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Kultur des Todes

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Kommen wir wieder? - Lesen Sie unten auf dieser Seite: Reinkarnation / Seelenwanderung

GL-Tod-xx  Tod  - und dann?

Unsere Begräbniskultur wandelt sich: Die Individualisierung des Lebens, die Abwendung vom Christentum und der Einfluss anderer Kulturen verändert unsere Bestattung

 Luftballons steigen steigen vom offenen Grab auf und schweben in den Himmel. “Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen”, singt die Trauergemeinde, die vom Kassetten- rekorder begleitet wird. “Sieben Mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.” Wunderkerzen werden entzündet. Funken sprühen. Ein Bild mit Symbolkraft, das der Grabredner in feierliche Worte übersetzt.
    Und dann wird der weiße Sarg, der am Tag zuvor von Angehörigen bemalt worden ist, in die Gruft gesenkt. Keine Erde, sondern Blütenblätter werfen die umstehenden hinterher.Tränen fließen. Doch über manches Gesicht der bunt gekleideten Trauernden huscht auch ein Lächeln.
   Schon die vorangegangene Trauerfeier in der Friedhofskapelle hatte heitere Momente. Zwei Freunde erzählten Anekdoten aus dem Leben des Versicherungsangestellten, der seine Beerdigung lange vor dem Tod selbst arrangiert hatte. So dokumentierte ein kurzer Videofilm schöne Urlaubstage, eine “Trauerzeitung” mit Schmunzelgeschichten wurde verteilt.
  Zum Schmunzeln war auch die Dekoration des aufgebahrten Sarges. Überkreuzte Skier standen davor, eine Skibrille lag darauf. An Stafetten hingen Bilder, die die Enkelkinder dem Hobby-Skifahrer zu Ehren gemalt hatten. Keine schwermütigen Orgeltöne, keine religiösen Mahnungen trübten die Feier. Eine Nichte spielte per CD “Time do say Goodbye” ein, und der Trauerredner zitierte ein Hesse-Gedicht: “... Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde.”
  Dies ist eine Trauerfeier, die zwar so nicht stattgefunden hat, aber durchaus möglich wäre. Sie speist sich aus Anregungen einer Broschüre, die “Mut zu einer neuen Trauerkultur” machen will. Der Titel: “Und am Ende ein Fest”. Das Bestattungsunternehmen Ahorn-Grieneisen hat die Schrift im Rahmen einer bundesweiten Kampagne herausgebracht. “Mit Zunahme der Individualität im 20. Jahrhundert haben Trauerrituale in Deutschland immer mehr an gesellschaftlicher Verbindlichkeit verloren”, heißt es im Geleitwort. “Die Bürger sind mündiger und zugleich einsamer geworden.” In der Tat: Der Wandel macht auch vor dem Tod nicht Halt. Die Bestattungskultur ist im Umbruch. Im gleichen Maße wie die Bindekraft der Kirche nachlässt, verliert auch das religiös begründete Trauerzeremoniell an Bedeutung. Kosten-Nutzen-Erwägungen treten an die Stelle überlieferter Bräuche. So wächst seit Jahren die Zahl der Feuerbestattungen, die im Vergleich zu Erdbestattungen günstiger sind. In kirchenfernen Regionen tritt dieser Trend noch deutlicher zu Tage als in stärker gläubigen Gegenden mit katholischer Prägung. Während der Anteil der Feuerbestattungen in Baden-Württemberg unter 30 Prozent liegt, bewegt sich die Quote in Schleswig-Holstein schon bei 75, in Hannover bei 50 Prozent. Auch die anonymen Bei- setzungen nehmen zu und finden in steigender Zahl sogar ohne begleitende Trauerfeier statt.
   Die Aufweichung verbindlicher Werte und Rituale fördert gleichzeitig die Individualisierung der Trauer- kultur. Besonders bei weltlichen Bestattungen gewinnt das subjektive Empfinden an Raum. Bestat- tungssunternehmer schlüpfen in die Rolle des Event-Managers.  HAZ021122HeinrichThiesDer7.Tag

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Wie Grabstellen zu allen Jahreszeiten gepflegt aussehen
Eine solche liebevoll gestaltete Grabstelle rührt auch den fremden Besucher des Friedhofs an.

  Für alle, die um einen geliebten Menschen trauern, ist die Grabstelle ein wichtiger Ort des Gedenkens. Angehörige, die weit weg wohnen oder die Grabpflege gesundheitlich nicht mehr meistern können, sind immer wieder in Sorge darüber, wie sie erreichen können, dass das Grab auch bei längerer Abwesenheit zu allen Jahreszeiten gepflegt und ansprechend aussieht.
   Bodendeckende immergrüne Pflanzen können bei geschickter Auswahl eine Lösung sein, obwohl es auch dabei nicht ohne gelegentliche Schnitt- und Pflegearbeiten geht. Auch die jetzt öfter zu sehende Gestaltung mit einer Mulchschicht aus fein gemahlener Rinde oder Kies, kombiniert mit pflegeleichter Dauerbepflanzung, kann sehr schön sein.
   Wenn Rindenmulch aufgetragen wird, sollte vor dem Ausbringen ein Langzeitdünger, etwa in Form von Hornspänen, gestreut werden, weil durch die langsame Zersetzung der Holzteile Stickstoff verbraucht wird und der Boden verarmt, was Pflanzen mit der Zeit verhungert aussehen lassen kann.
   Im Rahmen der Landesgartenschau Bad Essen wurde ein Modell vorgestellt, das sicher noch vielen Besuchern in Erinnerung ist. Der Memoriam-Garten ist eine Anlage, die in jeden Friedhof integriert werden kann. Vor der Einweihung wird die Anlage voll bepflanzt. Innerhalb der Ruhe und Harmonie aus- strahlenden parkartigen Anlage können Hinterbliebene Grabstellen zusammen mit der dazugehörigen langjährigen Grabpflege erwerben, sodass später keine weiteren Kosten entstehen. Individuelle Grabmale schmücken die Gräber. Anonyme Beerdigungen sollen allerdings nicht möglich sein.
   Das Projekt Memoriam-Garten wurde erstmalig auf der Landesgartenschau in Schwerin gezeigt, wo es von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner mit dem Innovationspreis Gartenbau 2009 ausgezeichnet wurde. NOZ101106IngridBeucke-Adler

   Immer mehr Menschen können oder wollen sich eine würdige Bestattung nicht mehr leisten. Darauf macht der „Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur“ aufmerksam. In manchen Großstädten etwa im Ruhrgebiet ordneten die Behörden inzwischen bis zu zehn Prozent der Beerdigungen an, weil es keine Angehörigen gibt, die das Begräbnis bezahlen können. In diesem Fall müsse die Stadt die Kosten übernehmen und wähle daher in vielen Fällen die günstigste Form: die anonyme Feuerbestattung. Der Bundesverband Deutscher Bestatter schätzt, dass etwa fünf Prozent aller jährlich rund 840.000 Be- stattungen anonym durchgeführt werden. Eine „würdige Beerdigung“ koste zwischen 2.500 und 3.500 Euro, eine anonyme Bestattung sei für unter 1.000 Euro zu haben. In mehreren deutschen Städten bieten die Kirchen so genannte „Gottesdienste für Unbedachte“ an. Dort wird derer gedacht, die keine Trauerfeier erhalten und ihre letzte Ruhe anonym gefunden haben. RV100821idea

    Grab eines Fußballers    Grab,Fußballer.xx     

Konkurrenzkampf unter den Friedhöfen: Baumgräber, Urnen-Fächer und ein Areal für Fußballer.
Sinkende Zahl von Erdbestattungen führt bereits zu wirtschaftlichen Problemen

  Zunehmender Konkurrenzdruck zwingt auch die Hamburger Friedhöfe zu neuen Marketing-Ideen: Baumgräber und Friedwälder, oberirdische Urnen-Beisetzung wie in Südeuropa oder spezielle Themen- felder - die stillen Orte der Andacht werden immer bunter. Jüngstes Beispiel: In Hamburg soll jetzt auf dem Altonaer Hauptfriedhof ein eigener Bereich für HSV-Fans eingerichtet werden. In trauter Runde und in Hörweite der früheren Westkurve können dort Anhänger des Traditionsvereins ihre letzte Ruhestätte finden. Was mancher vielleicht als bizarr empfindet, sieht Altonas Bezirksamtsleiter Hinnerk Fock ganz pragmatisch. „Das ist im Grunde eine Marketing-Maßnahme“, bestätigt er. Wegen des Trends zur kostengünstigen und Platz sparenden anonymen Urnen-Bestattung hätten die Friedhöfe immer mehr Platz und Probleme, überhaupt noch wirtschaftlich zu arbeiten. Da müsse man eben auf neue Kundenwünsche reagieren, so Fock.

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“96 - kalte Liebe” / Treu bis in den Tod / “Auf zum letzten Spiel” - Sarg im Hannover 96 Design

   Das bestätigt auch der Sprecher der beiden großen städtischen Friedhöfe Ohlsdorf und Öjendorf, Lutz Rehkopf. „Ja, alle Hamburger Friedhöfe dürften heute einen  Platzüberhang haben, und daher findet auch eine Konkurrenz statt.”
    Hamburg erhöht Friedhofsgebühren drastisch. Bestattungen werden immer teurer: Nach Angaben des Internetportals Bestattungen.de hat Hamburg die Friedhofsgebühren in zwei Jahren um 31 Prozent angehoben. Ein Erdwahlgrab koste aktuell 1.600 Euro. Unter 20 deutschen Städten belegt Hamburg Platz sechs. Spitzenreiter ist Dortmund mit Grabkosten von 2.350 Euro. Basis des Gebührenvergleichs sind Kosten für ein Grab mit einer Nutzungszeit von 20 Jahren HA110223dah
   Tatsächlich gibt es in Hamburg immer mehr Urnen-Beisetzungen als Erd-Bestattungen. 75 Prozent beträgt mittlerweile der Urnen-Anteil - ein Drittel davon anonym. „Das ist aber keine plötzliche Er- scheinung, sondern eine stetige Entwicklung”, sagt Rehkopf. Viel mehr Menschen als früher lebten heute allein und haben keine Angehörigen, die ihr Grab pflegen könnten. „Oder sie wollen ihre Angehörigen damit nicht belasten und entscheiden sich für eine anonyme Beerdigung”, so Rehkopf.
   Auch Ohlsdorf und Öjendorf haben daher inzwischen reagiert und bieten Sondergrabstellen an. Praktisch ein Wettbewerb um die Minderheit derjenigen, die eine besondere Bestattung wünschen. Da gibt es seit einiger Zeit beispielsweise ein Kolumbarium, in dem Urnen wie in Südeuropa oberirdisch und sichtbar beigesetzt werden können.
Foto unten:

   Kolumbarium, Hamburg-Ohlsdorf   KolumbariumHHx

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Mit dem Friedhof der Zukunft hat die Trauer keinen Ort mehr
Gräber mit Stein und Bepflanzung gehören der Vergangenheit an
Foto: Vergangenheit, nicht Zukunft: Friedhof in Stralsund von 1675

   Friedhöfe werden sich nach Ansicht des Rostocker Theologie-Professors Thomas Klie in naher Zu- kunft stark verändern. „Das Einzelgrab einer Erdbestattung mit einem individuell gestalteten Grabstein und Bepflanzung wird bald der Vergangenheit angehören", sagte Klie wenige Tage vor dem Toten- sonntag. Der Friedhof der Zukunft sei vermutlich nur noch eine grüne Wiese, ein Ort weitgehender Leere, der kaum mehr eine individuelle Gestaltung erkennen lässt. Dieser Trend verändere auch das Verhalten zum Tod. „Die Trauer hat keinen Ort mehr."
Hochbrisant für die „spätmoderne Erinnerungskultur"
   Vorzeichen dieser Entwicklung seien beispielsweise Urnengemeinschaftsanlagen, die immer mehr Flächen beanspruchen und irgendwann auch die Urnen-Reihengräber ablösen werden. Das sei hoch- brisant für die „spätmoderne Erinnerungskultur". Denn von den Verstorbenen blieben keine sichtbaren Kontaktpunkte. „Der Mensch stirbt zweimal. Einmal biologisch und einmal in der Erinnerung derer, die für nahe Angehörige kein kulturelles Zeichen setzen wollen", sagte Klie.
   Möglicherweise könnten aber Kolumbarien die zunehmende Anonymisierung aufhalten. Es gibt den Trend, dass in ehemaligen Kirchengebäuden diese Mauern oder Kammern zur Aufbewahrung von Urnen aufgestellt werden, sagte der Theologe. „Das ist spannend, weil es eine urkirchliche Entwicklung ist. Es wurde immer in Kirchen bestattet. Nun kehren die Toten wieder in die Kirchen zurück." HA101119dpa

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Foto oben links: Propst Martin Tenge, Hannover, erklärt gegenüber der HAZ
Foto oben rechts: Herz-Jesu-Kirche in Hannover-Misburg wird Kolumbarium

  In Misburg gibt es Pläne, die Herz-Jesu-Kirche in ein Kolumbarium umzuwandeln, einen großen Raum für Urnenbestattungen... Die Alternative wäre dort wohl die Schließung, alles andere wäre nicht realistisch. Proteste richten sich dagegen, die Kirche gewissermaßen zu einem Friedhof zu machen.
   Doch für uns Christen ist ein Friedhof ja gerade ein Ort des Lebens, an dem wir uns darüber klar werden, dass es nach dem Sterben weitergeht. Ich würde mir wünschen, dass dieses Kolumbarium ein Ort wird, an dem Angehörige sich begegnen können und Kinder etwas über den Tod lernen. Ein leben- diger Ort eben. HAZThorstenFuchsSimonBenne080916

Eine Kirche wird zum Urnenfriedhof
   Bereits seit einem Jahr laufen die Planungen für die erste Urnenbegräbnisstätte des Bistums in einer Kirche. In einem Architektenwettbewerb im vergangenen Jahr hatte sich der Entwurf des Architektur- büros Klodwig und Partner aus Münster durchgesetzt, ein stilisiertes Weizenfeld. Er soll jetzt um- gesetzt werden. Etwa 880 Stelen aus Bronzerohr, die bis zu 1.400 Urnen Platz bieten, sollen in der Kirche errichtet werden. Jede einzelne Stele ist 2,26 Meter hoch und bietet bis zu zwei Urnen Platz.
   „Das Weizenfeld verbildlicht Tod und Auferstehung. Schon in der Bibel ist festgehalten: Wenn ein Weizenkorn stirbt, entsteht eine reiche Frucht", erläutert Architekt Tobias Klodwig sein Konzept. „Nach der Einweihung des Kolumbariums wird Herz-Jesu keine Kirche im eigentlichen Sinn mehr sein", ergänzt Generalvikar Werner Scheer. Es werde dann nur noch Trauergottesdienste und jeden Freitag eine Eucharistiefeier zum Gedenken an Sterbende und Verstorbene geben.
   Ein Urnenplatz für 20 Jahre soll rund 3.000 Euro kosten, für Gemeindemitglieder werden 150 Plätze zum halben Preis angeboten. Im Misburger Kolumbarium kann jeder beigesetzt werden, der Mitglied einer Kirchengemeinde ist oder Wert auf eine christliche Bestattung legt. Ist die Liegezeit einer Urne abgelaufen, soll die Asche in der Kirche – unter einer Bodenplatte am Taufbecken - einer Erd- bestattung zugeführt werden.
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Kolumbarium
   Der Begriff Kolumbarium stammt aus dem Lateinischen und bezeichnete in der Antike einen Taubenschlag. Da die terrassenförmigen Nistplätze der Vögel eine Ähnlichkeit mit den übereinander- liegenden Grabnischen römischer Grabkammern hatten, bürgerte sich der Begriff für große Urnenplätze ein. Die Spuren dieser alten Begräbnisform reichen bis in das erste Jahrhundert zurück: In der Umgebung von Rom stießen Archäologen bislang auf die Überreste von mehr als 100 Kolumbarien. In Deutschland etablierte sich das platzsparende Urnengrab nach der Einführung der Feuerbestattung 1878. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Kolumbarien angelegt - etwa in Leverkusen Aachen, Hamburg, Lübeck und Erfurt. Die geplante Begräbnisstätte in der Misburger Herz-Jesu-Kirche ist das erste für den Innenraum einer Kirche entworfene Kolumbarium in der Region Hannover.
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Ein überdachter Friedhof
Erstes Kolumbarium in Norddeutschland: Urnenbestattung in der Herz-Jesu-Kirche Hannover 

   Wenn Thomas Rauck von der mehr als 100 Jahre alten Herz-Jesu-Kirche spricht, gerät er ins Schwärmen: „Sie hat eine eigene Mystik", sagt der Architekt. „Beim Umbau haben die Handwerker sich nicht getraut, das Radio anzuschalten." Für 500.000 Euro hat die katholische St.-Martin-Gemeinde die neoromanische Kirche in Misburg nach seinen Plänen umgestaltet. Sie bietet jetzt 1.500 Menschen Platz. 1.500 Gestorbenen. „Problemlos kann die Zahl der Plätze auch auf 3.000 erhöht werden", sagt Rauck. Seit Sonnabend ist Herz Jesu Norddeutschlands erstes Kolumbarium - ein Bestattungsort für Urnen. Ein überdachter Friedhof.
   In den Seitenschiffen führen dünne Stahlstreben zur Decke empor. Wie Schließfächer sind daran kleine Glaskästen aufgereiht.An die biblische Jakobsleiter soll die Konstruktion erinnern, an „eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte" Gen 28,12. Hinter dem Milchglas sind die Urnen noch zu erkennen. Nicht mehr erreichbar, aber doch nicht aus der Welt. Die theologische Symbolik ist stimmig. Anders als bei Sportvereinen oder Kegelklubs erlischt die Mitgliedschaft in der Kirche ja nicht mit dem Tod. Zur Gemeinschaft der Gläubigen gehören nach katholischem Verständnis nicht nur die Lebenden, sondern auch die Toten. Die frühen Christen errichteten ihre Kirchen über den Gräbern derer, denen sie nahe sein wollten - bei Messfeiern in Herz Jesu sind die Verstorbenen jetzt gewissermaßen wieder dabei.
   „Die Himmelsleiter steht für die Verbundenheit von Endlichkeit und Unendlichkeit", sagt Bischof Norbert Trelle beim Eröffnungsgottesdienst im Kolumbarium. „Wir leben in einer Zeit der Anonymi- sierung des Sterbens und der Begräbnisriten - die Würde dieses Ortes lässt die Verbindung aufleuch- ten zu Gott." Mehr als 200 Menschen sind zur Eröffnung gekommen. Die Kirche ist voll, die meisten Besucher sind angetan: „Meine Kinder wohnen weit weg - wenn ich mich hier beisetzen lasse, müssen sie sich nicht um die Grabpflege kümmern", sagt ein älterer Mann. Herz Jesu bietet Gräber für die globalisierte Welt.
   Gisbert Selke ist an diesem Tag zu Hause geblieben, obwohl der 69-Jährige seit seinem elften Lebensjahr in Herz Jesu Orgel gespielt hat und nur 100 Meter entfernt wohnt. Erst am 5. März wird es hier die erste Beisetzung geben, doch für ihn und viele andere Umbaugegner aus der Gemeinde ist Herz Jesu schon jetzt ein Platz der Trauer. Sie fürchten, dass der Totenort zum toten Ort wird, zum unfreiwilligen Symbol für das Sterben kirchlichen Lebens. Rund 600 Unterschriften haben sie gesammelt, sogar beim Vatikan interveniert - vergebens. Seinen Frieden mit dem Kolumbarium hat Selke noch nicht gemacht: „Ich halte das nach wie vor für ein falsches Signal", sagt er. „Es ist auch ein Abfallen von der alten Friedhofskultur."
   Der Bau hat Zwist in die Gemeinde gebracht. Pfarrer Bernd Galluschke spricht von einem „intensiven Diskussionsprozess mit vielen Enttäuschungen und Verletzungen". Doch die Alternative zum Kolum- barium sei die Schließung der Kirche aus Kostengründen gewesen: „So bleibt sie als Gottesdienstort erhalten." Ein kleines Zentrum für Trauerbegleitung soll hier entstehen, die Kirche will angesichts einer sich wandelnden Grabkultur auf der Höhe der Zeit bleiben. „Und es läuft gut an", sagt Galluschke. Es gebe schon etwa 50 Anfragen nach Urnenplätzen.
   Ein gewisses Geschäftsdenken ist dabei wohl unvermeidlich: „Der Businessplan ist so kalkuliert, dass die Einnahmen die Kosten für den Erhalt der Kirche decken", sagt Johannes Kollenda, der Geschäfts- führer des Kolumbariums. Er steht dort, wo früher der Beichtstuhl war und jetzt ein Medienraum geplant ist: „Hier wird ein Display aufgestellt", sagt Kollenda Foto oben, der zugleich eine Agentur für Unternehmenskommunikation leitet. In einer „Memorialdatenbank" können dort Fotos und Texte zu den Verstorbenen hinterlegt werden. „Wer sich zu Lebzeiten fürs Kolumbarium entscheidet, kann diese auch selbst verfassen", sagt Kollenda.
   Ursprünglich sollte im Mittelschiff der Kirche ein „Weizenfeld" siehe Foto oben aus Urnenstelen ent- stehen, doch die hohen Kosten haben diesen Plan zunichte gemacht. „Eigentlich haben wir nur wenig in die Bausubstanz eingegriffen", sagt Architekt Rauck. In Herz Jesu gibt es jetzt einen Abschiedsraum, in dem Angehörige noch einmal Zeit mit der Urne verbringen können. In einem Leseraum liegt Literatur zu Sterben und Tod aus. Dort ist während der Öffnungszeiten der Kirche auch ständig ein Trauerbegleiter ansprechbar: Und im Kirchenschiff steht ein großer Holzkubus, der „Block der Erinnerung". In dessen Schlitze können Angehörige symbolisch Briefe einwerfen. Als letzten Gruß an ihre Verstorbenen. HA100222SimonBenne
Sonderangebot zur Eröffnung
   Träger des Kolumbariums (lat. „Taubenschlag") in der Max-Kühlemann-Straße 13 ist die katholische Pfarrgemeinde St. Martin. Vergleichbare Projekte gibt es bundesweit bislang nur in Aachen, Erfurt und Marl. In der Urnenkirche gibt es weiterhin Messfeiern, jeweils freitags um 18 Uhr, und außerdem regelmäßige Rosenkranzgebete und Verstorbenengedenken.
   Der Preis für einen Urnenschrein (Nutzungszeit: 20 Jahre) liegt je nach Stellplatzhöhe auf der Himmelsleiter" zwischen 2.600 und 2.900 Euro. Wer zu Lebzeiten eine Anwartschaft abschließt, zahlt bis zu seinem Tod jährlich ein Zwanzigstel des Preises. Allerdings gibt es eine Art Sonderangebot zur Eröffnung: „Die ersten 100 Vertragsabschlüsse zu Lebzeiten werden mit einem Bonus von bis zu 50 Prozent Einsparung belohnt", sagt Geschäftsführer Johannes Kollenda.
Info: www.kolumbarium-hannover.de

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Ein Abschied auf elf Himmelsleitern
Hundert Urnenplätze im Kolumbarium Hannover-Miesburg-Süd sind bereits vergeben

   Jeden Freitag um 18 Uhr könnte man meinen, dass sich nichts verändert hat in der Kirche Heiligstes Herz Jesu in Misburg-Süd. Gläubige gehen zur Abendmesse, zu einem Gedenkgottesdienst für die Ver- storbenen. Allerdings ist der Raum an der Max-Kuhlemann-Straße, in dem sie sich aufhalten, nicht mehr Kirche - er ist Friedhof. Nur der Altarraum ist am 20. Februar dieses Jahres von Bischof Norbert Trelle erneut geweiht worden. Der Rest der Kirche ist nun das Kolumbarium Heiligstes-Herz-Jesu. Nachdem der Misburger Teil des Gemeindeverbunds St. Martin Hannover-Ost für das Bistum Hildesheim wegen sinkender Mitgliederzahlen finanziell nicht mehr tragbar gewesen war, hatte man das neoromanische Gemäuer aus dem Jahre 1905 zum ersten kirchlichen Kolumbarium in Norddeutschland umgewandelt. Nach Auskunft von Geschäftsführer Johannes Kollenda sind bereits hundert Urnen verkauft.
   Kollenda ist zufrieden mit der Entwicklung: „Wir müssen 60 Urnen jährlich verkaufen, damit wir die Kosten für den Erhalt der Kirche und des Kolumbariums decken können." Ein Gewinn ist nicht vorge- sehen. Mit möglichen Überschüssen werden Rücklagen für Renovierungen gebildet. Kollenda leitet die Begräbnisstätte seit September 2009; er kam mitten in die Endphase einer für die Gemeinde sehr schwierigen Entscheidungsfindung. Eine Gruppe hatte 600 Stimmen gegen die Einrichtung eines Kolum- bariums in Heiligstes-Herz-Jesu gesammelt. Gisbert Selke, einer ihrer Sprecher, war jahrzehntelang Hauptorganist an Herz-Jesu und ist im¬mer noch der Meinung, dass ein solcher Ort für Bestattungen „ein falsches Signal" ist. „Kirche sollte sich nicht in diesem Feld betätigen, aber wir können es im Augenblick nicht ändern", sagt er resigniert. Viele Gemeindemitglieder seien nun heimatlos und würden teilweise in die katholische Kirche Zu den heiligen Engeln in Kirchrode gehen.
   Nicht wenige nutzen allerdings die Abendmesse am Freitag in der Herz-Jesu-Kirche und kommen schon vorab zum Rosenkranzgebet. Etwa vierzig Menschen sind es nach Auskunft von Johannes Kol- lenda im Schnitt, das seien mehr als zu Zeiten, als Herz Jesu noch eine richtige Kirche gewesen sei. Immerhin habe man mit der Umwandlung einen Verkauf abwenden können. Der Geschäftsführer macht wöchentlich etwa fünf Führungen durch die Räumlichkeiten. Erst seien die Menschen etwas bange, weil sie nahe an den Urnen vorbeigingen. „Aber dann gehen sie raus und sind begeistert", freut er sich. Ein- mal sei sogar eine Gruppe der Kolumbariums-Gegner dagewesen. Eine Frau habe ihm hinterher gesagt, sie sei immer noch dagegen - aber schön sei das Ganze geworden.
   In der Tat ist der mächtige Kirchraum eindrucksvoll. Ein eigens erstelltes Lichtkonzept betont ver- schiedene Bereiche,hellt aber den ganzen Raum so weit auf, dass er nirgendwo Furcht einflößend wirkt. 550.000 Euro betrug das Budget für die Umgestaltung. In der Raummitte liegt nun Parkett, worauf ein großer Holzblock steht, in den Abschiedsbriefe eingeworfen werden können. Es gibt einen Abschieds- raum, einen Leseraum und einen kleinen Medienraum mit Daten zum Kolumbarium; diese Zimmer sind transparent durch Glastüren abgetrennt. In den Seitenschiffen sind die sogenannten Himmelsleitern vorbereitet worden, auf denen die Urnen in handgefertigten Glasschreinen an Stahlstangen staubdicht aufgestellt werden.
   Die beiden Himmelsleitern rechts und links vor dem Altar tragen nur Glasplatten mit kirchlichen Sprüchen. Hier werden Friedhofs- und Kirchbereich optisch getrennt, denn so will es das Kirchenrecht: Eine Kirche darf kein Friedhof sein. Insgesamt gibt es in Misburg-Süd elf Himmelsleitern, die von beiden Seiten mit jeweils 56 Urnen bestückt werden können, also 112 pro Leiter. Insgesamt ist also Platz für etwa 1300 Behältnisse. Bei Bedarf kann diese Zahl durch die Einrichtung weiterer Leitern zwischen den bereits bestehenden fast verdoppelt werden. Eine Urne kostet in den unteren Reihen 2900 und in den oberen Reihen 2600 Euro für 20 Jahre.
   Wichtig für den laufenden Betrieb des Kolumbariums ist, dass die Gemeinde etwa 30 ehrenamtliche Trauerbegleiter ausgebildet hat. Mindestens einer von ihnen ist während der Öffnungszeiten präsent. Die Vorgespräche zu einer Urnenbestattung führt Johannes Kollenda. Es sind deutlich mehr Gespräche mit Lebenden, die für sich selbst einen Platz kaufen möchten, als mit Hinterbliebenen. Erst 15 Urnen stehen bereits im Kolumbarium, gut 80 weitere Plätze sind reserviert.
   „Es sind sehr lebendige Gespräche, wenn sich die Menschen mit dem Tod beschäftigen", versichert der Geschäftsführer. „Manch einer möchte unbedingt auf den Altar gucken, einer möchte sehen, wer hereinkommt, und einige Paare möchten so platziert werden, wie sie vor dem Traualtar gestanden haben." In dem Wunsch nach einem bestimmten Urnenplatz spiegele sich häufig auch der Platz wider, den ein Mensch im Leben eingenommen hat.
   Das Kolumbarium ist dienstags von 15 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr, freitags von 17 bis 19 Uhr, sonnabends von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine im Büro können unter Telefon 0511 - 95 92 60 mit Johannes Kollenda vereinbart werden. HAZ101209KarinVeraSchmidt

Baumgräber
   In einem Themenfeld sind die Gräber mit Schmetterlingsmotiven verziert - ein Symbol der Wieder- auferstehung. Und „Baumgräber” unter mächtigen alten Bäumen sollen dem Wunsch einer „natur- nahen” Beisetzung gerecht werden. Die beiden Hamburger Friedhöfe reagierten damit auf die FriedWald GmbH. Das Unternehmen aus Darmstadt richtet für immer mehr Kommunen regelrechte Waldfriedhöfe ein, die Asche von Verstorbenen wird dort neben Bäumen bestattet. „Das haben wir auch als Kon- kurrenz empfunden”, sagt Rehkopf.
   Auch das neue HSV-Themenfeld in Altona ist in Ohlsdorf aufmerksam registriert worden. „Wir profi- tieren von dieser mutigen Entscheidung - schließlich muss FriedhofMarketing gegen eine Tabuisierung dieses Themas ankämpfen”, so Rehkopf.
    Besonders die Kirchen tun sich schwer mit solchen neuen Wünschen für die letzte Ruhe. Die katholische Bischofskonferenz lehnte Friedwälder und anonyme Bestattungen sogar ab, weil sie den Tod unsichtbar machten
Siehe dazu den Bericht unten auf dieser Seite. In katholischen Landstrichen gibt es dann auch noch weit mehr klassische Erd-Bestattungen als im Norden der Republik. In Düsseldorf etwa ist das Verhältnis ganz anders als in Hamburg: Dort werden noch 65 Prozent der Verstorbenen in Särgen beigesetzt.
    Auch die SPD in Altona hat ihre Probleme mit dem neuen Friedhofs-Marketing. In der Bezirksversammlung lehnte sie - anders als CDU und GAL - das HSV-Themenfeld ab. Ein Friedhof müsse ein Platz zum Innehalten bleiben, sagt dazu der Vize-Fraktionschef Stefan Krappa. Dort dürfe die heutige „Eventkultur” nicht auch noch Einzug halten. Krappa: „Es muss  noch Plätze geben, wo man dem Konsum- und Freizeitbetrieb entkommen kann.
   Ganz so eng sieht Friedhof-Sprecher Rehkopf die Sache mit den HSV-Gräbern nicht. Solche Themen- felder führten auch dazu, dass sich die Menschen beizeiten Gedanken über Tod und Bestattung machten und das Thema nicht verdrängen. Und letztlich seien solche neuen Bestattungsformen auch Beispiel für die sehr individuelle Gesellschaft von heute:„So bunt die Welt inzwischen ist, so bunt wird es bald auch auf unseren Friedhöfen aussehen”, glaubt er.

Das kostet ein Grab in Hamburg
 
In Hamburg gibt es 13 bezirkliche Friedhöfe und die beiden städtischen in Ohlsdorf und Öjendorf, die in einer Anstalt öffentlichen Rechts zusammengefasst sind und daher einen eigenen Haushalt haben. Der „Marktanteil” dieses städtischen Unternehmens „Hamburger Friedhöfe” liegt bei 43 Prozent.Zu den städtischen Friedhöfen in Hamburg kommen noch rund 34 kirchliche Friedhöfe. Eine Erdbestattung im Sargwahlgrab zum Beispiel kostet in Ohlsdorf ab 875 Euro (für 25 Jahre), eine Bestattung im Reihen- Urnen-Grab kostet ab 375 Euro (25 Jahre). Sondergräber sind deutlich teurer, ein Baumgrab für 25 Jahre kostet 2.600 Euro. Etwa 18.000 Menschen sterben jährlich in Hamburg.
AxelTiedemannHA060613

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Beerdigung kostet mehrere tausend Euro.
Immer häufiger suchen Hinterbliebene oder auch die Betroffenen vor ihrem Ableben nach günstigen Bestattungen. Feuerbestattungen sind günstiger als Erdbestattungen und werden immer beliebter

  5.000 Euro reichen nur in besonderen Fällen, um eine Bestattung zu finanzieren. Tatsächlich markiert diese Summe, die in der Öffentlichkeit häufig als Durchschnittswert genannt wird, die Untergrenze für eine Erdbestattung einfachster Art; nach oben sind die Kosten je nach Umfang der gewünschten Leistungen fast offen. Das zeigt eine Untersuchung der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas über die Preise in Deutschland. Weil sich die Summe aus mindestens zwei Dutzend Einze- lposten von der Totenbekleidung über die Kühlzelle bis zum Blumenschmuck zusammensetzt, ist sie sehr unübersichtlich. Hinzu kommen erhebliche regionale Abweichungen. Wie teuer die Beerdigung wird, hängt also auch davon ab, wo sie stattfindet und wie luxuriös sie sein soll. So verlangen Bestatter für ihre Dienstleistungen (unter anderem Überführung, Aufbahrung und Erledigung der Formalitäten) mindestens 900 Euro, aber auch bis zu 4.000 Euro.
   Zu den großen Posten gehören außerdem die Gebühren der Friedhofsverwaltungen für die Bei- setzung und die Grabnutzung sowie die Genehmigung des Grabmals von 400 bis 4.000 Euro, die meistens extra gezahlt werden müssen, und der Steinmetz, für dessen Arbeit etwa der gleiche Betrag einzuplanen ist. Särge kosten zwischen 400 und 3.000 Euro, Verwaltungsgebühren können mehr als 200 oder auch nur 30 Euro betragen. Aeternitas hat die jeweiligen Mindestpreise zusammengerechnet und kommt dabei auf 2.260 Euro, am anderen Ende der Skala sind es 25.550. Darin enthalten ist freilich eine Dauergrabpflege von 25 Jahren, die mit 11.550 Euro der größte Kostenblock ist.
   Beide Extreme werden allerdings in der Praxis wohl nicht erreicht, denn die eine Leistung ist hier teurer, die andere dort. Die Untersuchung der durchschnittlichen Bestattungskosten in fünf deut- schen Großstädten (Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover, Köln und Stuttgart) zeigt, dass selbst eine schlichte Feuerbestattung in einem Reihengrab dort nicht unter 4.000 Euro Gesamtkosten zu bekommen ist, Erdbestattungen beginnen bei gut 5.000 Euro (Düsseldorf) bis knapp 6.000 Euro (Stuttgart). An tatsächlichen Kosten für eine Bestattung im Wahlgrab in gehobener Ausführung wurden 15.000 bis 16.000 Euro ermittelt. Hinzu kommt jeweils die Dauergrabpflege, falls sie auf einen Gärtner übertragen wird. Bei rund 830.000 Todesfällen im Jahr summiert sich nach Angaben der Verbraucher- initiative der Umsatz auf gut 14 Milliarden Euro im Jahr.
   Die Kosten von mehreren tausend Euro haben Folgen: Zunehmend suchen die Hinterbliebenen - in der Behördensprache sind es die „Bestattungspflichtigen” ;- und auch die Betroffenen vor ihrem Ableben nach günstigen Lösungen. Das erklärt zum Teil den Anstieg der weniger aufwendigen Feuerbestat- tungen, deren Anteil inzwischen auf fast die Hälfte gewachsen ist. Zugleich öffnet sich ein Markt für private Anbieter verschiedener Teilbereiche bis hin zur Billigbestattung im meist osteuropäischen Ausland. Offenbar haben Bemühungen von Organisationen wie Aeternitas oder der Stiftung Warentest insofern Erfolg, als die Märkte, die für die Hinterbliebenen in ihrer psychologisch oft schwierigen Situation nicht leicht zu durchschauen sind, etwas transparenter geworden sind. Die Stiftung berichtet inzwischen regelmäßig über die Bestattungskosten. „Interessant sind die Veränderungen in der Preis- gestaltung der Bestatter und Friedhofsgärtner”, sagt Hermann Weber, der Aeternitas-Vorsitzende. So hätten die Bestatter die Preise für Särge etwas gesenkt und für die Dienstleistungen erhöht.
   Unter besonderer Beobachtung der Verbraucherorganisationen stehen aber die Friedhofsträger. Deren Gebührengestaltung ist seit Jahren in der Kritik, denn die Grabnutzung für 30 Jahre und die Beisetzung in einem Wahlgrab können zwischen knapp 400 Euro (Papenburg) und fast 6.000 Euro (Kirchheim) kosten, für andere Grabformen gelten ähnliche Unterschiede. „In manchen Kommunen setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Gebühren das Maß der Akzeptanz durchbrochen haben”, erklärt Weber. Sie gingen dazu über, die Friedhofsausgaben aus Steuern zu finanzieren. Aeternitas hält das auch für sinnvoll, da die Friedhöfe ein Kulturgut seien, und „als Teil des Sozialsystems muss der Friedhof auch den sozial Schwachen ein würdiges Begräbnis ermöglichen”. Zugleich erfüllten die Friedhöfe in den Städten die Funktion von Parkanlagen, schon deshalb sei eine Teilfinanzierung über die allgemeinen Haushalte gerechtfertigt. Aus dem Kreis der kommunalen Friedhofsverwaltungen ist zu hören, dass eine reine Finanzierung über die Gebühren ohnehin nicht mehr möglich sei. Wegen der veränderten Alters- struktur und der Zunahme alternativer Angebote (zum Beispiel privat betriebene Wälder mit Beisetzun- gen unter Bäumen) müssten immer weniger Nutzer die Kosten der Friedhöfe tragen.
   Die Gebühren sind sprunghaft gestiegen, seit in den achtziger Jahren erstmals die kommunalen Leistungen kostendeckend kalkuliert worden sind, während auf der anderen Seite das Sterbegeld der Krankenkassen, aus dem die Bestattungen zum Teil finanziert worden sind, mehrfach gekürzt und Ende 2003 ganz gestrichen worden ist. Einige Kommunen dringen deshalb auf Rückbesinnung. Denn bis weit in die sechziger Jahre haben die Kirchen und Gemeinden die Friedhöfe aus öffentlichen Mitteln unter- halten und eine einfache Bestattung kostenfrei angeboten.
FAZ081015

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Das letzte Geschäft - Eine Fachmesse in Hongkong stellt die neuesten Beerdigungstrends vor
Investition für die Ewigkeit:  Foto: Eine Messebesucherin liegt zur Probe in einem Sarg.

   Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt, nur sorgt er meist für weniger Freude. Es sei denn, man hat den Sensenmann als Arbeitgeber. Dann kann man mit der Vergänglichkeit leicht seinen Frieden machen und unter Umständen sogar ein Vermögen verdienen. Wie das geht, darüber tauschte sich die Branche dieser Tage in Hongkong aus, bei der Asiatischen Begräbnismesse. Da reiche Chinesen, Japaner und Koreaner für ihre Beerdigungen mehr bezahlen als diesseitsorientierte Europäer oder Amerikaner, gilt die Messe als eines der wichtigsten Treffen des Totengewerbes.
   Schon der Rahmen machte deutlich, dass die Industrie weiß Gott kein Schattendasein führen will: Das Hongkonger Ausstellungszentrum gehört zu den teuersten der Welt. Nun stehen hier Särge, Urnen und Grabsteine - danach sieht es zumindest aus, wenn man nicht weiß, dass auch das Bestattungs- wesen von technologischem Fortschritt, innovativem Design und kundenfreundlichen Dienstleistungen lebt.
  „Die Konsumenten werden immer anspruchsvoller", erklärt Fred Liu, Geschäftsführer der chinesischen Firma „Dingcheng Religionsbedarf", einem der über 150 Aussteller. An seinem Stand hängen Kruzifixe, Davidssterne, Allah-Schriftzüge und Buddhafiguren einträchtig nebeneinander. „In einem modernen Begräbnis müssen Tradition, Fortschritt und Individualität vereint sein", sagt Liu. Zu seinen Messe- neuheiten gehören Geldscheine aus Bambuspapier, das beim Verbrennen - ein wichtiger Bestandteil chinesischer Beerdigungszeremonien - keinen hässlichen Rauch produziert und vollständig weiße Asche hinterlässt. Mit solchen grünen Produkten liegt Liu voll im Trend. „Umweltfreundliche Begräbnisse sind sehr angesagt", meint Allen Chu, Manager von Lünen Handicraft, einem Unternehmen für Särge aus Pappe oder Korbgeflecht. „So entstehen beim Verbrennen weniger Schadstoffe." Gleich mehrere Firmen versuchen sich dem Trend anzuschließen, etwa mit biologisch abbaubaren Urnen, die in der Erde zu Dünger werden.
   Da nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Laien - und damit auch künftige Kunden - zur Messe kommen, haben die findigen Veranstalter einen Infosarg aufgebaut, in dem ein Film die Be- sucher darüber aufklärt, welchen Aufwand der Tod nach sich zieht. Für die Warteschlange sind Bänke aufgestellt, denn viele der Interessenten sind schon lange nicht mehr gut zu Fuß. „Kannst gleich liegen bleiben", lautet der Standardwitz bei der Sarganprobe. Dabei sollen Besucher vor allem mit dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass sie ihr Restleben nutzen sollten, um ihren Tod im Detail vor- zubereiten, schon um zu verhindern, dass die Nachfahren dann bei einigen der teuren Extras sparen, beim letzten Make-up zum Beispiel, oder beim Parfüm, das den lästigen Leichengeruch verschwinden lässt.
    Zu den Hauptattraktionen gehört der Stand der Schweizer Firma Algordanza, die aus der Asche von Toten Diamanten presst. „Jeder Mensch ist einmalig", heißt es in einem emotionalen Werbeclip. Auf Nachfrage erfährt man, dass das Pressverfahren die Kosten für die Leichenendlagerung um rund 15 000 Euro erhöht. Ähnliche Summen muss man einplanen, wenn man sich von der taiwanesischen Firma Skea ein Haus fürs Jenseits bauen lässt. Nicht nur seinen Namen hat Skea beim schwedischen Möbelhaus Ikea abgekupfert, sondern auch viele Designs. Die Nachbildungen werden in minutiöser Handarbeit eingerichtet. Möbel, Bettwäsche und Gardinen kann man ebenso auswählen wie die Speisen auf dem Esstisch. Technikfans können sich sogar einen Hochgeschwindigkeitszug durch ihren Garten fahren lassen. „Make it happen" lautet der Spruch, mit dem Skea seine Kunden ermutigt, sich auch nach dem Tod noch Träume zu erfüllen.
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Ehrenamtliche Bestattung in Hamburg   HHFrRafaelÖjendorferFrdh

  Frater Rafael geleitet Menschen, deren Geld selbst für ein bescheidenes Grab nicht reicht, auf ihrem letzten Weg. Die Zahl dieser Einsamen steigt rapide.Die hölzernen Werkzeugkisten stehen bereit. Die roten Teelichter sind angezündet. Die Aufgabe wartet.
   Frater Rafael (46) trägt eine dunkle Nadelstreifenhose und ein Hemd, das so grau ist wie der frühmorgendliche Nebel, der an diesem Spätsommertag über dem Öjendorfer Friedhof liegt. Frater Rafael singt ein „Vaterunser". Wie immer stimmt niemand mit ein. Wie immer nimmt er alleine Abschied von den Einsamen. Von Menschen, die zu wenig Geld zum Leben hatten. Und zu wenig zum Sterben.
   Frater Rafael nähert sich den Büsten, vorsichtig geht er über den noch nassen Rasen. Als wisse er genau, wo in den vergangenen Jahren die Toten beerdigt worden sind. Denn diese grüne Wiese ist das Grab von knapp 4.000 Menschen. Ein Grab, das nie mit Blumen geschmückt wird. An dem nicht einmal an Allerheiligen ein ewiges Licht brennt. Ein Park der namenlosen Toten. Fünf Flächen stehen auf dem Öjendorfer Friedhof in Hamburg als letzte Ruhestätte für sie bereit, jede einzelne so groß wie ein Fußballfeld. Doch der Platz wird langsam knapp.
   Frater Rafael verneigt sich vor dem Inhalt der Werkzeugkisten und segnet jede der 20 Urnen. „Bestattungen dürfen nicht zum Luxus werden”, sagt er später, als er zurück zu seinem roten Klein- wagen geht. Seit knapp zehn Jahren bestattet er ehrenamtlich gemeinsam mit Pastor Jürgen Probst als Einziger in Hamburg die „Vergessenen", wie er sie nennt. Die Menschen, die sich selbst keine Beerdigung leisten können. Und die keine Angehörigen ersten oder zweiten Grades haben, die»in Deutschland gesetzlich als „bestattungspflichtig” gelten. „ZB” heißen diese Bestattungen im Be- hördendeutsch, „Zwangsbeisetzungen”.
  Sehr viel wisse er nicht über die Menschen, die er auf ihrem letzten Weg begleitet, sagt Frater Rafael. So wie heute Gerda K., 1930 in Ostpreußen geboren, seit mehr als 20 Jahren Witwe. Zuletzt habe sie in einem Heim gewohnt. Einsam und demenzkrank. Oder über Josef S., Jahrgang 1953. Ein paar Jahre habe er auf der Straße gelebt, sich in den Tod getrunken. Freunde oder Angehörige hatte er nicht. „Jedenfalls niemanden, der seinen Tod bemerkt hat”, sagt sagt Frater Rafael. Noch vor fünf Jahren begleitete der ehemalige Benediktiner alle zwei Wochen zwölf Tote auf ihrem letzten Weg. Heute stehen manchmal mehr als 40 Urnen vor ihm. Um mehr als 100 Prozent sei die Zahl der verarmten Verstorbenen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, belegen die Zahlen der Sozialbehörde. „1998 gab es in Hamburg 380 dieser Verstorbenen, im vergangenen Jahr waren es weit mehr als 800", sagt Frater Rafael. Und fügt an, dass er demnächst sogar wöchentlich eine „Aussegnung" vornehmen wird. Im Herbst und Winter, wenn bei vielen der Lebensmut sinke und die Zahl der Toten steige. „Immer mehr Menschen leben und sterben alleine, auf der Straße oder in den eigenen vier Wänden. Da schrillen bei mir die Alarmglocken", sagt Frater Rafael. „Es wird Zeit für eine neue Wertediskussion."
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Letzte Ruhe wie in Italien - Saarbrücken richtet oberirdische Grabkammern ein

   Saarbrücken geht in der Friedhofskultur neue Wege: Auf dem Hauptfriedhof wurden jetzt die bundesweit ersten oberirdischen Grabkammern angelegt. Die zwölf Kammern stehen in idyllischer Lage an einem Waldrand und sollen Beisetzungen wie im Mittelmeerraum ermöglichen - inklusive Bildern der Verstorbenen und Blumenschmuck an den Grabplatten. Die saarländische Landeshauptstadt erfüllt damit einen lang gehegten Wunsch ihrer italienischen Gemeinde. Weitere 24 Kammern werden gebaut.
   Die Stadt stelle sich damit auch den Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, sagt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). Nach ihren Angaben leben in Saarbrücken rund 24.000 Ausländer aus 160 Nationen. Mehr als 4.100 davon seien Italiener. „Wenn wir Migrantengruppen die Möglichkeit geben, sich in ihrer neuen Heimat so bestatten zu lassen, wie sie es wünschen und wie es für die Trauer der Angehörigen hilfreich ist, dann wirken wir der Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen entgegen”, sagt Britz. Das sei aktive Integrationspolitik, ebenso wie mit einem moslemi- schen Grabfeld, das schon seit zehn Jahren auf dem Hauptfriedhof bestehe.
   Vorangegangen war dem bundesweit einmaligen Projekt ein Hürdenlauf durch Gremien und Behörden. Der Saarbrücker Stadtrat musste die Pläne genehmigen, der Landtag eigens das saarländische Bestat- tungsgesetz ändern, und auch Gesundheitsbehörden waren gefragt. „Es hat rund drei Jahre gedauert, bis alles durchgeboxt war”, sagt Initiator Guglielmo Scandariato. Der erste Vor- schlag des 62-Jährigen vor fünf Jahren war noch auf wenig Gegenliebe gestoßen .„Erst als ich mit Bildern und Preisvor- stellungen kam, und der Ausländerbeirat aktiv wurde, ging es voran.”
  Nun sei für viele Familien endlich eine „bessere Trauerarbeit” möglich, sagt Scandariato, der schon seit über 40 Jahren in Deutschland lebt. Fälle, bei denen verstorbene Familienmitglieder extra nach Italien überführt wurden, um stilvoll nach den Heimatriten beerdigt zu werden, gehörten damit der Ver- gangenheit an. Die neue Bestattungsform könne aber nicht nur von Italienern, sondern von allen Süd- ländern der Region genutzt werden.  Die  Bestattungskosten liegen je nach Trauerfeier zwischen 3.500 und 3.700 Euro und sind etwa um 400 Euro teurer als herkömmliche Erdbestattungen.
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  Riten der Trauer in verschiedenen Kulturen 

   Im Judentum ist festgelegt, dass der Leichnam keineswegs verbrannt werden darf, sondern bis zur Auferstehung unangetastet in der Erde ruhen muss. Der Beerdigung gehen rituelle Waschungen voraus. Danach wird der Leichnam in ein einfaches, ganz von Hand genähtes Totenhemd gekleidet, das keine Taschen hat. Weil im Tod alle sozialen Unterschiede aufgehoben sind, soll auch der Sarg für alle gleich sein - aus roh gehobeltem Holz gezimmert. Schlicht ist auch die Beerdigung - ohne Musik, Blumen und spezieller Trauerbekleidung, nur mit einem knappen Nachruf. Die eigentliche Trauerzeit beginnt erst nach der Beerdigung, wenn im Trauerhaus die Spiegel verhängt werden. Sieben Tage lang gehen die Hinterbliebenen keiner Arbeit nach und lassen sich von Freunden und Verwandten besuchen.
Im Tod sind alle Menschen gleich. Trauerwoche mit Schmerzsymbolen
    Das Leben ist nur ein Teil einer langen Reise, so sehen es die Juden. Der Glaube an eine Tür, die den Übergang in ein neues Leben nach dem irdischen symbolisiert, gibt der Gemeinschaft Halt und Zuver- sicht.
    “Wir sind menschliche Wesen, und der Tod macht uns Angst, aber wir wissen auch, dass das der Weg der Natur ist”, sagt Rabbiner Marc Stern, Osnabrück. Die jüdische Gemeinde in Osnabrück zählt etwa 900 Mitglieder. Stirbt ein Mitglied aus ihrer Mitte, werden strenge religiöse Riten eingehalten.
    So werden dem Toten die Augen geschlossen, er wird auf den Rücken gelegt und mit einem Laken bedeckt. Gemeinsam mit einem örtlichen Bestattungsinstitut wird die Beisetzung geregelt. Anders als bei katholischen und evangelischen Christen ist es wie bei den Muslimen und orthodoxen Christen auch den Juden nicht gestattet, sich verbrennen zu lassen. “Unser Körper gehört uns nicht”, erklärt Rabbiner Stern. “Daher haben wir nicht das Recht, frei darüber zu verfügen.” Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.
   Der Tote wird jeweils vom gleichen Geschlecht gewaschen. Die Leiche wird in ein weißes Leinentuch gehüllt. Jeder ist im Judentum im Tod gleich. “Es gibt keinen Unterschied zwischen Reich und Arm”, sagt Stern. Aus diesem Grund fehlen auch auf den Grabsteinen üppiger Blumenschmuck und Lichter. Bis zur Beerdigung wird die Leiche nicht allein gelassen, um böse Geister von ihr fern zu halten. Es gilt, den Leichnam so schnell wie möglich zu beerdigen.
   Juden werden eigentlich ohne Sarg beigesetzt, aber das ist in Deutschland nicht erlaubt. Darum wählen die hier lebenden Juden einen schlichten Sarg aus minderwertiger Qualität. “Die Leiche soll so schnell wie möglich verrotten und wieder zu Staub werden”, sagt Rabbiner Stern. Weil die Gräber der Toten nicht wieder belegt werden dürfen, hat die jüdische Gemeinde in Osnabrück zwei eigene Fried- höfe. Als staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaft haben sie das Recht, eigene Friedhöfe zu unter- halten.
   In jedem Grab darf nur eine Person beigesetzt sein. Mit Gebeten wird der Tote in das Erdreich hinabgelassen. Die trauernde Familie reißt als Symbol des Schmerzes ein Stück Kleidung entzwei. Eine bestimme Trauerkleidung gibt es nicht. Die Trauerzeit umfasst eine Woche bis ein Jahr. Dabei dürfen die engsten Angehörigen das Haus in der ersten Woche nicht verlassen. Sie sitzen als Zeichen der Trauer und des Schmerzes auf niedrigeren Stühlen, und auch die hygienische Pflege wird auf ein Minimum reduziert, erklärt Stern. In dem gesamten Trauerjahr sollten sich die Angehörigen des Verstorbenen nicht die Haare schneiden
   Als Zeichen der Erinnerung und Anerkennung des Verstorbenen hinterlassen die Juden bei ihrem Besuch am Grab einen Stein
siehe Bild unten.

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    Wie im Judentum sind auch im Islam Erdbegräbnis und rituelle Reinigung vorgeschrieben. Die Waschung ist ein heiliger Akt: Der Leib soll rein zu Gott gelangen. Danach wird der Leichnam aber nicht in einen Sarg, sondern in ein Leinentuch gelegt. In Deutschland lebende Muslime passen sich not- gedrungen der Friedhofsordnung an, achten aber darauf, dass zumindest der Kopf nach Mekka weist. Das islamische Ritual setzt im übrigen vor dem Tod ein: Es verlangt dem Sterbenden das Bekenntnis ab, dass es keinen anderen Gott gibt als Allah und Mohammed der Bote Gottes ist.
Die Sonne weist den Weg nach Mekka. Gesetze lassen nicht alle Riten zu.
   Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Erde fallen, ist Abdul-Jalil Zeitun bereit. Mit Hilfe einer selbst gebauten Holzkonstruktion ermittelt er die Richtung Mekkas. Denn die Gräber sollen zur heiligen Stadt des Islam hin ausgerichtet sein.
  Durch einen kleinen Spalt fällt das Licht
siehe Bild unten rechts und weist den Weg nach Osten. “Das ist besser als mit dem Kompass”, findet Zeitun, und die Methode ist in seiner islamischen Glaubens- gemeinschaft, dem Zentrum für Begegnung, Erziehung und Kultur, anerkannt. Auf dem Osnabrücker Waldfriedhof gibt es einen besonderen Bereich, auf dem Muslime beigesetzt werden.
   Der Leichnam soll umgehend beerdigt werden - möglichst noch am Tage des Todes. So steht es im Koran, dem heiligen Buch des Islam. Doch nicht immer ist es für die in Deutschland lebenden Muslime möglich, den Lehrsätzen ihres Glaubens streng zu folgen. Die deutschen Gesetze schreiben eine 48- Stunden-Frist bis zum frühesten Zeitpunkt der Beisetzung vor. Abgesehen von dieser Hürde bestünden für die über 5.000 Muslime in Osnabrück aber gute Möglichkeiten, ihren Glauben auszuleben,sagt Zeitun.
   Stirbt ein Mitglied der Gemeinde, folgen die Muslime besonderen Riten. Zunächst wird der Leichnam gebadet und in weißes Gewand gehüllt. Je nach Glaubensrichtung weichen die islamischen Gemeinden in ihren rituellen Handlungen voneinander ab. Wichtig ist jedoch für alle, dass der Tote beerdigt wird. Eine Einäscherung ist nicht erlaubt.
    Am Grab werden stehend arabische Gebete gesprochen. Eine bestimmte Kleidung gibt es nicht, doch sie sollte schlicht sein, erzählt Shaker Jahanzeb von der Muslim-Gemeinde Ahmadiyya. Das Grab ist ebenfalls schlicht. Die Trauerzeit beträgt drei Tage, wobei die Familie des Toten von den Gemeinde- mitgliedern umsorgt wird, um ihr im Schmerz beizustehen.

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Bild links: Das Licht auf den Gräbern der Christen gilt als Symbol für das ewige Leben.
Bild rechts: Abdul-Jalil Zeitun richtet die Gräber mit Hilfe der Sonne nach Mekka aus. 
Bild unten: Islamischer Teil des Friedhofs in Hannover-Stöcken

Sargzwang gelockert
   Die Einwanderungsgesellschaft fordert Kompromisse: Auch in Baden-Württemberg wird die Sarg- pflicht gelockert. Damit entspricht die Landesregierung den Wünschen von etwa 600.000 im Südwesten lebenden Muslimen, etwa 200.000 haben einen deutschen Pass. Muslime hüllen ihre Verstorbenen in Leichentücher und bestatten sie dann ohne Sarg. In Baden-Württemberg ist es künftig gestattet, Tote in ein Leichentuch zu hüllen und im offenen Sarg zu beerdigen. Damit folgt das Land dem „hessischen Modell": Für den Transport des Leichnams ist der Sarg weiterhin zwingend vorgeschrieben, nur darf der Deckel bei der Bestattung jetzt abgenommen werden.
   In elf von 16 Bundesländern besteht keine Sargpflicht mehr. Die Islamische Religionsgemeinschaft hatte während der Beratungen über die Novellierung gefordert, auch im Südwesten die Sargpflicht abzuschaffen.  Die  mitregierende FDP und die oppositionellen Grünen hatten dies gutgeheißen, die CDU- Landtagsfraktion und Sozialministerin Monika Stolz (CDU) wollten einen Kompromiss: Die kulturellen Gewohnheiten der Muslime sollten aufgenommen werden, ohne die auf den Sarg fixierte Bestattungs- kultur abzuschaffen. Die katholische Kirche hat gegen die Abschaffung des Sargzwangs nichts ein- zuwenden: „Solange Muslime ihre verstorbenen Angehörigen in das jeweilige Herkunftsland überführen, werden sie in Deutschland nicht wirklich heimisch. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt daher die wachsende Bereitschaft vieler Kommunen, spezielle Gräberfelder für Muslime einzurichten, die die Beachtung islamischer Bestattungsriten ermöglichen", heißt es in einer Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2003. Hansjörg Schmid, zuständig für den christlich-muslimischen Dialog an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unterstützt diese Auffassung: „Die Sargpflicht ist eine kulturelle Tradition, die nicht zwingend ist. Es hat eine hohe symbolische Bedeutung, wenn die zukünftigen Generationen deutscher Muslime die Gräber ihrer Vorfahren auf hiesigen Friedhöfen besu- chen können und sie dazu nicht in die Türkei reisen müssen", sagt Schmid. Die Bestattung in einem Leichentuch ist allerdings auch für Muslime nicht zwingend.
   Zur Novellierung des aus dem Jahr 1970 stammenden Bestattungsgesetzes gehört auch, dass künftig Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm bestattet werden dürfen. Ärzte und Krankenhäuser müssen die Eltern auf diese Möglichkeit hinweisen. „Wenn Eltern einen Ort der Trauer für ihr zu früh geborenes Kind wollen, dann sollen sie diesen Ort auch erhalten", sagt Frau Stolz. Auch sind Seebestattungen nunmehr erlaubt.
   Beibehalten wird der Friedhofszwang sowie das Verbot, in der Öffentlichkeit Leichenöffnungen vorzunehmen. Eine Regelung, die sich wohl auch gegen den Heidelberger Mediziner Günther von Hagens richtet, der gerade eine neue Ausstellung mit plastinierten Leichen eröffnet hat. Unerfüllt bleibt auch der Wunsch eines FDP-Landtagsabgeordneten, der gefordert hatte, das Verstreuen von Totenasche auf dem Bodensee zuzulassen. FAZ090114rso

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   Während die Wiederauferstehung unter Christen als Verheißung gilt, betrachten Buddhisten die Reinkarnation als Strafe. Das höchste Ziel des Buddhismus besteht darin, die quälende Kette von Tod und Wiedergeburt zu durchbrechen und das Nirwana zu erlangen - das Nichts. Da jeder seinen Heils- weg selbst bestimmt, gibt es auch keine festgefügten Bestattungsrituale. Die Asche der verbrannten Toten wird häufig dem Wasser übergeben. In Indochina und China sind aber auch Erdbestattungen auf zumeist offenen Friedhöfen üblich.
   Im Hinduismus geht es wie im Buddhismus darum, dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen. Der Leichnam des Verstorbenen wird auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Dem Feuer wird eine magische Kraft zugemessen. Häufig werden die Brandreste einem Fluss übergeben. Sowohl Hindus als auch Buddhisten richten den Verstorbenen in ihren Häusern Altäre ein und gedenken ihrer mit Opfergaben.
   In vielen Nauturreligionen ist die Welt der Toten sehr viel stärker mit der Welt der Lebenden verwoben als in den so genannten Hochkulturen. Totenfeiern sind öffentliche Ereignisse, und der Ab- schied erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Auf der indonesischen Insel Sulawesis vergehen in der Regel mindestens sechs Monate, manchmal Jahre,bis ein Toter mit großem Aufwand bestattet wird. Die Leiche wird bis dahin in Stoff eingewickelt und im Haus aufbewahrt. Angst vor der Nähe der Leiche empfindet hier niemand. In afrikanischen Staaten wie Ghana und Togo werden den Toten oft mehr Ehrungen zuteil als den Lebenden. Dies hat den nicht ganz uneigennützigen Grund, dass die Hinterbliebenen sich so den Beistand der Ahnen sichern möchten.
   Für die Christen zitieren wir hier Benedikt XVI. aus: Einführung in das Christentum. Christen glauben der Bibel, dass der Mensch als solcher auch “im Tod” fortbesteht, wenn auch gewandelt. Auf- erweckung, Unsterblichkeit ergibt sich aus der rettenden Tat des Liebenden, der die Macht dazu hat. Der Mensch kann deshalb nicht mehr total untergehen, weil er von Gott gekannt und geliebt ist. Wenn alle Liebe Ewigkeit will - Gottes Liebe will sie nicht nur, er wirkt sie! Weil Gott dem ganzen Menschen Unsterblichkeit gibt, sprechen die Christen nicht von der Auferstehung der Toten, sondern besser von der Auferweckung des Menschen. Christen erwarten die Auferweckung am“Jüngsten Tag”, am Ende der Geschichte und zwar in Gemeinschaft aller Menschen.Es gibt nicht Christen als Einzelne;die Mitmensch- lichkeit ist für sie konstitutiv. Kirche ist daher “Gemeinschaft der Heiligen” und Christen beten nicht das “Vater-mein” sondern das “Vater-unser”. Von daher ist die Frage, ob es nach dem Tod eine Gemeinschaft der Menschen untereinander geben kann, gelöst. Für Christen ist daher Auferweckung nicht die Rückgabe der Seelen nach einer langen Zwischenzeit, sondern: wir werden als Menschen weiterleben; nicht aus eigener Macht, sondern weil wir von Gott gekannt und geliebt sind, so dass wir nicht untergehen können.
Brot als Zeichen der Auferstehung. Letztes Geleit mit Gebetsgesängen.
  In der serbisch-orthodoxen Kirche ist schwarz das Zeichen der Trauer. Auf einem Osnabrücker Friedhof haben sie  - obschon sie den katholischen Christen nahe stehen - einen eigenen Bereich, wo sie ihre Toten beisetzen.
  Weil die hier etwa 1.000 Mitglieder zählende Gemeinde viele Gebetsgesänge hat und auch während der Beerdigung gesungen wird, gibt es auf dem Friedhof diesen eigenen serbisch-orthodoxen Teil. “Um andere nicht zu stören, ist das angenehmer”, erläutert Branka Zivotic. Bereits ein bis zwei Tage vor der Beerdigung des Verstorbenen wird in der Friehofskapelle im engen Kreis für den Toten gebetet. Die Hinterbliebenen bitten um Sündenvergebung und beten den Rosenkranz. Hier besteht in der Regel auch die Möglichkeit, den Toten ein letztes Mal zu sehen.
    Am Tag der Beerdiugung findet ebenfalls in der Kapelle eine Andacht mit einem Priester statt, der aus dem Leben des Verstorbenen berichtet. Anschließend wird der Sarg unter Gebetsgesängen der Trauergemeinde zur Grabstelle getragen. Mehrere Grabredner er- innern an persönliche Erlebnisse mit dem Toten.
    Als Symbol des Letzten Abendmahles gießt der Priester Rotwein in Kreuzform über den Sarg. An- schließend gehen die Trauernden zu einem Tisch, der in der Nähe des Grabes aufgebaut ist, um dort gemeinsam als Zeichen der Auferstehung Weizenbrot zu teilen, erklärt Zivotic. Die Gräber sind mit Blumenkränzen geschmückt, und eine brennende Kerze auf dem Grab erinnert an den Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben. Im Anschluss an die Beerdigung trifft sich die Trauergemeinde zum Kaffee im Gemeindehaus. Sieben Tage danach findet eine Andacht am Grab des Verstorbenen statt, bei der wieder Brot geteilt wird. Weitere Andachten gibt es 40 Tage, ein halbes Jahr und ein Jahr nach dem Tod. Eine Einäscherung ist bei den serbisch-orthodoxen Christen nicht erlaubt.           
Texte auf dieser Seite:Benedikt XVI.; HeinrichThiesHAZ; MeikeHohenbrink

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Papst Johannes Paul II. in seinem Brief an die alten Menschen:
“Es ist schön, sich bis zum Ende für die Sache des Reiches Gottes zu verzehren. Gleichzeitig empfinde ich einen großen Frieden, wenn ich an den Augenblick denke, an dem der Herr mich zu sich rufen wird: vom Leben ins Leben! Darum kommt mir häufig,  ohne jeden Anflug von Traurigkeit,  ein Gebet auf die Lippen, das der Priester nach der Eucharistiefeier spricht:
 In der Stunde des Todes rufe mich und lass mich zu dir kommen.”

HHFrRafBirke  Ein Lebensbaum für die Toten: HH-Öjendorf

Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Bensberg befasste sich mit der Bestat- tungskultur. Kardinal Karl Lehmann Foto oben “In der Öffentlichkeit wird zunehmend über neue Be- stattungsformen diskutiert, zum Beispiel über Baumbestattungen im Wald oder Aschestreuwiesen. Foto darunter Es gibt starke Tendenzen hin zu einer Individualisierung und Anonymisierung.”
Die Bischofskonferenz erklärt:

Christliche Bestattungskultur - Orientierungen und Informationen        
 In der Öffentlichkeit werden zunehmend neue Bestattungsformen diskutiert. Deshalb will die vor- liegende Handreichung die tiefe Beziehung zwischen der Bestattungskultur einerseits und der Auf- fassung von Wert und Würde des menschlichen Lebens andererseits deutlich machen.
   Spätestens beim Sterben eines Familienangehörigen, nahen Verwandten oder Freundes werden Menschen mit der Frage nach einem würdigen Umgang mit dem Verstorbenen und einer angemessenen Bestattungskultur konfrontiert. Eine gewachsene Vielfalt unterschiedlicher Angebote von Bestattungs- formen eröffnet individuelle Wahlmöglichkeiten, die nicht selten von den überlieferten Normen und den kirchlichen Traditionen abweichen. In dieser Situation will die Orientierungshilfe dazu beitragen, aus der Sicht der Kirche, ihrer Riten und Symbole, Kriterien für eine Kultur der Bestattung aufzuzeigen, um so einen Raum für Pietät und Erinnerung, Trauer und Mitsorge, gemeinsames Gedenken und Gebet zu eröffnen. Sie will Kriterien zur Beurteilung und Empfehlungen für die pastorale Praxis geben, damit das Zeugnis der Auferstehung in der Gestaltung der Be- stattung zum Ausdruck kommt.
    Die Handreichung lädt dazu ein, sich frühzeitig der Frage nach dem eigenen Begräbnis und der gewünschten Erinnerungskultur zu stellen. Dabei empfiehlt es sich,  nach Möglichkeit das Gespräch mit dem Ehepartner, den eigenen Kindern, Verwandten und Freunden zu suchen. Angesprochen sind auch diejenigen, die in ihrem persönlichen Lebensumfeld für die nähere Zukunft mit einem Sterbefall rechnen, und alle, denen die Sorge um die Bestattung aufgetragen ist.
1. Zur Situation
     Die Bestattungskultur und die Welt der Trauer haben in den letzten Jahren erhebliche Verände- rungen erfahren. Die Beerdigungsrituale verlieren an Bedeutung. Die Gräber verjähren; es gibt keine ewigen Gräber mehr. Oftmals besteht nur noch ein 15-jähriges Belegungsrecht. Die Unfähigkeit, mit Schmerz und Trauer umzugehen, ist gewachsen. Selbst viele Christen wünschen sich einen schnellen und  plötzlichen Tod. Die Frage nach dem ewigen Leben bei Gott bestimmt kaum mehr die Praxis des irdischen Lebens. Auch Bestattungsunternehmer oder freie Gestalter führen religiöse Rituale durch, die sie oft sehr persönlich mit den Angehörigen abstimmen. Immer mehr werden Beisetzungen anonym vollzogen. Die Zahl der Gräber ohne Kennzeichnung und ohne Namen nimmt deutlich zu.
   Aus der Vielfalt der beiden praktizierten Bestattungsformen seien folgende benannt:
Erdbestattung
 - Körperbeisetzung im Sarg, zB. im namentlich gekennzeichneten Reihen-, Wahl- oder Tiefgrab, im Erb- grab oder in einer Familiengruft; 
Feuerbestattung
 - Kremation und Beisetzung von Asche, zB. im namentlich gekennzeichneten Urnengrab, in einer Urnenhalle oder Urnenmauer, durch See- oder Baumbestattung.
Anonyme Bestattungen
   erfolgen meist als Urnen-, seltener als Sargbeisetzungen in namenlosen Grabstätten oder durch Ausstreuen der Asche Verstorbener auf namenlosen Grabfeldern (Aschestreuwiesen). Dies kann im Beisein der Trauernden erfolgen, geschieht aber häufig ohne die Angehörigen und ohne jede Feier.
  
Bestattungskulturen verweisen immer auch auf ein gesellschaftliches Bewusstsein. Wir leben in einer von Individualisierung und Mobilität geprägten Gesellschaft. Es ist schwieriger geworden, ein an den konkreten Ort gebundenes Totengedächtnis zu pflegen, wenn z.B. die Angehörigen eines Verstorbenen an fernen Orten leben. Öfter sind hohe Kosten für die Bestattung und die Grabpflege der Grund, von der Form der Erdbestattung abzuweichen. 
   In vielen gesellschaftlichen Bereichen ist eine Tendenz zur Privatisierung und Liberalisierung des Lebens zu beobachten. Das betrifft auch die Bestattungs- und Erinnerungskultur. Die Entscheidung über die Form und Gestaltung der Bestattung und des Totengedenkens fällt immer mehr in die Zuständigkeit und Verantwortung Einzelner. Dies eröffnet den Hinterbliebenen die Möglichkeit zur indivi- duellen Mitwirkung; es kann aber auch zur Überforderung werden, wenn die Vertrautheit mit religiösen Riten nicht mehr gegeben ist. Die Begleitung von Sterbenden und Trauernden, die Sorge um die Toten und die Gestaltung der Beerdigungsliturgie sind für die Kirche immer ein deutliches Zeichen gelebten und bezeugten Glaubens.
   Wenn eine bestimmte Bestattungsform aus Gründen gewählt wird, die dem christlichen Glauben widersprechen, z.B. aus pantheistischen oder naturreligiösen Vorstellungen, dann ist ein kirchliches Begräbnis nicht möglich. Dies schließt eine kirchliche Feier zur Verabschiedung vor der Kremation, zur Beisetzung der Urne und auch die Feier der Begräbnismesse (Exequien) aus. Insbesondere wenn Verstorbene eine entsprechende Verfügung hinterlassen haben, die ein kirchliches Begräbnis unmög- lich macht, muss dieser Wunsch ernst genommen werden, auch wenn die Trauernden sich eine andere (christliche) Form der Begräbnisfeier wünschen. Hier ist die pastorale Klugheit gefragt, im Umfeld des Begräbnistages geeignete Formen des seelsorglichen Dienstes für und mit den Trauernden zu realisieren z.B. Totengebet der Gemeinde, Totengedächtnis in der Eucharistie).
    Bei Formen der Feuerbestattung, die aus Gründen gewählt werden, die nicht dem christlichen Glauben widersprechen, ist eine kirchliche Beteiligung möglich. In der Regel findet eine Begräbnis- messe und eine Feier zur Verabschiedung vor der Kremation statt. Die Beisetzung der Urne erfolgt im Allgemeinen ohne kirchliche Mitwirkung im Kreis der Familie und Freunde. Das liturgische Buch enthält auch für diese Feier Texte und Gebete, die von einem Anwesenden vorgetragen werden können.
    Die Konzeption des “Friedwaldes” (freier, unumfriedeter Wald; völlig naturbelassenes Waldgebiet; Unsichtbarkeit des Urnenfeldes; Baumsymbolik; Anonymität; keine Grabpflege – die Grabpflege über- nimmt die Natur) lässt zentrale Elemente einer humanen  und christlichen Bestattungskultur vermissen. Darüber hinaus sind weder ein christliches Totengedenken noch ein christlich-religiöses Brauchtum am Grab möglich (Kreuz, Weihwasserschale, Licht,  Blumen). Die Deutung einer bloßen Rückkehr des Menschen in den Naturprozess liegt nahe. Der Baum ist ein altes und schönes Zeichen für den Kreislauf der Natur und ihres Lebens. Für Christen erschöpft sich das menschliche Leben aber nicht in naturhaften Abläufen. In Christus ist uns vielmehr verheißen, dass unser Leben mehr ist als ein Kreislauf von Werden und Vergehen, vielmehr werden wir am Ende unseres Lebens als unverwechselbare Personen von Gott auferweckt. Der “Lebensbaum” der Christen ist darum kein noch so schöner naturaler Baum, sondern das Kreuz Jesu Christi, das über den Gräbern aufgerichtet wird und den Tod von der Auferstehung her deutet. Das weltan- schauliche Fundament der “Friedwald”-Konzeption ist dagegen das naturreligiöse Bekenntnis: “Der Baum ist Grab und Grabmal zugleich; er nimmt die Asche mit den Wurzeln auf als Sinnbild des Lebens über den Tod hinaus.”
   Ein Ausstreuen der Asche Verstorbener ist grundsätzlich abzulehnen. Jede Anonymisierung der Bestattungen trägt dazu bei, den Tod unsichtbar zu machen und die personale Würde des Menschen über den Tod hinaus zu verdunkeln. Sie steht in deutlicher Spannung zum christlichen Glauben, dass der Mensch ein unsterbliches Leben bei Gott hat.      
2. Christliche Deutung von Tod und Auferstehung
   Ausgangspunkt und inhaltlicher Kern aller Überlegungen zu einer christlich motivierten Bestat- tungskultur ist die Deutung des menschlichen Todes im Licht des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Von diesen zentralen Inhalten christlichen Glaubens her ergibt sich, welche Riten in beson- derer Weise geeignet sind, der christlich verstandenen Trauer und Hoffnung Ausdruck zu verleihen.
   Was der Tod für den Menschen bedeutet, ist aufs engste mit dem verbunden, was der Mensch über sich selbst aussagt. Lebensgestaltung und Lebensdeutung des Menschen bekommen im Sterben des Menschen eine letztgültige Klarheit. Betrachtet man den Menschen ausschließlich als biologisches Wesen, wird auch sein Tod lediglich als ein Aufgehen in einem größeren biologischen Prozess angesehen werden. “Staub” kehrt dann “zum Staub” zurück, ohne dass von der Individualität des Einzelnen etwas bliebe und Ewigkeit würde. 
   Christen sehen den Menschen als Person, von Gott mit Namen gerufen vgl. Jes 43,1. Darin konzen- triert sich, was dem christlichen Bild vom Menschen seine Konturen verleiht. Als Person ist er un- verwechselbar, einmalig und zugleich offen, “sofern er von Natur aus auf Mit-Sein angelegt und zugleich zu einer höheren Ordnung berufen ist, die die Natur übersteigt und diese zugleich über- windet” Papst Johannes XXIII., Mater et Magistra 218. Der Mensch ist als leibgeistiges Wesen in den Naturzusammenhang von Werden und Vergehen eingebunden und trägt dennoch die Berufung in sich, mit dem unendlichen und unvergänglichen Gott in Beziehung zu treten. Wenn aber der Mensch als Person und als “Du” von Gott geschaffen ist, dann kann er als Person nicht am Ende seiner leiblichen- materiellen Existenz verloren gehen. Aus dieser Erkenntnis nährt sich die christliche Hoffnung  auf das Leben jenseits des irdischen Daseins.
    Konkrete Gestalt gewinnt die Hoffnung der Glaubenden in der Auferstehung Jesu Christi, die in un- überbietbarer Weise von der Liebe des Vaters kündet. Gott hat seinen Sohn so sehr geliebt, dass er ihn nicht im Tod beließ, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes am dritten Tag von den Toten auf- erweckte. Unsere Hoffnung findet ihren festen Grund darin, dass Gottes Sohn uns vorausgegangen ist als Erster der Entschlafenen vgl. 1 Kor 15,20. Er nimmt den Menschen mit hinein in die Liebe des Vaters, so dass wir vertrauensvoll hoffen dürfen, dass angesichts unseres vergänglichen Lebens unsere Sehnsucht nach Heil eine Antwort findet, die die Grenze des Todes überschreitet.
   Keinesfalls verliert der Tod damit seinen bitteren Ernst und seine Radikalität; er ist für alle Menschen das Ende des irdischen Lebens. Dabei muss jeder Mensch für sich seinen Tod erleiden. Diejenigen, die zurückbleiben, spüren schmerzlich den Verlust.
   Der tote Leib des Menschen ist aber nicht nur Hülle, sondern gehört wesentlich zu seiner Perso- nalität und ist deshalb in pietätvoller Weise zu bestatten. Wenn uns auch die Trauer niederdrückt, so stärkt uns doch die christlich begründete Hoffnung, die nicht allein auf das Ende des irdischen Lebens schaut, sondern vor allem auf die Zukunft, die Gott eröffnet. Die Hoffnung auf ewiges Leben umspannt die Lebenden und die Toten und vereinigt sie zu einer Gemeinschaft, die der Tod nicht auseinander zu reißen vermag. Christen glauben daran: Die Toten leben in Gott und bleiben uns zugleich in anderer, neuer Weise nahe. Die Bestattung eines Menschen und der wiederkehrende Besuch am Grab eines Verstorbenen halten das Bewusstsein für diese Gemeinschaft wach. Der heilige Augustinus bringt das zum Ausdruck, wenn er sagt: “Ihr, die ihr mich geliebt habt, seht nicht auf das Leben, das ich beendigt habe, sondern auf das,welches ich beginne.” 
3. Zeichen christlicher Hoffnung
3.1 Anteilnahme

   Niemand sollte beim Tod eines ihm nahe stehenden Menschen in seinem Abschiedsschmerz allein bleiben müssen. Mit Verwandten, Freunden oder Nachbarn Trauer und Leid teilen zu können, gehört zu den kostbaren Erfahrungen des Lebens. Es ist tröstlich, einem Priester, Diakon oder einem eigens von der Kirche Beauftragten aus dem Leben des Verstorbenen erzählen zu können.Und es ist eine Stärkung, wenn in der Gemeinde Menschen gefunden werden, die helfen, die Antwort auf die schwere Frage zu geben: Was wird mit den Verstorbenen, was wird mit mir im Tod? Für Trauernde ermöglicht die Kirche mit ihren Gesprächskreisen in den Gemeinden, ihren Beratungsstellen und Bildungseinrichtungen ein weit gefächertes seelsorgliches Angebot der Orientierung, Begleitung und Unterstützung, gerade auch für Eltern und Familienangehörigen, die um ihr totes neugeborenes Kind trauern. Den Trauernden bei- zustehen  und sie zu trösten,  ist den Christen durch die Heilige Schrift als ein besonderes Werk christlicher Nächstenliebe aufgetragen. Dies gilt auch, wenn der Verstorbene selbst ohne kirchliche Bindung war, die Angehörigen aber um einen seelsorglichen Beistand bitten.     
3.2 Geleit
   Stirbt jemand, so betrifft das alle, die im Umfeld des Verstorbenen leben, wenn gleich in unterschiedlicher Weise. Dass jemand gestorben ist und Menschen hinterlässt, die um ihn trauern, muss nicht verborgen bleiben. Häufig wird durch die Todesanzeige oder durch die Ankündigung von Sterbeamt und Beerdigung in der Sonntagsmesse oder in der Trauerfeier noch einmal das Leben dieses Menschen in Erinnerung gerufen. Dies gibt denen, die in Beziehung zu dem Verstorbenen standen, die Möglichkeit der Anteilnahme an der Trauer der Hinterbliebenen sowie des fürbittenden Gebetes und der Mitfeier der Bestattung. Es ist ein großer Trost, wenn Verwandte, Freunde und Bekannte bei der Begräbnismesse in der Kirche, beim Gottesdienst in der Trauerhalle und bei der Beerdigung anwesend sind. In der Begleitung auf dem letzten Weg eines Menschen erweist die christliche Gemeinde dem Verstorbenen noch einmal den Dienst sichtbarer Gemeinschaft. Das Totengeleit ist ein Dienst aus dem Glauben, getragen von der Zuversicht, dass der Verstorbene in Gottes Hand geborgen ist.
3.3 Bestattung
   Tritt ein Trauerfall ein, so müssen die Angehörigen in kurzer Zeit eine Reihe von Ent- scheidungen treffen, die bedacht sein wollen. Die Priester und Mitarbeiter des Seelsorgeteams in den Gemeinden sind für die Hinterbliebenen Ansprechpartner bei der Vorbereitung einer kirchlichen Begräbnisfeier wie auch Gesprächspartner in der Trauerbegleitung. In dieser menschlich sehr belastenden Situation bieten die Bestattungs-Unternehmen in der Regel eine Reihe von Möglichkeiten an. Angefangen von den ersten Christengemeinden bis heute gilt in der Kirche die Erdbestattung als die vorrangige und bevorzugte Form der Bestattung, weil sie dem Begräbnis Jesu entspricht. Gerade in der Beerdigung des Leibes bezeugt der christliche Glaube die Würde der Schöpfung. Die verwendeten Gebete und liturgischen Riten tragen die Zuversicht in sich, dass der Herr  die Verstorbenen auferweckt und aufnimmt in seine Ewigkeit. Denn so wie Christus von den Toten auferstand, werden alle, die an ihn glauben, vom Tode auferstehen zum ewigen Leben. Werden andere Bestattungsformen gewählt, muss auch dort der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben seinen deutlichen Ausdruck finden.
3.4 Begräbnismesse
   Höhepunkt des katholischen Begräbnisses ist die Eucharistiefeier. Gerade in ihr weiß sich die christliche Gemeinde über den Tod hinaus mit ihren Verstorbenen verbunden. Im Vertrauen auf den Tod und die Auferstehung ihres Herrn Jesus Christus empfiehlt sie die Verstorbenen dem göttlichen Erbarmen. Christus, der von den Toten auferstanden ist, möge auch den Verstorbenen Anteil geben an seiner Auferstehung. Die Lebenden aber hören in der Begräbnismesse das tröstende Wort Gottes und werden gestärkt durch die Feier und den Empfang der Eucharistie. Wenn keine Begräbnismesse in unmittelbarer Nähe zur Bestattung möglich ist oder nicht gewünscht wird, soll doch in der Gemeinde zu einem anderen Zeitpunkt eine Messe für den Verstorbenen gefeiert werden.
3.5 Riten
    Der Tod lässt viele Menschen stumm werden. Sie fühlen sich angesichts des Todesschicksals ohn- mächtig und unfähig zu handeln. Im Ritus der Begräbnisfeier wird die Ohnmacht des Menschen be- nannt und zugleich aufgebrochen. Die Hoffnung auf ein ewiges Leben für den Verstorbenen wird im Gebet und Ritus zum Ausdruck gebracht. Die Worte der Heiligen Schrift und die Segnung des Toten sind besonders dichte Zeichen kirchlicher Gemeinschaft. Das Fürbittgebet an den Herrn des Lebens gibt Schmerz und Trauer eine Sprache. Die persönlichen Lebensdaten und das Lebensschicksal vermögen im Ritus der Bestattung, in der Ansprache und den Liedern und Gebeten ihren Raum zu finden. Gerade die Namensnennung in den liturgischen Gebeten macht deutlich, dass der Verstorbene nicht in die Anonymität des Vergessens bei Gott fallen wird. Die Gemeinschaft der Glaubenden und Hoffenden begleitet den Verstorbenen und tröstet die Trauernden. In besonderer Weise zeigt das Kreuz, das beim katholischen Begräbnis aufgerichtet wird, den Grund der christlichen Hoffnung für die Lebenden und die Verstorbenen an.
3.6 Erinnerungsorte
     Wenn der Verstorbene nicht über den Ort seiner Bestattung entschieden hat, ist diese Aufgabe den Hinterbliebenen übertragen. Immer häufiger wohnen die Familienangehörigen nicht in der Nähe der Grabstelle und sind daher kaum in der Lage, diese zu besuchen und zu pflegen. Dennoch ist es heilsam, die Stelle der Grablegung mit dem Namen des Verstorbenen zu kennzeichnen. Trauer und Toten- gedenken brauchen den konkreten Ort und konkrete Zeichen. Nach biblisch-christlichem Verständnis ist der Mensch nicht einfach Teil im ewigen Kreislauf der Natur, sondern in seiner je eige- nen Individualität Ebenbild Gottes, seines Schöpfers. Damit ist ihm eine personale Würde gegeben, die in seinem Namen ihren Ausdruck findet. Zur Personalität eines Menschen gehört auch sein religiöses Bekenntnis.
    An der Begräbnisstätte muss daher auch ein religiöses bzw. christliches Zeichen angebracht wer- den können, das eindeutig identifizierbar ist. In der katholischen Tradition sind neben dem Grabkreuz auch die Grableuchte und das Gefäß mit Weihwasser religiöse Gedenkzeichen eines Grabes. Innerhalb der Bestattungs-, Trauer- und Erinnerungskultur in unserer Gesellschaft ist der Friedhof der mehr- heitlich anerkannte und nach wie vor bevorzugte Ort. Als abgegrenzter Raum macht er deutlich, dass die Trennung von den Verstorbenen notwendig ist  und auch innerlich vollzogen werden muss. Für eine humane Kultur ist es zudem unverzichtbar, dass Begräbnisorte gleichsam im Sichtbereich der Lebenden liegen, um in diesen das Bewusstsein der eigenen Sterb- lichkeit wach zu halten. Dazu gehört auch die individuelle Gestaltung und Pflege des Grabes, die dem menschlichen Bedürfnis entgegenkommt, für Verstorbene noch “etwas tun zu können”. Die Anlage und Unterhaltung von Begräbnisorten sollten grundsätzlich in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft und Verantwortung liegen.
    Für Christen ist der Friedhof eine Stätte der Trauer und Hoffnung im Sinne der österlichen Verkündigung, dass die Verstorbenen wie Jesus zum Leben auferstehen und für immer bei Gott sein werden. Die Hoffnung auf die Auferstehung hängt zwar nicht davon ab, ob jemand begraben werden konnte. Doch ist es schmerzlich für die Zurückbleibenden, wenn ein solcher Ort fehlt oder faktisch nicht erreichbar ist. Trauerprozesse können so erschwert, ja sogar erheblich behindert werden. Totengedächtnisbücher, Erinnerungstafeln u. Ã¤. in den Kirchen und auf den Friedhöfen können im Blick auf diese Verstorbenen der Trauer und dem Gedächtnis einen Ort geben.       
3.7 Erinnerungskultur
   Der christliche Glaube leistet einen wichtigen Beitrag für eine Kultur des Trauerns und des Umgangs mit dem Tod, indem er die Frage nach den Toten und ihrem Schicksal wach hält. Die Kirche als Gemeinschaft versteht sich als Gemeinschaft der Lebenden und der Toten und ist deshalb Trägerin eines fortdauernden kulturellen Gedächtnisses über den Wechsel der Zeiten hinweg.Sie ist Erinnerungs- gemeinschaft. Die Lebendigkeit christlicher Gemeinden christlicher Gemeinden und ihre Liturgie als “Ge- dächtnispraxis” wehren jeder Tendenz, die Verstorbenen “technisch” zu entsorgen. Zu nennen sind die Feier des Sechswochenamtes, die Eucharistiefeier zum Jahresgedächtnis, Messfeiern und Andachten an Allerheiligen und Allerseelen, Gedenkgottesdienste für trauende Eltern und Angehörige und ihre verstorbenen Kinder. Der Verstorbenen wird aber auch  in jeder Messfeier und in der kirchlichen Stundenliturgie gedacht.
   Christen gedenken der Toten, weil sie leben, nicht damit sie leben. Auch Sünde und Schuld eines Menschen werden nicht verdrängt und vergessen. Vielmehr weist der Glaube um Vergebung, um Ver- söhnung und somit um Überwindung von Schuld und Sünde. Umgekehrt ist das, was ein Mensch Gutes getan hat, immer wieder Anlass zu dankbarer Erinnerung. Diese christliche Erinnerungskultur findet ihren gültigsten Ausdruck im Gebet und in der Eucharistiefeier.

Begraben an der Wurzel eines Baumes

   Eine alternative Bestattungsform ist heutzutage ein Begräbnis im Friedwald. Die Asche Verstorbener wird direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt, der in einem als Friedwald ausgewiesenen Wald steht. Hier sind die Gräber schlicht und einfach gehalten, ein Namensschild am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam.Wer eine anonyme Bestattung möchte, kann auch auf dieses Schild verzichten. Angehörige haben dennoch die Möglichkeit, die Grabstätte jederzeit zu finden, die Bäume sind gekenn- zeichnet und in Registern bei der Kommune und bei Unternehmen FriedWald eingetragen. Menschen, die sich für eine Baumbestattung interessieren, müssen sich grundsätzlich für eine Einäscherung ent- scheiden. Ein Großteil der Interessenten sucht sich zu Leb- zeiten den geeigneten Baum aus. Angehörige und Freunde werden über diesen Schritt informiert, im Idealfall wird eine Willenserklärung mit dem Beisetzungswunsch formuliert und handschriftlich hinterlegt. Bei der Baumauswahl besteht die Möglichkeit, sich für einen Gemeinschaftsbaum, einen Familien- oder Freundschaftsbaum oder einen Einzelbaum zu entscheiden. Insgesamt können an einem Baum maximal zehn Urnen bestattet werden. Die Preise für Familien- und Freundschaftsbäume beginnen bei 3.350 Euro. Der Platz an einem Gemein- schaftsbaum kostet 770 Euro. Infos: www.friedwald.de NOZ090130

Grundsätze der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Urnenbestattung in natürlicher Umgebung vom 6. Februar 2008. Urnenbestattung in natürlicher Umgebung

  In ihrem Dokument „Tote begraben und Trauernde trösten. Bestattungskultur im Wandel aus katholischer Sicht" haben sich die deutschen Bischöfe bereits einmal mit der Urnenbestattung im Wald befasst siehe Bericht oben. Verschiedene Diözesen haben mittlerweile den Seelsorgern klare Richtlinien für entsprechende Anfragen an die Hand gegeben. Die folgenden Grundsätze bauen auf diesen Regelungen auf und können möglicherweise dort, wo bisher keine Regelung existiert, hilfreich sein.
    1. Auch wenn nicht allen, die eine Urnenbeisetzung im Wald wünschen oder derartige Anlagen betreiben oder befürworten, Motive unterstellt werden dürfen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, bleiben grundlegende Bedenken gegen diese Bestattungsform. Sie fördert privat- religiöse, naturreligiöse oder pantheistische Vorstellungen und verbannt die Verstorbenen noch mehr aus dem alltäglichen Lebensraum der Lebenden in einen oft weit entfernten Wald. Eine Mitwirkung katholischer Amtsträger (Geistlicher und beauftragter Laien) bei der Errichtung oder Eröffnung entspre- chender Anlagen ist daher nicht möglich.
    2. Hinsichtlich des Wunsches eines Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen nach Urnenbeisetzungen im Wald sind folgende Grundsätze zu beachten:
   Beim kirchlichen Begräbnis erfleht die Kirche für die Verstorbenen geistlichen Beistand und gibt den Lebenden den Trost der Hoffnung vgl. can. 1176 § 2 CIC. Den verstorbenen Gläubigen ist nach Maßgabe des Rechts ein kirchliches Begräbnis zu gewähren vgl. can. 1176 § 1 CIC. Das kirchliche Begräbnis ist denjenigen zu verweigern, die sich aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung entschieden haben, sofern sie nicht vor dem Tod irgend- welche Zeichen der Reue gegeben haben vgl. can. 1184 § 1 n. 2 CIC. Das bedeutet, dass der zu- ständige Geistliche - wie bisher - in jedem Einzelfall zu entscheiden hat, ob ein kirchliches Begräbnis möglich ist oder verweigert werden muss. Insbesondere ist dabei zu prüfen, ob naturreligiöse, pan- theistische oder andere der christlichen Glaubenslehre widersprechende Motive zu der Entscheidung für eine Urnenbestattung im Wald geführt haben. Wenn ein kirchliches Begräbnis nach Maßgabe der liturgischen Vorschriften nicht möglich ist, sollen aber den Angehörigen - sofern sie es wünschen - geistliche Hilfen nicht vorenthalten werden.
   3. Im Gespräch mit den Angehörigen soll der Seelsorger deutlich machen, dass die zentrale Feier eines kirchlichen Begräbnisses die Begräbnismesse ist. Darüber hinaus richtet sich die Form des kirch- lichen Begräbnisses auch im Fall einer Urnenbeisetzung im Wald nach den liturgischen Vorschriften.
   4. Zuständig für die Begräbnismesse, die Feier der Verabschiedung und gegebenenfalls die Feier der Urnenbeisetzung ist grundsätzlich der Heimatpfarrer des Verstorbenen, nicht aber der Pfarrer, auf dessen Pfarrgebiet sich der Begräbnisort befindet. Bei einer Urnenbeisetzung im Wald liegt es im Ermessen des Heimatpfarrers, ob er an einer gottesdienstlichen Feier teilnimmt.
   5. Nach Möglichkeit soll die liturgische Feier der Verabschiedung und der Segnung des Verstorbenen vor der Einäscherung in der Kapelle des Friedhofs oder des Krematoriums stattfinden. Wo eine solche Feier vor der Einäscherung nicht möglich ist, sollte sie mit der Begräbnismesse verbunden werden oder als Wort-Gottes-Feier in der Pfarrkirche oder der Friedhofskapelle stattfinden, bevor die Urne zum Ort der Bestattung im Wald überführt wird.
   6. Die Mitwirkung eines Geistlichen oder eines mit dem Begräbnisdienst beauftragten Laien an einer Urnenbeisetzung im Wald ist nur erlaubt, wenn es möglich ist, die Grabstätte dauerhaft durch Namen und ein christliches Symbol zu kennzeichnen.
   7. Die Mitwirkung an einer Bestattungsfeier, bei der die Totenasche verstreut wird, ist Geistlichen und beauftragten Laien untersagt. (Deutsche Bischofskonferenz, Liturgiekommission).
KAos090
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Rituale „Die Feier des Begräbnisse” - Approbation der 2. Auflage

   In der Vollversammlung hat die Deutsche Bischofskonferenz eine 2. Auflage des Rituale „Die Feier des Begräbnisses” approbiert. Die deutschen Bischöfe gehen davon aus, dass derselbe Text auch von der Österreichischen Bischofskonferenz und der Schweizer Bischofskonferenz sowie durch die Erzbischöfe von Luxemburg und von Vaduz anerkannt wird. Nach der Rekognoszierung durch die Gottesdienst- kongregation wird damit wiederum eine gemeinsame Ausgabe dieses Rituale für das deutsche Sprach- gebiet zur Verfügung stehen. Die Fragen einer würdigen Gestaltung von Bestattungen und der pastoralen Sorge für die Hinterbliebenen hat uns in letzter Zeit immer wieder beschäftigt. Im Umfeld von Bestattung und Trauer stellen wir eine zunehmende Sinnentleerung von Riten und Bräuchen fest. Das neue Ritenbuch, das Gebete, Texte und liturgische Anweisungen für die Begräbnisfeier enthält, nimmt diese neuen Entwicklungen auf und sucht ihnen zu begegnen. DT060311

Spaemann,Rob-1x          Robert Spaemann, Universität München

Gedanken des Philosophen Prof. Robert Spaemann:
Sterben-Heutzutage. Eine parteiliche Schilderung der Dinge

    Das Wissen vom Tod erst lässt uns entdecken, was leben heißt. Die heimliche Angst vor dem Tod aber vereinsamt jeden Menschen, denn es gibt kein gemeinsames Sterben. Jeder muss es allein tun, und wem das einmal bewusst geworden ist, für den ist es nicht möglich, den Sinn seines Daseins aus der Gesellschaft zu beziehen. Denn er wird die Gesellschaft verlassen und sie ihn.
    Dieses Wissen ist eigentümlich ambivalent. Einerseits hat es die Tendenz, dem menschlichen Tun und Treiben jeden Sinn zu entziehen; es ist am Ende alles vergeblich. Andererseits ist es erst die gewusste Endlichkeit, die dem Dasein seine Kostbarkeit gibt. Würden wir nicht sterben, verlöre alles seine Bedeutung. Alles, was wir heute tun, könnten wir ebenso gut morgen tun. Für eine auf Liebe gegründete menschliche Lebensgemeinschaft sind 60 Jahre eine kurze Zeit. Man kann am Tag der Goldenen Hochzeit den Wunsch haben, jetzt möchte es erst richtig anfangen. Aber ohne Ende? Das würde sofort alles zerstören. Das Wissen vom Ende eröffnet uns erst die Dimension von Sinn, in der dann auch das Gefühl der Sinnlosigkeit möglich wird.
    Wie geht die Gesellschaft um mit Sterben und Tod, also mit dem, was jeden Totalitarismus der Gesellschaft scheitern lässt? Sterbend spätestens hört der Mensch auf, Glied eines sozialen Ganzen zu sein. Der Staat kann mit dem Tod drohen, aber niemand ist stärker - und unter Umständen ge- fährlicher - als der, der die Todesfurcht überwunden hat. Die Drohung mit dem Tod ist eine mächtige Waffe. Die Drohung wahr machen zu müssen, ist eine Niederlage.
   Die ritualisierte Sterbe- und Begräbniskultur der europäischen Tradition war ein dialektisches Phänomen, ein Phänomen der Selbstrelativierung der Gesellschaft. Indem sie den Tod in kultische Formen einbettete, machte sie ihre eigene Infragestellung zu einem Teil ihrer selbst. Das setzte ein religiöses Bewusstsein voraus. Wodurch die Gesellschaft relativiert wurde, dadurch wurde sie zugleich legitimiert. Indem sie sich als Nicht-Gott bekannte, konnte sie ihre Autorität als göttlich sanktioniert verstehen. Der Glaube an das ewige Leben relativierte auch den Gegensatz von Leben und Tod. Auf einem alten Richtschwert in Münster stehen die Worte: «Wenn ich tu das Schwert aufheben, wünsch ich dem armen Sünder das ewige Leben». Die strukturell atheistische Moderne muss den Gegensatz von Leben und Tod als absoluten begreifen. «Ich lebe in meinen Kindern weiter» - das ist für den sich als individuelle Person erlebenden Menschen eine leere Phrase.
   So kämpft die Gesellschaft verbissen um die Verlängerung des Lebens, um doch am Ende jedes Mal kapitulieren zu müssen. Sie kann keine authentischen Rituale zur Begleitung dieses Endes entwickeln. Da sie über keinen Horizont der Selbstrelativierung verfügt, entwickelt sie zunächst die Tendenz, den Tod aus dem Bewusstsein zu eliminieren. Er findet immer häufiger in irgendeinem Abstellraum einer Klinik statt.
   Die Folge: verdrängte, aber gesteigerte Todesangst. Die meisten Menschen haben es heute vor sich, sterben zu müssen, ohne jemals beim Tod eines anderen Menschen dabei gewesen zu sein! Die weitere Tendenz aber geht dahin, diejenigen einfach still zu eliminieren, die nicht mehr als Mitglieder der sozialen Welt wahrgenommen werden können. Holland mit seinem Euthanasiegesetz ist keineswegs international geächtet, sondern seine tötenden Ärzte fühlen sich als Avantgarde. Und nun kann es auf einmal gar nicht mehr schnell genug gehen. Die neue Definition des Todes als «Hirntod» ermöglicht es, atmende Wesen für tot zu erklären und den Prozess des Sterbens zu beseitigen, um den Sterbenden als Ersatzteillager für Lebende auszuschlachten. Der Tod steht nicht mehr am Ende des Sterbens, sondern - durch Dekret einer Harvardkommission - an dessen Anfang.
   Die jüdisch-christliche Sitte der Erdbestattung wird in wachsendem Maße ersetzt durch die maschinelle Leichenvernichtung durch Hochtemperaturen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Krematorium. Und immer mehr Menschen glauben, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, wenn sie, um ihnen Kosten zu ersparen, sich anonym verscharren lassen. Das älteste Unterscheidungsmerkmal des homo sapiens, die rituelle Totenbestattung, verschwindet.
   Das ist eine parteiliche Schilderung der Dinge. Aber die offizielle Normalbeschreibung ist es nicht weniger. Sie besteht aus lauter Schönrednerei. Ich schlage nichts vor. Jede Besinnung auf die Grund- lagen der Humanität setzt voraus, dass wir uns zunächst einmal Rechenschaft geben über das, was ist.
Gekürzt aus: Internationale Katholische Zeitschrift COMMUNIO 35.Jg. Robert Spaemann – Heutzutage

Krematorium überträgt Verbrennungen im Netz

   Ein neues Krematorium im westenglischen Exeter überträgt Verbrennungen künftig im Internet. Damit sollen auch verhinderte Angehörige die Möglichkeit erhalten, live an der Bestattung teilzunehmen. Um die Übertragung zu sehen, müssen die Online-Trauergäste laut einem Bericht des Senders BBC einen Code auf der Webseite des Krematoriums eingeben. Der Direktor der Anlage, Chris Johns, sagte, der neue Dienst antworte auf die Bedürfnisse der Kunden. Zur Einrichtung des neuen Krematoriums gehören nach Angaben in dem BBC-Bericht auch besonders große Öfen; Grund dafür sei die zunehmende Fettleibigkeit der Bevölkerung. FAZ110412kna

Umzug mit Urne - Deutsche wollen Asche mitnehmen

   63 Prozent der Bundesbürger fänden es gut, wenn man die Urne mit der Asche eines verstorbenen Angehörigen bei einem Umzug mitnehmen könnte. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage unter 1000 Bundesbürgern im Auftrag der Verbraucherinitiative Aeternitas. „In der Praxis werden solche Umbettungen nur selten erlaubt", sagte Aeternitas-Sprecher Alexander Heibach gestern. Da aber immer mehr Leute aus beruflichen Gründen umziehen müssten, sei dies zunehmend ein Problem. NOZ100909dpa

   Zwei Drittel der Deutschen wollen die Urnen ihrer Verstorbenen in ihrem privaten Umfeld aufstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Institutes Emnid. 58 Prozent der Befragten halten die Verbindlichkeit, die Toten auf dem Friedhof zu bestatten, für nicht mehr zeitgemäß. Die Verbraucher- initiative Bestattungskultur „aeternitas“ weist auf einen Wandel in der Geschichte des Bestattungs- wesen hin. So seien die Feuerbestattungen von 32 auf 48 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, auch die Zahl der anonymen Beerdigungen steige. Der Pressesprecher von aeternitas gab bekannt, dass die Verbraucherinitiative weiter für die traditionelle Friedhofskultur eintreten werde, jedoch den Wunsch vieler Bürger nach „Friedhofsrecht statt Friedhofspflicht“ verfolgen werde. RV101027kipa

  Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn Röm 14 Predigt des
Bischofs von Osnabrück Franz-Josef Bode: Menschenwürdig leben bis zuletzt

WJT22

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitchristen!
   Menschenwürdig sterben - darüber wird in der letzten Zeit wieder viel geredet. Gesellschaftliche Gruppen, die sich aktive Sterbehilfe auf die Fahnen geschrieben haben, treten in die Öffentlichkeit und propagieren den ,sanften Freitod’, die Verfügung über das eigene Leben. Weithin unbemerkt und schleichend wächst die Zahl derer, die - nicht selten in Unkenntnis der Zusammenhänge - den Formen aktiver Sterbehilfe Positives abgewinnen oder sie gar nach und nach für sinnvoll halten.
   Schon was den Anfang des Lebens angeht, ist in der öffentlichen Wahrnehmung Grundlegendes ins Wanken geraten. Es ist nicht mehr unbestritten, dass der Mensch vom ersten Augenblick an, von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an, wirklich Mensch ist, ein ganzer Mensch. So wird - auch aus wirtschaftlichen Motiven - der Weg dafür bereitet, die Gesetze in Hinblick auf die Stammzellen- forschung an Embryonen zu lockern. Der Druck wird größer in dieser Frage. Wo die Auffassungen über den Anfang   des   menschlichen   Lebens unklar werden, da werden sie es oft auch in Bezug auf das Ende, zumal Leid und Tod von vielen verdrängt werden wie nie zuvor. Und dann frage ich mich immer wieder nach einem Wort von Kardinal Martini: Werden die Kinder ihre Eltern so aus der Welt begleiten oder begleiten können, wie die Eltern ihre Kinder zur Welt bringen und in die Welt bringen? Wo Jugendlichkeit, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Wellness und Wohlergehen die höchsten Werte sind, haben Grenzerfahrungen von Leid und Tod keinen Platz - allenfalls noch als Nervenkitzel in Darstellun- gen von Gewalt, Mord und Totschlag.
   Aber das Thema Leiden, Sterben und Tod lässt sich nicht aus der Welt verbannen, weil es zu unserem Leben dazugehört. Darum ist es gut, dass gerade in den letzten Jahren viele Menschen neu ins Nachdenken kommen über die existenziellen Fragen um Leben und Sterben, um Tod und Ver- gänglichkeit. Auch junge Menschen setzen sich damit stark auseinander. Sterbebegleitung und Hospizarbeit haben in unseren Gemeinden stark zugenommen,
   Patientenverfügungen stoßen auf millionenfaches Interesse - auch solche Verfügungen, die auf unserem christlichen Glauben basieren. Unter anderem ist es gerade die Hospizbewegung, die bei uns in Deutschland ihre Stimme wahrnehmbar und kritisch erhebt in der sich verschärfenden Debatte über die aktive Sterbehilfe.
   Die folgenden Überlegungen können sicher nicht das ganze weite Feld unseres Themas abdecken; sie können aber hilfreich sein für einige Grundvergewisserungen und auch für unsere pastorale Praxis.

Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, ster- ben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Röm 14,7f

    Diese eindeutige Aussage des Apostels Paulus im Römerbrief bezieht sich auf Jesus Christus, der am Kreuz für uns eines gewaltsamen, aber von ihm selbst angenommenen Todes gestorben ist, und der durch seine Auferstehung Leid und Tod in Geburtswehen zu neuem und unvergänglichem Leben wan- delte.
   „Auf vielen Osterbildern”, so schrieb Bischof Franz Kamphaus vor kurzem in einem Zeitungsartikel „gibt sich der auferstandene Christus ausdrücklich durch seine Wundmale zu erkennen. Mit Verherr- lichung von Schmerz und Leid hat das so wenig zu tun wie die Verehrung des Kreuzes. Wenn der christliche Glaube von früh an in diesem Marterpfahl den Baum des Lebens erblickt, dann nur, weil das Kreuz in paradoxer Verhüllung das Geheimnis der Liebe Gottes offenbart. Die antike Philosophie dachte, Gott könne nicht leiden und schon gar nicht sterben. Könnte er es, wäre er nicht Gott. Im christlichen Glauben offenbart das Kreuz, dass Gott durch sein Leiden und Sterben nichts an Göttlichkeit einbüßt. Es zeigt, dass die Liebe jeden, selbst Gott verwundbar macht; nur der kann lieben, der bereit und fähig ist zu leiden.” So weit der Bischof von Limburg.
   Zur christlichen Lebenskunst (ars vivendi) gehört die christliche Kunst zu sterben, die „ars mori- endi”. Sie beginnt nicht erst im Sterben, also am Lebensende. Zu ihr gehört vielmehr schon jetzt jedes Loslassen-Müssen, jeder Abschied, aber auch jedes Freiwerden von falschen Bindungen und von Abhängigkeiten. Wer das Loslassen-Können, den Umgang mit Grenz- und Leiderfahrungen durch ein Leben mit Christus, dem Gekreuzigt-Auferstandenen, beizeiten eingeübt hat, wird im Sterben und im Tod seinen Weg zu Gott finden - gemeinsam mit Menschen, die ihn begleiten.
   Der Blick auf den Gekreuzigten, auf den, der als Gott ganz Mensch für uns geworden ist bis in den Tod, kann uns Hilfen geben zur Klärung der Fragen um menschenwürdiges Sterben. Ich bin überzeugt, dass die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz, wie die Evangelien sie uns überliefern, dafür entscheidende Hinweise geben. Immerhin sind die letzten Worte auch eines Menschen für uns wie ein Testament, wie ein wichtiges Vermächtnis.

1. Das erste Wort: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht,
was sie tun”
Lk 23,34; oder: versöhnt leben und sterben

   Es ist für das Sterben eines Menschen von großer Bedeutung, ob er zur Vergebung findet und damit zur Versöhnung, zur Aussöhnung mit der Wirklichkeit. Viele Leidens- und Sterbeprozesse werden da- durch erschwert und belastet, dass Verletzungen und Schulderfahrungen nicht ausgesprochen und los- gelassen sind, dass Menschen sich mit ihrer Vergangenheit nicht ausgesöhnt haben, die Gegenwart nicht annehmen können und darum zu dem nahenden Tod nicht Ja sagen können. Das gilt freilich auch, wenn  Menschen aus der Umgebung des Sterbenden nicht zum letzten Schritt der Vergebung bereit sind. Verbitterung über Vergangenes, innere Abkapselung, nicht verheilte Wunden lassen Menschen oft nicht zur Ruhe kommen und vergrößern dann die Versuchung, sich all dessen durch einen Schnitt, durch einen schnellen Tod zu entledigen. Verstärkt wird diese Versuchung auch durch Schuldgefühle, die sich einstellen, weil man den Angehörigen zur Last fallen könnte. Solche Schuldgefühle sind nur zu be- wältigen, wenn die Umgebung zu dem Leidenden und Sterbenden steht, ihm wirklich beisteht, und nicht den Eindruck erweckt, man wünsche sich eine möglichst baldige „Erledigung“ dieses „Falls”. Umgekehrt gibt es immer wieder auch Schuldgefühle bei den Angehörigen, den Alten und Sterbenden nicht genügend gerecht zu werden.
    Dafür sind Aussprache und Vergebung unendlich wichtig! Vergessen sollten wir in diesem Zusam- menhang auch nicht das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, die rechtzeitig besonders gegen Ende des Lebens eine befreiende Wirkung hat, sowohl für die Sterbenden, wie auch für die Angehörigen. Alle Verbitterungen und Belastungen können unter das lossprechende, erlösende Wort Christi gestellt werden, das der Priester in seinem Namen aussprechen darf. - Hier wird einmal mehr deutlich, dass die Beichte nicht zum ,Kindersakrament’ werden darf.

     2. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein” Lk 23,43
oder:  Leben und sterben mit Christus

   Die Beschreibung des Paradieses gibt Jesus selbst am Kreuz: mit Ihm sein, bei Ihm sein - das ist Paradies, das ist volles Leben, immer neues Leben. Diese Zusage wird dem Mitgekreuzigten gegeben, der in aller Demut  nur  die  wenigen  Worte  herausgebracht hat: „Jesus, denk an mich ...” Wie notwendig ist es, Menschen rechtzeitig dazu zu befähigen, dass sie an ihrem Ende dieses Wort aussprechen können: „Jesus, denk an mich ...”, und auch Menschen zu befähigen, betend und tröstend bei den Fragenden und Bittenden auf dem letzten Weg auszuharren und nicht zu flüchten.
    Es darf nicht sein, dass Angehörige nicht mehr mit und bei Sterbenden beten können, weil sie keine Gebete mehr kennen. Es muss auch mehr und mehr Aufgabe der Gemeinde werden, Kranke und Sterbende durch ihr Gebet, durch die Worte unseres Herrn und durch die Sakramente zu begleiten. Ich begrüße und wertschätze ausdrücklich alle Bemühungen in den Gemeinden und durch Ordensgemein- schaften, die christliche Sterbebegleitung, die Hospizarbeit und auch die Notfallseelsorge zu verstärken oder diese Dienste für die Zukunft besonders in den Blick zu nehmen. So wie es in jeder Gemeinde heute erfreulicherweise Eltern-Kind-Gruppen gibt, so müssten sich in jeder Gemeinde Menschen dafür bereiten, den Kranken und Sterbenden beizustehen, ob sie Zuhause, im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim oder am Unfallort sterben. Daher sind Vernetzungen zwischen Gemeinden, Krankenhäusern und Pflegeheimen zu verstärken. In unserer Diözese gibt es unter anderem bereits 33 ambulante Hospizinitiativen. Zu ihnen kann Kontakt aufgenommen werden - auch mit Unterstützung durch das Seelsorgeamt unseres Bistums.
   Ist nicht die Sehnsucht vieler, wieder beten zu lernen - bei, mit, vor Gott zu verweilen, mit Ihm ins Gespräch zu kommen, vor Ihm zu leben -, ist das nicht eine Sehnsucht, die wir in Gebetsschulen,,Exerzitien im Alltag’, im Bibelteilen als Einzelne, in unseren Familien und in kleinen christlichen Ge- meinschaften vertiefen sollten?! Wenn wir im Leben immer wieder bei Gott, vor Gott verweilen, dann werden wir dies auch im Sterben als helfende Kraft erfahren.
   Damit Menschen in Christus, mit Christus leben und sterben können, darum kommt den Sakra- menten eine hohe Bedeutung zu, der Hauskommunion und den Krankensakramenten. Wer regelmäßig mit Christus im Sakrament verbunden ist, lebt in einer Beziehung zu ihm, die dann auch in schwerer Krankheit  und im Sterben tragfähig ist.  Es ist ein wichtiger Dienst der Gemeinde, am Herz-Jesu- Freitag die Hauskommunion zu feiern. Wo es möglich ist, wäre es sicher gut, auch nach den Sonntag- gottesdiensten und an den Feiertagen ans Haus gebundene Menschen durch Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer am Leib Christi teilhaben zu lassen. Auch im Sakrament der Krankensalbung richtet Christus auf und stärkt den Kranken. Sie gehört nicht erst in die letzten Stunden als unmittelbare Vorbereitung auf den Tod, sondern sie schenkt schon vorher  bei ernster Krankheit  die heilende und tröstende Kraft Christi. Dieses Sakrament zum Leben ist eine tiefreichende Antwort auf die Bitte „Jesus, denk an mich ..., jetzt und in der Stunde meines Todes.” - Es gibt viele Ansätze in den Gemeinden, dieses Sakrament in guter Weise kranken Menschen nahe zu bringen.

    3. Das Dritte der sieben letzten Worte Jesu: „Frau, siehe, dein Sohn! -
Sohn, siehe, deine Mutter!”
Joh 19,26f oder: in Gemeinschaft leben und sterben

   So sehr jeder Mensch seinen eigenen Tod stirbt und seinen ganz persönlichen Schritt tun muss, den niemand außer Christus mitgehen kann, so notwendig ist doch menschliche Gemeinschaft im Prozess des Sterbens. Niemand sollte allein und unbegleitet sterben, und kein Angehöriger sollte um die Möglichkeit gebracht werden, in angemessener Weise Abschied nehmen zu können.
    Jesus begründet unter seinem Kreuz eine neue Gemeinschaft zwischen seiner Mutter und seinem Jünger. Damit begründet er unter seinem Kreuz die Kirche, die aus der Kraft seines Leidens, aus der Kraft seines Geistes lebt, weitergeht und Zukunft hat. Wie oft werden Familien - auch untereinander entfremdete Familienmitglieder - noch einmal durch das Sterben des Vaters oder der Mutter zusammengeführt! Wie hilfreich und trostreich kann es sein, wenn die Familie um den Sterbenden versammelt ist! Wie viel Kraft für eine gemeinsame Zukunft kann daraus erwachsen! Und wie wichtig ist es, dass der Sterbende auch die „Familie seiner Kirche”, die Gemeinde, erfahren kann in Menschen, die im Auftrag  der Kirche zumindest für eine gewisse Zeit dabei sind! 
   Nicht zu flüchten vor der Krankheit und dem Sterben, sondern auszuhalten, mit zu leiden wie Maria und Johannes unter dem Kreuz, das ist ein Dienst, der von Christus die Zusage erhält, eine neue, tiefe Gemeinschaft mit Gott und untereinander zu begründen! Die Stunden am Krankenbett und am Sterbebett eines Menschen sind keine verlorene Zeit. Sie führen zur Mitte und zum Wesentlichen, weil es eben um Leben und Tod geht, und weil sie uns eine neue Erfahrung von Nähe und Gemeinschaft mitten in allem Schmerz des Abschieds schenken.

4. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”  Mt 27,46
oder: in Angst und Not leben und sterben

    Auch Jesus macht in seinem Todeskampf die Erfahrung der Verlassenheit - wie so viele Menschen, die mit dem Unbegreiflichen des Leidens und Sterbens ringen.
    Die Warum-Frage wird gestellt und findet letztlich keine andere Antwort, als dass Christus selbst uns in diesem Schrei, in dieser Frage nicht allein lässt. Wir können das Dunkel des Todes nicht wegdisku- tieren, nicht wegbeschönigen und auch nicht wegbegleiten. Zunächst stellen Leid und Tod uns Men- schen vor die letzte große Herausforderung und führen uns an einen Abgrund voller Angst und Schrecken. Die alttestamentlichen Psalmen legen bewegend Zeugnis dafür ab, dass und wie der Mensch seine Klage, seine Not, seine Angst vor Gott bringen darf, wie Hadern und Ringen dazu- gehören, um sich doch zu neuer Perspektive durchzuringen. Der Schrei Jesu: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen” ist der Beginn des großen Psalms 22, den die Menschen seinerzeit auswendig konnten. Er führt den Beter über den Verlassens-Schrei hinaus hin zu dem erlösten und erlösenden Wort:  „Deine Treue preise ich in großer Gemeinde.”
    Freilich müssen wir alles tun, um Schmerzen und Verlassenheit zu lindern. Beides ist heute sehr wohl möglich.
   Doch das tiefe Leid, das trotzdem bleibt, darf nicht dazu führen, der Versuchung zu erliegen, ‘selbst- herrlich’ über den Sterbeprozess zu verfügen. Durch das Mitleiden Jesu mit uns und für uns sind Leid und Tod hinein genommen in den Weg zum größeren Leben bei Gott.
    Sprachlich richtiger müsste das „Warum” im Schrei Jesu eigentlich mit „Wozu” übersetzt werden. Darin schwingt die Suche nach einem Ziel, nach einem Sinn des Leidens mit. Diese Suche fragt nicht nur nach für uns ohnehin unerfindlichen Gründen, sondern hält auch Ausschau nach vorn, wohin denn diese Dunkelheit des Todes führt. Tod ist dann nicht nur schmerzlicher Abschied,sondern auch Öffnung, Erlösung auf neue ungeahnte Zukunft hin: „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was in keines Menschen Sinn gekommen ist, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben” vgl. 1 Kor 2,9.

5. „Ich bin durstig” Joh 19,28  oder: Leben und sterben voller Sehnsucht

  Jesu Durst am Kreuz ist ein Ausdruck des Durstes des Menschen nach Leben, Sinn, Hoffnung, Liebe, Vollendung. Der leibliche Durst, der so oft auch bei Sterbenden behutsam und liebevoll zu stillen ist, entspricht einem inneren Durst nach Erfüllung dieser Sehnsucht, nach dem ganz Anderen, das sich nun zeigen soll und zeigen will. Deshalb reicht es nicht, in der Sterbestunde allein die äußeren Bedürfnisse des Menschen so weit wie möglich zu erfüllen, damit er seinen letzten Weg in Würde gehen kann. Schon früher im Leben muss er die Möglichkeit haben und ergreifen, die Sehnsucht nach dem Größeren und Anderen einzuüben und wachsen zu lassen. Wer sein Leben immer durch schnelle Bedürfnisbefrie- digung und durch Konsum gestaltet hat, wer im Leben nichts verpassen wollte, wer lebte, als sei es die letzte Gelegenheit, wird auch am Ende des Lebens nur schwer eine wirkliche Sehnsucht nach Gott, nach Licht und Frieden, nach einem echten Ziel entwickeln.
   Das gilt ebenso für alle Begleiterinnen und Begleiter, die nicht im Innersten davon überzeugt sind, dass im Tod nicht nur der Schlussstrich unter ein möglichst erfolgreich verkonsumiertes Leben gezogen wird, sondern sich eine völlig neue und andere Möglichkeit auftut: den Tod als Tor zu durchschreiten und erwartet zu werden von einem Gott, der in Jesus Christus ein Gesicht hat und uns anspricht: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters” vgl. Mt 25,34 und: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe schenken” vgl. Mt 11,28. Ist nicht auch alle Sehnsucht nach „zu Hause”, die Menschen in Krankheit und Sterben so stark empfinden, der Ausdruck einer Sehnsucht nach einem Zuhause, das letztlich kein Mensch geben kann?! Einer der schönsten Psalmen des Alten Testaments endet mit der festen Zuversicht: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit” Ps 23,6.

6. „Es ist vollbracht” Joh 19,30  oder: vollendet leben und sterben

   Es erfordert eine hohe Sensibilität und Unterscheidungsgabe zu beachten, wann man einen Men- schen in Ruhe sterben lassen sollte, wann der Zeitpunkt der Erfüllung gekommen ist und lebens- verlängernde Maßnahmen nicht mehr sinnvoll sind. Jeder weiß, wie schwer diese Balance zwischen notwendiger Hilfe zum Leben und dem Sterben lassen zu halten ist. Die christlichen Patienten- verfügungen können dabei hilfreich sein, über das Sterben und die eigenen Vorstellungen im Umgang mit lebensbedrohlichen Erkrankungen mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen und Entscheidungen festzulegen, auch wenn letztlich nicht alles im voraus zu regeln und zu klären ist.
   Der in diesem Jahr von uns gegangene Papst Johannes Paul II. hat in seinem Leben viele Menschen tief beeindruckt; in seinem Sterben bewegte er sie nicht weniger. Seine WortIosigkeit in den letzten Tagen und Stunden war fast noch beredter als seine Worte, weil er den leidvollen Weg seiner Krankheit angenommen und auch getragen hat - bis zum Letzten. Und am Ende hat er das Sterben zugelassen, ohne sich noch einmal große medizinische Hilfen geben zu lassen. - Freilich ist eine solche Entscheidung oft nur nach menschlichem Ermessen und eben sehr schwer zu treffen. Dennoch können Menschen, auch Begleiter und Ärzte, eine Sensibilität aus dem Glauben und aus der Erfahrung entwickeln, die ein Leben nicht vorzeitig beendet, sondern es wirklich zu einem Sterben in Ruhe kommen lässt.
   Unsere Krankenhäuser mit ihren Palliativstationen, unsere Hospiz-Einrichtungen, unsere Alten- und Pflegeheime, unsere caritativen Gruppen in den Gemeinden, Ethik-Komitees und auch viele Familien beschäftigen sich in den letzten Jahren sehr intensiv und existenziell mit diesen Fragen und entwickeln eine Unterscheidungsgabe  in hoher Verantwortung aus dem Glauben. Die großartigen Möglichkeiten der Medizin heute haben eben auch ihre Kehrseiten, die immer mit zu bedenken sind.

7. Das letzte der sieben Worte Jesu: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist”
Lk 23,46  oder: gelassen und aufgehoben leben und sterben

   Am Ende gibt Jesus sich hin, lässt alles los und empfiehlt sich in ,Gelassenheit’ und Vertrautheit der Hand des Vaters. Sein Fallen in die Dunkelheit des Todes ist ein Fallen in die Hände Gottes. Tod nicht als Schlusspunkt nur, sondern als Doppelpunkt des Lebens, denn gemäß der Hoffnung, in der wir fest stehen vgl. Hebr 11,1, folgt anderes und größeres Leben, das sich in der Auferstehung Jesu unüber- sehbar gezeigt hat. Deshalb darf unser Umgang mit Sterbenden und mit dem Tod, auch mit der Trauer durchdrungen sein von dieser Hoffnung, die nichts Dunkles übersieht, aber eben weiter sieht ins Leben.

„Ich wünsche uns Osteraugen, die im Tod bis zum Leben,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Herrlichkeit,
im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im Ich bis zum Du zu sehen vermögen.
Und dazu alle österliche Kraft.”
Wunsch von Bischof Klaus Hemmerle, Aachen,  kurz vor seinem Tod
bei seinem letzten Osterfest an die Menschen, die er zurückließ.

   Das hat auch Bedeutung für unseren Umgang mit den Verstorbenen. Bestattungen, die das persönliche Aufgehobensein in Gott nicht deutlich machen, sollten wir in unserer Kirche nicht fördern. Anonymität also wird der persönlichen Würde des von Gott  beim Namen Gerufenen nicht gerecht. Bestattungen, die den Leichnam nur einem ewigen Sterben und Werden der Natur zurückgeben und den Ort nicht mit einem christlichen Symbol versehen - vor allem mit dem Kreuz -, verdunkeln einen Kern unseres Glaubens: dass die Toten in Christus gestorben sind und leben, und dass die Erlösung durch Christi Tod das Tor zum Leben ist und nicht ein Naturvorgang. „Ich bin der Weg, die Wahrheit  und  das  Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich”Joh 14,6; „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben” Joh 11,25f. - Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass ER der Grund unseres künftigen Lebens ist.
    Deshalb ist auch unsere christliche Friedhofskultur sehr wichtig, weil wir damit ‚Modelle’ und Anregungen geben, wie menschenwürdige Bestattungskultur letztlich dem Leben dient: dem Leben vor dem Tod, weil Menschen besser um ihren Weg und ihr Ziel wissen; und dem Leben nach dem Tod, weil wir nicht der Versuchung erlegen sind, in diesem Leben alles auskosten zu müssen - „Lasst uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot” vgl. 1 Kor 15,32 -, sondern es als einen Weg zu einer Vollendung gelebt haben, die in den Händen Gottes liegt und damit in den besten Händen.
    Liebe Schwestern und Brüder, die Worte Jesu am Kreuz durchleuchten das Kreuzesgeschehen - und damit das Leben und Sterben von uns Menschen. Sie haben auch Ostern mit bereitet, weil sie mitten in Verlassenheit, Gewalt und Verbrechen eine Perspektive geöffnet haben für das eigentliche Ziel des Menschen bei Gott. Jesus hat sich nicht gescheut, unser Leben ganz anzunehmen, von der Krippe bis zum Kreuz, vom Geburtsschrei bis zum Todesschrei. Der Blick auf den Mensch gewordenen und ge- kreuzigten Erlöser ermöglicht uns neue Blicke auf unser eigenes Leben und Sterben und auf den Um- gang mit den Verstorbenen.
    Es erfordert heute höchste Wachsamkeit, sich damit in unseren Gemeinden und Einrichtungen zu befassen, da es um einen Dienst am Leben geht und um ein Bekenntnis unseres Glaubens. Denn:

Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

   Dass wir dem Herrn gehören mögen, dass ist mein tiefster Wunsch. Damit verbinde ich zugleich meinen aufrichtigen Dank an alle, die sich in den Dienst an den Lebenden, den Leidenden und den Sterbenden stellen. Wer dem Herrn gehört, kann hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und darf Vollendung erwarten. Diese Vollendung schenke uns und allen, die uns verbunden sind - ob lebend oder bereits verstorben - der dreieinige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Kalvarienberg.OS.xx

Reinkarnation / Seelenwanderung
Was den Auferstehungsglauben von der Reinkarnation unterscheidet

   Die Faszination an der Wiedergeburtslehre scheint ungebrochen. Nicht nur Anhänger von Spiritismus, Esoterik und New Age, auch Intellektuelle, die ihren Lessing gelesen haben oder anthroposophisch sozialisiert sind, fühlen sich angesprochen. Religionssoziologische Studien zeigen überdies, dass die Reinkarnationsvorstellung zunehmend auch in den Kirchen Einzug hält. Ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, denn die Wiedergeburtslehre ist mit dem christlichen Bekenntnis zur Auferstehung der Toten nicht vereinbar.
Faszination
   Doch was macht ihre anhaltende Faszination aus? Alle Spielarten der Wiedergeburtslehre wider- sprechen der materialistischen Sicht, dass mit dem Tod das menschliche Bewusstsein endgültig aus- gelöscht wird. Es gibt eine Hoffnung über den Tod hinaus - und das ist, wie Goethe bereits bemerkte, allemal tröstlich. Zugleich steht mit dem Karmagedanken ein Gesetz im Hintergrund, welches das Tun des Menschen mit einer automatisch wirksamen Vergeltung verknüpft. Der oft als ungerecht empfun- dene Unterschied der menschlichen Schicksale wird ebenso erklärbar wie die bedrängende Frage, warum es den Guten schlecht, den Bösen aber gut geht. Denn jeder ist selbst für sein Schicksal verantwortlich, das er durch seine Taten verdient hat. Die einen haben für Versäumnisse und Sünden zu büßen, die sie in einem früheren Leben auf sich geladen haben; andere profitieren von Verdiensten, die sie in vormaligen Existenzen erworben haben. Nach vorne gewendet heißt dies: Alle werden auch künftig für ihre Taten, wenn sie moralisch schlecht sind, Sanktionen, wenn sie moralisch gut sind, Gratifikationen erhalten. Man unterschätze die Anziehungskraft dieser Vergeltungslogik nicht. Sie findet im menschlichen Denken und Fühlen tiefe Resonanz. Über die moralische Idee eines sühnenden Ausgleichs hinaus sind westliche Spielarten der Reinkarnation für viele auch deshalb attraktiv, weil sie von einem dynamischen Lern- und Entwicklungsprozess ausgehen, der sich über viele Inkarnationen erstrecken kann und letztlich zur Vollendung führt - eine Vorstellung, die mit der gesellschaftlich verbreiteten Fortschritts- und Leistungsmentalität gut konveniert. Man ist selbst der Ingenieur seines Heils und braucht sich im Letzten nichts geben zu lassen.
   Die antimaterialistische Stoßrichtung ist der Seelenwanderungslehre und dem christlichen Auf- erstehungsglauben gemeinsam: In der Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus kommen beide überein. Auch besteht eine gewisse Konvergenz zur <Fegfeuer>-Vorstellung, die betont, dass ein von Schuld belastetes Leben nur über einen Prozess der Läuterung in die Vollendung eingehen kann. Gleichwohl gibt es erhebliche Differenzen, die vor allem das Zeitverständnis, das Menschenbild und die konkrete Ausgestaltung des Vervollkommnungsgedankens betreffen.
Unvereinbarkeiten
Zeitverständnis: Die Reinkarnationsvorstellung denkt Zeit nach dem Modell des Zyklus oder der Spirale. Für die christliche Geschichtssicht sind demgegenüber die Momente der Einmaligkeit, der Befristung und der Unwiederbringlichkeit wesentlich. Wie Gott sich zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt der Ge- schichte, dem Kairos des Heils, in der Person Jesu geoffenbart hat, so ist jedem Menschen eine bestimmte Lebensspanne gegeben, in der er seine Begabungen entfalten oder auch vergeuden kann. Der Hebräerbrief hat dieses Zeitverständnis prägnant ins Wort gebracht: «Wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal (hapax) zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal (hapax) geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen» Hebr 9,27f. Die Betonung der Einmaligkeit einer jeden Biographie, die durch den Tod besiegelt wird, widerspricht dem Motiv der Wiederholbarkeit,die dem Begriff der «Re»-Inkarnation eingeschrieben ist. Was geschehen ist, ist geschehen und kann nicht in einem späteren Leben durch moralische Besserung rückgängig gemacht werden.
Menschenbild: Hinzu kommt, dass der anthropologische Dualismus der Wiedergeburtslehre mit dem Menschenbild der jüdisch-christlichen Überlieferung nicht in Einklang zu bringen ist. Statt die Identität der Person in einen sich durchhaltenden Träger, die Seele, und wechselnde Ausdrucksmedien,die Leiber, auseinanderzureißen, insistiert der Glaube darauf, dass der Leib als Medium der Kommunikation zur Identität der Person gehört. Aus christlicher Sicht ist es inakzeptabel, den Leib zu einer austausch- baren Hülle abzuwerten und damit die einmalige Freiheitsgeschichte einer Person zu einer vorläufigen Etappe im Kreislauf der Wiedergeburten herabzuwürdigen. Wie der Leib ohne Seele tot ist, so ist die Seele ohne Leib eine kommunikationslose Monade. Anima unica forma corporis, heißt die klassische Formel bei Thomas von Aquin vgl. S. th. I, q. 76, a. 1 und 3, der zugleich betont, dass eine von ihrem Leib getrennte Seele keine Person mehr sei.
Vervollkommnung: Der dritte Differenzpunkt betrifft die Vorstellung, sich selbst durch moralische Leistungen verbessern und vervollkommnen zu können. Dabei ist es unstrittig, dass menschliches Leben faktisch immer vervollkommnungsbedürftig ist. Die Frage ist nur, wie die Vervollkommnung konkret erreicht wird. Die Auffassung, was man in diesem Leben nicht geschafft habe, was misslungen und bruchstückhaft geblieben sei, das könne man im nächsten anders und besser machen, entspricht sicher einer evolutionistisch getönten Zeitvörstellung, die beiseite schiebt, dass die Lebenszeit einer Frist unterliegt. Auch lässt sich die westliche Adaption der Wiederverkörperung durchaus als Metamorphose des neuzeitlichen Fortschrittsgedankens lesen. Das Christentum setzt mit seinem Glauben an die zuvorkommende Gnade Gottes allerdings deutlich andere Akzente. Erlöste und von Schuld befreite Identität ist danach nicht das Produkt menschlicher Leistung, sondern zunächst und vor allem göttliche Gabe. Die Gabe anzunehmen und in einer konkreten Existenz Fleisch werden zu lassen, dazu reicht ein Leben aus. Die Momente von Schuld und Versagen, die jede Biographie durchziehen, sind kein Einwand dagegen. Auch davon kann man sich - etwa im Sakrament der Buße - befreien lassen, wenn man es aufgibt, verzweifelt man selbst (oder eben nicht man selbst) sein zu wollen. Wer die eigene Schuld bereut und bekennt, wer die Gabe der Vergebung annimmt und sich durch Christus erlösen lässt, ist befreit von dem Zwang, sich selbst erlösen zu müssen. Das wäre aus christlicher Sicht dem gnostischen Motiv der Selbsterlösung entgegenzusetzen, das in der Tradition der europäischen Auf- lärung tiefe Spuren hinterlassen hat.
Auferstehung, Gericht und Vollendung
   Die Tatsache, dass der Auferstehungsglaube selbst im Bewusstsein vieler Christen verblasst ist, hat sicher vielfältige Ursachen. Nicht zuletzt dürfte die auftrumpfende Dürftigkeit einer Pastoral für diesen Schwund mitverantwortlich sein, die den Auferstehungs- und Gerichtsgedanken aus der Verkündigung gestrichen und durch eine inflationäre Rede vom lieben Gott ersetzt hat. Der Abschied von eschato- logischen Drohdiskursen mit einschlägigen Höllenszenarien ist sicher überfällig gewesen, aber er ist nicht selten ins gegenteilige Extrem, eine erschreckende Banalisierung Gottes, umgeschlagen. Wer aber von Kanzeln und Kathedern das Eintrittsbillet in den Himmel schon hier und heute garantieren zu können glaubt, der verdoppelt eine satte und insgeheim selbstgerechte Mentalität, anstatt sie kritisch zu befragen und zur Umkehr zu bewegen. Ohne das Gericht — die Krise, die eine jede Person in die Wahrheit kommen lässt — wird es nach christlicher Überzeugung keine Vollendung geben. Nicht Maßstäbe menschlicher Leistung und irdischen Erfolgs bestimmen das Gericht, sondern die Nähe zu Christus, die sich an der gelebten Gottes- und Nächstenliebe ablesen lässt. Gleichwohl wird die dramatische Konfrontation mit Christus, die einen jeden in die Wahrheit kommen lässt, kein gnadenloser Prozess sein. Die Hoffnung, dass er auch im Gericht nichts unversucht lassen wird, um den von Sünde und Schuld belasteten Menschen zu retten, hat jedenfalls darin einen Anhalt, dass Gott selbst im Sterben Jesu die Situation menschlichen Gottes- verlustes und der Sünde aufgesucht hat. Werden die Gläubigen um diese Botschaft betrogen, entsteht ein Vakuum, das leicht durch Ersatzvorstellungen aufgefüllt wird. Das aber ist die Stunde des Synkretismus.
   Christen aller Konfessionen gedenken am Sonntag der Auferstehung Jesu Christi und feiern in Worten und Zeichen den Sieg des Lebens über den Tod. Diese Freude schlägt dann nicht um in einen leid- vergessenen Triumphalismus, wenn bewusst bleibt, dass es der Gekreuzigte ist, der auferstanden ist. In der Passion auf Golgotha hat er den brutalen Hass seiner Peiniger von innen her verwandelt in einen Akt der Hingabe und der Vergebung. Gerade die Wundmale des Verklärten zeigen, dass die Spuren seiner Leidensgeschichte nicht ausgetilgt, sondern in die Wirklichkeit der Vollendung hineingenommen sind. Der Leib, mag er auch noch so geschunden und verletzt sein, ist keine austauschbare Größe, er macht die Person Jesu auch als verklärte identifizierbar. In den neutestamentlichen Erscheinungsberichten zeigt der Auferweckte die Stigmata nicht vor, um die Jünger der Untreue und des Verrats zu überführen oder für sein unschuldig vergossenes Blut Rache zu fordern. Die Male sind vielmehr sichtbare Zeichen seiner bis in Äußerste gehenden Hingabe für die Menschen. Der christliche Glaube verbindet darum die öster- liche Botschaft: <Er, der tot war, lebt!> - mit der Hoffnung, dass er kommt, zu richten die Lebenden und die Toten. Nicht wir werden wiederkommen, um uns in neuen Inkarnationen moralisch zu per- fektionieren, sondern Christus. Er ist als Richter zugleich der Retter, der allein die von Schuld und Leid durchfurchte Geschichte der Menschen zur Vollendung führen kann. Auch daher rufen Christen seit jeher: «Maranatha. - Unser Herr, komm!» 1 Kor 16,22
Dr. theol., Jan-Heiner Tück, Privatdozent am Institut für Systematische Theologie der Universität Freiburg, Schriftleiter der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio 0807

Gibt es eine Wiedergeburt?   kk-MargitEckholtUniOS

 Osnabrücker Uni-Professorin Dr. Margit Eckholt über die christliche Vorstellung von Auferstehung und unsterblicher Seele.  Sie beschäftigt sich mit  Dogmatik und Fundamentaltheologie.   

   Als christliche, katholische Theologin gehe ich von einem Menschenbild aus, das den Menschen als Leib-Seele-Einheit versteht. In jüngerer Zeit wird dem Körper besondere Aufmerksamkeit gezollt, aber weiter von Geist oder Seele gesprochen als dem „Sitz" von Vernunft und Freiheit, Moralität und Verantwortlichkeit. Gerade die Seele gibt dem spezifischen Körper seine Individualität und macht ihn zur Person. In den bis heute für alle monotheistischen Religionen grundlegenden Texten des Alten Testa- ments ist dieser ganzheitliche Blick auf den Menschen grundgelegt. Die Rede von der Unsterblichkeit der Seele entstammt der griechischen Philosophie und wurde in der Zeit, in der das Christentum entstand, in vielen Religionen des Orients vertreten. Seelenwanderung, Reinkarnation, Wiedergeburt - das waren damals Modelle, mit denen die existenzielle Erfahrung des Todes verarbeitet wurde. Die Theologen der frühen Kirche knüpfen zur Entfaltung des christlichen Menschenbildes an Denkmodelle der platonisch- aristotelischen Metaphysik an, insofern auch an den Gedanken der Unsterblichkeit der Seele. Der Aus- gangspunkt war aber ein anderer: Jede Frage nach der Zukunft des Menschen, nach einem Leben „nach" dem Tod, nach Unsterblichkeit oder Ewigkeit gründet allein in der Glaubenserfahrung der Auf- erstehung Jesu Christi. Sie ist der Grund der Hoffnung, dass es für Mensch und Welt - über den Tod hinaus - eine Zukunft gibt, ein Bei-Gott-Sein, in dem im Gericht der Liebe alle Schuld ausgesöhnt wird.
  Die Verbindung der biblischen Auferstehungshoffnung mit dem der griechischen Philosophie entstam- menden Denkmodell hat gerade in jüngerer Zeit zu nicht unerheblichen Anfragen - gerade auch an die Unsterblichkeit der Seele - geführt.Können wir uns überhaupt eine vom Leib getrennte Seele vorstellen? Ist dies nicht ein dualistisches Modell, das die Leib-Seele-Einheit des Menschen auflöst?
  Wenn wir sterben, endet für uns die Zeit; dass der Tod kein definitives Ende ist, sondern dass es ein Leben „nach" dem Tod gibt,gründet allein in der mit der Auferstehung Jesu Christi gegebenen Hoffnung. Hier greift nicht mehr unsere physikalisch bemessbare und erfahrbare Zeit, wir nennen diese  „Di- mension" Ewigkeit. Im Augenblick des Todes ereignet sich - über ein Gerichtet- und Gerettetwerden - das Eingehen des Menschen in die Ewigkeit Gottes. Von „Unsterblichkeit der Seele" kann hier gespro- chen werden, gerade um die Identität des Menschen zu wahren, der in die Ewigkeit Gottes eingeht.
  Unsterblichkeit bedeutet dann aber kein „endloses Weiterleben in der Zeit". Die Radikalität und oft auch Absurdität des Todes wird gerade nicht ausgeblendet - das ist Teil unserer conditio humana. Aber wir können auf dem Hintergrund der mit der Auferstehung Jesu Christi verbundenen Hoffnung in den Glauben finden, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
  Und genau das lässt mich auch meine kurze Antwort auf die Frage „Gibt es eine Wiedergeburt nach dem Tode?" geben: Aus christlicher Überzeugung sicher nicht im Sinne der östlichen Reinkarnations- theorien, aber, in der Bildsprache des Paulus gesprochen, ja: Wir hoffen, dass wir nach dem Tod von Gott „wieder geboren" werden zu einem Leben bei Gott, und das heißt mit den Worten des christlichen Glaubensbekenntnisses: Dass wir „auferstehen werden am Jüngsten Tag". NOZ100123

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