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Kultur des Todes

Sie lesen auf dieser Seite:
1.  Der Einfluss anderer Kulturen verändert unsere Bestattung
2. Wie Grabstellen zu allen Jahreszeiten gepflegt aussehen
3. Zahl der Sozial-Bestattungen rasant gestiegen
4. Baumgräber, Urnenfächer und ein Areal für Fußballer
5.  Sterben ist inzwischen so teuer geworden, dass man es am liebsten unterlassen möchte
6. Hannover macht Bestattern Druck: Zahl der Beisetzungen seit 1980 halbiert
7. Immer mehr Menschen wählen die Feuerbetattung
8. Mit dem Friedhof der Zukunft hat die Trauer keinen Ort mehr
9. In der Osnabrücker Kolumbariumskirche sind Urnengräber neben den Kirchenbänken
10. Urnenbestattung in der Herz-Jesu-Kirche Hannover
11. Kostenvergleich für Gräber und Bestattungen
12. Oberirdische Grabkammern in Saarbrücken
13. Riten der Trauer in  verschiedenen Kulturen: Judentum, Islam, Christen
14. Allerseelen: Nur von Gott her ist der Mensch zu verstehen (Benedikt XVI.)
15. Orientierung und Informationen der Deutschen Bischofskonferenz für christliche Bestattungen
16. Begraben an der Wurzel des Baumes
17. Prof. Robert Spaemann: Bestattungen Heut-Zutage
18. Umzug mit Urne
19. Bischof Franz-Josef Bode: Ob wir leben oder sterben - wir gehören dem Herrn
20. Reinkarnation /Seelenwanderung: Klare Unterscheidung zum Auferstehungsglauben
21. Prof. Margit Eckholt: Über die christliche Vorstellung von Auferstehung und unsterblicher Seele
22. Papst Franziskus besucht die Kriegsgräber in Friaul

 Kommen wir wieder? - Lesen Sie unten auf dieser Seite: Reinkarnation / Seelenwanderung

GL-Tod-xx    Tod  - und dann?

Unsere Begräbniskultur wandelt sich: Die Individualisierung des Lebens, die Abwendung vom Christentum
und der Einfluss anderer Kulturen verändert unsere Bestattung

  Luftballons steigen steigen vom offenen Grab auf und schweben in den Himmel. “Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen”, singt die Trauergemeinde, die vom Kassettenrekorder begleitet wird. “Sieben Mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.” Wunderkerzen werden entzündet. Funken sprühen. Ein Bild mit Symbolkraft, das der Grabredner in feierliche Worte übersetzt.
   Und dann wird der weiße Sarg, der am Tag zuvor von Angehörigen bemalt worden ist, in die Gruft gesenkt. Keine Erde, sondern Blütenblätter werfen die umstehenden hinterher. Tränen fließen. Doch über manches Gesicht der bunt gekleideten Trauernden huscht auch ein Lächeln.
   Schon die vorangegangene Trauerfeier in der Friedhofskapelle hatte heitere Momente. Zwei Freunde erzählten Anekdoten aus dem Leben des Versicherungsangestellten, der seine Beerdigung lange vor dem Tod selbst arrangiert hatte. So dokumentierte ein kurzer Videofilm schöne Urlaubstage, eine “Trauerzeitung” mit Schmunzel- geschichten wurde verteilt.
  Zum Schmunzeln war auch die Dekoration des aufgebahrten Sarges. Überkreuzte Skier standen davor, eine Skibrille lag darauf. An Stafetten hingen Bilder, die die Enkelkinder dem Hobby-Skifahrer zu Ehren gemalt hatten. Keine schwermütigen Orgeltöne, keine religiösen Mahnungen trübten die Feier. Eine Nichte spielte per CD “Time do say Goodbye” ein, und der Trauerredner zitierte ein Hesse-Gedicht: “... Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde.”
   Dies ist eine Trauerfeier, die zwar so nicht stattgefunden hat, aber durchaus möglich wäre. Sie speist sich aus Anregungen einer Broschüre, die “Mut zu einer neuen Trauerkultur” machen will. Der Titel:“Und am Ende ein Fest”. Das Bestattungsunternehmen Ahorn-Grieneisen hat die Schrift im Rahmen einer bundesweiten Kampagne heraus- gebracht. “Mit Zunahme der Individualität im 20. Jahrhundert haben Trauerrituale in Deutschland immer mehr an gesellschaftlicher Verbindlichkeit verloren”, heißt es im Geleitwort. “Die Bürger sind mündiger und zugleich ein- samer geworden.” In der Tat: Der Wandel macht auch vor dem Tod nicht Halt. Die Bestattungskultur ist im Um- bruch. Im gleichen Maße wie die Bindekraft der Kirche nachlässt, verliert auch das religiös begründete Trauer- zeremoniell an Bedeutung. Kosten-Nutzen-Erwägungen treten an die Stelle überlieferter Bräuche. So wächst seit Jahren die Zahl der Feuerbestattungen, die im Vergleich zu Erdbestattungen günstiger sind. In kirchenfernen Regionen tritt dieser Trend noch deutlicher zu Tage als in stärker gläubigen Gegenden mit katholischer Prägung. Während der Anteil der Feuerbestattungen in Baden-Württemberg unter 30 Prozent liegt, bewegt sich die Quote in Schleswig-Holstein schon bei 75, in Hannover bei 50 Prozent. Auch die anonymen Beisetzungen nehmen zu und finden in steigender Zahl sogar ohne begleitende Trauerfeier statt.
   Die Aufweichung verbindlicher Werte und Rituale fördert gleichzeitig die Individualisierung der Trauerkultur. Be- sonders bei weltlichen Bestattungen gewinnt das subjektive Empfinden an Raum. Bestattungsunternehmer schlüpfen in die Rolle des Event-Managers.   HAZ021122HeinrichThiesDer7.Tag

„I Will Always Love You" führt Hitliste bei Beerdigungen an
   „I Will Always Love You" von Whitney Houston ist laut Umfrage des Internetportals Bestattungen, de der meistgespielte Pop-Song auf Beerdigungen. Der Spitzenreiter des Vorjahres „Time To Say Goodbye" von Sarah Brightman, wurde auf Rang zwei verwiesen. Der tragische Tod von Whitney Houston im Februar habe ihre Popula- rität noch gesteigert, sagte Geschäftsführer Fabian Schaaf. „Geboren, um zu leben" von Unheilig behauptete sich erneut auf Platz drei. Die Band belegt mit „So, wie du warst" auch Platz neun. Klassik ist mit dem „Ave Maria" von Franz Schubert auf Platz vier vertreten. Mit „Abschied ist ein scharfes Schwert" von Roger Whittaker schaffte es ein deutscher Schlager auf Rang acht. „Tage wie diese" von den Toten Hosen landete auf Platz zehn. Befragt wurden Bestatter und Angehörige. HA121123epd

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Wie Grabstellen zu allen Jahreszeiten gepflegt aussehen
Eine solche liebevoll gestaltete Grabstelle rührt auch den fremden Besucher des Friedhofs an.

   Für alle, die um einen geliebten Menschen trauern, ist die Grabstelle ein wichtiger Ort des Gedenkens. Ange- hörige, die weit weg wohnen oder die Grabpflege gesundheitlich nicht mehr meistern können, sind immer wieder in Sorge darüber, wie sie erreichen können, dass das Grab auch bei längerer Abwesenheit zu allen Jahreszeiten gepflegt und ansprechend aussieht.
   Bodendeckende immergrüne Pflanzen können bei geschickter Auswahl eine Lösung sein, obwohl es auch dabei nicht ohne gelegentliche Schnitt- und Pflegearbeiten geht. Auch die jetzt öfter zu sehende Gestaltung mit einer Mulchschicht aus fein gemahlener Rinde oder Kies, kombiniert mit pflegeleichter Dauerbepflanzung, kann sehr schön sein.
   Wenn Rindenmulch aufgetragen wird, sollte vor dem Ausbringen ein Langzeitdünger, etwa in Form von Horn- spänen, gestreut werden, weil durch die langsame Zersetzung der Holzteile Stickstoff verbraucht wird und der Boden verarmt, was Pflanzen mit der Zeit verhungert aussehen lassen kann.
   Im Rahmen der Landesgartenschau Bad Essen wurde ein Modell vorgestellt, das sicher noch vielen Besuchern in Erinnerung ist. Der Memoriam-Garten ist eine Anlage, die in jeden Friedhof integriert werden kann. Vor der Einweihung wird die Anlage voll bepflanzt. Innerhalb der Ruhe und Harmonie ausstrahlenden parkartigen Anlage können Hinterbliebene Grabstellen zusammen mit der dazugehörigen langjährigen Grabpflege erwerben, sodass später keine weiteren Kosten entstehen. Individuelle Grabmale schmücken die Gräber. Anonyme Beerdigungen sollen allerdings nicht möglich sein.
   Das Projekt Memoriam-Garten wurde erstmalig auf der Landesgartenschau in Schwerin gezeigt, wo es von Land- wirtschaftsministerin Ilse Aigner mit dem Innovationspreis Gartenbau 2009 ausgezeichnet wurde.
NOZ101106IngridBeucke-Adler

   Immer mehr Menschen können oder wollen sich eine würdige Bestattung nicht mehr leisten. Darauf macht der „Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur“ aufmerksam. In manchen Großstädten etwa im Ruhrgebiet ordneten die Behörden inzwischen bis zu zehn Prozent der Beerdigungen an, weil es keine Angehörigen gibt, die das Begräbnis bezahlen können. In diesem Fall müsse die Stadt die Kosten übernehmen und wähle daher in vielen Fällen die günstigste Form: die anonyme Feuerbestattung. Der Bundesverband Deutscher Bestatter schätzt, dass etwa fünf Prozent aller jährlich rund 840.000 Betattungen anonym durchgeführt werden. Eine „würdige Be- erdigung“ koste zwischen 2.500 und 3.500 Euro, eine anonyme Bestattung sei für unter 1.000 Euro zu haben. In mehreren deutschen Städten bieten die Kirchen so genannte „Gottesdienste für Unbedachte“ an. Dort wird derer gedacht, die keine Trauerfeier erhalten und ihre letzte Ruhe anonym gefunden haben. RV100821idea

Der Tod ist nicht umsonst -
Zahl der Sozialbestattungen rasant gestiegen - Kostengünstigere Alternativen

   Aufgeführt sind in der Tabelle die wichtigsten Posten. Die Preise sind grobe Anhaltspunkte und variieren regional und |e nach Anbieter stark, Quelle: biallo.de, www.aeternitas.de
Immer mehr Menschen können sich keine Bestattung mehr leisten. Vermehrt kommt es zu Sozialbestattungen, die die Behörden bezahlen. Die Ausgaben dafür weisen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Ver- lauf der letzten Jahre steil nach oben.
  
Im Jahr 2006 wurden rund 41 Millionen Euro für Sozialbestattungen ausgegeben, denen rund 13.800 Empfänger gegenüberstanden. Im Jahr 2010 waren es bereits 57 Millionen Euro und rund 22.600 Empfänger. Kein Wunder, denn im Durchschnitt kostet eine Bestattung 6.000 Euro.
Wer muss die Bestattung bezahlen? Die Erben zahlen - so steht es im Gesetz. Das sind meist die Angehörigen des Verstorbenen. Reicht die Erbschaft nicht aus, müssen die sogenannten „Kostenpflichtigen" die Bestattung aus dem eigenen Vermögen begleichen. Das können Kinder, Großeltern oder Geschwister sein. Ist keiner von ihnen in der Lage, die Kosten zu decken, können sich die Betroffenen an das Sozialamt wenden.
Was ist eine Sozialbestattung?
Die Behörde bezahlt eine einfache, ortsübliche Bestattung. „Das sind dehnbare Begriffe", sagt Alexander Heibach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. „Jede Kommune leistet unterschiedlich." Obwohl es preiswert sein muss, darf man die Art der Bestattung (Erdgrab oder Kremation) bestimmen. Auch bescheidener Blumenschmuck sowie ein Gedenksymbol sind erlaubt. „Einige Bestatter lehnen Sozialbestattungen ab, weil sie oft monatelang auf ihr Geld warten müssen", sagt Heibach. Er rät, offen mit dem Bestatter zu sprechen und beim Sozialamt nachzufragen, was bezahlt wird.
Vorsorge: Sterbegeldversicherungen und Vorsorgeverträge bei Bestattern sind sicher vor dem Zugriff des Sozial- amtes, wenn man zum Beispiel Hartz IV bekommt. Auch wenn von Versicherungspolicen unter Renditeaspekten abzuraten ist - mit kleinen Beiträgen kann man durchaus das Kostenrisiko decken. Vorsorgeverträge macht man mit dem Bestatter und bezahlt quasi im Voraus. Das Geld wandert an eine Treuhandstelle z.B. die Deutsche Bestattungsvorsorge-Treuhand (Düsseldorf), damit ist es sicher, sollte der Bestatter pleitegehen.
Sparpotenzial Bestatter: Größtes Sparpotenzial birgt der Bestatter, für den man zwischen 900 bis zu 4.500 Euro zahlt, dem man allzu oft aber auch alle Aufgaben überlässt. „Dabei braucht man ihn eigentlich nur für den Leichen- transport und die Aufbewahrung der Leiche im Kühlraum", sagt Heibach. Alles andere darf man selbst erledigen: Vom Bau des Sarges und dem Ankleiden der Leiche bis zur Gestaltung der Zeremonie. Nutzt man alle Sparmöglichkeiten - beim Bestatter, dem Friedhof, beim Steinmetz - kann man mit 2.000 Euro Gesamtkosten rechnen.
Sparpotenzial Grabart: Die Friedhofskosten sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - rund 2.000 Euro für ein einfaches Erdgrab für die Dauer von 20 Jahren sind durchaus üblich. „Manchmal lohnt es sich, in der Nachbargemeinde zu fragen, was ein Grab kostet. Der Unterschied kann ganz erheblich sein", sagt Heibach. Tendenziell bevorzugen viele inzwischen kleinere, pflegeleichtere und alternative Bestattungsformen. Gerade für Urnenbeisetzungen gibt es kostengünstige Alternativen.
   In Gemeinschaftsgrabanlagen, die oft ansprechend landschaftlich gestaltet sind, werden mehrere Urnen gemeinsam beigesetzt. Kosten: ab 1.000 Euro oder sogar weniger, inklusive Grabpflege. Auch Baumbestattungen sind extrem populär. Solche Grabstätten kosten ab 500 Euro aufwärts.  NOZ121121AnnetteJäger

Grab eines Fußballers  Grab,Fußballer.xx

Konkurrenzkampf unter den Friedhöfen: Baumgräber, Urnen-Fächer und ein Areal für Fußballer.
Sinkende Zahl von Erdbestattungen führt bereits zu wirtschaftlichen Problemen

  Zunehmender Konkurrenzdruck zwingt auch die Hamburger Friedhöfe zu neuen Marketing-Ideen: Baumgräber und Friedwälder, oberirdische Urnen-Beisetzung wie in Südeuropa oder spezielle Themenfelder - die stillen Orte der Andacht werden immer bunter. Jüngstes Beispiel: In Hamburg soll jetzt auf dem Altonaer Hauptfriedhof ein eigener Bereich für HSV-Fans eingerichtet werden. In trauter Runde und in Hörweite der früheren Westkurve können dort Anhänger des Traditionsvereins ihre letzte Ruhestätte finden. Was mancher vielleicht als bizarr empfindet, sieht Altonas Bezirksamtsleiter Hinnerk Fock ganz pragmatisch. „Das ist im Grunde eine Marketing- Maßnahme“, bestätigt er. Wegen des Trends zur kostengünstigen und Platz sparenden anonymen Urnen-Be- stattung hätten die Friedhöfe immer mehr Platz und Probleme, überhaupt noch wirtschaftlich zu arbeiten. Da müsse man eben auf neue Kundenwünsche reagieren, so Fock.
Schalke-Fans: Liebe über den Tod hinaus
  
Fans des Fußballbundesligisten Schalke 04 können sich auf einem speziellen Gemeinschaftsgrabfeld bestatten lassen. Auf einem Friedhof im Gelsenkirchener Stadtteil Beckhausen bietet die Schalke Fan-Feld GmbH dem Gründungsdatum des Vereins entsprechend 1904 Grabstellen an. Die Anhänger der „Knappen" erhalten damit die Möglichkeit, ihre Liebe zu Königsblau auch über den Tod hinaus zu dokumentieren. Das Fan-Feld mit Blick auf die Veltins-Arena ist in Stadionform angelegt und fügt sich wie ein blau-weißer Ziergarten in die Umgebung ein. Die Gräber stehen allen Konfessionen offen. Eine Grabstelle kostet samt Komplettpflege knapp 5.500 Euro für 25 Jahre. Der Fußballfriedhof ist der zweite seiner Art in Deutschland. In Hamburg bietet der HSV seinen Fans ebenfalls Vereinsgräber an. HA120725epd

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“96 - kalte Liebe” / Treu bis in den Tod / “Auf zum letzten Spiel” - Sarg im Hannover 96 Design

   Das bestätigt auch der Sprecher der beiden großen städtischen Friedhöfe Ohlsdorf und Öjendorf, Lutz Rehkopf. „Ja, alle Hamburger Friedhöfe dürften heute einen  Platzüberhang haben, und daher findet auch eine Konkurrenz statt.”
  Hamburg erhöht Friedhofsgebühren drastisch. Bestattungen werden immer teurer: Nach Angaben des Inter- netportals Bestattungen.de hat Hamburg die Friedhofsgebühren in zwei Jahren um 31 Prozent angehoben. Ein Erdwahlgrab koste aktuell 1.600 Euro. Unter 20 deutschen Städten belegt Hamburg Platz sechs. Spitzenreiter ist Dortmund mit Grabkosten von 2.350 Euro. Basis des Gebührenvergleichs sind Kosten für ein Grab mit einer Nutzungszeit von 20 Jahren HA110223dah
 Tatsächlich gibt es in Hamburg immer mehr Urnen-Beisetzungen als Erd-Bestattungen. 75 Prozent beträgt mittler- weile der Urnen-Anteil - ein Drittel davon anonym. „Das ist aber keine plötzliche Erscheinung, sondern eine stetige Entwicklung”, sagt Rehkopf. Viel mehr Menschen als früher lebten heute allein und haben keine Angehörigen, die ihr Grab pflegen könnten. „Oder sie wollen ihre Angehörigen damit nicht belasten und entscheiden sich für eine anonyme Beerdigung”, so Rehkopf.
   Auch Ohlsdorf und Öjendorf haben daher inzwischen reagiert und bieten Sondergrabstellen an. Praktisch ein Wettbewerb um die Minderheit derjenigen, die eine besondere Bestattung wünschen. Da gibt es seit einiger Zeit beispielsweise ein Kolumbarium, in dem Urnen wie in Südeuropa oberirdisch und sichtbar beigesetzt werden können. Foto unten:

Kolumbarium, Hamburg-Ohlsdorf     KolumbariumHHx

   Sterben ist inzwischen so teuer geworden, dass man es am liebsten unterlassen möchte.

  Die Gesamtkosten einer Bestattung liegt im Durchschnitt bei 6000 Euro. Kaum eine Dienstleistung ist so undurch- sichtig wie die Beerdigung. Die einzelnen Positionen haben es in sich. Da kosten zum Beispiel ein paar Fichten- bretter aus Osteuropa mehrere hundert Euro, nur weil sie zum Sarg verleimt sind. Leute aus der Branche sagen offen, wenn auch nicht öffentlich, der Einkaufspreis sei leicht zu überschlagen, man müsse nur den Zehnten des Verkaufspreises nehmen. Aber wer reklamiert schon die Preise von Särgen?
   Zum anderen mischen sich um die letzte Ruhe öffentliche und private Leistungen. Oder sie konkurrieren, wie im Fall der rund 160 deutschen Krematorien. Manche haben eine eigene Trauerhalle, gerade so wie manche Bestatter und die Kommunen. Mal ist ein Entgelt mit, mal eine Gebühr ohne Umsatzsteuer fällig. Das öffentliche Angebot ist freilich nicht unbedingt billiger, denn es ist Teil einer Mischkalkulation. Der größte Brocken darin sind die Friedhofs- anlagen. Je nach Wohnort kann ein Erdgrab dann knapp 1.000 Euro kosten - oder auch das Fünffache. Die Friedhöfe seien bei weitem nicht kostendeckend, lamentieren die Kommunen. Das mag auch daran liegen, welche Kosten verrechnet werden, ist aber jedenfalls eine Folge von Überkapazitäten. Übers ganze Land betrachtet, sind die Friedhofsflächen eine riesige Fehlplanung aus den Sechzigern; die Verwaltungen bleiben auf ihren Gräbern sitzen - und schröpfen dann jene, die noch zu ihnen kommen. Das ist der Grund für die teils drastischen Preis- erhöhungen zu Beginn dieses Jahres.
   Erstaunlich, dass es einen Beruf nicht schon länger gibt: einen Makler, der nichts weiter macht, als die billigste Wunschbestattung vermitteln. Der kann auch gleich allen, die vorsorgen wollen, einen guten Rat geben, wie man das Geld für seine letzte Ruhe so zurücklegt, dass die Sozialversicherungsträger nicht herankommen - acht von zehn Menschen sterben in einer sozialen Einrichtung.
   Zaghaft noch entwickelt sich mehr Kostenbewusstsein, seit 2004 das Sterbegeld der Krankenkassen gestrichen wurde. Das war folgerichtig, denn der Tod ist keine Krankheit, trifft aber Branchen, die bis dahin der Meinung waren, ihr Geschäft sei krisenfest, weil die Kundschaft niemals ausstürbe.  Etwa die Steinmetzen, die sich gefallen lassen müssen, dass es jetzt Portale im Internet gibt, die Preise für Grabmale überschaubar machen. Der Sparwille jener, die für sich oder andere eine Bestattung planen, ist auch bei den Friedhöfen angekommen. Sie leiden unter einer kleinen, aber rasch wachsenden Schar von Anbietern, die eine anonyme Billigbeerdigung jenseits der Gren- zen versprechen, alles inklusive für knapp einen Tausender. Und mehr als die Hälfte der Verstorbenen, die hier- bleiben, wird inzwischen eingeäschert, vor zwanzig Jahren war es ein Drittel. Eine Urne braucht eben weniger Platz. Deshalb ist ein Urnengrab günstiger, und die Friedhofsflächen sind noch weniger ausgelastet.
   Zum Wandel der Sitten trägt vielleicht auch die Vorstellung bei, das Verbrennen sei irgendwie hygienischer als das Vergraben in der Erde. Außerdem ist die Kremation die Voraussetzung für eine Reihe alternativer Bestattungs- formen, die immer mehr in Mode kommen. Eine naturnahe letzte Ruhe unter den Wipfeln großer Bäume ist gefragt, man gibt sich so selbst in den Nährstoffkreislauf zurück. Vor gut einem Jahrzehnt kam der erste Anbieter in Deutschland auf den Markt, jetzt sind es etwa achtzig. Der Klassiker der Sonderformen ist aber die Seebestattung. Den Hinterbliebenen bleibt eine Karte mit einem Kreuz, und sie ersparen sich die Grabpflege. Den Inhalt der Urne aus dem Fesselballon in die Luft zu verstreuen, ist in Deutschland nicht gestattet, wird aber von ausländischen Unternehmen angeboten. Alternativ kann man für ein paar tausend Euro einen Teil der Asche in der Schweiz zum Diamanten pressen lassen, für solche, die den verstorbenen Ehepartner am Ringfinger tragen möchten. Und dann gibt es einige wenige, die sich nicht verbrennen, sondern zu entsetzlichen Kosten in Amerika einfrieren lassen. Wenn sie dereinst auftauen, sind Bestattungen vielleicht billiger. FAZ100225LukasWeber~gekürzt

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Hannover macht Bestattern Druck. Zahl der Beisetzungen seit 1980 halbiert - Firmen sollen Beerdigungen kostengünstiger anbieten. Foto: Die Pflege der parkähnlichen Anlagen wie hier in Stöcken kostet die Stadt viel Geld. Mit neuen Angeboten, etwa Urnengrabanlagen am Seeufer, will die Stadt gegensteuern.

   Die Stadt will mit neuen Angeboten die Attraktivität ihrer Friedhöfe steigern. Auf dem Stadtfriedhöfen in Ricklin- gen und Stöcken sind sogenannte Baumgräber für Urnenbestattungen geplant, bei denen etwa 30 Plätze ring- förmig um den Stamm alter, ausladender Bäume angeordnet werden. Außerdem legt die Friedhofsverwaltung in Stöcken eine Urnengrabanlage an, die sich halbkreisförmig um ein historisches Denkmal am Teich gruppiert. „Wir brauchen preisgünstige Angebote, die auch keine Pflegekosten nach sich ziehen", sagt der amtierende Verwal- tungchef Hans Mönninghoff, der als Umweltdezernent auch für die Friedhöfe zuständig ist.
  Wurden in Hannover 1980 noch knapp 6.500 Menschen auf den Friedhöfen beigesetzt, waren es zuletzt nur noch 3.300 im Jahr. Überproportional sinkt die Zahl der klassischen, aber im Vergleich teuren Sargbestattungen. Dage- gen steigt die Nachfrage nach Urnenbegräbnissen, die den Vorteil haben, keine jahrelangen Pflegekosten zu verursachen. Diesen Trend spürt die Stadt nicht nur dadurch, dass auf den Friedhöfen Grabflächen nicht mehr benötigt werden, sondern auch finanziell: Die Einnahmen aus Friedhofsgebühren sinken, obwohl diese in der Landeshauptstadt höher liegen als etwa im Umland.
  Gleichzeitig muss die Stadt ihre 19 weitläufigen und oft parkähnlichen Anlagen mit hohem Aufwand pflegen. Städte in Deutschland, die in einem ähnlichen Dilemma stecken, haben deshalb schon Friedhöfe aufgegeben oder planen dies. „In Hannover stellt sich diese Frage nicht", sagt Mönninghoff. Erstens gehe es um Pietät, zweiten legten Menschen Wert darauf, dass es Begräbnisstätten in ihrer Nähe gebe. Deshalb war vor zwei Jahren auch der zwischenzeitlich stillgelegte Friedhof Nackenberg in Kleefeld wieder in Betrieb gegangen, allerdings unter der Ägide der Kirche.
   Sparmöglichkeiten etwa beim Personal und bei der Pflege des öffentlichen Grüns auf den Friedhofsflächen hat die Stadt weitgehend ausgereizt, sie lässt sich das knapp drei Millionen Euro im Jahr kosten. Die Gebühren- schraube will sie auch nicht weiter anziehen. In diesem Jahr bleiben die Tarife konstant, eine entsprechende Beschlussdrucksache durchläuft gerade die politischen Gremien. Ein Anstieg hätte wohl auch unerwünschte Begleiterscheinungen. Schon jetzt lassen in Hannover fast zwei Drittel aller Angehörigen, die einen Todesfall zu beklagen haben, den Verstorbenen nicht auf einem der städtischen Friedhöfe bestatten.
   In Bremen steuert die Stadtregierung gegen. Dort gibt es schon lange das Bestattungshaus, ein kommunales Unternehmen, das nicht auf Gewinn aus ist und dadurch auch vergleichsweise preiswerte Sargbestattungen anbietet. Das wirkt sich dämpfend auf die Preise aus, die Bestatter in Bremen verlangen - und damit auch auf die Gesamtkosten von Beerdigungen. „Es ist ein gutes Modell, aber wir werden es in Hannover nicht kopieren", sagt Mönninghoff. Der Grund: Die rund 80 hiesigen Bestattungsunternehmen seien Familienbetriebe, die man nicht gefährden wolle. Mönninghoff sieht eine Alternative: „Ich appelliere an die Betriebe, sich auf einen gemeinsamen Mindeststandard zu einigen und eine würdevolle und kostengünstige Bestattungsform anzubieten, die sich auch sozial Schwache leisten können."
   Einstweilen setzt die Stadt auf neue Angebote wie in Ricklingen und Stöcken. Sollten sich die langfristigen Trends aber nicht umkehren lassen, hätte die Stadt nur eine Möglichkeit, wenn sie ihre Friedhöfe in heutiger Form erhalten will: Sie müsste tiefer in die eigene Kasse greifen als bisher. HAZ130213BerndHaase

Am Ende bleiben Rauch, Asche und Zahngold
Immer mehr Menschen wählen Feuerbestattung - Krematorien aber nicht ausgelastet

   Die Bestattungsbranche, soweit die gute Nachricht, ist weitgehend krisenfest. Alljährlich sterben in Deutsch- land rund 850.000 Menschen, die Kundschaft geht also nie aus. Zugleich steigt die Zahl derer, die in einer Urne unter die Erde kommen möchten. Obwohl es keine offizielle Statistik gibt, sind sich die Branchenverbände ziemlich sicher, dass der Anteil der Feuerbestattungen im vergangenen Jahr erstmals größer gewesen ist als der von kon- ventionellen Gräbern. Das erfreut alle, die Verbrennungsstätten betreiben. Weil aber die Tendenz in den ver- gangenen Jahrzehnten abzusehen war, ist fleißig zugebaut worden. In der Folge ringen die Krematorien nun um Aufträge. Der Service steigt, die Preise bröckeln.
   Früher sei die Verbrennung der Verstorbenen eher ein technischer Ablauf gewesen, sagt Rolf Lichtner, der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Bestatter, der auch die Krematorien betreut. Im Schichtbetrieb ohne Beteiligung der Angehörigen wurde der Auftragsbestand abgearbeitet. Heute ist sie Bestandteil der Bei- setzung, die Krematorien bietet Trauerhallen und zum Teil auch eigene Friedhöfe an. Etwa 450.000 Feuerbestat- tungen gab es 2011, zehn Jahre zuvor waren es erst 300.000 gewesen. Aber die 148 deutschen Krematorien hätten Platz für beinahe sämtliche Verstorbenen. Dennoch, meint Lichtner, arbeiteten die Einrichtungen regel- mäßig ohne Verluste. Wenn in Einzelfällen Krematorien schließen müssten, liege das am Investitionsbedarf; die Runderneuerung alter Anlagen lohne dann nicht. Es gebe allerdings eine Tendenz von den großen Anlagen (bis zu 20.000 Einäscherungen im Jahr) hin zu den kleinen (1.500 bis 3.000).
   Die Verbraucherinitiative Aeternitas sieht das ganz anders. Der Konkurrenzdruck führe dazu, dass einige Krema- torien, vor allem kommunale, ihren Betrieb eingestellt hätten, sagt deren Vorsitzender Herrmann Weber und wartet mit einer Reihe von Beispielen auf, darunter die hessische Gemeinde Gießen. Grund sei in solchen Fällen eine längere Strecke mit Verlusten. Öfen würden geschlossen. Im vergangenen Jahrzehnt seien rund ein Drittel der Betriebe neu entstanden. Die privaten Krematorien hätten keine so hohen Investitionskosten, unter anderem, weil sie keine Rücksicht auf historische Altbauten nehmen müssten. Private Anbieter gibt es seit Mitte der neun- ziger Jahre, es sind zumeist die jüngeren Einrichtungen. Zwei Drittel gehören den Gemeinden. Da alle auf die Dienstleistung Umsatzsteuer erheben müssen und sich die privaten an den öffentlichen Anbietern orientieren, sind die Preise vergleichbar.
   Jedenfalls wären sie es, wenn jemand einen Überblick hätte, wie viel die Verbrennung wirklich kostet. Tatsäch- lich führt der Weg ins Krematorium nur über den örtlichen Bestatter, von dem die Hinterbliebenen hoffen müssen, dass er ihnen die für sie günstigste Lösung einschließlich Sarg, Kleidung und manchmal auch Transport anbietet. In der Branche wird gemunkelt, dass er außerdem auch noch eine Provision vom Betreiber der Verbrennungsstätte einstreicht.
   Aeternitas ärgert die wenig transparente Branche gern mit Markterhebungen und hat jetzt eine Befragung unter 93 städtischen Krematorien ausgewertet. Demnach ergibt sich ein Durchschnittspreis von 311 Euro mit einer Spannbreite von 200 bis 450 Euro und einer Handvoll Ausreißer nach unten (in Ostdeutschland) und nach oben (im Süden). Der Gesamtumsatz wird auf 140 Millionen Euro geschätzt. Infolge des Wettbewerbsdrucks seien Preis- senkungen zu erwarten, sagt Weber. Die Urnenbestattung, die ohnedies wegen des geringeren Platzverbrauchs oft günstiger ist als ein Reihengrab, wird damit noch attraktiver.
   Bei der steigenden Zahl der Feuerbestattungen trifft es sich gut, dass die Umwelttechnik große Fortschritte ge- macht hat. Sämtliche Krematorien lägen mit ihren Emissionen bei einem Fünftel der zulässigen Werte, sagt Licht- ner. Schadstoffe wie Dioxine und Furane können von den mitverbrannten Materialien kommen, zum Beispiel vom Lack des Sarges, Medikamentenrückständen, Herzschrittmachern und anderen Implantaten. Das meiste sollte allerdings durch die Verbrennungstemperatur von mindestens 850 Grad unschädlich gemacht sein. Quecksilber aus Zahnfüllungen wird ebenfalls her ausgefiltert. Die Asche wird anschließend fein gemahlen.
   Die Verbrennungstemperatur ist freilich nicht hoch genug, um Metalle zu schmelzen, wie sie in der Orthopädie verwendet werden, etwa Nägel aus Titan. Sie werden vor dem Mahlen aussortiert. Der Ofen erreicht indessen etwa den Schmelzpunkt von Goldlegierungen, so dass Zahngold verklumpt zurückbleibt. Da die echten Zähne vor der Kremation nicht entfernt werden, kommt so einiges an Rohstoffwerten zusammen. Darüber hat der Bestat- terverband im vergangenen Jahr eine Studie anfertigen lassen, deren Ergebnis selbst die Auftraggeber über- raschte. Demnach finden sich in der Asche neben Gold (durchschnittlich 2,5 Gramm Feingold) auch Reste von Silber(0,5 Gramm), Palladium und Platin. Der Wert der Edelmetalle liegt damit bei mehr als 80 Euro je Verbrennung. Insgesamt kommt so in den Krematorien ein Betrag von etwa 35 Millionen Euro im Jahr zusammen, der nirgends ausgewiesen wird.
   Kein Wunder, dass eine rege Diskussion darüber entstanden ist, wem der Erlös aus den Edelmetallen zukommt. In den nach Landesrecht etwas unterschiedlichen Bestattungsgesetzen ist das nicht geregelt. Lichtner verweist auf die Richtlinie seines Verbands. Die Auftraggeber der Kremation müssten unterschreiben dass die Einnahmen aus dem Verkauf der Wertstoffe gemeinnützigen Zwecken zu geführt werden. Vertreter der Kommunen beziffern den Wert je Verbrennung auf rund 30 Euro, sagt Aeternitas. Dass alles dem guten Zweck zugutekommt, muss man schließlich einfach glauben. FAZ120522LukasWeber

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Mit dem Friedhof der Zukunft hat die Trauer keinen Ort mehr. Gräber mit Stein und Bepflanzung gehören der Vergangenheit an. Foto: Vergangenheit, nicht Zukunft: Friedhof in Stralsund von 1675.

   Friedhöfe werden sich nach Ansicht des Rostocker Theologie-Professors Thomas Klie in naher Zukunft stark verändern. „Das Einzelgrab einer Erdbestattung mit einem individuell gestalteten Grabstein und Bepflanzung wird bald der Vergangenheit angehören", sagte Klie wenige Tage vor dem Totensonntag. Der Friedhof der Zukunft sei vermutlich nur noch eine grüne Wiese, ein Ort weitgehender Leere, der kaum mehr eine individuelle Gestaltung erkennen lässt. Dieser Trend verändere auch das Verhalten zum Tod. „Die Trauer hat keinen Ort mehr."
Hochbrisant für die „spätmoderne Erinnerungskultur"
   Vorzeichen dieser Entwicklung seien beispielsweise Urnengemeinschaftsanlagen, die immer mehr Flächen bean- spruchen und irgendwann auch die Urnen-Reihengräber ablösen werden. Das sei hochbrisant für die „spätmoder- ne Erinnerungskultur". Denn von den Verstorbenen blieben keine sichtbaren Kontaktpunkte. „Der Mensch stirbt zweimal. Einmal biologisch und einmal in der Erinnerung derer, die für nahe Angehörige kein kulturelles Zeichen setzen wollen", sagte Klie.
   Möglicherweise könnten aber Kolumbarien die zunehmende Anonymisierung aufhalten. Es gibt den Trend, dass in ehemaligen Kirchengebäuden diese Mauern oder Kammern zur Aufbewahrung von Urnen aufgestellt werden, sagte der Theologe. „Das ist spannend, weil es eine urkirchliche Entwicklung ist. Es wurde immer in Kirchen bestattet. Nun kehren die Toten wieder in die Kirchen zurück." HA101119dpa

Größere Öfen.
  
Weil die Menschen auch in der Schweiz immer schwerer werden, müssen Krematorien mit extra großen Öfen gebaut werden, um auch Tote mit 200 Kilogramm Gewicht und mehr einäschern zu können. Die „NZZ am Sonntag“ berichtet, dass bereits in Basel und St. Gallen entsprechende Krematorien in Planung sind. Särge in Übergröße werden derzeit in der Schweiz nur vom Krematorium in Bern angenommen, wo seit 2009 der erste besonders große Ofen in Betrieb ist. Am 18. April 2012 brach im Krematorium in Seewen SZ aufgrund eines 200 Kilogramm schweren Leichnams ein Brand aus. Ähnliche Fälle sind auch aus Deutschland bekannt. Bei der Verbrennung von Körpern mit sehr hohem Fettanteil kommt es zu extrem hohen Temperaturen, die zu Überlastungen der Öfen führen können. RV120422kipa

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In der Osnabrücker Kolumbariumskirche sind Urnengräber neben Kirchenbänken

   „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ – dieser Satz aus dem Mittelalter gilt wortwörtlich für die katho- lische Kirche „Heilige Familie“ in Osnabrück: Dort feiern Gläubige Gottesdienst, während in Wänden neben Altar und Kirchenbänken Urnen mit der Asche Verstorbener aufbewahrt werden. Es ist ein Ort, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden und Angehörige trauern, aber wo auch Brautpaare getraut und Kinder getauft werden.
   Die Rundkirche „Heilige Familie“, 1960 in Osnabrück am Schölerberg erbaut, erwies sich für die schwindende Zahl der Gläubigen als zu groß. Das Bistum Osnabrück aber wollte das Gotteshaus nicht aufgeben, sondern für Messfeiern erhalten. So fiel die Entscheidung für den Umbau zur Kolumbariumskirche. Doch was ist überhaupt ein Kolumbarium? Das fragt sich fast jeder, der erstmals das Wort hört. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen; ursprünglich bedeutete er Taubenschlag. Denn wie Taubenschläge sahen römische Grabkammern aus mit reihen- weise übereinander angebrachten Nischen für Urnen nach Feuerbestattungen; daher heißen sie seit etwa 50 vor Christus ebenfalls Kolumbarium.
   Bei den Beratungen für den Umbau der Kirche gaben auch zwei Osnabrücker Bestattungsunternehmen Rat- schläge. „Wir hatten ja keine Erfahrung“, sagt Diakon Harald Niermann von der Kirchengemeinde „Heilige Familie“. Entstanden ist ein Raum mit schlichter Eleganz, der 2010 eingeweiht wurde. Schon am Fußboden kann der Be- sucher die Trennung zwischen Feierraum und Trauerraum erkennen: Im Feierraum tritt er auf glatte Steine, im Trauerraum der umgebenden Wandelgänge auf raues Straßenpflaster. Das Taufbecken am Eingang, die runden Urnengänge und der Feierraum in der Mitte symbolisieren den Kreislauf von Leben und Tod.
   Die Urnen werden in Wände gestellt, die durchbrochen und so mit dem Feierraum verbunden sind. Auf den Wänden aus Valser Quarzit sind bronzefarbene Verschlussplatten angebracht. Darauf stehen der Name, das Geburts- und das Sterbedatum – nicht mehr. Wichtig war den Planern, bei den Urnenfächern den Eindruck von Schließfächern zu vermeiden, wie Niermann betont.
   Das Konzept für den Umbau der Kirche hat auch Fachleute überzeugt: Der Landesverband Niedersachsen des Bundes Deutscher Architekten würdigte im Juni die „beispielgebenden baukünstlerischen Leistungen“; bei der Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur wurde die Kirche kürzlich für den zweiten Platz nominiert.
   Für die Urnen haben Bestatter eigene Behältnisse entwickelt, die sich in die Wand legen lassen. Urnen in Vasenform waagerecht zu kippen wäre unpassend gewesen. Bis heute sind in der Kirche 80 Verstorbene bestattet worden. Rund 300 Urnenplätze wurden verkauft.
   Ihre letzte Ruhestätte haben hier Menschen aus ganz Deutschland, ja sogar aus Vietnam. Nicht allein Katholiken können sich beisetzen lassen, sondern wie es in den Bestimmungen heißt, „Mitglieder der Kirche oder einer christlichen Konfession“ – also auch Lutheraner, Reformierte oder Orthodoxe. „Für andere Religionen kommt die Beisetzung vom Selbstverständnis her nicht in Frage“, erklärt der Diakon.
   Das Interesse ist groß: Im Internet finden sich Informationen unter www.kolumbarium-os.de, und in 120 Führungen haben Niermann und andere hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde in diesem Jahr schon die Kolumbariumskirche vorgestellt. In seiner Gemeinde sei man stolz auf das umgebaute Gotteshaus, sagt er. Und es gebe nun eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage: Was folgt nach dem Tod? Und das nicht nur in praktischer Hinsicht.
www.noz.de/deutschland-und-welt/kultur/68033245/in-der-osnabruecker-kolumbariumskirche-sind-urnengraeber-neben-kirchenbaenke

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Foto oben links: Propst Martin Tenge, Hannover, erklärt gegenüber der HAZ
Foto oben rechts: Herz-Jesu-Kirche in Hannover-Misburg wird Kolumbarium

  In Misburg gibt es Pläne, die Herz-Jesu-Kirche in ein Kolumbarium umzuwandeln, einen großen Raum für Urnen- bestattungen... Die Alternative wäre dort wohl die Schließung, alles andere wäre nicht realistisch. Proteste richten sich dagegen, die Kirche gewissermaßen zu einem Friedhof zu machen.
   Doch für uns Christen ist ein Friedhof ja gerade ein Ort des Lebens, an dem wir uns darüber klar werden, dass es nach dem Sterben weitergeht. Ich würde mir wünschen, dass dieses Kolumbarium ein Ort wird, an dem Angehörige sich begegnen können und Kinder etwas über den Tod lernen. Ein lebendiger Ort eben. HAZThorstenFuchsSimonBenne080916

Eine Kirche wird zum Urnenfriedhof
   Bereits seit einem Jahr laufen die Planungen für die erste Urnenbegräbnisstätte des Bistums in einer Kirche. In einem Architektenwettbewerb im vergangenen Jahr hatte sich der Entwurf des Architekturbüros Klodwig und Part- ner aus Münster durchgesetzt, ein stilisiertes Weizenfeld. Er soll jetzt umgesetzt werden. Etwa 880 Stelen aus Bronzerohr, die bis zu 1.400 Urnen Platz bieten, sollen in der Kirche errichtet werden. Jede einzelne Stele ist 2,26 Meter hoch und bietet bis zu zwei Urnen Platz.
   „Das Weizenfeld verbildlicht Tod und Auferstehung. Schon in der Bibel ist festgehalten: Wenn ein Weizenkorn stirbt, entsteht eine reiche Frucht", erläutert Architekt Tobias Klodwig sein Konzept. „Nach der Einweihung des Kolumbariums wird Herz-Jesu keine Kirche im eigentlichen Sinn mehr sein", ergänzt Generalvikar Werner Scheer. Es werde dann nur noch Trauergottesdienste und jeden Freitag eine Eucharistiefeier zum Gedenken an Sterbende und Verstorbene geben.
   Ein Urnenplatz für 20 Jahre soll rund 3.000 Euro kosten, für Gemeindemitglieder werden 150 Plätze zum halben Preis angeboten. Im Misburger Kolumbarium kann jeder beigesetzt werden, der Mitglied einer Kirchengemeinde ist oder Wert auf eine christliche Bestattung legt. Ist die Liegezeit einer Urne abgelaufen, soll die Asche in der Kirche – unter einer Bodenplatte am Taufbecken - einer Erdbestattung zugeführt werden. HAZ090513AnnaKelm

Kolumbarium
   Der Begriff Kolumbarium stammt aus dem Lateinischen und bezeichnete in der Antike einen Taubenschlag. Da die terrassenförmigen Nistplätze der Vögel eine Ähnlichkeit mit den übereinanderliegenden Grabnischen römischer Grabkammern hatten, bürgerte sich der Begriff für große Urnenplätze ein. Die Spuren dieser alten Begräbnisform reichen bis in das erste Jahrhundert zurück: In der Umgebung von Rom stießen Archäologen bislang auf die Über- reste von mehr als 100 Kolumbarien. In Deutschland etablierte sich das platzsparende Urnengrab nach der Ein- führung der Feuerbestattung 1878. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Kolumbarien angelegt - etwa in Leverkusen Aachen, Hamburg, Lübeck und Erfurt. Die geplante Begräbnisstätte in der Misburger Herz-Jesu- Kirche ist das erste für den Innenraum einer Kirche entworfene Kolumbarium in der Region Hannover. HAZ090513dab

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 Ein überdachter Friedhof
Erstes Kolumbarium in Norddeutschland: Urnenbestattung in der Herz-Jesu-Kirche Hannover 

   Wenn Thomas Rauck von der mehr als 100 Jahre alten Herz-Jesu-Kirche spricht, gerät er ins Schwärmen: „Sie hat eine eigene Mystik", sagt der Architekt. „Beim Umbau haben die Handwerker sich nicht getraut, das Radio anzuschalten." Für 500.000 Euro hat die katholische St.-Martin-Gemeinde die neoromanische Kirche in Miesburg nach seinen Plänen umgestaltet. Sie bietet jetzt 1.500 Menschen Platz. 1.500 Gestorbenen. „Problemlos kann die Zahl der Plätze auch auf 3.000 erhöht werden", sagt Rauck. Seit Sonnabend ist Herz Jesu Norddeutschlands erstes Kolumbarium - ein Bestattungsort für Urnen. Ein überdachter Friedhof.
   In den Seitenschiffen führen dünne Stahlstreben zur Decke empor. Wie Schließfächer sind daran kleine Glas- kästen aufgereiht.An die biblische Jakobsleiter soll die Konstruktion erinnern, an „eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte" Gen 28,12. Hinter dem Milchglas sind die Urnen noch zu erkennen. Nicht mehr erreichbar, aber doch nicht aus der Welt. Die theologische Symbolik ist stimmig. Anders als bei Sportvereinen oder Kegelklubs erlischt die Mitgliedschaft in der Kirche ja nicht mit dem Tod. Zur Gemeinschaft der Gläubigen gehören nach katholischem Verständnis nicht nur die Lebenden, sondern auch die Toten. Die frühen Christen errichteten ihre Kirchen über den Gräbern derer, denen sie nahe sein wollten - bei Messfeiern in Herz Jesu sind die Verstor- benen jetzt gewissermaßen wieder dabei.
   „Die Himmelsleiter steht für die Verbundenheit von Endlichkeit und Unendlichkeit", sagt Bischof Norbert Trelle beim Eröffnungsgottesdienst im Kolumbarium. „Wir leben in einer Zeit der Anonymisierung des Sterbens und der Begräbnisriten - die Würde dieses Ortes lässt die Verbindung aufleuchten zu Gott." Mehr als 200 Menschen sind zur Eröffnung gekommen. Die Kirche ist voll, die meisten Besucher sind angetan: „Meine Kinder wohnen weit weg - wenn ich mich hier beisetzen lasse, müssen sie sich nicht um die Grabpflege kümmern", sagt ein älterer Mann. Herz Jesu bietet Gräber für die globalisierte Welt.
   Gisbert Selke ist an diesem Tag zu Hause geblieben, obwohl der 69-Jährige seit seinem elften Lebensjahr in Herz Jesu Orgel gespielt hat und nur 100 Meter entfernt wohnt. Erst am 5. März wird es hier die erste Beisetzung geben, doch für ihn und viele andere Umbaugegner aus der Gemeinde ist Herz Jesu schon jetzt ein Platz der Trauer. Sie fürchten, dass der Totenort zum toten Ort wird, zum unfreiwilligen Symbol für das Sterben kirchlichen Lebens. Rund 600 Unterschriften haben sie gesammelt, sogar beim Vatikan interveniert - vergebens. Seinen Frieden mit dem Kolumbarium hat Selke noch nicht gemacht: „Ich halte das nach wie vor für ein falsches Signal", sagt er. „Es ist auch ein Abfallen von der alten Friedhofskultur."
  Der Bau hat Zwist in die Gemeinde gebracht. Pfarrer Bernd Galluschke spricht von einem „intensiven Diskussions- prozess mit vielen Enttäuschungen und Verletzungen". Doch die Alternative zum Kolumbarium sei die Schließung der Kirche aus Kostengründen gewesen: „So bleibt sie als Gottesdienstort erhalten." Ein kleines Zentrum für Trauerbegleitung soll hier entstehen, die Kirche will angesichts einer sich wandelnden Grabkultur auf der Höhe der Zeit bleiben. „Und es läuft gut an", sagt Galluschke. Es gebe schon etwa 50 Anfragen nach Urnenplätzen.
   Ein gewisses Geschäftsdenken ist dabei wohl unvermeidlich: „Der Businessplan ist so kalkuliert, dass die Ein- nahmen die Kosten für den Erhalt der Kirche decken", sagt Johannes Kollenda, der Geschäftsführer des Kolumba- riums. Er steht dort, wo früher der Beichtstuhl war und jetzt ein Medienraum geplant ist: „Hier wird ein Display aufgestellt", sagt Kollenda Foto oben, der zugleich eine Agentur für Unternehmenskommunikation leitet. In einer „Memorialdatenbank" können dort Fotos und Texte zu den Verstorbenen hinterlegt werden. „Wer sich zu Lebzei- ten fürs Kolumbarium entscheidet, kann diese auch selbst verfassen", sagt Kollenda.
    Ursprünglich sollte im Mittelschiff der Kirche ein „Weizenfeld" siehe Foto oben aus Urnenstelen entstehen, doch die hohen Kosten haben diesen Plan zunichte gemacht. „Eigentlich haben wir nur wenig in die Bausubstanz eingegriffen", sagt Architekt Rauck. In Herz Jesu gibt es jetzt einen Abschiedsraum, in dem Angehörige noch einmal Zeit mit der Urne verbringen können. In einem Leseraum liegt Literatur zu Sterben und Tod aus. Dort ist während der Öffnungszeiten der Kirche auch ständig ein Trauerbegleiter ansprechbar: Und im Kirchenschiff steht ein großer Holzkubus, der „Block der Erinnerung". In dessen Schlitze können Angehörige symbolisch Briefe einwerfen. Als letzten Gruß an ihre Verstorbenen. HA100222SimonBenne
Sonderangebot zur Eröffnung
 Träger des Kolumbariums (lat. „Taubenschlag") in der Max-Kühlemann-Straße 13 ist die katholische Pfarrgemeinde St. Martin. Vergleichbare Projekte gibt es bundesweit bislang nur in Aachen, Erfurt, Osnabrück und Marl. In der Urnenkirche gibt es weiterhin Messfeiern, jeweils freitags um 18 Uhr, und außerdem regelmäßige Rosen- kranzgebete und Verstorbenengedenken.
   Der Preis für einen Urnenschrein (Nutzungszeit: 20 Jahre) liegt je nach Stellplatzhöhe auf der Himmelsleiter" zwischen 2.600 und 2.900 Euro. Wer zu Lebzeiten eine Anwartschaft abschließt, zahlt bis zu seinem Tod jährlich ein Zwanzigstel des Preises. Allerdings gibt es eine Art Sonderangebot zur Eröffnung: „Die ersten 100 Vertragsabschlüsse zu Lebzeiten werden mit einem Bonus von bis zu 50 Prozent Einsparung belohnt", sagt Geschäftsführer Johannes Kollenda. Info: www.kolumbarium-hannover.de

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Abschied auf elf Himmelsleitern. 100 Urnenplätze im Kolumbarium Hannover-Miesburg-Süd sind bereits vergeben

   Jeden Freitag um 18 Uhr könnte man meinen, dass sich nichts verändert hat in der Kirche Heiligstes Herz Jesu in Misburg-Süd. Gläubige gehen zur Abendmesse, zu einem Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen. Allerdings ist der Raum an der Max-Kuhlemann-Straße, in dem sie sich aufhalten, nicht mehr Kirche - er ist Friedhof. Nur der Altarraum ist am 20. Februar dieses Jahres von Bischof Norbert Trelle erneut geweiht worden. Der Rest der Kirche ist nun das Kolumbarium Heiligstes-Herz-Jesu. Nachdem der Misburger Teil des Gemeindeverbunds St. Martin Hannover-Ost für das Bistum Hildesheim wegen sinkender Mitgliederzahlen finanziell nicht mehr tragbar gewesen war, hatte man das neoromanische Gemäuer aus dem Jahre 1905 zum ersten kirchlichen Kolumbarium in Nord- deutschland umgewandelt. Nach Auskunft von Geschäftsführer Johannes Kollenda sind bereits hundert Urnen verkauft.
   Kollenda ist zufrieden mit der Entwicklung: „Wir müssen 60 Urnen jährlich verkaufen, damit wir die Kosten für den Erhalt der Kirche und des Kolumbariums decken können." Ein Gewinn ist nicht vorgesehen. Mit möglichen Überschüssen werden Rücklagen für Renovierungen gebildet. Kollenda leitet die Begräbnisstätte seit September 2009; er kam mitten in die Endphase einer für die Gemeinde sehr schwierigen Entscheidungsfindung. Eine Gruppe hatte 600 Stimmen gegen die Einrichtung eines Kolumbariums in Heiligstes-Herz-Jesu gesammelt. Gisbert Selke, einer ihrer Sprecher, war jahrzehntelang Hauptorganist an Herz-Jesu und ist immer noch der Meinung, dass ein solcher Ort für Bestattungen „ein falsches Signal" ist. „Kirche sollte sich nicht in diesem Feld betätigen, aber wir können es im Augenblick nicht ändern", sagt er resigniert. Viele Gemeindemitglieder seien nun heimatlos und wür- den teilweise in die katholische Kirche Zu den heiligen Engeln in Kirchrode gehen.
 Nicht wenige nutzen allerdings die Abendmesse am Freitag in der Herz-Jesu-Kirche und kommen schon vorab zum Rosenkranzgebet. Etwa vierzig Menschen sind es nach Auskunft von Johannes Kollenda im Schnitt, das seien mehr als zu Zeiten, als Herz Jesu noch eine richtige Kirche gewesen sei. Immerhin habe man mit der Umwandlung einen Verkauf abwenden können. Der Geschäftsführer macht wöchentlich etwa fünf Führungen durch die Räumlichkeiten. Erst seien die Menschen etwas bange, weil sie nahe an den Urnen vorbeigingen. „Aber dann gehen sie raus und sind begeistert", freut er sich. Einmal sei sogar eine Gruppe der Kolumbariums-Gegner dagewesen. Eine Frau habe ihm hinterher gesagt, sie sei immer noch dagegen - aber schön sei das Ganze geworden.
   In der Tat ist der mächtige Kirchraum eindrucksvoll. Ein eigens erstelltes Lichtkonzept betont verschiedene Be- reiche, hellt aber den ganzen Raum so weit auf, dass er nirgendwo Furcht einflößend wirkt. 550.000 Euro betrug das Budget für die Umgestaltung. In der Raummitte liegt nun Parkett, worauf ein großer Holzblock steht, in den Abschiedsbriefe eingeworfen werden können. Es gibt einen Abschiedsraum, einen Leseraum und einen kleinen Medienraum mit Daten zum Kolumbarium; diese Zimmer sind transparent durch Glastüren abgetrennt. In den Seitenschiffen sind die sogenannten Himmelsleitern vorbereitet worden, auf denen die Urnen in handgefertigten Glasschreinen an Stahlstangen staubdicht aufgestellt werden.
   Die beiden Himmelsleitern rechts und links vor dem Altar tragen nur Glasplatten mit kirchlichen Sprüchen. Hier werden Friedhofs- und Kirchbereich optisch getrennt, denn so will es das Kirchenrecht: Eine Kirche darf kein Fried- hof sein. Insgesamt gibt es in Misburg-Süd elf Himmelsleitern, die von beiden Seiten mit jeweils 56 Urnen bestückt werden können, also 112 pro Leiter. Insgesamt ist also Platz für etwa 1300 Behältnisse. Bei Bedarf kann diese Zahl durch die Einrichtung weiterer Leitern zwischen den bereits bestehenden fast verdoppelt werden. Eine Urne kostet in den unteren Reihen 2900 und in den oberen Reihen 2600 Euro für 20 Jahre.
   Wichtig für den laufenden Betrieb des Kolumbariums ist, dass die Gemeinde etwa 30 ehrenamtliche Trauer- begleiter ausgebildet hat. Mindestens einer von ihnen ist während der Öffnungszeiten präsent. Die Vorgespräche zu einer Urnenbestattung führt Johannes Kollenda. Es sind deutlich mehr Gespräche mit Lebenden, die für sich selbst einen Platz kaufen möchten, als mit Hinterbliebenen. Erst 15 Urnen stehen bereits im Kolumbarium, gut 80 weitere Plätze sind reserviert.
   „Es sind sehr lebendige Gespräche, wenn sich die Menschen mit dem Tod beschäftigen", versichert der Ge- schäftsführer. „Manch einer möchte unbedingt auf den Altar gucken, einer möchte sehen, wer hereinkommt, und einige Paare möchten so platziert werden, wie sie vor dem Traualtar gestanden haben." In dem Wunsch nach einem bestimmten Urnenplatz spiegele sich häufig auch der Platz wider, den ein Mensch im Leben eingenommen hat.
   Das Kolumbarium ist dienstags von 15 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr, freitags von 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine im Büro können unter Telefon 0511 - 95 92 60 mit Johannes Kollenda vereinbart werden. HAZ101209KarinVeraSchmidt

Baumgräber
   In einem Themenfeld sind die Gräber mit Schmetterlingsmotiven verziert - ein Symbol der Wiederauferstehung. Und „Baumgräber” unter mächtigen alten Bäumen sollen dem Wunsch einer „naturnahen” Beisetzung gerecht werden. Die beiden Hamburger Friedhöfe reagierten damit auf die FriedWald GmbH. Das Unternehmen aus Darm- stadt richtet für immer mehr Kommunen regelrechte Waldfriedhöfe ein, die Asche von Verstorbenen wird dort neben Bäumen bestattet. „Das haben wir auch als Konkurrenz empfunden”, sagt Rehkopf.
   Auch das neue HSV-Themenfeld in Altona ist in Ohlsdorf aufmerksam registriert worden. „Wir profitieren von dieser mutigen Entscheidung - schließlich muss Friedhof Marketing gegen eine Tabuisierung dieses Themas an- kämpfen”, so Rehkopf.
   Besonders die Kirchen tun sich schwer mit solchen neuen Wünschen für die letzte Ruhe. Die katholische Bischofskonferenz lehnte Friedwälder und anonyme Bestattungen sogar ab, weil sie den Tod unsichtbar machten Siehe dazu den Bericht unten auf dieser Seite. In katholischen Landstrichen gibt es dann auch noch weit mehr klassische Erd-Bestattungen als im Norden der Republik. In Düsseldorf etwa ist das Verhältnis ganz anders als in Hamburg:  Dort werden noch 65 Prozent der Verstorbenen in Särgen beigesetzt.
   Auch die SPD in Altona hat ihre Probleme mit dem neuen Friedhofs-Marketing. In der Bezirksversammlung lehnte sie - anders als CDU und GAL - das HSV-Themenfeld ab. Ein Friedhof müsse ein Platz zum Innehalten bleiben, sagt dazu der Vize-Fraktionschef Stefan Krappa. Dort dürfe die heutige „Eventkultur” nicht auch noch Einzug halten. Krappa: „Es muss  noch Plätze geben, wo man dem Konsum- und Freizeitbetrieb entkommen kann.
   Ganz so eng sieht Friedhof-Sprecher Rehkopf die Sache mit den HSV-Gräbern nicht. Solche Themenfelder führten auch dazu, dass sich die Menschen beizeiten Gedanken über Tod und Bestattung machten und das Thema nicht verdrängen. Und letztlich seien solche neuen Bestattungsformen auch Beispiel für die sehr individuelle Gesellschaft von heute: „So bunt die Welt inzwischen ist, so bunt wird es bald auch auf unseren Friedhöfen aussehen”, glaubt er.

Das kostet ein Grab in Hamburg
  In Hamburg gibt es 13 bezirkliche Friedhöfe und die beiden städtischen in Ohlsdorf und Öjendorf, die in einer Anstalt öffentlichen Rechts zusammengefasst sind und daher einen eigenen Haushalt haben. Der „Marktanteil” dieses städtischen Unternehmens „Hamburger Friedhöfe” liegt bei 43 Prozent. Zu den städtischen Friedhöfen in Hamburg kommen noch rund 34 kirchliche Friedhöfe. Eine Erdbestattung im Sargwahlgrab zum Beispiel kostet in Ohlsdorf ab 875 Euro (für 25 Jahre), eine Bestattung im Reihen-Urnen-Grab kostet ab 375 Euro (25 Jahre).   Sondergräber sind deutlich teurer,  ein Baumgrab für 25 Jahre kostet 2.600 Euro. Etwa 18.000 Menschen sterben jährlich in Hamburg.  AxelTiedemannHA060613

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Beerdigung kostet mehrere tausend Euro.
Immer häufiger suchen Hinterbliebene oder auch die Betroffenen vor ihrem Ableben nach günstigen Bestattungen. Feuerbestattungen sind günstiger als Erdbestattungen und werden immer beliebter

  5.000 Euro reichen nur in besonderen Fällen, um eine Bestattung zu finanzieren. Tatsächlich markiert diese Sum- me, die in der Öffentlichkeit häufig als Durchschnittswert genannt wird, die Untergrenze für eine Erdbestattung einfachster Art; nach oben sind die Kosten je nach Umfang der gewünschten Leistungen fast offen. Das zeigt eine Untersuchung der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas über die Preise in Deutschland. Weil sich die Summe aus mindestens zwei Dutzend Einzelposten von der Totenbekleidung über die Kühlzelle bis zum Blumen- schmuck zusammensetzt, ist sie sehr unübersichtlich. Hinzu kommen erhebliche regionale Abweichungen. Wie teuer die Beerdigung wird, hängt also auch davon ab, wo sie stattfindet und wie luxuriös sie sein soll. So verlangen Bestatter für ihre Dienstleistungen (unter anderem Überführung, Aufbahrung und Erledigung der Formalitäten) mindestens 900 Euro, aber auch bis zu 4.000 Euro.
   Zu den großen Posten gehören außerdem die Gebühren der Friedhofsverwaltungen für die Beisetzung und die Grabnutzung sowie die Genehmigung des Grabmals von 400 bis 4.000 Euro, die meistens extra gezahlt werden müssen, und der Steinmetz, für dessen Arbeit etwa der gleiche Betrag einzuplanen ist. Särge kosten zwischen 400 und 3.000 Euro, Verwaltungsgebühren können mehr als 200 oder auch nur 30 Euro betragen. Aeternitas hat die jeweiligen Mindestpreise zusammengerechnet und kommt dabei auf 2.260 Euro, am anderen Ende der Skala sind es 25.550. Darin enthalten ist freilich eine Dauergrabpflege von 25 Jahren, die mit 11.550 Euro der größte Kostenblock ist.
   Beide Extreme werden allerdings in der Praxis wohl nicht erreicht, denn die eine Leistung ist hier teurer, die andere dort. Die Untersuchung der durchschnittlichen Bestattungskosten in fünf deutschen Großstädten(Düssel- dorf, Frankfurt am Main, Hannover, Köln und Stuttgart) zeigt, dass selbst eine schlichte Feuerbestattung in einem Reihengrab dort nicht unter 4.000 Euro Gesamtkosten zu bekommen ist, Erdbestattungen beginnen bei gut 5.000 Euro (Düsseldorf) bis knapp 6.000 Euro (Stuttgart). An tatsächlichen Kosten für eine Bestattung im Wahlgrab in gehobener Ausführung wurden 15.000 bis 16.000 Euro ermittelt. Hinzu kommt jeweils die Dauergrabpflege, falls sie auf einen Gärtner übertragen wird. Bei rund 830.000 Todesfällen im Jahr summiert sich nach Angaben der Verbraucherinitiative der Umsatz auf gut 14 Milliarden Euro im Jahr.
 Die Kosten von mehreren tausend Euro haben Folgen: Zunehmend suchen die Hinterbliebenen - in der Behörden- sprache sind es die „Bestattungspflichtigen” ;- und auch die Betroffenen vor ihrem Ableben nach günstigen Lösun- gen. Das erklärt zum Teil den Anstieg der weniger aufwendigen Feuerbestattungen, deren Anteil inzwischen auf fast die Hälfte gewachsen ist. Zugleich öffnet sich ein Markt für private Anbieter verschiedener Teilbereiche bis hin zur Billigbestattung im meist osteuropäischen Ausland. Offenbar haben Bemühungen von Organisationen wie Aeternitas oder der Stiftung Warentest insofern Erfolg, als die Märkte, die für die Hinterbliebenen in ihrer psycho- logisch oft schwierigen Situation nicht leicht zu durchschauen sind, etwas transparenter geworden sind. Die Stiftung berichtet inzwischen regelmäßig über die Bestattungskosten. „Interessant sind die Veränderungen in der Preisgestaltung der Bestatter und Friedhofsgärtner”, sagt Hermann Weber, der Aeternitas-Vorsitzende. So hätten die Bestatter die Preise für Särge etwas gesenkt und für die Dienstleistungen erhöht.
   Unter besonderer Beobachtung der Verbraucherorganisationen stehen aber die Friedhofsträger. Deren Gebüh- rengestaltung ist seit Jahren in der Kritik, denn die Grabnutzung für 30 Jahre und die Beisetzung in einem Wahl- grab können zwischen knapp 400 Euro (Papenburg) und fast 6.000 Euro (Kirchheim) kosten, für andere Grab- formen gelten ähnliche Unterschiede. „In manchen Kommunen setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Gebühren das Maß der Akzeptanz durchbrochen haben”, erklärt Weber. Sie gingen dazu über, die Friedhofsausgaben aus Steuern zu finanzieren. Aeternitas hält das auch für sinnvoll, da die Friedhöfe ein Kulturgut seien, und „als Teil des Sozialsystems muss der Friedhof auch den sozial Schwachen ein würdiges Begräbnis ermöglichen”. Zugleich erfüllten die Friedhöfe in den Städten die Funktion von Parkanlagen, schon deshalb sei eine Teilfinanzierung über die allgemeinen Haushalte gerechtfertigt. Aus dem Kreis der kommunalen Friedhofsverwaltungen ist zu hören, dass eine reine Finanzierung über die Gebühren ohnehin nicht mehr möglich sei. Wegen der veränderten Alters- struktur und der Zunahme alternativer Angebote (zum Beispiel privat betriebene Wälder mit Beisetzungen unter Bäumen) müssten immer weniger Nutzer die Kosten der Friedhöfe tragen.
   Die Gebühren sind sprunghaft gestiegen, seit in den achtziger Jahren erstmals die kommunalen Leistungen kostendeckend kalkuliert worden sind, während auf der anderen Seite das Sterbegeld der Krankenkassen, aus dem die Bestattungen zum Teil finanziert worden sind, mehrfach gekürzt und Ende 2003 ganz gestrichen worden ist. Einige Kommunen dringen deshalb auf Rückbesinnung. Denn bis weit in die sechziger Jahre haben die Kirchen und Gemeinden die Friedhöfe aus öffentlichen Mitteln unterhalten und eine einfache Bestattung kostenfrei ange- boten. FAZ081015

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Das letzte Geschäft - Eine Fachmesse in Hongkong stellt die neuesten Beerdigungstrends vor
Investition für die Ewigkeit:  Foto: Eine Messebesucherin liegt zur Probe in einem Sarg.

   Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt, nur sorgt er meist für weniger Freude. Es sei denn, man hat den Sensenmann als Arbeitgeber. Dann kann man mit der Vergänglichkeit leicht seinen Frieden machen und unter Umständen sogar ein Vermögen verdienen. Wie das geht, darüber tauschte sich die Branche dieser Tage in Hong- kong aus, bei der Asiatischen Begräbnismesse. Da reiche Chinesen, Japaner und Koreaner für ihre Beerdigungen mehr bezahlen als diesseitsorientierte Europäer oder Amerikaner, gilt die Messe als eines der wichtigsten Treffen des Totengewerbes.
   Schon der Rahmen machte deutlich, dass die Industrie kein Schattendasein führen will: Das Hongkonger Aus- stellungszentrum gehört zu den teuersten der Welt. Nun stehen hier Särge, Urnen und Grabsteine - danach sieht es zumindest aus, wenn man nicht weiß, dass auch das Bestattungswesen von technologischem Fortschritt, innovativem Design und kundenfreundlichen Dienstleistungen lebt.
   „Die Konsumenten werden immer anspruchsvoller", erklärt Fred Liu, Geschäftsführer der chinesischen Firma „Dingcheng Religionsbedarf", einem der über 150 Aussteller. An seinem Stand hängen Kruzifixe, Davidssterne, Allah-Schriftzüge und Buddhafiguren einträchtig nebeneinander. „In einem modernen Begräbnis müssen Tradition, Fortschritt und Individualität vereint sein", sagt Liu. Zu seinen Messeneuheiten gehören Geldscheine aus Bambus- papier, das beim Verbrennen - ein wichtiger Bestandteil chinesischer Beerdigungszeremonien - keinen hässlichen Rauch produziert und vollständig weiße Asche hinterlässt. Mit solchen grünen Produkten liegt Liu voll im Trend. „Umweltfreundliche Begräbnisse sind sehr angesagt", meint Allen Chu, Manager von Lünen Handicraft, einem Unternehmen für Särge aus Pappe oder Korbgeflecht. „So entstehen beim Verbrennen weniger Schadstoffe." Gleich mehrere Firmen versuchen sich dem Trend anzuschließen, etwa mit biologisch abbaubaren Urnen, die in der Erde zu Dünger werden.
   Da nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Laien - und damit auch künftige Kunden - zur Messe kommen, haben die findigen Veranstalter einen Infosarg aufgebaut, in dem ein Film die Besucher darüber aufklärt, welchen Aufwand der Tod nach sich zieht. Für die Warteschlange sind Bänke aufgestellt, denn viele der Interessenten sind schon lange nicht mehr gut zu Fuß. „Kannst gleich liegen bleiben", lautet der Standardwitz bei der Sarganprobe. Dabei sollen Besucher vor allem mit dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass sie ihr Restleben nutzen sollten, um ihren Tod im Detail vorzubereiten, schon um zu verhindern, dass die Nachfahren dann bei einigen der teuren Extras sparen, beim letzten Make-up zum Beispiel, oder beim Parfüm, das den lästigen Leichengeruch verschwin- den lässt.
   Zu den Hauptattraktionen gehört der Stand der Schweizer Firma Algordanza, die aus der Asche von Toten Dia- manten presst. „Jeder Mensch ist einmalig", heißt es in einem emotionalen Werbeclip. Auf Nachfrage erfährt man, dass das Pressverfahren die Kosten für die Leichenendlagerung um rund 15.000 Euro erhöht. Ähnliche Summen muss man einplanen, wenn man sich von der taiwanesischen Firma Skea ein Haus fürs Jenseits bauen lässt. Nicht nur seinen Namen hat Skea beim schwedischen Möbelhaus Ikea abgekupfert, sondern auch viele Designs. Die Nachbildungen werden in minutiöser Handarbeit eingerichtet. Möbel, Bettwäsche und Gardinen kann man ebenso auswählen wie die Speisen auf dem Esstisch. Technikfans können sich sogar einen Hochgeschwindigkeitszug durch ihren Garten fahren lassen. „Make it happen" lautet der Spruch, mit dem Skea seine Kunden ermutigt, sich auch nach dem Tod noch Träume zu erfüllen.  HAZ090519BernhardBartsch

Grabkammern1xx  oberirdische Grabkammern

Letzte Ruhe wie in Italien - Saarbrücken richtet oberirdische Grabkammern ein

   Saarbrücken geht in der Friedhofskultur neue Wege: Auf dem Hauptfriedhof wurden jetzt die bundesweit ersten oberirdischen Grabkammern angelegt. Die zwölf Kammern stehen in idyllischer Lage an einem Waldrand und sollen Beisetzungen wie im Mittelmeerraum ermöglichen - inklusive Bildern der Verstorbenen und Blumenschmuck an den Grabplatten. Die saarländische Landeshauptstadt erfüllt damit einen lang gehegten Wunsch ihrer italienischen Gemeinde. Weitere 24 Kammern werden gebaut.
   Die Stadt stelle sich damit auch den Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, sagt Oberbürger- meisterin Charlotte Britz (SPD). Nach ihren Angaben leben in Saarbrücken rund 24.000 Ausländer aus 160 Nationen. Mehr als 4.100 davon seien Italiener. „Wenn wir Migrantengruppen die Möglichkeit geben, sich in ihrer neuen Heimat so bestatten zu lassen, wie sie es wünschen und wie es für die Trauer der Angehörigen hilfreich ist, dann wirken wir der Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen entgegen”, sagt Britz. Das sei aktive Integrations- politik, ebenso wie mit einem moslemischen Grabfeld, das schon seit zehn Jahren auf dem Hauptfriedhof bestehe.
   Vorangegangen war dem bundesweit einmaligen Projekt ein Hürdenlauf durch Gremien und Behörden. Der Saarbrücker Stadtrat musste die Pläne genehmigen, der Landtag eigens das saarländische Bestattungsgesetz ändern, und auch Gesundheitsbehörden waren gefragt. „Es hat rund drei Jahre gedauert, bis alles durchgeboxt war”, sagt Initiator Guglielmo Scandariato. Der erste Vorschlag des 62-Jährigen vor fünf Jahren war noch auf wenig Gegenliebe gestoßen .„Erst als ich mit Bildern und Preisvorstellungen kam, und der Ausländerbeirat aktiv wurde, ging es voran.”
  Nun sei für viele Familien endlich eine „bessere Trauerarbeit” möglich, sagt Scandariato, der schon seit über 40 Jahren in Deutschland lebt. Fälle, bei denen verstorbene Familienmitglieder extra nach Italien überführt wurden, um stilvoll nach den Heimatriten beerdigt zu werden, gehörten damit der Vergangenheit an. Die neue Bestat- tungsform könne aber nicht nur von Italienern, sondern von allen Südländern der Region genutzt werden.  Die  Bestattungskosten liegen je nach Trauerfeier zwischen 3.500 und 3.700 Euro und sind etwa um 400 Euro teurer als herkömmliche Erdbestattungen.  NOZddpKarlheinzAdamek070605

 Riten der Trauer in verschiedenen Kulturen 

   Im Judentum ist festgelegt, dass der Leichnam keineswegs verbrannt werden darf, sondern bis zur Aufer- stehung unangetastet in der Erde ruhen muss. Der Beerdigung gehen rituelle Waschungen voraus. Danach wird der Leichnam in ein einfaches, ganz von Hand genähtes Totenhemd gekleidet, das keine Taschen hat. Weil im Tod alle sozialen Unterschiede aufgehoben sind, soll auch der Sarg für alle gleich sein - aus roh gehobeltem Holz gezimmert. Schlicht ist auch die Beerdigung - ohne Musik, Blumen und spezieller Trauer- bekleidung, nur mit einem knappen Nachruf. Die eigentliche Trauerzeit beginnt erst nach der Beerdigung, wenn im Trauerhaus die Spiegel verhängt werden. Sieben Tage lang gehen die Hinterbliebenen keiner Arbeit nach und lassen sich von Freunden und Verwandten besuchen.
Im Tod sind alle Menschen gleich. Trauerwoche mit Schmerzsymbolen
    Das Leben ist nur ein Teil einer langen Reise, so sehen es die Juden. Der Glaube an eine Tür, die den Übergang in ein neues Leben nach dem irdischen symbolisiert, gibt der Gemeinschaft Halt und Zuversicht.
    “Wir sind menschliche Wesen, und der Tod macht uns Angst, aber wir wissen auch, dass das der Weg der Natur ist”, sagt Rabbiner Marc Stern, Osnabrück. Die jüdische Gemeinde in Osnabrück zählt etwa 900 Mitglieder. Stirbt ein Mitglied aus ihrer Mitte, werden strenge religiöse Riten eingehalten.
    So werden dem Toten die Augen geschlossen, er wird auf den Rücken gelegt und mit einem Laken bedeckt. Gemeinsam mit einem örtlichen Bestattungsinstitut wird die Beisetzung geregelt. Anders als bei katholischen und evangelischen Christen ist es wie bei den Muslimen und orthodoxen Christen auch den Juden nicht gestattet, sich verbrennen zu lassen. “Unser Körper gehört uns nicht”, erklärt Rabbiner Stern. “Daher haben wir nicht das Recht, frei darüber zu verfügen.” Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.
  Der Tote wird jeweils vom gleichen Geschlecht gewaschen. Die Leiche wird in ein weißes Leinentuch gehüllt. Jeder ist im Judentum im Tod gleich. “Es gibt keinen Unterschied zwischen Reich und Arm”, sagt Stern. Aus diesem Grund fehlen auch auf den Grabsteinen üppiger Blumenschmuck und Lichter. Bis zur Beerdigung wird die Leiche nicht allein gelassen, um böse Geister von ihr fern zu halten. Es gilt, den Leichnam so schnell wie möglich zu be- erdigen.
   Juden werden eigentlich ohne Sarg beigesetzt, aber das ist in Deutschland nicht erlaubt. Darum wählen die hier lebenden Juden einen schlichten Sarg aus minderwertiger Qualität. “Die Leiche soll so schnell wie möglich verrotten und wieder zu Staub werden”, sagt Rabbiner Stern. Weil die Gräber der Toten nicht wieder belegt werden dürfen, hat die jüdische Gemeinde in Osnabrück zwei eigene Friedhöfe. Als staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaft haben sie das Recht, eigene Friedhöfe zu unterhalten.
   In jedem Grab darf nur eine Person beigesetzt sein. Mit Gebeten wird der Tote in das Erdreich hinabgelassen. Die trauernde Familie reißt als Symbol des Schmerzes ein Stück Kleidung entzwei. Eine bestimme Trauerkleidung gibt es nicht. Die Trauerzeit umfasst eine Woche bis ein Jahr. Dabei dürfen die engsten Angehörigen das Haus in der ersten Woche nicht verlassen. Sie sitzen als Zeichen der Trauer und des Schmerzes auf niedrigeren Stühlen, und auch die hygienische Pflege wird auf ein Minimum reduziert, erklärt Stern. In dem gesamten Trauerjahr sollten sich die Angehörigen des Verstorbenen nicht die Haare schneiden
   Als Zeichen der Erinnerung und Anerkennung des Verstorbenen hinterlassen die Juden bei ihrem Besuch am Grab einen Stein siehe Bild unten.

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    Wie im Judentum sind auch im Islam Erdbegräbnis und rituelle Reinigung vorgeschrieben. Die Waschung ist ein heiliger Akt: Der Leib soll rein zu Gott gelangen. Danach wird der Leichnam aber nicht in einen Sarg, sondern in ein Leinentuch gelegt. In Deutschland lebende Muslime passen sich notgedrungen der Friedhofs- ordnung an, achten aber darauf, dass zumindest der Kopf nach Mekka weist. Das islamische Ritual setzt im übrigen vor dem Tod ein: Es verlangt dem Sterbenden das Bekenntnis ab, dass es keinen anderen Gott gibt als Allah und Mohammed der Bote Gottes ist.
Die Sonne weist den Weg nach Mekka. Gesetze lassen nicht alle Riten zu.
   Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Erde fallen, ist Abdul-Jalil Zeitun bereit. Mit Hilfe einer selbst gebauten Holzkonstruktion ermittelt er die Richtung Mekkas. Denn die Gräber sollen zur heiligen Stadt des Islam hin aus- gerichtet sein.
  Durch einen kleinen Spalt fällt das Licht siehe Bild unten rechts und weist den Weg nach Osten. “Das ist besser als mit dem Kompass”, findet Zeitun, und die Methode ist in seiner islamischen Glaubensgemeinschaft, dem Zentrum für Begegnung, Erziehung und Kultur, anerkannt. Auf dem Osnabrücker Waldfriedhof gibt es einen beson- deren Bereich, auf dem Muslime beigesetzt werden.
   Der Leichnam soll umgehend beerdigt werden - möglichst noch am Tage des Todes. So steht es im Koran, dem heiligen Buch des Islam. Doch nicht immer ist es für die in Deutschland lebenden Muslime möglich, den Lehrsätzen ihres Glaubens streng zu folgen. Die deutschen Gesetze schreiben eine 48-Stunden-Frist bis zum frühesten Zeit- punkt der Beisetzung vor. Abgesehen von dieser Hürde bestünden für die über 5.000 Muslime in Osnabrück aber gute Möglichkeiten, ihren Glauben auszuleben, sagt Zeitun.
   Stirbt ein Mitglied der Gemeinde, folgen die Muslime besonderen Riten. Zunächst wird der Leichnam gebadet und in weißes Gewand gehüllt. Je nach Glaubensrichtung weichen die islamischen Gemeinden in ihren rituellen Hand- lungen voneinander ab. Wichtig ist jedoch für alle, dass der Tote beerdigt wird. Eine Einäscherung ist nicht erlaubt.
    Am Grab werden stehend arabische Gebete gesprochen. Eine bestimmte Kleidung gibt es nicht, doch sie sollte schlicht sein, erzählt Shaker Jahanzeb von der Muslim-Gemeinde Ahmadiyya. Das Grab ist ebenfalls schlicht. Die Trauerzeit beträgt drei Tage, wobei die Familie des Toten von den Gemeindemitgliedern umsorgt wird, um ihr im Schmerz beizustehen.

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Bild links: Das Licht auf den Gräbern der orthodoxen Christen gilt als Symbol für das ewige Leben.
Bild rechts: Abdul-Jalil Zeitun richtet die Gräber mit Hilfe der Sonne nach Mekka aus. 
Bild unten: Islamischer Teil des Friedhofs in Hannover-Stöcken

Sargzwang gelockert
   Die Einwanderungsgesellschaft fordert Kompromisse: Auch in Baden-Württemberg wird die Sargpflicht gelockert. Damit entspricht die Landesregierung den Wünschen von etwa 600.000 im Südwesten lebenden Muslimen, etwa 200.000 haben einen deutschen Pass. Muslime hüllen ihre Verstorbenen in Leichentücher und bestatten sie dann ohne Sarg. In Baden-Württemberg ist es künftig gestattet, Tote in ein Leichentuch zu hüllen und im offenen Sarg zu beerdigen. Damit folgt das Land dem „hessischen Modell": Für den Transport des Leichnams ist der Sarg wei- terhin zwingend vorgeschrieben, nur darf der Deckel bei der Bestattung jetzt abgenommen werden.
   In elf von 16 Bundesländern besteht keine Sargpflicht mehr. Die Islamische Religionsgemeinschaft hatte wäh- rend der Beratungen über die Novellierung gefordert, auch im Südwesten die Sargpflicht abzuschaffen. Die  mit- regierende FDP und die oppositionellen Grünen hatten dies gutgeheißen, die CDU-Landtagsfraktion und Sozial- ministerin Monika Stolz (CDU) wollten einen Kompromiss: Die kulturellen Gewohnheiten der Muslime sollten aufge- nommen werden, ohne die auf den Sarg fixierte Bestattungskultur abzuschaffen. Die katholische Kirche hat gegen die Abschaffung des Sargzwangs nichts einzuwenden: „Solange Muslime ihre verstorbenen Angehörigen in das jeweilige Herkunftsland überführen, werden sie in Deutschland nicht wirklich heimisch. Die Deutsche Bischofskonfe- renz begrüßt daher die wachsende Bereitschaft vieler Kommunen, spezielle Gräberfelder für Muslime einzurichten, die die Beachtung islamischer Bestattungsriten ermöglichen", heißt es in einer Arbeitshilfe der Deutschen Bischofs- konferenz aus dem Jahr 2003. Hansjörg Schmid, zuständig für den christlich-muslimischen Dialog an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unterstützt diese Auffassung: „Die Sargpflicht ist eine kulturelle Tradition, die nicht zwingend ist. Es hat eine hohe symbolische Bedeutung, wenn die zukünftigen Generationen deutscher Muslime die Gräber ihrer Vorfahren auf hiesigen Friedhöfen besuchen können und sie dazu nicht in die Türkei reisen müssen", sagt Schmid. Die Bestattung in einem Leichentuch ist allerdings auch für Muslime nicht zwingend.
   Zur Novellierung des aus dem Jahr 1970 stammenden Bestattungsgesetzes gehört auch, dass künftig Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm bestattet werden dürfen. Ärzte und Krankenhäuser müs- sen die Eltern auf diese Möglichkeit hinweisen. „Wenn Eltern einen Ort der Trauer für ihr zu früh geborenes Kind wollen, dann sollen sie diesen Ort auch erhalten", sagt Frau Stolz. Auch sind Seebestattungen nunmehr erlaubt.
   Beibehalten wird der Friedhofszwang sowie das Verbot, in der Öffentlichkeit Leichenöffnungen vorzunehmen. Eine Regelung, die sich wohl auch gegen den Heidelberger Mediziner Günther von Hagens richtet, der gerade eine neue Ausstellung mit plastinierten Leichen eröffnet hat. Unerfüllt bleibt auch der Wunsch eines FDP-Land- tagsabgeordneten, der gefordert hatte, das Verstreuen von Totenasche auf dem Bodensee zuzulassen.FAZ090114

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   Während die Wiederauferstehung unter Christen als Verheißung gilt, betrachten Buddhisten die Reinkarnation als Strafe. Das höchste Ziel des Buddhismus besteht darin, die quälende Kette von Tod und Wiedergeburt zu durchbrechen und das Nirwana zu erlangen - das Nichts. Da jeder seinen Heilsweg selbst bestimmt, gibt es auch keine festgefügten Bestattungsrituale. Die Asche der verbrannten Toten wird häufig dem Wasser übergeben. In Indochina und China sind aber auch Erdbestattungen auf zumeist offenen Friedhöfen üblich.
   Im Hinduismus geht es wie im Buddhismus darum, dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen. Der Leichnam des Verstorbenen wird auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Dem Feuer wird eine magische Kraft zugemessen. Häufig werden die Brandreste einem Fluss übergeben. Sowohl Hindus als auch Buddhisten richten den Verstorbenen in ihren Häusern Altäre ein und gedenken ihrer mit Opfergaben.
   In vielen Nauturreligionen ist die Welt der Toten sehr viel stärker mit der Welt der Lebenden verwoben als in den so genannten Hochkulturen. Totenfeiern sind öffentliche Ereignisse, und der Abschied erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Auf der indonesischen Insel Sulawesis vergehen in der Regel mindestens sechs Monate, manchmal Jahre, bis ein Toter mit großem Aufwand bestattet wird. Die Leiche wird bis dahin in Stoff eingewickelt und im Haus aufbewahrt. Angst vor der Nähe der Leiche empfindet hier niemand. In afrikanischen Staaten wie Ghana und Togo werden den Toten oft mehr Ehrungen zuteil als den Lebenden. Dies hat den nicht ganz uneigennützigen Grund, dass die Hinterbliebenen sich so den Beistand der Ahnen sichern möchten.
   Für die Christen zitieren wir hier Benedikt XVI. aus: Einführung in das Christentum. Christen glauben der Bibel, dass der Mensch als solcher auch “im Tod” fortbesteht, wenn auch gewandelt. Auferweckung, Unsterblichkeit ergibt sich aus der rettenden Tat des Liebenden, der die Macht dazu hat. Der Mensch kann deshalb nicht mehr total untergehen, weil er von Gott gekannt und geliebt ist. Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, er wirkt sie! Weil Gott dem ganzen Menschen Unsterblichkeit gibt, sprechen die Christen nicht von der Auferstehung der Toten, sondern besser von der Auferweckung des Menschen. Christen erwarten die Auf- erweckung am “Jüngsten Tag”, am Ende der Geschichte und zwar in Gemeinschaft aller Menschen. Es gibt nicht Christen als Einzelne; die Mitmenschlichkeit ist für sie konstitutiv. Kirche ist daher “Gemeinschaft der Heiligen” und Christen beten nicht das “Vater-mein” sondern das “Vater-unser”. Von daher ist die Frage, ob es nach dem Tod eine Gemeinschaft der Menschen untereinander geben kann, gelöst. Für Christen ist daher Auferweckung nicht die Rückgabe der Seelen nach einer langen Zwischenzeit, sondern: wir werden als Menschen weiterleben; nicht aus eigener Macht, sondern weil wir von Gott gekannt und geliebt sind, so dass wir nicht untergehen können.

Papst Benedikt XVI.: Die drei Worte, die Lukas vom Gekreuzigten überliefert hat
Liebe Brüder und Schwestern!
   Ich möchte mit euch die drei Worte betrachten, die der Evangelist Lukas vom Gekreuzigten überliefert hat. Das erste davon ist die Vergebungsbitte des Herrn für seine Henker: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« Lk 23,34. Jesus selbst vollzieht, was er lehrt: »Liebt eure Feinde; ... betet für die, die euch misshandeln« Lk 6,27.28.
  
Später sehen wir am Erzmärtyrer Stephanus, wie er diese Haltung des Herrn nachahmt, wenn er gleich ihm für seine Mörder betet. Jesus vergibt nicht nur seinen Henkern, sondern tritt für sie beim Vater ein. Zum Grund seiner Fürbitte macht er ihr Nichtwissen, das den Weg zur Bekehrung offen lässt - dies bleibt ein Trost für alle Zeiten und für alle Menschen.
   Das zweite Wort Jesu am Kreuz nach Lukas geht einen Schritt weiter. Jesus antwortet jetzt auf die Bitte eines Mitgekreuzigten. Er war ein sogenannter Räuber, wahrscheinlich ein Widerstandskämpfer, der nun den Herrn bittet, seiner zu gedenken, wenn er in sein Reich kommt. Und der Herr antwortet darauf: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« 23,43. Jesus weiß, dass er direkt in die Gemeinschaft mit dem Vater eingehen wird, dass er den Menschen wieder ins Paradies, ins Mitsein mit Gott hineinführt. Er gibt dem Glaubenden Hoffnung. Gottes Erbarmen kann uns auch im letzten Augenblick erreichen; die Bitte um seine Güte wird nicht umsonst gestellt: Er ist der barmherzige Vater, der uns mit offenen Armen erwartet. Der Herr sagt dem Mann: Ich ziehe dich gleichsam mit hinauf, wir kommen heute im Paradies an.
   Das letzte Wort ist ein Ruf äußerster und völliger Hingabe des sterbenden Jesus an Gott: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist« 23,46. Mit diesem Gebet, in dem Jesus einen Vers aus Psalm 31 aufgreift, bekräftigt er seinen Willen, zunächst den Händen der Menschen ausgeliefert zu werden, aber dann letztlich doch in den Hän- den Gottes zu sein und sich in die guten Hände Gottes zu übergeben. Der Herr weiß, dass er letztlich als Sohn in den Händen des Vaters steht, aber er versichert damit auch uns, dass wir zuletzt in die Hände des Vaters fallen. Darauf dürfen wir uns verlassen, danach Ausschau halten, gleichsam auf diese Hände zuleben, die uns tragen und uns die Gewissheit geben, nicht ins Nichts abzustürzen.
   Das Beten Jesu am Kreuz lädt uns ein, den anderen zu verzeihen und auch für die zu beten, die uns unrecht tun. Zugleich schenkt es uns Vertrauen und Zuversicht: Wir dürfen gewiss sein, dass wir in Not und Leid nicht aus Gottes Händen herausfallen, sondern in diesen guten Händen geborgen bleiben.
Gott segne euch alle.             Sign-B-                                                      OR1210217

Brot als Zeichen der Auferstehung. Letztes Geleit mit Gebetsgesängen.
  In der serbisch-orthodoxen Kirche ist schwarz das Zeichen der Trauer. Auf einem Osnabrücker Friedhof haben sie  - obschon sie den katholischen Christen nahe stehen - einen eigenen Bereich, wo sie ihre Toten beisetzen.
  Weil die hier etwa 1.000 Mitglieder zählende Gemeinde viele Gebetsgesänge hat und auch während der Beerdi- gung gesungen wird, gibt es auf dem Friedhof diesen eigenen serbisch-orthodoxen Teil. “Um andere nicht zu stören, ist das angenehmer”, erläutert Branka Zivotic. Bereits ein bis zwei Tage vor der Beerdigung des Verstor- benen wird in der Friehofskapelle im engen Kreis für den Toten gebetet. Die Hinterbliebenen bitten um Sünden- vergebung und beten den Rosenkranz. Hier besteht in der Regel auch die Möglichkeit, den Toten ein letztes Mal zu sehen.
   Am Tag der Beerdigung findet ebenfalls in der Kapelle eine Andacht mit einem Priester statt, der aus dem Leben des Verstorbenen berichtet. Anschließend wird der Sarg unter Gebetsgesängen der Trauergemeinde zur Grab- stelle getragen. Mehrere Grabredner erinnern an persönliche Erlebnisse mit dem Toten.
  Als Symbol des Letzten Abendmahles gießt der Priester Rotwein in Kreuzform über den Sarg. Anschließend gehen die Trauernden zu einem Tisch, der in der Nähe des Grabes aufgebaut ist, um dort gemeinsam als Zeichen der Auf- erstehung Weizenbrot zu teilen, erklärt Zivotic. Die Gräber sind mit Blumenkränzen geschmückt, und eine bren- nende Kerze auf dem Grab erinnert an den Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben. Im Anschluss an die Beerdigung trifft sich die Trauergemeinde zum Kaffee im Gemeindehaus. Sieben Tage danach findet eine An- dacht am Grab des Verstorbenen statt, bei der wieder Brot geteilt wird. Weitere Andachten gibt es 40 Tage, ein halbes Jahr und ein Jahr nach dem Tod.  Eine Einäscherung ist bei den serbisch-orthodoxen Christen nicht er- laubt.   Texte auf dieser Seite:Benedikt XVI.; HeinrichThiesHAZ; MeikeHohenbrink

be-189x Papst an Allerseelen: „Nur von Gott her ist der Mensch zu verstehen“

   Die Kirche lädt an Allerseelen die Gläubigen ein, in besonderer Weise der Verstorbenen zu gedenken und für sie zu beten. Daran erinnerte der Papst bei der Generalaudienz in der Audienzhalle. Dieser Tag gebe den Katholiken die Gelegenheit, den Glauben an die Auferstehung Christi und an das Ewige Leben zu erneuern.
   „Gerade wenn wir die Gräber unserer Lieben aufsuchen, erinnern wir uns an den Glaubensartikel über die Ge- meinschaft der Heiligen: Im Herrn besteht ein enges Band zwischen uns hier auf Erden und denen, die in die Ewigkeit vorausgegangen sind. Seit jeher in der Geschichte sorgt sich der Mensch um die Toten. Er sucht nach Zeichen des Hoffnung und des Trostes angesichts des Geheimnisses des Todes, angesichts der Angst vor dem Nichts und der Furcht vor einem Gericht über seine Taten. Der Mensch spürt, dass mit dem Tod nicht alles aus sein kann, dass die Liebe nach Ewigkeit fragt und verlangt.“
   Nur wer im Tod eine große Hoffnung erkenne, der könne auch ein Leben von der Hoffnung her leben, so der Papst weiter. Ein rein auf seine horizontale, empirische Dimension verkürztes Leben verliere seinen tieferen Sinn.
   „Der Mensch braucht Ewigkeit; jede andere Hoffnung greift zu kurz. Der Mensch ist nur von einer Liebe her ver- ständlich, die alles übersteigt in eine Ganzheit hinein, die über Zeit und Raum hinausgeht. Nur von Gott her ist der Mensch zu verstehen und findet er seinen tiefsten Sinn. Und wir wissen, dass Gott nicht irgendwo hinter den Wol- ken versteckt ist. Er ist dem Menschen nahe gekommen, in unser Leben hineingetreten ist, dass „er seinen einzi- gen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ Joh 3,16. Im höchsten Akt der Liebe am Kreuz, durch seinen Tod hat Christus den Tod besiegt und gezeigt, dass Gott lebt und sich um uns kümmert. Und uns in seiner Auferstehung die Pforten zur Ewigkeit aufgetan.“
   Einen herzlichen Gruß richtete Benedikt XVI. an alle deutschsprachigen Pilger und Besucher.
„Auch zu uns heute sagt Christus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ Joh 11,25. So wollen wir unseren Glauben an das Ewige Leben neu bekräftigen, von dieser Hoff- nung her leben und sie vor unseren Mitmenschen bezeugen.
   Gott behüte euch und führe euch auf seinen Wegen.“ RV111102mg

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Papst Johannes Paul II. in seinem Brief an die alten Menschen:
“Es ist schön, sich bis zum Ende für die Sache des Reiches Gottes zu verzehren. Gleichzeitig empfinde ich einen großen Frieden, wenn ich an den Augenblick denke, an dem der Herr mich zu sich rufen wird: 
vom Leben ins Leben! Darum kommt mir häufig,  ohne jeden Anflug von Traurigkeit,  
ein Gebet auf die Lippen, das der Priester nach der Eucharistiefeier spricht:
 In der Stunde des Todes rufe mich und lass mich zu dir kommen.”

   Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Bensberg befasste sich mit der Bestattungskultur. Kardinal Karl Lehmann Foto oben “In der Öffentlichkeit wird zunehmend über neue Bestattungsformen diskutiert, zum Beispiel über Baumbestattungen im Wald oder Aschestreuwiesen. Foto darunter Es gibt starke Tendenzen hin zu einer Individualisierung und Anonymisierung.” Die Bischofskonferenz erklärt:

Christliche Bestattungskultur - Orientierungen und Informationen       
   In der Öffentlichkeit werden zunehmend neue Bestattungsformen diskutiert. Deshalb will die vorliegende Hand- reichung die tiefe Beziehung zwischen der Bestattungskultur einerseits und der Auffassung von Wert und Würde des menschlichen Lebens andererseits deutlich machen.
   Spätestens beim Sterben eines Familienangehörigen, nahen Verwandten oder Freundes werden Menschen mit der Frage nach einem würdigen Umgang mit dem Verstorbenen und einer angemessenen Bestattungskultur kon- frontiert. Eine gewachsene Vielfalt unterschiedlicher Angebote von Bestattungsformen eröffnet individuelle Wahl- möglichkeiten, die nicht selten von den überlieferten Normen und den kirchlichen Traditionen abweichen. In dieser Situation will die Orientierungshilfe dazu beitragen, aus der Sicht der Kirche, ihrer Riten und Symbole, Kriterien für eine Kultur der Bestattung aufzuzeigen, um so einen Raum für Pietät und Erinnerung, Trauer und Mitsorge, ge- meinsames Gedenken und Gebet zu eröffnen. Sie will Kriterien zur Beurteilung und Empfehlungen für die pastorale Praxis geben, damit das Zeugnis der Auferstehung in der Gestaltung der Bestattung zum Ausdruck kommt.
   Die Handreichung lädt dazu ein, sich frühzeitig der Frage nach dem eigenen Begräbnis und der gewünschten Erinnerungskultur zu stellen. Dabei empfiehlt es sich,  nach Möglichkeit das Gespräch mit dem Ehepartner, den eignen Kindern, Verwandten und Freunden zu suchen. Angesprochen sind auch diejenigen, die in ihrem per- sönlichen Lebensumfeld für die nähere Zukunft mit einem Sterbefall rechnen, und alle, denen die Sorge um die Bestattung aufgetragen ist.
1. Zur Situation
     Die Bestattungskultur und die Welt der Trauer haben in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen erfahren. Die Beerdigungsrituale verlieren an Bedeutung. Die Gräber verjähren; es gibt keine ewigen Gräber mehr. Oftmals besteht nur noch ein 15-jähriges Belegungsrecht. Die Unfähigkeit, mit Schmerz und Trauer umzugehen, ist ge- wachsen. Selbst viele Christen wünschen sich einen schnellen und  plötzlichen Tod. Die Frage nach dem ewigen Leben bei Gott bestimmt kaum mehr die Praxis des irdischen Lebens. Auch Bestattungsunternehmer oder freie Gestalter führen religiöse Rituale durch, die sie oft sehr persönlich mit den Angehörigen abstimmen. Immer mehr werden Beisetzungen anonym vollzogen. Die Zahl der Gräber ohne Kennzeichnung und ohne Namen nimmt deutlich zu.
Aus der Vielfalt der beiden praktizierten Bestattungsformen seien folgende benannt:
Erdbestattung

 - Körperbeisetzung im Sarg, zB. im namentlich gekennzeichneten Reihen-, Wahl- oder Tiefgrab, im Erbgrab oder in einer Familiengruft; 
Feuerbestattung
 - Kremation und Beisetzung von Asche, zB. im namentlich gekennzeichneten Urnengrab, in einer Urnenhalle oder Urnenmauer, durch See- oder Baumbestattung.
Anonyme Bestattungen
   erfolgen meist als Urnen-, seltener als Sargbeisetzungen in namenlosen Grabstätten oder durch Ausstreuen der Asche Verstorbener auf namenlosen Grabfeldern (Aschestreuwiesen). Dies kann im Beisein der Trauernden er- folgen, geschieht aber häufig ohne die Angehörigen und ohne jede Feier.
Bestattungskulturen verweisen immer auch auf ein gesellschaftliches Bewusstsein. Wir leben in einer von Individualisierung und Mobilität geprägten Gesellschaft. Es ist schwieriger geworden, ein an den konkreten Ort gebundenes Totengedächtnis zu pflegen, wenn z.B. die Angehörigen eines Verstorbenen an fernen Orten leben. Öfter sind hohe Kosten für die Bestattung und die Grabpflege der Grund, von der Form der Erdbestattung abzu- weichen. 
   In vielen gesellschaftlichen Bereichen ist eine Tendenz zur Privatisierung und Liberalisierung des Lebens zu beobachten. Das betrifft auch die Bestattungs- und Erinnerungskultur. Die Entscheidung über die Form und Ge- staltung der Bestattung und des Totengedenkens fällt immer mehr in die Zuständigkeit und Verantwortung Ein- zelner. Dies eröffnet den Hinterbliebenen die Möglichkeit zur individuellen Mitwirkung; es kann aber auch zur Über- forderung werden,  wenn die Vertrautheit mit religiösen Riten nicht mehr gegeben ist. Die Begleitung von Ster- benden und Trauernden, die Sorge um die Toten und die Gestaltung der Beerdigungsliturgie sind für die Kirche immer ein deutliches Zeichen gelebten und bezeugten Glaubens.
Wenn eine bestimmte Bestattungsform aus Gründen gewählt wird, die dem christlichen Glauben wider- sprechen, z.B. aus pantheistischen oder naturreligiösen Vorstellungen, dann ist ein kirchliches Begräbnis nicht möglich. Dies schließt eine kirchliche Feier zur Verabschiedung vor der Kremation, zur Beisetzung der Urne und auch die Feier der Begräbnismesse (Exequien) aus. Insbesondere wenn Verstorbene eine entsprechende Ver- fügung hinterlassen haben, die ein kirchliches Begräbnis unmöglich macht, muss dieser Wunsch ernst genommen werden, auch wenn die Trauernden sich eine andere (christliche) Form der Begräbnisfeier wünschen. Hier ist die pastorale Klugheit gefragt, im Umfeld des Begräbnistages geeignete Formen des seelsorglichen Dienstes für und mit den Trauernden zu realisieren zB. Totengebet der Gemeinde, Totengedächtnis in der Eucharistie).
Bei Formen der Feuerbestattung, die aus Gründen gewählt werden, die nicht dem christlichen Glauben wider- sprechen, ist eine kirchliche Beteiligung möglich. In der Regel findet eine Begräbnismesse und eine Feier zur Ver- abschiedung vor der Kremation statt. Die Beisetzung der Urne erfolgt im Allgemeinen ohne kirchliche Mitwirkung im Kreis der Familie und Freunde. Das liturgische Buch enthält auch für diese Feier Texte und Gebete, die von einem Anwesenden vorgetragen werden können.
Die Konzeption des “Friedwaldes” (freier, unumfriedeter Wald; völlig naturbelassenes Waldgebiet; Unsicht- barkeit des Urnenfeldes; Baumsymbolik; Anonymität; keine Grabpflege – die Grabpflege übernimmt die Natur) lässt zentrale Elemente einer humanen  und christlichen Bestattungskultur vermissen. Darüber hinaus sind weder ein christliches Totengedenken noch ein christlich-religiöses Brauchtum am Grab möglich (Kreuz, Weihwasserschale, Licht,  Blumen). Die Deutung einer bloßen Rückkehr des Menschen in den Naturprozess liegt nahe. Der Baum ist ein altes und schönes Zeichen für den Kreislauf der Natur und ihres Lebens. Für Christen erschöpft sich das mensch- liche Leben aber nicht in naturhaften Abläufen. In Christus ist uns vielmehr verheißen, dass unser Leben mehr ist als ein Kreislauf von Werden und Vergehen, vielmehr werden wir am Ende unseres Lebens als unverwechselbare Personen von Gott auferweckt. Der “Lebensbaum” der Christen ist darum kein noch so schöner naturaler Baum, sondern das Kreuz Jesu Christi, das über den Gräbern aufgerichtet wird und den Tod von der Auferstehung her deutet. Das weltanschauliche Fundament der “Friedwald”-Konzeption ist dagegen das naturreligiöse Bekenntnis: “Der Baum ist Grab und Grabmal zugleich; er nimmt die Asche mit den Wurzeln auf als Sinnbild des Lebens über den Tod hinaus.”
Ein Ausstreuen der Asche Verstorbener ist grundsätzlich abzulehnen. Jede Anonymisierung der Bestattungen trägt dazu bei, den Tod unsichtbar zu machen und die personale Würde des Menschen über den Tod hinaus zu verdunkeln. Sie steht in deutlicher Spannung zum christlichen Glauben, dass der Mensch ein unsterbliches Leben bei Gott hat.      
2. Christliche Deutung von Tod und Auferstehung
   Ausgangspunkt und inhaltlicher Kern aller Überlegungen zu einer christlich motivierten Bestattungskultur ist die Deutung des menschlichen Todes im Licht des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Von diesen zentralen In- halten christlichen Glaubens her ergibt sich, welche Riten in besonderer Weise geeignet sind, der christlich ver- standenen Trauer und Hoffnung Ausdruck zu verleihen.
   Was der Tod für den Menschen bedeutet, ist aufs engste mit dem verbunden, was der Mensch über sich selbst aussagt. Lebensgestaltung und Lebensdeutung des Menschen bekommen im Sterben des Menschen eine letzt- gültige Klarheit. Betrachtet man den Menschen ausschließlich als biologisches Wesen, wird auch sein Tod lediglich als ein Aufgehen in einem größeren biologischen Prozess angesehen werden. “Staub” kehrt dann “zum Staub” zurück, ohne dass von der Individualität des Einzelnen etwas bliebe und Ewigkeit würde. 
   Christen sehen den Menschen als Person, von Gott mit Namen gerufen vgl. Jes 43,1. Darin konzentriert sich, was dem christlichen Bild vom Menschen seine Konturen verleiht. Als Person ist er unverwechselbar, einmalig und zugleich offen, “sofern er von Natur aus auf Mit-Sein angelegt und zugleich zu einer höheren Ordnung berufen ist, die die Natur übersteigt und diese zugleich überwindet” Papst Johannes XXIII., Mater et Magistra 218. Der Mensch ist als leibgeistiges Wesen in den Naturzusammenhang von Werden und Vergehen eingebunden und trägt dennoch die Berufung in sich, mit dem unendlichen und unvergänglichen Gott in Beziehung zu treten. Wenn aber der Mensch als Person und als “Du” von Gott geschaffen ist, dann kann er als Person nicht am Ende seiner leiblichen-materiellen Existenz verloren gehen. Aus dieser Erkenntnis nährt sich die christliche Hoffnung  auf das Leben jenseits des irdischen Daseins.
    Konkrete Gestalt gewinnt die Hoffnung der Glaubenden in der Auferstehung Jesu Christi, die in unüberbietbarer Weise von der Liebe des Vaters kündet. Gott hat seinen Sohn so sehr geliebt, dass er ihn nicht im Tod beließ, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes am dritten Tag von den Toten auferweckte. Unsere Hoffnung findet ihren festen Grund darin, dass Gottes Sohn uns vorausgegangen ist als Erster der Entschlafenen vgl. 1 Kor 15,20. Er nimmt den Menschen mit hinein in die Liebe des Vaters, so dass wir vertrauensvoll hoffen dürfen, dass angesichts unseres vergänglichen Lebens unsere Sehnsucht nach Heil eine Antwort findet, die die Grenze des Todes über- schreitet.
   Keinesfalls verliert der Tod damit seinen bitteren Ernst und seine Radikalität; er ist für alle Menschen das Ende des irdischen Lebens. Dabei muss jeder Mensch für sich seinen Tod erleiden. Diejenigen, die zurückbleiben, spüren schmerzlich den Verlust.
   Der tote Leib des Menschen ist aber nicht nur Hülle, sondern gehört wesentlich zu seiner Personalität und ist deshalb in pietätvoller Weise zu bestatten. Wenn uns auch die Trauer niederdrückt, so stärkt uns doch die christ- lich begründete Hoffnung, die nicht allein auf das Ende des irdischen Lebens schaut, sondern vor allem auf die Zu- kunft, die Gott eröffnet. Die Hoffnung auf ewiges Leben umspannt die Lebenden und die Toten und vereinigt sie zu einer Gemeinschaft, die der Tod nicht auseinander zu reißen vermag. Christen glauben daran: Die Toten leben in Gott und bleiben uns zugleich in anderer, neuer Weise nahe. Die Bestattung eines Menschen und der wieder- kehrende Besuch am Grab eines Verstorbenen halten das Bewusstsein für diese Gemeinschaft wach. Der heilige Augustinus bringt das zum Ausdruck, wenn er sagt: “Ihr, die ihr mich geliebt habt, seht nicht auf das Leben, das ich beendigt habe, sondern auf das, welches ich beginne.” 
3. Zeichen christlicher Hoffnung
3.1 Anteilnahme

   Niemand sollte beim Tod eines ihm nahe stehenden Menschen in seinem Abschiedsschmerz allein bleiben müs- sen. Mit Verwandten, Freunden oder Nachbarn Trauer und Leid teilen zu können, gehört zu den kostbaren Er- fahrungen des Lebens. Es ist tröstlich, einem Priester, Diakon oder einem eigens von der Kirche Beauftragten aus dem Leben des Verstorbenen erzählen zu können. Und es ist eine Stärkung, wenn in der Gemeinde Menschen gefunden werden, die helfen, die Antwort auf die schwere Frage zu geben: Was wird mit den Verstorbenen, was wird mit mir im Tod? Für Trauernde ermöglicht die Kirche mit ihren Gesprächskreisen in den Gemeinden, ihren Beratungsstellen und Bildungseinrichtungen ein weit gefächertes seelsorgliches Angebot der Orientierung, Be- gleitung und Unterstützung, gerade auch für Eltern und Familienangehörigen, die um ihr totes neugeborenes Kind trauern. Den Trauernden beizustehen  und sie zu trösten, ist den Christen durch die Heilige Schrift als ein besonderes Werk christlicher Nächstenliebe aufgetragen. Dies gilt auch, wenn der Verstorbene selbst ohne kirch- liche Bindung war, die Angehörigen aber um einen seelsorglichen Beistand bitten.     
3.2 Geleit
   Stirbt jemand, so betrifft das alle, die im Umfeld des Verstorbenen leben, wenn gleich in unterschiedlicher Weise. Dass jemand gestorben ist und Menschen hinterlässt, die um ihn trauern, muss nicht verborgen bleiben. Häufig wird durch die Todesanzeige oder durch die Ankündigung von Sterbeamt und Beerdigung in der Sonntagsmesse oder in der Trauerfeier noch einmal das Leben dieses Menschen in Erinnerung gerufen. Dies gibt denen, die in Be- ziehung zu dem Verstorbenen standen, die Möglichkeit der Anteilnahme an der Trauer der Hinterbliebenen sowie des fürbittenden Gebetes und der Mitfeier der Bestattung. Es ist ein großer Trost, wenn Verwandte, Freunde und Bekannte bei der Begräbnismesse in der Kirche, beim Gottesdienst in der Trauerhalle und bei der Beerdigung anwesend sind. In der Begleitung auf dem letzten Weg eines Menschen erweist die christliche Gemeinde dem Verstorbenen noch einmal den Dienst sichtbarer Gemeinschaft. Das Totengeleit ist ein Dienst aus dem Glauben, getragen von der Zuversicht, dass der Verstorbene in Gottes Hand geborgen ist.
3.3 Bestattung
   Tritt ein Trauerfall ein, so müssen die Angehörigen in kurzer Zeit eine Reihe von Entscheidungen treffen, die be- dacht sein wollen. Die Priester und Mitarbeiter des Seelsorgeteams in den Gemeinden sind für die Hinterbliebenen Ansprechpartner bei der Vorbereitung einer kirchlichen Begräbnisfeier wie auch Gesprächspartner in der Trauer- begleitung. In dieser menschlich sehr belastenden Situation bieten die Bestattungs-Unternehmen in der Regel eine Reihe von Möglichkeiten an. Angefangen von den ersten Christengemeinden bis heute gilt in der Kirche die Erdbestattung als die vorrangige und bevorzugte Form der Bestattung, weil sie dem Begräbnis Jesu entspricht. Gerade in der Beerdigung des Leibes bezeugt der christliche Glaube die Würde der Schöpfung. Die verwendeten Gebete und liturgischen Riten tragen die Zuversicht in sich, dass der Herr  die Verstorbenen auferweckt und auf- nimmt in seine Ewigkeit. Denn so wie Christus von den Toten auf- erstand, werden alle, die an ihn glauben, vom Tode auferstehen zum ewigen Leben. Werden andere Bestattungsformen gewählt, muss auch dort der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben seinen deutlichen Ausdruck finden.
3.4 Begräbnismesse
   Höhepunkt des katholischen Begräbnisses ist die Eucharistiefeier. Gerade in ihr weiß sich die christliche Gemein- de über den Tod hinaus mit ihren Verstorbenen verbunden. Im Vertrauen auf den Tod und die Auferstehung ihres Herrn Jesus Christus empfiehlt sie die Verstorbenen dem göttlichen Erbarmen. Christus, der von den Toten aufer- standen ist, möge auch den Verstorbenen Anteil geben an seiner Auferstehung. Die Lebenden aber hören in der Begräbnismesse das tröstende Wort Gottes und werden gestärkt durch die Feier und den Empfang der Eucharis- tie. Wenn keine Begräbnismesse in unmittelbarer Nähe zur Bestattung möglich ist oder nicht gewünscht wird, soll doch in der Gemeinde zu einem anderen Zeitpunkt eine Messe für den Verstorbenen gefeiert werden.
3.5 Riten
   Der Tod lässt viele Menschen stumm werden. Sie fühlen sich angesichts des Todesschicksals ohnmächtig und un- fähig zu handeln. Im Ritus der Begräbnisfeier wird die Ohnmacht des Menschen benannt und zugleich aufgebro- chen. Die Hoffnung auf ein ewiges Leben für den Verstorbenen wird im Gebet und Ritus zum Ausdruck gebracht. Die Worte der Heiligen Schrift und die Segnung des Toten sind besonders dichte Zeichen kirchlicher Gemeinschaft. Das Fürbittgebet an den Herrn des Lebens gibt Schmerz und Trauer eine Sprache. Die persönlichen Lebensdaten und das Lebensschicksal vermögen im Ritus der Bestattung, in der Ansprache und den Liedern und Gebeten ihren Raum zu finden. Gerade die Namensnennung in den liturgischen Gebeten macht deutlich, dass der Verstorbene nicht in die Anonymität des Vergessens bei Gott fallen wird. Die Gemeinschaft der Glaubenden und Hoffenden begleitet den Verstorbenen und tröstet die Trauernden. In besonderer Weise zeigt das Kreuz, das beim katho- lischen Begräbnis aufgerichtet wird, den Grund der christlichen Hoffnung für die Lebenden und die Verstorbenen an.
3.6 Erinnerungsorte
  Wenn der Verstorbene nicht über den Ort seiner Bestattung entschieden hat, ist diese Aufgabe den Hinterbliebe- nen übertragen. Immer häufiger wohnen die Familienangehörigen nicht in der Nähe der Grabstelle und sind daher kaum in der Lage, diese zu besuchen und zu pflegen. Dennoch ist es heilsam, die Stelle der Grablegung mit dem Namen des Verstorbenen zu kennzeichnen. Trauer und Totengedenken brauchen den konkreten Ort und konkrete Zeichen. Nach biblisch-christlichem Verständnis ist der Mensch nicht einfach Teil im ewigen Kreislauf der Natur, sondern in seiner je eigenen Individualität Ebenbild Gottes, seines Schöpfers. Damit ist ihm eine personale Würde gegeben, die in seinem Namen ihren Ausdruck findet. Zur Personalität eines Menschen gehört auch sein religiöses Bekenntnis.
    An der Begräbnisstätte muss daher auch ein religiöses bzw. christliches Zeichen angebracht werden können, das eindeutig identifizierbar ist. In der katholischen Tradition sind neben dem Grabkreuz auch die Grableuchte und das Gefäß mit Weihwasser religiöse Gedenkzeichen eines Grabes. Innerhalb der Bestattungs-, Trauer- und Erin- nerungskultur in unserer Gesellschaft ist der Friedhof der mehrheitlich anerkannte und nach wie vor bevorzugte Ort. Als abgegrenzter Raum macht er deutlich, dass die Trennung von den Verstorbenen notwendig ist  und auch innerlich vollzogen werden muss. Für eine humane Kultur ist es zudem unverzichtbar, dass Begräbnisorte gleich- sam im Sichtbereich der Lebenden liegen, um in diesen das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit wach zu halten. Dazu gehört auch die individuelle Gestaltung und Pflege des Grabes, die dem menschlichen Bedürfnis ent- gegenkommt, für Verstorbene noch “etwas tun zu können”. Die Anlage und Unterhaltung von Begräbnisorten sollten grundsätzlich in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft und Verantwortung liegen.
    Für Christen ist der Friedhof eine Stätte der Trauer und Hoffnung im Sinne der österlichen Verkündigung, dass die Verstorbenen wie Jesus zum Leben auferstehen und für immer bei Gott sein werden. Die Hoffnung auf die Auferstehung hängt zwar nicht davon ab, ob jemand begraben werden konnte. Doch ist es schmerzlich für die Zurückbleibenden, wenn ein solcher Ort fehlt oder faktisch nicht erreichbar ist. Trauerprozesse können so er- schwert, ja sogar erheblich behindert werden. Totengedächtnisbücher, Erinnerungstafeln u. ä. in den Kirchen und auf den Friedhöfen können im Blick auf diese Verstorbenen der Trauer und dem Gedächt- nis einen Ort geben.       
3.7 Erinnerungskultur
  Der christliche Glaube leistet einen wichtigen Beitrag für eine Kultur des Trauerns und des Umgangs mit dem Tod, indem er die Frage nach den Toten und ihrem Schicksal wach hält. Die Kirche als Gemeinschaft versteht sich als Gemeinschaft der Lebenden und der Toten und ist deshalb Trägerin eines fortdauernden kulturellen Gedächtnisses über den Wechsel der Zeiten hinweg. Sie ist Erinnerungsgemeinschaft. Die Lebendigkeit christlicher Gemeinden christlicher Gemeinden und ihre Liturgie als “Gedächtnispraxis” wehren jeder Tendenz, die Verstor- benen “technisch” zu entsorgen. Zu nennen sind die Feier des Sechswochenamtes, die Eucharistiefeier zum Jah- resgedächtnis, Messfeiern und Andachten an Allerheiligen und Allerseelen, Gedenkgottesdienste für trauende Eltern und Angehörige und ihre verstorbenen Kinder. Der Verstorbenen wird aber auch  in jeder Messfeier und in der kirchlichen Stundenliturgie gedacht.
   Christen gedenken der Toten, weil sie leben, nicht damit sie leben. Auch Sünde und Schuld eines Menschen werden nicht verdrängt und vergessen. Vielmehr weist der Glaube um Vergebung, um Versöhnung und somit um Überwindung von Schuld und Sünde. Umgekehrt ist das, was ein Mensch Gutes getan hat, immer wieder Anlass zu dankbarer Erinnerung. Diese christliche Erinnerungskultur findet ihren gültigsten Ausdruck im Gebet und in der Eucharistiefeier.

HHFrRafBirke      Ein Lebensbaum für die Toten: HH-Öjendorf  

Begraben an der Wurzel eines Baumes

   Eine alternative Bestattungsform ist heutzutage ein Begräbnis im Friedwald. Die Asche Verstorbener wird direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt, der in einem als Friedwald ausgewiesenen Wald steht. Hier sind die Gräber schlicht und einfach gehalten, ein Namensschild am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam.Wer eine anonyme Bestattung möchte, kann auch auf dieses Schild verzichten. Angehörige haben dennoch die Möglichkeit, die Grabstätte jederzeit zu finden, die Bäume sind gekennzeichnet und in Registern bei der Kommune und bei Unternehmen FriedWald eingetragen. Menschen, die sich für eine Baumbestattung interessieren, müssen sich grundsätzlich für eine Einäscherung entscheiden. Ein Großteil der Interessenten sucht sich zu Lebzeiten den geeigneten Baum aus. Angehörige und Freunde werden über diesen Schritt informiert, im Idealfall wird eine Willenserklärung mit dem Beisetzungswunsch formuliert und handschriftlich hinterlegt. Bei der Baumauswahl besteht die Möglichkeit, sich für einen Gemeinschaftsbaum, einen Familien- oder Freundschaftsbaum oder einen Einzelbaum zu entscheiden. Insgesamt können an einem Baum maximal zehn Urnen bestattet werden. Die Preise für Familien- und Freundschaftsbäume beginnen bei 3.350 Euro. Der Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet 770 Euro. Infos: www.friedwald.de NOZ090130

Grundsätze der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz
zur Urnenbestattung in natürlicher Umgebung vom 6. Februar 2008.

  In ihrem Dokument „Tote begraben und Trauernde trösten. Bestattungskultur im Wandel aus katholischer Sicht" haben sich die deutschen Bischöfe bereits einmal mit der Urnenbestattung im Wald befasst siehe Bericht oben. Verschiedene Diözesen haben mittlerweile den Seelsorgern klare Richtlinien für entsprechende Anfragen an die Hand gegeben. Die folgenden Grundsätze bauen auf diesen Regelungen auf und können möglicherweise dort, wo bisher keine Regelung existiert, hilfreich sein.
    1. Auch wenn nicht allen, die eine Urnenbeisetzung im Wald wünschen oder derartige Anlagen betreiben oder befürworten, Motive unterstellt werden dürfen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, bleiben grund- legende Bedenken gegen diese Bestattungsform. Sie fördert privatreligiöse, naturreligiöse oder pantheistische Vorstellungen und verbannt die Verstorbenen noch mehr aus dem alltäglichen Lebensraum der Lebenden in einen oft weit entfernten Wald. Eine Mitwirkung katholischer Amtsträger (Geistlicher und beauftragter Laien) bei der Errichtung oder Eröffnung entsprechender Anlagen ist daher nicht möglich.
    2. Hinsichtlich des Wunsches eines Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen nach Urnenbeisetzungen im Wald sind folgende Grundsätze zu beachten:
   Beim kirchlichen Begräbnis erfleht die Kirche für die Verstorbenen geistlichen Beistand und gibt den Lebenden den Trost der Hoffnung vgl. can. 1176 §2 CIC. Den verstorbenen Gläubigen ist nach Maßgabe des Rechts ein kirch- liches Begräbnis zu gewähren vgl. can. 1176 § 1 CIC. Das kirchliche Begräbnis ist denjenigen zu verweigern, die sich aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung entschieden haben, sofern sie nicht vor dem Tod irgendwelche Zeichen der Reue gegeben haben vgl. can. 1184 § 1 n. 2 CIC. Das bedeutet, dass der zuständige Geistliche - wie bisher - in jedem Einzelfall zu entscheiden hat, ob ein kirchliches Begräbnis möglich ist oder verweigert werden muss. Insbesondere ist dabei zu prüfen, ob naturreligiöse, pan- theistische oder andere der christlichen Glaubenslehre widersprechende Motive zu der Entscheidung für eine Urnenbestattung im Wald geführt haben. Wenn ein kirchliches Begräbnis nach Maßgabe der liturgischen Vor- schriften nicht möglich ist, sollen aber den Angehörigen - sofern sie es wünschen - geistliche Hilfen nicht vorent- halten werden.
   3. Im Gespräch mit den Angehörigen soll der Seelsorger deutlich machen, dass die zentrale Feier eines kirch- lichen Begräbnisses die Begräbnismesse ist. Darüber hinaus richtet sich die Form des kirchlichen Begräbnisses auch im Fall einer Urnenbeisetzung im Wald nach den liturgischen Vorschriften.
   4. Zuständig für die Begräbnismesse, die Feier der Verabschiedung und gegebenenfalls die Feier der Urnen- beisetzung ist grundsätzlich der Heimatpfarrer des Verstorbenen, nicht aber der Pfarrer, auf dessen Pfarrgebiet sich der Begräbnisort befindet. Bei einer Urnenbeisetzung im Wald liegt es im Ermessen des Heimatpfarrers, ob er an einer gottesdienstlichen Feier teilnimmt.
   5. Nach Möglichkeit soll die liturgische Feier der Verabschiedung und der Segnung des Verstorbenen vor der Einäscherung in der Kapelle des Friedhofs oder des Krematoriums stattfinden. Wo eine solche Feier vor der Ein- äscherung nicht möglich ist, sollte sie mit der Begräbnismesse verbunden werden oder als Wort-Gottes-Feier in der Pfarrkirche oder der Friedhofskapelle stattfinden, bevor die Urne zum Ort der Bestattung im Wald überführt wird.
   6. Die Mitwirkung eines Geistlichen oder eines mit dem Begräbnisdienst beauftragten Laien an einer Urnen- beisetzung im Wald ist nur erlaubt, wenn es möglich ist, die Grabstätte dauerhaft durch Namen und ein christliches Symbol zu kennzeichnen.
   7. Die Mitwirkung an einer Bestattungsfeier, bei der die Totenasche verstreut wird, ist Geistlichen und beauf- tragten Laien untersagt. (Deutsche Bischofskonferenz, Liturgiekommission). KAos090120

Rituale „Die Feier des Begräbnisse” - Approbation der 2. Auflage

   In der Vollversammlung hat die Deutsche Bischofskonferenz eine 2. Auflage des Rituale „Die Feier des Begräb- nisses” approbiert. Die deutschen Bischöfe gehen davon aus, dass derselbe Text auch von der Österreichischen Bischofskonferenz und der Schweizer Bischofskonferenz sowie durch die Erzbischöfe von Luxemburg und von Vaduz anerkannt wird. Nach der Rekognoszierung durch die Gottesdienstkongregation wird damit wiederum eine gemeinsame Ausgabe dieses Rituale für das deutsche Sprachgebiet zur Verfügung stehen. Die Fragen einer wür- digen Gestaltung von Bestattungen und der pastoralen Sorge für die Hinterbliebenen hat uns in letzter Zeit immer wieder beschäftigt. Im Umfeld von Bestattung und Trauer stellen wir eine zunehmende Sinnentleerung von Riten und Bräuchen fest. Das neue Ritenbuch, das Gebete, Texte und liturgische Anweisungen für die Begräbnisfeier enthält, nimmt diese neuen Entwicklungen auf und sucht ihnen zu begegnen.

pRobertSpaemann-KK-xx       Robert Spaemann, Universität München

Gedanken des Philosophen Prof. Robert Spaemann:
Sterben-Heutzutage. Eine parteiliche Schilderung der Dinge

    Das Wissen vom Tod erst lässt uns entdecken, was leben heißt. Die heimliche Angst vor dem Tod aber ver- einsamt jeden Menschen, denn es gibt kein gemeinsames Sterben. Jeder muss es allein tun, und wem das einmal bewusst geworden ist, für den ist es nicht möglich, den Sinn seines Daseins aus der Gesellschaft zu beziehen. Denn er wird die Gesellschaft verlassen und sie ihn.
    Dieses Wissen ist eigentümlich ambivalent. Einerseits hat es die Tendenz, dem menschlichen Tun und Treiben jeden Sinn zu entziehen; es ist am Ende alles vergeblich. Andererseits ist es erst die gewusste Endlichkeit, die dem Dasein seine Kostbarkeit gibt. Würden wir nicht sterben, verlöre alles seine Bedeutung. Alles, was wir heute tun, könnten wir ebenso gut morgen tun. Für eine auf Liebe gegründete menschliche Lebensgemeinschaft sind 60 Jahre eine kurze Zeit. Man kann am Tag der Goldenen Hochzeit den Wunsch haben, jetzt möchte es erst richtig anfangen. Aber ohne Ende? Das würde sofort alles zerstören. Das Wissen vom Ende eröffnet uns erst die Dimen- sion von Sinn, in der dann auch das Gefühl der Sinnlosigkeit möglich wird.
    Wie geht die Gesellschaft um mit Sterben und Tod, also mit dem, was jeden Totalitarismus der Gesellschaft scheitern lässt? Sterbend spätestens hört der Mensch auf, Glied eines sozialen Ganzen zu sein. Der Staat kann mit dem Tod drohen, aber niemand ist stärker - und unter Umständen gefährlicher - als der, der die Todesfurcht überwunden hat. Die Drohung mit dem Tod ist eine mächtige Waffe. Die Drohung wahr machen zu müssen, ist eine Niederlage.
   Die ritualisierte Sterbe- und Begräbniskultur der europäischen Tradition war ein dialektisches Phänomen, ein Phänomen der Selbstrelativierung der Gesellschaft. Indem sie den Tod in kultische Formen einbettete, machte sie ihre eigene Infragestellung zu einem Teil ihrer selbst. Das setzte ein religiöses Bewusstsein voraus. Wodurch die Gesellschaft relativiert wurde, dadurch wurde sie zugleich legitimiert. Indem sie sich als Nicht-Gott bekannte, konnte sie ihre Autorität als göttlich sanktioniert verstehen. Der Glaube an das ewige Leben relativierte auch den Gegensatz von Leben und Tod. Auf einem alten Richtschwert in Münster stehen die Worte: «Wenn ich tu das Schwert aufheben, wünsch ich dem armen Sünder das ewige Leben». Die strukturell atheistische Moderne muss den Gegensatz von Leben und Tod als absoluten begreifen. «Ich lebe in meinen Kindern weiter» - das ist für den sich als individuelle Person erlebenden Menschen eine leere Phrase.
   So kämpft die Gesellschaft verbissen um die Verlängerung des Lebens, um doch am Ende jedes Mal kapitulieren zu müssen. Sie kann keine authentischen Rituale zur Begleitung dieses Endes entwickeln. Da sie über keinen Horizont der Selbstrelativierung verfügt, entwickelt sie zunächst die Tendenz, den Tod aus dem Bewusstsein zu eliminieren. Er findet immer häufiger in irgendeinem Abstellraum einer Klinik statt.
   Die Folge: verdrängte, aber gesteigerte Todesangst. Die meisten Menschen haben es heute vor sich, sterben zu müssen, ohne jemals beim Tod eines anderen Menschen dabei gewesen zu sein! Die weitere Tendenz aber geht dahin, diejenigen einfach still zu eliminieren, die nicht mehr als Mitglieder der sozialen Welt wahrgenommen wer- den können. Holland mit seinem Euthanasiegesetz ist keineswegs international geächtet, sondern seine tötenden Ärzte fühlen sich als Avantgarde. Und nun kann es auf einmal gar nicht mehr schnell genug gehen. Die neue Defi- nition des Todes als «Hirntod» ermöglicht es, atmende Wesen für tot zu erklären und den Prozess des Sterbens zu beseitigen, um den Sterbenden als Ersatzteillager für Lebende auszuschlachten. Der Tod steht nicht mehr am Ende des Sterbens, sondern - durch Dekret einer Harvardkommission - an dessen Anfang.
   Die jüdisch-christliche Sitte der Erdbestattung wird in wachsendem Maße ersetzt durch die maschinelle Leichen- vernichtung durch Hochtemperaturen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Krematorium. Und immer mehr Men- schen glauben, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, wenn sie, um ihnen Kosten zu ersparen, sich anonym verschar- ren lassen. Das älteste Unterscheidungsmerkmal des homo sapiens, die rituelle Totenbestattung, verschwindet.
   Das ist eine parteiliche Schilderung der Dinge. Aber die offizielle Normalbeschreibung ist es nicht weniger. Sie besteht aus lauter Schönrednerei. Ich schlage nichts vor. Jede Besinnung auf die Grundlagen der Humanität setzt voraus, dass wir uns zunächst einmal Rechenschaft geben über das, was ist.
Gekürzt aus: Internationale Katholische Zeitschrift COMMUNIO 35.Jg. Robert Spaemann – Heutzutage

Umzug mit Urne - Deutsche wollen Asche mitnehmen

   63 Prozent der Bundesbürger fänden es gut, wenn man die Urne mit der Asche eines verstorbenen Angehörigen bei einem Umzug mitnehmen könnte. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage unter 1000 Bundesbürgern im Auftrag der Verbraucherinitiative Aeternitas. „In der Praxis werden solche Umbettungen nur selten erlaubt", sagte Aeternitas-Sprecher Alexander Heibach gestern. Da aber immer mehr Leute aus beruflichen Gründen umziehen müssten, sei dies zunehmend ein Problem. NOZ100909dpa

   Zwei Drittel der Deutschen wollen die Urnen ihrer Verstorbenen in ihrem privaten Umfeld aufstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Institutes Emnid. 58 Prozent der Befragten halten die Verbindlichkeit, die Toten auf dem Friedhof zu bestatten, für nicht mehr zeitgemäß. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur „aeter- nitas“ weist auf einen Wandel in der Geschichte des Bestattungswesen hin. So seien die Feuerbestattungen von 32 auf 48 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, auch die Zahl der anonymen Beerdigungen steige. Der Presse- sprecher von aeternitas gab bekannt, dass die Verbraucherinitiative weiter für die traditionelle Friedhofskultur eintreten werde, jedoch den Wunsch vieler Bürger nach „Friedhofsrecht statt Friedhofspflicht“ verfolgen werde.
RV101027kipa

Bremer dürfen Asche im Garten verstreuen - Premiere: Bürgerschaft ändert Bestattungsrecht
   In Bremen darf die Asche Ver­storbener nach einem Beschluss des Landesparlamentes künftig unter bestimmten Umständen auf privaten Grundstücken ausgestreut werden. Auch in Parks oder an Flüssen soll das mit einer Sondergenehmigung möglich sein. Nach engagierter Debatte lockerte die Bremische Bürgerschaft zu diesem Zweck mit der Mehrheit der rot-grünen Regierungskoalition den bislang gültigen Friedhofszwang im kleinsten Bundesland in erster Lesung. Bremen übernimmt damit eine Vorreiterrolle in Deutschland. Kritik kam von der oppositionellen CDU und von den Kirchen. Das Gesetz soll Anfang 2015 in Kraft treten. Ein früherer Vorschlag, nach dem Angehörige Urnen für zwei Jahre mit nach Haus nehmen dürfen, ist hingegen aus staatsrechtlichen Gründen vom Tisch.
   Das Verstreuen selbst wird an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft: Unter anderem muss der ausdrückliche Wille des Verstorbenen schriftlich festgehalten sein. Außerdem soll eine Person zur „Totenfürsorge" benannt werden,  die darüber wacht, ob die wunschgemäße Bestattung tatsächlich eingehalten wird. So soll beispielsweise bei starkem Wind nicht verstreut wer­den, um zu verhindern, dass Aschereste auf benachbarte Grundstücke wehen. HAZ141023

  Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn Röm 14
Predigt des Bischofs von Osnabrück Dr. Franz-Josef Bode: Menschenwürdig leben bis zuletzt

WJT22

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitchristen!
   Menschenwürdig sterben - darüber wird in der letzten Zeit wieder viel geredet. Gesellschaftliche Gruppen, die sich aktive Sterbehilfe auf die Fahnen geschrieben haben, treten in die Öffentlichkeit und propagieren den ,sanften Freitod’, die Verfügung über das eigene Leben. Weithin unbemerkt und schleichend wächst die Zahl derer, die - nicht selten in Unkenntnis der Zusammenhänge - den Formen aktiver Sterbehilfe Positives abgewinnen oder sie gar nach und nach für sinnvoll halten.
   Schon was den Anfang des Lebens angeht, ist in der öffentlichen Wahrnehmung Grundlegendes ins Wanken ge- raten. Es ist nicht mehr unbestritten, dass der Mensch vom ersten Augenblick an, von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an, wirklich Mensch ist, ein ganzer Mensch. So wird - auch aus wirtschaftlichen Motiven - der Weg dafür bereitet, die Gesetze in Hinblick auf die Stammzellenforschung an Embryonen zu lockern. Der Druck wird größer in dieser Frage. Wo die Auffassungen über den Anfang   des   menschlichen Lebens unklar werden, da wer- den sie es oft auch in Bezug auf das Ende, zumal Leid und Tod von vielen verdrängt werden wie nie zuvor. Und dann frage ich mich immer wieder nach einem Wort von Kardinal Martini: Werden die Kinder ihre Eltern so aus der Welt begleiten oder begleiten können, wie die Eltern ihre Kinder zur Welt bringen und in die Welt bringen? Wo Jugendlichkeit, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wellness und Wohlergehen die höchsten Werte sind, haben Grenz- erfahrungen von Leid und Tod keinen Platz - allenfalls noch als Nervenkitzel in Darstellungen von Gewalt, Mord und Totschlag.
   Aber das Thema Leiden, Sterben und Tod lässt sich nicht aus der Welt verbannen, weil es zu unserem Leben dazugehört. Darum ist es gut, dass gerade in den letzten Jahren viele Menschen neu ins Nachdenken kommen über die existenziellen Fragen um Leben und Sterben, um Tod und Vergänglichkeit. Auch junge Menschen setzen sich damit stark auseinander. Sterbebegleitung und Hospizarbeit haben in unseren Gemeinden stark zugenom- men, Patientenverfügungen stoßen auf millionenfaches Interesse - auch solche Verfügungen, die auf unserem christlichen Glauben basieren. Unter anderem ist es gerade die Hospizbewegung, die bei uns in Deutschland ihre Stimme wahrnehmbar und kritisch erhebt in der sich verschärfenden Debatte über die aktive Sterbehilfe.
   Die folgenden Überlegungen können sicher nicht das ganze weite Feld unseres Themas abdecken; sie können aber hilfreich sein für einige Grundvergewisserungen und auch für unsere pastorale Praxis.

Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber:
Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Röm 14,7f

    Diese eindeutige Aussage des Apostels Paulus im Römerbrief bezieht sich auf Jesus Christus, der am Kreuz für uns eines gewaltsamen, aber von ihm selbst angenommenen Todes gestorben ist, und der durch seine Auferstehung Leid und Tod in Geburtswehen zu neuem und unvergänglichem Leben wandelte.
   „Auf vielen Osterbildern”, so schrieb Bischof Franz Kamphaus vor kurzem in einem Zeitungsartikel „gibt sich der auferstandene Christus ausdrücklich durch seine Wundmale zu erkennen. Mit Verherrlichung von Schmerz und Leid hat das so wenig zu tun wie die Verehrung des Kreuzes. Wenn der christliche Glaube von früh an in diesem Mar- terpfahl den Baum des Lebens erblickt, dann nur, weil das Kreuz in paradoxer Verhüllung das Geheimnis der Liebe Gottes offenbart.  Die antike Philosophie dachte, Gott könne nicht leiden und schon gar nicht sterben. Könnte er es, wäre er nicht Gott. Im christlichen Glauben offenbart das Kreuz, dass Gott durch sein Leiden und Sterben nichts an Göttlichkeit einbüßt. Es zeigt, dass die Liebe jeden, selbst Gott verwundbar macht; nur der kann lieben, der bereit und fähig ist zu leiden.” So weit der Bischof von Limburg.
   Zur christlichen Lebenskunst (ars vivendi) gehört die christliche Kunst zu sterben, die „ars moriendi”. Sie beginnt nicht erst im Sterben, also am Lebensende. Zu ihr gehört vielmehr schon jetzt jedes Loslassen-Müssen, jeder Abschied, aber auch jedes Freiwerden von falschen Bindungen und von Abhängigkeiten. Wer das Loslassen- Können, den Umgang mit Grenz- und Leiderfahrungen durch ein Leben mit Christus, dem Gekreuzigt-Auferstan- denen, beizeiten eingeübt hat, wird im Sterben und im Tod seinen Weg zu Gott finden - gemeinsam mit Menschen, die ihn begleiten.
   Der Blick auf den Gekreuzigten, auf den, der als Gott ganz Mensch für uns geworden ist bis in den Tod, kann uns Hilfen geben zur Klärung der Fragen um menschenwürdiges Sterben. Ich bin überzeugt, dass die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz, wie die Evangelien sie uns überliefern, dafür entscheidende Hinweise geben. Immerhin sind die letzten Worte auch eines Menschen für uns wie ein Testament, wie ein wichtiges Vermächtnis.

1. Das erste Wort: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” Lk 23,34;
oder: versöhnt leben und sterben

   Es ist für das Sterben eines Menschen von großer Bedeutung, ob er zur Vergebung findet und damit zur Ver- söhnung, zur Aussöhnung mit der Wirklichkeit. Viele Leidens- und Sterbeprozesse werden dadurch erschwert und belastet, dass Verletzungen und Schulderfahrungen nicht ausgesprochen und losgelassen sind, dass Menschen sich mit ihrer Vergangenheit nicht ausgesöhnt haben, die Gegenwart nicht annehmen können und darum zu dem nahenden Tod nicht Ja sagen können. Das gilt freilich auch, wenn Menschen aus der Umgebung des Sterbenden nicht zum letzten Schritt der Vergebung bereit sind. Verbitterung über Vergangenes, innere Abkapselung, nicht verheilte Wunden lassen Menschen oft nicht zur Ruhe kommen und vergrößern dann die Versuchung, sich all dessen durch einen Schnitt, durch einen schnellen Tod zu entledigen. Verstärkt wird diese Versuchung auch durch Schuldgefühle, die sich einstellen, weil man den Angehörigen zur Last fallen könnte. Solche Schuldgefühle sind nur zu bewältigen, wenn die Umgebung zu dem Leidenden und Sterbenden steht, ihm wirklich beisteht, und nicht den Eindruck erweckt, man wünsche sich eine möglichst baldige „Erledigung“ dieses „Falls”. Umgekehrt gibt es immer wieder auch Schuldgefühle bei den Angehörigen, den Alten und Sterbenden nicht genügend gerecht zu werden.
    Dafür sind Aussprache und Vergebung unendlich wichtig! Vergessen sollten wir in diesem Zusammenhang auch nicht das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, die rechtzeitig besonders gegen Ende des Lebens eine befrei- ende Wirkung hat, sowohl für die Sterbenden, wie auch für die Angehörigen. Alle Verbitterungen und Belastungen können unter das lossprechende, erlösende Wort Christi gestellt werden, das der Priester in seinem Namen aussprechen darf. - Hier wird einmal mehr deutlich, dass die Beichte nicht zum ,Kindersakrament’ werden darf.

2. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein” Lk 23,43  oder:  Leben und sterben mit Christus

   Die Beschreibung des Paradieses gibt Jesus selbst am Kreuz: mit Ihm sein, bei Ihm sein - das ist Paradies, das ist volles Leben, immer neues Leben. Diese Zusage wird dem Mitgekreuzigten gegeben, der in aller Demut nur die wenigen  Worte  herausgebracht hat: „Jesus, denk an mich ...” Wie notwendig ist es, Menschen rechtzeitig dazu zu befähigen, dass sie an ihrem Ende dieses Wort aussprechen können: „Jesus, denk an mich ...”, und auch Menschen zu befähigen, betend und tröstend bei den Fragenden und Bittenden auf dem letzten Weg auszuharren und nicht zu flüchten.
  Es darf nicht sein, dass Angehörige nicht mehr mit und bei Sterbenden beten können, weil sie keine Gebete mehr kennen. Es muss auch mehr und mehr Aufgabe der Gemeinde werden, Kranke und Sterbende durch ihr Gebet, durch die Worte unseres Herrn und durch die Sakramente zu begleiten. Ich begrüße und wertschätze ausdrücklich alle Bemühungen in den Gemeinden und durch Ordensgemeinschaften, die christliche Sterbebegleitung, die Hos- pizarbeit und auch die Notfallseelsorge zu verstärken oder diese Dienste für die Zukunft besonders in den Blick zu nehmen. So wie es in jeder Gemeinde heute erfreulicherweise Eltern-Kind-Gruppen gibt, so müssten sich in jeder Gemeinde Menschen dafür bereiten, den Kranken und Sterbenden beizustehen, ob sie Zuhause, im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim oder am Unfallort sterben. Daher sind Vernetzungen zwischen Gemeinden, Kranken- häusern und Pflegeheimen zu verstärken. In unserer Diözese gibt es unter anderem bereits 33 ambulante Hospiz- initiativen. Zu ihnen kann Kontakt aufgenommen werden - auch mit Unterstützung durch das Seelsorgeamt un- seres Bistums.
   Ist nicht die Sehnsucht vieler, wieder beten zu lernen - bei, mit, vor Gott zu verweilen, mit Ihm ins Gespräch zu kommen, vor Ihm zu leben -, ist das nicht eine Sehnsucht, die wir in Gebetsschulen, ,Exerzitien im Alltag’, im Bibelteilen als Einzelne, in unseren Familien und in kleinen christlichen Gemeinschaften vertiefen sollten?! Wenn wir im Leben immer wieder bei Gott, vor Gott verweilen, dann werden wir dies auch im Sterben als helfende Kraft erfahren.
   Damit Menschen in Christus, mit Christus leben und sterben können, darum kommt den Sakramenten eine hohe Bedeutung zu, der Hauskommunion und den Krankensakramenten. Wer regelmäßig mit Christus im Sakrament verbunden ist, lebt in einer Beziehung zu ihm, die dann auch in schwerer Krankheit  und im Sterben tragfähig ist.  Es ist ein wichtiger Dienst der Gemeinde, am Herz-Jesu-Freitag die Hauskommunion zu feiern. Wo es möglich ist, wäre es sicher gut, auch nach den Sonntaggottesdiensten und an den Feiertagen ans Haus gebundene Menschen durch Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer am Leib Christi teilhaben zu lassen. Auch im Sakrament der Krankensalbung richtet Christus auf und stärkt den Kranken. Sie gehört nicht erst in die letzten Stunden als unmittelbare Vorbereitung auf den Tod, sondern sie schenkt schon vorher  bei ernster Krankheit  die heilende und tröstende Kraft Christi. Dieses Sakrament zum Leben ist eine tiefreichende Antwort auf die Bitte „Jesus, denk an mich ..., jetzt und in der Stunde meines Todes.” - Es gibt viele Ansätze in den Gemeinden, dieses Sakrament in guter Weise kranken Menschen nahe zu bringen.

   3. Das Dritte der sieben letzten Worte Jesu: „Frau, siehe, dein Sohn! -
Sohn, siehe, deine Mutter!” Joh 19,26f oder: in Gemeinschaft leben und sterben

   So sehr jeder Mensch seinen eigenen Tod stirbt und seinen ganz persönlichen Schritt tun muss, den niemand außer Christus mitgehen kann, so notwendig ist doch menschliche Gemeinschaft im Prozess des Sterbens. Niemand sollte allein und unbegleitet sterben, und kein Angehöriger sollte um die Möglichkeit gebracht werden, in angemessener Weise Abschied nehmen zu können.
    Jesus begründet unter seinem Kreuz eine neue Gemeinschaft zwischen seiner Mutter und seinem Jünger. Damit begründet er unter seinem Kreuz die Kirche, die aus der Kraft seines Leidens, aus der Kraft seines Geistes lebt, weitergeht und Zukunft hat. Wie oft werden Familien - auch untereinander entfremdete Familienmitglieder - noch einmal durch das Sterben des Vaters oder der Mutter zusammengeführt! Wie hilfreich und trostreich kann es sein, wenn die Familie um den Sterbenden versammelt ist! Wie viel Kraft für eine gemeinsame Zukunft kann daraus erwachsen! Und wie wichtig ist es, dass der Sterbende auch die „Familie seiner Kirche”, die Gemeinde, erfahren kann in Menschen, die im Auftrag  der Kirche zumindest für eine gewisse Zeit dabei sind! 
   Nicht zu flüchten vor der Krankheit und dem Sterben, sondern auszuhalten, mit zu leiden wie Maria und Johannes unter dem Kreuz, das ist ein Dienst, der von Christus die Zusage erhält, eine neue, tiefe Gemeinschaft mit Gott und untereinander zu begründen! Die Stunden am Krankenbett und am Sterbebett eines Menschen sind keine verlorene Zeit. Sie führen zur Mitte und zum Wesentlichen, weil es eben um Leben und Tod geht, und weil sie uns eine neue Erfahrung von Nähe und Gemeinschaft mitten in allem Schmerz des Abschieds schenken.

4. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”  Mt 27,46
oder: in Angst und Not leben und sterben

    Auch Jesus macht in seinem Todeskampf die Erfahrung der Verlassenheit - wie so viele Menschen, die mit dem Unbegreiflichen des Leidens und Sterbens ringen.
    Die Warum-Frage wird gestellt und findet letztlich keine andere Antwort, als dass Christus selbst uns in diesem Schrei, in dieser Frage nicht allein lässt. Wir können das Dunkel des Todes nicht wegdiskutieren, nicht weg- beschönigen und auch nicht wegbegleiten. Zunächst stellen Leid und Tod uns Menschen vor die letzte große Herausforderung und führen uns an einen Abgrund voller Angst und Schrecken. Die alttestamentlichen Psalmen legen bewegend Zeugnis dafür ab, dass und wie der Mensch seine Klage, seine Not, seine Angst vor Gott bringen darf, wie Hadern und Ringen dazugehören, um sich doch zu neuer Perspektive durchzuringen. Der Schrei Jesu: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen” ist der Beginn des großen Psalms 22, den die Menschen seinerzeit auswendig konnten. Er führt den Beter über den Verlassens-Schrei hinaus hin zu dem erlösten und erlösenden Wort:  „Deine Treue preise ich in großer Gemeinde.”
    Freilich müssen wir alles tun, um Schmerzen und Verlassenheit zu lindern. Beides ist heute sehr wohl möglich.
   Doch das tiefe Leid, das trotzdem bleibt, darf nicht dazu führen, der Versuchung zu erliegen, ‘selbstherrlich’ über den Sterbeprozess zu verfügen. Durch das Mitleiden Jesu mit uns und für uns sind Leid und Tod hinein genommen in den Weg zum größeren Leben bei Gott.
    Sprachlich richtiger müsste das „Warum” im Schrei Jesu eigentlich mit „Wozu” übersetzt werden. Darin schwingt die Suche nach einem Ziel, nach einem Sinn des Leidens mit. Diese Suche fragt nicht nur nach für uns ohnehin unerfindlichen Gründen, sondern hält auch Ausschau nach vorn, wohin denn diese Dunkelheit des Todes führt. Tod ist dann nicht nur schmerzlicher Abschied,sondern auch Öffnung, Erlösung auf neue ungeahnte Zukunft hin: „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was in keines Menschen Sinn gekommen ist, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben” vgl. 1 Kor 2,9.

5. „Ich bin durstig” Joh 19,28  oder: Leben und sterben voller Sehnsucht

   Jesu Durst am Kreuz ist ein Ausdruck des Durstes des Menschen nach Leben, Sinn, Hoffnung, Liebe, Vollendung. Der leibliche Durst, der so oft auch bei Sterbenden behutsam und liebevoll zu stillen ist, entspricht einem inneren Durst nach Erfüllung dieser Sehnsucht, nach dem ganz Anderen, das sich nun zeigen soll und zeigen will. Deshalb reicht es nicht, in der Sterbestunde allein die äußeren Bedürfnisse des Menschen so weit wie möglich zu erfüllen, damit er seinen letzten Weg in Würde gehen kann. Schon früher im Leben muss er die Möglichkeit haben und ergreifen, die Sehnsucht nach dem Größeren und Anderen einzuüben und wachsen zu lassen. Wer sein Leben immer durch schnelle Bedürfnisbefriedigung und durch Konsum gestaltet hat, wer im Leben nichts verpassen woll- te, wer lebte, als sei es die letzte Gelegenheit, wird auch am Ende des Lebens nur schwer eine wirkliche Sehn- sucht nach Gott, nach Licht und Frieden, nach einem echten Ziel entwickeln.
   Das gilt ebenso für alle Begleiterinnen und Begleiter, die nicht im Innersten davon überzeugt sind, dass im Tod nicht nur der Schlussstrich unter ein möglichst erfolgreich verkonsumiertes Leben gezogen wird, sondern sich eine völlig neue und andere Möglichkeit auftut: den Tod als Tor zu durchschreiten und erwartet zu werden von einem Gott, der in Jesus Christus ein Gesicht hat und uns anspricht: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters” vgl. Mt 25, 34 und: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe schenken” vgl. Mt 11,28. Ist nicht auch alle Sehnsucht nach „zu Hause”, die Menschen in Krankheit und Sterben so stark empfinden, der Aus- druck einer Sehnsucht nach einem Zuhause, das letztlich kein Mensch geben kann?! Einer der schönsten Psalmen des Alten Testaments endet mit der festen Zuversicht: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit” Ps 23,6.

6. „Es ist vollbracht” Joh 19,30 oder: vollendet leben und sterben

   Es erfordert eine hohe Sensibilität und Unterscheidungsgabe zu beachten, wann man einen Menschen in Ruhe sterben lassen sollte, wann der Zeitpunkt der Erfüllung gekommen ist und lebensverlängernde Maßnahmen nicht mehr sinnvoll sind. Jeder weiß, wie schwer diese Balance zwischen notwendiger Hilfe zum Leben und dem Sterben lassen zu halten ist. Die christlichen Patientenverfügungen können dabei hilfreich sein, über das Sterben und die eigenen Vorstellungen im Umgang mit lebensbedrohlichen Erkrankungen mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen und Entscheidungen festzulegen, auch wenn letztlich nicht alles im voraus zu regeln und zu klären ist.
   Der in diesem Jahr von uns gegangene Papst Johannes Paul II. hat in seinem Leben viele Menschen tief beein- druckt; in seinem Sterben bewegte er sie nicht weniger. Seine WortIosigkeit in den letzten Tagen und Stunden war fast noch beredter als seine Worte, weil er den leidvollen Weg seiner Krankheit angenommen und auch getra- gen hat - bis zum Letzten. Und am Ende hat er das Sterben zugelassen, ohne sich noch einmal große medizinische Hilfen geben zu lassen. - Freilich ist eine solche Entscheidung oft nur nach menschlichem Ermessen und eben sehr schwer zu treffen. Dennoch können Menschen, auch Begleiter und Ärzte, eine Sensibilität aus dem Glauben und aus der Erfahrung entwickeln, die ein Leben nicht vorzeitig beendet, sondern es wirklich zu einem Sterben in Ruhe kommen lässt.
   Unsere Krankenhäuser mit ihren Palliativstationen, unsere Hospiz-Einrichtungen, unsere Alten- und Pflegeheime, unsere caritativen Gruppen in den Gemeinden, Ethik-Komitees und auch viele Familien beschäftigen sich in den letzten Jahren sehr intensiv und existenziell mit diesen Fragen und entwickeln eine Unterscheidungsgabe  in hoher Verantwortung aus dem Glauben. Die großartigen Möglichkeiten der Medizin heute haben eben auch ihre Kehrseiten, die immer mit zu bedenken sind.

7. Das letzte der sieben Worte Jesu: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist”
Lk 23,46  oder: gelassen und aufgehoben leben und sterben

   Am Ende gibt Jesus sich hin, lässt alles los und empfiehlt sich in ,Gelassenheit’ und Vertrautheit der Hand des Vaters. Sein Fallen in die Dunkelheit des Todes ist ein Fallen in die Hände Gottes. Tod nicht als Schlusspunkt nur, sondern als Doppelpunkt des Lebens, denn gemäß der Hoffnung, in der wir fest stehen vgl. Hebr 11,1, folgt an- deres und größeres Leben, das sich in der Auferstehung Jesu unübersehbar gezeigt hat. Deshalb darf unser Um- gang mit Sterbenden und mit dem Tod, auch mit der Trauer durchdrungen sein von dieser Hoffnung, die nichts Dunkles übersieht, aber eben weiter sieht ins Leben.

„Ich wünsche uns Osteraugen,
 die im Tod bis zum Leben,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Herrlichkeit,
im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im Ich bis zum Du zu sehen vermögen.
Und dazu alle österliche Kraft.”
Wunsch von Bischof Klaus Hemmerle, Aachen,  kurz vor seinem Tod
bei seinem letzten Osterfest an die Menschen, die er zurückließ.

  Das hat auch Bedeutung für unseren Umgang mit den Verstorbenen. Bestattungen, die das persönliche Aufgeho- bensein in Gott nicht deutlich machen, sollten wir in unserer Kirche nicht fördern. Anonymität also wird der per- sönlichen Würde des von Gott  beim Namen Gerufenen nicht gerecht. Bestattungen, die den Leichnam nur einem ewigen Sterben und Werden der Natur zurückgeben und den Ort nicht mit einem christlichen Symbol versehen - vor allem mit dem Kreuz -, verdunkeln einen Kern unseres Glaubens: dass die Toten in Christus gestorben sind und leben, und dass die Erlösung durch Christi Tod das Tor zum Leben ist und nicht ein Naturvorgang. „Ich bin der Weg, die Wahrheit  und  das  Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich” Joh 14,6; „Ich bin die Aufer- stehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben” Joh 11,25f. - Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass ER der Grund unseres künftigen Lebens ist.
   Deshalb ist auch unsere christliche Friedhofskultur sehr wichtig, weil wir damit ‚Modelle’ und Anregungen geben, wie menschenwürdige Bestattungskultur letztlich dem Leben dient: dem Leben vor dem Tod, weil Menschen besser um ihren Weg und ihr Ziel wissen; und dem Leben nach dem Tod, weil wir nicht der Versuchung erlegen sind, in diesem Leben alles auskosten zu müssen - „Lasst uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot” vgl. 1 Kor 15,32 -, sondern es als einen Weg zu einer Vollendung gelebt haben, die in den Händen Gottes liegt und damit in den besten Händen.
    Liebe Schwestern und Brüder, die Worte Jesu am Kreuz durchleuchten das Kreuzesgeschehen - und damit das Leben und Sterben von uns Menschen. Sie haben auch Ostern mit bereitet, weil sie mitten in Verlassenheit, Ge- walt und Verbrechen eine Perspektive geöffnet haben für das eigentliche Ziel des Menschen bei Gott. Jesus hat sich nicht gescheut, unser Leben ganz anzunehmen, von der Krippe bis zum Kreuz, vom Geburtsschrei bis zum Todesschrei. Der Blick auf den Mensch gewordenen und gekreuzigten Erlöser ermöglicht uns neue Blicke auf unser eigenes Leben und Sterben und auf den Umgang mit den Verstorbenen.
    Es erfordert heute höchste Wachsamkeit, sich damit in unseren Gemeinden und Einrichtungen zu befassen, da es um einen Dienst am Leben geht und um ein Bekenntnis unseres Glaubens. Denn:

Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

   Dass wir dem Herrn gehören mögen, das ist mein tiefster Wunsch. Damit verbinde ich zugleich meinen auf- richtigen Dank an alle, die sich in den Dienst an den Lebenden, den Leidenden und den Sterbenden stellen. Wer dem Herrn gehört, kann hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und darf Vollendung erwarten. Diese Vollendung schenke uns und allen, die uns verbunden sind - ob lebend oder bereits verstorben - der dreieinige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Kalvarienberg.OS.xx     Kreuzigungsgruppe im Dom zu Osnabrück

Reinkarnation / Seelenwanderung
Was den Auferstehungsglauben von der Reinkarnation unterscheidet

   Die Faszination an der Wiedergeburtslehre scheint ungebrochen. Nicht nur Anhänger von Spiritismus, Esoterik und New Age, auch Intellektuelle, die ihren Lessing gelesen haben oder anthroposophisch sozialisiert sind, fühlen sich angesprochen. Religionssoziologische Studien zeigen überdies, dass die Reinkarnationsvorstellung zuneh- mend auch in den Kirchen Einzug hält. Ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, denn die Wiedergeburtslehre ist mit dem christlichen Bekenntnis zur Auferstehung der Toten nicht vereinbar.
Faszination
   Doch was macht ihre anhaltende Faszination aus? Alle Spielarten der Wiedergeburtslehre widersprechen der materialistischen Sicht, dass mit dem Tod das menschliche Bewusstsein endgültig ausgelöscht wird. Es gibt eine Hoffnung über den Tod hinaus - und das ist, wie Goethe bereits bemerkte, allemal tröstlich. Zugleich steht mit dem Karmagedanken ein Gesetz im Hintergrund, welches das Tun des Menschen mit einer automatisch wirksamen Ver- geltung verknüpft. Der oft als ungerecht empfundene Unterschied der menschlichen Schicksale wird ebenso erklär- bar wie die bedrängende Frage, warum es den Guten schlecht, den Bösen aber gut geht. Denn jeder ist selbst für sein Schicksal verantwortlich, das er durch seine Taten verdient hat. Die einen haben für Versäumnisse und Sün- den zu büßen, die sie in einem früheren Leben auf sich geladen haben; andere profitieren von Verdiensten, die sie in vormaligen Existenzen erworben haben. Nach vorne gewendet heißt dies: Alle werden auch künftig für ihre Ta- ten, wenn sie moralisch schlecht sind, Sanktionen, wenn sie moralisch gut sind, Gratifikationen erhalten. Man un- terschätze die Anziehungskraft dieser Vergeltungslogik nicht. Sie findet im menschlichen Denken und Fühlen tiefe Resonanz. Über die moralische Idee eines sühnenden Ausgleichs hinaus sind westliche Spielarten der Reinkar- nation für viele auch deshalb attraktiv, weil sie von einem dynamischen Lern- und Entwicklungsprozess ausgehen, der sich über viele Inkarnationen erstrecken kann und letztlich zur Vollendung führt - eine Vorstellung, die mit der gesellschaftlich verbreiteten Fortschritts- und Leistungsmentalität gut konveniert. Man ist selbst der Ingenieur sei- nes Heils und braucht sich im Letzten nichts geben zu lassen.
   Die antimaterialistische Stoßrichtung ist der Seelenwanderungslehre und dem christlichen Auferstehungsglauben gemeinsam: In der Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus kommen beide überein. Auch besteht eine gewis- se Konvergenz zur <Fegfeuer>-Vorstellung, die betont, dass ein von Schuld belastetes Leben nur über einen Pro- zess der Läuterung in die Vollendung eingehen kann. Gleichwohl gibt es erhebliche Differenzen, die vor allem das Zeitverständnis, das Menschenbild und die konkrete Ausgestaltung des Vervollkommnungsgedankens betreffen.
Unvereinbarkeiten
Zeitverständnis
:
Die Reinkarnationsvorstellung denkt Zeit nach dem Modell des Zyklus oder der Spirale. Für die christliche Geschichtssicht sind demgegenüber die Momente der Einmaligkeit, der Befristung und der Unwieder- bringlichkeit wesentlich. Wie Gott sich zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt der Geschichte, dem Kairos des Heils, in der Person Jesu geoffenbart hat, so ist jedem Menschen eine bestimmte Lebensspanne gegeben, in der er seine Begabungen entfalten oder auch vergeuden kann. Der Hebräerbrief hat dieses Zeitverständnis prägnant ins Wort gebracht: «Wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal (hapax) zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal (hapax) geopfert, um die Sünden vieler hinweg- zunehmen» Hebr 9,27f. Die Betonung der Einmaligkeit einer jeden Biographie, die durch den Tod besiegelt wird, widerspricht dem Motiv der Wiederholbarkeit, die dem Begriff der «Re»Inkarnation eingeschrieben ist. Was ge- schehen ist, ist geschehen und kann nicht in einem späteren Leben durch moralische Besserung rückgängig ge- macht werden.
Menschenbild: Hinzu kommt, dass der anthropologische Dualismus der Wiedergeburtslehre mit dem Menschenbild der jüdisch-christlichen Überlieferung nicht in Einklang zu bringen ist. Statt die Identität der Person in einen sich durchhaltenden Träger, die Seele, und wechselnde Ausdrucksmedien, die Leiber, auseinanderzureißen, insistiert der Glaube darauf, dass der Leib als Medium der Kommunikation zur Identität der Person gehört. Aus christlicher Sicht ist es inakzeptabel, den Leib zu einer austauschbaren Hülle abzuwerten und damit die einmalige Freiheits- geschichte einer Person zu einer vorläufigen Etappe im Kreislauf der Wiedergeburten herabzuwürdigen. Wie der Leib ohne Seele tot ist, so ist die Seele ohne Leib eine kommunikationslose Monade. Anima unica forma corporis, heißt die klassische Formel bei Thomas von Aquin vgl. S. th. I, q. 76, a. 1 und 3, der zugleich betont, dass eine von ihrem Leib getrennte Seele keine Person mehr sei.
Vervollkommnung: Der dritte Differenzpunkt betrifft die Vorstellung, sich selbst durch moralische Leistungen ver- bessern und vervollkommnen zu können. Dabei ist es unstrittig, dass menschliches Leben faktisch immer vervoll- kommnungsbedürftig ist. Die Frage ist nur, wie die Vervollkommnung konkret erreicht wird. Die Auffassung, was man in diesem Leben nicht geschafft habe, was misslungen und bruchstückhaft geblieben sei, das könne man im nächsten anders und besser machen, entspricht sicher einer evolutionistisch getönten Zeitvorstellung, die beiseite schiebt, dass die Lebenszeit einer Frist unterliegt. Auch lässt sich die westliche Adaption der Wiederverkörperung durchaus als Metamorphose des neuzeitlichen Fortschrittsgedankens lesen. Das Christentum setzt mit seinem Glauben an die zuvorkommende Gnade Gottes allerdings deutlich andere Akzente. Erlöste und von Schuld befreite Identität ist danach nicht das Produkt menschlicher Leistung, sondern zunächst und vor allem göttliche Gabe. Die Gabe anzunehmen und in einer konkreten Existenz Fleisch werden zu lassen, dazu reicht ein Leben aus. Die Momente von Schuld und Versagen, die jede Biographie durchziehen, sind kein Einwand dagegen. Auch davon kann man sich - etwa im Sakrament der Buße - befreien lassen, wenn man es aufgibt, verzweifelt man selbst (oder eben nicht man selbst) sein zu wollen. Wer die eigene Schuld bereut und bekennt, wer die Gabe der Vergebung annimmt und sich durch Christus erlösen lässt, ist befreit von dem Zwang, sich selbst erlösen zu müssen. Das wäre aus christlicher Sicht dem gnostischen Motiv der Selbsterlösung entgegenzusetzen, das in der Tradition der europäischen Aufklärung tiefe Spuren hinterlassen hat.
Auferstehung, Gericht und Vollendung
   Die Tatsache, dass der Auferstehungsglaube selbst im Bewusstsein vieler Christen verblasst ist, hat sicher viel- fältige Ursachen. Nicht zuletzt dürfte die auftrumpfende Dürftigkeit einer Pastoral für diesen Schwund mitverant- wortlich sein, die den Auferstehungs- und Gerichtsgedanken aus der Verkündigung gestrichen und durch eine inflationäre Rede vom lieben Gott ersetzt hat. Der Abschied von eschatologischen Drohdiskursen mit einschlägigen Höllenszenarien ist sicher überfällig gewesen, aber er ist nicht selten ins gegenteilige Extrem, eine erschreckende Banalisierung Gottes, umgeschlagen. Wer aber von Kanzeln und Kathedern das Eintrittsbillet in den Himmel schon hier und heute garantieren zu können glaubt, der verdoppelt eine satte und insgeheim selbstgerechte Mentalität, anstatt sie kritisch zu befragen und zur Umkehr zu bewegen. Ohne das Gericht — die Krise, die eine jede Person in die Wahrheit kommen lässt — wird es nach christlicher Überzeugung keine Vollendung geben. Nicht Maßstäbe menschlicher Leistung und irdischen Erfolgs bestimmen das Gericht, sondern die Nähe zu Christus, die sich an der gelebten Gottes- und Nächstenliebe ablesen lässt. Gleichwohl wird die dramatische Konfrontation mit Christus, die einen jeden in die Wahrheit kommen lässt, kein gnadenloser Prozess sein. Die Hoffnung, dass er auch im Gericht nichts unversucht lassen wird, um den von Sünde und Schuld belasteten Menschen zu retten, hat jedenfalls darin einen Anhalt, dass Gott selbst im Sterben Jesu die Situation menschlichen Gottesverlustes und der Sünde auf- gesucht hat. Werden die Gläubigen um diese Botschaft betrogen, entsteht ein Vakuum, das leicht durch Ersatz- vorstellungen aufgefüllt wird. Das aber ist die Stunde des Synkretismus.
   Christen aller Konfessionen gedenken am Sonntag der Auferstehung Jesu Christi und feiern in Worten und Zeichen den Sieg des Lebens über den Tod. Diese Freude schlägt dann nicht um in einen leidvergessenen Triumphalismus, wenn bewusst bleibt, dass es der Gekreuzigte ist, der auferstanden ist. In der Passion auf Gol- gotha hat er den brutalen Hass seiner Peiniger von innen her verwandelt in einen Akt der Hingabe und der Vergebung. Gerade die Wundmale des Verklärten zeigen, dass die Spuren seiner Leidensgeschichte nicht aus- getilgt, sondern in die Wirklichkeit der Vollendung hineingenommen sind. Der Leib, mag er auch noch so ge- schunden und verletzt sein, ist keine austauschbare Größe, er macht die Person Jesu auch als verklärte identifi- zierbar. In den neutestamentlichen Erscheinungsberichten zeigt der Auferweckte die Stigmata nicht vor, um die Jünger der Untreue und des Verrats zu überführen oder für sein unschuldig vergossenes Blut Rache zu fordern. Die Male sind vielmehr sichtbare Zeichen seiner bis in Äußerste gehenden Hingabe für die Menschen. Der christliche Glaube verbindet darum die österliche Botschaft: <Er, der tot war, lebt!> - mit der Hoffnung, dass er kommt, zu richten die Lebenden und die Toten. Nicht wir werden wiederkommen, um uns in neuen Inkarnationen moralisch zu perfektionieren, sondern Christus. Er ist als Richter zugleich der Retter, der allein die von Schuld und Leid durchfurchte Geschichte der Menschen zur Vollendung führen kann. Auch daher rufen Christen seit jeher: «Maranatha. - Unser Herr, komm!» 1 Kor 16,22
Dr. theol., Jan-Heiner Tück, Privatdozent am Institut für Systematische Theologie der Universität Freiburg Schriftleiter der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio 0807

Gibt es eine Wiedergeburt?     kk-MargitEckholtUniOS

Osnabrücker Uni-Professorin Dr. Margit Eckholt über die christliche Vorstellung von Auferstehung
und unsterblicher Seele.  Sie beschäftigt sich mit  Dogmatik und Fundamentaltheologie.   

   Als christliche, katholische Theologin gehe ich von einem Menschenbild aus, das den Menschen als Leib-Seele- Einheit versteht. In jüngerer Zeit wird dem Körper besondere Aufmerksamkeit gezollt, aber weiter von Geist oder Seele gesprochen als dem „Sitz" von Vernunft und Freiheit, Moralität und Verantwortlichkeit. Gerade die Seele gibt dem spezifischen Körper seine Individualität und macht ihn zur Person. In den bis heute für alle monotheistischen Religionen grundlegenden Texten des Alten Testaments ist dieser ganzheitliche Blick auf den Menschen grundge- legt. Die Rede von der Unsterblichkeit der Seele entstammt der griechischen Philosophie und wurde in der Zeit, in der das Christentum entstand, in vielen Religionen des Orients vertreten. Seelenwanderung, Reinkarnation, Wie- dergeburt - das waren damals Modelle, mit denen die existenzielle Erfahrung des Todes verarbeitet wurde. Die Theologen der frühen Kirche knüpfen zur Entfaltung des christlichen Menschenbildes an Denkmodelle der plato- nisch-aristotelischen Metaphysik an, insofern auch an den Gedanken der Unsterblichkeit der Seele. Der Ausgangs- punkt war aber ein anderer: Jede Frage nach der Zukunft des Menschen, nach einem Leben „nach" dem Tod, nach Unsterblichkeit oder Ewigkeit gründet allein in der Glaubenserfahrung der Auferstehung Jesu Christi. Sie ist der Grund der Hoffnung, dass es für Mensch und Welt - über den Tod hinaus - eine Zukunft gibt, ein Bei-Gott-Sein, in dem im Gericht der Liebe alle Schuld ausgesöhnt wird.
   Die Verbindung der biblischen Auferstehungshoffnung mit dem der griechischen Philosophie entstammenden Denkmodell hat gerade in jüngerer Zeit zu nicht unerheblichen Anfragen - gerade auch an die Unsterblichkeit der Seele - geführt. Können wir uns überhaupt eine vom Leib getrennte Seele vorstellen? Ist dies nicht ein dualis- tisches Modell, das die Leib-Seele-Einheit des Menschen auflöst?
  Wenn wir sterben, endet für uns die Zeit; dass der Tod kein definitives Ende ist, sondern dass es ein Leben „nach" dem Tod gibt, gründet allein in der mit der Auferstehung Jesu Christi gegebenen Hoffnung. Hier greift nicht mehr unsere physikalisch bemessbare und erfahrbare Zeit, wir nennen diese  „Dimension" Ewigkeit. Im Augenblick des Todes ereignet sich - über ein Gerichtet- und Gerettetwerden - das Eingehen des Menschen in die Ewigkeit Gottes. Von „Unsterblichkeit der Seele" kann hier gesprochen werden, gerade um die Identität des Menschen zu wahren, der in die Ewigkeit Gottes eingeht.
  Unsterblichkeit bedeutet dann aber kein „endloses Weiterleben in der Zeit". Die Radikalität und oft auch Absur- dität des Todes wird gerade nicht ausgeblendet - das ist Teil unserer conditio humana. Aber wir können auf dem Hintergrund der mit der Auferstehung Jesu Christi verbundenen Hoffnung in den Glauben finden, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
  Und genau das lässt mich auch meine kurze Antwort auf die Frage „Gibt es eine Wiedergeburt nach dem Tode?" geben: Aus christlicher Überzeugung sicher nicht im Sinne der östlichen Reinkarnationstheorien, aber, in der Bildsprache des Paulus gesprochen, ja: Wir hoffen, dass wir nach dem Tod von Gott „wieder geboren" werden zu einem Leben bei Gott, und das heißt mit den Worten des christlichen Glaubensbekenntnisses: Dass wir „aufer- stehen werden am Jüngsten Tag". NOZ100123

2014 - Im Gedenken an den vor 100 Jahren begonnenen 1. Weltkrieg besuche Papst Franziskus
die Soldatengräber in Friaul, wo sein Großvater bestattet wurde.

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Papst Franziskus, der zwischen den Tausenden von weißen Gräbern im Grün des Österreichisch-Ungarischen Friedhofs in Fogliano Redipuglia einige Schritte geht und dann allein mit geneigtem Haupt stehen bleibt.

ff-213-z3-Friaul-Kriegsgräber

 Vor allem dieses Bild wird vom Besuch des Papstes an den Orten des Ersten Weltkriegs im Gedächtnis bleiben, ein Jahrhundert nach dessen Beginn im Sommer 1914, der einen Abgrund des Schreckens aufriss, ein »unnötiges Blutbad«, von Benedikt XV. vergeblich angeprangert. Ebenso vergeblich war der letzte Appell von Pius XII., mit dem er 1939 versuchte, den Zweiten Weltkrieg abzuwenden. Es kam dagegen jene »Stunde der Finsternis«, wie Pacelli in seiner ersten Enzyklika schreibt, »in der die Geister der Gewalt und des Unfriedens die blutige Schale namenlosen Leidens über die Menschheit ausgießen«. Und heute sprach ihr Nachfolger erneut von »einem dritten Krieg […], der ›in Abschnitten‹ ausgefochten wird, mit Verbrechen, Massakern, Zerstörungen…«, wie er es bei der Rückkehr aus Korea gesagt hatte. Franziskus hat dies in der Predigt der heiligen Messe wiederholt, eine im Buch Genesis – dem Text, der die heiligen Schriften der Juden und Christen eröffnet – verankerte Meditation über den Wahnsinn des Krieges: eine Wirklichkeit, die alles zerstört und umwälzt, angetrieben von Habgier, Intoleranz, Machstreben, die oft durch eine Ideologie gerechtfertigt werden. Und wenn diese nicht vorhanden ist, dann erklingt die gleichgültige Frage von Kain. »Was geht mich das an?« sind in der Tat die stets wiederkehrenden Worte angesichts der schrecklichsten Tragödien, »das höhnische Motto des Krieges«, der niemandem ins Gesicht schaut, gleichsam die Personifizierung des Bösen.Im Schatten von Kain haben sich so die Opfer vervielfältigt, millionenfach, im blutigen Jahrhundert der beiden Weltkriege, und noch heute werden Zehntausende geopfert in vergessenen, aber nicht weniger grausamen Kriegen. »Wie ist das nur möglich?«, fragte sich der Bischof von Rom, der erneut »Interessen, geopolitische Pläne, Geldgier und Machthunger« anprangerte und »die Geschäftemacher des Krieges« eindringlich anklagte als regelrechte »Terrorplaner« und »Organisatoren der Konfrontation«, die mit dem Waffenhandel »böse Träume« hervorrufen, »schlechte Gesinnungen nähren« und »das Denken und Empfinden der Völker verfälschen«, wie Paul VI. vor einem halben Jahrhundert vor den Vereinten Nationen sagte. Angesichts dieser düsteren Wirklichkeit erklingt das ermutigende und mahnende Wort des Evangeliums. »Wer sich um den Mitmenschen kümmert, geht ein in die Freude des Herrn; wer es aber nicht tut, wer mit seinen Unterlassungen sagt: ›Was geht mich das an?‹, der bleibt draußen«, sagte der Papst. Um gerettet zu werden, muss man den Mut haben, aus dem Schatten von Kain herauszutreten und »die Fähigkeit zu weinen« erbeten. Um die bösen Träume hinter sich zu lassen und zu den Träumen der Kriegsopfer und der alten Menschen von heute zurückzukehren, die Franziskus erwähnt hat. - http://www.osservatoreromano.va/de/news/im-schatten-von-kain#sthash.lxfL331m.dpuf

                kbwn:Kultur des Todes

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