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Nachtblindheit, Farbenblindheit, Gesichtsblindheit, “blau-Ă€ugig” - PhĂ€nomene und Hilfen
Ein technisches Auge fĂŒr die Dunkelheit. NachtsichtgerĂ€te können einen hohen Beitrag fĂŒr mehr Verkehrssicherheit leisten
Ist sie nicht angeboren, dann setzt sie ab vierzig schleichend ein: die Nachtblindheit. Erst in höhe- rem Alter werden sich viele Autofahrer ihrer bewusst - wenn ĂŒberhaupt. Unter UmstĂ€nden erst bei einer Unfallanalyse. Der Verband der AugenĂ€rzte sagt, dass jeder siebte Mensch in Deutschland davon mehr oder weniger betroffen sei. Sie zeigt sich dadurch, dass die Augen immer lĂ€nger brauchen, um sich von hell auf dunkel einzustellen etwa bei entgegenkommenden Scheinwerfern. Nachtblindheit bedeutet aber auch eine deutlich reduzierte Sehleistung in DĂ€mmerung und Dunkel- heit, dadurch steigt die Unfallgefahr bei Nacht erheblich an. Deshalb sind die neuen Nachtsicht- systeme von Autoliv, Bosch und demnĂ€chst auch Hella und Siemens-VDO wertvolle Assistenten, auf die man bei Nachtfahrten nicht verzichten sollte: Auf Infrarotbildern werden in einem Display die nötigen Bildinformationen rechtzeitig eingeblendet. Das beste Argument fĂŒr diese Sicherheitstechnik liefert die Statistik: In der Nacht spielen sich nur 25 Prozent des tagsĂŒber laufenden Verkehrsaufkommens ab. Und doch ereignen sich in dieser dunklen Zeit 40 Prozent aller VerkehrsunfĂ€lle mit tödlichem Ausgang. Reflektorstreifen und gesetzlich vor- geschriebene Warnwesten sind sicher eine gute Sache, doch welches Reh trĂ€gt schon eine Warn- weste oder Jacke mit Reflektorstreifen? Allerdings ist diese Technik nicht fĂŒr kleines Geld zu haben. Sie kostet knapp 2.000 Euro und ist bei BMW (5er, 6er und 7er) und bei Mercedes-Benz (S-Klasse und bald E-Klasse) zu haben. Andere Her- steller, ob sie sich mit Vorsprung durch Technik oder als Sicherheitsweltmeister rĂŒhmen, haben dieses Plus an Sicherheit und Durchblick noch nicht in ihrer Ausstattungsliste - aus der Sicht von Fach- journalisten ist das nicht zu verstehen. Rund 140 von ihnen haben die Night-Vision-Systeme von Autoliv bei BMW und Bosch bei Mercedes-Benz bei âTopauto”, dem Preis der deutschsprachigen Motorjournalisten, zur wichtigsten Innovation aus dem Jahr 2006 gekĂŒrt. Beide Systeme fĂŒhren zum Erfolg, wenn auch mit unterschiedlicher Philosophie und Technik. Beim schwedischen Zulieferer Autoliv erfasst eine WĂ€rmebildkamera ihr Vorfeld bis auf eine Entfernung von 300 Meter. Sie sitzt unterhalb des StoĂfĂ€ngers und nutzt den Effekt, dass Objekte, insbesondere Mensch und Tier, WĂ€rme abstrahlen und sich dadurch deutlich vom kĂ€lteren Umfeld abgrenzen. Ein Rechner visualisiert die bei ihm (passiv) ankommenden, von den Objekten abgestrahlten langwelligen Infrarotstrahlen ĂŒber den groĂen Bildschirm des BMW i-Drive-Systems. Das Reh am dunklen Waldes- rand erscheint nun hell auf dem ansonsten grauen Bildschirm und bewirkt durch die Helligkeit einen sofortigen Blick auf das Display, so selbstverstĂ€ndlich, wie man bei Licht im RĂŒckspiegel nach hinten schaut. Die aufgehellten Objekte wirken wie eine Warnanzeige. Man hat genĂŒgend Zeit, angemessen zu reagieren. Spricht man bei dem System von Autoliv/BMW von passiver Infrarottechnik, handelt es sich bei Bosch /Mercedes-Benz um ein aktives Konzept. Dieser Systemansatz ist auch von Hella mit dem Namen Adilis (Advanced Infrared Lighting System)bekannt. In beiden FĂ€llen leuchten spezielle Lampen aktiv mit fĂŒr das menschliche Auge unsichtbarem, kurzwelligem Infrarotlicht breit die Fahrbahn und FahrbahnrĂ€nder bis auf 150 Meter im voraus aus, also soweit wie mit aufgeblendeten Xenon- Scheinwerfern. Mercedes projiziert das schwarzweiĂe Infrarotbild direkt ins Blickfeld des Fahrers, nĂ€mlich ins Armaturenbrett, anstelle der dann ausgeblendeten digitalen Tachoanzeige. Es erscheint ein scharfes, recht realistisches Bild, auf dem sich der StraĂenverlauf und alle Objekte gleichermaĂen erkennen lassen. Das unterschiedliche Bildangebot von aktivem und passivem System zeigt denn auch die verschiede- nen Philosophien der Konzepte. BMW rĂ€umt der rechtzeitigen Erkennbarkeit von Personen und Tieren mit eindringlichem Warncharakter die PrioritĂ€t ein. Auf dem eigenen GrundstĂŒck kann auch die Katze in der Einfahrt oder ein Dieb vor dem Haus noch erkannt werden. Allerdings zu Lasten von GegenstĂ€nden auf der StraĂe. Mercedes zeigt auch den Felsblock oder den verlorenen Auspuff des Vorausfahrenden auf der StraĂe. Parkende Autos und BĂ€ume am StraĂenrand sind klar zu erkennen. Mensch und Tier heben sich aber nicht schĂ€rfer ab als der daneben stehende Baum. Das realistische Bild warnt also nicht eindringlich, lĂ€sst aber die Gefahrensituation aufgrund der RealitĂ€tsnĂ€he gut erkennen. Unter 15 km/h geht das Bild allerdings aus. Der Projektverantwortliche bei Autoliv, Peter Teichmann, kĂŒndigt jetzt schon eine deutlich erhöhte Rechnerleistung an, die eine bessere Bildauflösung auch fĂŒr das passive System erlaubt, wenn die Autohersteller ihrerseits geeignetere Displays zur VerfĂŒgung stellen. PaulSchinhofenFAZ060328
Nachtblindheit: Die Fahrt ins schwarze Loch
Nachtblindheit kann schlimme Folgen haben. Experten schĂ€tzen, dass nachtblinde Fahrer ebenso viele UnfĂ€lle mit Personenschaden verursachen wie Betrunkene. Wie man Nachtblindheit erkennt Die Fahrt von der hellen StraĂe in den dunklen Tunnel ist wie eine Reise ins schwarze Loch. In der DĂ€mmerung werden die Konturen unscharf, und die Scheinwerfer von entgegenkommenden Autos ver- schwimmen. Das sind erste Anzeichen von Nachtblindheit. Ein Alarmsignal ist aber nicht nur das schlechte Sehen beim Autofahren. Auch wer nachts im dunklen Schlafzimmer Orientierungsprobleme hat und sich hĂ€ufiger an Möbeln stöĂt, sollte einen Augenarzt aufsuchen. HĂ€ufig wird Nachtblindheit zu spĂ€t bemerkt, weil die Krankheit schleichend einsetzt. Wie funktioniert das Sehen in der Nacht? Im Auge gibt es hoch spezialisierte Sinneszellen, unter anderem die so genannten StĂ€bchenzellen. Die Netzhaut des Auges ist mit etwa 120 Millionen dieser Zellen ausgestattet. Sie sind fĂŒr das Sehen in der DĂ€mmerung und im Dunkeln verantwortlich. Diese StĂ€bchenzellen reagieren fĂŒnfhundert Mal empfindlicher auf einfallendes Licht als die Zapfenzellen, mit denen wir scharf und bunt sehen. Wenn die StĂ€bchenzellen nicht mehr richtig funktionieren, sieht man in der DĂ€mmerung schlecht. Wie erkennt der Arzt Nachtblindheit? Ob ein Patient nachtblind ist, ist relativ leicht festzustellen, erklĂ€rt Professor Frank Holz, Leiter der Bonner Augenklinik: “Eine Untersuchungsmethode besteht darin, dass der Patient erst fĂŒr einige Minu- ten in ganz helles Lichts schaut, und dann misst man die Empfindlichkeit der Netzhaut mit der Zeit. Das heiĂt, man misst einfach, wie lange es braucht, bis man sich an die dunkle Umgebung gewöhnt hat und wieder etwas erkennt. Und wenn jemand eine beginnende Nachtblindheit hat, dauert diese Anpassung unter UmstĂ€nden sehr, sehr lange.” Welche Ursachen hat Nachtblindheit? Nachtblindheit kann die Folge einer vererbten Fehlfunktion der Netzhaut-StĂ€bchen sein. Diese Seh- störung fĂ€llt meist schon im Kindesalter auf und ist nicht heilbar. Eine andere genetische Ursache ist die Retinitis pigmentosa. Hier degeneriert die Netzhaut bis zur völligen Erblindung. Auch diese Störung ist bisher nicht therapierbar. Auch der graue Star kann ein Grund fĂŒr das schlechte Sehen in der DĂ€mmerung sein, erklĂ€rt Professor Holz. “Der graue Star bedeutet, dass die Linse eintrĂŒbt. Das ist, als ob sie in ihrer Kamera ein trĂŒbes Objektiv haben, dann kriegen sie kein scharfes Bild, und das ist gerade in der Nacht be- sonders hinderlich. Diese trĂŒbe Linse kann entfernt werden, dann wird ein Kunststoffimplantat als Kunstlinse ins Auge gesetzt. Eine Operation, die mit örtlicher BetĂ€ubung gut durchfĂŒhrbar ist in 20 Minuten.” Eine weitere behandelbare Ursache der Nachtblindheit ist die Nachtkurzsichtigkeit. Dagegen hilft eine Brille, die immer im Auto liegen sollte. Nachtblindheit kann aber auch etwas mit Vitamin-A-Mangel zu tun haben. Dieses Vitamin brauchen die StĂ€bchenzellen der Netzhaut fĂŒr ihren speziellen Sehfarb- stoff. Vitamin A kann der Körper nicht selbst produzieren, deswegen sind die Zellen darauf angewiesen, dass dieser NĂ€hrstoff mit der Nahrung aufgenommen wird. Leber- und Magen-Darm- Erkrankungen können die Vitaminaufnahme behindern. Wie wird Nachtblindheit behandelt? Die Behandlung setzt bei den jeweiligen Ursachen an und kann daher sehr unterschiedlich aus- sehen. Manchmal wird eine Brille verschrieben, manchmal hilft Vitamin A, in einigen FĂ€llen muss operiert werden. Was ist zu tun? Schon seit Jahren fordert der Berufsverband der AugenĂ€rzte einen regelmĂ€Ăigen “Augen TĂV” fĂŒr alle Autofahrer. Vorgeschrieben ist der in Deutschland bisher nur fĂŒr FĂŒhrerschein-Neulinge und Berufskraftfahrer. Andere LĂ€nder sind strenger. In Italien zum Beispiel mĂŒssen ĂŒber 50-jĂ€hrige alle fĂŒnf Jahre einen Sehtest machen, sonst wird der FĂŒhrerschein nicht verlĂ€ngert. Wer ĂŒber 70 ist, muss alle drei Jahre zum “Augen TĂV”. Solange in Deutschland solche Tests nicht zur Pflicht gemacht werden, sollten vor allem Ă€ltere Menschen selbstkritisch sein und beim Verdacht auf Nachtblindheit schnell zum Arzt gehen. Information: Berufsverband der AugenĂ€rzte Deutschlands (BVA), 40474 DĂŒsseldorf, Tersteegenstr. 12, Tel. 0211 / 430 37 00, http://www.augeninfo.de Pro Retina Deutschland, Vaalser Str.108, 52074 Aachen, T:0241-87 00 18 www.pro-retina.de Leonardo041116
Sehtest
Bei einem Sehtest des ADAC mit ĂŒber 1.000 Teilnehmern fiel fast die HĂ€lfte der Untersuchten beim DĂ€mmerungstest durch. 60 Prozent der Autofahrer hĂ€tten auf Grund ihrer SehmĂ€ngel zumindest eine Brille gebraucht und bei 22 Prozent der BrillentrĂ€ger reichte die GlasstĂ€rke nicht mehr aus. HA021113
Halbblind am Steuer. Die ĂŒblichen Sehtests fĂŒr Autofahrer sind unzureichend. Es mangelt in Deutschland immer noch an der Anwendung europĂ€ischer Normen.
Autofahrer, deren Sehvermögen eingeschrĂ€nkt ist, sind ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig schuld an Ver- kehrsunfĂ€llen. JĂŒngste Studien zeigen, dass Patienten, die am GrĂŒnen Star, der Glaukomkrankheit, leiden, sechsmal so oft in AutounfĂ€lle verwickelt sind wie Menschen mit gesunden Augen. Wenn die Augenlinse wie beim Katarakt, dem Grauen Star, getrĂŒbt ist, verdoppelt bis verdreifacht sich das Risiko, einen ZusammenstoĂ im StraĂenverkehr zu erleiden. Dennoch trĂ€gt die Rechtslage dem hierzu- lande so wenig Rechnung, dass im europĂ€ischen Ausland ganz offen von den âlaschen” deutschen Regelungen gesprochen wird. Nicht allein das Fehlen einer regelmĂ€Ăigen ĂberprĂŒfung der Fahr- tĂŒchtigkeit von Autofahrern fĂ€llt hierunter. Dazu zĂ€hlt auch, dass wichtige Passagen einer euro- pĂ€ischen Richtlinie aus dem Jahr 1991 in Deutschland immer noch nicht an- gewendet werden. Sie macht fĂŒr die Erteilung der Fahrerlaubnis zur Voraussetzung, dass auch das Sehvermögen bei DĂ€mmerung und die Blendempfindlichkeit getestet werden. Auf diese MissstĂ€nde machte unlĂ€ngst Bernhard Lachenmayr, Augenarzt in MĂŒnchen und langjĂ€hriger Vorsitzender der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, auf der Jahrestagung dieser augenĂ€rztlichen Fach- gesellschaft in Berlin aufmerksam. In einer eigenen Untersuchung hat Lachenmayr zeigen können, dass Unfallfahrer ĂŒbermĂ€Ăig empfind- lich auf Blendung reagieren und doppelt bis dreimal so oft wie das unfallfreie Vergleichskollektiv ein unzureichendes Sehvermögen bei DĂ€mmerung oder bei Nacht aufweisen. Schon normalerweise nehmen im Dunkeln viele Sehfunktionen ab, die SehschĂ€rfe sinkt um die HĂ€lfte. Denn die hauptsĂ€chlich fĂŒr die Scharfeinstellung zustĂ€ndigen Sinnesrezeptoren, die Zapfen der Netzhaut, werden bei der Anpassung an die Dunkelheit mehr und mehr von den weniger scharfsichtigen StĂ€bchen abgelöst. Auch Farb- unterschiede werden deutlich schlechter wahrgenommen, alle Katzen werden grau. So kommt es, dass bei manchen Augenerkrankungen zwar noch keinerlei AusfĂ€lle zu erkennen sind, wenn die SehschĂ€rfe bei Tageslicht getestet wird. Mit beginnender Dunkelheit beeintrĂ€chtigen sie das Sehvermögen aber bereits massiv. In Deutschland wird - entgegen der Europanorm - eine Untersuchung, die dies aufdecken könnte, weder zur Bedingung fĂŒr den Erwerb des normalen PKW-FĂŒhrerscheins gemacht, noch mĂŒssen Berufs- kraftfahrer ihre DĂ€mmerungstauglichkeit unter Beweis stellen. Auch kann man hierzulande mit schlech- ten Augen nicht nur leichter einen FĂŒhrerschein erwerben, sondern ihn auch lĂ€nger behalten. Anders als in den meisten Industrienationen gibt es in Deutschland keine Pflicht fĂŒr Autofahrer, die Seh- tĂŒchtigkeit regelmĂ€Ăig prĂŒfen zu lassen. Dabei ist nicht daran zu rĂŒtteln, dass Augenerkrankungen, die im Alter zunehmen und einen GroĂteil der Bevölkerung treffen, das Augenlicht empfindlich beeintrĂ€ch- tigen können. Dazu zĂ€hlen der GrĂŒne und der Graue Star, die altersbedingte Makuladegeneration und zunehmend auch die diabetische Retinopathie. Gelegentlich gibt es Versuche, die Gefahren, die durch das zweifelsfrei nachlassende Sehvermögen Ă€lterer Verkehrsteilnehmer entstehen, dadurch zu verharmlosen, dass man auf deren selbst auferlegte BeschrĂ€nkungen hinweist. Ăltere fĂŒhren eben nicht mehr so schnell, seien allgemein vorsichtiger als junge DraufgĂ€nger, daher seien sie auch seltener in UnfĂ€lle verwickelt als jĂŒngere Verkehrsteilnehmer. Das zeugt vom gleichen Mangel an Einsicht in die Sachlage, wie er auch bei den Verkehrsteilnehmern zu beobachten ist. TatsĂ€chlich bewerten die Unfallfahrer, das belegt die Erhebung von Lachenmayr, ihr Sehvermögen als sehr gut. Wie eine Untersuchung an zuckerkranken Autofahrern zeigte, waren die AugenschĂ€den bei der HĂ€lfte so weit fortgeschritten, dass dies fĂŒr eine Fahrerlaubnis eigentlich nicht ausreichte. Am wenigsten wollen sich offenbar Ă€ltere MĂ€nner ihre UnzulĂ€nglichkeiten als Fahrer eingestehen. Weit öfter als Frauen fahren sie noch nachts, obwohl hierfĂŒr ihr Sehvermögen nicht mehr ausreicht. In der Altersgruppe der ĂŒber 85-JĂ€hrigen fahren sechs- bis siebenmal mehr MĂ€nner noch nachts Auto als Frauen. Lachenmayr bezweifelte zudem in einem GesprĂ€ch, dass Defizite beim DĂ€mmerungssehen durch vorsichtigeres oder langsameres Fahren ausgeglichen werden können. AuĂerdem zeige sich,dass Ă€ltere Verkehrsteilnehmer deutlich öfter an UnfĂ€llen beteiligt seien, wenn man die UnfallhĂ€ufigkeit auf die gefahrenen Kilometer beziehe. Ăltere Personen können sich auch nicht auf ihre Fitness berufen. Bremstests haben unlĂ€ngst ergeben, dass auch jene, die in guter körperlicher Verfassung sind, nicht reaktionsschnell vom Gas gehen, wenn ihre Augen beeintrĂ€chtigt sind. Der Augenarzt, das gab Lachenmayr seinen Kollegen zu bedenken, kann haftbar gemacht werden, wenn er seine Patienten nicht nachweislich auf ihre Defizite aufmerksam macht. Die notwendigen Konsequenzen kann er freilich nicht erzwingen. Allerdings gebe es auch völlig uneinsichtige Patienten, die sich noch halbblind in ihr Auto setzten. Dann mĂŒsse der Augenarzt zum Schutz der ĂŒbrigen Verkehrsteilnehmer erwĂ€gen, das bei der zustĂ€ndigen Fahrerlaubnisbehörde zu melden. MartinaLenzen-Schulte FAZ071017
Probleme bei Lichtwechsel
Die Augen mancher Menschen gewöhnen sich schlecht an Wechsel der LichtverhĂ€ltnisse. Dieser langsamen Anpassung liegt ein genetischer Defekt zu Grunde, berichtet ein internationales For- scherteam in “Nature”. Betroffene sind fĂŒnf bis zehn Sekunden blind. Das Team um Thaddeus Dryja von der Harvard-UniversitĂ€t in Boston fand beim Erbgut von fĂŒnf nicht verwandten Personen Muta- tionen in einem Gen, das Informationen fĂŒr ein in Sehprozesse eingebundenes Enzym trĂ€gt. ddp/HA031230
Augenlaser korrigiert auch Nachtblindheit. Modernes DiagnosegerĂ€t hilft Ărzten bei der Operation
Mit UnterstĂŒtzung moderner LasergerĂ€te, so genannter Aberrometer, können auf Lasik-Operationen spezialisierte AugenĂ€rzte die Streuungen der Hornhaut exakt berechnen. Dadurch sei es möglich, bei einer Augenlaseroperation wegen einer Kurz- oder Weitsichtigkeit gleichzeitig schlechtes Kontrast- sehen, Blendungen und Nachtblindheit zu korrigieren, sagt Joachim Köhler, Lasik-Chirurg im hannover- schen EuroEyes-Augenlaserzentrum. Bei der Aberrometrie genannten Diagnosemethode bĂŒndelt das GerĂ€t einen Lichtstrahl auf die Netzhaut. Davon ausgehend breitet sich eine Wellenfront durch Linse und Hornhaut hindurch aus, die um so unregelmĂ€Ăiger ist, je gröĂer die Fehlsichtigkeit, die HornhautkrĂŒmmung und die Streuungen auf der Hornhaut sind. Aus den gewonnenen sechs DatensĂ€tzen pro Auge berechnet ein spezielles Computerprogramm, wie viel Gewebe bei der Operation abgetragen werden muss, um die Hornhaut optimal zu modellieren. âEs gibt viele Aberrationen, die groĂe Störungen beim DĂ€mmerungssehen machen. Die können wir messen und mit dem Laser behandeln”, erklĂ€rt Köhler. Auch die Hannoveranerin Claudia R. hat sich fĂŒr eine aberrometergesteuerte Laseroperation entschieden, um bei der Korrektur ihrer Kurzsichtigkeit von sechs Dioptrien weitere mögliche Streueffekte gleich mit auszuschlieĂen. Bei der Operation hobelt ein automatisch gesteuertes Messer zunĂ€chst eine hauchdĂŒnne Scheibe(Flap) von der Hornhaut. Diese wird zur Seite geklappt, wĂ€hrend der computergesteuerte Laser an- hand der vorher ermittelten Werte die Hornhaut modelliert. AnschlieĂend decken die Chirurgen die Wunde wieder mit dem Flap ab, der sich in kurzer Zeit fest ansaugt. Bereits eine halbe Stunde spĂ€ter hat Claudia R. etwa 70 bis 80 Prozent ihres Sehvermögens erreicht, nach drei bis vier Wochen ist die Wunde komplett verheilt. Die aufwendige Technik hat allerdings ihren Preis: Pro Auge werden bei einer aberrometer- gesteuerten Lasik knapp 5.000 Euro fĂ€llig. Gesetzliche Krankenkassen erstatten diesen Betrag nicht, private nur nach PrĂŒfung des Einzelfalls. zeHAZ040614
Gesichtsblindheit: Vermutlich Millionen Menschen betroffen
Es gibt Menschen, die trotz normaler Intelligenz und gutem Sehvermögen nicht in der Lage sind, Gesichter zu unterscheiden. Fachsprachlich heiĂt dieses PhĂ€nomen Prosopagnosie, auf Deutsch Gesichtsblindheit. Lange Zeit nahmen die Forscher an, dass es extrem selten sei. Ein amerikanisch- britisches Forscherteam hat durch Tests mit mehr als 1.600 Personen nun herausgefunden, dass Gesichtsblindheit vermutlich sehr viel hĂ€ufiger vorkommt als bisher bekannt war, wie sie in der Zeitschrift Neuropsychologia schreiben. “Bis vor wenigen Jahren sind weltweit nur etwa 100 FĂ€lle von Gesichtsblindheit dokumentiert worden, aber es scheint so zu sein, dass diese Erscheinung sehr viel weniger selten ist als bisher angenommen worden ist”, erklĂ€rt Ken Nakayama von der Harvard University. âEin Test von 1.600 Individuen zeigte, dass etwa zwei Prozent der allgemeinen Bevölkerung betroffen sein könnte. Die SchĂ€tzung einer deutschen Studie kommt zu einem Ă€hnlichen Ergebnis. Es ist vorstellbar, dass Millionen Menschen Symptome der Prosopagnosie zeigen, vielleicht sogar ohne es zu wissen.” Die Daten passen zu einer Studie, die 2004 an der UniversitĂ€t MĂŒnster durchgefĂŒhrt wurde. Damit könnten Millionen Menschen mehr oder weniger ernsthafte Probleme haben, die Menschen, mit denen sie tĂ€glich zu tun haben, zu erkennen. Die Störung kann im Laufe des Lebens durch eine Hirnverletzung auftreten, sie kann aber auch von Geburt an vorhanden sein. Die Menschen, die von Geburt an gesichtsblind sind, erkennen ihre Behinderung oft nicht, da sie ja nicht wissen, dass der Rest der Menschheit Gesichter ganz anders wahrnimmt als sie. In bestimmten Tests konnten Nakayama und Kollegen die Störung nachweisen. So zeigten sie etwa Probanden eine Reihe von Bildern verschiedener Objekte - HĂ€user, Autos, Werkzeuge - und von Gesichtern. Einige der Bilder wurden in der PrĂ€sentation wiederholt. Die Probanden sollten angeben, welche Bilder sie schon einmal gesehen hatten. Die Gesichtsblinden erkannten korrekt fast alle Dublet- ten im Objektbereich, konnten aber bei den Gesichtern nicht sagen, ob sie sie vorher schon einmal in der Reihe gesehen hatten. Wie viele Behinderte ersinnen auch Gesichtsblinde Strategien, um die Behinderung zu kompen- sieren. Sie orientieren sich zur Erkennung anderer Menschen an Haarfarben, Stimmen, der Gangart und natĂŒrlich dem Situationskontext. Dennoch bleiben fĂŒr sie viele Situationen schwierig zu meistern. Viele Gesichtsblinde können beispielsweise nur mit MĂŒhe Spielfilme sehen, weil sie die Handlungen der ein- zelnen Figuren, die ja hauptsĂ€chlich aufgrund ihres Gesichts unterschieden werden, nicht richtig verfolgen können. Bis heute ist Gesichtsblindheit nicht heilbar. Man weiĂ auch noch zu wenig ĂŒber diese Störung. Doch als Betroffene(r) zu wissen, dass man damit nicht allein ist, kann schon ein Trost sein. FĂŒr Menschen, die den Verdacht haben, dass sie unter Gesichtsblindheit leiden, haben Ken Nakayama, Richard Russell und Gayle Speck sowie Bradley Duchaine vom University College auf ihrer Website www.faceblind.org eine Kontaktmöglichkeit geschaffen (nicht auf Deutsch). Forscher der UniversitĂ€t MĂŒnster bieten fĂŒr Deutschsprachige die Kontaktmöglichkeit www.prosopagnosie.de/kontakt.html an. Mehr unter: Harvard University: http://www.harvard.edu

Ich kann mir nicht . . . Gesichter merken Foto: Gisela Hoitz aus MĂŒnster ist gelernte Russisch-Dolmetscherin und Fachfrau fĂŒr Barrierefreiheit
Versuchen tu ich's ja. Aber das ist bei mir wie bei einem Fotoapparat ohne Film drin: Ich kann mir Gesichter einfach nicht merken. Wenn ich die Person spĂ€ter wiedersehe, kann es passieren, dass ich sie einfach nicht wiedererkenne. Ich helfe mir mit einer Art kognitivem Karteikartensystem. Auf dem steht zum Beispiel: lockige Haare, rote Jacke, schmal, mit Fahrrad unterwegs. Das hilft manchmal. Leichter ist es, wenn ich Menschen in ihrer gewohnten Umgebung begegne, zum Beispiel der VerkĂ€uferin hinter der KĂ€setheke. Wenn die aber im Konzert neben mir sitzt, erkenne ich sie nicht wieder. Das schlimmste Erlebnis war, als mich meine Tochter mal im BĂŒro besucht hat: falsche Person, falscher Ort. Ich brauchte ewig, bis ich sie erkannt hatte. Ins Kino gehe ich so gut wie nie. Ich kann einfach die Schauspieler nicht auseinanderhalten. Oder nur, wenn es ganz wenige sind: ein Mann und eine Frau oder ein alter und ein junger Mensch. Mein Lieblingsfilm ist daher âDinner for One". Mittlerweile gehe ich ganz offen mit meiner Gesichtsblindheit um. Ich sage den Leuten: âWenn wir uns das nĂ€chste Mal sehen, werde ich Sie nicht erkennen." Dass es Gesichtsblindheit als Krankheit ĂŒber- haupt gibt, weiĂ ich erst seit sechs Jahren. Ich war direkt erleichtert, als ich es erfuhr. So ist es mir wenigstens nicht peinlich, denn ich kann ja nichts daran Ă€ndern. Vorher hatte ich mir halt gedacht: Warste mal wieder zerstreut oder so. Jetzt weiĂ ich, dass es handfeste GrĂŒnde fĂŒr meine Fehler gibt. Jeder hat doch ne Macke. Auf der anderen Seite sind viele Gesichtsblinde einseitig begabt. So ist das auch bei mir, ich spreche Russisch, Polnisch, DĂ€nisch, Norwegisch, Englisch und Spanisch. Das fĂ€llt mir eben leicht. Chrismon0905
Was sehen Blinde
In dem MĂ€rchenbuch âDie unendliche Geschichte“ beschreibt Michael Ende, dass sich das Land Phantasien mehr und mehr auflöst. Es ist durchsetzt von Löchern, die aus Nichts bestehen. Wenn man diese Löcher ansieht, so heiĂt es im Buch, fĂŒhle man sch, als sei man blind geworden. Doch was empfinden blinde Menschen eigentlich? Sehen sie wirklich nichts? Und wenn sie doch etwas sehen, was sehen sie dann? Diese Frage stellte sich auch ein Hörer des WDR, Konrad Gerull aus Bielefeld, der selbst erblindet ist, aber noch Helligkeitswahrnehmungen hat - eine Art dunklen oder hellen Nebel, wie er schreibt. Er möchte wissen, ob es Unterschiede gibt je nach Art der Erblindung. Dies zu beantworten ist allerdings sehr kompliziert. Denn blind ist nicht gleich blind. Die GrĂŒnde, warum ein Mensch nicht mehr sehen kann, sind unglaublich vielfĂ€ltig. Ein Grund kann eine Verletzung oder Erkrankung der Augen selbst sein. Es werden keine visuellen Reize mehr von auĂen aufgenommen. Doch das Sehzentrum im Gehirn ist noch in Ordnung. Bei anderen sind die Augen gesund, aber das Sehzentrum ist angegriffen, etwa durch einen Schlaganfall, einen Tumor oder einen Unfall. Diese Blinden können nicht bewusst wahrnehmen, dass ihre Augen eigentlich noch Informationen aufnehmen. Auch macht es einen Unter- schied, ob jemand blind oder sehend geboren wurde. Bei Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens erblinden, ist das Sehzentrum im Gehirn ausgeprĂ€gt und arbeitet zum Teil selbstĂ€ndig weiter. Sie können sich oft sehr gut Dinge vorstellen und vor ihrem inneren Auge hervorrufen. Auch die Erinnerung an beispielsweise Farben kann bestehen bleiben, wenn sie vielleicht auch verblasst. Das Gehirn kann aber auch visuelle Halluzinationen hervorrufen, zum Beispiel Lichtblitze oder eine verĂ€n- derte Helligkeitswahrnehmung, die aber nichts mit einer Ănderung der Helligkeit ihrer Umwelt zu tun hat. Das Nichts, von dem viele Blinde oft sprechen, ist fĂŒr Sehende natĂŒrlich nur schwer vorstellbar. Sich einfach die HĂ€nde vor die Augen zu halten, trifft es nicht – das berichten auch Menschen, die nur auf einem Auge erblindet sind und den Unterschied dadurch an sich selbst erleben. Man kann es aber wohl vergleichen mit dem, was der Hinterkopf wahrnimmt. Dort sind keine Augen, und in diesem Bereich ist auch ein sehender Mensch eigentlich blind. Aber er fĂŒhlt sich dort nicht blind. Links: Essay von dem bekannten Neurologen Oliver Sacks zum Thema: âWas Blinde sehen”, in einer Information des Schweizerischen Zentralvereins fĂŒr das Blindenwesen SZB. www.szb.ch/download/deutsch/szb_info/info_134.pdf (Beginn des Essays auf S.34) www.szb.ch/download/deutsch/szb_info/info_134.doc (Beginn S.47 unten) Leonardo0512
Lichtschutz mit Sonnenbrille
Graue und braune FĂ€rbungen sind fĂŒr das Autofahren geeignet. Es ist mittlerweile unstrittig, dass ultraviolettes Licht fĂŒr SchĂ€den an den Augen verantwortlich ist. Lichtschutzbrillen sind daher unentbehrlich. Doch welches der zahlreichen farbigen GlĂ€ser nutzt wem am besten? ZunĂ€chst das Material: Die Sichtscheibe kann aus mineralischem Glas oder aus Kunststoff gefertigt werden. Glas ist vergleichsweise schwer, aber fĂŒr höhere Fehlsichtigkeiten durch variable Brechungsindizes besser geeignet. Kunststoff ist leichter und daher bei Hitze angenehmer zu tragen. PlanglĂ€ser ohne optische Wirkung können in der Masse gefĂ€rbt werden, ihre Lichtreduktion ist dann von der Glasdicke abhĂ€n- gig. Optisch wirksame GlĂ€ser kann man mit einer Ăberfangschicht versehen oder eine Farbschicht im Hochvakuum aufdampfen. FĂŒr den StraĂenverkehr sollten graue und braune FĂ€rbungen bevorzugt werden, damit das Erkennen von Signalen nicht beeintrĂ€chtigt wird. Es gibt Lichtreduktionen von 10 bis 98 Prozent, ĂŒblich sind fĂŒr Sonnenbrillen 65 bis 75. FĂŒr das Fahren bei Nacht liegt der Grenzwert fĂŒr eine Tönung/FĂ€rbung laut DIN bei 25 Prozent, ungetönte klare und superentspiegelte GlĂ€ser sind jedoch deutlich besser und daher vorzuziehen. Gute Lichtschutzbrillen sollten möglichst beidseitig entspiegelt sein, um Reflexe zu mindern. Das Ver- hĂ€ltnis Störlicht zu Nutzlicht steigt bei dunklen GlĂ€sern immerhin von 9 auf 20 Prozent. Die Entspiege- lung Umbra Super ET von Zeiss beispielsweise erzeugt einen goldfarbigen Restreflex von nur noch 0,6 Prozent je FlĂ€che. Auch “weiĂe” GlĂ€ser sollten fĂŒr Autofahrer eine gute Entspiegelung haben, weil sie den Kontrast verbessert und als harte Schutzschicht wirkt. Der UV-Schutz ist heute bereits bei preisgĂŒnstigen GlĂ€sern gewĂ€hrleistet. Eine Besonderheit stellen die Skylet sport, road und fun dar. Im Vergleich zu anderen weisen sie eine eingeschrĂ€nkte Transmission im kurzwelligen blauen Anteil auf, dafĂŒr ist die Transmission im Bereich der höchsten Tageslicht-Empfindlichkeit des Auges verbessert. Ihre Wirkung Ă€hnelt der eines Dunstfilters, der den Kontrast beachtlich optimiert. SkyPol als drittes besonderes Kunststoffglas wiederum hat einen polarisierenden Filter, besonders geeignet gegen die Sonne bei nasser StraĂe. Phototrope GlĂ€ser können als Allround-GlĂ€ser bezeichnet werden, das in ihnen verarbeitete durch- sichtige Silbersalz fĂ€rbt sich durch UV-Strahlung ein. Im Gegensatz zum Fotofilm ist dieser Vorgang viele tausend Mal reversibel. Ihre Technik wurde in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, so dass sie sich schon bei wenig UV-Licht und in warmer Umgebung ausreichend einfĂ€rben. Wegen ihres groĂen “Hubs” von 15 bis 75 Prozent können entspiegelte GlĂ€ser dieses Typs jetzt auch bei der Nachtfahrt getragen werden. Auf die Brille geklemmte VorhĂ€nger sind nur als Notlösung zu empfehlen, weil die Zahl optischer FlĂ€chen verdoppelt wird. Zudem sind sie grundsĂ€tzlich nicht entspiegelt. Wenn gelegentlich behauptet wird, es gebe sichtverbessernde Brillen fĂŒr Nachtfahrten, so ist das Unsinn. “Nebelbrillen” gaukeln dem Fahrer Sonnenschein und bessere Fernsicht vor und verfĂŒhren zu schnellerem Fahren. Die Wirkung gelber GlĂ€ser und Lampen ist rein psychologischer Natur. Ihre “Erfindung” im Ersten Weltkrieg diente den Franzosen lediglich zur Unterscheidung ihrer Fahrzeuge von denen der Gegner. Mittlerweile hat sich das weiĂe Licht ohnehin durchgesetzt. FAZ040810
Mit Sonnenbrille lesen
Ohne Sonnenbrille in der prallen Sonne zu lesen, kann die Augen schwer schĂ€digen: Durch das weiĂe Papier wird das reflektierte Sonnenlicht auf eine Stelle im Auge gebĂŒndelt, warnt die UniversitĂ€t Bonn. Bleibende SchĂ€den an Linse und Netzhaut, die das Sehvermögen beeintrĂ€chtigen, sind schmerzlos und machen sich erst ĂŒber Jahre bemerkbar. SpĂ€tfolgen sind die LinsentrĂŒbung, der so genannte Graue Star, oder die Makula-Degeneration, eine Netzhauterkrankung, bei der die Stelle des schĂ€rfsten Sehens geschĂ€digt ist. dpaHA050611
neuer Augenschutz: Skibrille “Magic Google”
Die Skibrille âMagic goggle” von Uvex verdunkelt auf Knopfdruck und kann so den LichtverhĂ€ltnissen angepasst werden. Der Prototyp wurde auf der Sportartikelmesse Ispo gezeigt. Ăber FlĂŒssigkeits- kristalle lĂ€sst sich die Brillenscheibe binnen Millisekunden verdunkeln und wieder aufhellen. Der Augenschutz nach Erprobung in den USA auf den Markt kommen. FAZggf050215
Kognitionswissenschaft: Blinde denken schneller!
Blinde können offenbar nicht nur besser hören als Sehende, sondern auch schneller denken. Zu dieser Erkenntnis kam Brigitte Röder, Psychologin an der UniversitĂ€t Marburg, zusammen mit Kollegen von der UniversitĂ€t Oregon in Eugene. Aufgefallen war der Forscherin, dass Blinde HörbĂŒcher schneller “durchhören”. Die Forscher untersuchten an einer Probandengruppe, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob Blinde allgemein Sprache schneller verarbeiten können. Ein Elektronenzephalograph zeichnete die Gehirnwellen auf, wĂ€hrend die Versuchspersonen die Ent- scheidung trafen, ob ein vorgelesener Satz einen Sinn hatte. Bei den Blinden zeigte sich das Signal schon nach der HĂ€lfte der Zeit. Ein Grund fĂŒr die schnellere Sprachverarbeitung könnte sein, so die Forscher, dass bei Blinden Regionen im hinteren Teil des Gehirns, die bei Sehenden virtuelle Reize verarbeiten, annektiert wurden von jenen Arealen, die fĂŒr Sprachverarbeitung zustĂ€ndig sind, - damit sie mithelfen. Die Studie erschien in der Zeitschrift “Neuropsychologica” Vol. 38, S.1482. wsaHA001024
Blinde können besser GerÀusche orten
Blinde Menschen können sich besser anhand von GerĂ€uschen orientieren als Sehende, das ist bereits seit lĂ€ngerem bekannt. Unklar war jedoch, ob das an ihrer erhöhten Aufmerksamkeit oder an einem besseren Gehör liegt. Eine kanadische Forschergruppe um Frederic Gougoux hat das RĂ€tsel jetzt lösen können. Bei ihren Versuchen konnte sie zeigen, dass blinde Menschen bis zu zehnmal besser die rĂ€umliche Herkunft eines GerĂ€usches identifizieren können. âBesonders stark zeigte sich der Effekt bei frĂŒhzeitig Erblindeten”, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift âNature”. Demnach konnten Menschen, die bereits vor ihrem siebten Lebensjahr ihr Augenlicht verloren hatten, am besten Ge- rĂ€usche orten. FĂŒr die Forscher ein wichtiger Hinweis auf feste Zeitfenster in der Gehirnentwicklung, innerhalb derer sich die Nervenzellen miteinander verschalten. artHAZ040729
Blinde hören auch auf die Weite besser
Blinde können entfernte GerĂ€usche rĂ€umlich besser einordnen als Sehende. Das hat eine Forscher- gruppe um Franco Lepore an der UniversitĂ€t von Montreal herausgefunden. Dass Blinde ĂŒber gute bis herausragende FĂ€higkeiten bei der akustischen Orientierung verfĂŒgen, ist zwar lange bekannt. Praktisch alle bisherigen Untersuchen haben sich aber auf das Hören im unmittelbaren Nahbereich beschrĂ€nkt. Die kanadischen Forscher haben nun blinde Versuchspersonen in einem groĂen Raum mit mehr oder weniger lauten GerĂ€uschen aus unterschiedlichen Winkeln konfrontiert. Dabei zeigte sich, dass die Probanden ein gutes RaumgefĂŒhl entwickelten. Sie konnten die Richtung und Entfernung hervorragend schĂ€tzen, auch wenn die GerĂ€usche leise waren Current Biology”, Bd.14,S.1734. Die besonderen Sinnesleistungen zeigten auch Probanden, die erst im Erwachsenenalter erblindet waren. Das ist nach Ansicht der Forscher ein weiterer Beleg fĂŒr eine anhaltende KompensationsfĂ€higkeit des Gehirns. FAZ041006
Blinde haben besseres AugenmaĂ als Sehende
Die GröĂe vertrauter GegenstĂ€nde wie ein Laib Brot können Blinde mit den HĂ€nden korrekter wiedergeben als Sehende. Zu diesem verblĂŒffenden Ergebnis kommt eine Studie neuseelĂ€ndischer Wissenschaftlerinnen, die sie in âPsychological Science” veröffentlicht haben. Ăber 100 Personen - Blinde und Sehende - waren an dem Experiment beteiligt: Sie sollten nach Be- fĂŒhlung beziehungsweise Betrachtung vertrauter GegenstĂ€nde wie Brotlaib, Eier-Palette oder Wasser- Karaffe die GröĂe mit den HĂ€nden darstellen. Ăberraschenderweise konnte bei mehr als hundert sehenden Teilnehmern mit normaler SehstĂ€rke eine deutliche ĂberschĂ€tzung der ObjektgröĂen fest- gestellt werden. Das legt fĂŒr die Forscherinnen die Vermutung nahe, dass das visuelle GedĂ€chtnis der Sehenden sehr ungenau ist. Die blinden Versuchsteilnehmer schĂ€tzten im GroĂen und Ganzen die GröĂe der GegenstĂ€nde richtig ein. Die Forscherinnen fĂŒhren dies auf verschiedene Spezialisierungen der GedĂ€chtnisse von Blinden und Sehenden zurĂŒck. Blinde merken sich GröĂenverhĂ€ltnisse von handhabbaren GegenstĂ€nden durch Anfassen, Sehende verlassen sich auf ihre Augen und liegen damit leichter falsch. Link: University of Otago: http://www.otago.ac.nz AmericanPsychologicalScienceLeonardo0504
Brille fĂŒr Farbenblinde. Computer soll individuelle KorrekturglĂ€ser herstellen
Der Göttinger Physiker Markus Gregor hat eine Korrekturbrille fĂŒr Farbenblinde entwickelt. Mit dem GerĂ€t können wichtige Sehfehler korrigiert werden. Weltweit leiden etwa 180 Millionen Menschen darunter, dass sie Farben nicht richtig erkennen und unterscheiden können. Ursache ist ein genetischer Defekt, der hauptsĂ€chlich bei MĂ€nnern auftritt. Die Brille könnte Abhilfe schaffen, berich- tet die der Biotechnologieverbund Bio-RegioN in Niedersachsen. Im Idealfall kann ein Mensch bis zu 10.000 Farbunterschiede erkennen. Bei Farbenblinden sind zwar alle Farbrezeptoren im Auge vorhanden, aber mindestens ein Rezeptor weicht in seiner SensitivitĂ€t ab. Dadurch ist das Farbunterscheidungsvermögen in einigen Bereichen geringer. âIst der Rot-Rezeptor zu zehn Prozent eingeschrĂ€nkt, wird eine rote Verkehrsampel schon als grĂŒn wahrgenommen”, sagt Gregor. Um die SehschwĂ€che zu lindern, muss der Grad der Störung exakt bestimmt werden. âUnge- naue Messungen und nicht individuell angepasste Sehhilfen waren die Hauptursachen dafĂŒr, warum die bis lang im Markt angebotenen Produkte den Betroffenen nicht den erhofften Erfolg brachten”, erklĂ€rt der Wissenschaftler. Mit einem computergesteuerten Sehtest gelang Gregor der Durchbruch. Mit diesem Verfahren kann der Grad der Farbfehlsichtigkeit mit einer so hohen PrĂ€zision bestimmt werden, dass die Abweichung nur noch im Prozentbereich liegt. Auf der Basis hat der Physiker eine Farbkorrektursehhilfe, die mit einem speziellen mathematischen Optimierungsverfahren berechnet und aus gĂ€ngigen Filtermaterialien kombiniert wurde, entwickelt. Erste Untersuchungen an 40 Probanden haben den Erfolg bestĂ€tigt. Alle Patienten konnten gĂ€ngige Farbverwechslungsbereiche erstmals richtig unterscheiden. Gregor arbeitet derzeit an der Serienreife des Produkts. HAZpte050221

Wie sehen eigentlich Farben aus? – 3.000 Deutsche wissen es nicht
Die Welt, in der er lebt, ist bunt. Aber was das heiĂt, weiĂ Nils nicht. Der FĂŒnfjĂ€hrige ist farbenblind. Nils hat braune Haare, braune Augen, er trĂ€gt mittelblaue Jeans und ein hellblaues T-Shirt. Doch im Spiegel sieht der FĂŒnfjĂ€hrige sich ganz in Grau. Seit seiner Geburt lebt der aufgeweckte und fröhliche Junge aus dem westfĂ€lischen Dorsten in einer Welt in Schwarz-WeiĂ. Farben kennt er nur vom Hörensagen. Denn Nils leidet unter der sehr seltenen Erbkrankheit Achroma- topsie. Laut Hochrechnungen leben etwa 3.000 Menschen bundesweit mit dem Gendefekt. âFĂ€lschlicherweise bezeichnen viele Menschen Sehstörungen wie die Rot-GrĂŒn-SchwĂ€che als Farben- blindheit", sagt Nils' Vater Olav Hagemann. âDas ist aber eigentlich falsch, da hier nur gewisse Farben nicht wahrgenommen werden." Achromaten hingegen sind gĂ€nzlich und im wahrsten Sinne des Wortes farbenblind: Die zur Wahrnehmung benötigten Sinneszellen auf der Netzhaut, die sogenannten Zapfen, funktionieren nicht. Lediglich die Sinneszellen fĂŒr das Sehen im Dunkeln, die StĂ€bchen, stehen zur Ver- fĂŒgung. Daher sind Achromaten nicht nur farbenblind, sondern auch ĂŒberempfindlich gegen Licht. Ihre Augen können sich nicht an helle LichtverhĂ€ltnisse anpassen und arbeiten immer im âNachtmodus". Bei Dunkelheit werden nach dem Willen der Evolution nur Schemen wahrgenommen, um Gefahren schnell zu erkennen. Die SehstĂ€rke ist bei diesem Gendefekt daher stark reduziert. âSie entspricht nur rund zehn Prozent von der eines Normalsichtigen", erlĂ€utert Hagemann. Er rief 2005 in Dorsten eine der ersten Achromatopsje-Selbsthilfe-gruppe ins Leben. 80 Mitglieder sind hier organisiert, davon 31 Be- troffene. âAls Nils knapp drei Monate alt war, sind wir erstmals auf seine Erkrankung aufmerksam geworden", erinnert sich der Vater. Indiz war das auffĂ€llige Augenzittern, mit dem das Auge versuchte, die Seh- schwĂ€che auszugleichen. Nach dem Verdacht einer AugenĂ€rztin brachte ein Gentest an der Uni-Klinik kurze Zeit spĂ€ter Gewissheit. Dass die Krankheit so frĂŒh entdeckt wurde, sieht der Vater als GlĂŒcksfall. âSo konnten wir ihn auch mithilfe von PĂ€dagogen fĂŒr Sehbehinderungen von frĂŒhester Kindheit an gezielt fördern." Buntstifte werden etwa mit Symbolen markiert. Dank solcher Hilfen kann Nils heute in vielen Situationen die Seh- behinderung mit seinen anderen Sinnen und seinem ausgezeichneten GedĂ€chtnis ausgleichen. âBis- weilen vergisst man die Krankheit sogar", schildert der Vater. âNur bei Fragen, wie ,Kann ich noch ein StĂŒck rote Schokolade haben?' merken wir wieder, was er nicht sehen kann." Brillen oder Kontaktlinsen können die eingeschrĂ€nkte SehfĂ€higkeit durch Achromatopsie um keinen Deut verbessern. Trotzdem sind die Betroffenen im Alltag auf Spezial-Brillen mit zumeist roten GlĂ€sern angewiesen.» Gewöhnliche Sonnenbrillen können die Blendung nicht abhalten. Auch Fernsehen, Kino und viele Computerspiele sind nichts fĂŒr Achromaten, da sie die Augen mehr blenden als unterhalten. âGenaue Zahlen sucht man leider vergebens, da vielen Betroffenen gar nicht bewusst ist, dass sie unter Achromatopsie leiden", sagt Hagemann. So ging es etwa Marlies Lankes aus Schermbeck in Nordrhein-Westfalen. Erst vor drei Jahren diagnostizierte eine AugenĂ€rztin bei der 61-JĂ€hrigen Achromatopsie. âDie Jahre davor waren wie ein Martyrium", erinnert sie sich heute. âNiemand wusste, was ich habe - weder niedergelassene Ărzte noch Mediziner von der Uni-Klinik." âDa die Krankheit nur extrem selten vorkommt, ist vielen Farbenblinden gar nicht bewusst, dass sie von dem Gendefekt betroffen sind", sagte Barbara Schaperdoth-Gerlings, OberĂ€rztin an der Essener Sehbehinderten-Ambulanz. NOZ090204dpa
Was Farbblinde unterscheiden
Jeder zwölfte Mann kann rote und grĂŒne Farbtöne nicht zuverlĂ€ssig erkennen. Diese maĂgeblich ĂŒber die Mutter vererbte Farbblindheit fĂŒhrt zu Nachteilen im Beruf. Doch können die Rot-GrĂŒn- Blinden feine Unterschiede bei Khakitönen deutlich besser unterscheiden als Normalsichtige, berichten britische Wissenschaftler der University of Newcastle Upon Tyne und der University of Cambridge in âCurrent Biology” Vol.15, S. R950-R952. wsaHA051207
Farbenblindheit testen
Mit Euro Farbenblindheit testen. Euro-MĂŒnzen als Schnelltest fĂŒr Farbenblindheit: Das rötliche 5-Cent- StĂŒck ist fĂŒr einen Rot-GrĂŒn-Blinden farblich nicht vom gelblichen 20-Cent-StĂŒck zu unterscheiden, berichten spanische Physiker um Maria Isabel Suero von der UniversitĂ€t Extremadura in “Optic Express” (Band 10 Seite 527). Mit Farbmessungen konnten sie die Ăhnlichkeit der MĂŒnzen bestĂ€tigen. Der Farbwert der kupfernen 1-, 2- und 5-Cent-MĂŒnzen liegt genau neben dem der goldenen 10-, 20- und 50-Cent-StĂŒcke. ddpHA020716
Navigation - Hilfe fĂŒr Farbenblinde
Der Hersteller Navigon verbessert die Kartendarstellung seiner NavigationsgerĂ€te fĂŒr Menschen mit FarbsehschwĂ€che. Die im Display erscheinenden Elemente wurden so verĂ€ndert, dass auch Nutzer mit Rot-GrĂŒn-SehschwĂ€che ihre Route klar erkennen können. Eine Umfrage hatte ergeben, dass Betroffene die Route zum Teil nur schwer von auf der Karte verzeichneten BundesstraĂen unter- scheiden konnten. Durch modifizierte Farben hebt sich die Route nun auch fĂŒr sie besser ab. Die neue Farbpalette kommt in den Karten aller neuen NavigationsgerĂ€te zum Einsatz. Den Angaben zufolge sind rund acht Prozent der MĂ€nner und 0,4 Prozent der Frauen von einer angeborenen Rot-GrĂŒn- SehschwĂ€che betroffen - das sind in Deutschland rund 3,2 Millionen Menschen. HA090429tmn
Farbenblinde Affen kuriert
Mit Gentherapie haben US-Wissenschaftler zwei farbenblinde TotenkopfĂ€ffchen kuriert: die Tiere, die von Natur aus rot-grĂŒn-blind sind, konnten nach der Behandlung die beiden Farben unterscheiden. Farbenblinden fehlt ein bestimmter Typ von Sinneszellen im Auge - das Gen dafĂŒr bekamen die Ăffchen verabreicht. Das Spannende daran: FĂŒrs Sehen ist nicht nur das Auge zustĂ€ndig, sondern genauso das Gehirn, das die neuen Signale verarbeiten muss. Nach der Kindheit ist das Gehirn eigentlich weniger anpassungsfĂ€hig. Die Affen waren aber schon erwachsen - im Fall der Farbenblindheit scheint das also kein Problem zu sein. Quelle: Nature/Leonardo090917
Farbenblindheit: Bei Verdacht Arzt aufsuchen
Wer das GefĂŒhl hat, manche Farben nicht richtig voneinander unterscheiden zu können, sollte beim Augenarzt einen Test auf eine Farbfehlsichtigkeit machen lassen. Das Gleiche gilt auch fĂŒr diejenigen, die Probleme mit farbigen Kontrasten haben. SchlieĂlich sind etwa ein Prozent aller Frauen und neun Prozent der MĂ€nner von der im Volksmund Farbenblindheit genannten Sehstörung betroffen. âEine Farbsinnstörung wird durch ein spezielles GerĂ€t, den Spektralfarbenmischapparat, beim Augenarzt sicher diÂagnostiziert", erklĂ€rt Georg Eckert vom BerufsverÂband der AugenĂ€rzte. NOZ100127ddp Einen Farbsehtest finden Sie auf unserer Seite > Test
Bildschirm und trockene Raumluft reizen das Auge. Viele Menschen leiden an lÀstigen Austrocknungen
Es brennt und flimmert in den Augen der BundesbĂŒrger. AugenĂ€rzte berichten, dass bereits jeder fĂŒnfte ihrer Patienten wegen Keratoconjunctivitis sicca (KCS), dem trockenen Auge, zu ihnen kommt. Seine Verbreitung nimmt zu. Das Marburger Institut fĂŒr Heilverfahren schĂ€tzt, dass die Zahl der KSZ- Patienten jĂ€hrlich um 10 Prozent zunimmt. Die Symptome: Lichtempfindlichkeit, Flimmern und Brennen, der TrĂ€nenfilm wirkt unruhig und schaumig. Die Betroffenen haben zudem das GefĂŒhl, dass ihre Augen irgendwie mĂŒde sind und ein Fremdkörper in ihnen steckt, in einigen FĂ€llen kommt es sogar zu Sehstörungen. Das alles ist schon lĂ€stig und schmerzhaft genug, hinzu kommt aber noch, dass der brĂŒchige TrĂ€nenfilm keinen zuver- lĂ€ssigen Schutz mehr vor Erregern bietet - und damit den Weg freimacht fĂŒr schwere Augen- infektionen. Es gibt also GrĂŒnde genug, das trockene Auge nicht als harmlose Bagatelle zu sehen. Erschwert wird seine Therapie allerdings dadurch, dass viele Ursachen in Frage kommen. Eine Studie der Ulmer UniversitĂ€tsfrauenklinik ergab, dass von den Frauen nach den Wechseljahren etwa jede vierte am trockenen Auge leidet - ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Erkrankung oft hormonelle HintergrĂŒnde hat. Die Wiener AugenĂ€rztin Dr. Helga Azem warnt jedoch davor, das als einen Freibrief fĂŒr die Hormontherapie zu nehmen. Denn in jĂŒngster Zeit werde das trockene Auge auch immer hĂ€ufi- ger bei jungen Menschen diagnostiziert, “und das können wir eindeutig auf die trockene, heiĂe Luft der Zentralheizungen, auf die schlechte Beleuchtung, vor allem auf die Computerarbeit zurĂŒckfĂŒhren”. Vor allem Bildschirmarbeit fördert das Austrocknen der Augen. Einerseits, weil es rund um den Bild- schirm nur so von elektrostatisch geladenen Staubteilchen wimmelt, die das Auge reizen können. Andererseits, weil bei der Computerarbeit nur sehr wenig geblinzelt wird. Laut einer japanischen Studie gerade einmal mit sieben LidschlĂ€gen pro Minute. Zum Vergleich: Beim Lesen eines Buches blinzeln wir immerhin zehn Mal die Minute, und im völlig entspannten Zustand gehen die Augenlider sogar zwölfmal auf und zu. Je weniger jedoch die Augen blinzeln, desto mehr AugenflĂŒssigkeit kann verdunsten. Die japanischen Forscher empfehlen daher, den Monitor tiefer zu stellen und den Schirm nach oben zu kippen. Dadurch geht der Blick eher nach unten, und es bleibt eine gröĂere FlĂ€che des Auges vom Lid bedeckt. AuĂerdem sollte man die MonitorflĂ€che zwischen 50 und 70 Zentimeter Entfernung von den Augen postieren. Ansonsten können TrĂ€nenersatzmittel dem trockenen Auge seine FlĂŒssigkeit zurĂŒckgeben. Es gibt sie neuerdings auch in Form von Sprays, die man nicht mehr umstĂ€ndlich in den Bindehautsack trĂ€ufeln muss, sondern auf das geschlossene Lid sprĂŒhen kann. Weniger geeignet sind hingegen augenkosmetische Mittel, die so genannten “WeiĂmacher”. Denn die nehmen der Bindehaut zwar etwas von ihrer entzĂŒndlichen Röte, verstĂ€rken aber lĂ€ngerfristig ihre Neigung zur Trockenheit. Ebenfalls fraglich ist der therapeutische Nutzen von Vitamin A. Es gilt zwar als klassischer Biostoff fĂŒr Augen und Bindehaut, doch die wissenschaftlichen Daten belegen keinesfalls, dass es in Form von Augensalben oder NahrungsergĂ€nzungsmitteln auch KCS-Symptome lindert. Mehr als Hoffnung macht da schon eine Studie der UniversitĂ€ts-Augenklinik in Wien, wonach Akupunktur hilfreich sein kann. Versuchsleiter Dr. Johannes Nepp berichtet, dass vor allem jĂŒngere Patienten gut auf das Nadeln angesprochen hĂ€tten. “AuĂerdem war die Akupunktur besonders dann erfolgreich, wenn das trockene Auge durch Wetterempfindlichkeit, psychische Probleme und Bildschirmarbeit hervorgerufen wurde.” Bei hormonellen und immunologischen Ursachen waren hingegen die Resultate weniger gut. JörgZittlauNOZ030503
KĂŒnstliche Augenmuskeln
LĂ€sst mit dem Alter die FlexibilitĂ€t der Augenlinse nach, könnte kĂŒnftig ein Band aus kĂŒnstlichen Muskeln die exakte Fokussierung ĂŒbernehmen. Diese Alternative zur Lesebrille fĂŒr Altersweitsichtige, bei der auf Knopfdruck der Augapfel etwas zusammengeschnĂŒrt wird, schlĂ€gt nun Mohsen Sha- hinpoor, Leiter des Institutes fĂŒr kĂŒnstliche Muskeln an der University of Mexico, vor. Ăber ein elek- tronisch geregeltes Magnetfeld könnten die implantierten Muskeln die LĂ€nge des Augapfels steuern und damit den Brennpunkt wieder genau auf die Netzhaut lenken, berichtet “New Scientist”. wsaHA020326

Kleine Anfrage: BlauÀugig - Was hat BlauÀugigkeit mit NaivitÀt zu tun?
Wie kann man nur so blauĂ€ugig sein? SchlieĂlich haben neun von zehn Menschen auf der Erde braune Augen. Noch vor 10.000 Jahren war jeder braunĂ€ugig, glaubt ein dĂ€nischer Genforscher. Seinen Untersuchungen zufolge erblickte der erste Mensch mit blauen Augen nach einer Gen- verĂ€nderung im heutigen mittleren Osten die Welt. Das heiĂt: Alle Menschen mit blauen Augen stammen im Prinzip von diesem ? blauĂ€ugigen Adam ? ab. Finnland - Land der BlauĂ€ugigen Die Mutation, die zu den blauen Augen fĂŒhrte, hat sich vor allem im nördlichen Europa durchgesetzt. Wahrscheinlich hatten BlauĂ€ugige dort einen evolutiven Vorteil. Blaue Augen gehen meist mit heller Haut einher. Da die Sonne in nördlichen Breiten seltener und nicht so stark scheint, brauchen die Menschen dort nicht viel natĂŒrlichen Sonnenschutz durch den körpereigenen Farbstoff Melanin. Augen und Haut bleiben heller und Vitamin D kann auch bei geringem Sonnenlicht gebildet werden. Blaue Babyaugen Kurz nach der Geburt haben Babys auch sehr wenig Farbstoff Melanin. Ihre Haut ist sehr hell, man muss sie vor intensiver Sonne schĂŒtzen. Weil die Regenbogenhaut (Iris) von Neugeborenen sehr wenig Melanin enthĂ€lt, wirken Babyaugen fast immer blau. Langwellige Lichtanteile werden im so genannten Pigmentepithel der Iris absorbiert, kurzwellige blau erscheinende Lichtanteile reflektiert. Im ersten Lebensjahr kann sich aber noch mehr Melanin bilden und die Augenfarbe verĂ€ndern. Naive Neugeborene In unseren Augen ist so ein kleines Baby ein völlig unschuldiges, unerfahrenes Wesen. Es hat noch keine Lebenserfahrung und wird im Laufe seines Lebens noch aus Fehlern lernen mĂŒssen. Wir ver- binden NaivitĂ€t, Unschuld und Unerfahrenheit also generell mit Neugeborenen. Und da fast alle Babys - zumindest in Mittel- und Nordeuropa - blaue Augen haben, wird die BlauĂ€ugigkeit zum Symbol fĂŒr NaivitĂ€t. Deutsche Geschichte vor Augen Dies erklĂ€rt aber noch nicht, warum die BlauĂ€ugigkeit ? also die NaivitĂ€t ? dermaĂen negativ empfunden wird. Diese negative Bedeutung hat mit der deutschen Geschichte zu tun. Im Nationalsozialismus wurden blaue Augen, blonde Haare und ein athletischer Körper als Merkmale des germanisch-deutschen Helden angesehen. In der Nachkriegszeit verkehrte sich die Symbolik. Ein BlauĂ€ugiger erschien nicht mehr als Held, sondern als naiver, leicht zu verfĂŒhrender MitlĂ€ufer. Leonardo100127
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