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Der aktuelle Dialog zwischen Kirche und Moschee findet seine feste Begründung im II. Vatikanischen Konzil, in der Regensburger Vorlesung des Papstes und den Einladungen führender moslemischer Gelehrter. Darüber berichten wir unter > Dialog der Religionen. Hier berichten wir über die Fortschritte der Annäherung zwischen Kirche und Moschee.
„Warum kann der Libanon eine Botschaft sein?“
Für die päpstliche Botschaft an die Christen des Nahen Ostens hätte Benedikt XVI. kein besseres Reiseziel wählen können als den Libanon, denn das Land ist heute „Zentrum der arabischen Welt“. Davon ist der ägyptische Islamexperte und Jesuit Samir Khalil Samir Foto überzeugt. Im Gespräch mit Radio Vatikan geht er auf die besondere Bedeutung ein, die das Land heute und in der Geschichte in der Region spielt und gespielt hat. Pater Samir, Vatikan-Berater in Islamfragen und Dozent in Rom und Beirut, äußerte sich am Rande einer Konferenz zur Lage der Christen in Nahost, die im Päpstlichen Maronitischen Kolleg in Rom stattfand: „Der Papst wird den Christen sagen: Ihr habt eine Mission, der Libanon ist nicht zufällig ein solch freies Land. Und es ist auch kein Zufall, dass die ,Nahda‘, die Renaissance der arabischen Welt, aus dem Libanon nach Ägypten kam. Das wird die Botschaft sein, kulturell, soziologisch, aber auch geistlich-spirituell: Die Christen haben eine Mission. Sie müssen dort bleiben – nicht wegen des Klimas, Geldes, der Landschaft – nein, sie müssen bleiben, weil sie eine Mission in der arabischen Welt haben. Und wir müssen diese Mission neu entdecken. Wir haben dieses Gefühl verloren, jeder denkt an seine Gemeinschaft und kleine Gruppe – es wäre schlimm, wenn das so bleibt.“ Im Libanon stellen Muslime und Christen die größten Religionsgemeinschaften, in der politischen Führung des Landes müssen beide Religionen vertreten sein. Somit haben die Christen im Libanon im Kontrast zu den anderen Ländern der Region mehr Entscheidungsgewalt. Pater Samir nennt weitere Beispiele für die Sonder- stellung des Landes: „Der Libanon ist tatsächlich ein besonderer Staat im Nahen Osten, der einzige, der arabisch ist, aber nicht muslimisch. Dazu kommt, dass der Libanon heute das Zentrum der arabischen Welt ist. All diejenigen, die irgendetwas schreiben sollen, das nicht ,klassisch‘ ist und mit ,mehr Freiheit‘ zu tun hat, schreiben im Libanon, seien es Ägypter, auch Leute aus Marokko, Tunesien oder andere. Früher war Ägypten das Zentrum, heute ist es der Libanon. Der Libanon ist ein freies Land. Ein Beispiel: Im Libanon gibt es eine staatliche Universität und 41 freie Universitäten. Dieselbe Vielfalt gilt für die Medien, Radio, Fernsehen – es gibt mehr freie Medien als nationale. Das ist typisch für den Libanon.“ Papst Johannes Paul II. hatte bei seinem historischen Besuch in Beirut im Jahr 1997 an die Christen appel- liert, in der Region zu bleiben. Da lagen der erste Libanonkrieg und die erste Intifada der Palästinenser nur wenige Jahre zurück. Johannes Paul habe auch bei den Muslimen damals tiefen Eindruck hinterlassen, erzählt Pater Samir: „Ich glaube, dass das, was der frühere Papst gesagt hat, nämlich dass der Libanon mehr als ein Land ist, eine Botschaft für die Welt ist. Das wird heute von allen Muslimen noch immer wiederholt! Und ich glaube, das bleibt. Die Frage ist heute: Warum ist der Libanon eine Botschaft? Und ich hoffe, dass der Papst dieses Thema auch weiterführen wird. Er ist eine Botschaft durch die Christen, die das Evangelium durch ihre Kultur und all das weitergeben.“ Sorgt die Krise im benachbarten Syrien denn aktuell im Libanon für neue religiöse und politische Span- nungen? Der Pater beschwichtigt: Momentan seien wenige Auswirkungen der Syrien-Krise spürbar. Freilich könnte die Lage durch den Flüchtlingsstrom eine dramatische Wende nehmen und gefährlich werden. Mit dem Feuer spielen wolle aber keine Partei im Libanon, da ist sich der Islamfachmann ganz sicher: „Ich glaube, der ganze Libanon und auch die Hisbollah weiß, dass man mit diesem Thema nicht spielen kann. Syrien, ich meine die Regierung, versucht auch, die Leute nicht in den Libanon fliehen zu lassen.“ Der päpstliche Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, hatte jüngst einen gemeinsamen Friedens- appell aller im Land vertretenen Religionen angeregt. Ob ein solcher Appell die politischen Fronten überhaupt beeindrucken würde, kann Pater Samir auch nicht beantworten. Er ist sich aber sicher: „Dass wir alle, Vertreter aller Religionen sagen müssen: Der Frieden ist die erste Pflicht. Es gibt keine andere Möglichkeit als eine friedliche Botschaft mit allen Stimmen, mit allen Gruppen der Christen und Muslime, der ganzen Nation, die heute durch ihre geistlichen Führer repräsentiert wird. Und ich hoffe – ja, ich werde auch selbst in diesem Sinne etwas tun, wenn ich morgen zurück nach Beirut fliege!“ RV120505p
Kardinal Jean Louis Tauran Iranische Delegation besuchte den Vatikan
Zu einem fünftägigen Besuch hielt sich eine vierköpfige Delegation iranischer Parlamentarier im Vatikan auf. Es handele sich um hohe schiitische Geistliche aus dem Islamischen Konsultativrat, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars. Die geistlichen Politiker wollten interreligiöse Gespräche führen und ver- schiedene päpstliche Akademien besuchen. Der Heilige Stuhl hat den Besuch bisher nicht bestätigt. Es gebe „seit langem gute" Beziehungen, meldete Fars. So habe Erzbischof Edmond Fahat im Juni an der „Inter- nationalen Konferenz gegen Terrorismus" in Iran teilgenommen. Vor einem Jahr hielt sich offenbar Jean-Louis Kardinal Tauran in Teheran auf und traf dort Präsident Ahmadineschad. Tauran ist der Präsident des Rates für den Interreligiösen Dialog und war nun Gastgeber der Iraner. Der Organisation „Open Doors" zufolge ist Iran nach Nordkorea das zweitgefährlichste Land für Christen auf Erden. Derzeit droht dem Priester Yosef Nadarkhani in der Stadt Rasht am Kaspischen Meer die Todesstrafe. Im Oktober 2009 wurde er verhaftet, als er seine Kirche registrieren lassen wollte, im September 2010 wegen „Gotteslästerung" verurteilt. Er könnte er exekutiert werden, berichtet die Organisation „Christian Solidarity worldwide". FAZ110930jöb

Foto von links nach rehts: Pater Christian W. Troll SJ, Scheich Abdal Hakim Murad Winter, Kardinal Tauran mit Benedikt XVI. - Katholisch-Islamisches Forum gegründet.
Das Gespräch zwischen Katholiken und Moslems geht auf höherer Ebene weiter. Das vereinbarte Kardinal Jean-Louis Tauran jetzt mit islamischen Gelehrten. Im Vatikan traf sich eine Delegation von Islam-Gelehrten mit einem vatikanischen Team. Dabei wurde die Gründung eines „Katholisch-Islamischen Forums” vereinbart. Es soll in Rom je 24 hochrangige Vertreter der beiden Religionen zu einer Konferenz zusammenbringen. Der deutsche Jesuitenpater Christian Troll ist einer der profiliertesten Kenner des Islams und war beim Treffen im Vatikan dabei. Er berichtet im Gespräch mit Radio Vatikan: „Es war ein dreitägiges Seminar sein: zwei Arbeitstage und ein Tag mit einem Besuch beim Papst und einer öffentlichen Sitzung. Der muslimischen Delegation lag sehr viel daran, dass das Hauptthema des Briefes - das Doppelgebet der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten - dort reflektiert wird.” Der Papst hat die Teilnehmer im Vatikan empfangen. Das Thema Gottes- und Nächstenliebe hatte schon in dem Dialog-Brief eine Rolle gespielt, den 138 namhafte Moslems an die Christenheit geschrieben haben. Nach Eingang dieses Briefes hatte der Papst Interesse an einem intensiveren Dialog gezeigt. Daraufhin hatten die Unterzeichner des Schreibens in diesen Tagen eine Delegation in den Vatikan geschickt, um die Vorgehens- weise abzusprechen. An der Spitze der islamischen Delegation stand Scheich Abdal Hakim Murad Winter, der im britischen Cambridge lehrt; zum ersten Mal sprechen damit Vertreter verschiedener islamischer Strömungen aus 43 Ländern mit einer Stimme. Die Gespräche im Vatikan seien in guter Atmosphäre verlaufen, sagt Pater Troll. „Regensburg (d.h. die Regensburger Rede des Papstes > Dialog der Religionen) wurde erwähnt; das hat dann doch überrascht, wie sehr doch noch zum Ausdruck gebracht wurde, wie sehr das schockiert habe ... dass da noch Wunden offen seien und dass man dankbar sein sollte auf unserer Seite, dass man auf musli- mischer Seite jetzt zum Positiven übergehe. So wurde das nicht gesagt, aber ich denke mal, dass der Offene Brief und seine Thematik natürlich auch mitbedingt sind durch die Regensburger Rede und alles, was dann folgte. Hier wurde an einem Punkt gesagt, man solle nicht so leicht der Regensburger Rede den Kredit geben, dass da ja so viel Positives herausgekommen sei - nein, das sei eine Wunde.” Aber man müsse doch auch sagen, findet Pater Troll, „dass die Art und Weise, wie da gesprochen wurde und wie man jetzt auf wichtige Themen kommt, eben doch - ob man es will oder nicht - durch diesen Paradigmen- wechsel im Dialog, den die Regensburg-Rede eingeleitet hat, zustande gekommen ist. Diese Rede hat dazu geführt, dass man jetzt mal bewusst über das Atmosphärische hinaus zu zentralen Themen spricht.” rv080305sk
Begegnung in Paris
Zu Beginn seiner Ansprache begrüßte Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Paris die Vertreter der muslimischen Gemeinde Frankreichs und dankte ihnen für die Teilnahme an der Begegnung. Damit verband er seine besten Wünsche für den Fastenmonat Ramadan. Auf unserem Bild der Heilige Vater mit dem Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur. OR080819

Foto links: Botschafter islamischer Länder im Vatikan. Foto rechts: Tarcisio Kardinal Bertone begrüßt Frau Nevine Simaika Halim, Botschafterin der arabischen Republik Ägypten
Nach der Regensburger Vorlesung empfing Papst Benedikt XVI. die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Bot- schafter muslimischer Länder und Vertreter muslimischer Gemeinden in Italien in Audienz. Bei dieser Gelegen- heit wies Benedikt alle in den Medien und auch anderswo unternommenen Instrumentalisierungsversuche zurück, die sein Handeln in Gegensatz zu dem seines verehrten Vorgängers stellen wollten und betonte: „Das von meinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. begonnene Werk fortsetzend, wünsche ich daher zutiefst, dass die vertrauensvollen Beziehungen, die sich seit vielen Jahren zwischen Christen und Muslimen entwickelt haben, nicht nur fortbestehen, sondern sich in einem Geist des aufrichtigen und respektvollen Dialogs weiter- entwickeln; eines Dialogs, der auf eine immer wahrheitsgemäßere gegenseitige Kenntnis gründen muss, die mit Freude unsere gemeinsamen religiösen Werte anerkennt und die Unterschiede in loyaler Haltung respek- tiert.” Dann fügte er an: „Auch müssen Christen und Muslime in Treue zu den Lehren ihrer je eigenen religiö- sen Traditionen lernen zusammenzuarbeiten, wie das bereits in verschiedenen gemeinsamen Erfahrungen geschieht; das ist notwendig, um sich vor jeder Form von Intoleranz zu schützen und jeder Manifestation von Gewalt entgegenzutreten.” Es war kein Zufall, wenn der Papst - nachdem er den Bischof der größten katholischen Gemeinschaft des Nahen Ostens in Audienz empfangen hatte - beim Angelusgebet sagte: „Liebe Brüder und Schwestern! Gestern hatte ich die Freude, dem Patriarchen von Babylon der Chaldäer Emmanuel III. Delly zu begegnen. Er hat mir von der tragischen Situation berichtet, der die geliebte Bevölkerung des Irak tagtäglich gegen- übersteht, in einem Land, in dem Christen und Muslime seit 14 Jahrhunderten als Söhne und Töchter der- selben Heimat zusammenleben. Ich hoffe, dass sich diese Bande der Brüderlichkeit unter ihnen nicht lockern. Mit der Zusicherung meiner geistlichen Nähe lade ich alle ein, mit mir zusammen Gott den Allmächtigen um das Geschenk des Friedens und der Eintracht für dieses gemarterte Land zu bitten.” Das Christentum ist gewiss nicht auf den Westen beschränkt und identifiziert sich auch nicht mit ihm. Doch nur durch die Festigung einer dynamischen und kreativen Beziehung zu ihrer eigenen christlichen Geschichte kann der westlichen Demokratie und Kultur neuer Auftrieb und Ansporn gegeben werden. Der Groll gegen den Is- lam, den viele im Herzen tragen, muss ausgemerzt werden, trotz der Gefährdung des Lebens vieler Christen. Und schließlich ist auch die entschiedene Ablehnung von Formen der Verhöhnung der Religion - ich meine hier auch die respektlosen satirischen Karikaturen, die Anfang des Jahres die Gemüter vieler Muslime erhitzten - unabdingbare Voraussetzung für die Verurteilung von deren Instrumentalisierung. Es geht aber im Grunde gar nicht um den Respekt vor den religiösen Symbolen. Das, worum es geht, ist einfach und radikal: es geht darum, die Menschenwürde der gläubigen Muslime zu wahren. Bei einer diesbezüglichen Debatte meinte eine in Italien geborene Muslimin: „Der Prophet ist für uns nicht Gott, aber wir lieben ihn.” Und zumindest dieses tiefe Gefühl muss man respektieren! Das Kriterium, das für das Verhalten den gläubigen Muslimen, aber auch den Terroristen gegenüber bestimmend sein muss, ist nicht der Nutzen oder Schaden, sondern die Men- schenwürde. Im Mittelpunkt der Beziehung zwischen Kirche und Islam steht also zuallererst die Förderung der Würde einer jeden Person und die Erziehung zur Wahrnehmung und Gewähr der Menschenrechte. An zweiter Stelle, und in Verbindung mit dieser Vorbedingung, dürfen wir nicht darauf verzichten, das Evangelium anzubieten und zu verkündigen, auch den Muslimen, und zwar in einer Art und Weise, die der Freiheit des Glaubensbekenntnisses den größtmöglichen Respekt entgegenbringt. Zur Erreichung dieser Ziele schlägt der Heilige Stuhl vor, die Apostolischen Nuntiaturen in den Ländern mit muslimischer Mehrheit bestmöglich zu fördern, um eine bessere Kenntnis der Positionen des Heiligen Stuhls, und, wenn möglich, auch eine Übereinstimmung mit diesen zu erreichen. Ich denke auch an einen eventuellen Ausbau der Beziehungen zur Arabischen Liga, die ihren Sitz in Ägypten hat, auch im Hinblick auf die Kompe- tenzen dieser internationalen Organisation. Der Heilige Stuhl ist auch für die Anknüpfung kultureller Beziehun- gen zwischen den katholischen Universitäten und den Universitäten der arabischen Länder sowie zwischen Männern und Frauen aus der Welt der Kultur. Ein Dialog zwischen ihnen ist möglich und - wie ich sagen würde - auch fruchtbar. Ich kann mich an einige internationale Kongresse zu interdisziplinären Themen erinnern, die wir an der Päpstlichen Lateran-Universität abgehalten haben, beispielsweise den über die Menschenrechte, die Auffassung von Familie, Gerechtigkeit und Wirtschaft. Dieser Weg des Dialogs mit den intellektuellen Eliten muss weiter beschritten und ausgebaut werden, in der zuversichtlichen Hoffnung, allmählich zu den Massen vorzudringen, um deren Einstellung zu ändern und ihr Bewusstsein zu formen. Gerade um diesen Dialog zu erleichtern, hat der Heilige Stuhl mit einem systema- tischeren Gebrauch der arabischen Sprache im Kommunikationssystem begonnen, einem Weg, den er auch weiter beschreiten wird. Das Ganze stets in dem Bewusstsein, dass der Schutz jenes schlichten, stets bedrohten, von Gott aber doch so sehr geliebten Bildes - seiner selbst willen, wie es im Zweiten Vatikanischen Konzil heißt - der menschlichen Person das erhabenste Zeugnis ist, das die religiösen und biblischen Traditionen der Welt anbieten können. 30Giorni0610

Papst lädt Muslime nach Rom ein: Seminar mit 138 islamischen Religionsführern geplant
138 prominenten Muslime aus allen Kontinenten hatten an den Papst und andere christliche Kirchenführer einen offenen Brief geschrieben, in dem sie sich für Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Religionen ein- setzten. Sie distanzierten sich von extremistischen Kräften innerhalb des Islams und von fundamentalis- tischen Interpretationen des Korans. Einen Monat später antwortete Benedikt XVI. zustimmend auf das Dia- logangebot in einem Schreiben, das an den ranghöchsten Unterzeichner des offenen Briefes adressiert war: an den jordanischen Prinzen Ghazi bin Muhammad bin Talal. Talal schrieb jüngst in einem Brief an Kardinal- staatssekretär Bertone, dass diese Initiative weiterentwickelt werden und in konkrete Handlungen münden müsse. Der jordanische Prinz bezog sich auch auf das Treffen zwischen dem Papst und dem saudiarabischen König Abdullah im Vatikan. Der Papst und der König zeigten sich während dieses Treffens einig darüber, dass es die moderaten,nicht-fundamentalistischen Kräfte innerhalb der religiösen Gemeinschaften zu stärken gelte. Der Vatikan hatte sogar in einem offiziellen Kommunique nach dem Treffen den „Wert der Zusammenarbeit zwischen Christen, Muslimen und Juden (!) für die Förderung des Friedens, der Gerechtigkeit sowie der geistlichen und moralischen Werte” gelobt, ohne dass der saudische Hof widersprach. Auch durch diesen Besuch des Königs von Saudi-Arabien sei es möglich, so teilte der Vatikan jetzt mit, nicht nur einen Dialog über streng religiöse Fragen zu führen, sondern auch Probleme zu erörtern, die sich an- gesichts der Rolle und der Bedeutung der Religion in der modernen Gesellschaft überhaupt stellten. Die Initia- tive der 138 muslimischen Prominenten und ihre Weiterführung böten die Chance, Spannungen abzubauen, die aus religiösem Extremismus herrührten. Benedikt XVI. hat eine Gruppe von 138 muslimischen Religionsführern und Intellektuellen zu einem Seminar nach Rom eingeladen. Die Gruppe der islamischen Gelehrten, die sich für bessere Beziehungen zwischen Muslimen und Christen engagiert, stimmte dem Treffen zu. Nach dem Willen des Vatikans sollen der vatikanische „Rat für den interreligiösen Dialog” und das vatikanische „Institut für islamische Studien” die politische Federführung übernehmen, die wissenschaftliche Leitung liegt in den Händen von Jesuiten der Gregoriana-Universität in Rom. Der Papst wird nicht nur die katholischen und muslimischen Teilnehmer des Treffens in einer Audienz empfangen, sondern auch die Schirmherrschaft übernehmen. FAZhjf071229

Die Antwort des Papstes auf das Schreiben der 138 muslimischen Gelehrten wurde im Vatikan veröffentlicht. In der Botschaft, die von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone Foto oben unterzeichnet ist und die in einer Einladung einer kleineren Gruppe dieser Gelehrten zum Gespräch mit dem Papst mündet, heißt es: „Ohne unsere Verschiedenheiten als Christen und Muslime zu übergehen oder herunterzuspielen, können und soll- ten wir daher auch auf das schauen, was uns eint, nämlich auf den Glaube an den einen Gott, den voraus- schauenden Schöpfer und universalen Richter, der am Ende der Zeiten jede Person so behandeln wird, wie es seine oder ihre Taten verdienen. Wir sind alle dazu aufgerufen, uns ganz in seinen Dienst zu stellen und seinem heiligen Willen zu gehorchen.” Nie hatte es einen solchen Dialog zwischen Christen und Muslimen gegeben, wie ihn jetzt der Papst und Vertreter der unterschiedlichsten muslimischen Glaubensrichtungen aufgenommen haben und weiterführen wollen. DTGuidoHorst071201 Die Antwort des Papstes an die 138 Islamgelehrten, die in einem offenen Brief an Benedikt XVI. und andere christliche Religionsführer einen Dialog vorgeschlagen hatten, läutet eine neue Ära in den Beziehungen zwi- schen Islam und Christentum ein. Davon ist Kardinal Jean-Louis Tauran überzeugt, der Präsident des päpst- lichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Ich glaube wirklich, dass wir damit ein neues Kapitel aufschlagen. Natürlich ist damit noch nichts gelöst, und es wäre geradezu schädlich, wenn man nun angesichts dieses Briefes sagen würde: Endlich gibt es keine Probleme mehr. Ich denke, die Probleme existieren. Wichtig ist jetzt vor allem, Relativismus zu vermeiden, also zu sagen: nun, im Grund sind alle Religionen gleich, es ist derselbe Gott – nein. Was wir sagen, ist: Alle, die Gott suchen, haben die gleiche Würde. Darin liegt der Sinn des interreligiösen Dialogs.” Papst Benedikt hatte in seiner Antwort auf den Brief der Islamgelehrten einen direkten Gedankenaustausch vorgeschlagen – mit ihm selbst, aber auch auf Arbeitsebene. Daran sollen von vatikanischer Seite der Dialog- rat, das päpstliche Institut für Islamwissenschaften und die Gregoriana-Universität mitwirken. Für die Abwick- lung dieser Gespräche hat Tauran bereits konkretere Vorstellungen: „Nach dieser Sitzung wird der Heilige Vater wohl alle jene in Audienz empfangen, die an dieser Initiative beteiligt waren, um sie zu ermuntern, den Dialog fortzusetzen. Und eines Tages dann, denke ich, muss man wohl anfangen, sich über die Frage der Menschenrechte und das Prinzip der Gegenseitigkeit auszutauschen. Was also für einen Gläubigen in einem Land recht ist, muss auch für einen Gläubigen in einem anderen Land billig sein. So wie die Moslems in Europa Moscheen haben, um zu beten und ihren Glauben zu praktizieren, was völlig normal ist, muss Ähnliches auch für Christen gelten, die in Ländern mit islamischer Mehrheit leben. Das ist seit vielen Jahren ein Wunsch.” Kardinal Tauran denkt überdies, dass der Heilige Stuhl unter Benedikt XVI. den interreligiösen Dialog als eine seiner Prioritäten ansieht. „Wenn man die Summe aus allen Äußerungen des Papstes zieht, steht fest, dass die Ökumene und der interreligiöse Dialog Prioritäten sind. Sowie es auf diplomatischen Feld der Nahe Osten und China sind.” rv071201gs
Dialog mit dem Islam 
r König von Saudi-Arabien, Abdullah bin Abdulaziz al-Saud und Papst Benedikt XVI. Lehren aus der Religionsgeschichte - Der päpstliche Dialog mit dem Islam
Jetzt gewinnt der abstrakte Dialog eine neue Dimension. Das Gespräch der beiden größten Weltreligionen, der katholischen Kirche und des Islams, die beide weit mehr als jeweils eine Milliarde Anhänger zählen, wird politisch. Wenn man denn das vielschichtige und verwirrende Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Gigan- ten auf den verschiedenen Ebenen als „Gespräch” bezeichnen kann. Doch man will unter der Schirmherrschaft Papst Benedikts XVI. über Religion und Politik reden, besonders auch über deren Beziehungen zueinander. Es wird in der Verdichtung ganz oben mit dem Papst ein völlig anderer „Dialog”, als er bisher vom Vatikan - schonend für den Partner - betrieben wurde und wofür es in Rom eine eigene päpstliches Dienststelle gibt, den „Rat für den Interreligiösen Dialog” unter Leitung des französischen Kardinals Tauran, mit einer beson- deren „Kommission für die religiösen Beziehungen zu den Muslimen”. Nicht dort vollzieht sich der auffallende Qualitätssprung in den Beziehungen. Denn den „Dialog-Rat” gibt es schon seit 1964, als ihn Papst Paul VI. im offenen Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) und mit dessen Erklärung vom Oktober 1965 Nostra Aetate Text siehe > Dialog der Religionen über die nichtchristlichen Religionen (die jüdische eingeschlossen) ins Leben rief. Die Kommission besteht und berät seit 1974. „Rat” und „Kommission” haben in der Zwischenzeit mit muslimischen Gesprächs- partnern vieles herausgefunden, das beiden Religionen gemeinsam erscheint, vom Stammvater Abraham bis zu dem einen barmherzigen und gnädigen Gott. Über Politik und eine zeitgemäße Ordnung der Gesellschaft wurde dabei jedoch nicht gesprochen. Erst jetzt hat ein Muslim mit Autorität, versehen mit religiöser Absicherung und mit Berufung auf den saudischen König Abdullah, das Angebot unterbreitet, über beides - auf höchster Ebene, also mit ver- pflichtender Kraft - zu sprechen, über Religion und Politik und ihre Verbindungen: Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal von Jordanien, Präsident des „Königlichen Aal al Bayt Instituts für Islamisches Denken” in Amman - in einem offiziellen Schreiben an den vatikanischen Kardinalstaats- sekretär Bertone, den „Premierminister” Papst Benedikts XVI. Dass der wesentliche Inhalt dieses Briefes jetzt von Radio Vatikan so nebenbei veröffentlicht wurde, dass man sich in Rom, in den vatikanischen Ämtern und an der von Jesuiten geleiteten „Gregoriana”-Universität, in aller Stille darauf vorbereitet, lässt darauf schließen, um wie viel es dabei geht. Man möchte nicht durch vorlautes Geschrei mögliche gute Ergebnisse gefährden. Die Vorstufen sind denkwürdig. Im September 2006 hielt Benedikt in der Universität zu Regensburg eine Vorlesung über Glauben und Vernunft, die weltberühmt dadurch wurde, dass er durch ein Zitat aus dem Mittelalter (mit den „Kreuzzügen”, den bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen um das Heilige Land) dem Propheten Mohammed, dem Gründer des Islams, „nur Schlechtes und Inhumanes” zuzuschreiben schien und Muslime in aller Welt sich darüber aufregten. Dafür hat sich Benedikt entschuldigt, über das geschuldete Maß hinaus. Das war das eine. Den Wortlaut dieser “Regensburger Vorlesung” finden Sie auf unserer Seite > Dialog der Religionen Das andere Zukunftsweisende war, dass der Papst in Regensburg für einen Dialog der Kulturen und Religionen plädierte und die ganze Vorlesung um das Verhältnis von Glauben und Vernunft kreiste. Darauf antworteten schon einen Monat später 38 muslimische Gelehrte aus aller Welt mit der Bereitschaft zum Dialog und der Fähigkeit, über Glauben und Vernunft auch im Islam zu sprechen. Auch diesen Text finden Sie unserer Seite > Dialog der Religionen Ein weiteres Jahr später, Mitte Oktober 2007, waren es 138 prominente muslimische Gelehrte, die in einem offenen Brief an den Papst und andere christliche Kirchenführer das Thema erweiterten und ihre Dialogbereitschaft aufs Neue anboten. Text im Wortlaut > Dialog der Religionen Der Prinz von Jordanien stand an ihrer Spitze. Benedikt antwortete Ende November zustimmend. Der Brief der 138 und das päpstliche Antwortschreiben fanden nicht die gebührende Aufmerksamkeit, weil beim ersten Termin der Papst die Liste der neuen Kardinäle bekanntgab, beim zweiten die neue Enzyklika über die Hoffnung verkündet wurde. Zwischen beiden Daten hatte sich jedoch Historisches zugetragen. Papst Benedikt traf im Apostolischen Palast des Vatikans mit dem König von Saudi-Arabien, Abdallah bin Abdulaziz Al Saud, zusammen. Ihre Ge- spräche, so fasst es das Kommunique des vatikanischen Presseamts zusammen, „fanden in einem herzlichen Klima statt und erlaubten, Themen zu berühren, die den Gesprächspartnern am Herzen lagen. Im Besonderen wurden das Eintreten für den interkulturellen und interreligiösen Dialog bekräftigt, mit dem Ziel eines fried- lichen und fruchtbaren Zusammenlebens zwischen den Menschen und Völkern, sowie der Wert der Zusam- menarbeit zwischen Christen, Muslimen und Juden für die Förderung von Frieden, Gerechtigkeit sowie der geistlichen und moralischen Werte, besonders zur Unterstützung der Familie.” Besondere Aufmerksamkeit verdient die ausdrückliche Erwähnung der Juden in diesem Zusammenhang. Der König von Saudi-Arabien, der Schutzherr der heiligen Stätten des Islams in Mekka und Medina, wusste, warum Benedikt zum privilegierten Dialogpartner der Muslime werden soll. Denn der Papst und die katholische Kirche haben alle Auseinander- setzungen zwischen Vernunft und Glauben, Wahrheit und Gewalt, Religion und Politik, die jetzt die Welt mit Blick auf den Islam in Angst und Schrecken versetzen, schon durchgemacht, und es gibt sie immer noch, nicht nur in Europa, nicht allein in der „westlichen” Welt. Benedikt warf die Frage der Gewalt in der Religion auf, und allmählich merken die Muslime, Politiker wie Reli- gionsführer, dass damit nicht nur die Verurteilung von Terroranschlägen gegen „den Westen” gemeint war, sondern Gewalt, die mit Berufung auf Gott innerhalb der eigenen muslimischen Staaten tobt und nicht nur zu internationalen Zusammenstößen, sondern auch zu religiösen Bürgerkriegen führen kann. Als solcher hatte der Dreißigjährige Krieg in Deutschland 1618 bis 1648 mehr für den Frieden der Konfessionen - und für das Ermatten der Religiosität und das Erstarken der Aufklärung - in Europa bewirkt als gutwillige Einsicht. Eine Neigung zur Gewalt gefährdet den Islam und seine unterschiedlichen Ausbildungen mehr als den Westen; diese Lehre kann man aus der Kirchengeschichte ableiten. Noch eingehender hatte Benedikt in Regensburg aus der Einsicht heraus gesprochen, dass eine Religion auf Dauer nicht gegen die menschliche Vernunft bestehen kann. Das zeigte der Papst wie selbstverständlich an den verschiedenen Aussagen im Koran über das Verhältnis zu den Ungläubigen; mal freundlich, wenn schwach, mal gewalttätig, wenn stark. Im Vatikan fürchtete man zuerst, dass diese Unterscheidung von orthodoxen Muslimen als der eigentliche Skandal ausgerufen würde. Vielleicht haben sie diese päpstliche Korankritik noch nicht so recht gemerkt oder bevorzugen die Tabuisierung, weil eine zu gründliche Be- schäftigung mit dem Koran mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Die Unstimmigkeiten im Koran - der vielleicht nur noch befristet für ein unantastbares göttliches Buch gehalten wird mehr dazu > Koran - und in der musli- mischen Religionsgeschichte werden ebenso befragt, bezweifelt, gedeutet werden, wie dies in der geistes- wissenschaftlichen Bibelkritik und in einer Religions-Demontage in einer feindlich gesinnten Aufklärung ge- schah. Ganz zu schweigen davon, dass mit immer stärkerem Druck das Verhältnis zwischen Koran und der Moderne, dem Islam und der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts neu gefunden werden muss. Joseph Ratzinger hat dem Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft, zwischen Christsein und moderner Ge- sellschaft einen Großteil seines theologischen Lebenswerkes gewidmet. Als Papst könnte er helfen, dass der Islam seinen Weg in die Moderne findet. Jetzt könnte dafür ein erster Schritt getan werden. FAZHeinz-JoachimFischer071230

Foto oben links: Der König von Saudi-Arabien, Abdullah bin Abdulaziz al-Saud, bei Benedikt XVI. Foto oben rechts: das goldene, mit Edelsteinen verzierte Schwert, das der saudische Herrscher Papst Benedikt XVI. geschenkt hat. Dialog zwischen Vatikan und Islam - Suche nach gemeinsamen Werten Foto unten links: P Christian W. Troll SJ., Foto unten rechts: Kardinal Tauran und Mufti Ceric

Gefördert von Papst Benedikt XVI., ist in Rom der offizielle Dialog zwischen der katholischen Kirche und rang- hohen Vertretern der muslimischen Welt weitergeführt worden. Fünf Vertreter des Vatikans unter Leitung des zuständigen Präsidenten des „Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog”, des französischen Kardinals Tauran, und fünf muslimische Vertreter nahmen als Teil des neu gegründeten „Katholisch-Muslimischen Fo- rums” die Beratungen über die Themen der Gottes- und der Nächstenliebe auf. Sie wurden anschließend von Papst Benedikt XVI. in einer Sonderaudienz empfangen. Im Vatikan hieß es, man mache sich keine Illusionen darüber, in einem Dialog die gravierenden Unterschiede zwischen Kirche und Moschee zum Verschwinden zu bringen. Das aufrichtige Gespräch bedeute jedoch, Unter- schiede nicht zu leugnen, ich aber zugleich auf den Weg zu gemeinsamen Werten zu machen. Genannt wur- den hier der Respekt für Frieden und Solidarität, hinzu komme das Beharren auf Religionsfreiheit für alle, wie sie Benedikt im Gespräch mit dem saudi-arabischen König Abdullah gefordert hatte. Dazu gehört nach katho- lischem Verständnis auch das Eintreten für die gleiche Würde und Stellung der Frau, wie während der Bischofssynode im Oktober hervorgehoben wurde. Im jüngsten Jahrbuch der internationalen katholischen Organisation „Kirche in Not” wird auf die Lage der Hunderttausenden von ausländischen christlichen Arbeitern hingewiesen, die mit den Menschenrechten nicht zu vereinbaren seien; zugleich wird die Unterdrückung von Schiiten beklagt. Ausdrücklich verwies der Vatikan auf die Vorgeschichte des Dialogs, auf die Rede von Benedikt in Regens- burg, auf die in einem offenen Brief 138 muslimische Autoritäten mit dem Wunsch nach einem offenen Dialog geantwortet hätten, und auf die positive Antwort des Papstes durch Kardinalstaatssekretär Bertone. Der vatikanische Dialog-Rat hatte das Treffen angekündigt und die Teilnehmer festgelegt. Neben den fünf offizi- ellen Vertretern - auf katholischer Seite unter anderen der deutsche Jesuitenpater und Professor Christian Troll - nehmen noch jeweils 29 Fachleute, religiöse Führer und Berater teil. Zwischen dem „Brief der 138” und dem jetzigen Seminar wurden weitere Annäherungen zwischen den beiden Religionen registriert. So wuchs die Zahl der Unterzeichner. Zudem stattete der Hüter der heiligen Stätten des Islams, der saudische König Abdullah, dem Papst im Vatikan einen Besuch ab, der als Einbe- ziehung politischer Themen in den religiösen Dialog gewertet wurde. Nach einem Treffen mit einer repräsen- tativen Delegation von Schiiten aus Teheran wurde eine Erklärung über gemeinsame Vertreter verabschiedet. Dann folgte eine weitere Gemeinsame Erklärung mit Sunniten aus Saudi-Arabien. Die Teilnehmer dieses „Isla- misch-Katholischen Verbindungskomitees”, die von Benedikt empfangen wurden, bekannten sich in einer Presseerklärung zu Grundsätzen der persönlichen Menschenwürde, von Gerechtigkeit und Frieden, Solidarität von Individuen und Völkern, auf denen jetzt aufgebaut werden kann. FAZ081005hjf

Klare Worte - Der Papst empfängt Teilnehmer des katholisch-islamischen Dialogs Fotos: Benedikt XVI. mit Mufti Ceric, Bosnien
Es muss wie eine kalte Dusche auf die Teilnehmer des ersten Seminars des Katholisch-Muslimischen Forums gewirkt haben. Papst Benedikt XVI. hatte sie zum Abschluss ihrer Konsultationen von Rede und Gegenrede zu einer Audienz in den Vatikan eingeladen. Die fünf Offiziellen von jeder Seite - auf katholischer an erster Stelle der Präsident des „Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog”, der französische Kurienkardinal Tauran, an fünfter der deutsche Islam-Experte Christian Troll, Angehöriger des Jesuitenordens und seit Jahrzehnten erfahren mit den zuweilen harschen, zuweilen moderaten Anhängern des Propheten Mohammed; auf musli- mischer Seite an der Spitze die beiden bekannten Islam-Autoritäten Scheich Abdal Hakim Murad vom „Muslim Academic Trust” in England und Professor Aref Ali Nayed, Direktor des „Königlichen Zentrums für Strategische Islam-Studien" aus Amman in Jordanien - und dazu je 30 religiöse Autoritäten und Berater, sie alle hatten sich eine „schöne" Rede des Papstes erwartet. Etwas, das man immer gut zitieren könnte, das aber zu wenig ver- pflichtete, auf keinen Fall aber etwas, worüber man sich aufregen musste. Der milde, kluge Benedikt schlug ihnen den Satz um die Ohren: „Die politischen und religiösen Führer haben die Pflicht, die freie Ausübung aller Rechte in vollem Respekt der Freiheit eines jeden Individuums und der Gewissens- und Religionsfreiheit sicherzustellen.” Nicht genug damit. „Verfolgungen”, so der Papst weiter, „sind unannehmbar und ungerechtfertigt und noch beklagenswerter, wenn sie im Namen Gottes geschehen.” Da brauchte niemand mehr zu fragen, welche Staaten gemeint seien. Denn nach allen internationalen Be- richten steht es mit der Religions- und Gewissensfreiheit, mit der Achtung von religiösen (oder anderen) Minderheiten in muslimisch beherrschten Staaten am schlechtesten. Da hellte es die Stimmung nur wenig auf, dass der Papst begütigend anmerkte: „Vereinen wir unsere Kräfte, um alle Missverständnisse und Streitig- keiten zu überwinden.” Muslime und Christen, so hieß es noch ermunternd, doch auch mit einem Widerhaken versehen, „müssen zusammen daran arbeiten, den gegenseitigen Respekt für die Würde der menschlichen Person und ihre fundamentalen Rechte zu fördern”. In Regensburg bei der Vorlesung über „Glaube und Vernunft”, Religion und Gewalt, hatte Benedikt in pro- fessoraler Gelehrtenunschuld ein kritisches Zitat über den Islam-Gründer Mohammed ungekürzt und unzen- siert in seinen Diskurs über die Freiheit des Glaubens und die Vernunftgemäßheit Gottes eingeschoben. Die halbe muslimische Welt war über ihn hergefallen; selbst für den Mord an einer katholischen Ordensschwester wurde er verantwortlich gemacht, als ob er diesen leichtfertig verschuldet hätte. Durch sechsmalige Entschuldigungen, durch Freundlichkeiten bei seinem Besuch in der Türkei stellte der Papst das interreligiöse Klima wieder so weit her, dass zuerst 38 muslimische Autoritäten, ein Jahr später im Oktober sogar 138 und noch einige dazu ihn eines offenen Briefes würdigten, in dem sie sich zu einem Dialog bereitfanden. Über die Liebe zu Gott vor allem und die Nächstenliebe; diese nahm in dem langen Brief einen kleineren Raum ein. In den letzten Monaten dieses Jahres sprachen katholische und muslimische Führer, Sunniten und Schiiten, in Rom mit den Vertretern der römischen Kirchenzentrale. Gemeinsame Erklärungen wurden verabschiedet, die wohlklingende Grundsätze aufstellten. Schön und gut und nicht zu verachten, meinte man im Vatikan. Aber offenbar wandten manche nun ein, ganz so akademisch könne der Dialog doch nicht weitergehen. Es sei nicht damit getan, dass katholische Vertreter, vom Kardinal über den erfahrenen Experten bis zum jungen Theo- logen, und Islam-Autoritäten, darunter jetzt sogar zwei Frauen, nach Rom kämen, in schönen Hotels in der Nähe des Petersplatzes wohnten, bei den Konferenzen ihre Statements abgäben und dann wieder heim- führen - ohne Folgen. Aber das Papstwort kam nicht aus heiterem Himmel, nicht ganz ohne Vorwarnung. Benedikt hatte etwa das Treffen mit König Abdullah von Saudi-Arabien, dem Hüter der Heiligen Stätten von Mekka und Medina im Vati- kan nicht nur als historisches Glück empfunden. Als guter Hirte der christlichen Herde war ihm das seelische Wohl der fast eine Million zählenden katholischen Arbeiter in Saudi-Arabien, vor allem aus den Philippinen, ein Anliegen. Benedikt verschwieg damals nicht den Wunsch der Kirche nach Religionsfreiheit in Saudi-Arabien und anderen islamischen Staaten. Dazu hieß es offiziell, der Heilige Stuhl habe im Blick auf die Christen seinen Wunsch nach „Wohlergehen für alle (!) Einwohner des Landes” ausgedrückt und damit besonders die christlichen Gast- arbeiter aus Asien gemeint. Der König habe ausweichend - aber nicht empört, als ob von einer Diskriminierung der Christen in Saudi-Arabien keine Rede sein könne und dürfe - reagiert. Man müsse jetzt zusammenarbei- ten, um einen „Zusammenstoß der Kulturen” zu verhindern; man habe so viele Werte gemeinsam. Auch die Aufnahme der - bisher von den Saudis aus historischen Gründen vermiedenen - diplomatischen Beziehungen wurde besprochen; Verhandlungen über Details würden zuständigen Delegationen überlassen. Da soll einiges mehr und schneller geschehen. Darunter muss ein theoretischer Dialog nicht leiden; er könnte sogar durch das klare päpstliche Wort beflügelt werden, weil die Verschleierung einer sperrigen, beklagenswerten Wirklichkeit weggerissen wurde. FAZ081107HJoachimFischer „Ein guter Anfang“ Das Katholisch-Islamische Forum war „ein guter Anfang in Freundschaft”. Das glaubt der ägyptische Jesuit Samir Khalil Samir Foto ganz oben auf dieser Seite, der in den letzten Tagen an dem hochkarätigen Forum im Vatikan und in Rom teilgenommen hat. In einem Kommentar für die Nachrichtenagentur asianews unter- streicht der im libanesischen Beirut arbeitende Samir vor allem das „ruhige, freundschaftliche Klima” der Ge- spräche: „Einige Male gab es Nervosität, aber nur sehr wenig.” Die Teilnehmer hätten sich viel Zeit genom- men, um einander zuzuhören und ihre Ansichten auszutauschen. Samir betont auch die „Qualität und Ernst- haftigkeit” der Dialogpartner: Sie seien „intellektuell wie spirituell ... von höchstem Niveau” gewesen. Einer der heikelsten Punkte sei das Thema der Gewissens- und Religionsfreiheit gewesen; hier habe der Großmufti von Sarajewo, Mustafa Ceric, teilweise starke Bedenken von islamischer Seite ausgeräumt – mit dem Argu- ment, die Formulierung in der Schlusserklärung zur Religionsfreiheit entspreche der UNO- Menschenrechts- erklärung. Und diese sei auch von vielen islamischen Regierungen unterzeichnet worden. „Ich habe den deut- lichen Eindruck bekommen”, so Samir, „dass in der islamischen Welt stärker die Begegnung mit den Christen gesucht wird.” RVasianews081108sk
rechts: Botschafter Al-Jarallah
Der denkwürdige Besuch des Königs von Saudi-Arabien im Vatikan
Zum ersten Mal ein saudischer Herrscher, Hüter der heiligen Moscheen von Mekka und Medina, den Papst besucht. Und ihm als symbolisches Geschenk ein goldenes Schwert überreicht. So begann für König Abdullah und Papst Benedikt ein Weg der unerwarteten Perspektiven. Wir zitieren hier die Meinung des saudischen Botschafters beim italienischen Staat, Mohammed Ibrahim Al-Jarallah Foto, der König Abdullah begleitete. Gerechtigkeit für Nahost Nach Presseberichten wurden in der Audienz Themen angesprochen, „die den Gesprächspartnern am Herzen liegen”, wie der „interkulturelle und interreligiöse Dialog für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Völkern, und der Wert der Zusammenarbeit zwischen Christen, Muslimen und Juden zum Vorantreiben des Friedens, der Gerechtigkeit und der spirituellen und moralischen Werte, besonders zum Schutz der Familie.” Erwähnt wird auch die „positive und tatkräftige Präsenz der Christen” sowie „ein Gedankenaustausch über den Nahen Osten und die Notwendigkeit einer gerechten Lösung für die diese Region betreffenden Konflikte, besonders den israelisch-palästinensischen.” Für die Wahrung des Friedens im Irak ist es wichtig, Heer und Sicherheitskräfte wieder aufzubauen. Das ira- kische Volk muss die Chance haben, seine Einheit wieder zu gewinnen und wieder zu dem wichtigen arabi- schen Land zu werden, das es in der Geschichte immer gewesen ist.” „Wir beten beide zu Gott, ein jeder auf seine Weise” Die saudischen Presseagenturen haben die Themen des Gesprächs zwischen König Abdullah und Papst Benedikt in den großen Kontext des „interreligiösen Dialogs der Kulturen” eingefügt. Und herausgestellt, dass sich sowohl der König als auch der Papst einig waren, dass „Gewalt und Terrorismus mit Dingen wie Religion und Vaterland nichts zu tun haben.” Botschafter Mohammed Ibrahim Al-Jarallah erklärt nach dem Besuch des Königs beim Papst: „Sowohl der Heilige Vater als auch Seine Majestät, der König von Saudi-Arabien, haben eine geistliche und moralische Ver- antwortung - den Christen und den Muslimen gegenüber. Weshalb aus einer Begegnung zwischen ihnen nur ein gutes gegenseitiges Verständnis erwachsen kann und ein kontinuierlicher Dialog zwischen den Ober- häuptern der beiden größten Religionen, dem Christentum und dem Islam. Und genau das ist ja auch tat- sächlich passiert. Wir beide - Christen und Muslime - werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Dinge voranzutreiben, die bei dieser Begegnung besprochen wurden und unsere Türen offen zu halten füreinander. Und das stets in der Bereitschaft, anstehende Fragen miteinander zu besprechen, bzw. zu dis- kutieren. Das ist nach wie vor der von uns verfolgte Zweck, unsere Hoffnung. Und wenn wir bei dieser Diskussion nicht immer einer Meinung sind, was soll's? Wir müssen nicht denselben Glauben haben, um unser gemeinsames Ziel verfolgen zu können: die Menschheitsfamilie. Wir alle arbeiten - so hoffen wir jedenfalls - für den Frieden und den Wohlstand der gesamten Menschheit.” Von nun an sollten der Papst und der König „ihre Gläubigen durch gute Worte und Initiativen, die einen spirituellen Symbolwert haben, ermutigen, flexibel und verständnisvoll zu sein, den Frieden zu lieben. Meiner Meinung nach würde das den Frieden auf der Welt dauerhafter machen.” Volles Vertrauen auf Papst Benedikt Auch der Geschenkenaustausch zwischen Papst Benedikt und König Abdullah hielt eine Überraschung be- reit: der saudische Herrscher überreichte dem Papst ein Schwert aus Gold und Edelsteinen. Für einen Araber ein bedeutungsvolles, gewiss nicht zufälliges Geschenk. Der Botschafter erläutert: „Jemandem eine Waffe, ein symbolisches Objekt wie ein Schwert zu schenken, kommt in der arabischen Tradition einem Vertrauens- beweis gleich. Denn der, der die Waffe erhält, könnte sie schließlich auch gegen den richten, der sie ihm ge- schenkt hat. Das ist der Gedanke, der dahinter steht. Und das Geschenk an den Papst ist die Bestätigung dafür. Der ein oder andere meinte aber auch, wir hätten die Gegenseite damit erschrecken wollen. Das war sicher nicht unsere Absicht! In Wahrheit wollten wir mit dieser Geste unsere Hoffnung auf eine Zusammen- arbeit für ein gemeinsames Ziel zum Ausdruck bringen: im Namen des Friedens und des Wohlstandes unseres Volkes und der übrigen Welt. Es war, wie gesagt, ein großer Vertrauensbeweis dem Gesprächspartner gegenüber. Und man darf nicht vergessen, dass eine Waffe oft auch einfach nur zur traditionellen Kleidung von uns Arabern gehört. Der König hat ein derartiges Geschenk zwar schon des Öfteren gemacht, aber es war das erste Mal, dass einem Papst sozusagen als Vertrauensbeweis ein Schwert geschenkt wurde.” 3oTage1007GCubeddu
Papst trifft iranische Muslime. Christen und Moslems seien zu Toleranz und gegenseitigem Respekt aufgerufen; Glaubensdifferenzen und auch historisch gegebene Unterschiede seien wichtige Faktoren
Diese Themen besprach Papst Benedikt XVI. mit einer Delegation iranischer Muslime. Die Begegnung mit den Mitgliedern der „Organisation für islamische Kultur und Beziehungen” aus Teheran fand im Anschluss an die Generalaudienz statt. Die iranischen Theologen waren zu Gesprächen zum Thema „Glaube und Religion in Christentum und Islam” mit Delegierten des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog in Rom. Glaube wie Vernunft seien Ge- schenke Gottes; Glaube könne mitunter über der Vernunft stehen, aber niemals gegen sie, heißt es in der zum Abschluss veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung. Glaube wie Vernunft seien per se gewaltfrei und dürften niemals zur Begründung von Gewalt missbraucht werden, wie es in der Vergangenheit „manch- mal” vorgekommen sei. Christen und Moslems wollten künftig gemeinsam für die Achtung religiöser Symbole und die Ausbreitung ethischer Werte arbeiten. Verallgemeinerungen sollten im religiösen Kontext vermieden werden. Religiöse Traditionen könnten nicht auf der Grundlage eines einzelnen Zitates aus den jeweils heili- gen Büchern beurteilt werden. Für ein angemessenes Verständnis der Schriften brauche es eine ganzheitliche Sicht. Papst Benedikt habe bei der Begegnung seine Zustimmung zur Wahl des Diskussions-Themas ausge- drückt, heißt es in der Vatikan-Erklärung. Seit der Regensburger Rede Benedikts XVI. und den anschließenden Kontroversen um den Gebrauch eines islamkritischen Zitats in der Rede hat der Vatikan seine Beziehungen zum Islam intensiviert. rv080430bp Verschüttete Traditionen des Rationalismus - Der Islam hat noch keine eigene Aufklärung erlebt Wie halten es die Muslime mit der Vernunft? Dies fragen sich viele beunruhigt, seitdem Islamisten und Dschihadisten immer wieder in ihren Schriften und Predigten - bis hin zu Hassreden - die heute weitgehend säkulare und laizistisch ausgerichtete westliche Zivilisation attackieren, in der Religion, Wissenschaft und Poli- tik (Staat) getrennt werden. Und auch Papst Benedikt XVI. hatte in seiner bekannten Regensburger Rede das Verhältnis von Glauben und Vernunft thematisiert. Das jetzt bekanntgewordene Papier, das von vatikanischen und iranischen Theologen erarbeitet wurde, ist geeignet, solche Diskussionen im Religionsdialog weiter und vielleicht unter neuen Vorzeichen zu stimulieren. In der islamischen Welt gibt es zwar viele säkularisierte Muslime, doch die Religion insgesamt hat keinen um- fassenden Prozess der Aufklärung durchgemacht, den der Westen im allgemeinen mit Rationalismus gleichsetzt. Einige Staaten wie die Türkei oder Syrien verstehen sich zwar von ihrer Staatsideologie her als weltlich, doch insgesamt bedeutet das in der gesellschaftlichen Praxis weniger, als etwa die Verfassung es theoretisch fordern mag. In theologischen Debatten zwischen Muslimen und Christen beharren Muslime oft darauf, der Islam sei als Religion rational. Gegen die christliche Trinität setzen Muslime den „reinen Monotheismus”, der Gott nicht, wie das Christentum in drei „Personen” (Vater, Sohn und Heiliger Geist) fasst. Mohammed der Prophet hat sich außerdem nie anders denn als Mensch und Gottesbote rasul Allah gesehen, nicht als „Sohn Gottes”. Denn, wie es in Sure 112 heißt: „Gott ist einer. Er hat nicht gezeugt und ward nicht gezeugt, und keiner ist Ihm gleich.” Gegen das westliche Konzept der „Privatisierung” von Religion machen Muslime oft geltend, der Islam sei eben ganzheitlich, wie letztlich alle Religion; man könne nicht unter der Woche nicht religiös sein und am Sonntag religiös. Ansätze zu einer Säkularisierung, die gegenüber dem Anspruch einer wörtlich verstandenen und umfassenden koranischen Weltdeutung einen autonomen Bereich des Weltlichen annehmen, wie es massiv etwa die christlichen Renaissance-Denker, aber auch schon einige mittelalterliche Philosophen vor- gemacht haben, sind immer wieder versandet oder zunichte gemacht worden. Reformdenker, die sich in dieser Richtung betätigen, etwa Abdolkarim Sorusch in Iran, haben häufig einen schweren Stand, oder sie leben in Europa im Exil. Eine wichtige Ausnahme bildet die Ankaraner Schule, die durchaus mit dem Segen der Regierung an einer Historisierung der religiösen Quellen arbeitet. Gleichwohl kennt auch, der Islam rationalistische Traditionen, deren Wurzeln im frühen Ilam liegen, deren Wiederbelebung allerdings, wie die vergangenen hundert Jahre zeigen, ziemlich schwierig ist. Die rationale Theologie (kalam), die von den Mutakallimun betrieben wurde, erreichte ihren Höhepunkt in der Schule der Mu'taziliten (etwa zwischen 750 und 1000 nach Christus), die mit ihren zwei wichtigsten Thesen - der Koran sei geschaffen, deshalb nicht Gottes ewig-ungeschaffenes Wort, und der Mensch sei frei-verantwortlich für seine Taten, weil nur so Gottes Gerechtigkeit richtig verstanden werden könne - starke aufklärerisch-rationalistische Tendenzen vertraten. Diese Ansätze würden etwa seit dem 11./12. Jahrhundert ganz allmählich ebenso das Opfer einer sich durchsetzenden orthodoxen Theologie wie die „Philosophie im Islam” (spätere Ausnahmen bestätigen die Regel), die durch die Übersetzung griechischer philosophischer Texte, vor allem des Aristoteles, angeregt worden war. Das Denken eines al Kindi, al Farabi, Ibn Sina und Ibn Ruschd, das den Glauben mit der Vernunft verbinden wollte, fand seine schöpferische Weiterentwicklung mehr in der christlichen Scholastik „fides quaerens intellectum”, Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin als im Islam, wo sich die Religionsgelehrten gegen die griechisch inspirierte Philosophie im Islam als eine „Wissenschaft der Alten” wandten. Eine Schlüsselrolle dabei kommt dem Theologen und Philosophen al Ghazali zu, der um 1100 in seiner Destructio philosophorum Tahafut al falasifa zu zeigen versucht hatte, dass die Philosophen die Glaubenswahrheiten nicht rational beweisen könnten. Die vielfältigen Versuche einer Wiederbelebung dieses Denkens, das auch naturwissenschaftliche Welterkenntnis einschließt, stehen unter dem Vorbehalt der orthodoxen, noch mehr freilich der islamis- tischen Hardliner. Doch „ganzheitliche” Denker wie der Iraner Sajjed Hossein Nasr „Die Erkenntnis und das Heilige” und katholische Theologen könnten sich in der Auffassung treffen, dass alles Geschaffene heilig ist. FAZWolfgangGünterLerch080502
Katholiken und Schiiten einigen sich im Vatikan über gemeinsame Leitsätze Vatikan veröffentlicht Erklärung über Glaube und Vernunft - Verhandlungen mit Teheran
Der Vatikan und führende iranische Theologen haben sich in Rom nach zweitägigen Beratungen auf eine gemeinsame Erklärung zum Verhältnis von Glaube und Vernunft geeinigt. Das vom Vatikan veröffentlichte Papier enthält sieben gemeinsame Grundsätze, deren wichtigste sind, dass sich Glaube und Vernunft nicht widersprechen könnten und dass beide nicht zur Legitimierung von Gewalt missbraucht werden dürften. Dass diese, Leitsätze gemeinsam von katholischen Kirchenführern und führenden islamischen Theologen unter- zeichnet wurden, wurde in Rom als „religionspolitisch sensationell” und „theologisch revolutionär” bewertet. Von Seiten des Vatikans war an den Gesprächen der „Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog” beteiligt, von iranischer Seite das „Zentrum für Interreligiösen Dialog der Organisation Islamischer Kultur und Beziehun- gen” aus Teheran. Leiter der vatikanischen Delegation war der französische Kurienkardinal Tauran, der im Vatikan für die Beziehungen zu den großen Weltreligionen zuständig ist und damit im Auftrag des Papstes mit Autorität verhandeln kann. An der Spitze der iranischen Delegation stand der Leiter des Teheräner Zentrums, Mostafavi. Es gilt als sicher, dass Mostafavi für die Gespräche die Rückendeckung der iranischen Staats- führung und Glaubensbehörden hatte. Gegenstand der lange vorbereiteten Begegnung war das unterschiedliche Glaubensverständnis von Katho- liken und Schiiten in drei Fragen: „Glaube und Vernunft - Welche Beziehung? Theologie/Kalam als Unter- suchung über die Rationalität des Glaubens; Glaube und Vernunft in Bezug zum Phänomen der Gewalt.” Es sind jene Themen, die Papst Benedikt XVI. in seiner Vorlesung in der Universität zu Regensburg ange- sprochen hatte. Diese Anfragen wurden zuerst von vielen Muslimen beanstandet, dann jedoch als Einladung zu einer gründlicheren Reflexion über islamische Glaubensinhalte verstanden. Einen Monat nach der Regens- burger Rede antworteten darauf 38 Muslime von Ansehen und intellektueller Autorität. 2007 erklärten sich noch einmal 138 angesehene Muslime bereit zum Dialog. Ein offizieller Besuch des saudi- arabischen Königs Abdallah, des Hüters der heiligen Stätten des Islams im Vatikan bei Benedikt XVI. hatte zudem die Unterstützung maßgeblicher Staatsführer der islamischen Welt für den Dialog zwischen der katho- lischen Kirche und dem Islam gezeigt. Der Vatikan unterhält mit fast allen islamischen Staaten diplomatische Beziehungen; mit anderen steht er in freundlichen Kontakten, ungeachtet der schlechten Behandlung christ- licher Minderheiten und feindlicher Gesetzgebungen gegenüber Christen in diesen Ländern. Papst Benedikt XVI. hat die Teilnehmer des Dialogs empfangen und sich laut Vatikan zufrieden geäußert. Das nächste Dialog- Treffen werde nach weiteren gründlichen Vorbereitungen in zwei Jahren in Teheran stattfinden. FAZ080502hjf
Die gemeinsame Erklärung im Wortlaut „1. Glaube und Vernunft sind beides Geschenke Gottes an die Menschheit. 2. Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht, aber Glaube kann in einigen Fällen über der Vernunft sein, aber nie gegen sie. 3. Glaube und Vernunft sind in sich nicht gewalttätig. Weder Vernunft noch Glaube sollte für Gewalt ge- braucht werden; unglücklicherweise wurden beide zuweilen missbraucht, um Gewalttaten zu begehen. In jedem Fall können diese Ereignisse weder Vernunft noch Glaube in Frage stellen. 4. Beide Seiten stimmten überein, in der gemeinsamen Förderung wahrer Religiosität fortzufahren, in be- sonderer Spiritualität, um die Achtung für heilig gehaltene Symbole zu ermutigen und moralische Werte zu fördern. 5. Christen und Muslime sollten über Toleranz hinausgehen, in der Anerkennung der Unterschiede, doch im Bewusstsein der Gemeinsamkeiten, und Gott dafür dankbar sein. Sie sind berufen zu gegenseitigem Respekt und verurteilen deshalb die Verspottung des religiösen Glaubens. 6. Verallgemeinerungen sollten im Gespräch über Religionen vermieden werden. Unterschiede zwischen den Konfessionen innerhalb des Christentums und des Islams sowie die Verschiedenheit historischer Kontexte sind wichtige beachtenswerte Faktoren. 7. Religiöse Traditionen können nicht auf der Basis eines einzelnen Verses oder einer Passage in den jeweili- gen heiligen Büchern beurteilt werden. Sowohl eine Gesamtschau als auch eine adäquate hermeneutische Methode sind notwendig für ihr faires Verständnis.”
Walter Kardinal Kasper Dialog mit Islam schwierig
Kurienkardinal Walter Kasper beurteilt den christlich-islamischen Dialog weiterhin als schwierig. Man solle sich in dieser Hinsicht keine Illusionen machen, sagte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates bei einer Veranstaltung der Akademie der Wissenschaften in Mainz. Muslime hätten vom Koran her ein anderes Ver- ständnis vom Menschen. Er betonte, die katholische Kirche wolle den Dialog und die Zusammenarbeit mit den gemäßigten Muslimen. Mit den Radikalen sei dies allerdings nicht möglich. Man dürfe keine falsche „Harmonie- Idee” entwickeln, so Kasper. Auch dürfe man den Islam und das Judentum nicht auf eine Stufe stellen. Das Christentum sei ohne die jüdische Religion nicht denkbar, der Islam hingegen sei eine nachchristliche Religion. rv080223

Bundespräsident Christian Wulff zum Staatsbesuch in der Türkei
Als erster Bundespräsident seit zehn Jahren weilte Christian Wulff in der Türkei. Seither hat sich das Land sehr verändert. Ein Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül stand am Anfang von Wulffs Ge- sprächen in Ankara. Nach einem Abstecher in Güls zentralanatolische Heimatstadt Kayseri nahm der Bundes- präsident im südtürkischen Tarsus am ökumenischen Gottesdienst in der dortigen Pauluskirche teil, bei dem deutsche Katholiken und Protestanten in der Türkei sowie Vertreter der türkischen Christen zusammen- kommen. Das Kirche in Tarsus, der Heimat des Apostel Paulus, steht für die reiche christliche Tradition der Türkei - aber auch für die Probleme der Christen im EU-Bewerberland. Die katholische Kirche fordert seit Langem die dauerhafte Umwandlung des zum Museum erklärten Baus in ein Gotteshaus. Grundsätzlich haben Regierung und Religionsbehörden in der Türkei nichts dagegen, doch es hapert an der Umsetzung, nicht zu- letzt wegen des Widerstandes der Bürokratie. Der Besuch des Katholiken Wulff unterstreicht das Interesse Deutschlands an diesem Thema. HAZ101023SusanneGüsten
Christen in der Türkei
In Antiochia nannten die Christen sich zum ersten Mal Christen. Die Stadt heißt heute Antakya und liegt auf dem Territorium der Türkei. Auch Tarsus, die Heimat des Apostels Paulus, wo Bundespräsident Christian Wulff jetzt einen ökumenischen Gottesdienst feierte, ist heute türkisch. Und viele der Stätten, die uns aus der Apostelgeschichte vertraut sind - von Ephesus bis Caesarea (heute unter dem Namen Kayseri die Heimat des türkischen Staatspräsidenten Gül) - belegen, was Wulff vor dem Parlament in Ankara sagte: Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei. Dies umso mehr, als die aus Zentralasien gekommenen Türken die ionischen Naturphilosophen, einen Thales von Milet oder Pythagoras von Samos, ja sogar Homer und die Hethiter für sich in Anspruch nehmen, wenn sie zeigen wollen, dass die Türkei „zweifelsfrei" zu Europa gehöre. Anatolien war Kernraum des christlichen Byzanz. Erst mit der Eroberung der Kaiserstadt Konstantinopel am 29. Mai 1453 durch die Osmanen fand dieses Reich sein Ende - nach elfhundert Jahren Herrschaft. Doch auch danach lebten Millionen von Christen (neben anderen religiösen Minderheiten) in dem - nun muslimischen - Imperium der Türken, die sich damals freilich noch Osmanen nannten. Ein Idealstaat war das Osmanische Reich nicht. Es besteht kein Anlass, es schwärmerisch zu mythologi- sieren. So waren die Araber froh, als die osmanische Herrschaft nach vierhundert Jahren nach dem Ersten Weltkrieg endete; und auch die christlichen Völker des Balkans, die noch heute, und oft ein wenig ungerecht, vom „Türkenjoch" sprechen, waren am Ende froh, ihre Freiheit und Unabhängigkeit errungen zu haben. Doch was religiöse Toleranz und Religionsfreiheit angeht, kann die Türkische Republik dem Osmanischen Reich das Wasser nicht reichen. Da bleibt die vorgeblich laizistische Republik hinter dem islamischen Universal- reich weit zurück. Unter den Osmanen waren die Nicht-Muslime zwar nicht gleichberechtigt, konnten jedoch nach Entrichtung der „Kopfsteuer" als „millet" oder religiös definierte „Nation" ihre religiösen und privatrecht- lichen Angelegenheiten weitgehend selbständig gestalten. Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebten in Konstantinopel/Istanbul mehr Nicht-Muslime (gayrimüslüm) als Muslime. Der türkische Autor Mario Levi, selbst spaniolisch-jüdischer Herkunft, hat diesem in der Tat multikulturellen Leben in seinem großen Ro- man „Istanbul war ein Märchen" ein bleibendes Denkmal gesetzt; und der Lyriker Ilhan Berk feierte die beiden Stadtteile Galata und Pera, wo lange überwiegend Christen lebten, in seiner Dichtung. Heute gibt es kaum noch Christen in der Türkei. Ihre Zahl ist so gering, dass sie statistisch kaum zu Buche schlägt. In spätosmanischer Zeit waren es zunächst panislamische, dann jedoch vor allem schon stark natio- nal-türkisch gesinnte Kräfte innerhalb der Jungtürken, die dazu erheblich beitrugen. Nach einem Vorspiel unter dem Sultan Abdulhamid II. sorgte der Genozid an den Armeniern während der Wirren des Ersten Weltkriegs für den ersten großen Aderlass unter den Christen. Mit dem 1922 erfolgten Bevölkerungsaustausch zwischen Griedhen und Türken verließen fast eineinhalb Millionen (orthodoxe) Christen Kleinasien. Daran waren die Griechen allerdings nicht unschuldig - hatten sie doch, verführt durch die westlichen Mächte, den Versuch unternommen, durch einen Eroberungskrieg „Byzanz" wiederzuerrichten. Dies vereitelte Kemal Pascha, der dann als Atatürk Gründer der Republik wurde. Die heutige Türkei versteht sich als weltlicher Staat, doch verweigert gerade sie den - kaum noch vorhan- denen - Christen elementare Rechte. Obwohl Religion offiziell als Privatsache gilt, hält man es doch für ausge- macht, dass der Türke auch Muslim ist - auch zum Leidwesen vieler nicht gläubiger Türken. Nationalismus und Islam sind insbesondere bei den Ultranationalisten eine verhängnisvolle Symbiose eingegangen. Die Morde an Christen in den vergangenen Jahren - etwa an dem armenischen Publizisten Hrant Dink - gingen alle auf das Konto der Nationalisten, die allen Ernstes in den wenigen Christen eine „Gefahr" für den von Atatürk mono- lithisch konzipierten türkischen Nationalstaat sehen. Unter der Regierung der islamischkonservativen AKP, immerhin, hat es einige bescheidene Verbesserungen für die Christen gegeben. Doch von Religionsfreiheit kann keine Rede sein. Es wäre schon manches gewon- nen, wenn das seit 1971 geschlossene orthodoxe Priesterseminar auf Chalki wieder geöffnet würde. Darauf hofft Patriarch Bartholomaios I., den der Bundespräsident nun in Istanbul besucht hat, schon lange. Bartho- lomaios repräsentiert nicht weniger als dreihundert Millionen orthodoxe Christen. Muslime können in Deutsch- land ihren Glauben unbehindert ausüben, manche - wie die Konfession der Aleviten - sogar freier als in ihrer türkischen Heimat. Die Zahl der Moscheen steigt. Eine umfassende deutsche Imam-Ausbildung wird geplant. Da war es nur recht und billig, dass der Bundespräsident im Sinne der Reziprozität die Religionsfreiheit an- mahnte und sich für die Rechte von Christen einsetzte. FAZ101023WolfgangGünterLerch
Interreligiöser Dialog: Glaube, Geschichte und Wissenschaft gehen miteinander einher

Mahdi Mostafavi ist der Präsident der „Islamic Culture and Relation Organization”, dem Organ des iranischen Staates, das für den interreligiösen und kulturellen Dialog zuständig ist. Mit einer Delegation iranischer Experten führte Mostafavi im Vatikan Gespräche mit dem Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog, unter Leitung von Kardinal Jean-Louis Tauran Foto oben links. Das Foto oben rechts zeigt Mastafavi mit Benedikt XVI. in der anschließenden Papstaudienz. Giovanni Cubeddu (30Giorni) führte im Anschluss daran mit Mahdi Mostafavi dieses Interview:
Thema des Gesprächs war „Glaube und Vernunft im Christentum und im Islam”. Ein Ehrerweis an Papst Benedikt? Wir unterhalten schon seit Jahren gute Beziehungen zum Vatikan, und das war bereits das sechste Treffen zwischen Schiiten und Christen im Vatikan. In Wahrheit wurde das Thema „Glaube und Vernunft” - ein Thema, dessen Bedeutung auch uns durchaus bewusst ist - nicht auf Wunsch des Papstes ausgewählt, sondern aus dem einfachen Grund, weil es für beide Parteien von Interesse ist. Themen zu diskutieren, die allen nützlich sind, ist im gegenseitigen Interesse und hilft, den Gesprächspartner besser kennen zu lernen. Und das nicht zuletzt auch, weil man der Wahrheit näher kommt, wenn man einander zuhört. Die Themen, die in der Vergan- genheit behandelt wurden, waren die islamische und christliche Sicht der Moderne, des Religionspluralismus und der Prinzipien, die den Frieden regeln, All diese Begegnungen waren nicht nur sehr interessant und fruchtbar, sondern haben auch gezeigt, dass es auf vielen Gebieten durchaus gemeinsame Anschauungen gibt, besonders, wenn da die Bereitschaft ist, einander zu verstehen. Wie würden Sie die iranische Anschauung definieren? In der heutigen Welt müssen uns die Vernunft, das Wissen und die Spiritualität am Herzen liegen. Darauf konzentriert sich die Debatte, und beide Seiten sind überein gekommen, dass derart weitreichende religiöse Phänomene ohne eine genaue Analyse nicht verstanden werden können. Wenn es um wichtige Religionen geht, muss man eine genaue Kenntnis der Glaubensinhalte haben ... Und was können Sie zum Thema „Glaube, Vernunft und das Phänomen der Gewalt” sagen? Wurde auch dieses so besonders heikle Problem diskutiert? Darum ist eine besonders lebhafte Diskussion entstanden, die gezeigt hat, dass uns der alleinige Gebrauch der Vernunft an die Gewalt annähert, aber auch das Gegenteil: dass wir uns nämlich auch, wenn wir dem Glauben ohne Vernunft folgen, an die Gewalt annähern. Glaube und Vernunft müssen miteinander einher gehen, ohne sich gegeneinander auszuschließen, weil sie einander brauchen. Sowohl im Christentum als auch im Islam wurde die Wichtigkeit dieser Komplementarität immer wieder herausgestellt. Am Iran scheint derzeit kein großes internationales Interesse zu bestehen - von der Atomfrage einmal abgesehen. Stehen die in Rom behandelten Themen auch in der theologischen Diskussion Ihres Land zur Debatte? Natürlich gibt es bei den Gläubigen verschiedene Meinungen und Ansichten. Die Mehrheit der Gläubigen und Intellektuellen im Iran vertritt jedoch die Ansichten, die wir auch in Rom vertreten haben. Und genauso denkt man auch an unseren Universitäten und Religionsschulen in Qom Foto unten. Zu diesem Thema gibt es ver- schiedene interessante Veröffentlichungen.
Religionsschule Faiziyeh in Qom
Die beiden Delegationen sind auch übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, dass Christen und Musli- me über eine „reine Toleranz” hinausgehen müssen, dass die „Verschiedenheit des jeweiligen histori- schen Kontextes” nicht außer Acht gelassen werden darf. Kurzum: wenn man die Geschichte respektiert, wird auch der Dialog einfacher. Meiner Meinung nach können sich die Religionen, wenn sie über die Wissenschaft diskutieren, vernünftig und ehrlich miteinander reden, sehr viel mehr aneinander annähern. Für uns Iraner ist es nie ein Problem, wenn sich Judentum, Christentum und Islam aneinander annähern. Probleme gibt es erst dann, wenn die Jünger dieser Religionen übertreiben, wenn sie keinen sicheren Glauben haben oder nicht wissen, wie sie die Vernunft nutzen sollen. Das Problem unserer heutigen Welt liegt in der Säkularisierung, für die Gott und die Religion von der Gesellschaft getrennt wurden, und wo es weder Glauben gibt, noch gute Beziehungen zwischen Glauben und Vernunft, und die Gesellschaft sehr unelastisch wird. Auch das Gegenteil ist möglich: Probleme entstehen dort, wo extremistische Religionsfanatiker sowohl die Vernunft als auch den Glauben beiseite lassen. Das ist aber nicht das Verhalten der Propheten: die haben stets behauptet, dass Vernunft und Glaube miteinander einher gehen müssen. Und wenn die Gläubigen den Richtlinien der Propheten folgen würden, hätten wir diese Probleme nicht. Kriege wurden noch nie von aufrechten Intellektuellen angezettelt. Wie können gemeinsame Initiativen zwischen Katholiken und Schiiten entwickelt werden? Wir haben im Vatikan über wissenschaftliche, kulturelle und künstlerische Initiativen diskutiert, im Hinblick auf unsere nächste Begegnung. Und wir haben uns dabei auf mögliche Bereiche konzentriert, in denen eine fruchtbare Zusammenarbeit möglich wäre. Diese etwaigen Konvergenzen wollen wir bestmöglich nutzen. 30Giorni0805

Prof. Dr. Manfred Spieker Foto Notwendigkeit und Grenzen des interreligiösen Dialogs
Die Nöte der Welt beginnen in unserer eigenen Gesellschaft. Die Integration von weit über drei Millionen Muslimen und das Zusammenleben mit Menschen verschiedener Religionen und einer großen Zahl von Agnos- tikern und Atheisten - in Ostdeutschland mehr als zwei Drittel, in Gesamtdeutschland rund ein Drittel der Bevölkerung - gebieten nicht nur den Dialog mit der Welt, den Papst Benedikt XVI. als Kardinal immer wieder pflegte, sondern auch den interreligiösen Dialog, den Papst Johannes Paul II. pflegte wie kein Papst vor ihm. Die Integration gerade der Muslime in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der EU, ist schwierig. Nicht nur der Kopftuchstreit hat dies vor aller Augen geführt, auch die Probleme des Moscheenbaus, des islami- schen Religionsunterrichts und des Betens in Kindergärten mit Kindern islamischer Herkunft zeigen, dass der Alltag schwierig ist. Die Ziele des interreligiösen Dialogs Um welcher Ziele willen wird der interreligiöse Dialog weltweit geführt? Ist der Weltfriede denn ein so ge- ringes Gut, dass er nicht ausreicht, um die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs zu begründen? Dies wird zumindest von den Christen niemand behaupten wollen, hat doch Jesus selbst in der Bergpredigt die Frie- densstifter selig gepriesen und Söhne Gottes genannt Mt 5,9. Den Frieden in der Welt und die Integration in multireligiösen und multikulturellen Gesellschaften zu fördern, die soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, den Menschenrechten Geltung zu verschaffen und den Terrorismus zu bekämpfen, sind mithin völlig legitime Ziele des interreligiösen Dialogs. Er wird deshalb immer Verständigung anstreben und das ins Auge fassen, «was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt». Die katholische Kirche lehnt deshalb nichts von dem ab, was in anderen Religionen «wahr und heilig» ist und «einen Strahl jener Wahr- heit» erkennen lässt, die alle Menschen erleuchtet. VAT.II. Nostra Aetate 2. Ein sich aufgeklärt dünkender Relativismus findet seinen zugleich klügsten und demütigsten Kritiker in Joseph Ratzinger, der gegen Lessings Ringparabel den Einwand erhebt, die Wahrheitsfrage durch die Frage nach der heilenden und reinigenden Wirkung der Religion zu ersetzen. Wenn aber «das Wahre nicht mehr er- kennbar und vom Unwahren nicht mehr unterscheidbar ist, ... wird auch das Gute unerkennbar; die Unter- scheidung zwischen dem Guten und dem Bösen verliert ihren Grund». Ratzinger verteidigt das Christentum schon in seiner 1968 erschienenen «Einführung in das Christentum», als eine Religion der Vernunft, als eine Religion des Logos, des Wortes Gottes, das in die Geschichte eingetreten ist. «Dass im Christentum letztlich alles an einem einzelnen, an dem Menschen Jesus von Nazaret hängt», sei für die übrigen Weltreligionen und für den Menschen von heute unbegreiflich. Der christliche Glaube ist «die Option für die Priorität der Vernunft», ohne deshalb an die griechische Kultur gebunden zu sein, wie Vertreter der relativistischen Position in der Theologie der Religionen immer wieder behaupten. Der christliche Glaube hat deshalb immer an der Wahr- heitsfrage festgehalten, und er wird dies auch im interreligiösen Dialog immer tun müssen. «Wenn der Mensch nach den wesentlichen Dingen seines Lebens, nach seinem Woher und Wohin, nach seinem Sollen und Dürfen, nach Leben und Sterben nicht mehr vernünftig fragen kann, sondern diese entscheidenden Probleme einem von der Vernunft abgetrennten Gefühl überlassen muss, dann erhebt er die Vernunft nicht, sondern entehrt sie». Wenn dem Christen im interreligiösen Dialog die Absolutheit der Mystik als letztverbindliche Größe aufgedrängt werde, wie im Symbolismus und Spiritualismus eines Radhakrishnan, sei das für ihn «keine geringere Zumutung als dem Nichtchristen die Absolutheit Christ entgegenzuhalten». Das Fazit der Kritik Ratzingers lautet: «Der Pluralismus bricht klar mit dem Glauben, dass allein von Chrisus das Heil kommt und dass zu Christus seine Kirche gehört». Dies war auch die zentrale Botschaft von «Dominus Jesus», der Erklärung der Glaubenskongregation «über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche» vom 6. August 2000. Diese Erklärung, die ganz deutlich die Handschrift Ratzingers verrät, kritisiert die relativistische Theologie der Religionen, «die den religiösen Pluralismus nicht nur de facto, sondern auch de jure (oder prinzipiell) rechtfertigen» will und in de- ren Folge zentrale Wahrheiten des christlichen Glaubens als überholt betrachtet werden, «wie etwa der end- gültige und vollständige Charakter der Offenbarung Jesu Christi, die Natur des christlichen Glaubens im Ver- hältnis zu der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, die Inspiration der Bücher der Heiligen Schrift, die personale Einheit zwischen dem ewigen Wort und Jesus von Nazaret, die Einheit der Heilsordnung des Fleisch gewordenen Wortes und des Heiligen Geistes, die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi, die universale Heilsmittlerschaft der Kirche, die Untrennbarkeit - wenn auch Unterscheidbarkeit - zwischen dem Reich Gottes, dem Reich Christi und der Kirche, die Subsistenz der einen Kirche Christi in der katholischen Kirche». Das Anliegen der Erklärung der Glaubenskongregation besteht darin, auch im interreligiösen Dialog an der Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi festzuhalten und deutlich zu machen, dass die Kirche das «allumfassende Heilssakrament» ist, mithin die These zurückzuweisen, dass die Kirche ein Heilsweg neben jenen in den anderen Religionen sei, «die komplementär zur Kirche, ja im Grunde ihr gleichwertig wären, insofern sie mit dieser zum eschatologischen Reich Gottes konvergierten». «Dominus Jesus» hält wie auch das Dokument der Internationalen Theologenkommission «Das Christentum und die Religionen» von 1996 am Universalitätsanspruch des Christentums fest. Wie steht es angesichts dieser Kritik dann mit dem interreligiösen Dialog? Hat er noch einen Sinn? Können sich seine Partner noch auf gleicher Augenhöhe begegnen? Die seit dem II. Vatikanischen Konzil unter- strichene Notwendigkeit dieses Dialogs wird auch durch «Dominus Jesus» nicht zurückgenommen. Der inter- religiöse Dialog zielt auf Verständigung. Die Partner wollen einander besser kennen lernen, den anderen und sich selbst besser verstehen, aber «in Gehorsam gegenüber der Wahrheit und mit Respekt vor der Freiheit». Parität, Liebe und Freiheit werden auch von «Dominus Jesus» als Voraussetzungen des interreligiösen Dia- logs bezeichnet. Aber die Parität «bezieht sich auf die gleiche personale Würde des Partners, nicht auf die Lehrinhalte und noch weniger auf Jesus Christus, den Mensch gewordenen Sohn Gottes, im Vergleich zu den Gründern der anderen Religionen». Alle Religionen als gleich wahr zu betrachten, wie in der pluralistischen Position der Theologie der Religionen, ist «gleichbedeutend mit der Erklärung, dass alle falsch sind». Das vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog gemeinsam mit der Kongregation für die Evange- lisierung der Völker erarbeitete Papier «Dialog und Verkündigung» erinnert an die Lehre des Konzils, dass alle Menschen verpflichtet sind, «die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren. Der interreligiöse Dialog habe deshalb «nicht nur gegenseitiges Verständnis und freundschaftliche Beziehungen zum Ziel». Er müsse vielmehr die «viel tiefere Ebene des Geistes» erreichen, «auf der Austausch und Teilhabe im gegenseitigen Glaubenszeugnis» möglich seien. Die Aufrichtigkeit des interreligiösen Dialogs verlange, «dass jeder mit der ganzen Integrität seines Glaubens in den Dialog eintritt». Dazu gehöre, nicht zu verschweigen, dass die Kirche gottgewollt von Christus eingesetzt und zum Heile notwendig ist. Die Tugend der Demut gehört genauso zu den Voraus- setzungen des interreligiösen Dialogs wie die Wahrheitsfrage. Formen und Grenzen des interreligiösen Dialogs Die Diskussion über die Ziele des interreligiösen Dialogs hat in der Regel den Dialog der theologischen Experten im Auge, die sich über die verschiedenen religiösen Bekenntnisse und Traditionen unterhalten. Neben dieser Form des Dialogs gibt es aber noch weitere Formen, den Dialog des Lebens, den Dialog des Handelns und den Dialog der religiösen Erfahrung. Im Dialog des Lebens geht es um das Zusammenleben mit Menschen anderer Konfessionen und Religionen in einer offenen Gesellschaft, um das Teilen alltäglicher Probleme in der Nachbarschaft, in Schule und Beruf, in Vereinen, Krankenhäusern und Altenheimen. Wer hat dort nicht schon Menschen anderer Religionen und Kulturen angetroffen, die genauso von Freude und Leid betroffen sind, wie wir? Da Christsein sich weder auf die Liturgie noch auf den Sonntag beschränken kann, ist die Heiligung des Alltags, die Christusnachfolge in Familie, Beruf und Gesellschaft, die Anteilnahme an Freude und Leid des Nächsten eine Form der Nächstenliebe und eine erste Stufe des interreligiösen Dialogs. Im Dialog des Handelns arbeiten die Angehörigen verschiedener Religionen zusammen, um die Lebenslage der Menschen zu verbessern. Die Bewältigung von Naturkatastrophen, die Förderung einer umfassenden Entwick- lung der Völker, der Schutz der Menschenrechte, kurz Gerechtigkeit und Frieden, gebieten eine solche Zu- sammenarbeit. Sie ist möglich ohne Einheit im Glauben, wie sie auch schon seit langem möglich ist unter den verschiedenen christlichen Konfessionen. Der Schutz der Menschenwürde gebietet den Dialog des Handelns, um Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit zu fördern. Immer wieder haben die Päpste, das II. Vatikanische Konzil und insbesondere Johannes Paul II. zu dieser Zusammenarbeit aufgerufen und für diese Zusammenarbeit die Soziallehre der Kirche als be- sonders geeignetes Instrument empfohlen. Die vierte Form des interreligiösen Dialogs schließlich ist der Dialog der religiösen Erfahrung. In ihm teilen sich Angehörige verschiedener Religionen, «die in ihrer eigenen religiösen Tradition verwurzelt sind», ihren spiri- tuellen Reichtum mit. Dieser Dialog der religiösen Erfahrung kann auch, wie mehrmals bei den Friedens- gebeten von Assisi geschehen, in den Dienst eines gemeinsamen Zieles, eben des Friedens in der Welt, gestellt werden. Wird in diesem Dialog der religiösen Erfahrung gebetet, geht es nicht um ein gemeinsames Gebet zu einem synkretistischen höheren Wesen, sondern darum, dass sich jeder gemäß seiner eigenen Tradition dem Gebet widmet. Die Christen beten zu ihrem dreifaltigen Gott, der sich in Jesus Christus geoffen- bart hat. Wenn abschließend nach den Grenzen des interreligiösen Dialogs zu fragen ist, dann ist zunächst festzu- halten, das diese Grenze die Wahrheitsfrage ist. Die Wahrheitsfrage um der Verständigung oder der political correctness willen zu vermeiden, entzieht dem interreligiösen Dialog sein Fundament. Die Frage nach dem Wahren und die Frage nach dem Guten sind nicht voneinander zu trennen. Eine zweite wichtige Grenze für den interreligiösen Dialog ergibt sich aus dem ihm gesetzten Ziel, für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit einzutreten. Gerade wenn der interreligiöse Dialog dazu beitragen soll, «gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, ... des Friedens und der Freiheit für alle Menschen», wie es das II. Vatikanische Konzil im Hinblick auf das Verhältnis von Christen und Muslimen formuliert hat, dann muss im Dialog auch über jene Elemente einer Religion gesprochen werden, die der Förderung der sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit für alle Menschen entgegenstehen. Solche Elemente gibt es, und es sind in manchen Religionen wie dem Islam nicht wenige. Der Koran enthält nun einmal eine Reihe von Versen, die die Entwicklung einer humanen und das heißt ge- rechten, friedlichen und demokratischen Gesellschaft erschweren. Die Vorstellung von Gott als dem alleinigen Gesetzgeber auch in zeitlichen Dingen ist mit einer demokratischen politischen Ordnung nicht vereinbar. Sie negiert die Trennung von Religion und Politik und führt dazu, dass sich die Staatsgewalten der Exekutive, der Legislative und der Judikative immer den Ayatollahs, dem Rat der Glaubenswächter, unterordnen müssen, und dass die Scharia in vielen islamischen Staaten das öffentliche Leben, mithin auch das Leben der Nichtmuslime, reglementiert. Der Koran enthält eine Reihe von Suren, die der Frau die gleiche Würde wie dem Mann ab- sprechen, ja dem Mann das Züchtigungsrecht gegenüber der Frau einräumen und dazu führen, dass die Frau im Zivilrecht, vor allem im Ehe-, Erb- und Prozessrecht benachteiligt wird. Bei aller Vielfalt, ja Widersprüch- lichkeit, enthält der Koran zahlreiche Suren, die den Glauben der Christen und Juden als defiziente Vorläufer- formen des Islam, ja als häretische Formen eines Gottesglaubens denunzieren, die die Christen und Juden den Ungläubigen gleichstellen und dazu führen, dass es in islamischen Ländern keine Religionsfreiheit und auch kein volles Bürgerrecht für Juden und Christen gibt. Er enthält zahlreiche Suren, die die Muslime zur Gewaltanwendung gegenüber Ungläubigen auffordern, die sie schon unmittelbar nach Mohammeds Tod im 7. Jahrhundert zu einer gewaltsamen Eroberung nichtmuslimischer Gebiete veranlassten und bis heute zu einer Militarisierung islamischer Staaten führten. Der Koran enthält schließlich eine Sure, die dem, der im Kampf für Allah stirbt, das Paradies und im Paradies den Vorrang vor denen verspricht, die zuhause sterben. Diese Sure scheint die religiöse Quelle zu sein für das Phänomen der Selbstmordattentäter, das es fast nur in islamischen Gesellschaften gibt und das zur Geißel des 21. Jahrhunderts zu werden scheint. Auch im Hinduismus gibt es Elemente, die der Förderung einer humanen, demokratischen Gesellschaft ab- träglich sind, so z.B. die Witwen-Verbrennung und das die Menschenrechte und die Menschenwürde miss- achtende Kastensystem. Auch der Glaube an die Wiedergeburt scheint ein Hindernis für eine tatkräftige Ge- staltung der Welt zu sein. Der Friede wird nicht durch das Gespräch über derartige Elemente in einer Religion gestört, sondern durch diese Elemente sei es der Religion selbst, sei es der von ihr geprägten Kultur. Es gibt nun einmal «degene- rierte und kranke Religionsformen, die den Menschen nicht aufbauen, sondern entfremden». Und die Christen? Sind sie frei von Torheit, Boshaftigkeit und Sünde? Hier gilt es zu unterscheiden zwischen dem Evangelium und dem Glauben der Christen einerseits und den Christen andererseits. Das Evangelium, das den Menschen in der Verkündigung oder im interreligiösen Dialog nahezubringen der Auftrag der Kirche ist, darf in Anspruch nehmen, den Menschen - alle Menschen - zu seinem ewigen Heil zu führen und Gerechtig- keit, Frieden und Freiheit in der Welt zu fördern. Es ist ohne Torheit, Boshaftigkeit und Sünde. Jesus wurde in Betlehem uns gleich in allem außer der Sünde. Das Leben und Handeln der Christen aber ist oft genug auch in der Kirche von der Sünde verdunkelt. Die Kirche ist, so hat es Benedikt XVI. in der Vigilfeier beim Kölner Welt- jugendtag am 20. August 2005 formuliert, «ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut», und er hat an das Schuldbekenntnis von Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000 erinnert, in dem der Papst um Verzeihung bat «für das, was durch das Handeln und Reden von Menschen der Kirche an Bösem in der Geschichte geschehen ist». Benedikt XVI. forderte dazu auf, es den drei Königen gleich zu tun, die nach Betlehem gekommen waren, um dem König der Juden zu huldigen und nur ein kleines Kind im Stall fanden, vor dem sie dennoch niederfielen, um es anzubeten. Diese geheimnisvollen Weisen aus dem Orient, von denen wir so wenig wissen, waren vermutlich die ersten, die den interreligiösen Dialog vor zwei Jahr- tausenden gepflegt haben - schon bevor sie sich auf den Weg nach Jerusalem machten und erst recht da- nach, als sie von Betlehem auf einem anderen Weg heimkehrten in ihre Länder mit anderen Religionen und Kulturen. Manfred Spieker, lehrt an der Universität Osnabrück Christliche Sozialwissenschaften. Stark gekürzte Vortrag aus der INTERNATIONALEN KATHOLISCHEN ZEITSCHRIFT COMMUNIO Mai/Juni 2006
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