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Benediktinerkloster Nütschau - Ort der Besinnung

... auch in diesem Jahr waren wir wieder Gäste der Benediktiner im Kloster Nütschau. Pater Dr. Willibald Kuhnigk erklärte uns die Psalmen. Über seine neue Übersetzung der Psalmen Hier bringen wir die schönsten Fotos von unseren Einkehrtagen im Kloster Nütschau

















 






























mehr Fotos und Berichte von unseren Einkehrtagen im Kloster Nütschau


Schon zum dritten Mal waren wir jetzt zu Einkehrtagen im Kloster Nütschau. In diesem Jahr wurden uns die Psalmen von Pater Dr. Willibald Kuhnigk OSB erklärt, dem Mitautor und Übersetzer des “Münsterschwarzacher Psalters”.
Hier zeigen wir die schönsten Fotos von unseren Fahrten nach Nütschau


 







Krista Raupach berichtet hier von unseren Einkehrtagen im Benediktiner-Kloster Nütschau
Das Katholische Blindenwerk Norddeutschland kbwn umfasst die Flächen der Diözesen Hildesheim und Osnabrück sowie des Erzbistums Hamburg und des Offizialats Vechta. Es reicht damit von der holländischen Grenze bis nach Mecklenburg und vom Harz bis an die Nord- und Ostsee. Bedingt durch diese große Fläche gestaltet sich die Anreise zu Fahrten immer etwas schwierig und zeitintensiv. Anreise und erste Begegnungen Die Teilnehmenden trafen sich aus dem Westen und Süden des Vereinsgebietes mit denen aus Bremen am Überseemuseum in Bremen. Dort wurde im Restaurant, das eigens für unsere Gruppe geöffnet wurde, obwohl das Museum üblicherweise montags immer geschlossen ist, eine leckere Gemüse-Lasagne und ein Dessert eingenommen. Die besondere Faszination dieses Restaurants besteht darin, dass im Restaurant-Team Menschen aus fast zwanzig Ländern und aus fast allen Erdteilen kochen, kellnern, spülen und leiten. So wurden wir z.B. von Hatty aus den USA und einem Kellner aus Südamerika bedient, während Anna aus Italien als Chefköchin unser Essen zubereitet hatte. Es schmeckte allen ausgezeichnet, und in der netten Atmo- sphäre fühlten sich alle sehr wohl. Die Begegnung mit den dort tätigen freundlichen und hilfsbereiten internationalen Menschen machte uns ganz praktisch bewusst, dass wir alle aus derselben Hand unseres Schöpfers als Brüder und Schwestern hervorgegangen sind. So gestärkt, fuhren wir dann mit einem Bus zunächst nach Bad Oldesloe, wo wir unsere restlichen Teilnehmenden aus Rostock, Grevesmühlen und Pinneberg vom Bahnhof abholten. Mit nun insgesamt 23 Personen erreichten wir nach weiteren sieben Kilometern das Ziel unserer Reise, das Kloster Nütschau. Das Kloster Gebet und Gastfreundschaft, innere Sammlung und Offenheit nach draußen kennzeichnen das Benediktinerkloster St. Ansgar in Nütschau. 1577 wurde das Herrenhaus erbaut, das mit seinen drei Giebeln bis heute das Wahrzeichen Nütschaus ist. (Auf dem linken der drei Giebel baute in diesem Jahr ein Storch sein Nest.) 2001 Jahr konnte das Kloster sein 50-jähriges Bestehen feiern, denn 1951 wurde dieser Ort zwischen Hamburg und Lübeck als Stätte der Besinnung und Begegnung vor allem für die Flüchtlinge und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges eröffnet. Die Mönche, die damals aus Westfalen und anderen Gegenden Deutschlands nach Nütschau kamen, widmeten sich zuerst der Seelsorge für die heimat- vertriebenen Katholiken im evangelisch geprägten Norden. 1975 wurde die Neugründung in die Selbstständigkeit entlasssen und zum Konventionalpriorat erhoben. Nach und nach ergänzten weitere Bauten das Ensemble: Die Bildungsstätte Haus St. Ansgar, die Klosterkirche mit stillem Bereich, Speiseräume und Küche sowie das Schwesternhaus der Clemens- schwestern. Heute reicht die Anziehungskraft dieses Klosters weit über die Grenzen des Landes Schleswig- Holstein und des Erzbistums Hamburg hinaus bis nach Skandinavien. Menschen aller christlichen Konfessionen, auch der Kirche fern stehende Menschen, suchen hier geistliche Begleitung. Spiritualität und eigenes Erleben “Haus Gottes” - so umschreibt Benedikt die klösterliche Gemeinschaft. Mitte dieser Gemeinschaft ist der auferstandene Christus, er erfüllt das ganze Haus und jeden Bewohner. Für diese Gemeinschaft entscheidet sich der Mönch frei, weil er glaubt, hier den Ort zu finden, an dem er unermüdlich Gott suchen und Christus entgegengehen kann. Dies verwirklicht der Mönch u.a. in der Bindung an diese frei gewählte Gemeinschaft (stabilitas), einem von drei Gelübden der Profess. Diese “stabilitas” hat auch zur Folge, dass man - wenn man wie unsere Gruppe ein zweites Mal oder sogar noch öfter in dasselbe Benediktinerkloster kommt - auch dieselben Mönche antrifft. Deshalb hatten wird das Glück, Pater Dr. Willibald Kuhnigk OSB, den wir bereits bei unserem ersten Besuch im vorigen Jahr kennen und schätzen gelernt hatten, wieder als geistlichen Begleiter zu erhalten. Während wir uns bei unseren Einkehrtagen im vorigen Jahr überwiegend mit dem Lukas-Evangelium und dort vorwiegend mit den Emmausjüngern befasst hatten, brachte uns Pater Willibald in diesem Jahr “Hoffnungstexte” der Bibel näher. Er erläuterte uns mit seinen exzellenten Kenntnissen der Heiligen Schrift Zusammenhänge zwischen bestimmten Texten verschiedener Bücher der Bibel. So spannte er den Bogen von Jesaja 2 über Micha 4, wieder Jesaja, aber Kapitel 24 und 25, Ezechiel, Jeremia und Amos wieder zu Micha 7,11- 13. Alle Hoffnungstexte bringen zum Ausdruck, dass das Volk Israel, belehrt durch Unheil, geläutert neu auf Gott schaut und neu mit ihm den Weg in die Zukunft geht. Es geht immer um den Frieden und darum, dass dieser Friede von Dauer sein soll und dass alles Unheil, Tränen und der Tod ausgelöscht sein werden, weil sie ja den Frieden stören würden.Später haben wir gemerkt, dass dieser Friede nicht einfach nur eine Sache ist, sondern eine Person. So wie es später Paulus ausdrückt: Er, Christus, ist unser Friede. Er ist die lebendige Brücke zwischen dem unendlichen Gott und uns Menschen. Friede ist, wenn die Beziehung zwischen Gott und uns vollkommen ist. Dieser Friede schließt alles ein, was man sich nur wünschen kann, bis hin zur Teilhabe an Gottes Herrlichkeit. Diese Zusage gilt nicht nur für Israel, sondern für alle Völker und Menschen und damit auch für uns. So viel als kleine Zusammenfassung dessen, was uns Pater Willibald engagiert und einfühlsam näher brachte und uns ans Herz legte. Während unserer Vorträge und Gespräche erhielten wir einmal einen hohen Besuch: Herr Erzbischof Dr. Ludwig Averkamp aus Hamburg schaute kurz herein und besuchte unsere Gruppe. Vom Paradies, dem Fegefeuer und dem Brot des Markus In der Mitte unserer Einkehrtage unternahmen wir einen Nachmittagsausflug in die Hansestadt Lübeck. Am Holstentor stieg unser Stadtführer in den Bus und erklärte uns auf dem Weg zum Dom einiges Wissenswertes über die Geschichte der Stadt und stellte uns dann einige der Sehenswürdigkeiten vor. Offiziell wurde Lübeck im Jahre 1143 gegründet. In diesem Jahr wurde eine christliche Kaufmanns- siedlung auf dem fast vollständig von den Flüssen Wakenitz und Trave umgebenen eiförmigen Hügel errichtet. Auf diesen Ort wurde die Bezeichnung “Lübeck” übertragen. Dieses Gebiet umschließt auch heute noch die Altstadt Lübecks. Sie ist nur 2000 m lang und 500 m breit. Da hier Autos nur ganz begrenzt fahren dürfen, erlebt man z.B. vor dem Dom Vogelgezwitscher statt Autohupen, also eine natürliche Ruhe und Beschaulichkeit, die man in einer Großstadt nicht vermutet. Lübeck ist heute eine Großstadt von 250.000 Einwohnern - natürlich der gesamten Stadt und nicht nur der Altstadt. In dieser durch die Reformation vorwiegend evangelischen Stadt beträgt der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung ganze 7%, vor dem Zuzug der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg waren es sogar nur 3%. So kommt es, dass es in der Altstadt nur eine katholische Kirche gibt - die wir im vorigen Jahr besucht hatten - und alle alten Kirchen, ebenso wie der Dom - heute evangelisch sind. Ziel unseres diesjährigen Besuches war insbesondere der Dom, dessen hochragende Türme zu der berühmten Silhouette der Hansestadt gehören. Er ist das wohl älteste Baudenkmal Lübecks. Nachdem die Stadt 1160 Bischofssitz geworden war, legte Heinrich der Löwe im Jahr 1173 den Grundstein zu dem gewaltigen Backsteinbau. Vorher hatte an gleicher Stelle bereits eine hölzerne Kirche gestanden. Der romanische Dom, eine dreischiffige Pfeilerbasilika, war um 1230 fertiggestellt worden. Nur 30 Jahre später ließ der aus dem Rheinland stammende Bischof Johannes von Diest das “Paradies”, eine spätromanische Vorhalle, anfügen. Sie war Eingang, Freistätte für Verfolgte, Ort der Almosenausgabe und gelegentlich auch Gerichtsstätte. Der romanische Bau wurde im Laufe der Jahre zur gotischen Hallenkirche umgestaltet und zum Teil barock ausgestattet. Bei dem Luftangriff auf Lübeck im Jahr 1942 entstanden am Dom schwere Zerstörungen. Gewölbe stürzten ein. Das Paradies wurde erst 1946 von einem einstürzenden Querhaus begraben. In der Nachkriegszeit begann der Wiederaufbau erst 1960, dessen krönender Abschluss die Wiederherstellung des mittelalterlich rekonstruierten Paradieses Ende 1982 war. Der Lübecker Dom enthält zahlreiche Kunstwerke, darunter das 17 m hohe Triumphkreuz von Bernd Notke (1477) über dem Lettner, die Renaissancekanzel (1568) mit dem “Teufelsgitter”, den Sarkophag der Fürstbischöfe von Lübeck und vieles mehr. Wir hatten Gelegenheit, einiges davon abzutasten und so einen “spürbaren” Eindruck zu gewinnen. Nach der Dombesichtigung ging es vorbei an dem oben beschriebenen Paradies durch das Fegefeuer, das, verkehrstechnisch gesehen, eine Einbahnstraße mit uneingeschränktem Halteverbot ist, vorbei an der “Hölle” (das ist eine kleine Nebenstraße vom Fege- feuer) durch die “Unnerbüx” - einen der berühmten Lübecker Gänge - zu der dann wohlverdienten Rast in das Café Niederegger. Dort erholten wir uns bei einer der Spezialitäten, der Marzipantorte. Nach einer der zahlreichen Legenden um die Entstehung des Marzipans ist es das “Marci panis” aus Venedig, das “Brot des Markus”, dessen Rezept durch die alten Handelsbeziehungen nach Lü- beck gelangte. Das Ursprungsland des Marzipans ist jedenfalls der Orient, wo die delikate Mandel-Zucker- Mischung als Krönung der Gaumenfreuden an der Tafel des Kalifen aufgetragen wurde. Die süßen Spezialitäten erreichten Spanien und Portugal und wurden durch die Kreuzzüge über den Handelsplatz Venedig nach Europa gebracht. Dabei wurde Marzipan am Anfang seiner Laufbahn von Apotheken hergestellt und galt noch bis zum 18. Jahrhundert als Heilmittel. Vielleicht stammen daher auch die Preise für die beliebte Spezialität in einem der berühmtesten Cafés von Lübeck, dem Hause Niederegger. Geschmeckt hat es himmlisch! Resümee Obwohl eines unserer Mitglieder im Laufe der Woche in das Krankenhaus von Bad Oldesloe gebracht werden musste und dort gut versorgt wurde (inzwischen aber wieder zu Hause ist), nahmen alle Teilnehmenden auch der diesjährigen Einkehrtage bereichert an Eindrücken, beschenkt mit Worten der Hoffnung und vielen positiven Erfahrungen Abschied vom Kloster Nütschau und voneinander. Viele hoffen auf eine Wiederholung im nächsten Jahr. Das Kloster Nütschau kann zur Einkehr und geistlichen Besinnung nur empfohlen werden. Krista Raupach in: Lux Vera 02-7/8
ehemaliger Dom zu Lübeck




Das Benediktinerkloster Nütschau ist nach den originalen Bauplänen wieder hergerichtet. Das im Kreis Storman liegende Kloster Nütschau in Travenbrück ist mittlerweile auch über die Landesgrenzen Schleswig-Holsteins hinweg bekannt geworden. Seit 1975 ist das von Heinrich Rantzau im Jahr 1577 errichtete ehemalige Herrenhaus ein eigenständiges Kloster. Heute gehört es zu den bedeu- tendsten Kulturdenkmälern Schleswig-Holsteins. Nach mehr als zehn Jahren Restaurierungsarbeiten erstrahlt das Gebäude jetzt im neuen alten Glanz. Alter Glanz, weil sich Architekt Gisberth Hülsmann auf das Baukonzept aus der Entstehungszeit des Gebäudes konzentrierte, um den historischen Anblick des Hauses möglichst wiederherzustellen. TheresiaHeukingTravenbrückHA060908
Das Blau der Trave und des Himmels, das Dunkelbraun der Moorerde, die hellbraunen Töne von Sand, Mergel und Lehm, der Moränen und Feldsteine: harmonisch nehmen die Fensterwände der Klosterkirche in Nütschau die Farben der umgebenden Natur des Travetals auf. Der quadratische Flachbau (1973- 1975) ist die religiöse Mitte des Benediktiner-Klosters, das 1951 begründet wurde. Keimzelle war das Rantzausche Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das zur Zeit grundlegend saniert wird. „Wie eine holsteinische Scheune” schließt das 1997-1999 errichtete neue Kloster an den altehrwürdigen Renaissancebau an. Das Kloster bleibt Besuchern verschlossen. Es ist die Klausur, der abgeschlossene Bereich der 16 Mönche. An ihrem Stundengebet in der Kirche kann allerdings jeder Besucher teilnehmen. Die Kirche ist täglich von 6 bis 21.30 Uhr geöffnet. Internet: www.kloster-nuetschau.de Benediktinerkloster Nütschau, Schloßstraße 30, 23843 Travenbrück, Telefon 04531 - 500 40,

Nicht weit vor den Toren Hamburgs gibt es einen Ort der Besinnung und der Stille - das Benediktinerkloster Nütschau. Es liegt eingebettet in eine ländliche Hügellandschaft bei Bad Oldesloe (Kreis Stormarn). 16 Mönche leben im nördlichsten Benediktiner-Kloster der Republik. Weltabgeschieden- heit aber ist ihre Sache nicht. Die Klosterbrüder betreiben heute vor allem Bildungsarbeit im weitesten Sinn. Das Programm reicht von Meditation und Tanz über Seminare, Bibelkreise und Familienfreizeiten bis zu Einzelexerzitien im Stillen Bereich. Das Kloster gilt als das geistige Zentrum in der katholischen Diaspora Norddeutschland. Der Leiter des Bildungshauses, Bruder Matthäus Buß (63), wurde nun aus seinem Amt verabschiedet, bleibt aber im Orden. Nach seinem Studium in Rom hatte der Bibelwissenschaftler die Bildungsarbeit mit aufgebaut. „Als ich 1972 nach Nütschau kam, war das eine große Umstellung, aber ich habe es nie bereut”, sagt er. „Der Ort ist gesättigt mit landschaftlicher Schönheit und mit Geschichte” betont Bruder Matthäus, „schon die Germanen haben hier an der Furt der Trave ge- siedelt.” Das Herzstück des Klosters bildet das 1577-1579 von Hinrich Rantzau errichtete Herrenhaus mit den markanten drei Giebeln. Das historische Gebäude wird seit zwei Jahren restauriert, die Arbeiten sollen aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Unterhalb seiner Anhöhe erstreckt sich das Bildungshaus St. Ansgar. Im Gästehaus des Klosters, das gerade gründlich renoviert wurde, stehen 40 Zimmer mit insgesamt 77 Betten zur Verfügung. 14.000 Besucher werden hier jährlich gezählt. Wie verbunden sich die Besucher mit dem Kloster fühlen, zeigt ihr Engagement für die Renovierung. „80 Prozent der Kosten wurden durch Spenden finanziert”, sagt Prior Leo Overmeyer (66). 1951 kaufte der bischöfliche Stuhl Osnabrück das Anwesen mit 84 Hektar Grundbesitz. „Es sollte eine geistliche Heimstatt für die vielen Flüchtlinge aus dem Osten werden, die nichts als ihren Glauben gerettet hatten”, erklärt Bruder Matthäus. Bis in die 70er Jahre betrieben die Benediktiner hauptsächlich Landwirtschaft. Dann begann die Umstrukturierung zu einem überregional bekannten Bildungszentrum. Die Chance, den Neuaufbau mitzugestalten, habe ihn damals gereizt, erinnert sich der Ordensmann. „Wir haben im Lauf der Zeit gelernt, die Öffentlichkeit zu suchen”, sagt Bruder Matthäus, „und wir erleben dabei viel Wohlwollen”. Im Internet ist das Bildungsprogramm des Klosters abrufbar unter der Adresse: www.kloster-nuetschau.de JensPeterMeier060218

Die Psalmen zum Beten und Singen: Pater Dr. Willibald OSB Foto oben uns bekannt durch unsere Einkehrtage im Kloster Nütschau gehört zum Übersetzer-Team. Psalter: Die hohe Dichtung neu übersetzt
In schönes schwarzes Leinen sind sie eingebunden. In der neuen Buchform liegen sie gut in der Hand. Und auf der Vorderseite zieht sich ein farbiges Band mit Spektrallinien über den Titel und hebt sich vom Schwarz ab. “Die Psalmen enthalten das ganze Spektrum der menschlichen Emotionen und des Lebens, wie die Farben das Licht ausmachen”, erklärt Andreas Wagner, Sprecher des Vier-Türme-Verlags, die grafische Entscheidung für den Einband. Insider haben lange darauf gewartet, nun sind sie auch für die Allgemeinheit zugänglich, die Psalmen in “Neu”-Übersetzung. Benediktiner aus dem deutschsprachigen Raum haben sie in langer Kleinarbeit zusammen mit Kirchenmusikern erarbeitet. Und doch ist diese Übersetzung so neu nicht. Über zehn Jahre saßen seit Mitte der achtziger Jahre Fachleute für Altes Testament und Kirchenmusik zusammen. Letztere haben immer wieder den Rhythmus der Sprache abgeklopft, ob sich die Übersetzungen auch gut im Stundengebet singen lassen. “Die Arbeit war zunächst gar nicht für die Allgemeinheit bestimmt, sondern für den internen benediktinischen Gebrauch im Stundengebet”, erkärt Bruder Dr. Willibald Kuhnigk vom Kloster Nütschau. Der im Alten Testament promovierte Theologe aus dem Erzbistum Hamburg hat an den Übersetzungen fast von Anfang an mitgewirkt. Gedruckt werden die neu übertragenen Psalmen zunächst zwischen anderen Liedern, Antiphonen und Introiti erstmals 1995 für das Stundengebet der Benediktiner in drei dicken Büchern, die bisher über 100 Euro kosteten. Vor wenigen Wochen hat der Vier-Türme-Verlag die Psalmen in die biblische Reihenfolge gestellt und zwei verschiedene Ausgaben auf den Markt gebracht, in schwarzem Leinen und als Taschenbuchausgabe für die Reise. Die Psalmüberschriften hat der Nüt- schauer Bruder Willibald exklusiv für den Druck neu erstellt, denn sie werden im Stundengebet nicht gesungen. “Münsterschwarzacher Psalter” steht auf dem Buch. Nicht nur weil die Initiative von den Kloster- brüdern in der Nähe von Würzburg ausging. Erklärt wird dieser selbstbewusst klingende Titel in zwei Versionen. Während die Übersetzer bescheiden sagen, sie wollten nicht in Konkurrenz zur Einheits- übersetzung treten, behaupten die Marktstrategen im Verlag, es gehe auch darum eine “neue Marke zu schaffen, die Inbegriff von Klosterleben signalisiert”, so Andreas Wagner. Dabei sollte der gute Ruf der Benediktiner von Münsterschwarzach (Anselm Grün) bewusst eingesetzt werden, um die Ausgaben verkäuflich zu machen. Aber auch Bruder Willibald gibt zu bedenken: “Die Einheitsübersetzung ist nun schon einige Jahre alt und die Erkenntnisse gerade im Alten Testament haben sich erweitert.” In ihrer Arbeit haben die Übersetzer bewusst den hebräischen Text zur Grundlage genommen und sich nicht wie in der katholischen Tradition üblich auf die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testamentes gestützt. Obwohl davon auszugehen ist, dass diese alte griechische Übersetzung auf viel älteren hebräischen Textdokumenten beruht. “Es geht nicht immer nach älter oder jünger und nebenbei gesagt sind die Datierungen der Textfragmente auch nicht immer eindeutig”, gibt Bruder Willibald zu bedenken. Es sei ihnen vor allem darum gegangen, die Poesie der hebräischen Sprache zu erspüren und diese dann im Deutschen nachzubilden. “Die Psalmen sind hohe Dichtung und Dichtung ist immer in einer höheren Sprache geschrieben und das ist nicht die Sprache der Zeitung, sondern eine Sprache, die herausfordert”, beschreibt der Nütschauer Benediktiner das Deutsch in der nun vorliegenden Ausgabe. Und so wird beispielsweise im Psalm 73,6 das alte Wort “Hoffart” wieder eingesetzt, wo die Einheitsübersetzung das leichter verständliche “Hochmut” verwendet. Dichtung heißt, über einzelne Worte nachdenken und ihre Bedeutungen erarbeiten. Wer sich einige Verse laut vorliest, merkt gleich: Die Psalmen in der benediktinischen Übersetzung lassen sich viel schöner lesen als andere Übertragungen, sie haben Rhythmus. Die großen Zusammenhänge lassen sich leicht verstehen. Auch der Satzspiegel der kleinen neuen Ausgaben ist hervorragend gelungen. Für die Drucklegung sei viel in die grafische Arbeit investiert worden, so Wagner vom Verlag. Und verrät: “Bei den Preisen von 20 Euro für die gebundene und 12,80 Euro für die Taschenbuchausgabe wird sich das Projekt erst nach der zweiten Auflage rechnen”. Dennoch rät Bruder Willibald auch den Käufern einer Bibelausgabe, erst einmal die Übersetzung im Buchladen zu vergleichen und die zu kaufen, die einem am meisten liegt. “Das ist wie in der Liebe”, so der Benediktiner schmunzelnd, “nicht alle finden das gleiche Mädchen schön”. kibo0403:













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