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Berichte aus der norddeutschen Kirche aus dem Erzbistum Hamburg mit Bistum Hildesheim, Bistum Osnabrück und dem Offizialat Vechta

In Osnabrück wollen Katholiken, Juden und Muslime ihre Kinder gemeinsam lehren. Eine Schule für drei Weltreligionen - „Das ist ein Zukunftsprojekt für unser Land": Fotos: Michael Grünberg (v.l.), Generalvikar Theo Paul und Avni Altiner - Wappen Diözese Osnabrück
Das Bistum Osnabrück plant ein bundesweit einmaliges Schulprojekt. Gemeinsam mit Juden und Muslim will die katholische Kirche in Osnabrück eine Grundschule betreiben. Vertreter von Moschee- gemeinden und der Jüdischen Gemeinde Osnabrück sollen zusammen mit Katholiken den Beirat der freien Schule bilden. Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) versprach eine wohlmeinende Prüfung des Konzepts: „Solch eine Schule passt vorzüglich in unsere Friedensstadt Osnabrück", erklärte er. „Wir wollen auf jeden Fall keine weiße Wand", erklärte Generalvikar Paul gestern etwas amüsiert. Journalisten hatten gefragt, ob ein Kreuz oder ein Symbol der beiden anderen Religionsgemein- schaften in der künftigen Schule hängen werde. „Zusammen werden wir über die passenden Symbole und Zeichen nachdenken", sagte Paul. „Für uns ist dies auch ein historischer Tag." Schule könne dafür sorgen, dass „Menschen verschiedener Religionen friedlich zusammenleben". Die Johannisschule in der Osnabrücker Innenstadt mit derzeit etwa 160 Kindern ist eine sogenannte Bekenntnisschule, eine staatliche Schule in städtischer Trägerschaft für katholische Kinder. Zusam- men mit der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und dem Landesverband der Muslime in Niedersachsen schlägt das katholische Bistum nun vor, die Johannisschule in die Trägerschaft der Kirche zu über- nehmen. Aus der alten Bekenntnisschule würde „eine katholische Grundschule in Kooperation mit den jüdischen und muslimischen Bürgern dieser Stadt", erklärte Paul. Der Religionsunterricht werde von Lehrern der jeweiligen Glaubensgemeinschaft erteilt. Religiöse Feste aller drei Gemeinschaften sollten das Leben der künftigen Ganztagsschule prägen. „Wir sind überzeugt, dass dies ein Zukunftsprojekt für unser Land ist", erklärte Avni Altiner, Vorsitzender der Schura, des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen. Kinder würden ihre Er- fahrungen des Miteinanders aus der Schule mit in ihre Familien tragen, sagte Altiner. „Die Religion zu leben, das muss gestärkt werden. Und das geht in einer solchen Schule wunderbar", erklärte Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Ob das Konzept der drei Religionsgemeinschaften tatsächlich umgesetzt wird, hängt jetzt vom Ergebnis der Verhandlungen mit der Stadt und mit der Schulverwaltung ab. Frühesten im Sommer 2011 kann die gemeinsame Grundschule starten. Bis dahin sind noch einige Details zu klären, und auch Überzeugungsarbeit muss noch geleistet werden. HAZ090905BernhardRemmers

Drei Weltreligionen in einer Nussschale. Das Bistum Osnabrück treibt ein ungewöhnliches multireligiöses Projekt voran. Foto oben rechts: Bischof Dr. Franz-Josef Bode, begrüßt vor dem Dom von Osnabrück den türkischen Präsidenten Abdullah Gül und Bundespräsident Christian Wulff. Foto links: So sieht Einigkeit aus: (v.l.) Avni Altimer, Theo Paul, Michael Grünberg, Winfried Vernburg
Der Presseandrang war groß, als das Bistum im Kulturforum des Doms seine Pläne für eine ganz außergewöhnliche Spielart von Ökumene darlegte. Denn alle Beobachter wussten: Der Plan einer gemeinsamen Grundschule für Christen, Juden und Muslime, angeregt von der katholischen Kirche, ist nichts weniger als eine Sensation. Generalvikar Theo Paul freute sich sichtlich darüber, dass das Projekt in den letzten Tagen so weit vorangetrieben wurde, dass er nun damit an die Öffentlichkeit gehen konnte. Aber auch Michael Grünberg als Vertreter der jüdischen Gemeinde Osnabrück und Avni Altiner, Vorsitzender der „Schura", Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V., verhehlten ihre Genugtuung nicht. Das Bistum erreicht mit diesem Projekt dreierlei. Die Johannisschule, jene kleine Nussschale, in der sich demnächst drei Weltregionen drängeln sollen, wäre unter neuer Trägerschaft in ihrem Bestand gesichert; die katholische Kirche führt die multireligiösen Ansätze in der Friedensstadt Osnabrück auf eine neue Ebene; schließlich: Die evangelische Kirche steht dort beiseite, wo sie freudig hätte mit- machen sollen. Die Landeskirche hatte kein Interesse. Gleichwohl sind evangelische Kinder an der künftigen Schule, die eine “verbundene Ganztagsschule” sein soll, willkommen, wie Dr. Winfried Verburg, im Generalvikariat für Schulen und Hochschulen zuständig, unterstreicht. Er legt dar, dass auch die praktischen Folgen eines solchen Dreierbundes schon bedacht sind: Die Schulspeisung etwa findet gemäß der jeweiligen religiösen Gebräuche statt, gemeinsam, aber eben anders. Die religiösen Symbole aller drei Religionen sollen ihren Platz finden und sich nicht gegenseitig stören. Theo Paul schlägt einen großen Kreis. Er sieht das Projekt als Teilstück des Weges der Christen von einer Westkirche zu einer Weltkirche. „Gesellschaft wird morgen sein, was Schule heute ist", zitiert er einen klugen Bischof. Die neue Schule soll ein Ort sein, an dem die Kinder in gegenseitigem Respekt voneinander lernen. Respektvoll heißt für Paul: „In versöhnter Verschiedenheit", womit er die Standartformel der skep- tischen Ökumeniker beider christlichen Konfessionen aufgreift. So gibt es für jene Schülergruppe „ihren“ Religionsunterricht, auch werden ihnen jeweils eigene Lehrer zugeordnet. Michael Grünberg sieht für die israelische Seite in dem Projekt „die Fortsetzung des Dialogs und der Arbeit, die wir in Osnabrück leisten". Nebenbei teilt er mit, dass demnächst in einem katholischen Kindergarten eine Gruppe jüdischer Kinder Einzug halten wird. Avin Altiner unterstreicht, das. „abrahamitische Projekt" sei auch wegen seiner friedensstiftenden Außenwirkung bedeutsam und könnte ein Beispiel für ganz Deutschland sein. Zum 01. August 2012 sollte, wenn es nach dem Bistum geht, die neue Schule ihre Arbeit aufnehmen. Das Konzept, das der Stadt vorliegt, müsste spätestens bis Mai 2010 umgesetzt werden, damit die Anmeldungen vonstattengehen können. Bleibt es bei der bisher üblichen öffentlichen Förderung, brauchen die Eltern kein Schulgeld zu zahlen. ON090906re

Foto oben und unten: Johannisschule Osnabrück

Drei Religionen unter einem Schuldach Der Rat der Stadt Osnabrück macht den Weg für die „trialogische“ Johannisschule frei
Im August 2012 wird die Johannisschule zu einer „trialogischen Grundschule". Dann sollen dort Kinder der drei sich auf den Stammvater Abraham beziehenden Religionen Judentum, Christentum und Islam gemeinsam unterrichtet werden. Träger dieser neuen Modellschule wird die Schulstiftung des Bistums Osnabrück. So hat es der Rat der Stadt Osnabrück am Dienstagabend beschlossen. Nachdem der zuständige Fachausschuss des Rates sich zuvor nicht auf einen Beschluss einigen konnte, legten die drei Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde (CDU), Thomas Thiele (FDP) und Michael Hagedorn (Grüne) einen gemeinsamen persönlichen Antrag vor. Dessen Kern war die Überlassung des Schulgebäudes der Johannisschule an die bischöfliche Schulstiftung für die trialogische Grundschule bei Aufteilung der anfallenden Betriebskosten zu zwei Dritteln auf die Stadt Osnabrück und einem Drittel auf die Kirche. Damit wurden die Konditionen gegenüber dem bisherigen Verhandlungsstand noch einmal nachgebessert. Hintergrund für das Antragsverfahren: Offenbar war zumindest die Fraktion der Grünen in dieser Frage gespalten, weshalb denn auch der SPD-Fraktionsvorsitzende eine geheime Abstimmung verlangte. Am Ende konnte der Ratsvorsitzende Josef Thöle nach einer langen und konzentrierten Debatte mit 15 Wortmeldungen das Ergebnis der geheimen Abstimmung verkünden: Mit 25 zu 21 Stimmen kam damit eine über ein Jahr währende Kontroverse zum Abschluss. Zuvor hatten Befürworter und Gegner noch einmal ihre Argumente ausgetauscht. Fritz Brickwedde sprach von einer „einmaligen Chance", in Osnabrück ein Modellprojekt zu verwirklichen. Es sei ein Schritt zu mehr Integration, wenn Kinder aus drei Religionen gemeinsam ihren Glauben leben, zusammen feiern und darüber einander ernst nehmen könnten. Thomas Thiele nannte die neue Schule ein „Zusatzangebot" und wegen ihres Modellcharakters einen „Gewinn für alle". Sprecher der SPD hielten dagegen, das Miteinander der Bekenntnisse und Religionen sei ohnehin in jeder Gemeinschaftsgrundschule gelebte Praxis. Paul Meimberg (SPD) warnte davor, als Privatschule mit Aufnahmekriterien werde die trialogische Grundschule eine spezielle bildungsorientierte Klientel anspre- chen und damit zulasten anderer Grundschulen „privilegiert sein". Die Position der Verwaltung stellte Oberbürgermeister Boris Pistorius heraus: Zwar sei das Konzept grundsätzlich nicht schlecht, allerdings werde das Miteinander der Religionen an jeder Grundschule gelebt. Vor diesem Hintergrund müsse die Stadt auch die Kosten bedenken. „Im Ergebnis zahlen wir das Sechsfache für ein Konzept, das andere Schulen auch leisten können", sagte Pistorius, „das Bistum be- stimmt die Inhalte, und deshalb ist es keine ökumenische Schule." NOZ101216FrankHenrichvark
Wegen dieses für die Bundesrepublik bedeutsamen Schulprojekts in der Stadt Osnabrück bringen wir hier eine ausführliche Übersicht über den Stand der Planung dieser gmeinsamen Schule.

Gemeinsame Schule für Christen, Juden und Muslime Das Bistum Osnabrück plant gemeinsam mit Juden und Muslimen die Einrichtung einer Grundschule für Kinder aller drei Religionen. Foto: Planen eine gemeinsame Grundschule von links: Michael Grünberg (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück), Theo Paul (Generalvikar des Bistums Osnabrück) und Avni Altiner (Vorsitzender des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen e.V.).
Nach den bisherigen Überlegungen soll die Johannisschule in der Osnabrücker Innenstadt in die Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums übergehen. Derzeit ist die Stadt Osnabrück Träger der so genannten katholischen Bekenntnisschule. Das Bistum wolle in Osnabrück mit dem gemeinsamen Projekt die guten Beziehungen zwischen den Religionen in der Stadt des Westfälischen Friedens vertiefen und ausbauen, unterstrich Generalvikar Theo Paul. Konzept für eine Grundschule in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit dem Profil "Abrahamische Religionen": Die Idee des Bistums Osnabrück und seiner Schulstiftung ist es, eine Grundschule in der Stadt Osnabrück so zu gestalten, dass Kinder der drei abrahamischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) in dieser Schule gemeinsam lernen und leben. Ihre unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, Riten und ihre religiös geprägte Lebensweise sollen in dieser Schule selbstverständlich sein und thematisiert, nicht tabuisiert werden. Die Vision ist eine Schule für Juden, Muslime und Christen, in der die Feste im Jahreskreis gelebt werden, Religionsunterricht in der jeweiligen Religion erteilt wird und die Kinder über Feste und Projekttage viel über die anderen Religionen ihrer Mitschülerinnen und -schüler lernen können - eine Lerngemeinschaft von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern der drei mono- theistischen Religionen, die sich ihrer gemeinsamen Grundlagen tiefer bewusst und gerade dadurch fähig werden, respektvoll Menschen anderer religiöser Überzeugen zu begegnen und mit ihnen zusammen zu arbeiten und zu leben. Organisationsform Ganztagsschule Dazu ist eine Lebensgemeinschaft über den Unterricht hinaus Voraussetzung. Daher ist für eine solche Schule die Organisationsform der gebundenen Ganztagsschule richtig. Diese Form ist auch pädagogisch sinnvoll, weil die Ganztagsschule Benachteiligungen von Kindern aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern verringern kann und durch eine größere Flexibilität der Gestaltung von Lernzeiten und -formen den Ansprüchen der Kinder eher gerecht werden kann als eine Halbtagsschule. Diese Schule soll ein Gemeinschaftsprojekt der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit der jüdischen Gemeinde und mit islamischen Organisationen sein im Verbund mit der Stadt Osnabrück. Die Schul- stiftung würde ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse und ihre Strukturen als Trägerin von freien (Grund-) Schulen einbringen, die jüdische Gemeinde und islamische Moscheevereine im Verbund mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück sollen als Kooperationspartner für den jeweiligen Religionsunterricht und die Gestaltung des religiös geprägten Schullebens mitwirken. Erfahrungen der Kooperation mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück bei der Entwicklung und Durchführung von islamischem Religionsunterricht an der katholischen Haupt- und Realschule in Papenburg (erstes Angebot von islamischem Religionsunterricht im Sekundarbereich in Niedersachsen) sind ermutigend. Beitrag für friedliches Zusammenleben Das Zusammenwirken der drei abrahamischen Religionen an einer solchen Projektschule wäre ein Ge- winn für die Schülerinnen und Schüler; denn sie würden schon in der Grundschule die kulturellen und religiösen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen anderer Religionen kennenlernen und so zu lernen beginnen, die Perspektive von Menschen anderer religiöser Überzeugungen einzunehmen. Darüber hinaus wäre eine solche Schule für die Friedenstadt Osnabrück und für die Region ein Symbol, dass die monotheistischen Religionen einen aktiven Beitrag für ein friedliches Zusammenleben in ver- söhnter Verschiedenheit zu leisten imstande und willens sind. Zudem könnte die Stadt als Schulträger die an dieser Projektschule gewonnenen Erfahrungen nutzen für die Weiterentwicklung der Schulen in städtischer Trägerschaft, zum Beispiel im Hinblick auf die Kooperation der unterschiedlichen Religionen in der Schule und im Hinblick darauf, was die Wertschätzung der Religion der Menschen für eine gelin- gende Integration bedeutet. "Lernort" für die Religionsgemeinschaften Schule ist auch ein "Lernort" für die Religionsgemeinschaften. An dieser Schule können Formen der Kooperation des jüdischen, islamischen und katholischen Religionsunterrichts entwickelt und erprobt werden. Die Erfahrungen unter Praxisbedingungen sind für die beteiligten Religionsgemeinschaften, die für die Inhalte des jeweiligen Religionsunterrichts zuständig sind, hilfreich für die weitere inhaltliche Gestaltung des jeweiligen Religionsunterrichts. Zudem können Erfahrungen in der Gestaltung des reli- giös geprägten Schullebens den Religionsgemeinschaften Impulse geben, was sie für den interreli- giösen Dialog in anderen Schulen und weiteren Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tun können. Das Gemeinwohl fördern Das Engagement der Schulstiftung im Verbund mit dem Bistum Osnabrück für eine solche Schule ist begründet in der Aufgabe der katholischen Kirche, das Gemeinwohl zu fördern und "ihre Bemühungen mit allen Menschen guten Willens - Angehörige anderer Religionen oder Nichtgläubige - zu vereinen, damit unsere Welt wirklich dem göttlichen Plan entspricht: als eine Familie unter dem Blick des Schöpfers zu leben." Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29.6. 2009, Nr. 57. Die geplante Schule soll dies anfanghaft in der Friedensstadt Osnabrück verwirklichen: Jüdische, musli- mische und christliche Kinder, ihre Eltern und Lehrer lernen in der Schule, "Schulfamilie" zu leben. Dass kirchliche Schulen zum Aufbau einer menschlicheren Welt beitragen können und sollen, hat schon das Zweite Vatikanische Konzil 1965 betont: Mit den katholischen Schulen bietet die Kirche ihre "Hilfe allen Völkern an zur Vervollkommnung der menschlichen Persönlichkeit, zum Wohl der irdischen Gesellschaft und zum Aufbau einer Welt, die menschlicher gestaltet werden muss." Erklärung über die christliche Erziehung Nr.3. Nach gemeinsamer Überzeugung der an den Projekt beteiligten Religionsgemeinschaften kann ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen (und solcher ohne religiöse Überzeugungen) schwerlich erreicht werden, wenn die Frage nach Gott und der Wahrheit in der Schule ausgeklammert wird, sondern nur, wenn diese Fragen in der Schule behandelt werden und die jungen Menschen dadurch die Bereitschaft und Fähigkeit erwerben zu Dialog und Toleranz - trotz unterschied- licher religiöser Grundüberzeugungen. Als Schule in freier Trägerschaft ist diese Schule ein Angebot für die Erziehungsberechtigten jüdischen, islamischen oder christlichen Glaubens, die das Konzept der Schule befürworten und für ihr Kind diese Schule wählen. Es gibt keinen festen Schuleinzugsbezirk, niemand ist zum Besuch dieser Schule verpflichtet. Die Schule kann Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet aufnehmen. Osnabrück, den 04. 09. 2009 Dr. theol. Winfried Verburg, Schuzlrat i.K. Leiter der Abteilung Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Generalvikariat Osnabrück
Eckpunkte für das Profil "Religion im Schulleben" Dr. theol. Winfried Verburg
1. Religionsunterricht •Katholischer Religionsunterricht in ökumenischer Offenheit, ggf. auch phasenweise evangelischer Religionsunterricht •jüdischer Religionsunterricht in Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Osnabrück •islamischer Religionsunterricht in Kooperation mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück in Anlehnung an den niedersächsischen Schulversuch Islamischer Religions- unterricht in der Primarstufe •Phasen (z.B. Projekttage) intensiven interreligiösen Lernens •Religiöse Zeugnisse und Formen gelebten Glaubens der jeweils anderen Religionen wahrnehmen •Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen •Die bleibende Fremdheit akzeptieren und respektieren •Gemeinsam Handeln aus religiöser Motivation (z.B. Sozialprojekte unterstützen) 2. Schulleben •geprägt durch die religiösen Feste der abrahamischen Religionen, die von der Schulgemeinschaft gestaltet werden •Gemeinsames Essen gemäß Vorgaben der Religionsgemeinschaften •Raumgestaltung (auch mit den unterschiedlichen religiösen Symbolen) •Tages- oder Wochenbeginn und -Ende mit einem religiösen Impuls •Raum für Begegnungen, Zeit für Gespräche ohne Leistungsanforderungen •Gemeinsame Erarbeitung von Regeln für das Zusammenleben in der Schule 3. Beirat Die Schule und ihre Gremien (nach Bischöflichem Schulgesetz), die Schulaufsicht und der Schulträger werden bei der Konzeption und Ausgestaltung des religiösen Profils der Schule beraten von einem Beirat Diesem Beirat gehören an: Die Schulleitung •Je eine/ein Religionslehrer/in der beteiligten Religionen •Ein/eine Vertreter/in des Schulträgers bzw. der kirchlichen Schulaufsicht •Ein/eine Vertreter/in der Friedensstadt Osnabrück •Ein/eine Vertreter/in der jüdischen Gemeinde von Osnabrück •Ein/eine Vertreter/in der katholischen Kirche: ein/eine Vertreter/in der katholischen Pfarrgemeinde, auf deren Gebiet die Schule liegt oder der/die Dialogbeauftragte des Bistums •Ein/eine Vertreter/in der Muslime: Ein/eine Vertreter/in des Lehrstuhls für islamische Religions- pädagogik oder ein /eine Vertreter/in der Schura Niedersachsen oder ein/eine Vertreter/in der örtlichen Moscheegemeinde, zu der die meisten Schüler/innen sich zugehörig fühlen Die Beiratsmitglieder werden durch den Stiftungsrat auf Vorschlag der Institutionen berufen für eine bestimmte Zeit. Eckpunkte für eine "gebundene Ganztagsschule" In der so genannten "gebundenen Ganztagsschule" ist der Unterricht auf den ganzen Schultag (zum Beispiel Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 8-14 Uhr) verteilt und mit den außerunterrichtlichen Phasen verzahnt. In den unterrichtsbezogenen Ergänzungen werden thematische Vertiefungen gestaltet, die gezielt indivi- duelle Förderungen und Möglichkeiten berücksichtigen. Die zusätzliche Zeit wird genutzt, um neben kognitiven Kompetenzen auch Anlässe für affektives, motorisches und soziales Lernen zu schaffen. •Individuelle Förderung der kognitiven Entwicklung und der sozialen und emotionalen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler: In den unterrichtsbezogenen Ergänzungen werden thematische Ver- tiefungen gestaltet, die gezielt individuelle Förderungen und Möglichkeiten berücksichtigen. •Rhythmisierung des Schullalltags nach biologischen, lernpsychologischen und pädagogischen Aspekten: kindgerechter Arbeitsrhythmus mit Belastungs- und Entlastungsphasen. •Vielfältige Bewegungsformen und Aktivitäten tragen zum Abbau von Aggression und Gewalt- bereitschaft, zu Integration und sozialer Verantwortung bei: Bewegungspausen und Bewegungs- förderung. •Ruhephasen mit Rückzugsmöglichkeiten: Ruheraum, Lesephasen, Stillarbeit •Zugang zu außerunterrichtlichen Bildungsmöglichkeiten für alle in der Schule: Musik, Sport, indivi- duelle Fördermaßnahmen bei Leistungsschwächen und Begabungen, Angebote in Kooperation mit den Gemeinden der beteiligten Religionsgemeinschaften etc. •Gesunde Ernährung und gemeinsames Essen: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen sich in einer angenehmen Atmosphäre, können sich ungezwungen austauschen und wieder über den Unterricht hinaus kommunizieren. Hier kommt es auch zum interreligiösen "Dialog des Lebens" und Kenntnis der Speisevorschriften der Religionen. Stichwort: "Bekenntnisgrundschulen" in Niedersachsen Grundschulen für Schülerinnen und Schüler des gleichen Bekenntnisses sind öffentliche Schulen in kommunaler Trägerschaft und unterstehen allein der staatlichen Schulaufsicht. Die gesetzliche Grund- lage bildet das Niedersächsische Schulgesetz NSchG. Die oft kurz "Bekenntnisgrundschulen" genannten Schulen sind auf Antrag der Erziehungsberechtigten zu errichten § 129 NSchG, Abs. 1. Ihre Schülerinnen und Schüler gehören in der Regel einem gleichen Bekenntnis an, in geringem Umfang können auch Schülerinnen und Schüler anderer Bekenntnisse aufgenommen werden, laut derzeit gültiger Verordnung des Kultusministeriums bis zu 20 Prozent der Gesamtschülerzahl. Auf Antrag des kommunalen Schulträgers kann die Schulbehörde im Einzelfall ausnahmsweise einen höheren Anteil - maximal 25 Prozent - befristet zulassen, wenn dadurch ein Ausgleich der Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an den Grundschulen des Schulträgers angestrebt wird. Die Lehrkräfte gehören dem gleichen Bekenntnis wie die Schülerinnen und Schüler an § 129, Abs. 2 NSchG. Das Verfahren zur Umwandlung oder Zusammenlegung mit anderen Schulen ist ebenfalls vom Gesetzgeber geregelt § 135 NSchG und stellt diese Schulen unter einen hohen Schutz. In Niedersachsen gibt es derzeit 7 evangelische und 121 katholische Bekenntnisgrundschulen, deren Schulprofil stärker als bei Schulen für Schüler aller Bekenntnisse religiöse Akzente setzen kann. Dr. Winfried Verburg Lesen Sie dazu: Erfahrungen einer katholischen Schule in Jordanien > Muslime und Christen

Vertreter der drei Religionen unterzeichneten im Forum am Dom den Kooperationsvertrag.
Dieser bildet die Grundlage für die weiteren Schritte. Ihre Unterschrift setzten Michael Grünberg, Vor- sitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, Avni Altiner, Vorsitzender der Schura, des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen, und Metin Süer, Vorstands-- vorsitzender der DITIB-Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Osnabrück. Damit gewährleisten sie, dass „die Schule die religiösen Überzeugungen, Lebensweisen und Riten der drei beteiligten Religionen vielfältig zum Thema" machen werde, wie es in dem Vertrag heißt. Die Schule werde einen Beitrag leisten, sich auch religiös besser zu verständigen, sagte der Generalvikar. Altiner fügte augenzwinkernd hinzu, dass es bemerkenswert sei, was geschehe: „Wir alle - Juden, Christen und Muslime - sind konservativ, und trotzdem schaffen wir Neues für unsere Kinder. NOZ110319MichaelSchiffbänker

Dialog der Religionen als Sandkastenspiel – Start der bundesweit ersten jüdisch-christlichen Kita Foto: Die Container stehen. Anne Feldmann und Tatjana Linets laden Möbelbausätze für die neue jüdisch-christliche Kindertagesstätte „König David" aus.
Jetzt wurden acht Raum-Container auf einer Wiese vor der Osnabrücker St.-Barbara-Kirche auf- gestellt, gestern bauten die Eltern die neuen Möbel zusammen. Keinen Tag zu früh, denn: nun wird die bundesweit erste christlich-jüdische Kindertagesstätte „König David" eröffnet. Jetzt beginnt hier der Betrieb mit zehn Kindern und drei Erzieherinnen. Die Zusammenarbeit zwischen Bistum und jüdischer Gemeinde bestehe schon länger, sagte Carsten Lehmann, Diakon der Domgemeinde. Sie ist Trägerin der neuen Kita und des St.-Barbara-Kindergartens direkt nebenan. Die Idee für eine christlich-jüdische Einrichtung sei entstanden bei Gesprächen über die trialogische Johannisschule, die Drei-Religionen-Grundschule, die nach den Sommerferien 2012 neben christlichen, jüdischen und muslimischen Kindern auch Jungen und Mädchen mit anderem weltanschau- lichen Hintergrund aufnehmen wird. Der katholische Generalvikar Theo Paul und Michael Grünberg, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Osnabrück, hielten dabei die gemeinsame Kita für eine gute Ergänzung zu der Schule neben der Johanniskirche. Der Alltag in der Kita „König David" beginnt zunächst mit jüdischen Kindern. Ab Januar soll die Gruppe mit nicht-jüdischen Jungen und Mädchen auf die reguläre Gruppengröße aufgestockt werden. Lehmann rechnet mit dann insgesamt 20 Jungen und Mädchen, darunter auch Kinder unter drei Jahren. Nach- frage von Eltern gebe es bereits, konkrete Anmeldungen lägen aber bisher nicht vor. Wenngleich die katholische Domgemeinde Trägerin ist, wird die Kita „König David" ein Kindergarten mit jüdischer Religionspädagogik. Die katholische Leiterin Anne Feldmann, Sozialpädagogin und bisher als Dekanats-Jugendreferentin im Bistum Osnabrück beschäftigt, arbeitet mit den beiden jüdischen Er- zieherinnen Tatjana Linets und Kaissa Samis zusammen. „Unser Konzept ist in der Mache", sagt Anne Feldmann. Fest steht, aber jetzt schon: Der neue Kindergarten führt kein isoliertes Eigenleben. Ein gemeinsames Programm mit der Kita „St. Barabara" ist vorgesehen. Schon deshalb habe man bei der Kita „König David" großen Wert auf die Nähe zu einer bestehenden Einrichtung gelegt, sagt Diakon Lehmann. Chanukka und Advent böten zum Beispiel eine Gelegenheit für die gemeinsame religiöse Erziehung, findet Lehmann. Bei beiden Festen während der dunklen Zeit am Jahresende spielt das Licht eine zentrale Rolle. Auch bei der Vorbereitung der Kinder auf den Wechsel in die Schule können die beiden benachbarten Kitas kooperieren. Auch Sprachförderung ist für die Erzieherinnen von „König David" eine wichtige Aufgabe - wie in anderen Einrichtungen auch. Viele jüdische Familien in Osnabrück haben ihre Wurzeln in Russland. Die speziell für Kindergartenzwecke angepassten mobilen Raummodule sollen in gut einem Jahr durch ein festes Gebäude ersetzt werden. Mit dem Bau wird in Kürze auf dem Gemeinde-Parkplatz begonnen. Dann grenzen die beiden Kitas von zwei Seiten an einen Spielplatz, den die Kinder gemeinsam nutzen werden. Die vermutlich wichtigsten Kooperationsmöglichkeiten ergeben sich dann im Sandkasten und an der Schaukel ganz von selbst. NOZ110812Miachel Schwager
 
Bischof Bode führt Muslime durch den Dom zu Osnabrück
Schon vor einigen Monaten hatte Bischof Franz-Josef Bode Vertreter der “Schura”, dem Landesver- band der Muslime in Niedersachsen eingeladen, den Osnabrücker Dom zu besichtigen. Der Bischof selbst übernimmt die Führung durch die Kathedrale. “Man fühlt sich wie zu Hause”, sagt Avni Altiner höflich, lächelt, lädt den Bischof nach Hannover ein und umarmt ihn zum Abschied. Die türkische Sozial- arbeiterin Nazife Toklu aus Hannover sagt: “Dass der Bischof geführt hat - das setzt auch Signale.” NOZ060918
„Der Ramadan ist ein ganz besonderes Zeichen des Friedens... 
... der Solidarität mit den Hilfsbedürftigen und des Zusammenseins in der Familie.“ Mit diesen Worten hat der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle Foto oben dem Landesverband der Muslime in Niedersachsen zum Fest des Fastenbrechens gratuliert. In seinem Grußwort schreibt der Bischof weiter: „In unseren unterschiedlichen Kulturen, Traditionen und Festen sollten wir nicht an erster Stelle das Trennende betonen. Diese Vielfalt kann vielmehr bereichernd sein, wenn wir friedlich und respektvoll miteinander umgehen.“ Besonders beim Thema der religiösen Bildung sieht der Bischof Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen, so müssten junge Menschen viel über die eigene und fremde Religion erfahren, um tolerant und „auskunftsfähig“ zu werden. „Meines Erachtens ist der muslimische und christliche Religionsunterricht ein wichtiger Beitrag für den Frieden in unserem Land“, so Bischof Trelle wörtlich. RV100819pm
Erste katholische IGS startet 
Im katholischen Eichsfeld gibt es Niedersachsens erste Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle weihte die Integrierte Gesamtschule offiziell ein, teilte das Bistum mit. Zum Schuljahresbeginn Anfang August waren rund 100 Jungen und Mädchen in den fünften Jahrgang der St.-Ursula-Schule aufgenommen worden. Kinder können die IGS aber unabhängig von ihrer Konfession besuchen. Das Schulgeld beträgt 40 Euro monatlich. Die St.-Ursula-Schule war bisher eine Haupt- und Realschule des katholischen Bistums. Nach Ab- schaffung der Orienentierungsstufe in Niedersachsen im Jahr en 2004 sank die Gesamtschülerzahl um etwa 40 Prozent, berichtete ein Sprecher. Das Land sagte dem Bistum daraufhin das Recht zu, an der Schule einen Realaschul- und Gymnasialzweig einzurichten. Nach jahrelangen schwierigen Verhand- lungen entschloss sich das Bistum zur Umgestaltung in eine IGS. HAZlni100820dö
Das Gymnasium Twistringen im Kreis Diepholz ist von der katholischen Kirche übernommen worden. HAZlni100820dö
Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück
„Unsere Begegnung ist geprägt durch Offenheit und Vertrauen”, sagte der Vorsitzende Michael Grünberg Foto links anlässlich des Besuchs von Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde. Bode war der Einladung von Rabbiner Shimon Großberg gefolgt, die dieser bei seinem Antrittsbesuch im Bischofshaus ausgesprochen hatte. Zum Besuch gehörten auch ein Gespräch von Rabbiner Großberg und Bischof Bode über das jüdische Gebetbuch, Nachmittags- und Abendgottesdienst, die durch den Segensspruch Kiddusch unterbrochen wurden. Zum Abschluss folgte der Shabbaton, ein fröhliches Bei- sammensein zu Beginn des Sabbats. Die Absagen zum Katholikentag von Micha Brumlik und Rabbiner Walter Homölka anlässlich des Streits über das katholische Karfreitagsgebet spielte nur eine unterge- ordnete Rolle Mehr dazu: siehe Juden. Er könne „nicht ganz daran vorbeigehen”, sagte Bode. Der Bischof verwies aber auf die „gute Tradition” der Zusammenarbeit und den besonderen Stellenwert des Dialogs mit dem Judentum. NOZhmd080301
Der Papst lässt das Emsland grüßen
Der Mann, der hier neben Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann steht, ist tatsächlich der Papst. Bei einer Generalaudienz vor gut 30000 Gläubigen bekam der christdemokratische Politiker aus dem Emsland die Gelegenheit, Benedikt XVI. kurz die Hand zu schütteln. Und der sagte: „In Niedersachsen haben Sie Frieden. Da wurde ja jetzt nicht gewählt. Grüßen Sie alle Emsländer und Ihren Ministerpräsidenten von mir!" Busemann bekam vom Papst einen von ihm selbst geweihten Rosenkranz geschenkt - und war schwer beeindruckt über die Kurzbegegnung. Der übrige Teil seiner Romvisite war eher profaner Natur: Busemann besuchte Gefängnisse und Justizminister - und redete mit denen etwa über die Frage, wie man künftig besser in Italien deutsche Geldforderungen eintreiben könnte. HAZ091017mbb
Audienz mit Marzipan: Papst empfängt Carstensen
Nicht viele Protestanten werden zur Privataudienz von Papst Benedikt XVI. eingeladen, der schleswig- holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) besuchte das Kirchenoberhaupt in Rom schon zum zweiten Mal. Vor zwei Jahren hatte Carstensen dem Papst zu dessen 80. Geburtstag gratuliert, jetzt sprachen sie über Probleme der Globalisierung, der Welternährung und der Gentechnik. Anlass sei der Abschluss des Kirchenstaatsvertrages gewesen, bei dem es in seinem Bundesland einen breiten Konsens zum Verhältnis von Staat und Kirche gegeben habe, sagte Carstensen hinterher. Das Gespräch mit dem Papst sei ausgesprochen offen und fröhlich gewesen. Er habe im Vatikan den Eindruck gewonnen, dass man die miteinander verknüpften Probleme der Globalisierung, der Bekämpfung des Hungers und des Klimaschutzes dort „ausgesprochen verantwortungsvoll angeht", sagte der Ministerpräsident. Mit Benedikt hatte Carstensen darüber gesprochen, wie wichtig es sei, dass der Vatikan zu diesen Fragen Stellung beziehe. „Im Vatikan spricht man ernsthaft über Gen- technik, die Meinung des Papstes dazu ist noch nicht abgeschlossen", so Carstensen. „Wir sind doch bereits in einer gentechnisch veränderten Welt, das muss man offen diskutieren", sagte er. „Es kann eine Sünde sein, wenn man Hungernde von einer Technologie fernhält, die helfen könnte", befürwortete er eine Debatte über Vor- und Nachteile der Gentechnik. Als Vertreter eines Landes, das auf dem Feld der Windkraft stark sei, begrüßte er ausdrücklich „das Engagement des Papstes für erneuerbare Energien". Carstensen brachte dem Papst unter anderem Lübecker Marzipan aus dem Hause Niederegger als Geschenk und herzliche Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Er war mit einer Regierungs- und Landesdelegation nach Rom gereist. HA090607dpa

Der Hamburger Knabenchor darf vor dem Papst im Petersdom singen
Michel, St. Katharinen, Dresdner Frauenkirche und Deutscher Bundestag - der Neue Hamburger Knabenchor ist schon an vielen sehr ehrwürdigen Veranstaltungsorten aufgetreten. Jetzt folgt die Krönung in der knapp 20-jährigen Chorgeschichte: ein Auftritt und eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. im Petersdom. Vier Tage bleiben die Sänger in der ewigen Stadt - auf dem Programm stehen ein weite- res Konzert in der mit prächtigen Fresken geschmückten Kirche St. Ignatius, ein Tag am Meer und, natürlich, eine ausgiebige Stadtbesichtigung. Die Reise für die 50 Sängeiknaben, von denen einige schon junge Männer sind wird ein Erlebnis werden. So wie David Radtke (21), der seit zwölf Jahren im Chor mitsingt: „Wir haben schon viele Chorreisen gemacht, aber vor dem Papst aufzutreten ist besonders spannend", sagt er. Auch Malte Preuß (12) ist schon aufgeregt: „Das wird meine erste Flugreise mit dem Chor." Natürlich wird man nicht einfach so eingeladen, im Petersdom und in einer weiteren berühmten Kirche zu singen. Was macht diesen Erfolg möglich? „Das gemeinschaftliche Erleben der Musik fördert die Freude am Singen und motiviert die Sänger zu Höchstleistungen", sagt Chorleiter Ulrich Kaiser (26). Mindestens fünf Gesangsproben pro Woche, individuelle Stimmbildung und Chor-Wochenenden sind weitere Paten dieses Erfolges. HA091017fru

Ihr größter Auftritt vor Benedikt XVI. in der Vatikanischen Basilika Die Chorsänger gestalteten in der prunkvollen Vatikanischen Basilika eine Heilige Messe. Ob „0 salutaris hostia" von Rossini, „Adoramus te, Christe" von Gasparini oder „Deine Rede präg ich meinem Herzen ein" von Mendelssohn Bartoldy - ihr klarer Gesang begeisterte die Besucher des Petersdoms. „Wir sind glücklich, dass wir die Leute durch unseren Gesang als andächtige Zuhörer gewonnen haben", sagte Alexander Berkowitz (30) nach dem Gottesdienst. Schon der Morgen war etwas ganz Besonderes für die Sänger gewesen: der Papst hatte sie zu einer Open-Air-Audienz auf dem Petersplatz geladen und sie willkommen geheißen. „Das hat uns sehr stolz gemacht", sagt Peter Becker, der als „Begleitvater" mit dabei war, „denn diese Ehre hatten nur wenige der etwa 10.000 Anwesenden". Die Romreise war der Höhepunkt, zu dem der Neue Knabenchor Hamburg aufgebrochen war. Bereits am Abend des ersten Tages gaben sie in der prächtigen Kirche St.Ignatius ein zweistündiges Konzert. Die Kirche war mit etwa 400 Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt, das Programm anspruchsvoll: 17 Lieder, darunter Werke von Puccini und Rossini - einige als Reverenz an die Gastgeber in latei- nischer Sprache gesungen. Besonders großen Applaus erntete Jannis Hesse (13) für sein Orgelspiel. „Die Tage in Rom waren das größte Erlebnis in unserer Chorgeschichte", sagt Tobias Poensken (11). Und Maurice Lange (12) fügt hinzu: „Aber im Petersdom singen zu dürfen, war das Größte." HA091022fru

Katholische Theologie ist neues Fach an der Universität Hamburg
Die Universität Hamburg erweitert ihr Angebot um den Lehrstuhl Katholische Theologie. Staatsrat Roland Salchow, Uni-Vizepräsident Holger Fischer und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke unter- zeichneten eine entsprechende Übereinkunft. In einem 2005 geschlossenen Vertrag hatten die Stadt und der Heilige Stuhl vereinbart, die Ausbildung von katholischen Religionslehrern an der Hamburger Universität zu fördern. Voraussichtlich zum nächsten Wintersemester erhält die Uni jetzt von der Stadt eine zusätzliche Professur mit entsprechender Ausstattung. Die Katholische Kirche stellt ebenfalls Räume und ihre Bibliothek in der Katholischen Akademie Foto oben links zur Verfügung. Jetzt hoffen Universität und Kirche, die Professur mit einer qualifizierten Fachkraft besetzen zu können. Deren Berufung erfolgt durch die Universität Hamburg, die Katholische Kirche hat jedoch Mitspracherecht. „Ich freue mich darüber, dass wir das Ausbildungsangebot in den Geisteswissenschaften erweitern können und angehenden Lehrern die Möglichkeit eröffnen, auch das Fach Katholische Theologie zu studieren”, sagte Wissenschafts-stufe eins ausgebildet. Für den Fall, dass sich Schleswig-Holstein der Kooperation anschließt, ist der Vereinbarung zufolge die Erweiterung der Ausbildung für die Sekundarstufe zwei geplant. HAfru080207DTkna080209

Die Universität Hamburg bildet ab Sommer 2011 erstmals katholische Theologen aus
An der Universität Hamburg sollen künftig katholische Theologen und Religionslehrer ausgebildet werden. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, und Wissenschafts- senatorin Herlind Gundelach (CDU) Fotos oben unterzeichneten einen entsprechenden Vertrag. Damit wird die zwischen Hamburg und dem Heiligen Stuhl bereits im Jahr 2005 vereinbarte Förderung einer universitären Ausbildungsstätte umgesetzt. Gundelach sprach von einem „Gewinn für Hamburg und seine Bürger". Der Lehrstuhl, der am Fachbereich Evangelische Theologie angesiedelt sein soll, sei deutliches Zeichen für ein engeres Miteinander zwischen Stadt, Universität und katholischer Kirche. Der Lehrstuhl trage dazu bei, den interreligiösen Dialog in Hamburg weiter zu vertiefen, so die Senatorin. Perisset betonte, dass der neue Lehrstuhl der Pädagogenausbildung diene. Gerade in einer Stadt, in der Katholiken mit rund zwölf Prozent eine Minderheit ausmachten, sei die Religionslehrerausbildung nicht ohne Bedeutung. „Die heute gestiftete Bildungsstätte wird ihren Einfluss langsam und stetig zugunsten der Hansestadt und der Ökumene ausüben". Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen äußerte die Hoffnung, dass es mit der Ausbildungsstätte künftig leichter werde, katholische Religionslehrer für die Region zu finden. Der Zeitpunkt des Vertrags sei zwar zufällig, „dennoch bin ich nicht traurig darum, dass er gerade in eine Zeit fällt, wo es für die katholische Kirche schwieriger geworden ist", sagte Werner Thissen. Der Vertrag sieht die Errichtung des Studiengangs „Lehramt an Primar- und Sekundarstufe I" vor. Dazu soll eine Professur in Katholischer Theologie sowie je eine halbe Stelle für eine Lehrkraft für besondere Aufgaben, einen wissenschaftlichen Mitarbeiter und eine Verwaltungsstelle geschaffen werden, zudem eine halbe Stelle für eine Lehrkraft im Bereich Erziehungswissenschaften. Studiengang sowie Studien- und Prüfungsordnung werden „im Einvernehmen mit dem Erzbistum" entwickelt. Die Universität stellt Sachmittel und Räume bereit, die Stadt Hamburg trägt die Personalkosten. Über die Mitbenutzung von Ressourcen des Erzbistums wird eine gesonderte Vereinbarung geschlossen. Dem Vernehmen nach wird ein Start des Studiengangs, für den es noch keine Lehrstuhlbewerber gibt, für das Sommersemester 2011 angestrebt. HA100519kna
 
Zurück in Hamburg: Pater Hermann Breulmann SJ begeistert für Gott und die Welt Der Jesuit ist neuer Geistlicher Rektor der Katholischen Akademie Hamburg
Dass die Katholische Kirche in Hamburg „Nomaden" und „kleine Partisanen" ins Feld führt, ist neu. Genau so jedoch bezeichnet sich der neue Geistliche Rektor der Katholischen Akademie. Pater Hermann Breulmann, ein promovierter Religionsphilosoph, ist in die Hansestadt gekommen, um neue Wege zu gehen. Ziel des unkonventionellen Jesuiten ist es, „im Vorhof des Tempels" zu wirken und auch jene anzusprechen, die nur über Resterinnerungen an kirchliche Erfahrungen verfügen. „So gesehen", sagt Breulmann, „fühle ich mich als kleiner Partisan, als Nomade der Großstadt." Nicht nur die katholische Gemeinde wartet mit Spannung auf den Einsatz eines Mannes, der schon vor 30 Jahren als Hochschul- pfarrer in Hamburg anders war als andere. Dass sich daran nichts geändert hat, bewies der Geistliche direkt im Anschluss an seine Amtseinführung durch Erzbischof Werner Thissen in der Akademie. Befragt von „Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow, legte Hermann Breulmann seine Ansicht kirchlicher Arbeit dar. 400 Zuhörer ließen sich gerne fesseln.„Fromm und gebildet", heißt der eine Anspruch, „in Glaubens- fragen darf man nicht beliebig sein", ein weiterer. Der Sinn für das Elementare, also auch für eine markante, von Tradition und Ritualen beseelte Liturgie dürfe nicht vergessen werden, profilierte Klarheit im Kontrast zu oberflächlicher Liberalität sei eine der Herausforderungen. „Schau'n wir mal" reiche nicht als Lebensdevise. „Gerade in einer offenen Gesellschaft muss es feste Positionen geben." Dass zum Gottesdienst auch eine gestaltete Strenge gehöre und Raum für Stille sein müsse, bewies der neue Rektor während seiner vier Adventsgottesdienste in der Kapelle der Katholischen Akademie am Herrengraben. Trotz des neuen Termins kamen jeweils mehr als 70 Menschen, darunter auch Protestan- ten und konfessionslose Hamburger. Stets blieben zwei Drittel, um anschließend bei Käse und Wein über die kurze, indes prägnante Predigt zu diskutieren. Was macht Pater Breulmann anders? Es sei die unorthodoxe Art der direkten Ansprache frei von Floskeln und Wankelmütigkeit, sagen die einen. Es sei sein Geschick, aus verschiedenen Menschen unterschiedlicher Herkunft interessante Gesprächskreise zu schmieden, meinen die anderen. Der Geistli- che selbst, ein ebenso temperamentvoller wie eloquenter, indes sehr bescheidener Mann, zuckt nur mit den Schultern. Großen Wirbel um seine Person schätze er ganz und gar nicht. Und warum sind in München mehrfach 2.500 Menschen zu vier Predigten an einem Wochenende in die St.-Michaelis-Kirche geströmt, wenn Hermann Breulmann auf der Kanzel stand? Der Pater,vor 62 Jahren in Münster geboren, schweigt und erweist sich schon jetzt als Persönlichkeit mit hanseatischem Habitus. Der Werdegang spricht Bände. Nach dem Studium trat Breulmann in den Jesuitenorden ein. Ab 1986 wirkte er als Rektor der katholischen Begab¬tenförderung Cusanuswerk in Bonn, 1995 wechselte er als Rektor an das Berliner Canisius-Kolleg. Anschließend leitete er das Münchner Berchmanskolleg, eine Hochschule für Philosophie in Trägerschaft der Gesellschaft Jesu. Die Rückkehr nach Hamburg stelle für ihn eine neue Herausforderung dar, sagt er. Zwar hat er das neue Amt in der Katholischen Akademie erst seit einigen Wochen inne, doch sind die ersten Ziele gesteckt. Für das kommende Jahr sind Interviewreihen mit namhaften Persönlichkeiten geplant, die Breulmann jetzt noch nicht bekannt geben möchte. Aus seinen Jahren in Bonn, Berlin und München hat der Pater hervorragende Beziehungen zu bekannten Politikern, Künstlern und Wirtschaftsgrößen. Viel Aufhebens um seine Person ist ihm gar nicht recht: „In einem Jahr können wir eine erste Bilanz ziehen." Bis dahin will Pater Hermann Breulmann nach einem urhanseatischen Grundsatz verfahren: „Erst handeln, dann reden." Handeln nach Nomadenart, als kleiner Partisan in der Großstadt. HA101221JensMeyerOdewald

Experten sprechen von “sensationellem Fund”. Uraltes Papstsiegel in Tramm bei Plön im Erzbistum Hamburg gefunden. Foto links: Vorderseite des Bleisiegels “Anacletus pp. II. Foto rechts: Rückseite des Siegels mit dem Bild der Apostelfürsten Petrus und Paulus
Bleisiegel, eine sogenannte Papstbulle, die bei Ausgrabungen des mittelalterlichen Dorfes Tramm bei Plön gefunden wurde. Rechts ist deutlich der Name des Papstes zu sehen. Eine Bulle vom Gegenpapst Anaklet II. ist extrem selten. Wie das Stück aus dem 12. Jahrhundert dahin kam, ist ein Rätsel. Archäologen haben bei Ausgrabungen in Schleswig-Holstein ein seltenes Papstsiegel aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Wie das Archäologische Landesamt mitteilte, stammt das in Rathjensdorf bei Plön entdeckte Bleisiegel - eine sogenannte Papstbulle - vom Gegenpapst Anaklet II. Dieser hatte von 1130 bis 1138 in Konkurrenz zum römischen Papst Innozenz II. amtiert. Anaklet, der frühere Bischof Pietro Pierleoni, war nur in zwei Regionen des damaligen Kirchenreiches als rechtmäßiger Papst ange- sehen worden: im normannisch regierten Sizilien und in Polen. Fachleute sprachen von einem „sensa- tionellen Fund”. „Papstbullen des Anaklet sind extrem selten”,sagte der Plöner Projektleiter Willi Kramer. Auf der einen Seite des Bleisiegels sind Petrus und Paulus mit dem Bischofsstab abgebildet, auf der anderen Seite der Name des Papstes. Wie das Siegel nach Schleswig-Holstein gelangte, ist unklar. Laut Kramer gibt die Papstbulle von Rathjensdorf ein doppeltes Rätsel auf: Zum einen war das damals slawisch besiedelte Wagrien im Osten Holsteins Mitte des 12. Jahrhunderts heidnisch. Zum anderen hatte Erzbischof Adalbero von Hamburg-Bremen, dessen Missionsgebiet Wagrien war, Gegenpapst Ana- klet II. nicht anerkannt. Erzbischof Adalbero hielt nur Innozenz II. für den rechtmäßigen Papst. Weil Wagrien zur Einflusssphäre Polens gehörte, könnte die Papstbulle von dort nach Schleswig-Holstein gekommen sein. In der Geschichte hatte es immer wieder Gegenpäpste gegeben. Laut dem Informationsdienst „Vaticanhistory” waren es insgesamt 38. Ein Gegenpapst wurde unter anderem gewählt, wenn sich die Kardinäle bei der Papstwahl nicht auf einen Kandidaten einigen konnten und sich das Kardinals- kollegium spaltete. Erster Gegenpapst war Hippolytos (217 bis 235 nach Christus). Der bisher letzte Gegenpapst war Felix V; er amtierte von 1439 bis 1449. In Rathjensdorf laufen seit zur Zeit Ausgrabungsarbeiten. Auf einer fünf Hektar großen Fläche sollen Reste des im 17. Jahrhundert aufgegebenen Mittelalter-Dorfes Tramm ausgegraben werden.Die Archäo- logen gehen davon aus, dass das Dorf Tramm augenscheinlich eine weit größere Bedeutung gehabt hat als bisher bekannt. „Die Anaklet-Bulle von Rathjensdorf lässt erahnen, welche Überraschungen jetzt noch auf die Ausgräber zukommen dürften”, macht Kramer Hoffnung auf weitere Funde, die vielleicht auch das Rätsel der Papstbulle lüften könnten. HAdpa071122 Papst Anaklet II. Nach dem Tode von Papst Honorius im Jahre 1130 wählten 16 Kardinäle in aller Eile, um einer Kirchen- spaltung zuvorzukommen, Innocenz II. zum Nachfolger. Seine liebenswerte Frömmigkeit und ein tadel- loser Lebenswandel wurden allgemein anerkannt. Jedoch erhoben nur einige Stunden später die übrigen 14 Kardinäle, denen später noch zehn weitere beitraten, Kardinal Pierleoni zum Papst, der den Namen Anaklet II. annahm. Er war ein gebildeter, weltkluger Mann aus einer ursprünglich jüdischen, reich gewordenen Bankiersfamilie. Seine geistige Überlegenheit war unbestritten, er war kraftvoll und schnell in Entschlüssen und durch Legationsreisen nach England, Frankreich und auch nach Worms mit Europa vertraut. Während Innocenz nach Frankreich fliehen musste, stand fast ganz Rom hinter Anaklet II. Den Normannenherzog Roger II., der den Gegenpapst stützte, krönte er zum König. Durch den starken Einfluss des heiligen Bernhard - Abt des Zisterzienser-Klosters Clairvaux - erkannte Frankreich Papst Innocenz II. als rechtmäßig an. Deutschland folgte noch im selben Jahr und England 1131. Von Skandinavien und den osteuropäischen Kirchen fehlen Nachrichten. Ein Lehen, das Papst Innocenz II. an König Lothar verlieh, gab dieser weiter an seinen Schwiegersohn, den Welfen Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern. Erst als 1138 Anaklet II. starb, war die Kirchenspaltung beendet und Papst Inncenz II. nun wieder von der gesamten Kirche anerkannt.
Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg St.Ansgar-Medaille
Die St.-Ansgar-Medaille ist die einzige Auszeichnung, die das Erzbistum Hamburg vergibt. Sie wurde im Jahr 2000 geschaffen und bislang 21-mal vergeben. Die Medaille ist Laien vorbehalten. Mit ihr werden Frauen und Männer für ihren „vorbildlichen Einsatz für die Kirche” ausgezeichnet, so das Statut. Auch für bedeutende Leistungen im kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Bereich kann sie vergeben werden. Die Medaille ist aus Silber gefertigt und teilvergoldet. Sie zeigt den Bistumsgründer Erzbischof Ansgar, der die thronende Gottesmutter verehrt. Die Darstellung wird von dem Schriftzug „Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg” umrahmt. HA070522
Lübecker Märtyrer werden im Juni 2011 selig gesprochen
Am 25. Juni nächsten Jahres sollen die so genannten Lübecker Märtyrer selig gesprochen werden: Das wurde jetzt in Lübeck bekannt. Die drei katholischen Geistlichen sind im November 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet worden, weil sie die NS-Ideologie offen kritisiert hatten. Zusammen mit ihnen wurde damals auch ein evangelischer Pastor aus dem gleichen Grund exekutiert. Papst Benedikt hatte im Juli den Weg für die Seligsprechung der drei katholischen Märtyrer frei gemacht. Wir sprachen mit dem katholischen Propst Franz Mecklenfeld aus Lübeck: „Für die katholische Kirche bedeutet es die Anerkennung und Bestätigung der 67-jährigen Ver- ehrungstradition; für die Ökumene bedeutet es ebenso die Anerkennung und Bestärkung dieser inzwischen auch mehr als ein paar Jahrzehnte währenden gemeinsamen Bestätigungstradition. Für die Stadt Lübeck bedeutet die Seligsprechung, dass damit Personen offiziell von der katholischen Kirche anerkannt werden, die damals als Vereinzelte im Blick auf die Mehrheit der Bevölkerung für die Botschaft Jesu Christi, für die Wahrheit und Menschlichkeit zutiefst eingetreten sind.“ RV100915
Auf Jesu Spuren in Lübeck
Deutschlands ältester Kreuzweg liegt in Norddeutschland: in Lübeck Foto oben: Das Sandsteinrelief auf dem Lübecker Jerusalemberg stellt die Kreuzigung Jesu dar. Fotos unten: Vollendet im Jahr 1493, ist der Kreuzweg so lang wie das Vorbild Via Dolorosa in Jerusalem - 1650 Meter. Der Lübecker Schmerzensweg beginnt an der St.Jakobi-Kirche und endet auf dem Jerusalemsberg. Die 1493 vollendete Prozessionsstrecke führte über sieben Stationen von der Altstadt vor die damalige Stadtmauer.
Kreuzweg am Karfreitag, typisch süddeutsch? Falsch. Der älteste in Deutschland bekannte Kreuz- weg führt von der Lübecker Seefahrerkirche Sankt Jakobi vor das Burgtor. Lange Zeit vergessen, wurde er vor 13 Jahren wiederentdeckt - und genutzt. Am Karfreitag 2007 beteiligten sich mehr als 600 Menschen, am Karfreitag 2008 waren es schon über 700 Lübeckern. Allen voran gingen der katholische Erzbischof Werner Thissen aus Hamburg sowie die Lübecker Pröbste Ralf Meister (evangelisch) und Franz Mecklenfeld (katholisch). Die Geschichte des Lübecker Kreuzwegs ist bemerkenswert. „Hir beginet de crucedracht Xsti bute de brochdare to Jherusale (Hier beginnt die Kreuztragung Christi vor das Burgtor nach Jerusalem).” So steht es auf einem Relief an der Jakobikirche in Lübeck. Es zeigt Jesus vor Pontius Pilatus. Und tatsächlich beginnt hier ein Weg, der sein Vorbild in der Via Dolorosa in Jerusalem hat und exakt wie dieser an einem Berg, dem Jerusalemsberg, endet. Zu verdanken hat die Hansestadt diesen Weg dem Kaufmann, Ratsherrn und Mitglied der exklusiven Zirkelgesellschaft, Hinrich Konstin. Schnell auf- brausend soll er gewesen sein. 1468 brach Konstin zu einer Pilgerreise nach Jerusalem auf. Im Gepäck ein Maßband, das er an die Via Dolorosa anlegte: Auch in seiner Heimatstadt - damals eine Weltstadt - sollte ein Kreuzweg an die Leiden Christi erinnern und auch exakt dieselbe Länge haben, nämlich 1650 Meter. Zurück an der Trave ließ Konstin einen dem Kalvarienberg ähnlichen Hügel außerhalb der Stadtmauern aufschütten. Die Vollendung des Lübecker Weges im Jahre 1493 erlebte Hinrich Konstin nicht mehr. Er starb 1482 kinderlos und hinterließ sein Vermögen für die Vollendung des Kreuzweges. An dessen Endpunkt, dem an der Konstinstraße gelegenen Jerusalemsberg, wurde ein Denkmal errichtet, das auf einem 3,30 Meter hohen und 1,77 Meter breiten Kalksteinrelief den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes zeigt. Aus dem Jahr 1680 ist noch ein Vermerk über Renovierungsarbeiten an diesem Mal vermerkt. Ein Indiz dafür, dass Lübecker Kaufleute getreu ihrem Motto „Was viel Geld gekostet hat, soll man nicht blindwütig zerstören” zumindest den Anfang und das Ende des Weges vor den Bilderstürmern der Reformation bewahrt haben. Die Prozessionsstrecke selbst geriet jedoch in Vergessenheit. Und in Lübeck wie überall in Nord- deutschland fasste die Meinung Fuß, dass diese Form der Andacht doch eher etwas für südlichere Seelen sei. Der Jerusalemsberg wurde ein Hügel, vom dem herab es sich im Winter gut rodeln ließ. Mehr als 450 Jahre später stieß der damalige Lübecker Propst Helmut Siepenkort in lübschen Auf- zeichnungen auf den alten Kreuzweg - eine archäologische wie christliche Sensation. 2007 beteiligt sich zum ersten Mal der ACK, die Arbeitsgemeinschaft aller christlichen Kirchen in Deutschland, am Kreuzweg - nah bei den Wurzeln Konstins, der seinen Kreuzweg plante, als Martin Luther noch gar nicht geboren war. „Es ist ein gemeinsamer Weg, Ostern zu feiern”, sagt Lutz Jedeck, Pastor an St. Jakobi. Er hat für das Kreuz gesorgt, das der Prozession vorangetragen wird. Es ist aus 500 Jahre alten Eiderstädter Kirchenbalken gezimmert. Noch eine Besonderheit ergab sich 2007: In diesem Jahr feiern Orthodoxe wie Westkirchen das Osterfest am selben Tag. KarinLubowskiHA070405 Auf dem ökumenischen Kreuzweg 2008 in Lübeck, sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, der Schrei des Gekreuzigten finde Widerhall in den Gefolterten im Irak, den Verfolgten in Tibet, den Misshandelten in Kenia und den Hungernden im Sudan. Der Erzbischof betonte, der Kreuzweg sei Ausdruck für das Mitleiden und Mithoffen mit dem Nächsten. OR080404 Ökumenischer Kreuzweg in Lübeck 2010 Zur Erinnerung an den letzten Weg Jesu Christi haben sich am Karfreitag 2010 wieder evangelische und katholische Christen in Lübeck zu einer Kreuzwegprozession getroffen. Auch Erzbischof Werner Thissen ging den 1,6 Kilometer langen Weg von der Altstadtkirche St. Jakobi bis zum Jerusalemsberg. An dem ökumenischen Kreuzweg nahmen mehrere Hundert Christen teil. Der Ende des 15. Jahrhun- derts angelegte und seit 1994 wieder begangene Lübecker Kreuzweg gilt als der älteste Deutschlands. HA100403dpa
Papst Benedikt XVI. hat drei katholische Diözesanpriester aus Norddeutschland als Märtyrer anerkannt.
Die Nazis hätten den Lübecker Pfarrer Johannes Prassek und seine zwei Kapläne Eduard Müller und Hermann Lange am 10. November 1943 in Hamburg „aus Hass auf den Glauben“ umgebracht, hält ein päpstliches Dekret fest. Damit ist der Weg frei für eine Seligsprechung der so genannten „Lübecker Märtyrer“. Zusammen mit den drei katholischen Geistlichen war auch der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wegen Kritik an den Nazis inhaftiert und ermordet worden. In seiner Audienz für den Präfekten der Heiligenkongregation, Erzbischof Angelo Amato, werden auch 26 Ordensleute, die 1936 während des Spanischen Bürgerkrieges ermordet wurden, als Märtyrer anerkannt. RV100701efe Bericht von der Seligsprechung in Lübeck > Priester
Pilgerreise per Pedale:
Der Mönchsweg von Glückstadt bis Puttgarden folgt den Spuren der ersten Missionare
Back- und Feldsteinkirchen, Schlösser und Klöster in reizvollen Landschaften mit Deichen, Wäldern und Seen - diese Vielfalt können Radfahrer auf dem Mönchsweg erleben, Deutschlands erstem kirchlichen Fernradwanderweg. Die 342 Kilometer lange Strecke führt quer durch Schleswig-Holstein von Glückstadt an der Elbe bis auf die Ostseeinsel Fehmarn. Gleich, ob man im Segeberger Forst unter Schatten spendenden Bäumen Rast machen oder doch lieber die meditative Stille in einer der 50 Kirchen entlang der Wegstrecke genießen möchte: Der Mönchsweg hat Radsportlern und Naturliebhabern eben so viel zu bieten wie Kirchenfreunden und Kulturinteressierten. Sie alle können auf dieser besonderen Pilgerreise per Pedale auf den Spuren der ersten christlichen Mönche in Norddeutschland wandeln, allen voran des Missionars und ersten Holsteiner Bischofs Vicelin (um 1090 bis 1154). Der Mönchsweg folgt seinen Spuren über die Vicelinkirchen in Bornhöved und Bosau bis zur St. Johanneskirche nach Oldenburg, dem einstigen Bischofssitz des norddeutschen Missionars. Der Mönchsweg ist ein bundesweit einmaliges Kooperationsprojekt zwischen den Landkreisen Stein- burg, Segeberg, Plön und Ost-Holstein sowie der Nordelbischen Kirche und dem Erzbistum Hamburg. Die Kosten des Projekts in Höhe von 150.000 Euro teilen sich die EU, das Land und die Kommunen. Schon im Vorfeld wurden mehr als 2.500 begleitende Radwanderkarten verkauft. Sie bieten neben den Hin- weisschildern auf den Radwegen die nötige Orientierung und erläutern die frühen Zeugnisse der Christi- anisierung. Während das Reisen zu Vicelins Zeiten noch mühsam und gefährlich war und über unwegsame Pfade führte, ist das Fortkommen der Radler heute vergleichsweise bequem: Der Großteil des Mönchswegs ist asphaltiert. Information: www.moenchsweg.de Tel.: 0180 - 543 03 45. Radwanderkarte im Bielefelder Rad-Spiralo- Format kostet 9,95 €. DanielKreuzHA070604
Besuch beim Abendblatt 
Bei seinem Besuch beim Hamburger Abendblatt berichtete der Erzbischof auch von seinem Blick auf die Zeitung als einer ihrer Abonnenten. „Morgens schau ich mir als Erstes die Seite eins an, die einen guten Überblick bietet über Nachrichten aus Hamburg und der Welt”, sagte er. „Dann blättere ich die Zeitung durch und streiche alles an, was ich mittags noch lesen will.” Für den Geistlichen stellt das Abendblatt eine „gelungene Mischung aus Tradition und modernen Elementen” dar. Thissens Fazit: „Hamburg ist das Abendblatt, und das Abendblatt ist Hamburg.” Fotos:MichaelZapfHamburgerAbendblatt
Erzbischof Dr. Werner Thissen, Hamburg 
Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt äußerte sich der 68-Jährige Erzbischof auch zur Sonntagsöffnung der Läden und zum Konsolidierungskurs im Erzbistum. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen hat an die Wirtschaft appelliert, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen und für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu sorgen. „Es kann nicht angehen, dass große Unternehmen immer höhere Gewinne machen, sich aber nicht um ihre Mitarbeiter kümmern” sagte der Oberhirte von rund 400.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt. Gleichzeitig übte der Erzbischof Kritik am Beschluss des Hamburger Senats, den Weg für eine Sonntagsöffnung am 1. April freizumachen. „Es ist wichtig, dass der Sonntag geschützt bleibt, und hier handelt es sich um einen besonderen Tag, den Sonntag der Karwoche. Das ist einigen Politikern möglicherweise gar nicht klar gewesen.” HAMBURGER ABENDBLATT: Immer wieder werden Konzerne kritisiert, die Gewinne machen, aber zugleich Personal abbauen. Wie stehe Sie zu dieser Problematik? Erzbischof Werner Thissen: Es ist wichtig, dass Unternehmen nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern auch das Schicksal ihrer Mitarbeiter im Blick behalten. Manager müssen zu ihrer sozialen Verantwortung stehen. Gewinne sind sozialpflichtig. Ich appelliere an die Chefs, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Auch das Erzbistum fährt einen harten Konsolidierungskurs. Wie viele Stellen wurden abgebaut? Sind die Sparziele erreicht? Wir haben sehr darauf geachtet, dass dies sozialverträglich gestaltet wurde und insbesondere Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen wurden. Aber wir stecken noch mitten im Konsolidierungs- prozess, für den in der Verwaltung des Bistums eine Reduzierung um 30 Stellen eingeleitet ist. Zurzeit sind bereits 20 Mitarbeiter aus dem Dienst ausgeschieden. Eine weitere Sparmaßnahme ist die Fusion von Gemeinden. Wie ist da der Stand? Am Ende der Restrukturierung, die leider auch mit sinkenden Priesterzahlen zusammenhängt, werden wir von ehemals rund 170 noch gut 80 Pfarreien haben. Ich habe hohen Respekt vor unseren Pfarrgemeinden, die nach dem ersten Schreck über die rigiden Veränderungen kreativ mit dem Druck umgegangen sind. Denn Fusionen bedeuten ja nicht nur, mit weniger Geld an Schlüsselzuweisungen vom Bistum auszukommen. Dazu gehört auch, sich neu als Pfarrei auszurichten und auf neuen Wegen wie Sponsoring Mittel zu akquirieren, um die Aufgaben in den Gemeinden weiter zu erfüllen. Ist der Priestermangel im Erzbistum noch Thema? Ja, wir haben zu wenig Priester. Ich wäre froh, wenn wir mehr hätten. Wir werben um junge Leute. Ich sag denen, was das für ein toller Beruf ist. Im vorvergangenen Jahr sind 2.493 Menschen aus der katholischen Kirche im Erzbistum ausgetreten. Wird diese Zahl durch Eintritte ausgeglichen? Nein, aber die Zahl der Neueintritte und Wiedereintritte steigt. Werden Sie als Bischof auch einmal mit den Gründen konfrontiert, warum jemand aus der katholischen Kirche austritt? Ja, ich treffe in den Gemeinden auch Menschen, die mal Kirchenmitglieder waren und es nicht mehr sind. Eine ziemlich häufige Begründung dafür ist: Das war ja auch mal nicht so üblich, in der Kirche zu sein. Das sind Menschen, die überlegen jetzt, den Schritt wieder rückgängig zu machen. Es ist inzwischen wieder ein gesellschaftlicher Trend, zur Kirche zu gehören. Das hat sicher auch mit den überzeugenden Persönlichkeiten der Päpste, Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu tun. Vor Kurzem haben Sie das Vorhaben der Renovierung des Doms in St. Georg und einer Umgestaltung des Vorplatzes vorgestellt. Die Kosten werden auf 7,8 Millionen Euro geschätzt, die durch Spenden- gelder aufgebracht werden sollen... ... Das ist unser Ziel... Dennoch: Gibt es nicht Unmut, dass vor dem Hintergrund des Sparkurses so viel Geld für dieses Projekt ausgegeben wird? Klar, das wird diskutiert, und das habe ich auch erwartet. Auf der einen Seite mute ich den Ge- meinden viel zu. Auf der anderen Seite sage ich: Jetzt renovieren wir den Dom. Dennoch erlebe ich, dass das auch eingesehen wird. Diejenigen, die unseren Dom kennen, sehen sofort: Da muss was gemacht werden. Innen ist zwingender Renovierungsbedarf. Wie weit sind die Pläne für das christliche Zentrum in der HafenCity gediehen? Es zeichnet sich eine gute ökumenische Lösung ab. Der Trägerverein ,Die Brücke' hat einen Standort ins Auge gefasst. Die Finanzierungsabsprachen sind getroffen und auch mit einer christlichen Gemeinschaft, die dieses Zentrum mit spirituellem Leben erfüllen soll, sind wir im kon- kreten Gespräch. Ein ganz anderes Thema. Es wird derzeit viel über selbstbestimmtes Sterben diskutiert. Wie stehen Sie dazu? Für uns ist eindeutig: Leben ist lebenswert bis zum Schluss. Und das wird auch so gesagt von Menschen, die in der letzten Lebensphase stehen. Ich sehe zwei Voraussetzungen: Einmal muss die Schmerzbekämpfung optimal sein, und dann dürfen wir diese Menschen nicht allein lassen. Hier leistet die Hospizbewegung in der Begleitung Schwerstkranker und Sterbender Großartiges. Die Hospiz- bewegung wird sich stärker durchsetzen, wir fördern das nach Kräften. Auf die Frage, wie weit darf sich Kirche politisch einmischen, sagten Sie einmal: Wenn ich sehe, dass etwas schiefläuft, sage ich es dem Bürgermeister zuerst, aber wenn er nichts tut, sage ich es laut. Wie viele Vier-Augen-Gespräche haben Sie mit Ole von Beust geführt? Einige. Es ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zu solch persönlichen Gesprächen. Der Umgang in Hamburg zwischen Politik und Kirche ist äußerst angenehm. Gab es beispielsweise Gespräche über die sogenannten Leuchtturmprojekte der Stadt, die angesichts wachsender Armut kritisiert werden? Es gibt da deutliche Zeichen, dass etwas geschieht. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen: die Ausbildungsförderung von Hauptschülern in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Handwerkskammer und Unternehmensverbänden sowie die Einrichtung von Eltern-Kind-Zentren in sozialen Brennpunkten. Aber es geschieht nie genug. Zum Beispiel gibt es Schulklassen, in denen die Lehrkräfte mit den Fingern beider Hände die Zahl der Nationalitäten nicht abzählen können. Integration bleibt eine der Hauptaufgaben der Politik. Was sagen Sie denn zu dem Senatsbeschluss, den Sonntag am 1. April zum Einkaufen freizugeben? Diesen Beschluss finde ich sehr bedauerlich, zumal es sich um den Palmsonntag handelt, der am Beginn der Karwoche steht. In allen drei Ländern, über die sich das Erzbistum erstreckt, ist die Sonntagsöffnung ein Thema. Ich sehe, dass das mit einer Salamitaktik ausgeweitet wird, und kann nur an die drei Länderchefs appellieren, sich die Bedeutung des Sonntagsschutzes vor Augen zu führen. Sie sind vier Jahre in Hamburg. Haben Sie Lieblingsplätze, ein Lieblingsviertel? Das ist St. Georg, wo ich wohne, ganz klar! Wenn mich jemand besucht, sagt er: Du musst ja gar keinen Urlaub machen, du hast alle Nationalitäten an der Langen Reihe. Und dann gehe ich sehr gern einen Weg an der Elbe entlang, etwa von St. Georg bis Wedel oder sogar Pinneberg. Da bin ich dann sechs, sieben Stunden unterwegs und entwerfe beim Gehen Predigten. Und sind Sie inzwischen HSV-Fan? HSV und Hansa Rostock. In meinem früheren Bistum Münster hatte ich keinen Verein aus der ersten Bundesliga, jetzt hoffentlich bald wieder zwei. Das freut einen als Fußballfan. KristianStemmlerRalphKlingel-DomdeyHA070310
Das Erzbistum Hamburg in Zahlen Das Erzbistum Hamburg umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In 107 Gemeinden leben 396.389 Katholiken. Davon 180.912 in Hamburg, 172.733 in Schleswig-Holstein und 42.744 in Mecklenburg. 171 Priester stehen im aktiven Dienst des Erzbistums, dazu 121 pastorale Laien- mitarbeiter und 53 ständige Diakone. Neun Priester sind beurlaubt oder für andere Aufgaben freigestellt. 81 Priester leben im Ruhestand. Zum Erzbistum gehören 22 katholische Schulen (20 davon in Hamburg), 64 Kindergärten, 18 Alten- und Pflegeheime sowie neun Krankenhäuser, Sozialstationen und ambulante Pflegedienste. Die Zahl der Austritte ist 2005 auf 2.493 gesunken, nachdem sie seit 1997 konstant über 3.500 lag. kstHA070310 Nach einem Bericht der Hamburger „Neue KirchenZeitung” unter Berufung auf die neue Jahres- statistik des Erzbistums nähert sich die Zahl der Katholiken im Erzbistum Hamburg wieder der Marke von 400.000. Das sind 3.316 mehr als im Jahr 2005. knaHA070604

So viele Katholiken wie nie im Erzbistum Hamburg
Die Zahl der Katholiken im Erzbistum Hamburg ist im dritten Jahr in Folge leicht gestiegen. Ende 2007 lebten in Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein 397.589 katholische Christen. Das sind 1.499 mehr als im Vorjahr. In der Stadt Hamburg ist die Katholikenzahl sogar so hoch wie noch nie: Ende 2007 lebten 182.072 Katholiken in der Hansestadt. „Diese Zahlen gehen vor allem auf den Zuzug von Katholiken aus dem In- und Ausland zurück”, sagte Pressesprecher Manfred Nielen. Ha080612dpa

Umbau in Hamburg vollendet: Mariendom wurde zur Kathedrale umgebaut.
„Aus der kleinsten und bescheidensten Bischofskirche Deutschlands ist eine richtige Kathedralkirche geworden”, der Wunsch von Erzbischof Thissen ging in Erfüllung. Im Innenbereich des mehr als 100 Jahre alten Gotteshauses wurden Putz, Fenster, Fußboden und das denkmalgeschützte Mosaik saniert. Auch Beleuchtung, Wand- und Deckenfarbe wurden verändert. Der Altarraum und die liturgischen Orte wurden im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs neu gestaltet und so die liturgischen und organisatorischen Ansprüche an eine Kathedralkirche erfüllt. Weitere Maßnahmen im Innern des Gotteshauses waren: die Schaffung eines Zugangs zur unter der Kirche liegenden Krypta, die Sanierung der Beckerath-Orgel und die Verlegung des Taufbeckens in die Mitte der Kirche. Die Taufkapelle an der rechten Seite des bildet nun den Durchgang zu einem neuen Anbau,für die Sakristei und andere Räume. Während der zwölfmonatigen Bauzeit war die Kirche geschlossen - die Gottesdienste wurden in Gast- kirchen abgehalten. frgHA070217


Mariendom – im neuen Glanz. Der einst düstere Mariendom wirkt nun freundlich und großzügig. Dazu trägt auch eine gute Ausleuchtung des hohen Kirchenraums bei.
Der Mariendom in St. Georg ist nicht wiederzuerkennen: Die düsteren Farben sind verschwunden, die Wände erstrahlen in hellem Weiß. Der dunkle Teppich, der einst den Fußboden bedeckte, wurde durch edle, silber graue Basaltlava-Platten ersetzt. Und das Mosaik im Altarraum glänzt wieder in sattem Gold, nachdem seine rund 1,5 Millionen Teilchen per Hand gereinigt wurden. Einladend und streng solle der Dom wirken, heller und großzügiger, stellte Architekt Klaus Dornen das Sanierungskonzept vor. Das wurde nicht nur optisch durch die hellen Farben von Wänden und Fuß- boden erreicht, sondern auch räumlich durch die Einbeziehung der Vorhalle in den Kirchenraum. Herzstück des Mariendoms ist ein modern und sachlich gestalteter Altar aus französischem Kalkstein, ein ganz besonderer Schatz sind die vier überraschend freigelegten Wandgemälde aus den 20er-Jahren. „Jetzt muss noch die Orgel intoniert und die restliche Beleuchtung installiert werden”, so Thissen. Dann sei der Kirchenraum fertig, und die Arbeiten an Krypta und geplantem Atrium könnten beginnen. HA080904fru

Mariendom im neuen Glanz - Gold leuchtend: das renovierte Mosaik im Dom
Der neu gestaltete Mariendom ist eine Augenweide, und viele Besucher überzeugen sich davon. Die größte Sensation dürfte wohl die Entdeckung von vier seit mehr als achtzig Jahren verborgenen Fresken sein, die das sonst schneeweiße Gotteshaus nun schmücken. Sie zeigen biblische Szenen der Verkündigung Mariens, der Geburt Jesu, der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten und die Kreuzigung. HAleu080916
Kleine Geschichte des Erzbistums Hamburg
Kaiser Ludwig der Fromme wies 831/32 dem Benediktinerpater Ansgar das neuerrichtete Erzbistum Hamburg zu, das als Rückhalt für die nordische Mission galt. Infolge der Zerstörung Hamburgs durch die Wikinger (845) wurde das Erzbistum aufgeteilt, 848 aber auf Betreiben Ansgars wiederhergestellt. Die vorläufige Verbindung mit dem Bistum Bremen wurde 864 und 908 vom Papst bestätigt (Erzbistum Bremen-Hamburg). Allerdings gab es später auch in Hamburg wieder ein zweites Domkapitel, das seit 1219 über drei Stimmen für die Bischofswahl verfügte. Alt-Hamburg besaß bis zur Reformation den Mariendom (1805 abgerissen), die Pfarrkirchen St.Petri, St.Jacobi, St.Nicolai und St.Catharinen, das Magdalenen-Kloster der Franziskaner, das Johannis-Kloster der Dominikaner und das Heilig-Geist-Spital. Die Reformation wurde 1529 eingeführt und gleichzeitig den Katholiken der Aufenthalt in der Stadt verboten. 1589 wurde die erste heilige Messe wieder im nahegelegenen Altona gefeiert, 1622 erstmals in Hamburg, am Vorsetzen, außerhalb des Schaar- tores. Später wurde die Kapelle an den Brauer- knechtsgraben verlegt. 1631 begann P. Schacht SJ seine Tätigkeit als Kaplan der katholischen Gesandtschaften Spaniens und Frankreichs, deren Residenzen an der Fuhlentwiete bzw. am Kraienkamp lagen. Von September 1683 bis Ende 1685 wirkte in Hamburg als Apostolischer Vikar der Weihbischof Niels Stensen. 1671 wurde in der kaiserlichen Gesandtschaft am Konventgarten eine Kapelle einge- richtet. 1687 zog man wieder zum Kraienkamp, wo die Kapelle aber 1719 vom Pöbel zerstört wurde. 1708 wurde als Gesandter des Kaisers ein katholischer Priester ernannt, Hugo Graf von Schönborn, den der Papst 1715 zum Kardinal erhob. 1722 wurde die Gesandtschaft in ein Palais am Neuen Wall verlegt, wo der Senat eine Kapelle einrichtete als Ersatz für das vernichtete Gut am Kraienkamp. 1785 gab der Senat Hamburgs dem katholischen Gottesdienst gesetzlichen Schutz. 1806 ließ Kaiser Napoleon Ham- urg besetzen. Für die katholischen Soldaten wurde 1810 die evangelische Kleine Michaeliskirche requiriert. 1825 konnte sie rechtmäßig erworben werden und bildete die erste katholische Kirche seit der Reformation im damaligen Hamburg. Die St.Josephskirche in Altona ist weit älter. Schon 1660 wurde auf der Großen Freiheit eine Kapelle erbaut (1713 von den Schweden zerstört). 1721/23 entstand dafür der Barockbau der heutigen Josephskirche. Kirchenrechtlich unterstanden die Katholiken Hamburgs seit 1622 dem Apostolischen Nuntius in Köln, seit 1670 dem Apostolischen Vikar der Nordi- schen Missionen. Am 13. August 1930 wurde infolge des Preußischen Konkordates das Land Hamburg mit den preußischen Vororten der kirchlichen Jurisdiktion des Bistums Osnabrück angegliedert, nur die südlichen Stadtteile Harburg und Wilhelmsburg unterstanden dem Bischof von Hildesheim. Nach Errichtung mehrerer Seelsorgestationen erhielt der Geistliche der Mutterkirche Klein Michaelis (St. Ansgar) den Titel eines pastor primarius von Hamburg (1862). Nach der Verfassung von 1903 gab es in der Stadt nur die eine „Römisch-katholische Gemeinde Hamburg”. Am 1. Mai 1962 wurden die recht- lichen Verhältnisse vereinheitlicht. In allen vier Dekanaten wurden selbständige Kirchengemeinden ein- gerichtet mit eigener Vermögensverwaltung. Das Amt des Primarius entfiel. Bis 1945 befand sich die Verwaltung bei der Mutterkirche Klein Michaelis, die durch Bomben ganz vernichtet wurde. Nach dem Kriege wurde Hamburg-St.Georg (St.Marien) zur Zentrale. Zur besseren Koordinierung der Seelsorge in Hamburg und Schleswig-Holstein wurde der Sitz des Weihbischofs Johannes von Rudloff am 20. Januar 1958 von Osnabrück nach Hamburg verlegt. Am 1. Januar 1967 folgte die Ernennung des Weihbischofs zum Bischofsvikar für die Freie und Hansestadt Hamburg. Nach der Wiedererrichtung des Erzbistums Hamburg übernahm der Osnabrücker Bischof Dr.Ludwig Averkamp die Kathedra des heiligen Ansgar(834- 865) von 1995 - 2002. Zu seinem Nachfolger ernannte Papst Johannes Paul II. den jetzigen amtieren- den Erzbischof Dr. Wer- ner Thissen. HandbuchdesBistumsOsnabrück1968
HH-Farmsen HH-Harvestehude
Die Kirche in Hamburg
Innerhalb der christlichen Gemeinden vollzieht sich ein Wandel: Auf der einen Seite verlieren sie durch demografische Entwicklung und Austritte Mitglieder. Auf der anderen Seite wandern durch die Globalisierung immer mehr ausländische Christen ein - aus Europa und Amerika, aus Korea, China und Indonesien, Iran und vor allem Westafrika. Mittlerweile gibt es rund 120 afrikanische und asiatische Gemeinden in der Hansestadt. „Die christliche Migration ist höher als die islamische - auch, wenn man manchmal einen anderen Eindruck hat", sagt Ökumenebeauftragte Martina Severin-Kaiser. Auf die beiden Konfessionen wirkt sich das unterschiedlich aus. Bei den Katholiken haben Zuwan- derer wegen ihres Verständnisses, eine Weltkirche zu sein, keine Schwierigkeiten, sich in den Ham- burger Gemeinden zu integrieren - durch Zuzug etwa aus Polen oder Süddeutschland wuchs die Mitgliederzahl sogar: von 178.255 im Jahr 1998 auf 181.158 in 2008. Hamburger Katholiken kommen aus 160 Ländern der Erde, in vielen Kirchen werden daher Gottesdienste in anderen Sprachen gehalten, etwa auf Spanisch und Englisch. Anders bei den evangelischen Gemeinden. Sie haben in Hamburg in den letzten zehn Jahren rund 70.000 Mitglieder verloren und bereits elf Kirchengebäude aufgeben müssen. Die Zahl afrikanischer und asiatischer Protestanten wächst ständig. Doch weil ihre Glaubensrichtun- gen unterschiedlich sind, finden sie in der lutherisch geprägten Gemeinden keine geistliche Heimat, gründen daher eigene und haben das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Noch bilden die Protestanten in Hamburg mit rund 530.000 Gemeindegliedern die größte Gruppe, gefolgt von 181.000 Katholiken, etwa 140.000 Muslimen und rund 17.500 Orthodoxen. Zu den Minder- heiten gehören auch 30.000 Aleviten, insgesamt etwa 20.000 Freikirchler (Baptisten, Methodisten, Mennoniten) und jeweils rund 5.000 Juden, Buddhisten und Hindus. Katholische Gemeinden Die katholische Heilig-Geist-Gemeinde in Farmsen Foto oben betreut Pater Karl Schmickler 4.000 Mitglieder aus 65 Nationen. Innerhalb der katholischen Kirche in Hamburg hat sie den höchsten Anteil an regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Gehen im Durchschnitt 11,7 Prozent der Katholiken zur Messe, sind es in Farmsen 22,43 Prozent - man sieht hier Alte und Junge, Familien, die Dame im Pelz und Menschen, die gerade mit Aldi-Plastiktüten vom Einkaufen kommen. „Pater Schmickler hält die Gemeinde zusammen und füllt sie mit Leben", sagt Stanislaus Cramer, der seit 13 Jahren jede Woche mindestens einmal zum Gottesdienst kommt. Lydia Gädike und ihre Tochter Lara (13) schätzen die familiäre Atmosphäre in der Kirche. „Ich mag besonders den Chor und die vielen Feste, die wir feiern", sagt Lara. Weil zu den Hauptgottesdiensten mehr als 500 Besucher kommen, wurde der Innenhof der Kirche mit einem Glasdach bedeckt. In Harvestehude, liegt die katholische Kirche St. Elisabeth Foto oben. Die Gottesdienste sind unter- schiedlich gut besucht. Rund 6.000 Katholiken gehören zu der Gemeinde, die von Pfarrer Klaus Alefelder geleitet wird. Gottesdienste werden auf Deutsch, Englisch und Spanisch gehalten. „Es gibt innerhalb der Gemeinde einen erfreulichen Zusammenhalt, sie ist sehr engagiert und ökumenisch interessiert", sagt der Pfarrer. Dietrich und Beatrix Rauchenberger kommen seit 20 Jahren regelmäßig zum Gottesdienst - meist zu Fuß. „Die Gemeinde hat viel Gemeinschaftsgefühl", sagen auch die Eheleute. Es gibt ein großes Aufgebot von 160 Ehrenamtlichen, dazu gehört auch Gabriele Schmitz, die sich als Lektorin und Kommunionhelferin engagiert. „Mir sind Liturgie und Gottesdienst kostbar", sagt sie. Außerdem schätzt sie den Friedensarbeit, mit der die Gemeinde Ruanda unterstützt.
Erzbischof kritisiert Entwicklungspolitik der Bundesregierung 
Der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen Foto hat die neuen Leitlinien der Bundesregierung für die Entwicklungspolitik kritisiert. „Die gerade jetzt so dringlich werdenden Aspekte wie zum Beispiel die Aufwertung von ländlicher Entwicklung und die Bekämpfung des Hungers kommen eindeutig zu kurz", sagte Thissen am Freitag und verwies auf die aktuelle Hungerkatastrophe in Ostafrika. Das Entwicklungsministerium wies die Kritik zurück: Die Entwicklung ländlicher Räume sei für die Regierung „der Schlüssel zur Armutsbekämpfung", sagte eine Sprecherin. Nach den Worten des katholischen Erzbischofs ist es „wenig verständlich, dass dem Aspekt der Privat- wirtschaft so herausgehobene Bedeutung beigemessen wird". Die Fragen der Ernährungssicherung, der Bekämpfung des weltweiten Hungers und des Menschenrechts auf Nahrung bekämen dagegen keinen hohen Stellenwert. Diese Bereiche fehlten in dem Konzept leider völlig, bedauerte Thissen. HA110813epd
HH-Barmbeck St. Spophien 
Ghana Catholic Mission
Jeden Sonntag um 12.30 Uhr feiert die Ghana Catholic Mission ihren Gottesdienst in der katholi- schen Kirche St. Sophien in Barmbek. Dann ist das schöne Gotteshaus gut gefüllt: mindestens 200 Besucher, darunter viele Kinder, singen Gospels mit dem Chor und tanzen dazu, beten mit der Gebetsgruppe und lauschen den Predigten, die auf Englisch gehalten und manchmal auch in die Muttersprache übersetzt werden. „Weil wir viele lange Lieder singen, dauert der Gottesdienst mehr als zwei Stunden", sagt Theophilius Bediako-Asare, der seit 15 Jahren zur ghanaischen Gemeinde gehört und seit 2003 ihr Präsident ist. Obiri Manu-Bio, seit 30 Jahren in Deutschland, hat früher „normale" katholische Gottesdienste besucht. Seit vielen Jahren besucht er sonntags die ghanaische Messe in St. Sophien. Oft nimmt er seine Familie mit - Frau, Kinder und Enkelkinder. „Manchmal bleiben wir nach dem Gottesdienst den Rest des Tages in der Kirche, reden miteinander und lösen Probleme", sagt er. HA100213FriederikeUlrich
Erzbischof Werner Thissen, Hamburg: Der Glaube braucht keine Werbung
Mit einem Vespergottesdienst im Michel ist die 34. Hamburger Sankt-Ansgar-Woche zu Ende gegan- gen. Katholiken erinnerten an den Gründer des ersten Erzbistums Hamburg. Der heilige Ansgar(801-865) könne auch heutigen Menschen zeigen, wie viel Kraft und Lebensfreude die Gemeinschaft mit Jesus Christus vermittele, sagte Erzbischof Werner Thissen beim Patronatsfest im Mariendom. Thissen be- tonte vor mehreren Hundert Besuchern, der christliche Glaube sei keine Marke, für die man Werbung treiben müsse. „Christsein ist Lebensqualität, die man erfahren kann.” Die Feier ist traditionell der größte katholische Gottesdienst des Jahres in der Hansestadt. Mehrere Tausend Menschen aller Konfessionen hatten sich zur 43. ökumenischen Sankt-Ansgar-Vesper in Sankt Petri versammelt. HA070205
Sophie-Barat-Schule
Privatschulen und Katholische Schulen in Hamburg stark gefragt Gründe: Die Lehrer seien bemühter, weniger Gewalt unter Schülern, keine Zahlung von Schulgeld und steigende Finanzierungsquoten aus der Staatskasse
Die Hamburger Privatschulen liegen im Aufwind. Zwar steigen auch die Schülerzahlen in den staat- lichen Schulen, aber die Schulen in freier Trägerschaft, wie die Privaten offiziell heißen, wachsen schneller. In den vergangenen 30 Jahren hat die Zahl der Privatschüler um gut 50 Prozent zugelegt - von 12.100 Jungen und Mädchen 1977/78 auf 18.720 zu Beginn dieses Schuljahres. Allein in den vergangenen zehn Jahren betrug das Wachstum 20 Prozent. Das jährliche Plus erreicht derzeit rund 2,5 Prozent. Der Anteil der Privatschüler liegt in Hamburg bei 7,7 Prozent. Zum Vergleich: Die staatlichen Schulen besuchen 224.600 Kinder und Jugendliche. Was macht die Privaten so attraktiv? „Die Lehrer sind bemühter um die Schüler als ihre Kollegen an staatlichen Schulen, sie sind an- sprechbarer”, sagt Norbert Latz, Gesamtelternratsvorsitzender der katholischen Schulen, an denen mit 9.500 Kindern rund die Hälfte aller Privatschüler unterrichtet werden. Latz, dessen drei Kinder die Sophie-Barat-Schule (Hamburg-Rotherbaum) - eines von drei katholischen Gymnasien - besuchen, geht es auch um die ganzheitliche Erziehung zum mündigen Christen.„Der Mensch mit seinen Stärken, Schwächen und Wünschen wird als Einheit verstanden”, sagt der Vater. Schließlich seien die Schüler im Umgang miteinander menschlich und sozial. „Das Schüler-Dasein ist zwar nicht konfliktfrei, aber gewaltärmer.” Die katholischen Schulen wachsen: Vor zehn Jahren lag die Schülerzahl noch bei rund 8.000. „Es gibt viele Standorte mit Wartelisten, die nicht abgearbeitet werden können”, sagt Hermann Vort- mann, Schuldezernent im katholischen Schulamt. Die Katholiken verlangen kein Schulgeld, um auch die Kinder von Eltern mit geringen Einkommen aufnehmen zu können. Das Etikett der Eliteschule, das vielen Privaten anhaftet, soll auf die katholischen Einrichtungen nicht zutreffen. Andererseits sind auch die Lerngruppen in den katholischen Schulen groß: 30 und mehr Kinder in einer Klasse sind keine Seltenheit - der Spardruck wirkt sich auch hier aus. Dennoch haben die Privatschulen ihre ökonomische Basis spürbar verbessern können. Das 2003 mit dem damaligen Bildungssenator Rudolf Lange ausgehandelte Privatschulgesetz garantiert den Schulen in freier Trägerschaft kontinuierlich steigende Finanzierungsquoten aus der Staatskasse. Erhielten die Träger 2004 für jeden Privatschüler noch 65 Prozent der Kosten für den Schüler in einer staatlichen Schule, ist der Wert inzwischen auf 72 Prozent geklettert. „Über weitere Steigerungen muss noch verhandelt werden”, heißt es aus der Bil- dungsbehörde. Und doch: Die Förderung der Privaten lohnt sich finanziell für den Staat. Jeder Schüler, der in den privaten Bildungssektor wechselt, kostet den Staat eben nur 72 statt 100 Prozent. „Schulen in freier Trägerschaft sind eine absolute Bereicherung des Bildungswesens - auch im Sinne einer gesunden Konkurrenz”, sagt Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Der Senat sei entschieden, die Förderung der Privaten fortzusetzen. PeterUlrichMeyerHA060830
Privatschulen haben enormen Zulauf Anmeldungen dreimal höher als freie Plätze. Katholische Einrichtungen wollen Schulgeld einführen
Nach einem Boom von neu gegründeten Privatschulen in den vergangenen Jahren wird es in diesem Jahr in Hamburg voraussichtlich keine neuen Schulen in privater Trägerschaft geben. Die bestehenden 69 Privatschulen in Hamburg - neben 393 staatlichen Schulen - werden aber auch im kommenden Schuljahr weiter regen Zulauf haben. So können im kommenden Schuljahr die katholischen Grundschulen 1.148 Schüler in die ersten Klassen aufnehmen und 329 neue Schüler in die fünften Klassen der katholischen Gymnasien, sagte Matthias Nordbeck, EDV-Referent des katholischen Schulverbandes. Damit halten die katholischen Schulen ihre Zahlen aus diesem Schuljahr. HA100223ElisabethJessenFlorianEisemüller

Foto links: Weihbischof Hans-Jochen Jaschke Foto rechts: Mariendom Hamburg Weihbischof Hans Jochen Jaschke, Hamburg, zur Auferstehung:
“Mit dem Tod ist für Jesus kein Ende. Er tritt in eine neue Dimension des Lebens ein, zu der nicht nur das Geistige, sondern auch das Materielle, Leibhaftige gehört - nicht der faltige, geschundene Leib, wie er jetzt ist, sondern eine neue Form. Der alte Adorno hat gesagt: Wenn es eine Hoffnung gibt, dann muss auch der arme Leib davon betroffen sein, nicht nur so ein esoterisches Etwas für geistige Welten. Natürlich gibt es viele, die sagen: Wir müssen dieses Wunder (der Auferstehung) nicht glauben, uns interessieren viel mehr Jesu Worte, die sind gut. Mein Einwand: Er war nicht nur ein Morallehrer so wie Sokrates, Seneca und andere Große. Er ist der Mensch, an dem uns aufgeht, dass unser Leben eine Perspektive über den Tod hinaus hat. Seine Worte werden bestätigt, bewiesen durch das, was an ihm selber geschehen ist. Das gibt ihnen ihr einzigartiges Gewicht.” AusPresseinterviewHA060527
Diözöse Osnabrück



Rund 9500 Pilger sind am Wochenende von Osnabrück nach Telgte gezogen. „Der böige Wind ist eine Herausforderung für die Fahnenträger", sagt Organisator Karl-Heinz Schomaker. Ansonsten gilt aber: „Es ist optimales Pilgerwetter." An der Telgter Wallfahrt beteiligten sich rund 9.500 Teilnehmer aus dem Osnabrücker Land. Startpunkt ist am Samstag um 3 Uhr morgens der Johannisfriedhof in Osnabrück. Am Sonntag beginnt der Tag um 4.30 mit der Pilgermesse. Am Vorabend ist die Schlussandacht von Propst Heinz Erdbürger gerade beendet, als der Himmel seine Schleusen öffnet. „Nach dem Segen der Platzregen", lacht Schomaker über den insgesamt glücklichen Verlauf der Wallfahrt. Um acht Uhr machen sich die Pilger dann wieder auf den Rückweg. Rund acht Kilometer sind es bis zur Rast in Ostbevern. Hier haben die Geschäfte in der Nähe der St.-Ambrosius-Kirche geöffnet. Es gibt Kaffee, kalte Getränke, Brötchen und Kuchen. Auch das Pfarrheim Edith-Stein-Haus ist an der Ver- pflegung der Pilger beteiligt und hat neben fair gehandeltem Kaffee auch eine kräftige Erbsensuppe im Angebot. Die Erlöse gehen an die ruandische Partnerdiözese Nyunda. Rund acht Kilometer sind es zwischen Telgte und Ostbevern. Einige der Wallfahrer nutzen die Bänke, andere ruhen sich auf den Rasenflächen nahe der Kirche aus. Christine Kampmeyer, Christel Hartmann und Gertrud Osterheide aus der Gesmolder St.-Petrus-Gemeinde haben sich einen Platz im Schatten gesucht. Die drei Frauen nahmen schon als Jugendliche an der Wallfahrt teil. Es ist das Gemein- schaftsgefühl beim Beten und Singen, das sie fasziniert. Am Samstag wird zwischen Oedingberge und Ostbevern der „Kreuzweg” gebetet, für Gertrud Osterheide der „intensivste Teil” der Wallfahrt. Aus dem Ärmel schüttelt man die Strecke aber nicht. „Man muss ein bisschen im Training sein”, sagt Christel Hartmann. Dazu ist gutes Schuhwerk wichtig. „Der Einzug in Telgte kann einem unter die Haut gehen", sagt Schomaker. Gerade der Katholikentag hat die Telgter Wallfahrt noch einmal über die Grenzen hinaus bekanntgemacht, so Schomaker. NOZ080714


St.Ursula-Gymnasium inn Hannover wächst - Schule mit dem Segen des Bischofs Foto oben rechts: Mit Segen: Bischof Norbert Trelle weiht die neuen Räume
Die St.-Ursula-Schule in der Südstadt ist zum Beginn des Schuljahres ein ganzes Stück größer geworden. Gestern feierten Schüler, Lehrer, Eltern, Nachbarn und viele weitere den Zuwachs mit einem festlichen Gottesdienst und Schulfest. „Es ist uns gelungen, ein Wohnhaus, das direkt an die Schule grenzt, zu kaufen und umzubauen", erklärte Schulleiter Ewald Wirth stolz. Dass zu diesem Kunststück viel Glück und die Arbeit zahlreiche Menschen notwendig waren, wurde in Wirths Rede schnell deutlich. Das katholische Gymnasium in der Simrockstraße/Bandelstraße fasste bereits 2004 den Entschluss zur Erweiterung: Die Fünft- und Sechstklässler, die seit der Auflösung der Orientierungsstufe wieder direkt am Gymnasium beginnen, sollten nicht für immer die Außenstelle am Altenbekener Damm besuchen. „Doch seit 2003 gingen die Kirchensteuereinnahmen rapide zurück. Das Bistum entließ Mitarbeiter und schloss Einrichtungen", berichtete Jörg-Dieter Wächter von der Trägerstiftung Katholische Schule beim Bistum. Die Stiftung erhielt aber in dieser Zeit eine beträchtliche Erbschaft von einer Dame aus Hanno- ver. Bischof Norbert Trelle besichtigte nach dem Gottesdienst das neu hinzugewonnene, fünfstöckige Gebäude in der Sallstraße und segnete die Räume mit Weihwasser. „Im Chemieraum nehme ich ge- weihtes H20", meinte der Bischof. Schulleiter Wirth dankte auch den Nachbarn für ihre Geduld an- gesichts des Baulärms. Die St.Ursula-Schule gehört mit aktuell 1.110 Schülern und 103 Lehrern zu den größten Gymnasien in der Stadt und liegt Wand an Wand mit Wohnhäusern in einem Block. „Sorge macht uns nur noch der kleine Schulhof", sagte Wirth. Neuerdings gehen Lehrer deshalb mit Schülern in der Pause auf den Stephansplatz. HAZ090910BärbelHilbig

Katholiken feiern in Hannover Fronleichnam mit gemeinsamer Prozession Es war ein bisschen wie beim Evangelischen Kirchentag vor vier Jahren - nur eben mit Weihrauch, Messdienern und Fahnen katholischer Verbände: Hunderte Christen zogen am Fronleichnamstag singend und betend durch die Straßen. Die Prozession war eine Premiere: Erstmals hatten sich zehn katholische Kirchengemeinden gemeinsam auf den Weg durch die City gemacht.„Wir möchten den Menschen zeigen, dass wir an einen Gott glauben, der unter uns ist", sagte Propst Martin Tenge. In ökumenischer Ver- bundenheit begann die Prozession mit einer Messfeier vor der evangelischen Neustädter Kirche und führte am Leibnizufer entlang zur Basilika St. Clemens. HAZbe090617Steiner
Altbischof Josef Homeyer, Hildesheim 
»Vom Gegeneinander zum Miteinander« Bischof Josef Homeyer, Hildesheim, beim »Interreligiösen Dialog« in Sofia
Auf die Erwartung und Hoffnung vieler Menschen in Europa, dass sich »die ökumenische Bewegung zur interreligiösen Begegnung ausweitet,« hat der Altbischof von Hildesheim, Josef Homeyer, hin- gewiesen. Der langjährige Präsident der Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen bei der EU in Brüssel (ComECE) bekräftigte jetzt auf einem von der Konrad-Adenauer-Stiftung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia organisierten interreligiösen Treffen die Auffassung, dass es »keinen Frieden unter den Völkern ohne Frieden zwischen den Religionen« geben könne. Es gehe jetzt darum, »von einem Neben- oder gar Gegeneinander zu einem Miteinander zu gelangen, um in versöhnter Verschiedenheit Kultur und Gesellschaft in den verschiedenen Ländern mitzugestalten«. An dem Treffen nahmen neben Vertretern der Orthodoxen Kirche Bulgariens auch Repräsentanten evangelischer, muslimischer, armenischer und jüdischer Gemeinden und Glaubensgemeinschaften des Anfang 2007 in die EU aufgenommenen Landes teil. Nach den Worten von Bischof Homeyer erschrecke zwar viele Skeptiker die Erinnerung an die nicht wenigen Religionskriege in der Geschichte und das offensichtlich noch vorhandene Gewaltpotential bei einzelnen Glaubensrichtungen. Dennoch setze sich die Überzeugung durch, dass »das Friedens- potential in den Religionen und ihre Versöhnung stiftende Kraft um vieles größer und geschichts- mächtiger geworden ist«. Dies sei ihm auch von führenden Vertretern der EU-Gremien bestätigt worden, deren Interesse an der Rolle der Religionen vor allem nach Eintritt der orthodoxen Länder Bulgarien und Rumänien in die Gemeinschaft erheblich gewachsen sei. Nach Ende seiner Präsidentschaft ist Bischof Homeyer von der ComECE gebeten worden, die Kontakte zu den Ländern Südosteuropas fort- zuführen und vor allem die Bemühungen um den interreligiösen Dialog zu fördern. Zu einer denkwürdigen ökumenischen Begegnung kam es am Schluß seines Bulgarienaufenthaltes, als Bischof Homeyer im Sofioter Priesterseminar von einem ranghohen Mitglied des Heiligen Synods, Metropolit Domitian von Vidin, empfangen wurde. Der Metropolit bezeichnete den Besuch Homeyers als »wichtige apostolische Mission im Namen des Guten und im Namen des Friedens« und überbrachte das ausdrückliche Willkommen und die besonderen Grüße des hochbetagten Patriarchen Maxim von Sofia. In seinem Dankwort sprach Bischof Homeyer von einer »historischen Wende in den Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen«. Es sei ein »Geschenk Gottes, dass man nach 1000 Jahren erkenne, welche Fehler in dieser langen Zeit gemacht worden seien und dass es jetzt darum gehe, sich auf die ersten tausend gemeinsamen Jahre zu besinnen. An der Begegnung nahm auch der Apostolische Exarch und Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz in Bulgarien, Erzbischof Christo Projkov teil, der »auf bereits bestehende und auf gegenseitiger Achtung und Toleranz beruhende Kontakte zwischen den Religionsgemeinschaften« hinwies. Alle Teilnehmer des Gesprächs waren sich einig, dass das ökumenische Gespräch, aber vor allem der Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften vertieft werden müsse. Bischof Homeyer verwies auf die »Interreligiösen Räte«, wie es sie beispielsweise in Bosnien-Herzegowina oder Makedonien schon gäbe und bot seine Hilfe an, auch in Bulgarien entsprechende Strukturen zu schaffen. OR081010ElmarBordfeld
Foto: Bischof Norbert Trelle, Hildesheim, vor dem Hezilo-Leuchter: Der weltbekannte Radleuchter soll künftig im Hauptschiff aufgehängt werden. Der Dom in Hildesheim wird saniert - Näher am ursprünglichen Baustil
Das Bistum Hildesheim baut den romanischen Mariendom und das daneben liegende Diözesan- museum von 2010 bis 2015 völlig um. Mehr als 20 Millionen Euro wird das kosten, wie das Bistum bekanntgab. Die Diözese setzt auf Finanzhilfe aus Hannover, Berlin und Brüssel und steuert selbst mehr als sieben Millionen Euro bei. Bischof Norbert Trelle und Domdechant Hans-Georg Koitz stellten das gegenüber ersten Planungen stark abgespeckte Vorhaben der Öffentlichkeit vor. Zunächst hatte der Kölner Architekt Johannes Schilling den gesamten Baukomplex am Domhof umgestalten wollen. Doch die Kosten von rund 40 Millionen Euro konnte das finanziell angeschlagene Bistum nicht schultern. Jetzt konzentriert man sich auf den Dom selbst und auf das Museum. Das Bistum nutzt dabei die Tatsache, dass die zum Weltkulturerbe der Unesco gehörende Kathedrale rund 40 Jahre nach ihrem Wiederaufbau sowieso repariert werden muss. Es hat sich Putz gelockert, teils rieselt es aus der Sandsteinfassade, Dach und Heizung sind ebenso marode wie die elektrische Anlage. Mit der jetzt vorgesehenen Umgestaltung des Gebäudes ist eine Annäherung an die ursprüngliche Architektur geplant. Mehr als die Hälfte der Baukosten, betont Trelle, gehe auf das Konto der an- stehenden Reparaturen. So müsse der Fußboden aus italienischem Marmor aufgerissen werden, um die Heizung zu erneuern. Jetzt wird der gesamte Boden gleich um 60 Zentimeter tiefer gelegt. Damit wird ein Baufehler aus der Wiederaufbauzeit der sechziger Jahre beseitigt. Die Ausstattung mit Kunstwerken aus bernwardinischer frühmittelalterlicher Zeit (die den Dom zum Weltkulturerbe gemacht hat) soll neu geordnet werden. So ist vorgesehen, die in jeweils einem Stück gegossenen Bernwardstüren umzudrehen und weiter ins Kircheninnere zu verlegen, damit sie nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die ebenfalls aus Bronze gegossene Christussäule verlässt ihren etwas stiefmütterlichen Platz halbrechts vom Hochaltar und rückt ins Zentrum des Hauptschiffs, in dem auch der Heziloleuchter aufgehängt werden soll. Die Ausstellungsfläche des Diözesanmuseums wird im Zuge der Sanierung mehr als verdoppelt, es bekommt einen eigenen repräsentativeren Eingang direkt zur Stadt hin. Der romanische Mariendom aus dem Jahr 815 war im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut worden. Seitdem wurde keine bauerhaltende Arbeit durchgeführt. HAZPeteeHaetmann071218

Archäologen haben unter dem Hildesheimer Dom etwa 40 Gräber gefunden
Sie stammen vermutlich aus der Zeit vor dem Bau des ersten Doms im Jahr 852, wie Diözesan- konservator Karl-Bernhard Kruse berichtete. „Dieser Friedhof hat uns sehr überrascht. Der war bislang völlig unbekannt." Drei Skelette haben die Experten nahezu vollständig geborgen. Einige Knochenreste sollen nun im Labor genau untersucht werden. Noch gibt es keinerlei Vermutungen, wer in den neu ent- deckten Gräbern bestattet wurde. Die Bischofskirche wird bis 2014 saniert. HAZ101001Ini
Bischof Norbert Trelle, Hildesheim
Michael B. Berger: Das Bistum Hildesheim beschreitet seit Jahren einen Konsolidierungskurs. Bis 2014 soll die Zahl der Pfarrgemeinden auf ein Drittel reduziert werden -von derzeit 313 auf 120 im Jahr 2014. Tut das weh? Bischof Norbert Trelle: O ja, das schmerzt. Das Wort vom Gesundschrumpfen halte ich für nicht be- sonders intelligent. Aber zur Konzentration der Kräfte gibt es gar keine Alternative - nicht nur wegen des Priestermangels, sondern auch wegen des allgemeinen Rückgangs der Bevölkerung. Von den jetzt aktiven 183 Weltpriestern werden nach neuesten Berechnungen im Jahr 2020 vielleicht 100 bleiben. Von derzeit 97 Gemeinde- und 60 Pastoralreferentenstellen werden wir auf 81 Gemeinde- und 44 Pastoralreferentenstellen zurückgehen - in 2020.Das setzt auch eine Bereitschaft zum Umbruch voraus. Wir sind aber sehr bemüht, den Prozess der Konzentration so zu gestalten, dass kleine Gruppen nicht einfach untergepflügt werden. In Pfarrgemeinde- und Dekanatspastoralräten wollen wir ausloten, wie die einzelnen Profile künftig bestehen bleiben, welche Gemeinde zum Beispiel besonders gut im Bereich der Jugendpastoral arbeitet, welche in der Kirchenmusik. Die Zusammenlegung von vier Gemeinden zu einer bringt es alleine noch nicht, da braucht es den Willen zur Zusammenarbeit. HAZ070825
Bischof Norbert Trelle, Hildesheim 
Großstadtpfarreien von 14.000 Mitgliedern Der Rückgang der Gottesdienstbesucher und die Verminderung der Steuereinnahmen führen zu einer Neuordnung der Pfarreien im norddeutschen Raum. „Nicht jedes Dorf wird in Zukunft seine eigene Kirche behalten können”, sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle in Hannover. Eine Großstadtgemeinde solle in Zukunft rund 14.000 Mitglieder umfassen, auf dem Lande seien Gemeinden mit bis zu 2.000 Mitgliedern noch tragbar. Menschen seien aber durchaus bereit, für kirchliche Angebote größere Entfer- nungen zurückzulegen. dpa~NOZ060914
Gemeinden fusionieren - Reform bei Katholiken In der Geschichte der katholischen Kirche Hannovers wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Insgesamt 14 Kirchengemeinden wurden am 1. September faktisch aufgelöst. Diese wurden durch Fusionen in vier neue Großgemeinden umgewandelt, die jeweils drei bis vier Kirchengebäude und meist mehr als 10.000 Gläubige umfassen. Die größte Kirchengemeinde der Region ist mit 11.200 Mitgliedern künftig St. Martin - die 2.150 Katholiken von St. Antonius in Kleefeld wurden dieser Gemeinde jetzt „zugepfarrt". In den Gemeinden wurden die Zusammenlegungen teils skeptisch beäugt, vielerorts fürchten Gläubige, dass damit der weiteren Schließung einzelner Kirchen der Weg gebahnt wird. „Hinter den Gemeinden liegt ein langer Prozess, der nicht ohne Schmerzen verlaufen ist", räumt Propst Martin Tenge ein. Allerdings sei die Reform unverzichtbar, wenn man die Kirche zukunftsfähig und lebendig halten wolle. Im gesamten Bistum Hildesheim wurden am 1. September 52 bisherige Gemeinden zu 16 neuen Ein- heiten vereinigt. Damit reagierte die Kirche auch auf Priestermangel, sinkende Steuereinnahmen und Mitgliederschwund. In der Region Hannover reduzierte sich die Zahl katholischer Gemeinden von noch 60 im Jahr 2000 auf nunmehr 26. Dabei gehören jetzt in der 10.300 Mitglieder starken Heilig-Geist-Gemeinde in Bothfeld auch die Kirchen St. Bruder Konrad, St. Franziskus und Heilig Kreuz. Im Westen der Stadt zählen die Kirchen St. Benno, Maria Trost und Christkönig künftig zur 10.400 Mitgliederumfassenden Gemeinde St. Godehard in Linden. Die erweiterte Gemeinde St. Heinrich umfasst nun auch die Kirchen St. Elisabeth und St. Clemens in der City. Sie umfasst nun 10.200 Gläubige. Vergleichsweise klein nimmt sich dagegen die neue Gemeinde St. Bernward in Döhren aus: Nach der Fusion mit St. Michael in Wülfel und St. Eugenius in Mittelfeld gehören ihr 4.900 Mitglieder an. HAZ100826SimonBenne
Hochschule Vechta 
Die Hochschule Vechta wird mehr Geld vom Land Niedersachsen erhalten. Der Landeszuschuss werde in den Jahren bis 2010 um jeweils ein Prozent erhöht. Zum Ende der Dekade werde das ein Zuwachs von rund 770.000 Euro sein, sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Unterzeichnung der Vereinbarung mit den Bischöfen Franz-Josef Bode (von links), Osnabrück, Reinhard Lettmann, Münster, und Norbert Trelle, Hildesheim, in Hannover. Das Land und die katholische Kirche entwickeln damit ihr Konkordat weiter, um die Hochschule Vechta zu stärken. Die Universität mit ihren 2.800 Studenten soll sich künftig auf die Bereiche Lehramt und Soziale Dienstleistungen konzentrieren. lniHA061018

Oldenburger Katholiken feiern Eigenständigkeit
Mit einem Festakt ist das 175-jährige Bestehen des Bischöflich Münsterschen Offizialats Vechta gefeiert worden. „Wenn eine Einrichtung, die es in der gesamten Kirche nur einmal gibt, auf eine 175- jährige Geschichte zurückblicken kann und dieses Jubiläum auch noch festlich begangen wird, dann darf man vermuten, dass es sich dabei um eine Erfolgsgeschichte handelt”, sagte der Botschafter des Papstes in Deutschland, Nuntius Erwin Ender, in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Auch der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, nahm an dem Festgottesdienst teil. Das Offizialat wurde im Zuge der Trennung von Kirche und Staat 1803 und der Aufhebung des Fürstbistums Münsters 1831 gegründet. Zuvor hatten der evangelische Großherzog von Oldenburg und Unterhändler des Papstes über die Gründung der „Zweigstelle” des Bistums Münster verhandelt, nachdem 1803 Oldenburg die Herrschaft über die katholischen Ämter Cloppenburg und Vechta erhalten hatte. Mit der Errichtung des Offizialats blieb der Bischof von Münster geistlicher Oberhirte der Region. Eine solche Konstruktion, wonach ein Bischof über zwei kirchliche Leitungsbehörden verfügt, ist nach Angaben eines Sprechers des Offizialats in Deutschland einmalig. Leiter des Offizialats ist Weihbischof Heinrich Timmerevers (auf dem Foto oben links mit Nuntius Erwin Ender; Foto oben rechts: die niedersächsischen Bischöfe Franz-Josef Bode, Osnabrück und Norbert Trelle, Hildesheim, als Fest- gäste in Vechta). IniHAZ060612
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