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Lesen Sie das Hirtenschreiben an die Katholiken von Irland von Papst Benedikt XVI. > Europa
Benedikt XVI. 5 Jahre Papst
Papst Benedikt XVI. ist fünf Jahre im Amt. Wer ihn kritisieren will, findet leicht Wohlfeiles. Ein Rückblick auf das Pontifikat von Jörg Bremer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Pflicht zur Wahrhaftigkeit Es ist fünf Jahre her, dass Deutschland jubelte: „Wir sind Papst.“ Die Wahl des Kardinals Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche wurde weltweit (überwiegend) mit Begeisterung aufgenommen. Seither hat sich Benedikt XVI., der kürzlich 83 Jahre alt geworden ist. kaum verändert, aber die Welt hat sich verändert. In Deutschland schlägt ihm Kritik entgegen, wenn nicht sogar Ab- lehnung. Dem Anschein nach wird ihm persönlich die Verschleierung vieler tausend Fälle von Miss- brauch an Kindern und Jugendlichen durch Geistliche vorgeworfen. Doch es war Ratzinger, der noch als Chef der Glaubenskongregation im Jahr 2001 den Kampf gegen die weltweit auftretenden Missbräuche zur Sache des Vatikans machte. Er zeigte damit, dass die Autorität des Papstes nötig ist, um die Verfolgung dieser Verbrechen in allen Diözesen und auf allen Stufen sicherzustellen. Als er selbst Papst geworden war, nahm er bei seiner ersten Karfreitagsprozession 2005 das Thema auf und sprach vom „Schmutz“ in der Kirche; 2006 folgte die Mahnung an die irischen Bischöfe. 2008 tadelte er die Kleriker in den Vereinigten Staaten wegen des „Versagens, den Kindern das Heil und die Liebe Gottes zu bringen“. Jetzt will er - wie die Welt -, dass die Diözesen strikt handeln: offenlegen, disziplinarisch ahnden, mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten. Er schrieb im März den Brief an die irischen Katholiken und sucht die Heilung in einer Kirche der Wahrheit, welche die Opfer in den Mittelpunkt stellt. [Die eingefügten Links verweisen auf weiterführende Berichte > Europa] Diese theologischen Überlegungen verstehen viele Leute nicht. Während seine Kritiker die Kirche insgesamt aus den Angeln heben wollen, glaubt Benedikt, dass sich die Menschen überhaupt nur über Glaube und Kirche von der Neigung zu Verbrechen befreien können. Für diesen Papst gelten nicht die Grundsätze des Zeitgeistes, sondern die der Kirche: Die Welt hat Strafverfolgung nötig, aber vor allem Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung. Kritiker sagen, der alte Mann habe den Kontakt zu seinen Zeitgenossen verloren. Seine Wahrheit sei nicht von dieser Welt. Das ist richtig und falsch zugleich. Muslimische Gesprächspartner wie der saudische König suchen das Gespräch mit dem Papst > Kirche & Moschee, > Kirche im Islam. Erst Ratzingers provokatorische Regensburg-Rede > Dialog der Religionen gab dem katholisch-muslimischen Dialog einen Schub. Dieser Papst entdeckt die orthodoxen Kirchenväter > Ökumene neu und schafft damit eine neue Ökumene mit der Orthodoxie unter dem Patriarchen von Moskau. Während viele noch über Kontakte zwischen Judentum und Kirche sprechen, führt Benedikt schon den theologischen Diskurs mit Rabbinern. > Juden, > Jerusalem, > Judenmission Im protestantischen Teil Deutschlands heißt es, von diesem Papst sei zur Ökumene nichts zu erwarten. Dem würde Benedikt wohl zustimmen, aber nicht, weil er gegen Ökumene ist. Er leide unter dem Mangel an Einheit, denn sie verdunkle die Botschaft Gottes, sagte er neulich vor der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom > Ökumene. Er forderte dazu auf, das heutige Maß an Ökumene zu feiern und darauf zu vertrauen, dass die Einheit, wenn sie einmal erreicht sein wird, „tiefer“ sein werde als das, was jetzt unter Verlust an Identität erstrebt werden kann. Benedikt macht es sich mit seiner selbstauferlegten Pflicht zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit schwer. Zugleich ist er, wie früher der Professor Ratzinger, ein begnadeter Prediger und Autor > Card. Ratzinger. Wenn er frei spricht, reißt seine Botschaft die Zuhörer mit. Seine Texte stechen aus dem Wirrwarr vatikanischer Äußerungen heraus. Er scheut jedes überflüssige Wort. So war in der Sozialenzyklika > Caritas in veritate leicht zu erkennen, welchen Teil er und welchen andere geschrieben hatten. Auch jenes Lehrschreiben war nicht populär. Es ging zwar mitfühlend auf die Mängel und Bedürfnisse vor allem in Entwicklungs- ländern ein. Seine Forderungen waren aber nicht die scheinbar griffigen, die aus den politischen Denkschulen kommen. Er verlangte vielmehr, sich im Denken und Handeln am liebenden Jesus zu orientieren. Ständig bekräftigt Benedikt die für die säkulare Welt schwer zu fassende und auch von Gläubigen nur mühsam beherzigte Forderung, dass Christsein gläubige Liebe bedeute und das Eingreifen in die weltlichen Belange verlange. Immer wieder muss sich Benedikt des Vorwurfs erwehren, seine Lehre sei restaurativ. Ihm wird die Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft zur Last gelegt > Una Sancta, obwohl er ihren Bischöfen weiter das Lehramt versagt und die unbedingte Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils verlangt. Somit trifft es auch nicht zu, dass Benedikt XVI. jenes Konzil überwinden wolle. Er sieht es als eine Etappe der Kirchengeschichte, die stets neu gedeutet, aber nicht als Bruch gesehen werden darf. Der Papst ist nicht nur oberster Theologe, sondern auch Staatsoberhaupt und Chef einer großen Verwaltung. Da gelingt ihm nicht alles. Er vertraut Menschen in seiner Umgebung, selbst wenn sie ihrem Amt nicht gerecht werden. Diese unbewussten Papstbehinderer erschweren eine offene Pressepolitik, welche die päpstliche Leistung zum Beispiel im Kampf gegen Pädophilie darstellt. Sie sind oft auch zu schlechte Theologen, um Benedikts Botschaft zur Caritas Jesu weiterzutragen. So wirken sie mit an dem, was die Feinde der Kirche anstreben: einen Schnitt zu setzen zwischen dem Ober- hirten und seinem Kirchenvolk. FAZ100419JörgBremer
Staatsbesuch in Großbritannien
Die letzte Papstreise vor den Ferien ist vorbei, die nächste kündigt sich an. Lange war verhandelt worden, einige Termine waren angekündigt und verlegt worden, aber jetzt hat Pressesprecher P. Federico Lombardi offiziell die einzelnen Programmpunkte vorgestellt. Offiziell eingeladen wurde der Papst von Königin Elisabeth II.; ein Treffen mit der Monarchin wird in Holyroodhouse, der königlichen Residenz in Edinburgh, stattfinden. In der Westminster Hall wird er Vertreter von Politik, Kultur und Medien treffen. Im pastoralen Teil seiner Reise wird Benedikt XVI. im Bellahouston Park in Glasgow und in der Westminster Cathedral in London jeweils eine Messe feiern. Es wird auch eine Gebetsvigil im Hyde Park stattfinden, ebenfalls in London. Die lang erwartete Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman wird im Cofton Park in Birmingham stattfinden. rv100705 Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freut sich sehr über den Besuch des Papstes in Großbritannien. Das schreibt er in einer Medienmitteilung. Die britischen Anglikaner würden Benedikt XVI. gewiss mit großer Freude und Wärme aufnehmen, so der Erzbischof. Einladungen von Seiten der britischen Regierung und der katholischen Bischöfe lägen be- reits seit längerer Zeit vor. Der Vatikan hat bisher die Papstreise nach Großbritannien nicht bestätigt. 090925rv Königin Elisabeth II. wird Papst Benedikt XVI. am 16. September dieses Jahres im königlichen Palast in Edinburgh empfangen. Dies wird der Auftakt des Staatsbesuches sein, den der Papst in diesem Spätsommer in England und Schottland machen wird. Es wird der erste Staatsbesuch sein, den ein Papst in Großbritannien machen wird. Papst Johannes Paul II. hatte das Land zwar 1982 besucht, dies war aber ein pastoraler Besuch, der die Etablierung voller diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Großbritannien feiern sollte. Der Besuch von Benedikt XVI. erfolgt auf Einladung der britischen Regierung und der katholischen Kirche. Damit wird es ein Ereignis, dass nicht nur katholisch ist. Der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Vincent Nichols, betont: „Die Einladung, bei diesem Besuch dabei zu sein, gilt für jeden ohne Ausnahme. Es ist eine Einladung an alle Menschen in diesem Land, Papst Benedikt zu treffen und ihm zuzuhören, denn er ist ein zutiefst feinfühliger und intelligenter Verkündiger der Botschaft Christi.“ Eines der wichtigsten Ereignisse bei diesem Besuch wird die Seligsprechung des englischen Kardinals und Theologen John Henry Newman sein. Um die Besonderheit dieses Seligen hervorzuheben, wird der Papst die Seligsprechung selbst vornehmen und nicht einen Beauftragten delegieren, was bisher Praxis im Pontifikat Benedikt XVI. war. Erzbischof Nichols hebt in seiner Würdigung aber nicht den Gelehrten hervor, der die Theologie geprägt habe: „Kardinal Newman war dreißig Jahre lang ein Gemeindepfarrer. Und es ist wunderbar, dass seine Seligsprechung sozusagen zum Abschluss des Priesterjahres stattfindet. Das wird eine große Ermutigung für jeden Priester hier sein, der seine Pflicht treu und still ausübt. Das ist genau das, was Kardinal Newman dreißig Jahre lang tat.“ Die Seligsprechung wird wohl am 19. September in Coventry stattfinden, wie der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Andrea Ambrosi, auf Anfrage einer Nachrichtenagentur mitteilte. Der Papst wird bei seinem Besuch auch das Haupt der anglikanischen Kirche, den Erzbischof von Canterbury Rowan Williams, besuchen und sich mit Kirchenvertretern und Vertretern anderer Religionen treffen. Neben diesem kirchlichen Ereignis hebt die britische Regierung in ihrer Stellungnahme zum Besuch die politischen Übereinstimmungen hervor. Die Millennium-Entwicklungsziele, der Umweltschutz und die Gesundheit in Entwicklungsländern sind nur einige der Punkte, in denen der Heilige Stuhl und die britische Politik an einem Strang ziehen. RVkipa100317ord Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, freut sich auf den Papstbesuch im September. Benedikt will in London auch Williams aufsuchen. „Die Visite wird die guten Beziehungen zwischen Großbritannien und der katholischen Kirche, aber auch die Beziehungen zwischen den Kirchen bestärken. Ich freue mich besonders auf den Besuch hier im Lambeth Palace“, so das Oberhaupt der Anglikaner in einer Mitteilung. Der Heilige Stuhl hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Benedikt XVI. bei seinem Staatsbesuch auch den Sitz des anglikanischen Erzbischofs in London besuchen wird, um damit Williams Besuch im Vatikan zu erwidern. RV100317pm
Die Reise von Papst Benedikt XVI. im September nimmt langsam Gestalt an. So wurde jetzt bekannt, dass die erste Messe unter freiem Himmel im schottischen Glasgow stattfinden soll. Das bestätigte die schottische Bischofskonferenz. Der Gottesdienst werde im Bellahouston Park gefeiert. Dort hatte bereits Johannes Paul II. bei seiner Reise 1982 die Messe zelebriert. Benedikt XVI. reist vom 16. bis 19. September nach Großbritannien. Es handelt sich um den ersten Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien. Johannes Paul II. war 1982 lediglich zu einer Pastoralvisite ins Vereinigte Königreich gekommen. Der Papst wird am 16. September voraussichtlich von Königin Elizabeth II. und ihrem Mann Prinz Philip in der schottischen Hauptstadt Edinburgh empfangen. Zu den weiteren Stationen der viertägigen Reise gehören unter anderem eine Rede in der Londoner Westminster Hall sowie die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890) in Coventry. RV100609kna
Lombardi: Ein reichhaltiges, intensives, strukturiertes Programm der Papstreise Der Vatikan stellt das offizielle Programm der Papstreise nach Großbritannien vor. In einem Interview mit Radio Vatikan erläutert Papstsprecher Federico Lombardi die einzelnen Momente dieses Besuchs: „Das Programm ist sehr reichhaltig, intensiv, strukturiert. Natürlich erwarten wir mit großen Emotionen den ersten Tag, an dem der Papst seine Majestät, die Queen, trifft. Dann möchte ich auch die Rede des Papstes in der Westminster Hall erwähnen. Das Treffen mit Vertretern der Gesellschaft, der Kultur. Und dann gibt es die zwei Momente des großen Zusammentreffens mit den Menschen – bei der Vigilfeier im Hyde-Park in London, und bei der Seligsprechung von Kardinal Newman in Birmingham.“ rv100819 Wird die Begegnung mit der anglikanischen Weltgemeinschaft ein großes Thema sein? „Es gibt die ökumenische Dimension. Zum Beispiel das Treffen mit dem Oberhaupt der Anglikaner, dem Erzbischof von Canterbury. Auch der ökumenische Gottesdienst hat selbstverständlich eine große Be- deutung. Wir wissen auch, dass es ein sehr sensibler Moment sein wird für die Anglikaner, für ihre inter- nen Debatten. Und es ist auch ein entscheidender Moment für den Dialog mit der Katholischen Kirche, weil man sich in internen Gesprächen auch auf diese Beziehung konzentrieren wird.“ Der Papst hat die Bedeutung von John Henry Newman oft hervorgehoben, auch für sich persönlich. Was erhofft sich die Kirche von der Reise? „Diejenigen, die uns dort erwarten, erhoffen sich von diesem Besuch wirklich, dass sie das Angebot der Kirche verstehen, das Angebot der katholischen Kirche für eine Gesellschaft, die sehr entwickelt ist, sehr verweltlicht, wie die Gesellschaft Großbritanniens. Wir freuen uns, dass diese Reise eine Manifesta- tion der Schönheit des Glaubens wird, des Positiven eines päpstlichen Dienstes an der Gesellschaft.“ rv 100819jv
Der 1. Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien auf Einladung von Königin Elizabeth findet vom 16. - 19. September 2010 statt. Wir werden hier ausführlich darüber berichten! Wenn Sie mehr über die schwierige Situtation der anglikanischen Weltgemeinschaft, deren Oberhaupt die Königin von England ist, lesen wollen: > Anglikaner
Barcelona 
Papst will zur „Sagrada Familia“ Foto oben Papst Benedikt XVI. wird in diesem Herbst für zwei Tage nach Nordspanien reisen. Das wurde jetzt bekannt. Geplant sei für den 6. November eine Visite in Santiago de Compostela, wo der Apostel Jakobus verehrt wird. Die galizische Stadt am berühmten Jakobsweg feiert derzeit ihr Heiliges Jakobus- Jahr. „Ich habe den Heiligen Vater schon im Oktober letzten Jahres schriftlich nach Santiago de Compostela eingeladen“ – das berichtet der Erzbischof der Jakobsstadt, Julian Barrio, vor Journalisten. „Die Anfrage wurde sehr gut aufgenommen, aber es war dann gar nicht so einfach, ein Datum zu finden. Vor ein paar Tagen war ich dann in Papstaudienz, und nun wurde aus dem Vatikan mitgeteilt, dass man den 6. November ins Auge fasse. Das will ich hiermit bestätigen!“ RV100302efe Benedikt XVI. reist nach Spanien und weiht im Herbst die „Sagrada Familia" in Barcelona Papst Benedikt XVI. wird am 6. November die Basilika „Sagrada Familia" in Barcelona weihen. Unmittelbar davor absolviert er einen eintägigen Besuch im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, der 2010 als Heiliges Jahr (Ano Jacobeo) begeht. Vatikansprecher Federico Lombardi gab die Termine bekannt. Der Spanienbesuch ist die fünfte geplante Auslandsreise des Papstes in diesem Jahr. Spekulationen über einen Besuch von Benedikt XVI. in Santiago waren am Montag aufgetaucht, im Anschluss an eine Audienz für den örtlichen Erzbischof Julian Barrio und den galizischen Regional- präsidenten Alberto Nunez Feijoo. Wahrscheinlicher als 2010 sei ein Besuch 2011, hatten zunächst die Berichte unter Berufung auf den spanischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Francisco Vazquez, gelautet. Im August 2011 wird Benedikt XVI. zum Weltjugendtag in Madrid erwartet. Nun wurde die Reise nach Barcelona und Santiago in der päpstlichen Reiseplanung vorgezogen. Die „Sagrada Familia", ein Werk des Architekten Antoni Gaudi (1852-1926), war 1882 begonnen worden. 1893 wurde die Krypta vollendet und geweiht. Sie dient seit einem Jahrhundert als Gottes- dienstraum für die nach der Weihe errichtete Pfarrei. 1935 wurden die Arbeiten an Türmen und Fassade abgeschlossen. Inzwischen ist die „Sagrada Familia" ein Wahrzeichen Barcelonas und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe eingetragen. Das Bauwerk wird in einer Mischung aus dem neu- katalanischen Stil - eine Variante der Neugotik -, dem Jugendstil, dem „Modernisme Catala" und der Moderne errichtet. In den kommenden Monaten soll die Überdachung des Mittelschiffs fertiggestellt werden. Damit entstünde ein geschlossener oberirdischer Raum für Gottesdienste. Mit der ersten Messfeier soll die „Sühnekirche der Heiligen Familie" geweiht werden. Gaudi hatte 1883 die Leitung der Kirchenbaustelle übernommen. Nach mehr als 40 Jahren Arbeit daran verunglückte er in unmittelbarer Nähe der Kathedrale. Seit dem Jahr 2000 läuft für Gaudi ein Seligsprechungsverfahren. DT100304KNA

Papstbesudh in der ältesten Synagoge in Rom: Es kam zu Tränen, spontanem Beifall und Emotionen. Lesen Sie unseren Fotobericht > Juden
Natur ist ohne Gott nicht zu verstehen Einen Tag nach dem Papstbesuch in der römischen Synagoge begann die gemeinsame jüdisch- katholische Dialogkommission ihre diesjährige Sitzung. Zwei Tage später, am 5. Tag des Monats Schevat im Jahr 5790 jüdischer Zeitrechnung, endet sie. Die beim Papstbesuch angesprochenen Gemeinsamkeiten standen im Fokus des Treffens. „Wir sind uns der Differenzen, die zwischen uns sind, bewusst, auch aber ebenso auch der Tat- sache, dass, wenn wir es schaffen, unsere Herzen und unsere Hände zu vereinen, um dem Ruf des HERRN zu antworten, sein Licht uns nahe kommen wird, um alle Völker der Erde zu erleuchten.“ So hatte Papst Benedikt in seiner Ansprache in der Synagoge das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft beschrieben. Und diesen Satz nahm auch die Dialogkommission zum Ausgangspunkt ihrer Beratungen. Besonders wies sie darauf hin, dass Benedikt uneingeschränkt die Verbindlichkeit des Konzilsdokuments Nostra Aetate für die Lehre der Kirche betont habe. rv100120 Gemeinsames Erbe eint Christen und Juden Der Ökumene-Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz ist der Bischof von Terni, Vincenzo Paglia. Er betont gegenüber Radio Vatikan im Rückblick auf den Synagogenbesuch und auf den jüdisch- katholischen Dialog insgesamt, dass bei allem Konflikt gerade jetzt das Gemeinsame betont werden muss. „Da gibt es keinen Zweifel. Beide Seiten haben wiederholt, dass wir selbstverständlich zwei verschie- dene Religionen sind, aber dass wir ein gemeinsames Erbe haben, das uns eint. Es gibt keinen Zweifel, dass Juden und Christen den Vorrang betonen müssen, den das Sprechen von Gott im Leben der Menschen hat. Wir müssen aber auch an die andere große Religion denken - an den Islam, der auch gerufen ist, die Gegenwart Gottes im Leben der Menschen und seine Barmherzigkeit zu bezeugen.“ Paglia betont das Grundsätzliche, für das sowohl die jüdische als auch die christliche Religion einstehen und das durch den Dialog gefördert wird. „Ich würde ganz instinktiv sagen, dass wir uns weiterhin begegnen müssen, wo immer in der Welt Christen und Juden gemeinsam leben. Denn wir Menschen wollen im Frieden leben, nicht im Konflikt... weil wir die Geschwisterlichkeit wollen, nicht den Hass. Wir wissen, dass jede Tötung immer ein Brudermord ist. Deswegen, denke ich, wird es weitere Schritte auf dem Weg geben, wie sie seit Beginn unserer Beziehungen das Verhältnis geprägt haben.“ rv100120

Rabbi Jacob Neusner in Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.
Rabbi Neusner und seine Frau Suzanne waren erfreut über diese Einladung. Bei diesem Anlass hat der Rabbi dem Papstein Exemplar der deutschen Ausgabe des Buches von 1993 [in 2. Aufl. 2008 bei Herder erschienen] überreicht - das Kardinal Joseph Ratzinger damals in der amerikanischen Originalausgabe gelesen hatte -, zusammen mit der italienischen Ausgabe des Essays über den Talmud [im Verlag San Paolo, der ihn auch in einer Neuauflage unter dem Titel Un rabbino parla con Gesú herausgegeben hat]. Geschenke, die der Papst sehr geschätzt hat, er hat sich für seinen Freund aus Übersee fast 20 Minuten Zeit genommen. »Ausreichend Zeit«, so erklärt Neusner, »für eine schöne Begegnung zwischen zwei Professoren. Ich habe den Gelehrten Joseph Ratzinger immer für seine Aufrichtigkeit und Klarheit geschätzt und war sehr daran interessiert, ihm persönlich zu begegnen und ihn als Menschen kennen- zulernen. Jetzt wo ich aus Anlass der historischen Begegnung in der Synagoge und der Diskussion mit Erzbischof Forte nach Rom gekommen bin, wurde mir dieses große Geschenk eines Treffens mit dem Papst zuteil.« Neusner findet fast keine Worte, um seiner Freude über diesen Besuch Ausdruck zu verleihen: »Wir haben über unsere Bücher gesprochen, und er hat mir anvertraut, dass er den zweiten Band über Jesus abgeschlossen hat.« Neusner jedoch macht nicht viele Worte und kommt direkt zum Kern der Sache, was im übrigen eine Tugend ist, deretwegen die beiden »Professoren« einander schätzen: »Was mich am meisten beein- druckt hat, ist sein durchdringender Blick. Er blickt in dich hinein. Und dann seine Gentleman-Manieren, voller Liebenswürdigkeit und Demut.« Dieser menschliche Zug hat den Rabbi berührt, genauso wie er ihn schon beim Synagogenbesuch bemerkt hatte.»Ein überwältigendes Ereignis mit einer außerordentlichen, erwartungsvollen und ergriffenen Anteilnahme aller, die mich mit Hoffnung für die Zukunft erfüllt. Das Problem der heutigen Zeit ist - und das hat der Papst gut verstanden -,dass man ohne Gedächtnis lebt, man vergisst die Geschichte und die religiösen Traditionen, von denen man herkommt. Aus diesem Grund ist das Studium der Geschichte von großer Wichtigkeit. Ich denke an eine umstrittene Frage wie die der historischen Gestalt Papst Pius' XII. Meiner Meinung nach ist es noch zu früh, ein Urteil abzugeben, und dennoch höre ich oft scharfe Urteile im einen oder anderen Sinn. Ich habe fast den Eindruck, als gäbe es da jemanden, der zerstörerisch agitiert, den weder der Katholizismus noch das Judentum interessiert und auch nicht der Dialog zwischen diesen beiden großen Traditionen. Das ist traurig, denn in der konkreten Wirklichkeit - das kann ich in meinem Alltag in den Vereinigten Staaten feststellen - sind die Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr gut.Wenn man die Vergangenheit ignoriert, ist man dazu verurteilt, sie zu wiederholen; aus diesem Blickwinkel ist das Studium der Geschichte grundlegend. Genauso wie das Verantwortungsbewusstsein: jede Generation ist verantwortlich für die Zukunft, und sie ist es heute, hier und jetzt. OR100129AndreaMonda Lesen Sie mehr zur Freundschaft des Papstes mit Rabbi Neusner >Judenmission

Papst Benedikt will Vorgänger seligsprechen: Pius XII. Foto links und Johannes Paul II. Mittel
Dem Kirchenrecht zufolge soll der Prozess zur Seligsprechung eines Menschen erst fünf Jahre nach dessen Tod beginnen. Erst dann, so meint man, seien die Emotionen des Augenblicks abgeklungen und ein klares Urteil über Leben und Werk jener Persönlichkeit möglich, die man den Gläubigen amtlich unfehlbar als Vorbild und Leitstern auf dem Lebensweg anempfehlen möchte. Papst Johannes Paul II. ist noch keine fünf Jahre tot - doch über seine Seligkeit bestehen im Vatikan schon jetzt keine Zweifel mehr: Nach jener „Volksabstimmung", den teils spontanen, teils orga- nisierten „Santo-Subito-Rufen" bei Wojtylas Beerdigung im April 2005, ist nun auch der formelle Untersuchungsprozess beendet. Papst Benedikt XVI. hat den „heldenhaften Tugendgrad" seines Vor gängers bestätigt. Unter den 21 Namen steht auch Pius XII. (1876-1958). Wenn nun noch eine Heilung auf ihre Fürbitte als medizinisch unerklärbares Wunder anerkannt wird, dann könnte nächstes Jahr sowohl in Polen als auch in Rom das große Fest stattfinden: Karol Wojtyla (1920-2005) und Eugenio Pacelle würden zur „Ehre der Altäre" erhoben. Und keiner ihrer Anhänger zweifelt daran, dass die Seligkeit - die nur eine regional begrenzte Verehrung erlaubt - lediglich das for- mal unumgängliche Durchgangsstadium zu wahrer Bestimmung ist: zur Heiligsprechung.HAZ091221PKreiner

Benedikt XVI. an Kurie: „Ohne Versöhnung keine Menschlichkeit“ Papst Benedikt hat nach der Kritik jüdischer Gemeinden am Vorantreiben der Seligsprechung des Papstes Pius XII. die antisemitischen Verbrechen der Nationalsozialisten erneut verurteilt. In einer Rede vor Vertretern der Kurie erinnerte Benedikt XVI. an seinen Besuch der israelischen Holocaust- Gedenkstätte Jad Vashem im Mai 2009 Foto oben. Der Papst: „Der Besuch in Jad Vashem war eine erschütternde Begegnung mit der Grausamkeit des menschlichen Fehlens, mit dem Hass einer verblendeten Ideologie, die ohne jede Rechtfertigung Millionen dem Tod ausgeliefert hat und in letzter Konsequenz Gott aus der Welt vertreiben wollte; den Gott Abrahams, Isaaks Jakobs und den Gott Jesu Christi.“ Doch ohne Versöhnung gebe es keine wirkliche Menschlichkeit und auch keine wirksame Politik, erinnerte der Papst weiter. Die „Bereitschaft zum ersten Schritt auf den anderen zu“ werde heute immer wieder aufs Neue gebraucht, so der Papst. Versöhnung sei grundlegende Voraussetzung für dauerhaften Frieden. Das zeige auch die Situation Afrikas, so Benedikt, der in seiner Botschaft auch auf seine Reise nach Afrika und die Afrika-Synode einging. Benedikt wörtlich: „Jede Gesellschaft braucht für den Frieden Versöhnung. Versöhnung ist not- wendig für eine gute Politik, kann aber nicht nur durch Politik verwirklicht werden. Versöhnung ist ein Konzept und eine Wirklichkeit, die vor der Politik kommt: Wenn sich im Herzen nicht die Kraft der Versöhnung bildet, fehlt die Voraussetzung für einen politischen Einsatz für den Frieden.“ Als positives Beispiel geglückter Versöhnung nannte das katholische Kirchenoberhaupt die Entwicklung Europas nach dem zweiten Weltkrieg: Politische und ethisch orientierte gesellschaftliche Strukturen hätten dort den Frieden nach Kriegsende gesichert. Für „innere und äußere Erneuerung“ sei jedoch auch Buße notwendig, so der Papst. Denn um aufeinander zugehen zu können, müsse man zunächst eigene Fehlhandlungen erkennen. Benedikt: „In unserer heutigen Welt müssen wir das Sakrament der Buße und die Versöhnung wieder- entdecken. Die Tatsache, dass die Buße zu großem Teil aus den grundlegenden Gewohnheiten der Christen verschwunden ist, ist Symptom des Verlustes von Wahrhaftigkeit gegenüber uns selbst und gegenüber Gott. Dieser Verlust bringt unsere Menschlichkeit und unsere Fähigkeit, Frieden zu schließen, in Gefahr. Die Einheit von Schuld, Buße und Versöhnung ist eine der grundlegenden Bedingungen wahrer Menschlichkeit, Bedingungen, die im Sakrament der Buße ihre vollständige Form erhalten, aber bereits von ihren Wurzeln her zum Menschsein dazugehören.“ Versöhnung sei nicht nur ein wichtiges Element für den interreligiösen Dialog, so der Papst mit Blick auf die Vergangenheit, Afrika und den Nahen Osten. Auch für den Dialog mit Atheismus und Agnostik sei diese Haltung von Bedeutung, so der Papst in Bezug auf seine Reise in das weitgehend atheistische Tschechien. RV091221

Zweites Papstbuch über Jesus von Nazaret ist jetzt bei Herder im Druck
Der von Gläubigen in aller Welt mit Spannung erwartete zweite Teil des Buches „Jesus von Nazaret" von Papst Benedikt XVI. könnte im März nächsten Jahres rechtzeitig zur Fastenzeit erscheinen. Das schreibt das italienische Nachrichtenmagazin „Panorama“. Das Buch handelt von der Passion Jesu; es ist schon fertig geschrieben und wird derzeit in zahlreiche Sprachen übersetzt. „Panorama“ berichtet auch, Benedikt wolle dem Werk noch ein drittes Jesus-Buch folgen lassen, an dem er bereits arbeite; darin gehe es um die Kindheitsgeschichte Jesu. RV180610panorama

Benedikt XVI. trägt einen neuen Kreuzstab
Ab Beginn des neuen Kirchenjahres trägt Papst Benedikt XVI. einen neuen Kreuzstab. Mit der Vesper zum ersten Adventssonntag hatte der Ferula genannte Stab seine Premiere, berichtet die Vatikan- Zeitung „Osservatore Romano“ unter Berufung auf den päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini. Es ist dies bereits der dritte Kreuzstab, den Benedikt XVI. seit seiner Wahl zum Nachfolger Petri gebraucht. Zunächst hatte er den silbernen Kruzifix-Stab von Papst Paul VI. aus den 60-er Jahren übernommen, den auch seine beiden Vorgänger genutzt hatten Foto links. Er war beim Abschlussgottesdienst zum Zweiten Vatikanischen Konzil erstmals gebraucht und vom italienischen Bildhauer Lello Scorzelli entwor- fen worden. Seit Palmsonntag 2008 hatte Benedikt auf ein Kreuz von Pius IX. Foto Mitte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgegriffen. Der neu geschaffene Stab Foto rechts ist ein Geschenk des römischen Wohltätigkeitsverbandes „Circolo San Pietro“ und „kann definitiv als die Ferula von Benedikt XVI. bezeichnet werden“, sagte Marini. Auf dem Ring direkt unterhalb des Kreuzes ließen die Stifter den Name Papst Benedikts eingravieren, während die kleine Kugel, die den oberen Abschluss des Stabes bildet, sein Wappen trägt. Der neue Stab ist mit zwei- einhalb Kilogramm noch leichter als der letzte. Er trägt im Gegensatz zu diesem keine Schmucksteine. Auf der Vorderseite ist im Zentrum das Osterlamm zu sehen, außerdem Netz-Motive, die auf den Fischer Petrus verweisen. Die Symbole der vier Evange- isten zieren die Enden der Kreuzbalken. Die Rückseite trägt das Christusmonogramm sowie Darstellungen westlicher und östlicher Kirchenväter. Or091128rv
Vietnam
Papst Benedikt hat Joseph Vo Duc Minh zum neuen Bischof der südvietnamesischen Diözese Nha Trang ernannt. Der 65-jährige wird Nachfolger des bereits 78-jährigen Paul Nguyen Van Hoa, dessen Rücktritt der Papst gleichzeitig annahm. Der neue Diözesenbischof war bereits seit vier Jahren Koadjutor der Diözese und unterstützte den Ordinarius in seiner Amtsführung. Von den rund 1,6 Millionen Bewohnern im Bereich der Diözese sind etwa zehn Prozent Katholiken. Rv091204 Der Präsident der Volksrepublik Vietnam hat im Rahmen seiner Europareise am 11. Dezember den Vatikan besuche. Kirchenvertreter in Vietnam hatten wiederholt von einer unmittelbar bevorstehenden Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Präsident Nguyen Mihn Triet gesprochen. Im Januar 2007 hatte der Papst Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dung Foto oben empfangen. Die Audienz gab den Anstoß für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Volksrepublik. Hanoi hatte den offiziellen Kontakt nach dem Vietnamkrieg und dem Sieg des kommunistischen Nordens über den Süden 1975 abgebrochen. Rv091204 Lesen Sie weiter >Weltkirche Vietnams Präsident Nguyen Minh Triet ist am 11. Dezember von Papst Benedikt in Audienz empfangen worden. Der Vatikan teilt mit, das vierzigminütige Gespräch sei „in herzlicher Atmosphäre“ verlaufen. Der Präsident hatte angekündigt, es werde an der Einrichtung voller diplomatischer Be- ziehungen zwischen den beiden Ländern gearbeitet; doch wie weit die Vorbereitungen gediehen sind, wurde nicht klar. Die Presse in Vietnam hatte auch angekündigt, der Präsident werde mit dem Papst über einen möglichen Besuch Benedikts in Vietnam reden. Das Vatikan-Statement spricht nur von der Hoffnung, dass anstehende Fragen baldmöglichst geklärt werden können, und nennt die Visite von Nguyen Minh Triet einen Fortschritt in den beiderseitigen Beziehungen. Sie ist der erste Vatikanbesuch eines vietnamesischen Staatschefs seit 1975. Damals brach das Land nach dem Vietnamkrieg und der kommunistischen Wiedervereinigung die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl komplett ab. Seit Jahren beraten Unterhändler beider Seiten über eine Verbesserung der Staat-Kirche-Beziehungen und über einen Botschafteraustausch. Nach fast 15-jähriger Funkstille finden seit 1989 einmal jährlich Gespräche auf Ebene der Vize-Außenminister statt. Dabei geht es um Bischofsernennungen, um Zulassungsquoten für Priesterseminare sowie um Garantien für Kultstätten. Rv091211kna
Papst: Grandioser Film über heiligen Augustinus

Als eine „grandiose Darstellung" hat Papst Benedikt XVI. nach Angaben des Vatikan einen neuen Film über das Leben des heiligen Augustinus gewürdigt. Die Fernseh-Biographie, die der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit italienischen und polnischen Firmen produziert hatte, wurde ihm kürzlich in Castel Gandolfo vorgeführt. Sie wird nach Angaben des Senders voraussichtlich noch in diesem Jahr im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.Der Papst dankte dem Bayerischen Rundfunk für die Produktion. Es sei für ihn eine große Freude gewesen zu sehen, wie eine eher beiläufige Bemerkung vor drei Jahren den Weg für ein solches Vorhaben geebnet habe, sagte der Papst. Er bezog sich damit auf das Interview, das er im August 2006 ARD, ZDF und der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan gegeben hatte siehe Foto oben. Damals antwortete Benedikt XVI. auf die Frage des RadioVatikan-Jour- nalisten Pater Eberhard von Gemmingen, auf welche Weise Heilige wieder mehr zum Vorbild werden könnten: „Vielleicht kann man auch Filme über solche Gestalten machen - ich könnte mir schöne Filme vor- stellen. Ich kenne natürlich nur die Kirchenväter." DT090919KNA

Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann ist mit Papst Benedikt XVI. zusammengetroffen
Anlass des privaten Besuchs am päpstlichen Sommersitz Castelgandolfo bei Rom war die Über- reichung des 9. Bandes der Schriften des Archäologen und Neutestamentlers Erik Peterson(1890-1960). Begleitet wurde Lehmann von der Mainzer Theologin Barbara Nichtweiß als Herausgeberin der Reihe, wie aus dem Bistum Mainz verlautete. Über weitere Themen des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt. Peterson, der 1930 in einem aufsehenden Schritt vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertierte und anschließend lange in Rom lehrte, übte als Wissenschaftler einen nachhaltigen Einfluss auf Joseph Ratzinger aus. Noch als Papst befasste sich Ratzinger mit der Paulus-Interpretation Petersons: Ein offizielles Bild aus einem Sommeraufenthalt Benedikt XVI. in Castelgandolfo zeigt ihn beim Lesen des 7. Bands der Werkausgabe zum Ersten Korintherbrief. Rv090911kna Das Foto gibt Einblick in die Sommerlektüre des Papstes: Aufgeschlagen vor ihm liegt der gerade neu erschienene 7. Band der "Ausgewählten Schriften" Erik Petersons: "Der erste Brief an die Korinther und Paulus-Studien", herausgegeben von Hans-Ulrich Weidemann. Papst Benedikt hat zeit seines theologischen Wirkens in vielen seiner Schriften und Büchern immer wieder Bezug genommen auf verschiedene Werke Erik Petersons, inbesondere auf die zuerst 1951 gesammelt erschienenen "Theologischen Traktate". Das 1994 in Angriff genommene Projekt der "Aus- gewählten Schriften" bzw. der Nachlassedition begleitete Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubens- kongregation von Anfang an mit Aufmerksamkeit und Anerkennung. IntMz090911

Japans erster katholischer Premierminister Taro Aso Foto ist im Juli zu einem historischen Besuch in den Vatikan kommen. Das berichtet der Online-Nachrichtendienst „Petrus“. Taro Aso plane, vom G8- Gipfel auf Sardinien einen Abstecher nach Rom zu machen, um Papst Benedikt zu treffen, so „Petrus“. Der vatikanische „Außenminister“ Dominique Mamberti hatte mit seinem Japan-Besuch Mitte März wichtige Vorarbeit dazu geleistet. Der letzte japanische Ministerpräsident, der zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan kam, war vor zehn Jahren Keizo Obuchi. Rv090417petrus-online Gut eine Million katholische Christen leben in Japan, etwa 500.000 haben einen Migrationshintergrund.

Papstbrief zu Lefèbvre an die Bischöfe der Weltkirche
Papst Benedikt XVI. hat einen Brief an alle Bischöfe geschrieben, in dem er zur Aufregung um die Lefebvre-Anhänger und zur Causa Williamson Stellung nimmt. Zwei italienische Zeitungen hatten bereits am Vortag von einem Papstbrief an die Bischöfe in aller Welt gesprochen. Sie werteten die Initiative Benedikts XVI. als „überraschend“, „demütig“, aber zugleich „mutig“. Dem Papst gehe es um eine Geste für den „inneren Frieden in der Kirche“. Am Nachmittag veröffentlichte dann das Internetportal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, faz.net, den (mutmaßlichen) deutschen Wortlaut des Briefes, und andere Internetseiten zogen nach. Auch die Katholische Nachrichtenagentur verbreitete das (mutmaßliche) Papst-Schreiben. Rv090311
Hier lsesen Sie den Brief des Papstes an die Bischöfe der Weltkirche:
Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst! Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen. Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichjüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen un d weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht. Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, dass Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 1. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus. Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt. Ich hoffe, liebe Mitbrüder, dass damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 1. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, dass ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmissverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ Lk 22,32. Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“1 Petr 3,15. In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende Joh 13,1 - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen. Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, dass es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muss. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika „Deus caritas est“ gesprochen habe. Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen vgl. Mt 5,23f? Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen lässt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so dass nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, dass sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden? Gewiss, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muss ich der Wahrheit wegen anfügen, dass ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, dass auch aus kirchlichen Kreisen Misstönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden. Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, dass ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5,13-15 auslegen und kommentieren musste. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, dass wir auch nicht besser sind als die Galater? Dass uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Dass wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und dass wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluss all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen. Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich im Herrn Euer Benedictus XVI, pp Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

Positive Reaktionen auf den Papstbrief
Die Deutsche Bischofskonferenz spricht dem Papst ihre Dankbarkeit für seinen Brief aus; in einer Stellungnahme vom Mittwochabend erklärten die Bischöfe, der Papstbrief sei „ein Dokument des brüderlichen Umgangs mit uns Mitbischöfen“. „Wer den Papst und seine Intentionen kennt, ist nicht überrascht über den Inhalt dieses wichtigen Schreibens“, meint der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Neu sei die „innervatikanische Umstruk- turierung der Kompetenzen“. Doch angesichts der Klage des Papstes über die Katholiken, die auf ihn „eingeschlagen“ hätten, rät Meisner zu einer „ehrlichen Gewissenserforschung“. Wer zu dem Schluss komme, dass der Papst ihn meinen könnte, der sollte Benedikt um Verzeihung bitten. „Gerade in unserem Land besteht offensichtlich besonderer Grund zu solcher Gewissenserforschung“, urteilt Meisner. Es stimmt „bitter“, dass die ausgestreckte Hand des Papstes in Richtung Lefebvre-Anhänger „in der öffentlichen Meinung derart abgewertet und umgedeutet wurde“. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen zeigte sich beeindruckt, „wie persönlich Papst Benedikt die eigene Betroffenheit beschreibt und mit welcher inneren Freiheit und Größe er Fehler innerhalb der Kurie zugibt“. Zugleich kündige er Reformen an. Thissen wörtlich: „Er bekräftigt den Schritt der Versöhnung, der ihm ein Herzensanliegen ist.“ ... Es sei hilfreich, dass klargestellt werde, „dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe eine Geste der Versöhnung sein soll, aber keine Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft bedeutet. Ich hoffe, dass mit dem klaren Schreiben des Heiligen Vaters auch die ihn persönlich tief getroffenen Angriffe ein Ende haben.“ Ein „ermutigendes und nach vorne weisendes Zeichen“ sieht der Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst im Papstbrief. Er sei dankbar für das Verständnis für die tief greifenden Irritationen bei Gläubigen und Seelsorgern, das der Papst zum Ausdruck bringe. Benedikts Bekenntnis zu „Großmut und Barmherzigkeit“ und seine Bereitschaft zu „kleineren und mittleren Versöhnungen“ seien ein grundsätzliches Kriterium für die Glaubwürdigkeit der ganzen Kirche in allen ihren Gruppierungen. Diese unmissverständliche Intention des Papstes verdiene allen Respekt, betont Bischof Fürst. Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Dirk Tänzler, erklärte zu dem Brief: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend.“ Auch die katholischen Laien loben den Brief des Papstes an die Bischöfe. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, nannte ihn in Bonn „ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument“. Es belege „eindrucksvoll“ Benedikts „Festhalten am Zweiten Vatikanischen Konzil und sein Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Juden und Christen, zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog“. Meyer wörtlich: „Wir sind dankbar für die Klarstellung des Papstes zur gegenwärtigen Debatte. Es bleibt dabei, dass die Piusbruderschaft sich rückhaltlos zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennen muss.“ Er lese „mit Respekt und Sympathie, dass der Papst der Einheit der Kirche mit Großmut und Barmherzigkeit dienen will“. Der Vorsitzende von Europas größtem katholischem Laienverband hofft, dass das Wort des Papstes von den „kleinen und mittleren Versöhnungen“ in der ganzen Kirche gelte und von allen gehört werde. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, würdigte den Schritt des Papstes. Es bleibe aber ein Dissens mit Blick auf die Aufhebung der Exkommunikation der Pius-Bischöfe. Die Gruppe agiere in ihrer Gesamtheit antidemokratisch und extremistisch. Auch in den vergangenen Tagen habe der deutsche Distriktobere der Pius-Bruderschaft, Franz Schmidberger, weiter sein Unwesen getrieben. „Sie hetzen nach wie vor weiter“, so Kramer. Der Jüdische Weltkongress begrüßt den offenen Brief von Papst Benedikt XVI. Das Kirchen- oberhaupt habe zur Causa Williamson „unmissverständliche Worte“ gefunden und Fehler eingeräumt, lobte der Präsident des Verbands, Ronald S. Lauder, in New York. Der Brief des Papstes stehe für Offenheit und den Willen, schwierige Themen direkt anzugehen. Damit entspreche er den grundlegenden Erfordernissen für den interreligiösen Dialog. Seine Institution wolle weiter mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten, „um das gegenseitige Verständnis und den Respekt voreinander zu stärken“. Die „Generation Benedikt“ dankt dem Papst für seinen Brief. „Adressaten des Schreibens sind“ nach Ansicht der Gruppe „nicht zufällig die Bischöfe“. Diese hätten nämlich „durch nicht ausreichend klare und deutliche Worte zur irrationalen Hysterie der Debatte besonders in Deutschland beigetragen“. Was das „katholische Establishment und mit ihm manche Bischöfe“ während der Debatte geboten hätten, fasst „Generation Benedikt“ so zusammen: „Vage Analysen, düstere Prognosen, egozentrierte Auskünfte über die persönliche emotionale Befindlichkeit und teilweise offenes Selbstlob sowie vor allem mangelnde Solidarität mit dem deutschen Papst“. Zollitsch begrüßt „großartigen“ Papstbrief Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat den Papstbrief zur Debatte um die Pius-Bruderschaft begrüßt. Mit dem Schreiben habe Benedikt nicht nur seine persönliche Betroffenheit in der Sache zum Ausdruck gebracht, sondern auch den Bischöfen ein Zeichen der Kollegialität gegeben. Das sagte Zollitsch vor Journalisten in Rom. Zollitsch sprach von einem „ausgezeichneten und großartigen“ Brief, für den er Papst Benedikt sehr dankbar sei. Der Brief mach deutlich, wie sehr dem Papst die Einheit der Kirche am Herzen liege. Bewegt habe ihn vor allem der persönliche Duktus des Schreibens und die große Offenheit, mit der sich Benedikt an die Bischöfe wendet: „Ich habe ein Schreiben eines Papstes in dieser persönlichen Art und dieser Offenheit noch nicht erlebt. Ich begrüße das sehr. Es ist auch ein Zeichen der Kommunikation, ein Zeichen, dass der Papst selber interessiert ist, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen und den Bischöfen und dem ganzen Bischofskollegium zu erklären, was seine Motive sind und wie er die Situation empfindet. Ich finde es schön, dass der Papst das auch so persönlich ausspricht und formuliert.“ rv090312

Der Papst bemüht sich erfolgreich um Schadensbegrenzung Foto: Im Vatikan trafen sich der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Papst Benedikt Der Rabbiner dankte dem Papst für die deutlichen Worte gegen die Leugnung der Schoa.
Papst Benedikt XVI. scheint den richtigen Ton getroffen zu haben. Sein am Mittwoch veröffentlichtes Schreiben an die katholischen Bischöfe zu den turbulenten Ereignissen der vergangenen Wochen trifft weltweit auf Erleichterung und Wohlwollen. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses in New York, Ronald S. Lauder, lobte besonders das Eingeständnis des Papstes eigener Fehler bei der Aufhebung der Exkommunikation von vier Traditio- nalisten-Bischöfen der Pius-Bruderschaft. Der Pontifex habe außerdem eindeutige Worte zur Leugnung des Holocaust durch Bischof Richard Williamson gefunden. Weiter sagte Lauder: „Das Schreiben erfüllt die zentralen Erfordernisse für das interreligiöse Gespräch: Aufrichtigkeit und den Willen, schwierige Punkte direkt anzugehen." Der Jüdische Weltkongress werde seine Zusammen- arbeit mit der katholischen Kirche fortsetzen, um wechselseitiges Verständnis und Respekt zu fördern. Auch aus Israel kommen versöhnliche Töne in Richtung Vatikan. Der Großrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen, hat Benedikt XVI. bei einem Treffen in Rom für seine klaren Worte gegen die Leugnung der Schoa gedankt. Die päpstliche Stellungnahme habe die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Juden und Katholiken ermöglicht, erklärte Cohen im Namen des israelischen Großrabbinats. Die Vereinigung hatte das Treffen mit dem Papst im Januar abgesagt, aus Protest gegen die Wiederaufnahme des antisemitischen Bischofs Williamson in die katholische Kirche. HA090312
Positive Reaktionen zur Papstrede an eine jüdische Kommission
Die klare Stellungnahme des Papstes zu Judentum und Holocaust war „keine Wende, sondern eine Bekräftigung“. Das sagt der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Die Worte Benedikts seien „klar, präzise und deutlich gewesen“, auch wenn sie inhaltlich nicht über schon längst Bekanntes hinausgegangen seien. Was der Papst gesagt habe, „ist schon lange Teil des Lebens und Erbes der Kirche“, so der Nuntius. Franco hofft, dass auf jüdischer Seite bald die Figur von Papst Pius XII. differenzierter gesehen wird; er hoffe auf „größere Gelassenheit“ und den Einsturz von „vielen Barrieren, die die Geschichte leider aufgestellt hat“. Wörtlich sagt der Nuntius voraus: „Die Wahrheit wird sich ihren Weg bahnen.“ Rv090213agi Die „Jerusalem Post” ist zufrieden mit den Worten von Papst Benedikt zum Judentum und zum Holocaust. In einem Artikel mit der Überschrift „Die Entschuldigung des Papstes“ wird begrüßt, dass der Papst vor einer jüdischen Delegation aus den USA die Nähe zwischen Christen- und Judentum bekräftigt hat. Allerdings mahnt die Zeitung, Benedikt müsse dafür sorgen, dass sich Probleme wie unlängst nicht mehr wiederholten. In dem Artikel wendet sich die Zeitung ausdrücklich gegen eine mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII., den sie „Hitlers Papst“ nennt. – Die „Jerusalem Post“ hatte in einer ersten Reaktion auf den Williamson-Skandal einen unbefristeten Abzug des israelischen Botschafters vom Vatikan gefordert. Rv090213reuters Auch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem hat die deutliche Verurteilung von Antisemitismus durch Papst Benedikt begrüßt. Die „unzweideutige Verurteilung“ jeder Leugnung des Holocaust und jeden Versuchs, „das Ausmaß der Schoah zu minimalisieren“, sei wichtig. Das meinte der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Schalev, in Jerusalem. Er hoffe, dass der Papst diese eindeutige Botschaft bei seinem bevorstehenden Besuch in Yad Vashem im Mai bekräftigen werde. Rv090213kna Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel freut sich über die Worte des Papstes zum Holocaust. In einem Interview mit der Tageszeitung „la Repubblica“ meint der Auschwitz-Überlebende allerdings, dass die Worte Benedikts nicht ausreichten: „Man sollte von den edlen Worten zur Tat übergehen und diesen Bischof“ – gemeint ist der Traditionalist Richard Williamson – „aus der Kirche verjagen.“ Er habe nie bezweifelt, dass Benedikt jede Leugnung des Holocaust entschieden ablehnt. Der Papst müsse aber dafür sorgen, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen könne, „dass Williamson im Namen der Kirche spräche“. Der Lefebvre-Bischof müsse „aus der Kirche ausgeschlossen bleiben“, bis er bereue und ein „Mea Culpa“ sage, „das über jeden Zweifel erhaben ist“. Wiesel wörtlich: Williamson „schadet nicht so sehr uns Juden als der Kirche selbst. Solange er Bischof bleibt, wird er die Beziehungen der Kirche zu den Juden belasten.“ - Eine Papstreise nach Israel begrüßt er: „Das ist gut, wenn er fährt. Israel erhofft sich viel vom Dialog mit der Kirche.“ Wiesel erhielt 1986 den Friedensnobelpreis. Rv090213repubblica

Foto: Vertreter des Großrabbinats von Israel zum Besuch im Vatikan In der Mitte: der Oberrabbiner von Haifa, Schear Jaschuv Cohen und Pater Frederico Lombardi SJ
Eine Delegation des Jerusalemer Groß-Rabbinats besuchte am 11. März den Vatikan. Tags darauf ist sie von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen werden Foto oben. Der Besuch der Delegation aus Jerusalem war ursprünglich für Anfang März geplant, wurde dann aber wegen der Diskussion um den traditionalistischen Holo- caust-Leugner Richard Williamson verschoben. Allerdings seien die Kontakte zwischen dem Vatikan und dem Jerusalemer Rabbinat nie abgebrochen gewesen, betonen die Verantwortlichen in der Kurie. Eine israelische Zeitung hatte eine anderslautende Behauptung aufgrund der unvollständigen Lektüre eines Rabbinats-Schreibens an den Vatikan aufgestellt. Rv090228kna

Papst empfängt jüdische Vertreter Foto: Vertreter der jüdischen Delegation, Arthur Schneier links und Malcolm Hoelein rechts, neben Papst Benedikt, der sich ausdrücklich von jeglicher Holocaust-Leugnung distanzierte.
Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar ge- stärkt daraus hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Mini- mierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie ver- gessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land:„Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Rabbiner: Historischer Tag „Schalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Kar- freitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte. Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra Aetate“ Text siehe: Juden bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Generationen vermittelt werden. Zeichen für Israelreise „Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfol- gung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“ Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“ Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“ Appell gegen Antisemitismus Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Über- fall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“ Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“ Worte des Papstes Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006. „Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“ „Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“ Papst bereitet Israelreise vor Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen. „Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“ Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet. „Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Ver- söhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“ Benedikt XVI. und das Konzil Der Papst nannte die Konzils-Erklärung Nostra Aetate einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“ „Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“ Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust: „Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Schoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlich- keit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Schoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Zu Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“ Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter. rv090213 Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“ Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war: „Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“ Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien. „Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret Nostra Aetate und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“ Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt. „Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er Nostra Aetate akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“ Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier. „Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“ rv Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch - eine Einschätzung von Stefan Kempis. Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Verge- bungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes Text siehe: Dialog der Religionen. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater. rv090213

Papst Benedikt XVI. hat erneut jede Leugnung oder Verharmlosung der Schoah als inakzeptabel bezeichnet und die Verpflichtung der Christen zur Freundschaft mit dem jüdischen Volk betont. Bei einer Ansprache vor Repräsentanten jüdischer Gemeinden aus den USA wiederholte er wörtlich die Vergebungsbitte seines Vorgängers Johannes Paul II. aus dem jähr 2000.
Liebe Freunde, Ich freue mich, Sie heute hier willkommen zu heißen. Und ich danke Rabbi Arthur Schneier und Herrn Alan Solow für die Grüße, die Sie in Ihrer aller Namen an mich gerichtet haben. Gerne erinnere ich mich an die verschiedenen Gelegenheiten, als ich einige von Ihnen während meines USA-Besuchs im vorigen Jahr in Washington D.C. und New York treffen konnte. Rabbi Schneier, Sie haben mich freundlicherweise in der Park-East-Synagoge noch Stunden vor Ihrer Pessach-Feier empfangen. Nun freue ich mich, Ihnen Gastfreundschaft in meinem eigenen Haus erweisen zu können. Solche Treffen ermöglichen es uns, einander den gegenseitigen Respekt zu zeigen. Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie alle hier im Hause des Petrus, der Heimat des Papstes, herzlich willkommen sind. Dankbar schaue ich zurück auf die diversen Gelegenheiten während so vieler Jahre, bei denen ich Zeit mit meinen jüdischen Freunden verbringen konnte. Meine Besuche bei Ihren Gemeinden in Washington und New York waren trotz ihrer Kürze Erfahrungen brüderlicher Wertschätzung und aufrichtiger Freundschaft. Das gleiche gilt für meinen Besuch in der Synagoge von Köln, dem ersten Besuch dieser Art in meinem Pontifikat. Es war für mich sehr bewegend, diese Momente mit der jüdischen Gemeinschaft zu erleben in jener Stadt die ich so gut kenne, die der Ort der ersten jüdischen Ansiedlung in Deutschland war, deren Wurzeln zurückreichen bis in die Zeit des Römischen Reiches. Ein Jahr später, im Mai 2006, besuchte ich das Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau. Welche Worte können diese tief bewegende Erfahrung angemessen beschreiben? Als ich durch den Eingang zu diesem Platz des Schreckens schritt, diesen Ort so unsäglichen Leids, dachte ich an die zahllosen Häftlinge, die meisten von ihnen Juden, die die- sen Weg in die Gefangenschaft von Auschwitz und in all die anderen Lager gingen. Diese Kinder Abra- hams, gequält und entwürdigt, hatten weniges andere außer dem Glauben an den Gott ihrer Väter, das ihnen Kraft gab - einen Glauben, den wir Christen mit ihnen, unseren Brüdern und Schwestern, teilen. Wie können wir die Ungeheuerlichkeit dessen begreifen, was in diesen schrecklichen Lagern geschah? Die ganze Menschheit fühlt tiefe Scham angesichts der grausamen Brutalität, die Ihrem Volk in dieser Zeit angetan wurde. Erlauben Sie mir, daran zu erinnern, was ich bei diesem traurigen Gelegenheit sagte: „Die Machthaber des Dritten Reiches wollten das jüdische Volk als ganzes zertreten, es von der Landkarte der Menschheit tilgen. Auf furchtbare Weise haben sich da die Psalmworte bestätigt: ,Wie Schafe werden wir behandelt, die zum Schlachten bestimmt sind.'" Unser heutiges Treffen erfolgt im Rahmen Ihres Besuchs in Italien anlässlich Ihrer jährlichen „Leadership Mission" nach Israel. Ich bereite mich gleichfalls darauf vor, Israel zu besuchen, das Land, das für Christen genauso heilig ist wie für Juden, da sich dort die Wurzeln unseres Glaubens finden. In der Tat findet die Kirche ihre Nahrung von der Wurzel dieses guten Ölbaums, dem Volk Israel, in den der wilde Ölzweig der Heiden eingepfropft wurde vgl. Rom 11,17-24. Seit den frühesten Tagen der Christen- heit sind unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und Gottesdienstes eng verknüpft mit der alten Religion unserer Väter im Glauben. Die 2.000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen dem Judentum und der Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, und es ist schmerzlich, an einige von ihnen zu erinnern. Mittlerweile können wir uns in einem Geist der Versöhnung begegnen. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass vergangene Schwierigkeiten uns davon abhalten, einander die Hand der Freundschaft zu reichen. Gewiss, irgendwelche Spannungen gibt es einmal in jeder Familie. Aber die Erklärung Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung dar, und sie stellt die Prinzipien klar heraus, die seit jeher das kirchliche Vorgehen bei den christlich-jüdischen Beziehungen bestimmten. Die Kirche ist tief und unwiderruflich verpflichtet, jeglichen Antisemitismus zurückzuweisen und immer weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften zu arbeiten. Wenn es denn überhaupt ein bestimmtes Bild gibt, das diese Verpflichtung verdeutlicht, dann ist es jener Moment, in dem mein geliebter Vorgänger Papst Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem stand und um Gottes Vergebung bat nach all dem Unrecht, das das jüdische Volk zu erleiden hatte. Ich mache mir sein Gebet zu eigen: „Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen auserwählt, deinen Namen zu den Völkern zu tragen: Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Kinder leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes." Der Hass und die Verachtung für Männer, Frauen und Kinder, die sich in der Schoah zeigten, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte jedem klar sein - besonders jenen, die in der Tradition der Heiligen Schriften stehen, nach denen jeder Mensch geschaffen ist nach dem Bild und Abbild Gottes Gen 1,26-27. Es steht völlig außer Frage, dass jede Leugnung oder Verharmlosung dieses schrecklichen Verbrechens nicht zu tolerieren und ganz und gar inakzeptabel ist. Kürzlich habe ich in einer öffentlichen Audienz bekräftigt, dass die Schoah für alle „eine Mahnung bleiben muss gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder Verharmlosung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen Menschen ausgeübt wird, wird gegen alle verübt" 28. Januar 2009. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten. Erinnerung - heißt es zu Recht - ist „memoria futuri”, ist Erinnerung für die Zukunft, eine Mahnung an uns für die Zukunft, eine Verpflichtung zum Einsatz für Versöhnung. Sich zu erinnern, das heißt alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Wiederholung einer solchen Katastrophe innerhalb der Menschheitsfamilie durch den Bau von Brücken dauerhafter und tragfähiger Freundschaft zu verhindern. Ich bete innig- lich, dass die Erinnerung an dieses schreckliche Verbrechen unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die für zu lange Zeit die Beziehungen zwischen Christen und Juden befleckt haben. Und es ist mein herzlicher Wunsch, dass die Freundschaft, die uns jetzt verbindet, immer stärker wird, so dass die unwiderrufliche Verpflichtung der Kirche zu respektvollen und harmonischen Beziehungen mit dem Volk des Bundes überreiche Früchte trägt. DT090214KNA

Hamburger Abendblatt: Der Papst spricht Klartext: Benedikt verurteilt Antisemitismus Jüdische Delegation spricht von einem „historischen Tag". Benedikt XVI. besucht das Heilige Land.
Die Formulierungen, die Benedikt XVI. wählte, waren mehr als eine Klarstellung. In bisher nicht gekannter Deutlichkeit distanzierte sich der Papst nach dem Wirbel um Bischof Richard Williamson von der Pius-Bruderschaft wegen der Leugnung des Holocausts. Jede Leugnung oder Verharmlosung der an den Juden begangenen Verbrechen sei „untolerierbar und nicht hinnehmbar", sagte Benedikt beim Empfang einer jüdischen Delegation aus den USA. Die jüdischen Spitzenvertreter werteten das Treffen als „historischen Tag". Sie sahen jegliche Zweifel an der Freundschaft von Benedikt XVI. zum Judentum ausgeräumt. Der Papst habe „seine persönliche Abscheu gegenüber jeder Leugnung des Holocaust klargemacht", erklärte der Präsident des Dach- verbands, Alan Solow. Der Papst warnte ausdrücklich von einem Herunterspielen der Judenvernichtung: „Dieses fürchter- liche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Zwar hatte der Papst bereits am 28. Januar - vier Tage, nachdem es die Exkommunizierung Williamsons aufgehoben hatte - seine „vollständige und nicht diskutierbare Solidarität" mit den Juden erklärt. Als Benedikt einige Tage später Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufrief, weigerte sich dieser - und tut dies bis heute. Williamson hatte in einem Interview gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“. So nutzte Benedikt den Besuch der amerikanischen Juden auch für eine zweite Geste: Er kündigte offiziell seine erste Israel-Reise als Oberhaupt der Katholiken an. Sie hat inzwischen im Mai stattgefunden. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte Israel im Mai 2000 besucht und an der Klagemauer die Juden für das ihnen zugefügte Leid um Vergebung gebeten. Der Papst sagte, er wolle die Gebete von Johannes Paul II. nun zu seinen machen. Benedikts Ankündigung löste in Israel umgehend positive Reaktionen aus. Vertreter der Holocaust- Gedenkstätte Jad Vaschem sprachen die Hoffnung aus, dass der Papst bei einem Besuch der Gedenkstätte seine klare Haltung zum Holocaust bekräftigen werde. HA090213KarstenKammholz
Der Holocaust-Leugner Richard Williamson habe dem jüdisch-christlichen Dialog letztlich „einen Gefallen getan“. Das sagte der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), Rabbiner David Rosen, gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur in Rom. Die Debatte um den Traditionalisten-Bischof habe den positiven Einsatz der Kirche für das Judentum ins Licht gerückt. Außerdem stünde jetzt die Pius-Bruderschaft unter besondere Beobachtung, so Rosen. Der Rabbiner war als Mitglied einer Delegation des israelischen Großrabbinats zu Gast im Vatikan. Die jüdischen Vertreter wurden auch von Papst Benedikt XVI. empfangen. Beeindruckt zeigte sich Rosen vom jüngsten Brief Benedikts zur Sache Williamson und die darin geäußerte Wertschätzung des Papstes für seine jüdischen Freunde. Wörtlich sagte Rosen er sei „berührt von diesem Kompliment für die jüdische Seite“. Rv090314kna

Papst betont römischen Primat – Bitte um Gebet für Petrusdienst
Benedikt XVI. bekräftigt den Primat des römischen Bischofs innerhalb der Christenheit. Beim An- gelusgebet auf dem Petersplatz erinnerte er an das Fest der Kathedra Petri. „Die Kathedra des Petrus symbolisiert die Autorität des Bischofs von Rom, der innerhalb des ganzen Gottesvolkes zu einem besonderen Dienst berufen ist. Gleich nach dem Martyrium der heiligen Petrus und Paulus wurde der Kirche von Rom ein Primat in der ganzen katholischen Gemeinschaft zuerkannt – eine Rolle, die schon zu Anfang des zweiten Jahrhunderts vom heiligen Ignatius von Antiochien und vom heiligen Irenäus von Lyon bezeugt wird.“ Der „einzigartige und spezifische Dienst des Bischofs von Rom“ sei zuletzt auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil angesprochen worden, so Papst Benedikt weiter. Er zitierte aus der dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ über die Kirche: „In der kirchlichen Gemeinschaft gibt es legitimerweise die Ortskirchen, die eigene Traditionen haben. Davon unberührt bleibt aber der Primat der Kathedra des Petrus, die der weltweiten Gemeinschaft in Liebe vorsteht, die legitime Vielfalt schützt und darauf achtet, dass Eigenheiten der Einheit nicht nur nicht schaden, sondern ihr sogar dienen.“ Er bitte um Gebet, damit er seine Aufgabe als Nachfolger des Apostels Petrus treu ausüben könne, so Papst Benedikt. Über das Fest der Kathedra Petri sagte er auch ein paar Sätze auf deutsch, die durch- aus auf den Williamson-Skandal und andere Aufregungen der letzten Wochen anzuspielen schienen: „Christus hat Petrus als den Felsen erwählt, auf dem er seine Kirche aufbauen wollte. Als Apostel sollte er in der ganzen Welt – universal – als Hirte und Lehrer dienen, und dieses Apostelamt wirkt in seinen Nachfolgern durch alle Zeiten fort. Bitten wir den heiligen Petrus um seinen Fürsprache, daß Verwirrung und Stürme die Kirche nicht erschüttern und wir am unverfälschten Glauben festhalten, in der Einheit bleiben und in Liebe miteinander leben. Der Herr leite und stärke euch mit seinem Segen.“ Rv090221
Papst warnt vor Illusionen „Interreligiöser Dialog im engeren Sinn nicht möglich”
Papst Benedikt XVI. hat vor Illusionen im interreligiösen Dialog gewarnt und einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” abgelehnt. In einem Vorwort für ein Buch des ehemaligen italienischen Senats- präsidenten Marcello Pera, das jetzt veröffentlicht wurde, bekräftigt Benedikt Peras Darstellung der „Multikulturalität”: Sie sei „innerlich widersprüchlich” und daher „politisch und kulturell unmöglich”. Europa müsse daher von seinem „christlich-liberalen Fundament seine Identität” finden, nicht eine imaginäre „kosmopolitische”. Zustimmend äußert sich der Papst über Peras Analyse des interreligiösen Dialogs; er sei „nicht möglich”. Nur aus anderen Veröffentlichungen Benedikts wird deutlich, dass er damit „ergebnisoffene” Verhandlungen zwischen Anhängern verschiedener Religionen über gleichsam „verhandelbare” Positionen ihres Glaubensbekenntnisses meint; diese Dogmen könnten nicht von einem Dialog korrigierbar angetastet werden. In dem Vorwort heißt es: „Um so notwendiger ist der interkulturelle Dialog, der die kulturellen Konsequenzen der religiösen Grundentscheidung vertieft.” Anfang dieses Monats hatte unter Leitung des „Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog” das erste Seminar des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom getagt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Dabei war es nicht zu einem interreligiösen Dialog im engeren Sinn gekommen, etwa über das Prophetentum Mohammeds oder die Gottessohnschaft Christi. FAZ081126hjf Dass Papst Benedikt XVI. zuallererst Theologe im strengen Sinn des Wortes ist, unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Johannes Paul II. Der Pole auf dem Stuhl Petri war vor allem ein Mann der Gesten und verbindenden Zeichen, so wie der Deutsche immer zuerst ein Mann des Wortes und der klaren Distinktion gewesen ist. Doch ginge fehl, wer diesen Wesenszug mit einer Abkehr des Vatikans von der Ökumene oder dem Gespräch mit anderen Weltreligionen gleichsetzen wollte. In Gestalt der Kardinäle Kasper (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Gespräch mit dem Judentum) und Tauran (Interreligiöser Dialog) bietet er für den Dialog zwei exzellente, diplomatisch versierte Theologen auf. Und noch nie stand Rom mit so vielen Kirchen, Bewegungen und Religionsgemein- schaften im Gespräch. Vieles wurde von Johannes Paul begonnen; Benedikt hat - nach anfänglichen Unsicherheiten - auf diesem Fundament weitergebaut. Dass er dabei an das Feststehen im je eigenen Glauben als Voraussetzung jedes Dialogs erinnert, kann nur den verwundern, der sich selbst nicht ernst nimmt.
Israel: Jad Vaschem-Tagung über Pius XII. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ein katholisches Forschungsinstitut untersuchen gemeinsam die Rolle von Pius XII. in der NS-Zeit. Die gemeinsame Historikertagung begann an diesem Sonntag und endet am Montag. Eingeladen sind sowohl Kritiker als auch Verteidiger des PacelliPapstes, berichtet der Dekan der Ordens-Hochschule „Studium Theologicum Salesianum“ aus Jerusalem, Roberto Spataro. Er spricht von einem „Schritt vorwärts" in der historischen Rekonstruktion dieses Aspekts der Amtszeit von Pius XII. Es seien noch viele Dokumente aus der fraglichen Zeit zu studieren. „Der Weg ist noch weit", so der Salesianer. Das Treffen sei auch im Hinblick auf Papst Benedikts möglichen Besuch in Yad Vashem zu sehen, berichtet der Salesianer Francesco De Ruvo gegenüber der Nachrichtenagentur Zenit. In Yad Vashem gibt es eine Bildunterschrift zu Pius XII., auf der dem Papst „Schweigen und Fehlen von Leitlinien" während des Holocausts zugeschrieben werden - eine Behauptung, die von vielen Historikern, darunter auch jüdischen, als völlig falsch zurückgewiesen wird. „In den letzten Jahren wurden zahlreiche Bücher und neue Artikel veröffentlicht", erklärt De Ruvo. „Nun liegt neues Material vor, das es erlaubt, neue Aspekte ans Licht zu bringen, die man sich anschauen und zusammenfassen soll, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt und manches korrigiert werden soll." Die Zeitspanne vor dem Pontifikat Pius XII., die Beziehungen zu den deutschen Bischöfen, die Lage in Italien während des Holocausts und die Zeit nach dem Holocaust gehören zu den Themen. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Potsdamer Zeithistoriker Thomas Brechenmacher, Autor des Buches „Der Vatikan und die Juden“. „Für einige ist Pius XII. ein indifferenter Beobachter des Holocausts gewesen, der im Stillen zum Komplizen der gewaltigen Tragödie wurde", so De Ruvo. „Andere Forscher und Historiker haben für einige Zeit eine völlig andere These vertreten, die eine positive Beurteilung des Wirkens von Papst Pius XII. bedeutet: Er bemühte sich demnach, mit allen möglichen Mitteln die Auswirkungen des Holocausts zu verringern, manchmal mit wirksamen Resultaten." Die zweite Position stützt sich auf historische Dokumente sowie auf schriftliche und mündliche Zeugenaussagen. Die erste Sitzung wurde von Avner Shalev, der Vorstandsvorsitzenden des Yad Vashem- Komplexes, und dem päpstlichen Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, eröffnet. Shalev würdigte vatikanische Signale „für eine stärkere Öffnung der Archive“ zum Pontifikat von Pius XII. Es sei „ermutigend, dass der Papst selbst Anweisungen gegeben hat,die Katalogisierung der entsprechenden Dokumente noch zu beschleu- nigen“. Erzbischof Franco spielte in seinem Statement auf den Williamson-Skandal an: „Man kann nicht katholisch sein, wenn man die Schoah leugnet.“ Es sei in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten zu „traurigen Momenten“ gekommen, so der Nuntius. Er betonte, dass Yad Vashem und der Heilige Stuhl „keine Gegenspieler“ seien: Es liege in ihrem gemeinsamen Interesse, „Hand in Hand“ das Wissen über Pius XII. und seine Haltung zur Shoah zu „vertiefen“. Ziel sei „eine gemeinsame Haltung beider Seiten“; die Kirche sei „die beste Verbündete von Yad Vashem, um die Erinnerung wachzuhalten und aus ihr zu lernen“. In Jerusalem war zu hören, dass es auch Ziel der Gespräche sein soll, zu einem Einverständnis über einen neuen Text für die Schrifttafel in Yad Vashem zu finden. fidesZzenit090308ansaRv Lesen Sie mehr dazu > Holocaust
Leiter des Instituts für interdisziplinäre Studien der Religionen und Kulturen: P. Felix Körner, Rom

Zur Israel-Reise des Papstes: Interview mit Pater Felix Körner SJ Foto oben zum Stand des Dialogs mit dem Islam und zum Papstbesuch in Jerusalem
Wie würden Sie den heutigen Stand des christlich-islamischen Dialogs beschreiben? Die Paradigmen haben sich mit dem Pontifikatswechsel gewandelt. Den Teppich, den das Pontifikat Johannes Pauls II. ausgebreitet hat, hat das neue Pontifikat nicht weggezogen, sondern hat auf diesen Teppich Theologen geholt, die den vertieften Dialog suchen und auch Kontroversen nicht scheuen. Auf die ausgestreckte Hand folgt nun theologisch präzise Diskussion. Das ist ein gewaltiger Fortschritt. Auf muslimischer Seite wird als Dialogpartner oft die Gruppe der 138 genannt. Wie repräsentativ ist diese Gruppe für die islamische Welt? Die Gruppe wird vom jordanischen Königshaus gefördert und ist eine Art ökumenische Bewegung des Islam. Wie jede christliche ökumenische Bewegung hat sie auch Gegner, die sich dem bewusst ver- weigern und als schwächlichen, haltlosen Kompromiss beklagen. Aber diese Gruppe bemüht sich auch, skeptische Muslime für ihr Projekt zu gewinnen. Ihre Idee ist geradezu katholisch: „Sprechen wir mit einer Stimme in die Welt". Die Gruppe der 138 ist nicht hundertprozentig repräsentativ. Das wird sie auch nie sein. Aber sie ist keine Splittergruppe und hat eine wachsende Repräsentanz. Das spürt man auch bei den Sitzungen des katholischen-muslimischen Forums. Da gibt es muslimisch-interne Debatten, die zunächst unlösbar erscheinen. Aber dann zeigt sich doch ein Weg. Bei der letzten Sitzung kam man zum Beispiel zu der Einsicht: Wir müssen Minderheiten in islamischen Ländern nicht nur die private, sondern auch die öffentliche Religionsausübung erlauben. Das war ein großer Schritt. Und das kommt auf muslimischer Seite auch so rüber? Wir müssen schon aufmerksam bleiben, ob nicht mit doppelter Zunge geredet wird. Es gibt ein Dokument der so genannten 138 an die muslimische Welt, in dem jede Kritik, die wir gegenüber islamisch geprägter Politik beispielsweise beim Thema Religionsfreiheit erhoben, einfach als absurd weggestrichen war. Das darf nicht sein. Wir müssen - im übrigen auch wir Christen - in beide Richtungen aufrichtig bleiben. Im Mai geht Papst Benedikt XVI. in Amman erneut in eine Moschee. Sie haben ihn 2006 in die Blaue Moschee in Istanbul begleitet. Was kann der erneute Besuch als Zeichen bedeuten? Muslime wollen uns die Schönheit des Islam in seiner Architektur, seiner Frömmigkeit und Gebetsgestik erleben lassen. In der Blauen Moschee hat Muslime vor allem das tiefgerührte Gesicht Benedikts XVI. angesprochen. Sie haben gemerkt: Hier spürt Benedikt die Ehrfurcht, die Muslime Gott gegenüber litur- gisch zeigen. Wenn der Papst weiterhin in theologischer Denkschärfe und ehrlicher Benennung auch der Probleme gleichzeitig die Größe und Tiefe islamischer Gottesverehrung honoriert, ist der Dialog auf einer guten Basis. Ein Papstbesuch, der dem Islam gegenüber Hochachtung zeigt, öffnet Türen des Vertrauens zu jenen Gesprächsräumen, in denen wir dann wieder in Klarheit diskutieren können. DT090314P.Körner ist Professor an der Gregoriana in Rom
Pilgerreise des Papstes ins Heilige Land

ausführliche Fotoberichte über die Pilgerfahrt des Papstes ins Heilige Land > Jerusalem Das Friedensgebet an der Westmauer in Jerusalem > Friedensgebet

Foto oben: Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung der Spanierin Inma Shara hat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.
Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechts- erklärung. Auf dem Programm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla. Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble und seiner Gastdirigentin für die „eindrucksvolle“ Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. HA081212kna

Der deutsche Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing wird Berater des Papstes.
Benedikt XVI. hat den 65-Jährigen deutschen Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing zum ordent- lichen Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ernannt. Eine weitere, vergleichbare Ernennung ging an einen Chemie-Nobelpreisträger aus Taipeh. Klitzing leitet ein Max-Planck-Institut in Stuttgart; bekannt wurde er vor allem durch seine Halbleiter-Forschungen. rv071009sk


Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist um einen weiteren Nobelpreisträger reicher.
Es ist der Physikprofessor Gerhard Ertl, den der Papst zum Mitglied der Akademie ernannt hat. Dem deutschen Physiker und Oberflächenchemiker wurde im Jahr 2007 der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. Die Erkenntnisse des 1936 in Stuttgart geborenen Wissenschaftlers haben das Gebiet der Oberflächen- chemie massgeblich beeinflußt und beziehen sich auf die Industriechemie und Umweltchemie. Zu seinem Reperoir zählen auch Untersuchungen von sich selbst organisierenden Raum-Zeit-Phänomenen. Ertls Erklärung dieser grundlegenden Erscheinungen diente als Untersuchungsansatz für ähnliche Effekte in vielen anderen Bereichen. Von 1986 bis 2004 war Ertl Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Fritz-Haber-Institutes in Berlin. rv100220
Vatikan: Statue für Galilei? Bekommt Galileo Galilei eine Statue in den Vatikanischen Gärten? Auch wenn die letzte Bestätigung noch fehlt, so sieht es doch ganz danach aus. Der Termin für die Aufstellung der Statue könnte im nächsten Jahr liegen, wenn die UNO das internationale Jahr der Astronomie feiert. Galileo Galilei, der Mathematiker, Mathematiker, Physiker und Philosoph aus Pisa, ist für viele heute ein Emblem des Kampfes gegen die Inquisition. Doch dem historischen Galilei wird diese verkürzte Sicht wohl kaum gerecht. Zwar wurde der aus Pisa stammende Wissenschaftler tatsächlich von der Inquisition im 17. Jahrhundert verurteilt, doch neuere Studien deuten immer stärker darauf hin, dass der Hintergrund des Urteils gar nicht die Konfrontation altes gegen neues Weltbild war. Galilei scheint weniger Märtyrer der Wahrheit – als solcher wirkt er etwa in einem bekannten Theaterstück von Berthold Brecht – als vielmehr in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Sturheit geworden zu sein. Eine Rehabilitierung Galileis hat Papst Johannes Paul II. im Jahr 1992 verkündet; der jetzige Papst, der auch schon mal vom „großen Galilei” spricht, erwähnt den Wissenschaftler positiv schon in seiner „Einführung in das Christentum”, die aus dem Jahr 1968 stammt. Galilei gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der heutigen Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, woran jetzt schon eine Gedenkplakette in den Vatikanischen Gärten erinnert. Von diesem Gremium geht nun auch die Initiative zu einer Galilei-Statue in den Papst-Gärten aus. ansa rv080310sk
Messe für Galilei Der Vatikan hat Galileo Galilei (1564-1642) als einen herausragenden Mann der Wissenschaften und des Glaubens gewürdigt. Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Erzbischof Gianfranco Ravasi, feierte in Rom einen Gottesdienst zum Gedenken an die Geburt des Naturwissenschaftlers vor 445 Jahren. Der vom Vatikan zeitweilig befehdete Physiker und Astronom habe die „wissen- schaftliche Wahrheit“ von der des Glaubens unterschieden, sagte Ravasi in der Predigt. Doch diese Wahrheit des Glaubens sei letztlich „heilsnotwendig“. Galilei habe Grenzen überschritten und neues Wissen erschlossen. Damit sei er für nachfolgende Wissenschaftler-Generationen ein Bindeglied zwischen Glauben und Wissenschaft. Ravasi verlas ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der darin seine Bewun- derung und Verehrung für den Naturwissenschaftler betonte. Die Initiative zu der Feier in der römi- schen Kirche Santa Maria degli Angeli, die auch für staatliche Anlässe genutzt wird, ging auf die „World Federation of Scientists“ zurück. Rund 100 Mitglieder der religiös nicht gebundenen Organisation nahmen an der Feier teil. Galileo war über seine Theorie der Planetenbewegung um die Sonne mit dem kirchlichen Lehramt in Konflikt geraten und musste diese epochale These 1633 auf Druck der Inquisition widerrufen. Inzwischen ist seine wissenschaftliche Leistung in der Kirche anerkannt. So beteiligen sich der Vatikan und das päpstliche astronomische Institut am internationalen Jahr der Astronomie, das an die bahnbrechenden Fernrohr-Forschungen Galileis vor 400 Jahren erinnert. Rv090215KNAansa
Papst Benedikt XVI. hat die italienische Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini in Audienz empfangen. Anlass des Treffens war der 100. Geburtstag der Medizinerin und Neurobiologin. Für ihre Forschungen zum Nervenwachstum hatte Levi-Montalcini 1986 den Nobelpreis in Medizin erhalten. Seit 1974 ist sie Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Die Forscherin gehört aufgrund ihrer Lebens- leistung zu den „Senatoren auf Lebenszeit“. Sie entstammt einer jüdisch-sephardischen Familie. rv090525KNA
Neu entdeckter Planet: “Benedictus-16”
Ein neu entdeckter Planet wird bald den Namen “Benedictus-16” tragen. US-Astronomen über- reichten dem Papst Bilder des Himmelskörpers, der am 19. April, dem Jahrestag der Papstwahl, „getauft“ werden soll. Der Planet ist 82-mal kleiner als die Erde; bisher trägt er den provisorischen Namen „2009- Fish04“. Rv090401apic
Zweite Enzyklika des Papstes zum Thema Hoffnung
Papst Benedikt XVI. hat seine zweite Enzyklika unter dem Titel „Spe, salvi” (Gerettet, auf Hoffnung hin) geschrieben. Sie handelt über die christliche Hoffnung und wird nach den bisher vorliegenden Informationen eine Deutung nach dem biblischen Brief des Apostels Paulus an die Römer Kapitel 8, Vers 24 sein: „Denn wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung.” Damit folgt der Papst dem jahrhundertealten Schema der drei christlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Text: theologisch und philosophisch sehr dicht; viele Zitate von Kirchenvätern, dazu die Philo- sophen Kant, Bacon, Adorno, aber auch Martin Luther, Schriftsteller wie Dostojewski und Jean Giono oder der verstorbene vietnamesische Kardinal Nguyen Van Thuan. Am sorgfältigsten eingesetzt: Zitate des heiligen Augustinus. Ernsthafte Auseinandersetzung mit protestantischen Positionen, freundliche Worte zu den Kirchen des „Ostens”. Richtig liebevoll: das Porträt einer Heiligen aus dem Sudan, die von der Sklavin zur Ordensfrau wurde. Nebenbei: ein Papstlob für die „sprachliche und denkerische Kraft” von Karl Marx, trotz dessen „grundlegenden Irrtums”, und eine Kritik an der deutschen Einheitsübersetzung der Bibel. Zum Abschluss ein Hymnus auf Maria. Gesamteindruck: Theologischer und auch mehr aus einem Guss als seine erste Enzyklika. Für den Normalchristen wohl schwerer zu lesen als „Deus Caritas” - aber eine lohnende Lektüre. Ein echter Ratzinger. Lesen Sie die Enzyklika im Wortlaut: Spe salvi FAZhjf071124
Erst die Liebe, dann die Hoffnung - die zweite Enzyklika des Papstes Nach der ersten Enzyklika „Deus Caritas est” über die Liebe geht es in seiner zweiten Enzyklika über die Tugend der Hoffnung. Benedikt will die Gewissheit der Gläubigen hinsichtlich der letzten Wahrheiten und des ewigen Lebens zu stärken. Die Hoffnung bietet für Benedikt XVI. die Gewähr dafür, dass sich das Volk Gottes nicht verliert, sondern auf die Verheißungen Christi und die Gnade Gottes vertraut, um dort einen sicheren Grund für das eigene Leben zu finden. Die Antwort auf den Relativismus kann für den Papst nur die Botschaft des Evangeliums sein: Es gibt ein ewiges Leben bei Gott, und wer der Kirche folgt, erlangt sein persönliches Glück. Ohne diese Hoffnung wäre auch das Leben der Gläubigen nur mühsam und den vielfältigsten Einflüssen, auch denen des Nihilismus und Relativismus, unterworfen. Papst Benedikt stellt der Kirche, den Gläubigen und allen Christen die Glaubensfrage: Erkennt ihr das an, was in den Evangelien steht? In seiner Enzyklika Deus Caritas hat er sie gefragt, ob sie daran glauben, dass sich ein liebender Gott seiner Kirche in der Eucharistie hingibt. Sein Buch über Jesus von Nazareth ist ganz von dem Anliegen geprägt, sich wieder auf den historischen Jesus einzulassen. In seiner Enzyklika über die Hoffnung will er die Gläubigen ermutigen, ihr Vertrauen wieder ganz auf das ewige Glück beim himmlischen Vater zu setzen. Erst damit ergeben sich die Koordinaten, auch die großen sozialen Fragen und die Globa- lisierung des. 21. Jahrhunderts anzugehen. Das wird das nächste Thema von Benedikt XVI. sein. GuidoHorstDT071009

Die EnSozialenzyklika Caritas in veritate ist ein großer Wurf. Sie ist ein Dokument, das an vielen Stellen auch die Handschrift Benedikts verrät - schon im Titel und in allem, was sie zur Bedeutung der Liebe in der Wahrheit und der Wahrheit in der Liebe sowie zu der vom Glauben erleuchteten Vernunft auch für die Gestaltung der Gesellschaft und der Globalisierung sagt. Sie ist kein antikapitalistisches Manifest, wie Gysi, Geisler und Kleber im ZDF in ersten Reaktionen behaupteten. Sie ist ein groß- artiges Plädoyer für die Entwicklung des ganzen Menschen und aller Menschen, das alle überraschen mag, die von Globalisierungsängsten geplagt sind. Und sie ist ein ungewöhnliches Zeugnis für eine Neuakzentuierung der katholischen Soziallehre, die vielerorts, vor allem in Deutschland, noch ignoriert wird, eine Neuakzentuierung, die nicht in den Finanzmärkten, der Ressourcenverteilung oder dem richtigen Verhältnis von Markt und Staat die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft der Menschheit sieht, sondern in den biomedizinischen Entwicklungen, die die Menschheit vor die Wahl zwischen einer Kultur des Lebens und einer Kultur des Todes stellen. . . weiter> Caritas in veritate
Apostolisches Schreiben über die Liturgie Papst Benedikt XVI.: SUMMORUM PONTIFICUM Über den Gebrauch der Römischen Liturgie aus der Zeit vor der Reform von 1970 . Das neue Aposto- lische Schreiben finden Sie unter: Liturgie

Wortlaut des Apostolischen Schreibens Sacramentum Caritatis siehe: Kirche
Drei bedeutende Ansprachen lesen Sie hier im Wortlaut: Glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig. Siehe: Credo Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen. Vorlesung in der Universität Regensburg. Siehe: Dialog der Religionen Antwort von 38 Gelehrten des Islam siehe: Dialog der Religionen Den Wortlaut der Ansprache des Papstes an die Botschafter islamischer Länder in Castelgandolfo finden Sie unter: Islam
Die Erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. “Deus Caritas” (Gott ist Liebe) hat weltweit eine sehr positive Resonanz gefunden. Sie finden den Wortlaut unter: Deus Caritas Den Wortlaut seiner zweiten Enzyklika lesen Sie unter: Spe Salvi Spe Salvi Die neue Sozialenzyklika finden Sie im Wortlaut: Caritas in veritate Der “Schülerkreis” des Papstes (die von Prof. Ratzinger promovierten Theologen) haben bei ihrem Treffen in Castel Gandolfo unter großer Zustimmung Benedikt XVI. gebeten, seine vierte Enzyklika zum Thema “Mission” zu schreiben.
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