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Foto links: St.Hedwigs-Kathedrale in Berlin Foto rechts: Papst Benedikt XVI. im Wort zum Sonntag

   Zum zweiten Mal hat ein Papst ein «Wort zum Sonntag» in der ARD gesprochen. Wenige Tage vor seiner Deutschlandreise betonte Papst Benedikt XVI. am Samstagabend, es handele sich bei seinem Besuch nicht um religiösen Tourismus oder gar eine Show. Es gehe darum, «dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen».  >   Vorhof der Völker
   Benedikt XVI. betonte, er freue sich insbesondere auf Berlin, die Rede im Bundestag und den großen Gottesdienst im Olympiastadion. Auch die Begegnung mit der Spitze der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster, wo Luther seinen Weg begonnen habe, werde ein Höhepunkt der Reise sein.
   «Wir erwarten keine Sensationen», dämpfte der Papst zugleich Erwartungen. «Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.» Das Kirchenoberhaupt würdigte auch die Menschen im thüringischen Eichsfeld, die «durch alle Verwirrungen der Geschichte hindurch katholisch geblieben» seien.
   Benedikt XVI. appellierte an die Deutschen, sensibler für Gottes Wort zu werden. «Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln», sagte er. Die Größe Gottes sei etwa in der Größe des Kosmos, in den Worten der Bibel und in Begegnungen mit Menschen erfahrbar, die von Gott angerührt worden seien.
   Schon 1987 hatte Papst Johannes Paul II. erstmals das «Wort zum Sonntag» gesprochen. Benedikt XVI. besucht von Donnerstag bis Sonntag die Erzbistümer Berlin und Freiburg sowie das Bistum Erfurt.
Die Rede im Wortlaut:
«Verehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!
   In wenigen Tagen werde ich zu meiner Reise nach Deutschland aufbrechen, und ich freue mich schon darauf. Ich freue mich besonders auf Berlin, wo es viele Begegnungen geben wird, und freue mich besonders natürlich auf die Rede im Bundestag und auf den großen Gottesdienst, den wir im Olympiastadion feiern dürfen.
   Ein Höhepunkt der Reise wird Erfurt sein: Im Augustinerkloster, in der Augustinerkirche, in der Luther seinen Weg begonnen hat, darf ich mich mit Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands treffen. Wir werden dort miteinander beten, auf das Wort Gottes hören, miteinander denken und noch sprechen. Wir erwarten keine Sensationen. Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.
Etwas Besonderes ist für mich die Begegnung mit dem Eichsfeld, diesem kleinen Landstrich, der durch alle Verwirrungen der Geschichte hindurch katholisch geblieben ist; und dann der Südwesten Deutsch- lands, mit Freiburg, der großen Stadt, mit vielen Begegnungen, die dort sein werden, besonders mit einer Vigil für die Jugend, mit dem großen Gottesdienst, der die Reise abschließt.
   All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: 'Wo Gott ist, da ist Zukunft.' Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen.
   Sie werden mich vielleicht fragen: 'Gibt es Gott überhaupt? Und wenn es ihn gibt, befasst er sich überhaupt mit uns? Können wir bis zu ihm vordringen?' Nun, es ist wahr: Wir können Gott nicht auf den Tisch legen, wir können nicht wie ein Gerät ihn anrühren oder wie irgendeine Sache in die Hand nehmen. Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln. In der Größe des Kosmos können wir etwas ahnen von der Größe Gottes. Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt, und wir können in der Schönheit der Schöpfung doch etwas von der Schönheit, Größe und auch von der Güte Gottes sehen. Wir können im Wort der Heiligen Schrift Worte ewigen Lebens hören, die nicht einfach nur von Men- schen kommen, sondern die von Ihm herkommen, in denen wir Seine Stimme hören. Und endlich, in der Be- gegnung mit Menschen, die von Gott angerührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die Großen: von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Theresa; sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch,  wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, dass wir wissen, da ist Gott, und dass er uns anrührt. Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, dass wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, dass wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt hereintritt,  das Licht von Gott her ist und uns leben hilft."

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Vor dem Staatsbesuch in Deutschland schöpft der Papstes Kraft aus dem Psalm 3

  Es war die erste Generalaudienz nach den Sommerferien, die wieder auf dem Petersplatz in Rom stattfand. Bei strahlendem Sonnenschein und unter vielen vor allem lateinamerikanischen Klängen empfing der Papst wieder tausende von Gläubigen. In seiner Katechese setzte Benedikt XVI. seine Reihe über das Beten fort. War er vor dem Sommer vor allem auf alttestamentliche Gestalten eingegangen, befasste er sich an diesem Mittwoch mit „dem Gebetbuch schlechthin“ der Bibel, dem Buch der Psalmen, genauer: Psalm 3, gleichzeitig ein Hilferuf und Ausdruck des Vertrauens in Gott:

Psalm 3:
1 [Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Abschalom floh.]
2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger; so viele stehen gegen mich auf.
3 Viele gibt es, die von mir sagen: „Er findet keine Hilfe bei Gott.“
4 Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf.
5 Ich habe laut zum Herrn gerufen; da erhörte er mich von seinem heiligen Berg.
6 Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich.
7 Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, wenn sie mich ringsum belagern.
8 Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe! Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen.
9 Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!

   „Nach der Überlieferung soll Hintergrund dieses Psalms die Flucht Davids vor seinem Sohn Abschalom sein, als dieser den Königsthron an sich reißen wollte. Der Psalmist klagt über die große Gefahr und die Überzahl der Feinde. Er steht allein gegenüber einer großen Übermacht. Aber nicht nur Unheil und Tod drohen ihm; sondern die Feinde versuchen auch, den Glauben auszureden, zu sagen: ‚Gott kann dir gar nicht helfen, will dir nicht helfen’. Doch der Beter lässt sich in seiner innersten Versuchung nicht besiegen. Er bleibt bei seinem Vertrauen an Gott und spricht ganz persönlich zu ihm: ‚Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf’ Vers 4.“
   Der Hilfeschrei des Beters werde aufgefangen im Glauben an die Nähe Gottes und an seine Hilfe, so der Papst weiter. Diese falle allerdings nicht immer so aus, wie wir uns das wünschten. Ein Beispiel hierfür sei der Herr am Kreuz.
   „Das Entscheidende am Gebet ist eben, dass wir uns nicht die Nähe Gottes ausreden lassen, dass wir uns den Glauben nicht zertrampeln lassen von der Übermacht dessen, was uns entgehen steht. Sondern dass wir gerade inmitten dessen, was gegen Gott und gegen uns steht beim Glauben an ihn bleiben. Dann erfahren wir, dass er der Stärkere ist. Dann wird es so sein, wie im Psalm, dass man zum Schluss gar nicht mehr an die Vielen denkt, sondern nur noch an den Einen: ‚Du bist meine Hilfe und mein Heil’. Von ihm her findet er den inneren Frieden und die Ruhe. Inmitten von Gefahr und Not kann er sich vertrauensvoll Gott überlassen. Er weiß und wir wissen im Glauben: ‚Beim Herrn finden wir Hilfe’
Vers 9.“
   Aus dieser Haltung heraus finde der Beter Frieden und Ruhe, auch der Beter heute, so der Papst. Die Zuversicht gilt nicht nur dem Psalmisten damals, sondern auch uns.
   „Das Gebet der Psalmen öffnet unser Herz der tröstlichen Gewissheit des Glaubens: Gott ist da, Gott ist immer nahe, auch in den Schwierigkeiten, Problemen und Dunkelheiten des Lebens. Wir müssen lernen, seine Gegenwart zu erkennen und seine Wege anzunehmen. So soll dieser Psalm uns ermutigen darum zu bitten, dass der Herr uns Glauben schenke, uns fähig mache, zu jeder Zeit zu beten und im Vertrauen auf ihn zu leben und so wirkliches Leben zu finden. Gott segne euch alle.“
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dd-B-Bundestag-x Der Papst vor dem Bundestag:

Ein staatsmännisches Plädoyer für Gerechtigkeit und ethisches Bewusstsein in Politik und Gesellschaft.

   Mit Spannung ist sie erwartet worden, die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem deutschen Bundestag. Vor den Abgeordneten hat der Papst dann auch gleich zu Beginn seiner Rede festgehalten, dass er als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt, sprechen wird. Was dann folgte, war ein staatsmännisches Plädoyer für Gerechtigkeit und ethisches Bewusstsein in Politik und Gesellschaft. Vor allem die Fähigkeit, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, müsse für einen Politiker einen größeren Stellenwert besitzen als Macht, Erfolg und materieller Gewinn. In diesem Zusammenhang sprach der Papst die dunklen Jahre der jüngeren deutschen Geschichte an:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Herr Bundestagspräsident! Frau Bundeskanzlerin!
Herr Bundesratspräsident!
Meine Damen und Herren Abgeordnete!
   Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen – vor dem Parlament meines deutschen Vaterlandes, das als demokratisch gewählte Volksvertretung hier zusammenkommt, um zum Wohl der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten. Dem Herrn Bundestagspräsidenten möchte ich für seine Einladung zu dieser Rede ebenso danken wie für die freundlichen Worte der Begrüßung und Wertschätzung, mit denen er mich empfangen hat. In dieser Stunde wende ich mich an Sie, verehrte Damen und Herren – gewiss auch als Landsmann, der sich lebenslang seiner Herkunft verbunden weiß und die Geschicke der deutschen Heimat mit Anteilnahme verfolgt. Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.
   Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augen- blick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“
1 Kön 3,9. Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muß. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grund- voraussetzung für Friede schaffen. Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt. Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, dass diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organi- sierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte. Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen. Wie erkennen wir, was recht ist? Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? Die salomonische Bitte bleibt die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen.
   In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber daß in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muß sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“
   Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, dass geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war. Aber bei den Entscheidungen eines demokratischen Politikers ist die Frage, was nun dem Gesetz der Wahrheit ent- spreche, was wahrhaft recht sei und Gesetz werden könne, nicht ebenso evident. Was in Bezug auf die grundlegenden anthropologischen Fragen das Rechte ist und geltendes Recht werden kann, liegt heute keineswegs einfach zutage. Die Frage, wie man das wahrhaft Rechte erkennen und so der Gerechtigkeit in der Gesetzgebung dienen kann, war nie einfach zu beantworten, und sie ist heute in der Fülle unseres Wissens und unseres Könnens noch sehr viel schwieriger geworden.
   Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offen- barungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhun- derts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts. In dieser Berührung ist die abendländische Rechtskultur geboren worden, die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist. Von dieser vorchristlichen Verbindung von Recht und Philosophie geht der Weg über das christliche Mittelalter in die Rechtsentfaltung der Aufklärungszeit bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu unserem deutschen Grundgesetz, mit dem sich unser Volk 1949 zu den „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“ bekannt hat.
   Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität war es entscheidend, dass sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt haben. Diesen Entscheid hatte schon Paulus im Brief an die Römer vollzogen, wenn er sagt: „Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie… sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewis- sen legt Zeugnis davon ab…“
Röm 2,14f. Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft. Wenn damit bis in die Zeit der Aufklärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen. Der Gedanke des Naturrechts gilt heute als eine katholische Sonderlehre, über die außerhalb des katholischen Raums zu diskutieren nicht lohnen würde, so dass man sich schon beinahe schämt, das Wort überhaupt zu erwähnen. Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation entstanden ist. Grundlegend ist zunächst die These, dass zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe. Aus Sein könne kein Sollen folgen, weil es sich da um zwei völlig verschiedene Bereiche handle. Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur und Vernunft. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander ver- bundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen. Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Natur- wissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weit- hin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.
   Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein groß- artiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturel- len Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positi- vismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremis- tische und radikale Strömungen herausgefordert werden. Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, dass wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.
   Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen? Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr missverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jah- ren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. Erlauben Sie mir, bitte, dass ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.
   Kehren wir zurück zu den Grundbegriffen Natur und Vernunft, von denen wir ausgegangen waren. Der große Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, hat im Alter von 84 Jahren – 1965 – den Dualismus von Sein und Sollen aufgegeben. Er hatte gesagt, dass Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist. „Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos“, bemerkt er dazu. Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?
   An dieser Stelle müsste uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis. Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Ampu- tation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben. Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.
   Dem jungen König Salomon ist in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte freigestellt worden. Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute könnten wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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Die Würde der Erde
  
Die Erde trägt selbst ihre Würde in sich, und wir müssen ihren Weisungen folgen." Dieses Wort wird blei- ben - schon allein deswegen, weil Papst Benedikt XVI., ein gelehriger Schüler der Menschenfischer von Petrus bis Johannes Paul II., darauf vertrauen kann, dass die jugendlichste politische Bewegung, die Ökologen und Grünen, es fortan weitertragen wird. Denn in dem Staat, der mit seinem ersten Grund- gesetzartikel Rechtsgeschichte geschrieben und eine Rechtsgemeinschaft mit den einst von Totalitarismen unterdrückten Völkern Europas und darüber hinaus angestoßen hat, ist die Erweiterung der Menschenwürde zur Würde der Erde, ein intellektuell belebender Zug. Damit hat Benedikt gerade jenen politischen Kräften, die meinten, über Kirche (zumal die katholische) und Papsttum erhaben zu sein, ein Wort an die Hand gegeben, mit dem sie für sich werben, auch ihre Widersacher ins Unrecht setzen, dessen Verkünder sie aber nicht mehr so einfach verachten können.
   Es war angemessen, im Deutschen Bundestag, dem Ort der Volksvertretung und der Gesetzgebung, über Würde und Recht sowie deren Herkunft zu sprechen. Natürlich ist jemand, der für sich die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit in Anspruch nehmen kann, kein Staatsoberhaupt wie viele andere, die bereits im Bundestag gesprochen haben und in den nächsten Jahren sprechen werden. Der Auftritt eines geborenen Deutschen als Repräsentant eines ausländischen Staates, der in seiner Muttersprache seine Landleute auffordert, ein „hörendes Herz" zu haben, ist ein - um das Mindeste zu sagen - Jahrhundertereignis. Die Politik darauf zu verpflichten, ein „Mühen um Gerechtigkeit zu sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden zu schaffen", kann ohnehin kein anderer weltlicher Gast, ohne anmaßend zu wirken.
   Angesichts dieser Botschaften könnte man staunen, wieso der Papst als Redner im Parlament von vorn- herein so viel Ablehnung hervorgerufen hat. Doch das ist im Land des religiösen und permanent politischen Protestantismus sowie des weit entfalteten Individualismus eigentlich keine Überraschung. Unter den Weg- hörenden sind viele, die lediglich ihre eigene Verunsicherung auf den Papst und seine Kirche abladen, um sich nicht ihre Hilflosigkeit gegenüber der Welt insgesamt eingestehen zu müssen. Wenn ihnen das hilft, dann wird gerade der Bischof von Rom Verständnis für ihre selbstentlastenden Proteste gehabt haben.
FAZ110923GeorgPaulHefty

Papst Benedikt XVI. in Erfurt -  Ökumene mit den Glaubensgemeinschaften, die aus der Reformation hervor- gegangen sind > Reformation Der Papst in Berlin im Gespräch mit islamischen Theologen > Muslime & Christen

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Der Papst im Sperrgebiet. Ausnahmezustand im katholischen Eichsfeld: Benedikt XVI. besucht eine kleine Wallfahrtskirche in der früheren DDR. Fotos: Wunderbar, dass die Wahl auf so einen kleinen Ort gefallen ist": Hunderte Gläubige stimmen sich bei der Marienvesper in Etzelsbach auf den Papstbesuch ein.

   Weihrauch liegt in der Luft, verweht von frischem Wind. Die Tür der Wallfahrtskapelle steht weit offen. Notgedrungen. Wahre Menschenmassen drängen sich im Eingangsbereich. Schon eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes sind die 200 Plätze in der frisch restaurierten Kapelle besetzt. Am Ende haben sich mehr als dreimal so viele Menschen zur Marienvesper in Etzelsbach versammelt.
   Von großer Anziehungskraft ist die Kapelle schon seit Jahrhunderten. Ein sogenanntes Gnadenbild verheißt Trost und Heil. Die Pieta der „schmerzhaften Muttergottes", Maria mit dem gemarterten Jesus auf dem Schoß, soll einst ein Bauer beim Pflügen gefunden haben. Nicht nur Menschen, auch Pferde werden hier seither gesegnet. Jetzt aber fällt neuer Glanz auf das alte Backsteingemäuer, das sich bescheiden hinter Linden und Kastanien in einem Tal bei dem Dorf Steinbach verbirgt: Am 23. September kommt der Papst. „Willkommen, Heiliger Vater" steht auf dem Plakat in der Dorfstraße.
   Natürlich steht der Papstbesuch auch im Zentrum der Marienvesper. Ob bei der Begrüßung, bei den Für- bitten oder beim gemeinsamen Gebet: Alles dreht sich um Benedikt XVI. In einer eingespielten Laudatio kommt der Heilige Vater sogar selbst zu Wort: „Wer glaubt, ist nie allein - im Leben nicht und auch im Sterben nicht."
   Für Christel Kinzel ist es immer noch kaum fassbar, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche bald leibhaftig hier in Etzelsbach sprechen wird. „Ich bin unwahrscheinlich glücklich und bewegt", sagt die 74- jährige Organistin, die dem Pfarrgemeinderat angehört. „Es ist einfach wunderbar, dass die Wahl auf so einen kleinen Ort gefallen ist - dass unsere Muttergottes solche Ehre erfährt."
Die Rentnerin kann sich noch gut daran erinnern, wie es zu DDR-Zeiten war, als die Wallfahrtskapelle im Sperrgebiet lag und bei Hochzeiten Verwandte aus dem Westen ausgesperrt blieben. Damals wie heute indessen gelte der Spruch auf der Altardecke: „Hast Du ein Weh, zur Mutter geh, vertrau es ihr, so hilft sie Dir."
   Nirgendwo in den neuen Bundesländern ist solche Frömmigkeit so tief verankert wie im östlichen Teil des Eichsfelds. Rund 80 Prozent gehören hier der katholischen Kirche an, während es in Thüringen landesweit nur acht Prozent sind. Gemeindepfarrer Franz-Xaver Stubenitzky ist es daher gewöhnt, dass seine Gottesdienste gut besucht sind. So viele Menschen wie derzeit hat aber auch der 59-Jährige bei einer Vesper noch nicht gesehen. Seit sich der hohe Besuch angekündigt hat, herrscht Ausnahmezustand in der Pfarrgemeinde Steinbach. „Ich habe drei Nächte kaum geschlafen, als mir gesagt wurde, dass der Papst zu uns kommt", erzählt Stubenitzky. „Da musste man sich erst mal sortieren."
   Der Priester ist einer jener Gottesmänner, die typisch für das Eichsfeld sind. Stubenitzky ist im nahe gelegenen Heiligenstadt geboren und in einer Zeit aufgewachsen, in der die katholische Kirche in einer kirchenfernen, autoritär gelenkten Gesellschaft Wärme und Zusammenhalt vermittelte. Besonders intensiv erlebte Stu- benitzky diese Stimmung, als er von 1980 bis 1988 Pfarrer der Eichsfeldgemeinde Kirchgandern war. „Das Dorf lag zwischen zwei Schutzzäunen. Da waren auf der einen Seite die Grenztruppen und Stasileute, und auf der anderen waren die katholischen Dorfbewohner, die wie eine Familie zusammen- gehalten haben."
   Ganz so kirchenkuschelig sei es heute nicht mehr, räumt der Pfarrer ein. Anders als zu DDR-Zeiten diene die Kirche eben nicht mehr als Zufluchtsort, und besonders unter den Jugendlichen habe sich die religiöse Bindung wie überall gelockert. „Zu den Gottesdiensten kommen auch bei uns heute nur noch halb so viele wie früher." Auch aus diesem Grund sei der Papstbesuch ein wichtiges Signal. Ganz persönlich ist es für Stubenitzky aber natürlich eine große Ehre, dass der Heilige Vater in seine Gemeinde kommt. Laut Programm wird er ihm sogar die Hand reichen. „Ich freu' mich riesig. Das ist schon was für einen kleinen Landpfarrer." Eine „Sternstunde" sei das für Etzelsbach, sagt der Priester und erläutert bewegt, dass die Pilgerwege tatsächlich sternförmig auf seine Wallfahrtskapelle zuführen.
   Stubenitzky weiß natürlich, dass die Wahl vor allem deshalb auf Etzelsbach gefallen ist, weil so viel freies Feld darum herum liegt. Denn selbstverständlich wird der Papst die geplante Marienvesper nicht in der kleinen Kapelle abhalten, sondern auf einer großen, danebenliegenden Wiese, die in den letzten Wochen /.um Pilgerfeld umgestaltet wurde mit geschotterten Wegen für das Papamobil, mit Fundamenten für Altartri- büne, Stände, Container, Bildschirmwände und Lautsprechertürme.
   Auch die Nähe zur drei Kilometer entfernten Autobahn war ein Pluspunkt für Etzelsbach. Beim Papstbesuch soll die A 38 drei Stunden gesperrt und als Busparkplatz genutzt werden. Die Pilger sollen sich möglichst zu Fuß nach Etzelsbach bewegen. Eine der Pilgerwanderungen, Fußwallfahrt genannt, beginnt auf niedersächsi- scher Seite in Duderstadt und wird von dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle angeführt - neun Kilometer lang.
   Selbstverständlich will auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) dem Papst die Ehre erweisen. Der Besuch habe eine „historische Dimension" schwärmt Nolte. „Das ist einfach wunderbar, dass jetzt ein deutscher Papst in dieses frühere Sperrgebiet kommt."
   Werner Henning, Landrat des thüringischen Nachbarkreises Eichsfeld, hat sich seit vielen Jahren dafür eingesetzt. Schon gleich nach der Papstwahl im Jahre 2005 habe er in seinem Glückwunschschreiben eine Einladung ausgesprochen, sagt der Christdemokrat, der aus der Bürgerrechtsbewegung der DDR kommt und schon seit 1990 als Landrat im Amt ist. Der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus habe dann die Einladung bekräftigt, als er 2006 eine Audienz beim Heiligen Vater hatte. Wie Henning lebt Althaus in der östlichen Eichsfeld- Metropole Heiligenstadt, die von drei großen Kirchen geprägt ist.
   Seit der Gegenreformation ist das Eichsfeld eine katholische Insel in einem protestantischen oder gar kirchenfernen Umfeld. Landrat Henning sieht daher in dem Papst-Besuch auch eine „Anerkennung für unsere Glaubenstreue“. Der Katholizismus im Eichsfeld hat jedoch nichts Verbohrtes: Sowohl Henning als auch Duderstadts Bügermeister Nolte begrüßen es, dass sich der Heilige Vater vor seiner Stippvisite in Etzelsbach in Erfurt mit Vertretern der evangelischen Kirche trifft. Sie hoffen auf eine Stärkung der Ökumene.
   Der örtlichen Wirtschaft scheint die religiöse Bindung jedenfalls nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: Die Arbeitslosenquote ist im katholischen Musterland mit sechs bis sieben Prozent deutlich niedriger als in den niedersächsischen und thüringischen Nachbarbezirken. Wichtigster Arbeitgeber ist der Duderstädter Prothesenhersteller Otto Bock, außerdem verfügt das Eichsfeld über einen stabilen Mittelstand.
   Auch der Papst-Besuch soll nicht auf Kosten der Eichsfelder gehen. Die rund 1,5 Millionen Euro, die der Landkreis in den Straßenbau investiert, erstattet das Land Thüringen, und die elf Millionen Euro, die das Bistum Erfurt einplant, sollen durch die Besucher - allein in Etzelsbach werden mindestens 70 000 erwartet - wieder eingespielt werden. Dennoch fehlt es nicht an Kritikern. Steffen Dittes, ein Mitarbeiter der Links- fraktion im Thüringer Landtag, meldete bereits für Erfurt eine Gegendemonstration an. Motto: „Heidenspaß statt Höllenangst".
   Bei der Marienvesper in Etzelsbach dagegen beten alle dafür, dass der Papstbesuch zum „Fest des Glaubens" wird. Und der Platz, an dem der Heilige Vater mit seinem Hubschrauber vom Himmel herab- schweben wird, hat schon jetzt etwas von einem neuen Wallfahrtsort.
HAZ110915HeinrichThies

1600 Journalisten berichten über den Papstbesuch
   Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland stößt auf enormes Medieninteresse. Mehr als 1600 Journalisten haben über die viertägige Reise vom 22. bis 25. September berichtet, wie die Erzdiözese Freiburg mitteilte. Die Medienresonanz zeigt nach Ansicht von Erzbischof Robert Zollitsch, dass der erste Staatsbesuch von Benedikt XVI. in seinem Heimatland „weit über die Bundesrepublik und die katholische Kirche hinaus enorme Beachtung fand". Vor dem Papstbesuch verzeichnete die Erzdiözese auch ein wachsendes Interesse an der Online-Kommunikation: So habe sich die Zahl der Seitenaufrufe im Internetportal des Erzbistums im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
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Foto: Das Licht dieser Welt: Jugendliche feiern mit Papst Benedikt am Samstagabend eine Vigil in Freiburg

   Als der Papst mit seinem Papamobil vorfährt, ertönen die „Benedetto"-Rufe. Dann legt sich das Dunkel auf den Platz, und die etwa 30.000 Pilger erleben nur noch sich selbst und den gleißend weißen Altar, hinter den der Papst Platz nimmt. Den „ganzen Tag habe er sich auf diesen Abend" gefreut, beginnt er. „Es mag um uns herum dunkel und finster sein, und doch schauen wir ein Licht: auf Christus, der von den Toten auferstand." Jesus sage: „Ich bin das Licht der Welt." Er bringe das Leben der Menschen zum Leuchten und mache damit alle getauften Menschen zum Licht der Welt. Es sei geheimnisvoll, dass Jesu von sich und von jedem von uns das gleiche sage, nämlich: Licht zu sein. „Gott ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will", sagt der Papst. Christus verlange keine „moralische Hochleistung".
   „Schon Paulus nennt die Mitglieder der Ortsgemeinde Heilige. Wie ist das Bild der Heiligen verzerrt worden. Ein Heiliger ist nicht der, der moralische Höchstleistungen vollbringt, es gibt keinen Heiligen, der nicht auch Sünden gekannt hat", sagt der Papst und warnt vor den „lauen Christen", die in der Kirche größeren Scha- den anrichteten als die Gegner der Kirche. Die Warnung des Theologen Ratzinger vor der „Diktatur des Rela- tivismus", sein Kampf gegen die „Herzverfettung des Habens und Genießens", sie sind auch hier zu spüren. „Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und ge- rechtere Ordnung an seine Grenzen stößt." Die Gebetsvigil ahmt eine Ostermesse nach. Bald hält jeder Pilger eine Kerze in seiner Hand, und die Kameras filmen stimmungsvolle Bilder auf dem ziemlich profanen Messegelände.
FAZ110926

dd-B-Freiburg-xx Papst Benedikt XVI.: Die Entweltlichung der Kirche

Zum Abschluss seines Besuchs hielt der Papst eine Rede im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau.
Wir dokumentieren den Wortlaut in der Fassung, die das Presseamt des Heiligen Stuhls veröffentlichte.

Liebe Mitbrüder im Bischofsund Priesteramt! Sehr geehrte Damen und Herren!
   Ich freue mich über diese Begegnung mit Ihnen, die Sie sich in vielfältiger Weise für die Kirche und für das Gemeinwesen engagieren. Dies gibt mir eine willkommene Gelegenheit, Ihnen hier persönlich für Ihren Ein- satz und Ihr Zeugnis als „kraftvolle Boten des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge" Lumen Gentium, 35 ganz herzlich zu danken. In Ihrem Arbeitsumfeld treten Sie bereitwillig für Ihren Glauben und für die Kirche ein, was in der heutigen Zeit nicht immer leicht ist.
   Seit Jahrzehnten erleben wir einen Rückgang der religiösen Praxis, stellen wir eine zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben fest. Es kommt die Frage auf: Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen?
   Die selige Mutter Teresa wurde einmal gefragt, was sich ihrer Meinung nach als Erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort war: Sie und ich!
   An dieser kleinen Episode wird uns zweierlei deutlich. Einmal will die Ordensfrau dem Gesprächspartner sagen: Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften. Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: Ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.
   Wie soll diese Änderung nun konkret aussehen? Geht es hier um eine Erneuerung. wie sie etwa ein Haus- besitzer durch die Renovierung oder den neuen Anstrich seines Anwesens durchführt? Oder geht es hier um eine Korrektur, um wieder auf Kurs zu kommen sowie schneller und geradliniger einen Weg zurückzulegen? Sicher spielen diese und andere Aspekte eine Rolle. Was die Kirche betrifft, ist das grundlegende Motiv der Änderung aber die apostolische Sendung der Jünger und der Kirche selbst.
   Dieser ihrer Sendung muss sich die Kirche nämlich immer neu vergewissern. Die drei synoptischen Evan- gelien lassen verschiedene Aspekte des Sendungsauftrags aufleuchten: Die Sendung gründet in der persönlichen Erfahrung: „Ihr seid meine Zeugen" Lukas 24,48; sie kommt zum Ausdruck in Beziehungen: „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern" Matthäus 28,19; und sie gibt eine universale Botschaft weiter: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" Markus 16,15. Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt wird aber immer wieder das Zeugnis verdunkelt, werden die Beziehungen entfremdet und wird die Botschaft relativiert. Wenn nun die Kirche, wie Papst Paul VI. sagt, „danach trachtet, sich selbst nach dem Typus, den Christus ihr vor Augen stellt, zu bilden, dann wird sie sich von der menschlichen Umgebung tief unterschei- den, in der sie doch lebt oder der sie sich nähert" Enzyklika Ecclesiam Suam, 60. Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird sie immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen, sie hat sich gewissermaßen zu „entweltlichen".
   Die Sendung der Kirche kommt ja vom Geheimnis des Dreieinigen Gottes her, dem Geheimnis seiner schöpfe- rischen Liebe. Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die gött- liche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gott- seins herausgetreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so lässt, wie sie ist. Zum Christus- geschehen gehört Unfassbare, dass es - wie die Kirchenväter sagen - ein commercium, einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide - wenn auch auf ganz verschiedene Weise - Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.
   Der christliche Glaube weiß, dass Gott den Menschen in eine Freiheit gesetzt hat, in der er wirklich Partner sein und mit Gott in Tausch treten kann. Zugleich ist dem Menschen klar, dass dieser Tausch nur dank der Großmut Gottes möglich ist, der die Armut des Bettlers als Reichtum annimmt, um das göttliche Geschenk erträglich zu machen, dem der Mensch nichts Gleichwertiges zu bieten vermag.
   Auch die Kirche verdankt sich ganz diesem ungleichen Tausch. Sie hat nichts Eigenständiges gegenüber dem, der sie gestiftet hat. Sie findet ihren Sinn ausschließlich darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln. Die Kirche taucht ganz ein in die Hinwendung des Erlösers zu den Menschen. Sie selbst ist immer in Bewegung, sie muss sich fortwährend in den Dienst der Sendung stellen, die sie vom Herrn empfangen hat. Die Kirche muss sich immer wieder neu den Sorgen der Welt öffnen und sich ihnen ausliefern, um den heiligen Tausch, der mit der Menschwerdung begonnen hat, weiterzuführen und gegenwärtig zu machen.
   In der geschichtlichen Ausformung der Kirche zeigt sich jedoch auch eine gegenläufige Tendenz, dass nämlich die Kirche sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam wird und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit.
Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Weltlichkeit der Welt zu lösen. Sie folgt damit den Worten Jesu nach: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin" Johannes 17,16. Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zur Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben.
    Die Säkularisierungen - sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder Ähnliches - bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm. Damit teilte die Kirche das Schicksal des Stammes Levi, der nach dem Bericht des Alten Testamentes als einziger Stamm in Israel kein eigenes Erbland besaß, sondern allein Gott selbst, sein Wort und seine Zeichen als seinen Losanteil gezogen hatte. Mit ihm teilte sie in jenen geschichtlichen Momenten den Anspruch einer Armut, die sich zur Welt geöffnet hat, um sich von ihren materiellen Bindungen zu lösen, und so wurde auch ihr missionarisches Handeln wieder glaubhaft.
   Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar. Sie öffnet sich der Welt, nicht um die Menschen für eine Institution mit eigenen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selbst zu führen, indem sie zu dem führt, von dem jeder Mensch mit Augustinus sagen kann: Er ist mir innerlicher als ich mir selbst vergleiche Confessiones 3,6,11. Er, der unendlich über mir ist, ist doch so in mir, dass er meine wahre Innerlichkeit ist.
   Durch diese Art der Öffnung der Kirche zur Welt wird damit auch vorgezeichnet, in welcher Form sich die Weltoffenheit des einzelnen Christen wirksam und angemessen vollziehen kann. Es geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen.
   Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, eben dadurch, dass sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheiten sind.
   Sagen wir es noch einmal anders: Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit, nicht erst in unserer Zeit, ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferweckung und ewiges Leben verheißen ist - das zu glauben ist nun einmal für uns Menschen eine Zumutung.
   Dieser Skandal, der unaufhebbar ist, wenn man nicht das Christentum selbst aufheben will, ist leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden von den anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens. Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären Skandalons des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdecken.
   Um so mehr ist es wieder an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen. Das heißt nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karita- tiven Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens zu vermitteln. „Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst" Enzyklika Deus Caritas est, 25. Allerdings haben sich auch die karitativen Werke der Kirche immer neu dem Anspruch einer angemessenen Entweltlichung zu stellen, sollen ihr nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen. Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Gottesbeziehung verkümmert.
   Offensein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem ewigen Leben ein.
   Leben wir als Einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken.
   Liebe Freunde! Es bleibt mir, den Segen Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes für uns alle zu erbitten, dass wir in unserem jeweiligen Wirkungsbereich immer wieder neu Gottes Liebe und sein Erbarmen erkennen und bezeugen können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

be-104xxxBarcelona

 Der Papst weihte die Basilika „Sagrada Familia“ in Barcelona Foto oben und feierte eine Festmesse im nordspanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Die galizische Stadt am berühmten Jakobsweg feiert derzeit ihr Heiliges Jahr. Lesen Sie unsere Fotoberichte > Santiago de Compostela
  Papst Benedikt XVI. wurde auf dem Weltjugendtag in Madrid stürmisch gefeiert.
Weitere Höhepunkte im Programm des Papstes waren eine eintägige Reise nach Palermo am 3. Oktober sowie die Messen im Petersdom zu Eröffnung und Abschluss der Bischofssynode über den Nahen Osten, am 10. und 24. Oktober siehe dazu unsere Berichte  in > Kirche im Islam.
   Der Vatikan legte jetzt das offizielle Schlussdokument zur Bibelsynode > Wort Gottes vor. Das post- synodale Lehrschreiben trägt den Titel „Verbum Domini“, also „Wort des Herrn“ und wurde im vatikanischen Pressesaal vorgestellt, unter anderem von Kardinal Marc Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation, und Erzbischof Gianfranco Ravasi, dem Präsidenten des Päpstlichen Kulturrates. Das Ergebnis der Beratung von 250 Bischöfen in der Weltbischofs-Synode werden in diesem Lehr- schreiben von Papst Benedikt XVI. dokumentiert.   Lesen Sie den Text im Wortlaut auf unserer Seite  >   Verbum Domini. RV101105asca

Boni Yagi, Benin mis-boniYagi-Benin-z B-WSt01x

Papst reist nach Benin
   Papst Benedikt XVI. besucht ein zweites Mal Afrika. Von 18. bis 20. November 2011 reist er nach Benin, wie der vatikanische Pressesaal bekannt gab. Der Besuch wird pastoralen Charakter haben, Anlass sind die Feierlichkeiten zu 150 Jahren Evangelisierung des westafrikanischen Landes. Benedikt wird den Repräsen- tanten aller afrikanischen Bischofskonferenzen bei der Gelegenheit sein Abschluss-Schreiben zur Afrika- Bischofssynode von 2009 übergeben. Benedikt reist auf Einladung des Staatspräsidenten, Boni Yayi, und der örtlichen Bischofskonferenz.
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Papst Benedikt wird das postsynodale Schreiben am 19. November in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Ouidah unterschreiben. Übergeben wird es dann am darauf folgenden Sonntag bei einer Messe im Stadion der Freundschaft in Cotonou. Weitere Schwerpunkte der Reise sind ein Besuch am Grab von Kardinal Bernard Gantin und in Afrika Treffen mit Vertretern der Regierung und Gesellschaft und mit Vertretern der Kirche Afrikas.
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Papst ruft zum Gebet für seine Afrika-Reise auf
   Benedikt XVI. hat zum Gebet für seine bevorstehende Reise nach Benin aufgerufen. Am Freitag werde er den afrikanischen Kontinent besuchen, sagte der Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz; „vergesst das nicht in eurem Gebet und in eurer Freigiebigkeit“. Benedikt XVI. reist in das westafrikanische Land, um dort das Schlussdokument der zweiten Afrika-Synode vom Oktober 2009 zu unterzeichnen und zu veröffentlichen. Zudem trifft er in der Hauptstadt Cotonou mit dem Staatspräsidenten sowie den Bischöfen des Landes zusammen. Auch ist ein Besuch in der Stadt Ouidah geplant, wo er am Grab des ersten schwarz- afrikanischen Kurienkardinals Bernardin Gantin (1922-2008) beten will. RV111115kna
Die Kirche in Benin
   Benin hat eine Bevölkerung von etwa 8.779.000 Menschen, von denen knapp 3 Millionen katholisch sind. Die zehn Bistümer haben gemeinsam 338 Pfarreien und 801 Zentren. 811 Priester, 1.386 Ordensleute und 11.251 Katecheten kümmern sich um die Seelsorge, dazu kommen knapp 500 Seminaristen.
   Knapp 58.000 Schüler und Studenten besuchen eine der 234 katholischen Bildungseinrichtungen des Landes, von Kindergärten bis zu Universitäten. Dazu kommen zwölf Krankenhäuser, 64 Kliniken, drei Lepra- kolonien, sieben Heime für Senioren oder für Menschen mit Behinderungen, 41 Waisenhäuser, drei Familien- Beratungsstellen und anderes mehr. RVvis111115ord

be-185-xBenin be-184xBenin

Der Papst kommt nicht, um Lektionen zu erteilen“

  Benedikt XVI. reist nach Benin - warum gerade nach Benin? Päpste besuchen - das ist ein Teil der Antwort - immer nur politisch stabile Staaten; nicht jede Destination in Afrika ist also möglich. Das kleine Benin hingegen erfüllt die Kriterien der päpstlichen Reiseplaner. Zwar ist es schon das dritte Mal, dass ein Papst nach Benin kommt, aber dieses Mal ist mit den anderen nicht zu vergleichen aufgrund seiner Tragweite. Das denkt der Priester und Intellektuelle André Quenum, Leiter der katholischen Wochenzeitung „La Croix du Benin“ und Pressesprecher des Papstbesuches. Er sagte uns in einem Interview:
   „Der Papst kommt nach Benin, aber nicht nur für Benin, sondern für ganz Afrika. Er unterzeichnet und überreicht eine wichtige Botschaft, die Postsynodale Exhortation der Afrika-Synode. Die Leute von Benin sollen verstehen, dass das hier ein großer Besuch ist, dass der Papst mit einer Botschaft kommt, die sich an ganz Afrika richtet, damit Afrika sich erhebt und den Weg der Versöhnung einschlägt, der Gerechtigkeit und des Friedens.“
   André Quenum ist fest davon überzeugt, dass es keine rein innerkatholische Botschaft ist, die Benedikt im Gepäck hat.
   „Christen und Nichtchristen sollen die Themen verstehen, die der Papst hier entwickeln wird. Und sie sollen verstehen, dass die Kirche hier auf einem Weg der Hoffnung ist. Afrika hat alles, was es braucht: Es hat Brot, es hat Wasser. Aber es kann sie nicht nutzen, weil es Konflikte und Ungleichheiten gibt. Von Versöhnung  und von Gerechtigkeit sprechen, das ist, worauf Afrika setzen muss, damit der Frieden Wirklichkeit wird. Die Kirche kommt nicht, um hier Lektionen zu erteilen, sondern sie stellt sich in den Dienst dieser Sache.“
   Was drinsteht in der Botschaft des Papstes an den afrikanischen Kontinent, ist naturgemäß noch nicht bekannt. Doch die Neugier ist groß. Entsprechend panafrikanisch sind die Anfragen, die auf einer ganz handgreiflichen logistischen Ebene die Vorbereiter der Papstreise erreichen. Das Stadion in Cotonou hat eine begrenzte Kapazität, 55.000 Menschen finden dort Platz - viel weniger, als kommen wollen. André Quenum sagt:
   „Für die drei Tage des Papstbesuchs versuchen wir ein System zu finden, das der Mehrheit der Pilger das Gefühl gibt, dabei zu sein. Nicht alle werden direkt an den Orten sein können, wo der Papst ist: aus Sicherheitsgründen und auch, weil die Orte so klein sind.“
Hintergrund
   Der Papst unternahm vom 18. bis 20. November seine Pastoralreise in den westafrikanischen Staat Benin. Bei seinem zweiten Afrikabesuch wurde das Schlussdokument der Afrikasynode vom Oktober 2009 ver- öffentlicht. Zudem feierte er mit den Gläubigen den Beginn der katholischen Mission in dem westafrikanischen Land vor 150 Jahren. Benedikt XVI. folgte mit der Reise einer Einladung von Staatspräsident Yayi Boni und seiner Regierung sowie der Bischofskonferenz von Benin. Die Afrikasynode hatte vom 4. bis 25. Oktober 2009 im Vatikan unter dem Motto „Die Kirche in Afrika im Dienst für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ getagt. Das Schlussdokument soll Grundlage für die Pastoral der Kirche in den kommenden Jahren sein.
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Benedikt XVI.: Mut zur Versöhnung, die aus der Vergebung kommt
   Am Samstag, 19. November 2011 - am frühen Nachmittag - hat der Papst in Benin das Schlussdokument der Afrikasynode von 2009 unterzeichnet: In der Kathedrale von Ouidah setzte er im Rahmen einer kurzen Zeremonie seine Unterschrift unter eine englische, französische, portugiesische und italienische Textfassung. Das rund 150 Seiten umfassende Päpstliche Schreiben mit dem lateinischen Titel „Africae munus“, übersetzt „Das Engagement Afrikas" legt Leitlinien für das kirchliche Wirken in Afrika fest.
   Die Fragen nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden sind wichtige Fragen für die ganze Welt, für Afrika haben sie aber eine gewisse Dringlichkeit. Das sagte Papst Benedikt XVI. bei der Unterzeichnung von Africae Munus an diesem Samstag in Ouidah. Eine mit sich selbst und mit Gott versöhnte Kirche könne ein prophe- tisches Zeichen der Versöhnung sein: in jedem Land und auf dem ganzen Kontinent. Die Kirche Afrikas sei nach der Versammlung der Bischofssynode gerufen, Frieden und Gerechtigkeit zu fördern, so der Papst. Diese Suche nach neuen Wegen des Frieden dürfe die Kirche niemals aufgeben, denn Frieden sei einer der größten Schätze. Dazu brauche des den Mut, der aus der Vergebung komme, es brauche den Willen, ge- meinsam leben zu wollen und eine gemeinsame Vision für die Zukunft und die Überwindung von Schwierig- keiten. Zum Abschluss rief der Papst „Afrika, dem Land eines neuen Pfingsten“ zu, ganz auf Gott zu ver- trauen. „Afrika, gute Nachricht für die Kirche, werde gute Nachricht für die ganze Welt!“
   Am Sonntag überreicht der Papst das Dokument im Stadion von Cotonou nach einem Gottesdienst an Repräsentanten der 35 afrikanischen Bischofskonferenzen sowie der sieben übernationalen Zusammen- schlüsse.  rvKNA111119ordPR

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   Hoher orthodoxer Besuch im Vatikan: Der Metropolit Hilarion Foto, verantwortlich für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchates, will die guten Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche weiter- entwickeln. Er trifft sich in diesen Tagen mit Verantwortlichen des Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Nach einer kurzen Begegnung mit dem Papst bei der Generalaudienz traf Hilarion Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Ferner steht ein Treffen mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone auf dem Programm. RV110928ansa

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   Papst Benedikt XVI. traf am 18. Mai 2011 den neuen Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi Foto links. Der Pontifex hat den amtierenden Außenminister Ägyptens im Anschluss an die Generalaudienz im Vatikan empfangen. Die Arabische Liga ist eine internationale Organisation, die ihren Hauptsitz in Kairo hat. Zu den 22 Mitgliedern aus Nationen Afrikas und Asiens zählen auch die palästinensischen Autonomiegebiete, die von der palästinensischen Autonomiebehörde vertreten werden. RV110517kna
  
Der neue Generalsekretär der Arabischen Liga, der Ägypter Nabil al-Arabi, war im Vatikan. Über seine Gespräche mit Papst Benedikt XVI. und dem vatikanischen Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti wurde von Vatikanseite nichts bekannt. Der Jurist Al-Arabi, der neue Generalsekretär der Arabischen Liga, war in den letzten Wochen Außenminister in der ägyptischen Übergangsregierung. Er gilt als gemäßigt. Der Vatikan bereitet derzeit ein ausführliches Grundlagenpapier zum Nahen Osten vor, das Benedikt XVI. in 2012 womöglich bei einer Reise in die Region vorstellen will. Rv110518
   Die Gespräche zwischen dem Vatikan und der Arabischen Liga werden fortgesetzt. Nach dem Treffen mit dem Papst hat der neue Generalsekretär der Liga, Nabil al-Arabi, den Präsidenten des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, getroffen. Der amtierende Außenminister Ägyptens hat bei dieser Gelegenheit die Grüße und den Wunsch von Scheichs der al-Azhar Universität, Ahmad al-Tayyib, weiter geleitet. Demnach wünsche sich der Groß-Imam, dass die Schwierigkeiten, die sich zuletzt in den mit dem Heiligen Stuhl ergeben haben, bald überwunden werden. Die Universität hatte nach der Rede des Papstes an das diplomatische Corps die Gespräche abgebrochen.
Rv110521

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Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit

   Mit den Gesprächsbänden „Salz der Erde“ und „Gott und die Welt“ hat Peter Seewald Foto oben nicht nur die katholische Welt aufhorchen lassen. Niemals vorher hatte man von Kardinal Ratzinger, dem damaligen obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche und jetzigen Papst, derart offene und ungeschminkte Analysen gehört, niemals vorher waren die Kernpunkte des Glaubens so nachvollziehbar auf den Punkt gebracht.
   Dieser neue Band dokumentiert ein Gespräch mit Benedikt XVI. vom Sommer 2010. Fünf Jahre nach der Wahl zum Papst, unter dem Eindruck des schockierenden Missbrauchsskandals und vor dem Erscheinen des zweiten Bandes von „Jesus von Nazareth“, spricht der Papst über die Kirche in der Krise, über die Ökumene, über Reformen, über die Gesellschaft und über den Glauben. Noch niemals in der Geschichte der Kirche hat ein Papst in dieser Form Rede und Antwort gestanden. Noch niemals hat ein Papst sich so mutig, so offen kritischen Fragen gestellt.
   Mit diesem Buch nimmt erstmals in der zweitausendjährigen Geschichte des Christentums ein Papst in einem persönlichen Interview Stellung zu den drängenden Problemen von Kirche und Gesellschaft.
Ungeschminkt und offen: Das erste „Live"-Interviewbuch mit einem Papst in der Geschichte

  Mit den Gesprächsbänden „Salz der Erde" und „Gott und die Welt" hat Peter Seewald die Welt aufhorchen lassen. Niemals vorher hatte man von Kardinal Ratzinger derart offene Worte gehört.
   Fünf Jahre nach der Wahl zum Papst, unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals spricht Benedikt XVI. in diesem neuen Band offen über die Kirche in der Krise, über die Ökumene, über Reformen, über die Gesellschaft und über den Glauben. Noch niemals zuvor in der Geschichte hat ein Papst in dieser Form Rede und Antwort gestanden.
Herder

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   Es ist das bislang erste journalistische Interview mit einem Papst. FOCUS veröffentlicht exklusiv Auszüge: Benedikt XVI erläutert nicht nur die Rolle der Frauen in der Kirche. Er spricht auch über die Priesterweihe für Homosexuelle und macht klar, warum er ein striktes Burkaverbot ablehnt.
  Es sind heikle Themen, die der Heilige Vater zur anspricht. Und seine Thesen sind nicht immer bequem. Im ersten Interview, das ein Papst je einem Journalisten gegeben hat, bekräftigt Papst Benedikt XVI. unter anderem, dass Frauen nicht zu Priestern geweiht werden dürfen. In seinem neuen Buch „Das Licht der Welt“, das am Mittwoch weltweit erscheint und das FOCUS bereits vorliegt, führt das Oberhaupt der katholischen Kirche aus, dass seine Organisation nicht die Vollmacht dazu habe.
   Christus habe der Kirche mit den zwölf männlichen Aposteln eine unverrückbare Gestalt gegeben. Dies sei keine Diskriminierung, da das Priestertum nicht Herrschaft, sondern Dienst sei. Auch in der Frage der Weihe von Homosexuellen habe die Kirche keinen Spielraum. Homosexualität sei mit dem Priestertum nicht vereinbar, weil sie dem ursprünglichen Willen Gottes widerspreche.
   Zudem übt der Heilige Vater deutliche Kritik an der Qualität des Religionsunterrichts in Deutschland. Die Bischöfe müssten sich ernste Gedanken machen, wie sie die Katechese neu und besser ausrichten können. Der Papst beklagte die Tatsache, dass es in Deutschland viele Katholiken gebe, die es als ihre Hauptaufgabe betrachten, den Papst derb und rüde zu kritisieren.
   Der Pontifex nahm auch zur „Williamson-Affäre“ von 2009 Stellung. Wenn er gewusst hätte, dass der zur Pius-Bruderschaft gehörenden Bischof Richard Williamson die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnet, hätte er ihn nicht von der Exkommunikation befreit, so das Oberhaupt der katholischen Kirche. Benedikt XVI. wandte sich zudem gegen ein generelles Burkaverbot und gegen Versuche, das Christentum aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Offenkundig breite sich eine neue Intoleranz aus. Wenn es etwa keine Kreuze mehr in öffentlichen Gebäuden geben solle, dann bedeute dies, dass der christliche Glaube sich damit nicht mehr sichtbar ausdrücken dürfe.
   Betrübt äußerte sich der Papst zudem über das derzeit vorherrschende Freiheitsverständnis der westlichen Welt. Insbesondere warnte vor Auswüchsen wie etwa dem Sextourismus. Dieser bringe außerordentliche Zerstörung über die Jugend, erklärte der Pontifex in seinem Buch. Diese Zerstörung sei aus dem Überdruss und der falschen Freiheit der westlichen Welt geboren. Der Westen trage auch die Verantwortung für die verheerenden Auswirkungen des Drogenanbaus und -handels, der beispielsweise in Lateinamerika die Men- schen verderbe und die Zukunft ganzer Länder gefährde. Im Westen sei eine Gier des Glücks entstanden, die sich mit dem Bestehenden nicht begnügen könne. „Licht der Welt – Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ ist das Ergebnis eines sechsstündigen Gesprächs, das der Journalist und Buchautor Peter Seewald mit Benedikt XVI. geführt hat und aus dem FOCUS weltexklusiv vorab in Auszügen berichtet.
Lesen Sie dazu den Kommentar im L’OsservatoreRomano
>  
Card. Ratzinger  

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Erzbischof Fisichella Foto: „Evangelisierungssynode soll Kirche stärken“

   Nach der Synode ist vor der nächsten: Papst Benedikt XVI. hat am Ende der Sonderbischofssynode zum Nahen Osten eine nächste Bischofssynode für das Jahr 2012 angekündigt, und zwar zum Thema Evangelisierung. Das passt dazu, dass der Papst vor wenigen Wochen einen neuen Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung gegründet hat. Die Ankündigung einer ganzen Synode zum Thema kam dennoch überraschend. Das sagte der Präsident des neuen Gremiums, Erzbischof Rino Fisichella, unseren italienischen Kollegen:
   „Die Entscheidung ruft großes Erstaunen und große Freude hervor – darüber, dass der Papst dem Thema der Evangelisierung, das sich immer wichtiger auch als Merkmal seines Pontifikats darstellt, so viel Platz einräumen will. Papst Benedikt XVI. hat ja vor wenigen Wochen einen neuen Päpstlichen Rat dazu ins Leben gerufen, und jetzt plant er, das Episkopat der gesamten Welt für die entsprechende Synode im Jahr 2012 dazu einzuspannen.“
   Zwei Jahre intensive Arbeit stehen dem Vatikan, insbesondere dem neuen zuständigen Rat, jetzt bevor. Worum aber soll es auf der Synode konkret gehen?
   „Die Linie hat Papst Benedikt XVI. bereits in seinem Apostolischen Brief „Ubicumque et semper“ und bei anderen Gelegenheiten umrissen: An erster Stelle soll es um die Erneuerung der kirchlichen Verkündigungsfähigkeit gehen, nämlich den Menschen heute das Evangelium zu verkünden. In vieler Hinsicht kann man da ja von einer „Wüste der Gegenwart“ sprechen. Die Menschen der Gegenwart haben nicht gefunden, wonach sie suchten, als sie sich von Gott entfernten. Der Mensch braucht Gott; der Papst hat einmal mehr diese Dimension unterstrichen, die doch das Zentrum seines Lebens ist.“
   Eine große Herausforderung sei die Säkularisierung, so Fisichella. Auch die Kirche sei davon nicht ausgenommen. „Papst Benedikt XVI. hat ja darauf hingewiesen, dass es in einer immer säkularisierteren Gesellschaft ein richtiges und ausgewogenes Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft braucht. Wie kann eine in sich kohärente Vernunft das Ziel seiner Suche erreichen, nämlich die Wahrheit? Aus dieser Wahrheit kann man die Anwesenheit Gottes nicht ausschließen. Das Phänomen der Säkularisierung muss genau untersucht und beobachtet werden, doch jetzt ist auch der Moment gekommen, darauf eine positive Antwort zu geben.“
rv101025pr 

Der neue Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
möchte Brückenbauer zu China sein. Das sagte Pater Savio Hon Tai-Fai gegenüber der vatikanischen Agentur Fides. Er danke Papst Benedikt XVI. dafür, dass die Wahl auf ihn gefallen sei, außerdem für die besondere Aufmerksamkeit und Verbundenheit mit Asien, im Besonderen mit China. Pater Savio Hon Tai- Fai wurde am 21. Oktober 1950 in Hongkong geboren. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung durch den Papst unterrichtete er als Professor für Theologie am Priesterseminar in Hongkong. Als Gastprofessor war er auch an verschiedenen Priesterseminaren in China tätig. Außerdem war er verantwortlich für die chine- sische Übersetzung des Katechismus der Katholischen Kirche. Er ist Mitglied der Ordensprovinz China (China, Hongkong, Macao, Taiwan) der Salesianer Don Boscos.
RV110122Fides

   Papst Benedikt XVI. hat den Beraterstab für die neugegründete Vatikanbehörde zur Neuevangelisierung berufen. Dazu gehören insbesondere Ordensobere, aber auch Verantwortliche aus dem Bereich der neuen Geistlichen Gemeinschaften. Geleitet wird der Päpstliche Rat vom italienischen Erzbischof Rino Fisichella. Zu den Beratern des jüngsten Vatikan-Ministeriums gehören unter anderen der Generalvikar des Opus Dei, Fernando Ocariz, der Salesianer-Obere Pascual Chavez Villanueva, der Präsident von „Comunione e liberazione" Julian Carron und der Rektor der Gregoriana-Universität, der Jesuit Francoia-Xavier Dumortier. Weitere Berater sind Schwester Mary Lou Wirtz, Präsidentin der Union der Ordensoberinnen, die nordameri- kanische Theologieprofessorin Schwester Sara Butler sowie Neokatechumenalen-Gründer Kiko Arguello. DT110521

Erzbischof Rino Fisichella  ep-aepRinoFisichella-z Vatikan plant Mission in elf Städten Europas

   Die Leiter wichtiger Bistümer aus Europa waren zu Beratungen hinter verschlossener Tür im Vatikan. Eingeladen hatte sie der neue Päpstliche Rat für die Förderung der Neuevangelisierung, geleitet von dem italienischen Erzbischof Rino Fisichella. Und es kam auch gleich etwas Konkretes dabei heraus: „Missione metropoli“, eine Großstadt-Mission. Fisichella:
   „Das ist eine der Initiativen, die sich der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung für die nächsten Monate vorgenommen hat. Wir haben sie Großstadt-Mission genannt. Sie soll eine Antwort sein auf die Heraus- forderung der Neuevangelisierung in einem Augenblick, in dem Europa sich in der Krise befindet.“
   Mit Europa will der neue Vatikan-Rat zunächst einmal anfangen, schließlich geht es beim Projekt der Neuevangelisierung vor allem um den alten Kontinent:
   „Es hat schon zwei Bischofssynoden zum Thema Europa gegeben: die eine 1991 und die zweite 1999. Vergessen wir auch nicht, dass der selige Johannes Paul II. 2003 seinen grundlegenden Text „Ecclesia in Europa“ geschrieben hat: Unsere Initiative liegt auf der gleichen Linie.“
   Die Großstadt-Mission ist sozusagen zweigleisig geplant: Auf der einen Seite sollen die Bistümer ihr Engagement in Schulen und in der Ausbildung verstärken. „Außerdem soll es dann in der Fastenzeit 2012 in diesen elf großen europäischen Städten gleichzeitig untereinander abgestimmte Initiativen geben.“
   Die elf großen Städte sind die, deren Erzbischöfe jetzt im Vatikan waren oder zumindest einen Vertreter dorthin geschickt hatten: Köln, Wien, Paris, Budapest, Dublin, Lissabon, Brüssel, Liverpool, Warschau, Turin, Barcelona. In einigen von ihnen, etwa in Wien, gab`s schon vor ein paar Jahren eine große Stadtmission. Doch Fisichella sagt: „Ich finde, das hier ist etwas Neues: ein gleichzeitiges, gemeinsames Zeichen. Kurz gesagt – das ist eine erste Antwort auf das, worum der Papst auf unserer ersten Vollversammlung gebeten hat: die Fragmentierung überwinden und Zeichen der Einheit geben.“
   Der Erzbischof von Liverpool, Patrick Kelly, war von dem Projekt Stadtmission überrascht. Er hatte mit nichts Besonderem gerechnet, als er am Montag im Vatikan eintraf: „Man muss ja sehen, dass das überhaupt die ersten Tage dieses Päpstlichen Rates sind: Er hat zwar schon ein Statut, aber das war`s dann auch. Als ich die Teilnehmerliste des Treffens vom Montag sah, habe ich mich gefragt: Warum stehe ich denn auch auf dieser Liste?“ Aber im Vatikan begriff Erzbischof Kelly dann: Es geht ja gar nicht nur um diese Mission in den Großstädten. „Offenbar sollen diese Erzbistümer auch eine Art Pilotgruppe bei der Evangelisierung bilden und sich untereinander eng vernetzen, weil sie ja vor ähnlichen Herausforderungen stehen.“ Allerdings findet der Erzbischof, dass seine Stadt Liverpool eine Art Betlehem unter diesen elf Großstädten ist: „Liverpool ist bei weitem die kleinste dieser Städte, wenn es um die Zahl der Katholiken dort geht. Wir halten in dieser Hin- sicht kaum den Vergleich mit Barcelona, Paris oder Dublin aus. Außerdem sind wir – anders als die anderen – eine demographisch stark schrumpfende Stadt. Allenfalls passen wir doch auf die Liste dieser Großstädte, weil die Wirtschaftskrise, die ja zu unserem heutigen Kontext gehört, Liverpool äußerst hart trifft.“
   Die Großstadt-Mission, die sich der Vatikan da ausgedacht hat (und für die es offenbar noch kein gemein- sames Leitwort gibt), schweißt also sehr unterschiedliche Metropolen aneinander. Aber das könnte auch zu einer Stärke werden, glaubt Kelly: „Es kann etwas sehr Starkes entstehen, wenn diese unterschiedlichen Erfahrungen auf eine einheitliche Vision hinweisen. Das erinnert mich an die Schilderung der Kirche als Leib Christi, die der heilige Paulus gibt. Er geht so weit zu sagen: Da sind die schwächsten Glieder die unentbehrlichsten!“
   Und so könnte die Stadtmission nicht nur zu einer Parade der Glaubensstarken werden, sondern auch die ermutigen, deren Glaube ziemlich schwach ist. „Das gehört“, so Erzbischof Kelly, „zum Zeichen, das wir geben wollen.“ „Mir ist aufgefallen, wie der Papst beim Angelus gesagt hat: Gott zwingt uns nicht, zu lieben. Er lädt uns dazu ein... Das ist es.“ Natürlich ist die 11-Städte-Mission auch eine Vorlage für die Bischofs- synode zum Thema Neuevangelisierung, die im Herbst 2012 im Vatikan stattfinden soll. Erzbischof Fisichella vom Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung: „Die „Großstadt-Mission“ will ein konkretes Zeichen sein, das große Städte und Bistümer Europas gemeinsam der Bischofssynode vorstellen, als ein gemeinsames Projekt, an dem sich auch andere dann inspirieren können.“ RV110712sk >   Vorhof der Völker
  
   Der Vatikan hat zur Neuevangelisierungsinitiative „Stadtmission“ Details bekannt gegeben. Im kommenden Jahr 2012 sollen in elf europäischen Großstädten öffentliche Lesungen aus den Evangelien und Katechesen der Bischöfe stattfinden. Das schreibt der Präsident des neuen vatikanischen Rates zur Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Es sei denkbar, dass auch berühmte christliche Texte aus den autobiografischen „Bekenntnissen“ des heiligen Augustinus vorgetragen würden. Vor allem solle diese Initiative Menschen ansprechen, die sonst mit dem Glauben wenig zu tun und die sich von der Kirche entfernt hätten. Die Großstadt-Mission soll nächstes Jahr vor allem in der Fastenzeit in elf europäischen Großstädten durchgeführt werden, darunter in Liverpool. RV110713kna

Kardinal Erdö als CCEE-Vorsitzender wiedergewählt

Kardinal Peter Erdö, Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), erhält eine zweite Amtszeit. Die Spitzenvertreter von 33 nationalen Bischofskonferenzen sowie vier einzelnen Bistümern wählten den 59jährigen Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest für weitere fünf Jahre zu ihrem Vorsitzenden.
Bei der Eröffnung der CCEE-Jahresvollversammlung, die in diesem Jahr im albanischen Tirana stattfand, sagte der Kardinal, er sehe eine wachsende Diskriminierung der Kirchen in Europa. Eine antichristliche Haltung werde »systematisch« in den Medien, an Schulen und in der öffentlichen Meinung verbreitet. In der Darstellung des christlichen Glaubens werde gezielte Desinformation eingesetzt, in Internet-Netzwerken würden Seiten mit christlichen Inhalten »systematisch ausgeschlossen oder zensiert«, sagte der Kardinal. Zugleich rief er die Regierungen der EU auf, klarere Forderungen an Staaten zu stellen, in denen die Religionsfreiheit nicht respektiert werde. Die soziale und kulturelle Vielfalt in Europa bezeichnete er als wertvolles Gut. Die Einheit Europas dürfe nie »erzwungene Einheitlichkeit« sein. Die von Benedikt XVI. ge- wünschte Neuevangelisierung stand im Mittelpunkt des Bischofstreffens in Tirana. An der Jahres- versammlung nahm auch Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neu- evangelisierung, teil. Er hat die europäischen Bischöfe zu einer tiefgreifenden Glaubenserneuerung aufge- rufen.
OR111007

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Wenn Sie mehr über die schwierige Situation der anglikanischen Weltgemeinschaft,
deren Oberhaupt die Königin von England ist, lesen wollen: >
Anglikaner
Einen ausführlichen Bericht über das Leben und Wirken von Kardinal John Henry Newman
finden Sie auf unserer Seite >
Heilige - ? Dort lesen Sie auch die Nachricht von einem zweiten Heilungswunder auf die Fürbitte von John Henry Newman.
In der Westminster Hall hielt der Papst eine Ansprache an das britische Volk und seine Vertreter über den der Religion zukommende Platz im politischen Leben.
Lesen Sie selbst > Menschenrechte
Über die beiden Weltstar-Sängerinnen Susan Boyle und Michelle Mc Manus, die in der Freiluftmesse in Glasgow auftraten berichten wir unter > Liebst du mich?
Staatsbesuch des Papstes in England: Fotobericht > Europa

B-460xxx  Benedikt XVI. 5 Jahre Papst

Papst Benedikt XVI. ist fünf Jahre im Amt. Wer ihn kritisieren will, findet leicht Wohlfeiles.
Ein Rückblick auf das Pontifikat von Jörg Bremer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Pflicht zur Wahrhaftigkeit
   Es ist fünf Jahre her, dass Deutschland jubelte: „Wir sind Papst.“ Die Wahl des Kardinals Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche wurde weltweit (überwiegend) mit Begeisterung aufgenommen. Seither hat sich Benedikt XVI., der kürzlich 83 Jahre alt geworden ist. kaum verändert, aber die Welt hat sich verändert. In Deutschland schlägt ihm Kritik entgegen, wenn nicht sogar Alehnung. Dem Anschein nach wird ihm persönlich die Verschleierung vieler tausend Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Geistliche vorgeworfen. Doch es war Ratzinger, der noch als Chef der Glaubenskongregation im Jahr 2001 den Kampf gegen die weltweit auftretenden Missbräuche zur Sache des Vatikans machte. Er zeigte damit, dass die Autorität des Papstes nötig ist, um die Verfolgung dieser Verbrechen in allen Diözesen und auf allen Stufen sicherzustellen.
   Als er selbst Papst geworden war, nahm er bei seiner ersten Karfreitagsprozession 2005 das Thema auf und sprach vom „Schmutz“ in der Kirche; 2006 folgte die Mahnung an die irischen Bischöfe. 2008 tadelte er die Kleriker in den Vereinigten Staaten wegen des „Versagens, den Kindern das Heil und die Liebe Gottes zu bringen“. Jetzt will er - wie die Welt -, dass die Diözesen strikt handeln: offenlegen, disziplinarisch ahnden, mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten. Er schrieb im März den Brief an die irischen Katholiken und sucht die Heilung in einer Kirche der Wahrheit, welche die Opfer in den Mittelpunkt stellt.
[Die eingefügten Links verweisen auf weiterführende Berichte >
Europa]
   Diese theologischen Überlegungen verstehen viele Leute nicht. Während seine Kritiker die Kirche insgesamt aus den Angeln heben wollen, glaubt Benedikt, dass sich die Menschen überhaupt nur über Glaube und Kirche von der Neigung zu Verbrechen befreien können. Für diesen Papst gelten nicht die Grundsätze des Zeitgeistes, sondern die der Kirche: Die Welt hat Strafverfolgung nötig, aber vor allem Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung.
   Kritiker sagen, der alte Mann habe den Kontakt zu seinen Zeitgenossen verloren. Seine Wahrheit sei nicht von dieser Welt. Das ist richtig und falsch zugleich. Muslimische Gesprächspartner wie der saudische König suchen das Gespräch mit dem Papst >
Kirche & Moschee , > Kirche im Islam. Erst Ratzingers provokatorische Regensburg-Rede > Dialog der Religionen gab dem katholisch-muslimischen Dialog einen Schub. Dieser Papst entdeckt die orthodoxen Kirchenväter > Ökumene neu und schafft damit eine neue Ökumene mit der Ortho- doxie unter dem Patriarchen von Moskau. Während viele noch über Kontakte zwischen Judentum und Kirche sprechen, führt Benedikt schon den theologischen Diskurs mit Rabbinern.>Juden, >  Jerusalem, > Judenmission.
   Im protestantischen Teil Deutschlands heißt es, von diesem Papst sei zur Ökumene nichts zu erwarten. Dem würde Benedikt wohl zustimmen, aber nicht, weil er gegen Ökumene ist. Er leide unter dem Mangel an Einheit, denn sie verdunkle die Botschaft Gottes, sagte er neulich vor der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom > Reformation. Er forderte dazu auf, das heutige Maß an Ökumene zu feiern und darauf zu vertrauen, dass die Einheit, wenn sie einmal erreicht sein wird, „tiefer“ sein werde als das, was jetzt unter Verlust an Identität erstrebt werden kann. Benedikt macht es sich mit seiner selbstauferlegten Pflicht zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit schwer. Zugleich ist er, wie früher der Professor Ratzinger, ein begnadeter Prediger und Autor > Card. Ratzinger. Wenn er frei spricht, reißt seine Botschaft die Zuhörer mit. Seine Texte stechen aus dem Wirrwarr vatikanischer Äußerungen heraus. Er scheut jedes überflüssige Wort. So war in der Sozialenzyklika > Caritas in veritate leicht zu erkennen, welchen Teil er und welchen andere geschrieben hatten. Auch jenes Lehrschreiben war nicht populär. Es ging zwar mitfühlend auf die Mängel und Bedürfnisse vor allem in Entwicklungs- ländern ein. Seine Forderungen waren aber nicht die scheinbar griffigen, die aus den politischen Denkschulen kommen. Er verlangte vielmehr, sich im Denken und Handeln am liebenden Jesus zu orientieren. Ständig bekräftigt Benedikt die für die säkulare Welt schwer zu fassende und auch von Gläubigen nur mühsam beherzigte Forderung, dass Christsein gläubige Liebe bedeute und das Eingreifen in die weltlichen Belange verlange.
   Immer wieder muss sich Benedikt des Vorwurfs erwehren, seine Lehre sei restaurativ. Ihm wird die Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft zur Last gelegt >
Una Sancta, obwohl er ihren Bischöfen weiter das Lehramt versagt und die unbedingte Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils verlangt. Somit trifft es auch nicht zu, dass Benedikt XVI. jenes Konzil überwinden wolle. Er sieht es als eine Etappe der Kirchengeschichte, die stets neu gedeutet, aber nicht als Bruch gesehen werden darf.
   Der Papst ist nicht nur oberster Theologe, sondern auch Staatsoberhaupt und Chef einer großen Verwaltung. Da gelingt ihm nicht alles. Er vertraut Menschen in seiner Umgebung, selbst wenn sie ihrem Amt nicht gerecht werden. Diese unbewussten Papstbehinderer erschweren eine offene Pressepolitik, welche die päpstliche Leistung zum Beispiel im Kampf gegen Pädophilie darstellt. Sie sind oft auch zu schlechte Theologen, um Benedikts Botschaft zur Caritas Jesu weiterzutragen. So wirken sie mit an dem, was die Feinde der Kirche anstreben: einen Schnitt zu setzen zwischen dem Oberhirten und seinem Kirchenvolk.
FAZ100419JörgBremer

B-297A-MaryMackKillop-xx

Papst Benedikt XVI. hat bei einer Heiligsprechung am 17. Oktober in Rom sechs Persönlichkeiten geehrt, darunter die Australierin Mary MacKillop Foto: der Papst betet an ihrem Grab.

   Neben der ersten Heiligen des fünften Kontinents erhob Benedikt XVI. auch einen Polen, einen Kanadier, zwei Italienerinnen und eine Spanierin zur Ehre der Altäre Bericht über Schwester Mary MacKillop>Heilige - ? RV100915kipa

B-449-x B-450-x

Papstbesudh in der ältesten Synagoge in Rom:
Es kam zu Tränen, spontanem Beifall und Emotionen. Lesen Sie unseren Fotobericht >
Juden

Natur ist ohne Gott nicht zu verstehen
   Einen Tag nach dem Papstbesuch in der römischen Synagoge  begann die gemeinsame jüdisch- katholische Dialogkommission ihre diesjährige Sitzung. Zwei Tage später, am 5. Tag des Monats Schevat im Jahr 5790 jüdischer Zeitrechnung, endet sie. Die beim Papstbesuch angesprochenen Gemeinsamkeiten standen im Fokus des Treffens.
   „Wir sind uns der Differenzen, die zwischen uns sind, bewusst, auch aber ebenso auch der Tatsache, dass, wenn wir es schaffen, unsere Herzen und unsere Hände zu vereinen, um dem Ruf des HERRN zu antworten, sein Licht uns nahe kommen wird, um alle Völker der Erde zu erleuchten.“ So hatte Papst Benedikt in seiner Ansprache in der Synagoge das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft beschrieben. Und diesen Satz nahm auch die Dialogkommission zum Ausgangspunkt ihrer Beratungen. Besonders wies sie darauf hin, dass Benedikt uneingeschränkt die Verbindlichkeit des Konzilsdokuments Nostra Aetate für die Lehre der Kirche betont habe. rv100120
Gemeinsames Erbe eint Christen und Juden
   Der Ökumene-Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz ist der Bischof von Terni, Vincenzo Paglia. Er betont gegenüber Radio Vatikan im Rückblick auf den Synagogenbesuch und auf den jüdisch-katholischen Dialog insgesamt, dass bei allem Konflikt gerade jetzt das Gemeinsame betont werden muss.
  „Da gibt es keinen Zweifel. Beide Seiten haben wiederholt, dass wir selbstverständlich zwei verschiedene Religionen sind, aber dass wir ein gemeinsames Erbe haben, das uns eint. Es gibt keinen Zweifel, dass Juden und Christen den Vorrang betonen müssen, den das Sprechen von Gott im Leben der Menschen hat. Wir müssen aber auch an die andere große Religion denken - an den Islam, der auch gerufen ist, die Gegenwart Gottes im Leben der Menschen und seine Barmherzigkeit zu bezeugen.“ Paglia betont das Grundsätzliche, für das sowohl die jüdische als auch die christliche Religion einstehen und das durch den Dialog gefördert wird.
   â€žIch würde ganz instinktiv sagen, dass wir uns weiterhin begegnen müssen, wo immer in der Welt Christen und Juden gemeinsam leben. Denn wir Menschen wollen im Frieden leben, nicht im Konflikt... weil wir die Geschwisterlichkeit wollen, nicht den Hass. Wir wissen, dass jede Tötung immer ein Brudermord ist. Deswegen, denke ich, wird es weitere Schritte auf dem Weg geben, wie sie seit Beginn unserer Beziehungen das Verhältnis geprägt haben.“
rv100120

B-457-JacobNeusner-xx

Rabbi Jacob Neusner in Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.

   Rabbi Neusner und seine Frau Suzanne waren erfreut über diese Einladung. Bei diesem Anlass hat der Rabbi dem Papstein Exemplar der deutschen Ausgabe des Buches von 1993 [in 2. Aufl. 2008 bei Herder erschienen] überreicht - das Kardinal Joseph Ratzinger damals in der amerikanischen Originalausgabe gelesen hatte -, zusammen mit der italienischen Ausgabe des Essays über den Talmud [im Verlag San Paolo, der ihn auch in einer Neuauflage unter dem Titel Un rabbino parla con Gesú herausgegeben hat]. Geschenke, die der Papst sehr geschätzt hat, er hat sich für seinen Freund aus Übersee fast 20 Minuten Zeit genommen. »Ausreichend Zeit«, so erklärt Neusner, »für eine schöne Begegnung zwischen zwei Professoren. Ich habe den Gelehrten Joseph Ratzinger immer für seine Aufrichtigkeit und Klarheit geschätzt und war sehr daran interessiert, ihm persönlich zu begegnen und ihn als Menschen kennen- zulernen. Jetzt wo ich aus Anlass der historischen Begegnung in der Synagoge und der Diskussion mit Erzbischof Forte nach Rom gekommen bin, wurde mir dieses große Geschenk eines Treffens mit dem Papst zuteil.« Neusner findet fast keine Worte, um seiner Freude über diesen Besuch Ausdruck zu verleihen: »Wir haben über unsere Bücher gesprochen, und er hat mir anvertraut, dass er den zweiten Band über Jesus abgeschlossen hat.«
   Neusner jedoch macht nicht viele Worte und kommt direkt zum Kern der Sache, was im übrigen eine Tugend ist, deretwegen die beiden »Professoren« einander schätzen: »Was mich am meisten beein- druckt hat, ist sein durchdringender Blick. Er blickt in dich hinein. Und dann seine Gentleman-Manieren, voller Liebenswürdigkeit und Demut.« Dieser menschliche Zug hat den Rabbi berührt, genauso wie er ihn schon beim Synagogenbesuch bemerkt hatte.»Ein überwältigendes Ereignis mit einer außerordentlichen, erwartungsvollen und ergriffenen Anteilnahme aller, die mich mit Hoffnung für die Zukunft erfüllt. Das Problem der heutigen Zeit ist - und das hat der Papst gut verstanden -, dass man ohne Gedächtnis lebt, man vergisst die Geschichte und die religiösen Traditionen, von denen man herkommt. Aus diesem Grund ist das Studium der Geschichte von großer Wichtigkeit. Ich denke an eine umstrittene Frage wie die der historischen Gestalt Papst Pius' XII. Meiner Meinung nach ist es noch zu früh, ein Urteil abzugeben, und dennoch höre ich oft scharfe Urteile im einen oder anderen Sinn. Ich habe fast den Eindruck, als gäbe es da jemanden, der zerstörerisch agitiert, den weder der Katholizismus noch das Judentum interessiert und auch nicht der Dialog zwischen diesen beiden großen Traditionen. Das ist traurig, denn in der konkreten Wirklichkeit - das kann ich in meinem Alltag in den Vereinigten Staaten feststellen - sind die Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr gut. Wenn man die Vergangenheit ignoriert, ist man dazu verurteilt, sie zu wiederholen; aus diesem Blickwinkel ist das Studium der Geschichte grundlegend. Genauso wie das Verantwortungsbewusstsein: jede Generation ist verantwortlich für die Zukunft, und sie ist es heute, hier und jetzt.
OR100129AndreaMonda Lesen Sie mehr zur Freundschaft des Papstes mit Rabbi Neusner > Judenmission

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Benedikt XVI. an Kurie: „Ohne Versöhnung keine Menschlichkeit“
   Papst Benedikt hat nach der Kritik jüdischer Gemeinden am Vorantreiben der Seligsprechung des Papstes Pius XII. die antisemitischen Verbrechen der Nationalsozialisten erneut verurteilt. In einer Rede vor Vertre- tern der Kurie erinnerte Benedikt XVI. an seinen Besuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem im Mai 2009
Foto oben.
   Der Papst: „Der Besuch in Jad Vashem war eine erschütternde Begegnung mit der Grausamkeit des menschlichen Fehlens, mit dem Hass einer verblendeten Ideologie, die ohne jede Rechtfertigung Millionen dem Tod ausgeliefert hat und in letzter Konsequenz Gott aus der Welt vertreiben wollte; den Gott Abrahams, Isaaks Jakobs und den Gott Jesu Christi.“
   Doch ohne Versöhnung gebe es keine wirkliche Menschlichkeit und auch keine wirksame Politik, erinnerte der Papst weiter. Die „Bereitschaft zum ersten Schritt auf den anderen zu“ werde heute immer wieder aufs Neue gebraucht, so der Papst. Versöhnung sei grundlegende Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Das zeige auch die Situation Afrikas, so Benedikt, der in seiner Botschaft auch auf seine Reise nach Afrika und die Afrika-Synode einging.
   Benedikt wörtlich: „Jede Gesellschaft braucht für den Frieden Versöhnung. Versöhnung ist not- wendig für eine gute Politik, kann aber nicht nur durch Politik verwirklicht werden. Versöhnung ist ein Konzept und eine Wirklichkeit, die vor der Politik kommt: Wenn sich im Herzen nicht die Kraft der Versöhnung bildet, fehlt die Voraussetzung für einen politischen Einsatz für den Frieden.“
   Als positives Beispiel geglückter Versöhnung nannte das katholische Kirchenoberhaupt die Entwicklung Europas nach dem zweiten Weltkrieg: Politische und ethisch orientierte gesellschaftliche Strukturen hätten dort den Frieden nach Kriegsende gesichert. Für „innere und äußere Erneuerung“ sei jedoch auch Buße notwendig, so der Papst. Denn um aufeinander zugehen zu können, müsse man zunächst eigene Fehl- handlungen erkennen.
   Benedikt: „In unserer heutigen Welt müssen wir das Sakrament der Buße und die Versöhnung wieder- entdecken. Die Tatsache, dass die Buße zu großem Teil aus den grundlegenden Gewohnheiten der Christen verschwunden ist, ist Symptom des Verlustes von Wahrhaftigkeit gegenüber uns selbst und gegenüber Gott. Dieser Verlust bringt unsere Menschlichkeit und unsere Fähigkeit, Frieden zu schließen, in Gefahr. Die Einheit von Schuld, Buße und Versöhnung ist eine der grundlegenden Bedingungen wahrer Menschlichkeit, Bedingungen, die im Sakrament der Buße ihre vollständige Form erhalten, aber bereits von ihren Wurzeln her zum Menschsein dazugehören.“
   Versöhnung sei nicht nur ein wichtiges Element für den interreligiösen Dialog, so der Papst mit Blick auf die Vergangenheit, Afrika und den Nahen Osten. Auch für den Dialog mit Atheismus und Agnostik sei diese Haltung von Bedeutung, so der Papst in Bezug auf seine Reise in das weitgehend atheistische Tschechien.
RV091221

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Zweites Papstbuch über Jesus von Nazaret im Handel

   Der zweite Teil des Buches „Jesus von Nazaret" von Papst Benedikt XVI. handelt von der Passion Jesu; „Panorama“ berichtet, Benedikt wolle dem Werk noch ein drittes Jesus-Buch folgen lassen, an dem er bereits arbeite; darin gehe es um die Kindheitsgeschichte Jesu. RV180610panorama

B-K20ax B-435x B-439-Ferula-x

Benedikt XVI. trägt einen neuen Kreuzstab

   Ab Beginn des neuen Kirchenjahres trägt Papst Benedikt XVI. einen neuen Kreuzstab. Mit der Vesper zum ersten Adventssonntag hatte der Ferula genannte Stab seine Premiere, berichtet die Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ unter Berufung auf den päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini. Es ist dies bereits der dritte Kreuzstab, den Benedikt XVI. seit seiner Wahl zum Nachfolger Petri gebraucht. Zunächst hatte er den silbernen Kruzifix-Stab von Papst Paul VI. aus den 60-er Jahren übernommen, den auch seine beiden Vorgänger genutzt hatten Foto links. Er war beim Abschlussgottesdienst zum Zweiten Vatikanischen Konzil erstmals gebraucht und vom italienischen Bildhauer Lello Scorzelli entworfen worden. Seit Palm- sonntag 2008 hatte Benedikt auf ein Kreuz von Pius IX.Foto Mitte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück- gegriffen. Der neu geschaffene Stab Foto rechts ist ein Geschenk des römischen Wohltätigkeitsverbandes „Circolo San Pietro“ und „kann definitiv als die Ferula von Benedikt XVI. bezeichnet werden“, sagte Marini. Auf dem Ring direkt unterhalb des Kreuzes ließen die Stifter den Name Papst Benedikts eingravieren, während die kleine Kugel, die den oberen Abschluss des Stabes bildet, sein Wappen trägt. Der neue Stab ist mit zweieinhalb Kilogramm noch leichter als der letzte. Er trägt im Gegensatz zu diesem keine Schmucksteine. Auf der Vorderseite ist im Zentrum das Osterlamm zu sehen, außerdem Netz-Motive, die auf den Fischer Petrus verweisen. Die Symbole der vier Evangeisten zieren die Enden der Kreuzbalken. Die Rückseite trägt das Christusmonogramm sowie Darstellungen westlicher und östlicher Kirchenväter. Or091128rv

mis-B-NguyenTanDung-xx  Vietnam         

   Papst Benedikt hat Joseph Vo Duc Minh zum neuen Bischof der südvietnamesischen Diözese Nha Trang ernannt. Der 65-jährige wird Nachfolger des bereits 78-jährigen Paul Nguyen Van Hoa, dessen Rücktritt der Papst gleichzeitig annahm. Der neue Diözesenbischof war bereits seit vier Jahren Koadjutor der Diözese und unterstützte den Ordinarius in seiner Amtsführung. Von den rund 1,6 Millionen Bewohnern im Bereich der Diözese sind etwa zehn Prozent Katholiken. Rv091204
   Der Präsident der Volksrepublik Vietnam hat im Rahmen seiner Europareise am 11. Dezember den Vatikan besuche. Kirchenvertreter in Vietnam hatten wiederholt von einer unmittelbar bevorstehenden Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Präsident Nguyen Mihn Triet gesprochen. Im Januar 2007 hatte der Papst Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung
Foto oben empfangen. Die Audienz gab den Anstoß für eine Ver- besserung der Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Volksrepublik. Hanoi hatte den offiziellen Kontakt nach dem Vietnamkrieg und dem Sieg des kommunistischen Nordens über den Süden 1975 abgebrochen.
Rv091204 Lesen Sie weiter >
Weltkirche
   Vietnams Präsident Nguyen Minh Triet ist am 11. Dezember von Papst Benedikt in Audienz empfangen worden. Der Vatikan teilt mit, das vierzigminütige Gespräch sei „in herzlicher Atmosphäre“ verlaufen. Der Präsident hatte angekündigt, es werde an der Einrichtung voller diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern gearbeitet; doch wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, wurde nicht klar. Die Presse in Vietnam hatte auch angekündigt, der Präsident werde mit dem Papst über einen möglichen Besuch Benedikts in Vietnam reden. Das Vatikan-Statement spricht nur von der Hoffnung, dass anstehende Fragen bald- möglichst geklärt werden können, und nennt die Visite von Nguyen Minh Triet einen Fortschritt in den beider- seitigen Beziehungen. Sie ist der erste Vatikanbesuch eines vietnamesischen Staatschefs seit 1975. Damals brach das Land nach dem Vietnamkrieg und der kommunistischen Wiedervereinigung die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl komplett ab. Seit Jahren beraten Unterhändler beider Seiten über eine Verbesserung der Staat-Kirche-Beziehungen und über einen Botschafteraustausch. Nach fast 15-jähriger Funkstille finden seit 1989 einmal jährlich Gespräche auf Ebene der Vize-Außenminister statt. Dabei geht es um Bischofsernennungen, um Zulassungsquoten für Priesterseminare sowie um Garantien für Kultstätten. Rv091211kna

Papst: Grandioser Film über heiligen Augustinus

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   Als eine „grandiose Darstellung" hat Papst Benedikt XVI. nach Angaben des Vatikan einen neuen Film über das Leben des heiligen Augustinus gewürdigt. Die Fernseh-Biographie, die der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit italienischen und polnischen Firmen produziert hatte, wurde ihm in Castel Gandolfo vor- geführt. Sie wurde nach Angaben des Senders auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Papst dankte dem Bayerischen Rundfunk für die Produktion.
   Es sei für ihn eine große Freude gewesen zu sehen, wie eine eher beiläufige Bemerkung vor drei Jahren den Weg für ein solches Vorhaben geebnet habe, sagte der Papst. Er bezog sich damit auf das Interview, das er im August 2006 ARD, ZDF und der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan gegeben hatte
siehe Foto oben
. Damals antwortete Benedikt XVI. auf die Frage des RadioVatikan-Journalisten Pater Eberhard von Gemmingen, auf welche Weise Heilige wieder mehr zum Vorbild werden könnten:
   „Vielleicht kann man auch Filme über solche Gestalten machen - ich könnte mir schöne Filme vorstellen. Ich kenne natürlich nur die Kirchenväter."
DT090919KNA

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  Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann ist mit Papst Benedikt XVI. zusammengetroffen

   Anlass des privaten Besuchs am päpstlichen Sommersitz Castelgandolfo bei Rom war die Überreichung des 9. Bandes der Schriften des Archäologen und Neutestamentlers Erik Peterson (1890-1960). Begleitet wurde Lehmann von der Mainzer Theologin Barbara Nichtweiß als Herausgeberin der Reihe, wie aus dem Bistum Mainz verlautete. Über weitere Themen des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.
  Peterson, der 1930 in einem aufsehenden Schritt vom evangelischen zum katholischen Glauben konver- tierte und anschließend lange in Rom lehrte, übte als Wissenschaftler einen nachhaltigen Einfluss auf Joseph Ratzinger aus. Noch als Papst befasste sich Ratzinger mit der Paulus-Interpretation Petersons: Ein offizielles Bild aus einem Sommeraufenthalt Benedikt XVI. in Castelgandolfo zeigt ihn beim Lesen des 7. Bands der Werkausgabe zum Ersten Korintherbrief. Rv090911kna
   Das Foto gibt Einblick in die Sommerlektüre des Papstes: Aufgeschlagen vor ihm liegt der gerade neu erschienene 7. Band der "Ausgewählten Schriften" Erik Petersons: "Der erste Brief an die Korinther und Paulus-Studien", herausgegeben von Hans-Ulrich Weidemann.
   Papst Benedikt hat zeit seines theologischen Wirkens in vielen seiner Schriften und Büchern immer wieder Bezug genommen auf verschiedene Werke Erik Petersons, insbesondere auf die zuerst 1951 gesammelt erschienenen "Theologischen Traktate". Das 1994 in Angriff genommene Projekt der "Ausgewählten Schriften" bzw. der Nachlassedition begleitete Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation von Anfang an mit Aufmerksamkeit und Anerkennung. 
IntMz090911

po-JapTaroAsoMP-xx

   Japans erster katholischer Premierminister Taro Aso Foto ist im Juli zu einem historischen Besuch in den Vatikan kommen. Das berichtet der Online-Nachrichtendienst „Petrus“. Taro Aso plane, vom G8- Gipfel auf Sardinien einen Abstecher nach Rom zu machen, um Papst Benedikt zu treffen, so „Petrus“. Der vatikanische „Außenminister“ Dominique Mamberti hatte mit seinem Japan-Besuch Mitte März wichtige Vorarbeit dazu geleistet. Der letzte japanische Ministerpräsident, der zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan kam, war vor zehn Jahren Keizo Obuchi. Rv090417petrus-online
 Gut eine Million katholische Christen leben in Japan, etwa 500.000 haben einen Migrationshintergrund.

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Papstbrief zu Lefèbvre an die Bischöfe der Weltkirche

   Papst Benedikt XVI. hat einen Brief an alle Bischöfe geschrieben, in dem er zur Aufregung um die Lefebvre-Anhänger und zur Causa Williamson Stellung nimmt.
   Zwei italienische Zeitungen hatten bereits am Vortag von einem Papstbrief an die Bischöfe in aller Welt gesprochen. Sie werteten die Initiative Benedikts XVI. als „überraschend“, „demütig“, aber zugleich „mutig“. Dem Papst gehe es um eine Geste für den „inneren Frieden in der Kirche“. Am Nachmittag veröffentlichte dann das Internetportal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“,
faz.net, den (mutmaßlichen) deutschen Wortlaut des Briefes, und andere Internetseiten zogen nach. Auch die Katholische Nachrichtenagentur verbreitete das (mutmaßliche) Papst-Schreiben. Rv090311

Hier lesen Sie den Brief des Papstes an die Bischöfe der Weltkirche:

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!
   Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.
   Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation über- lagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich- jüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte  geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen un d weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Dass diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, dass aufmerksames Verfolgen der im Inter- net zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.
   Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, dass Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkom- munikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muss deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.
Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, dass die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkon- ziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongre- gationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muss der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.
  Ich hoffe, liebe Mitbrüder, da
ss damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, dass ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal un- missverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“
Lk 22,32. Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ 1 Petr 3,15. In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott,  der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende Joh 13,1 - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, dass Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.
   Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, da
ss es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muss. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika
Deus caritas est gesprochen habe.
   Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen vgl. Mt 5,23f? Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen lässt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so dass nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, dass sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?
   Gewiss, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muss ich der Wahrheit wegen anfügen, dass ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, dass auch aus kirchlichen Kreisen Misstönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.
   Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, dass ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus
Gal 5,13-15 auslegen und kommentieren musste. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, dass wir auch nicht besser sind als die Galater? Dass uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Dass wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und dass wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluss all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Ver- trauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubi- gen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.
Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich
im Herrn Euer
Benedictus XVI, pp
Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

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Positive Reaktionen auf den Papstbrief

   Die Deutsche Bischofskonferenz spricht dem Papst ihre Dankbarkeit für seinen Brief aus; in einer Stellungnahme vom Mittwochabend erklärten die Bischöfe, der Papstbrief sei „ein Dokument des brüderlichen Umgangs mit uns Mitbischöfen“.
   „Wer den Papst und seine Intentionen kennt, ist nicht überrascht über den Inhalt dieses wichtigen Schreibens“, meint der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Neu sei die „innervatikanische Umstrukturierung der Kompetenzen“. Doch angesichts der Klage des Papstes über die Katholiken, die auf ihn „eingeschlagen“ hätten, rät Meisner zu einer „ehrlichen Gewissenserforschung“. Wer zu dem Schluss komme, dass der Papst ihn meinen könnte, der sollte Benedikt um Verzeihung bitten. „Gerade in unserem Land besteht offensichtlich besonderer Grund zu solcher Gewissenserforschung“, urteilt Meisner. Es stimmt „bitter“, dass die ausge- streckte Hand des Papstes in Richtung Lefebvre-Anhänger „in der öffentlichen Meinung derart abgewertet und umgedeutet wurde“.
  Hamburgs Erzbischof Werner Thissen zeigte sich beeindruckt, „wie persönlich Papst Benedikt die eigene Betroffenheit beschreibt und mit welcher inneren Freiheit und Größe er Fehler innerhalb der Kurie zugibt“. Zugleich kündige er Reformen an. Thissen wörtlich: „Er bekräftigt den Schritt der Versöhnung, der ihm ein Herzensanliegen ist.“ ... Es sei hilfreich, dass klargestellt werde, „dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe eine Geste der Versöhnung sein soll, aber keine Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft bedeutet. Ich hoffe, dass mit dem klaren Schreiben des Heiligen Vaters auch die ihn persönlich tief getroffenen Angriffe ein Ende haben.“
   Ein „ermutigendes und nach vorne weisendes Zeichen“ sieht der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst im Papstbrief. Er sei dankbar für das Verständnis für die tief greifenden Irritationen bei Gläubigen und Seelsorgern, das der Papst zum Ausdruck bringe. Bekenntnis zu „Großmut und Barmherzigkeit“ und seine Bereitschaft zu „kleineren und mittleren Versöhnungen“ seien ein grundsätzliches Kriterium für die Glaubwürdigkeit der ganzen Kirche in allen ihren Gruppierungen. Diese unmissverständliche Intention des Papstes verdiene allen Respekt, betont Bischof Fürst.
   Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Dirk Tänzler, erklärte zu dem Brief: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend.“
   Auch die katholischen Laien loben den Brief des Papstes an die Bischöfe. Der Präsident des Zentral- komitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, nannte ihn in Bonn „ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument“. Es belege „eindrucksvoll“ Benedikts „Festhalten am Zweiten Vatika- nischen Konzil und sein Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Juden und Christen, zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog“. Meyer wörtlich: „Wir sind dankbar für die Klarstellung des Papstes zur gegenwärtigen Debatte. Es bleibt dabei, dass die Piusbruderschaft sich rückhaltlos zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen muss.“ Er lese „mit Respekt und Sympathie, dass der Papst der Einheit der Kirche mit Großmut und Barmherzigkeit dienen will“. Der Vorsitzende von Europas größtem katholischem Laienverband hofft, dass das Wort des Papstes von den „kleinen und mittleren Versöhnungen“ in der ganzen Kirche gelte und von allen gehört werde.
   Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, würdigte den Schritt des Papstes. Es bleibe aber ein Dissens mit Blick auf die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bischöfe. Die Gruppe agiere in ihrer Gesamtheit antidemokratisch und extremistisch. Auch in den vergangenen Tagen habe der deutsche Distriktobere der Pius-Bruderschaft, Franz Schmidberger, weiter sein Unwesen getrieben. „Sie hetzen nach wie vor weiter“, so Kramer.
   Der Jüdische Weltkongress begrüßt den offenen Brief von Papst Benedikt XVI. Das Kirchenoberhaupt habe zur Causa Williamson „unmissverständliche Worte“ gefunden und Fehler eingeräumt, lobte der Präsident des Verbands, Ronald S. Lauder, in New York. Der Brief des Papstes stehe für Offenheit und den Willen, schwierige Themen direkt anzugehen. Damit entspreche er den grundlegenden Erfordernissen für den interreligiösen Dialog. Seine Institution wolle weiter mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten, „um das gegenseitige Verständnis und den Respekt voreinander zu stärken“.
   Die „Generation Benedikt“ dankt dem Papst für seinen Brief. „Adressaten des Schreibens sind“ nach Ansicht der Gruppe „nicht zufällig die Bischöfe“. Diese hätten nämlich „durch nicht ausreichend klare und deutliche Worte zur irrationalen Hysterie der Debatte besonders in Deutschland beigetragen“. Was das „katholische Establishment und mit ihm manche Bischöfe“ während der Debatte geboten hätten, fasst „Generation Benedikt“ so zusammen: „Vage Analysen, düstere Prognosen, egozentrierte Auskünfte über die persönliche emotionale Befindlichkeit und teilweise offenes Selbstlob sowie vor allem mangelnde Solidarität mit dem deutschen Papst“.
Zollitsch begrüßt „großartigen“ Papstbrief
   Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat den Papstbrief zur Debatte um die Pius-Bruderschaft begrüßt. Mit dem Schreiben habe Benedikt nicht nur seine persönliche Betroffenheit in der Sache zum Ausdruck gebracht, sondern auch den Bischöfen ein Zeichen der Kollegialität gegeben. Das sagte Zollitsch vor Journalisten in Rom.
  Zollitsch sprach von einem „ausgezeichneten und großartigen“ Brief, für den er Papst Benedikt sehr dankbar sei. Der Brief mach deutlich, wie sehr dem Papst die Einheit der Kirche am Herzen liege. Bewegt habe ihn vor allem der persönliche Duktus des Schreibens und die große Offenheit, mit der sich Benedikt an die Bischöfe wendet:
   „Ich habe ein Schreiben eines Papstes in dieser persönlichen Art und dieser Offenheit noch nicht erlebt. Ich begrüße das sehr. Es ist auch ein Zeichen der Kommunikation, ein Zeichen, dass der Papst selber interessiert ist, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen und den Bischöfen und dem ganzen Bischofskollegium zu erklären, was seine Motive sind und wie er die Situation empfindet. Ich finde es schön, dass der Papst das auch so persönlich ausspricht und formuliert.“
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Der Papst bemüht sich erfolgreich um Schadensbegrenzung
Foto: Im Vatikan trafen sich der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Papst Benedikt 
Der Rabbiner dankte dem Papst für die deutlichen Worte gegen die Leugnung der Schoa.

   Papst Benedikt XVI. scheint den richtigen Ton getroffen zu haben. Sein am Mittwoch veröffentlichtes Schreiben an die katholischen Bischöfe zu den turbulenten Ereignissen der vergangenen Wochen trifft weltweit auf Erleichterung und Wohlwollen.
   Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses in New York, Ronald S. Lauder, lobte besonders das Eingeständnis des Papstes eigener Fehler bei der Aufhebung der Exkommunikation von vier Traditionalisten- Bischöfen der Pius-Bruderschaft. Der Pontifex habe außerdem eindeutige Worte zur Leugnung des Holocaust durch Bischof Richard Williamson gefunden. Weiter sagte Lauder: „Das Schreiben erfüllt die zentralen Erfordernisse für das interreligiöse Gespräch: Aufrichtigkeit und den Willen, schwierige Punkte direkt an- zugehen." Der Jüdische Weltkongress werde seine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche fortsetzen, um wechselseitiges Verständnis und Respekt zu fördern.
   Auch aus Israel kommen versöhnliche Töne in Richtung Vatikan. Der Großrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen, hat Benedikt XVI. bei einem Treffen in Rom für seine klaren Worte gegen die Leugnung der Schoa gedankt. Die päpstliche Stellungnahme habe die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Juden und Katholiken ermöglicht, erklärte Cohen im Namen des israelischen Großrabbinats. Die Vereinigung hatte das Treffen mit dem Papst im Januar abgesagt, aus Protest gegen die Wiederaufnahme des antisemitischen Bischofs Williamson in die katholische Kirche.    
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Positive Reaktionen zur Papstrede an eine jüdische Kommission

   Die klare Stellungnahme des Papstes zu Judentum und Holocaust war „keine Wende, sondern eine Bekräftigung“. Das sagt der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Die Worte Benedikts seien „klar, präzise und deutlich gewesen“, auch wenn sie inhaltlich nicht über schon längst Bekanntes hinausgegangen seien. Was der Papst gesagt habe, „ist schon lange Teil des Lebens und Erbes der Kirche“, so der Nuntius. Franco hofft, dass auf jüdischer Seite bald die Figur von Papst Pius XII. differenzierter gesehen wird; er hoffe auf „größere Gelassenheit“ und den Einsturz von „vielen Barrieren, die die Geschichte leider aufgestellt hat“. Wörtlich sagt der Nuntius voraus: „Die Wahrheit wird sich ihren Weg bahnen.“ Rv090213agi
   Die „Jerusalem Post” ist zufrieden mit den Worten von Papst Benedikt zum Judentum und zum Holocaust. In einem Artikel mit der Überschrift „Die Entschuldigung des Papstes“ wird begrüßt, dass der Papst vor einer jüdischen Delegation aus den USA die Nähe zwischen Christen- und Judentum bekräftigt hat. Allerdings mahnt die Zeitung, Benedikt müsse dafür sorgen, dass sich Probleme wie unlängst nicht mehr wiederholten. In dem Artikel wendet sich die Zeitung ausdrücklich gegen eine mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII., den sie „Hitlers Papst“ nennt. – Die „Jerusalem Post“ hatte in einer ersten Reaktion auf den Williamson- Skandal einen unbefristeten Abzug des israelischen Botschafters vom Vatikan gefordert. Rv090213reuters
  
Auch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem hat die deutliche Verurteilung von Anti- semitismus durch Papst Benedikt begrüßt. Die „unzweideutige Verurteilung“ jeder Leugnung des Holocaust und jeden Versuchs, „das Ausmaß der Schoah zu minimalisieren“, sei wichtig. Das meinte der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Schalev, in Jerusalem. Er hoffe, dass der Papst diese eindeutige Botschaft bei seinem bevorstehenden Besuch in Yad Vashem bekräftigen werde. Rv090213kna
  
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel freut sich über die Worte des Papstes zum Holocaust. In einem Interview mit der Tageszeitung „la Repubblica“ meint der Auschwitz-Überlebende allerdings, dass die Worte Benedikts nicht ausreichten: „Man sollte von den edlen Worten zur Tat übergehen und diesen Bischof“ – gemeint ist der Traditionalist Richard Williamson – „aus der Kirche verjagen.“ Er habe nie bezweifelt, dass Benedikt jede Leugnung des Holocaust entschieden ablehnt. Der Papst müsse aber dafür sorgen, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen könne, „dass Williamson im Namen der Kirche spräche“. Der Lefebvre- Bischof müsse „aus der Kirche ausgeschlossen bleiben“, bis er bereue und ein „Mea Culpa“ sage, „das über jeden Zweifel erhaben ist“.  Wiesel wörtlich: Williamson „schadet nicht so sehr uns Juden als der Kirche selbst. Solange er Bischof bleibt, wird er die Beziehungen der Kirche zu den Juden belasten.“ - Eine Papstreise nach Israel begrüßt er: „Das ist gut, wenn er fährt. Israel erhofft sich viel vom Dialog mit der Kirche.“ Wiesel erhielt 1986 den Friedensnobelpreis.
Rv090213repubblica

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Foto: Vertreter des Großrabbinats von Israel zum Besuch im Vatikan
In der Mitte: der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Pater Frederico Lombardi SJ

   Eine Delegation des Jerusalemer Groß-Rabbinats besuchte am 11. März den Vatikan. Tags darauf ist sie von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen werden Foto oben. Der Besuch der Delegation aus Jerusalem war ursprünglich für Anfang März geplant, wurde dann aber wegen der Diskussion um den traditionalistischen Holo- caust-Leugner Richard Williamson verschoben. Allerdings seien die Kontakte zwischen dem Vatikan und dem Jerusalemer Rabbinat nie abgebrochen gewesen, betonen die Verantwortlichen in der Kurie. Eine israelische Zeitung hatte eine anderslautende Behauptung aufgrund der unvollständigen Lektüre eines Rabbinats-Schreibens an den Vatikan aufgestellt. Rv090228kna

B-356xxASchneierMHoelein

Papst empfängt jüdische Vertreter.
Foto:  Vertreter der jüdischen Delegation, Arthur Schneier links und Malcolm Hoelein
rechts: neben Papst Benedikt, der sich ausdrücklich von jeglicher Holocaust-Leugnung distanzierte. 

   Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Mini- mierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land: „Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.
Rabbiner: Historischer Tag
   „Schalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
   Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra Aetate“
Text siehe: Juden bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Gene- rationen vermittelt werden.
Zeichen für Israelreise
   „Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
  Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
   Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“
Appell gegen Antisemitismus
   Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
   Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“
Worte des Papstes

   Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.
   „Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
   „Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“
Papst bereitet Israelreise vor

   Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen. „Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“
   Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet.
   „Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele ver- schiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Versöhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“
Benedikt XVI. und das Konzil
   Der Papst nannte die Konzils-Erklärung
Nostra Aetate einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Ver- söhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“
  „Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“
   Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust: „Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Schoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen ... Es ist über jeden Zweifel er- haben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Schoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“
   Zu Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
   Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter.   
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Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
   Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US- Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:
   „Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“
   Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien. „Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret
Nostra Aetate und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“ Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt.
   „Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er
Nostra Aetate akzep- tiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“
   Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier. „Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“ 
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Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch - eine Einschätzung von Stefan Kempis.
   Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Verge- bungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes
Text siehe: Dialog der Religionen. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater.  rv090213

B-357Vat-jüdGemUSAxx

   Papst Benedikt XVI. hat erneut jede Leugnung oder Verharmlosung der Schoah als inakzeptabel bezeichnet und die Verpflichtung der Christen zur Freundschaft mit dem jüdischen Volk betont. Bei einer Ansprache vor Repräsentanten jüdischer Gemeinden aus den USA wiederholte er wörtlich die Vergebungsbitte seines Vorgängers Johannes Paul II. aus dem Jahr 2000.

   Liebe Freunde, Ich freue mich, Sie heute hier willkommen zu heißen. Und ich danke Rabbi Arthur Schneier und Herrn Alan Solow für die Grüße, die Sie in Ihrer aller Namen an mich gerichtet haben. Gerne erinnere ich mich an die verschiedenen Gelegenheiten, als ich einige von Ihnen während meines USA-Besuchs im vorigen Jahr in Washington D.C. und New York treffen konnte. Rabbi Schneier, Sie haben mich freundlicherweise in der Park-East-Synagoge noch Stunden vor Ihrer Pessach-Feier empfangen. Nun freue ich mich, Ihnen Gastfreundschaft in meinem eigenen Haus erweisen zu können. Solche Treffen ermöglichen es uns, einander den gegenseitigen Respekt zu zeigen. Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie alle hier im Hause des Petrus, der Heimat des Papstes, herzlich willkommen sind. Dankbar schaue ich zurück auf die diversen Gelegenheiten während so vieler Jahre, bei denen ich Zeit mit meinen jüdischen Freunden verbringen konnte.
   Meine Besuche bei Ihren Gemeinden in Washington und New York waren trotz ihrer Kürze Erfahrungen brüderlicher Wertschätzung und aufrichtiger Freundschaft. Das gleiche gilt für meinen Besuch in der Synagoge von Köln, dem ersten Besuch dieser Art in meinem Pontifikat. Es war für mich sehr bewegend, diese Momente mit der jüdischen Gemeinschaft zu erleben in jener Stadt die ich so gut kenne, die der Ort der ersten jüdischen Ansiedlung in Deutschland war, deren Wurzeln zurückreichen bis in die Zeit des Römischen Reiches. Ein Jahr später, im Mai 2006, besuchte ich das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Welche Worte können diese tief bewegende Erfahrung angemessen beschreiben? Als ich durch den Eingang zu diesem Platz des Schreckens schritt, diesen Ort so unsäglichen Leids, dachte ich an die zahllosen Häftlinge, die meisten von ihnen Juden, die diesen Weg in die Gefangenschaft von Auschwitz und in all die anderen Lager gingen. Diese Kinder Abrahams, gequält und entwürdigt, hatten weniges andere außer dem Glauben an den Gott ihrer Väter, das ihnen Kraft gab - einen Glauben, den wir Christen mit ihnen, unseren Brüdern und Schwestern, teilen. Wie können wir die Ungeheuerlichkeit dessen begreifen, was in diesen schrecklichen Lagern geschah? Die ganze Menschheit fühlt tiefe Scham angesichts der grausamen Brutalität, die Ihrem Volk in dieser Zeit angetan wurde. Erlauben Sie mir, daran zu erinnern, was ich bei diesem traurigen Gelegenheit sagte: „Die Machthaber des Dritten Reiches wollten das jüdische Volk als ganzes zertreten, es von der Landkarte der Menschheit tilgen. Auf furchtbare Weise haben sich da die Psalmworte bestätigt: ,Wie Schafe werden wir behandelt, die zum Schlachten bestimmt sind.'"
   Unser heutiges Treffen erfolgt im Rahmen Ihres Besuchs in Italien anlässlich Ihrer jährlichen „Leadership Mission" nach Israel. Ich bereite mich gleichfalls darauf vor, Israel zu besuchen, das Land, das für Christen genauso heilig ist wie für Juden, da sich dort die Wurzeln unseres Glaubens finden. In der Tat findet die Kirche ihre Nahrung von der Wurzel dieses guten Ölbaums, dem Volk Israel, in den der wilde Ölzweig der Heiden eingepfropft wurde
vgl. Rom 11,17-24. Seit den frühesten Tagen der Christenheit sind unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und Gottesdienstes eng verknüpft mit der alten Religion unserer Väter im Glauben. Die 2.000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen dem Judentum und der Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, und es ist schmerzlich, an einige von ihnen zu erinnern. Mittlerweile können wir uns in einem Geist der Versöhnung begegnen. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass ver- gangene Schwierigkeiten uns davon abhalten, einander die Hand der Freundschaft zu reichen. Gewiss, irgendwelche Spannungen gibt es einmal in jeder Familie. Aber die Erklärung Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung dar, und sie stellt die Prinzipien klar heraus, die seit jeher das kirchliche Vorgehen bei den christlich-jüdischen Beziehungen bestimmten.
   Die Kirche ist tief und unwiderruflich verpflichtet, jeglichen Antisemitismus zurückzuweisen und immer weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften zu arbeiten. Wenn es denn überhaupt ein bestimmtes Bild gibt, das diese Verpflichtung verdeutlicht, dann ist es jener Moment, in dem mein geliebter Vorgänger Papst Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem stand und um Gottes Vergebung bat nach all dem Unrecht, das das jüdische Volk zu erleiden hatte. Ich mache mir sein Gebet zu eigen: „Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen auserwählt, deinen Namen zu den Völkern zu tragen: Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Kinder leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes."
   Der Hass und die Verachtung für Männer, Frauen und Kinder, die sich in der Schoah zeigten, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte jedem klar sein - besonders jenen, die in der Tradition der Heiligen Schriften stehen, nach denen jeder Mensch geschaffen ist nach dem Bild und Abbild Gottes Gen 1,26-27. Es steht völlig außer Frage, dass jede Leugnung oder Verharmlosung dieses schrecklichen Verbrechens nicht zu tolerieren und ganz und gar inakzeptabel ist. Kürzlich habe ich in einer öffentlichen Audienz bekräftigt, dass die Schoah für alle „eine Mahnung bleiben muss gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder Verharmlosung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen  Menschen ausgeübt wird, wird gegen alle verübt"
28. Januar 2009. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten. Erinnerung - heißt es zu Recht - ist „memoria futuri”, ist Erinnerung für die Zukunft, eine Mahnung an uns für die Zukunft, eine Verpflichtung zum Einsatz für Versöhnung. Sich zu erinnern, das heißt alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Wiederholung einer solchen Katastrophe innerhalb der Menschheitsfamilie durch den Bau von Brücken dauerhafter und tragfähiger Freundschaft zu verhindern.  Ich bete inniglich, dass die Erinnerung an dieses schreckliche Verbrechen unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die für zu lange Zeit die Beziehungen zwischen Christen und Juden befleckt haben. Und es ist mein herzlicher Wunsch, dass die Freundschaft, die uns jetzt verbindet, immer stärker wird, so dass die unwiderrufliche Verpflichtung der Kirche zu respektvollen und harmonischen Beziehungen mit dem Volk des Bundes überreiche Früchte trägt.
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B-358Vat-jüdGemUSAxx

Hamburger Abendblatt: Der Papst spricht Klartext:  Benedikt verurteilt Antisemitismus
Jüdische Delegation spricht von einem „historischen Tag".  Benedikt XVI. besucht das Heilige Land.

   Die Formulierungen, die Benedikt XVI. wählte, waren mehr als eine Klarstellung. In bisher nicht gekannter Deutlichkeit distanzierte sich der Papst nach dem Wirbel um Bischof Richard Williamson von der Pius- Bruderschaft wegen der Leugnung des Holocausts. Jede Leugnung oder Verharmlosung der an den Juden begangenen Verbrechen sei „untolerierbar und nicht hinnehmbar", sagte Benedikt beim Empfang einer jüdischen Delegation aus den USA.
   Die jüdischen Spitzenvertreter werteten das Treffen als „historischen Tag". Sie sahen jegliche Zweifel an der Freundschaft von Benedikt XVI. zum Judentum ausgeräumt. Der Papst habe „seine persönliche Abscheu gegenüber jeder Leugnung des Holocaust klargemacht", erklärte der Präsident des Dachverbands, Alan Solow.
   Der Papst warnte ausdrücklich von einem Herunterspielen der Judenvernichtung: „Dieses fürchter- liche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Zwar hatte der Papst bereits am 28. Januar - vier Tage, nachdem es die Exkommunizierung Williamsons aufgehoben hatte - seine „vollständige und nicht diskutierbare Solidarität" mit den Juden erklärt. Als Benedikt einige Tage später Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufrief, weigerte sich dieser - und tut dies bis heute. Williamson hatte in einem Interview gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“. So nutzte Benedikt den Besuch der amerikanischen Juden auch für eine zweite Geste: Er kündigte offiziell seine erste Israel-Reise als Oberhaupt der Katholiken an. Sie hat inzwischen im Mai stattgefunden.
 Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte Israel im Mai 2000 besucht und an der Klagemauer die Juden für das ihnen zugefügte Leid um Vergebung gebeten. Der Papst sagte, er wolle die Gebete von Johannes Paul II. nun zu seinen machen.
   Benedikts Ankündigung löste in Israel umgehend positive Reaktionen aus. Vertreter der Holocaust- Gedenkstätte Jad Vaschem sprachen die Hoffnung aus, dass der Papst bei einem Besuch der Gedenkstätte seine klare Haltung zum Holocaust bekräftigen werde.
HA090213KarstenKammholz

   Der Holocaust-Leugner Richard Williamson habe dem jüdisch-christlichen Dialog letztlich „einen Gefallen getan“. Das sagte der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), Rabbiner David Rosen, gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur in Rom. Die Debatte um den Traditionalisten-Bischof habe den positiven Einsatz der Kirche für das Judentum ins Licht gerückt. Außerdem stünde jetzt die Pius-Bruderschaft unter besondere Beobachtung, so Rosen. Der Rabbiner war als Mitglied einer Delegation des israelischen Großrabbinats zu Gast im Vatikan. Die jüdischen Vertreter wurden auch von Papst Benedikt XVI. empfangen. Beeindruckt zeigte sich Rosen vom jüngsten Brief Benedikts zur Sache Williamson und die darin geäußerte Wertschätzung des Papstes für seine jüdischen Freunde. Wörtlich sagte Rosen er sei „berührt von diesem Kompliment für die jüdische Seite“. Rv090314kna

B-354xx

Papst betont römischen Primat – Bitte um Gebet für Petrusdienst

   Benedikt XVI. bekräftigt den Primat des römischen Bischofs innerhalb der Christenheit. Beim Angelusgebet auf dem Petersplatz erinnerte er an das Fest der Kathedra Petri.
   „Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottesvolkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.“
   Der „einzigartige und spezifische Dienst des Bischofs von Rom“ sei zuletzt auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil angesprochen worden, so Papst Benedikt weiter. Er zitierte aus der dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ über die Kirche:
  „In der kirchlichen Gemeinschaft gibt es legitimerweise die Ortskirchen, die eigene Traditionen haben. Davon unberührt bleibt aber der Primat der Kathedra des Petrus, die der weltweiten Gemeinschaft in Liebe vorsteht, die legitime Vielfalt schützt und darauf achtet, dass Eigenheiten der Einheit nicht nur nicht schaden, sondern ihr sogar dienen.“
  Er bitte um Gebet, damit er seine Aufgabe als Nachfolger des Apostels Petrus treu ausüben könne, so Papst Benedikt. Über das Fest der Kathedra Petri sagte er auch ein paar Sätze auf deutsch, die durchaus auf den Williamson-Skandal und andere Aufregungen der letzten Wochen anzuspielen schienen:
   „Christus hat Petrus als den Felsen erwählt, auf dem er seine Kirche aufbauen wollte. Als Apostel sollte er in der ganzen Welt – universal – als Hirte und Lehrer dienen, und dieses Apostelamt wirkt in seinen Nachfolgern durch alle Zeiten fort. Bitten wir den heiligen Petrus um seinen Fürsprache, dass Verwirrung und Stürme die Kirche nicht erschüttern und wir am unverfälschten Glauben festhalten, in der Einheit bleiben und in Liebe miteinander leben. Der Herr leite und stärke euch mit seinem Segen.“
Rv090221

       B-343xx 

Papst warnt vor Illusionen „Interreligiöser Dialog im engeren Sinn nicht möglich”

 Papst Benedikt XVI. hat vor Illusionen im interreligiösen Dialog gewarnt und einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” abgelehnt. In einem Vorwort für ein Buch des ehemaligen italienischen Senatspräsidenten Marcello Pera, das jetzt veröffentlicht wurde, bekräftigt Benedikt Peras Darstellung der „Multikulturalität”: Sie sei „innerlich widersprüchlich” und daher „politisch und kulturell unmöglich”. Europa müsse daher von seinem „christlich-liberalen Fundament seine Identität” finden, nicht eine imaginäre „kosmopolitische”.
   Zustimmend äußert sich der Papst über Peras Analyse des interreligiösen Dialogs; er sei „nicht möglich”. Nur aus anderen Veröffentlichungen Benedikts wird deutlich, dass er damit „ergebnisoffene” Verhandlungen zwischen Anhängern verschiedener Religionen über gleichsam „verhandelbare” Positionen ihres Glaubens- bekenntnisses meint; diese Dogmen könnten nicht von einem Dialog korrigierbar angetastet werden. In dem Vorwort heißt es: „Um so notwendiger ist der interkulturelle Dialog, der die kulturellen Konsequenzen der religiösen Grundentscheidung vertieft.”
   Anfang dieses Monats hatte unter Leitung des „Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog” das erste Seminar des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom getagt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Dabei war es nicht zu einem interreligiösen Dialog im engeren Sinn gekommen, etwa über das Prophetentum Mohammeds oder die Gottessohnschaft Christi. 
FAZ081126hjf
   Dass Papst Benedikt XVI. zuallererst Theologe im strengen Sinn des Wortes ist, unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Johannes Paul II. Der Pole auf dem Stuhl Petri war vor allem ein Mann der Gesten und verbindenden Zeichen, so wie der Deutsche immer zuerst ein Mann des Wortes und der klaren Distinktion gewesen ist. Doch ginge fehl, wer diesen Wesenszug mit einer Abkehr des Vatikans von der Ökumene oder dem Gespräch mit anderen Weltreligionen gleichsetzen wollte. In Gestalt der Kardinäle Kasper (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Gespräch mit dem Judentum) und Tauran (Interreligiöser Dialog) bietet er für den Dialog zwei exzellente, diplomatisch versierte Theologen auf. Und noch nie stand Rom mit so vielen Kirchen, Bewegungen und Religionsgemein- schaften im Gespräch. Vieles wurde von Johannes Paul begonnen; Benedikt hat - nach anfänglichen Unsicherheiten - auf diesem Fundament weitergebaut. Dass er dabei an das Feststehen im je eigenen Glauben als Voraussetzung jedes Dialogs erinnert, kann nur den verwundern, der sich selbst nicht ernst nimmt.

Israel: Jad Vaschem-Tagung über Pius XII. > “Stellvertreter”
   Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ein katholisches Forschungsinstitut untersuchen gemeinsam die Rolle von Pius XII. in der NS-Zeit. Die gemeinsame Historikertagung begann an diesem Sonntag und endet am Montag. Eingeladen sind sowohl Kritiker als auch Verteidiger des Pacelli-Papstes, berichtet der Dekan der Ordens-Hochschule „Studium Theologicum Salesianum“ aus Jerusalem, Roberto Spataro. Er spricht von einem „Schritt vorwärts" in der historischen Rekonstruktion dieses Aspekts der Amtszeit von Pius XII. Es seien noch viele Dokumente aus der fraglichen Zeit zu studieren. „Der Weg ist noch weit", so der Salesianer.
   Das Treffen sei auch im Hinblick auf Papst Benedikts Besuch in Yad Vashem zu sehen, berichtet der Salesianer Francesco De Ruvo gegenüber der Nachrichtenagentur Zenit. In Yad Vashem gibt es eine Bildunterschrift zu Pius XII., auf der dem Papst „Schweigen und Fehlen von Leitlinien" während des Holo- causts zugeschrieben werden - eine Behauptung, die von vielen Historikern, darunter auch jüdischen, als völlig falsch zurückgewiesen wird. „In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bücher und neue Artikel veröffentlicht", erklärt De Ruvo. „Nun liegt neues Material vor, das es erlaubt, neue Aspekte ans Licht zu bringen, die man sich  anschauen und zusammenfassen soll, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt und manches korrigiert werden soll." Die Zeitspanne vor dem Pontifikat Pius XII., die Beziehungen zu den deutschen Bischöfen, die Lage in Italien während des Holocausts und die Zeit nach dem Holocaust gehören zu den Themen. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Potsdamer Zeithistoriker Thomas Brechenmacher, Autor des Buches „Der Vatikan und die Juden“.
   „Für einige ist Pius XII. ein indifferenter Beobachter des Holocausts gewesen, der im Stillen zum Komplizen der gewaltigen Tragödie wurde", so De Ruvo. „Andere Forscher und Historiker haben für einige Zeit eine völlig andere These vertreten, die eine positive Beurteilung des Wirkens von Papst Pius XII. bedeutet: Er bemühte sich demnach, mit allen möglichen Mitteln die Auswirkungen des Holocausts zu verringern, manch- mal mit wirksamen Resultaten." Die zweite Position stützt sich auf historische Dokumente sowie auf schrift- liche und mündliche Zeugenaussagen.
  Die erste Sitzung wurde von Avner Shalev, der Vorstandsvorsitzenden des Yad Vashem-Komplexes, und dem päpstlichen Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, eröffnet. Shalev würdigte vatikanische Signale „für eine stärkere Öffnung der Archive“ zum Pontifikat von Pius XII. Es sei „ermutigend, dass der Papst selbst Anweisungen gegeben hat, die Katalogisierung der entsprechenden Dokumente noch zu beschleunigen“. Erzbischof Franco spielte in seinem Statement auf den Williamson-Skandal an: „Man kann nicht katholisch sein, wenn man die Schoah leugnet.“ Es sei in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten zu „traurigen Momenten“ gekommen, so der Nuntius. Er betonte, dass Yad Vashem und der Heilige Stuhl „keine Gegen- spieler“ seien: Es liege in ihrem gemeinsamen Interesse, „Hand in Hand“ das Wissen über Pius XII. und seine Haltung zur Schoah zu „vertiefen“. Ziel sei „eine gemeinsame Haltung beider Seiten“; die Kirche sei „die beste Verbündete von Yad Vashem, um die Erinnerung wachzuhalten und aus ihr zu lernen“. In Jerusalem war zu hören, dass es auch Ziel der Gespräche sein soll, zu einem Einverständnis über einen neuen Text für die Schrifttafel in Yad Vashem zu finden.
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idesZzenit090308ansaRv  Lesen Sie dazu > Holocaust

 Leiter des Instituts für interdisziplinäre Studien der Religionen und Kulturen: P. Felix Körner, Rom

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Zur Israel-Reise des Papstes: Interview mit Pater Felix Körner SJ  Foto oben
zum Stand des Dialogs mit dem Islam und zum Papstbesuch in Jerusalem

Wie würden Sie den heutigen Stand des christlich-islamischen Dialogs beschreiben?
   Die Paradigmen haben sich mit dem Pontifikatswechsel gewandelt. Den Teppich, den das Pontifikat Johannes Pauls II. ausgebreitet hat, hat das neue Pontifikat nicht weggezogen, sondern hat auf diesen Teppich Theologen geholt, die den vertieften Dialog suchen und auch Kontroversen nicht scheuen. Auf die ausgestreckte Hand folgt nun theologisch präzise Diskussion. Das ist ein gewaltiger Fortschritt.
Auf muslimischer Seite wird als Dialogpartner oft die Gruppe der 138 genannt.
Wie repräsentativ ist diese Gruppe für die islamische Welt?
  Die Gruppe wird vom jordanischen Königshaus gefördert und ist eine Art ökumenische Bewegung des Islam. Wie jede christliche ökumenische Bewegung hat sie auch Gegner, die sich dem bewusst verweigern und als schwächlichen, haltlosen Kompromiss beklagen. Aber diese Gruppe bemüht sich auch, skeptische Muslime für ihr Projekt zu gewinnen. Ihre Idee ist geradezu katholisch: „Sprechen wir mit einer Stimme in die Welt". Die Gruppe der 138 ist nicht hundertprozentig repräsentativ. Das wird sie auch nie sein. Aber sie ist keine Splittergruppe und hat eine wachsende Repräsentanz. Das spürt man auch bei den Sitzungen des katholischen-muslimischen Forums. Da gibt es muslimisch-interne Debatten, die zunächst unlösbar er- scheinen. Aber dann zeigt sich doch ein Weg. Bei der letzten Sitzung kam man zum Beispiel zu der Einsicht: Wir müssen Minderheiten in islamischen Ländern nicht nur die private, sondern auch die öffentliche Religionsausübung erlauben. Das war ein großer Schritt.
Und das kommt auf muslimischer Seite auch so rüber?
   Wir müssen schon aufmerksam bleiben, ob nicht mit doppelter Zunge geredet wird. Es gibt ein Dokument der so genannten 138 an die muslimische Welt, in dem jede Kritik, die wir gegenüber islamisch geprägter Politik beispielsweise beim Thema Religionsfreiheit erhoben, einfach als absurd weggestrichen war. Das darf nicht sein. Wir müssen - im übrigen auch wir Christen - in beide Richtungen aufrichtig bleiben.
   In Amman ging Papst Benedikt XVI. erneut in eine Moschee. Sie haben ihn 2006 in die Blaue Moschee in Istanbul begleitet. Was hat der erneute Besuch als Zeichen bedeuten?
   Muslime wollen uns die Schönheit des Islam in seiner Architektur, seiner Frömmigkeit und Gebetsgestik erleben lassen. In der Blauen Moschee hat Muslime vor allem das tiefgerührte Gesicht Benedikts XVI. angesprochen. Sie haben gemerkt: Hier spürt Benedikt die Ehrfurcht, die Muslime Gott gegenüber liturgisch zeigen. Wenn der Papst weiterhin in theologischer Denkschärfe und ehrlicher Benennung auch der Probleme gleichzeitig die Größe und Tiefe islamischer Gottesverehrung honoriert, ist der Dialog auf einer guten Basis. Ein Papstbesuch, der dem Islam gegenüber Hochachtung zeigt, öffnet Türen des Vertrauens zu jenen Gesprächsräumen, in denen wir dann wieder in Klarheit diskutieren können.
DT090314P.Körner ist Professor an der Gregoriana in Rom

Pilgerreise des Papstes ins Heilige Land

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ausführliche Fotoberichte über die Pilgerfahrt des Papstes ins Heilige Land > Jerusalem
Das Friedensgebet an der Westmauer in Jerusalem > Friedensgebet

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 Papst Benedikt XVI. mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres,
der als Gastgeschenk traditionellen siebenarmigen Leuchter in Silber mitbrachte.  

   Papst Benedikt XVI. und Israels Staatspräsident Schimon Peres haben ihre Hoffnung auf einen erfolg- reichen Abschluss der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Washington bekundet. Ein entsprechendes Abkommen müsse den »legitimen Wünschen der beiden Völker« gerecht werden und bessere Lebensbedingungen für alle Bevölkerungsgruppen garantieren, hieß es in einer vatikanischen Mitteilung nach dem Treffen in Castel Gandolfo. Ziel einer Einigung zwischen Israelis und Palästinensern müsse ein dauerhafter Friede im Heiligen Land und der ganzen Region sein, so die Mitteilung. Zugleich verurteilten der israelische Stasatspräsident und der Papst nachdrücklich jede Form der Gewalt und verwiesen auf die Bedeutung des interreligiösen Dialogs.
   Im Rahmens des Besuches traf Staatspräsident Peres auch mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem Sekretär für die Beziehungen mit den Staaten, Erzbischof Dominique Mamberti, zusammen.
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Foto oben: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung der Spanierin
Inma Shara hat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.

   Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechtserklärung. Auf dem Programm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla. Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble  und seiner Gastdirigentin  für die „eindrucksvolle“  Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. HA081212kna

Zu Ehren des fünfjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI.
   gibt die päpstliche Akademie der Wissenschaften ein Konzert. Die Darbietung findet im Hof der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo statt; Papst Benedikt XVI. wird persönlich zugegen sein. Gespielt wird das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer für Orchester und Chor adaptierten Version. Das Werk gilt als das letzte des von Papst Benedikt geschätzten Musikgenies. „Die Einladung, vor Papst Benedikt XVI. zu spielen, ehrt uns sehr“, kommentierte der künstlerische Direktor Filippo Juvarra das Ereignis.
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Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing wird Berater des Papstes

   Benedikt XVI. hat den 65-Jährigen deutschen Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing zum ordentlichen Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Eine weitere, vergleichbare Ernennung ging an einen Chemie-Nobelpreisträger aus Taipeh. Klitzing leitet ein Max-Planck-Institut in Stuttgart; bekannt wurde er vor allem durch seine Halbleiter-Forschungen. rv071009sk

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Der neue Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Interview

Der Schweizer Nobelpreisträger Werner Arber Foto links freut sich über seine Ernennung zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften durch den Papst. Im Gespräch mit Radio Vatikan geht er auch auf die Tatsache ein, dass er als erster Präsident kein Katholik ist.
Ist das ein ökumenisches Zeichen oder geht es dabei ‚nur’ um fachliche Gründe?
   „Ich glaube, es ist fachlich begründet. Wir müssen sehen: Es hat mich schon immer beeindruckt, dass diese Akademie seit ihrer Gründung wirklich gut ausgewiesene Naturwissenschaftler aus allen Kontinenten als Mitglieder hat, unabhängig auch vom Glauben, den die Leute haben, und unabhängig auch vom Geschlecht.“
Aber nun ist Rom und der Vatikan so ziemlich das Katholischste, was man sehen kann auf der Welt.
Ist das nicht auch eine Spannung für Sie persönlich als reformierter Protestant?
   „Ich muss sagen, dass ich mit meinen Kontakten am Vatikan wirklich vollauf zufrieden bin. Ich habe viel leichter Zugang, über neue Kenntnisse – etwa über biologische Evolution – zu diskutieren als mit vielen protestantischen Kreisen. Also, ich denke da an die evangelikalen Strömungen in den USA zum Beispiel, die ja von Evolution nichts wissen wollen und die alles auf einmalige Schöpfung zurückführen. Ich habe im Vatikan gelernt, dass man dort die Schöpfung als permanenten Prozess ansieht, und das ist eigentlich Evolution. Das finde ich viel spannender – und das Interessante daran ist, dass alle Lebewesen auch Genprodukte mit sich herumtragen, die eben in großen Populationen diese Evolutionen ermöglichen und trotzdem den einzelnen Lebewesen im allgemeinen – mit wenigen Ausnahmen – eine stabile Erbinformation garantieren. Das finde ich ein wunderbares System.“
Und in dieser Akademie fühlen Sie sich also intellektuell und wissenschaftlich gut aufgehoben?
„Absolut, ja.“
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Die Schweizer Bischofskonferenz
   freut sich über die ehrenvolle Ernennung nicht nur, weil sie einen verdienten Schweizer Mikrobiologen betrifft, sondern weil sie von besonderer ökumenischer Bedeutung ist. Mit der Ernennung des evangelisch- reformierten Christen wird erstmals der Akademie ein Präsident vorstehen, der nicht der römisch-katholischen Kirche angehört.
  Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften wurde vor über 400 Jahren von Papst Clemens VIII. gegründet. Die Institution vereinigt 80 Akademiker, die vom Papst ernannt werden und unter den bekanntesten Wissenschaftlern der ganzen Welt ausgewählt werden. Unter den Mitgliedern befinden sich neben Professor Arber über 20 weitere Nobelpreisträger. Die Auswahl der für die Akademie tätigen Wissenschaftler erfolgt ausschließlich aufgrund der wissenschaftlichen und ethischen Verdienste, unabhängig von Nation oder Religionszugehörigkeit. 
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Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist um einen weiteren Nobelpreisträger reicher

   Es ist der Physikprofessor Gerhard Ertl, den der Papst zum Mitglied der Akademie ernannt hat. Dem deutschen Physiker und Oberflächenchemiker wurde im Jahr 2007 der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Die Erkenntnisse des 1936 in Stuttgart geborenen Wissenschaftlers haben das Gebiet der Oberflächen- chemie massgeblich beeinflußt und beziehen sich auf die Industriechemie und Umweltchemie. Zu seinem Reperoir zählen auch Untersuchungen von sich selbst organisierenden Raum-Zeit-Phänomenen. Ertls Erklärung dieser grundlegenden Erscheinungen diente als Untersuchungsansatz für ähnliche Effekte in vielen anderen Bereichen. Von 1986 bis 2004 war Ertl Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber-Institutes in Berlin. rv100220

Vatikan: Statue für Galilei?
   Bekommt Galileo Galilei eine Statue in den Vatikanischen Gärten? Auch wenn die letzte Bestätigung noch fehlt, so sieht es doch ganz danach aus. Der Termin für die Aufstellung der Statue könnte im nächsten Jahr liegen, wenn die UNO das internationale Jahr der Astronomie feiert.
   Galileo Galilei, der Mathematiker, Mathematiker, Physiker und Philosoph aus Pisa, ist für viele heute ein Emblem des Kampfes gegen die Inquisition. Doch dem historischen Galilei wird diese verkürzte Sicht wohl kaum gerecht. Zwar wurde der aus Pisa stammende Wissenschaftler tatsächlich von der Inquisition im 17. Jahrhundert verurteilt, doch neuere Studien deuten immer stärker darauf hin, dass der Hintergrund des Urteils gar nicht die Konfrontation altes gegen neues Weltbild war. Galilei scheint weniger Märtyrer der Wahrheit – als solcher wirkt er etwa in einem bekannten Theaterstück von Berthold Brecht – als vielmehr in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Sturheit geworden zu sein. Eine Rehabilitierung Galileis hat Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 verkündet; der jetzige Papst, der auch schon mal vom „großen Galilei” spricht, erwähnt den Wissenschaftler positiv schon in seiner „Einführung in das Christentum”, die aus dem Jahr 1968 stammt. Galilei gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der heutigen Päpstlichen Akademie der Wissen- schaften, woran jetzt schon eine Gedenkplakette in den Vatikanischen Gärten erinnert. Von diesem Gremium geht nun auch die Initiative zu einer Galilei-Statue in den Papst-Gärten aus. 
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Messe für Galilei
   Der Vatikan hat Galileo Galilei (1564-1642) als einen herausragenden Mann der Wissenschaften und des Glaubens gewürdigt. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Erzbischof Gianfranco Ravasi, feierte in Rom einen Gottesdienst zum Gedenken an die Geburt des Naturwissenschaftlers vor 445 Jahren. Der vom Vatikan zeitweilig befehdete Physiker und Astronom habe die „wissenschaftliche Wahrheit“ von der des Glaubens unterschieden, sagte Ravasi in der Predigt. Doch diese Wahrheit des Glaubens sei letztlich „heilsnotwendig“. Galilei habe Grenzen überschritten und neues Wissen erschlossen. Damit sei er für nachfolgende Wissen- schaftler-Generationen ein Bindeglied zwischen Glauben und Wissenschaft.
   Ravasi verlas ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der darin seine Bewunderung und Verehrung für den Naturwissenschaftler betonte. Die Initiative zu der Feier in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli, die auch für staatliche Anlässe genutzt wird, ging auf die „World Federation of Scientists“ zurück. Rund 100 Mitglieder der religiös nicht gebundenen Organisation nahmen an der Feier teil.
   Galileo war über seine Theorie der Planetenbewegung um die Sonne mit dem kirchlichen Lehramt in Konflikt geraten und musste diese epochale These 1633 auf Druck der Inquisition widerrufen. Inzwischen ist seine wissenschaftliche Leistung in der Kirche anerkannt. So beteiligen sich der Vatikan und das päpstliche astronomische Institut am internationalen Jahr der Astronomie, das an die bahnbrechenden Fernrohr- Forschungen Galileis vor 400 Jahren erinnert.
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Papst Benedikt XVI. hat die italienische Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini  in Audienz empfangen.        Anlass des Treffens war der 100. Geburtstag der Medizinerin und Neurobiologin. Für ihre Forschungen zum Nervenwachstum hatte Levi-Montalcini 1986 den Nobelpreis in Medizin erhalten. Seit 1974 ist sie Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Die Forscherin gehört aufgrund ihrer Lebens- leistung zu den „Senatoren auf Lebenszeit“. Sie entstammt einer jüdisch-sephardischen Familie. rv090525KNA

Neu entdeckter Planet: “Benedictus-16”

   Ein neu entdeckter Planet wird bald den Namen “Benedictus-16” tragen. US-Astronomen überreichten dem Papst Bilder des Himmelskörpers, der am 19. April, dem Jahrestag der Papstwahl, „getauft“ werden soll. Der Planet ist 82-mal kleiner als die Erde; bisher trägt er den provisorischen Namen „2009- Fish04“. Rv090401apic

   Zu Ehren des fünfjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI. gab die päpstliche Akademie der Wissenschaften ein Konzert. Die Darbietung fand um 18 Uhr im Hof der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo statt; Papst Benedikt XVI. war persönlich zugegen. Gespielt wurde das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer für Orchester und Chor adaptierten Version. Das Werk gilt als das letzte des von Papst Benedikt geschätzten Musikgenies. „Die Einladung, vor Papst Benedikt XVI. zu spielen, ehrt uns sehr“, kommentierte der künstlerische Direktor Filippo Juvarra das Ereignis. rv100907ansa

Zweite Enzyklika des Papstes zum Thema Hoffnung

   Papst Benedikt XVI. hat seine zweite Enzyklika unter dem Titel „Spe, salvi” (Gerettet, auf Hoffnung hin) geschrieben. Sie handelt über die christliche Hoffnung und ist eine Deutung nach dem biblischen Brief des Apostels Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 24: „Denn wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung.” Damit folgt der Papst dem jahrhundertealten Schema der drei christlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe.
   Der Text: theologisch und philosophisch sehr dicht; viele Zitate von Kirchenvätern, dazu die Philo- sophen Kant, Bacon, Adorno, aber auch Martin Luther, Schriftsteller wie Dostojewski und Jean Giono oder der verstorbene vietnamesische Kardinal Nguyen Van Thuan. Am sorgfältigsten eingesetzt: Zitate des heiligen Augustinus. Ernsthafte Auseinandersetzung mit protestantischen Positionen, freundliche Worte zu den Kirchen des „Ostens”. Richtig liebevoll: das Porträt einer Heiligen aus dem Sudan, die von der Sklavin zur Ordensfrau wurde. Nebenbei: ein Papstlob für die „sprachliche und denkerische Kraft” von Karl Marx, trotz dessen „grundlegenden Irrtums”, und eine Kritik an der deutschen Einheitsübersetzung der Bibel. Zum Abschluss ein Hymnus auf Maria.
Gesamteindruck: Theologischer und auch mehr aus einem Guss als seine erste Enzyklika. Für den Normalchristen wohl schwerer zu lesen als
„Deus Caritas” - aber eine lohnende Lektüre. Ein echter Ratzinger. Lesen Sie die Enzyklika im Wortlaut: Spe salvi  FAZhjf071124

Erst die Liebe, dann die Hoffnung - die zweite Enzyklika des Papstes
   Nach der ersten Enzyklika „Deus Caritas est” über die Liebe geht es in seiner zweiten Enzyklika über die Tugend der Hoffnung. Benedikt will die Gewissheit der Gläubigen hinsichtlich der letzten Wahrheiten und des ewigen Lebens zu stärken. Die Hoffnung bietet für Benedikt XVI. die Gewähr dafür, dass sich das Volk Gottes nicht verliert, sondern auf die Verheißungen Christi und die Gnade Gottes vertraut, um dort einen sicheren Grund für das eigene Leben zu finden. Die Antwort auf den Relativismus kann für den Papst nur die Botschaft des Evangeliums sein: Es gibt ein ewiges Leben bei Gott, und wer der Kirche folgt, erlangt sein persönliches Glück. Ohne diese Hoffnung wäre auch das Leben der Gläubigen nur mühsam und den vielfältigsten Einflüssen, auch denen des Nihilismus und Relativismus, unterworfen. Papst Benedikt stellt der Kirche, den Gläubigen und allen Christen die Glaubensfrage: Erkennt ihr das an, was in den Evangelien steht? In seiner Enzyklika
Deus Caritas hat er sie gefragt, ob sie daran glauben, dass sich ein liebender Gott seiner Kirche in der Eucharistie hingibt. Sein Buch über Jesus von Nazareth ist ganz von dem Anliegen geprägt, sich wieder auf den historischen Jesus einzulassen. In seiner Enzyklika über die Hoffnung will er die Gläubigen ermutigen, ihr Vertrauen wieder ganz auf das ewige Glück beim himmlischen Vater zu setzen. Erst damit ergeben sich die Koordinaten, auch die großen sozialen Fragen und die Globa- lisierung des. 21. Jahrhunderts anzugehen. Das wird das nächste Thema von Benedikt XVI. sein. GuidoHorstDT071009

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  Die Sozialenzyklika Caritas in veritate ist ein großer Wurf. Sie ist ein Dokument, das an vielen Stellen auch die Handschrift Benedikts verrät - schon im Titel und in allem, was sie zur Bedeutung der Liebe in der Wahrheit und der Wahrheit in der Liebe sowie zu der vom Glauben erleuchteten Vernunft auch für die Gestaltung der Gesellschaft und der Globalisierung sagt. Sie ist kein antikapitalistisches Manifest, wie Gysi, Geisler und Kleber im ZDF in ersten Reaktionen behaupteten. Sie ist ein groß- artiges Plädoyer für die Entwicklung des ganzen Menschen und aller Menschen, das alle überraschen mag, die von Globalisierungsängsten geplagt sind. Und sie ist ein ungewöhnliches Zeugnis für eine Neuakzentuierung der katholischen Soziallehre, die vielerorts, vor allem in Deutschland, noch ignoriert wird, eine Neuakzentuierung, die nicht in den Finanzmärkten, der Ressourcenverteilung oder dem richtigen Verhältnis von Markt und Staat die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft der Menschheit sieht, sondern in den bio- medizinischen Entwicklungen, die die Menschheit vor die Wahl zwischen einer Kultur des Lebens und einer Kultur des Todes stellen. . . weiter> Caritas in veritate

Interview-Band von Papst Benedikt XVI.

    Das Buch ist auf italienisch und deutsch erscheinen, weitere Sprachen werden folgen. P. Lombardi verwies darauf, dass Seewald schon früher zwei Interviewbände mit Joseph Ratzinger als Kardinal publiziert habe.
   Peter Seewald hatte erstmals 1996 ein ausführliches Interview mit dem damaligen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre geführt, das in Buchform unter dem Titel »Salz der Erde - Christentum und katholische Kirche im 21. Jahrhundert« erschien. Im Jahr 2000 folgte ein weiteres Interview-Buch mit Kardinal Ratzinger unter dem Titel »Gott und die Welt - Glauben und Leben in unserer Zeit«. Beide Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt.
   Die Begegnung mit Kardinal Ratzinger, so berichtete der Journalist Seewald über sich selbst, habe auch zu seinem Wiedereintritt in die Kirche geführt. Der 56 Jahre alte Buchautor hat nach Ratzingers Wahl zum Papst auch drei Porträtbücher über Benedikt XVI. veröffentlicht. OR100910 >
Card. Ratzinger

   Apostolisches Schreiben über die Liturgie Papst Benedikt XVI.: SUMMORUM PONTIFICUM Über den Gebrauch der Römischen Liturgie aus der Zeit vor der Reform von 1970 . Das neue Apostolische Schreiben finden Sie auf unserer Seite: Liturgie

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Wortlaut des Apostolischen Schreibens Sacramentum Caritatis siehe: Kirche

Drei bedeutende Ansprachen lesen Sie hier im Wortlaut:
Glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig. Siehe:
Credo
Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen. Vorlesung in der Universität Regensburg. Siehe: Dialog der Religionen
Antwort von 38 Gelehrten des Islam siehe: Dialog der Religionen
Den Wortlaut der Ansprache des Papstes an die Botschafter islamischer Länder in Castelgandolfo finden Sie unter:Islam  

   Die Erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. “Deus Caritas” (Gott ist Liebe) hat weltweit eine sehr positive Resonanz gefunden. Sie finden den Wortlaut unter: Deus Caritas
   Den Wortlaut seiner zweiten Enzyklika lesen Sie unter: Spe Salvi
   Die neue Sozialenzyklika finden Sie im Wortlaut: Caritas in veritate
   Der “Schülerkreis” des Papstes (die von Prof. Ratzinger promovierten Theologen) haben bei ihrem Treffen in Castel Gandolfo unter großer Zustimmung Benedikt XVI. gebeten, seine vierte Enzyklika zum Thema “Mission” zu schreiben.

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