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Neue Generation von Patriarchen

   Der Vatikan sieht sich beim ökumenischen Dialog mit der orthodoxen Kirche jetzt einer neuen Gene- ration von Patriarchen gegenüber. Darauf macht die französische katholische Tageszeitung „La Croix“ in einer Analyse aufmerksam. Die neuen Köpfe auf orthodoxer Seite stünden für einen verstärkten Dialog mit der katholischen Kirche.
   Als erster trat vor einem Jahr Kyrill als neuer orthodoxer Patriarch von Moskau an – der frühere „Außenminister“ seiner Kirche hat glänzende Kontakte zu anderen Kirchen. Nach ihm wurde Hieronymos II. der Patriarch der griechischen Orthodoxie, Daniel übernahm die Verantwortung in Rumänien, und erst kürzlich wurde Irinej neuer orthodoxer Patriarch in Serbien. Die neuen Kirchenchefs seien Vertreter einer orthodoxen Kirche, die seit dem Ende des Kalten Kriegs immer stärker werde: In den letzten zwanzig Jahren hat sich etwa in Russland die Zahl orthodoxer Pfarreien vervierfacht, die Zahl der Klöster stieg gar um mehr als das Vierzigfache. Mit der Eröffnung eines russisch-orthodoxen Priesterseminars im November habe Kyrill I. von Moskau schon ein erstes ökumenisches Signal gegeben. Gleichzeitig bemüht sich der russische Patriarch um Versöhnung mit dem orthodoxen Ehrenoberhaupt Bartholomaios I. – unter ihnen ist vor allem die Zugehörigkeit der Orthodoxen in der Ukraine umstritten. Seit Oktober bemüht sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe, den Konflikt zu lösen. RV100209LaCroix

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 Gespräch über Besuch von Kirill I. - Metropolit Hilarion zu Gast im Vatikan / „Neue Etappe"

   Der Leiter des Außenamts der russischen orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, hat in Rom Gespräche mit Kurienkardinal Kasper geführt. Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist, sprach von einer „neuen Etappe" in der Beziehung beider Kirchen. Hilarion äußerte die Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit erstmals zu einer Begegnung zwischen dem Moskauer Patriarchen Kirill I. und Papst Benedikt XVI. kommen werde. Der deutsche Papst werde in Russland wegen seiner Verteidigung traditioneller christlicher Werte besonders geschätzt. „Die Zeit und die Personen haben sich geändert", sagte der orthodoxe Metropolit. Beide Glaubensgemeinschaften seien „Verbündete beim Kampf gegen die Vertreibung Christi aus der Welt". Hilarion befindet sich in Rom, um an den erstmals veranstalteten „Tagen der russischen Kultur und Spiritualität" im Vatikan" teilzunehmen.
   Kasper sagte, diese Initiative spiegele „eine neue Dimension und Qualität" in den Beziehungen zwischen den beiden Kirchen wider. Der Unterschied zwischen Orient und Okzident sei weniger religiös als durch „kulturelle Entfremdung" geprägt/Diese Distanz müsse überwunden werden, „aber nicht durch Nivellierung, sondern durch gegenseitige Bereicherung in einer Ge¬meinschaft ohne Fusion und Absorbierung".
   Genaueres über einen möglichen Besuch Kirills im Vatikan wollte Hilarion nicht sagen. Man „wünsche" und „hoffe" auf ein solches Treffen, vorher seien jedoch noch grundlegende Fragen zu klären. Eine solche Zusammenkunft sei nur sinnvoll, wenn sie auch Ergebnisse zeitige, sagte Hilarion. Bei einer Begegnung mit Benedikt im September 2009 hatte Hilarion die Hindernisse einer vom Vatikan seit Jahren angestrebten Begegnung zwischen dem Moskauer Patriarchen und dem Papst benannt. So lange etwa der Konflikt über die mit Rom unierte griechisch-katholische Kirche in der Ukraine nicht gelöst sei, könne eine solche Begegnung nicht stattfinden, sagte Hilarion damals. Im Februar dieses Jahres hatte Kirill den Papst als Kämpfer für die christlichen Werte gelobt und von Protestanten angestrebte „Liberalisierungen" beklagt.
FAZ100520jöb

Patr.IrinejSerb-x  Der neue Patriarch  Patr.IrinejSerb-1x

Der 79 Jahre alte Bischof Irinej von Nisistam zum 45. Patriarchen
der Serbisch-Orthodoxen Kirche gelost worden.

   Zu den anderen beiden Loskandidaten hatten die 45 Bischöfe Irinej von Novi Sad und den Metro- politen Amfilohije von Montenegro gewählt. Irinejs Wahl ist ein Glückslos für alle, die darauf hoffen, dass sich die serbische Orthodoxie von ihrem Nationalismus befreit. Irenej gilt als offen und moderat. Er wurde in Prizren (Kosovo), Belgrad und Athen ausgebildet. FAZ100123tens
   Papst Benedikt XVI. hat dem neuen serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej von Nis zu seiner Wahl gratuliert. In einem Schreiben wünschte er dem neu gewählten Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche „innere Stärke, um die Einheit und das geistliche Wachstum der serbisch-orthodoxen Kirche zu festigen, aber auch um brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aufzubauen“. Gleichzeitig würdigte er den Vorgänger Irinejs, den im vergangenen November verstor- benen Patriarchen Pavle. Dieser habe ein reiches und tiefes spirituelles Erbe hinterlassen. Bischof Irinej von Nis war in Belgrad zum neuen Patriarchen gewählt worden. Neben der Ökumene warten auf ihn politische Herausforderungen wie die Kosovo-Frage und die europäische Integration Serbiens.rv100123kip
Moderat
   Ob es Zufall war oder der Wille des Himmels, einer von beiden meinte es gut mit der Serbischen Orthodoxen Kirche, als deren Bischöfe einen neuen Patriarchen kürten. Das Verfahren sieht vor, unter den drei Kandidaten, die von den anderen Bischöfen am meisten Stimmen erhalten haben, das Los ent- scheiden zu lassen. Zwei der Bischöfe, deren Namen im Lostopf gelandet waren, gelten als entschiedene Nationalisten: Amfilohije, Erzbischof von Cetinje und Metropolit von Montenegro, aber auch Irenej, Bischof der Batschka mit Sitz in Novi Sad. Amfilohije hatte die meisten Stimmen erhalten und wäre wohl heute neuer serbischer Patriarch, wenn dessen Bestallung einer üblichen Mehrheitswahl unterworfen wäre. Das Los aber fiel auf den Bischof Irenej von Nis, der, anders als Amfilohije, nicht durch hetze- rische Äußerungen aufgefallen ist.
   Dennoch ist auch für ihn das Kosovo ein zentrales Thema. Die Serbische Orthodoxe Kirche müsse dem Staat helfen, „das Kosovo zu verteidigen. Wenn wir das Kosovo vergessen, wird das Kosovo uns ver- gessen. Serbien ohne Kosovo ist ohne Seele, ohne Verstand und ohne Herz", sagte Patriarch Irenej nach seiner Inthronisierung. Die alte Leier also? Nicht unbedingt. Die Frage ist, wie Irenej den Kampf um dieses nicht nur gedachte Herzland seiner Kirche, wo sich viele der schönsten Klöster und Kirchen der serbi- schen Orthodoxie befinden, führen will. Geht es ihm um die Bewahrung der serbischen Kulturgüter, die ein europäisches Erbe sind, oder um die Aushöhlung des kosovarischen Staates? Bisher hat sich Irinej dazu moderater geäußert als viele andere Bischöfe seiner Kirche.
   Auch im Streit um die Frage, ob Serbien den Papst willkommen heißen solle, vertrat er eine Aus- nahmeansicht. Johannes Paul II. war zwar bis nach Banja Luka gekommen, in die Hauptstadt der bosnischen Serbenrepublik, wo er im Juni 2003 eine Messe zelebrierte, doch Serbien gehört zu den wenigen europäischen Staaten, deren Boden er nicht betrat. Seinem Nachfolger könnte das nun erlaubt sein. 2008 hat Irenej in einem Gespräch mit der Belgrader Tageszeitung „Politika" die Idee eines Papstbesuchs ausdrücklich begrüßt. Als möglichen Zeitpunkt nannte er 2013, wenn in Nis Feierlich- keiten zum 1700. Jahrestag des Mailänder Toleranzedikts ausgerichtet werden sollen. Dessen bekann­ tester Vater, Konstantin der Große, wurde 280 dort geboren, als die Stadt noch Naissus hieß. „Es gibt keinen Grund, dass wir Angst haben vor einer Begegnung mit dem Papst. Eine solche Begegnung und ein Dialog sind unverzichtbar, denn das ist ein Anlass zum Kennenlernen", so Irenej damals. Zwar kann auch er einen Besuch des Papstes nicht erzwingen, denn unter den Bischöfen ist er nur Primus inter Pares. Aber als Patriarch hat er großen Einfluss. Geboren wurde Irenej 1930 als Miroslav Gavrilovic in einem Dorf in Westserbien. Er leistete Wehrdienst in Titos Armee, besuchte das Priesterseminar in Prizren (Kosovo) und studierte an der theologischen Fakultät Belgrad, später in Athen. Die Mönchsweihe empfing er 1959 unter dem Namen Irenej. Seit 1975 war er Bischof in Südserbien mit Sitz in Nis - fast 35 Jahre lang.  FAZ100126MichaelMartens 

Patriarch Irinej     Patr.Irinej-Serb-3xx

Serbisch-orthodoxer Patriarch eingeführt
Benedikt XVI. gratuliert Irinej: Brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen aufbauen

   Bischof Irinej von Nis ist in sein neues Amt als Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche eingeführt worden. Die Feier fand am Samstag in der Belgrader Kathedrale statt. Der vollständige Titel des neuen Patriarchen lautet: Erzbischof von Pec, Metropolit von Belgrad-Karlowitz undSerbischer Patriarch.  Der 79-Jährige war gewählt worden. Er ist Nachfolger des im November verstorbenen Patriarch Pavle I.
   Zu den Teilnehmern bei den Feierlichkeiten gehörten neben orthodoxen kirchlichen Würdenträgern auch der Apostolische Nuntius Erzbischof Orlando Antonini und der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar. Die serbische Regierung war durch Premierminister Mirko Cvetkovi sowie einige Kabinettsmitglieder vertreten. In seiner ersten Predigt als Patriarch erklärte Irinej, er betrachte seine Wahl als Werk der Gnade und Liebe Gottes. Daher verpflichte ihn dieses Amt und verlange von ihm eine würdige Antwort. Am historischen Sitz der serbischen Kirche in Pec soll eine weitere Feierlichkeit für den neuen Patriarchen stattfinden. Ein Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.
  Zu den Aufgaben Irinej s gehört eine politische Richtungsentscheidung der serbisch­orthodoxen Kirche. Eine wichtige innerkirchliche Streitfrage ist die Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemein- schaft in der Kosovo-Frage. Weitere Punkte sind die Positionen der Kirche zur europäischen Integration Serbiens, zur Ökumene und zur Liturgiereform.
   Papst Benedikt XVI. gratulierte Irinej zu seiner Wahl. Dabei bekannte er sich zu einer Fortsetzung des ökumenischen Dialogs und der Förderung „brüderlicher Beziehungen" zu den serbischen Christen. Er wünschte dem neuen Oberhaupt „innere Stärke, um die Einheit und das geistliche Wachstum der serbisch-orthodoxen Kirche zu festigen, aber auch um brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aufzubauen". Zugleich würdigte der Papst den im November im Alter von 95 Jahren verstorbenen Pavle für seine Offenheit gegenüber der katholischen Kirche. Pavle habe seinem Nachfolger ein reiches und tiefes spirituelles Erbe hinterlassen, so Benedikt XVI. Der Präsident des Rates der Europäischen Kirchen, der ungarische Kardinal Peter Erdö unterstrich in einer ersten Reaktion, er schätze den neuen Patriarchen wegen seiner persönlichen Überzeugungen und seiner ökumenischen Einstellung. Auch die Deutsche Bischofskonferenz schickte ein Glückwunschschreiben. Darin verlieh der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, der Hoffnung Ausdruck, „dass wir weiterhin gemein- sam einen Weg des brüderlichen Miteinanders zwischen Ihrer und unserer Kirche finden werden".
   Unter dem neuen serbisch-orthodoxen Patriarchen wird die serbisch-orthodoxe Kirche zu einer „Brücke zwischen Ost und West". Diese Hoffnung hat der Präsident der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente", Johann Marte, in einem persönlichen Glückwunschschreiben an den Patriarchen zum Ausdruck gebracht. Zugleich unterstreicht Marte die traditionell engen Beziehungen zwischen „Pro Oriente" und der serbi- schen Orthodoxie, wie sie nicht zuletzt durch einen Besuch des neuen Patriarchen im November 1990 in Wien grundgelegt wurden. Die guten Beziehungen wurzeln außerdem in der persönlichen Verbundenheit zwischen Kardinal Franz König und dem verstorbenen Patriarchen Pavle. In besonderer Weise werde das im Jahr 2013 anstehende große Kaiser-Konstantin-Jubiläum die Brückenfunktion der serbisch-orthodoxen Kirche deutlich machen, so Marte. „Pro Oriente" ist selbst mit der Vorbereitung eines wissenschaftlichen Projekts in Nis in dieses Jubiläum eingebunden.
   Irinej wurde am 28. August 1930 mit dem bürgerlichen Namen Miroslav Gavrilovic in einem Dorf in Westserbien geboren. Er be­suchte das Priesterseminar in Prizren (Kosovo-Metohija) und studierte an der Theologischen Fakultät in Belgrad. 1959 empfing er die Mönchs- und Priesterweihe., Anschließend studierte er in Athen und wurde 1969 Direktor der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro. Von dort wurde er zum Rektor des Priesterseminars in Prizren berufen. 1974 wurde Irinej Vikarbischof von Moravica in Serbien. 1975 wurde er zum Diözesanbischof von Nis gewählt. Die Stadt Nis liegt in Südostserbien. Kaiser Konstantin der Große, der das Christentum als Religion im römischen Reich zuließ, wurde dort geboren. DT100126

Katholische-orthodoxe Gespräche auf Cypern

   Katholische und orthodoxe Theologen könnten in diesen Tagen auf Zypern einen wichtigen Schritt auf die Einheit der Christen hin tun. Das glaubt der deutsche Ökumene-Experte Johannes Oeldemann vom Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn. Im Gespräch mit dem Kölner Domradio meinte Oeldemann, die Frage des Papst-Amtes, über die in Zypern derzeit debattiert wird, sei die „Hauptfrage, die derzeit noch als Trennungsgrund zwischen beiden Kirchen gilt“.
   „Wir sind uns ja mit den orthodoxen Christen in vielen Fragen des Glaubens einig, beispielsweise in der Frage der Sakramente oder Eucharistie, aber auch der Strukturen des kirchlichen Amtes; der päpstliche Primat ist aber der Punkt, der von den Orthodoxen zumindest in der Form, wie er sich im zweiten Jahr- tausend entwickelt hat, nicht akzeptiert wird – insbesondere die Papst-Dogmen des 19. Jahrhunderts, wo die Unfehlbarkeit und der Jurisdiktions-Primat des Papstes definiert wurden. Die internationale Dialogkommission will aus diesem Grund bei ihrer Sitzung in Zypern auf das erste Jahrtausend schauen, um gemeinsam zu erheben: Wie sind die Grundlagen aus der Zeit, in der Ost- und Westkirche noch mit- einander in Kirchengemeinschaft standen, und was können wir daraus für die heutige Zeit, das dritte Jahrtausend, lernen?“
   Natürlich werde sich nicht alles „1:1 auf das dritte Jahrtausend übertragen lassen“ – dennoch könne aber „die Form, in der man damals Kirchengemeinschaft gebildet hat“, doch „ein Muster bis in die heutige Zeit“ sein. Oeldemann hält es für einen Erfolg, dass diesmal auch die russisch-orthodoxe Kirche – die aus der letzten Gesprächsrunde in Ravenna ausgezogen war – mit am Tisch sitzt:
   „Aus katholischer Sicht ein sehr wichtiger Fortschritt, weil die russisch-orthodoxe Kirche zahlen- mäßig die weitaus größte orthodoxe Gemeinschaft ist, und diese im Dialog außen vor zu lassen, wäre alles andere als sinnvoll und weiterführend.“ RV091019domradio

Erzbischof Kirill Patriarch von Moskau   ÖkPatriarchKirill-x

62-Jähriger ist neues Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche

   Metropolit Kirill ist neues Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Ein Landeskonzil aus Bischöfen, Geistlichen und Laien wählte ihn zum Patriarchen. Er gilt als Modernisierer und tritt die Nachfolge des im Dezember verstorbenen Alexij an.
   Nach Angaben der Wahlkommission setzte sich Kirill in der Abstimmung deutlich gegen Metropolit Kliment (59) durch, den Verwaltungschef des Patriarchates. Unmittelbar vor der Wahl hatte der Metro- polit von Minsk, Filaret (73), seine Kandidatur zurückgezogen und zur Wahl Kirills aufgerufen.
   Die Bekanntgabe des Ergebnisses wurde vom russischen Fernsehen und der Webseite der Kirche übertragen. Kirill war bereits zuvor als Favorit gehandelt worden. Seit dem Tod von Alexij II. leitete er die Kirche übergangsweise. Es war die erste Patriarchen-Wahl seit dem Ende der Sowjetunion. Seither hat sich die Kirche wieder als eine moralische Instanz etabliert und greift zunehmend in die Politik ein.
   Der russisch-orthodoxen Kirche gehören mit 150 Millionen Mitgliedern mehr als die Hälfte der rund 250 Millionen orthodoxen Christen weltweit an. 70 bis 80 Prozent der Russen bekennen sich heute zum orthodoxen Glauben.
   Kirill schloss bei der Eröffnung des Landeskonzils Kompromisse mit anderen christlichen Konfessionen in Glaubensfragen aus. Ziel des zwischenkirchlichen Dialogs sei der Kampf gegen die Marginalisierung von Religion und die Verteidigung der Moral. In seinem Bericht sagte er, das Patriarchat sei bei der Nutzung des Internets Vorreiter unter den Kirchen.
   Vor der Erlöser-Kathedrale hatten mehrere hundert Menschen auf die Kür des neuen Patriarchen gewartet. Die umliegenden Straßen waren für den Verkehr gesperrt.
   Die russisch-orthodoxe Kirche zählt auch fast alle ehemaligen Sowjetrepubliken zu ihrem kano- nischen Territorium. Die Zahl der Pfarreien und Klöster stieg nach dem Ende des kirchenfeindlichen kommunistischen Regimes stark an. Dementsprechend hatte das Landeskonzil nun mehr als doppelt so viele Mitglieder wie bei der Patriarchenwahl 1990.
   Fast die Hälfte der 711 Mitglieder des Konzils kam aus dem Ausland, die meisten davon mit 192 aus der Ukraine; 10 kamen aus Deutschland. Die rund 200 Bischöfe machten weniger als ein Drittel der 711 Delegierten aus. Rund 500 Wahlberechtigte waren von den Diözesen entsandt, jeweils ein Priester, ein Ordensmitglied und ein Laie. Unter den Laien waren neben Kirchenbediensteten auch Geschäftsleute, Schauspieler und Staatsbeamte. Kritik an den so genannten VIP-Delegierten wies die Kirche zurück.
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Pressestimmen zur Wahl des Patriarchen

Im ersten Wahlgang gewählt
   Der neue Patriarch von Moskau ist Kyrill I., bisher Metropolit von Smolensk und Leiter des Außen- amtes des Moskauer Patriarchats. Das so genannte „Lokalkonzil“ aus Bischöfen, Geistlichen, Ordens- leuten und Laien wählte ihn in der Moskauer Erlöserkathedrale mit großer Mehrheit zum neuen Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Patriarch Kyrill tritt die Nachfolge des im Dezember 2008 verstorbenen Alexij II. (1990-2008) an. Vor der Erlöserkathedrale hatten tausende Menschen auf die Kür des neuen Patriarchen gewartet. Die umliegenden Straßen waren für den Verkehr gesperrt. Die Glocken der Erlöser- kathedrale gaben die Wahl des neuen Patriarchen mit 16 schweren Glockenschlägen bekannt.
   Nach Angaben der Wahlkommission erhielt Kyrill 508 von 702 abgegebenen Stimmen. Metropolit Kliment (Kapalin), der Verwaltungschef des Patriarchates, kam auf 169 Stimmen. Unmittelbar vor der Wahl hatte der Metropolit von Minsk, Filaret (Wachromejew), seine Kandidatur zurückgezogen und zur Wahl Kyrills aufgerufen.
   Der 62-jährige Kyrill wurde bereits im Vorfeld von vielen als Favorit gehandelt. Seit dem Tod von Alexij II. hatte er als „Locumtenens“ das Moskauer Patriarchat geleitet. Es war die erste Patriarchen-Wahl seit dem Ende der Sowjetunion. - Der russisch-orthodoxe Kirche ist mit 150-170 Millionen Mitgliedern die größte orthodoxe Kirche. Kyrill betonte, dass ihr Patriarch ein schweres Kreuz zu tragen habe. „Ich nehme aus Ihren Händen diese Gnade Gottes an; ich bitte, meine menschlichen Schwächen zu ver- zeihen; ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Dienst für Gott. Beten Sie um Gottes Hilfe", sagte der neue Patriarch vor den Mitgliedern des Lokalkonzils. Kap090128rv
Vatikan: Glückwünsche an Kyrill – Dialog soll vertieft werden
   Papst Benedikt XVI. hat dem neuen russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill gratuliert. Der 62-jährige Kyrill war beim Lokalkonzil in Moskau von den Delegierten des Moskauer Patriarchats aus mehr als 60 Ländern zum neuen Oberhaupt der größten orthodoxen Nationalkirche bestimmt worden. Er folgt dem im Dezember gestorbenen Patriarchen Alexij II. nach. Benedikt XVI. sagte am Ende der Generalaudienz:
„Mit Freude habe ich die Nachricht der Wahl Kyrills zum neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russ- land empfangen. Mögen der Heilige Geist und die Gottesmutter über seinen neuen Dienst für die russisch-orthodoxe Kirche wachen.“
   Als Vertreter des Vatikans reiste der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper zu den Feierlichkeiten der Amtsübernahme nach Moskau. Derweil hat Benedikt XVI. dem neuen Patriarchen ein Glückwunsch- Telegramm geschickt. Rv090128
Kasper: Neuer Patriarch, neue Phase im Dialog
   Der Vatikan hat sich erfreut über die Wahl von Metropolit Kyrill zum neuen Patriarchen der russisch- orthodoxen Kirche gezeigt. „Wir sind froh, einen Patriarchen zu haben, mit dem wir seit vielen Jahren brüderliche Beziehungen unterhalten“, heißt es in einer Erklärung des für Ökumenefragen zuständigen vatikanischen Einheitsrates. Man hoffe, „den gemeinsamen Weg der Wiedervereinigung, den wir begon- nen haben, fortzusetzen“. Der Vatikan biete stets seine Zusammenarbeit auf sozialer und kultureller Ebene und für die Festigung christlicher Werte an, doch der Dialog ziele immer „auf die Einheit aller Christen“, sagte der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Walter Kasper gegenüber Radio Vatikan. Rv090128
Einige Reaktionen auf Kyrills Wahl
   In Russland hat Staatspräsident Dmitri Medwedew dem neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russland zu seiner Wahl gratuliert. In einem Telefonat habe er Kyrill die weitere Zusammenarbeit zwi- schen Staat und Kirche beim Aufbau moralischer Werte in der Gesellschaft angeboten, sagte eine Präsidentensprecherin laut russischen Medienberichten. Medwedew sei überzeugt, dass das neue Ober- haupt der russisch-orthodoxen Kirche für ein gutes Auskommen zwischen den Religionen in Russland eintreten werde, wird die Sprecherin zitiert. Auch Ministerpräsident Wladimir Putin beglückwünschte Kyrill telefonisch. Das Moskauer Patriarchat zählt fast alle ehemaligen Sowjetrepubliken zu seinem kanonischen Territorium. 70 - 80 Prozent der Russen zählen zur russisch-orthodoxen Kirche. Rv090128
In Deutschland gratulierte der Vorsitzende der Bischofskonferenz dem neuen russischen Patriarchen.
   Kyrill übernehme das Amt in einer Zeit, in der die Kirche ihren festen Platz in der russischen Gesell- schaft neu gefunden habe, erklärte Erzbischof Robert Zollitsch. Doch die Kirche in Russland spüre noch die Folgen der kommunistischen Herrschaft. Kyrill stehe damit vor der Herausforderung, das reiche innerkirchliche Leben zu konsolidieren. Er hoffe darauf, so Zollitsch, dass die Zusammenarbeit zwischen der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche in Zukunft noch enger werde. An der Inthroni- sationsfeier Kyrills am kommenden Sonntag in Moskau wird auch ein Vertreter der deutschen Bischofs- konferenz teilnehmen. Pm090128rv
„Kirche in Not“ hofft auf gute Zusammenarbeit mit dem neuen russischen Patriarchen
   Das internationale katholische Hilfswerk begrüßte die Wahl von Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad. Der Präsident des Werkes, Pater Joaquín Alliende, erklärte, dass „Kirche in Not“ bereits seit vielen Jahren in einem „fruchtbaren Kontakt“ mit dem neuen Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche stehe. Er sei zuversichtlich, dass der Dialog zwischen der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche unter Patriarch Kyrill voranschreiten werde und sich die Zusammenarbeit intensivieren werde, um „gemeinsam den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen, vor denen alle Christen stehen“. – Das Hilfswerk unterstützt die orthodoxe Kirche in Russland auf Wunsch Papst Johannes Pauls II. seit 1992. Papst Benedikt XVI. hatte 2007 in einer Privataudienz Vertretern von „Kirche in Not“ für ihren Einsatz für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche gedankt und darin bestärkt, diesen Weg weiter zu gehen. Pm090128rv
Das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis
   setzt große Hoffnungen in den neuen russischen Patriarchen. Die Wahl Kyrills stimme ihn sehr zu- versichtlich und sei ein ermutigendes Signal, so der Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth in Freising. Die Mitarbeiter von Renovabis hätten den neuen Patriarchen im Rahmen der Projektarbeit in Russland als aufgeschlossenen und innovativen Partner kennen gelernt. Er hoffe, dass sich der Dialog der russisch-orthodoxen Kirche mit ihren Schwesterkirchen unter Kyrills Leitung vertie- fen werde, so der Renovabis-Geschäftsführer weiter. Pm090128rv
Der Prior von Taizé, Bruder Alois,
   hat die Wahl von Kyrill zum neuen Patriarchen von Moskau begrüßt Er hoffe auf eine Verstärkung der mit dem Patriarchen Alexij II. begonnenen Zusammenarbeit, teilte Alois mit. Der Prior der ökumenischen Gemeinschaft hielt sich zur Wahl Kyrills in Moskau auf. Rv090128

Ök-aepHilarion-xx Erzbischof Hilarion

Kardinal Kasper sieht Überwindung der Schwierigkeiten mit Moskauer Patriarchat

   Bei Erzbischof Hilarions gegenwärtigem Besuch in Rom zeigt sich, dass die Spannungen zwischen rö- misch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche überwunden sind. Das sagte Kardinal Walter Kasper, der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, im Interview mit Radio Vatikan. Bei den gegenwärtigen Gesprächen gehe es nicht mehr um Anschuldigungen gegen die katholische Kirche, sie betreibe Prosely- tismus in Russland. Erzbischof Hilarion (Alfejew), Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchats, hält sich fünf Tage lang zu Gesprächen und Begegnungen in Rom auf. Am Freitag empfängt ihn Papst Benedikt zu einer persönlichen Unterredung in Castelgandolfo. Kardinal Kasper:
   „Bischof Hilarion wird vermutlich seine Hochachtung für den gegenwärtigen Papst aussprechen. Papst Benedikt verfügt über eine große Achtung und Zuneigung auch in der orthodoxen Kirche für seine konsequenten Stellungnahmen in Glaubensfragen und in moralischen Fragen. Dieses Treffen wird we- sentlich eine Bestätigung sein. Es handelt sich aber nicht um eine Ankündigung einer Begegnung des Moskauer Patriarchen mit dem Papst. Wir haben ja so viele Kanäle, um mit Moskau zu sprechen. Das gilt auf der universalen bis hin auf lokaler Ebene der entsprechenden Diözesen. Wenn die Zeit dann reif wird, wird es zu einem Treffen kommen. Bis dahin arbeiten wir in gewöhnlicher Weise zusammen.“
   Diese Zusammenarbeit beruhe auf einer „festen Basis von Verständnis und gegenseitigem Respekt“, so der deutsche Kurienkardinal.
   „Und so wollen wir auch bilateral zusammenarbeiten. Das ist auch möglich, denn in den ethischen Fragen – wie beispielsweise im Bereich Familie, soziale Gerechtigkeit oder menschliche Sexualität – haben wir die gleiche oder zumindest eine ganz ähnliche Vorstellung, sodass wir gemeinsam darüber Zeugnis geben können. Gemeinsam wird unsere Stimme stärker sein. Wir haben deshalb auch diskutiert, wie die Orthodoxen eine Art Institution schaffen können, damit wir Katholiken einen Partner haben, der alle europäischen orthodoxen Kirchen einschließt. Diese Institution soll vor allem gut mit dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zusammenarbeiten.“
   Hilarion hält sich zum ersten Mal seit seiner Ernennung zum Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche in Rom auf. Der erst 43-jährige Dogmatiker und Musikwissenschaftler übernahm seinen Posten von dem im Februar gewählten Patriarchen Kyrill I. Davor war er seit 2003 russisch-orthodoxer Bischof von Wien und Österreich.
Rv090917kap

PatrAlexej-II.-x  Trauer um Tod von Alexij II.

   Alexij II. ist tot. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche starb im Alter von 79 Jahren. Dies teilte ein Sprecher seines Büros mit. Die Todesursache wurde zunächst nicht genannt. Alexij starb in seiner Residenz nahe Moskau. Papst Benedikt XVI. hat seine tiefe Trauer zum Tod des russisch- orthodoxen Patriarchen Alexij II. bekannt gegeben. In einem Beileidstelegramm an den Heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche würdigt das katholische Oberhaupt den Einsatz des Verstorbenen für den Dienst an die Kirche. Alexij II. hatte seit einigen Jahren an Herzproblemen gelitten. Mehrere Male wurde er deshalb im Krankenhaus behandelt. Im Vatikan wird die Nachricht vom Tod des Moskauer Patriarchen mit Trauer aufgenommen. Die Meldung sei völlig unerwartet eingetroffen, sagte der vatikanische Öku- meneminister, Kurienkardinal Walter Kasper, gegenüber Radio Vatikan.
   Alexij II. habe die russisch-orthodoxe Kirche in einer Zeit großen Umbruchs geführt. Kardinal Kasper sandte sofort ein Beileidstelegramm nach Moskau. Wörtlich sagte er: „Wir haben die Todesnachricht mit großer Betroffenheit und Traurigkeit erfahren. Patriarch Alexij war ohne Zweifel einer der bedeu- tendsten Kirchenführer in der Zeit eines großen Übergangs vom Kommunismus zur gegenwärtigen Ordnung. Er hat deshalb ganz große Verdienste, was den Neuaufbau der Kirche in seinem Land betrifft: Er hat viele neue Diözese, Pfarreien und Klöster geschaffen. So hat er der russisch-orthodoxen Kirche ein neues Leben vermittelt.“
   Der Leiter des vatikanischen Dialogrates war mit Patriarch Alexij II. noch im Mai zu einem ausführ- lichen Gedankenaustausch zusammengetroffen. Nach der Begegnung in Moskau zog er eine positive Bilanz und äußerte auch die Hoffnung auf ein Treffen zwischen Alexij II. und Papst Benedikt XVI. „Persönlich bin ich ihm mehrmals begegnet.Bereits in meiner Zeit als Bischof von Rottenburg-Stuttgart... und inzwischen habe ich ihn oft getroffen. Ich hatte nie Zweifel, dass er das Interesse an einer Annäherung an die katholische Kirche hatte. Trotz all der gelegentlichen Spannungen, die es gab, hat sich insgesamt in seiner Zeit das Verhältnis zwischen Moskau und Rom eindeutig verbessert. Wir beten, dass Gott ihm alles vergelten möge, was er für die Kirche Jesu Christi getan hat.“
Rv081205mg
Wer war Alexij II.?
   Russische Fernsehsender unterbrachen für die Todesmeldung Alexij II. sofort ihr Programm und zeigten Bilder des Patriarchen. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michael Gorbatschow erklärte, er sei „geschockt“. Alexij Michailowitsch Ridiger - Sproß einer deutschbaltischen Adelsfamilie -  wurde am 23. Februar 1929 in der estnischen Hauptstadt Tallinn geboren. Nach seiner Ausbildung am Priester- seminar in St. Petersburg empfing er 1950 die Priesterweihe. Von 1961 bis 1986 war er Metropolit von Tallinn und Estland. Anschließend wurde er Metropolit von St. Petersburg und Nowgorod. Am 7. Juni 1990 wählte ihn ein Landeskonzil aus sechs Kandidaten mit 166 von 317 Stimmen zum Nachfolger des verstorbenen Patriarchen Pimen und damit zum 15. Patriarchen von Moskau. Wer war aber Patriarch Alexij II. eigentlich? Unser Ostkirchen-Fachmann Mario Galgano weiß mehr über ihn.
   Alexij II. stand seit 1990 an der Spitze der zahlenmäßig größten orthodoxen Kirche und hat ihren Wiederaufbau und ihre Erneuerung nach sieben Jahrzehnten kommunistischer Unterdrückung eingeleitet. Seine Wahl dürfte seit langem die erste ohne staatliche Einmischung gewesen sein. Innerkirchlich suchte Alexij eine Balance zwischen reformorientierten Kräften und Strömungen, die stark konservativ, antiökumenisch und teilweise auch nationalistisch orientiert sind. Die Neuordnung des Verhältnisses zu Staat und Gesellschaft gestaltete sich für ihn angesichts der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den neunziger Jahren zunächst schwierig. In den letzten Jahren, besonders nach dem Amtsantritt von Präsident Wladimir Putin als Staatspräsident, haben sich diese Beziehungen aber konsolidiert und deutlich verbessert.
  In den 90er Jahren setzte sich Alexij II. energisch für eine Abschaffung der diskriminierenden kommu- nistischen Religionsgesetze von 1929 ein, die von den französischen Trennungsgesetzen von 1905 inspiriert waren. Schließlich kündigte Gorbatschow das neue „Gesetz über die Gewissensfreiheit“ auf der Basis der damaligen Forderungen Alexijs an.
   Gespannt blieb dagegen das Verhältnis zur katholischen Kirche, auch wenn es in jüngster Zeit An- näherungen gab. Alexij verteidigte den Anspruch der russischen Orthodoxie auf ihr traditionelles „kano- nisches Territorium“ und hielt den Katholiken vor, in Russland zu missionieren und orthodoxe Gläubige abzuwerben. Ein Treffen des Patriarchen mit Johannes Paul II. und auch mit Papst Benedikt XVI. kam bis zuletzt nicht zustande.
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Patriarch Alexij II. gestorben - Wieder ein Bündnis von „Thron und Altar” in Russland

     Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche, Alexii II., ist in seiner Moskauer Residenz im Alter von 79 Jahren gestorben. Alexij II., der mit bürgerlichem Namen Aleksej Michajlowitsch Ridiger hieß und baltendeutsche Adelige zu seinen Vorfahren zählte, hatte seit Jahren mit Herzbeschwerden zu kämpfen. Ins Amt des Patriarchen von „Moskau und der ganzen Rus” war er 1990 gewählt worden, als die Sowjetunion vor dem Ende stand. Zuvor hatte Alexij der Kirche als Bischof von Tallinn (Reval) und Estland und als Vorsitzender des kirchlichen Außenamtes gedient.
   Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes begann für die Orthodoxie in Russland ein neuer Aufschwung. Politische Führer mit Sowjetvergangenheit lernten wieder, sich rechtgläubig zu bekreuzigen und in welcher Hand man in der Kirche die brennende Kerze zu halten hat. Ähnlich wie Präsident Jelzin suchte Alexij II. nach der strikten Verurteilung der sowjetischen Vergangenheit — deren Aufarbeitung steht freilich noch aus - direkt an die Tradition aus der Zarenzeit anzuknüpfen. Kirche und Staat rückten wieder enger zusammen. Der letzte Zar, Nikolaj II., der mit seiner Familie von den Bolschewiken erschossen worden war, wurde als Märtyrer heiliggesprochen.
   Das neue Bündnis von „Thron und Altar” war nicht allen in Russland geheuer. In der katholischen Kirche oder bei den Lutheranern, die ihren Platz in der Gesellschaft anders verstehen als die Ortho- doxen in Russland, weckte es wegen seiner „Vormodernität” oft Unverständnis. Andererseits werden dieses Bündnis und die Berufung auf vergangene Zeiten durch die besondere Lage nach dem Zusam- menbruch der Sowjetunion verständlich. Russland suchte nach seinem Platz in der Welt und in Europa. Und im Innern herrschte mentale Leere oder Konfusion, nachdem die Sowjets erst das Christentum als geistige Macht weitgehend getilgt hatten, die kommunistische Herrschaft dann aber selbst im schwar- zen Loch der Geschichte verschwunden war. Da bot sich die Russische Orthodoxe Kirche als Identi- tätsstifterin an. Und der Staat ergriff die Hand, die sich ihm darbot.
   Russland hat sich in Verträgen zum Selbstbestimmungsrecht der Staaten bekannt, die auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion entstanden sind. Die orthodoxe Kirche tat sich schwerer, auf ihrem Feld die neuen Realitäten anzuerkennen. Der Titel Alexijs II. bezog sich auf Moskau, aber auch auf die „gesamte Rus”, mithin das Territorium des mittelalterlichen Reiches der Ostslawen-Rus, dessen Zentrum Kiew und nicht Moskau war. Nicht nur in der Ukraine, auch in den Staaten des Baltikums strebten orthodoxe Christen nun aber nach kirchenrechtlicher Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat. Neue „auto- kephale” Nationalkirchen  der   Orthodoxen entstanden gegen Moskauer Widerstand.
   Mit der katholischen Kirche kam es zu erheblichen Differenzen, weil die Russische Orthodoxe Kirche Russland als ihr „kanonisches Territorium” begriff, auf dem keine andere Kirche tätig sein oder gar missionieren dürfe. Dabei wurde übersehen, dass viele Katholiken in Russland oft Nachfahren von Ein- wanderern sind, die zu Sowjetzeiten weitgehend ohne Seelsorger und kirchliche Strukturen leben mussten und um die Rom sich nun, nach dem Anbruch der Freiheit kümmern wollte. Alexij II. lehnte bis zuletzt ein Treffen mit dem römischen Papst ab, das die Folgen der ein Jahrtausend alten Kirchen- spaltung in Westen und Osten mildern sollte. Einst durchaus ein Anhänger der Ökumene, wandelte sich AlexiJ II. zu einen vehementen Gegner.
   Der begrenzte Pakt mit dem Staat - Alexij II. bestand immer auf der Trennung von Kirche und Staat und verbat sich jede Einmischung - hat der orthodoxen Kirche geholfen, die Russen wieder unter ihre Fittiche zu nehmen. Auf mehr als 100 Millionen Gläubige wird die Kirche geschätzt. Wie viele davon nur. orthodoxe „Feiertagschristen” sind, ist unbekannt. Ehemals zweckentfremdete Kirchen wurden den Orthodoxen zurückgegeben, neue werden überall gebaut und unter Putin wurde die orthodoxe Kirche auch wieder Eigentümerin des Grund und Bodens, auf dem Gotteshäuser und andere kirchliche Ein- richtungen stehen.
FAZ081206ML

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Hilarion neuer orthodoxer „Außenminister“.Foto: Bischof Hilarion Alfejew und Kardinal Schönborn

   Der russisch-orthodoxe Bischof von Wien und ganz Österreich, Hilarion Alfejew, ist neuer „Außen- minister“ des Moskauer Patriarchats. Das beschloss der Heilige Synod der russisch-orthodoxen Kirche. Hilarion ist der neue Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats Nachfolger des neuen Patri- archen Kyrill. Sein Nachfolger in Wien wird Bischof Mark Golowkow von Jegorjewsk; Alfejew wird künftig allgemein für die Diözesen, Pfarreien und Institutionen des Moskauer Patriarchats im Ausland zuständig sein. Die Nachfolge von Bischof Hilarion in seiner Eigenschaft als Leiter der Vertretung des Moskauer Patriarchats bei den EU-Institutionen in Brüssel übernimmt der Priester Antonij Iljin.
  Der neue Außenamtsleiter Bischof Hilarion ist Jahrgang 1966. Er studierte zunächst am Moskauer Musik- Konservatorium; in den letzten Jahren ist der Bischof auch als Komponist großer sakraler Werke hervorgetreten, unter anderem. einer „Matthäus-Passion“ und eines „Weihnachtsoratoriums“. 1987 trat er in der litauischen Hauptstadt Vilnius ins Kloster ein und studierte anschließend Theologie in Sergijew Posad. Von 1993 bis 1995 studierte er in Oxford, wo er auch sein Doktorat in Philosophie erwarb; 1999 folgte ein theologisches Doktorat in Paris. Er habilitierte sich 2005 im Fach Dogmatik an der katholischen Universität Fribourg, wo er seither auch als Privatdozent wirkt. Von 1995 bis 2002 war Hilarion Pfarr- seelsorger im Moskauer Gebiet und lehrte zugleich Patristik an den Seminaren in Kaluga und Smolensk. Von 1997 bis 2002 war er auch Leiter der Abteilung für zwischenkirchliche Beziehungen im Außenamt des Moskauer Patriarchats; in dieser Eigenschaft begleitete er Kardinal Christoph Schönborn während dessen Russland-Besuchs auf Einladung von Patriarch Alexij II. im September 1997.
   Am 14. Januar 2002 wurde Hilarion Alfejew zum Bischof ernannt und wirkte zunächst als Vikarbischof des Londoner russisch-orthodoxen Metropoliten Anthony (Bloom). Im Juli 2002 wurde er zum Titular- bischof von Podolsk und Leiter der Ständigen Delegation des Moskauer Patriarchats bei der Euro- päischen Union ernannt. Am 8. Mai 2003 ernannte ihn der Heilige Synod zum Bischof von Wien und Österreich. Er löste Bischof Pawel (Ponomarjow) ab, der Erzbischof von Rjasan wurde. Als neuer Leiter des Außenamtes zählt Bischof Hilarion jetzt zu den ständigen Mitgliedern des Heiligen Synods.
   Im ökumenischen Dialog ist Bischof Hilarion seit langem engagiert. Seit vielen Jahren ist er mit der Wiener Stiftung „Pro Oriente“ verbunden, er gehört der offiziellen internationalen Kommission für den Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche an und ist Mitglied des Zentralkomitees und des Exekutivausschusses des Weltkirchenrates sowie des Präsidiums der Weltkirchenrats-Kommission für Glaube und Kirchenverfassung.
Rv090401kap

cdKasper-Bartholomaios-xx

„Dialog ist auf völlige Einheit ausgerichtet“

   Der Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche muss auf die „Wiederherstellung der völligen Einheit“ ausgerichtet sein. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. Foto oben mit Kardinal Kasper. In seinem Grußwort an Kardinal Walter Kasper beim Andreas-Fest im Phanar in Istanbul erinnerte er daran, wie Paul VI. und Athenagoras I. in den sechziger Jahren den Brauch eingeführt hatten, dass Delegationen aus der jeweils anderen Kirche an den Patronatsfesten in Rom und Konstantinopel teilnehmen. Dahinter sei der brennende Wunsch gestanden, die beiden Kirchen, die tausend Jahre getrennt waren, im „Dialog der Liebe und Wahrheit“ zusammenzuführen. Kardinal Kasper hatte als Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen die Glückwünsche Papst Benedikts XVI. zum Patronatsfest der Kirche von Konstantinopel persönlich überbracht. rvKap081201mc

Ökumenewoche startet - RV-Interview mit Kardinal Kasper
   „Damit sie eins werden in deiner Hand“ Ez 37, 17 - so lautet das Thema der diesjährigen Gebets- woche für die Einheit der Christen. Kardinal Walter Kasper ist Präsident des päpstlichen Einheitrates. Zur Themenwahl erklärt er im Interview mit Radio Vatikan:
   „Dieses Thema wurde ausgewählt von Christen in Korea. Korea ist ein zweigeteiltes Land, so wie Deutschland auch viele Jahrzehnte zweigeteilt war. Und so wurde dieses Bild des Propheten Ezechiel, das zwei zerbrochene Hölzer eins werden in der Hand Gottes, für diese Menschen natürlich existenziell und auch politisch wichtig - so ähnlich wie es auch für uns in der Vergangenheit in Deutschland wichtig war.“
   Aber dieses Bild hat auch noch eine tiefere geistliche Dimension: „Die Kirche, gleichsam die Einheit der Christenheit, ist zerbrochen: nicht nur in zwei, sondern leider Gottes in mehrere Teile. Nun vertrauen wir das den guten Händen Gottes an. Wir können die Einheit ja nicht machen, wir sind keine Monteure, die das zusammenschrauben oder zusammenkleben, sondern das ist ein geistlicher Vorgang. Deswegen ist das Gebet in dieser Woche die Seele und die Grundlage des Ökumenismus, dass uns Gott die Einheit mit der Zeit schenken möge, damit die Welt glaube.“
Ökumene bleibe eine Herausforderung.
   „Natürlich: Die Ökumene den Händen Gottes anzuvertrauen, ist kein bequemes Ruhekissen, das uns dispensiert von unserer eigenen Verantwortung - im Gegenteil. Weil wir es seinen Händen anvertrauen können und dürfen aufgrund des Wortes Jesu und seines Gebets, dass alle eins sind, dürfen wir auch das Vertrauen und die Hoffnung und den Mut haben, selber etwas zu unternehmen. Das ist ein Wort der Ermutigung und nicht der Resignation.“
   In den vergangenen Monaten und Jahren sei sehr viel erreicht und getan worden, unterstreicht Kardinal Kasper. „Es ist nicht wahr, dass auf der universalen Ebene in der Ökumene nichts passiert. Wir haben ganz große und gute Fortschritte mit den orientalischen und orthodoxen Christen gemacht - der Ökumenische Patriarch etwa war gleich dreimal in Rom, was in 2.000 Jahren Kirchengeschichte vorher nie passiert ist. Er hat zur Bischofssynode gesprochen, was wiederum ein historisches Ereignis war. Zwei Patriarchen der armenischen Kirche waren da, und auch sonst haben sehr viele Begegnungen statt- gefunden.“
   Auch in der Ökumene mit evangelischen Christen sei man ein gutes Stück weitergekommen, sagt Kasper: „Wir haben die Anregung eines evangelischen Theologen aufgegriffen: So genannte Ad-via– Erklärungen zu machen, das heißt den gegenwärtigen Stand der Ökumene, die Fortschritte und die offenen Fragen zusammenzustellen. So haben wir ein so genanntes Harvest-Dokument gemacht, also ein Ernte-Dokument, wo wir die Ergebnisse mit den Anglikanern, Lutheranern, Reformierten und Metho- disten in mehr als 40 Jahren zusammengefasst haben unter bestimmten Themen. Dabei war ich selber sehr überrascht, wie viele Fortschritte wir gemacht haben: wie viele Vorurteile, wie viele alte Polemiken und Kontroversen überwunden werden konnten.“
   Ökumenismus sei allerdings keine Schönfärberei, sagt Kasper. „Natürlich haben wir auch die vielen schwerwiegenden, offenen Fragen dann herausgestellt, die noch bestehen. Fragen definieren ist schon die Hälfte der Lösung... Mit diesem Dokument, das wir nach unserer Vollversammlung, wo es sehr gut aufgenommen wurde, überarbeiten und publizieren, wollen wir weitergehen. Wir wollen die Schwierig- keiten nicht als Anlass zur Resignation, sondern als Herausforderung zu neuem Dialog und neuen Fortschritten nehmen. Die bisherigen Ergebnisse sind eine Ermutigung, weiterzumachen!“ rv090117

Papst Benedikt XVI.  B-Bartholomaios-4xx Patriarch Bartholomaios I.

 â€žKardinal Kasper ist ein Glücksfall”

   Als einen „Glücksfall für die gesamte Ökumene” sieht der ökumenische Patriarch Patriarch Bartho- lomaios I. den deutschen Kurienkardinal Walter Kasper. In Rom habe sich in den Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen „viel zum Guten geändert”, seit Kasper dort verantwortlich sei, sagte das Ehren- oberhaupt der Weltorthodoxie im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Istanbul. Er empfinde Wert- und Hochschätzung für den vatikanischen „Ökumene-Minister”. Der Patriarch be- zeichnete den Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates als anerkannten Theologen und lauteren, gläubigen und frommen Menschen. Das seien „Qualifikationen und Eigenschaften, auf die es beim Ringen um die Einheit der Christen besonders ankommt”.
   Eine Wiedervereinigung zwischen abendländischen und morgenländischen Christen sieht Bartho- lomaios I. derzeit noch nicht am Horizont. Zwar seien wichtige Schritte dazu bereits getan. Eine volle kirchliche Gemeinschaft lasse sich aber nicht nur „von den Kirchenführern verkünden und von den Theologen erklügeln”.
kna080226mg

B-Bartholomaios-2xx 

Bartholomaios I. Foto kritisiert orthodoxe Uneinigkeit

   Der ökumenischer Patriarch Bartholomaios hat die orthodoxe Uneinigkeit Kritisiert. Er präsentierte in seiner Eröffnungsansprache der „Synaxis” im Phanar ein Fünf-Punkte-Programm zur Überwindung der innerorthodoxen Differenzen. Wörtlich hieß es in dem Redetext des Patriarchen: „Wir erscheinen den Nichtorthodoxen manchmal als gespalten - wenn es etwa um theologische Dialoge und anderes geht, wenn wir nicht fähig sind, zur Verwirklichung eines Heiligen und Großen Konzils der orthodoxen Kirche zu gelangen, wenn uns die einheitliche Stimme zu Fragen der Gegenwart fehlt und wir stattdessen bilateral Dialoge mit Nichtorthodoxen darüber abhalten, und wenn wir die Konstituierung einer einzigen orthodoxen Kirche für die Diaspora - in Einklang mit den ekklesiologischen und kanonischen Prinzipien - nicht schaffen. Wie können wir da das Entstehen des Bildes einer Gespaltenheit der Orthodoxie verhindern - insbesondere wenn nichttheologische, säkulare Kritierien angewendet werden?“
   Bartholomaios I. verwies darauf, dass in der Orthodoxie seit dem Schisma von 1054 der “Dienst an der Einheit” dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel zukomme. Die Einberufung von pan- orthodoxen Konzilien sei Ausdruck dieses Dienstes. Dabei werde die Autokephalie (Selbständigkeit) der einzelnen orthodoxen Kirchen respektiert, eine Ausuferung in einen „Autokephalismus” werde aber ab- gelehnt. Dabei gehe es um ein „radikales Unabhängigkeitsstreben”, das ein Faktor der Trennung sei und die Einheit der Orthodoxie verhindere. Heute habe das Ökumenische Patriarchat keine Staats- macht mehr hinter sich, so Bartholomaios I.: „Unsere Einigkeit hängt jetzt von unserem Gewissen ab. Die Einsicht in die Notwendigkeit und Verpflichtung, einen einzigen Leib zu bilden, eine Kirche, ist aus- reichend, um unsere Einheit zu garantieren, ohne dass es eine externe Intervention braucht”.
   Als die fünf wichtigen Schritte für die nächsten Jahre bezeichnete Bartholomaios I. die Intensi- vierung der Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils, die Lösung der Diaspora-Streitigkeiten auf Basis des nicht realisierten interorthodoxen Agreements von 1993, das Mittragen aller an den gesamt- orthodoxen theologischen Dialogen mit den nichtorthodoxen Kirchen, die gemeinsame Unterstützung der Initiative des Ökumenischen Patriarchats zur "Bewahrung der Schöpfung" sowie die Einrichtung eines interorthodoxen Bioethik-Studienkomitees.
   Die „Synaxis” ist dem bis 29. Juni 2009 dauernden Paulus-Jahr gewidmet. Das ökumenisch be- gangene Jahr im Gedenken an die Geburt des „Völkerapostels” vor 2.000 Jahren war im Juni in Rom von Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I. gemeinsam eröffnet worden.
RV081012mc
Katholische Kirche unterstützt innerorthodoxen Zusammenhalt
   Die Auseinandersetzungen innerhalb der orthodoxen Kirchen sind ein Hindernis auf den ökumenischen Weg. Das betont der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz, Bischof Luigi Padovese, gegenüber Radio Vatikan. Deshalb unterstütze die katholische Kirche das Treffen aller orthodoxen Patriarchen, die sich auf Einladung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Istanbul getroffen haben. Zu dem Symposion wurde auch eine katholische Delegation eingeladen, der u.a. der Erzpriester der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo und der Apostolische Nuntius in Ankara, Erzbischof Antonio Lucibello, angehören. Es wird erwartet, dass die Kirchenober- häupter eine gemeinsame Botschaft an die ganze orthodoxe Welt richten. Diese Botschaft soll in der Patriarchalkathedrale Hagios Georgios im Fanar proklamiert werden.
   Bischof Padovese: „Ich denke, dass diese innerorthodoxe Zusammenkunft auch die katholisch- orthodoxe Beziehung positiv beeinflussen wird. Doch die Probleme innerhalb der orthodoxen Gemein- schaft rücken in den Hintergrund durch die ökumenische Feier zu Ehren des Apostels Paulus, denn die orthodoxen feiern – sowie wir Katholiken auch – ein ganzes Jahr lang den Völkerapostel. Deshalb würde ich sagen, dass der Heilige Paulus selbst unsere Einheit herbeisehnt. Dort, wo wir Menschen nicht hin- gelangen können, dort braucht es die Einwirkung eines Heiligen wie des Apostels Paulus, den wir alle auf gleiche Art und Weise verehren.”
  Gleichzeitig mit dem innerorthodoxen Treffen wurde im Fanar auch ein internationales theologisches Symposion eröffnet, das ebenfalls dem Heiligen Paulus gewidmet ist. Die Teilnehmer des Symposions sind  zu einer gemeinsamen Pilgerfahrt gestartet, die Brennpunkten der Tätigkeit des Völkerapostels gilt, also von Ephesos bis Kreta. 
RVkap081011mg
Estnische Kirche verärgert Moskauer Patriarchat
   Das Moskauer Patriarchat hat seine Mitgliedschaft in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ausgesetzt. Grund sei das Vorhaben der Kirchenvereinigung, die estnisch-orthodoxe Kirche aufzuneh- men. Moskau betrachtet die estnische Kirche als ihr kirchliches Teilgebiet, doch die Esten wollen vom Moskauer Patriarchat unabhängig sein. Daraus ist ein Streit entstanden.
  In Konstantinopel fand ein gesamtorthodoxes Treffen statt, auf dem über die künftige Einheit der orthodoxen Kirchen diskutiert wurde. Der russische Patriarch Alexij II. war dabei. Ein Vertreter der estnischen Kirche war aber nicht anwesend.
   Die Aussetzung der Mitgliedschaft KEK sei ein klares Zeichen für den Anspruch den das Moskauer Patriarchat erhebt, sagt der Ostkirchen-Experte des Instituts „Glauben in der zweiten Welt” in Zürich, Gerd Stricker: „Dem Moskauer Patriarchat ging es immer wieder darum, dass der gegenwärtige Status der estnischen Kirche – der zwar zähneknirschend auch von Moskau anerkannt worden war – nicht von internationalen kirchlichen Gremien akzeptiert werden sollte. Mit anderen Worten: Das Moskauer Patri- archat versucht mit allen Mitteln, die kleine estnische und unter Konstantinopel befindliche orthodoxe Kirche aus allen internationalen Institutionen fern zu halten.”
   In Konstantinopel wurde vereinbart, dass sich die orthodoxen Kirchen künftig besser miteinander ab- sprechen müssen. Die Zukunft der orthodoxen Kirchen hängt aber auch vom Verhältnis zur katholi- schen Kirche ab. Gerd Stricker: „In dieser Hinsicht glaube ich, dass die Zeichen aus dem Treffen in Konstantinopel positiv zu bewerten sind. Nach der jahrelangen Reisediplomatie von Einheits-Kardinal Walter Kasper ist es gelungen, die Beziehungen zwischen Moskau und dem Heiligen Stuhl zu ent- spannen. Das hat auch das gesamte Verhältnis der katholischen Kirche zur Orthodoxie positiv verändert. Man muss zugeben, dass die Beziehung und der Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche den Ton angeben. Wenn es dort Verbesserungen gibt, dann kann man zuversichtlich sein, dass in den nächsten Jahren die Annäherung zwischen Katholiken und Orthodoxen – die ja immer erträumt wird – nun näher kommt.
rv081013mg 

  Der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., Konstantinopel, und Patriarch Alexij II., Moskau, wollen gemeinsam ein Ende der Spaltung der orthodoxen Kirche in der Ukraine erreichen. Bei einem Treffen in Kiew vereinbarten die Kirchenführer einen Dialog zur Lösung des Problems. Nachdem die Ukraine 1991 unabhängig geworden war, hatte sich ein erheblicher Teil der orthodoxen Geistlichen dort vom Mos- kauer Patriarchat losgesagt und 1992 eine eigene ukrainische-orthodoxe Kirche des Kiewer Patri- archats gegründet. „Wir haben uns entschieden, für die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Kirchen von Russland und Konstantinopel zu arbeiten, da wir beide für die Einheit der Orthodoxie verantwortlich sind”, sagte Bartholomaios I. Der Moskauer Patriarch sagte, die Verhandlungen sollten die Kontroverse beenden. „Wir werden Entscheidungen treffen, die den Interessen unserer Kirchen ent- sprechen.” Der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill von Smolensk und Kalinin- grad, nannte die Verhandlungen ein „historisches Ereignis für die Beziehungen beider Kirchen und generell in der neuesten Geschichte der orthodoxen Kirche”. In der Ukraine bestehen gegenwärtig drei große orthodoxe Gruppierungen. Neben dem Kiewer sowie dem Moskauer Patriarchat gibt es noch die „Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche”. Das Treffen von Bartholomaios I. und Alexij II. fand nach einem von beiden Patriarchen zelebrierten Gottesdienst zum 1020. Jahrestag der Taufe von Kiew statt, mit der 988 die Ostslawen christianisiert wurden. Das Verhältnis von Bartholomaios I., dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, und Alexii II. gilt als angespannt, weil sich einige nationale orthodoxe Kirchen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion von Moskau abwenden und die Nähe des Patriarchats von Konstantinopel suchen.  FAZ080729JNA

Ök-Ukraine-Kiew-x   Goldkuppel-Kathedrale Kiew

Ukrainische Orthodoxie vor Einigung? Patriarchen von Konstantinopel und Moskau vereinbaren in Kiew Dialog zur Überwindung der Spaltung

   Nach der Unabhängigkeit des Landes hatte sich ein erheblicher Teil der orthodoxen Geistlichen vom Moskauer Patriarchat losgesagt und 1992 eine eigene ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patri- archats gegründet. Der Moskauer Patriarch erklärte, die Verhandlungen sollten die Kontroverse beenden. „Wir werden Entscheidungen treffen, die den Interessen unserer Kirchen entsprechen.”
   In der Ukraine bestehen gegenwärtig drei große  orthodoxe  Gruppierungen. Neben dem Kiewer sowie dem Moskauer Patriarchat gibt es noch die „Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche”.
   Das Treffen von Bartholomaios I. und Alexij II. fand nach einem von beiden Patriarchen zelebrierten Gottesdienst zum 1020. Jahrestag der Christianisierung der Ukraine statt. Das Verhältnis von Bartho- lomaios I., dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, und Alexij II. gilt als angespannt, weil sich einige nationale orthodoxe Kirchen von Moskau abwenden und die Nähe von Konstantinopel suchen, darunter die Kirchen in der Ukraine und in Estland.
   Präsident Juschtschenko hatte am Samstag bei einem Empfang vor dem Platz der Sophienkathedrale in Kiew - in Anwesenheit des zum Moskauer Patriarchat gehörenden Kiewer Metropoliten Wladimir (Sabodan) - die Gelegenheit ergriffen und den Ökumenischen Patriarchen aufgefordert, die Errichtung einer vom politischen und kirchlichen Moskau unabhängigen orthodoxen Nationalkirche in der Ukraine zu unterstützen. Juschtschenko zeichnete den Ökumenischen Patriarchen auch mit dem höchsten ukrainischen Orden - dem Großkreuz des Fürsten Jaroslaw des Weisen - aus. In seiner Dankansprache erinnerte Bartholomaios I. während dieser Ehrung daran, dass die Kirche von Kon- stantinopel das ukrainische Volk nicht nur bei seinen „ersten Schritten im christlichen Glauben” unterstützt habe, sondern auch während des ganzen letzten Jahrtausends.
DTkna080729AP

Ök-epNicolaeCorneanu-x         Metropolit Nicolae Corneanu

Rumänien: Debatte über Interkommunion

   Die orthodoxe Kirche hat einem Bischof vergeben, der in einer katholischen Messfeier zur Kommunion gegangen war. Das berichtet die Nachrichtenagentur Apic. Vor seinen Amtsbrüdern hatte der ortho- doxe Metropolit des Banat, Nicolae Corneanu, seine Geste ausführlich begründet. Der Kommunion- empfang des orthodoxen Bischofs bei der Weihe einer griechisch-katholischen Kirche in Timisoara hatte zu einer erregten Debatte geführt. Die rumänisch-orthodoxe Kirche betont in einer Erklärung, es sei keinem orthodoxen Gläubigen erlaubt, in der Kirche einer anderen christlichen Konfession an der Kom- munion teilzunehmen. Wer dem zuwider handle, verliere die „Glaubenseinheit mit der orthodoxen Kirche”. Eine Rüge der Kirchenführung ging nicht nur an den 83jährigen Metropoliten, sondern auch an den orthodoxen Bischof von Oradea. Dieser hatte im Januar nach Agenturangaben mit seinem griechisch- katholischen Amtskollegen konzelebriert. Die griechisch-katholische Kirche ist mit Rom verbunden, feiert die Liturgie aber nach byzantinischem Ritus. Immer wieder kommt es zwischen ihr und der rumänisch- orthodoxen Kirche zu Unstimmigkeiten. Dabei geht es u.a. um den Besitz der katholischen Kirche, der 1948 von den Kommunisten enteignet worden war. Die orthodoxe Kirche verweigert nach Agentur- angaben eine Rückgabe. In Rumänien gehören 87 Prozent der Gläubigen zur orthodoxen Kirche.  RVapic080803sk

Benedikt XVI.  B-BartholomaiosTUx    Patriarch Bartholomäus

Barroso trifft ökumenischen Patriarchen - Bartholomaios bittet um Hilfe

  Der EU-Kommissionsvorsitzende Barroso ist auf seiner Türkei-Reise in Istanbul vom ökumenischen Patri- archen Bartholomaios I., dem Oberhaupt der orthodoxen Christen, empfangen worden. Der Patriarch bat Barroso in dem herzlich verlaufenen Gespräch um Unterstützung zur Wiedereröffnung des Priester- seminars Halki auf der Insel Heybeliada. Der türkische Staat hatte 1971 die Schließung des einzigen Priesterseminars der Kirche in der Türkei veranlasst. Die Wiedereröffnung von Halki habe für die orthodoxe Kirche die höchste Priorität, sagte Bartholomaios. Er würdigte die Äußerung von Minister- präsident Erdogan, der vor wenigen Wochen als erster Politiker der Türkei sagte, der Status des Patriarchats sei eine Angelegenheit der Kirche und nicht des türkischen Staats.
   Bartholomaios schilderte, dass der Staat bei der Wahl der Gemeinderäte Namen ohne Begründung gestrichen habe, so dass sie ihre Ämter nicht antreten könnten. Jetzt sei es für die Betroffenen erst- mals möglich, dagegen zu klagen. Er äußerte Bedenken zum neuen Stiftungsgesetz, das das Parlament jüngst verabschiedet hat. Kirchengemeinden dürfen sich nur als Stiftungen organisieren. Das Gesetz ermöglicht erstmals Klagen gegen Enteignungen von Stiftungsbesitz. Die damit verbundenen Aus- führungsbestimmungen liefen jedoch darauf hinaus, dass vor 1936 enteignetes Eigentum dauerhaft verloren sei und jenes, das von 1937 bis 1972 konfisziert wurde, nur durch einzelne Gerichtsverfahren einzeln eingeklagt werden könne, heißt es aus dem Patriarchat. Die griechisch-orthodoxe Kirche verlor neun Zehntel ihres Eigentums durch Enteignungen.
FAZher080412

Türkei kommt Christen entgegen

   Das staatliche Religonsamt der Türkei erklärt Übertritte vom Islam zu anderen Religionen offiziell für erlaubt. Neben der göttlichen Strafe sehe der muslimische Glaube keine weltliche Strafe für den Abfall vom Glauben vor, heißt es in der Monatszeitschrift der Behörde veröffentlichten Fatwa, einem isla- mischen Rechtsgutachten. Die Fatwa könnte die Lage der türkischen Christen und insbesondere der Protestanten im Land erheblich erleichtern. „Der Prophet (Mohammed) hat niemandem seinen Glauben aufgezwungen; er hat gegen Andersgläubige nie Gewalt angewendet”, so das Gutachten. Davon gebe es „keinerlei Ausnahmen, auch nicht für Konvertiten vom Islam”.
   Christen, die vom Islam übergetreten sind, werden in der türkischen Öffentlichkeit oft angefeindet oder bedroht. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder tätliche Angriffe auf Christen, denen Missionstätigkeit vorgeworfen wurde. 2007 wurden in Malatya drei Protestanten brutal ermordet. Die Protestanten in der Türkei forderten daher eine öffentliche Erklärung des Religionsamtes, dass Mission und Konversion nicht verboten sind. Die Fatwa des Religionsamtes beschäftigt sich insbesondere mit Vers 137 der koranischen Nisa-Sure. „Siehe, diejenigen, welche glauben und hernach ungläubig wer- den, dann wieder glauben und dann noch zunehmen an Unglauben, denen verzeiht Allah nicht und nicht leitet Er sie des Weges”, heißt es dort. Die verbreitete Annahme, dass der Koran eine Todesstrafe für den Abfall vom Glauben vorsehe, werde damit klar widerlegt, so das Rechtsgutachten. Ansonsten wäre es ja unmöglich, dass jemand zum Glauben zurückkehrt und ein zweites Mal davon ab- fällt. DT080412kna
Nur im Jenseits
  In der Türkei ist seit Atatürks Zeiten das religiöse Scharia-Recht abgeschafft. Dennoch bedeutet es nicht wenig, wenn jetzt das „Religionsamt” in einer Fatwa bekräftigt, Übertritte zu anderen Religionen - also der Abfall vom Islam - seien erlaubt, weltliche Strafen dafür unkoranisch. Tatsächlich kennt der Koran für den Abtrünnigen nur eine jenseitige Sanktion Sure 4, Verse 137/38, erst die später ent- standene Scharia hat die Todesstrafe dafür eingeführt. Die Fatwa ist geeignet, eine Bresche in eine noch weitverbreitete Mentalität zu schlagen, die den Konvertiten - und erst recht den Atheisten - Gefahren aussetzt, bis hin zu Morden, wie sie zuletzt in der Stadt Malatya an Personen verübt wurden, die zum Christentum übergetreten waren. Die sich weltlich verstehende moderne Türkei will sich weiter demokratisieren; dazu gehört auch eine als umfassend verstandene Religions- freiheit, die auch dem Atheisten zugesteht, seine Ablehnung jeglichen Glaubens ohne Angst zu bekunden. Dass deshalb die Türken nun in Massen vom Islam abfallen werden, ist nicht zu erwarten. 
FAZwgl080412

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Papst stärkt die Ostkirchen-Kongregation
   Die Kardinäle Giovanni Battista Re, William Joseph Levada und Ivan Dias Fotos v.l.n.r. wurden vom Papst überraschend zu Mitgliedern der vatikanischen Ostkirchen-Kongregation ernannt. Vatikanische Beobachter erkennen in dieser Ernennung ein verstärktes Bemühen um die Einheit mit der Orthodoxie.
rv080308sk

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Fotos (v.l.n.r.): Patriarch Filaret, Patriarch Alexij, Papst Benedikt XVI., Kardinal Bertone
Annäherung immer wahrscheinlicher

B-metroIoannisZizioulas-x 

Katholisch-orthodoxe Dialogkommission tagt
Foto links:  Benedikt XVI. mit dem Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon
Foto rechts:  Benedikt XVI. mit Kardinal Walter Kasper

   Die zehnte Vollversammlung der Internationalen Theologischen Dialogkommission von katholischer Kirche und orthodoxen Kirchen tagte in Ravenna. Im Mittelpunkt der Beratungen standen Fragen des Kirchenverständnisses. Dabei soll es etwa um das hierarchische und das synodale Prinzip in den Kirchen gehen, um die Rolle des Bischofs und die Bedeutung des Bischofs-Kollegiums - und damit letztlich auch um die strittige Frage nach dem Petrusamt, der obersten Kirchenleitung in einer Person.
  An der Konferenz nahmen je  30  Vertreter der katholischen und nahezu aller orthodoxen Kirchen teil. Leiter der Dialogkommission sind gemeinsam Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon und Kurien- kardinal Walter Kasper. Der 1979 offiziell eröffnete Dialog zwischen Vatikan und Orthodoxie war nach anfänglichen Erfolgen rasch in eine Krise geraten. Nach einer Begegnung im Jahr 2000 im nord- amerikanischen Baltimore wurden die Treffen vorübergehend ausgesetzt und erst im vergangenen Jahr mit einer Konferenz in Belgrad wieder aufgenommen. Damals würdigte der vatikanische Ökumene- Minister Kardinal Kasper die „brüderliche, positive und konstruktive Atmosphäre” des Dialogs über die „Kirche als Gemeinschaft”. Strittige Fragen wie das Problem des Uniatismus - der mit Rom verbundenen Ostkirchen - seien in Belgrad ausgeklammert worden, so Kasper im September 2006.
DTkna071009
Der Vatikan zieht eine positive Bilanz des katholisch-orthodoxen Dialogs
Russische Delegation sorgt für Eklat

  Der vatikanische Ökumene-Rat zieht eine positive Bilanz der jüngsten katholisch-orthodoxen Theo- logengespräche in Ravenna. Nach dem Thema Kirchenverständnis werde man nun auch die Frage nach dem Papsttum angehen, sagte der Untersekretär des von Kardinal Walter Kasper geführten Rates für die Einheit der Christen, Eleuterio Fortino, in Radio Vatikan. Das nächste Treffen im Herbst 2009 werde sich um die Rolle des Bischofs von Rom im ersten Jahrtausend drehen. In der Zwischenzeit wollten zwei Unterkommissionen Studien zu dem Thema erarbeiten. In Ravenna diskutierten katholische und ortho- doxe Experten der Gemeinsamen Kommission für den theologischen Dialog unter Leitung von Kasper und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Ioannis Zizioulas über dogmatische und kirchenrechtliche Aspekte des Kirchenverständnisses. Das einwöchige Treffen in der Adriastadt war die 10. Vollversamm- lung der Kommission.
   Fortino bedauerte die vorzeitige Abreise der russisch-orthodoxen Delegation, die für einen Eklat gesorgt hatte. Spannungen innerhalb der Orthodoxie hätten auch Einfluss auf den katholisch-ortho- doxen Dialog. Die beiden Gesandten des Moskauer Patriarchats hätten sich aus den gemeinsamen Gesprächen zurückgezogen, um nach eigenem Bekunden nicht eine De-facto-Anerkennung der estnischen apostolischen Kirche zu leisten, sagte Fortino. Seit 1996 bestehen nebeneinander eine dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstehende estnisch-apostolische Metropolie und eine zu Moskau gehörende Metropolie von Tallinin. Estnisch-orthodoxe Gemeinden begaben sich damals unter die Jurisdiktion von Konstantinopel, was im russischen Patriarchat Em- pörung hervorrief.  DTkna071017 
     
Benedikt XVI. bekennt sich zur Ökumene
  Der Präsident des vatikanischen „Rats für die Einheit der Christen”, der deutsche Kurienkardinal Kasper, legte den Kardinälen eine detaillierte aktuelle Bestandsaufnahme der ökumenischen Entwicklungen vor, „Informationen, Reflexionen und Bewertungen des ökumenischen Dialogs”, wie es offiziell hieß. Als besonderen Fortschritt im Verhältnis zu den orthodoxen Kirchen - mit dem offenen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in Istanbul und dem auf Eigenständigkeit bedachten Moskauer Patriarchat - bezeichnete Kardinal Kasper das „Dokument von Ravenna” vom 13. Oktober 2007. Dieses Dokument behandelte besonders im Blick auf die Kirchen des Orients die „ekklesiologischen und kanonischen Folgen des sakramentalen Wesens der Kirche, die kirchliche Gemeinschaft, Konziliarität und Synodalität”. In Ravenna hätten katholische und orthodoxe Kirchenführer Einvernehmen darüber erzielt, dass dem Papst als Bischof von Rom in jedem Fall ein „Primat”, ein erster Rang unter Patriarchen und Bischöfen einer einen Kirche, zukomme, hieß es. Danach konnten die Kardinäle im Plenum ihre Meinung äußern, so hatte es Benedikt gewünscht.

   Ioannis Zizioulas, Metropolit von Pergamon, Mitglied des Synods des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel sieht die schwierige Frage des Primats, in der Katholiken und Orthodoxe noch immer geteilt sind, mit objektiven Augen. Er war es auch, der die Delegation aus Konstantinopel leitete, die nach Rom gekommen war, um dem neuen Bischof der Ewigen Stadt zum Hochfest Peter und Paul Ehre zu erweisen.
   Zizioulas,
einer der bedeutenden Theologie-Experten unter den Orthodoxen, wird für die orthodoxe Seite als Co-Präsident der internationalen Kommission des Dialogs zwischen katholischer und orthodoxer Kirche fungieren. „Die Katholiken müssen den vom II. Vatikanischen Konzil betonten Begriff der vollen Katholizität der Ortskirche ernst nehmen und auf ihre Ekklesiologie anwenden,” betont Ioannis Zizioulas in einem Interview mit der Zeitschrift “Trenta Giorni”, das wir hier leicht gekürzt wiedergeben.

Das Problem des Primats steht zweifelsohne im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen römisch- katholischen und orthodoxen Gläubigen. Die orthodoxe Theologie ist in dieser Frage nicht monolithisch. Können Sie einige grundlegende Kriterien beschreiben, in denen die Meinungen der orthodoxen Theo- logen auseinandergehen?
  Es gibt einige orthodoxe Theologen (in der Vergangenheit waren sie in der Mehrheit), die sagen, dass der Anspruch des Papstes hinsichtlich seines Primats jeden dogmatischen Inhalts entbehre, weshalb er auch relativiert werden könne. Für sie hat der Primat mit dem Kirchenrecht zu tun, betrifft nicht den Glauben. Sie sehen keine Verbindung zwischen dem Primat und dem Wesen der Kirche. 
Und die andere Gruppe?
  Einige orthodoxe Theologen sind der Meinung, dass der Primat wesentlich zur Kirche gehört und nicht nur kirchenrechtlich gesehen werden kann. Sie sind sich dessen bewusst, dass ein Verzicht auf den Primat unweigerlich bedeutet, dass man etwas Wesentliches unseres Glaubens einbüßt. Das zeigt, dass das Thema des Primats nicht nur ein Problem ist im Bezug auf den Anspruch des Bischofs von Rom, sondern auch im Innern der orthodoxen Kirche selbst.
Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, wie die erste Gruppe argumentiert?
  Einer der großen orthodoxen Theologen, der verstorbene Professor Ioannis Karmiris, hat geschrieben: „Aufgrund der politischen Bedeutung Roms und der Apostolizität dieser Kirche, wie auch wegen des Martyriums, das die Apostel Petrus und Paulus hier erlitten haben, aufgrund ihrer herausragenden Werke der Nächstenliebe, des Dienstes und der Mission, wurde dem Bischof von Rom von den Konzilien, den Vätern und den frommen Kaisern – von Instanzen menschlicher und nicht göttlicher Ordnung also – ein einfacher Ehren- und Rangprimat verliehen, als Erstem unter ebenbürtigen Präsidenten der Teilkirchen.” Somit ist die derzeitige Primatstruktur lediglich auf menschliche, vergängliche Faktoren zurückzuführen. Das heißt, dass die Kirche zwar ohne den Primat, nicht aber ohne die Bischöfe oder die Synoden existieren könnte, die ja schließlich Realitäten göttlichen Rechts sind und daher für die Kirche wesentlich seien.
Die orthodoxen Theologen sprechen oft von „Ehren- und Rangprimat”.Was bedeutet das?
  Wenn man von „Ehrenprimat” spricht, will man das Recht des Primatsinhabers der Jurisdiktion über die anderen Bischöfe ausschließen. Es handelt sich allerdings um eine recht zweideutige Formulierung. Einen „einfachen Ehrenprimat” gibt es nämlich nicht einmal in der orthodoxen Kirche.
Warum?
   In der orthodoxen Kirche kann beispielsweise in Abwesenheit des Patriarchen oder während einer Sedisvakanz keine Bischofswahl erfolgen und auch keine kanonische Maßnahme ergriffen werden. Wie kann man also den Primat des Patriarchen einfach nur als Ehre beschreiben?
Hat diese Formulierung andere Bedeutungen?
   Der Ausdruck „einfacher Ehrenprimat” wird gebraucht, um den Umstand zu unterstreichen, dass alle Bischöfe, vom Papst bis zu den Patriarchen, bis hin zum letzten Bischof, vom Blickpunkt des Weihe- amtes her (hieratikós) gleich sind.
Das ist jedoch sowohl für die Orthodoxen als auch für
die römisch-katholischen Gläubigen ein traditionelles Prinzip...

   Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: die römisch-katholischen Gläubigen beziehen diese Gleichheit nur auf die Ebene der sakramentalen Gnade, was nicht automatisch die Ausübung der Juris- diktion mit sich bringt – die Orthodoxen dagegen treffen keine derartige Unterscheidung.
Halten Sie diese Ideen für korrekt?
   Diese Positionen scheinen gewissen, in der orthodoxen Tradition vorhandenen Fakten, Fakten des Glaubens, nicht Rechnung zu tragen: dem einfachen und offensichtlichen Faktum, dass es ohne Primat keine Synodalität geben kann. In der orthodoxen Tradition hat es niemals einen Synod oder ein Konzil ohne einen protos, also einen primus, gegeben – und das wird es auch nie geben. Und schließlich muss, wenn die Synodalität göttlichen Rechts ist, das mit derselben Berechtigung auch der Primat sein.
Hat schon ein orthodoxer Theologe versucht, diesen Widerspruch aufzulösen?
  Alivisatos zum Beispiel ist der Meinung, dass es keines fixen protos bedarf; der Primat kann turnus- mäßig ausgeübt werden. Ich halte das für wenig überzeugend: der Primat in der Kirche wurde nie turnusmäßig ausgeübt. Er ist an ein besonderes Amt, einen besonderen Dienst und eine besondere Person gebunden. Und wenn wir die Anwendung des Turnus gleichermaßen auch auf das Innere einer jeden autokefalen Kirche ausdehnen würden, würde das die Abschaffung der Ämter des Patriarchen und Metropoliten als persönliche und permanente Ämter bedeuten.
Andere orthodoxe Theologen berufen sich in ihrer Ablehnung des Primats auf die Demokratie ...
   Karmiris bezieht sich beispielsweise auf die Demokratie als Merkmal der orthodoxen Kirche. Er identifiziert die orthodoxe Position ausdrücklich mit der des westlichen Konziliarismus in dessen ab- lehnender Haltung dem Primat des Papstes gegenüber: es darf keinen Primat in der Kirche geben, weil die oberste Autorität, der wahre primus in der Kirche, das Konzil ist.
Um einen Ausweg aufzuzeigen, haben Sie bekräftigt, dass es in der Zeit vor
und nach dem II. Vatikanischen Konzil neue Perspektiven gegeben hat. Warum?

   Das Problem, das bereits in der langen Periode vor dem Konzil die Debatte anheizte, als so her- ausragende Persönlichkeiten wie Congar, Rahner, Ratzinger, de Lubac und andere der Theologie des II. Vatikanischen Konzils den Weg ebneten, war, ob die Fülle der Kirche, ihre Katholizität, mit ihrer universalen Struktur zusammenfällt oder nicht.
Und in dieser Frage orientierten sich die Konzilsväter an der Orthodoxie ...
  Hauptsächlich an der sogenannten „eucharistischen Ekklesiologie” des russischen Theologen Nikolai Afanassieff, der das Axiom „wo die Eucharistie ist, ist die Kirche” formulierte. Was bedeutet, dass jede Ortskirche,in der die Eucharistie gefeiert wird, als volle und katholische Kirche betrachtet werden müsse. Die römisch-katholischen Theologen waren von diesem Ansatz beeinflusst und folglich fand in den Dokumenten des Konzils auch eine Theologie der Ortskirche Niederschlag.
Die sich auch auf die Debatte um den Primat auswirkte ...
  Von orthodoxer Seite wurde die Debatte hauptsächlich von Theologen russischer Herkunft geführt, die anfänglich in Paris lebten und zum Teil später nach Amerika auswanderten. Vier davon – Afanassieff, Meyendorff, Schmemann und Koulomzine – stellten ein Gemeinschaftswerk
mit dem Titel The Primacy of Peter in the Orthodox Church zusammen englische Ausgabe 1973. Sie gingen von folgen- der Frage aus: wenn eine jede Ortskirche eine „katholische” Kirche ist, warum muss man dann von einem universalen Primat oder von einer „universalen Kirche” sprechen?
Würden Sie diese Frage auch so beantworten?
  Nein. Afanassieff besteht beispielsweise darauf, dass die Kirche des Altertums bis zur Zeit Cyprians keine universale Ekklesiologie kannte. Auf dieser Linie behaupten einige orthodoxe Theologen, dass die universale Kirche nur ein Gelegenheits-Phänomen ist, das sich immer dann zeigt, wenn Bischöfe und Oberhäupter von Ortskirchen einander in den Konzilien begegnen. Wenn es keine Konzilien gäbe, gäbe es auch keine universale Kirche. Es gäbe dann nur Gemeinschaft im Glauben und sakramentale Gemein- schaft, ohne irgendeine strukturelle Konsequenz.
Und die anderen?
   Schmemann sieht das beispielsweise anders. Für ihn hat die Kirche einen universalen Primat göttlichen Rechts gekannt. „Der Primat”, schreibt er, „ist der notwendige Ausdruck der Einheit im Glauben und im Leben aller Ortskirchen.”
Und Meyendorff?
  Für ihn ist der Primat eine unausweichliche Notwendigkeit der Existenz der Kirche in der Welt. „Es hat keine Epoche gegeben,” schrieb er, „in der die Kirche nicht eine gewisse Rangordnung anerkannt hätte – vor allem unter den Aposteln und dann unter den Bischöfen –,  und in dieser Rangordnung ein Apostel, Petrus, und in der Folge ein Bischof, an der Spitze einer Teilkirche nicht den Rang des Primas eingenommen hätte.” Er wagte zu behaupten, dass „die Funktion dieses Bischofs die ist, auf welt- weiter Ebene im Dienst der Einheit zu stehen, ebenso wie es die Funktion des Primas einer Region ist, auf regionaler Ebene als Einheitsfaktor zu fungieren.”
Wie stehen Sie persönlich dazu?
  Die Orthodoxen haben den universalen Primat in der Kirche sowohl aus nichttheologischen wie auch theologischen Gründen abgelehnt. Nach dem großen Schisma haben die Orthodoxen den Primat des Papstes als kirchlichen Imperialismus empfunden. Heute beurteilen die orthodoxen Theologen den Primat gemeinhin als unvereinbar mit dem demokratischen Gedankengut der modernen Gesellschaft, und lassen somit zu, dass nicht theologische Argumente in einer theologischen Frage den Ausschlag geben. Wir müssen uns jetzt aber fragen, ob das aus der Sicht der orthodoxen Ekklesiologie eine korrekte Anschauung ist.
Und in Zukunft?
   Vor allem müssen wir unsere Tradition in Betracht ziehen. Wie ich bereits gesagt habe, hat es in der orthodoxen Kirche niemals Synode ohne Primasse gegeben, und das zeigt klar und deutlich, dass wenn die Synodalität eine dogmatische Notwendigkeit ist, das auch für den Primat gelten muss. Wie auch der bekannte Apostelkanon unter Nr. 34 ausdrücklich festlegt...
Inwiefern?
  Dieser Kanon aus dem 4. Jahrhundert kann die goldene Regel der Primatstheologie abstecken. Er legt fest, dass der protos eine unaufgebbare Bedingung
conditio sine qua non für die synodale Institution ist und dass der Synod wiederum eine Voraussetzung für die Ausübung des Primats ist.
  Der Umstand, dass die Synode einen Primas haben zeigt, dass auch die ökumenischen Synoden einen primus haben müssten. Das bedeutet unweigerlich den universalen Primat. Auf dieser Grundlage könnte die orthodoxe Theologie bereit sein, den Primat auf allen Ebenen der kirchlichen Struktur zu akzep- tieren, einschließlich der universalen. Das Problem, das im Kontext des theologischen Dialogs zwischen römisch-katholischen und orthodoxen Gläubigen weiterhin offen bleibt, ist, an welche Art Primat man dabei denkt.
Welche Art Primat muss im Namen einer Aussöhnung
in dieser entscheidenden Frage ausgeschlossen werden?

  Die Orthodoxen können keine pyramidale Ekklesiologie akzeptieren, bei der der Inhaber des uni- versalen Primats nicht im Dienst der Ortskirchen steht, sondern diese unterwirft. Der universale Primat kann nur im Bezug auf jene gelten, die die synodale Gemeinschaft ausmachen, niemals aber isoliert, also außerhalb einer Realität der Communio.
Warum ist es so wichtig, dass alle Primate (universaler eingeschlossen)
vom Primas als Oberhaupt einer Ortskirche ausgeübt werden müssen?

    Der Primat ist keine legalistische Vorstellung, die bedeutet, dass ein bestimmtes Individuum mit Macht ausgestattet wird, sondern eine Form der diakonia. Was auch bedeutet, dass dieses Amt die gesamte Gemeinschaft erreicht dank der Communio der Ortskirchen, die durch die das Konzil oder den Synod bildenden Bischöfe manifestiert wird. Aus diesem Grund soll der Primas auch das Oberhaupt einer Ortskirche sein, ein Bischof also. Als Oberhaupt einer Ortskirche, und nicht als Individuum, dient er der Einheit der Kirche als eine Gemeinschaft
koinonia von vollkommen konstituierten Kirchen, und nicht als eine Art Kollage unvollständiger Teile einer universalen Kirche. Auf diese Weise wird die Integrität keiner Ortskirche vom Primat untergraben.
Wie kann Ihrer Meinung nach also ein realistisches Terrain
für etwaige gemeinsame Antworten auf diese noch offenen Fragen aussehen?

   Für die zukünftige Entwicklung des Dialogs zu diesem Thema ist es überaus wichtig, dass die Ortho- doxen anerkennen, dass der Primat Teil des Wesens der Kirche ist und keine Frage der Organisation. Sie müssten auch anerkennen, dass es einen Primat auf universaler Ebene geben muss. Das ist in diesem Moment sehr schwer, aber es wäre sehr viel einfacher, wenn wir eingehender über die Natur der Kirche nachdenken würden. Die Kirche kann nicht Ortskirche sein, wenn sie nicht universale Kirche ist, und sie kann nicht universale Kirche sein, wenn sie nicht Ortskirche ist.
Und auf katholischer Seite? Was kann dort dem Dialog hilfreich sein?
  Die Katholiken müssen dem beim II. Vatikanischen Konzil betonten Begriff der vollen Katholizität der Ortskirche Rechnung tragen und auf ihre Ekklesiologie anwenden. Das bedeutet, dass jede Form von Primat auf universaler Ebene die Ortskirche wiederspiegeln muss und keinerlei Einmischung in die Orts- kirche ohne Zustimmung derselben erfolgen darf. Jede Ortskirche muss die Möglichkeit haben, ihre Katholizität im Bezug auf den Primat zu bekräftigen. Daher wiederhole ich, dass die  goldene Regel für die korrekte Ausübung des Primats der Apostelkanon, Nr. 34, ist.
Wie ist eine Wiederannäherung auf der Grundlage einer neuen theologischen These möglich?
  Die Anerkennung des römischen Primats wird von der Tatsache abhängen, dass man sich darüber einig ist, dass die Kirche aus vollkommen konstituierten Ortskirchen besteht, vereint in einer einzigen Kirche, ohne ihre kirchliche Fülle einzubüßen. Aber das ist keine theologische „Innovation”. Pater Congar glaubte, dass der Primat des Papstes, trotz der monarchischen Tendenzen, die damals vor- herrschten, auch im Westen bis ca. zum 16. Jahrhundert im Innern einer Communio-Ekklesiologie aus- geübt wurde, als das Papsttum im gesamten Westen einfach den monarchischen Primat aufzwang. Wenn dem so ist, dann ist die Rückkehr zu einer solchen Communio-Ekklesiologie gar kein so unrealistischer Ansatz.
Eine letzte Frage. Sie haben Kardinal Ratzinger – heute Papst Benedikt XVI. – kennengelernt.
Wie wird der neue Papst diese Probleme Ihrer Meinung nach angehen?

  Ich hatte die Ehre und das Privileg, den damaligen Kardinal Ratzinger Anfang der Achtzigerjahre kennenzulernen, als wir Mitglieder der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dia- log zwischen Römisch-Katholischen und Orthodoxen waren. Er ist ein großer Theologe und ein Experte in Sachen Ekklesiologie, der westlichen wie der östlichen. In seiner neuen Eigenschaft als Papst kann er sicherlich entscheidend auf eine Konvergenz zwischen Römisch-Katholischen und Orthodoxen im Verständnis von Primat einwirken. In der Vergangenheit hat er wichtige Anregungen für die Lösung dieses Problems gegeben. Es mag providentiell erscheinen, dass in diesem entscheidenden Moment der Debatte über dieses Thema gerade er Papst ist.  
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                              AlexejII.SarkozyRegerEtcheg

Interview Patriarch Alexej II., Moskau. Foto: Patriarch Alexij II. mit dem französischen Staatspräsidenten Nicholas Sarkozy und Roger Kardinal Etchegaray 30Giorni08

Frage: Welche Bedeutung messen Sie dem jüngsten Text von Papst Benedikt über den Gebrauch des Lateinischen bei der Messe bei? Muss man sich auch in Ihrer Kirche mit heiklen liturgischen Fragen befassen? Haben Sie eigentlich den Brief des Papstes an die chinesischen Katholiken gelesen? Zum 80. Geburtstag des Papstes haben Sie ihm geschrieben: „Ihre Stellung wird durch die Tatsache so überzeugend gemacht, dass Sie als Theologe nicht bloß ein Gelehrter des theoretischen Denkens sind, sondern vor allem ein aufrechter und zutiefst gläubiger Christ, ,dessen Mund spricht, wovon das Herz voll ist' vgl. Mt 12, 34". Worin fühlen Sie sich Papst Benedikt heute am meisten verbunden?
Patriarch Alexeij II.: Meiner Meinung nach sind Dinge wie die liturgische Sprache und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Komponenten der römisch-katholischen Kirche interne Fragen. Für uns, eine Kirche, die der Tradition große Bedeutung beimisst, ist es nur allzu verständlich und normal, dass die römisch-katholische Kirche die Jahrhunderte alte Erfahrung und die objektiven heutigen Ge- gebenheiten und Erfordernisse miteinander in Einklang bringen will. Das ist meiner Meinung nach einer der wertvollsten Aspekte des Werkes des derzeitigen Papstes von Rom, Benedikt XVI.

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Weiterer Schritt Roms zur Annäherung an orthodoxe Kirche.
Gemeinsame Erklärung: Papst Benedikt empfing Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern

   Während sich im Verhältnis der katholischen Kirche zu den Gemeinschaften der Protestanten und Anglikaner schon seit geraumer Zeit keine Fortschritte mehr auf dem Weg hin zu einer möglichen Kircheneinheit feststellen lassen, vertiefen sich die Beziehungen zu den orthodoxen Schwesterkirchen. Jetzt hat sich der orthodoxe Erzbischof Chrysostomos II. für mehrere Tage im Vatikan aufgehalten. Er traf machte einen Antrittsbesuch bei Papst Benedikt. Beide unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung.
   Chrysostomos II. ist seit vergangenem November im Amt und steht etwa sechshunderttausend orthodoxen Gläubigen vor. Bei der Begrüßung sagte Benedikt XVI., der Gast sei nicht einfach zu einem „Austausch ökumenischer Freundlichkeiten” nach Rom gekommen, sondern „um den festen Entschluss zu bekräftigen, im Gebet auszuharren, bis der Herr uns zeigt, wie wir zur vollen Einheit kommen können”. Die Kirche von Zypern, so der Papst weiter, sei die Kirche des Barnabas, des Gefährten und Mitarbeiters des heiligen Paulus, wie auch des Bischofs Epiphanius von Costanza, des heutigen Famagosta, der sein Bischofsamt 35 Jahre in einer bewegten Zeit ausübte. Habe Epiphanius den Glauben gegen den Arianismus und in den Auseinandersetzungen mit den Pneumatomachen verteidigt, so stünde man heute in einer ähnlichen Situation. „Wie damals ist es auch heute nötig, das Volk Gottes vor den falschen Propheten zu schützen, vor Irrtümern und der Oberflächlichkeit von Vorschlägen, die mit der Lehre des göttlichen Meisters, unseres einen Erlösers, nicht konform gehen.” Zugleich, fügte der Papst an, müsse man dringend „eine neue Sprache entwickeln, um den Glauben denen zu verkünden, die uns umgeben, eine nachvollziehbare und geistliche Sprache, die in der Lage ist, die offenbarten Wahrheiten treu weiterzugeben, wobei wir uns auf diese Weise auch helfen, die Einheit unter allen Mitgliedern des einen Leibes Christi in Wahrheit und Liebe wieder zu errichten”.
   Erzbischof Chrysostomos erklärte in seiner Ansprache, die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Orthodoxen auf Zypern stünden auf einem festen Fundament. Die bisherigen offiziellen theo- logischen Dialoge seien sehr wichtig für die katholische und die orthodoxe Kirche gewesen und die apostolische Kirche Zyperns habe immer an diesen Gesprächen mitgewirkt. Der Erzbischof hob auch hervor, dass sie beide, der Papst und er selber, „die gewünschte Einheit vielleicht nie erleben werden”, dennoch hätten sie „ihre Pflicht getan”, indem sie als „Friedensstifter und als echte Brüder” aufgetreten seien. Der Gast aus Zypern ging auch auf die Probleme im Norden seines Landes ein. Nord- Zypern ist von den Türken besetzt und ein eigener Staat, der allerdings nur von der Türkei anerkannt wird. Den Papst bat er deshalb um „die Unterstützung durch das unbesiegbare brüderliche Gebet, aber auch durch die väterliche Verteidigung der Rechte der zypriotischen Kirche”.
   In zehn Punkten fasst die bei dieser Gelegenheit von Papst Benedikt und seinem zypriotischen Gast unterzeichnete Erklärung den Inhalt und das Ziel der Begegnung nochmals zusammen: Neben der ausdrücklichen Bekräftigung, alles Mögliche für eine zukünftige Kircheneinheit zu unternehmen, steckt die Erklärung den Rahmen gemeinsamer Aufgaben der Katholiken und Orthodoxen in Zypern und ganz Europa ab: Von der Wiedervereinigung Zyperns über die Achtung der Menschenrechte und der Wiederbelebung der christlichen Wurzeln Europa bis hin zu den Bemühungen um eine gesunde Bioethik und dem Kampf gegen Hunger, Elend und Umweltzerstörung.
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B-Bartholomaios-xx

Geschichte und Hoffnungen: Die Trennung von West- und Ostkirche. Viele fragen sich: Seit wann
und warum sind West- und Ostkirche getrennt?  Was behindert die Wiedervereinigung?

  Eine Wurzel der Trennung zwischen “Lateinern” und “Griechen” gründet in einem Streit über die Zufügung des “filioque” im Glaubensbekenntnis im Jahre 867. Der Westen hatte damals unter Karl dem Großen auf einem Provinz-Konzil in Toledo in das Allgemeine Glaubensbekenntnis von Nizäa “der Heilige Geist geht vom Vater aus” einseitig hinzugefügt: “und vom Sohn”. Dies geschah ohne Anrufung eines Allgemeinen Konzils,  und auch ohne Rücksprache mit dem Osten. Das erregte Anstoß. Der Westen aber hatte dieses “filioque” mit guten Gründen eingefügt: Gegen die Arianer sollte so die Gottessohnschaft Christi verteidigt werden. Der Osten aber behauptete, dieser Zusatz im Credo untergrabe ihr Verständnis von Gott, dem Vater, als Ursache und Quelle von allem: die Zeu- gung des Sohnes vor aller Zeit und auch die Geistsendung durch den Vater.  
   Die Gemeinschaft der West- und Ostkirche wurde kurzfristig wieder hergestellt, aber schon 1014 brachen beide Teile auseinander, als Rom das “filioque” in das Glaubensbekenntnis aufnahm. Die Unterhandlungen gerieten 1054 zu einem Desaster. Der jähzornige päpstliche Legat Kardinal Humbert und der unversöhnliche byzantinische Patriarch Michael Cerularius exkommunizierten einander. Die Kirchentrennung wurde 1204 betoniert, als ein westeuropäischen Kreuzzug statt nach Jerusalem nach Konstantinopel zog. Die Kaiserstadt und seine jahrtausendalten Schätze der Christenheit wurden geplündert. Die Kreuzfahrer beraubten die Kirchen, zerstörten die Ikonen, zertraten in den Straßen das heilige Sakrament (weil sie meinten, es sei ungültig wegen der Verwendung von gesäuertem Brot) und zahlreiche Reliquien der Heiligen wurden gestohlen. Das Kreuzzugsheer setzte den Byzantinischen Kaiser und auch den Griechischen Patriarchen ab. Papst Innozenz III. bestätigte die Einsetzung des Bischofs Thomas Morosini zum Patriarchen von Konstantinopel.
   Als die Lateiner auch noch eigene Patriarchen in Antiochien und Jerusalem einsetzten, wurde den Griechen mit Schrecken der Anspruch des Papstes über die universale Kirche klar. Daher wählten sie ihren eigenen Patriarchen in Nizäa im Jahre 1208. Dieser wurde anerkannt von der Ostkirche in Griechenland, Bulgarien, Serbien und den Kiewer Rus. Vielleicht könnten wir heute alle dem Glaubens- satz zustimmen, dass der Heilige Geist “vom Vater durch den Sohn ausgeht”. Aber die damals voll- zogene Trennung hält an.
Die päpstliche Jurisdiktion
   Viele orthodoxe Christen würden einen Ehrenprimat des römischen Papstes als “Erster unter Glei- chen” (primus inter pares) annehmen. Jedoch erscheint den Ostkirchen der römische Primat, wie eine Monarchie, die nicht zum Auftrag der Kirche gehöre. So habe Rom “sich selbst von uns durch seinen Stolz getrennt. Wie sollen wir von Rom Entscheidungen annehmen, die ohne Konsultation mit uns zustande gekommen sind und uns oft auch nicht mitgeteilt wurden.”
   Andererseits: Wenn der Papst als Nachfolger des Heiligen Petrus, den Auftrag hat, die Lehreinheit in Glaube und Moral zu erhalten, welche Macht muss er dann notwendigerweise besitzen, um diese Pflicht zu erfüllen? Johannes Paul II. sprach vom Papstamt als barmherzigen Dienst, die Kirchen aus bitterer Isolation zur universalen weltweiten Gemeinschaft zu rufen. Der Ehrentitel des Papstes “Diener der Diener Gottes” ist signifikant für seinen Dienst an der Einheit. 
Lehrunterschiede
   Die Ostkirche verwendet gesäuertes Brot, die katholische Kirche ungesäuertes Brot für die Eucha- ristie. Aber heute ist es uns möglich, beide alten Traditionen zu achten. 
   Die Griechen beten für die Toten, aber ihre Auffassung von Fegefeuer und Reinigung ist nicht präzise festgelegt. Auf dem Konzil von Florenz (1439) akzeptierten die griechischen Theologen den Gedanken von der “reinigenden Strafe”, aber grundsätzlich halten sie sich zurück von verbindlichen Glaubens- aussagen auf diesem Gebiet.
   Die katholischen Christen haben einige Schwierigkeiten mit der Praxis der Frömmigkeit in der Ortho- doxie. Die Theologie eines Gregor Palams lehrt, dass christliche Aszese und Spiritualität zum Schauen des “ungeschaffenen Lichts” Gottes führen kann. Der Westen spricht dagegen mehr von der Heiligung und der Erfahrung der geschaffenen Gnade Gottes, nicht so sehr vom göttlichen Wesen.
   Trotz der tiefen Verehrung der immer-jungfräulichen Mutter Gottes lehnt die Orthodoxie die “Un- befleckte Empfängnis” Mariens ab, seit sie von Rom zum Dogma erhoben wurde.
Sakramente
   Die Orthodoxie kennt vier Hochfeste im Jahr mit strenger Vorbereitung auf die heilige Eucharistie. Die heilige Kommunion wird stets unter beiden Gestalten mit einem Kommunionlöffel gereicht. Die Partikel der Eucharistie -  die wie würfelförmiges Weißbrot aussehen, werden mit Ehrfurcht in das kostbare Blut gegeben. Fast die ganze Liturgie wird gesungen, nicht gesprochen. Es gibt keine Instrumentalmusik: alle singen a capella.
   Der orthodoxe Klerus ist in der Regel verheiratet: aber ihre Mönche und Bischöfe leben im Zölibat.
   Bei der Trauung spendet der Priester das Ehesakrament unter dem Zeichen der Krönung. Orthodoxen ist nach einer Scheidung und einer Zeit der Buße eine zweite Trauung erlaubt – die aber nicht auf der gleichen Stufe wie die erste steht. 
   Grundsätzlich betrachtet die orthodoxe Kirche den katholischen Westen als zu rational mit zu starkem Vertrauen auf die menschliche Vernunft und in ihrem Verlangen alles und jedes in präzise Dogmen zu gießen. Sie misstrauen einer “Denzinger-Theologie” (Sammlung aller päpstlichen Entscheidungen und Konzilsbeschlüsse). Der Osten zieht es vor zu sagen: “Dies ist ein Geheimnis, ein Mysterium. Glaube es und bete es an! Warum willst du die Großtaten Gottes analysieren und bewerten?” Die Göttliche Liturgie ist mehr als die Universitätstheologie Offenbarung der göttlichen Gnade.
   Der Osten muss aber auch die unterschiedliche Geschichte des Westens achten. Während die katholische Kirche durch die protestantische Reformation und die rationalistische Aufklärung ge- zwungen wurde, ihren Glauben schärfer zu präzisieren, versuchten die Ostchristen unter der isla- mischen Herrschaft der Ottomanen, unter den russischen Zaren und ihren Nachfolgern, den kommu- nistischen Apparatschiks, ihren Glauben zu bewahren. Keines dieser Regime bot Raum für christliche Theologie oder freies Denken. Im Zarenreich wurde erst 1864 die Leibeigenschaft aufgehoben. Die katholische Kirche des Westens breitete sich kraftvoll in der neuen Welt aus; das war eine einzigartige Herausforderung, und der Westen wurde viel früher mit der Industrierevolution und der modernen Wissenschaft konfrontiert. Der Westen aber – geschüttelt vom Sturm des Modernismus und Rela- tivismus – wird bereichert von der feinsinnigen himmlischen Liturgie und dem Glauben des Ostens. Die orthodoxe Liturgie gewinnt ihre Kraft von den Kirchenvätern und griechischen Mönchen aus sechzehn Jahrhunderten. Sie ist poetischer und ausdrucksstärker als die klare lateinische Liturgie. Aus heutiger Sicht darf man sagen: Der Osten braucht den Westen und der Westen den Osten.
Nationalismus
   Im byzantinischen Reich waren Kirche und Staat eng miteinander verbunden und bildeten eine vollkommene christliche Gemeinschaft auf Erden. Sowohl der Kaiser wie auch der Patriarch waren Repräsentanten Gottes. Die Bischöfe erklärten und lehrten den Glauben, der Kaiser schützte die Kirche, und griff oft in die Verwaltung der Kirche ein. Als jedoch Konstantinopel von den Türken eingenommen wurde (1453) stärkten die Sultane antiwestliche Gefühle. Sie verhinderten die Heilung der alten antikatholischen Belastungen. Die nationalen orthodoxen Kirchen von Bulgarien, Serbien und Moskau gewannen ihre Unabhängigkeit. Die russische Kirche wurde vollkommen dem Zar und seinen Zielen untergeordnet. Darin lag die Gefahr eines übertriebenen Nationalismus. Die Betonung der Volkszugehörigkeit stärkte die zentrifugalen Kräfte und verdrängte den Gedanken an die weltweite Christenheit. 1872 verurteilte die Synode von Konstantinopel diesen “Phyletismus” – den nationalen oder ethnischen Vorrang in der Kirche. Heute stehen in Nordamerika verschiedenen ethnische orthodoxe Kirchen in Konkurrenz: Griechen, Russen, Ukrainer, Serben. Eine Einheit oder auch nur eine gemeinsame englische Liturgie ist schwerlich zu finden.
Versuchungen in unserer Zeit
   Die größte orthodoxe Kirche – das Moskauer Patriarchat – verhält sich extrem kritisch gegen das “Uniatemtum” – wie die katholischen Riten, besonders der Ukrainer, die in der Einheit mit Rom, aber in byzantinischer Tradition stehen, genannt werden. Moskau sieht in diesen Christen Verräter der Ortho- doxie. Eine andere große Gruppe sind die rumänischen Katholiken nach griechischem Ritus.
   Als “Brücken-Kirchen” zwischen Ost und West beweisen die Ukrainer und Rumänen, dass die ortho- doxe Tradition mit dem katholischen Rom verbunden werden kann. Gerade das aber verstehen die Orthodoxen als eine sehr unwillkommene Drohung. Sie möchten um jeden Preis ihre nationale Unab- hängigkeit bewahren. Die Putins, Lukaschenkos und Milosevics dieser Welt sind nur allzu glücklich darüber, ihre nationalen Kirchen frei von rivalisierenden fremden Einflüssen zu halten.
   Die katholisch-orthodoxe Einheit scheint heute nicht denkbar ohne nationale orthodoxe Kirchen, jede mit einem eigenen Patriarchen und Bischöfen und Heiligen Synoden, jedoch bestätigt durch und in der der katholischen Union mit Rom. Das führt uns zur Frage der römischen Jurisdiktion: Darf der Papst intervenieren, wenn die Hierarchie der Ortskirche gespalten ist, oder eine Irrlehre um sich greift? Aber wie denn sonst könnte der Papst die Einheit des Leibes Christi bewahren? Die Orthodoxie betrachtet ein pan-orthodoxes oder ökumenisches Konzil als höchste Autorität. Dies lässt die Frage unbeantwortet, wer denn die entscheidende Stimme hat, wenn ein Konzil nicht zu einer Entscheidung kommt? Wer trägt Verantwortung für die internationalen Tages-Entscheidungen in dem zwischen den Konzilien liegendem Jahrhundert? Die Herausforderung liegt darin, eine gesunde Balance zwischen einem zentralistischen Papsttum und einer zentrifugalen Auflösung der Kirche in nationale Einheiten zu finden.
Fr.FrancisMarsenCT061203

Orthodoxe danken Papst in der "New York Times"

   Mit einer ganzseitigen Anzeige in der auflagenstärksten nordamerikanischen Tageszeitung “New York Times” haben sich die orthodoxen Christen Amerikas bei Papst Benedikt XVI. bedankt. “Apostel des Friedens” steht über dem Foto, dass den Papst mit Patriarch Bartholomaios I. zeigt. “Die orthodoxen Christen Amerikas bedanken sich bei Papst Benedikt XVI. für seine fortwährende Unterstützung seines Mitstreiters und Apostels des Friedens, Patriarch Bartholomaios I.”, heißt es wörtlich.
  Die “New York Times” hat eine tägliche Gesamtauflage von 1,1 Millionen. In der prominent platzierten Anzeige ruft der Apostel-Andreas-Orden die türkische Regierung auf, der Weltöffentlichkeit zu be- weisen, dass es gerechtfertigt sei, ihr Land als eine aufgeklärte Nation zu bezeichnen. Dies könne sie erreichen, indem sie den Status des Ökumenischen Patriarchen als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie anerkenne, beschlagnahmten Besitz der orthodoxen Kirche zurückgebe, alle christlichen Glauben- sgemeinschaften rechtlich anerkenne und sich bei der Wahl künftiger Patriarchen nicht mehr einmische.
DTkna061223

Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I.wollen Einheit der katholischen und orthodoxen Kirche

  Der gemeinsame Gottesdienst mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.,  in der Moscheen-Metropole am Hochfest des Apostels Andreas, des Orthodoxen-Heiligen, war der eigentliche Grund der päpstlichen Visite in der Türkei. Papst und Patriarch erinnerten ausdrücklich im Hinblick auf die EU-Verhandlungen in einer gemeinsamen Erklärung an “die unver- äußerlichen Rechte der menschlichen Person, insbesondere die Religionsfreiheit, die der Beweis und Garant des Respekts vor jeder anderen Freiheit ist”. Sie forderten weiter, dass “die Minderheiten, ihre kulturellen Traditionen und ihre religiösen Besonderheiten geschützt werden sollten”.
  Aber der Patriarch selbst ist auch für den Papst eine Mahnung, die Einheit der Christen weiter voran- zubringen. Tröstlich ist, dass aus der Feindschaft von Jahrhunderten zwischen lateinisch-westlichen Katholiken und orientalisch-orthodoxen Christen in wenigen Jahrzehnten seit dem Zweiten Vatika- nischen Konzil (1962-1965) wachsendes Verständnis geworden ist. Benedikt und Bartholomaios haben in Freundschaft Gemeinsames demonstriert. Der theologisch versierte Papst hat zu. dem zur Deutung seines römischen Primats für die Nicht-Katholiken den Begriff von der “universalen Verantwortlichkeit” des Bischofs von Rom in die christliche Glaubenswelt gesetzt. Darauf werden die Orthodoxen und andere Christen Antwort geben müssen, wenn es ihnen mit der Einheit ernst ist.
Heinz-JoachimFischerFAZ061204

tn_Kasper.Alexis_psd   Kardinal Kasper, Patriarch Alexij II.

  Die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche haben sich seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt XVI. ständig verbessert. Dies betonte der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill von Smolensk, im Gespräch mit der russi- schen Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda”. Wörtlich sagte der Metropolit, der als die „Nummer 2” des Patriarchats gilt:„Seit der Wahl von Benedikt ist unser Dialog wesentlich intensiver geworden.” knaDT060819  
Moskau rudert zurück. Alexij II.: Treffen mit Papst in ein oder zwei Jahren möglich
   Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexij II. hält ein Treffen mit Papst Benedikt XVI. „in einem oder zwei Jahren” für möglich. Mit Benedikt XVI. teile er die Sicht, dass es die christlichen Werte Europas zu verteidigen gelte, sagte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche der französischen Tages- zeitung „Le Figaro”. Vor einem Treffen, das gut vorbereitet werden müsse, sei die Beseitigung aller Hindernisse erforderlich. Nötig sei, die Umdeutung der europäischen Werte zu verhindern,so Alexij II. Das gelte etwa für die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften oder Propaganda für Sterbehilfe und Abtreibung. „Ich bin überzeugt, dass die katholische Kirche und die orthodoxe Kirche gemeinsam handeln müssen, um die christlichen Werte gegen einen aggressiven Materialismus zu verteidigen”, so der Patriarch.
  Alexij II. sprach vor dem Europarat in Straßburg und rief dazu auf, die Moral ins Zentrum der vom Europarat verteidigten Menschenrechte zu stellen. Eine außerhalb der Religion heranwachsende Ge- sellschaft verliere mehr und mehr die moralischen Herausforderungen aus dem Blick. Anschließend hielt sich Alexij II. auf Einladung der katholischen französischen Bischofskonferenz in Paris auf. Dabei traf er unter anderem den Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Jean-Pierre Ricard. Begegnun- gen mit den orthodoxen Bischöfen Frankreichs und Staatspräsident Nicolas Sarkozy stehen auf dem Programm. 
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Ökumene: Einheitsrat gibt Handbuch heraus

  Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen ein Ökumene-Handbuchs herausgegeben. Wie der Präsident des Rats, Kardinal Walter Kasper, gegenüber der italienschen Nachrichtenagentur APCOM erklärte, solle es helfen, die bereits im „Direktorium für die Anwendung von Prinzipien und Normen in der Ökumene” aus dem Jahr 1993 angeführten Bestimmungen zu verbreiten. Das Handbuch, so jetzt der Kardinal gegenüber APCOM, soll alle Aktivitäten fördern, die zur Unter- stützung einer geistlichen Begegnung unter den Christen dienen. Es stelle eine Zusammenfassung der kirchlichen Leitlinien und Lehramtsaussagen zur Ökumene dar. Kasper zufolge sind Ausgaben in italienischer und englischer Sprache erschienen, denen weitere Übersetzungen folgen sollen. Der Kardinal erklärte außerdem, dass man vor dem Beginn einer neuen Ökumene stünde,  die zuinnerst mit der Neuevangelisierung verbunden sei. ghoDT060617

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In der öffentlichen Diskussion wird unterstellt, dass die Kirche in Sachen Ökumene hinter das Konzil  zurückgeht. Doch was ist wirklich  auf  dem  Zweiten Vatikanum Foto beschlossen worden?
Wir bringen hier im Wortlaut das Dokument des 2. Vatikanischen Konzils zur Wiederherstellung der Einheit der Christen: “Unitatis redintegratio” Lesen Sie selbst: Dekret über den Ökumenismus.

VORWORT
     1. Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils. Denn Christus der Herr hat eine einige und einzige Kirche gegründet, und doch erheben mehrere christliche Gemeinschaften vor den Menschen den Anspruch, das wahre Erbe Jesu Christi darzustellen; sie alle bekennen sich als Jünger des Herrn, aber sie weichen in ihrem Denken voneinander ab und gehen verschiedene Wege, als ob Christus selber geteilt wäre cf. 1 Kor 1,13. Eine solche Spaltung widerspricht aber ganz offenbar dem Willen Christi, sie ist ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen. Der Herr der Geschichte aber, der seinen Gnadenplan mit uns Sündern in Weisheit und Langmut verfolgt, hat in jüngster Zeit begonnen, über die gespaltene Christenheit ernste Reue und Sehnsucht nach Einheit reichlicher auszugießen. Von dieser Gnade sind heute überall sehr viele Menschen ergriffen, und auch unter unsern getrennten Brüdern ist unter der Einwirkung der Gnade des Heiligen Geistes eine sich von Tag zu Tag ausbreitende Bewegung zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen entstanden. Diese Einheitsbewegung, die man als ökumenische Bewegung bezeichnet, wird von Menschen getragen, die den dreieinigen Gott anrufen und Jesus als Herrn und Erlöser bekennen, und zwar nicht nur einzeln für sich, sondern auch in ihren Gemeinschaften, in denen sie die frohe Botschaft vernommen haben und die sie ihre Kirche und Gottes Kirche nennen. Fast alle streben, wenn auch auf verschiedene Weise, zu einer einen, sichtbaren Kirche Gottes hin, die in Wahrheit allumfassend und zur ganzen Welt gesandt ist, damit sich die Welt zum Evangelium bekehre und so ihr Heil finde zur Ehre Gottes. Dies alles erwägt die Heilige Synode freudigen Herzens und, nachdem sie die Lehre von der Kirche dargestellt hat, möchte sie, bewegt von dem Wunsch nach der Wiederherstellung der Einheit unter allen Jüngern Christi, allen Katholiken die Mittel und Wege nennen und die Weise aufzeigen, wie sie selber diesem göttlichen Ruf und dieser Gnade Gottes entsprechen können.

ERSTES KAPITEL: DIE KATHOLISCHEN PRINZIPIEN DES ÖKUMENISMUS
 
2. Darin ist unter uns die Liebe Gottes erschienen, dass der eingeborene Sohn Gottes vom Vater in die Welt gesandt wurde, damit er, Mensch geworden, das ganze Menschengeschlecht durch die Erlösung zur Wiedergeburt führe und in eins versammle cf. 1 Jo 4, 9; Kol 1,18-20; Jo 11,52. Bevor er sich selbst auf dem Altar des Kreuzes als makellose Opfergabe darbrachte, hat er für alle, die an ihn glauben, zum Vater gebetet, “dass alle eins seien, wie Du, Vater, in mir, und ich in Dir, dass auch sie in uns eins seien: damit die Welt glaubt, dass Du mich gesandt hast” Jo 17,21, und er hat in seiner Kirche das wunderbare Sakrament der Eucharistie gestiftet, durch das die Einheit der Kirche bezeichnet und bewirkt wird. Seinen Jüngern hat er das neue Gebot der gegenseitigen Liebe gegeben cf. Jo 13, 34 und den Geist, den Beistand, verheißen cf. Jo 16,7, der als Herr und Lebensspender in Ewigkeit bei ihnen bleiben sollte. Nachdem der Herr Jesus am Kreuze erhöht und verherrlicht war, hat er den ver- heißenen Geist ausgegossen, durch den er das Volk des Neuen Bundes, das die Kirche ist, zur Einheit des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe berufen und versammelt, wie uns der Apostel lehrt: “Ein Leib und ein Geist, wie ihr berufen seid in einer Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe” Eph 4,4-5. Denn “ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid,  habt Christus an- gezogen... Ihr alle seid ja einer in Christus Jesus” Gal 3,27-28. Der Heilige Geist, der in den Gläubigen wohnt und die ganze Kirche leitet und regiert, schafft diese wunderbare Gemeinschaft der Gläubigen und verbindet sie in Christus so innig, dass er das Prinzip der Einheit der Kirche ist.  Er selbst wirkt die Verschiedenheit der Gaben und Dienste 1 Kor 12,4-11, indem er die Kirche Jesu Christi mit mannigfaltigen Gaben bereichert “zur Vollendung der Heiligen im Werk des Dienstes, zum Aufbau des Leibes Christi” Eph 4,12. Um nun diese seine heilige Kirche überall auf Erden bis zum Ende der Zeiten fest zu begründen, hat Christus das Amt der Lehre, der Leitung und der Heiligung dem Kollegium der Zwölf anvertraut cf.Mt 28,18-20 in Verbindung mit Jo 20,21-23. Unter ihnen hat er den Petrus ausgewählt, auf dem er nach dem Bekenntnis des Glaubens seine Kirche zu bauen beschlossen hat; ihm hat er die Schlüssel des Himmelreiches verheißen cf. Mt 16,19 in Verbindung mit Mt 18, 18 und nach dessen Liebesbekenntnis alle Schafe anvertraut, damit er sie im Glauben stärken cf. Lk 22, 32 und in vollkommener Einheit weiden solle cf.Jo 21,15-17, wobei Christus Jesus selbst der höchste Eckstein cf. Eph 2,20 und der Hirt unserer Seelen cf. 1 Petr 2,25; I.Vatikanisches Konzil, Sessio IV(1870), Constitutio Pastor Aeternus:  Coll. Lac.7, 482a in Ewigkeit bleibt. Jesus Christus will, dass sein Volk durch die gläubige Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente durch die Apostel und durch ihre Nachfolger, die Bischöfe  mit dem Nachfolger Petri als Haupt, sowie durch ihre Leitung in Liebe unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wachse, und er vollendet seine Gemeinschaft in der Einheit: im Bekenntnis des einen Glaubens, in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes und in der brüderlichen Eintracht der Familie Gottes. So ist die Kirche, Gottes alleinige Herde, wie ein unter den Völkern erhobenes Zeichen  cf. Is 11,10-12. Indem sie dem ganzen Menschengeschlecht den Dienst des Evangeliums des Friedens leistet cf. Eph 2,17-18, in Verbindung mit Mk 16,15, pilgert sie in Hoffnung dem Ziel des ewigen Vaterlandes entgegen cf. 1 Petr 1,3-9. Dies ist das heilige Geheimnis der Einheit der Kirche in Christus und durch Christus,   indes der Heilige Geist die Mannigfaltigkeit der Gaben schafft. Höchstes Vorbild und Urbild dieses Geheimnisses ist die Einheit des einen Gottes, des Vaters und des Sohnes im Heiligen Geist in der Dreiheit der Personen.
     3. In dieser einen und einzigen Kirche Gottes sind schon von den ersten Zeiten an Spaltungen entstanden cf. 1 Kor 11,18-19; Gal 1, 6-9; 1 Jo 2,18-19, die der Apostel aufs schwerste tadelt und verurteilt cf. 1 Kor 1,11ff; 11,22; in den späteren Jahrhunderten aber sind ausgedehntere Ver- feindungen entstanden, und es kam zur Trennung recht großer Gemeinschaften von der vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche, oft nicht ohne Schuld der Menschen auf beiden Seiten. Den Menschen jedoch, die jetzt in solchen Gemeinschaften geboren sind und in ihnen den Glauben an Christus erlangen, darf die Schuld der Trennung nicht zur Last gelegt werden - die katholische Kirche betrachtet sie als Brüder, in Verehrung und Liebe. Denn wer an Christus glaubt und in der rechten Weise die Taufe empfangen hat, steht dadurch in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Da es zwischen ihnen und der katholischen Kirche sowohl in der Lehre und bisweilen auch in der Disziplin wie auch bezüglich der Struktur der Kirche Diskrepanzen verschiedener Art gibt, so stehen sicherlich nicht wenige Hindernisse der vollen kirchlichen Gemein- schaft entgegen, bisweilen recht schwerwiegende, um deren Überwindung die ökumenische Bewegung bemüht ist. Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert cf. Konzil v.Florenz, Sess.VIII(1439), Dekret Exsultate Deo: Mansi 31,1055 A, darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen  der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt cf. Augustinus, In Ps.32, Enarratio II, 29: PL 36, 299. Hinzu kommt, dass einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können: das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente: all dieses, das von Christus ausgeht und zu ihm hinführt, gehört rechtens zu der einzigen Kirche Christi. Auch zahlreiche liturgische Handlungen der christlichen Religion werden bei den von uns getrennten Brüdern vollzogen, die auf verschiedene Weise je nach der verschiedenen Verfasstheit einer jeden Kirche und Gemeinschaft ohne Zweifel tatsächlich das Leben der Gnade zeugen können und als geeignete Mittel für den Zutritt zur Gemeinschaft des Heiles angesehen werden müssen. Ebenso sind diese getrennten Kirchen cf. IV. Laterankonzil (1215), Constitutio IV: Mansi 22,990; II. Konzil v. Lyon (1274), Professio Fidei Michaelis Palaeologi: Mansi 24,71 E; Konzil v. Florenz, Sessio VI (1439), Definitio Laetentur caeli: Mansi 31,1026 E und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet. Dennoch erfreuen sich die von uns getrennten Brüder, sowohl als einzelne wie auch als Gemeinschaften und Kirchen betrachtet, nicht jener Einheit, die Jesus Christus all denen schenken wollte, die er zu einem Leibe und zur Neuheit des Lebens  wieder  geboren und lebendig gemacht hat, jener Einheit, die die Heilige Schrift und die verehrungswürdige Tradition der Kirche bekennt. Denn nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Denn einzig dem Apostelkollegium,  an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut,  um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören. Dieses Volk Gottes bleibt zwar während seiner irdischen Pilgerschaft in seinen Gliedern der Sünde ausgesetzt, aber es wächst in Christus und wird von Gott nach seinem geheim- nisvollen Ratschluss sanft geleitet, bis es zur ganzen Fülle der ewigen Herrlichkeit im himmlischen Jerusalem freudig gelangt.
  4. Unter dem Wehen der Gnade des Heiligen Geistes gibt es heute in vielen Ländern auf Erden Be- strebungen, durch Gebet, Wort und Werk zu jener Fülle der Einheit zu gelangen, die Jesus Christus will. Daher mahnt dieses Heilige Konzil alle katholischen Gläubigen, dass sie, die Zeichen der Zeit erkennend,  mit Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen. Unter der “Ökumenischen Bewegung”  versteht man Tätigkeiten und Unternehmungen, die je nach den verschiedenartigen Bedürfnissen der Kirche und nach Möglichkeit der Zeitverhältnisse zur Förderung der Einheit der  Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind. Dazu gehört: Zunächst alles Bemühen zur Ausmerzung aller Worte, Urteile und Taten, die der Lage der getrennten Brüder nach Gerechtigkeit und Wahrheit nicht entsprechen und dadurch die gegenseitigen Beziehungen mit ihnen erschweren; ferner der “Dialog”, der bei Zusammen- künften der Christen aus verschiedenen Kirchen oder Gemeinschaften, die vom Geist der Frömmigkeit bestimmt sind, von wohlunterrichteten Sachverständigen geführt wird, wobei ein jeder die Lehre seiner Gemeinschaft tiefer und genauer erklärt, so dass das Charakteris- tische daran deutlich hervortritt. Durch diesen Dialog erwerben alle eine bessere Kenntnis der Lehre und des Lebens jeder von beiden Gemeinschaften und eine gerechtere Würdigung derselben. Von hier aus gelangen diese Gemein- schaften auch zu einer stärkeren Zusammenarbeit in den Aufgaben des Gemeinwohls, die jedes christliche Gewissen fordert, und sie kommen, wo es erlaubt ist, zum gemeinsamen Gebet zusammen. Schließlich prüfen hierbei alle ihre Treue gegenüber dem Willen Christi hinsichtlich der Kirche und gehen tatkräftig ans Werk der notwendigen Erneuerung und Reform. Wenn dies alles von den Gläubigen der katholischen Kirche unter der Aufsicht ihrer Hirten mit Klugheit und Geduld vollzogen wird, trägt es zur Verwirklichung der Gerechtigkeit und Wahrheit, Eintracht und Zusammenarbeit, der brüderlichen Liebe und Einheit bei, so dass dadurch allmählich die Hindernisse, die sich der völligen kirchlichen Gemein- schaft entgegenstellen, überwunden und alle Christen zur selben Eucharistiefeier, zur Einheit der einen und einzigen Kirche versammelt werden, die Christus seiner Kirche von Anfang an geschenkt hat, eine Einheit, die nach unserem Glauben unverlierbar in der katholischen Kirche besteht, und die, wie wir hoffen, immer mehr wachsen wird bis zur Vollendung der Zeiten. Es ist klar, dass die Vorbereitung und die Wiederaufnahme solcher Einzelner, die die volle katholische Gemeinschaft wünschen, ihrer Natur nach etwas von dem ökumenischen Werk Verschiedenes ist;es besteht jedoch kein Gegensatz zwischen ihnen, da beides aus dem wunderbaren Ratschluss Gottes hervorgeht. Ohne Zweifel müssen die katholischen Gläubigen bei ihrer ökumenischen Aktion um die getrennten Christen besorgt sein,indem sie für sie beten, sich über kirchliche Angelegenheiten mit ihnen austauschen, den ersten Schritt zu ihnen tun. Aber in erster Linie sollen sie doch ehrlich und eifrig ihr Nachdenken darauf richten, was in der eigenen katho- lischen Familie zu erneuern und was zu tun ist, damit ihr Leben mit mehr Treue und Klarheit für die Lehre und die Einrichtungen Zeugnis gebe, die ihnen von Christus her durch die Apostel überkommen sind. Obgleich nämlich die katholische Kirche mit dem ganzen Reichtum der von Gott geoffenbarten Wahrheit und der Gnadenmittel beschenkt ist, ist es doch Tatsache, dass ihre Glieder nicht mit der ent- sprechenden Glut daraus leben, so dass das Antlitz der Kirche den von uns getrennten Brüdern und der ganzen Welt nicht recht aufleuchtet und das Wachstum des Reiches Gottes verzögert wird. Deshalb müssen alle Katholiken zur christlichen Vollkommenheit streben cf. Jak 1,4; Röm 12,1-2 und, ihrer jeweiligen Stellung entsprechend, bemüht sein, dass die Kirche, die die Niedrigkeit und das Todesleiden Christi an ihrem Leibe trägt cf. 2 Kor 4,10; Phil 2,5-8, von Tag zu Tag geläutert und erneuert werde, bis Christus sie sich dereinst glorreich darstellt, ohne Makel und Runzeln cf. Eph 5,27. Alle in der Kirche sollen unter Wahrung der Einheit im Notwendigen je nach der Aufgabe eines jeden in den verschiedenen Formen des geistlichen Lebens und der äußeren Lebensgestaltung, in der Verschiedenheit der litur- gischen Riten sowie der theologischen Ausarbeitung der Offenbarungswahrheit die gebührende Freiheit walten lassen, in allem aber die Liebe üben. Auf diese Weise werden sie die wahre Katholizität und Apostolizität der Kirche immer vollständiger zum Ausdruck bringen. Auf der anderen Seite ist es notwendig, dass die Katholiken die wahrhaft christlichen Güter aus dem gemein- samen Erbe mit Freude anerkennen und hochschätzen, die sich bei den von uns getrennten Brüdern finden. Es ist billig und heilsam, die Reichtümer Christi und das Wirken der Geisteskräfte im Leben der anderen anzuerkennen, die für Christus Zeugnis geben, manchmal bis zur Hingabe des Lebens: Denn Gott ist immer wunderbar und bewunderungswürdig in seinen Werken. Man darf auch nicht übergehen, dass alles, was von der Gnade des Heiligen Geistes in den Herzen der getrennten Bruder gewirkt wird, auch zu unserer eigenen Auferbauung beitragen kann. Denn was wahrhaft christlich ist, steht niemals im Gegensatz zu den echten Gütern des Glaubens, sondern kann immer dazu helfen, dass das Geheimnis Christi und der Kirche vollkommener erfasst werde. Aber gerade die Spaltungen der Christen sind für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer völligen Gemeinschaft getrennt sind. Ja, es wird dadurch auch für die Kirche selber schwieriger, die Fülle der Katholizität unter jedem Aspekt in der Wirklichkeit des Lebens auszuprägen. Mit Freude bemerkt das Heilige Konzil, dass die Teilnahme der katholischen Gläubigen am ökumenischen Werk von Tag zu Tag wächst, und empfiehlt sie den Bischöfen auf dem ganzen Erdkreis, dass sie von ihnen eifrig gefördert und mit Klugheit geleitet werde.

ZWEITES KAPITEL:
DIE PRAKTISCHE VERWIRKLICHUNG DES ÖKUMENISMUS

 
5. Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seiner Fähigkeit, sowohl in seinem täglichen christlichen Leben wie auch bei theologischen und historischen Untersuchungen. Diese Sorge macht schon einigermaßen deutlich, dass eine brüderliche Verbindung zwischen allen Christen schon vorhanden ist; sie ist es, die schließlich nach dem gnädigen Willen Gottes zur vollen und vollkommenen Einheit hin- führt.
  6. Jede Erneuerung der Kirche cf. V.Laterankonzil, Sessio XII (1517), Constitutio Constituti: Mansi 32,988 B-C besteht wesentlich im Wachstum der Treue gegenüber ihrer eigenen Berufung, und so ist ohne Zweifel hierin der Sinn der Bewegung in Richtung auf die Einheit zu sehen. Die Kirche wird auf dem Wege ihrer Pilgerschaft von Christus zu dieser dauernden Reform gerufen, deren sie allzeit bedarf, soweit sie menschliche und irdische Einrichtung ist; was also etwa je nach den Umständen und Zeitverhältnissen im sittlichen Leben, in der Kirchenzucht oder auch in der Art der Lehrverkündigung - die von dem Glaubensschatz selbst genau unterschieden werden muss - nicht genau genug bewahrt worden ist, muss deshalb zu gegebener Zeit sachgerecht und pflichtgemäß erneuert werden. Dieser Erneuerung kommt also eine besondere ökumenische Bedeutung zu. Und so sind die verschiedenen Lebens- äußerungen der Kirche, in denen diese Erneuerung sich schon ver- wirklicht wie etwa die biblische und die liturgische Bewegung, die Predigt des Wortes Gottes und die Katechese, das Laienapostolat, neue Formen des gottgeweihten Lebens, die Spiritualität der Ehe, die Lehre und Wirksamkeit der Kirche im sozialen Bereich - als Unterpfand und als gute Vorbedeutung zu sehen, die den künftigen Fortschritt des Ökumenismus schon verheißungsvoll ankündigen.
    7. Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung. Denn aus dem Neu- werden des Geistes cf. Eph 4,23, aus der Selbstverleugnung und aus dem freien Strömen der Liebe erwächst und reift das Verlangen nach der Einheit. Deshalb müssen wir vom göttlichen Geiste die Gnade aufrichtiger Selbstverleugnung, der Demut und des geduldigen Dienstes sowie der brüderlichen Herzensgüte zueinander erflehen. Der Völkerapostel sagt: “So ermahne ich euch denn, ich der Gefangene im Herrn, wandelt würdig der Berufung, zu der ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, ertraget einander geduldig in Liebe; bestrebt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens” Eph 4,1-3. Diese Mahnung gilt besonders denen, die die heiligen Weihen empfangen haben, damit die Sendung Christi, der zu uns kam, “nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen” Mt 20,28, ihre Fortsetzung finde. Auch von den Sünden gegen die Einheit gilt das Zeugnis des Heiligen Johannes: “Wenn wir sagen, wir hätten nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns” 1 Jo 1,10. In Demut bitten wir also Gott und die getrennten Brüder um Verzeihung, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben. Alle Christgläubigen sollen sich bewusst sein, dass sie die Einheit der Christen um so besser fördern, ja sogar einüben, je mehr sie nach einem reinen Leben gemäß dem Evangelium streben. Je inniger die Gemeinschaft ist, die sie mit dem Vater, dem Wort und dem Geist vereint, um so inniger und leichter werden sie imstande sein, die gegenseitige Brüderlichkeit zu vertiefen.
    8. Diese Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen; sie kann mit Recht geistlicher Ökumenismus genannt werden. Es ist unter Katholiken schon üblich geworden, dass sie häufig zu diesem Gebet für die Einheit der Kirche zusammenkommen, die der Heiland selbst am Vorabend seines Todes vom Vater inständig erfleht hat: “Dass alle eins seien” Jo 17, 21. Bei besonderen Anlässen, zum Beispiel bei Gebeten, die “für die Einheit” verrichtet werden, und bei ökumenischen Versammlungen, ist es erlaubt und auch erwünscht, dass sich die Katholiken mit den getrennten Brüdern im Gebet zusammenfinden. Solche gemeinsamen Gebete sind ein höchst wirksames Mittel, um die Gnade der Einheit zu erflehen, und ein echter Ausdruck der Gemeinsamkeit, in der die Katholiken mit den getrennten Brüdern immer noch verbunden sind: “Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen” Mt 18,20. Man darf jedoch die Gemeinschaft beim Gottesdienst (communicatio in sacris) nicht als ein allgemein und ohne Unter- scheidung gültiges Mittel zur Wiederherstellung der Einheit der Christen ansehen. Hier sind haupt- sächlich zwei Prinzipien maßgebend: die Bezeugung der Einheit der Kirche und die Teilnahme an den Mitteln der Gnade. Die Bezeugung der Einheit verbietet  in den meisten Fällen die Gottesdienst- gemeinschaft, die Sorge um die Gnade empfiehlt sie indessen in manchen Fällen. Wie man sich hier konkret zu verhalten hat, soll unter Berücksichtigung aller Umstände der Zeit, des Ortes und der Personen die örtliche bischöfliche Autorität in klugem Ermessen entscheiden, soweit nicht etwas anderes von der Bischofskonferenz nach Maßgabe ihrer eigenen Statuten oder vom Heiligen Stuhl bestimmt ist.
  9. Man muss den Geist und die Sinnesart der getrennten Brüder kennen. Dazu bedarf es notwendig des Studiums, das der Wahrheit gemäß und in wohlwollender Gesinnung durchzuführen ist. Katholiken, die dazu gebührend gerüstet sind, sollen sich eine bessere Kenntnis der Lehre und der Geschichte, des geistlichen und liturgischen Lebens, der religiösen Psychologie und Kultur,  die den Brüdern eigen ist, erwerben. Dazu sind gemeinsame Zusammenkünfte, besonders zur Behandlung theologischer Fragen, sehr dienlich, bei denen ein jeder mit dem anderen auf der Ebene der Gleichheit spricht “par cum pari agat”, vorausgesetzt, dass die, die unter der Aufsicht ihrer Oberen daran teilnehmen, wirklich sach- verständig sind. Aus einem solchen Dialog kann auch klarer zutage treten, was die wirkliche Situation der katholischen Kirche ist. Auf diesem Wege wird auch die Denkweise der getrennten Brüder besser erkannt und ihnen unser Glaube in geeigneterer Weise auseinandergesetzt.
   10. Die Unterweisung in der heiligen Theologie und in anderen, besonders den historischen Fächern muss auch unter ökumenischem Gesichtspunkt geschehen, damit sie um so genauer der Wahrheit und Wirklichkeit entspricht. Denn es liegt viel daran, dass die zukünftigen Hirten und Priester über eine Theologie verfügen, die ganz in diesem Sinne und nicht polemisch erarbeitet wurde, besonders bei jenen Gegenständen, die die Beziehungen der getrennten Brüder zur katholischen Kirche betreffen. Von der Ausbildung der Priester hängt ja die notwendige Unterweisung und geistliche Bildung der Gläubigen und der Ordensleute ganz besonders ab. Auch die Katholiken, die in denselben Ländern wie andere Christen im Dienst der Mission stehen, müssen gerade heute erkennen, welche Fragen sich hier ergeben und welche Früchte für ihr Apostolat der Ökumenismus heranreifen lässt.
   11. Die Art und Weise der Formulierung des katholischen Glaubens darf keinerlei Hindernis bilden für den Dialog mit den Brüdern. Die gesamte Lehre muss klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökume- nischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird. Zugleich muss aber der katholische Glaube tiefer und richtiger ausgedrückt werden auf eine Weise und in einer Sprache, die auch von den getrennten Brüdern wirklich verstanden werden kann. Darüber hinaus müssen beim ökumenischen Dialog die katholischen Theologen, wenn sie in Treue zur Lehre der Kirche in gemein- samer Forschungsarbeit mit den getrennten Brüdern die göttlichen Geheimnisse zu ergründen su- chen, mit Wahrheitsliebe, mit Liebe und Demut vorgehen. Beim Vergleich der Lehren miteinander soll man nicht vergessen, dass es eine Rangordnung oder “Hierarchie” der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens. So wird der Weg bereitet werden, auf dem alle in diesem brüderlichen Wettbewerb zur tieferen Erkenntnis und deutlicheren Darstellung der unerforschlichen Reichtümer Christi angeregt werden cf. Eph 3,8.
   12. Vor der ganzen Welt sollen alle Christen ihren Glauben an den einen, dreifaltigen Gott, an den menschgewordenen Sohn Gottes, unsern Erlöser und Herrn, bekennen und in gemeinsamem Bemühen in gegenseitiger Achtung Zeugnis geben für unsere Hoffnung, die nicht zuschanden wird. Da in heutiger Zeit die Zusammenarbeit im sozialen Bereich sehr weit verbreitet ist, sind alle Menschen ohne Ausnahme zu gemeinsamem Dienst gerufen, erst recht diejenigen, die an Gott glauben, am meisten aber alle Christen, die ja mit dem Namen Christi ausgezeichnet sind. Durch die Zusammenarbeit der Christen kommt die Verbundenheit, in der sie schon untereinander vereinigt sind, lebendig zum Ausdruck, und das Antlitz Christi, des Gottesknechtes, tritt in hellerem Licht zutage. Diese Zusammenarbeit, die bei vielen Völkern schon besteht, muss mehr und mehr vervollkommnet werden, besonders in jenen Ländern,  wo die soziale und technische Entwicklung erst im Werden ist. Das gilt sowohl für die Aufgabe, der menschlichen Person zu ihrer wahren Würde zu verhelfen, für die Förderung des Friedens, für die Anwendung des Evangeliums auf die sozialen Fragen, für die Pflege von Wissenschaft und Kunst aus christlichem Geiste, wie auch für die Bereitstellung von Heilmitteln aller Art gegen die Nöte unserer Zeit, wie gegen Hunger und Katastrophen, gegen den Analphabetismus und die Armut, gegen die Wohnungsnot und die ungerechte Verteilung der Güter. Bei dieser Zusammenarbeit können alle, die an Christus glauben, unschwer lernen, wie sie einander besser kennen und höher achten können und wie der Weg zur Einheit der Christen bereitet wird.

DRITTES KAPITEL: DIE VOM RÖMISCHEN APOSTOLISCHEN STUHL
GETRENNTEN KIRCHEN UND KIRCHLICHEN GEMEINSCHAFTEN

  
13. Zwei besondere Kategorien von Spaltungen, durch die der nahtlose Leibrock Christi getroffen wurde, wollen wir nun näher ins Auge fassen. Die erste dieser Spaltungen geschah im Orient, und zwar entweder aufgrund einer dogmatischen Bestreitung von Glaubensformeln der Konzilien von Ephesus und Chalkedon oder, in späterer Zeit, durch die Aufhebung der kirchlichen Gemeinschaft zwischen den Patriarchaten des Orients und dem Römischen Stuhl. Andere Spaltungen entstanden sodann mehr als vier Jahrhunderte später im Abendland aufgrund von Ereignissen, die man die Reformation nennt. Seither sind mehrere nationale oder konfessionelle Gemeinschaften vom Römischen Stuhl getrennt. Unter den- jenigen von ihnen, bei denen katholische Traditionen und Strukturen zum Teil fortbestehen, nimmt die Anglikanische Gemeinschaft einen besonderen Platz ein. Indessen sind diese einzelnen Trennungen untereinander sehr verschieden, nicht allein bedingt durch ihre Entste- hung und durch die Umstände von Ort und Zeit, sondern vor allem nach Art und Bedeutsamkeit der Probleme, die sich auf den Glauben und die kirchliche Struktur beziehen. Deshalb hat das Heilige Konzil, das weder die andersartige Situation der verschiedenen Gemeinschaften der Christen gering achtet noch die trotz der Spaltung unter ihnen bestehenden Bande übergehen will, beschlossen, folgende Erwägungen zur Verwirklichung einer besonnenen ökumenischen Arbeit vorzulegen.
I. Die besondere Betrachtung der orientalischen Kirchen
  
14. Die Kirchen des Orients und des Abendlandes sind Jahrhunderte hindurch je ihren besonderen Weg gegangen, jedoch miteinander verbunden in brüderlicher Gemeinschaft des Glaubens und des sakramen- talen Lebens, wobei dem Römischen Stuhl mit allgemeiner Zustimmung eine Führungsrolle zukam, wenn Streitigkeiten über Glaube oder Disziplin unter ihnen entstanden. Mit Freude möchte die Heilige Synode neben anderen sehr bedeutsamen Dingen allen die Tatsache in Erinnerung rufen, dass im Orient viele Teilkirchen oder Ortskirchen bestehen, unter denen die Patriarchalkirchen den ersten Rang einnehmen und von denen nicht wenige sich ihres apostolischen Ursprungs rühmen. Deshalb steht bei den Orientalen bis auf den heutigen Tag der Eifer und die Sorge im Vordergrund, jene brüderlichen Bande der Gemeinschaft im Glauben und in der Liebe zu bewahren, die zwischen Lokalkirchen als Schwesterkirchen bestehen müssen. Es darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, dass die Kirchen des Orients von Anfang an einen Schatz besitzen, aus dem die Kirche des Abendlandes in den Dingen der Liturgie, in ihrer geistlichen Tradition und in der rechtlichen Ordnung vielfach geschöpft hat. Auch das darf in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden, dass die Grunddogmen des christlichen Glaubens von der Dreifaltigkeit und von dem Wort Gottes, das aus der Jungfrau Maria Fleisch angenommen hat, auf ökumenischen Konzilien definiert worden sind, die im Orient stattgefunden haben. Jene Kirchen haben für die Bewahrung dieses Glaubens viel gelitten und leiden noch heute. Das von den Aposteln überkommene Erbe aber ist in verschiedenen Formen und auf verschiedene Weise übernommen, und daher schon von Anfang an in der Kirche hier und dort verschieden ausgelegt worden, wobei auch die Verschiedenheit der Mentalität und der Lebensverhältnisse eine Rolle spielten. Dies alles hat, neben äußeren Gründen, auch infolge des Mangels an Verständnis und Liebe füreinander zu der Trennung Anlass geboten. Deshalb er- mahnt das Heilige Konzil alle, besonders diejenigen, die sich um die so erwünschte Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen den orientalischen Kirchen und der katholischen Kirche bemühen wollen, dass sie diese besonderen Umstände der Entstehung und des Wachstums der Kirchen des Orients sowie die Art der vor der Trennung zwischen ihnen und dem Römischen Stuhl bestehenden Beziehungen gebührend berücksichtigen und sich über dies alles ein rechtes Urteil bilden. Die genaue Beachtung dieser Frage wird zu dem beabsichtigten Dialog im höchsten Maße beitragen.
  15. Es ist allgemein bekannt, mit welcher Liebe die orientalischen Christen die liturgischen Feiern begehen,  besonders die Eucharistiefeier, die Quelle des Lebens der Kirche und das Unterpfand der kommenden Herrlichkeit, bei der die Gläubigen, mit ihrem Bischof geeint, Zutritt zu Gott dem Vater haben durch den Sohn, das fleischgewordene Wort, der gelitten hat und verherrlicht wurde, in der Ausgießung des Heiligen Geistes, und so die Gemeinschaft mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit erlangen, indem sie “der göttlichen Natur teilhaftig” 2 Petr 1,4 geworden sind. So baut sich auf und wächst cf. Johannes Chrysostomus, In Ioannem Homelia XLVI: PG 59,260-262 durch die Feier der Eucharistie des Herrn in diesen Einzelkirchen die Kirche Gottes, und durch die Konzelebration wird ihre Gemeinschaft offenbar. Bei diesem liturgischen Kult preisen die Orientalen mit herrlichen Hymnen Maria, die allzeit Jungfräuliche, die das Ökumenische Konzil von Ephesus feierlich als heilige Gottesgebärerin verkündet hat, damit dadurch wahrhaft und eigentlich Christus als Gottes- und Menschensohn gemäß der Schrift anerkannt werde. Ebenso verehren sie viele Heilige, unter ihnen Väter der gesamten Kirche. Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, vor allem aber in der Kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Verwandtschaft bis heute mit uns verbunden sind, so ist eine gewisse Gottesdienstgemeinschaft unter gegebenen geeigneten Umständen mit Billigung der kirchlichen Autorität nicht nur möglich, sondern auch ratsam. Im Orient finden sich auch die Reichtümer jener geistlichen Traditionen, die besonders im Mönchtum ihre Ausprägung gefunden haben. Denn seit den glorreichen Zeiten der heiligen Väter blühte dort jene monastische Spiritualität, die sich von dorther auch in den Gegenden des Abendlandes ausbreitete und aus der das Ordenswesen der Lateiner als aus seiner Quelle seinen Ursprung nahm und immer wieder neue Kraft erhielt. Deshalb wird mit Nachdruck empfohlen, dass die Katholiken sich mehr mit diesen geistlichen Reichtümern der orientalischen Väter vertraut machen, die den Menschen in seiner Ganzheit zur Betrachtung der göttlichen Dinge emporführen. Alle sollen um die große Bedeutung wissen, die der Kenntnis, Verehrung, Erhaltung und Pflege des überreichen liturgischen und geistlichen Erbes der Orientalen zukommt, damit die Fülle der christlichen Tradition in Treue gewahrt und die völlige Wieder- versöhnung der orientalischen und der abendländischen Christen herbeigeführt werde.
   16. Schon von den ältesten Zeiten her hatten die Kirchen des Orients ihre eigenen Kirchenordnungen, die von den heiligen Vätern und Synoden, auch von ökumenischen, sanktioniert worden sind. Da nun eine gewisse Verschiedenheit der Sitten und Gebräuche, wie sie oben erwähnt wurde,  nicht im geringsten der Einheit der Kirche entgegensteht, sondern vielmehr ihre Zierde und Schönheit ver- mehrt und zur Erfüllung ihrer Sendung nicht wenig beiträgt, so erklärt das Heilige Konzil feierlich, um jeden Zweifel auszuschließen, dass die Kirchen des Orients, im Bewusstsein der notwendigen Einheit der ganzen Kirche, die Fähigkeit haben, sich nach ihren eigenen Ordnungen zu regieren, wie sie der Geistesart ihrer Gläubigen am meisten entsprechen und dem Heil der Seelen am besten dienlich sind. Die vollkommene Beobachtung dieses Prinzips, das in der Tradition vorhanden, aber nicht immer beachtet worden ist, gehört zu den Dingen, die zur Wiederherstellung der Einheit als notwendige Vorbedingung durchaus erforderlich sind.
  17. Was oben von der legitimen Verschiedenheit gesagt wurde, dasselbe soll nun auch von der ver- schiedenen Art der theologischen Lehrverkündigung gesagt werden. Denn auch bei der Erklärung der Offenbarungswahrheit sind im Orient und im Abendland verschiedene Methoden und Arten des Vor- gehens zur Erkenntnis und zum Bekenntnis der göttlichen Dinge angewendet worden. Daher darf es nicht wundernehmen, dass von der einen und von der anderen Seite bestimmte Aspekte des offenbarten Mysteriums manchmal besser verstanden und deutlicher ins Licht gestellt wurden, und zwar so, dass man bei jenen verschiedenartigen theologischen Formeln oft mehr von einer gegenseitigen Ergänzung als von einer Gegensätzlichkeit sprechen muss. Gerade gegenüber den authentischen theologischen Tradi- tionen der Orientalen muss anerkannt werden, dass sie in ganz besonderer Weise in der Heiligen Schrift verwurzelt sind, dass sie durch das liturgische Leben gefördert und zur Darstellung gebracht werden, dass sie genährt sind von der lebendigen apostolischen Tradition und von den Schriften der Väter und geistlichen Schriftsteller des Orients und dass sie zur rechten Gestaltung des Lebens, überhaupt zur vollständigen Betrachtung der christlichen Wahrheit hinführen. Dieses Heilige Konzil erklärt, dass dies ganze geistliche und liturgische, disziplinäre und theologische Erbe mit seinen verschiedenen Traditionen zur vollen Katholizität und Apostolizität der Kirche gehört; und sie sagt Gott dafür Dank, dass viele orientalische Söhne der katholischen Kirche, die dieses Erbe bewahren und den Wunsch haben, es reiner und vollständiger zu leben, schon jetzt mit den Brüdern, die die abend- ländische Tradition pflegen, in voller Gemeinschaft leben.
   18. Im Hinblick auf all dies erneuert das Heilige Konzil feierlich, was in der Vergangenheit von Heiligen Konzilien und von römischen Päpsten erklärt wurde, dass es nämlich zur Wiederherstellung oder Erhaltung der Gemeinschaft und Einheit notwendig sei, “keine Lasten aufzuerlegen, die über das Notwendige hinausgehen” Apg 15,28. Es spricht den dringenden Wunsch aus, dass von nun an alle ihr Bestreben darauf richten, diese Einheit allmählich zu erlangen in den verschiedenen Einrichtungen und Lebens- formen der Kirche, besonders durch das Gebet und den brüderlichen Dialog über die Lehre und über die drängenden Notwendigkeiten der Seelsorgsaufgaben in unserer Zeit. In gleicher Weise empfiehlt das Heilige Konzil den Hirten und den Gläubigen der katholischen Kirche eine enge Verbundenheit mit denen, die nicht mehr im Orient, sondern fern von ihrer Heimat leben, damit die brüderliche Zusammenarbeit mit ihnen im Geist der Liebe und unter Ausschluss jeglichen Geistes streitsüchtiger Eifersucht wachse. Wenn dieses Werk mit ganzer Seele in Angriff genommen wird, so hofft das Heilige Konzil, dass die Wand,  die die abendländische und die orientalische Kirche trennt, einmal hinweggenommen werde und schließlich nur eine einzige Wohnung sei, deren fester Eckstein Jesus Christus ist, der aus beidem eines machen wird cf. Konzil v. Florenz, Sessio VI (1439), Definitio Laetentur caeli: Mansi 31, 1026 E.
II. Die getrennten Kirchen und Kirchlichen Gemeinschaften im Abendland
   
9. Die Kirchen und Kirchlichen Gemeinschaften, die in der schweren Krise, die im Abend- land schon vom Ende des Mittelalters ihren Ausgang genommen hat, oder auch in späterer Zeit vom Römischen Apostolischen Stuhl getrennt wurden, sind mit der katholischen Kirche durch das Band besonderer Verwandtschaft verbunden, da ja das christliche Volk in den Jahrhunderten der Vergangenheit so lange Zeit sein Leben in kirchlicher Gemeinschaft geführt hat. Da jedoch diese Kirchen und Kirchlichen Gemeinschaften wegen ihrer Verschiedenheit nach Ursprung, Lehre und geistlichem Leben nicht nur uns gegenüber, sondern auch untereinander nicht wenige Unterschiede aufweisen, so wäre es eine überaus schwierige Aufgabe, sie recht zu beschreiben, was wir hier zu unternehmen nicht beabsichtigen. Obgleich die ökumenische Bewegung und der Wunsch nach Frieden mit der katholischen Kirche sich noch nicht überall durchgesetzt hat, so hegen wir doch die Hoffnung, dass bei allen ökumenischer Sinn und gegenseitige Achtung allmählich wachsen. Dabei muss jedoch anerkannt werden, dass es zwischen diesen Kirchen und Gemeinschaften und der katholischen Kirche Unterschiede von großem Gewicht gibt, nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit. Damit jedoch trotz dieser Unterschiede der ökumenische Dialog erleichtert werde, wollen wir im folgenden einige Gesichtspunkte hervorheben, die das Fundament und ein Anstoß zu diesem Dialog sein können und sollen.
   20. Unser Geist wendet sich zuerst den Christen zu, die Jesus Christus als Gott und Herrn und einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen offen bekennen zur Ehre des einen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir wissen zwar, dass nicht geringe Unterschiede gegenüber der Lehre der katholischen Kirche bestehen, insbesondere über Christus als das fleischgewordene Wort Gottes und über das Werk der Erlösung, sodann über das Geheimnis und den Dienst der Kirche und über die Aufgabe Mariens im Heilswerk. Dennoch freuen wir uns, wenn wir sehen, wie die getrennten Brüder zu Christus als Quelle und Mittelpunkt der kirchlichen Gemeinschaft streben. Aus dem Wunsch zur Vereinigung mit Christus werden sie notwendig dazu geführt, die Einheit mehr und mehr zu suchen und für ihren Glauben überall vor allen Völkern Zeugnis zu geben.
     21. Die Liebe und Hochschätzung, ja fast kultische Verehrung der Heiligen Schrift führen unsere Brüder zu einem unablässigen und beharrlichen Studium dieses heiligen Buches: Das Evangelium ist ja “eine Kraft Gottes zum Heile für jeden, der glaubt, für den Juden zuerst, aber auch für den Griechen” Röm 1,16. Unter Anrufung des Heiligen Geistes suchen sie in der Heiligen Schrift Gott, wie er zu ihnen spricht in Christus, der von den Propheten vorher verkündigt wurde und der das für uns fleisch- gewordene Wort Gottes ist. In der Heiligen Schrift betrachten sie das Leben Christi und was der gött- liche Meister zum Heil der Menschen gelehrt und getan hat, insbesondere die Geheimnisse seines Todes und seiner Auferstehung. Während die von uns getrennten Christen die göttliche Autorität der Heiligen Schrift bejahen, haben sie jedoch, jeder wieder auf andere Art, eine von uns verschiedene Auffassung von dem Verhältnis zwischen der Schrift und der Kirche, wobei nach dem katholischen Glauben das authentische Lehramt bei der Erklärung und Verkündigung des geschriebenen Wortes Gottes einen besonderen Platz einnimmt. Nichtsdestoweniger ist die Heilige Schrift gerade beim Dialog ein ausgezeichnetes Werkzeug in der mächtigen Hand Gottes, um jene Einheit zu erreichen, die der Erlöser allen Menschen anbietet.
    22. Der Mensch wird durch das Sakrament der Taufe, wenn es gemäß der Einsetzung des Herrn recht gespendet und in der gebührenden Geistesverfassung empfangen wird, in Wahrheit dem gekreuzigten und verherrlichten Christus eingegliedert und wieder geboren zur Teilhabe am göttlichen Leben nach jenem Wort des Apostels: “Ihr seid in der Taufe mit ihm begraben, in ihm auch auferstanden durch den Glauben an das Wirken Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat”  Kol 2,12; cf. Röm 6,4. Die Taufe begründet also ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wieder geboren sind. Dennoch ist die Taufe nur ein Anfang und Ausgangspunkt, da sie ihrem ganzen Wesen nach hinzielt auf die Erlangung der Fülle des Lebens in Christus. Daher ist die Taufe hingeordnet auf das vollständige Bekenntnis des Glaubens, auf die völlige Eingliederung in die Heilsveranstaltung, wie Christus sie gewollt hat, schließlich auf die vollständige Einfügung in die eucharistische Gemeinschaft. Obgleich bei den von uns getrennten Kirchlichen Gemeinschaften die aus der Taufe hervorgehende volle Einheit mit uns fehlt und obgleich sie nach unserem Glauben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, bekennen sie doch bei der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, dass hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie erwarten seine glorreiche Wiederkunft. Deshalb sind die Lehre vom Abendmahl des Herrn, von den übrigen Sakramenten, von der Liturgie und von den Dienstämtern der Kirche notwendig Gegenstand des Dialogs.
    23. Das christliche Leben dieser Brüder wird genährt durch den Glauben an Christus, gefördert durch die Gnade der Taufe und das Hören des Wortes Gottes. Dies zeigt sich im privaten Gebet, in der biblischen Betrachtung, im christlichen Familienleben und im Gottesdienst der zum Lob Gottes ver- sammelten Gemeinde. Übrigens enthält ihr Gottesdienst nicht selten deutlich hervortretende Elemente der alten gemeinsamen Liturgie. Der Christusglaube zeitigt seine Früchte in Lobpreis und Danksagung für die von Gott empfangenen Wohltaten; hinzu kommt ein lebendiges Gerechtigkeitsgefühl und eine aufrichtige Nächstenliebe. Dieser werktätige Glaube hat auch viele Einrichtungen zur Behebung der geist- lichen und leiblichen Not, zur Förderung der Jugenderziehung, zur Schaffung menschenwürdiger Ver- hältnisse im sozialen Leben und zur allgemeinen Festigung des Friedens hervorgebracht. Wenn auch viele Christen das Evangelium auf dem Gebiet der Moral weder stets in der gleichen Weise auslegen wie die Katholiken noch in den sehr schwierigen Fragen der heutigen Gesellschaft zu denselben Lösungen wie sie gelangen, so wollen sie doch ebenso wie wir an dem Worte Christi als der Quelle christlicher Tugend festhalten und dem Gebot des Apostels folgen, der da sagt: “Alles, was immer ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus, und danket durch ihn Gott dem Vater” Kol 3,17. Von da her kann der ökumenische Dialog über die Anwendung des Evangeliums auf dem Bereich der Sittlichkeit seinen Ausgang nehmen.
    24. Nach dieser kurzen Darlegung der Bedingungen für die praktische Durchführung der ökumeni- schen Arbeit und der Prinzipien, nach denen sie auszurichten ist, richten wir unsern Blick vertrauensvoll auf die Zukunft. Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können. Ihre ökumenische Betäti- gung muss ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat, zugleich aber auch im Streben nach jener Fülle, die sein Leib nach dem Willen des Herrn im Ablauf der Zeit gewinnen soll. Das Heilige Konzil wünscht dringend, dass alles, was die Söhne der katholischen Kirche ins Werk setzen, in Verbindung mit den Unternehmungen der getrennten Brüder fortschreitet, ohne den Wegen der Vorsehung irgendein Hin- dernis in den Weg zu legen und ohne den künftigen Anregungen des Heiligen Geistes vorzugreifen. Darüber hinaus erklärt es seine Überzeugung, dass dieses heilige Anliegen der Wiederversöhnung aller Christen in der Einheit der einen und einzigen Kirche Christi die menschlichen Kräfte und Fähigkeiten übersteigt. Darum setzt es seine Hoffnung gänzlich auf das Gebet Christi für die Kirche auf die Liebe des Vaters zu uns und auf die Kraft des Heiligen Geistes. “Die Hoffnung aber wird nicht zuschanden: Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt ist” Röm 5,5

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