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Berichte aus der norddeutschen Kirche Erzbistum Hamburg mit Bistum Hildesheim, Bistum Osnabrück und Offizialat Vechta

In Osnabrück wollen Katholiken, Juden und Muslime ihre Kinder gemeinsam lehren. Eine Schule für drei Weltreligionen - „Das ist ein Zukunftsprojekt für unser Land": Fotos: Michael Grünberg (v.l.), Generalvikar Theo Paul und Avni Altiner - Wappen Diözese Osnabrück
Das Bistum Osnabrück plant ein bundesweit einmaliges Schulprojekt. Gemeinsam mit Juden und Muslim will die katholische Kirche in Osnabrück eine Grundschule betreiben. Vertreter von Moschee- gemeinden und der Jüdischen Gemeinde Osnabrück sollen zusammen mit Katholiken den Beirat der freien Schule bilden. Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) versprach eine wohlmeinende Prüfung des Konzepts: „Solch eine Schule passt vorzüglich in unsere Friedensstadt Osnabrück", erklärte er. „Wir wollen auf jeden Fall keine weiße Wand", erklärte Generalvikar Paul gestern etwas amüsiert. Journalisten hatten gefragt, ob ein Kreuz oder ein Symbol der beiden anderen Religionsgemein- schaften in der künftigen Schule hängen werde. „Zusammen werden wir über die passenden Symbole und Zeichen nachdenken", sagte Paul. „Für uns ist dies auch ein historischer Tag." Schule könne dafür sorgen, dass „Menschen verschiedener Religionen friedlich zusammenleben". Die Johannisschule in der Osnabrücker Innenstadt mit derzeit etwa 160 Kindern ist eine sogenannte Bekenntnisschule, eine staatliche Schule in städtischer Trägerschaft für katholische Kinder. Zusam- men mit der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und dem Landesverband der Muslime in Niedersachsen schlägt das katholische Bistum nun vor, die Johannisschule in die Trägerschaft der Kirche zu über- nehmen. Aus der alten Bekenntnisschule würde „eine katholische Grundschule in Kooperation mit den jüdischen und muslimischen Bürgern dieser Stadt", erklärte Paul. Der Religionsunterricht werde von Lehrern der jeweiligen Glaubensgemeinschaft erteilt. Religiöse Feste aller drei Gemeinschaften sollten das Leben der künftigen Ganztagsschule prägen. „Wir sind überzeugt, dass dies ein Zukunftsprojekt für unser Land ist", erklärte Avni Altiner, Vorsitzender der Schura, des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen. Kinder würden ihre Er- fahrungen des Miteinanders aus der Schule mit in ihre Familien tragen, sagte Altiner. „Die Religion zu leben, das muss gestärkt werden. Und das geht in einer solchen Schule wunderbar", erklärte Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück. Ob das Konzept der drei Religionsgemeinschaften tatsächlich umgesetzt wird, hängt jetzt vom Ergebnis der Verhandlungen mit der Stadt und mit der Schulverwaltung ab. Frühesten im Sommer 2011 kann die gemeinsame Grundschule starten. Bis dahin sind noch einige Details zu klären, und auch Überzeugungsarbeit muss noch geleistet werden. HAZ090905BernhardRemmers

Drei Weltreligionen in einer Nussschale. Das Bistum Osnabrück treibt ein ungewöhnliches multireligiöses Projekt voran. Foto oben rechts: Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück Foto links: So sieht Einigkeit aus:(v.l.) Avni Altimer, Theo Paul, Michael Grünberg, Winfried Vernburg
Der Presseandrang war groß, als das Bistum im Kulturforum des Doms seine Pläne für eine ganz außergewöhnliche Spielart von Ökumene darlegte. Denn alle Beobachter wussten: Der Plan einer gemeinsamen Grundschule für Christen, Juden und Muslime, angeregt von der katholischen Kirche, ist nichts weniger als eine Sensation. Generalvikar Theo Paul freute sich sichtlich darüber, dass das Projekt in den letzten Tagen so weit vorangetrieben wurde, dass er nun damit an die Öffentlichkeit gehen konnte. Aber auch Michael Grünberg als Vertreter der jüdischen Gemeinde Osnabrück und Avni Altiner, Vorsitzender der „Schura", Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V., verhehlten ihre Genugtuung nicht. Das Bistum erreicht mit diesem Projekt dreierlei. Die Johannisschule, jene kleine Nussschale, in der sich demnächst drei Weltregionen drängeln sollen, wäre unter neuer Trägerschaft in ihrem Bestand gesichert; die katholische Kirche führt die multireligiösen Ansätze in der Friedensstadt Osnabrück auf eine neue Ebene; schließlich: Die evangelische Kirche steht dort beiseite, wo sie freudig hätte mit- machen sollen. Die Landeskirche hatte kein Interesse. Gleichwohl sind evangelische Kinder an der künftigen Schule, die eine “verbundene Ganztagsschule” sein soll, willkommen, wie Dr. Winfried Verburg, im Generalvikariat für Schulen und Hochschulen zuständig, unterstreicht. Er legt dar, dass auch die praktischen Folgen eines solchen Dreierbundes schon bedacht sind: Die Schulspeisung etwa findet gemäß der jeweiligen religiösen Gebräuche statt, gemeinsam, aber eben anders. Die religiösen Symbole aller drei Religionen sollen ihren Platz finden und sich nicht gegenseitig stören. Theo Paul schlägt einen großen Kreis. Er sieht das Projekt als Teilstück des Weges der Christen von einer Westkirche zu einer Weltkirche. „Gesellschaft wird morgen sein, was Schule heute ist", zitiert er einen klugen Bischof. Die neue Schule soll ein Ort sein, an dem die Kinder in gegenseitigem Respekt voneinander lernen. Respektvoll heißt für Paul: „In versöhnter Verschiedenheit", womit er die Standartformel der skeptischen Ökumeniker beider christlichen Konfessionen aufgreift. So gibt es für jene Schülergruppe „ihren“ Religionsunterricht, auch werden ihnen jeweils eigene Lehrer zugeordnet. Michael Grünberg sieht für die israelische Seite in dem Projekt „die Fortsetzung des Dialogs und der Arbeit, die wir in Osnabrück leisten". Nebenbei teilt er mit, dass demnächst in einem katholischen Kindergarten eine Gruppe jüdischer Kinder Einzug halten wird. Avin Altiner unterstreicht, das. „abrahamitische Projekt" sei auch wegen seiner friedensstiftenden Außenwirkung bedeutsam und könnte ein Beispiel für ganz Deutschland sein. Zum 1. August 2012 sollte, wenn es nach dem Bistum geht, die neue Schule ihre Arbeit aufnehmen. Das Konzept, das der Stadt vorliegt, müsste spätestens bis Mai 2010 umgesetzt werden, damit die Anmeldungen vonstattengehen können. Bleibt es bei der bisher üblichen öffentlichen Förderung, brauchen die Eltern kein Schulgeld zu zahlen. ON090906re
Kommentar der ON am Sonntag: “Frappierend”
Die Idee einer multireligiösen Schule in Osnabrück, ist frappierend. Selten wurde aus der Not eine so schöneTugend gemacht, denn vor allem ging es dem Bistum darum, die Johannisschule zu erhalten. Das geplante Mit- und Nebeneinander dreier Religionen, deren fundamentalistische Ausprägungen nicht immer friedensstiftend sind, wird gewiss ein Zeichen setzen und dem Osnabrücker Friedenslabel eine neue Facette hinzufügen. Aber nur wenn das Projekt nachhaltig bleibt und über die Grundschule hinausweist, kann es tiefer wirken. Betrüblich ist, dass sich die evangelische Kirche diesem Modell verweigert hat. Abermals hat sie im Schulischen keine glückliche Hand bewiesen, um es freundlich zu sagen. Wenn, wie es örtliche evangelische Überzeugung ist, das „eigene Profil" gegenüber dieser oder jener katholischen Versuchung hochzuhalten sei, dann kann die Folge sein, dass es bald nichts mehr hochzuhalten gibt. ON090906KlausReinmüller
Bischof Bode verteidigt multireligiöse Grundschule
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat ein gemeinsames Grundschulprojekt von Katholiken, Muslimen und Juden gegen Kritik verteidigt. Das Aufeinandertreffen der Religionen werde allzu oft mit Gewalt in Verbindung gebracht, sagte Bode. „Es muss deutlich werden, dass Religionen auch zu einem friedlichen Leben beitragen", betonte er. Die Schule biete die große Chance, dass Kinder der drei Glaubensrichtungen von klein auf den respektvollen Umgang miteinander lernten. Es gehe nicht darum, die Unterschiede zwischen den Religionen zu verwischen. Die drei Religionen wollen die Schule in einem Osnabrücker Stadtteil mit hohem Ausländeranteil einrichten. Kritik gab es von der örtlichen SPD, die Privatschulen generell ablehnt. Die Hannoversche Landeskirche hatte zuvor signalisiert, sich an dem Projekt nicht zu beteiligen. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird der Stadtrat über das Projekt entscheiden. Nach derzeitigem Stand gibt es trotz der Bedenken der SPD eine Mehrheit dafür. Nach Angaben des Bistums wäre es die erste Schule in Deutschland, die von der katholischen Kirche gemeinsam mit einer muslimischen und einer jüdischen Gemeinde betrieben wird. NOZ091218dpa

Foto oben: Johannisschule Osnabrück Wegen dieses für die Bundesrepublik bedeutsamen Schulprojekts in der Stadt Osnabrück bringen wir hier eine ausführliche Übersicht über den Stand der Planung dieser gmeinsamen Schule.

Gemeinsame Schule für Christen, Juden und Muslime Das Bistum Osnabrück plant gemeinsam mit Juden und Muslimen die Einrichtung einer Grundschule für Kinder aller drei Religionen. Foto: Planen eine gemeinsame Grundschule (von links): Michael Grünberg (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück), Theo Paul (Generalvikar des Bistums Osnabrück) und Avni Altiner (Vorsitzender des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen e.V.).
Nach den bisherigen Überlegungen soll die Johannisschule in der Osnabrücker Innenstadt in die Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums übergehen. Derzeit ist die Stadt Osnabrück Träger der so genannten katholischen Bekenntnisschule. Das Bistum wolle in Osnabrück mit dem gemeinsamen Projekt die guten Beziehungen zwischen den Religionen in der Stadt des Westfälischen Friedens vertiefen und ausbauen, unterstrich Generalvikar Theo Paul. Konzept für eine Grundschule in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit dem Profil "Abrahamische Religionen": Die Idee des Bistums Osnabrück und seiner Schulstiftung ist es, eine Grundschule in der Stadt Osnabrück so zu gestalten, dass Kinder der drei abrahamischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) in dieser Schule gemeinsam lernen und leben. Ihre unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, Riten und ihre religiös geprägte Lebensweise sollen in dieser Schule selbstverständlich sein und thematisiert, nicht tabuisiert werden. Die Vision ist eine Schule für Juden, Muslime und Christen, in der die Feste im Jahreskreis gelebt werden, Religionsunterricht in der jeweiligen Religion erteilt wird und die Kinder über Feste und Projekttage viel über die anderen Religionen ihrer Mitschülerinnen und -schüler lernen können - eine Lerngemeinschaft von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern der drei mono- theistischen Religionen, die sich ihrer gemeinsamen Grundlagen tiefer bewusst und gerade dadurch fähig werden, respektvoll Menschen anderer religiöser Überzeugen zu begegnen und mit ihnen zusammen zu arbeiten und zu leben. Organisationsform Ganztagsschule Dazu ist eine Lebensgemeinschaft über den Unterricht hinaus Voraussetzung. Daher ist für eine solche Schule die Organisationsform der gebundenen Ganztagsschule richtig. Diese Form ist auch pädagogisch sinnvoll, weil die Ganztagsschule Benachteiligungen von Kindern aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern verringern kann und durch eine größere Flexibilität der Gestaltung von Lernzeiten und -formen den Ansprüchen der Kinder eher gerecht werden kann als eine Halbtags- schule. Diese Schule soll ein Gemeinschaftsprojekt der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit der jüdischen Gemeinde und mit islamischen Organisationen sein im Verbund mit der Stadt Osnabrück. Die Schul- stiftung würde ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse und ihre Strukturen als Trägerin von freien (Grund-) Schulen einbringen, die jüdische Gemeinde und islamische Moscheevereine im Verbund mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück sollen als Kooperations- partner für den jeweiligen Religionsunterricht und die Gestaltung des religiös geprägten Schullebens mitwirken. Erfahrungen der Kooperation mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück bei der Entwicklung und Durchführung von islamischem Religionsunterricht an der katholischen Haupt- und Realschule in Papenburg (erstes Angebot von islamischem Religions- unterricht im Sekundarbereich in Niedersachsen) sind ermutigend. Beitrag für friedliches Zusammenleben Das Zusammenwirken der drei abrahamischen Religionen an einer solchen Projektschule wäre ein Gewinn für die Schülerinnen und Schüler; denn sie würden schon in der Grundschule die kulturellen und religiösen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen anderer Religionen kennenlernen und so zu lernen beginnen, die Perspektive von Menschen anderer religiöser Überzeugungen einzunehmen. Darüber hinaus wäre eine solche Schule für die Friedenstadt Osnabrück und für die Region ein Symbol, dass die monotheistischen Religionen einen aktiven Beitrag für ein friedliches Zusammenleben in versöhnter Verschiedenheit zu leisten imstande und willens sind. Zudem könnte die Stadt als Schulträger die an dieser Projektschule gewonnenen Erfahrungen nutzen für die Weiterentwicklung der Schulen in städtischer Trägerschaft, zum Beispiel im Hinblick auf die Kooperation der unterschied- lichen Religionen in der Schule und im Hinblick darauf, was die Wertschätzung der Religion der Menschen für eine gelingende Integration bedeutet. "Lernort" für die Religionsgemeinschaften Schule ist auch ein "Lernort" für die Religionsgemeinschaften. An dieser Schule können Formen der Kooperation des jüdischen, islamischen und katholischen Religionsunterrichts entwickelt und erprobt werden. Die Erfahrungen unter Praxisbedingungen sind für die beteiligten Religionsgemeinschaften, die für die Inhalte des jeweiligen Religionsunterrichts zuständig sind, hilfreich für die weitere inhaltliche Gestaltung des jeweiligen Religionsunterrichts. Zudem können Erfahrungen in der Gestaltung des reli- giös geprägten Schullebens den Religionsgemeinschaften Impulse geben, was sie für den interreli- giösen Dialog in anderen Schulen und weiteren Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tun können. Das Gemeinwohl fördern Das Engagement der Schulstiftung im Verbund mit dem Bistum Osnabrück für eine solche Schule ist begründet in der Aufgabe der katholischen Kirche, das Gemeinwohl zu fördern und "ihre Bemühungen mit allen Menschen guten Willens - Angehörige anderer Religionen oder Nichtgläubige - zu vereinen, damit unsere Welt wirklich dem göttlichen Plan entspricht: als eine Familie unter dem Blick des Schöpfers zu leben." Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29.6. 2009, Nr. 57. Die geplante Schule soll dies anfanghaft in der Friedensstadt Osnabrück verwirklichen: Jüdische, musli- mische und christliche Kinder, ihre Eltern und Lehrer lernen in der Schule, "Schulfamilie" zu leben. Dass kirchliche Schulen zum Aufbau einer menschlicheren Welt beitragen können und sollen, hat schon das Zweite Vatikanische Konzil 1965 betont: Mit den katholischen Schulen bietet die Kirche ihre "Hilfe allen Völkern an zur Vervollkommnung der menschlichen Persönlichkeit, zum Wohl der irdischen Gesellschaft und zum Aufbau einer Welt, die menschlicher gestaltet werden muss." Erklärung über die christliche Erziehung Nr.3. Nach gemeinsamer Überzeugung der an den Projekt beteiligten Religionsgemeinschaften kann ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen (und solcher ohne religiöse Überzeugungen) schwerlich erreicht werden, wenn die Frage nach Gott und der Wahrheit in der Schule ausgeklammert wird, sondern nur, wenn diese Fragen in der Schule behandelt werden und die jungen Menschen dadurch die Bereitschaft und Fähigkeit erwerben zu Dialog und Toleranz - trotz unterschiedlicher religiöser Grundüberzeugungen. Als Schule in freier Trägerschaft ist diese Schule ein Angebot für die Erziehungsberechtigten jüdischen, islamischen oder christlichen Glaubens, die das Konzept der Schule befürworten und für ihr Kind diese Schule wählen. Es gibt keinen festen Schuleinzugsbezirk, niemand ist zum Besuch dieser Schule verpflichtet. Die Schule kann Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet aufnehmen. Osnabrück, den 04. 09. 2009 Dr. theol. Winfried Verburg, Schuzlrat i.K. Leiter der Abteilung Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Generalvikariat Osnabrück
Dr. theol. Winfried Verburg, Schulrat i.K.
Eckpunkte für das Profil "Religion im Schulleben": 1. Religionsunterricht •Katholischer Religionsunterricht in ökumenischer Offenheit, ggf. auch phasenweise evangelischer Religionsunterricht •jüdischer Religionsunterricht in Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Osnabrück •islamischer Religionsunterricht in Kooperation mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück in Anlehnung an den niedersächsischen Schulversuch Islamischer Religions- unterricht in der Primarstufe •Phasen (z.B. Projekttage) intensiven interreligiösen Lernens •Religiöse Zeugnisse und Formen gelebten Glaubens der jeweils anderen Religionen wahrnehmen •Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen •Die bleibende Fremdheit akzeptieren und respektieren •Gemeinsam Handeln aus religiöser Motivation (z.B. Sozialprojekte unterstützen) 2. Schulleben •geprägt durch die religiösen Feste der abrahamischen Religionen, die von der Schulgemeinschaft gestaltet werden •Gemeinsames Essen gemäß Vorgaben der Religionsgemeinschaften •Raumgestaltung (auch mit den unterschiedlichen religiösen Symbolen) •Tages- oder Wochenbeginn und -Ende mit einem religiösen Impuls •Raum für Begegnungen, Zeit für Gespräche ohne Leistungsanforderungen •Gemeinsame Erarbeitung von Regeln für das Zusammenleben in der Schule 3. Beirat Die Schule und ihre Gremien (nach Bischöflichem Schulgesetz), die Schulaufsicht und der Schulträger werden bei der Konzeption und Ausgestaltung des religiösen Profils der Schule beraten von einem Beirat. Diesem Beirat gehören an: Die Schulleitung •Je eine/ein Religionslehrer/in der beteiligten Religionen •Ein/eine Vertreter/in des Schulträgers bzw. der kirchlichen Schulaufsicht •Ein/eine Vertreter/in der Friedensstadt Osnabrück •Ein/eine Vertreter/in der jüdischen Gemeinde von Osnabrück •Ein/eine Vertreter/in der katholischen Kirche: ein/eine Vertreter/in der katholischen Pfarrgemeinde, auf deren Gebiet die Schule liegt oder der/die Dialogbeauftragte des Bistums •Ein/eine Vertreter/in der Muslime: Ein/eine Vertreter/in des Lehrstuhls für islamische Religions- pädagogik oder ein /eine Vertreter/in der Schura Niedersachsen oder ein/eine Vertreter/in der örtlichen Moscheegemeinde, zu der die meisten Schüler/innen sich zugehörig fühlen Die Beiratsmitglieder werden durch den Stiftungsrat auf Vorschlag der Institutionen berufen für eine bestimmte Zeit. Eckpunkte für eine "gebundene Ganztagsschule" In der so genannten "gebundenen Ganztagsschule" ist der Unterricht auf den ganzen Schultag (zum Beispiel Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 8-14 Uhr) verteilt und mit den außerunterrichtlichen Phasen verzahnt. In den unterrichtsbezogenen Ergänzungen werden thematische Vertiefungen gestaltet, die gezielt indivi- duelle Förderungen und Möglichkeiten berücksichtigen. Die zusätzliche Zeit wird genutzt, um neben kognitiven Kompetenzen auch Anlässe für affektives, motorisches und soziales Lernen zu schaffen. •Individuelle Förderung der kognitiven Entwicklung und der sozialen und emotionalen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler: In den unterrichtsbezogenen Ergänzungen werden thematische Ver- tiefungen gestaltet, die gezielt individuelle Förderungen und Möglichkeiten berücksichtigen. •Rhythmisierung des Schullalltags nach biologischen, lernpsychologischen und pädagogischen Aspekten: kindgerechter Arbeitsrhythmus mit Belastungs- und Entlastungsphasen. •Vielfältige Bewegungsformen und Aktivitäten tragen zum Abbau von Aggression und Gewalt- bereitschaft, zu Integration und sozialer Verantwortung bei: Bewegungspausen und Bewegungs- förderung. •Ruhephasen mit Rückzugsmöglichkeiten: Ruheraum, Lesephasen, Stillarbeit •Zugang zu außerunterrichtlichen Bildungsmöglichkeiten für alle in der Schule: Musik, Sport, indivi- duelle Fördermaßnahmen bei Leistungsschwächen und Begabungen, Angebote in Kooperation mit den Gemeinden der beteiligten Religionsgemeinschaften etc. •Gesunde Ernährung und gemeinsames Essen: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler begegnen sich in einer angenehmen Atmosphäre, können sich ungezwungen austauschen und wieder über den Unterricht hinaus kommunizieren. Hier kommt es auch zum interreligiösen "Dialog des Lebens" und Kenntnis der Speisevorschriften der Religionen. Stichwort: "Bekenntnisgrundschulen" in Niedersachsen Grundschulen für Schülerinnen und Schüler des gleichen Bekenntnisses sind öffentliche Schulen in kommunaler Trägerschaft und unterstehen allein der staatlichen Schulaufsicht. Die gesetzliche Grund- lage bildet das Niedersächsische Schulgesetz NSchG. Die oft kurz "Bekenntnisgrundschulen" genann- ten Schulen sind auf Antrag der Erziehungsberechtigten zu errichten § 129 NSchG, Abs. 1. Ihre Schülerinnen und Schüler gehören in der Regel einem gleichen Bekenntnis an, in geringem Umfang können auch Schülerinnen und Schüler anderer Bekenntnisse aufgenommen werden, laut derzeit gültiger Verordnung des Kultusministeriums bis zu 20 Prozent der Gesamtschülerzahl. Auf Antrag des kommunalen Schulträgers kann die Schulbehörde im Einzelfall ausnahmsweise einen höheren Anteil - maximal 25 Prozent - befristet zulassen, wenn dadurch ein Ausgleich der Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an den Grundschulen des Schulträgers angestrebt wird. Die Lehrkräfte gehören dem gleichen Bekenntnis wie die Schülerinnen und Schüler an § 129, Abs. 2 NSchG. Das Verfahren zur Umwandlung oder Zusammenlegung mit anderen Schulen ist ebenfalls vom Gesetzgeber geregelt § 135 NSchG und stellt diese Schulen unter einen hohen Schutz. In Niedersachsen gibt es derzeit 7 evangelische und 121 katholische Bekenntnisgrundschulen, deren Schulprofil stärker als bei Schulen für Schüler aller Bekenntnisse religiöse Akzente setzen kann. Dr. Winfried Verburg Lesen Sie dazu: Erfahrungen einer katholischen Schule in Jordanien >Muslime und Christen Foto unten
 
Bischof Bode führt Muslime durch den Dom zu Osnabrück
Schon vor einigen Monaten hatte Bischof Franz-Josef Bode Vertreter der “Schura”, dem Landes- verband der Muslime in Niedersachsen eingeladen, den Osnabrücker Dom zu besichtigen. Der Bischof selbst übernimmt die Führung durch die Kathedrale. “Man fühlt sich wie zu Hause”, sagt Avni Altiner höflich, lächelt, lädt den Bischof nach Hannover ein und umarmt ihn zum Abschied. Die türkische Sozialarbeiterin Nazife Toklu aus Hannover sagt: “Dass der Bischof geführt hat - das setzt auch Signale.” NOZ060918
Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück
„Unsere Begegnung ist geprägt durch Offenheit und Vertrauen”, sagte der Vorsitzende Michael Grünberg Foto links anlässlich des Besuchs von Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde. Bode war der Einladung von Rabbiner Shimon Großberg gefolgt, die dieser bei seinem Antrittsbesuch im Bischofshaus ausgesprochen hatte. Zum Besuch gehörten auch ein Gespräch von Rabbiner Großberg und Bischof Bode über das jüdische Gebetbuch, Nachmittags- und Abendgottesdienst, die durch den Segensspruch Kiddusch unterbrochen wurden. Zum Abschluss folgte der Shabbaton, ein fröhliches Beisammensein zu Beginn des Sabbats. Die Absagen zum Katholikentag von Micha Brumlik und Rabbiner Walter Homölka anlässlich des Streits über das katholische Karfreitagsgebet spielte nur eine untergeordnete Rolle Mehr dazu: siehe Juden. Er könne „nicht ganz daran vorbeigehen”, sagte Bode. Der Bischof verwies aber auf die „gute Tradition” der Zu- sammenarbeit und den besonderen Stellenwert des Dialogs mit dem Judentum. NOZhmd080301
Katholiken helfen Juden - Sanierung der Synagoge:Gemeinde bezieht Räume des Bistums Osnabrück
Wenn die Jüdische Gemeinde ihre Synagoge in der Barlage erweitert und saniert, verliert sie vor- übergehend ihr Dach über dem Kopf und braucht Unterschlupf. Den bekommt sie nun von der katholischen Kirche. Das Bistum Osnabrück stellt der Gemeinde Räume in der ehemaligen Katholischen Fachhochschule Norddeutschland in der Detmarstraße zur Verfügung - und zwar einen größeren Hörsaal sowie mehrere Büroräume. 15 Monate wird die Bauphase wohl andauern. Während dieser Zeit kann die Jüdische Gemeinde mit ihren rund 1.000 Mitgliedern ihre Gottesdienste und Gemeindeveran- staltungen in der Detmarstraße abhalten – ohne Miete zahlen zu müssen. Anlässlich des bevorstehenden Umzugs besuchte Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, nun Generalvikar Theo Paul im Gemeindezentrum. Er erläuterte die Baupläne und äußerte seinen Dank für die Hilfe des Bistums Osnabrück. Das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Jüdischer Gemeinde in Osnabrück sei geprägt von Vertrauen und Respekt. Bischof Franz-Josef Bode hatte der Jüdischen Gemeinde bei einem Besuch Ende Februar bereits die Unterstützung des Bistums bei der Bereitstellung von Ersatz- räumen signalisiert. Bode hatte die Jüdische Gemeinde dabei auch zum Katholikentag und zu einer persönlichen Führung durch den Dom eingeladen. NOZ0805
Der Papst lässt das Emsland grüßen
Der Mann, der hier neben Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann steht, ist tatsächlich der Papst. Bei einer Generalaudienz vor gut 30000 Gläubigen bekam der christdemokratische Politiker aus dem Emsland die Gelegenheit, Benedikt XVI. kurz die Hand zu schütteln. Und der sagte: „In Niedersachsen haben Sie Frieden. Da wurde ja jetzt nicht gewählt. Grüßen Sie alle Emsländer und Ihren Ministerpräsidenten von mir!" Busemann bekam vom Papst einen von ihm selbst geweihten Rosenkranz geschenkt - und war schwer beeindruckt über die Kurzbegegnung. Der übrige Teil seiner Rom¬visite war eher profaner Natur: Busemann besuchte Gefängnisse und Justizminister - und redete mit denen etwa über die Frage, wie man künftig besser in Italien deutsche Geldforderungen eintreiben könnte. HAZ091017mbb
Audienz mit Marzipan: Papst empfängt Carstensen
Nicht viele Protestanten werden zur Privataudienz von Papst Benedikt XVI. (82) eingeladen, der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (62, CDU) besuchte das Kirchen- oberhaupt in Rom schon zum zweiten Mal. Vor zwei Jahren hatte Carstensen dem Papst zu dessen 80. Geburtstag gratuliert, jetzt sprachen sie über Probleme der Globalisierung, der Welternährung und der Gentechnik. Anlass sei der Abschluss des Kirchenstaatsvertrages gewesen, bei dem es in seinem Bundesland einen breiten Konsens zum Verhältnis von Staat und Kirche gegeben habe, sagte Carstensen hinterher. Das Gespräch mit dem Papst sei ausgesprochen offen und fröhlich gewesen. Er habe im Vatikan den Eindruck gewonnen, dass man die miteinander verknüpften Probleme der Globalisierung, der Bekämpfung des Hungers und des Klimaschutzes dort „ausgesprochen verantwortungsvoll angeht", sagte der Ministerpräsident. Mit Benedikt hatte Carstensen darüber gesprochen, wie wichtig es sei, dass der Vatikan zu diesen Fragen Stellung beziehe. „Im Vatikan spricht man ernsthaft über Gen- technik, die Meinung des Papstes dazu ist noch nicht abgeschlossen", so Carstensen. „Wir sind doch bereits in einer gentechnisch veränderten Welt, das muss man offen diskutieren", sagte er. „Es kann eine Sünde sein, wenn man Hungernde von einer Technologie fernhält, die helfen könnte", befürwortete er eine Debatte über Vor- und Nachteile der Gentechnik. Als Vertreter eines Landes, das auf dem Feld der Windkraft stark sei, begrüßte er ausdrücklich „das Engagement des Papstes für erneuerbare Energien". Carstensen brachte dem Papst unter anderem Lübecker Marzipan aus dem Hause Niederegger als Geschenk und herzliche Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Er war mit einer Regierungs- und Landesdelegation nach Rom gereist. HA090607dpa

Der Hamburger Knabenchor darf vor dem Papst im Petersdom singen
Michel, St. Katharinen, Dresdner Frauenkirche und Deutscher Bundestag - der Neue Hamburger Knabenchor ist schon an vielen sehr ehrwürdigen Veranstaltungsorten aufgetreten. Jetzt folgt die Krönung in der knapp 20-jährigen Chorgeschichte: ein Auftritt und eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. im Petersdom. Vier Tage bleiben die Sänger in der ewigen Stadt -auf dem Programm stehen ein weiteres Konzert in der mit prächtigen Fresken geschmückten Kirche St. Ignatius, ein Tag am Meer und, natürlich, eine ausgiebige Stadtbesichtigung. Die Reise für die 50 Sängeiknaben, von denen einige schon junge Männer sind wird ein Erlebnis werden. So wie David Radtke (21), der seit zwölf Jahren im Chor mitsingt: „Wir haben schon viele Chorreisen gemacht, aber vor dem Papst aufzutreten ist besonders spannend", sagt er. Auch Malte Preuß (12) ist schon aufgeregt: „Das wird meine erste Flugreise mit dem Chor." Natürlich wird man nicht einfach so eingeladen, im Petersdom und in einer weiteren berühmten Kirche zu singen. Was macht diesen Erfolg möglich? „Das gemeinschaftliche Erleben der Musik fördert die Freude am Singen und motiviert die Sänger zu Höchstleistungen", sagt Chorleiter Ulrich Kaiser (26). Mindestens fünf Gesangsproben pro Woche, individuelle Stimmbildung und Chor-Wochenenden sind weitere Paten dieses Erfolges. HA091017fru

Ihr größter Auftritt vor Benedikt XVI. in der Vatikanischen Basilika Die Chorsänger gestalteten in der prunkvollen Vatikanischen Basilika eine Heilige Messe. Ob „0 salu- taris hostia" von Rossini, „Adoramus te, Christe" von Gasparini oder „Deine Rede präg ich meinem Herzen ein" von Mendelssohn Bartoldy - ihr klarer Gesang begeisterte die Besucher des Petersdoms. „Wir sind glücklich, dass wir die Leute durch unseren Gesang als andächtige Zuhörer gewonnen haben", sagte Alexander Berkowitz (30) nach dem Gottesdienst. Schon der Morgen war etwas ganz Besonderes für die Sänger gewesen: der Papst hatte sie zu einer Open-Air-Audienz auf dem Petersplatz geladen und sie willkommen geheißen. „Das hat uns sehr stolz gemacht", sagt Peter Becker, der als „Begleitvater" mit dabei war, „denn diese Ehre hatten nur wenige der etwa 10.000 Anwesenden". Die Romreise war der Höhepunkt, zu dem der Neue Knabenchor Hamburg aufgebrochen war. Bereits am Abend des ersten Tages gaben sie in der prächtigen Kirche St.Ignatius ein zweistündiges Konzert. Die Kirche war mit etwa 400 Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt, das Programm anspruchsvoll: 17 Lieder, darunter Werke von Puccini und Rossini - einige als Reverenz an die Gastgeber in latei- nischer Sprache gesungen. Besonders großen Applaus erntete Jannis Hesse (13) für sein Orgelspiel. „Die Tage in Rom waren das größte Erlebnis in unserer Chorgeschichte", sagt Tobias Poensken (11). Und Maurice Lange (12) fügt hinzu: „Aber im Petersdom singen zu dürfen, war das Größte." HA091022fru

Zum ersten Mal wählte die Deutsche Bischofskonferenz Hamburg als Tagungsort. Der Vorsitzende Erzbischof Dr. Robert Zollitsch gab dem Hamburger Abendlatt ein Interview. Foto oben: Erzbischof Robert Zollitsch - Eröffnungsgottesdienst im Mariendom Hamburg Fot unten: Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt

„Es droht ein Riss in der katholischen Kirche“ Der Freiburger Erzbischof spricht im Hamburger Abendblatt über die Folgen des Falls Williamson, Konsequenzen aus der Wirtschaftskrise und die Politik von Bundeskanzlerin Merkel.
Erstmals in ihrer Geschichte treffen sich die katholischen Bischöfe im protestantischen Hamburg. Was treibt die Deutsche Bischofskonferenz in die Diaspora? Es ist eine Chance, in einer mehrheitlich protestantisch geprägten Stadt als katholische Bischofs- konferenz zu tagen. Das verträgt sich gut mit unserer ökumenischen Einstellung. Wir suchen den Kontakt zur evangelischen Kirche und das drückt sich in Hamburg gut aus. Ein zentrales Thema ist die Rehabilitierung von vier traditionalistischen Bischöfen, zu denen der Holocaust-Leugner Richard Williamson zählt. Wie groß ist der Schaden, den der Vatikan angerichtet hat? Es war das Anliegen von Papst Benedikt, den Bischöfen der Pius-Bruderschaft die Hand zu reichen. Er hat einen ganz kleinen Spalt geöffnet, indem er die Exkommunikation aufgehoben hat. Diese Bischöfe dürfen nach wie vor keine Funktionen in der katholischen Kirche wahrnehmen, auch nicht die heilige Messe erlaubt feiern. Dann kam die unglückliche Verquickung, die dem Papst nicht bekannt war, mit den schrecklichen Äußerungen von Bischof Williamson. Das ist tatsächlich ein Schaden für uns in der Kirche. Als Benedikt XVI. ins Amt kam, jubelten viele Deutsche: „Wir sind Papst." Jetzt haben sie das Gefühl: „Wir sind peinlich"... Wir haben auf dem Weltjugendtag in Köln einen Papst erlebt, der auf die Menschen zuging und freundlich war. Er hat gezeigt, wie sehr er mit uns verbunden ist. Nun ist bei vielen Gläubigen die Sorge entstanden: Wie sieht es mit der Linie der Kirche aus? Ich halte solche Bedenken sachlich für völlig unbegründet, kann sie aber verstehen. Gerade deutsche Bischöfe haben den Papst scharf kritisiert. Wie tief ist der Riss, der sich durch die katholische Kirche zieht? Alle Bischöfe verstehen, dass Papst Benedikt ein Zeichen setzen wollte. Alle wissen, wie sehr er die Schoah verurteilt. Alle Bischöfe bedauern, dass er über diese Situation mit Bischof Williamson nicht informiert war. Sie bedauern auch, dass die Exkommunikation zurückgenommen wurde, ohne die Bischöfe vorher zu informieren oder zu konsultieren. Das ist unsere gemeinsame Position, die wir in Hamburg bekräftigen werden. Um es deutlich zu sagen: Wir sind alle solidarisch mit dem Papst. Gleichwohl droht ein Riss in der katholischen Kirche in Deutschland. Viele Gläubige befürchten, es könnte ein Zurück hinter das Zweite Vatikanische Konzil geben. Daher muss die Botschaft der Deutschen Bischofskonferenz sein, dass wir den Weg des Zweiten Vatikanischen Konzils gemeinsam fortsetzen werden. Es gibt keine Identitätskrise in der katholischen Kirche. Verzeichnen Sie vermehrt Kirchenaustritte? Es gibt Einzelfälle. Nichts deutet darauf hin, dass es eine Welle wäre. Benedikt XVI. forderte Williamson auf, seine Thesen zu widerrufen. Drei Wochen später entschuldigte sich der Bischof. Wie soll es jetzt weitergehen? Was Bischof Williamson an Entschuldigung vorbrachte, genügt bei Weitem nicht. Er muss sagen: Ich habe mich geirrt, ich habe Falsches gesagt, ich nehme das zurück, ich bitte um Vergebung und Verzeihung. Außerdem müssen alle vier Levebvre-Bischöfe die Autorität des Papstes und das Zweite Vatikanische Konzil voll anerkennen. Und wenn sie das nicht tun? Dann gibt es für diese Bischöfe keinen Platz in der Kirche. Wie viel Zeit sollen die Pius-Brüder noch bekommen, um sich zu besinnen? Es ist schwierig, zeitlich Grenzen zu setzen. Aber die öffentliche Diskussion und die Betroffenheit, die durch die Kirche geht, legen nahe, dass man das nicht auf die lange Bank schieben darf. Sie reisen nächste Woche nach Rom. Was werden Sie Benedikt XVI. sagen? Ich werde die Fragen der Kommunikation ansprechen und zu prüfen bitten, wie man künftig Schäden verhindern oder begrenzen kann. Hört der Heilige Vater auf Sie? Ich kenne Papst Benedikt seit Langem und habe die Erfahrung gemacht, dass er sehr genau zuhört. Ich habe ihn immer als sehr vornehm und sehr aufmerksam erlebt. Ist dem Papst das Verhältnis zu den Pius-Brüdern wichtiger als die Beziehungen zu Protestanten oder Juden? Das kann man nicht vergleichen. Der Papst will verhindern, dass eine Gruppe, die katholisch sein will, endgültig aus der katholischen Kirche auswandert. Sein Handeln ist von einem Albtraum geleitet: Wenn es in meinem Pontifikat zu einer endgültigen Trennung mit dieser Gruppe kommt, ist das Schisma nicht mehr zurückzuholen. Ich weiß, dass die Ökumene dem Papst ein wichtiges Anliegen ist, aber der Handlungsbedarf ist ein anderer. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat vor antisemitischen Tendenzen in der katholischen Kirche gewarnt. Was sagen Sie? Für Einzelne wie Bischof Williamson ist das Verhältnis zum Judentum extrem belastet. Aber innerhalb der katholischen Kirche in ihrer Breite - vor allem in Deutschland - sehe ich keine antisemitischen Tendenzen. Ich verstehe allerdings die Empfindungen unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mit- bürger: Was könnte da wieder wach werden? Bundeskanzlerin Merkel hat Benedikt XVI. für seinen Umgang mit dem Fall Williamson kritisiert. Ist das ihre Aufgabe? Die Bundeskanzlerin hat mich angerufen, um zu erklären, was ihre Motive waren. Ich habe ihr gesagt: Wenn eine Bundeskanzlerin zu einer Position des Papstes Stellung nehmen will, dann empfiehlt sich der diplomatische Weg. Es ist nicht gut, öffentlich übereinander zu reden. Sind Sie - umgekehrt - mit der Politik von Kanzlerin Merkel und ihrer Großen Koalition einverstanden? Diese Frage muss ich vor allem als Staatsbürger beantworten. Ich sehe natürlich die Schwierig- keiten einer Kanzlerin, die eine Große Koalition führt. Viele Dinge müssen in Kompromissen gelöst werden, wo man sich eine eindeutigere Haltung wünschen würde. Frau Merkel ist es aber zumindest gelungen, die Regierung handlungsfähig zu halten. Ist die CDU der Angela Merkel eine christliche Partei? Die CDU ist von ihrem Entstehen her sicherlich eine christlich orientierte Partei, und ich bin froh, dass sie das C nach wie vor in ihrem Namen hat. Das ist ein Anknüpfungspunkt, den ich als Chance sehe. Sie betonen den Namen. Wird das Christliche auch gelebt? Unterschiedlich. Ich erlebe eine ganze Reihe von Abgeordneten, die aus christlicher Überzeugung sprechen. In den neuen Bundesländern ist der christliche Hintergrund sicherlich weniger prägend als etwa in Süddeutschland. Sie haben der CDU einmal vorgeworfen, sie nähere sich neoliberalen Thesen an. Sehen Sie das immer noch so? Ich habe damals auf die Gefahr hingewiesen, dass das Soziale in den Hintergrund geraten könnte, weil die Wirtschaftsfreiheit eine zu einseitige Rolle spielt. Inzwischen hat die Finanzmarktkrise die Welt verändert, und wir diskutieren über staatliche Eingriffe, die ihrerseits nicht der Lehre der sozialen Marktwirtschaft entsprechen. Aktuell stellt sich sogar die Frage, ob der Staat ein ange- schlagenes Unternehmen wie Opel retten soll. Und? Soll er? Ich weiß immerhin, dass man gründlich abwägen muss und dass viele Fragen noch unbeantwortet sind. Der Staat kann nicht alle Arbeitsplätze, die möglicherweise in Deutschland verloren gehen, mit Steuermitteln retten. Das wäre nicht im Sinne des Marktes. Und es würde den Staat überfordern. Welche Lehren sind aus der weltweiten Wirtschaftskrise zu ziehen? Da ist eine Blase geplatzt. Viele Menschen, nicht nur die Banker, meinten immer, man könne das große Geld machen und 15 bis 25 Prozent Rendite erzielen - ohne zu fragen, woher das Geld kommen soll. Wir sollten uns jetzt darauf besinnen, den Wert hinter dem Geld in den Mittelpunkt zu stellen. Geld kann nicht ohne den Menschen arbeiten. Worauf wollen Sie hinaus? Jeder, der Geld hat oder Aktien hält, trägt auch eine Verantwortung für das Ganze. Im Grundgesetz steht, dass Eigentum sozialpflichtig ist. Das ist aber nicht genügend in dem Bewusstsein der Men- schen angekommen. Es gibt Defizite auf den individuellen wie auf den ordnungspolitischen Ebenen. Wir brauchen eine globale soziale Marktwirtschaft. Die Deutsche Bischofskonferenz wird in Hamburg nach entsprechenden Grundlinien suchen. Muss die Krise auch juristisch aufgearbeitet werden? Jetzt ist es vor allem wichtig, rechtliche Grundlagen zu schaffen. Diejenigen, die solche Katastrophen verursachen, müssen in Zukunft dafür zur Verantwortung gezogen werden. Es ist noch immer erschreckend zu sehen, dass manche Manager in ihren Firmen Milliardenverluste machen und dann noch mit großzügigen Summen entlohnt werden. Darf man fragen, wie viel Geld die katholische Kirche in der Krise verloren hat? Ich kann nur für meine Erzdiözese Freiburg sprechen. Von unseren Geldanlagen befinden sich nur 0,02 Prozent in diesen Randgebieten, wo es unsicher geworden ist. Uns hat die Krise nicht spürbar getroffen. Ähnliches höre ich auch aus den anderen Diözesen. Herr Erzbischof, Sie sind seit einem Jahr an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Hatten Sie geahnt, was auf Sie zukommt? Ich ahnte, dass viel Arbeit auf mich zukommt. Aber es ist mehr, als ich dachte. Den Konflikt mit dem rot-roten Senat in Berlin haben Sie selber gesucht. Anlass war die Abschaffung des verpflichtenden Religionsunterrichts. Nein, der Senat suchte den Konflikt. Ich kann nur schwer verstehen, dass eine Landesregierung ein Schulfach Ethik verpflichtend für alle festlegt. Es erinnert an vergangene Zeiten, wenn ein Senat klären will, was Werte sind. Berlin sollte Freiheit schaffen: Religion muss ein Fach neben Ethik sein, damit es eine Wahlmöglichkeit gibt. Ich appelliere an die Berliner, sich im April an dem Volksentscheid der Bürgerinitiative „Pro Reli“ zu beteiligen, die sich für eine Wiedereinführung des verpflichtenden Religionsunterrichts einsetzt. Die Bürgerinitiative wollte die Abstimmung am Tag der Europawahl, dem 7. Juni, abhalten. Doch Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister, setzte den 26. April durch. Man wird den Eindruck nicht los, dass der Senat die Abstimmung vorverlegt, damit sich nicht so viele Menschen beteiligen. Das entspricht nicht meinem Verständnis fairen Vorgehens. Zweifeln Sie an Wowereits Demokratieverständnis? Ich befürchte, Herr Wowereit hat da ein Defizit. Er will partout ein Ziel durchsetzen. HA090303JochenGaugeleKarstenKammholzChristophRind Einen Bericht über die Bischofskonferenz finden Sie unter > Deutschland

Katholische Theologie ist neues Fach an der Universität Hamburg
Die Universität Hamburg erweitert ihr Angebot um den Lehrstuhl Katholische Theologie. Staatsrat Roland Salchow, Uni-Vizepräsident Holger Fischer und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke unter- zeichneten eine entsprechende Übereinkunft. In einem 2005 geschlossenen Vertrag hatten die Stadt und der Heilige Stuhl vereinbart, die Ausbildung von katholischen Religionslehrern an der Hamburger Universität zu fördern. Voraussichtlich zum nächsten Wintersemester erhält die Uni jetzt von der Stadt eine zusätzliche Professur mit entsprechender Ausstattung. Die Katholische Kirche stellt ebenfalls Räume und ihre Bibliothek in der Katholischen Akademie Foto oben links zur Verfügung. Jetzt hoffen Universität und Kirche, die Professur mit einer qualifizierten Fachkraft besetzen zu können. Deren Berufung erfolgt durch die Universität Hamburg, die Katholische Kirche hat jedoch Mitspracherecht. „Ich freue mich darüber, dass wir das Aus- bildungsangebot in den Geisteswissenschaften erweitern können und angehenden Lehrern die Mög- lichkeit eröffnen, auch das Fach Katholische Theologie zu studieren”, sagte Wissenschafts- staatsrat Roland Salchow. Zunächst würden Religionslehrer für Primarstufe und Sekundarstufe eins ausgebildet. Für den Fall, dass sich Schleswig-Holstein der Kooperation anschließt, ist der Vereinbarung zufolge die Erwei- terung der Ausbildung für die Sekundarstufe zwei geplant. HAfru080207DTkna080209

Experten sprechen von “sensationellem Fund”. Uraltes Papstsiegel in Tramm bei Plön im Erzbistum Hamburg gefunden. Foto links: Vorderseite des Bleisiegels “Anacletus pp. II. Foto rechts: Rückseite des Siegels mit dem Bild der Apostelfürsten Petrus und Paulus
Das Bleisiegel, eine sogenannte Papstbulle, die bei Ausgrabungen des mittelalterlichen Dorfes Tramm bei Plön gefunden wurde. Rechts ist deutlich der Name des Papstes zu sehen. Eine Bulle vom Gegenpapst Anaklet II. ist extrem selten. Wie das Stück aus dem 12. Jahrhundert dahin kam, ist ein Rätsel. Archäologen haben bei Ausgrabungen in Schleswig-Holstein ein seltenes Papstsiegel aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Wie das Archäologische Landesamt mitteilte, stammt das in Rathjensdorf bei Plön entdeckte Bleisiegel - eine sogenannte Papstbulle - vom Gegenpapst Anaklet II. Dieser hatte von 1130 bis 1138 in Konkurrenz zum römischen Papst Innozenz II. amtiert. Anaklet, der frühere Bischof Pietro Pierleoni, war nur in zwei Regionen des damaligen Kirchenreiches als rechtmäßiger Papst angesehen worden: im normannisch regierten Sizilien und in Polen. Fachleute sprachen von einem „sensationellen Fund”. „Papstbullen des Anaklet sind extrem selten”, sagte der Plöner Projekt- leiter Willi Kramer. Auf der einen Seite des Bleisiegels sind Petrus und Paulus mit dem Bischofsstab abgebildet, auf der anderen Seite der Name des Papstes. Wie das Siegel nach Schleswig-Holstein gelangte, ist unklar. Laut Kramer gibt die Papstbulle von Rathjensdorf ein doppeltes Rätsel auf: Zum einen war das damals slawisch besiedelte Wagrien im Osten Holsteins Mitte des 12. Jahrhunderts heidnisch. Zum anderen hatte Erzbischof Adalbero von Hamburg-Bremen, dessen Missionsgebiet Wagrien war, Ge- genpapst Anaklet II. nicht anerkannt. Erzbischof Adalbero hielt nur Innozenz II. für den recht- mäßigen Papst. Weil Wagrien zur Einflusssphäre Polens gehörte, könnte die Papstbulle von dort nach Schleswig-Holstein gekommen sein. In der Geschichte hatte es immer wieder Gegenpäpste gegeben. Laut dem Informationsdienst „Vaticanhistory” waren es insgesamt 38. Ein Gegenpapst wurde unter anderem gewählt, wenn sich die Kardinäle bei der Papstwahl nicht auf einen Kandidaten einigen konnten und sich das Kardinals- kollegium spaltete. Erster Gegenpapst war Hippolytos (217 bis 235 nach Christus). Der bisher letzte Gegenpapst war Felix V; er amtierte von 1439 bis 1449. In Rathjensdorf laufen seit zur Zeit Ausgrabungsarbeiten. Auf einer fünf Hektar großen Fläche sollen Reste des im 17. Jahrhundert aufgegebenen Mittelalter-Dorfes Tramm ausgegraben werden. Die Archäologen gehen davon aus, dass das Dorf Tramm augenscheinlich eine weit größere Bedeutung gehabt hat als bisher bekannt. „Die Anaklet-Bulle von Rathjensdorf lässt erahnen, welche Über- raschungen jetzt noch auf die Ausgräber zukommen dürften”, macht Kramer Hoffnung auf weitere Funde, die vielleicht auch das Rätsel der Papstbulle lüften könnten. HAdpa071122 Papst Anaklet II. Nach dem Tode von Papst Honorius im Jahre 1130 wählten 16 Kardinäle in aller Eile, um einer Kirchenspaltung zuvorzukommen, Innocenz II. zum Nachfolger. Seine liebenswerte Frömmigkeit und ein tadelloser Lebenswandel wurden allgemein anerkannt. Jedoch erhoben nur einige Stunden später die übrigen 14 Kardinäle, denen später noch zehn weitere beitraten, Kardinal Pierleoni zum Papst, der den Namen Anaklet II. annahm. Er war ein gebildeter, weltkluger Mann aus einer ursprünglich jüdischen, reich gewordenen Bankiersfamilie. Seine geistige Überlegenheit war unbestritten, er war kraftvoll und schnell in Entschlüssen und durch Legationsreisen nach England, Frankreich und auch nach Worms mit Europa vertraut. Während Innocenz nach Frankreich fliehen musste, stand fast ganz Rom hinter Anaklet II. Den Normannenherzog Roger II., der den Gegenpapst stützte, krönte er zum König. Durch den starken Einfluss des heiligen Bernhard - Abt des Zisterzienser-Klosters Clairvaux - erkannte Frankreich Papst Innocenz II. als rechtmäßig an. Deutschland folgte noch im selben Jahr und England 1131. Von Skandinavien und den osteuropäischen Kirchen fehlen Nachrichten. Ein Lehen, das Papst Innocenz II. an König Lothar verlieh, gab dieser weiter an seinen Schwiegersohn, den Welfen Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern. Erst als 1138 Anaklet II. starb, war die Kirchen- spaltung beendet und Papst Inncenz II. nun wieder von der gesamten Kirche anerkannt.
Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg St.Ansgar-Medaille
Die St.-Ansgar-Medaille ist die einzige Auszeichnung, die das Erzbistum Hamburg vergibt. Sie wurde im Jahr 2000 geschaffen und bislang 21-mal vergeben. Die Medaille ist Laien vorbehalten. Mit ihr werden Frauen und Männer für ihren „vorbildlichen Einsatz für die Kirche” ausgezeichnet, so das Statut. Auch für bedeutende Leistungen im kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Bereich kann sie vergeben werden. Die Medaille ist aus Silber gefertigt und teilvergoldet. Sie zeigt den Bistumsgründer Erzbischof Ansgar, der die thronende Gottesmutter verehrt. Die Darstellung wird von dem Schriftzug „Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg” umrahmt. HA070522
Auf Jesu Spuren in Lübeck
Deutschlands ältester Kreuzweg liegt in Norddeutschland: in Lübeck Foto oben: Das Sandsteinrelief auf dem Lübecker Jerusalemberg stellt die Kreuzigung Jesu dar. Fotos unten: Vollendet im Jahr 1493, ist der Kreuzweg so lang wie das Vorbild Via Dolorosa in Jerusalem - 1650 Meter. Der Lübecker Schmerzensweg beginnt an der St.Jakobi-Kirche und endet auf dem Jerusalemsberg. Die 1493 vollendete Prozessionsstrecke führte über sieben Stationen von der Altstadt vor die damalige Stadtmauer.
Kreuzweg am Karfreitag, typisch süddeutsch? Falsch. Der älteste in Deutschland bekannte Kreuz- weg führt von der Lübecker Seefahrerkirche Sankt Jakobi vor das Burgtor. Lange Zeit vergessen, wurde er vor 13 Jahren wiederentdeckt - und genutzt. Am Karfreitag 2007 beteiligten sich mehr als 600 Menschen, am Karfreitag 2008 waren es schon über 700 Lübeckern. Allen voran gingen der katholische Erzbischof Werner Thissen aus Hamburg sowie die Lübecker Pröbste Ralf Meister (evangelisch) und Franz Mecklenfeld (katholisch). Die Geschichte des Lübecker Kreuzwegs ist bemerkenswert. „Hir beginet de crucedracht Xsti bute de brochdare to Jherusale (Hier beginnt die Kreuztragung Christi vor das Burgtor nach Jerusalem).” So steht es auf einem Relief an der Jakobikirche in Lübeck. Es zeigt Jesus vor Pontius Pilatus. Und tatsächlich beginnt hier ein Weg, der sein Vorbild in der Via Dolorosa in Jerusalem hat und exakt wie dieser an einem Berg, dem Jerusalemsberg, endet. Zu verdanken hat die Hansestadt diesen Weg dem Kaufmann, Ratsherrn und Mitglied der exklusiven Zirkelgesellschaft, Hinrich Konstin. Schnell auf- brausend soll er gewesen sein. 1468 brach Konstin zu einer Pilgerreise nach Jerusalem auf. Im Gepäck ein Maßband, das er an die Via Dolorosa anlegte: Auch in seiner Heimatstadt - damals eine Weltstadt - sollte ein Kreuzweg an die Leiden Christi erinnern und auch exakt dieselbe Länge haben, nämlich 1650 Meter. Zurück an der Trave ließ Konstin einen dem Kalvarienberg ähnlichen Hügel außerhalb der Stadtmauern aufschütten. Die Vollendung des Lübecker Weges im Jahre 1493 erlebte Hinrich Konstin nicht mehr. Er starb 1482 kinderlos und hinterließ sein Vermögen für die Vollendung des Kreuzweges. An dessen Endpunkt, dem an der Konstinstraße gelegenen Jerusalemsberg, wurde ein Denkmal errichtet, das auf einem 3,30 Meter hohen und 1,77 Meter breiten Kalksteinrelief den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes zeigt. Aus dem Jahr 1680 ist noch ein Vermerk über Renovierungsarbeiten an diesem Mal vermerkt. Ein Indiz dafür, dass Lübecker Kaufleute getreu ihrem Motto „Was viel Geld gekostet hat, soll man nicht blindwütig zerstören” zumindest den Anfang und das Ende des Weges vor den Bilderstürmern der Reformation bewahrt haben. Die Prozessionsstrecke selbst geriet jedoch in Vergessenheit. Und in Lübeck wie überall in Nord- deutschland fasste die Meinung Fuß, dass diese Form der Andacht doch eher etwas für südlichere Seelen sei. Der Jerusalemsberg wurde ein Hügel, vom dem herab es sich im Winter gut rodeln ließ. Mehr als 450 Jahre später stieß der damalige Lübecker Propst Helmut Siepenkort in lübschen Auf- zeichnungen auf den alten Kreuzweg - eine archäologische wie christliche Sensation. 2007 beteiligt sich zum ersten Mal der ACK, die Arbeitsgemeinschaft aller christlichen Kirchen in Deutschland, am Kreuzweg - nah bei den Wurzeln Konstins, der seinen Kreuzweg plante, als Martin Luther noch gar nicht geboren war. „Es ist ein gemeinsamer Weg, Ostern zu feiern”, sagt Lutz Jedeck, Pastor an St. Jakobi. Er hat für das Kreuz gesorgt, das der Prozession vorangetragen wird. Es ist aus 500 Jahre alten Eider- städter Kirchenbalken gezimmert. Noch eine Besonderheit ergab sich 2007: In diesem Jahr feiern Orthodoxe wie Westkirchen das Osterfest am selben Tag. KarinLubowskiHA070405 Auf dem ökumenischen Kreuzweg 2008 in Lübeck, sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, der Schrei des Gekreuzigten finde Widerhall in den Gefolterten im Irak, den Verfolgten in Tibet, den Misshandelten in Kenia und den Hungernden im Sudan. Der Erzbischof betonte, der Kreuzweg sei Ausdruck für das Mitleiden und Mithoffen mit dem Nächsten. OR080404
Pilgerreise per Pedale:
Der Mönchsweg von Glückstadt bis Puttgarden folgt den Spuren der ersten Missionare
Back- und Feldsteinkirchen, Schlösser und Klöster in reizvollen Landschaften mit Deichen, Wäl- dern und Seen - diese Vielfalt können Radfahrer auf dem Mönchsweg erleben, Deutschlands erstem kirchlichen Fernradwanderweg. Die 342 Kilometer lange Strecke führt quer durch Schleswig-Holstein von Glückstadt an der Elbe bis auf die Ostseeinsel Fehmarn. Gleich, ob man im Segeberger Forst unter Schatten spendenden Bäumen Rast machen oder doch lieber die meditative Stille in einer der 50 Kirchen entlang der Wegstrecke genießen möchte: Der Mönchsweg hat Radsportlern und Naturliebhabern eben so viel zu bieten wie Kirchenfreunden und Kulturinteressierten. Sie alle können auf dieser besonderen Pilgerreise per Pedale auf den Spuren der ersten christ- lichen Mönche in Norddeutschland wandeln, allen voran des Missionars und ersten Holsteiner Bischofs Vicelin (um 1090 bis 1154). Der Mönchsweg folgt seinen Spuren über die Vicelinkirchen in Bornhöved und Bosau bis zur St. Johanneskirche nach Oldenburg, dem einstigen Bischofssitz des norddeutschen Missionars. Der Mönchsweg ist ein bundesweit einmaliges Kooperationsprojekt zwischen den Landkreisen Steinburg, Segeberg, Plön und Ost-Holstein sowie der Nordelbischen Kirche und dem Erzbistum Ham- burg. Die Kosten des Projekts in Höhe von 150.000 Euro teilen sich die EU, das Land und die Kommunen. Schon im Vorfeld wurden mehr als 2.500 begleitende Radwanderkarten verkauft. Sie bieten neben den Hinweisschildern auf den Radwegen die nötige Orientierung und erläutern die frü- hen Zeugnisse der Christianisierung. Während das Reisen zu Vicelins Zeiten noch mühsam und gefährlich war und über unwegsame Pfade führte, ist das Fortkommen der Radler heute vergleichsweise bequem: Der Großteil des Mönchswegs ist asphaltiert. Information: www.moenchsweg.de Tel.: 0180 - 543 03 45. Radwanderkarte im Bielefelder Rad- Spiralo-Format kostet 9,95 €. DanielKreuzHA070604
Besuch beim Abendblatt 
Bei seinem Besuch beim Hamburger Abendblatt berichtete der Erzbischof auch von seinem Blick auf die Zeitung als einer ihrer Abonnenten. „Morgens schau ich mir als Erstes die Seite eins an, die einen guten Überblick bietet über Nachrichten aus Hamburg und der Welt”, sagte er. „Dann blättere ich die Zeitung durch und streiche alles an, was ich mittags noch lesen will.” Für den Geistlichen stellt das Abendblatt eine „gelungene Mischung aus Tradition und modernen Elementen” dar. Thissens Fazit: „Hamburg ist das Abendblatt, und das Abendblatt ist Hamburg.” Fotos:MichaelZapfHamburgerAbendblatt
Erzbischof Dr. Werner Thissen, Hamburg 
Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt äußerte sich der 68-Jährige Erzbischof auch zur Sonntagsöffnung der Läden und zum Konsolidierungskurs im Erzbistum. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen (68) hat an die Wirtschaft appelliert, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen und für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu sorgen. „Es kann nicht angehen, dass große Unternehmen immer höhere Gewinne machen, sich aber nicht um ihre Mitarbeiter kümmern” sagte der Oberhirte von rund 400.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt. Gleichzeitig übte der Erzbischof Kritik am Beschluss des Hamburger Senats, den Weg für eine Sonntagsöffnung am 1. April freizumachen. „Es ist wichtig, dass der Sonntag geschützt bleibt, und hier handelt es sich um einen besonderen Tag, den Sonntag der Karwoche. Das ist einigen Politi- kern möglicherweise gar nicht klar gewesen.” HAMBURGER ABENDBLATT: Immer wieder werden Konzerne kritisiert, die Gewinne machen, aber zu- gleich Personal abbauen. Wie stehe Sie zu dieser Problematik? Erzbischof Werner Thissen: Es ist wichtig, dass Unternehmen nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern auch das Schicksal ihrer Mitarbeiter im Blick behalten. Manager müssen zu ihrer sozialen Verantwortung stehen. Gewinne sind sozialpflichtig. Ich appelliere an die Chefs, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Auch das Erzbistum fährt einen harten Konsolidierungskurs. Wie viele Stellen wurden abgebaut? Sind die Sparziele erreicht? Wir haben sehr darauf geachtet, dass dies sozialverträglich gestaltet wurde und insbesondere Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen wurden. Aber wir stecken noch mitten im Konsolidierungs- prozess, für den in der Verwaltung des Bistums eine Reduzierung um 30 Stellen eingeleitet ist. Zurzeit sind bereits 20 Mitarbeiter aus dem Dienst ausgeschieden. Eine weitere Sparmaßnahme ist die Fusion von Gemeinden. Wie ist da der Stand? Am Ende der Restrukturierung, die leider auch mit sinkenden Priesterzahlen zusammenhängt, werden wir von ehemals rund 170 noch gut 80 Pfarreien haben. Ich habe hohen Respekt vor unseren Pfarrgemeinden, die nach dem ersten Schreck über die rigiden Veränderungen kreativ mit dem Druck umgegangen sind. Denn Fusionen bedeuten ja nicht nur, mit weniger Geld an Schlüsselzuweisungen vom Bistum auszukommen. Dazu gehört auch, sich neu als Pfarrei auszurichten und auf neuen Wegen wie Sponsoring Mittel zu akquirieren, um die Aufgaben in den Gemeinden weiter zu erfüllen. Ist der Priestermangel im Erzbistum noch Thema? Ja, wir haben zu wenig Priester. Ich wäre froh, wenn wir mehr hätten. Wir werben um junge Leute. Ich sag denen, was das für ein toller Beruf ist. Im vorvergangenen Jahr sind 2.493 Menschen aus der katholischen Kirche im Erzbistum ausgetreten. Wird diese Zahl durch Eintritte ausgeglichen? Nein, aber die Zahl der Neueintritte und Wiedereintritte steigt. Werden Sie als Bischof auch einmal mit den Gründen konfrontiert, warum jemand aus der katholischen Kirche austritt? Ja, ich treffe in den Gemeinden auch Menschen, die mal Kirchenmitglieder waren und es nicht mehr sind. Eine ziemlich häufige Begründung dafür ist: Das war ja auch mal nicht so üblich, in der Kirche zu sein. Das sind Menschen, die überlegen jetzt, den Schritt wieder rückgängig zu machen. Es ist inzwischen wieder ein gesellschaftlicher Trend, zur Kirche zu gehören. Das hat sicher auch mit den überzeugenden Persönlichkeiten der Päpste, Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu tun. Vor Kurzem haben Sie das Vorhaben der Renovierung des Doms in St. Georg und einer Umgestaltung des Vorplatzes vorgestellt. Die Kosten werden auf 7,8 Millionen Euro geschätzt, die durch Spendengelder aufgebracht werden sollen... ... Das ist unser Ziel... Dennoch: Gibt es nicht Unmut, dass vor dem Hintergrund des Sparkurses so viel Geld für dieses Projekt ausgegeben wird? Klar, das wird diskutiert, und das habe ich auch erwartet. Auf der einen Seite mute ich den Ge- meinden viel zu. Auf der anderen Seite sage ich: Jetzt renovieren wir den Dom. Dennoch erlebe ich, dass das auch eingesehen wird. Diejenigen, die unseren Dom kennen, sehen sofort: Da muss was gemacht werden. Innen ist zwingender Renovierungsbedarf. Wie weit sind die Pläne für das christliche Zentrum in der HafenCity gediehen? Es zeichnet sich eine gute ökumenische Lösung ab. Der Trägerverein ,Die Brücke' hat einen Standort ins Auge gefasst. Die Finanzierungsabsprachen sind getroffen und auch mit einer christlichen Gemeinschaft, die dieses Zentrum mit spirituellem Leben erfüllen soll, sind wir im kon- kreten Gespräch. Ein ganz anderes Thema. Es wird derzeit viel über selbstbestimmtes Sterben diskutiert. Wie stehen Sie dazu? Für uns ist eindeutig: Leben ist lebenswert bis zum Schluss. Und das wird auch so gesagt von Menschen, die in der letzten Lebensphase stehen. Ich sehe zwei Voraussetzungen: Einmal muss die Schmerzbekämpfung optimal sein, und dann dürfen wir diese Menschen nicht allein lassen. Hier leistet die Hospizbewegung in der Begleitung Schwerstkranker und Sterbender Großartiges. Die Hospiz- bewegung wird sich stärker durchsetzen, wir fördern das nach Kräften. Auf die Frage, wie weit darf sich Kirche politisch einmischen, sagten Sie einmal: Wenn ich sehe, dass etwas schiefläuft, sage ich es dem Bürgermeister zuerst, aber wenn er nichts tut, sage ich es laut. Wie viele Vier-Augen-Gespräche haben Sie mit Ole von Beust geführt? Einige. Es ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zu solch persönlichen Gesprächen. Der Um- gang in Hamburg zwischen Politik und Kirche ist äußerst angenehm. Gab es beispielsweise Gespräche über die sogenannten Leuchtturmprojekte der Stadt, die ange- sichts wachsender Armut kritisiert werden? Es gibt da deutliche Zeichen, dass etwas geschieht. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen: die Ausbildungsförderung von Hauptschülern in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Handwerkskammer und Unternehmensverbänden sowie die Einrichtung von Eltern-Kind-Zentren in sozialen Brenn- punkten. Aber es geschieht nie genug. Zum Beispiel gibt es Schulklassen, in denen die Lehrkräfte mit den Fingern beider Hände die Zahl der Nationalitäten nicht abzählen können. Integration bleibt eine der Hauptaufgaben der Politik. Was sagen Sie denn zu dem Senatsbeschluss, den Sonntag am 1. April zum Einkaufen freizugeben? Diesen Beschluss finde ich sehr bedauerlich, zumal es sich um den Palmsonntag handelt, der am Beginn der Karwoche steht. In allen drei Ländern, über die sich das Erzbistum erstreckt, ist die Sonntagsöffnung ein Thema. Ich sehe, dass das mit einer Salamitaktik ausgeweitet wird, und kann nur an die drei Länderchefs appellieren, sich die Bedeutung des Sonntagsschutzes vor Augen zu führen. Sie sind vier Jahre in Hamburg. Haben Sie Lieblingsplätze, ein Lieblingsviertel? Das ist St. Georg, wo ich wohne, ganz klar! Wenn mich jemand besucht, sagt er: Du musst ja gar keinen Urlaub machen, du hast alle Nationalitäten an der Langen Reihe. Und dann gehe ich sehr gern einen Weg an der Elbe entlang, etwa von St. Georg bis Wedel oder sogar Pinneberg. Da bin ich dann sechs, sieben Stunden unterwegs und entwerfe beim Gehen Predigten. Und sind Sie inzwischen HSV-Fan? HSV und Hansa Rostock. In meinem früheren Bistum Münster hatte ich keinen Verein aus der ersten Bundesliga, jetzt hoffentlich bald wieder zwei. Das freut einen als Fußballfan. KristianStemmlerRalphKlingel-DomdeyHA070310
Das Erzbistum Hamburg in Zahlen Das Erzbistum Hamburg umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In 107 Gemeinden leben 396.389 Katholiken. Davon 180.912 in Hamburg, 172.733 in Schleswig-Holstein und 42.744 in Mecklenburg. 171 Priester stehen im aktiven Dienst des Erzbistums, dazu 121 pastorale Laien- mitarbeiter und 53 ständige Diakone. Neun Priester sind beurlaubt oder für andere Aufgaben freigestellt. 81 Priester leben im Ruhestand. Zum Erzbistum gehören 22 katholische Schulen (20 davon in Hamburg), 64 Kindergärten, 18 Alten- und Pflegeheime sowie neun Krankenhäuser, Sozialstationen und ambulante Pflegedienste. Die Zahl der Austritte ist 2005 auf 2.493 gesunken, nachdem sie seit 1997 konstant über 3.500 lag. kstHA070310 Nach einem Bericht der Hamburger „Neue KirchenZeitung” unter Berufung auf die neue Jahres- statistik des Erzbistums nähert sich die Zahl der Katholiken im Erzbistum Hamburg wieder der Marke von 400.000. Das sind 3.316 mehr als im Jahr 2005. knaHA070604

So viele Katholiken wie nie im Erzbistum Hamburg
Die Zahl der Katholiken im Erzbistum Hamburg ist im dritten Jahr in Folge leicht gestiegen. Ende 2007 lebten in Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein 397.589 katholische Christen. Das sind 1.499 mehr als im Vorjahr. In der Stadt Hamburg ist die Katholikenzahl sogar so hoch wie noch nie: Ende 2007 lebten 182.072 Katholiken in der Hansestadt. „Diese Zahlen gehen vor allem auf den Zuzug von Katholiken aus dem In- und Ausland zurück”, sagte Pressesprecher Manfred Nielen. Ha080612dpa

Umbau in Hamburg vollendet: Mariendom wurde zur Kathedrale umgebaut.
„Aus der kleinsten und bescheidensten Bischofskirche Deutschlands ist eine richtige Kathedral- kirche geworden”, der Wunsch von Erzbischof Thissen ging in Erfüllung. Im Innenbereich des mehr als 100 Jahre alten Gotteshauses wurden Putz, Fenster, Fußboden und das denkmalgeschützte Mosaik saniert. Auch Beleuchtung, Wand- und Deckenfarbe wurden verändert. Der Altarraum und die liturgischen Orte wurden im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs neu gestaltet und so die liturgischen und organisatorischen Ansprüche an eine Kathedralkirche erfüllt. Weitere Maßnahmen im Innern des Gotteshauses waren: die Schaffung eines Zugangs zur unter der Kirche liegenden Krypta, die Sanierung der Beckerath-Orgel und die Verlegung des Taufbeckens in die Mitte der Kirche. Die Taufkapelle an der rechten Seite des bildet nun den Durchgang zu einem neuen Anbau, für die Sakristei und andere Räume. Während der zwölfmonatigen Bauzeit war die Kirche geschlossen - die Gottesdienste wurden in Gastkirchen abgehalten. frgHA070217


Mariendom – im neuen Glanz. Der einst düstere Mariendom wirkt nun freundlich und großzügig. Dazu trägt auch eine gute Ausleuchtung des hohen Kirchenraums bei.
Der Mariendom in St. Georg ist nicht wiederzuerkennen: Die düsteren Farben sind verschwunden, die Wände erstrahlen in hellem Weiß. Der dunkle Teppich, der einst den Fußboden bedeckte, wurde durch edle, silber graue Basaltlava-Platten ersetzt. Und das Mosaik im Altarraum glänzt wieder in sattem Gold, nachdem seine rund 1,5 Millionen Teilchen per Hand gereinigt wurden. Einladend und streng solle der Dom wirken, heller und großzügiger, stellte Architekt Klaus Dornen das Sanierungskonzept vor. Das wurde nicht nur optisch durch die hellen Farben von Wänden und Fußboden erreicht, sondern auch räumlich durch die Einbeziehung der Vorhalle in den Kirchenraum. Herzstück des Mariendoms ist ein modern und sachlich gestalteter Altar aus französischem Kalkstein, ein ganz besonderer Schatz sind die vier überraschend freigelegten Wandgemälde aus den 20er- Jahren. „Jetzt muss noch die Orgel intoniert und die restliche Beleuchtung installiert werden”, so Thissen. Dann sei der Kirchenraum fertig, und die Arbeiten an Krypta und geplantem Atrium könnten be- ginnen. HA080904fru

Mariendom im neuen Glanz - Gold leuchtend: das renovierte Mosaik im Dom
Der neu gestaltete Mariendom ist eine Augenweide, und die Besucher können ihn vor der offiziellen Eröffnung im November besichtigen. Die größte Sensation dürfte wohl die Entdeckung von vier seit mehr als achtzig Jahren verborgenen Fresken sein, die das sonst schneeweiße Gotteshaus nun schmücken. Sie zeigen biblische Szenen der Verkündigung Mariens, der Geburt Jesu, der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten und die Kreuzigung. HAleu080916
Ansgar, Gründer des Ersbistums Hamburg
Kleine Geschichte des Erzbistums Hamburg
Kaiser Ludwig der Fromme wies 831/32 dem Benediktinerpater Ansgar das neuerrichtete Erzbistum Hamburg zu, das als Rückhalt für die nordische Mission galt. Infolge der Zerstörung Hamburgs durch die Wikinger (845) wurde das Erzbistum aufgeteilt, 848 aber auf Betreiben Ansgars wieder- hergestellt. Die vorläufige Verbindung mit dem Bistum Bremen wurde 864 und 908 vom Papst bestätigt (Erzbistum Bremen-Hamburg). Allerdings gab es später auch in Hamburg wieder ein zweites Domkapitel, das seit 1219 über drei Stimmen für die Bischofswahl verfügte. Alt-Hamburg besaß bis zur Reformation den Mariendom (1805 abgerissen), die Pfarrkirchen St.Petri, St.Jacobi, St.Nicolai und St.Catharinen, das Magdalenen-Kloster der Franziskaner, das Johannis-Kloster der Dominikaner und das Heilig-Geist-Spital. Die Reformation wurde 1529 eingeführt und gleichzeitig den Katholiken der Aufenthalt in der Stadt verboten. 1589 wurde die erste heilige Messe wieder im nahegelegenen Altona gefeiert, 1622 erstmals in Hamburg, am Vorsetzen, außerhalb des Schaar- tores. Später wurde die Kapelle an den Brauerknechtsgraben verlegt. 1631 begann P. Schacht SJ seine Tätigkeit als Kaplan der katholischen Gesandtschaften Spaniens und Frankreichs, deren Residenzen an der Fuhlentwiete bzw. am Kraienkamp lagen. Von September 1683 bis Ende 1685 wirkte in Hamburg als Apostolischer Vikar der Weihbischof Niels Stensen. 1671 wurde in der kaiserlichen Gesandtschaft am Konventgarten eine Kapelle eingerichtet. 1687 zog man wieder zum Kraienkamp, wo die Kapelle aber 1719 vom Pöbel zerstört wurde. 1708 wurde als Gesandter des Kaisers ein katholischer Priester ernannt, Hugo Graf von Schönborn, den der Papst 1715 zum Kar- dinal erhob. 1722 wurde die Gesandtschaft in ein Palais am Neuen Wall verlegt, wo der Senat eine Kapelle einrichtete als Ersatz für das vernichtete Gut am Kraienkamp. 1785 gab der Senat Ham- burgs dem katholischen Gottesdienst gesetzlichen Schutz. 1806 ließ Kaiser Napoleon Hamburg besetzen. Für die katholischen Soldaten wurde 1810 die evangelische Kleine Michaeliskirche re- quiriert. 1825 konnte sie rechtmäßig erworben werden und bildete die erste katholische Kirche seit der Reformation im damaligen Hamburg. Die St.Josephskirche in Altona ist weit älter. Schon 1660 wurde auf der Großen Freiheit eine Kapelle erbaut (1713 von den Schweden zerstört). 1721/23 entstand dafür der Barockbau der heutigen Josephskirche. Kirchenrechtlich unterstanden die Katholiken Hamburgs seit 1622 dem Apostolischen Nuntius in Köln, seit 1670 dem Apostolischen Vikar der Nordischen Missionen. Am 13. August 1930 wurde infolge des Preußischen Konkordates das Land Hamburg mit den preußischen Vororten der kirchlichen Jurisdiktion des Bistums Osnabrück angegliedert, nur die südlichen Stadtteile Harburg und Wilhelmsburg unterstanden dem Bischof von Hildesheim. Nach Errichtung mehrerer Seelsorgestationen erhielt der Geistliche der Mutterkirche Klein Michaelis(St. Ansgar) den Titel eines pastor primarius von Hamburg (1862). Nach der Verfassung von 1903 gab es in der Stadt nur die eine „Römisch-katholische Gemeinde Hamburg”. Am 1. Mai 1962 wurden die rechtlichen Verhältnisse vereinheitlicht. In allen vier Dekanaten wurden selbständige Kirchengemein- den eingerichtet mit eigener Vermögensverwaltung. Das Amt des Primarius entfiel. Bis 1945 befand sich die Verwaltung bei der Mutterkirche Klein Michaelis, die durch Bomben ganz vernichtet wurde. Nach dem Kriege wurde Hamburg-St.Georg (St.Marien) zur Zentrale. Zur besseren Koordinierung der Seelsorge in Hamburg und Schleswig-Holstein wurde der Sitz des Weihbischofs Johannes von Rudloff am 20. Januar 1958 von Osnabrück nach Hamburg verlegt. Am 1. Januar 1967 folgte die Ernennung des Weihbischofs zum Bischofsvikar für die Freie und Hansestadt Hamburg. Nach der Wiedererrichtung des Erzbistums Hamburg übernahm der Osnabrücker Bischof Dr. Ludwig Averkamp die Kathedra des heiligen Ansgar (834-865) von 1995 - 2002. Zu seinem Nachfolger ernannte Papst Johannes Paul II. den jetzigen amtierenden Erzbischof Dr. Wer- ner Thissen. HandbuchdesBistumsOsnabrück1968
HH-Farmsen HH-Harvestehude
Die Kirche in Hamburg
Innerhalb der christlichen Gemeinden vollzieht sich ein Wandel: Auf der einen Seite verlieren sie durch demografische Entwicklung und Austritte Mitglieder. Auf der anderen Seite wandern durch die Globalisierung immer mehr ausländische Christen ein - aus Europa und Amerika, aus Korea, China und Indonesien, Iran und vor allem Westafrika. Mittlerweile gibt es rund 120 afrikanische und asiatische Gemeinden in der Hansestadt. „Die christliche Migration ist höher als die islamische - auch, wenn man manchmal einen anderen Eindruck hat", sagt Ökumenebeauftragte Martina Severin-Kaiser. Auf die beiden Konfessionen wirkt sich das unterschiedlich aus. Bei den Katholiken haben Zuwan- derer wegen ihres Verständnisses, eine Weltkirche zu sein, keine Schwierigkeiten, sich in den Ham- burger Gemeinden zu integrieren - durch Zuzug etwa aus Polen oder Süddeutschland wuchs die Mitgliederzahl sogar: von 178.255 im Jahr 1998 auf 181.158 in 2008. Hamburger Katholiken kommen aus 160 Ländern der Erde, in vielen Kirchen werden daher Gottesdienste in anderen Sprachen ge- halten, etwa auf Spanisch und Englisch. Anders bei den evangelischen Gemeinden. Sie haben in Hamburg in den letzten zehn Jahren rund 70.000 Mitglieder verloren und bereits elf Kirchengebäude aufgeben müssen. Die Zahl afrikanischer und asiatischer Protestanten wächst ständig. Doch weil ihre Glaubensrichtun- gen unterschiedlich sind, finden sie in der lutherisch geprägten Gemeinden keine geistliche Heimat, gründen daher eigene und haben das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Noch bilden die Protestanten in Hamburg mit rund 530.000 Gemeindegliedern die größte Gruppe, gefolgt von 181.000 Katholiken, etwa 140.000 Muslimen und rund 17.500 Orthodoxen. Zu den Minder- heiten gehören auch 30.000 Aleviten, insgesamt etwa 20.000 Freikirchler (Baptisten, Methodisten, Mennoniten) und jeweils rund 5.000 Juden, Buddhisten und Hindus. Katholische Gemeinden Die katholische Heilig-Geist-Gemeinde in Farmsen Foto oben betreut Pater Karl Schmickler 4.000 Mitglieder aus 65 Nationen. Innerhalb der katholischen Kirche in Hamburg hat sie den höchsten Anteil an regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Gehen im Durchschnitt 11,7 Prozent der Katholiken zur Messe, sind es in Farmsen 22,43 Prozent - man sieht hier Alte und Junge, Familien, die Dame im Pelz und Menschen, die gerade mit Aldi-Plastiktüten vom Einkaufen kommen. „Pater Schmickler hält die Gemeinde zusammen und füllt sie mit Leben", sagt Stanislaus Cramer, der seit 13 Jahren jede Woche mindestens einmal zum Gottesdienst kommt. Lydia Gädike und ihre Tochter Lara (13) schätzen die familiäre Atmosphäre in der Kirche. „Ich mag besonders den Chor und die vielen Feste, die wir feiern", sagt Lara. Weil zu den Hauptgottesdiensten mehr als 500 Besucher kommen, wurde der Innenhof der Kirche mit einem Glasdach bedeckt. In Harvestehude, liegt die katholische Kirche St. Elisabeth Foto oben. Die Gottesdienste sind unter- schiedlich gut besucht. Rund 6.000 Katholiken gehören zu der Gemeinde, die von Pfarrer Klaus Alefelder geleitet wird. Gottesdienste werden auf Deutsch, Englisch und Spanisch gehalten. „Es gibt innerhalb der Gemeinde einen erfreulichen Zusammenhalt, sie ist sehr engagiert und ökumenisch inter- essiert", sagt der Pfarrer. Dietrich und Beatrix Rauchenberger kommen seit 20 Jahren regelmäßig zum Gottesdienst - meist zu Fuß. „Die Gemeinde hat viel Gemeinschaftsgefühl", sagen auch die Eheleute. Es gibt ein großes Aufgebot von 160 Ehrenamtlichen, dazu gehört auch Gabriele Schmitz, die sich als Lektorin und Kommunionhelferin engagiert. „Mir sind Liturgie und Gottesdienst kostbar", sagt sie. Außerdem schätzt sie den Friedensarbeit, mit der die Gemeinde Ruanda unterstützt.
HH-Barmbeck St. Spophien 
Ghana Catholic Mission
Jeden Sonntag um 12.30 Uhr feiert die Ghana Catholic Mission ihren Gottesdienst in der katholi- schen Kirche St. Sophien in Barmbek. Dann ist das schöne Gotteshaus gut gefüllt: mindestens 200 Besucher, darunter viele Kinder, singen Gospels mit dem Chor und tanzen dazu, beten mit der Gebetsgruppe und lauschen den Predigten, die auf Englisch gehalten und manchmal auch in die Muttersprache übersetzt werden. „Weil wir viele lange Lieder singen, dauert der Gottesdienst mehr als zwei Stunden", sagt Theophilius Bediako-Asare, der seit 15 Jahren zur ghanaischen Gemeinde gehört und seit 2003 ihr Präsident ist. Obiri Manu-Bio, seit 30 Jahren in Deutschland, hat früher „normale" katholische Gottesdienste besucht. Seit vielen Jahren besucht er sonntags die ghanaische Messe in St. Sophien. Oft nimmt er seine Familie mit - Frau, Kinder und Enkelkinder. „Manchmal bleiben wir nach dem Gottesdienst den Rest des Tages in der Kirche, reden miteinander und lösen Probleme", sagt er. HA100213FriederikeUlrich
Erzbischof Werner Thissen, Hamburg: Der Glaube braucht keine Werbung
Mit einem Vespergottesdienst im Michel ist die 34. Hamburger Sankt-Ansgar-Woche zu Ende gegangen. Katholiken erinnerten an den Gründer des ersten Erzbistums Hamburg. Der heilige Ansgar (801-865) könne auch heutigen Menschen zeigen, wie viel Kraft und Lebensfreude die Gemeinschaft mit Jesus Christus vermittele, sagte Erzbischof Werner Thissen beim Patronatsfest im Mariendom. Thissen betonte vor mehreren Hundert Besuchern, der christliche Glaube sei keine Marke, für die man Werbung treiben müsse. „Christsein ist Lebensqualität, die man erfahren kann.” Die Feier ist tradi- tionell der größte katholische Gottesdienst des Jahres in der Hansestadt. Mehrere Tausend Menschen aller Konfessionen hatten sich zur 43. ökumenischen Sankt-Ansgar-Vesper in Sankt Petri versammelt. HA070205
Dialog der Religionen
Gelebter Dialog der Religionen in Hamburg beim Matthiae-Mahl. Foto: Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Ridvan Nizamagh, Türkische Gemeinde
Sophie-Barat-Schule
Privatschulen und Katholische Schulen in Hamburg stark gefragt Gründe: Die Lehrer seien bemühter, weniger Gewalt unter Schülern, keine Zahlung von Schulgeld und steigende Finanzierungsquoten aus der Staatskasse
Die Hamburger Privatschulen liegen im Aufwind. Zwar steigen auch die Schülerzahlen in den staatlichen Schulen, aber die Schulen in freier Trägerschaft, wie die Privaten offiziell heißen, wachsen schneller. In den vergangenen 30 Jahren hat die Zahl der Privatschüler um gut 50 Prozent zugelegt - von 12.100 Jungen und Mädchen 1977/78 auf 18.720 zu Beginn dieses Schuljahres. Allein in den vergangenen zehn Jahren betrug das Wachstum 20 Prozent. Das jährliche Plus erreicht derzeit rund 2,5 Prozent. Der Anteil der Privatschüler liegt in Hamburg bei 7,7 Prozent. Zum Vergleich: Die staatlichen Schulen besuchen 224.600 Kinder und Jugendliche. Was macht die Privaten so attraktiv? „Die Lehrer sind bemühter um die Schüler als ihre Kollegen an staatlichen Schulen, sie sind an- sprechbarer”, sagt Norbert Latz, Gesamtelternratsvorsitzender der katholischen Schulen, an denen mit 9.500 Kindern rund die Hälfte aller Privatschüler unterrichtet werden. Latz, dessen drei Kinder die Sophie-Barat-Schule (Hamburg-Rotherbaum) - eines von drei katholischen Gymnasien - besuchen, geht es auch um die ganzheitliche Erziehung zum mündigen Christen.„Der Mensch mit seinen Stärken, Schwächen und Wünschen wird als Einheit verstanden”, sagt der Vater. Schließ- lich seien die Schüler im Umgang miteinander menschlich und sozial. „Das Schüler-Dasein ist zwar nicht konfliktfrei, aber gewaltärmer.” Die katholischen Schulen wachsen: Vor zehn Jahren lag die Schülerzahl noch bei rund 8.000. „Es gibt viele Standorte mit Wartelisten, die nicht abgearbeitet werden können”, sagt Hermann Vort- mann, Schuldezernent im katholischen Schulamt. Die Katholiken verlangen kein Schulgeld, um auch die Kinder von Eltern mit geringen Einkommen aufnehmen zu können. Das Etikett der Eliteschule, das vielen Privaten anhaftet, soll auf die katholischen Einrichtungen nicht zutreffen. Andererseits sind auch die Lerngruppen in den katholischen Schulen groß: 30 und mehr Kinder in einer Klasse sind keine Seltenheit - der Spardruck wirkt sich auch hier aus. Dennoch haben die Privatschulen ihre ökonomische Basis spürbar verbessern können. Das 2003 mit dem damaligen Bildungssenator Rudolf Lange ausgehandelte Privatschulgesetz garantiert den Schulen in freier Trä- gerschaft kontinuierlich steigende Finanzierungsquoten aus der Staatskasse. Erhielten die Träger 2004 für jeden Privatschüler noch 65 Prozent der Kosten für den Schüler in einer staatlichen Schule, ist der Wert inzwischen auf 72 Prozent geklettert. „Über weitere Steigerungen muss noch verhandelt werden”, heißt es aus der Bildungsbehörde. Und doch: Die Förderung der Privaten lohnt sich finanziell für den Staat. Jeder Schüler, der in den privaten Bildungssektor wechselt, kostet den Staat eben nur 72 statt 100 Prozent. „Schulen in freier Trägerschaft sind eine absolute Bereicherung des Bildungswesens - auch im Sinne einer gesunden Konkurrenz”, sagt Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Der Senat sei entschieden, die Förderung der Privaten fortzusetzen. PeterUlrichMeyerHA060830
Privatschulen haben enormen Zulauf Anmeldungen dreimal höher als freie Plätze. Katholische Einrichtungen wollen Schulgeld einführen
Nach einem Boom von neu gegründeten Privatschulen in den vergangenen Jahren wird es in diesem Jahr in Hamburg voraussichtlich keine neuen Schulen in privater Trägerschaft geben. Die bestehenden 69 Privatschulen in Hamburg - neben 393 staatlichen Schulen - werden aber auch im kommenden Schuljahr weiter regen Zulauf haben. So können im kommenden Schuljahr die katholischen Grundschulen 1.148 Schüler in die ersten Klassen aufnehmen und 329 neue Schüler in die fünften Klassen der katholischen Gymnasien, sagte Matthias Nord¬beck, EDV-Referent des katholischen Schulverbandes. Damit halten die katholischen Schulen ihre Zahlen aus diesem Schuljahr. Für das Schuljahr 2011/12 plant sein Schulverband, ein Schulgeld zu erheben: Monatlich 60 bis 80 Euro mit einer „sozialen Staffelung" sind vorgesehen, sagt Hermann Vortmann, Leiter des katholischen Schulamtes. Nach Angaben der Schulbehör¬de wurden in den Jahren 2006 und 2007 jeweils acht Privatschulen genehmigt (beantragt waren insgesamt 24), im Jahr 2008 fünf neue Einrichtungen (sieben waren beantragt), im vergangenen Jahr dagegen keine (drei Anträge). Im laufenden Jahr liegen nach Angaben einer Behördensprecherin „keine Anträge für Schulneugründungen vor". Allerdings klage die Moderne Schule gegen die Ablehnung ihrer geplanten Grundschule und eines Gymnasiums. Auch die OKO Private School und ein Phorms-Gymnasium hatten 2009 keine Genehmigung erhalten. Die kommerzielle Phorms-Gruppe, die insgesamt acht Schulen in deutschen Großstädten betreibt, hat derzeit massive Probleme in Niedersachsen. Die Grundschule in Hannover wird geschlossen. Auch in Hamburg wird die Kritik immer lauter. Die Phorms-Schule ist immer noch in Containern unter- gebracht, die Eltern haben einen Förderkreis gegründet, um die Schule finanziell zu unterstützen. Die „Financial Times Deutschland" berichtet, dass Phorms drei Millionen Euro Verlust in Hamburg einge- fahren haben soll. Jennifer Kamiah, Pressesprecherin der Phorms Management AG, sagt: „Wir sind vom Standort Hamburg überzeugt und planen, die Schule weiter auszubauen." Christian Schneider vom Landesverband Nord im Verband Deutscher Privatschulverbände bestätigt: „Die Anmeldezahlen für Privatschulen sind in der Regel zwei- bis dreimal höher als die Zahl der Plätze. Ich höre immer wieder, dass Schulen deshalb ganz auf Werbung verzichten." Die Flachsland Zukunfts- schule in Alsterdorf, eine Grundschule mit Hort, die 2008 an den Start ging, unterrichtet 60 Kinder jahrgangsübergreifend und wird zum Herbst 40 neue Schüler aufnehmen. „Wir hätten auch 150 Schüler aufnehmen können", sagt Ulrike Voigtsberge, geschäftsführende Leiterin, „aber wir wollen langsam wachsen." An den Brecht-Schulen wird es einen Zuwachs an Schülern geben, weil die Grundschule ab 2010/11 mit drei Klassen statt mit zwei starten wird. Freie Kapazitäten hat dagegen das Alsterring-Gymnasium, das im Herbst 2008 als Ganztagsschule in türkischer Trägerschaft gegründet wurde. „Ich habe nur 13 Bewerber für das kommende Schuljahr", sagt Schulleiter Karsten Heyde. Die meisten der 44 Schüler seien Deutsche mit türkischem Hintergrund. Genommen wird nicht jeder. „Wir achten auf das Niveau unserer Schüler. Die Noten allein sind nicht entscheidend, es geht auch um das Arbeits- und Sozialverhalten." HA100223ElisabethJessenFlorianEisemüller

Viele Anbieter können die Kosten nicht aufbringen. Gespräche mit der Behörde bislang ohne Erfolg. Foto: Monsignore Peter Mies, Vorsitzender des Verwaltungsrats des katholischen Schulverbands.
Bleiben die privaten Schulen in Hamburg bei der Reform auf der Strecke? Der katholische Schulverband, der mit 21 Schulen Und insgesamt knapp 10.000 Schülern der größte freie Schult- räger in der Hansestadt ist, steht nach eigenen Angaben vor großen Problemen. Um beispielsweise die bestehenden Grundschulen in Primarschulen mit sechs Jahrgängen umzuwandeln, müsste nahezu jeder Standort baulich erweitert werden. „Dabei entstehen Millionenkosten", sagt Monsignore Peter Mies, Vorsitzender des Verwaltungsrats. Derartig hohe Investitionen könnten in der Kürze der Zeit kaum aufgebracht werden. „Es könnte sein, dass einige Privatschulen mittelfristig dichtmachen müssen", sagt Mies. „Als Kollateralschäden der Reform." Beispiel: Die kleine katholische Grundschule in Hamburg an der Eulenstraße hat pro Jahrgang nur eine Klasse. Kommen künftig noch zwei Jahrgänge hinzu, mangelt es an Räumen. Insbesondere, weil die Schulbehörde die Primarschulen als „in der Regel dreizügig" plant. Auch die katholische Grundschule in Blankenese wäre dann zu klein. „Wir brauchten eine große Turnhalle und Fachräume für die Klassen 5 und 6", sagt Schuldezernent Hermann Vortmann. Außerdem müsse der Unterricht für die neuen beiden Jahrgänge organisiert werden. „Woher die Lehrer kommen sollen, wissen wir auch noch nicht." Mit der zuständigen Schulbehörde seien Gespräche geführt worden - bisher ohne Erfolg. „Es hieß, dass die staatlichen Schulen keine finanzielle Förderung bekommen - und die privaten entsprechend auch nicht", sagt Mies. „Wir sind in Kontakt und bemühen uns, eine vernünftige Lösung zu finden", sagt Behördensprecher Armin Oertel. HA090226VanessaSeifertHanna-LotteMikuteit
P.Andreas Leblang SJ, Hamburg
Jesuitenpater Andreas Leblang betreut die französisch-sprachigen katholischen Christen
Pater Andreas Leblang SJ betreut nun auch die französich-sprachigen katholischen Christen in Hamburg. „Etliche kommen aus Frankreich, um bei Airbus zu arbeiten, dann gibt’s hier eine Militär- akademie für Offiziere, die kommen mit ihren Familien. Und natürlich gibt es noch viele Afrikaner.” Sonnabend abends wird die französischsprachige Messe im Kleinen Michel gefeiert, doch Leblangs Aufgabe umfasst mehr als das. Der Jesuit ist nicht nur bereits seit vier Jahren zuständig für die englischsprachigen Katholiken, er ist vor allem auch tätig als Leiter der Katholischen Glaubens- information in Hamburg. „Glaubensinformation klingt so nach einem Büro mit Broschüren”, sagt Pater Leblang ein wenig unglücklich. „Dabei wollen wir selber ein Ort von Kirche sein, wo Menschen Gott suchen und finden können: Seelsorge vor allem auch für Menschen, die nicht getauft oder nicht katholisch sind oder lange mit der Kirche nichts mehr zu tun hatten. Menschen, die eine Hei- mat in der Kirche suchen, dort aber keinen klassischen Platz finden, möchte ich einen Ort geben.” Er will sie mit seiner Manresa-Messe ansprechen. MishaLeuschenHA060912
Französich-sprachige Heilige Messe Samstag 18 Uhr im “Kleinen Michel” englisch-sprachige Heilige Messe Sonntag 12 Uhr St.Elisabeth, Oberstraße “Manresa-Messe” sonntags 19.30 Uhr im “Kleinen Michel” Hamburg

Der evangelische Pastor Hans Janßen (Detern bei Leer/Ostfriesland) Foto rechts wechselt mit seiner Frau Karin in die römisch-katholische Kirche und will Priester werden.
Der Theologe verabschiedete sich am 8. Juni von seiner Gemeinde. Der 51-Jährige und seine Frau wurden am 29. Juni vom Hamburger Erzbischof Werner Thissen Foto links in die katholische Kirche aufgenommen. Den Gottesdienst durfte Janßen nicht mehr halten. Er wurde von Superintendent Gerd Bohlen (Emden) vertreten. Auf Anordnung des Landessuperintendenten des evangelisch- lutherischen Sprengels Ostfriesland, Detlef Klahr (Aurich), war Janßen mit sofortiger Wirkung beurlaubt und von seinem pastoralen Dienst entbunden worden. Der Entschluss Janßens sei zu respektieren, so Klahr. Er dankte ihm für seinen langjährigen Dienst in der hannoverschen Landeskirche. Janßen stammt aus Bremen, ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter zwischen 16 und 22 Jahren. Er führt Glaubensgründe für seine Entscheidung an. Gerade die evangelistische Gemeindearbeit liege ihm seit jeher besonders am Herzen. Er sei davon überzeugt, dass die katholische Kirche unter einer besonderen Verheißung Gottes stehe. Janßen begründete seinen Schritt mit Gewissensgründen. Mit seiner Frau habe er überlegt, wo seines Erachtens nach „die Treue zum Wort Gottes am ehesten bewahrt werde”. Er werde dem- nächst nach Hamburg umziehen und in einer katholischen Gemeinde mitarbeiten und parallel an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main drei Jahre lang katholische Theologie studieren. Später wolle er sich zum Priester weihen lassen. Seine Ehe könne trotz des Zölibats bestehen bleiben. Für besonders außergewöhnlich hält er seinen Schritt nicht. Es gebe in Europa etwa 300 ehemalige evangelische Theologen, die zum Katholizismus übergetreten seien. Dennoch falle ihm der Schritt in die katholische Kirche, so Janßen nicht leicht. In der hannoverschen Landeskirche habe er geschwisterliche Liebe und Gemeinschaft erlebt. idea080609
Sr. Veronika in Hamburg Den Körper und die Seele pflegen
Schwester Veronika (46) begleitet Menschen gern. Auch Sterbenden hilft sie in den letzten Minuten. Bis zum Schluss wacht die katholische Ordensschwester über diese Menschen. Viele wären ohne sie in diesem Moment wohl sehr einsam. Seit anderthalb Jahren ist die ausgebildete Krankenschwester hauptsächlich in der Seelsorge im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand tätig. Den Patienten begegnet sie mit charismatischer Offenheit, die schnell Vertrauen aufbaut. „Wenn ich mich mit ihnen über ihr Leben unterhalte, hören das teilweise Nachbarpatienten. Auch sie wol- len dann oft mit mir sprechen.” Wie ernst ihr die Arbeit ist, sieht man in ihren Augen. Außerdem ist sie 24 Stunden sieben Tage die Woche auf dem Gelände der Klinik. Sie wohnt in einer kleinen Klausur. Heute gibt es im Wilhelmsburger Krankenhaus neben Veronika nur noch zwei weitere Ordens- schwestern. Für Schwester Veronika war es ein innerer Drang, in den Orden der Katharinen- schwestern einzutreten. „Damit wollte ich meinem Ziel entgegenkommen, den ganzen Menschen zu pflegen - den Körper wie die Seele.” Am glücklichsten sei sie, wenn sie sieht, wie die Patienten nach Gesprächen zu sich finden. Wie sie lernen, das Leben zu akzeptieren. HAhpls080428
Schwester Clemense, HH-St.Pauli: Eine warme Stube für den Kiez
Jens Meyer-Odewald fragt spontan für das Hamburger Abendblatt Menschen, was sie gerade bewegt, lädt sie auf einen Kaffee ein und lässt sie erzählen. Bitterkalt ist es auf der Reeperbahn. So und so. Inmitten des pulsierenden Feierabendbetriebs geht eine Ordensschwester zielstrebig Richtung Nobistor, vorbei an allen möglichen Spelunken. Kaffee möchte die Franziskanerin Clemensa nicht trinken, einen heißen Kakao umso lieber. Also auf zum Cafe Möller am Beatles-Platz. Wohin des Weges, Schwester? „Von meiner Kirchenwohnung in der Großen Freiheit zu Alimaus", antwortet sie nach einem erwärmenden Schluck. Fragende Blicke erwidert sie mit der Erklärung: Gemeinsam mit vier anderen Schwestern und 200 ehrenamtlichen Helfern werden in der Sozial- einrichtung am Rande des Kiezes Frühstück und Mittagessen an Obdachlose und Bedürftige aus- gegeben. „300 bis 400 Gäste haben wir", sagt die gelernte Erzieherin. Tag für Tag, finanziert durch Spenden. Hinzu kommen eine Kleiderkammer, medizinische Versorgung sowie eine Beratungsstelle. Im Mai wechselte die Ordensschwester von der „Wärmestube" in Osnabrück als Leiterin zu „Alimaus". Schwester Clemensa blickt auf die Uhr. Eile ist geboten. Seit gestern wird auch Abendbrot aus- geteilt - der Winter naht. Was noch mehr Arbeit bedeutet. Doch über Mühe und Plage redet die couragierte Wohltäterin gar nicht gerne. Schon eher über ihr Hobby: Ohne Krimi geht sie selten ins Bett. HA091103

Foto links: Weihbischof Hans-Jochen Jaschke Foto rechts: Mariendom Hamburg Weihbischof Hans Jochen Jaschke, Hamburg, zur Auferstehung:
“Mit dem Tod ist für Jesus kein Ende. Er tritt in eine neue Dimension des Lebens ein, zu der nicht nur das Geistige, sondern auch das Materielle, Leibhaftige gehört - nicht der faltige, geschundene Leib, wie er jetzt ist, sondern eine neue Form. Der alte Adorno hat gesagt: Wenn es eine Hoffnung gibt, dann muss auch der arme Leib davon betroffen sein, nicht nur so ein esoterisches Etwas für geistige Welten. Natürlich gibt es viele, die sagen: Wir müssen dieses Wunder (der Auferstehung) nicht glauben, uns interessieren viel mehr Jesu Worte, die sind gut. Mein Einwand: Er war nicht nur ein Morallehrer so wie Sokrates, Seneca und andere Große. Er ist der Mensch, an dem uns aufgeht, dass unser Leben eine Perspektive über den Tod hinaus hat. Seine Worte werden bestätigt, bewiesen durch das, was an ihm selber geschehen ist. Das gibt ihnen ihr einzigartiges Gewicht.” AusPresseinterviewHA060527
Gäste im Kloster auf Finkenwerder mit Schwester Teresa
Wer eine Auszeit von der Hektik des Alltags sucht, ist bei den drei Karmelitinnen in Hamburg auf Finkenwerder willkommen. Schweigen und Stille sind wichtige Elemente des katholischen Ordens, den die Heiligen Teresa von Avila im 16. Jahrhundert erneuerte. Dass Gäste am geistlichen Leben der Schwestern teilhaben können, ist eine Besonderheit der kleinen „Karmelzelle von der Menschwerdung” auf der Elbinsel. Als klausurierte Schwestern leben wir normalerweise im Verborgenen”, erläutert Schwester Teresa. Viele Gäste haben seit der Klostergründung 1999 die Möglichkeit genutzt zum gemeinsamen Schweigen und Meditieren, etwa bei den regelmäßigen „Tagen der Stille”. Anmeldung: 040 – 74 21 43 75 MishaLeuschenHA070313
Diözöse Osnabrück



Rund 9500 Pilger sind am Wochenende von Osnabrück nach Telgte gezogen. „Der böige Wind ist eine Herausforderung für die Fahnenträger", sagt Organisator Karl-Heinz Schomaker. Ansonsten gilt aber: „Es ist optimales Pilgerwetter." Am An der Telgter Wallfahrt be- teiligten sich rund 9500 Teilnehmer aus dem Osnabrücker Land. Startpunkt ist am Samstag um 3 Uhr morgens der Johannisfriedhof in Osnabrück. Am Sonntag beginnt der Tag um 4.30 mit der Pilgermesse. Am Vorabend ist die Schlussandacht von Propst Heinz Erdbürger gerade beendet, als der Himmel seine Schleusen öffnet. „Nach dem Segen der Platzregen", lacht Schomaker über den insgesamt glücklichen Verlauf der Wallfahrt. Um acht Uhr machen sich die Pilger dann wieder auf den Rückweg. Rund acht Kilometer sind es bis zur Rast in Ostbevern. Hier haben die Geschäfte in der Nähe der St.-Ambrosius-Kirche geöffnet. Es gibt Kaffee, kalte Getränke, Brötchen und Kuchen. Auch das Pfarrheim Edith-Stein-Haus ist an der Verpflegung der Pilger beteiligt und hat neben fair gehandeltem Kaffee auch eine kräftige Erbsen- suppe im Angebot. Die Erlöse gehen an die ruandische Partnerdiözese Nyunda. Rund acht Kilometer sind es zwischen Telgte und Ostbevern. Einige der Wallfahrer nutzen die Bänke, andere ruhen sich auf den Rasenflächen nahe der Kirche aus. Christine Kampmeyer, Christel Hartmann und Gertrud Osterheide aus der Gesmolder St.-Petrus-Gemeinde haben sich einen Platz im Schatten gesucht. Die drei Frauen nahmen schon als Jugendliche an der Wallfahrt teil. Es ist das Gemein- schaftsgefühl beim Beten und Singen, das sie fasziniert. Am Samstag wird zwischen Oedingberge und Ostbevern der „Kreuzweg” gebetet, für Gertrud Osterheide der „intensivste Teil” der Wallfahrt. Aus dem Ärmel schüttelt man die Strecke aber nicht. „Man muss ein bisschen im Training sein”, sagt Christel Hartmann. Dazu ist gutes Schuhwerk wichtig. „Der Einzug in Telgte kann einem unter die Haut gehen", sagt Schomaker. Gerade der Katholikentag hat die Telgter Wallfahrt noch einmal über die Grenzen hinaus bekanntgemacht, so Schomaker. NOZ080714


Bistum Osnabrück baut Kindertagesstätten zu Häusern für Kinder und Familien aus Foto links: Generalvikar Theo Paul, Foto rechts Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück
In 26 Kindertagesstätten des Bistums Osnabrück läuft seit August 2006 das Pilotprojekt „Häuser für Kinder und Familien”. Jetzt zog Generalvikar Theo Paul eine positive Zwischenbilanz. „Das Konzept unserer Häuser für Kinder und Familien ruht auf 3 Säulen”, erläuterte Paul in einem Pressegespräch. „Zum einen bauen wir das Betreuungsangebot aus.” Es werden längere, flexiblere Öffnungszeiten angeboten und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren geschaffen. „Dabei richten wir uns nach den Bedürfnissen vor Ort.” Es gibt große Unterschiede zwischen Ballungsraum und ländlicher Region. Doch in den jeweiligen Kindertagesstätten und den Gemeinden kann der Bedarf sehr genau ein- geschätzt werden. Die 2. Säule ist eine engere Vernetzung der Kindertagesstätten mit Beratungs- und Bildungs- angeboten für Familien. „Auch hier sind wir auf die Erfahrungen unserer Mitarbeiter vor Ort ange- wiesen. Diese werden derzeit speziell darin geschult, bei Bedarf die Eltern auf die passende Beratungsstelle, zum Beispiel eine Ehe- oder Schuldnerberatung, hinzuweisen und den Übergang dorthin zu erleichtern. Vielen Eltern fällt es immer noch schwer, Hilfe anzunehmen, wenn es um die eigene Familie geht.” Dabei setzt der Generalvikar nicht nur auf die Kooperation mit katholischen Einrichtungen, sondern sucht auch die Zusammenarbeit mit anderen Trägern. „Wichtig ist vor allem, den Betroffen klar- zumachen, dass sie das Recht haben, sich Hilfe von außen zu suchen.” Der 3. Aspekt ist die religiöse Bildung. In den Kindertagesstätten sollen Kindern und Eltern alltäglich den Glauben erleben. Eltern sollen die Möglichkeit bekommen, ihre eigene Glaubensbiografie gemein- sam mit den Kindern aufzuarbeiten und neu zu entdecken. „Hier bestehen auch ganz neue Chancen für die Kirchengemeinden”, betont Theo Paul. Der Ausbau der Betreuungszeiten bezieht sich nicht nur auf die 26 Piloteinrichtungen, die im gesamten Bistum verteilt sind. „Hier sehen wir insgesamt den wachsenden Bedarf.” Doch der ist kostspielig: Allein eine Million Euro zusätzlich (insgesamt 6,65 Millionen) sind im Bistums- haushalt 2008 als Betriebskostenzuschüsse für die 204 Kindertagesstätten mit ihren etwa 17.500 Kindern veranschlagt. Hinzu kommen 700.000 Euro als Investitionskostenzuschüsse für Renovierungen und konzeptorientierte Umbauten wie die Einrichtung von Speise- und Ruheräumen. Das Geld stammt aus Mehreinnahmen bei der Kirchensteuer. „Wir investieren hier in die Zukunft. Dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind, zeigt die große Nachfrage aus den Gemeinden - das Konzept wirkt ansteckend”, so Paul über die Resonanz auf das Pilotprojekt, das bis 2008 weitergeführt wird. „Die Erfahrung zeigt: Wenn es den Familien gut geht, geht es den Kindern gut - und umgekehrt. Genau das möchten wir mit unserem Konzept erreichen.” ONnak071121

Jugendbischof Franz-Josef Bode will Jugendaustausch in Nahost stärken
Jugendbischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück will den Austausch junger Deutscher mit israeli- schen und palästinensischen Altersgenossen verstärken. Nach einer Reise in den Nahen Osten sagte Bischof Bode der Neuen Osnabrücker Zeitung, er wolle dafür in der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz eintreten. Der Austausch könne auch junge Menschen im Nahen Osten zusammen- bringen. Bisher hätten junge Israelis und Palästinenser kaum Gelegenheit, die Situation der jeweils anderen Seite kennen zu lernen. Bischof Bode hatte im vergangenen Oktober mit dem israelischen Botschafter in Berlin, Shimon Stein, über Möglichkeiten des Jugendaustausches gesprochen. havNOZ070306
Osnabrücker Dom
Bischöflicher Segen für 400 Ehepaare Jubilar-Paare besuchen Osnabrücker Dom
Rund 400 Ehepaare hatten sich zu einem „Tag der Ehejubiläen” angemeldet, zu dem Bischof Franz- Josef Bode nach Osnabrück eingeladen hatte. Auf dem Programm des Treffens, das erstmals statt- fand und mit einer Begrüßung im Dom begann, standen verschiedene Angebote vom Kabarett über eine Domführung bis zu „Hochzeitsbräuchen im Wandel der Zeiten”. Höhepunkt war um 17.30 Uhr eine Eucharisteiefeier mit Bischof Franz-Josef Bode und Einzelsegnung der Paare durch den Bischof und andere Priester. Eingeladen zu dem Treffen wurden Paare, die in diesem Jahr ein „rundes” Ehejubiläum (von 10 Jahren aufwärts) feiern. Es kamen unter anderem 97 Silber- hochzeitspaare, 80 Goldhochzeitspaare, drei Paare, die Diamantene Hochzeit (60 Jahre) feiern und ein Paar, das seit 62 Jahren verheiratet ist. ON061008
Lager Esterwegen
Mauritz-Schwestern
Die Ordensfrauen sollen dort im Gebet und Gespräch den Besuchern der Gedenkstätte Esterwegen zur Verfügung stehen, die vom Landkreis Emsland derzeit aufgebaut wurde. Außerdem sind sie in der Gemeindearbeit aktiv. Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul habe mit seiner Anfrage bei ihr “offene Türen eingelaufen”, berichtet Schwester Birgitte Hermann, Provinzoberin der Mauritzer Schwestern im Mutterhaus in Münster: “Mein Herz fing sofort an zu brennen, als ich den Brief las.” Für den Orden, der eigentlich in Krankenhäusern, Altenheimen und Sozial-Stationen im medizinisch-pflegerischen Bereich tätig ist, sei dies eine Chance, “einen heilenden Dienst auf andere Weise” zu leisten. Schwester Birgitte berichtet, dass ihre Anfrage an die etwa 800 Schwestern der deutschen Provinz, ein positives Echo erhalten habe. Viele der Schwestern hätten den Schrecken des Nationalsozialismus noch unmittelbar selbst erlebt und spürten noch heute die Nachwirkungen. “Aber wir haben nie darüber geredet”, sagt Schwester Angelinis Lübbers, eine jener Schwestern, die sich dazu bereit erklärte, nach Esterwegen zu gehen. Die Franziskanerinnen kommen an einen Ort, an dem Menschen unbeschreibliches Leid erfahren haben: “Ich habe den Wunsch, dass wir an diesem Ort mit unserem geschwisterlichen Zusam- mensein etwas entgegensetzen”, sagt Schwester Jacintha Altenburg. “Wir wollen im Gebet anwesend sein, ohne uns anderen aufzudrängen – damit können wir ein neues Fundament schaffen.” Sie könnten zeigen, dass an einem Ort, an dem einmal viel Unheil geschehen sei, Heil sein könne: “Wir wollen den Menschen Christi heilende Gegenwart bringen.” Wie genau ihr Engagement aussehen wird, wollen sie erst festlegen, wenn sie im neuen Kloster angekommen sind. mibSt.MauritzMS060629
Kloster Esterwegen
Mauritzer Franziskanerinnen beziehen Kloster neben dem ehemaligen Lager Esterwegen
Vier Mauritzer Franziskanerinnen haben ihr neues Kloster am ehemaligen Lager in Esterwegen be- zogen. Dort wollen sie mit Gebet und Gespräch die Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte mittragen. Auf diese Aufgabe freuen sich Schwester Jacintha Altenburg, Schwester Annegret Budde, Schwester Angelinis Lübbers und Schwester Veronika Bothe sichtlich. „Das ist wie ein Geschenk von oben”, sagt Schwester Veronika mit zupackender Begeisterung. Gern führen sie erste Besucher herum, lassen sie einen Blick ins Wohnzimmer und das Gäste- appartement werfen und auch in die kleine Kapelle mit dem wuchtigen Altar aus 450 Jahre altem Eichenholz. „Wir haben schon Priester gefunden, die mit uns Gottesdienst feiern”, sagt Schwester Angelinis lächelnd. Zu dieser Messe und zu einigen Gebetszeiten werden die Besucher eingeladen. Diese Offenheit ist den Franziskanerinnen wichtig. Man spürt, wie überzeugt alle vier Frauen von ihrer Aufgabe sind, an diesem Ort gemeinsam etwas Neues aufzubauen. „Das ist wie ein Geschenk von oben”, sagt Schwester Jacintha. Denn ein Kloster direkt neben einer Gedenkstätte für ein ehemaliges Konzentrationslager, das ist auch für den Münsteraner Orden ein neuer Weg. Freiwillig hatten sich die Schwestern dafür ge- meldet. Mit Praktika in Dachau oder Ravensbrück und mit intensiver Lektüre zur deutschen Ver- gangenheit haben sie sich auf Esterwegen vorbereitet. „Ich wusste vorher nicht viel über die Emslandlager”, gibt Schwester Veronika zu. Aber je näher der Einzugstermin rückte, desto mehr spürten sie bei vielen Begegnungen, wie Geschichte die Gegenwart prägt. Sogar bei Eltern und im eigenen Orden: „Auf einmal darf darüber geredet werden”, sagt Schwester Jacintha. Für sie, eine gebürtige Niederländerin, mag der Dienst in Esterwegen ein besonderer Schritt sein. Ihre Familie hatte im Krieg sehr gelitten. „Diesen Schmerz möchte ich in Versöhnung verwandeln.” Nicht mit Seminaren oder Führungen über das Lagergelände wollen sie das erreichen. Das wird Aufgabe des Landkreises Emsland und des Dokumentationszentrums (DIZ) sein, die die Gedenk- stätte aufbauen. Die Ordensfrauen wollen durch ihre bloße Präsenz helfen und heilen. „Wir wollen einfach da sein”, sagt Schwester Veronika: ohne sich aufzudrängen und damit diesem verwundeten Ort ein neues Gesicht geben. Oft genug werden sie genau hinhören, werden feinfühlig erspüren müssen, was ihren Gast bewegt. Wer mag, kann darüber mit einer der Franziskanerinnen sprechen. Oder sich still in den „Raum der Sprachlosigkeit”, nach draußen oder in die Kapelle setzen. Helfen wird dabei die Anbindung an St. Johannes in Esterwegen. Schwester Annegret und Schwester Angelinis arbeiten dort weiter mit: im Krankenbesuchs- und Küsterdienst. Schwester Veronika denkt daran, Exerzitien im Alltag, Bibel-Teilen oder Fastenwochen anzubieten - gerade für Mitglieder des Gemeindeverbundes. Wie groß das Interesse der Esterweger an ihrem ersten Kloster ist, haben die Ordensfrauen er- fahren. Sie berichten von freundlichen Zaungästen, von lieben Geschenken und einem warmen Willkommen in der Gemeinde. Das hat über die anfängliche Angst an diesem abgelegenen, stillen Ort und die erste schlaflose Nacht hinweggeholfen. „Das ist vorbei”, sagt Schwester Jacintha und schaut ihre Gefährtinnen an. „Wir fühlen uns wohl hier.” Petra-DiekMünchowKiBo070610

Foto: Das neue Kloster auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Esterwegen ist eingeweiht Die Schwestern Veronika (links), Angelinis (Mitte) und Jacintha kümmern sich um die Menschen, die nach dem Rundgang durch die Gedenkstätte einen Ort der Ruhe suchen
Wie ein Kloster sieht das gar nicht aus: ein nüchternes Backsteinhaus, der Garten ganz ohne Mauer. Doch in die einstige Verwaltungsstelle der Bundeswehr sind Mauritzer Ordensfrauen ein- gezogen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat jetzt das neue Refugium der vier Franzis- kanerinnen ein. Noch ungewöhnlicher als der Bau ist der Standort des Klosters: Es liegt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Esterwegen. Gleich neben der dort entstehenden Gedenkstätte soll es an die Leiden der damaligen Häftlinge erinnern. Die Geschichte der 15 Emslandlager, zu denen Esterwegen gehörte, ist in der Region lange verdrängt worden. „Das kannten eher die von außerhalb”, erzählt Klosternachbar und Gemeinderat Hermann Memering. „Hier im Dorf war das kein Thema.” Fast 30.000 Gefangene, die von den Natio- nalsozialisten unter unmenschlichen Bedingungen zur Kultivierung der Moore gezwungen wurden, starben dort insgesamt, darunter in Esterwegen nach 1933 zahlreiche Widerstandskämpfer. Der 56-jährige Memering hat mehr als 30 Jahre lang als Hausmeister der Bundeswehr auf dem Gelände gearbeitet. Den meisten aus dem Ort dagegen ist das umzäunte Gebiet nie zugänglich gewesen. Nach der Auflösung des Militärdepots entschied der Landkreis Emsland vor zwei Jahren, Esterwegen zur zentralen Stätte der Erinnerung an die Konzentrations- und Gefangenenlager der Nazis im Emsland auszubauen. Und der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul hatte die Idee mit dem Kloster, wo Besucher das Erlebte ein Stück weit verarbeiten können. Mit dem Einzug der Schwestern Jacintha, Veronika, Angelinis und Annegret aus Münster öffneten sich im Mai buchstäblich die Türen. Das Rolltor an der „Lagereinfahrt” wurde aufgezogen. Ein Spitz- bogen aus Lärchenholz weist den Weg in das Kloster. Freundlich blicken die Frauen in den grauen Ordenstrachten Besuchern in die Augen, die - derzeit nur nach Anmeldung - den Rundgang durch die noch provisorische Gedenkstätte hinter sich haben und die Klosterpforte passieren. 5.000 waren vor der offiziellen Klostereinweihung schon da, allein 2.000 am Tag der offenen Tür. „Die Begegnung mit Schikane, Folter und Todesqualen kann sprachlos machen”, sagt die aus Holland stammende Schwester Jacintha. Ein „Raum der Sprachlosigkeit” lade deshalb zum Nachdenken ein. Stahlgitter versperren dort seit dem Umbau die Fenster. Überall im Kloster weisen der Architekt Ulrich Tilgner und der Bildhauer Klaus Simon anrührend auf die leidvolle Lagergeschichte hin. Da zeigen die Eichenbänke und das Kreuz in der Kapelle Risse und Granatensplitter als Bilder der Ver- letzlichkeit. Da wird die Lore, einst Fahrzeug beim zwangsweisen Torfabbau, im Gottesdienst zum Altar. Betonstelen symbolisieren Standhaftigkeit, dahinter schaffen Torfstücke und das „Lied der Moorsoldaten”, 1933 von Lagerinsassen geschrieben, ein bleibendes Vermächtnis. „Das ist ihr Tes- tament”, betont Schwester Jacintha beim Blick auf den Text an der Wand. „Wir haben die Häftlinge hier mit hereingenommen.” Nicht wenige Besucher trauten sich sogar, die bekannte Melodie anzustimmen und ihre Eindrücke so zu verarbeiten.

Foto: Erinnerungen im Halbdunkel: Die Franziskanerinnen Jacintha und Veronika im “Raum der Sprachlosigkeit”. Die Lore aus Holz soll an die schwere Arbeit der Gefangenen im Moor erinnern
Den christlichen Glauben wollen die Franziskanerinnen keinem aufdrängen. Sie haben offene Ohren für jeden, der ihnen seine Geschichte erzählen mag. Zum Beispiel für den über 70-Jährigen, der als kleiner Junge einem gefesselten Häftling helfen wollte, aber vom ängstlichen Vater gleich weg- gezogen wurde. Oder für die Anwohner, die die Schmerzensschreie der Lagerbewohner hörten und darunter litten, sowie auch für jene, die nichts gewusst haben wollen. Ein früherer Häftling aus Belgien, der das Lager besichtigte, wollte nicht sprechen. „Er hat sich ganz erschüttert und stumm zum Auto zurückführen lassen”, erzählt Schwester Veronika. Von den einstigen Aufsehern des Lagers hat sich bisher keiner an den Orden gewandt. Freuen können sich die Schwestern über die gar nicht wenigen Esterwegener, die damals aus Mitleid den ausgehungerten Häftlingen Brot oder Kartoffeln über den Zäun warfen. Manche von ihnen, und auch ihre Kinder und Enkel, bringen heute den Ordensschwestern Gemüse aus dem Garten, Marmelade und Eingemachtes als Spende vorbei. Seit es das Kloster gibt, ist das Lager im Dorf zum Gesprächsstoff geworden. HAZGabrieleSchulte071119 Weiteres zum Thema auf www.haz.de/160975

Generaloberin der Liebfrauenschwestern Sr. Hanna Wiebrock löst Sr. Birgitta Brons ab
Der von Bischof Dr. Wilhelm Berning gegründete Orden der Liebfrauenschwestern hat eine neue Leiterin: Sr. M. Hanna Wiebrock tritt die Nachfolge von Sr. M. Birgitta Brons an. Generaloberin lautet der offizielle Titel, den Schwester Hanna jetzt führt. ’General’, das klingt ein wenig militärisch, steht aber lediglich für ‚allgemein’ - es ist ihr wichtig, das klarzustellen. Immerhin ist aber mit der Funktion die geistige Führung der 26 Mitschwestern des 1925 gegründeten und 1934 kirchlich anerkannten Ordens verbunden, einer Glaubensgemeinschaft, deren zentrale spirituelle Elemente die Verehrung der Muttergottes und des Herzen Jesu sind. Daraus wiederum leitet sich die karitative Tätigkeit der Schwestern ab: Durch den Dienst am Nächsten, in der Kranken-, Alten- und Familienpflege, „die Liebe Christi in der Welt sichtbar zu machen”, erläutert Schwester Hanna. Und so werde es auch vom Orden begrüßt, wenn die Novizinnen über eine abgeschlossene Be- rufsausbildung verfügen, „weil man die Lebenswirklichkeit viel besser kennt”. Schwester Hanna war im ersten Beruf Speditionskauffrau bei Hellmann in Osnabrück, bevor sie sich im Alter von 27 Jahren zum Eintritt in den Orden entschloss. Eine Spätberufene also? Die Ordensfrau winkt ab: „So spät ist das gar nicht. Außerdem: Die Persönlichkeit ist mit Ende 20 doch schon gefestigt, die Entscheidung zu einem konträren Lebensentwurf klarer, der Ruf wird deutlicher vernommen.” Dass ihre Wahl auf die Liebfrauenschwestern fiel, empfindet sie als Führung Gottes. „Ich habe mir den Orden nicht wie aus dem Katalog ausgesucht”, sagt sie lachend. Nach ihrer ewigen Profess absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin, danach übte sie diesen Beruf fast zehn Jahre in der Abteilung für Innere Medizin am Osnabrücker Marienhospital aus - bis sie vom Wahlkapitel des Ordens unter Vorsitz von Bischof Dr. Franz-Josef Bode auf sechs Jahre zur Generaloberin gewählt wurde und nun dem Mutterhaus vorsteht. Und dieser Tage sei alles für sie noch ein bisschen im Übergang, wie sich auch der Orden in einem ständigen Erneuerungsprozess befinde. „Es geht uns Schwestern darum, uns und unserem Glauben treu zu bleiben - trotz und durch Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen unserer Zeit”, erklärt sie. Dies gelinge durch die Freude am Gebet und das Leben in der Gemeinschaft, „in der wir geborgen sind und in der es immer wieder gelingt, aus jedem das Beste herauszuholen“. Das gilt auch für ihre soziale und pastorale Arbeit im Alten- und Pflegeheim. „Es ist wichtig, dass die Menschen an ihrem Lebensabend Versöhnung finden. Wir alle haben unsere Ängste und Nöte. Aber Gott trägt uns”, ist sie im Glauben gewiss. balxNOZ060725
Johanniterkommende
Dominikanerinnen in Lage-Rieste
Vor sechs Jahren kamen 14 Dominikanerinnen nach Lage Rieste. Der Bischof von Osnabrück Dr. Franz Josef Bode hatte sie eingeladen. Das Gebet und die Zeit des Schweigens sind Kennzeichen dieser Gemeinschaft, die vor 800 Jahren vom heiligen Dominikus gegründet wurde. Heute gehören 4500 Ordensschwestern in 250 Klöstern diesem Orden an. Neben Regensburg und Bamberg steht in Lage-Rieste das dritte Kloster der Dominikanerinnen. 070109NOZ
Diözese Hildesheim

St.Ursula-Gymnasium inn Hannover wächst - Schule mit dem Segen des Bischofs Foto oben rechts: Mit Segen: Bischof Norbert Trelle weiht die neuen Räume
Die St.-Ursula-Schule in der Südstadt ist zum Beginn des Schuljahres ein ganzes Stück größer geworden. Gestern feierten Schüler, Lehrer, Eltern, Nachbarn und viele weitere den Zuwachs mit einem festlichen Gottesdienst und Schulfest. „Es ist uns gelungen, ein Wohnhaus, das direkt an die Schule grenzt, zu kaufen und umzubauen", erklärte Schulleiter Ewald Wirth stolz. Dass zu diesem Kunststück viel Glück und die Arbeit zahlrei¬cher Menschen notwendig waren, wurde in Wirths Rede schnell deutlich. Das katholische Gymnasium in der Simrockstraße/Bandelstraße fasste bereits 2004 den Entschluss zur Erweiterung: Die Fünft- und Sechstklässler, die seit der Auflösung der Orientierungsstufe wieder direkt am Gymnasium beginnen, sollten nicht für immer die Außenstelle am Altenbekener Damm be- suchen. „Doch seit 2003 gingen die Kirchensteuereinnahmen rapide zurück. Das Bistum entließ Mitarbeiter und schloss Einrichtungen", berichtete Jörg-Dieter Wächter von der Trägerstiftung Katho- lische Schule beim Bistum. Die Stiftung erhielt aber in dieser Zeit eine beträchtliche Erbschaft von einer Dame aus Hannover. Die Eltern erklärten sich bereit, von August 2007 an monatlich rund zehn Euro mehr Schulgeld zu zahlen - für einen Kredit, der voraussichtlich bis zum Jahr 2020 läuft. Das Bistum Hildesheim, die Schule selbst und die Klosterkammer Hannover steuerten Geld bei, sodass schließlich vier Millionen Euro für Hauskauf, Umbau und Einrichtung zusammenkamen. Bischof Norbert Trelle besichtigte nach dem Gottesdienst das neu hinzugewonnene, fünfstöckige Gebäude in der Sallstraße und segnete die Räume mit Weihwasser. „Im Chemieraum nehme ich ge- weihtes H20", meinte der Bischof. Schulleiter Wirth dankte auch den Nachbarn für ihre Geduld an- gesichts des Baulärms. Die St.-Ursula-Schule gehört mit aktuell 1.110 Schülern und 103 Lehrern zu den größten Gymnasien in der Stadt und liegt Wand an Wand mit Wohnhäusern in einem Block. „Sorge macht uns nur noch der kleine Schulhof", sagte Wirth. Neuer¬dings gehen Lehrer deshalb mit Schülern in der Pause auf den Stephansplatz. HAZ090910BärbelHilbig

Katholiken feiern in Hannover Fronleichnam mit gemeinsamer Prozession Es war ein bisschen wie beim Evangelischen Kirchentag vor vier Jahren - nur eben mit Weihrauch, Messdienern und Fahnen katholischer Verbände: Hunderte Christen zogen am Fronleichnamstag singend und betend durch die Straßen. Die Prozession war eine Premiere: Erstmals hatten sich zehn katholische Kirchengemeinden gemeinsam auf den Weg durch die City gemacht. „Wir möchten den Menschen zeigen, dass wir an einen Gott glauben, der unter uns ist", sagte Propst Martin Tenge. In ökumenischer Verbundenheit begann die Prozession mit einer Messfeier vor der evangelischen Neustädter Kirche und führte am Leibnizufer entlang zur Basilika St. Clemens. HAZbe090617Steiner

Propst Martin Tenge, Hannover, Foto links wird Domkapitular in Hildesheim. Weihbischof Hans-Georg Koitz überreicht die Urkunde zum Domkapitular an Probst Martin Tenge Foto rechts.
Hohe Auszeichnung für Martin Tenge: Der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, hat den hannoverschen Propst und Regionaldechanten zum Domkapitular ernannt. Damit gehört Tenge künftig zum engsten Beratungsgremium des Bischofs. „Die Ernennung ist zum einen eine persönliche Aus- zeichnung", erklärte Weihbischof Hans-Georg Koitz gestern bei der Übergabe der Ernennungsurkunde, „zum anderen spiegelt sie aber auch die Wertschätzung der Bedeutung des Raumes Hannover." In der Region leben rund ein Viertel der Katholiken des Bistums. Das Domkapitel besteht aus acht Mitgliedern. Tenge ist einer von zwei Kapitularen, die nicht aus Hildesheim stammen. „Ich möchte die Erfahrungen und Stimmungen der Menschen aus der Pfarrei und dem Dekanat in das Gremium einbringen", sagte Tenge gestern. „Auf der anderen Seite möchte ich die Positionen des Bischofs übersetzen." Er verstehe sein neues Amt als Brückenbauer, erläuterte er. Der 47-jährige Tenge, der Pfingst-sonntag um 18 Uhr bei einem Gottesdienst im Hildesheimer Dom in sein Amt eingeführt wird, wird dann das jüngste Mitglied des Kapitels sein. Er folgt dort auf Klaus Funke, von dem er im September vergangenen Jahres auch das Amt des Propstes und Regional- dechanten von Hannover übernommen hat. Zu den Aufgaben des in der Regel 14-täglich tagenden Gremiums gehört auch die Wahl des Bischofs. HAZ090425ThorstenFuchs
Altbischof Josef Homeyer, Hildesheim 
»Vom Gegeneinander zum Miteinander« Bischof Josef Homeyer, Hildesheim, beim »Interreligiösen Dialog« in Sofia
Auf die Erwartung und Hoffnung vieler Menschen in Europa, dass sich »die ökumenische Bewegung zur interreligiösen Begegnung ausweitet,« hat der Altbischof von Hildesheim, Josef Homeyer, hin- gewiesen. Der langjährige Präsident der Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen bei der EU in Brüssel (ComECE) bekräftigte jetzt auf einem von der Konrad-Adenauer-Stiftung in der bulga- rischen Hauptstadt Sofia organisierten interreligiösen Treffen die Auffassung, dass es »keinen Frieden unter den Völkern ohne Frieden zwischen den Religionen« geben könne. Es gehe jetzt darum, »von einem Neben- oder gar Gegeneinander zu einem Miteinander zu gelangen, um in versöhnter Ver- schiedenheit Kultur und Gesellschaft in den verschiedenen Ländern mitzugestalten«. An dem Treffen nahmen neben Vertretern der Orthodoxen Kirche Bulgariens auch Repräsentanten evangelischer, muslimischer, armenischer und jüdischer Gemeinden und Glaubensgemeinschaften des Anfang 2007 in die EU aufgenommenen Landes teil. Nach den Worten von Bischof Homeyer erschrecke zwar viele Skeptiker die Erinnerung an die nicht wenigen Religionskriege in der Geschichte und das offensichtlich noch vorhandene Gewaltpotential bei einzelnen Glaubensrichtungen. Dennoch setze sich die Überzeugung durch, dass »das Friedens- potential in den Religionen und ihre Versöhnung stiftende Kraft um vieles größer und geschichts- mächtiger geworden ist«. Dies sei ihm auch von führenden Vertretern der EU-Gremien bestätigt worden, deren Interesse an der Rolle der Religionen vor allem nach Eintritt der orthodoxen Länder Bulgarien und Rumänien in die Gemeinschaft erheblich gewachsen sei. Nach Ende seiner Präsident- schaft ist Bischof Homeyer von der ComECE gebeten worden, die Kontakte zu den Ländern Südost- europas fortzuführen und vor allem die Bemühungen um den interreligiösen Dialog zu fördern. Zu einer denkwürdigen ökumenischen Begegnung kam es am Schluß seines Bulgarienaufenthaltes, als Bischof Homeyer im Sofioter Priesterseminar von einem ranghohen Mitglied des Heiligen Synods, Metropolit Domitian von Vidin, empfangen wurde. Der Metropolit bezeichnete den Besuch Homeyers als »wichtige apostolische Mission im Namen des Guten und im Namen des Friedens« und über- brachte das ausdrückliche Willkommen und die besonderen Grüße des hochbetagten Patriarchen Maxim von Sofia. In seinem Dankwort sprach Bischof Homeyer von einer »historischen Wende in den Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen«. Es sei ein »Geschenk Gottes, dass man nach 1000 Jahren erkenne, welche Fehler in dieser langen Zeit gemacht worden seien und dass es jetzt darum gehe, sich auf die ersten tausend gemeinsamen Jahre zu besinnen. An der Begegnung nahm auch der Apostolische Exarch und Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz in Bulgarien, Erzbischof Christo Projkov teil, der »auf bereits bestehende und auf gegenseitiger Achtung und Toleranz beruhende Kontakte zwischen den Religionsgemeinschaften« hinwies. Alle Teilnehmer des Gesprächs waren sich einig, dass das ökumenische Gespräch, aber vor allem der Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften vertieft werden müsse. Bischof Homeyer verwies auf die »Interreligiösen Räte«, wie es sie beispielsweise in Bosnien-Herzegowina oder Makedonien schon gäbe und bot seine Hilfe an, auch in Bulgarien entsprechende Strukturen zu schaffen. OR081010ElmarBordfeld

“Fachkraftquote in Heimen bleibt”
Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann Foto oben mit Ministerpräsident Christian Wulff hat sich für eine Beibehaltung der 50-prozentigen Mindestquote von Fachkräften in Pflegeheimen aus- gesprochen. Das sei im neuen Heimgesetz vorgesehen, das zurzeit im Ministerium erarbeitet werde, sagte die CDU-Politikerin in Hannover. „Für die hohe Qualität der Pflege in niedersächsischen Pflege- heimen ist die Einhaltung der Fachkraftquote von 50 Prozent ein elementarer Baustein”, sagte die Ministerin. Ein Radiosender hatte über Pläne zur Abschaffung der Quote berichtet. Kernpunkte des neuen Gesetzes sollen die Vermeidung bürokratischer Belastungen für die Heime und die Mitarbeiter sowie die Förderung alternativer Wohnformen sein, teilte die Ministerin mit. HAmakZ080308
Foto: Bischof Norbert Trelle, Hildesheim, vor dem Hezilo-Leuchter: Der weltbekannte Radleuchter soll künftig im Hauptschiff aufgehängt werden. Der Dom in Hildesheim wird saniert - Näher am ursprünglichen Baustil
Das Bistum Hildesheim baut den romanischen Mariendom und das daneben liegende Diözesan- museum von 2010 bis 2015 völlig um. Mehr als 20 Millionen Euro wird das kosten, wie das Bistum bekanntgab. Die Diözese setzt auf Finanzhilfe aus Hannover, Berlin und Brüssel und steuert selbst mehr als sieben Millionen Euro bei. Bischof Norbert Trelle und Domdechant Hans-Georg Koitz stellten das gegenüber ersten Planun- gen stark abgespeckte Vorhaben der Öffentlichkeit vor. Zunächst hatte der Kölner Architekt Johan- nes Schilling den gesamten Baukomplex am Domhof umgestalten wollen. Doch die Kosten von rund 40 Millionen Euro konnte das finanziell angeschlagene Bistum nicht schultern. Jetzt konzentriert man sich auf den Dom selbst und auf das Museum. Das Bistum nutzt dabei die Tatsache, dass die zum Weltkulturerbe der Unesco gehörende Kathedrale rund 40 Jahre nach ihrem Wiederaufbau sowieso repariert werden muss. Es hat sich Putz gelockert, teils rieselt es aus der Sandsteinfassade, Dach und Heizung sind ebenso marode wie die elektrische Anlage. Mit der jetzt vorgesehenen Umgestaltung des Gebäudes ist eine Annäherung an die ursprüngliche Architektur geplant. Mehr als die Hälfte der Baukosten, betont Trelle, gehe auf das Konto der an- stehenden Reparaturen. So müsse der Fußboden aus italienischem Marmor aufgerissen werden, um die Heizung zu erneuern. Jetzt wird der gesamte Boden gleich um 60 Zentimeter tiefer gelegt. Damit wird ein Baufehler aus der Wiederaufbauzeit der sechziger Jahre beseitigt. Die Ausstattung mit Kunstwerken aus bernwardinischer frühmittelalterlicher Zeit (die den Dom zum Weltkulturerbe gemacht hat) soll neu geordnet werden. So ist vorgesehen, die in jeweils einem Stück gegossenen Bernwardstüren umzudrehen und weiter ins Kircheninnere zu verlegen, damit sie nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die ebenfalls aus Bronze gegossene Christussäule verlässt ihren etwas stiefmütterlichen Platz halbrechts vom Hochaltar und rückt ins Zentrum des Hauptschiffs, in dem auch der Heziloleuchter aufgehängt werden soll. Die Ausstellungsfläche des Diözesanmuseums wird im Zuge der Sanierung mehr als verdoppelt, es bekommt einen eigenen repräsentativeren Eingang direkt zur Stadt hin. Der romanische Mariendom aus dem Jahr 815 war im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut worden. Seitdem wurde keine bauerhaltende Arbeit durchgeführt. HAZPeteeHaetmann071218
Bischof Norbert Trelle, Hildesheim
Michael B. Berger: Das Bistum Hildesheim beschreitet seit Jahren einen Konsolidierungskurs. Bis 2014 soll die Zahl der Pfarrgemeinden auf ein Drittel reduziert werden - von derzeit 313 auf 120 im Jahr 2014. Tut das weh? Bischof Norbert Trelle: O ja, das schmerzt. Das Wort vom Gesundschrumpfen halte ich für nicht be- sonders intelligent. Aber zur Konzentration der Kräfte gibt es gar keine Alternative - nicht nur wegen des Priestermangels, sondern auch wegen des allgemeinen Rückgangs der Bevölkerung. Von den jetzt aktiven 183 Weltpriestern werden nach neuesten Berechnungen im Jahr 2020 vielleicht 100 bleiben. Von derzeit 97 Gemeinde- und 60 Pastoralreferentenstellen werden wir auf 81 Ge- meinde- und 44 Pastoralreferentenstellen zurückgehen - in 2020. Das setzt auch eine Bereitschaft zum Umbruch voraus. Wir sind aber sehr bemüht, den Prozess der Konzentration so zu gestalten, dass kleine Gruppen nicht einfach untergepflügt werden. In Pfarrgemeinde- und Dekanatspastoralräten wollen wir ausloten, wie die einzelnen Profile künftig bestehen bleiben, welche Gemeinde zum Beispiel besonders gut im Bereich der Jugendpastoral arbeitet, welche in der Kirchenmusik. Die Zusammenlegung von vier Gemeinden zu einer bringt es alleine noch nicht, da braucht es den Willen zur Zusammenarbeit. HAZ070825
Bischof Norbert Trelle, Hildesheim 
Großstadtpfarreien von 14.000 Mitgliedern Der Rückgang der Gottesdienstbesucher und die Verminderung der Steuereinnahmen führen zu einer Neuordnung der Pfarreien im norddeutschen Raum. „Nicht jedes Dorf wird in Zukunft seine eigene Kirche behalten können”, sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle in Hannover. Eine Großstadt- gemeinde solle in Zukunft rund 14.000 Mitglieder umfassen, auf dem Lande seien Gemeinden mit bis zu 2.000 Mitgliedern noch tragbar. Menschen seien aber durchaus bereit, für kirchliche Angebote größere Entfernungen zurückzulegen. dpa~NOZ060914
Offizialat Vechta
Hochschule Vechta 
Die Hochschule Vechta wird mehr Geld vom Land Niedersachsen erhalten. Der Landeszuschuss werde in den Jahren bis 2010 um jeweils ein Prozent erhöht. Zum Ende der Dekade werde das ein Zuwachs von rund 770.000 Euro sein, sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Unterzeichnung der Vereinbarung mit den Bischöfen Franz-Josef Bode (von links), Osnabrück, Reinhard Lettmann, Münster, und Norbert Trelle, Hildesheim, in Hannover. Das Land und die katholische Kirche entwickeln damit ihr Konkordat weiter, um die Hochschule Vechta zu stärken. Die Universität mit ihren 2.800 Studenten soll sich künftig auf die Bereiche Lehramt und Soziale Dienstleistungen konzentrieren. lniHA061018

Oldenburger Katholiken feiern Eigenständigkeit
Mit einem Festakt ist das 175-jährige Bestehen des Bischöflich Münsterschen Offizialats Vechta gefeiert worden. „Wenn eine Einrichtung, die es in der gesamten Kirche nur einmal gibt, auf eine 175-jährige Geschichte zurückblicken kann und dieses Jubiläum auch noch festlich begangen wird, dann darf man vermuten, dass es sich dabei um eine Erfolgsgeschichte handelt”, sagte der Botschafter des Papstes in Deutschland, Nuntius Erwin Ender, in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Auch der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, nahm an dem Festgottesdienst teil. Das Offizialat wurde im Zuge der Trennung von Kirche und Staat 1803 und der Aufhebung des Fürstbistums Münsters 1831 gegründet. Zuvor hatten der evangelische Großherzog von Oldenburg und Unterhändler des Papstes über die Gründung der „Zweigstelle” des Bistums Münster verhandelt, nachdem 1803 Oldenburg die Herr- schaft über die katholischen Ämter Cloppenburg und Vechta erhalten hatte. Mit der Errichtung des Offizialats blieb der Bischof von Münster geistlicher Oberhirte der Region. Eine solche Konstruktion, wonach ein Bischof über zwei kirchliche Leitungsbehörden verfügt, ist nach Angaben eines Sprechers des Offizialats in Deutschland einmalig. Leiter des Offizialats ist Weihbischof Heinrich Timmerevers (auf dem Foto oben links mit Nuntius Erwin Ender; Foto oben rechts: die niedersächsischen Bischöfe Franz-Josef Bode, Osnabrück und Norbert Trelle, Hildesheim, als Fest- gäste in Vechta). IniHAZ060612
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