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Altersabhängige Makuladegeneration: Bestrahlung im Auge. Neue Kombinations-Therapie soll aggressive Form der Krankheit stoppen. Fotos 1-4: Entwicklung der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD): Zunächst erscheinen gerade Linien wellenförmig, dann wird das Sehen in der Bildmitte immer mehr beeinträchtigt, bis nur noch ein dunkler Fleck zu erkennen ist
Es fängt damit an, dass gerade Linien wellenförmig erscheinen, und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Sehkraft nahezu vollständig verloren geht: Die Altersabhängige Makuladegeneration(AMD) ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für eine Altersblindheit. Eine neue Behandlungs- methode für die aggressive Form der Erkrankung wird zurzeit in einer weltweiten Studie erprobt. Die Kombination aus Medikamenten- und Strahlenbehandlung wurde auf dem Kongress der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) in Leipzig vorgestellt. Die Makula (auch „Gelber Fleck") ist eine nur wenige Quadratmillimeter große Stelle in der Mitte der Netzhaut. Doch diese Stelle ist entscheidend für das scharfe Sehen, mit den hier angesiedelten Sinneszellen nehmen wir feinste Details wahr, können lesen und Gesichter erkennen. Je nachdem, wie stark die Makula durch eine Erkrankung wie die AMD geschädigt ist, können Betroffene die Umgebung noch erkennen, sich im Raum orientieren, doch die Mitte des Gesichtsfeldes verschwimmt, später wird hier nur noch ein dunkler Fleck wahrgenommen. Viele Betroffene werden nicht völlig blind, sondern behalten eine, wenn auch stark verminderte, Sehkraft am Rand des Gesichtsfeldes. Pro Jahr erkranken in Deutschland 50.000 Menschen neu Die weit häufigere Form der Altersabhängigen Makuladegeneration ist die trockene AMD, bei der die Verschlechterung des Sehvermögens nur langsam voranschreitet. Sie kann aber in die feuchte Form übergehen. Bei der trockenen AMD bilden sich Ablagerungen von Stoffwechselprodukten, sogenannte Drusen unter der Netzhaut. Zu Beginn merken die Betroffenen häufig nichts davon, so dass die Krank- heit manchmal eher zufällig vom Augenarzt entdeckt wird. Doch nach und nach werden die Sehzellen in Mitleidenschaft gezogen und sterben ab. Aggressiver ist die feuchte Form der AMD, an der nach Angaben von Prof. Peter Wiedemann, dem Präsidenten der DOG, in Deutschland jährlich 50.000 Menschen neu erkranken. Hier bilden sich neue, undichte Blutgefäße, die zu Flüssigkeitseinlagerungen oder Einblutungen unter und in der Netzhaut führen. Die Sehzellen werden geschädigt und sterben ab, es bildet sich eine Narbe. Nicht immer sind beide Augen gleich betroffen. Manchmal bleibt die Sehkraft auf einem Augen noch erheblich länger er- halten. Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung der feuchten AMD sei zurzeit das Medikament Lucentis, das den Wachstumsfaktor VEGF hemmt, der für die Neubildung von Gefäßen verantwortlich ist,so Prof. Wiedemann. Dieses wird unter örtlicher Betäubung und sterilen Bedingungen wie bei einer Operation direkt ins Auge an die betroffene Stelle gespritzt. Während alle zuvor entwickelten Behandlungs- methoden die Krankheit im allgemeinen nur verzögern oder eventuell stoppen konnten, werde mit Lucentis bei ca. 30 Prozent der Patienten sogar wieder eine Verbesserung des Sehvermögens erreicht, so Wiedemann. Doch um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, müssten die Spritzen regelmäßig, bis zu einmal monatlich gegeben werden. Da dies neben hohen Kosten auch eine enorme Belastung für die Patienten bedeutet, wird weiter intensiv nach anderen Behandlungsoptionen geforscht. Wirksamkeit wird in einer weltweiten Studie geprüft Eine Möglichkeit, die in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen könnte, ist eine Kombination von zwei Injektionen mit einer Strahlenbehandlung. „Versuche mit einer Strahlentherapie wurden bereits vor mehr als zehn Jahren unternommen, doch damals war eine ganz gezielte Behandlung noch nicht möglich, so dass oft entweder das Auge stark beschädigt wurde oder die Krankheit nicht ausreichend behandelt werden konnte", erläutert Prof. Wiedemann, der auch Direktor der Augenklinik an der Universität Leipzig ist. „Jetzt steht ein Gerät zur Verfügung, mit dem man durch einen speziellen Applikator Strontium-90 als Strahlenquelle in das Auge einbringt und direkt vor die Stelle des schärfsten Sehens hält. Die Strahlendosis wird so nah vor die Makula gebracht, dass am Sehnerv oder an der Linse keine wesent- liche Strahlenbelastung auftritt." Durch die Bestrahlung würden die neu gebildeten Gefäße verödet, das weitere Gefäßwachstum gehemmt und Entzündungen entgegengewirkt, so Wiedemann. In einer weltweiten Studie mit insgesamt 450 Patienten wird die neue Kombinationsbehandlung zurzeit mit einer reinen Lucentis-Therapie verglichen. Auch Prof. Wiedemann und sein Team in Leipzig sind(neben Würzburg als einer von zwei deutschen Standorten) an dieser Studie beteiligt. Hier sind 14 Patienten in die Untersuchung einbezogen. Ein Teil erhält monatliche Lucentis-Injektionen, eine andere Gruppe eine Operation, bei der die Makula bestrahlt und außerdem eine Lucentis-Spritze gegeben wird. Vier Wochen später erhalten diese Patienten eine weitere Spritze. Beide Patientengruppen werden ein Jahr lang beobachtet, die Wirkung der Therapien verglichen. Neben der Minderung der Kos¬ten und der Belastung für die Patienten, die eine monatliche Spritze ins Auge bedeutet, würde die Kombinationstherapie auch eine Senkung des Behandlungs-Risikos mit sich bringen, weil im Idealfall nur noch zwei Termine nötig wären. Denn jeder Eingriff am Auge, ob durch eine Spritze oder das Einführen der Strahlenquelle kann eine schwere Entzündung verursachen. „Die Vorstudien waren vielversprechend", betont Prof. Wiedemann. „Doch man muss das Endergebnis der Studie abwarten, um wirklich sagen zu können, die Therapie ist gleichwertig." Die Endergebnisse sollen in etwa einem Jahr vorliegen. Die Bestrahlung könnte jedoch schon vorher als Behandlungsoption eingesetzt werden, denn das Gerät wurde in Deutschland bereits zugelassen. Eine Möglichkeit wäre dies z. B. bei Patienten, die aufspritzen nicht ansprechen. Auch für die trockene AMD wird an neuen Mitteln geforscht Die Strahlentherapie ist nicht die einzige neue Therapie für die feuchte AMD, die zurzeit erforscht wird. Es werden Medikamente entwickelt, die den Wachstumsfaktor VEGF an verschiedenen Punkten angreifen oder seine Bildung von vornherein unterdrücken sollen.Erprobt werden sollen z.B. auch Entzündungshem- mer als Medikamentendepots im Auge oder die Kombination einer Spritzenbehandlung mit anschließen- der regelmäßiger Gabe eines gefäßhemmenden Medikaments als Augentropfen. Auch für die trockene AMD werden Medikamente erforscht, die das Fortschreiten der Krankheit ver- zögern sollen. Empfohlen werden bisher schon spezielle hochdosierte Vitaminpräparate, um die Entwicklung der Krankheit zu verzögern. Die Ergebnisse einer irischen Studie bestätigten jetzt diese Therapie. Als wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung empfehlen Augenärzte, nicht zu rauchen, weil dies die Durchblutung auch im Auge verschlechtert, die Reduzierung von Übergewicht sowie eine fettarme ausgewogene Ernährung mit viel Obst und vor allem grünen Gemüse.« HA/HAZ091002SabineAbel

Therapiemethoden mit einem Laser haben sich in der Augenheilkunde bisher besonders bei der Behandlung von Kurz- und Weitsichtigkeit bewährt. Erste Zoomlinse für nah und fern
Über neue Therapiemöglichkeiten in der Augenchirurgie diskutieren 5.000 Experten in Hamburg Neue Linsen, Laser und Medikamente, die vielen Menschen wieder besseres Sehen ermöglichen, standen im Mittelpunkt des Internationalen Kongresses der Augenchirurgen im CHH Hamburg. Vier Tage lang diskutierten 5.000 Experten über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten. Ein Stäbchen mit Medikamenten wird in das Auge injiziert Eine neue Entwicklung ist ein Mikro-Implantat, das bei Venenthrombosen im Auge eingesetzt werden kann. „Dieser Verschluss einer Netzhautvene ist nach der Augenerkrankung infolge einer Diabetes die zweithäufigste Gefäßerkrankung am Auge", sagte Prof. Arnd Gandorfer aus Memmingen. Dadurch, dass das Blut nicht mehr abfließen kann, staut es sich zurück; und in der Netzhaut, besonders an der Stelle des schärfsten Sehens, lagert sich Wasser ein. Diese Erkrankung hinterlässt meist eine bleibende Seh- minderung und kann auch zur krankhaften Neubildung von Blutgefäßen an der Netzhaut führen. Bisher gab es keine richtige Therapie. „Jetzt haben wir erstmalig eine Therapie für die Venenthrombose im Auge", sagte Gandorfer. Dabei handelt es sich um ein winziges Stäbchen von sechs Millimetern Länge und mit einem Durchmesser von weniger als 0,6 Millimetern, das in den Glaskörper des Auges injiziert wird. Es enthält das Cortison Dexamethason, das die Freisetzung von Wachstumsfaktoren der Blutge- fäße und Entzündungsbotenstoffen hemmt. Eingebettet ist das Medikament, das normalerweise nur eine Halbwertszeit von fünfeinhalb Stunden hat, in eine Matrix, die sich im Laufe der Zeit von selbst auflöst. Sie sorgt dafür, dass das Dexamethason über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten kontinuierlich abgegeben wird. In zwei Studien mit 1267 Patienten zeigte sich, dass sich bei fast jedem Dritten das Sehvermögen nach zwei Monaten deutlich verbesserte. Das Mikroimplantat mit dem Handelsnamen Ozurdex ist seit August auch in Deutschland zugelassen. Eine neue Therapiemöglichkeit gibt es auch bei der Makuladegeneration, der häufigsten Erblindungs- ursache bei älteren Menschen. Dabei verliert der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, die Makula, immer mehr an Sehkraft. Bei Betroffenen bildet sich in der Mitte des Gesichtsfeldes ein grauer Fleck, der sich immer weiter ausdehnt, so dass sie zum Beispiel beim Blick auf eine Uhr nur noch den Rand, aber nicht mehr das Zifferblatt erkennen. Gegen die trockene Makuladegeneration gibt es bisher keine Therapie. Zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration, bei der sich in der Makula kleine Blut- gefäße bilden, gibt es unter anderem Medikamente, die alle vier Wochen in das Auge injiziert werden müssen. Neue Therapie mit einem Strahlenstift bei der feuchten Makuladegeneration Die Augenärztin Prof. Susanne Binder aus Wien stellte eine neue Methode vor, bei der die Makula bestrahlt wird. „Diese sogenannte epimakulare Brachytherapie hat einen starken hemmenden Effekt auf das Wachstum der Blutgefäße, die Entzündung und die Narbenbildung", sagte Prof. Binder. Bei der Therapie wird durch eine Kanüle ein hauchdünner Strahlenstift bis knapp über die Netzhaut geführt. Er ist an eine Strontium-90-Strahlenquelle angeschlossen und gibt eine Beta-Strahlung mit einer Dosis von 24 Gray ab, die nur vier Millimeter in das erkrankte Gewebe eindringt. So werden die gesunden Netz- hautanteile geschont. In Studien zeigte sich, dass viele Patienten nach dieser Therapie weniger Injektionen von Medikamenten in das erkrankte Auge benötigten. HA101022CorneliaWerner

Bei der neuen Strahlenbehandlung der feuchten AMD wird die Strahlenquelle direkt ins Auge eingeführt
Therapie-Streit Medikamente Zur Spritzen-Therapie bei der feuchten AMD sind zurzeit zwei Medikamente zugelassen: Macugen und das nach Experten-Ansicht viel wirksamere Lucentis. Häufig wird auch mit dem wesentlich preiswerteren Avastin behandelt, dessen Wirkstoff Lucentis sehr ähnlich ist, das allerdings nur für die Darmkrebs- therapie zugelassen ist. Kostenübernahme Die Patienten müssen bei der Krankenkasse einen Einzelfallantrag für die Behandlung mit Lucentis stellen. Von gesetzlichen Kassen wird dann häufig an Vertragsärzte verwiesen, die nicht mit Lucentis, sondern mit Avastin behandeln. Der Patientenverband Pro Retina e.V. weist darauf hin, dass die Kostenübernahme für ein ärztlich verordnetes, zugelassenes Arzneimittel nicht verweigert werden darf. „Es gibt für die Behandlung mit Avastin bisher keine aussagekräftigen Studien", betont Geschäftsführer Werner Lechtenfeld. Infos: www.pro-retina.de

Altersblindheit ist seit Kurzem sehr gut behandelbar Die altersabhängige Makuladegeneration (Altersblindheit) kann Augenchirurgen zufolge seit Kurzem sehr gut behandelt werden. „Bei jeder Neuerkrankung kann man heute das Augenlicht erhalten", sagte der Experte Armin Scharrer beim Kongress der Augenchirurgen in Nürnberg. Auch bei Patienten, die noch nicht vollständig erblindet seien, könne die Sehleistung stark verbessert werden. HA110520dpa
Die Augenärzte der Klinik für Augenheilkunde der Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital in Osnabrück informieren über den Verlust der Sehschärfe zur altersbedingten Makuladegeneration. Fotos v.l.n.r: Prof. Dr. Volker Seiberth, Dr. Thomas Krüger, Dr. Jochen Hayler
Verbogene Linien, verschwommene Konturen, dunkle Flecken - wenn die Sicht im Alter immer eingeschränkter wird, hängt das oft mit einer Funktionsstörung;der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens (gelber Fleck) der Netzhaut zusammen. In Deutschland leiden 1-2 Mio. Menschen an einer Makuladegeneration. Die Mehrheit ist von der altersabhängigen Makuladegeneration betroffen. Lesen und Autofahren werden bei ihnen zum Teil stark eingeschränkt oder unmöglich. Die Makula ist ein Areal der Netzhaut, das einen Durchmesser von etwa 1,5 Millimetern hat. Sie enthält die wichtigsten Sinneszellen des Auges und ermöglicht das scharfe Sehen bzw. Lesen. Die Makuladegeneration ist die häufigste Ursache für eine ausgeprägte Sehbehinderung bei älteren Menschen. Zu einer völligen Erblindung führt die Makuladegeneration meist nicht. Jedoch können die Patienten früher oder später ihre Lesefähigkeit verlieren. Die Patienten bemerken dann im Zentrum ihres Gesichtsfeldes einen mehr oder weniger großen Fleck, an dem die Wahrnehmung nicht möglich ist. Die Randbereiche des Gesichtsfeldes bleiben erhalten und ermöglichen dem Patienten die Orientierung im Raum. Aus diesem Grunde tritt eine vollständige Erblindung in der Regel nicht ein. Der größte Risikofaktor für eine Makuladegeneration ist das Alter. Neben einer familiären Veranlagung trägt das Rauchen zur Erkrankung bei. Es gibt 2 Formen der altersabhängigen Makuladegeneration: an der trockenen Form leiden etwa 85 Prozent der Menschen mit altersabhängigen Makuladegeneration. Sie beginnt schleichend und schreitet sehr langsam fort. Das Sehen kann lange Zeit nur wenig beeinträchtigt sein. Es gibt allerdings auch bei der trockenen Form schwere Ausprägungen, bei der die Lesefähigkeit vollständig verloren geht. Unter der feuchten Form leiden etwa 15 % der Patienten. Sie entwickelt sich zumeist aus einer trockenen Form der Makuladegeneration und kann schnell fortschreiten. Aus noch wenig geklärten Gründen wachsen krankhaft veränderte Blutgefäße aus der Aderhaut unter die Netzhaut. Klare Blut- flüssigkeit oder gar Blut treten aus den Gefäßen aus und bewirken eine umschriebene Netzhaut- ablösung. Die im Krankheitsverlauf entstehende Narbe ist das Endstadium der Erkrankung. Im Frühstadium der feuchten Form der Makuladegeneration ist eine Behandlung seit wenigen Jahren möglich. Durch neuartige Medikamente, die in den Augapfel injiziert werden, lässt sich das Wachstum der Gefäße im Auge bremsen. In einigen Fällen ist sogar eine Rückbildung und damit Verbesserung der Lesefähigkeit möglich. Allerdings müssen solche Injektionen häufig über Jahre immer wieder erfolgen. Dennoch ist mit diesem medikamentösen Ansatz erstmals eine erfolgreiche Therapiemöglichkeit für diese Erkrankung gegeben. Wie bei vielen anderen Erkrankungen ist allerdings eine frühzeitige Therapie für den Erfolg der Behandlung entscheidend. ON090510eb
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und Glaukom sind zwei häufige Erblindungsursachen. Warum regelmäßige Augenuntersuchungen vorbeugen und wie sich die Krankheiten behandeln lassen, erklärt die Broschüre „Altersblindheit vermeiden". Sie ist kostenlos bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, oder im Internet unter www.altersblindheit-vermeiden.de erhältlich. HAZ090714
Diagnose Makuladegeneration - Wenn die Welt im Nebel versinkt Wenn ältere Menschen im Aufzug den falschen Knopf drücken oder die Nachbarn nicht mehr wiedererkennen, kann eine Augenkrankheit dahinter stecken. Jeder fünfte Deutsche über 65 Jahren leidet an der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Viele bemerken die Krankheit erst, wenn sie schon weit fortgeschritten ist. Erste Symptome im Alter. Die altersabhängige Makuladegeneration ist - wie der Name schon sagt - eine Augenkrankheit, die im Alter auftritt. Mehr als 20 Prozent der Deutschen über 65 sind betroffen, bei den über 75-Jährigen sind es bereits 40 Prozent. Die AMD ist damit die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen in Deutschland. Zu Beginn der Krankheit berichten viele Patienten, dass sie sich in dunklen Räumen schlechter orientieren können, Gegenstände verlören an Schärfe und Konturen. Schreitet die Krankheit fort, ist schließlich auch auf die Geometrie kein Verlass mehr. Linien erscheinen nicht mehr gerade, sondern verzerren sich. Hinweise auf AMD kann daher der Amsler-Test liefern: Sieht jemand in dem regelmäßigen Gitter krumme Linien, sollte er zu weiteren Untersuchungen zum Augenarzt gehen. Müllberge im Auge Menschen mit Makuladegeneration können oft am Rand ihres Blickfelds noch Dinge erkennen. Was in der Mitte des Blickfelds liegt, verschwindet jedoch. Grund dafür ist ein Schaden auf der Netzhaut, genau an dem nur millimetergroßen Fleck, auf dem das, was wir mit den Augen fixieren, abgebildet wird: der Makula. Dieser Schaden entsteht durch das Sehen selbst. Dabei fallen Stoffwechselabfälle an, die im Alter oft nicht mehr richtig abtransportiert werden. Im Auge entstehen kleine Müllberge, die schließlich den empfindlichen Sehzellen die Sauerstoffzufuhr abschneiden - die Zellen sterben ab. Das ist die so genannte trockene Form der Krankheit. Sie schreitet langsam voran und kann, muss aber nicht in die feuchte Variante übergehen: Um die Sehzellen besser zu versorgen, wachsen dabei zusätzliche Gefäße. Diese sind aber undicht, wuchern in die empfindliche Netzhaut hinein und zerstören weitere Sinneszellen. Möglichkeiten der Behandlung Gegen die trockene Form, die etwa fünfmal häufiger auftritt als die feuchte, können Ärzte derzeit nicht viel ausrichten. Den Verlauf der aggressiveren feuchten Form können sie allerdings seit einiger Zeit verlangsamen. Hierbei gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto mehrkann sie bewirken. Bei der Photodynamischen Therapie werden die undichten Gefäße mit einem Medikament verschlossen, das mit einem Laser aktiviert wird. Behandelt wird mittlerweile aber auch mit Mitteln, dienoch früher in der Entstehungskette eingreifen. Macugen und Lucentis unterdrücken einen Botenstoff, der die Gefäße im Auge wuchern lässt. Siewerden nach einer Betäubung ins Auge gespritzt, zu Beginn der Behandlung alle vier bis sechs Wochen, danach seltener. In einer Studie über zweiJahre konnte Lucentis bei 90 Prozent der Patienten den Sehverlustaufhalten,bei einem Drittel die Sehkraft sogar wieder verbessern. Ein ähnlich wirkendes Medikament namens Avastin ist derzeit nicht für die Behandlung von Makula- degeneration zugelassen, wird aber in Studien untersucht. Nach Absprache übernehmen die Kranken- kassen in der Regel die Kosten für die Behandlung. Nur manche Risikofaktoren sind beeinflussbar. Bei der AMD spielen zwei Faktoren eine große Rolle: das fortschreitende Alter und unsere Erbanlagen. Beides können wir nicht beeinflussen. Allerdings kann der Lebensstil das Risiko zusätzlich erhöhen. Raucher erkranken vier- bis sechsmal häufiger. Ähnliche, aber weniger ausgeprägte Effekte hat wohl einseitige Ernährung. Gesunde Ernährung und hochdosierte Vitamincocktails können bei bestimmten Patienten das Auftreten der Krankheit verzögern. Die beste Möglichkeit, dem Sehverlust im Alter zu entgehen, sind jedoch regelmäßige Arztbesuche ab einem Alter von 55 Jahren. Link-Tipps: Informationen des Berufsverbands der deutschen Augenärzte zu AMD http://www.augeninfo.de/patinfo/pi_mak.php Informationen des Patientenverbands Pro Retina http://www.pro-retina.de/netzhauterkrankungen/makula-degeneration/altersabhaengige-makuladegeneration> Der Selbsttest mit dem Amsler-Gitter kann Hinweise auf AMD geben > Test Henry Grunwald: Dämmerlicht - wie ich lernte, mit meiner Erblindung zu leben, Zsolnay Verlag, 2001, auch als Hörbuch im Audiomagazine-Verlag erschienen (bestellbar bei Pro Retina e.V.)

Foto links: So sieht ein an AMD Erkrankter den Zugplan - mit einem grauen Fleck an der Stelle, die er eigentlich betrachten will. Im Vergleich rechts wie es ein Gesunder sieht
Makuladegeneration
Die verschiedenen Formen der Makuladegeneration Bei der trockenen Makuladegeneration kommt es meist über Jahre zu Stoffwechsel-Ablagerungen unter der Netzhaut. Dadurch wird die Makula nach und nach leicht nach oben gewölbt. Wer von dieser Form der Erkrankung betroffen ist, sieht seine Umgebung zunächst leicht verschwommen. Beim weiteren Fortschreiten der Erkrankung muss ein Betroffener sich beim Lesen einzelne Buchstaben und Teile des Wortes wie Inseln zusammensuchen. Vier von fünf Patienten sind von der trockenen Makuladegene- ration betroffen. Bei der gefährlichen feuchten Makuladegeneration dagegen wuchern schnell wachsende neue Gefäße in die Netzhaut hinein. Dadurch gelangt zerstörerische Feuchtigkeit in die Netzhaut. Wenn in diesem Stadium der Erkrankung nicht zügig eingegriffen wird, vernarbt das Gewebe und die Netzhaut bleibt an dieser unwiederbringlich zerstört. Es droht eine Erblindung. Ein Warnsignal zu Beginn der Erkrankung ist es, wenn gerade Objekte als Ganzes verwischt gesehen werden, wenn Zeitungsschrift wellig erscheint, wenn gerade Linien verschwimmen; dann sollte man so schnell wie möglich zum Augenarzt. Die Behandlung: Die trockene Makuladegeneration ist nicht heilbar, dafür auch die gutmütigere Form der Erkrankung, weil sie in der Regel langsam fortschreitet. Die feuchte Makuladegeneration haben die Augenärzte bisher mit der so genannten photodynamischen Therapie, kurz PDT, behandelt. Bei diesem Verfahren wird dem Patienten eine lichtempfindliche Substanz in die Vene gespritzt, die sich in der Netzhaut anreichert und die die neugewachsenen Gefäße anregt, sich zu verschließen. Zumindest bei einem Teil der Patienten konnte man damit das Fortschreiten der Krankheit verhindern. Je nach Patient wird die PDT in Kombination mit den neuen Medikamenten auch noch angewendet. Große Erfolge in der Behandlung haben die Mediziner mit den beiden neuen Medikamenten Avastin und Lucentis. Ansatzpunkt der neuen Wirkstoffe, die chemisch nahezu identisch sind, ist ein Botenstoff im Auge. Durch ihn wird das unerwünschte Wachstum der Gefäße im Auge erst ermöglicht. Das heißt: Wenn man diesen Botenstoff blockiert, verhindert man damit, dass sich neue Gefäße bilden. Offiziell zugelassen zur Behandlung ist zur Zeit nur das deutlich teurere Lucentis. Die Therapiekosten werden aber in der Regel von den Krankenkassen übernommen, wenn der Arzt eine solche Behandlung empfiehlt. Leonardo070524 Weitere Informationen: http://augenklinik.klinikum.uni-muenster.de/amd/index.html Informationen der Uniklinik Münster http://www.augeninfo.de/patinfo/pi_mak.php Informationen des Berufsverbandes der Augenärzte http://www.medknowledge.de/neu/med/jahr/2007/I-2007-7-fenretinide.htm Information von medknowledge über neue Medikamente gegen Makuladegeneration

Foto oben: Der medizinische Experte Prof. Dr. Dr. Wolfgang Wiegand, Chefarzt der Augenabteilung der Asklepios-Klinik Nord Heidberg. Die altersbedingte Makula-Degeneration ist die häufigste Ursache für eine Erblindung: Dabei bleibt das äußere Sichtfeld erhalten, aber im Zentrum geht die Sehkraft verloren. Neue Wirkstoffe können die Gefahr hemmen.
Die häufigste Ursache für nachlassende Sehschärfe und geringeres Kontrastempfinden bis hin zur Erblindung ist heute die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Auf der Netzhaut trübt sich dann der in ihrer Mitte gelegene Punkt des schärfsten Sehens, auch gelber Fleck genannt, immer mehr ein. Zudem können die Augen sich immer schlechter an veränderte Lichtverhältnisse anpassen, dadurch nimmt die Blendempfindlichkeit stark zu. Den frühen Beginn einer AMD kann der Augenarzt an kleinsten Ablagerungen unter der Netzhaut, sogenannten Drusen, erkennen. Die Sehkraft ist dann noch nicht eingeschränkt. Zwei Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Makula-Degeneration betroffen, mehr Frauen als Männer, alle älter als fünfzig Jahre. Bei den Patienten geht nach und nach das zentrale Sehen verloren, und sie sagen dann: „Gerade da, wo ich genau hinschaue, sehe ich nichts mehr scharf.” Das äußere Gesichtsfeld bleibt meist erhalten, so dass die Orientierung im Raum und auf der Straße meist noch lange möglich ist. Unterschieden werden die trockene und die feuchte Makula-Degeneration. Der Chefarzt der Augenabteilung der Hamburger Asklepios-Klinik Nord Heidberg, Prof. Wolfgang Wiegand, weist daraufhin, dass es sich in bis zu 90 Pro- zent aller AMD-Fälle um die trockene Form handelt. Es lagern sich dann Abfallprodukte des Stoff- wechsels im Auge ab, und dieser Abfall lässt immer mehr Sinneszellen absterben. „Das vollzieht sich sehr langsam”, sagt Prof. Wiegand, „und lässt das Sehvermögen nur ganz allmählich im Laufe von Jahren schwächer werden. Insgesamt verläuft die trockene AMD weniger dramatisch als die feuchte.” Es gibt bisher keine wirksame Therapie für die trockene Form. Immerhin wird im Frühstadium einer AMD eine bilanzierte Diät mit Vitaminen und Spurenelementen empfohlen, die das Fortschreiten der Degenera- tion etwas beeinflussen kann, aber auch eine prophylaktische Wirkung haben soll. Von der trockenen Form betroffene Patienten helfen sich oft mit stark vergrößernden Sehhilfen, mit denen sie noch Überschriften in Zeitungen und größere Schriften auf einem PC-Monitor lesen können. Die seltenere feuchte Makula-Degeneration, die viel schneller sogar innerhalb von Monaten die zentrale Sehschärfe immer stärker reduziert, entsteht meist spontan, kann sich aber auch aus der trockenen Form entwickeln. Wie Prof. Wiegand erklärt, bilden sich unter der Makula krankhafte Blutgefäße, aus denen ein Sekret austritt, das die zentralen Sehzellen zerstört. Entscheidender Auslöser dieser Gefäßneubildung ist ein körpereigener Wachstumsfaktor mit der Bezeichnung VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Lange Zeit gab es nur eine Behandlung - die photodynamische Therapie. Dabei wird ein sensibili- sierender Stoff in du Armvene gespritzt, der über die Blutbahn in die Augen gelangt und dort er- möglicht, die unter der Netzhaut neu gewachsener Blutgefäße mit einem Kalt-Laser zu veröden und damit den weiteren Sehverfall zu verlangsamen. Eine sehr viel früher einsetzende Therapie ist kürzlich mit den Wirkstoffen Pegaptanib und Ranibizumab möglich geworden Sie hemmen den Wachstumsfaktor VEGF, sollen also die Gefäß- neubildung unter der Makula verhindern.„Bei etwa der Hälfte der Patienten”, so Prof. Wiegand, „ist das der Fall. Unter hochsterilen Bedingungen wird im OP dreimal innerhalb von vier Wochen je ein Zwanzigstel Kubikzentimeter eines dieser Medikamente direkt ins Auge gespritzt, schmerzarm für den Patienten.” Je nach Weiterentwicklung der AMD wiederholen die Ärzte diese Injek- tionsserie. Für Aufsehen und Verwirrung sorgte ein drittes Medikament, das Avastin (Wirkstoff Bevacizumab). Es ist nämlich nicht zugelassen zur Behandlung der AMD sondern für den Einsatz bei Darmkrebs, hemmt aber auch das VEGF. Deshalb wird es mit Zustimmung und Unterschrift des Patienten auch ohne direkt Zulassung bei AMD eingesetzt. HAMaxConradt080403
Foto oben links: AMD-Patient Paul Pickert, 71: Der dritte Behandlungszyklus beginnt Foto oben rechts: Oberärztin Dr. Hita T. Dawe: „Ich genieße meinen Beruf”
Es ist wieder soweit: Der dunkle Fleck wird größer, Linien verzerren sich zu Mustern, Buchstaben verschwimmen, und die Köpfe im Fernsehen erscheinen nicht mehr oval, sondern länglich. Paul Pickert hat am linken Auge eine feuchte Makula-Degeneration. Die Diagnose wurde im November 2005 gestellt. Seit März 2006 ist er Patient von Dr. Hita T. Dave, Oberärztin in Hamburg in der Abteilung für Augen- heilkunde der Asklepios-Klinik Nord. Dort wird er ambulant behandelt. In zwei Staffeln hat er je drei Injektionen in das kranke Auge bekommen, die letzte am 8. Februar. Jetzt wird die dritte Staffel besprochen. Schmerzhaft ist dieser Eingriff nicht. „Eine Zahnsteinentfernung ist unangenehmer”, sagt der rüstige Rentner. Vielmehr befürchtet er das Fortschreiten seiner Krankheit, die im schlimmsten Fall auf das gesunde Auge übergehen und zur Erblindung führen kann - wie es bei seiner Mutter, seinem Großvater, einem Onkel und einem Cousin aus der mütterlichen Linie geschehen ist Im Alltag fühlt sich der ausgebildete Funknachrichtentechniker nicht wesentlich beeinträchtigt. „Ich kann auch noch Autofahren.” Nach jeder Injektion bessert sich die Sehfähigkeit sprunghaft und verschlechtert sich dann wieder sukzessive. Geheilt werden kann die Makula-Degeneration bislang noch nicht. So hofft Paul Pickert auf möglichst lange behandlungsfreie Intervalle. HAer080403 Oberärztin Dr. Hita T. Dawe: „Ich genieße meinen Beruf” 50 bis 60 Patienten kommen täglich in die Hamburger Ambulanz der Asklepios-Klinik Nord, etwa 10.000 sind es im Jahr. Allein 2.000-mal wird eine Makula-Degeneration behandelt. Dr. Hita T. Dave, 46, kennt fast jeden Einzelnen und dessen Krankengeschichte. Seit dreieinhalb Jahren leitet sie als Oberärztin die Ambulanz und das ambulante OP-Zentrum. Als Dr. Dave 1981 aus Indien nach Hamburg kam, war sie Physiotherapeutin und verheiratet mit einem Arzt. Inzwischen Mutter eines sechs Jahre alten Sohnes, legte sie 1988 beruflich noch mal nach, studierte an der hiesigen Uni Medizin, absolvierte ihre Facharztausbildung für Augenheilkunde, ar- beitete in einer Praxis und ist seit 2000 in der Asklepios-Klinik Nord beschäftigt. „Ich genieße meinen Beruf”, sagt die sympathische Ärztin mit einem strahlenden Lächeln. „Wir haben eine wunderschöne Teamarbeit mit den Assistenzärzten, dem Pflege- und OP-Personal.” Bleibt neben Klinikalltag und wissenschaftlicher Arbeit eigentlich noch etwas Freizeit übrig? „0 ja, die verbringe ich mit meiner netten Familie.” HAChristineSchrader080403
Hoffnung für Millionen: Neue Therapien wie Injektionen ins Auge und Netzhautverpflanzungen sollen den Sehverlust durch Makuladegeneration ausgleichen.
Die Zerstörung der Makula, also des so genannten gelben Flecks auf der Netzhaut mit den wichtig- sten Sinneszellen für das Sehen, konnte man bis vor kurzem nicht richtig behandeln. Bei diesem Leiden führen Ablagerungen oder das krankhafte Wuchern neuer Gefäßen auf der Netzhaut nach und nach zu dramatischer Seheinschränkung. Der Blick lässt sich nicht mehr fokussieren. Das bedeutet, die Mitte des Blickfelds ist grau bis schwarz, das äußere Sehfeld bleibt jedoch erhalten. „Ich kann keine Gesichter mehr erkennen, meinem Gegenüber nicht in die Augen sehen”, beschreibt eine betroffene Patientin ihre Eindrücke auf einer Presseveranstaltung zum Thema Makula-Degeneration in München. Alltägliche Dinge wie Autofahren, Sport treiben, lesen und am Computer arbeiten werden unmöglich.
Giftmüll im Auge. Mehr als drei Millionen Deutsche leiden unter Makuladegeneration.
Der Spiegel berichtet über staunenswerte Fortschritte der Augenmedizin: Bislang konnten die Augenärzte ihnen kaum helfen. Jetzt gibt es neue Medikamente - die Kosten aber sind enorm. Stutzig wurde Irmgard S., als die Symbolleiste ihres Computers so seltsam zu tanzen anfing. Wieso, fragte sie ihren Augenarzt, schienen sich eigentlich gerade Linien auf einmal zu verbiegen? „Das kommt vielleicht vom Kreislauf”, mutmaßte der Mediziner. Dann überwies er sie doch an die Augenklinik der Bonner Universität. Dort wurde schnell die richtige Diagnose gestellt: altersabhängige Makuladegenera- tion (AMD). S. litt an der besonders aggressiven, der sogenannten feuchten Form der Krankheit, bei der die Makula - umgangssprachlich: „gelber Fleck”; jener Teil der Netzhaut, in dessen Zentrum der etwa zwei Millimeter große Punkt des schärfsten Sehens liegt - in kurzer Zeit fast völlig zugrunde geht. Inzwischen, zweieinhalb Jahre nach der ersten Diagnose, vermag eines ihrer Augen bereits nichts mehr zu fixieren: Vor jedes Gesicht und jeden Gegenstand, den sie zu betrachten versucht, schiebt sich eine dunkle Wolke. Auto fährt sie nicht mehr, ihre Zeitung hat sie abbestellt. „Ich lebe jetzt von Hörbüchern”, sagt die inzwischen 71-Jährige. Der Ausfall der Makula ist deshalb so fatal, weil es sich bei ihr um ein extrem spezialisiertes Stück der Netzhaut handelt: Nur in ihrem Zentrum stehen die „Zapfen” - jene Sinnesrezeptoren, die für das Farbensehen zuständig sind - dicht genug, um damit etwa ein Buch lesen oder ein Gesicht erkennen zu können. Der gesamte Rest der Netzhaut ist bei Tage lediglich dafür zuständig, Bewegungen zu erkennen und die Umgebung des scharf eingestellten Objekts vage abzubilden. Wessen Makula zugrunde geht, dessen Welt wird deshalb zwar nicht völlig dunkel. „Aber der Teil des Auges, der unseren Intellekt befriedigt, funktioniert dann nicht mehr”, sagt Hansjürgen Agostini, Netzhaut- spezialist von der Freiburger Uni-Klinik. Derzeit leiden in Deutschland etwa 3,1 Millionen Menschen an AMD. Im Jahr 2020 werden es schätzungsweise 4,2 und im Jahr 2050 5,9 Millionen Menschen sein. Denn die AMD ist eine Erkrankung im Alter - je mehr Alte es also gibt, desto mehr AMD-Kranke werden es sein. „Wenn wir alle alt genug würden, würde vermutlich bei uns allen irgendwann die Makula degenerieren”, sagt Stefan Dithmar von der Universitäts- Augenklinik Heidelberg.Begründet liegt dies im Entstehungsmechanismus der Krankheit.
Augenschäden bei Rauchern häufiger
Raucher haben ein viermal so hohes Risiko wie Nichtraucher, im Alter ihr Sehvermögen aufgrund einer Makuladegeneration einzubüßen. Das hat eine umfangreiche Untersuchung an der Universität in Sydney ergeben. Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ließen sich 3.654 Australier für die „Blue Mountains Eye”-Studie ihre Augen begutachten. 2.454 von ihnen standen fünf oder auch noch zehn Jahre später für eine Nachuntersuchung zur Verfügung. Bei jeder Unter- suchung fotografierte man die Netzhaut, um den Zustand der Makula zu beurteilen - jener Stelle am Augenhintergrund, deren Unversehrtheit für die scharfe Fokussierung unserer Umgebung uner- lässlich ist. Die altersbedingte Makuladegeneration zählt inzwischen zu den häufigsten Ursachen der Erblindung in Industrienationen. Die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt „Jama” Bd.125, S.1089 veröffentlichten Ergebnisse belegen, dass das Rauchen das Auge unabhängig von Geschlecht, Alter und anderen Risikofaktoren zu schädigen vermag. mlsFAZ070905
Frank Holz, Uni Bonn 
Das Problem ist die Entsorgung von Abbauprodukten, die beim Sehen in den Sinneszellen der Netz- haut entstehen”, erklärt Frank Holz, Direktor der Bonner Augen-Universitätsklinik. Verantwortlich dafür ist das sogenannte Pigmentepithel, eine Zellschicht, die unter den Sinneszellen in der Netzhaut liegt (siehe Grafik):

„Es gibt im Körper keinen anderen Zelltyp, der so viele Abbauprodukte fressen kann” sagt Holz. Doch im Alter erschöpft sich die Kapazität der Müllschlucker im Pigment-Epithel, dessen Zellen sich nicht teilen und damit auch nicht erneuern können. „Es lagert sich deshalb Müll, unter anderem in Form kleiner Paketchen, sogenannter Drusen, ab”, so Holz. Diese werden oft schon im Alter von 50 Jahren diagnostiziert, beeinträchtigen das Sehen aber anfangs kaum. Im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten jedoch bildet sich dann die trockene Spätform der AMD aus, bei der die Zellen des Pigmentepithels und dadurch auch die Sehzellen der Makula nach und nach absterben - und die typische dunkle Wolke das Sehen beeinträchtigt. Etwa 15 Prozent der Patienten trifft es, wie S., noch härter: Bei ihnen sprießen aus der Aderhaut neue Gefäße aus, aus denen Flüssigkeit unter und in die Netzhaut austritt und die Sehzellen der Makula schädigt. Diese aggressive, sogenannte feuchte Makuladegeneration, von der etwa 485.000 Menschen in Deutschland betroffen sind, kann binnen Monaten die Sehfähigkeit dramatisch verschlechtern. Lange standen die Ärzte der Volkskrankheit AMD weitgehend hilflos gegenüber. Seit einem Jahr jedoch hat sich das drastisch gewandelt. Gleich drei neue Medikamente gegen die feuchte Makula- degeneration stehen jetzt zur Wahl; weitere sieben Substanzen befinden sich in der klinischen Er- probung. Zudem wächst das Grundlagenwissen explosionsartig - das weckt Hoffnung auf weitere Therapien auch für die trockene Form der AMD. „Das ist derzeit das Top-Thema unter den Augen- ärzten”, sagt Dithmar. „Wir bekommen ständig Anfragen von Patienten, deren Enkelkinder im Internet gesurft haben.” Auch auf der Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, zu der unter dem Motto „Augenheilkunde in der alternden Gesellschaft” rund 3.500 Augenspezialisten in Berlin zusammenkamen, war die Makuladegeneration ein zentrales Thema. Besonders heikel: Die neuen Therapien drohen das Budget der Augenheilkunde schlicht zu sprengen. Würde man sämtliche AMD-Kranken Deutschlands mit allen jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln versorgen, so rechnete Wolfgang Schrader von der Universitätsaugenklinik Würzburg seinen Kollegen in Berlin vor, würden sich die Ausgaben in der Augenheilkunde von heute auf morgen um 1,1 bis 2,4 Milliarden Euro erhöhen.
Augenarzt Wolfgang Schrader
Teuer sind vor allem zwei der neuen Mittel: Macugen und Lucentis. Beide hemmen den Botenstoff „vascular endothelial growth factor” (VEGF), der die zerstörerischen Gefäße sprießen lässt. Macugen ist in der EU bereits zugelassen, die Zulassung von Lucentis steht kurz bevor; über die Schweiz ist das Medikament bereits zu beziehen.
Lucentis
Den ersten Studiendaten zufolge können beide Medikamente - sofern die Behandlung rechtzeitig be- ginnt - den Sehverlust bei feuchter AMD tatsächlich aufhalten, möglicherweise sogar teilweise rückgän- gig machen. Doch das hat seinen Preis:Macugen kostet rund 830 Euro pro Injektion, Lucentis gar 1.500. Zudem müssen die Medikamente alle sechs beziehungsweise vier Wochen direkt ins Auge gespritzt werden - eine unangenehme und nicht ungefährliche Prozedur, die beispielsweise zu schlimmen Infek- tionen des Auges führen kann. Dabei gäbe es womöglich eine deutlich billigere Alternative: Seit etwa einem Jahr schon setzen Augen- ärzte weltweit das Darmkrebsmedikament Avastin gegen die feuchte AMD ein. Avastin ist chemisch eng verwandt mit Lucentis, kostet jedoch nur einen Bruchteil: rund 10 bis 40 Euro pro Spritze. „Der erste Eindruck der Wirksamkeit von Avastin ist überwältigend”, urteilt Dithmar. Eine klinische Studie jedoch, die die Wirksamkeit von Avastin bei AMD belegt, gibt es bis heute nicht - und wenn es nach dem Hersteller, der US-Biotech-Firma Genentech, geht, wird es sie wahrscheinlich auch nie geben. Denn es liegt eher im Interesse des Unternehmens, seine bis zu 150-mal teurere Weiterentwicklung Lucentis an den Mann zu bringen. Möglicherweise jedoch wird jetzt das unabhängige National Eye Institute in den USA eine Vergleichs- studie durchführen. Und auch wird jetzt geprüft, in welchen Fällen genau die neuen Mittel wirklich deutlich besser sind als die wichtigste bislang verfügbare Behandlung, die sogenannte photo- dynamische Therapie (bei der ein per Laser aktivierter Farbstoff die wilden Gefäße zerstören soll). „Noch sind viele Fragen zu klären”, warnte Daniel Pauleikhoff vom St. Franziskus-Hospital Münster auf der Berliner Tagung. Irmgard S. hat im Rahmen einer Studie zwei Jahre lang Lucentis bekommen. „Die Spritzen waren eine Qual”, sagt sie, „darunter habe ich wahnsinnig gelitten.” Doch die Sehkraft des behandelten Auges nahm tatsächlich wieder zu. Auch für die 2,4 Millionen Patienten, die an der trockenen Form der Makula-Degeneration leiden, gibt es erste Fortschritte zu vermelden. Bislang konnten Ärzte ihnen meist nur raten, das Rauchen auf- zugeben, das die Gefahr einer AMD etwa verdreifacht. In bestimmten Fällen können auch hoch- dosierte Vitamine das Fortschreiten der Krankheit etwas verzögern. Andere Therapien sind umstritten, wie etwa die „Retinale Laser-Stimulation“, bei der die Netzhaut mit einem „athermischen” Laser behandelt wird.Patienten berichten immer wieder über - zumindest leichte - Besserungen; doch wissen- schaftlich bewiesen ist die Wirkung nicht. Jetzt jedoch verfolgen die Forscher zwei gänzlich neue Therapieansätze. Zum einen haben sie die Ablagerungen in der Netzhaut näher unter die Lupe genommen. „Das ist nämlich nicht nur Müll”, erklärt Holz, „sondern Giftmüll.” Vor allem ein ganz bestimmter Bestandteil, das sogenannte A2-E, schädige die Zellen. Doch es gebe bereits eine Substanz, mit der man die Bildung dieses Giftstoffs hemmen könne, verrät Holz. In wenigen Monaten soll die erste Studie an Menschen beginnen. Zum anderen machten im vergangenen Jahr Genforscher eine verblüffende Entdeckung: Wer Träger einer bestimmten Genvariante ist, hat ein fünf- bis siebenfach erhöhtes Risiko, an AMD zu erkranken.Das Erstaunliche daran: Das frag- liche Gen codiert einen bestimmten Teil der Immunabwehr, der an der Entstehung von Entzündungen beteiligt ist. „Immunabwehr und Makuladegeneration“, sagt Immunabwehrspezialist Martin Oppermann von der Universität Göttingen, „das waren noch bis vor einem Jahr Gebiete, die überhaupt nichts miteinander zu tun hatten. Aber jetzt versuchen wir, diese beiden Bereiche einander anzunähern.” Noch ergibt sich daraus nicht mehr als eine vage Hoffnung auf eine Therapie. „Doch es wird bereits intensiv daran gearbeitet, Substanzen zu entwickeln, die diesen Teil der Immunabwehr beeinflussen”, sagt Augenarzt Holz, der inzwischen mit Oppermann zusammenarbeitet. VHackenbrochDerSpiegel39/2006
Krebspräparat auch gegen Altersblindheit
Neue Kontroverse zwischen der Pharmaindustrie und den Krankenkassen: Mehrere gesetzliche Kranken- kassen halten jetzt Ärzte dazu an, für die Behandlung von Altersblindheit ein günstigeres Darmkrebs- präparat zu verwenden. Dieses Mittel sei mit dem eigentlich zur Behandlung des Leidens vorgesehenen Medikaments nahezu identisch, so Kassen. Die Industrie reagiert jedoch mit Unverständnis. Hintergrund der Kontroverse ist ein Vertrag, den die Barmer, die DAK und eine Innungskrankenkasse in Nordrhein-Westfalen mit dem Verband operierender Augenärzte abgeschlossen haben. Dieser sieht vor, bei der Therapie der Altersblindheit das Medikament Avastin von Roche zu verwenden, das gegen Darm- krebs eingesetzt wird. Zugelassen für das Augenleiden ist aber das Mittel Lucentis von Novartis. Beide Präparate verhindern die Bildung von Blutgefäßen. Lucentis kostet jedoch ein Vielfaches: 1.950 Dollar je Behandung statt 50 Dollar für Avastin. Beide Medikamente hatte die Roche-Tochter Genentech ent- wickelt. Natürlich lägen der Entscheidung der Kassen auch ökonomische Gründe zugrunde, sagte Barmer- Sprecherin Susanne Uhrig. In erster Linie gehe es aber um die Qualität der Behandlung. Bundesweit setzten viele Mediziner aus freien Stücken auf Avastin, das in diesem Bereich seit Jahren zur Anwen- dung komme. Kritik kommt von den Unternehmen. „Wir sind erstaunt darüber, was die Kasse macht”, sagte ein Novartis-Sprecher. Lucentis und Avastin seien zwar ähnlich aber nicht gleich. Avastin sei bei Darm-, Brust- und Lungenkrebs zugelassen, sagte eine Roche-Sprecherin. Zudem sei es auch aus „tech- nischen” Gründen nicht für die Behandlung im Auge geeignet. Auch sei keine Studie zur Behandlung von Augenleiden geplant. Das nordrhein-westfälische Sozialministerium warnte vor einem „Dammbruch”, wenn Kostenargumente über die Patientensicherheit gestellt werde. Die Gremien der Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen, der Gemeinsame Bundesausschuss, kriti- sierte die Industrie scharf. Es sei unhaltbar, dass ein Medikament mit ziemlich dem gleichen Wirkstoff einmal preiswert und einmal „wahnsinnig” teuer im Handel sei, beklagte der Vorsitzende Rainer Hess. Der Ausschuss untersuche daher im Auftrag der Regierung, was man dagegen tun könne. „Das wird nicht einfach als hingenommen.” Der Fall zeige, dass verstärkt über Höchstbeträge nachgedacht werden müsse. HA070915rtr Zulassungspraxis - Mehr flexible Medikamente? Das oberste Gremium von Krankenkassen und Ärzten sowie Verbraucherschützer und die Betriebs- krankenkassen haben sich skeptisch zu einem Regierungsvorstoß für einzelne flexiblere Arznei- Zulassungen geäußert. Hintergrund ist der Fall des Darmkrebsmittels Avastin, das auch gegen Alters- blindheit eingesetzt wurde, gegen die es allerdings nicht zugelassen ist. HAdpa071020

Mitten ins Auge - Bremer Studie will klären, welches Medikament am besten gegen die feuchte Makuladegeneration hilft
Avastin oder Lucentis - welches Mittel hilft besser gegen die feuchte Makuladegeneration, eine besonders aggressive Form der Altersblindheit? Diese Frage soll eine Studie am Bremer Klinikum-Mitte klären. Das Besondere: „Sie findet gegen den erklärten Willen des Herstellers statt", sagt Professor Bernd Mühlbauer, Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie. Bestätigt sich das von Experten erwartete Ergebnis, könnte dies dem Gesundheitssystem Kosten in Milliardenhöhe ersparen. Das Medikament wird mitten ins Auge gespritzt. Patienten mit der Diagnose altersbedingte Makula- degeneration (AMD) kennen die Prozedur. Sie ist der einzige Weg, den schrittweisen Verlust der Sehkraft zu stoppen. Rund 4,5 Millionen Menschen in Deutschland leben mit dieser Angst. Besonders gefürchtet ist die feuchte Variante, an der etwa jeder fünfte AMD-Patient leidet: Ihren Namen verdankt sie undichten Blutgefäßen, die in die Netzhaut einwachsen. Weil die Gefäßwände undicht sind, treten Flüssigkeit und Blutbestandteile aus. Vernarbungen entstehen, die in relativ kurzer Zeit zu massiven Sehbehinderungen und sogar zur völligen Erblindung führen können. Gleiches Prinzip Seit rund vier Jahren kann diesen Patienten mit Avastin-Injektionen in den Augapfel geholfen werden. Es blockiert spezielle Signalmoleküle, die für die Entstehung der undichten Blutgefäße verant- wortlich sind. Der Haken an der Sache: Das Krebsmittel Avastin ist nicht für die Behandlung der Augenerkrankung zugelassen, obwohl es wirkt. Dieser sogenannte Off-Label-Gebrauch siehe unten ist solange möglich, bis ein anderes - zugelassenes - AMD-Mittel zur Verfügung steht. Dies ist seit einem Jahr der Fall: Lucentis funktioniert laut Pharmakologen Mühlbauer nach dem gleichen Prinzip wie das Krebsmedikament Avastin: „beide gehen auf den gleichen Antikörper zurück, der das Wachstum der Blutgefäße hinter der Netzhaut stoppt." Gewichtiger Unterschied zwischen den Präparaten: Lucentis des Schweizer Pharmariesen Novartis ist deutlich teurer als Avastin von Roche. Kostet eine Injektion des Krebsmittels zwischen 30 und 50 Euro, schlägt die Einzeldosis Lucentis mit bis zu 1.500 Euro zu Buche. Würden alle Patienten, die an der feuchten AMD-Variante leiden mit Lucentis würde dies das Gesundheitssystem einige Milliarden kosten. Eine Therapie mit Avastin käme da deutlich günstiger. Eine Zulassung von Avastin für die AMD-Therapie steht jedoch nicht an. Man habe keine Ahnung von Augenmitteln, sagte ein Roche-Unternehmenssprecher in einem Interview. Kritiker sehen die Gründe woanders: zum Beispiel in den Verflechtungen der beiden Schweizer Pharma-Firmen. Immerhin gehört Avastin-Hersteller Roche laut Gechäftsbericht zu einem Drittel Lucentis-Vertreiber Novartis. Bei einer Zulassung des günstigeren Avastin als AMD-Mittel wäre der höhere Preis für Lucentis nicht mehr zu halten. Den guten Preis hätte man sich quasi selbst vermiest. De-facto-Zulassung möglich Dabei scheint Avastin mindestens genauso erfolgreich und wirksam zu sein wie das teure Lucentis. Einzelfallstudien lassen darauf schließen. Einzig: Der Beweis im direkten Vergleich fehlt. Diesen will der Bremer Institutsleiter nun liefern – ohne Beteiligung des Herstellers. „Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben, ein absolutes Novum“, sagt Mühlbauer. Finanziert wird das Medika- menten-Duell, dessen offizieller Name VIBERA-Studie ist, aus Mitteln des Klinik-Instituts. Rund zwei Jahre soll es laufen, insgesamt werden 366 Patienten an vier Augenkliniken im kleinsten Bundesland mit Avastin oder Lucentis behandelt. Dass das Unternehmen von den Schweizer Pharma- riesen indes kritisch beäugt wird, stört den Bremer Pharmakologen nicht. Im Gegenteil: „Wir wollen in erster Linie klären,welches Medikament Patienten mit einer feuchten Makuladegeneration besser hilft", betont Mühlbauer. „Da sind wir ganz ergebnisoffen." Einen Vorteil sieht er für das preiswertere Avastin: „Es verbleibt viel länger im Auge, weil es über größere Moleküle verfügt." Aus diesem Grund müsse das Medikament seltener gespritzt werden. Doch was geschieht, wenn die Bremer Studie tatsächlich ergibt, dass Avastin mindestens gleich- wertig oder sogar viel besser als das teure Novartis-Präparat ist? Gibt es eine Zwangszulassung? „Dies sieht das deutsche Arzneimittelrecht nicht vor", so Mühlbauer. Womit man aber rechnen könne, sei die Aufnahme von Avastin in die Erstattungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung. „Das käme einer De-facto-Zulassung gleich." Und würde dem Gesundheitssystem viele Milliarden Euro sparen. Mühlbauer ist optimistisch: Seit dem formalen Startschuss der VIBERA-Studie im Herbst wächst die Zahl der Studienteilnehmer kontinuierlich. Immerhin verfüge Bremen mit dem niedersächsischen Umland über viele interessierte Patienten und Ärzte. WeserKurierSabineDoll090111
Stichwort: Off-Label-Use. Als Off-Label-Use (-Gebrauch) versteht man die Verordnung von Medikamenten außerhalb ihrer konkreten Zulassung.
Dies kann sich auf das Anwendungsgebiet, also die Indikation, aber auch auf Dosierung und Anwendungsdauer des Präparats beziehen. Vor allem in der Behandlung von Krebserkrankungen und in der Kinderheilkunde ist der Off-Label-Gebrauch von Medikamenten fester Bestandteil. Laut WissensehaftHehem Institut derAOK erfolgen im stationären Bereich bis zu 90 Prozent aller Arzneimittelverordnungen für Kinder und Jugendliche „off label" oder ohne eine formale Zulassung. Und: Für viele seltene Erkrankungen gibt es häufig überhaupt keine Medikamente. Der Off-Label-Gebrauch birgt mehrere Risiken: zum Beispiel durch nicht bekannte Nebenwirkungen. SAD090111WeserKurier
Durchbrüche im Kampf gegen die Makuladegeneration müssen teuer erkauft werden: Injektionen und „Dreifachkonzept”
In Karlsruhe, wo unter Albert Augustin, dem Leiter der Augenklinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe, viele Experten zusammentrafen, war die medikamentöse Therapie das zentrale Thema: Dreh- und Angelpunkt bei der Therapie der altersabhängigen Makula-Degeneration ist der VEGF, der Vaskuläre Endotheliale Wachstumsfaktor. Zur Erblindung kommt es nämlich dann, wenn die Sineszellen am Punkt des schärfsten Sehens - der Makula - im Augenhintergrund zerstört werden. Besonders bei der feuchten Form der Makuladegeneration geschieht dies durch die VEGF-vermittelte Neubildung von brüchigen Aderhautgefäßen, durch die Blut und andere Flüssigkeit nach außen gelangen. Wegen der Narben und Verdickungen werden die darüberliegenden Nerven- und Sinneszellen in der Netzhaut massiv geschädigt und gehen schließlich unter. Der erste Gegenspieler des VEGF, der vor drei Jahren zur Behandlung am Auge die Zulassung erhielt und inzwischen auch hier in Deutschland zur Verfügung steht, ist Pegaptanib oder „Macugen”. Es handelt sich um eine Art verstümmelten Antikörper. Perikles D. Brazitikos von der Universitäts- Augenklinik in Thessaloniki in Griechenland erläuterte in Karlsruhe die Erkenntnisse aus jener Studie mit über tausend Patienten, die letztlich für die Zulassung dieser Substanz den Ausschlag gab. Allerdings kann auch Pegaptanib im Durchschnitt lediglich die Verschlechterung aufhalten, eine Verbesserung der Sehschärfe konnte nicht erzielt werden. Anders ist dies bei Ranibizumab oder „Lucentis”. William F. Mieler, der Leiter der Augenklinik an der University of Chicago, lässt keinen Zweifel daran, dass Ranibizumab derzeit die erfolgreichste der getesteten Substanzen zur Behandlung der feuchten Form der Makuladegeneration darstellt. Bis zu vierzig Prozent der Kranken können damit rechnen, dass sich ihre Sehfähigkeit verbessert. Je nach Ausgangsbefund des Auges kann das bedeuten, dass ein Patient, der zuvor Buchstaben im Standard- Buchdruckformat nicht mehr erkennen konnte, wieder lesen kann. Bisherige Untersuchungen zeigten aber, dass man wohl eine Injektion im Monat in Kauf nehmen muss. Wird seltener injiziert, sind derzeit nicht die gleichen Erfolge zu erzielen. Keine andere Behandlung hat bisher bei vergleichbar geringen Nebenwirkungen derartig überzeugende Ergebnisse vorzuweisen. „Warum nehmen dann alle Avastin statt Lucentis?”, fragte einer der Experten in Karlsruhe und brachte damit das Dilemma der Augenärzte auf den Punkt. „Avastin” ist der Handelsname von Be- vacizumab, einer verwandten Verbindung des monoklonalen Antikörpers Ranibizumab. Der VEGF-Anti- körper Bevacizumab wurde ursprünglich für die Behandlung von bösartigen Tumoren entwickelt. Er hat sich dabei bewährt und trocknet den Krebs gleichsam aus, weil er keine neuen Gefäße mehr bilden kann. Ranibizumab ist ein Teilstück von Bevacizumab, es dringt im Auge leichter zu den neuen gebildeten Gefäßen vor und wurde speziell zu diesem Zweck entwickelt. Die Versuche, Bevacizumab über die Vene zu spritzen, um die Makuladegeneration zu behandeln, erzeugten zu oft überhöhten Blutdruck und Gerinnsel, so dass man darin kaum eine Therapiealternative vermutete. Wie Philip Rosenfeld vom Bascom Palmer Eye Institute in Miami während einer Autofahrt auf die Idee kam, Bevacizumab doch in den Augapfel zu injizieren, wird inzwischen schon als wissenschaftliche Erweckungsgeschichte weitergereicht. Seither gibt es keine Substanz, die trotz fehlender offizieller Zulassung für die Augeninjektion weltweit derartig boomt. Der Grund: Von dieser „Offlabel”-Substanz kostet eine Injektion je nach Zubereitung etwa 20 bis 50 Euro, einen Bruchteil von Ranibizumab. Wie Donald J. DAmico, Direktor der Augenklinik am Weill Cornell Medical College in New York, meint, geben die derzeit verfügbaren vorläufigen Erkenntnisse auch den schönsten Hoffnungen Nahrung. Die Substanz lässt wie der erfolgreiche Verwandte Ranibizumab die aufgequollene Netzhaut wieder dünner werden, dichtet die leckenden Blutgefäße ab und verbessert die Sehfähigkeit sogar bei einem noch höheren Anteil der Patienten. Daher nimmt auch hierzulande die Anwendung am Auge rasant zu. Die Fachleute machen kein Hehl daraus, dass man das durchaus vertreten kann - hinreichende Aufklärung der Patienten vorausgesetzt „Der Ophthalmologe”, Bd.103, S. 461. Die hohen Erwartungen, die alle Be- teiligten an die Substanz knüpfen, zeigen sich auch darin, dass erstmals in der Geschichte der Prüf- studien eine nicht zugelassene Substanz in ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem bisherigen „Champion” gehen durfte. Das Ergebnis dieser Studie, in der es zum direkten Vergleich von Ranibizumab und Bevacizumab in klinischen Studien kommt, wird mit größter Spannung erwartet. Obwohl nun also alle über Avastin reden, gibt es weitere wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Das Team um Augustin in Karlsruhe konnte zeigen, dass die Verödung der wuchernden Gefäße mittels Photodynamischer Therapie, kombiniert mit einem ins Auge injizierten Kortisonpräparat, ebenfalls bei bis zu dreißig Prozent der Betroffenen eine Sehverbesserung erzielt. Allerdings ist das weit aufwendiger als die alleinige Injektion eines Medikaments. Zudem mussten nach der Kortisonbehandlung vierzig Prozent der Betroffenen wegen der Erhöhung ihres Augeninnendruckes behandelt werden. Gleichwohl setzt man weiter auf die Kombinationstherapie, nicht zuletzt, um die Zahl der Injektionen zu verringern. In einer Pilotuntersuchung der Karlsruher Klinik wurde die Kombination aus Photo-dynamischer Therapie, der Injektion von Bevacizumab und eines kurz wirkenden Kortisons ein Jahr lang untersucht. Es gelang ohne wesentliche Nebenwirkungen, die Sehschärfe der Betroffenen beträchtlich zu verbes- sern und die Zahl der Wiederholungsbehandlungen dramatisch zu senken. Dieses neue „Dreifachkonzept” wird jetzt in den Vereinigten Staaten in einer breitangelegten Studie an meh- reren Augenzentren ausgiebig getestet. MartinaLenzen-SchulteFAZ070124min
Früherkennung wird im Alter immer wichtiger: Wenn die Sehkraft schwindet ...

Augenärzte bieten eine neue Leistung an, um die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) frühzeitig zu erkennen. Das Ziel: die Sehschärfe zu erhalten. Foto oben v.l.n.r.: Dr. Uwe Kraffel, Bundesvorsitzender der Augenärzte; Dr. Klaus Heckmann, Augenarzt aus Wiesbaden; Werner Lechtenfeld, Geschäftsführer Pro Retina e.V.
Makula heißt der Fleck auf unserer Netzhaut. Er hat nur einen Durchmesser von anderthalb Millimetern. Aber in diesem winzigen Stück Gewebe liegen die wichtigsten Sehzellen des Auges. Sie ermöglichen, dass wir scharf erkennen, was immer wir gerade betrachten. Wenn die Zellen an dieser Stelle zugrunde gehen, schwindet die Sehkraft - und zwar nur in der Mitte unseres Blickfeldes. Betroffene können sich auch im fortgeschrittenen Stadium zwar orientieren, weil sich außerhalb der Bildmitte nichts verändert. Doch sie können nicht mehr lesen und erkennen keine Gesichter mehr. Die Diagnose: altersabhängige Makula-Degeneration (AMD). Einige kommen zunächst noch mit Spezialbrillen oder anderen Sehhilfen zurecht. Doch es gibt auch eine schwere Form der Erkrankung, die zur Blindheit führt. „Die AMD ist in allen Industriestaaten die Hauptursache für eine Erblindung”, sagt Dr. Uwe Kraffel, Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte in Deutschland. Zwei Millionen Men- schen leiden in Deutschland an dieser Augenerkrankung. In den kommenden 25 Jahren könnte sich die Zahl verdreifachen, warnt die Patientenvereinigung AMD Alliance International, denn es gibt immer mehr ältere Menschen. Doch obwohl die Erkrankung als Volksleiden gilt, „haben 70 Prozent der Bevölkerung noch nie etwas von ihr gehört”, sagt Kraffel. Vielleicht liegt hierin der Grund, dass „50 bis 65 Prozent der Patienten zu spät diagnostiziert werden”, wie der Wiesbadener Augenarzt Dr. Klaus Heckmann beklagt. Oft nehmen die Erkrankten ihr Leiden zunächst nicht einmal wahr. Denn das gesunde Auge gleicht die Verschlechterung des erkrankten meist aus. Wenn der Patient schließlich erkennt, dass mit seiner Sehkraft etwas nicht stimmt, ist es oft zu spät. Deshalb haben die Augenärzte jetzt bundesweit eine Aktion gestartet, mit der sie für eine erstmals genau definierte Früherkennungsuntersuchung werben. So wollen sie die schlimmsten Folgen verhindern. Seit Beginn des Jahres bieten sie diese AMD-Vorsorge an und empfehlen sie allen über 60 Jahre. Der Haken: Während Privatversicherte diese Leistung von ihrer Kasse bezahlt bekommen, müssen gesetz- lich Versicherte den Check des Augenhintergrunds aus eigener Tasche bezahlen. Denn er wird als so genannte IGEL-Leistung, als individuelle Gesundheitsleistung, angeboten und kostet in der Augen- arztpraxis etwa 24 Euro. Was bringt diese Früherkennung, obwohl medizinisch klar ist: Die AMD ist nicht heilbar? „Bei frühzeitigem Einsatz können wir den fortschreitenden Sehverlust in vielen Fällen aufhalten”, sagt Kraffel. Nur die Früherkennung sichere einen bestmöglichen Behandlungserfolg und damit die Erhaltung der bestehenden Sehkraft „und den Erhalt einer selbständigen Lebensführung im Alter”. Denn die Erkrankung habe nicht nur eine medizinische, „sondern auch eine menschliche Seite”, sagt Werner Lechtenfeld von der Selbsthilfevereinigung Pro Retina. „Sie verändert das Leben auf gravie- rende Weise.” Denn wer Gesichter nicht mehr erkennen und sich selbst im Spiegel nicht mehr betrachten könne, lebe oft auch mit der Angst vor Isolation. Der Verlust der Sehkraft könne auch heißen „Angst vor dem Verlust von Sozialkontakten”. Deshalb berate die Patientenhilfe nicht nur in Fragen von Hilfsmitteln, sondern auch bei sozialen und psychischen Problemen und bei der Lebensbewältigung. 85 Prozent der an AMD Erkrankten leiden an der so genannten trockenen Form. Das Sehen ist lange nur gering beeinträchtigt, die Erkrankung schreitet langsam fort. Weit gefährlicher ist die feuchte Form, die aggressiv verläuft und zu über 90 Prozent zu schweren Sehbehinderungen führt. Früherkennung sei auch deshalb wichtig, betont Kraffel, weil sich aus der oft harmlosen trockenen AMD die gefährlichere feuchte Variante entwickeln könne. Bei der feuchten AMD wachsen im Zentrum des schärfsten Sehens krankhaft veränderte Blutgefäße in die Netzhaut. Aus ihnen dringen Blut und Flüssigkeit in das Gewebe. Dabei können sich Narben bilden und die wichtigen Sehzellen, die „Sehsensoren”, zerstören. Erkennt der Augenarzt diese gefährliche Entwicklung rechtzeitig, kann eine Laserbehandlung („kalter”, nichtthermischer Laserstrahl) helfen. Sie ist bei bis zu 20 Prozent der Patienten erfolgreich. Dabei werden undichte Blutgefäße verschlossen und die Erkrankung dadurch gestoppt. Das Problem: Dabei kann auch gesunde Netzhaut in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Sehkraft, die bereits verloren gegangen ist, wird nicht wiederhergestellt. Im Rahmen der Früherkennung werden die Patienten auch darin unterwiesen, wie sie selbst er- kennen können, ob sie Symptome der AMD haben. Das sind die Warnsignale: * unscharfes Sehen in der Mitte des Gesichtsfeldes, * Farben erscheinen immer blasser, * horizontale Linien verschwimmen. (siehe hierzu: Test) Letzteres lässt sich an einem Karomuster auf einem Block oder durch Fixieren der Linien an einer Kachelwand überprüfen. Erscheinen die Linien nicht gerade, sondern fallen an einem Punkt, den man fixiert, in sich zusammen, kann dies der Hinweis auf ein fortgeschrittenes Stadium sein. Offensichtlich entsteht die Erkrankung durch eine Stoffwechselstörung in der Netzhaut. Deshalb ist auch eine richtige Ernährung wichtig (siehe Kasten unten). Die genaue Ursache ist aber unbekannt. „Hellhäutige, Lichtempfindliche sind häufiger betroffen”, sagt Kraffel und Frauen häufiger als Männer. Raucher haben ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko. „Und das kann jeder selbst abstellen”, sagt Augenarzt Heckmann.

I In der Makula liegen die Sinneszellen des Auges, die uns scharf erkennen lassen, was wir gerade betrachten. Lassen abnormale Blutgefäße das Gewebe schwellen, geht die Sehschärfe verloren. Vorbeugen hilft Meist tritt die Augenerkrankung AMD („altersbedingte Makula-Degeneration”) nach dem 60. Le- bensjahr auf. Ein weiterer Risikofaktor neben dem Alter ist das Rauchen, und Frauen erkranken häufiger als Männer. Diese Einflüsse sind nachgewiesen. Vermutet werden außerdem als Risikofaktoren: geneti- sche Veranlagung; hoher Blutdruck; starke Sonneneinstrahlung; Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen in der Ernährung. Augenärzte raten: > bei hellem Licht am Meer oder in den Bergen Sonnenbrille tragen! > Nicht rauchen! > Blutdruck einstellen! > Ausgewogen ernähren mit viel Obst und Gemüse, um der Netzhaut Nährstoffe zuzuführen. Grünblättriges Gemüse enthält den Wirkstoff Lutein, der als gelbes Pigment in der Makula vorkommt und gegen Schäden schützt. Wissenschaftlich umstritten ist die vorbeugende Wirkung von Nahrungs- ergänzungsmitteln mit Zink oder Vitaminen. Nach einer Studie niederländischer Forscher sinkt das Erkrankungsrisiko, wenn man leicht über- durchschnittliche Mengen Zink, Vitamine C, E und Karotin zu sich nimmt. ChristophRind060318I
Vitamin gegen Erblindung Das Vitamin Lutein kann das Fortschreiten einer Augenerkrankung, der altersbedingten Makula- degeneration (AMD), verzögern. Darauf deuten Studien hin, berichtet die Deutsche Ophthalmo- logische Gesellschaft. Unklar sei allerdings, ob eine reichhaltige Lutein-Aufnahme bei bislang Gesunden die Entstehung der Netzhauterkrankung verhindern oder hinauszögern könne. In den Industriestaaten ist AMD die häufigste Ursache für Erblindung im Alter. apHA60930 Grünkohl - Lutein für bessere Sicht Ernährungswissenschaftler aus Jena haben herausgefunden, dass der auch in Grünkohl enthaltene natürliche Farbstoff Lutein das Fortschreiten einer altersbedingten Netzhautzerstörung zumindest kurzfristig stoppen kann. Jeder dritte Rentner leide irgendwann an dieser Makula-Degeneration, so Jens Dawczynski von der Augenklinik des Uniklinikums Jena. Lutein trage zum Schutz der Makula - dem Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut - vor schädlichen Lichteinflüssen bei, erklärte Dawczynski. Lutein kommt zB. in Grünkohl, Spinat, aber auch in Rucola, Weißkohl oder Kresse vor. Die in der Jenaer Studie wirksame Dosierung von Lutein entspricht etwa 150 Gramm Grünkohl am Tag, sagte Dawczynski. Ob eine spezielle Ernährung mit hohen Gaben natürlichen Luteins auf lange Sicht das Krankheitsbild beeinflussen könne, sei aber längst noch nicht wissenschaftlich gesichert. HAZ100319
Leben ohne klare Konturen

Bei altersabhängiger Makuladegeneration geht die Sehschärfe verloren – im schlimmsten Fall kommt das einer Erblindung sehr nahe. Die Makuladegeneration ist der häufigste Grund für den Verlust der Sehschärfe älterer Menschen.
Grauer und grüner Star, Katarakt und Glaukom - wir erwarten sie als Schicksalsboten des nahen-en Alters, ergeben uns in das, was da kommen mag. Jeder kennt sie. Doch im Alter drohen dem Auge noch andere Gefahren, die bisher nicht im Allgemeinwissen angekommen sind. Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) heißt einer dieser apokalyptischen Reiter, und seine Wirkungen betreffen Millionen. In den Industrienationen ist AMD mittlerweile der häufigste Grund für den Verlust der zentralen Sehschärfe bei älteren Menschen. Zunächst ist nur ein Auge betroffen, doch bald erreicht die Krankheit auch das andere. Mindestens ein bis zwei Millionen Menschen sind allein in Deutschland betroffen. Neben Rauchen, Bluthochdruck und falscher Ernährung ist für zwanzig bis sechzig Prozent der Erkrankungen ein Gendefekt verantwortlich. Ausgeprägte AMD kommt völliger Erblindung sehr nahe Also wieder eine neue „Modekrankheit”, die durch die Gazetten geistert? Weit gefehlt: Makula- degenerationen gab es schon immer, doch in früheren Jahrhunderten starben die Menschen, bevor sie überhaupt daran erkranken konnten. Zunehmende Bedeutung erhält die Krankheit letztlich durch die Errungenschaften der modernen Medizin, die uns eine bisher ungekannte Langlebigkeit beschert. Dass die Strukturen des menschlichen Körpers darauf nicht unbedingt eingerichtet sind, ist eine Binsenweisheit. Der Macula lutea, dem so genannten „gelben Fleck” verdanken wir, dass wir Dinge scharf sehen können. Carotinoide lassen ihn gelb erscheinen. Dieses etwa 1,5 Millimeter große Netzhautareal enthält in seiner zentralen Stelle (fovea centralis) mit etwa sechs Millionen „Zapfen” jene Sinneszellen, die das Sehen von Farben und das Tagessehen ermöglichen. Die „Stäbchen” hingegen nehmen zu, je weiter das jeweilige Gebiet von der Macula lutea entfernt ist. Sie sind für „unscharfes” Schwarz-Weiß-Sehen zuständig und arbeiten auch bei schwachem Licht. Von der AMD sind sie nicht betroffen, ein Erkrankter kann sich auch im Endstadium immer noch vage in seiner Umgebung orientieren. Lesen jedoch wird er nicht mehr können, denn hier sind die „Zapfen” am Werk, die Wörter und Sätze genau fixieren müssen, damit die Information erkannt wird und schließlich über den Sehnerv im Sehzentrum des Gehirns an- kommt. Eine ausgeprägte AMD im End- stadium kommt einer völligen Blindheit aber sehr nahe. Wissenschaftlichen Studien zufolge zeigen bereits zwanzig Prozent der 65- bis 74-jährigen frühe Anzeichen einer AMD, bei den 75- bis 84- jährigen sind es gar 35 Prozent. Generell sollten bereits 40- Jährige bei den typischen Symptomen an eine AMD denken. Mit dem Amsler-Test (siehe Test!) kann jeder selbst überprüfen, ob er Symptome an sich feststellt: Der Patient hält dabei ein Auge geschlossen und betrachtet mit dem anderen einen zentralen Punkt in einem Gitternetz, zum Beispiel einem Rechenblatt. Erscheinen ihm dabei die geraden Linien krumm, die Kästchen verzerrt oder scheinen in den Linien Lücken aufzutreten, sind dies Alarmzeichen. Recht typisch ist auch das Auftreten eines dunklen, verschwommenen Flecks im Schriftbild der Zeitung oder des Buches. Gerade da, wo der Leser eigentlich das Wort fixieren möchte, tritt der Fleck auf - und er wird mit der Zeit immer größer. Auch davon, dass sie hüpfende Buchstaben wahrnehmen, verbogene Fensterrahmen sehen oder Gesichter plötzlich verzerrt seien. berichten die Patienten. Nun ist es höchste Zeit, zum Augenarzt zu gehen, denn die AMD ist eine fortschreitende Erkrankung. Wer lange wartet, beraubt sich der Chance, dass ihm noch rechtzeitig geholfen wird. Der Arzt wird nun mit der Ophtalmoskopie zunächst den Augenhintergrund untersuchen und eine Fluoreszenzangiographie durchführen. Bei letzterer spritzt er einen gelben Farbstoff in eine Körpervene. Sobald dieser Farbstoff im Auge angekommen ist, erkennt der Facharzt das Ausmaß der Krankheit. Mit der Augenhintergrund- kamera sieht er die bereits eingetretenen Veränderungen. Wem die Diagnose AMD gestellt wurde, der konnte bis vor kurzem nur erwarten, was da kommen mochte, und sich langsam vom Lesen, Autofahren und Fernsehen verabschieden. War er an der trocke- nen Form erkrankt, die achtzig Prozent der Fälle ausmacht, hatte er noch „Glück”. Sie schreitet nur langsam voran. Es kommt zu einer landkartenartigen Atrophie des Pigmentepithels der Netzhaut. Bereits im Frühstadium sind dabei gelblich-weiße, rundliche Stoffwechselabbauprodukte von fett- artiger Konsistenz zu sehen, die so genannten Drusen. Diese Stoffwechselprodukte entstehen bei dem photochemischen Prozess der Umwandlung von Lichtreizen in den Sinneszellen. Sie können mit zuneh- mendem Alter immer schlechter entsorgt werden und reichern sich in der Netzhaut an. Die Abhängigkeit der Krankheit vom Licht könnte dabei erklären, warum Menschen mit hellen Augen stärker AMD-gefährdet sind als jene mit dunklen. Dem solcherart Erkrankten bleibt nur, die bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und vitaminarme Ernährung auszuschließen. Eine erhöhte Zufuhr von grünem Gemüse und Zink kann im Frühstadium noch Wirkungen zeigen. So sol- len die in Gemüse enthaltenen Pigmente der Netzhaut zugute kommen. Die bereits eingetretenen Ver- änderungen macht dies jedoch auch nicht mehr rückgängig. Der Patient kann schließlich nur auf opti- sche oder elektronische Lesehilfen ausweichen und am Ende die Tageszeitung als Hörbuch bestellen. Hat er Glück und befolgt er die Ratschläge seines Arztes, darf er auf einen langsam fortschreitenden Verlauf hoffen. Dramatisch verläuft die feuchte Form, die binnen kurzem die Sehschärfe zunichte macht. Bei ihr weist das Pigmentepithel Risse auf und hebt sich zum Teil ab. Den durch die Beeinträchtigungen verursachten Mangel an Nährstoffen und Sauerstoff versucht das Auge durch die Neubildung von Blutgefäßen zu kompensieren - ein deutlicher Beweis dafür, dass der Körper eben nicht immer „schon selbst weiß, was gut für ihn ist”. Denn die neugebildeten Gefäße wachsen aus der Aderhaut in die Netzhaut ein, führen zu Schwellungen und zerstören mit der Zeit die Sinneszellen. Der Augenarzt entfernt die überschüssigen Blutgefäße durch eine Laserbehandlung. Dies führt jedoch häufig zu Rückfällen, die dann nicht mehr operiert werden können. Mit der so genannten photo- dynamischen Therapie wurde der Lasereinsatz inzwischen verbessert: Ein Farbstoff markiert hier die überschüssigen Blutgefäße, der Laser kann sie ohne Narbenbildung punktgenau entfernen. Auch diese Methode hilft nur im Frühstadium. Der Versuch einer Bestrahlungstherapie dagegen erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht. Eine neue Therapieforrn gibt Patienten wieder Hoffnung In jüngster Zeit gibt jedoch eine neue Therapieform wieder Hoffnung. Eine neuartige Injektions- behandlung mit dem Steroid Triamcinolon kann das Fortschreiten der Krankheit zumindest verzögern. Ähnliches leistet der Stoff Anti-VEGF. Studien an verschiedenen Universitätskliniken haben eine Wirksamkeit bereits nachgewiesen. Bei der neuen Methode wird das Medikament unter örtlicher Be- täubung direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt. Hier hemmt es das Wachstum neuer Blutgefäße, ohne dabei die Netzhaut zu schädigen.Zusätzlich werden Entzündungen gemildert, Ödeme reduziert und undichte Gefäße stabilisiert. Einziger Schönheitsfehler dabei: Wo Ödeme sind, handelt es sich natürlich um die feuchte AMD - und von der sind nur zwanzig Prozent der Erkrankten betroffen. Die zentrale Bedeutung für den Verlauf besteht allerdings bei beiden Formen darin, rechtzeitig auf Veränderungen zu achten. Denn die besten Behandlungschancen bestehen im Frühstadium. Eine voll- ständige Heilung ist zwar noch nicht möglich, doch kann der Verlauf bei optimaler Behandlung deutlich verlangsamt werden. JerzyStausDT050924Fotos:obsOrthomolGmbH Bei der Selbsthilfevereinigung Pro Retina-Deutschland e. V. (Vaalser Straße 108, 52074 Aachen) gibt es umfassende Information über die AMD; T. 0241-87 00 18; Fax 0241-87 39 61; www.pro-retina.de
Hilfe gegen Netzhautzerstörung - Makuladegeneration aus dem Magazin W wie Wissen.

Buchstaben fangen an zu verschwimmen. Schon kurze Zeit später trübt ein grauer Fleck das Seh- zentrum. Alles ist nur noch schemenhaft zu erkennen. An einer Makula-Degeneration, die binnen weni- ger Monate fast blind machen kann, leiden in Deutschland mehrere 100.000 Menschen. Neue Medi- kamente sollen sie aufhalten können. Es kann von einem Tag auf den anderen passieren. Buchstaben fangen an zu verschwimmen. Gerade Linien erscheinen wellenförmig. Schon kurze Zeit später trübt ein grauer Fleck das Sehzentrum. Alles ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Nichts ist mehr scharf vor Augen. Seit einigen Monaten geht es auch Irmgard Schulze-Schlüter so. Die Diagnose ihres Augenarztes: Feuchte Makula-Degeneration. Eine Netzhaut-Erkrankung, die binnen weniger Monate fast blind machen kann. Mehrere 100.000 Menschen in Deutschland leiden darunter. Der Alltag wird zum Hindernislauf. Das Einkaufen wird nahezu unmöglich. Gegenstände und Personen werden spät oder gar nicht erkannt. Die Betroffenen können ihr Leben oft nicht mehr allein bewältigen. Neue Medikamente lassen hoffen Bislang ist die Krankheit unheilbar. Nun wecken neue Medikamente Hoffnung im Kampf gegen den drohenden Sehverlust. Ihre Wirkstoffe werden direkt ins Auge gespritzt. Die feuchte Makula-Degene- ration trifft besonders ältere Menschen. In ihren Augen wuchern krankhafte Blutgefäße in die Netzhaut, aus denen Flüssigkeit und Blut austreten. Empfindliche Sinneszellen werden schließlich zerstört, das Sehvermögen lässt drastisch nach. Die Blutungen treten im Zentrum des schärfsten Sehens auf - der sogenannten Makula. Präparat wirkt nur sechs Wochen Professor Holz von der Augenklinik Bonn erprobt derzeit die Wirksamkeit der neuen Präparate. Denn noch sind diese nicht zugelassen. Rund 50 Patienten behandelt er zur Zeit damit. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt. Professor Holz spritzt den Wirkstoff bei örtlicher Betäubung direkt ins Auge. So ist die OP zwar nicht schmerzhaft, das Medikament wirkt jedoch meist nur sechs Wochen. Deshalb muss die Injektion regelmäßig wiederholt werden. Aber, die ersten Erfolge sind viel versprechend. Die Sub- stanz in dem Medikament blockiert ein Wachstumshormon im Körper und hemmt so die Gefäßneubildung. Der Sehverlust wird aufgehalten. Zellentransplantation soll helfen Professor Bernd Kirchhof von der Augenklinik der Universität Köln ist einer der wenigen, der die Altersblindheit mit einer anderen Methode behandelt: der Transplantation von Zellen. Bei der Operation werden zunächst die krankhaften Blutgefäße im Sehzentrum entfernt. Ein unerwünschter Nebeneffekt: Es gehen auch andere, für die Sehfunktion wichtige Schichten verloren. Um diese zu ersetzen, werden intakte Pigmentzellen aus demselben Auge heraus gelasert. “Das hat viele Vorteile. Wir müssen keine Zellen züchten im Labor. Alles ist schon im Auge. Die Zellen sitzen schon auf der Unterlage, die müssen nicht erst anwachsen. Es ist eigentlich nur eine Operations- technik - sehr ähnlich der, die wir schon tun. Und die ersten Ergebnisse sind außer- ordentlich viel versprechend muss man sagen”, erklärt Kirchhof. LenaGanschowMelanieThun050413 Adressen Prof. Dr. Frank Holz, Augenklinik der Universität Bonn, Ernst-Abbe-Staße 2 53105 Bonn, Tel.: 0228 - 287 56 47, Fax.: 0228 - 287 556 03, www.ukb.uni-bonn.de Prof. Dr. Bernd Kirchhof, Augenklinik der Universität Köln, Joseph-Stelzmann-Straße 9, 50931 Köln, Tel.: 0221 – 4784105, www.medizin.uni-koeln.de The Age-Related Macular Degeneration Project, University of Alabama at Birmingham, Department of Ophthalmology, School of Medicine, Birmingham, AL 35294-0009, Tel.: 001 (205) 325-8662 www.eyes.uab.edu/armdinfo/ Links & Literatur Selbsthilfegruppe Pro Retina Deutschland e.V.: “Makuladegenerationï¾– Was ist das?” (Sehr ausführlich) "Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)" Online Journal of Opthalmology: "Informationen zu Augenkrankheiten und Operationen am Auge" "Makuladegeneration ist häufigste Erblindungsursache im Alter" von Dr. Andreas Archut, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn "Hoffnung im Kampf gegen Altersblindheit" "Stoffwechselmüll, der die Sehkraft zerstört" von Dr. Anette Tuffs, Uni-Klinikum Heidelberg "Transplantat soll die verlorene Sehschärfe ersetzen" von Prof. Dr. Frank Holz World Blind Union - ein Verbund von 600 Organisationen in 158 Landern (engl.) Henry Grunwald: “Dämmerlicht” Zsolnay Paul Verlag GmbH, 2001 ISDN 3-552-04999-1
Rauchen erhöht AMD-Risiko
Rauchen verdoppelt das Risiko für die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die häufigste Ursache für den Verlust der Sehfähigkeit bei älteren Menschen. Laut einer britischen Studie stellten die Forscher aber bei denjenigen, die ihren Tabakkonsum mehr als 20 Jahr vorher eingestellt hatten, kein erhöhtes AMD-Risiko fest, berichtet das “British Journal of Ophtalmology”. apHA050425
Hilfe bei Makuladegeneration Bericht vom Kongress der augenärztlichen Akademie
Neue Medikamente sollen künftig eine bessere Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration(AMD) ermöglichen. Prof. Frank Holz von der Augenklinik Bonn stellte zwei Mittel, von denen eines bereits in Amerika zugelassen ist, beim Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland in Düsseldorf vor. Wann hier zu Lande mit einer Zulassung zu rechnen ist, sei jedoch nicht bekannt, hieß es beim Kongress. In Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen unter der altersabhängigen Makuladegeneration. Bei dieser Erkrankung wird der so genannte gelbe Fleck (die Makula), ein spezialisiertes Areal der Netzhaut, geschädigt. Die Makula ist für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und Details sowie für das Farbensehen unerlässlich und hat einen regen Stoffwechsel. Abbauprodukte werden in die unter der Netzhaut liegende Gewebsschicht entsorgt. Im Alter kann es dabei zu Problemen kommen; Abla- gerungen in der Netzhaut führen dann zu Sehstörungen. Zudem behindern neue Gefäße in der Netzhaut das Sehen. „Wenn dieser kleine Fleck funktionsuntüchtig ist, hat das dramatische Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen”, erklärte Holz. Experten unterscheiden die nur langsam voranschreitende, „trockene” Form der AMD von der „feuchten” AMD, die heute als Hauptursache für Erblindungen gilt. Bisher konnten die Augenärzte eine feuchte AMD nur behandeln, indem sie die neu gebildeten Gefäße mit einem Laser oder, bei der photodynamischen Therapie, mit einer Kombination aus Laserlicht und einem lichtempfindlichen Präparat verödeten. Das chirurgische Drehen der Netzhaut wird derzeit klinisch erprobt. Noch einen anderen Ansatz bieten die neuen Medikamente Macugen und Lucentis. Dabei handele es sich um so genannte VEGF-Hemmer, sagte Holz. VEGF ist ein körpereigener Botenstoff, der Gefäße sprießen lässt. Wird er blockiert, unterbleibt auch die für das Sehvermögen gefährliche Neubildung von Gefäßen, und das Fortschreiten der Krankheit wird gebremst. In Studien habe das in den USA zuge- lassene Macugen den Verlust des Sehvermögens aufhalten können und bei sechs Prozent der Patienten zu einer Verbesserung geführt, berichtete Holz. Das noch nicht zugelassene Lucentis bewirkte in ersten Untersuchungen sogar bei einem Drittel der Patienten eine Sehverbesserung. „Das muss sich aber noch bewahrheiten”, meinte der Bonner Augenarzt. Er sieht die Zukunft der AMD- Therapie in einem Cocktail von Gegenmaßnahmen, etwa einem VEGF-Hemmer und einer photo- dynamischen Therapie. Auch eine Mischung hochdosierter Vitamine könne bei einigen Patienten den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. HAZNicolaZellmer050310
Makuladegeneration: Schwarzer Fleck vor den Augen. Teletipps vom Hausarzt online - 3sat
Mit dem Alter lässt auch das Sehvermögen nach - das halten viele für völlig normal. Bestimmte Fehlsichtigkeiten können aber auch ein wichtiger Hinweis auf eine schwere Erkrankung der Augen sein - die Rede ist von der Makuladegeneration. Tatsächlich ist die Altersbezogene Makuladegeneration (AMD) für rund ein Drittel aller Neuerblin- dungen hier zu Lande verantwortlich und damit die häufigste Erblindungsursache überhaupt in den westlichen Industriestaaten. Betroffen ist bei der AMD ausgerechnet der Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, die Makula (auch “Gelber Fleck” genannt). Ein großer schwarzer Fleck im Zentrum des Blickfeldes macht Alltagsbeschäftigungen wie Lesen, Fernsehen und Autofahren un- möglich. Symptome AMD verursacht keine Schmerzen. Letztlich nimmt man die Erkrankung erst dann wahr, wenn be- stimmte Ausfälle im Gesichtsfeld nicht mehr „übersehbar” sind. Erste Anzeichen: Gerade Linien erscheinen krumm oder gebogen, Buchstaben verschwimmen, Farben werden schwächer, Flecken tauchen auf und breiten sich aus, bis sie das ganze zentrale Gesichtsfeld ausfüllen. Sehr oft ist die Erkrankung in einem Auge schon weit fortgeschritten, wird aber erst bemerkt, wenn auch das zweite Auge betroffen ist, da dieses bis dahin die Ausfälle weitgehend kompensiert hat. Risikofaktoren Das Risiko, an AMD zu erkranken, steigt mit dem Alter. Daneben sind auch andere Faktoren wie Rauchen und die Vererbung für die Entstehung der Augenerkrankung von Bedeutung. Frauen sind häu- figer betroffen als Männer. Da die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt sind, sollte man ab dem 50. Le- bensjahr regelmäßig alle sechs Monate zu einer Früherkennungsuntersuchung zum Augenarzt gehen. Dieser kann den Augenhintergrund auf Blutungen, Flüssigkeitsansammlungen oder typische Ablagerun- gen untersuchen.
Ablagerungen schädigen Netzhaut. Ausmaß der Makuladegeneration besser zu beurteilen
Das Pigmentepithel, die äußerste Schicht der Netzhaut, wurde lange Zeit unterschätzt. Zunächst hielt man es lediglich für eine dunkle Folie, die rein passiv die Lichtstrahlen auffängt. Dann erkannte man, dass das Pigmentepithel für die Ernährung der darüber liegenden Sinnesrezeptoren und Nervenzellen unabdingbar ist. Schließlich kommt ihnen auch eine Schlüsselstellung bei der Entsorgung des Abfalls zu. Da sich Pigmentepithelzellen nicht erneuern und ihre Kräfte mit der Zeit nachlassen, häuft sich mit zunehmendem Alter immer mehr Abfall an. Er wird nicht beseitigt, sondern in winzigen Müllsäcken als Lipofuszin innerhalb der Zellen oder aber in Form großer Abfallhalden (Drusen) außerhalb des Pigment- epithels gesammelt. Diese Ablagerungen ließen sich jedoch erst in jüngster Zeit mit Hilfe der “konfokalen Scanning-Laser-Ophthalmoskopie” tatsächlich sichtbar machen. Das neuartige Verfahren wurde im Rahmen eines Schwerpunktprogrammes der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Heidelberg zur Erforschung der Makuladegeneration entwickelt. Wie Frank Holz, Oberarzt an der Uni- versitätsaugenklinik und Koordinator des Programms, erläuterte, kann man jetzt erstmals die einlägige Schicht der Pigmentepithelzellen in der dicht gepackten Netzhaut ins Visier nehmen. Das verschafft ganz neue Erkenntnisse hinsichtlich Art und Ausmaß jener Netzhautschäden, an denen Lipofuszin beteiligt ist. Das gilt vor allem für die altersabhängige Makuladegeneration, mittlerweile die häufigste Erblindungs-Ursache in den Industrienationen. Man weiß inzwischen, dass Bestandteile des Lipofuszins für die Netzhaut toxisch sind. Dort, wo der Müll vermehrt abgelagert wird, funktionieren die Sinneszellen nicht mehr so gut. Mit Hilfe der Laser-Ophthalmoskopie lässt sich nun nachweisen, welche Bezirke am Ort des schärfsten Sehens, eben der Makula, am meisten bedroht sind “Archives of Ophthalmology”, Bd. 120, S. 579. Gerade ist man dabei, diese Beobachtungen für die Entwicklung neuer Behandlungsverfahren zu nutzen. So ist es denkbar, das Lipofuszin rechtzeitig zu entschärfen, damit die Sinneszellen erst gar nicht beeinträchtigt werden. In Heidelberg testet eine Forschergruppe bereits verschiedene Sub- stanzen im Labor an Pigmentepithelzellen. Andere versuchen, diese Zellen mit Laserstrahlen zur Teilung zu bewegen. Man hofft, dass derartig verjüngte Zellen die Abräumarbeiten wieder besser erledigen. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Laser-Scanning-Ophtalmoskopie liegt darin, bei der operativen Ver- lagerung der Netzhaut nach bereits engetretenen Schäden gezielter vorzugehen. Da man jetzt er- kennen kann, welche Bezirke noch nicht vorgeschädigt sind, kann der Chirurg die gesunde Netzhaut genau dorthin drehen. mls/FAZ021002
Hinweis auf Netzhautleiden
Gelbe Fettablagerungen im Auge können ein erstes Warnsignal für eine Netzhaut-Erkrankung sein. Die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) ist in entwickelten Ländern die Hauptursache für schwere Sehschäden im Alter, so die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. In Deutschland sind 4,5 Millionen Menschen davon betroffen. dpaHA0940915
Leichterer Zugriff auf die Netzhaut. Makula-Degeneration operativ besser anzugehen. Schonendes Ablösen vom Augenhintergrund
Eine folgenschwere Erkrankung des Augenhintergrundes, die altersbedingte Makula-Degeneration, kann jetzt leichter operativ behandelt werden. Das verbesserte Verfahren haben Leipziger Augenärzte gemeinsam mit Wissenschaftlern des Paul-Flechsig-Institutes für Hirnforschung entwickelt. Das für den Eingriff notwendige Ablösen der Netzhaut vom Augenhintergrund kann schneller und schonender vorgenommen werden als bisher. Nach Angaben des Klinikdirektors Peter Widemann gewinnt man dadurch kostbare Zeit und mindert das Risiko der Operation erheblich. Das Verfahren ist inzwischen patentiert worden. Die Makula-Degeneration kann bei agressivem Verlauf schnell zur Erblindung führen. Die Wahr- scheinlichkeit, an ihr zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Hervorgerufen wird dieses Augen- leiden durch die krankhafte Veränderung des hinter der Netzhaut gelegenen Pigmentepithels und der Aderhaut. Infolgedessen werden die Photorezeptoren der Retina nicht mehr ausreichend mit Nähr- stoffen und Sauerstoff versorgt und sterben langsam ab. Die Veränderungen der Aderhaut beginnen meist direkt hinter der Makula - dem Fleck des schärf- sten Sehens auf der Netzhaut, auf dem sich 95 Prozent der gesamten Sehkraft konzentrieren. In etwa zehn Prozent der Fälle bildet die Aderhaut infolge eines überschießenden Heilungsprozesses neue, aber wild wuchernde Blutgefäße. Dann wird die Degeneration der Photorezeptoren noch beschleunigt, und die Sehkraft verschlechtert sich schlagartig. Dieser dramatische Verlauf kann innerhalb von Tagen oder Wochen zur völligen Erblindung führen. Bisherige Versuche, die wuchernden Gefäßzellen durch Laserstrahlen zu veröden, zeigten auf lange Sicht oft nicht den gewünschten Erfolg, da die Blutgefäße nach einiger Zeit wieder wild zu wachsen beginnen. Die Wucherungen in der Aderhaut bleiben aber auf die Region hinter der Makula beschränkt; sie breiten sich nicht bis hinter die Randgebiete der Netzhaut aus. Eine Möglichkeit, die drohende Erblindung dauerhaft zu umgehen, ist deshalb eine Operation, durch die der Fleck des schärfsten Sehens auf eine gesunde Region des Augenhintergrundes übertragen wird. Dafür wird die Netzhaut an den Rändern kreisförmig eingeschnitten, vom Augenhintergrund abgelöst und um 15 Grad gedreht wieder auf das Pigmentepithel aufgesetzt. Besonders heikel ist das Abtrennen der fragilen Retina vom Pigmentepithel. Der empfindliche Verband der Photorezeptoren ist nämlich durch zahlreiche Bindungsmoleküle fest mit den darunterliegenden Gewebeschichten verkittet. Er kann daher beim Abtrennen leicht zerstört werden. Zum Ablösen der Netzhaut aus diesem Klebeverband der interzellulären Matrix leitet man eine Flüssigkeit zwischen die beiden Gewebeschichten. Häufig werden bei der Prozedur die Fortsätze der Photorezeptor- und Pigmentepithelzellen abgerissen. In Leipzig verwendet man zwar ebenfalls eine Trennungsflüssigkeit, diese ist aber anders zusam- mengesetzt. Sie enthält keine Kalzium- und Magnesiumionen. Dadurch löst sich die Netzhaut schneller und schonender, und beide Gewebeschichten bleiben weitgehend intakt. Warum sich die Retina bei Verwendung kalziumfreier Lösung besser vom Pigmentepithel trennen lässt, ist nicht bekannt. Wahr- scheinlich funktionieren die Bindungsmoleküle der interzellulären Matrix nur in Gegenwart von Kalzium, vermutet Andreas Reichenbach, Leiter der Abteilung Neurophysiologie des Leipziger Paul-Flechsig- Instituts für Hirnforschung. Bisher wurden weltweit mehr als einhundert Patienten nach dem neuen Verfahren operiert. Erfolgt der Eingriff früh genug, kann die Sehfähigkeit der Patienten erheblich verbessert werden. Statt einer bloßen Hell-Dunkel-Unterscheidung ist dann wieder ein Erkennen von Gegenständen und Personen möglich. SylviaPieplow/FAZ010905
Neue Therapien bei Augenleiden - Kaltes Laserlicht stoppt die Degeneration der Netzhaut. Das gesunde Gewebe bleibt erhalten.
Plötzlich erscheinen gerade Linien krumm, verschwimmen Buchstaben beim Lesen, entsteht mitten im Sehbereich ein grauer Fleck. Solche Anzeichen können auf eine ernst zu nehmende Erkrankung des Auges hinweisen wie beispielsweise die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Sie gilt als Ur- sache von 30 Prozent der Neuerblindungen in den westlichen Industrienationen. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung, die zum Verlust der Sehkraft im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula,führt, die auch als gelber Fleck bezeichnet wird. Alltägliche Beschäftigungen wie Lesen, Autofahren oder das Erkennen von Gesichtern werden dabei allmählich unmöglich. Man unterscheidet eine so genannte trockene Form von AMD mit langsamerem Verlauf und eine seltenere, aber agressivere feuchte Form. Bei letzterer wachsen krankhafte Blutgefäße in die Netzhaut ein. Die Gefäßwände sind undicht, Flüssigkeit und Blutbestandteile treten aus: Als Folge kommt es zur Vernarbung und Sehverlust. Für die feuchte Form von AMD gibt es wirksame Behandlungen wie die Verödung der schädigenden Blutgefäße mit heißem Laserstrahl oder operative Netzhautdrehung. Neu ist die photodynamische Therapie (PDT). Damit können jetzt Gefäßwucherungen gezielt geschlossen werden, ohne gesundes Gewebe zu zerstören. Bei der PDT wird ein lichtempfindlicher Farbstoff in die Armvene injiziert. 15 Minuten später wird die betroffene Stelle der Netzhaut mit einem kalten Laser- strahl beleuchtet. Dies regt die Bildung von Sauerstoffradikalen an, die über biochemische Reaktionen die krankhaften Gefäße gezielt verschließen. Die PDT kann ambulant durchgeführt werden und wird in der Regel gut vertragen. Das Risiko von Augen- erkrankungen wie AMD steigt mit dem Alter stetig an. Deshalb raten Fachärzte zu regelmäßigen Untersuchungen mindestens einmal im Jahr. HA020517
Zellen der Netzhaut transplantiert
Die erfolgreiche Transplantation von Netzhautzellen melden Heidelberger Forscher. Mit Hilfe eines Laser-Geräts konnten sie Zellen, die die Netzhaut ernähren, vom Randbereich in den Fleck des schärfsten Sehens, die Makula verpflanzen. Diese Technik soll eines Tages die Sehschärfe von Patienten mit altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) wieder herstellen - aber nur bei der “feuchten Form” der Krankheit. Das patentierte Verfahren soll nun in klinischen Tests beweisen, ob es dieses Versprechen am menschlichen Auge halten kann. “Wir hoffen, dass durch die Transplantation das Sehvermögen an der Stelle des schärfsten Sehens erhalten werden kann”, sagt Franz Holz, Oberarzt und Professor an der Augenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Makuladegeneration zerstört die Netzhautzellen im so genannten Gelben Fleck, der Zone der größten Sehschärfe und der besten Farbunterscheidung im Auge. Rund zwei Millionen Menschen leiden in Deutschland an der AMD, vor allem im Alter nimmt die Krankheit zu. wsaHA030401
Raucher riskieren Altersblindheit
“Smoke gets in your eyes” heißt ein erfolgreicher Oldie und verheißt nichts Gutes: Wie britische Forscher jetzt bestätigen, steigert Rauchen das Risiko, im Alter zu erblinden: Bis zu viermal häufiger verlören Raucher im Alter ihr zentrales Sehvermögen, weil bestimmte Sinneszellen im Auge absterben. Offenbar fördert der Zigarettengenuss die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD), berichten die Forscher im “British Medical Journal”. Jeder fünfte AMD-Fall mit Blindheit oder Sehbehinderung ist dem früheren oder gegenwärtigen Rauchen zuzuschreiben, so der Augenchirurg Simon Kelly von der University of Manchester. Hingegen sinkt das Risiko der Alterserkrankung wieder, so die Forscher, wenn man das Rauchen heute einstellt. Auch reagiere ein rauchfreier Körper auf Dauer besser auf Behandlungen wie eine Lasertherapie. Die Forscher verlangen nach einer Informationskampagne, um Mediziner und Raucher auf das zusätzliche Risiko aufmerksam zu machen. Altersbedingte Makula-Degeneration ist einer der Hauptgründe für Blindheit bei Erwachsenen. Mit zu- nehmendem Alter sterben Sehzellen der Makula ab, dem so genannten “gelben Fleck” in der Netz- hautmitte, der Stelle des schärfsten Sehens. Menschen mit hellen Augen erkranken häufiger an AMD. Noch sind die Ursachen der Krankheit unklar, allerdings scheinen Durchblutungsstörungen keine direkte Ursache zu sein. Links: British Medical Journal: http://www.bmj.com/ University of Manchester: http://www.man.ac.uk Altersbedingte Makuladegeneration: http://www.uniklinikum-giessen.de/
Genmanipulation ermöglicht Freisetzung eines Wachstumsfaktors: Iriszellen sollen Makula retten
Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine der häufigsten Ursachen für die Erblindung älterer Menschen. Es gibt nur wenige, noch sehr begrenzte Möglichkeiten, die Erkrankung aufzuhalten. Der neueste Vorstoß, der in ein innovatives Behandlugungskonzept münden könnte, kommt aus der Uni- versität Köln. Dort ist es Molekulargenetikern und Augenärzten gelungen, Iriszellen so zu verän- dern, dass sie eine wichtige Substanz absondern, die ansonsten nur in der Netzhaut und vom darunter liegenden Pigmentepithel hergestellt wird “Proceedings” der Amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, Bd. 99. S. 13090. Schon seit längerer Zeit versucht man, defektes Pigmentepithel im Bereich der Makula, der Zone des schärfsten Sehens, durch andere Zellschichten zu ersetzen. Denn wenn das Pigmentepithel zugrunde geht, trifft dies früher oder später auch die darüberliegenden, lichtempfindlichen Rezeptoren der Netz- haut. Das Pigmentepithel übernimmt für die Netzhaut logistische Aufgaben. Sie sorgt für die Ernährung und die Abfallbeseitigung. Sind die Rezeptoren der Makula erst zugrunde gegangen, ist kein scharfes Sehen mehr möglich. Pigmentepithel aus der Iris, die im vorderen Auge das Pupillenloch umschließt, ist ein geeignetes Ersatzmaterial, weil es letztlich vom selben Embryonalgewebe abstammt wie das im hinteren Augenabschnitt gelegene retinale Pigmentepithel. Bisherige Fehlschläge bei einer solchen Transplantation führt man darauf zurück, dass die von der Iris stammenden Zellen nicht jene Substanzen absondern, die für die Netzhaut wichtig sind. In Köln hat man jetzt die Iriszellen genetisch so manipuliert, dass sie den auch in der Netzhaut vorkommenden Nerven- wachstumsfaktor PEDF herzustellen vermögen. Dieser hemmt zugleich das Aussprießen und Wachsen von Blutgefäßen - eine der entscheidenden Fehlentwicklungen bei der Makuladegeneration. Im Tier- versuch führte die Transplantation derart manipulierter Iriszellen zur Hemmung der Gefäß-Neubildung. Auch den Untergang der Lichtrezeptoren konnte man auf diese Weise verhindern. Allerdings handelt es sich bislang um einen rein experimentellen Ansatz, der noch nicht an Patienten erprobt werden kann. mlsFAZ021120
Vitamine gegen Erblindung? Makuladegeneration kaum aufzuhalten. Mehr Risiken als Nutzen
Die altersbedingte Makuladegeneration ist bei über 50-jährigen in den Industrienationen die häufigste Ursache von Erblindungen. Feinste Gefäßwucherungen unter der Netzhaut schädigen auch die Makula, jene centgroße Stelle, an der wir am schärfsten sehen. Die Therapie ist unbefriedigend, weshalb man große Hoffnungen in ein amerikanisches Projekt setzte, das der Frage nachging, inwieweit sich die Makuladegeneration durch einen Cocktail aus Vitamin C und E, Zink, Kupfer und Beta-Karotin aufhalten lässt. Die Ergebnissse, die vor einigen Monaten in den Archives of Ophthalmology Bd. 119, S. 1417 veröffentlicht wurden, riefen ein großes Echo hervor. Die anfängliche Euphorie hielt indes einer näheren Analyse nicht stand. Albert J. Augustin, Leiter der Augenklinik im Städtischen Klinikum in Karlsruhe hat kürzlich auf einer Fachtagung in Meran erläutert, warum man die Vitamingabe nur eingeschränkt empfehlen kann. Die Einnahme von Vitaminen schien zu Beginn der Behandlung sinnvoll, da man die Netzhautschäden nicht zuletzt auf toxische Radikale zurückführt. Allerdings enthält der Cocktail keine Hilfsstoffe, die die antioxydative Wirkung der Vitamine erst richtig zur Geltung bringen. Zink wurde verwendet, weil es damals aus unterschiedlichen Gründen beliebt war. Kupfer sollte einer möglichen Schädigung der Blutbildung durch zuviel Zink entgegenwirken. Beta-Carotin hat man eher aus Verlegenheit hinzugefügt. Es diente als Ersatz für Lutein, das damals noch nicht für eine gezielte Anwendung zur Verfügung stand. Lutein ist ein Molekül im Makulabereich, das wie eine innere Sonnenbrille wirkt und daher die schädlichen Folgen des Lichts zu mildern vermag. Dieser Lichtschutzfaktor nimmt mit dem Alter ab, weshalb es viel plausibler wäre, diese Substanz statt der anderen zu verwenden. Nicht nur die unzulängliche Zusammensetzung mahnt zur Vorsicht, sondern auch die Stärke der Mixtur. Die genannten Substanzen wurden in einer fünf- bis fünfzehnfach höheren Dosierung angewandt, als Ernährungswissenschaftler gemeinhin für richtig halten. Bislang gibt es keine gesicherten Kenntnisse, welche Folgen von einer lang- jährigen Einnahme solch großer Mengen zu erwarten ist. Außerdem könnte diese Art der Behandlung mit schwerwiegenden Nachteilen verbunden sein. So hat man beobachtet, dass vermehrt Infektionen der Harnwege auftreten. Oxydative Prozesse sind eben nicht nur schädlich, sie sind auch an der Abwehr von Keimen und Tumorzellen beteiligt. So erklärt man sich auch, dass bei den Rauchern, die sich an der Studie beteiligt hatten, vermehrt Lungentumore auftraten. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass zu viel Beta-Carotin die ständige Reparatur geschädigter Erbsubstanz beeinträchtigt. Die Bilanz ist daher insgesamt ernüchternd. Nur wenige Patienten können sich von der Therapie einen Gewinn erhoffen. Es sind jene, deren Makuladegeneration schon weit fortgeschritten ist. Selbst bei ihnen ist der Effekt gering. Zahlreiche Experten bezweifeln inzwischen, ob man unter diesen Voraus- setzungen diese Hochdosis-Therapie empfehlen sollte. Überdies gibt es noch kein Kombinationspräparat. Die Patienten müssen die Komponenten einzeln aus der Apotheke kaufen und täglich mehrere Tabletten einnehmen. mls/FAZ020626
Ersehnte Rettung für die Sinneszellen. Bisherige Verfahren gegen die feuchte Makuladegeneration zeigen viele Wirkstoffe, die den Defekt der Sehzellen aufhalten und sogar umkehren Nebenwirkungen und oft nur geringen Effekt.

Bild oben: Infektion ins Auge: Um hohe Konzentrationen von Antikörpern auf die lädierte Netzhaut zu bringen, spritzen Ärzte den Wirkstoff unter sterilen Bedingungen direkt in den Glaskörper. Einblutungen: Von der Aderhaut sprießen Kapillaren unter die Netzhaut, aus ihnen dringen Flüssigkeit und Blut,die das Gewebe anschwellen und absterben lassen.
Teure Aussichten. Neue Wirkstoffe könnten Zehntausenden von Patienten das Augenlicht retten. Nur ihre enormen Kosten dämpfen die Euphorie
Die Diagnose bestätigte Hugo Becks schlimmste Befürchtung: Als „feuchte Makuladegeneration” bezeichnete sein Augenarzt die bedrohliche Gefäßwucherung in Becks Netzhaut-Zentrum. Den Spezia- listen hatte der 60- jährige Anlageberater aufgesucht, weil er Tabellen auf dem Computerbildschirm nicht mehr sicher lesen konnte. „Je genauer ich hinsehe, desto schlechter kann ich Zahlen entziffern”, schilderte Beck seine Beobachtung. Derart subtile Beschwerden hätten andere Menschen womöglich übersehen. Beck dagegen war sofort alarmiert. Bei seiner Mutter hatte er miterleben müssen, wie unaufhaltsam ihr Lichtsinn versagte: „Nur wenige Wochen nach ihren ersten Sehproblemen mit 65 Jahren konnte sie ohne Lupe keine Zeitung mehr lesen”, erinnert sich Beck. Im Alltag sei sie immer unsicherer und hilfsbedürftiger geworden und häufig gestürzt. Am schlimmsten aber hätten die ganze Familie die vielen Therapieversuche belastet, von denen keiner der alten Dame wirklich half. Dieses Schicksal wird Hugo Beck wahrscheinlich erspart bleiben, beruhigt ihn sein Arzt. „Seit kurzem verfügen wir über hochspezifische Antikörper gegen die feuchte Makuladegeneration”,erklärt Frank Holz. Der Direktor der Uni-Augenklinik Bonn hat bundesweit am meisten Erfahrung mit den neuen Wirkstoffen gesammelt: „Bei Tausenden von Patienten haben wir beobachtet, dass sie nicht nur das Absterben der Sinneszellen aufhalten. Jeder dritte Behandelte sieht dadurch sogar wieder besser.” Keine andere Therapie hätte dies bei der feuchten Makuladegeneration bislang erreicht. In den USA und der Schweiz ist das Antikörper-Präparat gegen die Augenerkrankung bereits auf dem Markt: Lucentis. Europaweit steht die Zulassung bevor. Bis zu 4,5 Million Menschen leiden in Deutschland an einer Makuladegeneration. Ab dem 50. Lebens- jahr steigt das Risiko exponentiell an. Etwa jeder Siebte hat das Pech, die aggressive feuchte Verlaufsform zu entwickeln - so wie Hugo Beck. In westlichen Nationen ist sie die häufigste Ursache für Erblindungen bei Menschen über 50 Jahren. Anders als in den USA, wo das Altersleiden der Augen häufig in den Medien erwähnt wird, wissen in Deutschland nur wenige Bescheid: In einer Umfrage konnten nur 14 Prozent der Befragten mit dem Begriff „Makuladegeneration” überhaupt etwas anfangen. „Fast zwei Drittel der Patienten gehen des- halb erst zum Arzt, wenn es für die Therapie schon fast zu spät ist”, bedauert der Bonner Netzhaut- Spezialist Holz. „Jetzt, da wir effektiv helfen können, raten wir allen über 50, sich für rund 24 Euro vom Augenarzt untersuchen zu lassen.” Dieser könne, so Holz, auch frühe Stadien des Schadens erkennen, die der Patient noch gar nicht wahrnimmt. „Je eher die Therapie einsetzt, desto sicherer lässt sich eine Sehverschlechterung verhindern", erklärt Holz. Ein gravierender Nachteil belastet die hochwirksame Therapie mit Antikörpern: Eine einzige Dosis des Medikaments Lucentis - importiert aus der Schweiz - kostet derzeit in Deutschland rund 1.500 Euro zuzüglich der aufwändigen Injektion im sterilen Operationssaal für weitere 400 Euro. Mit einer einzigen Spritze ist es nicht getan: Alle ein bis drei Monate seien neue Injektionen notwendig, womöglich über mehrere Jahre, vermutet Augenexperte Holz, der nicht mit einer raschen Ausheilung des chronischen Leidens rechnet. Das enorme Ausmaß des finanziellen Aufwands durch die neuen Arzneimittel zeigt Steffen Hilfer vom Bundesverband der AOK mit einem einfachen Rechenexempel. Er geht dabei von nur etwa 30.000 Behandelten jährlich aus, „es können jedoch auch deutlich mehr sein”, so der Krankenkassenberater. Mit Therapieausgaben von etwa 15.000 Euro pro Patient würden sich die Gesamtkosten der Anti- körperanwendung pro Jahr auf 450 Millionen Euro belaufen. „Dies wären knapp 50 Millionen mehr, als alle Medikamente in der Augenheilkunde zusammen bisher kosten”, gibt Hilf er zu bedenken: „Die Substanzen würden das vorhandene Budget sofort sprengen.” Experten befürchten deshalb, dass die Kassen das Präparat nach dessen Zulassung erst nach Einzelfallprüfungen bezahlen. Diese wären nicht nur Zeit raubend, sondern auch strapaziös für die meist älteren Patienten. Krebsmittel fürs Auge: „Für Patienten, die sich das teure Lucentis selbst nicht leisten können, haben wir ein Altemativpräparat in der Hinterhand, ein Darmkrebsmedikament”, erläutert Bernd Kirchhof, der die Uni-Augenklinik in Köln leitet. „Avastin ist zwar nicht für die Anwendung im Auge entwickelt, systematisch getestet oder dafür zugelassen”, räumt Kirchhof ein. Allerdings seien die Antikörper in Avastin den speziell fürs Auge designten Molekülen in Lucentis sehr ähnlich, ihre Wirksamkeit etwa vergleichbar. Zehntausendfach wurde das Krebsmittel seit seiner ersten Anwendung gegen feuchte Makuladegeneration im Mai 2005 in den USA in erkrankte Augen gespritzt. Auch hierzulande lassen sich seit einigen Monaten viele Patienten bereitwillig auf die Off-Label-Therapie (außerhalb der Zulassung) ein - bei vergleichsweise geringen Kosten. Eine Dosis samt Injektion bieten viele Augenmediziner für etwa 400 Euro an - für 1.500 Euro weniger als die Lucentis-Spritze. „Vielen sonst schwer zu thera- pierenden Menschen konnten wir mit Avastin schon zu mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit verhelfen”, rechtfertigt Kirchhof sein Behandlungsangebot. Nicht erst in der Spätphase der Makuladegeneration sollte der Kampf gegen die Erblindung beginnen, fordert Norbert Pfeiffer, Chef-Ophthalmologe der Uni Mainz. „Unser Ziel muss sein, die Netzhaut- Erkrankung, die unsere alternde Gesellschaft schon bald vor ungeahnte Probleme stellen wird, von vorn- herein zu verhindern”, so der Experte. Doch er räumt ein: „Noch wissen wir viel zu wenig über die molekularen und biochemischen Ursachen des Rezeptoruntergangs.” Dies will Pfeiffer jetzt ändern. Zusammen mit Internisten der Uni Mainz hat er eine groß angelegte Studie gestartet. Von diesem Monat an werden insgesamt 15.000 repräsentativ ausgewählte Bürger aus dem Großraum Mainz zur Untersuchung einbestellt. Die Mediziner erheben zahlreiche augenärztliche und internistische Befunde einschließlich Laborwerten in Blut und Tränenflüssigkeit. Nach fünf und zehn Jahren sollen die Probanden nachuntersucht werden. „So können wir genau ermitteln, wie viele und welche Studienteilnehmer eine Makuladegeneration bekommen und welche Faktoren sie hierfür anfällig gemacht haben”, hofft Pfeiffer. Dass Alter und eine erbliche Belastung unvermeidlich die Neigung zum Zelltod in der Netzhaut-Mitte steigern, steht außer Zweifel. Immer deutlicher kristallisiert sich jedoch heraus, wie stark Zigaretten- konsum dem Lichtsinn schadet. Eine neue Studie bestätigte kürzlich, dass Raucher ihr Risiko für Makuladegeneration nahezu verdoppeln. „Wer rauchfrei lebt, sich vitaminreich ernährt und bei grellem Licht eine Sonnenbrille trägt, hat sicher schon viel zum Schutz seiner Augen erreicht”,resümiert Pfeiffer. ReginaAlbersFocus0649

Anfällig im Alter. Allen über 50 raten Experten zum Augen-Check, um Netzhautschäden rechtzeitg therapieren zu können.
Die Tagesklinik Universitätsallee in Bremen, Augenabteilung bringt im Internet eine hochinformative Site über Makularotationsoperationen. Schauen Sie sich das an: www.retina.to Wählen Sie dort: Makularotationsoperation / TKU-Home / Augenabteilung / OP. Statistik / Netzhaut- / Glaskörper OPs / Makularotation / Endophtalmitis und vieles andere mehr.
Regelmäßig zum Augenarzt
Die altersabhängige Makula-Degeneration ist in den Ländern mit hoher Lebenserwartung die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung oder Blindheit jenseits des 50. Lebensjahres. Im Verlauf der Erkrankung geht die zentrale Sehschärfe verloren. Der Berufsverband der Augenärzte rät daher vor allem älteren Menschen zur regelmäßigen Kontrolle beim Augenarzt. mpHA040201
Besser sehen durch Teleskop
Ein ins Auge implantiertes Mini-Teleskop könnte bei Patienten mit Makula-Degeneration das Leben erleichtern. Bei dieser Sehstörung können die Betroffenen nicht mehr scharf sehen, da die licht- empfindlichen Zellen an der Stelle des schärfsten Sehens absterben. So ist es ihnen nicht mehr möglich, zu lesen oder Auto zu fahren. Doch das Mini-Teleskop kann ein Stück Lebensqualität zurückgeben, berichtet die Universität in Ann Arbor. ddpHA031129
Durchblutungsstörungen der Netzhaut
Der plötzliche schmerzlose Sehverlust ist das Leitsymptom eines Gefäßverschlusses und stellt einen akuten Notfall dar, vergleichbar mit einem Schlaganfall. Er sollte sofort behandelt werden, denn die Nervenzellen der Netzhaut haben nur eine Überlebenszeit von einer bis zu maximal zwei Stunden. Bestehen Risikofaktoren für eine Gefäßerkrankung, wie Übergewicht, Bluthochdruck, Herzrhythmus- Störungen, Diabetes, Fettstoffwechselstörung und Rauchen, sollte der Augenhinter- grund regelmäßig beim Augenarzt auf Gefäßveränderungen untersucht werden. Gesunde, vitaminreiche Ernährung und vor allem ausreichende Flüssigkeits-Zufuhr können eine Eindickung des Blutes reduzieren und das Risiko eines Gefäßverschlusses mindern. Die häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt ist die altersbedingte Makuladegenera- tion. Die Makula ist sozusagen unser Fenster in die Welt. Jede Störung oder Erkrankung in diesem zentralen Anteil unserer Netzhaut führt zum Verlust an Sehschärfe. Beim Lesen fangen die Buchstaben an zu tanzen, die Zeilen sind nicht mehr gerade, sondern wellig verzerrt. Es entwickelt sich im Gesichts- feldzentrum ein grauer oder dunkler Fleck. Bei zunehmender Sehverschlechterung beider Augen gelingt es nicht mehr, Gesichter zu erkennen, obwohl eine gute Orientierung im Raum weiter erhalten bleibt. Viele Erkrankte werden deshalb für unhöflich gehalten, weil sie nicht mehr grüßen. Unterschieden wird eine trockene von einer feuchten Makula-Degeneration. Bei der trockenen Degeneration führen die abgelagerten Stoffwechselprodukte, die nicht mehr abgeräumt werden, dazu, dass die zentralen Nervenzellen absterben. Bei der feuchten Makula-Degeneration wachsen Zellen aus der Aderhaut unter das Sehzentrum und zerstören die Nervenzellen durch Blutungen oder Austritt von Flüssigkeit. Neue therapeutische Verfahren wie die photodynamische Lasertherapie und operative Ansätze verbessern die Prognose, können aber auch nur im Frühstadium helfen. Die Früherkennung ist daher entscheidend. Da bisher medikamentöse Ansätze noch nicht zu einem Erfolg geführt haben, las- sen sich prophylaktisch nur Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Spurenelemente empfehlen. Hilfreich sind vergrößernde Sehhilfen, aber auch sprechende Uhren oder Küchengeräte, mit denen die meisten Patienten trotz der Sehbehinderung ihr Leben meistern können. Ltd.OberarztDr.HaraldWirt/HA020522
Raucher erblinden eher
Rauchen erhöht das Risiko, im Alter zu erblinden. Wie das British Medical Journal” Bd.328,S.537 berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit für Raucher, an der altersbedingten Makuladegeneration zu erkranken, viermal höher als bei Nichtrauchern. Bei der Makuladegeneration wird die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut allmählich zerstört. Der Verlauf der Krankheit verlangsame, wenn der Patient aufhört zu rauchen. dpaHA040305
Sonne macht Augen krank
Häufiges Sonnenbaden schadet nicht nur der Haut, sondern auch den Augen. Die Bestrahlung erhöht das Risiko für die altersbedingte Makuladegeneration, ergab eine US-Studie. Bei dieser Krankheit geht die zentrale Sehschärfe eines oder beider Augen ganz oder teilweise verloren. Wer sich im Schnitt mehr als fünf Stunden täglich dem Sonnenlicht aussetzt, verdoppelt sein Erkrankungs- Risiko. ap/HA040529
Vom Schwinden des Lichtsinns: Die feuchte Makuladegeneration löscht das Sehen im zentralen Gesichtsfeld aus
Amselgittter-Test: siehe >Test
Foto 1: Gesunde Sinneszellen Die Stelle des schärfsten Sehens enthält dicht gepackt Millionen von Lichtrezeptoren. Sie kann feinste Details auflösen. Ihre Oberfläche ist glatt. Mit jeweils nur einem Auge betrachtet, erscheinen alle Linien im so genannten Amsler-Gitter-Test gerade und scharf. Foto 2: Erkrankte Netzhaut Ablagerungen, die bei der Regenerierung des Sehfarbstoffs entstehen, stören die Ernährung der Sehzellen und lassen Gefäße wuchern. Die Netzhaut schwillt an und legt sich in Falten. Dadurch er- scheinen Linien verzerrt. Erste Sehzellen sterben ab. Foto 3: Spätstadium Aus undichten Kapillaren tritt Blut in die Netzhaut aus. Dieses raubt den ohnehin lädierten Sehzellen akut die Sicht. Wichtige Sehbereiche im zentralen Gesichtsfeld fallen aus. Betroffene können Objekte ihrer Umwelt nicht mehr erkennen, sind auf Hilfe angewiesen. Focus0649
Altersbedingte Makula-Degeneration. Blind durch Unwissenheit
Die senile Makula-Degeneration ist für 50 Prozent der Fälle von Altersblindheit in Deutschland verantwortlich. Nach Expertenmeinung trifft sie praktisch jeden, der alt genug wird. Die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) tritt nach dem 50. Geburtstag auf. Die steigende Lebenserwartung bedingt, dass sich die Zahl der Patienten in den Industrieländern erhöhen wird. Trotzdem sind das Krankheitsbild und die damit verbundene Gefahr zu erblinden kaum bekannt: In einer 2003 durchgeführten Befragung (Gallup Europe) in Deutschland gaben 73 Prozent der Risikogruppe im Alter ab 55 Jahren an, über die Krankheit nichts zu wissen. Neun Prozent waren unsicher und nur 18 Prozent informiert. Die bisher üblichen Therapien (Laserbehandlung, OP) konnten lediglich das Fortschreiten der AMD auf- halten, den Sehverlust aber nicht rückgängig machen. „Neue Substanzen, die ins Auge injiziert werden, können nicht nur das Netzhautleiden stoppen,sondern auch die Sehfähigkeit des Patienten verbessern”, sagt Prof. Dr. med. Johann Roider von der Universitätsaugenklinik Kiel. Fachliche Beratung: Prof. Dr. med. Johann Roider, Uni-Augenklinik Kiel
Krankheitsbild: Knick in der Optik
Die Makula – auch gelber Fleck genannt – ist ein hoch spezialisiertes Areal auf der Netzhaut. Es ist für so wesentliche Sehleistungen verantwortlich wie lesen, Details und Gesichter erkennen oder Farben unterscheiden. Im Alter kann es zu Ablagerungen unter der Netzhaut kommen. „Die altersbedingte Makula-Degeneration ist Schicksal. Die einzige Möglichkeit vorzubeugen ist, nicht zu rauchen”,sagt Prof. Dr. med. Johann Roider von der Universitätsaugenklinik Kiel. Als Folge der AMD sehen Patienten in der Mitte des Gesichtsfelds verschwommen, verzerrt oder ein dunkler Fleck trübt den Blick. Da mit der Makula nur die Mitte der Netzhaut betroffen ist, bleibt das äußere Sehfeld erhalten. Das heißt, Betroffene können womöglich den Bilderrahmen erkennen, aber nicht mehr das Bild selbst. Die Augenkrankheit kann in zwei Formen auftreten: Mit 85 Prozent ist die trockene altersbedingte Makula-Degeneration weit häufiger verbreitet. Im Anfangsstadium schränken kleine Ablagerungen unter der Netzhaut die Sicht geringfügig ein. Farben erscheinen verwaschen, und es dauert länger, bis das Auge sich von Helligkeit auf Dunkelheit umstellt. Die Krankheit schreitet langsam voran. Meist merken Betroffene lange nichts, oft auch, weil nur ein Auge erkrankt und das zweite die Sehschwäche kompensiert. Im Spätstadium der trockenen Makula- Degeneration sterben Sinneszellen ab, und das zentrale Sehvermögen verschlechtert sich erheblich. Diese Form führt nicht zur kompletten Erblindung, das Orientierungsvermögen bleibt erhalten. Patienten können Kontraste und Umrisse wahrnehmen und kommen im täglichen Leben mit ihrem eingeschränkten Gesichtsfeld zurecht. 15 Prozent der Patienten haben die feuchte Form der Makula-Degeneration. Es bilden sich krank- hafte neue Blutgefäße unter der Netzhaut. Sie sind undicht, Blutbestandteile und Flüssigkeit treten aus, wodurch die Netzhautmitte anschwillt (Makulaödem). Schließlich vernarbt die Netzhautmitte, und Seh- zellen gehen zugrunde. Die feuchte Form der Makula-Degeneration schreitet sehr rasch voran, kommt aber zum Stillstand, bevor sie die ganze Netzhaut zerstört. Dieses aggressivere Krankheitsbild trifft üblicherweise erst ein Auge. Die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb von fünf Jahren auch das zweite erkrankt, liegt bei 45 Prozent.
Diagnose: Blick hinter die Linse. Der Augenarzt kann Veränderungen in der Netzhautmitte schon erkennen, bevor sie das Sehen einschränken. Die häufigsten Untersuchungsmethoden sind:
Ophthalmoskopie: Spiegelung des Augenhintergrunds mit Spiegel oder Lupe und einer SpaltlampeTests mit einer Seh- tafel: Hiermit überprüft der Arzt die Sehschärfe. Test mit dem Amsler-Netz: Dabei handelt es sich um ein Gitter aus Quadraten mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Patienten mit einer degenerierten Makula sehen die Quadrate verzogen oder erkennen statt des schwarzen Punkts einen grauen verschwommenen Fleck. > Test Fluoreszenzangiographie: Der Arzt injiziert dem Patienten einen Farbstoff in die Armvene. Er verteilt sich über den Blut- kreislauf im Auge und liefert Bilder der einzelnen Blutgefäße. Somit lassen sich undichte oder wuchernde Gefäße im Augenhintergrund fotografisch darstellen. Therapie: Keine Heilung möglich Für Patienten mit der trockenen Form der altersbedingten Makula-Degeneration gibt es bisher noch keine Therapie. Ihnen erleichtern Lupen und Lesehilfen den Alltag. Die Zahl der effektiven Behandlungsverfahren der feuchten Form ist begrenzt. Medikamente: In den letzten Jahren ist eine neue Substanzklasse von Medikamenten entwickelt worden, die Ge- fäßwucherungen der feuchten Makula-Degeneration hemmen kann (antiangiogenetische Therapie). Zu den so genannten VEGF-Inhibitoren gehören z.B. die Wirkstoffe Pegaptanib oder Ranibizumab, die in den Glaskörper des betroffenen Auges injiziert werden. „Die Wirkstoffe blockieren die Wachstums- faktoren VEGF, die veranlassen, dass Gefäße in oder unter der Netzhaut wuchern”, erklärt Prof. Dr. med. Johann Roider von der Universitätsaugenklinik Kiel. Die Gefäßwucherungen im Auge stoppen, sogar die Sehfähigkeit kann sich wieder bessern. Lasertherapie: Bei Patienten in einem frühen Stadium kann eine Laserbehandlung den Verlauf der Krankheit verzögern. Der Arzt verödet mit dem Laserstrahl neu wachsende und undichte Gefäße, die die Netzhaut schädigen. Möglich ist diese Behandlung aber nur, wenn sich die Gefäße nicht im Zentrum der Makula befinden. Photodynamische Therapie: Der Arzt spritzt zunächst eine Substanz in die Armvene des Patienten, die im Auge die Gefäß- wucherungen für den Laserstrahl sensibler macht. Das Laserlicht aktiviert den Farbstoff. Dadurch kommt es zu einem Verschluss von abnormalen Gefäßen, die sich bereits unter der Netzhautmitte befinden. Allerdings können neue nachwachsen. Neuerdings kombinieren Chirurgen die medikamentöse mit der photodynamischen Therapie. Chirurgie: Chirurgische Eingriffe, unter anderem eine Netzhautdrehung oder RPE-Sheet-Transplantation mit Verlagerung der Makula, kommen nicht routinemäßig zum Einsatz. Vorbeugung: Rauchen verdoppelt das Risiko. Das Alter ist der Hauptrisikofaktor für die AMD. Das heißt, dass Menschen je älter sie werden, umso eher davon betroffen werden. Umgekehrt schützen alle Maß- nahmen, die den Alterungsprozess verlangsamen (gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung) auch das Augenlicht. Weitere Gefahrenquellen: Rauchen verdoppelt laut wissenschaftlicher Studien das Risiko, an einer altersbedingten Makula- Degeneration zu erkranken. Erhöhter Blutdruck scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ob Sonnenlicht ein Risikofaktor ist, ist unklar. In einer Studie der Universität of Wisconsin hatten Patienten, die sehr viel in der Sonne waren, ein doppelt so hohes Risiko, an einer altersbedingten Makula-Degeneration zu erkranken Archives of Ophthalmology, 2004; 122: 750-757. Augenschutz durch Hut und Sonnenbrille halbiert die Gefahr wiederum. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Wenn bekannt ist, dass Familienmitglieder betroffen waren, sollte das ein Warnsignal sein. Augenärzte raten zudem zu einer vitaminreichen Ernährung, um der Makula-Degeneration vor- zubeugen. Hoch dosierte Vitamine sollen sogar die Weiterentwicklung der Erkrankung aufhalten können, lautet das wichtigste Ergebnis der ARED-Studie Agerelated Ey Disease Study: Die regelmäßige Einnahme bestimmter Vitamine und Radikalenfänger (Vitamin C, E oder Beta-Karotin plus das Spurenelement Zink) senkte das Risiko um 25 Prozent, dass eine bereits bestehende AMD fortschreitet. Allerdings ist diese Therapie für aktive oder ehemalige Raucher nicht geeignet, da sie deren Lungenkrebs-Risiko erhöht.
Makula-Degeneration – Blind durch Unwissenheit So funktioniert unser Auge. Gutes Sehen – Der geschärfte Blick
Zwar bieten hoch spezialisierte optische Technologien den Patienten heute die Chance, den Seh- verlust wenigstens ansatzweise auszugleichen. Speziell geschliffene Gläser, stärkste Vergrößerungs- techniken, die man vor die Brille setzt, beleuchtete Lupen und Systeme, die die Buchseite extragroß auf einen Bildschirm übertragen, erlauben den Patienten wenigstens für einige Zeit zu lesen. Bisher gab es jedoch keine Möglichkeit, den fortschreitenden Sehverlust zu stoppen. Sehvermögen verbessert sich wieder Hoffnung schenken neue Behandlungsformen, die zurzeit in zwei Studien an der Augenklinik der Universität München getestet werden. Patienten mit Makula-Degeneration injizieren die Ärzte ver- schiedene Wirkstoffe in den Glaskörper oder hinter das Auge. Die Substanzen (z.B. kortisonhaltige Präparate, Anecortave-Acetat, Pegaptanib oder Ranibizumab) veröden die Gefäßmembran und unterbinden das unkontrollierte Gefäßwachstum in der Netzhaut. In einigen Fällen verbessert sich das Sehvermögen sogar wieder. „Dieser Effekt hielt nach zwei Injektionen bei mir ein Jahr lang an, jetzt bekomme ich weitere Spritzen“, berichtet die Patientin. Eine andere neue Methode sei, Teile der Netzhaut unter die Makula zu transplantieren und damit ihre Funktion wieder zu normalisieren, erklärt Stephan J. Fröhlich, Leiter der Sehbehindertenambulanz in der Augenklinik München. Diese chirurgische Technik müsse jedoch noch verbessert werden. Auch die anderen Behandlungsansätze gegen Makula-Degeneration, etwa der Einsatz von Lasern, werden ständig weiterentwickelt. Risikofaktoren möglichst ausschalten Der Handlungsbedarf ist groß. Rechnen Experten heute bereits mit sieben Millionen Betroffenen in Deutschland, wird sich diese Zahl innerhalb der nächsten zehn Jahre sogar verdreifachen. Das liegt einerseits daran, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, und die Makula-Degeneration meist erst ab einem Alter von 50 Jahren auftritt. Zusätzlich nimmt die Zahl der Diabetiker zu. Sie sind besonders gefährdet für diese schwere Augenerkrankung. Als besonders dramatisch bewerten die Experten, dass bereits jugendliche Diabeti- ker Augenprobleme bekommen können, wenn ihre Werte schlecht eingestellt sind. Für Zuckerkranke heißt es deshalb: unbedingt auf optimale Stoffwechseleinstellung achten. > Diabetes-Test Allgemeine Vorbeugemaßnahmen gibt es nur wenige, denn die Makula-Degeneration ist auch gene- tisch bedingt. „Allerdings ist Rauchen einer der wichtigsten Risikofaktoren für unsere Netzhautgefäße”, warnt Stephan J. Fröhlich. Auch helles Sonnenlicht schädigt die Netzhaut. Die Sonnenbrille schützt also nicht nur das äußere Auge, sondern auch die Makula. Neben Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und unge- sunde Ernährung kann auch Arteriosklerose sowie hoher, aber auch zu niedriger Blutdruck die Netzhaut gefährden. Als „Augenvitamin” gilt vor allem das Carotinoid Lutein, das in gelbem und rotem Gemüse wie Paprika und Mais, aber auch in Erbsen und Brokkoli enthalten ist. Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist jedoch, so der Augenexperte: „Gehen Sie einmal pro Jahr zum Augenarzt, damit die Krankheit so früh wie möglich erkannt wird!” SpiegelInternet0612
Infos zur Makuladegeneration
Über neue Entwicklungen bei der Altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) informiert die Internet- seite www.dbsv.org/makula. Die Serviceseite berichte über neue Behandlungsmöglichkeiten, teilt der Blinden- und Sehbehindertenverband mit. Auch Kosten und Erstattungsmöglichkeiten werden erläutert. Hintergrund sei eine veränderte Situation für viele Betroffene, da seit einiger Zeit neue Medikamente zur Behandlung der sogenannten feuchten AMD auf dem Markt seien. HA070606
neue Forschung: Netzhaut-Reserven für das Gehirn
In der Not ist das Gehirn nicht wählerisch, es nimmt, was es kriegen kann, jedenfalls was die Netzhaut des Auges angeht. Wenn diejenige Stelle der Netzhaut, an der wir am schärfsten sehen, nach und nach zugrunde geht, können Meldungen aus unter schiedlichen Netzhautarealen als Ersatz dienen für das Zentrum im Gehirn, das die Seheindrücke verarbeitet. Das hat jetzt die Gruppe um Daniel D. Dilks vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) ezeigt. Bei der Makuladegeneration empfängt der Patient aufgrund krankhafter Veränderungen keine Informationen mehr von der Makula, dem etwa fünf Millimeter großen Areal am hinteren Pol der Netzhaut, das uns die schärfsten Bildeindrücke übermittelt und mit dem wir Gegenstände fixieren. Die Kranken nutzen dann bevorzugt einen anderen Ort der Netzhaut - den preferred retinal locus - für eine neue, aber leider nicht so gut auflösende Fixierung. Dieser behelfsmäßige Fixationspunkt liegt in der Netzhaut oft unterhalb der Makula, weshalb die Patienten häufig mit nach oben gedrehten Augäpfeln andere anschauen, wenn sie ihnen eigentlich direkt „ins Gesicht" sehen möchten. Die Seheindrücke des neuen Fixationsareals werden im Gehirn an der Stelle verarbeitet, wo vorher die Informationen der Makula selbst hin- gelangten. Je doch nicht - wie man bisher vermutete - exklusiv nur die Seheindrücke des gewählten Ersatzareals „The Journal of Neuroscience", Bd. 29, S. 2768. Das Gehirn ist überdies - und hierin liegt die gute Nachricht dieser neuen Beobachtung - in der Lage, sein Makulasehzentrum gleichsam von beliebigen anderen Netzhautregionen füttern zu lassen. Das bedeutet nämlich, dass auch die Seheindrücke der Makula wieder korrekt verarbeitet werden könnten, gelänge es denn, dort die zugrunde gegangenen Strukturen wieder lichtempfindlich zu machen. FAZ090429mls
Patient erblindet – ärztlicher Kunstfehler In den Augapfel gestochen: 76-Jähriger erstreitet vor Gericht 50.000 Euro Schadensersatz
Um wieder besser sehen zu können, hatte Alexander H. seine Hoffnung auf eine umstrittene Behand- lungsmethode gesetzt. Doch der behandelnde Augenarzt stach ihm eine Spritze fälschlicherweise in den Augapfel - seitdem ist der 76-Jährige praktisch blind. Vor Gericht erstritt er sich jetzt 50.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz von dem Arzt. Das Geld sei aber nur ein schwacher Trost, sagt sein Anwalt, Albrecht- Paul Wegener. „Mein Mandant, der gern Bridge spielte und Rad fuhr, kann dies alles nicht mehr. Bei allem, was er macht, ist er nun auf Hilfe angewiesen." H. litt auf beiden Augen unter einer sogenannten myopischen Maculadegeneration, einer Erkrankung des gelben Fleckes auf der Netzhaut, die als Folge starker Kurzsichtigkeit auftreten kann. Seit fünf Jahren verschlechterte sich sein Sehvermögen. Die Schulmediziner, die er aufsuchte, sahen in seinem Fall keine Heilungschancen. So schloss sich der frühere Kaufmann einer Selbsthilfegruppe in Hannover an, der weitere von dem Augenleiden Betroffene angehörten. Zu einem ihrer Treffen kam der Facharzt aus Regensburg und warb für seine alternative Behandlungsmethode. Bei seiner von den Kassen nicht aner¬kannten Therapie sollten spezielle Injektionen in die Bindehaut gespritzt werden. Der Arzt versprühte Optimismus und behauptete, dass einige Patienten nach seiner Therapie sogar wieder Auto fahren konnten. H. ließ sich davon überzeugen. An drei Tagen reiste der 76-Jährige nach Regens- burg und unterzog sich der kostspieligen Behandlung: Für die sechs Spritzen, die ihm an drei Tagen verabreicht wurden, zahlte er gut 1600 Euro. Nach der letzten Spritze kam es zu einer Erhöhung des Augendrucks - dagegen spritzte ihm der Arzt ein weiteres Mittel. Vor dem Landgericht Regensburg schilderte der Rentner nun, wie er ein paar Tage später beim Bridgespielen in Hannover von „unerträg- lichen Schmerzen" geplagt wurde. Daraufhin habe ihn seine Lebensgefährtin in das Nordstadt- krankenhaus Hannover gebracht - dort, sagt der Patient, habe man ihm K ortison verschrieben und ihn nach Hause geschickt. Am nächsten Tag - die Schmerzen hatten sich noch einmal verschlimmert - ließ sich H. in die Medizinische Hochschule bringen. „Erst dort diagnostizierten die Ärzte eine hochgradige, nicht zu über- sehende Entzündung des linken Auges, welche eine sofortige Notoperation erforderte", fasst Anwalt Wegener zusammen. Der Grund: Der Arzt aus Regensburg hatte beim Spritzen versehentlich in den Augapfel gestochen. Doch wertvolle Zeit war verstrichen, und die MHH-Ärzte mussten Glaskörper und Linse des linken Auges teilweise entfernen. Es handelte sich ausgerechnet um das Auge, auf dem H. noch einigermaßen sehen konnte. Als Folge, so sein Anwalt, sei der Rentner schwerbehindert und auf Betreuung angewiesen. Im Verfahren hatten mehrere Ärzte und Sachverständige die Methode des Kollegen aus Regensburg kritisiert. Sie sei nicht nur ineffektiv, sondern auch gefährlich: Bei hoher Kurzsichtigkeit stehe der Augapfel stärker hervor - und dies impliziere die Gefahr, beim Spritzen hineinzustechen. Den Feststellungen folgte auch das Gericht in Regensburg. Es handele sich eindeutig um einen Behandlungsfehler, sagte der Richter. Am Ende wurde ein Vergleich geschlossen. HAZ101001SonjaFröhlich
neue Forschung:
Wissenschaftliche Sensation: Die Kaiserliche Universität Tokio hat einen holographischen Monitor entwickelt. Die gezeigten dreidimensionalen Gegenstände lassen sich virtuell anfassen und im Raum bewegen! Ein großer Schritt für Blinde > Monitor für Blinde
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