesetze zurückzunehmen, weil sie „als Vorlage für Akte des Unrechts und der Gewalt gegen religiöse Minderheiten dienen“. Gilani: „Das ist unser Gesetz, und wir werden danach handeln.“ Der Papst erwähnte in seiner Ansprache an die Ermordung des Gouverneurs von Punjab Salman Taseer durch einen Leibwächter, weil er die Blasphemiegesetzte kritisiert hatte und weil er sich für Frau Asia Bibi eingesetzt hatte, eine Christin, die nach dem Blasphemiegesetz Anfang November zum Tode verurteilt wurde. Erzbischof Saldanha ist nicht überrascht vom Protest einiger islamistischen Gruppen gegen die Forderung des Papstes. „Einige Gruppen ziehen Vorteile aus dieser Situation.“ Von 184 Millionen Bewohner Pakistans sind 97 Prozent Muslime. CT110123AntoAkkara

Ein Olivenzweig als Zeichen des Protests: Anfang März demonstrierte ein Bischof im irakischen Basra gegen Gewalt. Zuvor starben mehrer Christen nach einer Mordserie im Norden des Landes

Handgranaten in die volle Skristei. Der Anschlag von Bagdad galt dem wichtigsten Gotteshaus der syrisch-katholischen Kirche. Nach der Ermordung von 52 Gemeindemitgliedern wird ein Exodus erwartet. Foto: Trauernde Christen in Bagdad: Der Sarg eines Opfers wird vor der Kirche auf einem Autodach befestigt
Die Angreifer hatten sich den Ort und den Zeitpunkt gut ausgesucht. Bis zum Sonntag war die syrisch- katholische Bischofskirche eines der beliebtesten Gotteshäuser der schwindenden christlichen Gemein- den Bagdads gewesen. Als sie um fünf Uhr nachmittags kamen, waren alle Büros des Viertels ge- schlossen und die Abendmesse hatte gerade begonnen. Über der Kirche kündet ein in einen Kreis eingefasstes Kreuz weithin sichtbar vom Gotteshaus. Wie jeden Sonntag um diese Zeit hatten sich mehr als hundert Gläubige eingefunden, wenn die jungen Priester Thaer und Wasseem die Liturgie feierten. Wasseem stand am Altar, als alle von draußen Schüsse hörten. Da hatten die Terroristen die Wachen der Bagdader Börse niedergeschossen, die gegenüber dem Kirchenportals hinter Stacheldraht den Ein- gang in das eher unscheinbare Gebäude sichern sollten. In der Börse befand sich seit zwei Uhr niemand mehr - der Angriff galt ohnehin der Kirche. Das ahnte Abuna („Vater") Wasseem indes noch nicht, und so bat er - der Gottesdienst hatte eine Viertelstunde zuvor begonnen -, mit dem Gebet fortzufahren. Dann war eine Explosion zu hören. Die Terroristen hatten das schwere Tor, das auf den Innenhof der Kirche führte, weggebombt und die Sicherheitsleute erschossen. Sie stürmten an der Grotte mit der Jungfrau Maria vorbei, vor der sonst nach Schulschluss die Schüler, die auf dem Kirchengelände die Schule besuchen, jeden Tag kurz innehalten und dann nach draußen in den freien Nachmittag rennen. Die Explosion war noch nicht verhallt, da suchten mehr als 50 der Gottesdienstbesucher Schutz in der Sakristei und verrammelten die Tür mit einem Schrank. Die mutmaßlich sieben Terroristen stürmten die Kirche und der schmächtige Vater Wasseem stellte sich ihnen. Er bat sie, niemanden zu töten, sie sollten sich seiner annehmen. Sie ließen ihn sich auf den Boden setzen, dann erschoss ihn einer mit einer Pistole. Zu der Zeit hatte die andere Hälfte der Gottes- dienstbesucher in der großen Kathedrale so gut es ging Deckung gesucht. Pter Thaer, wenig älter als Wasseem und von eindrucksvoller Gestalt, stand weiter am Altar. Nun töteten sie ihn. Beide, Wasseem und Thaer, standen in der Gemeinde als mutig und unerschrocken in hohem Ansehen. Sie waren Vor- bilder. Vater Thaer hatte am Heiligen Abend vergangenen Jahres der FAz noch gesagt: „Als Christen in der Nachfolge Christi haben wir immer Hoffnung, und diese Hoffnung geben wir unseren Kindern weiter. Hätten wir keine Hoffnung mehr, wie sollten sie die Kinder haben?" Einer der Terroristen telefonierte nun mit dem Fernsehsender „Baghdadiya TV". In klassischem Hocharabisch, mit dem er offenbar verbergen wollte, dass er kein Iraker ist, forderte er die Freilassung von allen gefangenen Mitgliedern des Terrornetzes Al Qaida im Irak und in Ägypten. Noch am selben Abend bezichtigte sich der „Islamische Staat Irak", der zu Al Qaida gehört, des Blutbads in der Kirche. Eine zornige Gruppe von Mudschahedin habe eine dreckige Höhle der Götzenanbeter gestürmt, die von irakischen Christen als Stützpunkt ihres Kampfes gegen den Islam genutzt werde, hieß es auf einer islamistischen Website. Dort war auch die Rede davon, zwei angeblich muslimische Frauen würden in koptischen Klöstern gefangengehalten. Die beide seien Frauen koptischer Geistlicher, seien aber zum Islam konvertiert, behaupten die Dschiha- disten. Auf einer anderen Website wurden ihre Namen mit Camelia Shehata und Wafa Constantine angegeben. Die Terroristen hatten die Gottesdienstbesucher unter Kontrolle, als Nachbarn die Bereitschaftspolizei des Stadtteils Karrada alarmierten. Diese rief umgehend die Antiterroreinheiten der irakischen Armee herbei. In der Luft kreiste eine amerikanische Drohne, die Einblicke in das weitläufige Gelände um die Kirche zuließ. Bevor die Soldaten die Kirche stürmten, waren die Terroristen auf die bisher unbemerkte Sakristei aufmerksam geworden - eine Frau hatte zu schluchzen und zu weinen begonnen. Einer der Terroristen warf darauf drei Handgranaten in den Raum. Dann stürmten die Antiterroreinheiten die Kirche. Einige Terroristen zündeten nun ihre Sprengstoffgürtel. Als alle sieben Terroristen getötet waren, lagen neben den Wächtern und einigen Soldaten auch viele Gottesdienstbesucher tot auf dem Boden. 52 Menschen waren getötet und mehr als 60 verwundetet worden.Im Nachhinein war es den Zeugen nicht mehr mög- lich zu rekonstruieren, wie viele durch eine kaltblütige Hinrichtung getötet wurden, wie viele durch Schusswechsel und wie viele durch die von den Selbstmordattentätern ausgelösten Detonationen. Die Kirche war schon einmal Ziel eines Anschlags - 2004, zu Beginn des irakischen Bürgerkriegs. Während des Bürgerkriegs aber gingen vor allem Sunniten und Schiiten gegeneinander vor. Die Angriffe auf die Christen und ihre Kirchen begannen erst wieder nach dem Ende des Bürgerkriegs. Anschläge wie dieser läuten nun das Ende des Christentums im Irak ein. Der Bischof der chaldäischen Kirche Schlimon Warduni konnte es nicht fassen: „Nicht einmal Tiere tun so etwas." Und Pius Kascha, der Generalvikar der syrisch-katholischen Kirche,deren wichtigster Kirche der Anschlag am Sonntagabend gegolten hatte, sagte ratlos: „Nun ist es klar, dass sie alle von hier gehen werden." Sie, die Christen, von denen in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits mehr als 600.000 den Irak verlassen haben.FAZ101102RainHermann
Eine Woche nach der Synode – das böse Erwachen Erst vor einer Woche beschwor im Vatikan die Nahost-Sondersynode von Bischöfen den Überlebens- willen der Christen im Nahen Osten – jetzt kommt das böse Erwachen. Nach dem Geiseldrama in der sy- risch-katholischen Kirche in Bagdad steht das Christentum im Irak womöglich vor dem endgültigen Aus. Das Attentat kostete 58 Menschen das Leben; unter ihnen sind zehn Frauen und acht Kinder. Die zwei hingerichteten Priester Thair Saad und Wasim Boutros wurden am Dienstag in Bagdad bei- gesetzt. Das Requiem fand in einer chaldäischen Kirche statt – ganz in der Nähe des Gotteshauses, das von Bewaffneten während der Messe überfallen worden war. Einer der Bischöfe, die die Totenmesse feierten, war der syrisch-katholische Erzbischof Basile Georges Casmoussa von Mossul. „Für unsere christliche Gemeinschaft ist das eine wahre Katastrophe – in menschlicher und in religiöser Hinsicht. Das löst Panik aus. Wir versuchen ja wirklich alles, um Dialog und Zusammenarbeit in Gang zu bringen; aber wenn wir dann sehen, dass – vor allem von den Behörden – keine adäquate Antwort kommen, dann fühlen wir uns vollkommen schutzlos. Jetzt muss die UNO handeln, um diese kleine Gemeinschaft zu retten!“ Von den irakischen Politikern scheint Erzbischof Casmoussa nicht mehr viel zu erwarten: Sie haben ja auch fast acht Monate nach den Parlamentswahlen immer noch keine Regierungsbildung hingekriegt. „Die denken nur an sich“, klagt der Oberhirte, „und das Volk bleibt sich selbst überlassen!“ „Zunächst mal müßte endlich eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Dann sollten sie die Kirchen und die christlichen Gemeinden schützen – mit Gesetzen und mit Polizeipräsenz, damit die Christen wieder Zutrauen zu ihrem Land und ihrer Zukunft schöpfen können. Schöne Worte und schöne Reden reichen nicht!“ Das internationale katholische Missionswerk „missio“ appelliert angesichts des Dramas von Bagdad erneut an die deutsche Regierung, Menschen, die im Irak wegen ihrer Religion verfolgt werden, unbüro- kratisch aufzunehmen. Der Überfall auf die syrisch-katholische Kirche zeige, „dass sich entgegen anders lautender Beteuerungen die Lage im Irak nicht stabilisiert hat“, sagt der missio-Menschenrechts- beauftragte Otmar Oehring bitter. missio setzt sich für die Aufnahme von bis zu 30.000 Flüchtlingen ein. 2.500 Flüchtlinge sind in Deutschland bislang tatsächlich aufgenommen worden. Frankreich bot als erste Reaktion auf den Anschlag 150 irakischen Christen Asyl an; darunter sind auch einige Gottesdienst- besucher, die beim Anschlag verletzt wurden. „Im Irak halten sich obskure Kräfte auf, die eine Befriedung des Landes verhindern wollen“, meint der chaldäische Auslandsbischof Philippe Najim. „Ich habe gehört, dass sehr viele Moslems in Bagdad Blut gespendet haben für die Opfer, die in der Kirche verletzt wurden; die Extremisten werden von den Moslems des Iraks selbst deutlich verurteilt.“ Die Attentäter vom Sonntag waren offenbar keine Iraker; die Bluttat trägt nach Analyse vieler Beobachter die Handschrift von al-Quaida. Die Terrorgruppe sieht das Christentum des Iraks (obwohl es dort schon seit 2000 Jahren einheimisch ist) als Handlager der verhaßten USA und des Westens. Peter Hünseler, deutscher Islamwissenschaftler und Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Doku- mentationsstelle CIBEDO in Frankfurt am Main: „Die Christen sind ein fester Bestandteil der irakischen Gesellschaft. Sie sind in aller Regel gut gebildet, jedenfalls die, die in Zentral-Irak leben. Von einigen kurdischen christlichen Gemeinden kann man das nicht ganz so sagen. Aber die Christen im Irak haben eigentlich eine gute und wichtige Funktion in der Mittelklasse der irakischen Gesellschaft gehabt. Sie sind Anwälte, sie sind Lehrer, sie sind Universitäts- lehrer und haben eigentlich eine große Bildung aufzuweisen. Und legen auch sehr viel Wert darauf. Wenn die jetzt das Ziel solcher Anschläge werden und es dann zu einem Exodus von Christen kommt, wird das die irakische Gesellschaft hart treffen.“ Christen sind eine der verfolgten religiösen Minderheiten im Irak: Seit 2003 sank ihre Zahl von über 800.000 bis unter 400.000. Rund 100.000 Christen haben sich in die Nachbarländer des Irak geflüchtet. Von den etwa 65 Kirchen und Klöstern in Bagdad haben etwa vierzig schon ein blutiges Attentat erlebt. RV101103sk
Rechtsanwältin Aneeqa Maria Akhtar
„Blasphemie-Vorwurf Waffe gegen religiöse Minderheiten” Die Rechtsanwältin Aneeqa Maria Akhtar verteidigt in Pakistan Christen
Pakistan hat mit Asif Ali Zardari einen neuen Präsidenten. Ob das an der prekären Lage der Christen im Land etwas ändert, hat Johannes Seibel von der Würzburger Tagespost die pakistanische christ- liche Rechtsanwältin Aneeqa Maria Akhtar gefragt. Die Menschenrechtsaktivistin bei CLAAS, einer Mit- gliedsorganisation der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), ist am Trinity Law College in Lahore tätig. Sie verteidigen Christen, die der Blasphemie angeklagt wurden, und Christen, die zur Konversion zum Islam gezwungen wurden. Wie groß sind diese Probleme in Pakistan? Das ist ein großes Problem, da von islamischen Fundamentalisten der Blasphemie-Vorwurf als Waffe gegen religiöse Minderheiten benutzt wird. Wenn eine Person der Blasphemie gegenüber dem Islam be- schuldigt wird, ist es sehr leicht, eine aufgebrachte Mehrheit in der Gesellschaft zu finden, die sogar vor einer Ermordung des Beschuldigten nicht zurückschrecken würde. Aber wir haben es in manchen Fällen schon erreicht, dass diejenigen, die den Blasphemie-Vorwurf erheben, ihn dann in einem Prozess belegen müssen. Dann kommen die Ankläger in Schwierigkeiten. Aber selbst wenn wir juristisch etwas erreichen, sind die Opfer der Vorwürfe sozial gebrandmarkt. Das hat oft gravierende materielle Folgen. Der Arbeitsplatz, eigenes Land, das eigene Geschäft, alles kann verloren gehen. Kann die Kirche in Pakistan helfen? Die Kirche kann für diese Opfer beten und moralisch die Menschenrechtsorganisationen unterstützen. Politisch aber haben sie in Pakistan keinen Einfluss. Wird sich für die Christen in Pakistan unter dem neuen Präsidenten etwas ändern? Man kann jetzt noch nicht abschätzen, ob der neue Präsident gut oder schlecht für die Christen in Pakistan ist. Sie helfen mit CLAAS den Opfern mit verschiedenen Projekten. Ein Beispiel? Wir kümmern uns um die vom Blasphemie-Vorwurf betroffenen Frauen und die, die zur Konversion zum Islam gezwungen wurden. Dazu kommen Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen, deren Leid von der Gesellschaft nicht anerkannt wird. Wir nehmen sie in einem von uns aufgebauten Haus für Frauen auf, das „Mein Haus” heißt. Wir helfen ihnen, ein neues Leben zu beginnen, eine neue Per- spektive zu finden. Warum konvertieren überhaupt Muslime zum Christentum in Pakistan? Da gibt es verschiedene Gründe. Wenn ein Muslim eine Christin heiratet, konvertiert er. Aber das ist eher die Ausnahme. Andererseits werden die Menschen durch das Christentum inspiriert - wenn sie eine gute Ausbildung durch Priester oder andere Verantwortungsträger im Sinne der christlichen Lehre bekommen und fähig werden, den Koran zu verstehen, und nicht nur auswendig zu lernen, so dass sie Christentum und Islam vergleichen können, dann kann es passieren, dass sie konvertieren. Wie können deutsche Christen helfen? Die Kirchen und Organisationen in Pakistan brauchen vor allem finanzielle Hilfe, aber auch moralische. Öffentlicher Druck aus dem Ausland kann helfen. Dies geschah zum Beispiel 1994, als mehrere Personen vom Obersten Gericht zum Tode verurteilt wurden. Die amerikanischen Kirchen, die dortige Regierung und Teile der amerikanischen Bevölkerung haben CLASS geholfen, indem sie durch Briefe an das Außen- ministerium und Justizministerium Pakistans das dortige Gericht veranlassten, die Angeklagten freizu- lassen. Eine Person wurde später trotzdem getötet. DT090813
Pakistan: Erneut Ermordung eines jungen Christen
Nach dem Mord an einem jungen Christen fordern Pakistans Bischöfe erneut eine Abschaffung des so genannten Blasphemiegesetzes. Es sei ein „ungerechter Paragraph“, der letztlich für die jüngste Gewalt gegen Christen in Pakistan verantwortlich sei, meinte der Präsident der pakistanischen Bischofskonferenz, Bischof Lawrence Saldanha. Das Gesetz ahndet jede Beleidigung des Korans und Mohammeds mit einer Haft- oder sogar mit der Todesstrafe. Im September 2009 wurde ein junger Christ, am Tag seiner Verhaftung wegen Blasphemie in seiner Zelle ermordet aufgefunden .Rv090916asca
Irak: Erzbischof von Mossul von Terroristen entführt und ermordet

Der chaldäisch-katholische Erzbischof der nordirakischen Metropole Mossul Foto Mitte, Paulos Faraj Rahho, 65, Foto links, ist am 29. Ferbruar von Unbekannten entführt worden. Nach Polizeiangaben erschossen die Entführer den Fahrer und drei Begleiter des Erzbischofs, als dieser gerade die Heilig- Geist-Kirche im östlichen Stadtteil Al-Nour verließ. Der Erzbischof hatte in der Kirche mit den Gläubigen den Kreuzweg gebetet. Der chaldäisch-katholische Bischof von Amadiyah, Rabban al Qas, sagte in einem Telefongespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur Asianews, die Entführer hätten bereits Kontakt mit kirchlichen Stellen aufgenommen und Forderungen gestellt. Irak: Entführter Erzbischof ermordet - Papst entsetzt Der vor zwei Wochen im Irak entführte Erzbischof Faraj Rahho ist tot. Die Leiche des Geistlichen sei in der Nähe seiner Bischofsstadt Mossul aufgefunden worden, erklärte der Weihbischof in Bagdad. Die Geiselnehmer hätten Rahho bereits bestattet, so Weihbischof Shlemon Warduni gegenüber der Nachrichtenagentur SIR. Die Kidnapper sollen bereits am Mittwoch mitgeteilt haben, dass es dem Erz- bischof sehr schlecht gehe. Am Nachmittag sei dann ein Anruf mit der Todesnachricht eingegangen. Zugleich hätten die Entführer Hinweise auf den Ort der Bestattung gegeben. Das provisorische Grab wurde später von Jugendlichen der katholischen Gemeinde entdeckt. Nach Wardunis Worten ist noch unklar, ob Rahho infolge seines schwachen Gesundheitszustands starb oder ob er getötet wurde. Papst Benedikt XVI. ist erschüttert von dem Mord an dem Geistlichen. Sofort nach Bekanntwerden des Todes veröffentlichte der vatikanische Pressesaal ein Telegramm an den chaldäischen Patriarchen von Bagdad, Kardinal Emmanuel III. Delly Foto oben rechts. Darin beklagt Benedikt XVI. diesen „Akt unmenschlicher Gewalt, der die Würde des Menschen beleidige”. Der Mord „schade dem Anliegen, brüderlich im Irak zusammenzuleben”. Der Papst hoffe, dass dieses „tragische Ereignis” zu einer friedlichen Zukunft dieses „gemarterten” Landes beitrage. Des Weiteren versicherte Benedikt XVI. dem Patriarchen und der gesamten christlichen Bevölkerung seine geistliche Nähe. Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ erklärte, man habe bis zuletzt gehofft, dass Rahho frei- gelassen würde. Doch leider werde das irakische Volk – und besonders die christliche Minderheit – von einer absurden und ungerechtfertigten Gewalttätigkeit niedergedrückt. Es sei zu wünschen, so Lom- bardi weiter, dass dieses tragische Ereignis insbesondere die internationale Staatengemeinschaft an die Notwendigkeit erinnere, mit Entschiedenheit im Irak zu einer Friedenslösung bei- zutragen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich traurig und erschüttert. Es sei erschreckend, dass Christen, ihre Gemeinden und Geistlichen im Irak «zur Zielscheibe von Terrorismus, Gewalt und Verfolgung geworden sind», sagte er in Berlin. Der Minister rief alle Parteien und Gruppierungen im Irak auf, zu nationaler und interkonfessioneller Versöhnung zurückzufinden. Sie sollten sich auch für den Schutz aller Religionsgemeinschaften einsetzen. Auch die Kirche in Deutschland drückte in einem Brief an Emmanuel III. ihr Beileid aus. «Wir sind zutiefst betroffen und erschüttert über diesen grausamen Tod», schreibt der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Man hoffe und bete, dass der Tod des Bischofs am Ende dem Frieden im Irak diene. Schick sagte den Christen im Irak Unterstützung zu. rv080313mc
Irak: Völkergemeinschaft soll sich bewegen Politiker und Kirchenvertreter aus aller Welt sind entsetzt über den Tod des chaldäischen Erzbischofs von Mossul. Der vor zwei Wochen Entführte Paulos Faraj Rahho war am Donnerstag tot aufgefunden worden. Die Vereinten Nationen verurteilten den Tod „eines Mannes, der sein ganzes Leben dem interreligiösen Dialog und dem Frieden im Irak gewidmet” habe, erklärte der UNO-Gesandte im Irak. Die Todesursache ist indes weiter unklar. Ein Polizeisprecher in der nordirakischen Stadt Mossul sagte der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak, der Geistliche sei von seinen Entführern nicht erschossen worden. Raho sei mindestens drei Tage tot gewesen, als seine Leiche am Donnerstag in Mossul gefunden wurde. Auf der Website des christlichen Fernsehsenders Ischtar TV hieß es am Freitag: Die Entführer hätten „Druck auf den Erzbischof ausgeübt und ihn zwingen wollen, seine Religion zu verleugnen”. Der Kirchenmann habe sich jedoch standhaft geweigert und sei nach einer Woche in Geiselhaft gestorben. Das „Martyrium von Erzbischof Rahho” solle zur Versöhnung im Irak beitragen, hofft der Apostolische Visitator für die Chaldäer in Europa. Philip Najim sagte gegenüber Radio Vatikan: „Ich hoffe, dass sich diesmal das Gewissen der internationalen Gemeinschaft regt und sie etwas für den Irak unternimmt. Ich hoffe, dass dieses Blutbad ein Ende nimmt, dass die Menschen aufhören, in hellen Scharen das Land zu verlassen, weil sie den Frieden und ein normales Leben suchen. Das hier ist weder ein Beispiel für Demokratie noch für eine zivile Welt. Was wir hier erleben, ist wie eine Natur- katostrophe - gegen den Menschen, gegen das irakische Volk und gegen den ganzen Irak.” Entführung und Tod des chaldäischen Erzbischofs von Mossul sind nach Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die „klare Botschaft arabisch-islamistischer Terror- gruppen” an die Christen des Irak, die Ninive-Ebene bei Mossul für immer zu verlassen. Die Region ist eines der Hauptsiedlungsgebiete der christlichen Assyro-Chaldäer, die derzeit von kurdischen Peschmerga aus dem benachbarten Kurdistan geschützt werden. „Die Täter hatten ein Lösegeld von 2,5 Millionen Dollar verlangt und ihre Botschaft, die Christen aus der Region zu vertreiben, mit absurden Forderungen unterstrichen”, berichtet der Nahostreferent des Verbandes, Kamal Sido. So sollte die chaldäisch-katholische Kirche Waffen für arabisch-islamistische Terroristen beschaffen und sie in ihren Kirchen verstecken. Es sei offen gedroht worden: Wenn die chaldäisch-katholische Kirche keine christlichen Selbstmord- attentäter zur Verfügung stelle, müssten die Christen die Region verlassen. An diesem Freitag wurde Rahho in der christlichen Siedlung Karamles in der Nähe von Mossul bei- gesetzt. Hier liegt auch sein Sekretär begraben: Pater Ragheed war am 3. Juni vergangenen Jahres nach der Messfeier von Terroristen erschossen worden. Der Bischof von Arbil, Rabban al Qas, berich- tet gegenüber Radio Vatikan von Solidaritätsadressen und großer Anteilnahme in der Region: „Viele Moslems und Araber, nicht nur Christen ... Viele Menschen haben mir gesagt: Der Bischof war nicht nur Bischof für die Katholiken. Er ist Sohn dieser Stadt Mossul. Die Türen des Bischofshauses standen für alle offen. Der Terrorismus wird unserer Freundschaft kein Ende setzen. Wir sind vereint, um die Christen gegen die Terroristen zu verteidigen.” Benedikt XVI. wird in der päpstlichen Hauskapelle die Totenmesse für den verstorbenen Erzbischof lesen. rv/misna/pm080314bp
Bereits im Dezember 2004 war auf das Bischofshaus ein Anschlag verübt worden. Mehrere vermummte Islamisten drangen damals in das chaldäisch-katholische Ordinariat ein. Erzbischof Faraj Rahho war abwesend; die Terroristen zwangen den Sekretär des Erzbischofs, den Priester Raghid Aziz Kara, zum Verlassen des Gebäudes. Dann legten die Islamisten an mehreren Stellen des Gebäudes Sprengstoff. In einem Interview mit Asianews hatte Erzbischof Faraj Rahho im November das „unaufhörliche Leid” der Christen in Mossul beklagt. Die Stadt sei sowohl von den irakischen Zentralbehörden in Bagdad als auch von den Amerikanern und deren Verbündeten „sich selbst und den islamistischen Terroristen” überlassen worden. Der Erzbischof nahm damit auf die Verfolgungsmaßnahmen der Islamisten gegen Christen in der Stadt Bezug; so werden seit dem Einmarsch der Amerikaner christliche Studentinnen gezwungen, sich „islamisch” zu verschleiern. Zahlreiche Geschäfte, die Christen gehören und in denen auch Alkoholika verkauft wurden, fielen der Wut der Islamisten zum Opfer. Die Lage der Christen im Irak hat sich seit der US-Invasion 2003 dramatisch verschlechtert. Dutzende Kirchen wurden niedergebrannt, viele Christen ermordet, Diskriminierung und Anfeindung sind an der Tagesordnung. Im Juni 2007 wurden ein chaldäisch-katholischer Priester und drei Diakone in Mossul unweit der Heilig- Geist-Kirche ermordet. Nach Augenzeugenberichten wurde der Mord damals von vier Bewaffneten verübt, die das Auto stoppten, in dem Pfarrer mit seinen Begleitern von der Kirche nach Hause fahren wollte. Die Terroristen zwangen die Ehefrau eines Diakons zum Aussteigen und feuerten dann ins Auto. Vor drei Jahren war bereits der syrisch-katholische Erzbischof Basile Georges Casmoussa in Mossul entführt, später aber freigelassen worden. Mossul ist eine der wichtigsten Stätten der frühen Christenheit. Die Stadt am Tigris dürfte bereits im 2./3. Jahrhundert überwiegend christlich gewesen sein. Die Mehrheit der Christen im Irak gehört zu der mit Rom unierten chaldäisch-katholischen Kirche; ihr Oberhaupt ist der in Bagdad residierende Kardinal- Patriarch Emmanuel III. Delly. KAPasianews080229bp Die Christen im Irak werden immer häufiger von radikalen Gruppen verfolgt und sind Opfer ethnischer Vertreibungen. Ihre Zahl soll nach Schätzungen bereits um die Hälfte gesunken sein, weil viele ins Ausland flüchten. Vor dem US-geführten Einmarsch im März 2003 gab es rund 800.000 Christen im Irak. DieZeit.s/afp080301 Die wenigen im Irak noch verbliebenen Christen sind besonders verletzlich und ungeschützt, berichtet der Priester. „Als Christen sind sie die erste Zielscheibe für islamische Fundamentalisten. Außerdem sind sie eine Minderheit – ohne Armee, ohne starke Stellung in der Wirtschaft oder irgendeine Nähe zur Macht. Sie werden also aus religiösen Gründen und als Minderheit verfolgt – diese Verfolgung droht die Zukunft des Iraks zu bestimmen. Ich glaube, vom Ausgang dieser Geiselnahme könnte das Leben aller christlichen Gemeinschaften im Irak abhängen.” rv080311sk
Irak: Erzbischof beerdigt Mehrere Tausend Menschen haben am Freitag an der Beisetzung des chaldäischen Erzbischofs von Mossul teilgenommen. Paulos Faraj Rahho hatte In seinem letzten Interview - das er der italienischen Wochenzeitung „Tempi” gewährte - die Christenverfolgung im Irak verurteilt. Die Islamisten hätten keine andere Absicht, als das Eigentum der Christen an sich zu reißen und die Christen dann aus dem Land zu vertreiben. Vorbild dieses Vorgangs seien die Ereignisse in der Türkei in der Endphase des Osmanischen Reiches von 1914 bis 1923 (die chaldäischen Katholiken hatten dort zu den Haupt- leidtragenden des Ausrottungsfeldzuges der „Ittihadisten“, des „Komitees für Einheit und Fortschritt”, und dann auch der Unterdrückungsmaßnahmen der Kemalisten gezählt). Der Patriarch der Chaldäer, Immanuel III. Delly, leitete die Beisetzungsfeierlichkeiten für Rahho in Karamles. In dem Dorf waren bereits der Fahrer und die Leibwächter Rahhos beigesetzt worden, die bei der Ent- führung ums Leben kamen. Schwester Iva von den Töchtern der Unbefleckten Empfängnis berichtet: „Es waren unglaublich viele Menschen da: Christen, Moslems, der Patriarch, der Nuntius, viele Priester. Wir Christen verlieren nicht den Glauben, im Gegenteil: Das gibt uns Kraft. Wir sind Teil der Geschichte und der Wurzeln dieses Landes. Wir haben keine Angst, sondern den Glauben und Mut. Die Menschen beten trotz allem.” Erzbischof Faraj Rahho hatte vor seinem Tod den Irak-Krieg scharf kritisiert. Das Eingreifen der Ameri- kaner und ihrer Verbündeten habe zur „Flucht der Intellektuellen” aus dem Irak geführt, von denen rund ein Drittel Christen gewesen seien. Unter einem „obskurantistischen islamischen Regime” werde der Irak in „Armut und Ohnmacht” verfallen „und die USA und ihre Freunde meinen, das Land dann um so leich- ter beherrschen zu können”, so Rahho im Interview mit der italienischen Wochenzeitung. In einer Er- klärung vom Freitag verurteilte das US-Kommando in Bagdad Entführung und Tod des Erzbischofs und beschuldigte el-Quaida.Es handle sich um einen der barbarischsten Akte, Unfrieden im Land zu schüren. Die irakische Ordensfrau: „Er hat den Irak geliebt. Er sagte stets: ,Der Irak gehört allen. Wir wollen dieses Land aufbauen.’ Er war ein Freund aller, nicht nur der Christen, hatte gute Beziehungen auch zu den Musli- men und tat allen Gutes. Er war ein Mensch, den alle mochten, auch die Muslime. Er selbst machte keinen Unterschied.” Am Tod des Erzbischofs - über dessen Ursachen weiterhin Unklarheit herrscht - könnte sich jetzt die Zukunft der Christen im Land entscheiden, vermuten Menschenrechtler. Sie erlebten sozusagen den vorerst traurigen Höhepunkt der „größten humanitären Katastrophe seit fünfzig Jahren.” Die Gesellschaft für be- drohte Völker bezeichnet die Vertreibung der Christen aus dem Irak als „gegenwärtig größte Christen- verfolgung weltweit”. Vor allem durch Morde und Entführungen sowie gezielte Terroranschläge islamistischer Fanatiker auf Kirchen, Klöster, christliche Schulen und Pfarrhäuser ist nach Schätzungen der Menschen- rechtsorganisation bereits ein großer Teil der Christen aus dem Irak vertrieben worden. Vor 20 Jahren gab es im Irak etwa 1,4 Millionen Christen. Heute sind es weniger als 600.000. rv-afp-kap-pm080315
Drohungen gegen Christen in Pakistan. Foto links: Erzbischof John Lawrence Saldanha, Lahore, Pakistan. Foto rechts: die pakistanische Flagge - Grafik und Farbe: Symbol des Islam - der weiße Streifen weist hin auf die nichtmuslemische Minderheit in Pakistan
Ein pakistanischer Bischof hat die neu gewählte Regierung aufgefordert, gegen die wachsenden Gruppen von Extremisten durchzugreifen, die Christen androhen, sie zu töten, wenn sie nicht zum Islam konvertieren. Anlässlich der Präsidentenwahl in Pakistan hat Erzbischof Lawrence Saldanha von Lahore von zunehmendem “Hass und Intoleranz” von Gruppen gesprochen, die im Widerspruch zur pakista- nischen Verfassung versuchen, Christen mit Gewalt zum Islam zu bekehren. Erzbischof Saldanha, der Präsident der pakistanischen katholischen Bischofskonferenz nannte besonders den Fall eines jungen katholischen Vaters von vier Kindern, der entführt und mit dem Tode bedroht wurde. Der Überfall erfolgte unmittelbar nachdem dieser Mann zum Leiter einer Bank auf- gestiegen war, was offenbar den Neid seiner Kollegen erweckte. Während seiner Gefangenschaft im letzten Monat wurde der Banker Haroon gezwungen, seine Frau anzurufen und ihr mitzuteilen, dass er getötet würde, wenn sie die Polizei einschalten würde. Haroon aus Narang, das liegt 30 km nördlich von Lahore in der Provinz Punjab im Nordosten Pakistans, konnte aber in einem unbewachten Augenblick entkommen. Seither wechselt er ständig seinen Aufenthaltsort und befindet sich zur Zeit iin einem Bauernhaus im Süden der Provinz - 450 km von Lahore entfernt. Die Geiselnehmer gehören zur Terrror-Organisation Jamaat-ul-Dawah in Pakistan. Erzbischof Saldanha beruft sich auf die pakistanische Verfassung, die ausdrücklich das Recht auf Religionsfreiheit anerkennt, und verlangt gegen den Extremismus ein hartes Vorgehen der Regierung. Der Erzbischof schreibt: “Die Geschichte von Haroon zeigt aufs Neue die Schwierigkeiten und Unterdrückung von Menschen in einem Land, wo der Extremismus sich ausbreitet und wenig Toleranz gegenüber Nichtmuslimen herrscht. Christen auf dem Lande und in entlegenen Orten sind besonders verletzbar. Hass und Intoleranz sind weit verbreitet. Zum Glück ist Haroon ein hochgebildeter Mann, der fest zu seinem katholischen Glauben steht. So war er fähig, seinen Angreifern zu widerstehen.” Der Erzbischof berichtete von der Flucht, wie es Haroon gelang, die Hauptstraße zu erreichen, mit dem Bus in die Stadt kam und dort eine katholische Missionsstation fand. In seiner Botschaft aus dem Bischofshaus in Lahore berichtet der Erzbischof auch von der Not christlicher Mädchen, die entführt werden und dann gezwungen werden, muslimische Männer zu heiraten – und eben dadurch die Religion wechseln müssen. Schon im Mai letzen Jahres hatte Erzbischof Saldanha vor extremistischen Gruppen gewarnt, die Christen unter Androhung von Gewalt zum Islam zwingen. In einem Interview mit der kirchlichen Hilfsorganisation “Kirche in Not” erwähnte der Erzbischof auch diesen Fall: 500 Christen erhielten anonyme Briefe, in denen sie vor gewalttätigen “Vergeltungen” gewarnt wurden, wenn nicht innerhalb der nächsten zehn Tage eine Massenkonversion zum Islam erfolgen würde. Der Erzbischof sagt: “Es macht uns Sorge, dass Christen durch die Androhung von Gewalt zum Islam bekehrt werden sollen. Das hat es hier nie zuvor gegeben. Wir Christen sind Bürger wie jeder andere und verlangen auch dieselben Rechte.” “Kirche in Not” unterstützte nach der Welle der Gewalt, die durch die dänischen Mohammed-Karikaturen ausgelöst wurde, den Wiederaufbau der abgebrannten Kirchen und andere Häuser der Kirche. Es gibt etwa 1,1 Millionen katholische Christen in Pakistan. Nach einer Warnung durch isla- mische Terroristen gegen das Chrst-König-Priesterseminar in Karachi wurden die Sicherheits- maßnahmen dort verstärkt. CTJohnPontifexJohnNewton080302
Gewalt darf niemals ein Mittel der Ausbreitung einer Religion sein. Und doch beschämt uns die Ge- schichte. Jetzt ist die Zeit gekommen, zu den Wurzeln zurückzukehren und jeglicher Gewalt im Namen einer Religion zu entsagen. Die Hirten gehen voran. Mögen die Gläubigen auf dem Weg des Friedens, der Versöhnung und Menschenrechte folgen!
Bischof Dr. Franz Kamphaus
Ein Dialog mit dem Islam
Vor annähernd zwanzig Jahren kehrte Bischof Franz Kamphaus von einer Afrika-Reise mit der Gewissheit zurück, das Problem dort sei nicht der Marxismus, sondern der Islam. Wo der Islam in der Minderheit sei, zeige er sich gesprächsbereit.Wo er die Mehrheit habe, sei er aggressiv und intolerant. In der Kirche wie in den westlichen Ländern wurden solche Warnungen noch lange überhört. Mittlerweile führt an einem Dialog mit dem Islam auch über die Frage der Gewalt kein Weg vorbei. Selten hat eine Vorlesung so viel Aufmerksamkeit gefunden in aller Welt wie die des Papstes am 12. September 2006 in Regensburg siehe: Dialog der Religionen . Genau einen Monat später haben 38 muslimische Führer Benedikt XVI. in einem offenen Brief geantwortet siehe: Dialog der Religionen!. Sie sprechen für einen nicht unerheblichen Teil des Islams, ihr Wort hat Gewicht. Sie halten sich nicht bei unverbindlichen Höflichkeiten auf und scheuen bei allem Respekt nicht Widerspruch und Kritik. Sie erinnern sehr zu Recht an die globale Verantwortung, die Christen und Muslimen schon auf Grund ihres Anteils an der Weltbevölkerung zuwächst. Ihr können beide nur gerecht werden, wenn sie sich zumuten, über das zu sprechen, was sie im Innersten religiös bewegt, in gesellschaftlicher Verantwortung. Fünf Bereiche sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung. Zunächst die Schriftauslegung. Nicht zufällig sagen Muslime seit alters über Juden und Christen an- erkennend, sie seien wie sie „Leute der Schrift”. Diese Charakterisierung ist nicht falsch, doch sie bedarf aus christlicher Sicht einer wichtigen Einschränkung: Zwar verstehen Christen die Bibel als „Wort Gottes”. Dennoch steht im Zentrum des Glaubens nicht die Heilige Schrift, sondern die Person Jesu Christi. Das Christentum ist darum erst in zweiter Linie eine Schriftreligion. Die Offenbarung Gottes ist Jesus Christus, die Bibel enthält die Antwort der maßgebenden Glaubenszeugen darauf. Sie ist für Christen Gottes Wort in Menschenwort, während Muslime den Koran als direkte, von menschlichem Einfluss freie Offenbarung Gottes glauben. Was für sie der Koran ist, ist für Christen eher Christus als die Bibel. Die menschliche Ausdrucksform des göttlichen Wortes darf nicht mit diesem selbst gleichgesetzt werden. Dieser Vorbehalt erlaubt es, die Geschichtlichkeit der Bibel ernst zu nehmen, ohne ihr Gewicht als Glaubensurkunde aufzugeben. So können die Christen zwischen dem bleibend verbindlichen Gehalt und der zeitbedingten Ausdrucksform unterscheiden, biblische Texte und Aussagen der Tradition von ihren Entstehungsbedingungen her historisch-kritisch analysieren und dadurch neu verstehen. Darin liegt ein Schlüssel zur Reformfähigkeit einer Religion, zur Eröffnung eines interreligiösen Dialogs, der mehr ist als eine höfliche Variante propagandistischer Überredungskunst. Das mag überraschen. Mancher mag denken, die dargelegte Unterscheidung im Schriftverständnis sei ein innertheologisches Problem, das für die Gesellschaft ohne Bedeutung sei. Weit gefehlt! Das zeigt die Entstehung des Begriffs Fundamentalismus. Er ist zunächst nicht, wie man denken könnte, zur Charakterisierung bestimmter Richtungen im Islam geprägt worden. Man hat damit bestimmte Kreise innerhalb des Protestantismus bezeichnet, die auf einem wortwörtlichen, zeitenthobenen Verständnis der Bibel bestanden. Siehe dazu: Fundamentalismus Im Verständnis von Schrift und Tradition werden die Weichen gestellt für die Fähigkeit einer Religion, sich zu verändern und in einen Dialog einzutreten. Hier entscheidet sich die Vereinbarkeit von Religion und moderner Kultur, die Möglichkeit einer Inkul- turation. Ohne Klärung der hermeneutischen Grundfragen wird eine Aus- einandersetzung mit den Herausforderungen der modernen Welt nicht gelingen. Von innen wie von außen ist der Islam gefragt, ob er eine historisch-kritische Betrachtung des Korans zulassen kann. Christen, speziell Katholiken, wissen sehr genau, dass das nicht einfach ist. Sie haben einen langen, leidvollen Weg zurückgelegt, bis die historisch-kritische Methode der Schriftauslegung offiziell akzeptiert wurde. Doch die Erfahrung lehrt, dass das Säurebad historischer Kritik die Heilige Schrift nicht zerfressen muss, sondern den Zugang zu ihrem Verständnis reinigen kann. Die Muslime, die dieses Wagnis nicht scheuen, sind noch in der Minderheit und brauchen Ermutigung. Sie gehen einen beschwerlichen Weg, der keiner Religion erspart bleibt, den auch Christen längst nicht ausgeschritten haben. Solange man sich gegen ihn sperrt, wird man weiterhin mit einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Schlagwörtern der heiligen Schriften aufeinander einschlagen oder Befreiungsschläge versuchen. Sodann die Menschenrechte. Muslime stehen im Verdacht, im Namen des göttlichen Rechts die Men- schenrechte nicht anzuerkennen. Das ruft in der westlichen Welt Unverständnis und Sorge hervor. Nicht ohne Grund! Auch Christen haben die Idee der Menschenrechte lange Zeit bekämpft. Das Lehramt der katholischen Kirche zählte sie noch im 19. Jahrhundert zu den unseligen Irrtümern der Moderne. Es verteufelte nicht wenige Theologen, die Kirche und Moderne auszusöhnen versuchten, als „Modernisten” und entzog ihnen die Lehrerlaubnis. Katholiken haben also keinen Grund, die musli- mische Position heute mitleidig zu belächeln. Es dauerte immerhin bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965), ehe die katholische Kirche ihre Ablehnung des Menschenrechtsdenkens grundsätzlich und verbindlich revidierte. Seither ist sie zu einer entschiedenen Befürworterin und Verteidigerin der Menschenrechte geworden, zumal durch den verstorbenen Papst Johannes Paul II. (1978 bis 2005) mehr dazu: Menschenrechte. Nicht wenige Katholiken empfanden die Kehrtwende als Verrat an der überlieferten Lehre und warfen dem Konzil vor, sich dem Diktat des modernen Ungeistes unterworfen zu haben. Ihre Vorwürfe gleichen denen aus der islamischen Welt. Manches spricht dafür, dass sie auf ähnlichen Missverständnissen beruhen. Die Anerkennung der Menschenrechte bedeutet nicht, sie über das göttliche Recht zu setzen. Der vom Vatikanum II vollzogene Positionswechsel in dieser Sache kam nicht von ungefähr. In einer Neubesinnung auf die christlichen Quellen und unter dem Eindruck der „Zeichen der Zeit” (säkulare Kultur) erkannte man, dass die Menschenrechte nicht einfach nur menschliches Recht sind. Gott selbst hat sie dem Menschen eingestiftet. Deshalb vor allem verdienen sie unbedingten Respekt sowohl von Seiten des Staates als auch von Seiten der Kirche. Menschenrechte und göttliches Recht lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Die Menschen- rechte bilden eine Mindestnorm, die die Würde des Menschen als Gottes Geschöpf wahrt. Sie an- zuerkennen und zu achten bedeutet also nichts anderes als Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Nur mangelnde Einsicht kann befürchten lassen, Glaube und Menschenrechtsethos stünden zuein- ander im Widerspruch. Umgekehrt ist zu fragen, ob sich der unbedingte Geltungsanspruch der Men- schenrechte ohne religiöse Verankerung durchhalten lässt. Wenn Christen sich heute in aller Welt für die Achtung der Menschenrechte einsetzen und auch von den Muslimen erwarten, dass sie die Menschenrechte uneingeschränkt anerkennen, dann nicht, um sie ihrer eigenen Kultur zu entfremden und sie zu verwestlichen. Sie tun das, weil sie dem Islam den gleichen Lernprozess zutrauen, den sie selbst leidvoll durchgemacht haben. Das Wort „Islam” bedeutet bekanntlich „Hingabe an den Willen Gottes”. Wenn die Menschenrechte dem göttlichen Willen entsprechen, dann verpflichtet der Islam selbst dazu, sie gemeinsam mit allen Menschen guten Willens anzuerkennen. Drittens: Das Staatsverständnis. Im christlich-islamischen Dialog spielt die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Staat eine wichtige Rolle. Dem Islam wird weithin die Fähigkeit abgesprochen, beide Bereiche zu trennen. Umgekehrt ist die Trennung ein ganz wesentliches Kennzeichen der westlichen Moderne und wird - wie die Menschenrechte - als ein zivilisatorischer Fortschritt gewertet, der auf keinen Fall preisgegeben werden darf. Wir Christen haben aus der Geschichte bittere Erfahrungen gewonnen und gelernt, aus den Kon- fessionskriegen nach der Reformation und nicht zuletzt aus den totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Beides liegt zeitlich weit auseinander, sachlich berührt es sich: Einmal werden der Religion Grenzen gesetzt, zum anderen dem Staat. Das geschieht aus der Überzeugung, diese wechselseitige Begrenzung diene beiden Seiten, vor allem dem friedlichen Zusammenleben der Men- schen. Der Versuch, christliche Staaten zu errichten ist unter hohen Kosten gescheitert. Nichts spricht dafür, dass es islamischen Staaten anders ergehen wird. Der springende Punkt dabei ist in diesem Fall das Verständnis der Menschenrechte. Es kann aus christlicher Perspektive nicht nachdrücklich genug betont werden, dass weder Kirche noch Staat die Menschenrechte gewähren. Es handelt sich um angeborene und unveräußerliche Rechte der menschlichen Person, wie zu Beginn aller Menschenrechtserklärungen und -konventionen immer wieder gesagt wird. Die Anerkennung der Religions-, Gewissens- und Meinungsfreiheit meint deshalb mehr als die Duldung Andersgläubiger durch einen religiösen Staat. Der religiös und weltanschaulich neutrale Rechtsstaat hat die Freiheitsrechte aller Menschen nicht nur zu tolerieren, sondern zu achten und zu schützen. Er gewährt allen Weltanschauungen und Religionen Raum, ist aber selbst weltanschaulich neutral. Daher ist es zumindest ungenau, wenn es im Koalitionsvertrag vom November 2005 heißt, „ein inter- religiöser und interkultureller Dialog” sei für die Bundesregierung ein wichtiger Bestandteil der Integra- tionspolitik. Der interkulturelle Dialog ist Sache des Staates, nicht aber der interreligiöse. Der moderne Staat vertritt als solcher keine religiöse Überzeugung. Es ist zu unterscheiden zwischen der Gesellschaft, die mehr oder minder stark religiös geprägt ist, und dem Staat, der das Zusammenleben aller Menschen regelt und darum an keine bestimmte Religion oder Weltanschauung gebunden ist. Er kann den interreligiösen Dialog fordern und fördern, er kann und muss mit den Religionen einen intensiven Dialog führen. In beiden Fällen jedoch hat er seine religiöse Neutralität zu wahren. Sie schützt ihn vor pseudoreligiöser Selbstüberschätzung und die Religionen davor, die staatliche Gewalt zu ihren Gunsten zu missbrauchen. Dass bei klarer Trennung von Staat und Religion mannigfache Kooperationsformen möglich sind zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger, zeigt die Bundesrepublik Deutschland. Christen wollen, dass Muslime sich in den westlichen Staaten heimisch fühlen können. Das erwarten sie aber auch für sich selbst, sie möchten in keinem Staat Bürger zweiter Klasse sein. Das sind sie in nicht wenigen islamischen Staaten derzeit leider immer noch, auch in der Türkei. Deswegen widersetzen sie sich den islamistischen und allen gleichartigen fundamentalistischen Staatsvorstellungen. Sie hoffen auf einen Islam, der den modernen Staat bejaht und ihn nicht nur als Übergangsphase zu einem islamischen Staat betrachtet. In diesem Punkt müssen die Muslime Farbe bekennen. Die Islamisten unter ihnen tun es auf ihre Weise ohnehin. Gewalt im Namen der Religion? Die Stellung zur Gewalt ist in der Weltgesellschaft zur Gretchenfrage für alle Religionen geworden. Zu Recht! Denn es trifft zu, was Hans Küng seit Jahren unermüdlich anmahnt: „Kein Weltfriede ohne Religionsfrieden.” Muslime beklagen sich immer wieder darüber, der Islam stünde ständig am Pranger und unter Generalverdacht. Das hat seinen Grund. Es ist leider so, dass die Seuche terroristischer Gewaltakte seit langem zum weitaus überwiegenden Teil von isla- mischen Gruppen ausgeht. Es sind islamische Staaten, in denen Christen benachteiligt oder gar verfolgt werden, nicht christlich geprägte Länder, die Muslime daran hindern, ihre Religion öffentlich zu gestalten. Der islamistische Terror fordert freilich die mit Abstand meisten Opfer unter den Muslimen selbst und richtet sich auch gegen islamische Staaten. Darum wehren sich Muslime zu Recht gegen die Gleichsetzung von Islam und Terror. Doch es bleibt da ein Problem, das schon angedeutet wurde: Wie bewerten sie den islamistischen Griff nach der Staatsmacht? Verwerfen sie nur die Wahl der (terroristischen) Mittel, billigen aber das Ziel? Christen können solche Fragen nicht redlich stellen, ohne sich an die eigene Gewaltgeschichte zu erinnern. Die Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung von Juden bleibt auf immer eine Schande. Auf andere Weise belasten zurückliegende, verhängnisvolle Gewalttaten auch die Beziehung zwischen Christen und Muslimen bis heute. Oft scheint es, als präge die traumatische Erfahrung der Kreuzzüge unauslöschlich die muslimische Identität. Und selbst im Westen gelten sie vielen als Symptom für die Gewaltträchtigkeit des Christentums. Nun gibt es an den Kreuzzügen nichts zu beschönigen, aber sie betrafen auch slawische Völker, jüdische Gemeinden und christliche Abweichler. Mit einem grundsätzlich antimuslimischen Hass hatten sie wenig zu tun. Die Muslime sollten nicht vergessen, dass lange vor dem ersten Kreuzzug arabisch-muslimische Heere jenes Land erobert hatten, das Christen als „Heiliges Land” galt und gilt. Damals fiel ihnen auch die Heilige Stadt Jerusalem mit ihren vielen heiligen Stätten in die Hände. Die Frage muss erlaubt sein, wie Muslime damals und heute auf die Einnahme Mekkas durch Christen reagieren würden. Wenn wir einen ehrlichen Dialog wollen, müssen wir uns an die Fakten halten und aufhören, sie mit zweierlei Maß zu messen. Man kann nicht das eigene ideale Selbstbild mit der wenig idealen Wirklichkeit der anderen Religion vergleichen. Man kann nicht die Kreuzzüge verdammen und die Heiligen Kriege verherrlichen. Der interreligiöse Dialog wird nicht von abstrakten Wesen geführt, sondern von Menschen und Gemeinschaften, die einander oft ein Übermaß an Leid zugefügt haben. Keine Religion kann sich davon freisprechen, dass in ihrem Namen Gewalt ausgeübt wurde oder wird. Die dadurch entstandene Erblast erledigt sich nicht von selbst. Es gibt Vergangenheiten, die nicht vergehen wollen, schon gar nicht ohne den gemeinsamen Willen zu historischer Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Dazu gehört mehr, als sich über die Tatsachen zu verständigen, so schwer das oft auch ist. Auf der Tagesordnung aller Religionen steht die Aufgabe, in Anbetracht der Geschichte ihr Verhältnis zur Gewalt in der Gegenwart für die Zukunft zu klären. Diese Frage reicht weit über die Problematik des Heiligen Krieges hinaus. Wie geht eine Religion mit den Menschen um, die sich von ihr abwenden? Wie mit solchen, die den Glauben verfälschen oder verspotten? Im christlichen Abendland wurden jahrhundertelang Apostasie, Ketzertum und Blasphemie mit dem Tod bedroht und geahndet. Das ist vorbei, hoffentlich für immer. Denn der wichtige Grundsatz, niemand dürfe zum Glauben gezwungen werden vgl. Sure 2, 256 “In der Religion gibt es keinen Zwang. Der rechte Weg (des Glaubens) ist (durch die Verkündigung des Islam) klar geworden (so dass er sich) vor der Verirrung (des heidnischen Unglaubens deutlich abhebt). Wer nun an die Götzen (at-taaghuut) nicht glaubt, an Allah aber glaubt, der hält sich (damit) an der festesten Handhabe, bei der es kein Reißen gibt. Und Allah hört und weiß (alles)”, kommt erst dann ganz zum Tragen, wenn er auch die Freiheit garantiert, den Glauben aufzugeben, ihn anders zu verstehen oder gar zu verachten. Es ist allein Gottes Sache, das Gewicht solcher Dinge zu beurteilen. Nur ER vermag in die Herzen der Menschen zu schauen.Wir sollten uns hüten, SEIN Gericht vorwegnehmen zu wollen. Tatsächlich gibt es für wahrhaft Fromme keine wichtigere Sache auf der Welt als die Religion. Was sie freilich von religiösen Fanatikern trennt, ist die Tugend der Demut. Die Ehrfurcht gegenüber Gott untersagt es kategorisch, sich seine Rolle anzumaßen. ER allein ist Herr über Leben und Tod, niemand sonst. Religion besteht darin, Gott zu ehren, nicht darin, Gott zu spielen. Das sollten nicht zuletzt auch Regierungen beherzigen, die einer Religion nahezustehen meinen.Wer Gott wirklich die Ehre gibt, dem steht der Sinn weder nach Heiligen Kriegen noch nach Kreuzzügen - schon gar nicht in deren moderner Variante. Schließlich: Glaube und Vernunft. Der Glaube kann, wie Papst Benedikt immer wieder hervorhebt, nicht auf die Vernunft des Menschen verzichten, sie ist ein wesentliches Element seiner Gottes- ebenbildlichkeit. Also muss auch das Wesen Gottes von Vernunft geprägt sein. Wer das bestreitet, landet schließlich bei einem Willkür-Gott. Gegen die Vorstellung eines absolut freien, aber gerade in seiner Freiheit willkürlich handelnden Gottes richtet sich ein gut Teil der philosophischen Religions- kritik zu Beginn der Neuzeit. Führende Köpfe der Aufklärung waren vom Recht und der Notwendigkeit überzeugt, um der Würde des Menschen willen eine solche Gottesvorstellung bekämpfen zu müssen, um den Menschen auf seine eigenen Beine zu stellen. Wie anders könnte er sich ge- genüber einem solchen Gott behaupten? Wie sollte der Mensch bestehen können, wenn er sich im Vollzug des Glaubens der Willkür Gottes ausliefern muss? Eine Religion, die das von ihm fordert, ist menschen- unwürdig. Insoweit wirbt der Papst aus guten, sehr guten Gründen für eine Versöhnung von Glaube und Vernunft. Aber dieses Ziel unter den Bedingungen der Neuzeit anzustreben bedeutet unabdingbar, die untrennbare Verbindung von Freiheit und Vernunft ernst zu nehmen. Das gilt für das Verständnis Gottes ebenso wie für das Verständnis des Menschen. In dieser Sache hilft das griechische Denken wenig. Vielmehr ist die christliche Theologie von ihrem ureigenen Glaubensverständnis her der Frage nachgegangen, wie sich Gottes Vernunft mit Gottes Freiheit vereinbaren lässt. Sie hat, anders als die griechische Philosophie, Gott als Ursprung und Quell aller Freiheit verstanden und den Glauben als Befreiung. So gesehen stehen nicht die Freiheitsrechte des Menschen im Widerspruch zum Glauben, sondern deren Widersacher. Nicht nur Glaube und Vernunft gehören untrennbar zusammen, sondern Glaube, Vernunft und Freiheit. Es muss zu denken geben, dass die Gewalt, die von den meisten religiösen Fundamentalismen ausgeht, einem sehr konkreten Ziel dient: der Durchsetzung einer politischen Herrschaft, die alle modernen Frei- heitsrechte beseitigt. Diesem Griff nach der Staatsmacht entgegenzuwirken, erfordert gewiss politi- schen Widerstand. Für die Religionen jedoch steckt darin eine theologische Herausforderung. Wenn, wie der Papst befürchtet, viele religiöse Menschen die Moderne als eine Gefahr für ihren Glauben erfahren, dann ist es Sache der Theologie, diese Besorgnis auszuräumen. Sie kann das, wenn sie die Verteidigung der Freiheit als ein gemeinsames Anliegen von Vernunft und Glaube einsichtig macht. Das führt nicht vom Glauben weg, sondern führt in sein Zentrum, in das Gottesverständnis. In diesem Sinn hat die Vision des Papstes einen Horizont eröffnet, den es im Dialog zwischen den Religionen und im Dialog der Religionen mit der modernen Philosophie erst noch abzuschreiten gilt. Der Dialog zwischen Christen und Muslimen steht erst am Anfang. Er braucht Geduld und Ver- trauen, langen Atem und offene Herzen. Um des Friedens willen gibt es keine Alternative zu ihm, auch nicht um des Glaubens willen. Man könnte leicht meinen, wir seien zum Dialog verdammt. Doch das wäre nicht einmal die halbe Wahrheit. Wir sind es zuerst und vor allem uns selbst und unserem Glauben schuldig, trotz aller bedrückenden Erfahrungen miteinander zu sprechen. Das ist es, was Gott uns zumutet, der Gott, den Christen gemeinsam mit den Muslimen den Gerechten nennen und den Barmherzigen. BischofDr.FranzKamphausFAZ070202
Sr. Leonella, 64, in Mogadischu ermordet
Racheakt der Söhne des Propheten
Al-Qaida droht im Internet: Wir werden das Kreuz zertrümmern. Mord an einer Ordensschwester Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Mord an der italienischen Ordensschchwester Leonella in Somalia ein Racheakt von islamischen Extremisten war. Augenzeugen sprachen von einer Hin- richtung aus Rache für die Regensburger Vorlesung Benedikts XVI. bei seinem Besuch in Deutschland. Die Terrororganisation al-Qaida im Irak drohte dem Westen einen heiligen Krieg an, bis der Islam die Weltherrschaft erlangt habe. Bei Demonstrationen im Irak wurden neben einer Papst-Puppe auch deutsche und amerikanische Fahnen verbrannt. Die Internet-Erklärung nahm Bezug auf die Regensburger Rede von Benedikt XVI. in der vergan- genen Woche. „Ihr Ungläubigen und Despoten, wir werden unseren Dschihad fortsetzen und niemals aufhören, bis Gott uns hilft, eure Hälse abzuschneiden und das flatternde Banner des Monotheismus weht und Gottes Herrschaft über alle Völker und Nationen errichtet ist. Wir werden das Kreuz zertrümmern”, hieß es darin. Nach einem Sieg im Dschihad werde es für die unterlegenen Christen nur die Möglichkeit geben, zum Islam überzutreten oder „mit dem Schwert getötet zu werden”. HA060919
„Ich vergebe, ich vergebe, ich vergebe”. In Mogadischu erschossene Ordensschwester kannte die Gefahr
Sie habe immer gewusst, dass es irgendwo in Somalia eine Kugel gebe, auf der ihr Name stehe. Doch für Schwester Leonella Sgorbati vom Orden der Consolata-Missionarinnen war das kein Grund zur Verzweiflung. „Sie war ein fröhlicher Mensch und hat stets versucht, das Leben mit Humor zu nehmen, auch wenn das nicht immer einfach war”, sagt Schwester Josephine, Oberin des Ordens in Ostafrika und seit fast 30 Jahren eng mit Schwester Leonella befreundet. Jetzt ist die in Mogadischu auf offener Straße erschossene katholische Ordensschwester in der kenianischen Hauptstadt Nairobi beigesetzt worden. Ihre Mörder waren allem Anschein nach fanatische Muslime, die sich so für die vermeintlich islamkritischen Äußerungen Papst Benedikts XVI. rächen wollten, die dieser während seines Besuchs in Deutschland gemacht hatte. Einen Tag vor dem Mord hatte ein Prediger in Mogadischu gesagt, wer auch immer den Propheten Mohammed beleidige, müsse von dem Muslim getötet werden, der sich in der Nähe befinde. Der Islam ist in Somalia Staatsreligion, 99,8 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, nur 0,1 Prozent Christen. Das Land am Hörn von Afrika gehört zu den ärmsten und am wenigsten ent- wickelten Staaten der Welt. Nirgendwo sonst haben Kinder so schlechte Chancen, das Erwach- senenalter zu erreichen. Es gibt kaum sauberes Wasser, Krankheiten wie Cholera und Malaria sind weit verbreitet. Mehr als zwei Drittel der Somalis können weder lesen noch schreiben. Seit vor 15 Jahren lokale Kriegsherren den Militärdiktator Siad Barre stürzten, herrschen dort Chaos und Anarchie. Bis heute gibt es keine funktionsfähige Regierung. Seit Mai wird die Hauptstadt Mogadischu von einem Rat aus Scharia-Richtern kontrolliert. Schwester Leonella, eine große, robuste Frau, war sich der Gefahr bewusst, in der sie in Somalia lebte und arbeitete. Das SOS-Kinderdorf mit der dazugehörigen Kinderklinik, in der die Missionarinnen als Krankenschwestern tätig sind, wird ebenso wie das Wohnhaus der Ordensfrauen schon seit Jahren streng bewacht. Nach dem Mord sind die drei verbliebenen Schwestern nach Nairobi ausgeflogen worden. Nicht einmal über die Straße gingen die vier Schwestern ohne bewaffnete Begleiter. Trotzdem geriet eine der Schwestern 2001 für mehrere Tage in die Gewalt von Entführern, wurde aber schließlich ohne Lösegeldzahlung freigelassen. Eine andere überlebte im April 2005 nur knapp einen Bombenanschlag. Andere Ausländer hatten weniger Glück: Im Februar vergangenen Jahres wurde eine britische Journalistin erschossen, im Juni dieses Jahres ein schwedischer Kameramann. „Jedesmal, wenn mich Leonella in unserem Ordenshaus in Nairobi besuchte”, erinnert sich Schwester Josephine, „kam sie darauf zu sprechen, wie gefährlich es in Mogadischu sei. Doch dann pflegte sie zu sagen: ,Dort gehöre ich hin. Das ist es, was Gott von mir will.' Sie war erfüllt von dem Wunsch, ihr Leben und ihre Kraft in den Dienst Gottes zu stellen. Deshalb ist sie Missionarin geworden.” Die am 9. Dezember 1940 in Gazzola in der norditalienischen Provinz Piacenza geborene Rosa Sgorbati, wie Schwester Leonella mit bürgerlichem Namen hieß, trat 1963 in den katholischen Orden der Consolata-Missionsschwestern ein. 1972 wurde sie zur Nonne geweiht. Die Angehörigen der 1910 von Giuseppe Allamano in Turin gegründeten Glaubensgemeinschaft verpflichten sich nicht nur zu lebenslanger Armut, Keuschheit und Gehorsam. Sie bekennen sich im Sinne einer universalen Kirche auch zu einem Leben ohne territoriale, rassische, kulturelle und religiöse Grenzen. Der Orden möchte all jene ansprechen, die, wie es in einer Selbstbeschreibung heißt, „nahe bei uns leben, aber weit entfernt von Jesus und der Kirche”. Die Consolata-Missionarinnen kümmern sich beinahe überall auf der Welt um notleidende, kranke und einsame Menschen, in denen sich für sie der leidende Jesus Christus manifestiert.In Europa gibt es Gemeinschaften des Ordens unter anderem in Italien, Spanien, Portugal und England, in Afrika in Kenia, Äthiopien, Tansania, Mocambique, Somalia, Dschibuti, Liberia und Guinea-Bissau. Das Leben jenseits der Grenzen führte Schwester Leonella schon früh nach Afrika. Nachdem sie in England zur Krankenschwester ausgebildet worden war, sandte der Orden sie im September 1970 nach Kenia. In den folgenden 13 Jahren arbeitete sie im MadariKrankenhaus in Myeri und im Nazaret- Krankenhaus in Nairobi. 1983 begann sie ein zweijähriges Studium der Krankenpflege; anschließend wurde sie Leiterin der Schule für Krankenschwestern am Nkubu-Krankenhaus in Meru. Im November 1993 wurde sie zur Oberin des Ordens in Kenia ernannt, eine Position, die sie für sechs Jahre innehatte. In Meru lernte auch Schwester Joan Agnes sie kennen, eine Afrikanerin. „Drei Jahre lang war Schwester Leonella meine Lehrerin. Ich weiß noch wie heute, wie sie immer mit einem Stapel Lehrbücher unter dem Armin den Klassenraum kam, nur um sie dann auf ihr Pult zu legen und nicht mehr anzurühren. Alles, was wichtig war, hatte sie im Kopf.” Schwester Leonella sei eine strenge und anspruchsvolle Lehrerin gewesen, allerdings auch eine mit viel Humor. „Als Kind dachte ich immer, Nonnen seien sehr ernste, traurige Menschen. Schwester Leonella hat mich vom Gegenteil überzeugt. Sie war einer der fröhlichsten Menschen, die ich je getroffen habe.” Es gebe mehr als genug nachlässige Krankenschwestern auf der Welt, habe sie zu sagen gepflegt, und ihr größter Wunsch sei es gewesen, dass ihre Schülerinnen es einmal besser machten und den Kranken und Bedürftigen echten Trost spendeten. Sie sowohl theoretisch als auch praktisch möglichst umfassend auszubilden, habe sie als Voraussetzung dafür angesehen. Besonders am Herzen gelegen habe ihr, ihren Schülern einen Sinn für die Schönheit des menschlichen Körpers zu vermitteln und zugleich das Werk Gottes darin zu sehen.„Sie wollte zum Beispiel, dass wir uns hinknien, wenn wir Frauen bei der Geburt helfen, als Zeichen der Ehrfurcht vor dem neuen Leben. Für mich war sie wie eine Mutter.” Auch Schwester Joan Agnes sagt, Schwester Leonella sei sich immer im klaren darüber gewesen, wie groß die Gefahr war, der sie als öffentlich wirkende Christin in Somalia ausgesetzt gewesen sei. Oft habe sie über den Tod geredet, doch ohne dabei Angst zu verspüren. „Sie lebte in dem Bewusstsein, ihr Leben schon vor langer Zeit in die Hand Gottes gegeben zu haben. Ich habe sie immer darum beneidet, wie sicher sie sich ihrer Berufung und ihrer Mission war. Sie sagte, bis dahin sei es eine lange Reise, aber sie lohne alle Mühe.” Obwohl sie damals nicht aus eigener Entscheidung dorthin gegangen sei, habe ihr Herz für Afrika und die Menschen dort geschlagen. Die Afrikaner wiederum seien ihr mit großem Respekt und echter Zuneigung begegnet. „Sie gaben ihr sogar einen eigenen Namen, der übersetzt etwa ,die treue Frau' bedeutet.” Nach Mogadischu kam Schwester Leonella zum ersten Mal 2001 mit der Idee, an der dortigen SOS- Kinderklinik eine Ausbildungsstätte für Krankenschwestern ins Leben zu rufen. Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es ein SOS-Kinderdorf in Mogadischu. Die von dem Österreicher Hermann Gmeiner nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Hilfsorganisation betreibt in der somalischen Hauptstadt außerdem eine Schule, eine Mutter-Kind-Klinik und ein Kinderkrankenhaus. Da die meisten somalischen Ärzte ihre Heimat bei Ausbruch des Bürgerkriegs verlassen haben, ist die medizinische Versorgung miserabel. Die staatlichen Krankenhäuser in Mogadischu funktionieren schon lange nicht mehr. Außer den SOS- Einrichtungen gibt es in der Stadt nur noch eine Notfallklinik des Internationalen Roten Kreuzes. Die SOS-Mutter-Kind-Klinik ist die einzige Entbindungsstation in Somalia, die zudem über eine gynäko- logische Abteilung verfügt. Schwangere Frauen und Mütter nehmen tagelange Märsche aus ganz Somalia und sogar aus dem benachbarten Äthiopien auf sich, um sich dort behandeln zu lassen. Jährlich werden dort mehr als 260.000 Behandlungen vorgenommen; allein in der pädiatrischen Abteilung werden im Jahr mehr als 110.000 Kinder behandelt. Untersuchungen und Behandlungen sind kostenlos. Das ist nur möglich, weil es Pflegerinnen wie die Consolata-Missionarinnen gibt. „Die Schwestern arbeiten auf eigenen Wunsch für uns. Sie haben weder einen Arbeitsvertrag noch werden sie für ihre Tätigkeit bezahlt”, sagt Willy Huber, Regionalleiter der SOS-Kinderdörfer in Ostafrika. „Schwester Leonella hatte unglaublich viel Energie. Wenn man jungen Leuten in einem Land wie diesem Hoffnung geben will, muss man Worte in Taten umsetzen. Das konnte sie.” Nachdem sie mit großem Engagement die Einrichtung einer Schule für Krankenschwestern betrieben hatte, wurde sie im Jahr 2002 deren Leiterin. Jeweils etwa 25 Frauen und Männer werden dort drei Jahre lang zu Krankenschwestern, Krankenpflegern und Hebammen ausgebildet. Schwester Leonella arbeitete hart für den Erfolg der Schule. Tagsüber unterrichtete sie bis zu acht Stunden, nachts arbeitete sie an den Lehrplänen und korrigierte Hausarbeiten. Für den Schlaf blieben ihr in manchen Nächten nicht mehr als drei Stunden. Es sei wunderbar gewesen, sagt Schwester Gianna Irene, die mit ihr in Mogadischu lebte, wie sie es vermocht habe, den jungen Somalis, die zu ihr an die Schule gekommen seien, Selbstvertrauen einzuflößen. „Diese Mädchen und Jungen kamen mehr oder weniger aus dem Busch, die meisten ohne jegliche Schulbildung, waren am Anfang äußerst schüchtern und trauten sich überhaupt nichts zu. Bevor Schwester Leonella mit der eigentlichen Ausbildung begann, brachte sie ihnen zunächst einmal ein halbes Jahr lang Englisch bei. Schon während dieser Zeit konnte man sehen, wie das Selbstwertgefühl der jungen Menschen beinahe täglich wuchs.” Auch außerhalb des Unterrichts habe sie immer ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Schüler, aber auch der anderen Lehrer gehabt. „Sie war voller Begeisterung für diese Aufgabe”, sagt Schwester Josephine, „obwohl sie in letzter Zeit leichte gesundheitliche Probleme hatte.” In den vergangenen Jahren hatte Schwester Leonella stark zugenommen und oft unter ge- schwollenen Füßen gelitten. Das Bergwandern, einen Sport, der sie begeisterte, musste sie schließlich aufgeben. In den wenigen Mußestunden, die ihre Arbeit ihr ließ, griff sie zu Büchern - sie verehrte Charles Dickens -, besuchte einen der zahlreichen Natur- parks oder suchte das Gespräch mit den Menschen in ihrer Umgebung. Erst wenige Tage vor dem Attentat war Schwester Leonella aus Uganda, wo sie in Kranken- häusern nach Praktikumsplätzen für ihre Schüler gesucht hatte, nach Somalia zurückgekehrt. Am vergangenen Sonntag überquerte sie um die Mittagszeit gemeinsam mit ihrem somalischen Leibwächter die Straße zwischen dem SOS-Kinderdorf und dem Krankenhaus, als zwei Männer mit Schusswaffen hinter geparkten Autos hervorsprangen und das Feuer eröffneten. Der Leibwächter, ein junger Familienvater, war sofort tot. Schwester Leonella starb, von sieben Kugeln getroffen, kurze Zeit später in dem Krankenhaus, in dem sie selbst so länge gearbeitet hatte. „Sie hatte keine Chance”, sagt Huber. „Es war wie eine Hinrichtung.” Augenzeugen berichteten, ihre letzten Worte hätten ihren Mördern gegolten. „Perdono, perdono, perdono - ich vergebe, ich vergebe, ich vergebe.” Einer der Täter ist inzwischen festgenommen und dem Obersten Islamischen Rat (SICS) in Mogadischu überstellt worden. Nach dem zweiten Schützen werde gefahndet, sagte Scheich Muchtar Robow, stellvertretender Sicherheitschef des SICS, der Nachrichtenagentur AFP. Schwester Leonellas Leichnam wurde nach Nairobi gebracht, wo er am Donnerstag auf dem Friedhof des Nazareth-Krankenhauses beigesetzt wurde. In einem Telegramm an die Ordensgemeinschaft drückte Papst Benedikt XVI. sein Beileid zum gewaltsamen Tod Schwester Leonellas aus. Er bekräftige darin seine tiefe Missbilligung jeder Form von Gewalt, doch hoffe er darauf, „dass das Blut, das von einem solch gottesfürchtigen Jünger des Evangeliums vergossen wurde, Hoffnungen auf eine echte Brüderlichkeit zwischen den Menschen und gegenseitigen Respekt für die religiösen Überzeugungen aller stiftet”. Die Consolata-Missionarinnen in Mogadischu, die nach Nairobi ausgeflogen wurden, sehen das ähnlich. „Schwester Leonella ist als Märtyrerin gestorben”, sagt Schwester Gianna Irene. „Ihr Tod ist wie ihr Leben ein Beweis dafür, dass nichts umsonst getan ist, was man aus Liebe zu Gott tut. Wir alle hoffen, dass eines Tages aus all dem Leid in diesem Land Frieden werden wird.” NicolasWolzFAZ060922
Priester in der Türkei ermordet
Diözese Rom trauert um ihren ermordeten Priester
Die Katholiken in der Ewigen Stadt trauern um den ermordeten Priester Don Andrea Santoro, der aus der Provinz Latina stammte, aber zur Diözese Rom gehörte. Unter großer Anteilnahme hochrangiger Politiker und der Bevölkerung feierte der Generalvikar für die Diözese Rom, Camillo Kardinal Ruini, in der Lateranbasilika das Requiem. In seiner Predigt kündigte er die Absicht an, den Seligsprechungsprozess für Don Andrea Santoro zu eröffnen, eine Nachricht, die von den Gläubigen mit großem Beifall auf- genommen wurde. Persönlich sei er davon überzeugt, so sagte Kardinal Ruini, dass das Opfer des Verstorbenen alle Elemente enthält, die für ein christliches Martyrium konstitutiv sind. Bewegt gab Kardinal Ruini die Worte der Vergebung der Mutter des Ermordeten weiter, auch der Täter sei »ein Kind des einzigen Gottes, der die Liebe ist«. Der Kardinal erinnerte daran, dass Don Andrea den Wunsch gehabt habe, als Priester an Orte zu gehen, in denen der Glaube seinen Anfang genommen habe. Er habe das Evangelium und den barmherzigen Gott bezeugen wollen, die Liebe des barmherzigen Gottes, Toleranz und Bereitschaft zum Dialog mit allen. Die sterbliche Hülle war vor dem Requiem in der Kirche »San Fabiano e San Venanzio« aufgebahrt, wo der Getötete vor seiner Übersiedlung in die Türkei im Jahr 2000 Pfarrer gewesen war. Auch in Istanbul wurde bei einem Gottesdienst in der Kathedrale des Priesters gedacht. Hauptzelebrant war der Apostolische Nuntius in der Türkei, Erzbischof Antonio Lucibello. 060217OR Lesen Sie weiter > Priestert Priester
Ankara: Wegen der Ermordung eines katholischen Priesters ist ein 16-Jähriger in der Türkei zu mehr als 18 Jahren Haft verurteilt worden. Der Priester war im Februar in Trabzon beim Beten in seiner Kirche erschossen worden. Zu dieser Zeit gab es in der muslimischen Welt massive Proteste gegen die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen. HAZ061011 Lesen Sie einen ausführlichen Fotobericht über Pater Andrea Santoro > Priester
Priester bedroht und tätlich angegriffen
In der Türkei ist erneut ein katholischer Priester tätlich angegriffen worden. Darauf hat der Apo- stolische Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, hingewiesen. Ziel einer Gruppe von Gewalttätern wurde der kroatische Franziskaner Martin Kmetec, der in Izmir tätig ist. Wie der Bischof mitteilte, hätten die etwa 25 bis 30 Jahre alten Täter gegen seine Haustür geschlagen und seien dann schreiend mit den Worten eingetreten: »Wir sind Nationalisten, wir bringen dich um.« Pater Kemec wurde geschlagen, dann seien die Angreifer davongezogen, wobei sie ihre Drohungen wiederholt hätten. Der Priester habe sich nach diesem schwerwiegenden Vorfall, der Frucht des Fanatismus einer kleinen Minderheit sei, sofort an die Polizei gewandt und Anzeige erstattet. In diesen Tagen, so unterstrich der Bischof, habe es unzählige Bekundungen der Anteilnahme seitens des türkischen Volkes gegeben, auch von den religiösen und zivilen Autoritäten sowie von den politischen Parteien. OR060217 Erneuter Angriff auf Priester in der Türkei In der Türkei ist erneut ein katholischer Priester angegriffen worden. Unbekannte hätten den Slowenen Martin Kmetec in seiner Wohnung in Izmir überfallen, ihn geschlagen und mit seiner Er- mordung gedroht, berichteten italienische Zeitungen unter Berufung auf den Apostolischen Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese. Kmetec habe den Vorfall der Polizei gemeldet; diese sei jedoch weitgehend untätig geblieben Padovese, unterstrich, dass der Großteil der türkischen Bevölkerung keine feindseligen Einstellungen gegenüber Christen hege. In der Türkei leben gut 100.000 Christen. DTkna060215
Wieder Angriff auf Priester in der Türkei in Samsun
Pater Pierre Brunissen, Marienkirche 
Der 74 Jahre alte französische Priester Pierre Brunissen auf dem Foto oben in der katholischen Kirche Maria Mutter der Schmerzen, der in Samsun am Schwarzen Meer mit einem Messer angegriffen worden war, ist wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Es war der dritte Angriff auf einen katholischen Geistlichen innerhalb weniger Monate. Ein 47jähriger Angreifer griff den Priester in einer belebten Geschäftsstrasse in der Nähe der Kirche mit einem Messer an und verletzte ihn an der Hüfte und am Bein. Als Grund nannte der Mann, dass der Pater versuche, Menschen zum christlichen Glauben zu führen. Der apostolische Vikar für Anatolien Msgr. Luigi Padovese sagt: “Ich hoffe sehr, dass dieser Angriff nichts mit dem islamischen Fundamentalismus zu tun hat”und erklärt dann: “Das Klima hier hat sich verändert... katholische Priester werden als Ziel ausgemacht.” Es habe sich um einen „schizophrenen“ Angreifer gehandelt, berichteten die türkischen Medien unter Berufung auf den Gouverneur von Samsun. Bei dem Mord an dem italienischen Geistlichen Andrea Santoro in der Schwarzmeerstadt Trabzon im Februar hatte es geheißen, dass ein 16 Jahre alter Jugendlicher die Tat begangen habe. Danach hatten in Izmir ebenfalls Jugendliche einen Franziskaner- pater aus Slowenien überfallen. In Samsun verhaftete die Polizei unmittelbar nach dem Angriff den 47 Jahre alten Angreifer. Er wird auch verdächtigt, seine Mutter getötet zu haben. Den Geistlichen Pierre Brunissen, der seit vielen Jahren in der Türkei lebt, soll er seit längerem gekannt und einmal wegen „Propaganda für das Christentum“ angezeigt haben. Der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz, Ruggero Franceschini, sagte, Ereignisse wie dieser Angriff brächten die Türkei in Misskredit. Wahrscheinlich bedienten sich fundamentalistische Kreise labiler Personen. Die Schwarzmeer-Region sei für einen extremen Nationalismus bekannt, der auch eine islamische Komponente habe, hieß es aus kirchlichen Kreisen. HerFAZ060504
Erzbischof Luigi Padovese in der Türkei ermordet
Türkei: Vorsitzender der Bischofskonferenz erstochen
Erzbischof Luigi Padovese, Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz, ist in seinem Haus er- stochen worden. Das bestätigt die türkische Bischofskonferenz. Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt dazu: „Es handelt sich um eine schreckliche Nachricht, die uns sehr tief bewegt und natürlich sehr traurig macht.“ Der am 31. März 1947 in Mailand geborene Padovese, der dem Franziskanerorden angehörte, wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Vikar ernannt und empfing die Bischofsweihe. Zuvor war er Professor an der Franziskaner-Universität „Antonianum“ in Rom. Er war für die rund 4.500 Katholiken im Süden und Osten der Türkei zuständig. rv100603kna Deutsche Bischofskonferenz: Ein brutaler Mord Die katholischen deutschen Bischöfe haben nach dem Mord an Bischof Luigi Padovese die türkische Justiz zur zügigen und „lückenlosen Aufklärung“ aufgefordert. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach in einer in Bonn veröffentlichten Erklärung von einem „brutalen und feigen Mord“ und zeigte sich erschüttert. Zollitsch würdigte den Bischof als „großen Seelsorger und Hirten der katholischen Kirche“. Padovese habe seit 2004 „als Bischof viel für die Christen in der Türkei gewirkt“. Er sei mit der Trauer der Gläubigen in Anatolien und der ganzen Türkei verbunden, so Zollitsch. RV100603pm

Bischof in der Türkei ermordet - Foto: Türkische Kriminalbeamte tragen den Leichnam des getöteten Bischofs Luigi Padovese aus seinem Haus in Iskenderun.
Erneut ist ein christlicher Geistlicher in der Türkei Opfer eines Verbrechens geworden: Der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Luigi Padovese, wurde in seinem Haus im südtürkischen Iskenderun durch mehrere Messerstiche schwer verletzt und starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Wie der türkische Fernsehsender NTV berichtete, soll der 63-jährige Geistliche von seinem muslimi- schen Fahrer ermordet worden sein. Der mutmaßliche Täter, dessen Namen die Polizei mit Murat A. angibt und der seit viereinhalb Jahren für den Bischof arbeitete, wurde festgenommen. Über die Hintergründe der Tat und die Motive des Mörders gab es zunächst keine gesicherten Informationen. Der Provinzgouverneur von Iskenderun, Mehmet Celalettin Lekesiz, teilte mit, der 26-jährige mutmaßliche Täter habe sich seit einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung befunden. Als apostolischer Vikar für Anatolien hatte sich Padovese besonders um den Dialog mit dem Islam bemüht. Er sollte nach Cypern reisen, um dort am Besuch von Papst Benedikt XVI. auf der Mittelmeer- insel teilzunehmen. Nationalistische Extremisten und muslimische Fanatiker hatten in der Türkei in den vergangenen Jahren mehrfach christliche Geistliche angegriffen. Die rund 70 Millionen Türken bekennen sich zu 99,7 Prozent zum Islam. Die Zahl der Christen in der Türkei beläuft sich nur auf etwa 120.000. Größte Gruppe bilden mit 70.000 die Armenier. Daneben gibt es etwa 15.000 Katholiken. Christliche Kirchen sind in der Türkei nahezu rechtlos. Und christliche Würdenträger leben in zunehmender Unsicherheit. Am 5. Februar 2006 wurde der katholische Priester Andrea Santoro in seiner Kirche in der Schwarzmeer- stadt Trabzon ermordet siehe den Bericht unten auf dieser Seite und unter > Priester. Der 16-jährige Täter tötete den zum Gebet niederknienden Priester hinterrücks durch einen Kopfschuss. Zeugen berichteten, der Junge habe „ Allahu Akbar" gerufen, „Allah ist groß". Gegenüber der Polizei gab er an, die Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen habe ihn zu der Tat verleitet. Später stellte sich heraus, dass der Priester von der Polizei beschattet wurde, weil er angeblich Kontakte zu Kurden unterhalten haben soll. Sein Mörder wurde im Oktober 2006 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt - als Beobachter hatte auch der jetzt ermordete Luigi Padovese an dem Prozess teilgenommen. Erst im Januar hatte die Parlamenta¬rische Versammlung des Europarats die Türkei aufgefordert, Gewalt gegen Christen eindeutig zu verurteilen, die Täter zu bestrafen und christliche Gemeinden als juristische Personen anzuerkennen. Auch die EU, mit der die Türkei über einen Beitritt verhandelt, mahnte in Ankara immer wieder mehr Religionsfreiheit und die Achtung der Rechte von Minderheiten an. HA100604GerdHöhler
Mord an Bischof Luigi Padovese: Entsetzen und Fassungslosigkeit Der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz ist Fronleichnam in Iskanderun erstochen worden. Tatverdächtiger ist sein Fahrer Murat A. Er wurde offenbar mit der Tatwaffe festgenommen. Der Fahrer, der kurdischer Herkunft und katholisch ist, arbeitete offenbar seit viereinhalb Jahren für den Bischof; er soll in psychologischer Behandlung gewesen sein. Nach türkischen Medienberichten gibt der 26-Jährige an, er habe aus einer „göttlichen Eingebung heraus“ gehandelt. Die türkischen Behörden vermuten „persönliche Motive“ hinter der Bluttat. Aus aller Welt kommen erschütterte Reaktionen auf die Bluttat in der Türkei. Unterwegs nach Zypern sagte Papst Benedikt XVI. im Flugzeug: „Selbstverständlich bin ich tief erschüttert über den Mord an Monsignore Padovese. Er hatte einen großen Anteil an den Vorbereitungen der Synode gehabt. Auch in der Synode selbst sollte er eine elementare Rolle übernehmen. Wir vertrauen Gott seine Seele an... Dieser Schatten hat nichts zu tun mit den wirklichen Themen der Reise, wir dürfen diese Tat nicht der Türkei oder den Türken zuschreiben. Es ist eine Tat, über die wir noch sehr wenig wissen. Sicher ist nur, dass es kein politisches oder religiöses Attentat war, sondern es handelt sich um persönliche Motive. Wir warten das vollständige Bild ab, aber wir dürfen diese tragische Situation jetzt nicht mit dem Dialog mit dem Islam vermengen und anderen Problemen unserer Reise. Es ist ein so trauriger Vorfall, aber er darf in keiner Weise den Dialog verdunkeln, der das Thema und die Intention dieser Reise ist." Die Deutsche Bischofskonferenz fordert eine zügige und lückenlose Aufklärung des Mordes. Der Konferenz- vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch spricht in einem Statement von einem „brutalen und feigen Mord“. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bewertet den Tod Padoveses als großen Verlust für die Katholiken in der Türkei. Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zeigt sich „zutiefst erschüttert“. Der Mord an Bischof Padovese ist eine „doppelte Katastrophe“, meint der Missio-Experte in der Türkei, Ottmar Oehring: „Es ist eine menschliche Tragödie, es ist aber auch eine Katastrophe für die Kirche und damit für die Gläubigen. Sie sind jetzt in gewisser Weise führungslos.“ RV100604
„Im Fall Padovese fehlen uns Informationen“ Hat der Mord an Bischof Luigi Padovese im türkischen Iskenderun doch einen islamistischen Hintergrund? Das hat Vatikansprecher Federico Lombardi zuletzt nicht mehr eindeutig ausgeschlossen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur kipa reagiert Pater Lombardi ausweichend auf jüngste Berichte renommierter Medien aus Rom und Madrid, wonach der Mord doch nicht die Tat eines Geistesgestörten gewesen sei, sondern einen eindeutig islamistischen Hintergrund habe. Nach Medienberichten soll der mutmaßliche Mörder des aus Italien stammenden Bischofs, Murat Altun, nach der Tat laut eine islamische Dankformel gerufen haben. Luigi Padovese war am 6. Juni 2010 in seinem Haus in der südosttürkischen Hafenstadt Iskenderun erstochen worden. Gegen den 26-jährigen Altun wurde von der türkischen Justiz Anklage erhoben. RV100609kipa
Erzbischof Ruggero Franceschini: Papst war falsch beraten
Ruggero Franceschini, der italienische Erzbischof von Izmir an der türkischen Ägäisküste, wirft Papst Benedikt XVI. ein Fehlurteil vor: Sein Ordensbruder Luigi Padovese sei „eindeutig aus religiösen Gründen" von seinem Fahrer erstochen und geköpft worden. Der Papst sei darum falsch beraten gewesen, als er Stunden nach der Tat vom 3. Juni bei seiner Ankunft zu einer Pilgerreise auf Zypern gesagt habe, der Mord habe weder politische noch religiöse Gründe, sondern sei auf „persönliche Motive", eine psychische Erkran- kung des Täters zurückzuführen. An diesem Montag wird der bisherige Vorsitzende der türkischen Bischofs- konferenz, der 1947 geborene Kapuziner Padovese, in seiner Heimatstadt Mailand als „Märtyrer" beigesetzt. Franceschini wurde vom Heiligen Stuhl beauftragt, Padoveses Amt bis zur Wahl eines neuen päpstlichen Vikars von Anatolien als Administrator zu betreuen. Der aus dem norditalienischen Saltino stammende 70 Jahre alte Franceschini kennt den Amtssitz Padoveses und die Stadt Iskenderun am Mittelmeer gut, denn er war von 1993 bis 2004 der Amtsvorgänger des Ermordeten. Im Gespräch mit der italienischen Zeitung „II Foglio" sagte Franceschini jetzt, er kenne auch die Familie des Mörders und den Attentäter Murat Alton, denn er habe ihn vor vier Jahren in den bischöflichen Haushalt eingeführt. „Diese Tat hat wenig mit der türkischen Regierung oder mit Ankara zu tun, nichts mit persönlichen Motiven, sondern allein mit dem Islam", sagte Franceschini. Er kenne die Schwierigkeiten der Christen in dieser Region, wo die türkische Regierung nichts tue, um den religiösen Minderheiten wie den Ka- tholiken oder Armeniern zu helfen. „Da agieren islamistische Gruppen, die alles unter ihrer Kontrolle haben." Drei Tage nach dem Mord hatte erstmals der Chefredakteur des Pressedienstes „Asianews" der römischen Missionsgesellschaft Pime berichtet, es gebe Zeugen, denen zufolge der Täter nach dem Mord gerufen habe: „Ich habe den großen Satan getötet - Allahu akbar!" Später wurde bekannt, dass der Bischof zunächst im Flur mit Messerstichen schwer verletzt und dann vor seinem Haus getötet und fast vollständig geköpft wurde. Mit der Beisetzung als „Märtyrer" wird die Kirche dem Umstand gerecht, dass Padovese sein Leben für seinen Glauben gab. Offiziell hieß es nach der ersten polizeilichen Vernehmung des Täters, er sei „einer göttlichen Eingebung gefolgt". Von einer psychischen Erkrankung ist nicht mehr die Rede. Padoveses-Amtsverweser Franceschini sagte nun „Il Foglio", Murat habe die Tat gut vorbereitet. Er stamme aus einer muslimischen Familie und habe auch nie den Gedanken gehabt, zum Christentum überzutreten. „Es ist immer ein Risiko, einem Muslim so einen Posten (im bischöflichen Haushalt) zu geben. Aber wir wissen um unsere Risiken." Franceschini hatte seinerzeit Probleme mit dem Onkel des Täters, einst Bürgermeister von Iskenderun. Denn der Onkel habe Franceschini eine Öffnung der katholischen Gemeinde für das gesellschaftliche Leben der Stadt untersagt. Papst Benedikt XVI. war auf Zypern dafür eingetreten, dass der Mord den „Dialog mit den Brüdern Muslimen" nicht „verdunkeln" dürfe. Die Kirche hatte bisher kein Interesse daran, Anschläge auf Christen in den Vordergrund zu spielen. So ist es ein Fanal, dass Erzbischof Franceschini jetzt an die Öffent- lichkeit trat. Er meint offenbar, dass Vertuschung nicht helfen kann. Für Oktober hat der Papst zu einer Sondersynode über die Lage der Christen im Nahen Osten eingeladen. Dabei wird auch die Christen- verfolgung in der muslimischen Welt ein Thema sein. FAZ100614jöb
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des Apostolischen Vikars von Anatolien, Bischof Luigi Pado- vese, beginnt Anfang Oktober. Ein Gericht im südtürkischen Iskenderun habe nach Annahme der Anklage- schrift den ersten Verhandlungstag auf den 5. Oktober gelegt. Das berichtete die Agentur APA unter Be- rufung auf türkische Medien. Die türkische Staatsanwaltschaft fordert demnach für den angeklagten Murat Altun lebenslange Haft. Altun steht im Verdacht, den Bischof von Iskenderun und Vorsitzenden der Türkischen Bischofskonferenz vor einem Jahr, am 3. Juni 2010, in dessen Haus erstochen zu haben. Er arbeitete als Padoveses Chauffeur und hat die Tat gestanden. Der Prozessbeginn hatte sich zuletzt verzögert, weil Altuns Anwalt eine geistige Umnachtung seines Mandanten geltend machte. Anfang Juni erklärte aber das Istan- buler Gerichtsmedizinische Institut, dass man bei dem Tatverdächtigen weder eine Geisteskrankheit noch eine geistige Zurückgebliebenheit festgestellt habe. RVkap110712apa Die Türkei beginnt mit der strafrechtlichen Aufarbeitung des Mordes an Bischof Luigi Padovese. Der dama- lige Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz war im Juni 2010 von seinem Fahrer Murat Altun erstochen worden. Jetzt muss der geständige Angeklagte sich vor einem türkischen Schwurgericht verantworten. Gleich am ersten Tag wurde die Verhandlung auf Ende November vertagt, um Zweifel am Geisteszustand des Angeklagten auszuräumen. Unklar sei außerdem das Mordmotiv. Die türkische Presse spekuliert über eine mögliche religiöse oder politische Motivation des Mordes. In den vergangenen Jahren waren in der Türkei mehrere Christen ermordet worden. RV111006kna

Sri Lanka: Buddhisten greifen katholische Kirche an
Mehr als 1.000 buddhistische Extremisten hatten sich mit Knüppeln, Schwertern und Steinen bewaffnet, um am 6. Dezember 2009 eine katholische Kirche in einer Stadt Sri Lankas feindlich anzugreifen. Sie zerstörten den Altar, Statuen, Stühle und Kirchenbänke Foto oben. Die vatikanische Tageszeitung “L’Osservatore Romano“ berichtet, dass Pater Jude Denzil Lakshman, der Pfarrer der Gemeinde „Unserer Lieben Frau zur geheimnisvollen Rose“ in Crooswatta sagte: „Ich höre noch das Geschrei in meinem Ohr: ‚Schlagt ihn in Stücke! Tötet ihn‘!“ Der Angriff erfolgte nach der 19 Uhr Sonntagsabendmesse. Mehrer Pfarrangehörige wurden verwundet. „Offensichtlich war dieser Angriff gut vorbereitet. Der Mob wartete auf uns nach der Sonntags- messe“. Als die Gemeinde die Abendmesse verließ, sahen sie den Mob, der auf sie los ging. Der Wagen von Pater Lakshman ging in Flammen auf Foto oben und dann versuchte jemand, den Geistlichen mit dem Schwert niederzuhauen. Aber ein junger Mann stieß diesen Angreifer mutig zur Seite. Die Extremisten „die Extremisten beschädigten dann alle anderen Motorräder, Fahrräder und auch ein Dreirad der armen Gemeindemitglieder. Einige Personen waren mit Schwertern und Schlagstöcken bewaffnet und schlugen auf die Katholiken ein. Sechs Christen wurden mit Schnittwunden und anderen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.“ Die Erzdiözese Colombo berichtet, dass eine Einheit der Luftwaffe sofort eingegriffen habe, um den Mob unter Kontrolle zu bringen. Sicherheitskräfte seien weiterhin in der Nähe, um die Sicherheit der Gläubigen zu gewährleisten. Zur katholischen Gemeinde gehören 293 Familien. Die Polizei hat elf Verdächtige extrem buddhistischer Guppen, die schon früher die Kirche angegriffen hatten, in Untersuchungshaft genommen. CT091227LaurenceTurner Hintergrund der Gewalt In den Augen der buddhistischen Nationalisten tragen die Christen die Schuld daran, dass die “Jahrhunderte währende Harmonie im Land” zerstört wurde. Von der Bevölkerung Sri Lankas gehören zwei Drittel der buddhistischen Religion an, 11 % sind Hindus, 10 % Christen und 9 Prozent Muslime. Bei ihren Angriffen auf die Christen unterscheiden sie nicht zwischen katholischen, protestantischen und evangelikalen Gruppierungen. Hindus und Muslime sind keiner Gewalt ausgesetzt, da sie auf Sri Lanka traditionell nicht missionieren - ein weiteres “Vergehen”, das den Christen vorgeworfen wird. Tatsächlich ist die Unnachgiebigkeit der buddhistischen Mönche dem allmählichen Abstieg des Buddhismus im ländlichen Bereich und der Zunahme christlicher Gemeinden geschuldet. Manche ermordete und vermisste Priester sind im Kontext des Bürgerkrieges zu sehen, der in der gesamten Bevölkerung unschuldige Opfer gefordert hat.
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