kbwn

E-mail

tn_PrLogo303_jpg
Papst

online:
www.
kbwn.de

B-460xxx   Reisen des Papstes

Der Papst fährt nach Malta  Anlass des Besuchs am 17. und 18. April ist das 1950-Jahrgedächtnis der Landung des Völkerapostels Paulus auf der Insel. Das Programm der Pastoralreise:
Samstag, 17. April: 15.25 Uhr Abflug von Rom-Fiumicino nach Malta, 17 Uhr Ankunftszeremonie auf dem Internationalen Flughafen Maltas in Luqa, 18.15 Uhr Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik, im Palazzo dei Gran Maestri in Valletta, 19.45 Uhr Besuch der Paulus-Grotte in Rabat. Gebet und Gruß des Papstes. Sonntag, 18. April: 10 Uhr Messe auf der Piazzale dei Granai in Floriana, Regina-Coeli-Gebet, 13 Uhr Mittagessen mit den Bischöfen Maltas und dem päpstüchen Gefolge, in der Nuntiatur in Rabat, 16 Uhr Abschied von der Nuntiatur in Rabat, 16.45 Uhr Schiffsfahrt vom Hafenkai von Kalkara zum Groß- hafenkai von Valletta, 17.15 Uhr  Begegnung  mit  Jugendlichen auf dem Groß- hafenkai von Valletta, 18.40 Uhr Abschiedszeremonie, auf dem Internationalen Flughafen Maltas in Luqa, 19.10 Uhr Rückflug von Luqa nach Rom, 20.45 Uhr Ankunft in Rom-Ciampino. DT100213
Foto unten:  In Vorbereitung auf den Papstbesuch bringt die katholische Jugend von Valetta eine Replik des Weltjugendtag-Kreuzes zu den Gemeinden auf Malta

Malta be-103xxxMaltaWJTKreuz   

   Die für Juni 2010 geplante Reise von Papst Benedikt XVI. nach Zypern wird einen stark ökume- nischen Charakter tragen. Das sagte der für die Insel zuständige Apostolische Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Jerusalem. Zypern habe eine alte christliche Tradition, erklärte der Papst-Botschafter. Benedikt XVI. werde dort neben der katholischen Minderheit vor allem wichtigen Vertretern der Orthodoxie begegnen. Franco ist Nuntius in Israel und Zypern sowie Apostolischer Delegat für Jerusalem und Palästina. Rv091003kna
Benedikt XVI. besucht Fatima -  Website und Hirtenbrief zum Papstbesuch
   Mit einer neuen Homepage und einem Hirtenbrief haben die Bischöfe Portugals einen weitere Phase in der Vorbereitung auf den Papstbesuch vom 11. bis 14. Mai begonnen. Die Reise gelte allen Be- wohnern, unabhängig von religiösem Glauben und Ideologien, heißt es in einer Erklärung. Von dem Besuch solle ein „starkes Signal der Solidarität, der Eintracht und Gemeinschaft ausgehen", zitiert der italienische katholische Pressedienst SIR den Sekretär der portugiesischen Bischofskonferenz, Manuel Morujao. Nach dem auf der Homepage www.bentoxviportugal.pt aufgeführten vorläufigen Besuchs- programm wird das Kirchenoberhaupt am 11. Mai in der Hauptstadt Lissabon eintreffen. Nach einem Besuch bei Staatspräsident Anibal Cavaco Silva ist für den Nachmittag eine Messe unter freiem Himmel vorgesehen. Am Tag darauf sind ein Treffen mit der „Welt der Kultur" und dann ein Gespräch mit Ministerpräsident Jose Socrates geplant. Am Nachmittag des 12. Mai fliegt der Papst im Hubsch- rauber nach Fatima, wo er die Erscheinungskapelle besucht und mit Priestern und Ordensleuten die Vesper feiert. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone wird am Abend das Rosenkranzgebet leiten. Am 13. Mai zelebriert der Papst am Vormittag eine Messe. Für den Nachmittag sind Begegnungen mit den Organisatoren sowie mit den Bischöfen des Landes geplant. Am Schlusstag der 15. Auslandsreise fliegt Benedikt XVI. nach Porto weiter, wo er auf der Avenida dos Aliados einen Gottesdienst feiert. Gegen 14 Uhr ist der Abflug vorgesehen. DT100213kna
  Lesen Sie mehr über den Besuch Bendedikts in Fatima > Fatima-Geheimnis

   Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freut sich sehr über einen möglichen Besuch des Papstes in Großbritannien im Jahr 2010. Das schreibt er in einer Medienmitteilung. Die britischen Anglikaner würden Benedikt XVI. gewiss mit großer Freude und Wärme aufnehmen, so der Erzbischof. Einladungen von Seiten der britischen Regierung und der katholischen Bischöfe lägen be- reits seit längerer Zeit vor. Der Vatikan hat bisher die Papstreise nach Großbritannien nicht bestätigt. 090925rv
   Königin Elisabeth II. wird Papst Benedikt XVI. am 16. September dieses Jahres im königlichen Palast in Edinburgh empfangen. Dies wird der Auftakt des Staatsbesuches sein, den der Papst in diesem Spätsommer in England und Schottland machen wird. Es wird der erste Staatsbesuch sein, den ein Papst in Großbritannien machen wird. Papst Johannes Paul II. hatte das Land zwar 1982 besucht, dies war aber ein pastoraler Besuch, der die Etablierung voller diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Großbritannien feiern sollte. Der Besuch von Benedikt XVI. erfolgt auf Einladung der britischen Regierung und der katholischen Kirche. Damit wird es ein Ereignis, dass nicht nur katholisch ist. Der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Vincent Nichols, betont:
   „Die Einladung, bei diesem Besuch dabei zu sein, gilt für jeden ohne Ausnahme. Es ist eine Einladung an alle Menschen in diesem Land, Papst Benedikt zu treffen und ihm zuzuhören, denn er ist ein zutiefst feinfühliger und intelligenter Verkündiger der Botschaft Christi.“
   Eines der wichtigsten Ereignisse bei diesem Besuch wird die Seligsprechung des englischen Kardinals und Theologen John Henry Newman sein. Um die Besonderheit dieses Seligen hervorzuheben, wird der Papst die Seligsprechung selbst vornehmen und nicht einen Beauftragten delegieren, was bisher Praxis im Pontifikat Benedikt XVI. war. Erzbischof Nichols hebt in seiner Würdigung aber nicht den Gelehrten hervor, der die Theologie geprägt habe:
   „Kardinal Newman war dreißig Jahre lang ein Gemeindepfarrer. Und es ist wunderbar, dass seine Seligsprechung sozusagen zum Abschluss des Priesterjahres stattfindet. Das wird eine große Ermutigung für jeden Priester hier sein, der seine Pflicht treu und still ausübt. Das ist genau das, was Kardinal Newman dreißig Jahre lang tat.“
   Die Seligsprechung wird wohl am 19. September in Coventry stattfinden, wie der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Andrea Ambrosi, auf Anfrage einer Nachrichtenagentur mitteilte. Der Papst wird bei seinem Besuch auch das Haupt der anglikanischen Kirche, den Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, besuchen und sich mit Kirchenvertretern und Vertretern anderer Religionen treffen.
   Neben diesem kirchlichen Ereignis hebt die britische Regierung in ihrer Stellungnahme zum Besuch die politischen Übereinstimmungen hervor. Die Millennium-Entwicklungsziele, der Umweltschutz und die Gesundheit in Entwicklungsländern sind nur einige der Punkte, in denen der Heilige Stuhl und die britische Politik an einem Strang ziehen. RVkipa100317ord
   Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freut sich auf den Papstbesuch im September. Benedikt will in London auch Williams aufsuchen. „Die Visite wird die guten Beziehungen zwischen Großbritannien und der katholischen Kirche, aber auch die Beziehungen zwischen den Kirchen bestärken. Ich freue mich besonders auf den Besuch hier im Lambeth Palace“, so das Oberhaupt der Anglikaner in einer Mitteilung. Der Heilige Stuhl hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Benedikt XVI. bei seinem Staatsbesuch auch den Sitz des anglikanischen Erzbischofs in London besuchen wird, um damit Williams Besuch im Vatikan zu erwidern.
RV100317pm

Papst will zur „Sagrada Familia“
   Papst Benedikt XVI. wird in diesem Herbst für zwei Tage nach Nordspanien reisen. Das wurde jetzt bekannt. Geplant sei für den 6. November eine Visite in Santiago de Compostela, wo der Apostel Jakobus verehrt wird.  Die galizische Stadt am berühmten Jakobsweg feiert derzeit ihr Heiliges Jakobus-Jahr.
   „Ich habe den Heiligen Vater schon im Oktober letzten Jahres schriftlich nach Santiago de Compo- stela eingeladen“ – das berichtet der Erzbischof der Jakobsstadt, Julian Barrio, vor Journalisten. „Die Anfrage wurde sehr gut aufgenommen, aber es war dann gar nicht so einfach, ein Datum zu finden. Vor ein paar Tagen war ich dann in Papstaudienz, und nun wurde mir aus dem Vatikan mitgeteilt, dass man den 6. November ins Auge fasse. Das will ich hiermit bestätigen!“ 
RV100302efe
Benedikt XVI. reist nach Spanien und weiht im Herbst die „Sagrada Familia" in Barcelona
   Papst Benedikt XVI. wird am 7. November die Basilika „Sagrada Familia" in Barcelona weihen. Unmittelbar davor absolviert er einen eintägigen Besuch im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, der 2010 als Heiliges Jahr (Ano Jacobeo) begeht. Vatikansprecher Federico Lombardi gab die Termine bekannt. Der Spanienbesuch ist die fünfte geplante Auslandsreise des Papstes in diesem Jahr.
   Spekulationen über einen Besuch von Benedikt XVI. in Santiago waren am Montag aufgetaucht, im Anschluss an eine Audienz für den örtlichen Erzbischof Julian Barrio und den galizischen Regional- präsidenten Alberto Nunez Feijoo. Wahrscheinlicher als 2010 sei ein Besuch 2011, hatten zunächst die Berichte unter Berufung auf den spanischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Francisco Vazquez, gelautet. Im August 2011 wird Benedikt XVI. zum Weltjugendtag in Madrid erwartet. Nun wurde die Reise nach Barcelona und Santiago in der päpstlichen Reiseplanung vorgezogen.
   Die „Sagrada Familia", ein Werk des Architekten Antoni Gaudi (1852-1926), war 1882 begonnen worden. 1893 wurde die Krypta vollendet und geweiht. Sie dient seit einem Jahrhundert als Gottes- dienstraum für die nach der Weihe errichtete Pfarrei. 1935 wurden die Arbeiten an Türmen und Fassade abgeschlossen. Inzwischen ist die „Sagrada Familia" ein Wahrzeichen Barcelonas und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe eingetragen. Das Bauwerk wird in einer Mischung aus dem neu- katalanischen Stil - eine Variante der Neugotik -, dem Jugendstil, dem „Modernisme Catala" und der Moderne errichtet. In den kommenden Monaten soll die Überdachung des Mittelschiffs fertiggestellt werden. Damit entstünde ein geschlossener oberirdischer Raum für Gottesdienste. Mit der ersten Messfeier soll die „Sühnekirche der Heiligen Familie" geweiht werden. Gaudi hatte 1883 die Leitung der Kirchenbaustelle übernommen. Nach mehr als 40 Jahren Arbeit daran verunglückte er in unmittelbarer Nähe der Kathedrale. Seit dem Jahr 2000 läuft für Gaudi ein Seligsprechungsverfahren.
DT100304KNA

B-449-x B-450-x

Papstbesudh in der ältesten Synagoge in Rom:
Es kam zu Tränen, spontanem Beifall und Emotionen. Lesen Sie unseren Fotobericht > Juden

Natur ist ohne Gott nicht zu verstehen
   Einen Tag nach dem Papstbesuch in der römischen Synagoge  begann die gemeinsame jüdisch- katholische Dialogkommission ihre diesjährige Sitzung. Zwei Tage später, am 5. Tag des Monats Schevat im Jahr 5790 jüdischer Zeitrechnung, endet sie. Die beim Papstbesuch angesprochenen Gemeinsamkeiten standen im Fokus des Treffens.
   „Wir sind uns der Differenzen, die zwischen uns sind, bewusst, auch aber ebenso auch der Tat- sache, dass, wenn wir es schaffen, unsere Herzen und unsere Hände zu vereinen, um dem Ruf des HERRN zu antworten, sein Licht uns nahe kommen wird, um alle Völker der Erde zu erleuchten.“ So hatte Papst Benedikt in seiner Ansprache in der Synagoge das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft beschrieben. Und diesen Satz nahm auch die Dialogkommission zum Ausgangspunkt ihrer Beratungen. Besonders wies sie darauf hin, dass Benedikt uneingeschränkt die Verbindlichkeit des Konzilsdokuments Nostra Aetate für die Lehre der Kirche betont habe. rv100120
Gemeinsames Erbe eint Christen und Juden
   Der Ökumene-Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz ist der Bischof von Terni, Vincenzo Paglia. Er betont gegenüber Radio Vatikan im Rückblick auf den Synagogenbesuch und auf den jüdisch-katholischen Dialog insgesamt, dass bei allem Konflikt gerade jetzt das Gemeinsame betont werden muss.
  „Da gibt es keinen Zweifel. Beide Seiten haben wiederholt, dass wir selbstverständlich zwei verschie- dene Religionen sind, aber dass wir ein gemeinsames Erbe haben, das uns eint. Es gibt keinen Zweifel, dass Juden und Christen den Vorrang betonen müssen, den das Sprechen von Gott im Leben der Menschen hat. Wir müssen aber auch an die andere große Religion denken - an den Islam, der auch gerufen ist, die Gegenwart Gottes im Leben der Menschen und seine Barmherzigkeit zu bezeu- gen.“ Paglia betont das Grundsätzliche, für das sowohl die jüdische als auch die christliche Religion einstehen und das durch den Dialog gefördert wird.
   â€žIch würde ganz instinktiv sagen, dass wir uns weiterhin begegnen müssen, wo immer in der Welt Christen und Juden gemeinsam leben. Denn wir Menschen wollen im Frieden leben, nicht im Konflikt... weil wir die Geschwisterlichkeit wollen, nicht den Hass. Wir wissen, dass jede Tötung immer ein Brudermord ist. Deswegen, denke ich, wird es weitere Schritte auf dem Weg geben, wie sie seit Beginn unserer Beziehungen das Verhältnis geprägt haben.“ rv100120

B-457-JacobNeusner-xx

Rabbi Jacob Neusner in Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.

   Rabbi Neusner und seine Frau Suzanne waren erfreut über diese Einladung. Bei diesem Anlass hat der Rabbi dem Papstein Exemplar der deutschen Ausgabe des Buches von 1993 [in 2. Aufl. 2008 bei Herder erschienen] überreicht - das Kardinal Joseph Ratzinger damals in der amerikanischen Original- ausgabe gelesen hatte -, zusammen mit der italienischen Ausgabe des Essays über den Talmud [im Verlag San Paolo, der ihn auch in einer Neuauflage unter dem Titel Un rabbino parla con Gesú herausgegeben hat]. Geschenke, die der Papst sehr geschätzt hat, er hat sich für seinen Freund aus Übersee fast 20 Minuten Zeit genommen. »Ausreichend Zeit«, so erklärt Neusner, »für eine schöne Begegnung zwischen zwei Professoren. Ich habe den Gelehrten Joseph Ratzinger immer für seine Aufrichtigkeit und Klarheit geschätzt und war sehr daran interessiert, ihm persönlich zu begegnen und ihn als Menschen kennenzulernen. Jetzt wo ich aus Anlass der historischen Begegnung in der Syn- agoge und der Diskussion mit Erzbischof Forte nach Rom gekommen bin, wurde mir dieses große Geschenk eines Treffens mit dem Papst zuteil.« Neusner findet fast keine Worte, um seiner Freude über diesen Besuch Ausdruck zu verleihen: »Wir haben über unsere Bücher gesprochen, und er hat mir anvertraut, dass er den zweiten Band über Jesus abgeschlossen hat.«
   Neusner jedoch macht nicht viele Worte und kommt direkt zum Kern der Sache, was im übrigen eine Tugend ist, deretwegen die beiden »Professoren« einander schätzen: »Was mich am meisten beeindruckt hat, ist sein durchdringender Blick. Er blickt in dich hinein. Und dann seine Gentleman- Manieren, voller Liebenswürdigkeit und Demut.« Dieser menschliche Zug hat den Rabbi berührt, genauso wie er ihn schon beim Synagogenbesuch bemerkt hatte. »Ein überwältigendes Ereignis mit einer außerordentlichen, erwartungsvollen und ergriffenen Anteilnahme aller, die mich mit Hoffnung für die Zukunft erfüllt. Das Problem der heutigen Zeit ist - und das hat der Papst gut verstanden -, dass man ohne Gedächtnis lebt, man vergisst die Geschichte und die religiösen Traditionen, von denen man herkommt. Aus diesem Grund ist das Studium der Geschichte von großer Wichtigkeit. Ich denke an eine umstrittene Frage wie die der historischen Gestalt Papst Pius' XII. Meiner Meinung nach ist es noch zu früh, ein Urteil abzugeben, und dennoch höre ich oft scharfe Urteile im einen oder anderen Sinn. Ich habe fast den Eindruck, als gäbe es da jemanden, der zerstörerisch agitiert, den weder der Katholizismus noch das Judentum interessiert und auch nicht der Dialog zwischen diesen beiden großen Traditionen. Das ist traurig, denn in der konkreten Wirklichkeit - das kann ich in meinem Alltag in den Vereinigten Staaten feststellen - sind die Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr gut. Wenn man die Vergangenheit ignoriert, ist man dazu verurteilt, sie zu wiederholen; aus diesem Blick- winkel ist das Studium der Geschichte grundlegend. Genauso wie das Verantwortungsbewusstsein: jede Generation ist verantwortlich für die Zukunft, und sie ist es heute, hier und jetzt.
OR100129AndreaMonda Lesen Sie mehr zur Freundschaft des Papstes mit Rabbi Neusner >Judenmission

Vatikan/Finnland

   Die katholische Kirche muss den Weg der Ökumene unbeirrt weitergehen. Das hat Papst Benedikt an  gegenüber einer lutherischen Delegation aus Finnland betont. Unermüdlich müssten sich beide Seiten bemühen, die verloren gegangene Einheit unter den Christen wiederherzustellen. Maßgeblich für diese Arbeit bleibe die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von der katholischen Kirche und dem lutherischen Weltbund unterzeichnet worden war. Der Papst hat die zehnköpfige Abordnung anlässlich des Festtags des Heiligen Heinrich von Uppsala, dem Patron Finnlands, empfangen. Damit begannen die Feierlichkeiten zur Woche der Einheit der Christen. rv100118apic

P.PiusXII-x JPII-66x Brazil17x

Papst Benedikt will Vorgänger seligsprechen: Pius XII. Foto links und Johannes Paul II. Mittel

  Dem Kirchenrecht zufolge soll der Prozess zur Seligsprechung eines Menschen erst fünf Jahre nach dessen Tod beginnen. Erst dann, so meint man, seien die Emotionen des Augenblicks abgeklungen und ein klares Urteil über Leben und Werk jener Persönlichkeit möglich, die man den Gläubigen amtlich unfehlbar als Vorbild und Leitstern auf dem Lebensweg anempfehlen möchte.
 Papst Johannes Paul II. ist noch keine fünf Jahre tot - doch über seine Seligkeit bestehen im Vatikan schon jetzt keine Zweifel mehr: Nach jener „Volksabstimmung", den teils spontanen, teils orga- nisierten „Santo-Subito-Rufen" bei Wojtylas Beerdigung im April 2005, ist nun auch der formelle Untersuchungsprozess beendet. Papst Benedikt XVI. hat den „heldenhaften Tugendgrad" seines Vor­ gängers bestätigt. Unter den 21 Namen steht auch Pius XII. (1876-1958).
  Wenn nun noch eine Heilung auf ihre Fürbitte als medizinisch unerklärbares Wunder anerkannt wird, dann könnte nächstes Jahr sowohl in Polen als auch in Rom das große Fest stattfinden: Karol Wojtyla (1920-2005) und Eugenio Pacelle würden zur „Ehre der Altäre" erhoben. Und keiner ihrer Anhänger zweifelt daran, dass die Seligkeit - die nur eine regional begrenzte Verehrung erlaubt - lediglich das formal unumgängliche Durchgangsstadium zu wahrer Bestimmung ist: zur Heiligsprechung.
HAZ091221PaulKreiner

B-396-IsYadVaschem-xx

Benedikt XVI. an Kurie: „Ohne Versöhnung keine Menschlichkeit“
   Papst Benedikt hat nach der Kritik jüdischer Gemeinden am Vorantreiben der Seligsprechung des Papstes Pius XII. die antisemitischen Verbrechen der Nationalsozialisten erneut verurteilt. In einer Rede vor Vertretern der Kurie erinnerte Benedikt XVI. an seinen Besuch der israelischen Holocaust- Gedenkstätte Jad Vashem im Mai 2009 Foto oben.
   Der Papst: „Der Besuch in Jad Vashem war eine erschütternde Begegnung mit der Grausamkeit des menschlichen Fehlens, mit dem Hass einer verblendeten Ideologie, die ohne jede Rechtfertigung Millionen dem Tod ausgeliefert hat und in letzter Konsequenz Gott aus der Welt vertreiben wollte; den Gott Abrahams, Isaaks Jakobs und den Gott Jesu Christi.“
   Doch ohne Versöhnung gebe es keine wirkliche Menschlichkeit und auch keine wirksame Politik, erinnerte der Papst weiter. Die „Bereitschaft zum ersten Schritt auf den anderen zu“ werde heute immer wieder aufs Neue gebraucht, so der Papst. Versöhnung sei grundlegende Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Das zeige auch die Situation Afrikas, so Benedikt, der in seiner Botschaft auch auf seine Reise nach Afrika und die Afrika-Synode einging.
   Benedikt wörtlich: „Jede Gesellschaft braucht für den Frieden Versöhnung. Versöhnung ist not- wendig für eine gute Politik, kann aber nicht nur durch Politik verwirklicht werden. Versöhnung ist ein Konzept und eine Wirklichkeit, die vor der Politik kommt: Wenn sich im Herzen nicht die Kraft der Versöhnung bildet, fehlt die Voraussetzung für einen politischen Einsatz für den Frieden.“
   Als positives Beispiel geglückter Versöhnung nannte das katholische Kirchenoberhaupt die Entwicklung Europas nach dem zweiten Weltkrieg: Politische und ethisch orientierte gesellschaftliche Strukturen hätten dort den Frieden nach Kriegsende gesichert. Für „innere und äußere Erneuerung“ sei jedoch auch Buße notwendig, so der Papst. Denn um aufeinander zugehen zu können, müsse man zunächst eigene Fehlhandlungen erkennen.
   Benedikt: „In unserer heutigen Welt müssen wir das Sakrament der Buße und die Versöhnung wiederentdecken. Die Tatsache, dass die Buße zu großem Teil aus den grundlegenden Gewohnheiten der Christen verschwunden ist, ist Symptom des Verlustes von Wahrhaftigkeit gegenüber uns selbst und gegenüber Gott. Dieser Verlust bringt unsere Menschlichkeit und unsere Fähigkeit, Frieden zu schließen, in Gefahr. Die Einheit von Schuld, Buße und Versöhnung ist eine der grundlegenden Bedingungen wahrer Menschlichkeit, Bedingungen, die im Sakrament der Buße ihre vollständige Form erhalten, aber bereits von ihren Wurzeln her zum Menschsein dazugehören.“
   Versöhnung sei nicht nur ein wichtiges Element für den interreligiösen Dialog, so der Papst mit Blick auf die Vergangenheit, Afrika und den Nahen Osten. Auch für den Dialog mit Atheismus und Agnostik sei diese Haltung von Bedeutung, so der Papst in Bezug auf seine Reise in das weitgehend atheisti- sche Tschechien. RV091221

B-419a-xx

Zweites Papstbuch über Jesus erscheint iin den nächsten Wochen

   Der von Gläubigen in aller Welt mit Spannung erwartete zweite Teil des Buches „Jesus von Nazaret" von Papst Benedikt XVI. kommt voraussichtlich in den nächsten Wochen in den Buchhandel. „Wenn alles nach Plan läuft, ist ein Erscheinen im Frühjahr sehr wahrscheinlich", sagte ein Vatikansprecher. HA090917dpa
  Der zweite Band seines Werkes “Jesus von Nazareth” wird sich mit der Kindheit Jesu, seiner Passion, seinem Tod und seiner Auferstehung befassen. Der erste Teil seines Bestsellers erschien 2007. Der Papst arbeitet seit zwei Jahren an der Vollendung des Werkes, besonders während der Ferien. Die Verletzung seines Handgelenks behinderte ihn dabei in den letzten Wochen erheblich. CT090920
Papst Benedikt XVI. hat den zweiten Teil seines Jesusbuches abgeschlossen.
   Das meldet die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Die Zeitung beruft sich auf den jüdischen Gelehrten Jacob Neusner, den der Papst am 18. Januar im Vatikan empfangen hatte. Man habe sich über Bücher unterhalten und der Papst habe Neusner anvertraut, dass er den zweiten Band abgeschlossen habe, so der US-Amerikaner Neusner, dessen Bücher über das Judentum Benedikt XVI. besonders schätzt. Der erste Band des Werkes war im April 2007 unter dem Titel „Jesus von Nazareth“ erschienen. Er behandelt die Gestalt Jesu in den Evangelien. Papst Benedikt XVI. setzt sich darin eingehend mit den Thesen Neusners auseinander.
rv100120kipa

B-K20axB-435xB-439-Ferula-x

Benedikt XVI. trägt einen neuen Kreuzstab

   Ab Beginn des neuen Kirchenjahres trägt Papst Benedikt XVI. einen neuen Kreuzstab. Mit der Vesper zum ersten Adventssonntag hatte der Ferula genannte Stab seine Premiere, berichtet die Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ unter Berufung auf den päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini. Es ist dies bereits der dritte Kreuzstab, den Benedikt XVI. seit seiner Wahl zum Nachfolger Petri gebraucht. Zunächst hatte er den silbernen Kruzifix-Stab von Papst Paul VI. aus den 60-er Jahren übernommen, den auch seine beiden Vorgänger genutzt hatten Foto links. Er war beim Abschluss- gottesdienst zum Zweiten Vatikanischen Konzil erstmals gebraucht und vom italienischen Bildhauer Lello Scorzelli entworfen worden. Seit Palmsonntag 2008 hatte Benedikt auf ein Kreuz von Pius IX. Foto Mitte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgegriffen. Der neu geschaffene Stab Foto rechts ist ein Geschenk des römischen Wohltätigkeitsverbandes „Circolo San Pietro“ und „kann definitiv als die Ferula von Benedikt XVI. bezeichnet werden“, sagte Marini. Auf dem Ring direkt unterhalb des Kreuzes ließen die Stifter den Name Papst Benedikts eingravieren, während die kleine Kugel, die den oberen Abschluss des Stabes bildet, sein Wappen trägt. Der neue Stab ist mit zwei- einhalb Kilogramm noch leichter als der letzte. Er trägt im Gegensatz zu diesem keine Schmucksteine. Auf der Vorderseite ist im Zentrum das Osterlamm zu sehen, außerdem Netz-Motive, die auf den Fischer Petrus verweisen. Die Symbole der vier Evangelisten zieren die Enden der Kreuzbalken. Die Rückseite trägt das Christusmonogramm sowie Darstellungen westlicher und östlicher Kirchenväter. Or091128rv

B-441-Köhler-x  Der Bundespräsident beim Papst

   Papst Benedikt XVI. hat Bundespräsident Horst Köhler am Wochenende zu einer Privataudienz in seiner Bibliothek empfangen. Köhler schenkte dem Papst eine fünfstöckige Weihnachtspyramide, die traditionell im sächsischen Erzgebirge hergestellt wird. Benedikt schenkte dem Präsidenten einen alten Stich, der den Petersdom zeigt.
    Zuvor hatte der Pontifex die friedliche Revolution in Ostdeutschland gewürdigt. Die Ereignisse vom 09. November 1989 seien vielen Menschen nach einer langen dunklen „Nacht der Gewalt und Unter- drückung" durch ein totalitäres Regime als Anbruch der Freiheit erschienen, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Köhler war Gast bei einem Konzert in der Sixtinischen Kapelle, wo anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls das Weihnachtsoratorium aufgeführt wurde.
   Gesprochen haben Papst und Bundespräsident auch über die Wirtschafts- und Finanzkrise -und über die Chancen, die daraus auch erwachsen. Er habe Benedikt berichtet, dass die Krise in ihren strukturellen Ursachen noch nicht behoben sei und die Finanzakteure über ein nachhaltiges Handeln noch nachdenken müssten, sagte Köhler nach der knapp halbstündigen Audienz. Die Krise sei auch eine Chance, „die nicht verschleudert werden darf. Sie habe gezeigt, „dass Geld auch ein Sprengsatz sein kann für den sozialen Zusam¬menhalt und die Gemeinschaft", sagte Köhler.
   Der Bundespräsident unter¬strich, wie wichtig der Papst für all jene Fragen sei, „die Grundlagen für eine bessere Welt schaffen". Der Kampf „gegen Armut und gegen den Klimawandel sind ein gemeinsamer Kampf für Frieden und für eine lebenswerte Welt", führte Köhler aus.
   Benedikt hatte betont, „dass wir unseren Blick weiten müssen über die Europäische Union hinaus". Das gemeinsame Ziel seien dabei Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, zumal Hunger, Armut und Ausbeutung Gefahren mit sich brächten, so Köhler. Die Papstbesuche in Afrika sowie im Nahen Osten und auch seine Sozialenzyklika seien Mahnungen zum Nachdenken darüber, „wie wir die Globalisierung so gestalten können, dass Frieden herrscht und am Ende auch alle Menschen die Chance haben, ein gutes Leben zu führen".
HA091207

mis-B-NguyenTanDung-xx  Vietnam         

   Papst Benedikt hat Joseph Vo Duc Minh zum neuen Bischof der südvietnamesischen Diözese Nha Trang ernannt. Der 65-jährige wird Nachfolger des bereits 78-jährigen Paul Nguyen Van Hoa, dessen Rücktritt der Papst gleichzeitig annahm. Der neue Diözesenbischof war bereits seit vier Jahren Koadjutor der Diözese und unterstützte den Ordinarius in seiner Amtsführung. Von den rund 1,6 Millionen Bewohnern im Bereich der Diözese sind etwa zehn Prozent Katholiken. Rv091204
   Der Präsident der Volksrepublik Vietnam hat im Rahmen seiner Europareise am 11. Dezember den Vatikan besuche. Kirchenvertreter in Vietnam hatten wiederholt von einer unmittelbar bevorstehenden Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Präsident Nguyen Mihn Triet gesprochen. Im Januar 2007 hatte der Papst Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung Foto oben empfangen. Die Audienz gab den Anstoß für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Volksrepublik. Hanoi hatte den offiziellen Kontakt nach dem Vietnamkrieg und dem Sieg des kommunistischen Nordens über den Süden 1975 abgebrochen.
Rv091204 Lesen Sie weiter >Weltkirche
   Vietnams Präsident Nguyen Minh Triet ist am 11. Dezember von Papst Benedikt in Audienz empfangen worden. Der Vatikan teilt mit, das vierzigminütige Gespräch sei „in herzlicher Atmosphäre“ verlaufen. Der Präsident hatte angekündigt, es werde an der Einrichtung voller diplomatischer Be- ziehungen zwischen den beiden Ländern gearbeitet; doch wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, wurde nicht klar. Die Presse in Vietnam hatte auch angekündigt, der Präsident werde mit dem Papst über einen möglichen Besuch Benedikts in Vietnam reden. Das Vatikan-Statement spricht nur von der Hoffnung, dass anstehende Fragen baldmöglichst geklärt werden können, und nennt die Visite von Nguyen Minh Triet einen Fortschritt in den beiderseitigen Beziehungen. Sie ist der erste Vatikanbesuch eines vietnamesischen Staatschefs seit 1975. Damals brach das Land nach dem Vietnamkrieg und der kommunistischen Wiedervereinigung die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl komplett ab. Seit Jahren beraten Unterhändler beider Seiten über eine Verbesserung der Staat-Kirche-Beziehungen und über einen Botschafteraustausch. Nach fast 15-jähriger Funkstille finden seit 1989 einmal jährlich Gespräche auf Ebene der Vize-Außenminister statt. Dabei geht es um Bischofsernennungen, um Zulassungsquoten für Priesterseminare sowie um Garantien für Kultstätten. Rv091211kna

B-424-x B-423Prag-xx

Papstreise nach Tschechien vom 26. bis 28. September 2009
Foto Oben: Blick auf Prag mit dem Veitsdom Foto unten: Ankunft in Tschechien

B-427cs

Papst an Jugendliche: „Mit Euch fühle ich mich jung!“

   „Ihr seid die Hoffnung der Kirche!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt bei einer Messfeier am Fest des Heiligen Wenzels nahe der tschechischen Ortschaft Altbunzlau (Stara Boleslav) an die Ju- gend des Landes gewandt. Mehr als zehntausend Jugendliche nahmen an dem Gottesdienst teil. „Mit Euch fühlt sich auch der Papst jung!“sagte Benedikt und dankte den jungen Menschen für ihr Kommen, das, so der Papst wörtlich, „mich die Begeisterung und die Großzügigkeit spüren lässt, welche die Jugendlichen auszeichnen“.
   Der Papst die Jugendlichen auf, Christus nachzufolgen und „verantwortungsbewusst“ die Grundlagen für ihre Zukunft zu legen. In jedem Jugendlichen gebe es „ein Streben nach Glück“. Dieses werde aber von der heutigen Konsumgesellschaft oft „auf falsche und entfremdende“ Weise ausgenutzt, kritisierte der Papst.
   „In eurem Alter trifft man nämlich die ersten großen Entscheidungen, die ein Leben zum Guten oder zum Bösen hin ausrichten können. Leider lassen sich nicht wenige von euren Altersgenossen durch illusorische Trugbilder von künstlichen Paradiesen verlocken und finden sich dann in trauriger Einsamkeit wieder. Es gibt aber auch viele Jugendliche, die (…) die Lehre in die Tat umsetzen wollen, um ihrem Leben einen vollen Sinn zu geben.“
   Die Sehnsucht junger Menschen nach Glück müsse ernst genommen werden und erfordere eine umfassende Antwort, so Benedikt XVI. Gott habe jedem eine besondere Sendung in Kirche und Gesellschaft anvertraut, so Benedikt weiter. Das könnten Ehe und Familie, aber auch die Berufung zum Priester sein.
rv090928

B-429cs-x B-430cs-

Bei den Marienwallfahrten am 15. August wird ein Gnadenbild der Jungfrau Maria verehrt.

_Altbunzlau-WallfMäAss-x _Altbunzlau,Palladium-x

   1609 war es zum „Palladium Böhmens“, zum Schutzbild des Landes erklärt worden. Papst Benedikt XVI. erhält eine Kopie davon als Andenken. Mehr über die Geschichte des Palladiums nun in einem Interview mit Nina Nováková von der katholischen Tschechischen Christlichen Akademie. RadioPrag090928
Frau Nováková, Papst Benedikt XVI. erhält in Stará Boleslav als Andenken eine Kopie
des so genannten böhmischen Palladiums. Wie sieht dieses Gnadenbild der Jungfrau Maria aus?

   „Es geht um ein Relief der Heiligen Maria mit dem Kind. Das Material ist Kupfer, stark vergoldet. Es ist 19 Zenti- meter hoch und 13,5 Zentimeter breit und sitzt in einem Rahmen, der mit Edelsteinen und Perlen besetzt ist.“
Das Wort „Palladium“ ist für unsere heutigen Ohren recht ungewohnt. Woher kommt dieses Wort?
   „Dieses Wort kommt von der altgriechischen Göttin Pallas Athene, die die Schutzgöttin der Stadt Athen war. Später bekam dieses Wort die Bedeutung eines allgemeinen Schutzsymbols.“
Wo können die Gläubigen das Gnadenbild verehren?
   „Das Bild wird bei jeder Sonntagsmesse in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche ausgestellt und die Gläubigen können es immer am Ende der Messe verehren.“
Das böhmische Palladium hat eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist eng mit dem heiligen Wenzel verbunden, dem Landespatronen Tschechiens. Können Sie unseren Hörern erklären, wer Wenzel war?
   „Wenzel war ein Fürst aus der böhmischen Dynastie der PÅ™emysliden. Er lebte von 907 und 935 n. Chr. und war einer der ersten getauften Herrscher auf dem böhmischen Thron. Bis heute vergleichen die Menschen hier alle Staats- und Regierungschefs mit ihm, denn er ist das bleibende Vorbild für alle Regenten dieses Landes.“
Und wie kam Wenzel in den Besitz des Palladiums?
   „Er bekam das Gnadenbild von seiner frommen Großmutter, der heiligen Ludmilla, zur Taufe geschenkt. Und Fürst Wenzel trug das Gnadenbild immer bei sich, auch wenn er nach Stará Boleslav reiste. In Stará Boleslav hatte sein Bruder eine Burg, und Wenzel besuchte ihn dort am 27. September 935.“
Wenzels Bruder hieß Boleslav, von ihm hat die Stadt ihren Namen.
Was geschah nun während dieses Besuchs von Wenzel in Stará Boleslav im September 935?

   „Am Morgen des 28. September ging Wenzel zur Heiligen Messe. Vor der Kirche traf er seinen Bruder. Boleslav strebte an die Macht - er ließ Wenzel ermorden.“
Wenzel hatte wie immer das Gnadenbild zur Heiligen Messe mitgenommen.
Was passierte nun damit, nachdem Wenzel ermordet worden war?

   „Wenzel hatte einen treuen Diener, der Podiven hieß. Als dieser Diener erfuhr, dass Wenzel tot war, nahm er das Bild an sich, um es zu retten. Er vergrub es am Waldrand in der Erde. Gemäß der Überlieferung hat ein Bauer das Gnadenbild ungefähr 200 Jahre später beim Pflügen gefunden. An der Fundstelle entstand später die barocke Mariä- Himmelfahrt-Kirche.Foto oben“
Das Gnadenbild wurde später ein christliches Symbol, das viele Pilger anzog.
Wann setzten die Marienwallfahrten nach Stará Boleslav ein?

„Die Christen glauben daran, dass das Gnadenbild Wunder wirken und Kranke heilen kann. Wir haben Auf- zeichnungen, dass schon im 12. Jahrhundert Tausende Pilger nach Stará Boleslav kamen, um das Gnadenbild zu verehren.“
Stará Boleslav ist also ein Ort, an dem zwei bedeutende Heilige verehrt werden. Denn neben der Jungfrau Maria wird hier auch der heilige Wenzel verehrt. Schon im 10. Jahrhundert gab es die Wenzelwallfahrten, immer an Wenzels Todestag, dem 28. September. Kann man also sagen, dass Stará Boleslav der bedeutendste Wallfahrtsort der böhmischen Länder war?
   „Stará Boleslav war auf jeden Fall der älteste Wallfahrtsort. Vom 12. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fanden ununterbrochen Marien- und Wenzelwallfahrten nach Stará Boleslav statt.“
Die Tradition der Marienwallfahrten reicht also bis ins Mittelalter zurück und geht bis herauf in die Gegenwart.
Doch das Gnadenbild ging noch mehrmals in der Geschichte verloren …

   „Im Dreißigjährigen Krieg ging es zweimal verloren. Die Sachsen eroberten Stará Boleslav, raubten das Gnadenbild und brachten es nach Sachsen. Aber die böhmischen Adligen kauften das Bild zurück – sie wollten es nicht missen. Am Ende des Krieges fiel das Gnadenbild dann den Schweden in die Hände, die es nach Schweden verschleppten. Doch nach langen diplomatischen Bemühungen erlangten es die Tschechen wieder und 1650 kam es endgültig nach Stará Boleslav zurück.“
Inzwischen war aber die Bedeutung des Gnadenbildes noch gestiegen.
Es hatte eine besondere, zusätzliche Bedeutung bekommen. Wie verhielt es sich damit?

   „Im Jahre 1609 wurde es zum nationalen Schutzbild erklärt. Seit jener Zeit nennt man das Gnadenbild ´Palladium´.“
Wann erreichte die Wallfahrtstradition in Stará Boleslav ihren Gipfel?
   „Die ganze Barockzeit war natürlich eine Periode großer Wallfahrten. Aber wir haben auch aus dem 19. Jahrhundert Belege darüber, dass bei den Marienwallfahrten in Stará Boleslav bis zu 55.000 Pilger zusammenkamen.“
Und wie war es in der kommunistischen Zeit?
   „1950 versteckten die neuen Machthaber das Palladium. Nur eine Kopie war noch vorhanden. Die Gläubigen verehrten das Gnadenbild auch weiterhin. Aber sie mussten es heimlich tun. Wenn wir am 15. August heimlich zur Kirche gingen, hatten wir Angst, dass uns jemand sieht. Wir schlüpften rasch in die Kirche, und erst da fühlten wir uns sicher.“
Und jetzt finden die Wallfahrten wieder statt?
   „Nach der Samtenen Revolution bemühten wir uns, die Wallfahrten wieder zu beleben. Aber das ist nicht ganz einfach. Vor sieben Jahren wurden die Wenzelwallfahrten erneuert. Das hat uns sehr geholfen. Im Jahr 2008 errichteten wir ein Kreuz der Versöhnung. Es erinnert an das Unrecht, unter dem die Menschen in der Geschichte immer wieder leiden müssen. Damals kamen zahlreiche Gläubige aus Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und anderen Ländern nach Stará Boleslav. Und dieses Jahr am 15. August haben wir das 400. Jubiläum des Palladiums, unseres nationalen Schutzsymbols gefeiert. Wir haben auch eine Proozession durch die Stadt gemacht, wie das früher gewesen war, und es war ein großer Erfolg.“ RadioPrag090928

B-428csPavel-xx

Foto: Der tschechische Präsident Vaclav Klaus und seine Frau Silvia begrüßen den Papst in Brünn.

   Höhepunkt des dreitägigen pastoralen Besuches von Papst Benedikt XVI. in die Tschechische Repu- blik war die Messe unter offenem Himmel im mährischen Brunn. Dort rief er die Gläubigen dazu auf, nach Jahrzehnten des Kommunismus zur Religion zurückzukehren: Die Erfahrung der Geschichte zeige, wie sinnlos das Leben eines jeden Menschen werde, „wenn er Gott von seinem Entscheidungs- und Handlungshorizont ausschließt". Es sei nicht einfach, eine Gesellschaft aufzubauen, die sich an den Werten des Guten, der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit orientiere, sagte der Papst vor etwa 120.000 Pilgern. Die Freiheit des Menschen bleibe brüchig, wenn er ohne Orientierung lebe.
   Am ersten Tag hatte Benedikt XVI. in Prag den Fall der Berliner Mauer als ei¬nen „Wendepunkt der Weltgeschichte" bezeichnet. Er warnte davor, die Folgen von vierzig Jahren kommunistischer Unter- drückung zu unterschätzen, und rief die Tschechen zu einer Wiederentdeckung ihrer christlichen Tradition auf. „Der Mensch muss von materiellen Zwängen befreit werden, aber mehr noch muss er von den Übeln gerettet werden, diesen Geist befallen", sagte er auf der Prager Burg. Die wieder- gewonnene Freiheit suche ein Ziel. „Sie verlangt nach Überzeugung", sagte der Papst.
   Auch in Prag betonte Benedikt XVI. die „unersetzliche Rolle" des Christentums „für die Förderung eines grundlegenden ethischen Konsenses". Am gegenwärtigen Scheideweg der Zivilisation müsse sich „jedes Bemühen um Fortschritt vom christlichen Erbe inspirieren lassen". Immer wieder spielte der Papst so auf die geringe Bedeutung der Religion in der Tschechischen Republik an. Etwa 70 Prozent der Tschechen fühlen sich laut Statistik keiner Konfession verbunden. Diese Säkularisierung reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Damals distanzierte sich die tschechische Nationalbewegung von der katholischen Kirche, die mit der Fremdherrschaft der Habsburger in Verbindung gebracht wurde.
 Der tschechische Staatspräsident Klaus bezeichnete es als ein wichtiges Zeichen, dass Benedikt XVI. gerade jetzt, zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer „in das Herz der mitteleuropäischen Region" gekommen sei. Er teile die Sorgen des Papstes um den Verfall der traditionellen Werte der Zivilisation. Die Kirche war nach dem Krieg durch das kommunistische Regime enteignet worden und möchte nun Rückgabe oder Entschädigung durchset¬zen. Bisher ist das Parlament in Prag aber nicht zu einem Kompromiss bereit. Im Mai 2003 lehnten die Abgeordneten auch ein Konkordat zwischen der Tschechischen Republik und dem Heiligen Stuhl ab. Am dritten Tag wandtesich der Papst zum Abschluss seiner Reise in Altbunzlau an die Jugend.
   Vor dem Abflug nach Prag war Papst Benedikt XVI. vom italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi auf dem Militärflughafen Ciampino verabschiedet worden. Das Verhältnis der beiden gilt seit Monaten als gespannt. Der Vatikan beteiligte sich zwar nicht an der von vielen italienischen Bischöfen geäußerten Kritik am Lebenswandel des Ministerpräsidenten, unterstützte aber deutlich die Kritik an der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik Berlusconis und seines Innenministers Maroni von der Lega Nord. Berlusconi hatte nach seiner Rückkehr vom G-20-Gipfel in Pittsburgh gut eine halbe Stunde auf den Papst gewartet und sich in dieser Zeit mit Kardinalstaatssekretär Bertone und dem vatikanischen Innenminister Filoni unterhalten. Die Begegnung mit dem Papst war wesentlich kürzer. Gleichwohl berichteten die Zeitungen ausführlich über das Treffen. In den Kommentaren hieß es, die Begegnung sei von Staatsminister Letta, dem engsten Mitarbeiter Berlusconis, eingefädelt worden. Die Fern- sehkameras hätten ein Bild von „normalen Beziehungen zwischen Berlusconi und dem Papst" aufzeichnen sollen. Dem Vernehmen nach hatte sich Berlusconi schon seit Monaten um eine Begegnung mit dem Papst bemüht. Kardinalstaatssekretär Bertone sagte Ende August kurzfristig ein Treffen mit Berlusconi in L‘Aquila ab. Das geschah, nachdem die Tageszeitung „Il Giornale", die einem Bruder Berlusconis gehört, den damaligen Chefredakteur der bischöflichen Tageszeitung „Avvenire" einen „schwulen Heuchler" genannt hatte. Der angesehene katholische Publizist war daraufhin zurückgetreten.
FAZ0900928jöb 

B-432cs-x B-431cs-x

Papst: Grandioser Film über heiligen Augustinus

B-TVxx

   Als eine „grandiose Darstellung" hat Papst Benedikt XVI. nach Angaben des Vatikan einen neuen Film über das Leben des heiligen Augustinus gewürdigt. Die Fernseh-Biographie, die der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit italienischen und polnischen Firmen produziert hatte, wurde ihm kürzlich in Castel Gandolfo vorgeführt. Sie wird nach Angaben des Senders voraussichtlich noch in diesem Jahr im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.Der Papst dankte dem Bayerischen Rundfunk für die Produktion.
   Es sei für ihn eine große Freude gewesen zu sehen, wie eine eher beiläufige Bemerkung vor drei Jahren den Weg für ein solches Vorhaben geebnet habe, sagte der Papst. Er bezog sich damit auf das Interview, das er im August 2006 ARD, ZDF und der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan gegeben hatte siehe Foto oben. Damals antwortete Benedikt XVI. auf die Frage des RadioVatikan- Journalisten Pater Eberhard von Gemmingen, auf welche Weise Heilige wieder mehr zum Vorbild wer- den könnten:
   „Vielleicht kann man auch Filme über solche Gestalten machen - ich könnte mir schöne Filme vorstellen. Ich kenne natürlich nur die Kirchenväter."
DT090919KNA

cdLehmann-ax- B-ErikPeterson-xx

   Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann ist mit Papst Benedikt XVI. zusammengetroffen

   Anlass des privaten Besuchs am päpstlichen Sommersitz Castelgandolfo bei Rom war die Über- reichung des 9. Bandes der Schriften des Archäologen und Neutestamentlers Erik Peterson (1890- 1960). Begleitet wurde Lehmann von der Mainzer Theologin Barbara Nichtweiß als Herausgeberin der Reihe, wie aus dem Bistum Mainz verlautete. Über weitere Themen des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt. -
  Peterson, der 1930 in einem aufsehenden Schritt vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertierte und anschließend lange in Rom lehrte, übte als Wissenschaftler einen nachhaltigen Einfluss auf Joseph Ratzinger aus. Noch als Papst befasste sich Ratzinger mit der Paulus-Inter- pretation Petersons: Ein offizielles Bild aus einem Sommeraufenthalt Benedikt XVI. in Castelgandolfo zeigt ihn beim Lesen des 7. Bands der Werkausgabe zum Ersten Korintherbrief. Rv090911kna
   Das Foto gibt Einblick in die Sommerlektüre des Papstes: Aufgeschlagen vor ihm liegt der gerade neu erschienene 7. Band der "Ausgewählten Schriften" Erik Petersons: "Der erste Brief an die Korinther und Paulus-Studien", herausgegeben von Hans-Ulrich Weidemann.
   Papst Benedikt hat zeit seines theologischen Wirkens in vielen seiner Schriften und Büchern immer wieder Bezug genommen auf verschiedene Werke Erik Petersons, inbesondere auf die zuerst 1951 gesammelt erschienenen "Theologischen Traktate". Das 1994 in Angriff genommene Projekt der "Aus- gewählten Schriften" bzw. der Nachlassedition begleitete Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubens- kongregation von Anfang an mit Aufmerksamkeit und Anerkennung.  IntMz090911

B-420-Obama-xx

 Gebet für einen Mächtigen - Annäherung nach Monaten des Streits
Papst Benedikt XVI. gewährt US-Präsident Barack Obama Audienz 

   US-Präsident Barack Obama kann sich des höchsten geistlichen Beistandes der katholischen Kirche sicher sein. „Ich bete für Sie", sagte Papst Benedikt XVI. nach einer Audienz, die er dem wohl mächtigsten Mann der Welt gewährte. Etwa 40 Minuten war Obama beim geistigen Oberhaupt des Katholizismus. Es sei eine große Ehre, hatte Obama vorab verlauten lassen. Was beide besprachen, wurde nicht bekannt, aber Obama hatte, während die Fotografen die Begrüßungsszene ablichteten, den Papst über den G-8-Gipfel informiert. Dieser sei sehr produktiv gewesen; insbesondere im Hinblick auf 20-Milliarden-Dollar-Hilfe für den Kampf gegen den Hunger.
   Im Vorfeld hatte das Weiße Haus eine „sehr freimütige Unterredung" erwartet, denn zwischen Washington und dem Vatikan gibt es tatsächlich einiges an Irritation auszuräumen. In den ersten Amtsjahren von Benedikt XVI. hatte sich der Vatikan mit auffallender Freundlichkeit an die Regierung von George W. Bush angenähert, entschieden stärker, als dies unter Papst Johannes Paul II. der Fall gewesen war. Wojtyla hatte Bushs Kriegspolitik in Afghanistan und im Irak immer missbilligt und unter umfassendem Einsatz der Vatikandiplomatie den Frieden zu erhalten versucht.
   Verbündet sahen sich Vatikan und Bushs Washington hingegen immer im Kampf gegen, die Abtreibung - doch gerade diese Einheit hat mit dem Regierungsantritt Obamas gewaltige Sprünge bekommen. Zu den ersten Amtshandlungen Obamas gehörte es, Regierungsgelder für Organisationen und Kliniken freizugeben, die Abtreibungen unterstützen oder gar praktizieren. „Mit  diesem harten Schlag", so sagen hohe Vatikankardinäle, setze Obama das „Blutbad an Unschuldigen" fort; der US- Präsident sei „erfüllt von rechthaberischer Arroganz".
   Inzwischen haben sich die Gemüter teilweise beruhigt. Obama hat den Ehrendoktortitel der katholischen Vorzeigeuniversität „Notre Dame" in den USA bekommen; bei der Verleihung ist er zwar nicht von seinen liberalen Vorstellungen zur Abtreibung - und auch zur Stammzellenforschung - abgewichen, hat aber ein sozialpolitisches Handeln „zur Reduzierung der Schwangerschaftsabbrüche" versprochen. Mittlerweile hat die Vatikandiplomatie ihren Blick auf Obama geweitet und erkennt die Chance auf einen Wandel in anderen weltpolitischen Feldern: in der Abrüstung, in der „sozialen" Neu- regelung der Weltmärkte, im Kampf gegen Armut, in der Zusammenarbeit der großen Regierungen dieser Welt.
   Besondere Freude hat im Vatikan das Angebot Obamas an die islamischen Staaten zu einem „neuen Anfang der Beziehungen" hervorgerufen; das treffe sich, heißt es in Rom, mit den Bemühungen Benedikts zur Verstärkung des interreligiösen Dialogs. Der Vatikan weiß, dass die Stimmenmehrheit unter den 68 Millionen US-Katholiken durchaus zum Wahlerfolg Obamas beigetragen hat, auch wenn die katholischen US-Bischöfe nicht unbedingt auf diesem Kurs waren.
   Was der Papst grundsätzlich denkt, hat Obama seit gestern zudem schriftlich: Benedikt XVI. schenkte ihm eine Fassung seiner neuen Sozialenzyklika. Der US-Präsident revanchierte sich mit einer Stola vom Grab des heiligen John Neumann, Bischof von Philadelphia. Kurz vor der Abreise durfte auch Michelle Obama den Papst in dessen private Bibliothek begrüßen. HAZ090711PaulKreiner

Obama beim Papst: „Abtreibungen reduzieren“
   „Es ist mir eine große Ehre“ – so die Worte des US-Präsidenten Barack Obama bei seinem ersten Treffen mit Papst Benedikt XVI. an diesem Freitag. In dem etwa 40-minütigen Gespräch ging es neben den Ergebnissen des soeben zu Ende gegangenen G8-Gipfels auch um ethisch heikle Themen wie Stammzellforschung und Abtreibung. Präsident Obama versprach dem Papst, die Zahl der Abtreibun- gen in den USA so weit wie möglich zu reduzieren. Dieses Versprechen bedeute aus moralischer Sicht der Kirche zwar „nicht alles“, zeuge aber zweifelsohne von „positivem Engagement“ des Präsidenten, kommentierte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.
   Die Geschenke des Papstes an Obama – Benedikts neue Sozialenzyklika und das Vatikan-Dokument „Dignitas Personae“ zur Bioethik – erinnerten den US-Politiker an seine Verantwortung, einen nach- haltigen Fortschritt und den Lebensschutz zu fördern.
   Lombardi: „Sicher lädt die Enzyklika heute ein, das Konzept des wahren Fortschritts der Menschheit neu zu überdenken. Der Papst hat mit dem Geschenk seines Lehrschreibens für Obama die Reflektionen der Kirche an einen großen politischen Verantwortlichen übergeben.“
   In dem ersten gemeinsamen Treffen Obamas und Benedikts ging es auch um ein Thema, das in den USA in der Abtreibungsdebatte eine große Rolle spielt: Die Möglichkeit zum Beispiel der Ärzte, ethisch bedenkliche Handlungen aus Gewissensgründen abzulehnen.
   Lombardi: „In Amerika findet heute eine große Debatte über den Lebensschutz statt. In diesem Punkt weisen die Sichtweise der Kirche und die Politik des Präsidenten Obama ziemlich bedeutende Differenzen auf. Die Tatsache, dass der Papst Obama das Dokument „Dignitas Personae“ über die Ethik des Lebens überreicht hat, ist vor diesem Hintergrund sehr bedeutsam. Der Präsident hat dem Papst versichert, dass er versuchen werde, die Zahl der Abtreibungen so weit wie möglich zu reduzieren.“
   US-Präsident Obama versprach, das Dokument aufmerksam zu lesen und überreichte dem Papst seinerseits eine Stola vom Grab des heiligen John Neumann, der im 19. Jahrhundert Bischof von Phil- adelphia war. Nach Angaben des Vatikans verlief das Treffen insgesamt in „herzlicher“ Atmosphäre. Beide Beteiligten seien froh über diese „Möglichkeit des Dialoges und gegenseitigen Zuhörens“ gewesen, so Lombardi. Obama ist anschließend nach Ghana weitergereist. Rv090711

B-420-Obama-x B-420-ObamaStola-

Obamas Charisma erreicht auch den Papst
Foto rechts: Präsident Obama überreicht Papst Benedikt als Gastgeschenk eine besondere Stola
Diese Stola gehörte dem heiligen John Neumann, einem Immigranten, der sich im priesterlichen Dienst für Immigranten hingab. Information über St. John Neumann > www.stjohnneumann.org

   Der Vatikan hat ein besonderes Protokoll für den Besuch von Staatsregierungen. Darin ist  alles festgelegt, auch die Anzahl der Schweizer Gardisten und der hinzugezogenen Personen. In welcher Form der Besuch dann stattfindet, hängt von den Abmachungen zwischen dem Papst und seinem Gast ab.   
   Obama kam direkt vom G8-Treffen in L’Aquila, Italien, in den Vatikan und flog unmittelbar nach seinem Besuch nach Ghana. Der Zeitplan war also eng. Das war der Grund, warum der Vatikan und das Weiße Haus vereinbart hatten, auf offizielle Reden zu verzichten. Aber es ist immer Zeit, Gast- geschenke auszutauschen.
   Die Ordensprovinz der Redemptoristen in Baltimore teilte mit, dass sie Präsident Obama eine Stola gegeben haben, die Pater John Neumann gehört hatte, der im 19. Jahrhundert als erster natura- lisierter Amerikaner heiliggesprochen wurde. Obama überreichte diese Stola Papst Benedikt als Gast- geschenk.
  Während die Geschenke der Präsidenten und Premierminister für den Papst ganz unterschiedlich sind, mit einer Tendenz zu alten Büchern, Statuen und Vasen, gibt Papst Benedikt den hohen Besuchern stets eine Goldmedaille des jeweiligen Jahres seines Pontifikates. Manchmal ist es aber auch ein Mosaik oder eine Reproduktion einer historischen Radierung des Petersdomes oder auch des Petersplatzes. Dem australischen Premierminister Kevin Rudd überreichte Benedikt kürzlich eine Sonderausgabe eines Füllers in der Form einer Säule des Baldachins von Gian Lorenzo Bernini über dem Hauptaltar von St. Peter. Offenbar haben die Staatspräsidenten einen größeren Spielraum für ihre Präsente. 
   Dreimal besuchte der frühere US-Präsident Georg W. Bush Papst Johannes Paul II.  im Vatikan. Die Gastgeschenke: die Erstausgabe amerikanischer Dichtung von 1849, ein Silbermedaillon mit einem handgemalten Bild Mariens und die Friedensmedaille des Präsidenten. Präsident Bush traf Papst Benedikt im Vatikan zweimal. 2007 brachte der Präsident einen Wanderstab, in den ein Obdachloser die zehn Gebote eingraviert hatte.  2008 gaben beide einander Fotografien vom Papstbesuch im Weißen Haus.
   Manche werden sich wundern darüber, dass  der nichtkatholische Präsident Obama ein sehr katholisches Geschenk mitbrachte, während der katholische japanische Premierminister Taro Aso dem Papst einen digitalen Video-Recorder schenkte.  
   Das vatikanische Protokoll kennt für Präsidenten und Premierminister drei Kategorien in auf- steigender Feierlichkeit bei den Besuchszeremonien: Privatbesuch, Offizieller Besuch und Staats- besuch. Der Besuch Obamas war ein Privatbesuch mit besonderem Flair. Der Empfang geschah im Damasus-Hof durch den US-amerikanischen Bischof James Harvey, Präfekt des päpstlichen Hauses, und einer kleinen Abordnung der Schweizer Garde. Anders als üblich traf sich Obama zuerst mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone noch vor der Audienz bei Benedikt. Nach einem sehr privaten Gespräch zwischen Papst und Präsident wurden noch seine Frau Michelle und die beiden Töchter Sasha und Malia hinzugebeten. Nach einem obligaten Gruppenfoto und dem Austausch der Geschenke eilte der Präsident zum Flughafen.
   Obama führte so eine jetzt schon 90-jährige Tradition fort. Als erster US-Präsident besuchte Woodrow Wilson den Vatikan. Er begegnete Papst Benedikt XV. im Jahr 1919 während seiner Tour durch Europa nach dem 1. Weltkrieg. Der nächste Besuch eines Präsidenten war 40 Jahre später; Dwight D. Eisenhower traf Papst Johannes XXIII. im Jahr 1959.  Seither waren alle Präsidenten der USA im Vatikan. 1963 traf John F. Kennedy Papst Paul VI; 1967 Lyndon B. Johnson; 1969 und 1970 Richard M. Nixon; 1975 Gerald R. Ford. 1980 war dann Jimmy Carter bei Papst Johannes Paul II. 1982 und 1987  Ronald Reagan; Georg H. W. Bush traf den Papst 1989 und 1991 und Bill Clinton kam 1994 in den Vatikan. George W. Bush besuchte Johannes Paul II im Jahre 2001 in Castel Gandolfo und im Vatikan 2002 und 2004. Auch bei der Beerdigung von Johannes Paul 2005 war er zugegen. Er besuchte den Vatikan erneut 2007 und dann noch 2008, wo er Papst Benedikt XVI. traf. 
   Seit dem Besuch von Präsident Carter waren die wesentlichen Inhalte dieser Begegnungen 1. der Frieden in der Welt und 2. der Schutz des menschlichen Lebens, besonders des ungeborenen Lebens. Diesen beiden Themen galt die Sorge der Päpste gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika.
CT090719CindyWooden

po-JapTaroAsoMP-xx

   Japans erster katholischer Premierminister Taro Aso Foto ist im Juli zu einem historischen Besuch in den Vatikan kommen. Das berichtet der Online-Nachrichtendienst „Petrus“. Taro Aso plane, vom G8- Gipfel auf Sardinien einen Abstecher nach Rom zu machen, um Papst Benedikt zu treffen, so „Petrus“. Der vatikanische „Außenminister“ Dominique Mamberti hatte mit seinem Japan-Besuch Mitte März wichtige Vorarbeit dazu geleistet. Der letzte japanische Ministerpräsident, der zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan kam, war vor zehn Jahren Keizo Obuchi. Rv090417petrus-online
 Gut eine Million katholische Christen leben in Japan, etwa 500.000 haben einen Migrationshintergrund.

Papst Benedikt XVI. in Afrika

poBundespräsid.HorstKöhler-

Gute Wünsche für die Pastoralreise von Bundespräsident Horst Köhler:

   “...Ich weiß, dass die Menschen in Kamerun, in Angola und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent Ihrem Besuch mit großer Vorfreude entgegensehen. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche und auch für Sie selbst erfüllende Reise.”  Ihr Horst Köhler, Bundespräsident  DT090317

B-365Axx

 Benedikt XVI. ist in Afrika eingetroffen. In Kameruns Hauptstadt Yaoundé rief er zum Kampf gegen die Probleme des Kontinents auf. Afrika dürste nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung. Es ist die erste Reise des Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Sie führt ihn auch noch nach Angola.

Papst in Kamerun: „Christen können nicht schweigen angesichts der Ungerechtigkeit“
   „Welche Freude, zum ersten Mal seit meiner Wahl zum Papst in Afrika zu sein!“ Das sagte Benedikt in seiner ersten Ansprache auf afrikanischem Boden. Er gratulierte Kamerun zum 50. Jahrestag seine Unabhängigkeit und lobte das freundliche Klima zwischen den Konfessionen und Religionen im Land. Hier sind die Kernsätze aus der Papstrede am Flughafen von Yaoundé.
   „Ich komme zu euch als Hirte. Ich komme, um meine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, wie einst Petrus. Als Petrus am Pfingsttag in Jerusalem predigte, da waren auch Zuhörer aus Afrika dabei. Das Zeugnis vieler großer Heiliger dieses Kontinents in den ersten Jahrhunderten des Christentums garantiert Afrika einen besonderen Platz in der Kirchengeschichte. Bis heute haben Heerscharen von Missionaren und Märtyrern in allen Teilen Afrikas Zeugnis für Christus abgelegt, und heute zählt die Kirche hier etwa 150 Millionen Gläubige.“
   Benedikt erinnerte daran, dass Papst Johannes Paul 1995 in Yaoundé das Abschlußdokument einer Bischofs-Sondersynode für Afrika vorstellte. Er komme nun, um das Arbeitspapier der zweiten Son- dersynode zum Thema Afrika zu präsentieren; das Bischofstreffen findet im Oktober in Rom statt. Er hoffe auf einen „Moment der Gnade“ und einen „neuen missionarischen Aufbruch“ der afrikanischen Kirche.
   „Auch mitten im größten Leiden bringt die christliche Botschaft immer Hoffnung mit sich. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott kann auch in einer Lage großen Leids und großer Ungerechtig- keit alles verwandeln. Ein Christ kann niemals schweigen angesichts des Schmerzes und der Gewalt, der Armut und des Hungers, der Korruption und des Machtmissbrauchs! Die rettende Botschaft des Evangeliums will mit Kraft und Klarheit verkündet werden, damit das Licht Christi im Dunkel des Lebens der Menschen leuchtet. Auch hier in Afrika hungern zahllose Menschen nach einem Wort der Hoffnung und des Trostes. Regionale Konflikte führen zu Tausenden Obdachlosen und Bedürftigen, Waisen und Witwen.“
   Überraschend deutlich ging Papst Benedikt schon in seiner ersten Ansprache auf die Probleme Afrikas heute ein.
   „Der Kontinent hat in der Vergangenheit erlebt, dass viele seiner Einwohnner grausam geraubt und verschifft wurden, um als Sklaven zu arbeiten; heute ist der Menschenhandel, besonders mit wehrlosen Frauen und Kindern, zu einer modernen Form der Sklaverei geworden. In einer Zeit welt- weiter Nahrungsmittelknappheit, der Finanzkrise und des Klimawandels leidet Afrika überproportional: Immer mehr seiner Einwohner werden zu Opfern des Hungers, der Armut, der Krankheit. Sie schreien nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden – und genau das ist es, was die Kirche ihnen bietet: Nicht neue Formen wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung, sondern die Freiheit der Kinder Gottes. Nicht kulturelle Modelle, die das Recht der Ungeborenen ignorieren, sondern das reine Wasser des Evangeliums vom Leben. Nicht bittere Rivalitäten zwischen Volksgruppen und Religionen, sondern den Frieden und die Freude des Reiches Gottes – die Zivilisation der Liebe.“
   Der Papst erwähnte, dass mehr als ein Viertel der Einwohner Kameruns sich zum katholischen Glauben bekennt. Die Kirche sei also „in einer guten Ausgangslage, um für das Wohl der Menschen und die Versöhnung einzutreten“. Das tue sie besonders in der Sorge um Kranke und Behinderte sowie im Schulwesen.
   „Kamerun ist ein Land der Hoffnung für viele in Zentralafrika. Tausende von Flüchtlingen aus Län- dern der Region, die vom Krieg verwüstet sind, haben hier Aufnahme gefunden. Es ist ein Land des Lebens – mit einer Regierung, die sich eindeutig auch für die Rechte der Ungeborenen einsetzt. Es ist ein Land des Friedens: Kamerun und Nigeria haben einen Streit um eine Halbinsel im Dialog aus der Welt geschafft und damit der Welt gezeigt,dass eine geduldige Diplomatie immer Früchte bringen kann. Es ist ein Land der jungen Leute mit einer vitalen, jungen Bevölkerung. Mit Recht sprechen manche von „Afrika in Miniatur“ – es ist Heimat von über 200 ethnischen Gruppen, die in Harmonie miteinander leben... Gott segne Kamerun! Gott segne Afrika!“ Rv090317

B-362Ax 

Interview über den Wolken - Benedikt: „Afrikas Aids-Krise löst man nicht mit Kondomen“

  Bereits zum Antritt der Afrikareise ist Aids für Papst Benedikt zu einem Thema geworden: Die Aids- Epidemie in Afrika könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, dies vertiefe die Probleme nur. Das betonte der Papst während des Fluges von Rom nach Kamerun. Wie üblich bei Papstreisen fand auch diesmal eine„fliegende Pressekonferenz“ hoch über den Wolken statt.
   Der Papst wörtlich: „Ich denke, die wirksamste, präsenteste und stärkste Realität im Kampf gegen Aids ist gerade die katholische Kirche mit ihren geistlichen Bewegungen und ihren verschiedenen Gruppen. Da denke ich etwa an die Gemeinschaft von Sant’Egidio, die sichtbar und unsichtbar sehr viel im Kampf gegen Aids tut, an die Kamillianer, an all die Schwestern, die den Kranken beistehen. Ich würde sagen, das Problem Aids löst man nicht mit Geld allein. Geld ist nötig, hilft aber nur, wenn dahinter eine Seele steckt, die es gut einzusetzen weiß. Ebenso wenig ist es getan mit der Verteilung von Präservativen: Im Gegenteil, sie verstärken das Problem. Die Lösung muss eine doppelte sein. Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine spirituelle und menschliche Erneuerung, die zu einer neuen Art des Umgangs sowohl mit dem eigenen Körper als auch zu einem neuen Umgang miteinander führt. Das zweite ist Freundschaft mit und für die Leidenden, eine Hilfsbereitschaft, die auch mit persönlichen Opfern verbunden ist, um an der Seite der Kranken zu sein - diese Fähigkeit zum Mitfühlen mit den Leidenden und in schwierigen Situationen dazubleiben. Das sind die Faktoren, die helfen und die echte, sichtbare Fortschritte bringen. Die Kirche tut das und leistet so einen großen und wichtigen Beitrag. Ich danke allen, die da mitwirken.“ Dies ist im Wortlaut die Antwort des Papstes auf die Frage nach AIDS auf dem Hinflug nach Afrika. Einige Medien - besonders in Deutschland - haben das wohl nicht verstehen wollen.
   Der Papst rief zu internationaler Solidarität auf, damit Afrika unter dem Druck der Wirtschaftskrise nicht zusammenbreche. Er meinte, dass die Finanz- und Wirtschaftswelt ethische Fragen in den Vordergrund rücken sollte.
   „Diese Wirtschaftskrise ist das Resultat eines ethischen Defizits. Mit diesem Thema werde ich mich in meiner neuen Enzyklika befassen. Die Enzyklika war fast fertig, doch dann ist die globale Rezession hinzugekommen, und wir haben den Text revidieren müssen, um der Menschheit eine Botschaft zu dieser Weltlage zu bieten.“ Volltext der Enzyklika > Caritas in veritate
   Die Kirche in Afrika stehe den Armen und den Leidenden nahe. Dennoch sei sie keine „perfekte Gemeinschaft“. Daher sei „eine Bereinigung der Strukturen und eine Reinigung der Herzen“ notwendig. Benedikt sprach in diesem Zusammenhang auch von der Aggressivität der neuen Sekten in Afrika.
   „Es stimmt, in Afrika gibt es Probleme mit den Sekten. Wir verkünden nicht wie sie Wunder und Reichtum. Diese Sekten sind sehr instabil, und der Katholizismus kann sie mit seiner Struktur und Einheit durchaus bekämpfen. Unser Netz kann den Tribalismus überwinden.“
Rv090317 rv090319

polAngola-x polAngola-Afrika polKamerun

Der Papst besuchtKamerun und Angola
Foto links:
Staatswappen von Angola Foto rechts: Staatswappen von Kamerun

 In der Ankündigung seiner Reise sagte  Benedikt XVI.: „Ich habe die Absicht, nach Kamerun zu reisen. Dort will ich den Vertretern der Bischofskonferenzen Afrikas die Arbeitsunterlagen für die zweite Sondersynode für Afrika übergeben, die im Oktober nächsten Jahres in Rom stattfinden wird. Von Kamerun aus werde ich mich, so Gott will, nach Angola begeben, um feierlich den 500. Jahrestag der Evangelisierung des Landes zu begehen.” Es wurde die erste große Afrikareise dieses Pontifikats; Benedikt XVI. hat bisher neben europäischen Zielen schon Nord- und Südamerika sowie Australien besucht. In Kamerun war schon Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1985 und 1995 gewesen; Angola besuchte der Papst aus Polen im Jahr 1992.
Geographische Lage von Kamerun laut Nuntius ausschlaggebend für Papstreise
   Für die Wahl Kameruns zum Ziel der nächsten Papstreise ist die geografische Lage im Zentrum Afrika ausschlaggebend gewesen. Das sagte der Apostolische Nuntius in Yaounde, Erzbischof Elisio Antonio Ariotti, dem vatikanischen Missionspressedienst Fides. Zudem gehöre das Land zur englisch- wie zur französischen Sprachzone; daher habe sich angeboten, dass Benedikt XVI. hier das Arbeits- papier für die vatikanische Afrika-Synode im Oktober 2009 vorstellt. Auch nach der ersten Afrika- Synode 1994 hatte Johannes Paul II. (1978-2005) unter anderem in Kamerun das Abschlussdokument präsentiert. RVfides081027bg
Kamerun: Papstbesuch soll Gesellschaft an Werte erinnern
   „Die größte Herausforderung ist es, die christlichen Werte wieder in Erinnerung zu rufen. Es geht etwa um Ehrlichkeit in der Abwicklung öffentlicher Angelegenheiten, um Transparenz für das Afrika von heute und vor allem für Kamerun. Diese Aufgabe wartet auf uns. Im Leben der Kirche sind auch die kleinen Gemeinschaften sehr wichtig, die Jesus ganz in den Mittelpunkt stellen. Schon die erste Sondersynode für Afrika hat diese große Bedeutung der kleinen christlichen Gemeinschaften unter- strichen.“ rv090215
Das deutsche Hilfswerk Misereor begrüßt Afrikareise des Papstes
   Der Abteilungsleiter des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Michael Hippler, begrüßt die Reisepläne als positives Signal an die Kirche des Kontinents:
   „Beide Länder spielen gerade in der aktuellen Diskussion um Afrikas Zukunft eine wichtige Rolle. Zum einen Kamerun, ein Land das zu den korruptionsverdächtigsten Ländern gehört, aber von einem katholischen Präsidenten geführt wird. Hier geht es bei den Gesprächen des Papstes mit der Regierung und der Ortskirche auch darum zu sehen, welchen Einfluss die katholische Soziallehre auf diese gravierende Situation nehmen kann.”
   In Angola hat der Papst anschließend an den 500-Jahr-Feiern der Evangelisierung des Landes teilgenommen. Angola ist, laut Hippler „…einer der inzwischen weltweit größten Erdölproduzenten mit immer größerer Bedeutung angesichts der großen Ölvorkommen. Auch hier gibt es viel Korruption und vor allem Missmanagement, das dazu führt, dass in Angola eine kleine Gruppe von Menschen sehr reicht wird und der Rest der Bevölkerung in absoluter Armut verharrt. Angola ist sicher eines der Länder mit der größten Ungleichverteilung an Einkommen der Welt.” rv081827bg

B-366Axx      

Stationen Benedikts in Yaoundé, Stadt auf sieben Hügeln

   Zwei Kirchen, das Fußballstadion und eine Krankenstation besucht Benedikt XVI. während seines Aufenthalts in Kamerun, erste Station auf seiner Afrikareise. Ein wenig mag er sich heimisch fühlen, wie Rom ist Yaoundé auf sieben Hügeln erbaut. Von einer ersten Ortsbesichtigung berichtet unsere Korrespondentin Birgit Pottler.
   Yaoundé ist eine Verwaltungshauptstadt, erst 1889 gegründet, das Herz der Wirtschaft schlägt gut 250 Kilometer westlich in der Hafenstadt Douala. Abseits der großen Straßen ist Yaoundé ein einziger großer Markt. Zwischen Hütten aus Holz, Lehm oder Wellblech bieten Frauen wie Männer alles feil, was ihr Land und seine Menschen produzieren: Holz und Handwerk, Bananen, Gewürze, bedruckte und gebatikte Stoffe in allen Farben… Dazwischen verkaufen sie Handy-Karten, grillen Fleischspieße, frittieren Backwerk. Wo auch immer ein Stück rote Erde frei ist, spielen Kinder und Männer Fußball. Trikots der großen Vereinsmannschaften aus aller Welt gibt es überall zu kaufen, doch das leuchtende Grün des Nationaltrikots Kameruns überstrahlt sie alle. „In einem Zimmer sein, ist Stress“, sagt einer der Priester, der uns in diesen Tagen begleitet. „Wir leben auf der Straße.“
   Dass Straßen und Plätze jetzt modernisiert werden, dass das Stromnetz gerade jetzt erneuert wurde, sei Zufall, maximal glückliche Fügung. Die Modernisierungspläne existierten schon seit drei Jahren, versichern Kirchenvertreter und Sicherheitspersonal.
   Auf einem der sieben Hügel Yaoundes liegt die Pfarrei Christus-König inmitten eines guten Wohnviertels mit Schulen und medizinischer Versorgung. Tiefrot das Tor zum Pfarrhof, rot und ocker- farben die Kirche mit Wellblechdach und Buntglasfenstern. Der Papst traf hier die Bischöfe Kameruns. Vorher waren Wände gestrichen, die Kirchenbänke größtenteils entfernt, der Altarraum umgestaltet und die Holztüren neu lackiert. Unsere Mikrofone können nur die Geräusche wiedergeben, ich kann also nur erzählen vom Geruch frischer Farbe, der sich vermischt mit diesem süßlichen Duft Afrikas.
   Eine Oase der Ruhe zwischen Palmen, Kamelien und Mangobäumen ist dagegen die Basilika „Maria, Königin der Apostel“. Rund 20.000 Gläubige aus allen Diözesen Kameruns kamen hier zusammen, als der Papst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien die Vesper betete. Ein großzügiger, flacher Bau aus den 90er Jahren, innen holzverschalt, ist der Marienwallfahrtsort des modernen Kamerun. Die Evangelisierung der Region begann von diesem Hügel aus. Der Sitz der Pallottiner und die älteste erhaltene Kirche im Kolonialstil aus dem Jahr 1906 nur wenige Schritte entfernt geben davon Zeugnis. Schon Tage vorher beteten die Menschen hier vor dem Allerheiligsten still Papst und Afrika.
   Nächste Station für den Papst war das Stadion Amadou Ahidjo, benannt nach dem ersten – trotz zahlreicher wirtschaftlicher Fortschritte auch im Rückblick nicht unumstrittenen – Präsidenten des vereinigten Kamerun und kürzlich renoviert. Wo sonst die Fußballnationalmannschaft Kameruns ihre Spiele austrägt, überreichte Benedikt XVI. den Bischöfen des ganzen Kontinents feierlich die Arbeitsunterlagen für die nächste Afrikasynode. Die Holztribünen für 40.000 Fans und Gläubige leuchteten in den Nationalfarben, die ehemals ockerfarbene Überdachung wurde noch weiß ge- strichen; eine Altarinsel in Schiffsform, der Wind- und Sonnenschutz für Papst und Konzelebranten ist ein Aufbau aus Holz, Stroh gedeckt und mit Dachgaube, fast ein Haus im Kolonialstil.
   Geschäftigkeit, akribische Vorbereitung ja, doch der Arbeiterstab in Yaoundé blieb heiter. Meistern konnten sie fast jede Situation mit Musik und einem Lächeln. Das Spruchband vor dem Stadion wünscht dem Papst entsprechend auch „einen guten Josephstag“. Yaoundé konnte hier mit ihm Namenstag feiern.
   Letzte Besuchsstation in Yaoundé war am Donnerstag ein Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile Leger, der sich nach seinem Rückzug vom Amt des Erzbischofs in Montreal hier als Missionar verdient machte. Heute wird es vom staatlichen Gesundheitsministerium verwaltet und bietet unter anderem Physiotherapie, eine Schule, eine Schreinerei und eine Orthopädie-Werkstatt. 200 Kranke aus verschiedenen Kliniken des Landes warten hier auf Zuspruch des Papstes. Während draußen noch geputzt wird, sortiert die Leiterin in ihrem Büro die einheitliche Kleidung für die Patienten – Blusen, Hemden, Röcke, Hosen aus demselben Stoff – eigens bedruckt mit dem Papstbild und dem Motto seiner Reise und der Synode: „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.“ Auf dem Vorplatz wehen die Flaggen Kameruns und des Vatikans.  Rv090317

Herausforderungen und Chancen der Kirche in Afrika
   Papst Benedikt XVI. schlägt ein neues Kapitel seiner Reisen auf, wenn er nun Kamerun und Angola besucht. Diese Pastoralreise hat für den problembeladenen Kontinent die Botschaft der Hoffnung gebracht. Es war der erste Besuch von Papst Benedikt in Afrika, der in der Weltöffentlichkeit eher als Europa-bezogen angesehen wird.
   Dieser Besuch wird Benedikt XVI., der jetzt zu dieser Zeit die Arbeit an seiner ersten großen Sozial- enzyklika vollendete, den Menschen näher bringen, die täglich gegen Armut, Krankheit, Bestechung und bewaffnete Konflikte kämpfen.
   Die globale Finanzkrise beschwert die Last der Armen Afrikas. Die Worte des Papstes über die wirtschaftliche Gerechtigkeit gaben einen Ausblick auf die Themen seiner Sozialenzyklika.
   Der Afrikabesuch umfasste zwei Teile: In Kamerun traf der Papst die Bischöfe des ganzen afrika- nischen Kontinents und er überreicht ihnen die Unterlagen der Bischofssynode für Afrika, die im Ok- tober in Rom stattfinden wird. Die Themen der Synode sind: Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden. In den sieben Ansprachen während seines viertägigen Besuchs in Kamerun hatte der Papst diese Themen anklingen lassen: die ethnischen und politischen Spannungen in Dafur im Sudan, in Somalia, und in der Region der großen Seen.  Die verantwortlichen Regierungen forderte der Papst auf, den Dialog zu intensivieren, die Korruption und die menschliche Not der Bevölkerung zu bekämpfen.
   Wichtiger aber war es für Benedikt, auf den besonderen Auftrag der Kirche hinzuweisen, die als Ge- meinschaft berufen ist zu heilen, zu versöhnen, zu vergeben und zu ermutigen. Der Auftrag ist doch, die Evangelisierung voranzubringen, damit Menschen in die Kirche eintreten mit dem Ziel,  vom Evangelium im persönlichen Leben und im Leben der Gesellschaft Zeugnis zu geben.
   In Kamerun begegnete der Papst auch den Landesvertretern der muslimischen Gemeinschaft, die etwa 22 Prozent der Bevölkerung ausmacht. In dieser Begegnung, aber auch in Treffen mit den afrikanischen Bischöfen, betonte der Papst die Notwendigkeit zur interreligiösen Zusammenarbeit in moralischen Fragen und auch, um die Probleme des Kontinents anzugehen.
   In Nigeria – dem Nachbarland von Kamerun – verursachten Angriffe zwischen Gruppen von Christen und Moslems in den letzten Monaten hunderte von Toten. Vertreter der Kirche erklären aber, dass die Gewalt wesentlich politische und nicht religiöse Ursachen hat.
   Der zweite Teil der Afrikareise führte den Papst in die Hauptstadt von Angola, Luanda. Der Grund war die 500-Jahr-Feier der Ankunft portugiesischer Missionare im 15. Jahrhundert. Angola erholt sich jetzt materiell, politisch und spirituell von dem 27-jährigen Bürgerkrieg, der in Jahr 2002 endete. Die erste freie Wahl nach dem Krieg ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. Viele Angolaner erwarteten vom Papstbesuch für ihr Land einen Funken Hoffnung und Ermutigung, damit es mit der Wieder- versöhnung und des Wiederaufbaus vorangeht.
   Ein großes Ereignis war die Jugendmesse des Papstes im Fußballstadion in Luanda. Hier schlug Benedikt die Brücke zur Jugend Angolas. Der letzte volle Tag in Angola war dann den katholischen Bewegungen vorbehalten, die sich die Förderung der Frauen zur Aufgabe gemacht haben. Hier wurde der Einsatz der Kirche gegen die Fortdauernde Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen in Afrika deutlich. Hier betonte Benedikt XVI. die Lehre der Kirche von der Gleichheit der Geschlechter.
   Gesundheitsvorsorge ist ein großes Thema in Angola und überhaupt in Afrika. Besonders die AIDS- Pandemie hat den Kontinent verwüstet. Diese Krankheit tötet jährlich 1,5 Millionen Menschen in den Ländern südlich der Sahara; elf Millionen Kinder wurden dadurch zu Waisen. Wenn es um das Thema Kirche und AIDS geht, richtet sich das Interesse der Medien oft auf die Ablehnung der Kirche von Kondomen. Schon 2005 hat der Papst gegenüber afrikanischen Bischöfen daran erinnert, dass die Kirche in vorderster Front zur Bekämpfung dieser „grausamen Epidemie“ stehe und betonte, dass er „den einzig sicheren Weg“ zur Verhinderung der Ausbreitung von AIDS in der Lehre der Kirche von geschlechtlichen Verantwortung des Menschen sieht.
   Was wird bleiben von diesem Besuch des Papstes in Afrika?
   Sicherlich sind die Ansprachen und Predigten von großer Bedeutung. Aber die afrikanischen Bischöfe erwarten mehr: „Der Heilige Vater trägt – wo immer er geht – mit sich eine Aura von der Gegenwart Gottes auf Erden”, sagt der nigerianische Bischof Odogwu Elue von Issele-Uku. Seine Nähe zu uns wird fast gleichgesetzt mit der Nähe Gottes zu uns. Wir sprechen nicht über seine politische Funktion… es ist seine spirituelle Gegenwart, die uns große Ermutigung und Stärkung für den Glauben gibt.“ Neben seiner Botschaft sehnen sich viele Afrikaner auch nach seinem Segen.
CT090315JohnThavis

 Presseberichte aus Angola

   Die Freude über die Ankunft des Papstes bestimmt die Medien in Kamerun, nicht aber kirchliche Aussagen zur Aidsprävention und Sexualethik. Der nationale Radio- und Fernsehsender RTV verfolgte jeden Schritt Benedikts vom Flugzeug bis zu Nuntiatur, strahlte die Bilder von tausenden Kamerunern am Straßenrand, einem posierenden Präsidenten mit Gattin und dem sichtlich zu- friedenen und interessierten Papst meist unkommentiert und in Wiederholung bis Mitternacht aus. In einer Endlosschleife folgten dann Bilder aus dem Vatikan und Archivaufnahmen sämtlicher bisheriger Reisen Benedikts XVI. „Historischer Besuch beginnt“ schreibt die Online-Redaktion von RTV.
   Die „Cameroon Tribune“, regierungsnahe Tageszeitung, spricht von einem „Triumph“. Das zwei- sprachige Blatt widmet dem Papstbesuch zwölf von 32 Seiten und druckt die Ansprachen des Präsidenten und des Papstes. In einem ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Papst verurteilt die Laster Afrikas“ ein Satz zum Thema Aids: „Der Papst fordert die unentgeltliche Behandlung von Aids- Patienten.“
   Die Tageszeitung „Nouvelle Vision“ liefert laut Selbstvorstellung „Bürgerinformation“ und zeigt auf dem Titel ein Archivfoto des Papstes bei seiner Einführungsmesse 2005. „Der Papst kommt über Kamerun nach Afrika“ heißt es im Editorial. rv090318

B-367Ax Papst  Benedikt XVI. in Angola

   Es war ein eindringlicher Appell, den der Papst bei seiner Freiluftmesse an eine Million Gläubige in Angola sandte. Benedikt XVI. rief den Gläubigen auf seiner ersten Afrikareise zu: „Dieser große Kontinent dürstet nach Frieden. Um die Botschaft der Vergebung, der Hoffnung und eines neuen Lebens in Jesus Christus zu bringen, bin ich nach Afrika gekommen", predigte Benedikt XVI. in Angolas Hauptstadt Luanda. Angesichts des Übels von Kriegen und der Gier, die die Herzen der Menschen korrumpiere und die Armen versklave, müsse eine gerechtere Welt geschaffen werden. Damit wiederholte der Papst die zentrale Botschaft seiner Afrikareise, die er auch im Palast von Präsident Jose Eduardo dos Santos zum Ausdruck brachte. Er forderte Afrikas Führer auf, stärker gegen Armut und Korruption zu kämpfen. Der Papst warb auch für die Pressefreiheit in Angola, wo der katholische Sender Radio Ecclesia als eines der wenigen regierungsunabhängigen Medien gilt.
  Benedikt XVI. kritisierte in Angola die Hexengläubigkeit und warb für eine weitere Missionierung. Viele Menschen lebten in Angst vor Geistern und bösen Kräften, sagte er. Dieser Irrglaube treibe die Menschen dazu, sogar Kinder und Alte zu verdammen, weil sie diese für Hexen hielten. 55 Prozent der 11,5 Millionen Angolaner sind katholisch. 25 Prozent werden traditionellen Religionen zugerechnet. Einige Sekten praktizieren Menschenopfer,bei denen Kinder missbraucht werden oder zu Tode kommen.
HA090323

Papst zieht Bilanz: „Gastfreundschaft und Liturgiebewusstsein waren großartig“
   Auf dem Rückflug des Papstes von Angola Richtung Rom hat Benedikt XVI. nochmals seine Reise Revue passieren lassen. Zwei Eindrücke blieben ihm besonders in Erinnerung, so das katholische Kirchenoberhaupt:
   „Einerseits gibt es da das Bild einer beeindruckenden Gastfreundschaft, die fast schon übermäßig wirkt. Eine Gastfreundschaft, die geprägt ist von Freude. Man kann sagen: Afrika in Feststimmung. Mir schien, dass die Afrikaner den Papst als – sozusagen – „Personifizierung der Kirche als Familie“ ansehen. Somit war die Präsenz des Papstes in Afrika etwas wahrlich Freudiges.“
   Ein zweiter Aspekt betrifft die Religiosität der Afrikaner, so Benedikt XVI. weiter. „Ich war sehr beeindruckt von der Spiritualität bei den Liturgien. Man spürte ein starkes Gefühl für das Heilige. Bei den Liturgiefeiern standen nie die eigenen Gruppen oder die Selbstdarstellung im Mittelpunkt, sondern die Gegenwart des Heiligen und Gottes selbst. Auch die Bewegungen während der Zeremonien waren immer voller Respekt und vom Bewusstsein geprägt, dass sie für Gott gemacht werden. Das hat mich sehr stark beeindruckt.“
   Papst Benedikt XVI. hat bei seiner am Montag beendeten Reise nach Kamerun und Angola die großen Themen der afrikanischen Realität wie Versöhnung, Frieden, Wiederaufbau und echte Demokratie angesprochen. Das betonte Vatikansprecher Federico Lombardi in seinem Resümee.
   „Der Papst hat auch internationale Solidarität, Menschenrechte, gerechte Entwicklung und Gleich- heit gefordert und Korruption verurteilt. Seine Botschaft der Hoffnung wird zweifellos Früchte bringen. Die Aufnahme in beiden afrikanischen Ländern war für den Papst ausgezeichnet. Benedikt XVI. ist mit Begeisterung begrüßt worden und hat den Menschen den Rücken gestärkt. Zugleich ist der Enthusiasmus auch für ihn eine Ermutigung gewesen.“
Rv090323

B-368Axx

Prinzip und Wirklichkeit - Benedikt XVI. und seine jüngsten Äußerungen zur Sexualmoral in Afrika

   Papst Benedikt XVI. ist von einer Reise nach Kamerun und Angola zurückgekehrt. War er aber wirklich in Afrika? Oder hat er in den vergangenen Tagen nur vor einem internationalen Aids-Tribunal Anklagen entgegennehmen müssen, mit abschließender Verurteilung? Angesichts der Aufregung in westeuropäischen Regierungszentralen und Medien, nach unablässigen Erklärungen von deutschen, französischen oder spanischen Ministern könnte es scheinen, als habe die Visite in Yaounde und Luanda nur den Hintergrund abgegeben, um in der westlichen Welt über den Kampf gegen die Aids- Epidemie anderswo zu diskutieren, um die europäisch-amerikanische Therapie mit Präservativen da- gegen als Wundermittel darzustellen und die Haltung der katholischen Kirche als menschen- verachtendes Teufelswerk anzuprangern. Seltsam, dass die betroffenen afrikanischen Staaten und deren Führer sich nicht zu flammendem Protest erhoben, sondern die vielfältige Botschaft des Papstes unter dem Thema „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden" als Ermutigung ansahen. Die betroffenen Frauen und Männer Afrikas schienen wenig betroffen, sondern jubelten dem Papst zu. Benedikt verstand seinen Besuch auch als Einleitung und Einladung zu der Zweiten Sonderversammlung der Synode der katholischen Bischöfe Afrikas im Oktober dieses Jahres in Rom. Die Lehren und Prinzipien der Kirche sind den Afrikanern offenbar willkommen. Sonst hätten sich im „Kontinent der Hoffnung" - nach einem Wort Johannes Pauls II. - nicht immer mehr Afrikaner dieser Religion zugewandt. Waren es im Jahr 1900 nur 1,9 Millionen Katholiken zwischen dem Mittelmeer und dem Kap der Guten Hoffnung, so sind es jetzt 158 Millionen von mehr als 900 Millionen, Tendenz steigend.
   Aber gehen nicht die Lehren und Prinzipien der Papst-Kirche an der Lebenswirklichkeit der Men- schen vorbei? Verkennt nicht die Verweigerung von Kondomen die Leiden der Betroffenen und die Gefährdungen für andere?So lauten die Fragen seit Jahren, meist empört, selten maßvoll vorgetragen. Benedikt hatte in der Enge des Flugzeugs auf de,m Weg nach Afrika und in der Kürze der Zeit darauf eine doppelte Antwort. Offenbar wohl präpariert von afrikanischen Bischöfen, die ihm ihre Sorgen und Erfolge vortragen, und informiert durch die Vorbereitungen für die Afrikanische Bischofssynode. Zum einen sagte er: „Ich glaube, dass die wirksamste und im Kampf gegen Aids präsenteste Organisation ebendiese katholische Kirche mit ihren Bewegungen und unterschiedlichen Strukturen ist." Edward C. Green, führender amerikanischer Aids-Forscher an der Harvard-Universität und Direktor des „AIDS Prevention Research Project" am „Harvard Center for Population and Development Studies" (für Bevölkerungs- und Entwicklungsstudien), sagte dazu kurz und bündig: „Der Papst hat recht; die Verteilung von Kondomen verschärft das Aids-Problem." So zitiert ihn die amerikanische „Catholic" - Agentur; so kann man es wissenschaftlich auch sehen. Zum anderen plädierte der Papst für „eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung". Der neue Moskauer Patriarch, Kyrill I., bekräftigte, was sonst nicht russisch-orthodoxe Art ist, die päpstliche Position; Verhütungsmittel seien weder eine geeignete Antwort auf die Krankheit noch auf die Probleme Afrikas. „Die Verbreitung dieser Krankheit wird nicht eingedämmt durch äußere Mittel zur Verhütung, sondern durch die richtige ethische Erziehung und einen vernünftigen Lebensstil, wie ihn auch die orthodoxe Kirche lehrt." So die offizielle Erklärung aus Moskau. Also eine doppelte Strategie der Kirche: Morallehre und praktische Hilfe. Denn, so Benedikt, die Kirche hege „eine wahre Freund- schaft auch und vor allem mit den Leidenden, und die Bereitschaft, bei ihnen zu sein". Die Kirche ist überall, auch in Afrika mit ihren unzähligen Krankenhäusern und Sozialstationen der größte Dienstleister für Gesundheitsfürsorge.
  Damit hat die Kirche - nicht nur im Hinblick auf Aids, sondern in allen Fragen des moralisch be- stimmten menschlichen Lebens, kontroverse Themen der westlichen Welt sind etwa Abtreibung und Euthanasie - ein ganz anderes Ziel als der mehrheitsbewusste Gesetzgeber in einer pluralistischen Demokratie. Im Zusammenhang mit dem neuen Unterhaltsrecht, im Nachdenken über Ehe und Familie brachte es die Bundesjustizministerin Zypries (SPD) auf ihren innenpolitischen deutschen Punkt: „Die Lebenswirklichkeit hat das Familienbild der (christlichen) Union überholt." Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Denn irgendein „Bild" von Ehe und Familie, für deren besonderen Schutz sie nach der Verfassung verantwortlich ist, wird Frau Zypries wohl auch haben, auch wenn es anders ist als das der CDU/CSU oder der Kirche. Im Extremfall - wenn man sich in einer pluralistischen Demokratie auf gar keine gemeinsamen Werte mehr einigen kann - blieben dann dem Gesetzgeber nur noch Repara- turmaßnahmen in der „Lebenswirklichkeit" für den Fortbestand der Gesellschaft, etwa für allein- erziehende Mütter und Väter. Das kann teuer werden.
   Die Kirche hingegen nimmt in der Tradition jeder großen Kultur und Weltreligion nicht hin, wie der Mensch - nach biblischer Lehre ein Sünder, nach Ansicht etlicher Denker „halb Engel, halb Tier" - sich so verhalten will. Sie hat das Ziel, die Menschen mit religiös und vernunftgemäß motivierten Leitlinien, Geboten und Verboten zu sittlich verantwortetem Handeln zu bewegen. Ihre Aufgabe sieht sie nicht darin, mit dem Hinweis auf praktische technische Hilfsmittel ihre Botschaft zu unterlaufen. So führt die Kirche seit Jahrzehnten einen Kampf gegen die bindungslose Freiheit im Geschlechtsverkehr, und versucht gemäß der Enzyklika Pauls VI. „Humanae vitae" sexuelle Akte an die Erzeugung von Nach- kommen, das heißt an ethisch verantwortliches Verhalten zurückzubinden. Diese „Humanisierung der Sexualisierung", so sagt Benedikt, ist die päpstliche „Waffe" gegen Aids. Man kann das Weltfremdheit nennen. Aber verwunderlich bleibt, warum die Befürworter von Kondomen - der spanische Minister- präsident Zapatero vorneweg - auch den Papst als Werbemann einsetzen wollen und ihn für seinen Widerstand so scharf tadeln. Die Päpste haben Ansehen und Einfluss bei den Gläubigen in Afrika, vielleicht gerade deshalb, weil sie sich nicht auf der Ebene von Kondomen bewegen. Moralische Prinzipien, die missfallen, kritisiert und bekämpft man gern mit dem Hinweis auf leichter einsichtige Werte oder Vorteile. Die Kirche hat Erfahrung darin, dass ihre Ideal-Lehren - etwa über Empfängnis- verhütung und Geburtenkontrolle, über den Wert des Lebens von Anfang bis zum Ende, die Bindungsfestigkeit der Ehe und die Würde der Familie, über die Unterschiede zwischen Mann und Frau - stets mit den Hinweisen auf edle Absichten und beste Ziele attackiert werden, gern auch illustriert durch extreme Einzelfälle, die alle Ideale ad absurdum führen können. Wenn die kirchliche Skepsis gegen Kondome mit Millionen Toten, das Nein gegen die Abtreibung mit einem neun Jahre alten schwangeren Mädchen konterkariert werden, scheint die Empörung über den Papst immer gesichert. Entrüstung hilft jedoch wenig, wenn die Zukunft eines Kontinents gesichert oder erleichtert werden soll. Benedikt hat in Afrika unbeirrt seine Rolle wahrgenommen und unverdrossen seine moralische Botschaft verkündet,  auch mit einem beachtlichen Plädoyer für die Würde der Frau. Die Afrikaner erhofften sich von ihm Mut für die Zukunft und umjübelten ihn deshalb. In den Widrigkeiten des Alltags helfen ihnen die vielen unermüdlichen Mitarbeiter in den kirchlichen Einrichtungen, so weit sie können. In Kamerun und Angola, bei den Ansprachen und Predigten wurde klar, dass das Schicksal Afrikas nicht an einem Gummibeutelchen hängt. Denn Benedikt XVI. war wirklich in Afrika.
FAZ090324Heinz-JoachimFischer

islScheichMunirKamerun-x      Großmufti Scheich Munir, Kamerun

„Ein Missionar der Versöhnung und hoher Botschafter Gottes". Der Großmufti von Kamerun,
 Scheich Munir Foto, zeigt sich dankbar für den Besuch des Papstes in Kamerun

   Nach der Begegnung des Heiligen Vaters mit Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Yaounde hatte Missio-Mitarbeiter Andreas Thonhauser die Gelegenheit zum Gespräch mit dem Großmufti von Kamerun, Scheich Munir, der auch Präsident der „Muslim World Organization of Peace and Development" und Präsident der „High Comission of the Muslims in Africa" ist.
Wie verlief Ihr Treffen mit Papst Benedikt XVI.?
   Unsere Begegnung, gemeinsam mit 19 anderen Repräsentanten der Muslime in Kamerun, war geprägt von großer Wärme und gegenseitigem Respekt. Ich befürworte sehr, was der Papst bisher in seinem Amt gemacht hat. Ich begrüße den Dienst, den er an der gesamten Menschheit leistet. Unsere Zusammenkunft war wie ein Treffen einer Familie, der Familie Gottes.
Gibt es keine Spannungen zwischen Christen und Muslimen im Kamerun?
   Es gibt kaum Spannungen. Kamerun ist Gott sei Dank ein Ort des Friedens. Hier ist eine friedliche Koexistenz zwischen den Religionen möglich und auch natürlich. Wir respektieren uns gegenseitig und kommen der Aufforderung des Papstes zur engeren Zusammenarbeit zwischen den Katholiken und den Muslimen sehr gerne nach!
Welche Aussagen des Papstes während seines Aufenthaltes in Kamerun
empfanden Sie als besonders wichtig?

   Was der Heilige Vater über HIV/Aids und über Kondome sagte, ist sehr zu begrüßen. Es steht im Einklang mit den heiligen Schriften. Ich habe ihm auch persönlich dazu gratuliert. Er sagte, dass Kondome die Probleme Afrikas nicht lösen würden, und das ist wahr. Wir Muslime applaudierten ihm, als wir von dieser Stellungnahme hörten. Diese Aussage unterstreicht sein Image als tolerante und integrierende Persönlichkeit, denn er zeigt dadurch, dass er Afrika und die Menschen hier in ihrer Kultur ernst nimmt. Man darf nicht einfach davon ausgehen, dass Werte und Vorgaben, die vielleicht in einer europäischen Kultur funktionieren, auch hier auf unserem Kontinent ohne Probleme sind. Der Papst hat gezeigt, dass er die Menschen Afrikas versteht und respektiert. Das sind wichtige Zeichen für unsere Zeit!
Warum sind diese Zeichen jetzt wichtig?
   Es ist an der Zeit, alle Mitglieder der Familie Gottes wieder zu einen. Es ist die Zeit der Versöhnung gekommen. Es gibt zu viele falsche Propheten in der Welt, die Feuer zwischen den Gläubigen legen und sie auseinander dividieren. Es herrscht große Unordnung. Deshalb ist Versöhnung so wichtig. Versöhnung zwischen den Religionen, den Kirchen und den Gläubigen. Und interreligiöser Dialog: das sind die besten Waffen gegen den Terrorismus. Der Dialog wird uns helfen, gemeinsame Wege zu finden.
Wie werden Sie die Begegnung mit Papst Benedikt in Erinnerung behalten?
   Bevor wir auseinander gingen, wechselte ich noch ein paar persönliche Worte mit dem Papst. Wir sprachen über die Aggressionen, die es zwischen Katholiken und Muslimen mancherorts gibt. In Kamerun soll das niemals der Fall sein. Das sage ich als der Großmufti Scheich Munir. Großmufti dieses Landes. Die Wahre Rolle des Papstes ist es, ein Missionar der Versöhnung zu sein. Er ist ein hoher Pilger und hoher Botschafter Gottes. Er wird sich zu jeder Zeit der Unterstützung aller Organisationen, die ich repräsentiere, sicher sein können. Der Besuch des Papstes in Kamerun war für mich persönlich eine große Ermutigung.
DT0903

B-353xx

Papstbrief zu Lefèbvre an die Bischöfe der Weltkirche

   Papst Benedikt XVI. hat einen Brief an alle Bischöfe geschrieben, in dem er zur Aufregung um die Lefebvre-Anhänger und zur Causa Williamson Stellung nimmt.
   Zwei italienische Zeitungen hatten bereits am Vortag von einem Papstbrief an die Bischöfe in aller Welt gesprochen. Sie werteten die Initiative Benedikts XVI. als „überraschend“, „demütig“, aber zugleich „mutig“. Dem Papst gehe es um eine Geste für den „inneren Frieden in der Kirche“. Am Nachmittag veröffentlichte dann das Internetportal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, faz.net, den (mutmaßlichen) deutschen Wortlaut des Briefes, und andere Internetseiten zogen nach. Auch die Katholische Nachrichtenagentur verbreitete das (mutmaßliche) Papst-Schreiben. Rv090311

Hier lsesen Sie den Brief des Papstes an die Bischöfe der Weltkirche:

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!
   Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.
   Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen un d weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.
   Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, dass Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.
Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.
Ich hoffe, liebe Mitbrüder, da
ss damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, dass ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmissverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ Lk 22,32. Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“1 Petr 3,15. In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende Joh 13,1 - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.
Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, da
ss es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muss. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika „Deus caritas estgesprochen habe.
Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen vgl. Mt 5,23f? Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen lässt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so dass nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, dass sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?
   Gewiss, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muss ich der Wahrheit wegen anfügen, dass ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, dass auch aus kirchlichen Kreisen Misstönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.
   Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, dass ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus
Gal 5,13-15 auslegen und kommentieren musste. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, dass wir auch nicht besser sind als die Galater? Dass uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Dass wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und dass wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluss all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.
Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich
im Herrn Euer
Benedictus XVI, pp
Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

B-360-xx

Positive Reaktionen auf den Papstbrief

   Die Deutsche Bischofskonferenz spricht dem Papst ihre Dankbarkeit für seinen Brief aus; in einer Stellungnahme vom Mittwochabend erklärten die Bischöfe, der Papstbrief sei „ein Dokument des brüderlichen Umgangs mit uns Mitbischöfen“.
   „Wer den Papst und seine Intentionen kennt, ist nicht überrascht über den Inhalt dieses wichtigen Schreibens“, meint der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Neu sei die „innervatikanische Umstruk- turierung der Kompetenzen“. Doch angesichts der Klage des Papstes über die Katholiken, die auf ihn „eingeschlagen“ hätten, rät Meisner zu einer „ehrlichen Gewissenserforschung“. Wer zu dem Schluss komme, dass der Papst ihn meinen könnte, der sollte Benedikt um Verzeihung bitten. „Gerade in unserem Land besteht offensichtlich besonderer Grund zu solcher Gewissenserforschung“, urteilt Meisner. Es stimmt „bitter“, dass die ausgestreckte Hand des Papstes in Richtung Lefebvre-Anhänger „in der öffentlichen Meinung derart abgewertet und umgedeutet wurde“.
  Hamburgs Erzbischof Werner Thissen zeigte sich beeindruckt, „wie persönlich Papst Benedikt die eigene Betroffenheit beschreibt und mit welcher inneren Freiheit und Größe er Fehler innerhalb der Kurie zugibt“. Zugleich kündige er Reformen an. Thissen wörtlich: „Er bekräftigt den Schritt der Versöhnung, der ihm ein Herzensanliegen ist.“ ... Es sei hilfreich, dass klargestellt werde, „dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe eine Geste der Versöhnung sein soll, aber keine Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft bedeutet. Ich hoffe, dass mit dem klaren Schreiben des Heiligen Vaters auch die ihn persönlich tief getroffenen Angriffe ein Ende haben.“
   Ein „ermutigendes und nach vorne weisendes Zeichen“ sieht der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst im Papstbrief. Er sei dankbar für das Verständnis für die tief greifenden Irritationen bei Gläubigen und Seelsorgern, das der Papst zum Ausdruck bringe. Benedikts Bekenntnis zu „Großmut und Barmherzigkeit“ und seine Bereitschaft zu „kleineren und mittleren Versöhnungen“ seien ein grundsätzliches Kriterium für die Glaubwürdigkeit der ganzen Kirche in allen ihren Gruppierungen. Diese unmissverständliche Intention des Papstes verdiene allen Respekt, betont Bischof Fürst.
   Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Dirk Tänzler, erklärte zu dem Brief: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend.“
   Auch die katholischen Laien loben den Brief des Papstes an die Bischöfe. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, nannte ihn in Bonn „ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument“. Es belege „eindrucksvoll“ Benedikts „Festhalten am Zweiten Vatikanischen Konzil und sein Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Juden und Christen, zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog“. Meyer wörtlich: „Wir sind dankbar für die Klarstellung des Papstes zur gegenwärtigen Debatte. Es bleibt dabei, dass die Piusbruderschaft sich rückhaltlos zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen muss.“ Er lese „mit Respekt und Sympathie, dass der Papst der Einheit der Kirche mit Großmut und Barmherzigkeit dienen will“. Der Vorsitzende von Europas größtem katholischem Laienverband hofft, dass das Wort des Papstes von den „kleinen und mittleren Versöhnungen“ in der ganzen Kirche gelte und von allen gehört werde.
   Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, würdigte den Schritt des Papstes. Es bleibe aber ein Dissens mit Blick auf die Aufhebung der Exkommunikation der Pius- Bischöfe. Die Gruppe agiere in ihrer Gesamtheit antidemokratisch und extremistisch. Auch in den vergangenen Tagen habe der deutsche Distriktobere der Pius-Bruderschaft, Franz Schmidberger, weiter sein Unwesen getrieben. „Sie hetzen nach wie vor weiter“, so Kramer.
   Der Jüdische Weltkongress begrüßt den offenen Brief von Papst Benedikt XVI. Das Kirchen- oberhaupt habe zur Causa Williamson „unmissverständliche Worte“ gefunden und Fehler eingeräumt, lobte der Präsident des Verbands, Ronald S. Lauder, in New York. Der Brief des Papstes stehe für Offenheit und den Willen, schwierige Themen direkt anzugehen. Damit entspreche er den grund- legenden Erfordernissen für den interreligiösen Dialog. Seine Institution wolle weiter mit der katho- lischen Kirche zusammenarbeiten, „um das gegenseitige Verständnis und den Respekt voreinander zu stärken“.
   Die „Generation Benedikt“ dankt dem Papst für seinen Brief. „Adressaten des Schreibens sind“ nach Ansicht der Gruppe „nicht zufällig die Bischöfe“. Diese hätten nämlich „durch nicht ausreichend klare und deutliche Worte zur irrationalen Hysterie der Debatte besonders in Deutschland beigetragen“. Was das „katholische Establishment und mit ihm manche Bischöfe“ während der Debatte geboten hätten, fasst „Generation Benedikt“ so zusammen: „Vage Analysen, düstere Prognosen, egozentrierte Auskünfte über die persönliche emotionale Befindlichkeit und teilweise offenes Selbstlob sowie vor allem mangelnde Solidarität mit dem deutschen Papst“.
Zollitsch begrüßt „großartigen“ Papstbrief
   Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat den Papstbrief zur Debatte um die Pius-Bruderschaft begrüßt. Mit dem Schreiben habe Benedikt nicht nur seine persönliche Betroffenheit in der Sache zum Ausdruck gebracht, sondern auch den Bischöfen ein Zeichen der Kollegialität gegeben. Das sagte Zollitsch vor Journalisten in Rom.
 Zollitsch sprach von einem „ausgezeichneten und großartigen“ Brief, für den er Papst Benedikt sehr dankbar sei. Der Brief mach deutlich, wie sehr dem Papst die Einheit der Kirche am Herzen liege. Bewegt habe ihn vor allem der persönliche Duktus des Schreibens und die große Offenheit, mit der sich Benedikt an die Bischöfe wendet:
   „Ich habe ein Schreiben eines Papstes in dieser persönlichen Art und dieser Offenheit noch nicht erlebt. Ich begrüße das sehr. Es ist auch ein Zeichen der Kommunikation, ein Zeichen, dass der Papst selber interessiert ist, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen und den Bischöfen und dem ganzen Bischofskollegium zu erklären, was seine Motive sind und wie er die Situation empfindet. Ich finde es schön, dass der Papst das auch so persönlich ausspricht und formuliert.“ rv090312

               B-361SchearJaschuvCohenHaif

Der Papst bemüht sich erfolgreich um Schadensbegrenzung
Foto: Im Vatikan trafen sich der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Papst Benedikt  Der Rabbiner dankte dem Papst für die deutlichen Worte gegen die Leugnung der Schoa.

   Papst Benedikt XVI. scheint den richtigen Ton getroffen zu haben. Sein am Mittwoch veröffentlichtes Schreiben an die katholischen Bischöfe zu den turbulenten Ereignissen der vergangenen Wochen trifft weltweit auf Erleichterung und Wohlwollen.
   Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses in New York, Ronald S. Lauder, lobte besonders das Eingeständnis des Papstes eigener Fehler bei der Aufhebung der Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen der Pius-Bruderschaft. Der Pontifex habe außerdem eindeutige Worte zur Leugnung des Holocaust durch Bischof Richard Williamson gefunden. Weiter sagte Lauder: „Das Schreiben erfüllt die zentralen Erfordernisse für das interreligiöse Gespräch: Aufrichtigkeit und den Willen, schwierige Punkte direkt anzugehen." Der Jüdische Weltkongress werde seine Zusammen- arbeit mit der katholischen Kirche fortsetzen, um wechselseitiges Verständnis und Respekt zu fördern.
   Auch aus Israel kommen versöhnliche Töne in Richtung Vatikan. Der Großrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen, hat Benedikt XVI. bei einem Treffen in Rom für seine klaren Worte gegen die Leugnung der Schoa gedankt. Die päpstliche Stellungnahme habe die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Juden und Katholiken ermöglicht, erklärte Cohen im Namen des israelischen Großrabbinats. Die Vereinigung hatte das Treffen mit dem Papst im Januar abgesagt, aus Protest gegen die Wiederaufnahme des antisemitischen Bischofs Williamson in die katholische Kirche.    
HA090312

Positive Reaktionen zur Papstrede an eine jüdische Kommission

   Die klare Stellungnahme des Papstes zu Judentum und Holocaust war „keine Wende, sondern eine Bekräftigung“. Das sagt der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Die Worte Benedikts seien „klar, präzise und deutlich gewesen“, auch wenn sie inhaltlich nicht über schon längst Bekanntes hinausgegangen seien. Was der Papst gesagt habe, „ist schon lange Teil des Lebens und Erbes der Kirche“, so der Nuntius. Franco hofft, dass auf jüdischer Seite bald die Figur von Papst Pius XII. differenzierter gesehen wird; er hoffe auf „größere Gelassenheit“ und den Einsturz von „vielen Barrieren, die die Geschichte leider aufgestellt hat“. Wörtlich sagt der Nuntius voraus: „Die Wahrheit wird sich ihren Weg bahnen.“ Rv090213agi
  
Die „Jerusalem Post” ist zufrieden mit den Worten von Papst Benedikt zum Judentum und zum Holocaust. In einem Artikel mit der Überschrift „Die Entschuldigung des Papstes“ wird begrüßt, dass der Papst vor einer jüdischen Delegation aus den USA die Nähe zwischen Christen- und Judentum bekräftigt hat. Allerdings mahnt die Zeitung, Benedikt müsse dafür sorgen, dass sich Probleme wie unlängst nicht mehr wiederholten. In dem Artikel wendet sich die Zeitung ausdrücklich gegen eine mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII., den sie „Hitlers Papst“ nennt. – Die „Jerusalem Post“ hatte in einer ersten Reaktion auf den Williamson-Skandal einen unbefristeten Abzug des israelischen Botschafters vom Vatikan gefordert. Rv090213reuters
  
Auch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem hat die deutliche Verurteilung von Antisemitismus durch Papst Benedikt begrüßt. Die „unzweideutige Verurteilung“ jeder Leugnung des Holocaust und jeden Versuchs, „das Ausmaß der Schoah zu minimalisieren“, sei wichtig. Das meinte der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Schalev, in Jerusalem. Er hoffe, dass der Papst diese eindeutige Botschaft bei seinem bevorstehenden Besuch in Yad Vashem im Mai bekräftigen werde. Rv090213kna
  
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel freut sich über die Worte des Papstes zum Holocaust. In einem Interview mit der Tageszeitung „la Repubblica“ meint der Auschwitz-Überlebende allerdings, dass die Worte Benedikts nicht ausreichten: „Man sollte von den edlen Worten zur Tat übergehen und diesen Bischof“ – gemeint ist der Traditionalist Richard Williamson – „aus der Kirche verjagen.“ Er habe nie bezweifelt, dass Benedikt jede Leugnung des Holocaust entschieden ablehnt. Der Papst müsse aber dafür sorgen, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen könne, „dass Williamson im Namen der Kirche spräche“. Der Lefebvre-Bischof müsse „aus der Kirche ausgeschlossen bleiben“, bis er bereue und ein „Mea Culpa“ sage, „das über jeden Zweifel erhaben ist“. Wiesel wörtlich: Williamson „schadet nicht so sehr uns Juden als der Kirche selbst. Solange er Bischof bleibt, wird er die Beziehungen der Kirche zu den Juden belasten.“ - Eine Papstreise nach Israel begrüßt er: „Das ist gut, wenn er fährt. Israel erhofft sich viel vom Dialog mit der Kirche.“ Wiesel erhielt 1986 den Friedensnobelpreis. Rv090213repubblica

JudOberrabbinatIsrael-xx

Foto: Vertreter des Großrabbinats von Israel zum Besuch im Vatikan
In der Mitte: der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Pater Frederico Lombardi SJ

   Eine Delegation des Jerusalemer Groß-Rabbinats besuchte am 11. März den Vatikan. Tags darauf ist sie von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen werden Foto oben. Der Besuch der Delegation aus Jerusalem war ursprünglich für Anfang März geplant, wurde dann aber wegen der Diskussion um den traditionalistischen Holo- caust-Leugner Richard Williamson verschoben. Allerdings seien die Kontakte zwischen dem Vatikan und dem Jerusalemer Rabbinat nie abgebrochen gewesen, betonen die Verantwortlichen in der Kurie. Eine israelische Zeitung hatte eine anderslautende Behauptung aufgrund der unvollständigen Lektüre eines Rabbinats-Schreibens an den Vatikan aufgestellt. Rv090228kna

B-356xxASchneierMHoelein

Papst empfängt jüdische Vertreter
Foto:  Vertreter der jüdischen Delegation, Arthur Schneier (I.) und Malcolm Hoelein (r.), neben Papst Benedikt, der sich ausdrücklich von jeglicher Holocaust-Leugnung distanzierte. 

   Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach an diesem Donnerstag eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Mini- mierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land:„Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.
Rabbiner: Historischer Tag
   „Schalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser am Mittwoch letzter Woche seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra Aetate“ Text siehe: Juden bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Generationen vermittelt werden.
Zeichen für Israelreise
   „Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
  Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
   Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“
Appell gegen Antisemitismus
   Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Ge- schichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusam- menhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
   Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“
Worte des Papstes
   Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.
   „Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
   „Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“
Papst bereitet Israelreise vor
   Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen. „Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“
   Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet.
   „Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Ver- söhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“
Benedikt XVI. und das Konzil
   Der Papst nannte die Konzils-Erklärung Nostra Aetate einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“
  „Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“
   Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust: „Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Schoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlich- keit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Schoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“
   Zu Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
   Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter.    rv090213
Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
   Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:
   „Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“
   Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien. „Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret Nostra Aetate und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“ Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt.
   „Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er Nostra Aetate akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius- Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“
   Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier. „Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“  rv
Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch - eine Einschätzung von Stefan Kempis.
   Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Verge- bungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes Text siehe: Islam. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater.    rv090213

B-357Vat-jüdGemUSAxx

   Papst Benedikt XVI. hat erneut jede Leugnung oder Verharmlosung der Schoah als inakzeptabel bezeichnet und die Verpflichtung der Christen zur Freundschaft mit dem jüdischen Volk betont. Bei einer Ansprache vor Repräsentanten jüdischer Gemeinden aus den USA wiederholte er wörtlich die Vergebungsbitte seines Vorgängers Johannes Paul II. aus dem jähr 2000.

   Liebe Freunde, Ich freue mich, Sie heute hier willkommen zu heißen. Und ich danke Rabbi Arthur Schneier und Herrn Alan Solow für die Grüße, die Sie in Ihrer aller Namen an mich gerichtet haben. Gerne erinnere ich mich an die verschiedenen Gelegenheiten, als ich einige von Ihnen während meines USA-Besuchs im vorigen Jahr in Washington D.C. und New York treffen konnte. Rabbi Schneier, Sie haben mich freundlicherweise in der Park-East-Synagoge noch Stunden vor Ihrer Pessach-Feier empfangen. Nun freue ich mich, Ihnen Gastfreundschaft in meinem eigenen Haus erweisen zu können. Solche Treffen ermöglichen es uns, einander den gegenseitigen Respekt zu zeigen. Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie alle hier im Hause des Petrus, der Heimat des Papstes, herzlich willkommen sind. Dankbar schaue ich zurück auf die diversen Gelegenheiten während so vieler Jahre, bei denen ich Zeit mit meinen jüdischen Freunden verbringen konnte.
   Meine Besuche bei Ihren Gemeinden in Washington und New York waren trotz ihrer Kürze Erfahrungen brüderlicher Wertschätzung und aufrichtiger Freundschaft. Das gleiche gilt für meinen Besuch in der Synagoge von Köln, dem ersten Besuch dieser Art in meinem Pontifikat. Es war für mich sehr bewegend, diese Momente mit der jüdischen Gemeinschaft zu erleben in jener Stadt die ich so gut kenne, die der Ort der ersten jüdischen Ansiedlung in Deutschland war, deren Wurzeln zurückreichen bis in die Zeit des Römischen Reiches. Ein Jahr später, im Mai 2006, besuchte ich das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Welche Worte können diese tief bewegende Erfahrung angemessen beschreiben? Als ich durch den Eingang zu diesem Platz des Schreckens schritt, diesen Ort so unsäglichen Leids, dachte ich an die zahllosen Häftlinge, die meisten von ihnen Juden, die die- sen Weg in die Gefangenschaft von Auschwitz und in all die anderen Lager gingen. Diese Kinder Abra- hams, gequält und entwürdigt, hatten weniges andere außer dem Glauben an den Gott ihrer Väter, das ihnen Kraft gab - einen Glauben, den wir Christen mit ihnen, unseren Brüdern und Schwestern, teilen. Wie können wir die Ungeheuerlichkeit dessen begreifen, was in diesen schrecklichen Lagern geschah? Die ganze Menschheit fühlt tiefe Scham angesichts der grausamen Brutalität, die Ihrem Volk in dieser Zeit angetan wurde. Erlauben Sie mir, daran zu erinnern, was ich bei diesem traurigen Gelegenheit sagte: „Die Machthaber des Dritten Reiches wollten das jüdische Volk als ganzes zertreten, es von der Landkarte der Menschheit tilgen. Auf furchtbare Weise haben sich da die Psalmworte bestätigt: ,Wie Schafe werden wir behandelt, die zum Schlachten bestimmt sind.'"
   Unser heutiges Treffen erfolgt im Rahmen Ihres Besuchs in Italien anlässlich Ihrer jährlichen „Leadership Mission" nach Israel. Ich bereite mich gleichfalls darauf vor, Israel zu besuchen, das Land, das für Christen genauso heilig ist wie für Juden, da sich dort die Wurzeln unseres Glaubens finden. In der Tat findet die Kirche ihre Nahrung von der Wurzel dieses guten Ölbaums, dem Volk Israel, in den der wilde Ölzweig der Heiden eingepfropft wurde vgl. Rom 11,17-24. Seit den frühesten Tagen der Christenheit sind unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und Gottesdienstes eng verknüpft mit der alten Religion unserer Väter im Glauben. Die 2.000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen dem Judentum und der Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, und es ist schmerzlich, an einige von ihnen zu erinnern. Mittlerweile können wir uns in einem Geist der Versöhnung begegnen. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass vergangene Schwierigkeiten uns davon abhalten, einander die Hand der Freundschaft zu reichen. Gewiss, irgendwelche Spannungen gibt es einmal in jeder Familie. Aber die Erklärung Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung dar, und sie stellt die Prinzipien klar heraus, die seit jeher das kirchliche Vorgehen bei den christlich-jüdischen Beziehungen bestimmten.
   Die Kirche ist tief und unwiderruflich verpflichtet, jeglichen Antisemitismus zurückzuweisen und immer weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften zu arbeiten. Wenn es denn überhaupt ein bestimmtes Bild gibt, das diese Verpflichtung verdeutlicht, dann ist es jener Moment, in dem mein geliebter Vorgänger Papst Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem stand und um Gottes Vergebung bat nach all dem Unrecht, das das jüdische Volk zu erleiden hatte. Ich mache mir sein Gebet zu eigen: „Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen auserwählt, deinen Namen zu den Völkern zu tragen: Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Kinder leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes."
   Der Hass und die Verachtung für Männer, Frauen und Kinder, die sich in der Schoah zeigten, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte jedem klar sein - beson- ders jenen, die in der Tradition der Heiligen Schriften stehen, nach denen jeder Mensch geschaffen ist nach dem Bild und Abbild Gottes Gen 1,26-27. Es steht völlig außer Frage, dass jede Leugnung oder Verharm- losung dieses schrecklichen Verbrechens nicht zu tolerieren und ganz und gar inakzeptabel ist. Kürzlich habe ich in einer öffentlichen Audienz bekräftigt, dass die Schoah für alle „eine Mahnung bleiben muss gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder Verharmlosung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen  Menschen ausgeübt wird, wird gegen alle verübt" 28. Januar 2009. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten. Erinnerung - heißt es zu Recht - ist „memoria futuri”, ist Erinnerung für die Zukunft, eine Mahnung an uns für die Zukunft, eine Verpflichtung zum Einsatz für Versöhnung. Sich zu erinnern, das heißt alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Wiederholung einer solchen Katastrophe innerhalb der Menschheitsfamilie durch den Bau von Brücken dauerhafter und tragfähiger Freundschaft zu verhindern.  Ich bete innig- lich, dass die Erinnerung an dieses schreckliche Verbrechen unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die für zu lange Zeit die Beziehungen zwischen Christen und Juden befleckt haben. Und es ist mein herzlicher Wunsch, dass die Freundschaft, die uns jetzt verbindet, immer stärker wird, so dass die unwiderrufliche Verpflichtung der Kirche zu respektvollen und harmonischen Beziehungen mit dem Volk des Bundes überreiche Früchte trägt.
DT090214KNA

B-358Vat-jüdGemUSAxx

Hamburger Abendblatt: Der Papst spricht Klartext:  Benedikt verurteilt Antisemitismus
Jüdische Delegation spricht von einem „historischen Tag".  Benedikt XVI. besucht das Heilige Land.

   Die Formulierungen, die Benedikt XVI. wählte, waren mehr als eine Klarstellung. In bisher nicht gekannter Deutlichkeit distanzierte sich der Papst nach dem Wirbel um Bischof Richard Williamson von der Pius-Bruderschaft wegen der Leugnung des Holocausts. Jede Leugnung oder Verharmlosung der an den Juden begangenen Verbrechen sei „untolerierbar und nicht hinnehmbar", sagte Benedikt beim Empfang einer jüdischen Delegation aus den USA.
   Die jüdischen Spitzenvertreter werteten das Treffen als „historischen Tag". Sie sahen jegliche Zweifel an der Freundschaft von Benedikt XVI. zum Judentum ausgeräumt. Der Papst habe „seine persönliche Abscheu gegenüber jeder Leugnung des Holocaust klargemacht", erklärte der Präsident des Dachverbands, Alan Solow.
   Der Papst warnte ausdrücklich von einem Herunterspielen der Judenvernichtung: „Dieses fürchter- liche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Zwar hatte der Papst bereits am 28. Januar - vier Tage, nachdem es die Exkommunizierung Williamsons aufgehoben hatte - seine „vollständige und nicht diskutierbare Solidarität" mit den Juden erklärt. Als Benedikt einige Tage später Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufrief, weigerte sich dieser - und tut dies bis heute. Williamson hatte in einem Interview gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“. So nutzte Benedikt den Besuch der amerikanischen Juden auch für eine zweite Geste: Er kündigte offiziell seine erste Israel-Reise als Oberhaupt der Katholiken an. Sie hat inzwischen im Mai stattgefunden.
    Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte Israel im Mai 2000 besucht und an der Klagemauer die Juden für das ihnen zugefügte Leid um Vergebung gebeten. Der Papst sagte, er wolle die Gebete von Johannes Paul II. nun zu seinen machen.
   Benedikts Ankündigung löste in Israel umgehend positive Reaktionen aus. Vertreter der Holocaust- Gedenkstätte Jad Vaschem sprachen die Hoffnung aus, dass der Papst bei einem Besuch der Gedenkstätte seine klare Haltung zum Holocaust bekräftigen werde. HA090213KarstenKammholz

   Der Holocaust-Leugner Richard Williamson habe dem jüdisch-christlichen Dialog letztlich „einen Gefallen getan“. Das sagte der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), Rabbiner David Rosen, gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur in Rom. Die Debatte um den Traditionalisten-Bischof habe den positiven Einsatz der Kirche für das Judentum ins Licht gerückt. Außerdem stünde jetzt die Pius-Bruderschaft unter besondere Beobachtung, so Rosen. Der Rabbiner war als Mitglied einer Delegation des israelischen Großrabbinats zu Gast im Vatikan. Die jüdischen Vertreter wurden auch von Papst Benedikt XVI. empfangen. Beeindruckt zeigte sich Rosen vom jüngsten Brief Benedikts zur Sache Williamson und die darin geäußerte Wertschätzung des Papstes für seine jüdischen Freunde. Wörtlich sagte Rosen er sei „berührt von diesem Kompliment für die jüdische Seite“. Rv090314kna

B-354xx

Papst betont römischen Primat – Bitte um Gebet für Petrusdienst

   Benedikt XVI. bekräftigt den Primat des römischen Bischofs innerhalb der Christenheit. Beim An- gelusgebet auf dem Petersplatz erinnerte er an das Fest der Kathedra Petri.
   „Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottesvolkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.“
   Der „einzigartige und spezifische Dienst des Bischofs von Rom“ sei zuletzt auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil angesprochen worden, so Papst Benedikt weiter. Er zitierte aus der dogma- tischen Konstitution „Lumen Gentium“ über die Kirche:
  „In der kirchlichen Gemeinschaft gibt es legitimerweise die Ortskirchen, die eigene Traditionen haben. Davon unberührt bleibt aber der Primat der Kathedra des Petrus, die der weltweiten Gemeinschaft in Liebe vorsteht, die legitime Vielfalt schützt und darauf achtet, dass Eigenheiten der Einheit nicht nur nicht schaden, sondern ihr sogar dienen.“
   Er bitte um Gebet, damit er seine Aufgabe als Nachfolger des Apostels Petrus treu ausüben könne, so Papst Benedikt. Über das Fest der Kathedra Petri sagte er auch ein paar Sätze auf deutsch, die durchaus auf den Williamson-Skandal und andere Aufregungen der letzten Wochen anzuspielen schienen:
   „Christus hat Petrus als den Felsen erwählt, auf dem er seine Kirche aufbauen wollte. Als Apostel sollte er in der ganzen Welt – universal – als Hirte und Lehrer dienen, und dieses Apostelamt wirkt in seinen Nachfolgern durch alle Zeiten fort. Bitten wir den heiligen Petrus um seinen Fürsprache, daß Verwirrung und Stürme die Kirche nicht erschüttern und wir am unverfälschten Glauben festhalten, in der Einheit bleiben und in Liebe miteinander leben. Der Herr leite und stärke euch mit seinem Segen.“ Rv090221

       B-343xx 

Papst warnt vor Illusionen „Interreligiöser Dialog im engeren Sinn nicht möglich”

   Papst Benedikt XVI. hat vor Illusionen im interreligiösen Dialog gewarnt und einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” abgelehnt. In einem Vorwort für ein Buch des ehemaligen italienischen Senatspräsidenten Marcello Pera, das jetzt veröffentlicht wurde, bekräftigt Benedikt Peras Darstellung der „Multikulturalität”: Sie sei „innerlich widersprüchlich” und daher „politisch und kulturell unmöglich”. Europa müsse daher von seinem „christlich-liberalen Fundament seine Identität” finden, nicht eine imaginäre „kosmopolitische”.
   Zustimmend äußert sich der Papst über Peras Analyse des interreligiösen Dialogs; er sei „nicht möglich”. Nur aus anderen Veröffentlichungen Benedikts wird deutlich, dass er damit „ergebnisoffene” Verhandlungen zwischen Anhängern verschiedener Religionen über gleichsam „verhandelbare” Positionen ihres Glaubensbekenntnisses meint; diese Dogmen könnten nicht von einem Dialog korrigierbar angetastet werden. In dem Vorwort heißt es: „Um so notwendiger ist der interkulturelle Dialog, der die kulturellen Konsequenzen der religiösen Grundentscheidung vertieft.”
   Anfang dieses Monats hatte unter Leitung des „Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog” das erste Seminar des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom getagt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Dabei war es nicht zu einem interreligiösen Dialog im engeren Sinn gekommen, etwa über das Prophetentum Mohammeds oder die Gottessohnschaft Christi.
FAZ081126hjf
  
Dass Papst Benedikt XVI. zuallererst Theologe im strengen Sinn des Wortes ist, unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Johannes Paul II. Der Pole auf dem Stuhl Petri war vor allem ein Mann der Gesten und verbindenden Zeichen, so wie der Deutsche immer zuerst ein Mann des Wortes und der klaren Distinktion gewesen ist. Doch ginge fehl, wer diesen Wesenszug mit einer Abkehr des Vatikans von der Ökumene oder dem Gespräch mit anderen Weltreligionen gleichsetzen wollte. In Gestalt der Kardinäle Kasper (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Gespräch mit dem Judentum) und Tauran (Interreligiöser Dialog) bietet er für den Dialog zwei exzellente, diplomatisch versierte Theologen auf. Und noch nie stand Rom mit so vielen Kirchen, Bewegungen und Religionsgemein- schaften im Gespräch. Vieles wurde von Johannes Paul begonnen; Benedikt hat - nach anfänglichen Unsicherheiten - auf diesem Fundament weitergebaut. Dass er dabei an das Feststehen im je eigenen Glauben als Voraussetzung jedes Dialogs erinnert, kann nur den verwundern, der sich selbst nicht ernst nimmt.    

Israel: Jad Vaschem-Tagung über Pius XII.
   Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ein katholisches Forschungsinstitut untersuchen gemeinsam die Rolle von Pius XII. in der NS-Zeit. Die gemeinsame Historikertagung begann an diesem Sonntag und endet am Montag. Eingeladen sind sowohl Kritiker als auch Verteidiger des Pacelli- Papstes, berichtet der Dekan der Ordens-Hochschule „Studium Theologicum Salesianum“ aus Jerusalem, Roberto Spataro. Er spricht von einem „Schritt vorwärts" in der historischen Rekonstruktion dieses Aspekts der Amtszeit von Pius XII. Es seien noch viele Dokumente aus der fraglichen Zeit zu studieren. „Der Weg ist noch weit", so der Salesianer.
   Das Treffen sei auch im Hinblick auf Papst Benedikts möglichen Besuch in Yad Vashem zu sehen, berichtet der Salesianer Francesco De Ruvo gegenüber der Nachrichtenagentur Zenit. In Yad Vashem gibt es eine Bildunterschrift zu Pius XII., auf der dem Papst „Schweigen und Fehlen von Leitlinien" während des Holocausts zugeschrieben werden - eine Behauptung, die von vielen Historikern, darunter auch jüdischen, als völlig falsch zurückgewiesen wird. „In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bücher und neue Artikel veröffentlicht", erklärt De Ruvo. „Nun liegt neues Material vor, das es erlaubt, neue Aspekte ans Licht zu bringen, die man sich  anschauen und zusammenfassen soll, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt und manches korrigiert werden soll." Die Zeitspanne vor dem Pontifikat Pius XII., die Beziehungen zu den deutschen Bischöfen, die Lage in Italien während des Holocausts und die Zeit nach dem Holocaust gehören zu den Themen. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Potsdamer Zeithistoriker Thomas Brechenmacher, Autor des Buches „Der Vatikan und die Juden“.
„Für einige ist Pius XII. ein indifferenter Beobachter des Holocausts gewesen, der im Stillen zum Komplizen der gewaltigen Tragödie wurde", so De Ruvo. „Andere Forscher und Historiker haben für einige Zeit eine völlig andere These vertreten, die eine positive Beurteilung des Wirkens von Papst Pius XII. bedeutet: Er bemühte sich demnach, mit allen möglichen Mitteln die Auswirkungen des Holocausts zu verringern, manchmal mit wirksamen Resultaten." Die zweite Position stützt sich auf historische Dokumente sowie auf schriftliche und mündliche Zeugenaussagen.
  Die erste Sitzung wurde von Avner Shalev, der Vorstandsvorsitzenden des Yad Vashem- Komplexes, und dem päpstlichen Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, eröffnet. Shalev würdigte vatikanische Signale „für eine stärkere Öffnung der Archive“ zum Pontifikat von Pius XII. Es sei „ermutigend, dass der Papst selbst Anweisungen gegeben hat, die Katalogisierung der entsprechenden Dokumente noch zu beschleunigen“. Erzbischof Franco spielte in seinem Statement auf den Williamson-Skandal an: „Man kann nicht katholisch sein, wenn man die Shoah leugnet.“ Es sei in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten zu „traurigen Momenten“ gekommen, so der Nuntius. Er betonte, dass Yad Vashem und der Heilige Stuhl „keine Gegenspieler“ seien: Es liege in ihrem gemeinsamen Interesse, „Hand in Hand“ das Wissen über Pius XII. und seine Haltung zur Shoah zu „vertiefen“. Ziel sei „eine gemeinsame Haltung beider Seiten“; die Kirche sei „die beste Verbündete von Yad Vashem, um die Erinnerung wachzuhalten und aus ihr zu lernen“. In Jerusalem war zu hören, dass es auch Ziel der Gespräche sein soll, zu einem Einverständnis über einen neuen Text für die Schrifttafel in Yad Vashem zu finden. f
idesZzenit090308ansaRv  Lesen Sie mehr dazu > Holocaust

 Leiter des Instituts für interdisziplinäre Studien der Religionen und Kulturen: P. Felix Körner, Rom

 KörnerSJ,Felix,Gregoriana-x

Zur Israel-Reise des Papstes: Interview mit Pater Felix Körner SJ  Foto oben
zum Stand des Dialogs mit dem Islam und zum Papstbesuch in Jerusalem

Wie würden Sie den heutigen Stand des christlich-islamischen Dialogs beschreiben?
   Die Paradigmen haben sich mit dem Pontifikatswechsel gewandelt. Den Teppich, den das Pontifikat Johannes Pauls II. ausgebreitet hat, hat das neue Pontifikat nicht weggezogen, sondern hat auf diesen Teppich Theologen geholt, die den vertieften Dialog suchen und auch Kontroversen nicht scheuen. Auf die ausgestreckte Hand folgt nun theologisch präzise Diskussion. Das ist ein gewaltiger Fortschritt.
Auf muslimischer Seite wird als Dialogpartner oft die Gruppe der 138 genannt.
Wie repräsentativ ist diese Gruppe für die islamische Welt?

   Die Gruppe wird vom jordanischen Königshaus gefördert und ist eine Art ökumenische Bewegung des Islam. Wie jede christliche ökumenische Bewegung hat sie auch Gegner, die sich dem bewusst verweigern und als schwächlichen, haltlosen Kompromiss beklagen. Aber diese Gruppe bemüht sich auch, skeptische Muslime für ihr Projekt zu gewinnen. Ihre Idee ist geradezu katholisch: „Sprechen wir mit einer Stimme in die Welt". Die Gruppe der 138 ist nicht hundertprozentig repräsentativ. Das wird sie auch nie sein. Aber sie ist keine Splittergruppe und hat eine wachsende Repräsentanz. Das spürt man auch bei den Sitzungen des katholischen-muslimischen Forums. Da gibt es muslimisch- interne Debatten, die zunächst unlösbar erscheinen. Aber dann zeigt sich doch ein Weg. Bei der letzten Sitzung kam man zum Beispiel zu der Einsicht: Wir müssen Minderheiten in islamischen Ländern nicht nur die private, sondern auch die öffentliche Religionsausübung erlauben. Das war ein großer Schritt.
Und das kommt auf muslimischer Seite auch so rüber?
   Wir müssen schon aufmerksam bleiben, ob nicht mit doppelter Zunge geredet wird. Es gibt ein Dokument der so genannten 138 an die muslimische Welt, in dem jede Kritik, die wir gegenüber islamisch geprägter Politik beispielsweise beim Thema Religionsfreiheit erhoben, einfach als absurd weggestrichen war. Das darf nicht sein. Wir müssen - im übrigen auch wir Christen - in beide Richtungen aufrichtig bleiben.
Im Mai geht Papst Benedikt XVI. in Amman erneut in eine Moschee. Sie haben ihn 2006 in die Blaue Moschee in Istanbul begleitet. Was kann der erneute Besuch als Zeichen bedeuten?
   Muslime wollen uns die Schönheit des Islam in seiner Architektur, seiner Frömmigkeit und Gebetsgestik erleben lassen. In der Blauen Moschee hat Muslime vor allem das tiefgerührte Gesicht Benedikts XVI. angesprochen. Sie haben gemerkt: Hier spürt Benedikt die Ehrfurcht, die Muslime Gott gegenüber liturgisch zeigen. Wenn der Papst weiterhin in theologischer Denkschärfe und ehrlicher Benennung auch der Probleme gleichzeitig die Größe und Tiefe islamischer Gottesverehrung honoriert, ist der Dialog auf einer guten Basis. Ein Papstbesuch, der dem Islam gegenüber Hochachtung zeigt, öffnet Türen des Vertrauens zu jenen Gesprächsräumen, in denen wir dann wieder in Klarheit diskutieren können.
DT090314P.Körner ist Professor an der Gregoriana in Rom

Pilgerreise des Papstes ins Heilige Land

B-399-Is--YadV-xx

ausführliche Fotoberichte über die Pilgerfahrt des Papstes ins Heilige Land > Jerusalem
Das Friedensgebet an der Westmauer in Jerusalem > Friedensgebet

RicardoSchmuelDiSegni,Rom.x Oberrabbiner Di Segni, Rom

Papst Benedikt XVI. wird im nächsten Herbst die Synagoge in Rom besuchen.
   Das kündigte Riccardo Pacifici, der Präsident der Jüdischen Gemeinde in Rom, an. Das genaue Datum des Besuches steht nach Angaben von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi allerdings noch nicht fest. Der Vatikan hat den Plan indes bestätigt. Der römische Oberrabbiner, Riccardo Di Segni, hatte Benedikt schon vor langer Zeit zu dem Besuch eingeladen. Benedikt wird nach Johannes Paul II. der zweite Papst sein, der das Gebetshaus der ältesten jüdischen Gemeinde Europas besuchen wird. In der Geschichte der jüdisch-katholischen Beziehungen war der Besuch Johannes Paul II. am 13. April 1986 ein historisches Moment: Er war der erste Synagogen-Besuch eines Petrus-Nachfolgers überhaupt - jedenfalls in der Neuzeit - und einer der bedeutendsten Moment seines Pontifikats. Das Wort Johannes Pauls von den Juden als den „älteren Brüdern“ der Christen hat Geschichte gemacht. Der Besuch Papst Benedikts in der römischen Synagoge ist sein erster Besuch am Sitz der jüdischen Gemeinde in Rom; er war aber als Papst schon zweimal in einer Synagoge, nämlich in Köln (2005) und in New York (2008). - Der Papstbesuch in Roms Synagoge am Tiberufer ist ein weiterer Markstein innerhalb des Dialogs zwischen Juden- und Christentum.
Rv090313 Lesen Sie mehr über Oberrabbiner Di Segni > Juden
Bei der jüdischen Gemeinde in Rom hat die Ankündigung positive Reaktionen ausgelöst.
   Der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni versteht diesen ersten Besuch Benedikts in der Synagoge am Tiberufer als Schritt der Annäherung zwischen Christen und Juden.
Gegenüber Radio Vatikan sagte Di Segni: „Es ist eine wichtige Geste. Sie zeigt den Willen, dass wir - im vollen Bewusstsein um unsere Unterschiede - gemeinsam diesen Weg gehen und uns mit Sympathie begegnen wollen. Die Aufgabe der Christen und Juden ist ihre gemeinsame Zeugenschaft. Wir haben die Möglichkeit, gesellschaftlich nach Werten zu handeln, die wir teilen. Wenn man also die problematische, emotionale und negative Seite abzieht, kann alles daraus Folgende nur frucht- bar und gut für alle sein.“
   Benedikts Brief zur Causa Williamson habe die Spannungen der letzten Tage aus dem Weg geräumt, meint Di Segni: „Dies ist ein sehr wichtiger Brief, er überrascht uns positiv. Benedikt hat darin ja unterstrichen, dass es gerade die „jüdischen Freunde“ waren, die ihn in dieser Frage verstanden haben. Das muss man als Geste der Aufmerksamkeit gegenüber uns lesen. Die Spannun- gen der vergangenen Tage sind verschwunden. Es überwiegt ein Klima des guten Willens, und das ist sehr wichtig.“
  Oberrabbiner Di Segni hatte Papst Benedikt bereits mehrfach in die römische Synagoge eingeladen. Ein genaues Datum für den im Herbst geplanten Synagogenbesuch steht noch nicht fest.
Rv090314

B-350xx

Foto oben: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung der Spanierin
Inma Shara hat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.

   Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechts- erklärung. Auf dem Programm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla. Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble  und seiner Gastdirigentin  für die „eindrucksvolle“  Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten.
HA081212kna

PäpstlAk-d.Wiss-x KlvKlitzing-2x

Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing wird Berater des Papstes.

   Benedikt XVI. hat den 65-Jährigen deutschen Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing zum ordentlichen Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Eine weitere, vergleich- bare Ernennung ging an einen Chemie-Nobelpreisträger aus Taipeh. Klitzing leitet ein Max-Planck- Institut in Stuttgart; bekannt wurde er vor allem durch seine Halbleiter-Forschungen. rv071009sk

KlvKlitzing-1xx

                                         va-GerhardErtl-xx

Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist um einen weiteren Nobelpreisträger reicher.

   Es ist der Physikprofessor Gerhard Ertl, den der Papst zum Mitglied der Akademie ernannt hat. Dem deutschen Physiker und Oberflächenchemiker wurde im Jahr 2007 der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Die Erkenntnisse des 1936 in Stuttgart geborenen Wissenschaftlers haben das Gebiet der Ober- flächenchemie massgeblich beeinflußt und beziehen sich auf die Industriechemie und Umweltchemie. Zu seinem Reperoir zählen auch Untersuchungen von sich selbst organisierenden Raum-Zeit-Phäno- menen. Ertls Erklärung dieser grundlegenden Erscheinungen diente als Untersuchungsansatz für ähnliche Effekte in vielen anderen Bereichen. Von 1986 bis 2004 war Ertl Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber-Institutes in Berlin. rv100220

Vatikan: Statue für Galilei?
   Bekommt Galileo Galilei eine Statue in den Vatikanischen Gärten? Auch wenn die letzte Be- stätigung noch fehlt, so sieht es doch ganz danach aus. Der Termin für die Aufstellung der Statue könnte im nächsten Jahr liegen, wenn die UNO das internationale Jahr der Astronomie feiert.
   Galileo Galilei, der Mathematiker, Mathematiker, Physiker und Philosoph aus Pisa, ist für viele heute ein Emblem des Kampfes gegen die Inquisition. Doch dem historischen Galilei wird diese ver- kürzte Sicht wohl kaum gerecht. Zwar wurde der aus Pisa stammende Wissenschaftler tatsächlich von der Inquisition im 17. Jahrhundert verurteilt, doch neuere Studien deuten immer stärker darauf hin, dass der Hintergrund des Urteils gar nicht die Konfrontation altes gegen neues Weltbild war. Galilei scheint weniger Märtyrer der Wahrheit – als solcher wirkt er etwa in einem bekannten Theaterstück von Berthold Brecht – als vielmehr in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Sturheit geworden zu sein. Eine Rehabilitierung Galileis hat Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 verkündet; der jetzige Papst, der auch schon mal vom „großen Galilei” spricht, erwähnt den Wissenschaftler positiv schon in seiner „Einführung in das Christentum”, die aus dem Jahr 1968 stammt. Galilei gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der heutigen Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, woran jetzt schon eine Gedenkplakette in den Vatikanischen Gärten erinnert. Von diesem Gremium geht nun auch die Initiative zu einer Galilei-Statue in den Papst-Gärten aus.  ansa rv080310sk

Messe für Galilei
   Der Vatikan hat Galileo Galilei (1564-1642) als einen herausragenden Mann der Wissenschaften und des Glaubens gewürdigt. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Erzbischof Gianfranco Ravasi, feierte in Rom einen Gottesdienst zum Gedenken an die Geburt des Naturwissenschaftlers vor 445 Jahren. Der vom Vatikan zeitweilig befehdete Physiker und Astronom habe die „wissen- schaftliche Wahrheit“ von der des Glaubens unterschieden, sagte Ravasi in der Predigt. Doch diese Wahrheit des Glaubens sei letztlich „heilsnotwendig“. Galilei habe Grenzen überschritten und neues Wissen erschlossen. Damit sei er für nachfolgende Wissenschaftler-Generationen ein Bindeglied zwischen Glauben und Wissenschaft.
   Ravasi verlas ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der darin seine Bewun- derung und Verehrung für den Naturwissenschaftler betonte. Die Initiative zu der Feier in der römi- schen Kirche Santa Maria degli Angeli, die auch für staatliche Anlässe genutzt wird, ging auf die „World Federation of Scientists“ zurück. Rund 100 Mitglieder der religiös nicht gebundenen Organi- sation nahmen an der Feier teil.
   Galileo war über seine Theorie der Planetenbewegung um die Sonne mit dem kirchlichen Lehramt in Konflikt geraten und musste diese epochale These 1633 auf Druck der Inquisition widerrufen. Inzwischen ist seine wissenschaftliche Leistung in der Kirche anerkannt. So beteiligen sich der Vatikan und das päpstliche astronomische Institut am internationalen Jahr der Astronomie, das an die bahnbrechenden Fernrohr-Forschungen Galileis vor 400 Jahren erinnert.
Rv090215KNAansa

Papst Benedikt XVI. hat die italienische Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini  in Audienz empfangen.     Anlass des Treffens war der 100. Geburtstag der Medizinerin und Neurobiologin. Für ihre Forschungen zum Nervenwachstum hatte Levi-Montalcini 1986 den Nobelpreis in Medizin erhalten. Seit 1974 ist sie Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Die Forscherin gehört aufgrund ihrer Lebens- leistung zu den „Senatoren auf Lebenszeit“. Sie entstammt einer jüdisch-sephardischen Familie.
rv090525KNA

Neu entdeckter Planet: “Benedictus-16”

   Ein neu entdeckter Planet wird bald den Namen “Benedictus-16” tragen. US-Astronomen über- reichten dem Papst Bilder des Himmelskörpers, der am 19. April, dem Jahrestag der Papstwahl, „getauft“ werden soll. Der Planet ist 82-mal kleiner als die Erde; bisher trägt er den provisorischen Namen „2009-Fish04“. Rv090401apic

Zweite Enzyklika des Papstes zum Thema Hoffnung

   Papst Benedikt XVI. hat seine zweite Enzyklika unter dem Titel „Spe, salvi” (Gerettet, auf Hoffnung hin) geschrieben. Sie handelt über die christliche Hoffnung und wird nach den bisher vorliegenden Informationen eine Deutung nach dem biblischen Brief des Apostels Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 24 sein: „Denn wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung.” Damit folgt der Papst dem jahrhundertealten Schema der drei christlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe.
   Der Text: theologisch und philosophisch sehr dicht; viele Zitate von Kirchenvätern, dazu die Philosophen Kant, Bacon, Adorno, aber auch Martin Luther, Schriftsteller wie Dostojewski und Jean Giono oder der verstorbene vietnamesische Kardinal Nguyen Van Thuan. Am sorgfältigsten ein- gesetzt: Zitate des heiligen Augustinus. Ernsthafte Auseinandersetzung mit protestantischen Positionen, freundliche Worte zu den Kirchen des „Ostens”. Richtig liebevoll: das Porträt einer Heiligen aus dem Sudan, die von der Sklavin zur Ordensfrau wurde. Nebenbei: ein Papstlob für die „sprachliche und denkerische Kraft” von Karl Marx, trotz dessen „grundlegenden Irrtums”, und eine Kritik an der deutschen Einheitsübersetzung der Bibel. Zum Abschluss ein Hymnus auf Maria.
Gesamteindruck: Theologischer und auch mehr aus einem Guss als seine erste Enzyklika. Für den Normalchristen wohl schwerer zu lesen als „Deus Caritas” - aber eine lohnende Lektüre. Ein echter Ratzinger. Lesen Sie die Enzyklika im Wortlaut: Spe salvi
   Dem Vernehmen nach arbeitet Benedikt neben der Fortsetzung des ersten Teils seines Jesus- Buches an einer dritten Enzyklika über den christlichen Glauben. FAZhjf071124

Erst die Liebe, dann die Hoffnung - die zweite Enzyklika des Papstes
   Nach der ersten Enzyklika „Deus Caritas est” über die Liebe geht es in seiner zweiten Enzyklika über die Tugend der Hoffnung. Benedikt will die Gewissheit der Gläubigen hinsichtlich der letzten Wahrheiten und des ewigen Lebens zu stärken. Die Hoffnung bietet für Benedikt XVI. die Gewähr dafür, dass sich das Volk Gottes nicht verliert, sondern auf die Verheißungen Christi und die Gnade Gottes vertraut, um dort einen sicheren Grund für das eigene Leben zu finden. Die Antwort auf den Relativismus kann für den Papst nur die Botschaft des Evangeliums sein: Es gibt ein ewiges Leben bei Gott, und wer der Kirche folgt, erlangt sein persönliches Glück. Ohne diese Hoffnung wäre auch das Leben der Gläubigen nur mühsam und den vielfältigsten Einflüssen, auch denen des Nihilismus und Relativismus, unterwor- fen. Papst Benedikt stellt der Kirche, den Gläubigen und allen Christen die Glaubensfrage: Erkennt ihr das an, was in den Evangelien steht? In seiner Enzyklika „Deus Caritas”  hat er sie gefragt, ob sie daran glauben, dass sich ein liebender Gott seiner Kirche in der Eucharistie hingibt. Sein Buch über Jesus von Nazareth ist ganz von dem Anliegen geprägt, sich wieder auf den historischen Jesus einzulassen. In seiner Enzyklika über die Hoffnung will er die Gläubigen ermutigen, ihr Vertrauen wieder ganz auf das ewige Glück beim himmlischen Vater zu setzen. Erst damit ergeben sich die Koordinaten, auch die großen sozialen Fragen und die Globa- lisierung des. 21. Jahrhunderts anzugehen. Das wird das nächste Thema von Benedikt XVI. sein. GuidoHorstDT071009

B-418-Cxx

  Die EnSozialenzyklika Caritas in veritate ist ein großer Wurf. Sie ist ein Dokument, das an vielen Stellen auch die Handschrift Benedikts verrät - schon im Titel und in allem, was sie zur Bedeutung der Liebe in der Wahrheit und der Wahrheit in der Liebe sowie zu der vom Glauben erleuchteten Vernunft auch für die Gestaltung der Gesellschaft und der Globalisierung sagt. Sie ist kein antikapitalistisches Manifest, wie Gysi, Geisler und Kleber im ZDF in ersten Reaktionen behaupteten. Sie ist ein groß- artiges Plädoyer für die Entwicklung des ganzen Menschen und aller Menschen, das alle überraschen mag, die von Globalisierungsängsten geplagt sind. Und sie ist ein ungewöhnliches Zeugnis für eine Neuakzentuierung der katholischen Soziallehre, die vielerorts, vor allem in Deutschland, noch igno- riert wird, eine Neuakzentuierung, die nicht in den Finanzmärkten, der Ressourcenverteilung oder dem richtigen Verhältnis von Markt und Staat die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft der Menschheit sieht, sondern in den biomedizinischen Entwicklungen, die die Menschheit vor die Wahl zwischen einer Kultur des Lebens und einer Kultur des Todes stellen. . . weiter> Caritas in veritate

   Apostolisches Schreiben über die Liturgie Papst Benedikt XVI.: SUMMORUM PONTIFICUM
Über den Gebrauch der Römischen Liturgie aus der Zeit vor der Reform von 1970 . Das neue Apostolische Schreiben finden Sie unter: Liturgie

B-SacrCarit-xxx

Wortlaut des Apostolischen Schreibens Sacramentum Caritatis siehe: Kirche

Drei bedeutende Ansprachen lesen Sie hier im Wortlaut:
Glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig. Siehe: Credo
Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen. Vorlesung in der Universität Regensburg. Siehe: Dialog der Religionen
Antwort von 38 Gelehrten des Islam siehe: Dialog der Religionen
Den Wortlaut der Ansprache des Papstes an die Botschafter islamischer Länder in Castelgandolfo finden Sie unter: Islam

   Die Erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. “Deus Caritas” (Gott ist Liebe) hat weltweit eine sehr positive Resonanz gefunden. Sie finden den Wortlaut unter: Deus Caritas
   Den Wortlaut seiner zweiten Enzyklika lesen Sie unter: Spe Salvi Spe Salvi
   Die neue Sozialenzyklika finden Sie im Wortlaut: Caritas in veritate
   Der “Schülerkreis” des Papstes (die von Prof. Ratzinger promovierten Theologen) haben bei ihrem Treffen in Castel Gandolfo unter großer Zustimmung Benedikt XVI. gebeten, seine vierte Enzyklika zum Thema “Mission” zu schreiben.

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Papst] [Deus Caritas] [Spe Salvi] [Caritas in veritate] [Deutschland] [Una Sancta] [Wort Gottes] ["Stellvertreter"] [Credo] [Sonntag] [Liturgie] [nordd. Kirche] [Ökumene] [Anglikaner] [Glaube & Leben] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung] [Galerie]