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                      Nachtblindheit, Farbenblindheit, Gesichtsblindheit, “blau-äugig” - Phänomene und Hilfen

Ein technisches Auge für die Dunkelheit.
Nachtsichtgeräte können einen hohen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit leisten

   Ist sie nicht angeboren, dann setzt sie ab vierzig schleichend ein: die Nachtblindheit. Erst in höherem Alter werden sich viele Autofahrer ihrer bewusst - wenn überhaupt. Unter Umständen erst bei einer Unfallanalyse. Der Verband der Augenärzte sagt, dass jeder siebte Mensch in Deutschland davon mehr oder weniger betroffen sei. Sie zeigt sich dadurch, dass die Augen immer länger brauchen, um sich von hell auf dunkel einzustellen etwa bei entgegenkommenden Scheinwerfern.
   Nachtblindheit bedeutet aber auch eine deutlich reduzierte Sehleistung in Dämmerung und Dunkelheit, dadurch steigt die Unfallgefahr bei Nacht erheblich an. Deshalb sind die neuen Nachtsichtsysteme von Autoliv, Bosch und auch Hella und Siemens-VDO wertvolle Assistenten, auf die man bei Nachtfahrten nicht verzichten sollte: Auf Infrarotbildern werden in einem Display die nötigen Bildinformationen rechtzeitig eingeblendet.
   Das beste Argument für diese Sicherheitstechnik liefert die Statistik: In der Nacht spielen sich nur 25 Prozent des tagsüber laufenden Verkehrsaufkommens ab. Und doch ereignen sich in dieser dunklen Zeit 40 Prozent aller Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang. Reflektorstreifen und gesetzlich vorgeschriebene Warnwesten sind sicher eine gute Sache, doch welches Reh trägt schon eine Warnweste oder Jacke mit Reflektorstreifen?
   Allerdings ist diese Technik nicht für kleines Geld zu haben. Sie kostet knapp 2.000 Euro und ist bei BMW (5er, 6er und 7er) und bei Mercedes-Benz (S-Klasse und E-Klasse) zu haben. Andere Hersteller, ob sie sich mit Vorsprung durch Technik oder als Sicherheitsweltmeister rühmen, haben dieses Plus an Sicherheit und Durchblick noch nicht in ihrer Ausstattungsliste - aus der Sicht von Fachjournalisten ist das nicht zu verstehen. Rund 140 von ihnen haben die Night-Vision-Systeme von Autoliv  bei BMW und Bosch bei Mercedes-Benz bei „Topauto”, dem Preis der deutschsprachigen Motorjournalisten,  zur wichtigsten Innovation aus dem Jahr 2006 gekürt.
    Beide Systeme führen zum Erfolg, wenn auch mit unterschiedlicher Philosophie und Technik. Beim schwedischen Zulieferer Autoliv erfasst eine Wärmebildkamera ihr Vorfeld bis auf eine Entfernung von 300 Meter. Sie sitzt unterhalb des Stoßfängers und nutzt den Effekt, dass Objekte, insbesondere Mensch und Tier, Wärme abstrahlen und sich dadurch deutlich vom kälteren Umfeld abgrenzen. Ein Rechner visualisiert die bei ihm (passiv) ankommenden,  von den Objekten abgestrahlten langwelligen Infrarotstrahlen über den großen Bildschirm des BMW i-Drive-Systems. Das Reh am dunklen Waldesrand erscheint nun hell auf dem ansonsten grauen Bildschirm und bewirkt durch die Helligkeit einen sofortigen Blick auf das Display, so selbstverständlich, wie man bei Licht im Rückspiegel nach hinten schaut. Die aufgehellten Objekte wirken wie eine Warnanzeige. Man hat genügend Zeit, angemessen zu reagieren.
   Spricht man bei dem System von Autoliv/BMW von passiver Infrarottechnik, handelt es sich bei Bosch/ Mercedes- Benz um ein aktives Konzept. Dieser Systemansatz ist auch von Hella mit dem Namen Adilis (Advanced Infrared Lighting System) bekannt. In beiden Fällen leuchten spezielle Lampen aktiv  mit für das menschliche Auge unsichtbarem, kurzwelligem Infrarotlicht breit die Fahrbahn und Fahrbahnränder bis auf 150 Meter im voraus aus, also soweit wie mit aufgeblendeten Xenon-Scheinwerfern. Mercedes projiziert das schwarzweiße Infrarotbild direkt ins Blickfeld des Fahrers, nämlich ins Armaturenbrett, anstelle der dann ausgeblendeten digitalen Tachoanzeige. Es erscheint ein scharfes, recht realistisches Bild, auf dem sich der Straßenverlauf und alle Objekte gleichermaßen erkennen lassen.
  Das unterschiedliche Bildangebot von aktivem und passivem System zeigt denn auch die verschiedenen Philo- sophien der Konzepte. BMW räumt der rechtzeitigen Erkennbarkeit von Personen und Tieren mit ein-dringlichem Warncharakter die Priorität ein. Auf dem eigenen Grundstück kann auch die Katze in der Einfahrt oder ein Dieb vor dem Haus noch erkannt werden. Allerdings zu Lasten von Gegenständen auf der Straße. Mercedes zeigt auch den Felsblock oder den verlorenen Auspuff des Vorausfahrenden auf der Straße. Parkende Autos und Bäume am Straßenrand sind klar zu erkennen. Mensch und Tier heben sich aber nicht schärfer ab als der daneben stehende Baum. Das realistische Bild warnt also nicht eindringlich, lässt aber die Gefahrensituation aufgrund der Realitätsnähe gut erkennen. Unter 15 km/h geht das Bild allerdings aus. Der Projektverantwortliche bei Autoliv, Peter Teichmann, kündigt jetzt schon eine deutlich erhöhte Rechnerleistung an, die eine bessere Bildauflösung auch für das passive System erlaubt, wenn die Autohersteller ihrerseits geeignetere Displays zur Verfügung stellen.  
PaulSchinhofenFAZ060328

Nachtblindheit: Die Fahrt ins schwarze Loch

   Nachtblindheit kann schlimme Folgen haben. Experten schätzen, dass nachtblinde Fahrer ebenso viele Unfälle mit Personenschaden verursachen wie Betrunkene.
Wie man Nachtblindheit erkennt 
  Die Fahrt von der hellen Straße in den dunklen Tunnel ist wie eine Reise ins schwarze Loch. In der Dämmerung werden die Konturen unscharf, und die Scheinwerfer von entgegenkommenden Autos verschwimmen. Das sind erste Anzeichen von Nachtblindheit. Ein Alarmsignal ist aber nicht nur das schlechte Sehen beim Autofahren. Auch wer nachts im dunklen Schlafzimmer Orientierungsprobleme hat  und sich häufiger an Möbeln stößt, sollte einen Augenarzt aufsuchen. Häufig wird Nachtblindheit zu spät bemerkt, weil die Krankheit schleichend einsetzt.
Wie funktioniert das Sehen in der Nacht?
   Im Auge gibt es hoch spezialisierte Sinneszellen, unter anderem die so genannten Stäbchenzellen. Die Netzhaut des Auges ist mit etwa 120 Millionen dieser Zellen ausgestattet. Sie sind für das Sehen in der Dämmerung und im Dunkeln verantwortlich. Diese Stäbchenzellen reagieren fünfhundert Mal empfindlicher auf einfallendes Licht als die Zapfenzellen, mit denen wir scharf und bunt sehen. Wenn die Stäbchenzellen nicht mehr richtig funktionieren, sieht man in der Dämmerung schlecht. 
Wie erkennt der Arzt Nachtblindheit?
   Ob ein Patient nachtblind ist, ist relativ leicht festzustellen, erklärt Professor Frank Holz, Leiter der Bonner Augenklinik: “Eine Untersuchungsmethode besteht darin, dass der Patient erst für einige Minuten in ganz helles Lichts schaut, und dann misst man die Empfindlichkeit der Netzhaut mit der Zeit. Das heißt, man misst einfach, wie lange es braucht, bis man sich an die dunkle Umgebung gewöhnt hat und wieder etwas erkennt. Und wenn jemand eine beginnende Nachtblindheit hat, dauert diese Anpassung unter Umständen sehr, sehr lange.”
Welche Ursachen hat Nachtblindheit?
  Nachtblindheit kann die Folge einer vererbten Fehlfunktion der Netzhaut-Stäbchen sein. Diese Sehstörung fällt meist schon im Kindesalter auf und ist nicht heilbar. Eine andere genetische Ursache ist die Retinitis pigmentosa. Hier degeneriert die Netzhaut bis zur völligen Erblindung. Auch diese Störung ist bisher nicht therapierbar. 
   Auch der graue Star kann ein Grund für das schlechte Sehen in der Dämmerung sein, erklärt Professor Holz. “Der graue Star bedeutet, dass die Linse eintrübt. Das ist, als ob sie in ihrer Kamera ein trübes Objektiv haben, dann kriegen sie kein scharfes Bild, und das ist gerade in der Nacht besonders hinderlich. Diese trübe Linse kann entfernt werden, dann wird ein Kunststoffimplantat als Kunstlinse ins Auge gesetzt. Eine Operation,  die mit örtlicher Betäubung gut durchführbar ist in 20 Minuten.”
   Eine weitere behandelbare Ursache der Nachtblindheit ist die Nachtkurzsichtigkeit. Dagegen hilft eine Brille, die immer im Auto liegen sollte. Nachtblindheit kann aber auch etwas mit Vitamin-A-Mangel zu tun haben. Dieses Vitamin brauchen die Stäbchenzellen der Netzhaut für ihren speziellen Sehfarbstoff.  Vitamin A kann der Körper nicht selbst produzieren, deswegen sind die Zellen darauf angewiesen, dass dieser Nährstoff mit der Nahrung aufgenommen wird. Leber- und Magen-Darm-Erkrankungen können die Vitaminaufnahme behindern.
Wie wird Nachtblindheit behandelt?
   Die Behandlung setzt bei den jeweiligen Ursachen an und kann daher sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal wird eine Brille verschrieben, manchmal hilft Vitamin A, in einigen Fällen muss operiert werden.
Was ist zu tun? 
  Schon seit Jahren fordert der Berufsverband der Augenärzte einen regelmäßigen “Augen TÜV” für alle Autofahrer. Vorgeschrieben ist der in Deutschland bisher nur für Führerschein-Neulinge und Berufskraftfahrer. Andere Länder sind strenger. In Italien zum Beispiel müssen über 50-jährige alle fünf Jahre einen Sehtest machen, sonst wird der Führerschein nicht verlängert. Wer über 70 ist, muss alle drei Jahre zum “Augen TÜV”. Solange in Deutschland solche Tests nicht zur Pflicht gemacht werden, sollten vor allem ältere Menschen selbstkritisch sein und beim Verdacht auf Nachtblindheit schnell zum Arzt gehen.
Information:
   Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), 40474 Düsseldorf, Tersteegenstr. 12,  Tel. 0211 / 430 37 00,
http://www.augeninfo.de
Pro Retina Deutschland, Vaalser Str. 108, 52074 Aachen, Tel: 0241-87 00 18  
www.pro-retina.de       Leonardo041116

 Sehtest

   Bei einem Sehtest des ADAC mit über 1.000 Teilnehmern fiel fast die Hälfte der Untersuchten beim Dämmerungstest durch. 60 Prozent der Autofahrer hätten auf Grund ihrer Sehmängel zumindest eine Brille gebraucht und bei 22 Prozent der Brillenträger reichte die Glasstärke nicht mehr aus. HA021113

Halbblind am Steuer. Die üblichen Sehtests für Autofahrer sind unzureichend.
Es mangelt in Deutschland immer noch an der Anwendung europäischer Normen.

   Autofahrer, deren Sehvermögen eingeschränkt ist, sind überdurchschnittlich häufig schuld an Verkehrsunfällen. Jüngste Studien zeigen, dass Patienten, die am Grünen Star, der Glaukomkrankheit, leiden, sechsmal so oft in Autounfälle verwickelt sind wie Menschen mit gesunden Augen. Wenn die Augenlinse wie beim Katarakt, dem Grauen Star, getrübt ist, verdoppelt bis verdreifacht sich das Risiko, einen Zusammenstoß im Straßenverkehr zu erleiden. Dennoch trägt die Rechtslage dem hierzulande so wenig Rechnung, dass im europäischen Ausland ganz offen von den „laschen” deutschen Regelungen gesprochen wird. Nicht allein das Fehlen einer regelmäßigen Überprüfung der Fahrtüchtigkeit von Autofahrern fällt hierunter. Dazu zählt auch, dass wichtige Passagen einer europäischen Richtlinie aus dem Jahr 1991 in Deutschland immer noch nicht angewendet werden. Sie macht für die Erteilung der Fahrerlaubnis zur Voraussetzung, dass auch das Sehvermögen bei Dämmerung und die Blend- empfindlichkeit getestet werden. Auf diese Missstände machte unlängst Bernhard Lachenmayr, Augenarzt in München und langjähriger Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, auf der Jahrestagung dieser augenärztlichen Fachgesellschaft in Berlin aufmerksam.
  In einer eigenen Untersuchung hat Lachenmayr zeigen können, dass Unfallfahrer übermäßig empfindlich auf Blendung reagieren und doppelt bis dreimal so oft wie das unfallfreie Vergleichskollektiv ein unzureichendes Sehvermögen bei Dämmerung oder bei Nacht aufweisen. Schon normalerweise nehmen im Dunkeln viele Sehfunktionen ab, die Sehschärfe sinkt um die Hälfte. Denn die hauptsächlich für die Scharfeinstellung zuständigen Sinnesrezeptoren, die Zapfen der Netzhaut, werden bei der Anpassung an die Dunkelheit mehr und mehr von den weniger scharfsichtigen Stäbchen abgelöst. Auch Farbunterschiede werden deutlich schlechter wahrgenommen, alle Katzen werden grau. So kommt es, dass bei manchen Augenerkrankungen zwar noch keinerlei Ausfälle zu erkennen sind, wenn die Sehschärfe bei Tageslicht getestet wird. Mit beginnender Dunkelheit beeinträchtigen sie das Sehvermögen aber bereits massiv.
   In Deutschland wird - entgegen der Europanorm - eine Untersuchung, die dies aufdecken könnte, weder zur Bedingung für den Erwerb des normalen PKW-Führerscheins gemacht, noch müssen Berufskraftfahrer ihre Dämmerungstauglichkeit unter Beweis stellen. Auch kann man hierzulande mit schlechten Augen nicht nur leichter einen Führerschein erwerben, sondern ihn auch länger behalten. Anders als in den meisten Industrienationen gibt es in Deutschland keine Pflicht für Autofahrer, die Sehtüchtigkeit regelmäßig prüfen zu lassen. Dabei ist nicht daran zu rütteln, dass Augenerkrankungen, die im Alter zunehmen und einen Großteil der Bevölkerung treffen, das Augenlicht empfindlich beeinträchtigen können. Dazu zählen der Grüne und der Graue Star, die altersbedingte
Makula- degeneration und zunehmend auch die diabetische Retinopathie.
   Gelegentlich gibt es Versuche, die Gefahren, die durch das zweifelsfrei nachlassende Sehvermögen älterer Verkehrsteilnehmer entstehen, dadurch zu verharmlosen, dass man auf deren selbst auferlegte Beschränkungen hinweist. Ältere führen eben nicht mehr so schnell, seien allgemein vorsichtiger als junge Draufgänger, daher seien sie auch seltener in Unfälle verwickelt als jüngere Verkehrsteilnehmer. Das zeugt vom gleichen Mangel an Einsicht in die Sachlage, wie er auch bei den Verkehrsteilnehmern zu beobachten ist. Tatsächlich bewerten die Unfallfahrer, das belegt die Erhebung von Lachenmayr, ihr Sehvermögen als sehr gut. Wie eine Untersuchung an zuckerkranken Autofahrern zeigte, waren die Augenschäden bei der Hälfte so weit fortgeschritten, dass dies für eine Fahrerlaubnis eigentlich nicht ausreichte.
   Am wenigsten wollen sich offenbar ältere Männer ihre Unzulänglichkeiten als Fahrer eingestehen. Weit öfter als Frauen fahren sie noch nachts, obwohl hierfür ihr Sehvermögen nicht mehr ausreicht. In der Altersgruppe der über 85-Jährigen fahren sechs- bis siebenmal mehr Männer noch nachts Auto als Frauen. Lachenmayr bezweifelte zudem in einem Gespräch, dass Defizite beim Dämmerungssehen durch vorsichtigeres oder langsameres Fahren ausgeglichen werden können. Außerdem zeige sich, dass ältere Verkehrsteilnehmer deutlich öfter an Unfällen beteiligt seien, wenn man die Unfallhäufigkeit auf die gefahrenen Kilometer beziehe. Ältere Personen können sich auch nicht auf ihre Fitness berufen. Bremstests haben unlängst ergeben, dass auch jene, die in guter körperlicher Verfassung sind, nicht reaktionsschnell vom Gas gehen, wenn ihre Augen beeinträchtigt sind.
   Der Augenarzt, das gab Lachenmayr seinen Kollegen zu bedenken, kann haftbar gemacht werden, wenn er seine Patienten nicht nachweislich auf ihre Defizite aufmerksam macht. Die notwendigen Konsequenzen kann er freilich nicht erzwingen. Allerdings gebe es auch völlig uneinsichtige Patienten, die sich noch halbblind in ihr Auto setzten. Dann müsse der Augenarzt zum Schutz der übrigen Verkehrsteilnehmer erwägen, das bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde zu melden. MartinaLenzen-Schulte
FAZ071017

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300.000 Unfälle, so schätzen Augenärzte, werden jährlich durch Sehschwächen am Steuer verursacht.
Kurzsichtig bei Nacht - Viele Menschen brauchten im Dunkeln eine Brille - und ahnen es nicht

         Unsicherheit befällt viele Autofahrer, die nachts unterwegs sind. Die Dunkelheit im Straßenverkehr nimmt auch versierten Fahrern, die tagsüber am Steuer keine Probleme haben, den Durchblick. Ursache ist die Nachtmyopie - eine Kurzsichtigkeit, die nur bei Dunkelheit auftritt oder aber eine bestehende Sehschwäche verstärkt. Die Folge: Jeder vierte Autofahrer bräuchte im Dunkeln eine Brille oder als Brillenträger eine Sehhilfe mit veränderter Stärke. „Im Vergleich zur Sehleistung bei Tageslicht kann es einen Unterschied von bis zu einer Dioptrie - im Extremfall sogar von zwei Dioptrien - geben", warnt Augenarzt Dr. Friedel Lienert aus Wetter an der Ruhr. Das bedeute, dass die für Tageslicht angepasste Brille nicht mehr stimme. Und wer tagsüber ohne Brille auskommt, hat nachts ohne Brille oder Kontaktlinse ein Defizit beim Sehen.
Mit weiter Pupille leidet die Schärfe
   
Was passiert beim nächtlichen Sehen? Die Pupille bei Tageslicht hat eine Größe von zwei bis vier Millimetern. „Sie öffnet sich bei abnehmendem Licht und kann bis zu 12 Millimeter groß werden", sagt Lienert. Er vergleicht den Effekt bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen mit der Einstellung der Blende beim Fotoapparat. Je weniger Licht, desto größer die Blende. Das habe jedoch Einfluss auf die Abbildungsqualität. Der Bereich einer scharfen Abbildung ist bei einer offenen Blende ebenso wie bei einer offenen Pupille geringer. „Es zeigt sich im Dunkeln eine leichte Kurzsichtigkeit, die unterschiedlich ausgeprägt ist", erklärt Dr. Friedel Lienert. Im Stadtverkehr bei nächtlicher Beleuchtung mache sich das nicht so sehr bemerkbar. Doch auf offener Landstraße ohne eine Straßenlampe werde die fehlende Sehleistung durchaus deutlich. „Da fährt dann mancher blind", spitzt Lienert zu, der sich im Berufsverband der Augenärzte (BVA) engagiert.  Nachtmyopie ist nicht zu verwechseln mit Nachtblindheit. „Eine echte Nachtblindheit ist sehr selten", sagt der Augenarzt und BVA- Sprecher Dr. Georg Eckert aus Senden bei Ulm. Sie komme dann vor, wenn die Funktion der Stäbchen (Sehzellen, die uns Helligkeit oder Dunkelheit melden") in der Netzhaut nicht mehr gewährleistet wird. Das bedeute, im Dunkeln gar nichts zu sehen. Der Grund dafür kann beispielsweise eine degenerative Netzhautveränderung oder eine Vererbung sein.
   Dr. Friedel Lienert erklärt den Vergleich am Beispiel einer analogen Fotokamera, die kein Bild zustande bekommt. Bei intaktem Kameraobjektiv könne es daran liegen, dass der Film in der Kamera etwa einen Riss habe und damit kaputt sei. „Wenn man nun in diesem Fall den Film als Netzhaut und das Objektiv als Brille versteht, entspricht es bildlich der Nachtblindheit. Anders bei der Nachtmyopie: Da ist das Objektiv - also die Brille - nicht passend. Dagegen zeigt sich der Film - also die Netzhaut - unbeschädigt."
  
Die Nachtmyopie hat nichts mit dem physiologischen Vorgang zu tun, dass man sich an Dunkelheit gewöhnen muss.  „Das Auge muss sich immer an jeweilige Lichtverhältnisse anpassen. Die Dauer ist individuell verschieden. Es kann bis zu einer dreiviertel Stunde dauern", so Lienert. Auch das unangenehme Gefühl, nachts etwa bei Gegenverkehr geblendet zu sein, sei kein Zeichen der Nachtmyopie. Dr. Lienert: „Die Blendungsempfindlichkeit nimmt im Alter zu, weil sich zum Beispiel die Hornhaut des Auges verändert oder die Linse eintrübt." Auch trockene Augen sowie ein veränderter Blutzuckerspiegel beeinflussen das Sehen, was sich in einer Zunahme von Blendungsempfindlichkeit und einer Abnahme der Kontrastwahrnehmung zeigen kann.
Auch junge Menschen mit Nachtmyopie
   Gibt es die bei Dunkelheit auftretende Kurzsichtigkeit auch schon in jungem Alter? „Die Nachtmyopie ist altersunabhängig", sagt der Augenarzt. Sie bleibe zunächst oft unentdeckt, denn der Sehtest für die Fahrerlaubnis gebe lediglich Auskunft über die Tagessehschärfe. Diese muss mit mindestens 70 Prozent erreicht werden. „Wenn der Sehtest einen Wert von minus 1,25 Dioptrien ergibt, bedeutet es bereits, dass nur noch 40 Prozent Sehfähigkeit bestehen. Diese gilt allerdings bei Tageslicht", so Lienert. Das Problem der Kurzsichtigkeit habe gerade bei Kindern und Jugendlichen wegen der vielen Stunden am PC, Handy oder Tablet in den zurückliegenden 15 Jahren sehr zugenommen. Da der konträre Reiz des Blickes in die Ferne fehle, wird ein verstärktes Längenwachstum des Auges ausgelöst. Regelmäßiges nächtliches Autofahren, ohne die Augen optimal zu korrigieren, findet Lienert unverantwortlich. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands geht jährlich von etwa 300.000 Verkehrsunfällen aus, die auf schlechtes Sehen zurückzuführen seien. Das sei mit rechtzeitigen augenärztlichen Untersuchungen und entsprechenden Korrekturen der Fehlsichtigkeit durch eine Brille zu reduzieren.
Ohne Gebühr
Kosten.
Das Prüfen der Sehleistung ist generell eine Kassenleistung. „Auch eine Gebühr für ein Rezept ist im Grunde nicht zulässig", betont Dr. Friedel Lienert im Hinblick auf schwarze Schafe unter Augenärzten. Auch bei einem Verdacht auf eine Erkrankung, die etwa bei einer degenerativen Veränderung am Auge vorliege, übernimmt die Kasse sämtliche Kosten.
IGEL. Anders sei es hinsichtlich der Zahlung von Dämmerungs- und Kontrastfähigkeitstest, die mit einem speziellen Gerät - dem sogenannten Mesoptometer - vorgenommen wird. Diese sogenannte Individuelle Gesundheits- Leistung (IGeL) in Höhe von etwa 50 Euro muss in der Regel vom Patienten selbst gezahlt werden. Man sollte aber zuvor bei der Kasse nach einer individuellen Regelung fragen.  Gesund-21/15-HA

Probleme bei Lichtwechsel

  Die Augen mancher Menschen gewöhnen sich schlecht an Wechsel der Lichtverhältnisse. Dieser langsamen Anpassung liegt ein genetischer Defekt zu Grunde, berichtet ein internationales Forscherteam in “Nature”.  Betroffene sind fünf bis zehn Sekunden blind. Das Team um Thaddeus Dryja von der Harvard-Universität in Boston fand beim Erbgut von fünf nicht verwandten Personen Mutationen in einem Gen, das Informationen für ein in Sehprozesse eingebundenes Enzym trägt. ddp/HA031230

Augenlaser korrigiert auch Nachtblindheit. Modernes Diagnosegerät hilft Ärzten bei der Operation

  Mit Unterstützung moderner Lasergeräte, so genannter Aberrometer, können auf Lasik-Operationen spezia- lisierte Augenärzte die Streuungen der Hornhaut exakt berechnen. Dadurch sei es möglich, bei einer Augen- laseroperation wegen einer Kurz- oder Weitsichtigkeit gleichzeitig schlechtes Kontrastsehen, Blendungen und Nachtblindheit zu korrigieren, sagt Joachim Köhler, Lasik-Chirurg im hannoverschen EuroEyes-Augenlaserzentrum.
   Bei der Aberrometrie genannten Diagnosemethode bündelt das Gerät einen Lichtstrahl auf die Netzhaut. Davon ausgehend breitet sich eine Wellenfront durch Linse und Hornhaut hindurch aus, die um so unregelmäßiger ist, je größer die Fehlsichtigkeit, die Hornhautkrümmung und die Streuungen auf der Hornhaut sind. Aus den gewon- nenen sechs Datensätzen pro Auge berechnet ein spezielles Computerprogramm, wie viel Gewebe bei der Operation abgetragen werden muss, um die Hornhaut optimal zu modellieren.
   „Es gibt viele Aberrationen, die große Störungen beim Dämmerungssehen machen. Die können wir messen und mit dem Laser behandeln”, erklärt Köhler. Auch die Hannoveranerin Claudia R. hat sich für eine aberrometer- gesteuerte Laseroperation entschieden, um bei der Korrektur ihrer Kurzsichtigkeit von sechs Dioptrien weitere mögliche Streueffekte gleich mit auszuschließen.
   Bei der Operation hobelt ein automatisch gesteuertes Messer zunächst eine hauchdünne Scheibe(Flap) von der Hornhaut. Diese wird zur Seite geklappt, während der computergesteuerte Laser anhand der vorher ermittelten Werte die Hornhaut modelliert. Anschließend decken die Chirurgen die Wunde wieder mit dem Flap ab, der sich in kurzer Zeit fest ansaugt. Bereits eine halbe Stunde später hat Claudia R. etwa 70 bis 80 Prozent ihres Sehvermögens erreicht, nach drei bis vier Wochen ist die Wunde komplett verheilt.
    Die aufwendige Technik hat allerdings ihren Preis: Pro Auge werden bei einer aberrometergesteuerten Lasik knapp 5.000 Euro fällig. Gesetzliche Krankenkassen erstatten diesen Betrag nicht, private nur nach Prüfung des Einzelfalls. 
HAZ040614ze  
Mehr dazu >  “Lasik” 

Gesichtsblindheit: Vermutlich Millionen Menschen betroffen

      Es gibt Menschen, die trotz normaler Intelligenz und gutem Sehvermögen nicht in der Lage sind, Gesichter zu unterscheiden. Fachsprachlich heißt dieses Phänomen Prosopagnosie, auf Deutsch Gesichtsblindheit. Lange Zeit nahmen die Forscher an, dass es extrem selten sei. Ein amerikanisch-britisches Forscherteam hat durch Tests mit mehr als 1.600 Personen nun herausgefunden, dass Gesichtsblindheit vermutlich sehr viel häufiger vorkommt als bisher bekannt war, wie sie in der Zeitschrift Neuropsychologia schreiben.
     “Bis vor wenigen Jahren sind weltweit nur etwa 100 Fälle von Gesichtsblindheit dokumentiert worden, aber es scheint so zu sein, dass diese Erscheinung sehr viel weniger selten ist als bisher angenommen worden ist”, erklärt Ken Nakayama von der Harvard University. „Ein Test von 1.600 Individuen zeigte, dass etwa zwei Prozent der allgemeinen Bevölkerung betroffen sein könnte. Die Schätzung einer deutschen Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Es ist vorstellbar, dass Millionen Menschen Symptome der Prosopagnosie zeigen, vielleicht sogar ohne es zu wissen.”
   Die Daten passen zu einer Studie, die 2004 an der Universität Münster durchgeführt wurde. Damit könnten Millionen Menschen mehr oder weniger ernsthafte Probleme haben, die Menschen, mit denen sie täglich zu tun haben, zu erkennen. Die Störung kann im Laufe des Lebens durch eine Hirnverletzung auftreten, sie kann aber auch von Geburt an vorhanden sein. Die Menschen, die von Geburt an gesichtsblind sind, erkennen ihre Behin- derung oft nicht, da sie ja nicht wissen, dass der Rest der Menschheit Gesichter ganz anders wahrnimmt als sie. 
   In bestimmten Tests konnten Nakayama und Kollegen die Störung nachweisen. So zeigten sie etwa Probanden eine Reihe von Bildern verschiedener Objekte - Häuser, Autos, Werkzeuge - und von Gesichtern. Einige der Bilder wurden in der Präsentation wiederholt. Die Probanden sollten angeben, welche Bilder sie schon einmal gesehen hatten. Die Gesichtsblinden erkannten korrekt fast alle Dubletten im Objektbereich, konnten aber bei den Gesichtern nicht sagen, ob sie sie vorher schon einmal in der Reihe gesehen hatten.
   Wie viele Behinderte ersinnen auch Gesichtsblinde Strategien, um die Behinderung zu kompensieren. Sie orien- tieren sich zur Erkennung anderer Menschen an Haarfarben, Stimmen, der Gangart und natürlich dem Situations- kontext. Dennoch bleiben für sie viele Situationen schwierig zu meistern. Viele Gesichtsblinde können beispiels- weise nur mit Mühe Spielfilme sehen, weil sie die Handlungen der einzelnen Figuren, die ja hauptsächlich aufgrund ihres Gesichts unterschieden werden, nicht richtig verfolgen können. Bis heute ist Gesichtsblindheit nicht heilbar. Man weiß auch noch zu wenig über diese Störung.  Doch als Betroffene(r) zu wissen, dass man damit nicht allein ist, kann schon ein Trost sein. Für Menschen, die den Verdacht haben, dass sie unter Gesichtsblindheit leiden, haben Ken Nakayama, Richard Russell und Gayle Speck sowie Bradley Duchaine vom University College auf ihrer Website
www.faceblind.org eine Kontaktmöglichkeit geschaffen (nicht auf Deutsch).
   Forscher der Universität Münster bieten für Deutschsprachige die Kontaktmöglichkeit

www.prosopagnosie.de/kontakt.html an. Mehr unter > Harvard University: http://www.harvard.edu

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Ich kann mir nicht . . . Gesichter merken
Foto: Gisela Hoitz aus Münster ist gelernte Russisch-Dolmetscherin und Fachfrau für Barrierefreiheit

   Versuchen tu ich's ja. Aber das ist bei mir wie bei einem Fotoapparat ohne Film drin: Ich kann mir Gesichter einfach nicht merken. Wenn ich die Person später wiedersehe, kann es passieren, dass ich sie einfach nicht wiedererkenne.
   Ich helfe mir mit einer Art kognitivem Karteikartensystem. Auf dem steht zum Beispiel: lockige Haare, rote Jacke, schmal, mit Fahrrad unterwegs. Das hilft manchmal. Leichter ist es, wenn ich Menschen in ihrer gewohnten Um- gebung begegne, zum Beispiel der Verkäuferin hinter der Käsetheke. Wenn die aber im Konzert neben mir sitzt, erkenne ich sie nicht wieder. Das schlimmste Erlebnis war, als mich meine Tochter mal im Büro besucht hat: falsche Person, falscher Ort. Ich brauchte ewig, bis ich sie erkannt hatte.
   Ins Kino gehe ich so gut wie nie. Ich kann einfach die Schauspieler nicht auseinanderhalten. Oder nur, wenn es ganz wenige sind: ein Mann und eine Frau oder ein alter und ein junger Mensch. Mein Lieblingsfilm ist daher „Dinner for One".
   Mittlerweile gehe ich ganz offen mit meiner Gesichtsblindheit um. Ich sage den Leuten: „Wenn wir uns das nächste Mal sehen, werde ich Sie nicht erkennen." Dass es Gesichtsblindheit als Krankheit überhaupt gibt, weiß ich erst seit sechs Jahren. Ich war direkt erleichtert, als ich es erfuhr. So ist es mir wenigstens nicht peinlich, denn ich kann ja nichts daran ändern. Vorher hatte ich mir halt gedacht: Warste mal wieder zerstreut oder so. Jetzt weiß ich, dass es handfeste Gründe für meine Fehler gibt. Jeder hat doch ne Macke. Auf der anderen Seite sind viele Gesichtsblinde einseitig begabt. So ist das auch bei mir, ich spreche Russisch, Polnisch, Dänisch, Norwegisch, Englisch und Spanisch. Das fällt mir eben leicht.
Chrismon0905

Was sehen Blinde

  In dem Märchenbuch „Die unendliche Geschichte“ beschreibt Michael Ende, dass sich das Land Phantasien mehr und mehr auflöst. Es ist durchsetzt von Löchern, die aus Nichts bestehen. Wenn man diese Löcher ansieht, so heißt es im Buch, fühle man sch, als sei man blind geworden. Doch was empfinden blinde Menschen eigentlich? Sehen sie wirklich nichts? Und wenn sie doch etwas sehen, was sehen sie dann?
  Diese Frage stellte sich auch ein Hörer des WDR, Konrad Gerull aus Bielefeld, der selbst erblindet ist, aber noch Helligkeitswahrnehmungen hat - eine Art dunklen oder hellen Nebel, wie er schreibt. Er möchte wissen, ob es Unterschiede gibt je nach Art der Erblindung. Dies zu beantworten ist allerdings sehr kompliziert. Denn blind ist nicht gleich blind. Die Gründe, warum ein Mensch nicht mehr sehen kann, sind unglaublich vielfältig. Ein Grund kann eine Verletzung oder Erkrankung der Augen selbst sein. Es werden keine visuellen Reize mehr von außen aufgenommen. Doch das Sehzentrum im Gehirn ist noch in Ordnung. Bei anderen sind die Augen gesund, aber das  Sehzentrum ist angegriffen, etwa durch einen Schlaganfall, einen Tumor oder einen Unfall. Diese Blinden können nicht bewusst wahrnehmen, dass ihre Augen eigentlich noch Informationen aufnehmen. Auch macht es einen Unterschied, ob jemand blind oder sehend geboren wurde. Bei Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens erblinden, ist das Sehzentrum im Gehirn ausgeprägt und arbeitet zum Teil selbständig weiter. Sie können sich oft sehr gut Dinge vorstellen und vor ihrem inneren Auge hervorrufen. Auch die Erinnerung an beispielsweise Farben kann bestehen bleiben, wenn sie vielleicht auch verblasst. Das Gehirn kann aber auch visuelle  Halluzinationen hervorrufen, zum Beispiel Lichtblitze oder eine  veränderte Helligkeitswahrnehmung, die aber nichts mit einer Änderung der Helligkeit ihrer Umwelt zu tun hat. Das Nichts, von dem viele Blinde oft sprechen, ist für Sehende natürlich nur schwer vorstellbar. Sich einfach die Hände vor die Augen zu halten, trifft es nicht – das berichten auch Menschen, die nur auf einem Auge erblindet sind und den Unterschied dadurch an sich selbst erleben. Man kann es aber wohl vergleichen mit dem, was der Hinterkopf wahrnimmt. Dort sind keine Augen, und in diesem Bereich ist auch ein sehender Mensch eigentlich blind. Aber er fühlt sich dort nicht blind.
Links: Essay von dem bekannten Neurologen Oliver Sacks zum Thema: „Was Blinde sehen”, in einer Information des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen SZB.

www.szb.ch/download/deutsch/szb_info/info_134.pdf (Beginn des Essays auf S.34)
www.szb.ch/download/deutsch/szb_info/info_134.doc (Beginn S.47 unten)  Leonardo0512

Lichtschutz mit Sonnenbrille

  Graue und braune Färbungen sind für das Autofahren geeignet. Es ist mittlerweile unstrittig, dass ultraviolettes Licht für Schäden an den Augen verantwortlich ist. Lichtschutzbrillen sind daher unentbehrlich. Doch welches der zahlreichen farbigen Gläser nutzt wem am besten? Zunächst das Material: Die Sichtscheibe kann aus minera- lischem Glas oder aus Kunststoff gefertigt werden. Glas ist vergleichsweise schwer, aber für höhere Fehlsichtig- keiten durch variable Brechungsindizes besser geeignet. Kunststoff ist leichter und daher bei Hitze angenehmer zu tragen. Plangläser ohne optische Wirkung können in der Masse gefärbt werden, ihre Lichtreduktion ist dann von der Glasdicke abhängig. Optisch wirksame Gläser kann man mit einer Überfangschicht versehen oder eine Farb- schicht im Hochvakuum aufdampfen. Für den Straßenverkehr sollten graue und braune Färbungen bevorzugt werden, damit das Erkennen von Signalen nicht beeinträchtigt wird. Es gibt Lichtreduktionen von 10 bis 98 Prozent, üblich sind für Sonnenbrillen 65 bis 75. Für das Fahren bei Nacht liegt der Grenzwert für eine Tönung/Färbung laut DIN bei 25 Prozent, ungetönte klare und superentspiegelte Gläser sind jedoch deutlich besser und daher vorzuziehen.
  Gute Lichtschutzbrillen sollten möglichst beidseitig entspiegelt sein, um Reflexe zu mindern. Das Verhältnis Störlicht zu Nutzlicht steigt bei dunklen Gläsern immerhin von 9 auf 20 Prozent. Die Entspiegelung Umbra Super ET von Zeiss beispielsweise erzeugt einen goldfarbigen Restreflex von nur noch 0,6 Prozent je Fläche. Auch “weiße” Gläser sollten für Autofahrer eine gute Entspiegelung haben, weil sie den Kontrast verbessert und als harte Schutzschicht wirkt. Der UV-Schutz ist heute bereits bei preisgünstigen Gläsern gewährleistet.
   Eine Besonderheit stellen die Skylet sport, road und fun dar. Im Vergleich zu anderen weisen sie eine ein- geschränkte Transmission im kurzwelligen blauen Anteil auf, dafür ist die Transmission im Bereich der höchsten Tageslicht-Empfindlichkeit des Auges verbessert. Ihre Wirkung ähnelt der eines Dunstfilters, der den Kontrast beachtlich optimiert. SkyPol als drittes besonderes Kunststoffglas wiederum hat einen polarisierenden Filter, besonders geeignet gegen die Sonne bei nasser Straße.
    Phototrope Gläser können als Allround-Gläser bezeichnet werden, das in ihnen verarbeitete durchsichtige Silbersalz färbt sich durch UV-Strahlung ein. Im Gegensatz zum Fotofilm ist dieser Vorgang viele tausend Mal reversibel. Ihre Technik wurde in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, so dass sie sich schon bei wenig UV-Licht und in warmer Umgebung ausreichend einfärben. Wegen ihres großen “Hubs” von 15 bis 75 Prozent können entspiegelte Gläser dieses Typs jetzt auch bei der Nachtfahrt getragen werden. Auf die Brille geklemmte Vorhänger sind nur als Notlösung zu empfehlen, weil die Zahl optischer Flächen verdoppelt wird. Zudem sind sie grundsätzlich nicht entspiegelt.
   Wenn gelegentlich behauptet wird, es gebe sichtverbessernde Brillen für Nachtfahrten, so ist das Unsinn. “Nebelbrillen” gaukeln dem Fahrer Sonnenschein und bessere Fernsicht vor und verführen zu schnellerem Fahren. Die Wirkung gelber Gläser und Lampen ist rein psychologischer Natur. Ihre “Erfindung” im Ersten Weltkrieg diente den Franzosen lediglich zur Unterscheidung ihrer Fahrzeuge von denen der Gegner. Mittlerweile hat sich das weiße Licht ohnehin durchgesetzt.
FAZ040810

Mit Sonnenbrille lesen

   Ohne Sonnenbrille in der prallen Sonne zu lesen, kann die Augen schwer schädigen: Durch das weiße Papier wird das reflektierte Sonnenlicht auf eine Stelle im Auge gebündelt, warnt die Universität Bonn. Bleibende Schäden an Linse und Netzhaut, die das Sehvermögen beeinträchtigen, sind schmerzlos und machen sich erst über Jahre bemerkbar. Spätfolgen sind die Linsentrübung, der so genannte Graue Star, oder die Makula-Degeneration, eine Netzhauterkrankung, bei der die Stelle des schärfsten Sehens geschädigt ist. dpaHA050611

neuer Augenschutz: Skibrille “Magic Google”

   Die Skibrille „Magic goggle” von Uvex verdunkelt auf Knopfdruck und kann so den Lichtverhältnissen angepasst werden. Der Prototyp wurde auf der Sportartikelmesse Ispo gezeigt. Über Flüssigkeitskristalle lässt sich die Brillenscheibe binnen Millisekunden verdunkeln und wieder aufhellen. Der Augenschutz nach Erprobung in den USA auf den Markt kommen.  FAZggf050215

Kognitionswissenschaft: Blinde denken schneller!

  Blinde können offenbar nicht nur besser hören als Sehende, sondern auch schneller denken. Zu dieser Erkennt- nis kam Brigitte Röder, Psychologin an der Universität Marburg, zusammen mit Kollegen von der Universität Oregon in Eugene. Aufgefallen war der Forscherin, dass Blinde Hörbücher schneller “durchhören”. Die Forscher unter- suchten an einer Probandengruppe, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob Blinde allgemein Sprache schneller verarbeiten können.
   Ein Elektronenzephalograph zeichnete die Gehirnwellen auf, während die Versuchspersonen die Entscheidung trafen, ob ein vorgelesener Satz einen Sinn hatte. Bei den Blinden zeigte sich das Signal schon nach der Hälfte der Zeit. Ein Grund für die schnellere Sprachverarbeitung könnte sein, so die Forscher, dass bei Blinden Regionen im hinteren Teil des Gehirns, die bei Sehenden virtuelle Reize verarbeiten, annektiert wurden von jenen Arealen, die für Sprachverarbeitung zuständig sind, - damit sie mithelfen.

Die Studie erschien in der Zeitschrift “Neuropsychologica” Vol. 38, S.1482. wsaHA001024

Blinde können besser Geräusche orten

   Blinde Menschen können sich besser anhand von Geräuschen orientieren als Sehende, das ist bereits seit längerem bekannt. Unklar war jedoch, ob das an ihrer erhöhten Aufmerksamkeit oder an einem besseren Gehör liegt. Eine kanadische Forschergruppe um Frederic Gougoux hat das Rätsel jetzt lösen können. Bei ihren Versuchen konnte sie zeigen, dass blinde Menschen bis zu zehnmal besser die räumliche Herkunft eines Geräusches identifizieren können. „Besonders stark zeigte sich der Effekt bei frühzeitig Erblindeten”, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Nature”. Demnach konnten Menschen, die bereits vor ihrem siebten Lebensjahr ihr Augenlicht verloren hatten, am besten Geräusche orten. Für die Forscher ein wichtiger Hinweis auf feste Zeitfenster in der Gehirnentwicklung, innerhalb derer sich die Nervenzellen miteinander verschalten. artHAZ040729

Blinde hören auch auf die Weite besser

  Blinde können entfernte Geräusche räumlich besser einordnen als Sehende. Das hat eine Forschergruppe um Franco Lepore an der Universität von Montreal herausgefunden. Dass Blinde über gute bis herausragende Fähigkeiten bei der akustischen Orientierung verfügen, ist zwar lange bekannt. Praktisch alle bisherigen Unter- suchen haben sich aber auf das Hören im unmittelbaren Nahbereich beschränkt. Die kanadischen Forscher haben nun blinde Versuchspersonen in einem großen Raum mit mehr oder weniger lauten Geräuschen aus unterschied- lichen Winkeln konfrontiert. Dabei zeigte sich, dass die Probanden ein gutes Raumgefühl entwickelten. Sie konnten die Richtung und Entfernung hervorragend schätzen, auch wenn die Geräusche leise waren Current Biology”, Bd. 14,S.1734. Die besonderen Sinnesleistungen zeigten auch Probanden, die erst im Erwachsenenalter erblindet waren. Das ist nach Ansicht der Forscher ein weiterer Beleg für eine anhaltende Kompensationsfähigkeit des Gehirns.   FAZ041006

Blinde haben besseres Augenmaß als Sehende

 Die Größe vertrauter Gegenstände wie ein Laib Brot können Blinde mit den Händen korrekter wiedergeben als Sehende. Zu diesem verblüffenden Ergebnis kommt eine Studie neuseeländischer Wissenschaftlerinnen, die sie in „Psychological Science” veröffentlicht  haben.
   Über 100 Personen - Blinde und Sehende - waren an dem Experiment beteiligt: Sie sollten nach Befühlung beziehungsweise Betrachtung vertrauter Gegenstände wie Brotlaib, Eier-Palette oder Wasser-Karaffe die Größe mit den Händen darstellen. Überraschenderweise konnte bei mehr als hundert sehenden Teilnehmern mit normaler Sehstärke eine deutliche Überschätzung der Objektgrößen fest- gestellt werden. Das legt für die Forscherinnen die Vermutung nahe, dass das visuelle Gedächtnis der Sehenden sehr ungenau ist. Die blinden Versuchsteilnehmer schätzten im Großen und Ganzen die Größe der Gegenstände richtig ein. Die Forscherinnen führen dies auf verschiedene Spezialisierungen der Gedächtnisse von Blinden und Sehenden zurück. Blinde merken sich Größenverhältnisse von handhabbaren Gegenständen durch Anfassen, Sehende verlassen sich auf ihre Augen und liegen damit leichter falsch. Link: University of Otago:
http://www.otago.ac.nz 
AmericanPsychologicalScienceLeonardo0504

Brille für Farbenblinde. Computer soll individuelle Korrekturgläser herstellen

   Der Göttinger Physiker Markus Gregor hat eine Korrekturbrille für Farbenblinde entwickelt. Mit dem Gerät können wichtige Sehfehler korrigiert werden. Weltweit leiden etwa 180 Millionen Menschen darunter, dass sie Farben nicht richtig erkennen und unterscheiden können. Ursache ist ein genetischer Defekt, der hauptsächlich bei Männern auftritt. Die Brille könnte Abhilfe schaffen, berichtet die der Biotechnologieverbund Bio-RegioN in Niedersachsen.
   Im Idealfall kann ein Mensch bis zu 10.000 Farbunterschiede erkennen. Bei Farbenblinden sind zwar alle Farb- rezeptoren im Auge vorhanden, aber mindestens ein Rezeptor weicht in seiner Sensitivität ab. Dadurch ist das Farbunterscheidungsvermögen in einigen Bereichen geringer. „Ist der Rot-Rezeptor zu zehn Prozent einge- schränkt, wird eine rote Verkehrsampel schon als grün wahrgenommen”, sagt Gregor. Um die Sehschwäche zu lindern, muss der Grad der Störung exakt bestimmt werden. „Ungenaue Messungen und nicht individuell ange- passte Sehhilfen waren die Hauptursachen dafür, warum die bis lang im Markt angebotenen Produkte den Betroffenen nicht den erhofften Erfolg brachten”, erklärt der Wissenschaftler.
   Mit einem computergesteuerten Sehtest gelang Gregor der Durchbruch. Mit diesem Verfahren kann der Grad der Farbfehlsichtigkeit mit einer so hohen Präzision bestimmt werden, dass die Abweichung nur noch im Prozent- bereich liegt.
   Auf der Basis hat der Physiker eine Farbkorrektursehhilfe, die mit einem speziellen mathematischen Opti- mierungsverfahren berechnet und aus gängigen Filtermaterialien kombiniert wurde, entwickelt. Erste Unter- suchungen an 40 Probanden haben den Erfolg bestätigt. Alle Patienten konnten gängige Farbverwechslungs- bereiche erstmals richtig unterscheiden. Gregor arbeitet derzeit an der Serienreife des Produkts.
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Die Welt, in der er lebt, ist bunt. Aber was das heißt, weiß Nils nicht. Der Fünfjährige ist farbenblind

   Nils hat braune Haare, braune Augen, er trägt mittelblaue Jeans und ein hellblaues T-Shirt. Doch im Spiegel sieht der Fünfjährige sich ganz in Grau. Seit seiner Geburt lebt der aufgeweckte und fröhliche Junge aus dem west- fälischen Dorsten in einer Welt in Schwarz-Weiß.
  Farben kennt er nur vom Hörensagen. Denn Nils leidet unter der sehr seltenen Erbkrankheit Achromatopsie. Laut Hochrechnungen leben etwa 3.000 Menschen bundesweit mit dem Gendefekt.
  „Fälschlicherweise bezeichnen viele Menschen Sehstörungen wie die Rot-Grün-Schwäche als Farbenblindheit", sagt Nils Vater Olav Hagemann. „Das ist aber eigentlich falsch, da hier nur gewisse Farben nicht wahrgenommen werden." Achromaten hingegen sind gänzlich und im wahrsten Sinne des Wortes farbenblind: Die zur Wahrneh- mung benötigten Sinneszellen auf der Netzhaut, die sogenannten Zapfen, funktionieren nicht. Lediglich die Sin- neszellen für das Sehen im Dunkeln, die Stäbchen, stehen zur Verfügung. Daher sind Achromaten nicht nur farbenblind, sondern auch überempfindlich gegen Licht. Ihre Augen können sich nicht an helle Lichtverhältnisse anpassen und arbeiten immer im „Nachtmodus". Bei Dunkelheit werden nach dem Willen der Evolution nur Schemen wahrgenommen, um Gefahren schnell zu erkennen. Die Sehstärke ist bei diesem Gendefekt daher stark reduziert. „Sie entspricht nur rund zehn Prozent von der eines Normalsichtigen", erläutert Hagemann. Er rief 2005 in Dorsten eine der ersten Achromatopsje-Selbsthilfgruppe ins Leben. 80 Mitglieder sind hier organisiert, davon 31 Betroffene.
  „Als Nils knapp drei Monate alt war, sind wir erstmals auf seine Erkrankung aufmerksam geworden", erinnert sich der Vater. Indiz war das auffällige Augenzittern, mit dem das Auge versuchte, die Sehschwäche auszugleichen. Nach dem Verdacht einer Augenärztin brachte ein Gentest an der Uni-Klinik kurze Zeit später Gewissheit.
   Dass die Krankheit so früh entdeckt wurde, sieht der Vater als Glücksfall. „So konnten wir ihn auch mithilfe von Pädagogen für Sehbehinderungen von frühester Kindheit an gezielt fördern." Buntstifte werden etwa mit Sym- bolen markiert. Dank solcher Hilfen kann Nils heute in vielen Situationen die Sehbehinderung mit seinen anderen Sinnen und seinem ausgezeichneten Gedächtnis ausgleichen. „Bisweilen vergisst man die Krankheit sogar", schildert der Vater. „Nur bei Fragen, wie ,Kann ich noch ein Stück rote Schokolade haben?' merken wir wieder, was er nicht sehen kann."
  Brillen oder Kontaktlinsen können die eingeschränkte Sehfähigkeit durch Achromatopsie um keinen Deut verbes- sern. Trotzdem sind die Betroffenen im Alltag auf Spezial-Brillen mit zumeist roten Gläsern angewiesen.» Gewöhnliche Sonnenbrillen können die Blendung nicht abhalten. Auch Fernsehen, Kino und viele Computerspiele sind nichts für Achromaten, da sie die Augen mehr blenden als unterhalten.
   „Genaue Zahlen sucht man leider vergebens, da vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist, dass sie unter Achromatopsie leiden", sagt Hagemann. So ging es etwa Marlies Lankes aus Schermbeck in Nordrhein-Westfalen. Erst vor drei Jahren diagnostizierte eine Augenärztin bei der 61-Jährigen Achromatopsie. „Die Jahre davor waren wie ein Martyrium", erinnert sie sich heute. „Niemand wusste, was ich habe - weder niedergelassene Ärzte noch Mediziner von der Uni-Klinik."
   „Da die Krankheit nur extrem selten vorkommt, ist vielen Farbenblinden gar nicht bewusst, dass sie von dem Gendefekt betroffen sind", sagte Barbara Schaperdoth-Gerlings, Oberärztin an der Essener Sehbehinderten- Ambulanz.
NOZ090204dpa

Was Farbblinde unterscheiden

   Jeder zwölfte Mann kann rote und grüne Farbtöne nicht zuverlässig erkennen. Diese maßgeblich über die Mutter vererbte Farbblindheit führt zu Nachteilen im Beruf. Doch können die Rot-Grün-Blinden feine Unterschiede bei Khakitönen deutlich besser unterscheiden als Normalsichtige, berichten britische Wissenschaftler der University of Newcastle Upon Tyne und der University of Cambridge  in  „Current Biology” Vol.15, S. R950-R952. wsaHA051207

Farbenblindheit testen

   Mit Euro Farbenblindheit testen. Euro-Münzen als Schnelltest für Farbenblindheit: Das rötliche 5-Cent-Stück ist für einen Rot-Grün-Blinden farblich nicht vom gelblichen 20-Cent-Stück zu unterscheiden, berichten spanische Physiker um Maria Isabel Suero von der Universität Extremadura in “Optic Express” (Band 10 Seite 527). Mit Farbmessungen konnten sie die Ähnlichkeit der Münzen bestätigen. Der Farbwert der kupfernen 1-, 2- und 5-Cent- Münzen liegt genau neben dem der goldenen 10-, 20- und 50-Cent-Stücke. ddpHA020716

Navigation - Hilfe für Farbenblinde

   Der Hersteller Navigon verbessert die Kartendarstellung seiner Navigationsgeräte für Menschen mit Farbseh- schwäche. Die im Display erscheinenden Elemente wurden so verändert, dass auch Nutzer mit Rot-Grün- Sehschwäche ihre Route klar erkennen können. Eine Umfrage hatte ergeben, dass Betroffene die Route zum Teil nur schwer von auf der Karte verzeichneten Bundesstraßen unterscheiden konnten. Durch modifizierte Farben hebt sich die Route nun auch für sie besser ab. Die neue Farbpalette kommt in den Karten aller neuen Navigationsgeräte zum Einsatz. Den Angaben zufolge sind rund acht Prozent der Männer und 0,4 Prozent der Frauen von einer angeborenen  Rot-Grün-Sehschwäche betroffen - das sind in Deutschland rund 3,2 Millionen Menschen.  HA090429tmn

Farbenblinde Affen kuriert

   Mit Gentherapie haben US-Wissenschaftler zwei farbenblinde Totenkopfäffchen kuriert: die Tiere, die von Natur aus rot-grün-blind sind, konnten nach der Behandlung die beiden Farben unterscheiden. Farbenblinden fehlt ein bestimmter Typ von Sinneszellen im Auge - das Gen dafür bekamen die Äffchen verabreicht. Das Spannende daran: Fürs Sehen ist nicht nur das Auge zuständig, sondern genauso das Gehirn, das die neuen Signale ver- arbeiten muss. Nach der Kindheit ist das Gehirn eigentlich weniger anpassungsfähig. Die Affen waren aber schon erwachsen - im Fall der Farbenblindheit scheint das also kein Problem zu sein. Quelle: Nature/Leonardo090917

Farbenblindheit: Bei Verdacht Arzt aufsuchen

   Wer das Gefühl hat, manche Farben nicht richtig voneinander unterscheiden zu können, sollte beim Augenarzt einen Test auf eine Farbfehlsichtigkeit machen lassen. Das Gleiche gilt auch für diejenigen, die Probleme mit farbigen Kontrasten haben. Schließlich sind etwa ein Prozent aller Frauen und neun Prozent der Männer von der im Volksmund Farbenblindheit genannten Sehstörung betroffen. „Eine Farbsinnstörung wird durch ein spezielles Gerät, den Spektralfarbenmischapparat, beim Augenarzt sicher diagnostiziert", erklärt Georg Eckert vom Berufs- verband der Augenärzte. Einen Farbsehtest finden Sie auf unserer Seite > Test  NOZ100127ddp

Der vierte Zapfen. Farbe nimmt unser Auge normalerweise über drei Sinneszelltypen wahr.
Einige Menschen verfügen über einen vierten - und damit zuweilen über einen besonders scharfen Farbsinn.

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Foto: Die 213 Farbtöne der Normfarbenpalette „RAL Classic" reichen dem Baumarktkunden.
Dabei ist die Welt schon für Normalsichtige 50.000 Mal bunter.

   Hübsche Farbe. Ein sattes Gelb, fast schon Orange. Doch unterscheidet sich dieses Gelb im Testfeld des Anomalometers vom Farbton des Referenzfeldes darunter, oder lassen sich beide mit dem Regler, der die Helligkeit, nicht aber die spektrale Farbzusammensetzung des Testfeldes verändert, für meine Augen in perfekten farblichen Einklang bringen? Zehn Minuten und etliche Referenzfarbtöne später reichen die Daten für eine Diagnose: Bei der Farbwahrnehmung bin ich ein absoluter Normalo, die Messwerte geben keinen Hinweis auf eine Sehschwäche im roten oder grünen Bereich vulgo Farbenblindheit.
   Was beim Augenarzt Grund zur Erleichterung wäre, löst im Labor von Gabriele Jordan von der Universität im nordenglischen Newcastle eher Enttäuschung aus. Denn die in Dortmund geborene und seit Jahren in England arbeitende Sehpsychologin braucht Männer mit angeborener Rot-Grün-Sehschwäche, und zwar möglichst viele. Dabei geht es der Forscherin eigentlich nicht um die Männer selbst, sondern um deren Mütter. Unter ihnen sucht die Forscherin nach ihren eigentlichen Studienobjekten: Frauen, deren Augen anstatt der üblicherweise drei unter- schiedlichen Sehpigmente mit vier Typen ausgestattet sind
siehe den folgenden Artikel: „Warum ist die Banane gelb?". Das könnte ihnen ein besonders feines Unterscheidungsvermögen für feinste Farbnuancen verleihen.

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   Dass Frauen mit einem zusätzlichen Typ zapfenförmiger Sinneszellen ebenjenen Familien angehören, die auch rotgrün-schwache Männer hervorbringen, klingt paradox. Doch ein Blick auf den Erbgang des menschlichen Farbsinnes löst den scheinbaren Widerspruch. Während die genetische Information für den vor allem im blauen Spektralbereich empfindlichen Sehfarbstoff auf Chromosom Nummer sieben und damit auf einem der bei allen Menschen paarig vorliegenden 22 sogenannten Autosomen zu finden ist, liegen die Gene für die im roten und grünen Spektralbereich empfindlichen Sehpigmente dicht nebeneinander auf dem X- Chromosom. Dieses fungiert nicht nur als Träger von Erbinformation, sondern ist zusammen mit dem weitgehend ge- schrumpften Y-Chromo- som eines von zwei Geschlechtschromosomen, deren Verteilung darüber entscheidet, ob aus einer befruchteten Eizelle Männlein oder Weiblein wird: Frauen haben zwei X-Chromosomen, die sie von Vater und Mutter geerbt haben. Männer dagegen erhalten ihr Y-Chromosom vom Vater, sein X-förmiges Gegenstück stammt immer von der Mutter.
   Damit besitzt das starke Geschlecht aber auch die Gene für grüne und rote Sehpigmente nur einmal. Das macht Männer anfällig für mutierte Varianten dieser Gene: die Veränderung des Sehpigments kommt bei ihnen als Sehschwäche im roten oder grünen Bereich voll zum Tragen. Bei Frauen, die auf ihren beiden X- Chromosomen jeweils ein normales und ein mutiertes Gen aufweisen (man spricht hier von einem heterozygoten Gen, das in zwei Varianten vorliegt), wird der Schaden von dem unveränderten Gen auf dem zweiten X-Chromosom ausge- glichen.
   Die häufigsten Mutationen bei einer solchen Rot-Grün-Schwäche erzeugen aber keinen Totalausfall des betroffenen Gens wie bei der sehr viel selteneren echten Rot- oder Grünblindheit: Vielmehr entstehen dabei Hybridgene, in denen etwa ein Teil des grün-empfindlichen Pigmentgens durch den entsprechenden Abschnitt seines rot-empfindlichen Schwestergens ersetzt ist. Das Resultat ist ein nach wie vor funktionstüchtiger Sehfarb- stoff mit einer verschobenen Absorptionskurve
siehe Graphik unten, die zwischen den Kurven der normalen roten und grünen Sehpigmente liegt. Je nachdem, wie sehr sich die Kurven der beiden Zapfentypen für den Mittel- und Langwellenbereich noch unterscheiden, fällt die Rot-Grün-Schwäche unterschiedlich stark aus.

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   „Für heterozygote Frauen aus solchen Familien bedeutet dies, dass sich auf einem ihrer X-Chromosomen ein hybridisiertes, auf dem anderen Chromosom jedoch die normale Form des grünen oder roten Sehpigments befindet. Sie haben also vier funktionstüchtige Typen von Farbsehpigmenten: die normalen drei plus das mutierte Pigment", sagt Jordan, die sich seit bald zwanzig Jahren mit solchen sogenannten retinalen Tetrachromaten beschäftigt. Dass es solche Frauen mit vier verschiedenen Zapfentypen geben müsste, postulierte schon 1948 der niederländische Biophysiker Hessel de Vries. Tatsächlich sind sie nicht einmal besonders selten. Etwa zwölf Pro- zent der europäischen Frauen seien retinale Tetrachromaten, schätzt Jordan. Die große Frage, der Jordan auf der Spur ist, lautet: Nehmen diese Frauen die Welt auch mit anderen Augen wahr als ein Durchschnittsmensch? Sind sie also nicht nur retinale, sondern auch funktionale Tetrachromaten? Das würde voraussetzen, dass die neuro- nalen Verschaltungen des Gehirns, die aus den Lichtwellen schließlich den subjektiven Eindruck einer Farbe entstehen lassen, flexibel genug sind, um die zusätzliche Information des vierten Zapfentyps auch in sinnvoller Weise zu verarbeiten.
   Diese Frage fasziniert nicht nur Hinrforscher, sondern rührt auch an grundlegende Probleme der Philosohie. Dort sind Farben ein klassisches Beispiel für eine sogenannte  sekundäre Qualität eines Körpers, die anders als die objektiv messbare Wellenlänge des von ihm ausgesandten Lichts erst als Produkt des menschlichen Geistes entsteht. Wie es sich anfühlt, eine rote Tomate zu betrachten, ob dieses Gefühl für verschiedene Menschen gleich ist und ob sich das Phänomen der subjektiven Erfahrung der Farbe Rot mit den Mitteln der Naturwissenschaft jemals komplett erklären lassen wird, sind zentrale Fragen der Qualia-Debatte in der Philosophie des Geistes.
   Für Gabriele Jordan bringt die Subjektivität der Farbwahrnehmung ganz praktische Probleme bei der Suche nach wahrhaft tetrachromaten Frauen mit sich. Denn in einer Gesellschaft, die auf die trichromate Farbwahrnehmung ihrer Durchschnittsmitglieder ausgerichtet ist, fällt diesen Frauen ihre spezielle Gabe unter Umständen gar nicht weiter auf. Ob ihre Probandinnen wahre Tetrachromaten sind, zeigt sich erst in speziellen Tests, etwa am Anomaloskop. „Damit können wir zwar auch nicht messen, wie es sich anfühlt, rotes Licht wahrzunehmen, aber immerhin zeigt der Test, ob und wie unterschiedlich stark verschiedene Menschen den Unterschied zwischen zwei physika- lisch ähnlichen Rottönen wahrnehmen."
   Viele Jahre lang verlief Jordans Suche nach echten, funktionalen Tetrachromatinnen ernüchternd. Zwar konnte sie in der unmittelbaren Verwandtschaft rot-grünschwacher Männer zahlreiche Frauen mit einem vierten Zapfen typ ausfindig machen. Aber beim Differenzieren verschiedener Farbtöne am Anomaloskop und anderen raffinierten Testverfahren schnitten diese Frauen nicht viel anders ab als Normalsichtige.
   Dann setzte sich eines Tages eine junge Ärztin aus Nordengland an Jordans Messgeräte, eine Mutter zweier Söhne mit einer durch einen hybridisierten Grün-Zapfen verursachten Sehschwäche. cDA29, so der Codename der Probandin, versetzte Jordan und ihre Kollegen in helle Aufregung. „Sie konnte noch die feinsten Unterschiede erkennen und machte in unseren Tests absolut keine Fehler", erzählt Jordan begeistert.
   Nach fast zwei Jahrzehnten der Suche, die sie einst zusammen mit ihrem Doktorvater John Mollon an der Uni- versität Cambridge begann, hatte Jordan endlich eine echte Tetrachromatin gefunden, über die sie 2010
im Jour- nal of Vision berichtete. Deren Existenz wirft aber einen ganzen Haufen neuer Fragen auf, allen voran die, warum all die anderen retinal tetrachromaten Frauen keinen Vorteil aus ihrem vierten Rezeptor ziehen können. Zum Teil dürfte das mit der Genetik zusammenhängen: Die Absorptionskurven mancher Hybridvarianten unterscheiden sich nur geringfügig von jenen der normalen Rot- oder Grün-Sehpigmente. Sie liefern deshalb kaum zusätzliche Infor- mation über die spektrale Zusammensetzung des ins Auge einfallenden Lichts.
   Ungeklärt ist auch die Frage, ob Tetrachromatinnen möglicherweise einen evolutionären Vorteil haben, etwa weil sie Farbe der Haut ihrer Kinder genauer analysieren und Krankheiten so früher erkennen können. Ein solcher Vorteil könnten den Nachteil für die sehschwachen Söhne zumindest teilweise ausgleichen und so die relativ hohe Ausbreitung der Hybridgene in den meisten menschlichen Populationen erklären.
   Auch die Evolution unseres Sehsystems ist offenbar noch längst nicht am Ende. Seine Ursprünge reichen etwa 40 Millionen Jahre zurück. Damals muss es in den Vorfahren von Mensch und Altweltaffen zu einer Verdopplung des Gens für jenes Sehpigment gekommen sein, das bei den fast durchgehend dichromaten Säugetieren allein für den langwelligen Grün- bis Rotbereich zuständig war. Eines der beiden zunächst identischen Gene konnte sich in der Folge ein neues Aufgabengebiet suchen. Der Grundstein zum trichromaten Sehen von Mensch und Schimpanse war gelegt.
   Jordan hofft nun über die gezielte Suche nach Frauen mit den passenden Hybrid-Genen mit Hilfe eines einfachen Gentests schneller weitere echte menschliche Tetrachromatinnen zu finden. Sie könnten Antworten auf die Frage liefern, welche Faktoren es Frauen wie cDA29 erlauben, ihren zusätzliche Sehzapfen effektiv zu nutzen, während dessen Fähigkeiten bei den meisten Frauen mit vier Zapfentypen offenbar ungenutzt bleiben. Eine weitere Kandi- datin, die aber noch genauer getestet werden müsse, gebe es bereits, so die Forscherin.
   Wie die Welt durch die Augen einer echten Tetrachromatin aussieht, wird sich dem Normalsichtigen allerdings nie so recht erschließen. „Diese private Wahrnehmung nachvollziehen zu können wäre natürlich extrem spannend", sagt Gabriele Jordan. Allerdings brauchten die Philosophen dann auch nicht mehr über das Problem der Qualia zu debattieren. Für Probandin cDA29 hielt die Teilnahme an Jordans Experimenten jedenfalls eine handfeste Über- raschung bereit: Sie hatte zuvor nicht die geringste Ahnung von ihren besonderen Fähigkeiten.
FAZ120923GeorgRüschemeyer

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Warum ist die Banane gelb? Wie Auge und Gehirn aus der spektralen Vielfalt der Welt ihre Buntheit machen

In der Netzhaut (Retina) des Wirbeltierauges finden sich neben den besonders sensitiven Stäbchen für das monochrome Dämmerungssehen meist mehrere Typen von Zapfen-Sehzellen für die Farbinformation. Viele Vögel wie der Star sind Tetrachromaten: Ihre vier Zapfentypen können Licht noch bis weit in den für uns unsichtbaren UV-Bereich wahrnehmen siehe Grafik oben. Der Mensch hat normalerweise drei verschiedene Zapfentypen, die zusammen den Wellenlängenbereich von 400 bis 750 Nanometern abdecken.
Ihre spezifische spektrale Empfindlichkeit
verdanken die Zapfen ihrem jeweiligen Sehfarbstoff aus der Klasse der lodopsine. Diese Pigmente verändern unter Lichteinwirkung ihre Molekülstruktur und lösen damit eine Signal- kaskade aus, welche die Sinneszelle schließlich als elektrischen Impuls an eine Ganglienzelle des Nervensystems weiterleitet. Erst sie erzeugt die Information über die Wellenlänge des einfallenden Lichts und damit über dessen Farbwirkung, indem sie die Signale von unterschiedlicher Zapfentypen empfängt und gegeneinander verrechnet. Entscheidend ist dabei der relative Anteil der drei Zapfentypen am Gesamtsignal. So regt reines Licht mit einer Wellenlänge von 500 Nanometer Zapfen des blauen Typs nur geringfügig an, rote Zapfen schon stärker, grüne Zapfen werden fast maximal angeregt. Erst die Integration dieser drei Signale erlaubt dem Gehirn später, den Farbeindruck „blaugrün" entstehen zu lassen.
Rund eine Million Farbtöne lassen sich schon so unterscheiden, eine Zahl, die bei menschlichen Tetrachromaten mit ihrem vierten, im gelben Bereich absorbierenden Zapfentyp nochmals um den Faktor Hundert erhöht sein könnte. Allerdings kommen die meisten Säugetiere mit einem dichromaten Farbsehsystem aus. Wale und Robben haben das Farbsehen gleich ganz an den Nagel gehängt - vermutlich, weil ihr Lebensraum ohnehin weitgehend monochrom blau ist. FAZ120923geru

Bildschirm und trockene Raumluft reizen das Auge. Viele Menschen leiden an lästigen Austrocknungen

   Es brennt und flimmert in den Augen der Bundesbürger. Augenärzte berichten, dass bereits jeder fünfte ihrer Patienten wegen Keratoconjunctivitis sicca (KCS), dem trockenen Auge, zu ihnen kommt. Seine Verbreitung nimmt zu. Das Marburger Institut für Heilverfahren schätzt, dass die Zahl der KSZ-Patienten jährlich um 10 Prozent zunimmt.
   Die Symptome: Lichtempfindlichkeit, Flimmern und Brennen, der Tränenfilm wirkt unruhig und schaumig. Die Betroffenen haben zudem das Gefühl, dass ihre Augen irgendwie müde sind und ein Fremdkörper in ihnen steckt, in einigen Fällen kommt es sogar zu Sehstörungen. Das alles ist schon lästig und schmerzhaft genug, hinzu kommt aber noch, dass der brüchige Tränenfilm keinen zuverlässigen Schutz mehr vor Erregern bietet - und damit den Weg freimacht für schwere Augeninfektionen. Es gibt also Gründe genug, das trockene Auge nicht als harmlose Bagatelle zu sehen. Erschwert wird seine Therapie allerdings dadurch, dass viele Ursachen in Frage kommen. Eine Studie der Ulmer Universitätsfrauenklinik ergab, dass von den Frauen nach den Wechseljahren etwa jede vierte am trockenen Auge leidet - ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Erkrankung oft hormonelle Hintergründe hat. Die Wiener Augenärztin Dr. Helga Azem warnt jedoch davor, das als einen Freibrief für die Hormontherapie zu nehmen. Denn in jüngster Zeit werde das trockene Auge auch immer häufiger bei jungen Menschen diagnostiziert, “und das können wir eindeutig auf die trockene, heiße Luft der Zentralheizungen, auf die schlechte Beleuchtung, vor allem auf die Computerarbeit zurückführen”.
   Vor allem Bildschirmarbeit fördert das Austrocknen der Augen. Einerseits, weil es rund um den Bildschirm nur so von elektrostatisch geladenen Staubteilchen wimmelt, die das Auge reizen können. Andererseits, weil bei der Computerarbeit nur sehr wenig geblinzelt wird. Laut einer japanischen Studie gerade einmal mit sieben Lid- schlägen pro Minute. Zum Vergleich: Beim Lesen eines Buches blinzeln wir immerhin zehn Mal die Minute, und im völlig entspannten Zustand  gehen die Augenlider sogar zwölfmal auf und zu. Je weniger jedoch die Augen blinzeln, desto mehr Augenflüssigkeit kann verdunsten. Die japanischen Forscher empfehlen daher, den Monitor tiefer zu stellen und den Schirm nach oben zu kippen. Dadurch geht der Blick eher nach unten, und es bleibt eine größere Fläche des Auges vom Lid bedeckt. Außerdem sollte man die Monitorfläche zwischen 50 und 70 Zentimeter Entfernung von den Augen postieren.
   Ansonsten können Tränenersatzmittel dem trockenen Auge seine Flüssigkeit zurückgeben. Es gibt sie neuer- dings auch in Form von Sprays, die man nicht mehr umständlich in den Bindehautsack träufeln muss, sondern auf das geschlossene Lid sprühen kann. Weniger geeignet sind hingegen augenkosmetische Mittel, die so genannten “Weissmacher”. Denn die nehmen der Bindehaut zwar etwas von ihrer entzündlichen Röte, verstärken aber längerfristig ihre Neigung zur Trockenheit.
    Ebenfalls fraglich ist der therapeutische Nutzen von Vitamin A. Es gilt zwar als klassischer Biostoff für Augen und Bindehaut, doch die wissenschaftlichen Daten belegen keinesfalls, dass es in Form von Augensalben  oder Nahrungsergänzungsmitteln auch KCS-Symptome lindert. Mehr als Hoffnung macht da schon eine Studie der Uni- versitäts-Augenklinik in Wien, wonach Akupunktur hilfreich sein kann. Versuchsleiter Dr. Johannes Nepp berichtet, dass vor allem jüngere Patienten gut auf das Nadeln angesprochen hätten. “Außerdem war die Akupunktur besonders dann erfolgreich, wenn das trockene Auge durch Wetterempfindlichkeit, psychische Probleme und Bildschirmarbeit hervorgerufen wurde.” Bei hormonellen und immunologischen Ursachen waren hingegen die Resultate weniger gut. 
JörgZittlauNOZ030503

 Künstliche Augenmuskeln

   Lässt mit dem Alter die Flexibilität der Augenlinse nach, könnte künftig ein Band aus künstlichen Muskeln die exakte Fokussierung übernehmen. Diese Alternative zur Lesebrille für Altersweitsichtige, bei der auf Knopfdruck der Augapfel etwas zusammengeschnürt wird, schlägt nun Mohsen Shahinpoor, Leiter des Institutes für künstliche Muskeln an der University of Mexico, vor. Über ein elektronisch geregeltes Magnetfeld könnten die implantierten Muskeln die Länge des Augapfels steuern und damit den Brennpunkt wieder genau auf die Netzhaut lenken, berichtet “New Scientist”. wsaHA020326

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Kleine Anfrage: Blauäugig - Was hat Blauäugigkeit mit Naivität zu tun?

   Wie kann man nur so blauäugig sein? Schließlich haben neun von zehn Menschen auf der Erde braune Augen. Noch vor 10.000 Jahren war jeder braunäugig, glaubt ein dänischer Genforscher. Seinen Untersuchungen zufolge erblickte der erste Mensch mit blauen Augen nach einer Genveränderung im heutigen mittleren Osten die Welt. Das heißt: Alle Menschen mit blauen Augen stammen im Prinzip von diesem blauäugigen Adam (?) ab.
Finnland - Land der Blauäugigen
   Die Mutation, die zu den blauen Augen führte, hat sich vor allem im nördlichen Europa durchgesetzt. Wahr- scheinlich hatten Blauäugige dort einen evolutiven Vorteil. Blaue Augen gehen meist mit heller Haut einher. Da die Sonne in nördlichen Breiten seltener und nicht so stark scheint, brauchen die Menschen dort nicht viel natürlichen Sonnenschutz durch den körpereigenen Farbstoff Melanin. Augen und Haut bleiben heller und Vitamin D kann auch bei geringem Sonnenlicht gebildet werden.
Blaue Babyaugen
  Kurz nach der Geburt haben Babys auch sehr wenig Farbstoff Melanin. Ihre Haut ist sehr hell, man muss sie vor intensiver Sonne schützen. Weil die Regenbogenhaut (Iris) von Neugeborenen sehr wenig Melanin enthält, wirken Babyaugen fast immer blau. Langwellige Lichtanteile werden im so genannten Pigmentepithel der Iris absorbiert, kurzwellige blau erscheinende Lichtanteile reflektiert. Im ersten Lebensjahr kann sich aber noch mehr Melanin bilden und die Augenfarbe verändern.
Naive Neugeborene

 In unseren Augen ist so ein kleines Baby ein völlig unschuldiges, unerfahrenes Wesen. Es hat noch keine Lebens- erfahrung und wird im Laufe seines Lebens noch aus Fehlern lernen müssen. Wir verbinden Naivität, Unschuld und Unerfahrenheit also generell mit Neugeborenen. Und da fast alle Babys - zumindest in Mittel- und Nordeuropa - blaue Augen haben, wird die Blauäugigkeit zum Symbol für Naivität. 
Deutsche Geschichte vor Augen
   Dies erklärt aber noch nicht, warum die Blauäugigkeit ? also die Naivität ? dermaßen negativ empfunden wird. Diese negative Bedeutung hat mit der deutschen Geschichte zu tun. Im Nationalsozialismus wurden blaue Augen, blonde Haare und ein athletischer Körper als Merkmale des germanisch-deutschen Helden angesehen. In der Nachkriegszeit verkehrte sich die Symbolik. Ein Blauäugiger erschien nicht mehr als Held, sondern als naiver, leicht zu verführender Mitläufer.
Leonardo100127 

                   kbwn:achtblind

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