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Patientenverfügung

Offene Fragen zur Organspende  > > > ganz unten auf dieser Seite

   Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hat in einem Gastbeitrag für die DT auf die Problematik der Organ- spende von „Hirntoten“ hingewiesen. Neben immer noch ungeklärten medizinischen Fragestellungen sei es ihm ein besonderes Anliegen, die eigentliche Spende der Organe als ethisches Hauptproblem kenntlich zu machen, schreibt Algermissen.  Ein hirntoter Mensch sei schließlich noch kein toter Mensch, sondern ein im Sterben liegender. Dies mache die Ausstellung eines Totenscheins für einen Sterbenden zu einer „willkürlichen Setzung“. RV120306DT  Lesen weiter > unten auf dieser Seite!

kk-Christliche-Patientenver[1]

Die Deutsche Bischofskonferenz hat zusammen mit der EKD in der Überarbeitung der Christlichen Patientenverfügung die Christliche Patientenvorsorge als Formular herausgegeben

Christliche Patientenvorsorge
  
Krankheit, Schmerzen, Einsamkeit: An das Ende ihres Lebens denken viele Menschen mit Sorge und Unbehagen. So schwer es ist, sich mit der eigenen Sterblichkeit und den damit verbundenen Fragen auseinanderzusetzen, so sinnvoll ist es, ihnen nicht auszuweichen und rechtzeitig Vorsorge zu treffen.
   Mit der Handreichung „Christliche Patientenvorsorge durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche und Patientenverfügung“ und dem darin enthaltenen Formular möchten die Deutsche Bischofskonferenz, der Rat der EKD und die ACK eine Hilfestellung geben, sich mit dem Sterben und den eigenen Wünschen im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung auseinanderzusetzen und mit ver- trauten Menschen darüber ins Gespräch zu kommen.
   Die Christliche Patientenvorsorge berücksichtigt theologisch-ethische Aspekte eines christlichen Umgangs mit dem Ende des irdischen Lebens und erläutert die wichtigsten juristischen Gesichtspunkte.
Was ist neu an der Christlichen Patientenvorsorge?

   Das deutsche Recht bietet verschiedene Möglichkeiten an, mit deren Hilfe Sie für den Fall Ihrer Einwilligungs- unfähigkeit im Rahmen einer schweren oder tödlich verlaufenden Krankheit Vorsorge treffen können. Sie berühren unterschiedliche Fragen, zu denen Sie in der Christlichen Patientenvorsorge allgemeine Hinweise und Empfehlungen finden.
   Seit dem 1. September 2009 sind die Voraussetzungen, die Verbindlichkeit und die Reichweite von Patienten- verfügungen eindeutig gesetzlich geregelt.
   Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Anwendung von Vorsorgeveröffentlichungen. Das hat eine Überarbeitung der 1999 in erster und 2003 in zweiter Auflage veröffentlichten „Christlichen Patientenverfügung“ nötig gemacht.
   Die überarbeitete Ausgabe der Handreichung Christliche Patientenvorsorge umfasst neben umfassenden Informationen auch folgende Formularteile:
* Vorsorgevollmacht
* Betreuungsverfügung
* Patientenverfügung
* Äußerung von Behandlungswünschen
   Diese vier Möglichkeiten der Patientenvorsorge bringen den Willen eines entscheidungsfähigen Menschen im Vorfeld einer Erkrankung oder des Sterbens zum Ausdruck. Sie werden wichtig, wenn der Patient entscheidungs- unfähig wird, das heißt aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung außer Stande ist, seinen aktuellen Willen zu äußern. Es ist nicht notwendig, alle Formularteile der Christlichen Patientenvorsorge auszufüllen. Das ist allein Ihre Entscheidung.
Was ist das Besondere an der Christlichen Patientenvorsorge?
   Die fortschreitende Ausweitung der medizinischen Möglichkeiten wirft zunehmend Fragen auf, die sich früher so nicht gestellt haben:
   Ist die Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Lebenserhaltung in jeder Lebensphase gleichermaßen geboten? Oder sollen wir darauf verzichten, wenn die beabsichtigte Lebensverlängerung zu einer belastenden Sterbe- verlängerung zu führen droht oder bereits geführt hat? Was ist besser: in der vertrauten Umgebung zu sterben, auch wenn dadurch nicht alle technisch-medizinischen Möglichkeiten jederzeit verfügbar sind und eine Lebensverkürzung die Folge sein kann, oder auf der Intensivstation so lange wie möglich zu leben?
   Solche Fragen lassen sich nicht immer generell beantworten. Dies mahnt auch zur Vorsicht, im Einzelfall nur eine einzige Handlungsweise als christlich geboten anzusehen. Letztlich muss die Entscheidung aus der konkreten Lage des sterbenden Menschen heraus, von seinen Bedürfnissen her und in Übereinstimmung mit seinen Wünschen und Vorstellungen getroffen werden.
   Wir nennen die hier angebotene Handreichung eine Christliche Patientenvorsorge, weil sie sich von den Über- zeugungen des christlichen Glaubens leiten lässt. Das Leben ist uns von Gott gegeben. Er befähigt uns dazu, unser Leben in allen seinen Phasen verantwortlich zu gestalten. Dazu gehört, sowohl für das tätige Leben als auch für das Sterben Vorsorge zu treffen.
   Der Titel Christliche Patientenvorsorge bedeutet nicht, dass sie nur von Christen benutzt werden kann, wohl aber, dass sie von christlichen Überzeugungen geprägt ist, so beispielsweise von der deutlichen Ablehnung der Tötung auf Verlangen und der ärztlichen Beihilfe zur Selbsttötung. Der christliche Glaube schenkt uns die Gewissheit, dass das Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus durch den Tod hindurch Bestand hat.
Wichtige Begriffe
Vorsorgevollmacht

  
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) ermöglicht es, eine Person Ihres besonderen Vertrauens zu benennen, die für den Fall Ihrer Geschäfts- und Einwilligungsunfähigkeit in Ihrem Namen wirksam handeln kann. Eine solche Vollmacht heißt Vorsorgevollmacht. Sie kann mit einer Betreuungsverfügung, Behandlungswünschen und einer Patientenverfügung verbunden werden. Die Christliche Patientenvorsorge bietet Ihnen die Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht für Gesundheits- und Aufenthaltsangelegenheiten auszustellen.
Betreuungsverfügung
   Sollten Sie eines Tages aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung Ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst besorgen können und keine Vorsorge- vollmacht ausgestellt haben, wird vom Betreuungsgericht für Sie ein Betreuer bestellt.
   Eine Betreuungsverfügung ermöglicht Ihnen, für diesen Fall Ihre Wünsche hinsichtlich der Person des Be- treuers zu äußern. Das Betreuungsgericht prüft, ob die vorgeschlagene Person als Betreuer geeignet ist. Ist das der Fall, wird es die vorgeschlagene Person zum Betreuer bestellen. Andernfalls wählt das Gericht eine andere geeignete Person aus, nach Möglichkeit aus Ihrem persönlichen und familiären Umfeld.
Patientenverfügung
  
Eine Patientenverfügung ist eine konkrete, schriftliche Erklärung einer einwilligungsfähigen volljährigen Person für den Fall einer späteren Einwilligungsunfähigkeit. Sie ist eine vorweggenommene Entscheidung über die Vornahme oder Nichtvornahme bestimmter Untersuchungen, Heilbehandlungen und ärztlicher Eingriffe, die noch nicht unmittelbar bevorstehen. Sie soll sicherstellen, dass das Selbstbestimmungsrecht des Menschen auch dann beachtet wird, wenn er einwilligungsunfähig geworden ist.
Behandlungswünsche

   Sie können konkrete Behandlungswünsche über Art, Umfang und Dauer sowie die Umstände Ihrer Behandlung äußern. Diese Behandlungswünsche sind verbindliche Vorgabe für Ihren Bevollmächtigten oder Betreuer. Er hat diese Wünsche in den Behandlungsprozess einzubringen und auf dieser Grundlage ärztlichen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Je konkreter Sie Ihre Behandlungswünsche formulieren, desto enger sind die Vorgaben für Ihren Bevollmächtigen oder Betreuer.
Sterbebegleitung und Sterbehilfe
Passive Sterbehilfe (auch: Behandlungsverzicht oder Behandlungsbegrenzung)

  
Als Patient können Sie verlangen, dass Maßnahmen zur Verlängerung Ihres Lebens in der Sterbephase unterlassen oder beendet werden, wenn diese den Todeseintritt nur verzögern und sich die Krankheit in ihrem zum Tod führenden Verlauf nicht mehr aufhalten lässt. In einem juristisch erweiterten Sinn wird häufig auch dann von passiver Sterbehilfe gesprochen, wenn der Sterbeprozess oder das Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit noch nicht begonnen hat und eine lebenserhaltende medizinische Maßnahme nicht durchgeführt oder beendet wird, weil der Patient seine Einwilligung nicht erteilt oder widerrufen hat. Die passive Sterbehilfe ist rechtlich und ethisch zulässig.
Indirekte Sterbehilfe

   Indirekte Sterbehilfe wird geleistet, wenn Sterbenden ärztlich verordnete schmerzlindernde Medikamente gegeben werden, die als unbeabsichtigte Nebenfolge den Todeseintritt beschleunigen können. Solche indirekte Sterbehilfe wird in Abwägung der ärztlichen Doppelpflicht – Leben erhalten und Schmerzen lindern – für rechtlich und ethisch zulässig gehalten.
Aktive Sterbehilfe
  
Gezielte Tötung eines Menschen, z. B. durch die Verabreichung eines den Tod herbeiführenden Präparates (zum Beispiel Tablette, Spritze, Infusion). Sie ist in Deutschland gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt und zwar auch dann, wenn sie mit ausdrücklicher Zustimmung des Patienten oder der Patientin erfolgt. Die Legalisierung aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien lässt die Tötung schwerst- kranker und sterbender Menschen in diesen Ländern unter bestimmten Bedingungen zu. Aktive Sterbehilfe ist jedoch mit dem christlichen Verständnis vom Menschen nicht vereinbar.
Assistierter Suizid bzw. Beihilfe zur Selbsttötung bzw. „Freitodbegleitung“
     „Assistierten Suizid“ nennt man die Unterstützung eines Menschen bei der Durchführung seiner Selbsttötung, z. B. durch die Beschaffung tödlich wirkender Medikamente oder durch die Anleitung der Handhabung dieser Medikamente. Die Beihilfe zur Selbsttötung ist nicht auf die unmittelbare Sterbephase beschränkt, sondern kann schon nach der Diagnose einer schweren Erkrankung oder der Prognose eines belastenden Krankheitsverlaufs stattfinden. Aus ethischer Sicht und nach Meinung der Kirchen ist die Beihilfe zur Selbsttötung abzulehnen, die in manchen Ländern (z.B. Schweiz, Niederlande) von so genannten Sterbehilfe-Organisationen praktiziert wird.

kk-Christliche-Patientenver[1]

Christliche Patientenvorsorge
durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche
und Patientenverfügung der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD

Kapitel 1
Geleitwort
1 Wie können Sie unter den geltenden gesetzlichen Voraussetzungen Vorsorge treffen?
1.1 Wer soll an Ihrer Stelle über Ihre medizinische Behandlung entscheiden wenn Sie dazu nicht mehr imstande sind?
1.2 Was haben Vertrauenspersonen und Ärzte bei Ihrer medizinischen Behandlung zu beachten?
1.3 Welche rechtlichen Grenzen müssen Sie beachten?
1.4 Welche Form der Vorsorge ist für Sie am besten geeignet?
Kapitel 2
2. Was ist das Besondere an der Christlichen Patientenvorsorge?
2.1 Der letzten Lebensphase ihre eigene Würde erhalten
2.2 Fürsorge im Respekt vor der Selbstbestimmung des Anderen
2.3 Zur Reichweite von Behandlungswünschen und Patientenverfügung

kk-Christliche-Patientenver

Formular der CHRISTLICHEN PATIENTENVORSORGE

Kapitel 3
3. Was bestimmen Sie im Formular der Christlichen Patientenvorsorge?

3.1 Benennung einer Vertrauensperson
3.1.1 Die Vorsorgevollmacht in Gesundheits- und Aufenthaltsangelegenheiten
3.1.2 Die Betreuungsverfügung
3.2 Bestimmungen für Ihre medizinische Behandlung
3.2.1 Die Behandlungswünsche
3.2.2 Die Patientenverfügung
3.2.3 Zur Gültigkeit von Behandlungswünschen und Patientenverfügung
3.2.4 »Raum für ergänzende Verfügungen«
3.3 Unterschriften unter das Formular der Christlichen Patientenvorsorge
Kapitel 4
4. Was ist noch wissenswert?

4.1 Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Wünsche bekannt werden?
4.2 Was ist zu beachten, wenn man bereits eine Christliche Patientenverfügung ausgefüllt hatte?
4.3 Gibt es eine Pflicht, eine Vorsorgeverfügung zu verfassen?
4.4 Wie verhalten sich die Christlichen Patientenvorsorge und ein Organspendeausweis zueinander?
4.5 Was passiert in einer Notfallsituation?
4.6 Was umfassen Behandlung und Pflege am Lebensende?
4.7 Wann und wie sind künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr geboten?
4.8 Gibt es einen Anspruch auf seelsorgerlichen Beistand?

Geleitwort

   Viele Menschen blicken mit Sorge auf das Ende ihres Lebens. Manchmal sind es eine bestehende Krankheit oder hohes Alter, manchmal die Furcht vor einem Unfall oder einer plötzlich auftretenden Erkrankung, die sie fragen lassen: Werden am Ende meines Lebens Menschen bei mir sein, mir beistehen und Kraft geben? Werde ich zu Hause sterben können oder wird man mich ins Krankenhaus bringen? Werde ich unter starken Schmerzen leiden? Werde ich noch selbst bestimmen können, welche medizinischen Behandlungen an mir vorgenommen werden sollen und welche nicht?
   So schwer es ist, sich mit der eigenen Sterblichkeit und den damit verbundenen Fragen auseinanderzusetzen, so sinnvoll ist es, ihnen nicht auszuweichen. Mit der Handreichung Christliche Patientenvorsorge durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünschen und Patientenverfügung und dem darin enthaltenen Formular möchten wir eine Hilfestellung geben: Wir möchten dazu anregen, sich mit dem Sterben und den eigenen Wünschen im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu befassen. Wir möchten dazu beitragen, den Dialog zwischen der Ärzteschaft, dem Pflegepersonal, der Krankenhausseelsorge, den Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen über die verschiedenen Möglichkeiten der Patienten- vorsorge zu intensivieren. Wir hoffen, damit einen Weg zwischen unzumutbarer Lebensverlängerung und nicht verantwortbarer Lebensverkürzung aufzuzeigen. Die Christliche Patientenvorsorge berücksichtigt theologisch- ethische Aspekte eines christlichen Umgangs mit dem Ende des irdischen Lebens und erläutert die wichtigsten juristischen Gesichtspunkte.
   Die vorliegende Handreichung mit ihrem Formular ist eine Überarbeitung der 1999 in erster und 2003 in zweiter Auflage veröffentlichten Christlichen Patientenverfügung, die sich einer außerordentlich großen Nachfrage erfreute. Die erneute Überarbeitung wurde notwendig durch das am 1. September 2009 in Kraft getretene »Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts«.
   Die dort erfolgte umfassende rechtliche Neuregelung machte zahlreiche Änderungen erforderlich. Schon der neue Titel »Christliche Patientenvorsorge« verdeutlicht dies. Er bezieht sich nicht mehr nur auf die eigentliche Patientenverfügung, sondern umfasst auch drei andere Möglichkeiten der selbstbestimmten Vorsorge: Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Äußerung von Behandlungswünschen. Diese vier Möglichkeiten der Patientenvorsorge bringen den Willen eines entscheidungsfähigen Menschen im Vorfeld einer Erkrankung oder des Sterbens zum Ausdruck. Sie werden wichtig, wenn der Patient entscheidungsunfähig wird, d.h. aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung außer Stande ist, seinen aktuellen Willen zu äußern.
   Die Christliche Patientenvorsorge gliedert sich in die Handreichung mit insgesamt vier Kapiteln und das dazwischen geheftete Formular. Der Text der Handreichung ist so angelegt, dass die wesentlichen Gesichts- punkte in den Kapiteln 1 und 2 konzentriert sind. Die Kapitel 3 und 4 sind eine ergänzende Hilfe für den Umgang mit dem Formular. Die Kirchen, die die Christliche Patientenvorsorge veröffentlichen, empfehlen, sich frühzeitig und intensiv darüber Gedanken zu machen, welche Vertrauenspersonen als Bevollmächtigte und Betreuer be- nannt werden können und welche medizinische Behandlung gewünscht wird. Die Kirchen empfehlen darüber hin- aus eine ärztliche Beratung beim Ausfüllen des Formulars, auch wenn diese gesetzlich nicht vorgeschrieben ist.
  Die Kirchen tragen mit der von ihnen herausgegebenen Christliche Patientenverfügung seit 1999 und nun- mehr auch mit der hier vorliegenden Christliche Patientenvorsorge der vielfältig geäußerten Bitte Rechnung, eine Handreichung anzubieten, die sich in besonderer Weise dem christlichen Glauben verpflichtet weiß. Christliche Patientenvorsorge bedeutet allerdings nicht, dass sie nur von Christen benutzt werden kann, wohl aber, dass sie von christlichen Überzeugungen geprägt ist, so beispielsweise von der deutlichen Ablehnung der Tötung auf Verlangen und der ärztlichen Beihilfe zur Selbsttötung.
   Der christliche Glaube schenkt uns die Gewissheit, dass das Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus durch den Tod hindurch Bestand hat. Als Christen bezeugen wir, was in der Heiligen Schrift gesagt ist: »Gott wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.«Offb 21,3–5
  
Die Gegenwart Jesu Christi gibt Menschen den Mut und die Hoffnung, selbst in den schwierigsten Situationen ihres Lebens Zeichen des kommenden Reiches Gottes wahrzunehmen und weiterzugeben. Sie gibt auch die Kraft, Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens zu begleiten.
Hannover, Bonn, Frankfurt am Main im Dezember 2010
Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD in Deutschland
Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Dr. Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft CKD

Wie können Sie unter den geltenden gesetzlichen Voraussetzungen Vorsorge treffen?

 Das deutsche Recht bietet verschiedene Möglichkeiten an, mit deren Hilfe Sie für den Fall Ihrer Einwilligungs- unfähigkeit im Rahmen einer schweren oder tödlich verlaufenden Krankheit Vorsorge treffen können. Sie be- rühren unterschiedliche Fragen:
Wer soll an Ihrer Stelle über Ihre medizinische Behandlung entscheiden, wenn Sie dazu nicht mehr imstande sind?
   Wir empfehlen Ihnen, eine Person Ihres Vertrauens zu bestimmen, die Sie persönlich kennt und der Sie die Aufgabe anvertrauen können, Ihre Wünsche und Interessen im Rahmen Ihrer medizinischen Behandlung und den damit verbundenen Fragen zu vertreten. Ihre Vertrauensperson wird an Ihrer Stelle mit entscheiden, falls Sie selbst dazu nicht mehr imstande sind. Für die Auswahl und die Bestellung einer Vertrauensperson kommen in Betracht:
> die Vorsorgevollmacht, mit der Sie selbst Vertrauenspersonen zu Ihrem Vertreter (Bevollmächtigten) in Angelegenheiten Ihrer Gesundheit und Ihres Aufenthalts bestellen. Der oder die Bevollmächtigte handelt als Ihr Beauftragter (Näheres siehe Abschnitt 3.1.1);
>
die Betreuungsverfügung, mit der Sie das Betreuungsgericht bitten, die von Ihnen vorgeschlagene Vertrauens- person zu Ihrem Vertreter (Betreuer) zu bestellen. Ihrem Vorschlag hat das Gericht Folge zu leisten. Das Gericht bestimmt, für welche Aufgabenkreise der rechtliche Betreuer zuständig ist (Näheres siehe Abschnitt 3.1.2).
Was haben Vertrauenspersonen und Ärzte bei Ihrer medizinischen Behandlung zu beachten?
>
Vertrauenspersonen und Ärzte haben stets Ihren Willen als Patient zu beachten. Sie können Ihr Selbst- bestimmungsrecht auf verschiedene Weise für den Fall vorsorglich ausüben, dass Sie nicht mehr selbst ent- scheiden können:
> So können Sie konkrete Behandlungswünsche über Art, Umfang und Dauer sowie die Umstände Ihrer Behandlung äußern. Diese Behandlungswünsche sind dann verbindliche Richtschnur für Ihre Vertrauensperson. Ihre Vertrauensperson hat Ihre Wünsche gegenüber Ärzten und Pflegepersonal geltend zu machen und durchzusetzen (Näheres siehe Abschnitt 3.2.1);
> Sie können als einwilligungsfähige, erwachsene Person schriftlich eine Patientenverfügung verfassen. Mit dieser können Sie selbst im Vorhinein in bestimmte ärztliche Maßnahmen, die in Zukunft aus ärztlicher Sicht erforderlich werden mögen, einwilligen oder diese untersagen (Näheres siehe Abschnitt 3.2.2).
> Sie können sich auch Ihrer Vertrauensperson bzw. den behandelnden Ärzten anvertrauen und ihnen die Aufgabe überantworten, die in der jeweiligen Situation angemessene Art und Weise Ihrer ärztlichen Behand- lung festzulegen. Vertrauensperson und Ärzte haben nach Ihrem mutmaßlichen Willen zu handeln, d.h. der Behandlung dann zuzustimmen, wenn Sie es nach Lage der Dinge selbst in dieser Situation auch getan hätten. Dafür sind u.a. Ihre früheren Äußerungen, ethischen und religiösen Überzeugungen und Wertvorstellungen heranzuziehen. Im Zweifelsfall werden Vertrauensperson und Ärzte davon ausgehen, dass Sie den ärztlich gebotenen Maßnahmen zustimmen würden.
1.3 Welche rechtlichen Grenzen müssen Sie beachten?
  Sie können keine Anordnung treffen, die gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen würde; so können Sie zB. nicht verlangen, dass der Arzt Ihnen ein Medikament verabreicht, das Sie tötet. Eine solche Tötung auf Verlangen – auch »aktive Sterbehilfe« genannt – ist die gezielte Tötung eines Menschen. Sie ist in Deutschland gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
   Zulässig ist dagegen die Gabe von Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten, wenn sie zur Leidens- minderung medizinisch angezeigt sind und der Patient bzw. sein Bevollmächtigter oder Betreuer ihrer Verab- reichung zustimmt. Das gilt auch in den Fällen, in denen Medikamente als unbeabsichtigte Nebenwirkung das Leben des Patienten verkürzen können (»indirekte Sterbehilfe«).
   Als Patient können Sie verlangen, dass Maßnahmen zur Verlängerung Ihres Lebens in der Sterbephase unterlassen oder beendet werden, wenn diese lediglich den Todeseintritt verzögern und sich die Krankheit in ihrem zum Tode führenden Verlauf nicht mehr aufhalten lässt. Das bezeichnet man als Behandlungsverzicht bzw. Behandlungsbegrenzung oder auch »passive Sterbehilfe«. In einem juristisch weit gefassten Sinn wird verschiedentlich auch dann von passiver Sterbehilfe gesprochen, wenn der Sterbeprozess oder das Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit noch nicht begonnen hat und eine lebenserhaltende medizinische Maßnahme nicht durchgeführt oder beendet wird, weil der Patient seine Einwilligung in die medizinische Maßnahme nicht erteilt oder widerrufen hat. Dies kann besondere ethische Probleme aufwerfen (Näheres siehe Abschnitt 2.3).
   Davon grundlegend zu unterscheiden ist die Beihilfe zur Selbsttötung, die auch »assistierter Suizid« genannt wird. Darunter versteht man die Unterstützung eines Menschen bei der Durchführung seiner Selbsttötung. Dies kann durch die Beschaffung tödlich wirkender Mittel erfolgen oder auch durch die Anleitung zu ihrer Handhabung. Sie ist nicht nur auf die unmittelbare Sterbephase beschränkt, sondern findet oft schon nach der Diagnose einer schweren Erkrankung oder der Prognose eines belastenden Krankheitsverlaufes statt. Aus ethischer Sicht ist die Beihilfe zur Selbsttötung, die in manchen Ländern (z.B. Schweiz oder die Niederlande) von so genannten Sterbehilfe-Organisationen praktiziert wird, abzulehnen.
1.4 Welche Form der Vorsorge ist für Sie am besten geeignet?
   Es ist nicht unbedingt notwendig, alle Formularteile der Christlichen Patientenvorsorge (also Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche und Patientenverfügung) auszufüllen. Dies liegt in Ihrer Entschei- dung. Aus unserer Sicht sind folgende Möglichkeiten sinnvoll und empfehlenswert:
> Vorsorgevollmacht mit Betreuungsverfügung:
   Wir empfehlen, Ihre Vertrauensperson in einer Vorsorgevollmacht zum Bevollmächtigten zu ernennen. Dies bringt Ihr Selbstbestimmungsrecht und die in der jeweiligen Behandlungssituation gebotene Fürsorge glei- chermaßen zur Geltung. Denn eine Vertrauensperson, mit der Sie sich ausführlich ausgetauscht haben und die Ihre Behandlungswünsche kennt, ist am ehesten in der Lage, in den kaum vorhersehbaren Situationen einer Krankheitsentwicklung in Ihrem Sinn eine gute Entscheidung für Ihre Behandlung zu treffen. Es ist sinnvoll, Ihre Vertrauensperson zusätzlich mittels einer Betreuungsverfügung als Betreuer vorzuschlagen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Vertrauensperson stets in allen Angelegenheiten für Sie handeln kann.
> Betreuungsverfügung allein: Statt Ihre Vertrauensperson zu bevollmächtigen, können Sie sie auch mit einer Betreuungsverfügung als Betreuer vorschlagen. Sie kann dann allerdings erst für Sie handeln, wenn das Gericht sie zum Betreuer bestellt.
> Vorsorgevollmacht und/oder Betreuungsverfügung verbunden mit Behandlungswünschen oder Patienten- verfügung: Zusätzlich zur Bevollmächtigung einer Person Ihres Vertrauens oder zum Vorschlag eines Betreuers können Sie über Ihre künftige Behandlung vorab durch eine Patientenverfügung entscheiden oder Behandlungswünsche festlegen. Dadurch wird gewährleistet, dass im Falle Ihrer Entscheidungsunfähigkeit eine Person Ihres Vertrauens zusammen mit dem behandelnden Arzt Ihre Patientenverfügung und Ihre Be- handlungswünsche prüft und ihnen Geltung verschafft. Sollten diese Festlegungen nicht auf die aktuelle Be- handlungs- und Lebenssituation zutreffen, kann Ihre Vertrauensperson die erforderlichen Entscheidungen über Ihre ärztliche Behandlung in Ihrem Sinne treffen.
> Behandlungswünsche und Patientenverfügung allein: Wenn Sie keiner Ihnen bekannten Person die Ver- antwortung für weitere Entscheidungen in Ihrem Krankheitsfall in Form einer Vorsorgevollmacht bzw. Be- treuungsverfügung übertragen möchten oder niemand bereit oder in der Lage ist, diese Aufgabe zu über- nehmen, dann ist es sinnvoll, zumindest Ihre Wünsche für die künftige Behandlung niederzulegen oder eine Patientenverfügung zu verfassen. So wird dafür Sorge getragen, dass im Ernstfall nach Ihren Vorstellungen gehandelt wird, selbst wenn der behandelnde Arzt und gegebenenfalls ein vom Betreuungsgericht eingesetzter Betreuer Sie und Ihre Vorstellungen nicht persönlich kennen. In Situationen, die diese Erklärungen nicht abdecken, muss Ihr mutmaßlicher Wille ermittelt werden.

2. Was ist das Besondere an der Christlichen Patientenvorsorge?

2.1 Der letzten Lebensphase ihre eigene Würde erhalten
   Die fortschreitende Ausweitung der medizinischen Möglichkeiten wirft zunehmend Fragen auf, die sich früher so nicht gestellt haben: Ist die Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Lebenserhaltung in jeder Lebensphase gleichermaßen geboten? Oder sollen wir darauf verzichten, wenn die beabsichtigte Lebensverlängerung zu einer belastenden Sterbeverlängerung zu führen droht oder bereits geführt hat? Was ist besser: in der vertrauten Umgebung zu sterben, auch wenn dadurch nicht alle technisch-medizinischen Möglichkeiten jederzeit verfügbar sind und eine Lebensverkürzung die Folge sein kann, oder auf der Intensivstation so lange wie möglich zu leben?
   Solche Fragen lassen sich nicht immer generell beantworten. Dies mahnt auch zur Vorsicht, im Einzelfall nur eine einzige Handlungsweise als christlich geboten anzusehen. Letztlich muss die Entscheidung aus der konkreten Lage des sterbenden Menschen heraus, von seinen Bedürfnissen her und in Übereinstimmung mit seinen Wünschen und Vorstellungen getroffen werden.
   Wir nennen die hier angebotene Handreichung eine CHRISTLICHE PATIENTENVORSORGE, weil sie sich von den Überzeugungen des christlichen Glaubens leiten lässt. Das Leben ist uns von Gott gegeben. Er befähigt uns dazu, es in allen seinen Phasen verantwortlich zu gestalten. Dazu gehört, sowohl für das tätige Leben als auch für das Sterben Vorsorge zu treffen.
   Bis zuletzt soll ein Leben als lebenswert und sinnvoll erfahren werden. Dazu gehört: teilhaben zu können an dem, was in Familie, Nachbarschaft und Welt geschieht, Entscheidungen treffen zu dürfen, Zeit zum Durchdenken und Klären von Fragen zu haben, Abschied zu nehmen von den uns lieben und wichtigen Menschen und den eigenen Tod annehmen zu lernen. Dies ist häufig ein schwieriger Prozess. Das Bereitwerden zum Sterben kann durch starke Schmerzen, quälende körperliche Symptome und nicht minder durch massive medikamentöse Dämpfung erschwert werden. Schmerztherapie, Palliativmedizin, Hospizarbeit, pflegerische Maßnahmen, mit- menschliche und geistliche Begleitung sollen die Voraussetzung schaffen, auch die letzte Lebensstrecke in Würde leben zu können.
   Wir können über unser eigenes Leben nicht grenzenlos verfügen. Genauso wenig haben wir das Recht, über den Wert eines anderen menschlichen Lebens zu entscheiden. Jeder Mensch hat seine Würde, seinen Wert und sein Lebensrecht von Gott her. Er ist darum ungleich mehr, als er von sich selbst weiß. Kein Mensch kann genau wissen, was er für andere bedeutet. Im Glauben an den Gott des Lebens wissen wir, dass jeder Mensch mit seinem Leben – wie immer es beschaffen ist – unentbehrlich und wertvoll ist.
2.2 Fürsorge im Respekt vor der Selbstbestimmung des Anderen
   Die ethische und rechtliche Grundlage aller Vorsorgeverfügungen ist das Selbstbestimmungsrecht. Der Wille des Patienten ist die Grundlage jeder Behandlung. Für die Durchführung oder Unterlassung einer Behandlung ist entscheidend, ob der Patient den ärztlich vorgeschlagenen Diagnose- und Therapiemaßnahmen nach einer angemessenen Aufklärung zustimmt.
   Selbstbestimmung kann jedoch nicht gedacht werden, ohne die Abhängigkeit von der eigenen Leiblichkeit, von der Fürsorge anderer Menschen und von Gottes Wirken zu erkennen und zu bejahen. Selbstbestimmung darf nicht als völlige Unabhängigkeit missverstanden werden. Sie gewinnt nur in sozialen Kontexten Gestalt, d.h. der Mensch ist und bleibt eingebunden in die mitmenschliche Gemeinschaft und ist auf sie angewiesen. Die Gesellschaft hat ihrerseits eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitgliedern. Hieraus ergibt sich die Pflicht des Staates zum Schutz des Lebens seiner Bürger. In diesen Zusammenhang gehört auch die Pflicht des Arztes, das Beste für den Patienten zu wollen. Für eine sorgsame und angemessene medizinische Betreuung ist es wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient aufzubauen.
  Selbstbestimmung des Patienten und Fürsorge für den Patienten sind miteinander zu verbinden und aufein- ander zu beziehen. Selbstbestimmung ist auf Fürsorge angewiesen. Ebenso gehört es zu recht verstandener Fürsorge, die Selbstbestimmung eines Patienten zu achten und ihr so weit wie möglich Folge zu leisten. Fürsorge muss daher immer die körperbezogenen, psychologischen, sozialen und spirituellen Wünsche und Vorstellungen des Patienten einbeziehen. »Fürsorge im Respekt vor der Freiheit des Anderen«, ein Leitmotiv der Hospiz- bewegung, trifft auch auf die Anwendung von Vorsorge- verfügungen zu.
2.3 Zur Reichweite von Behandlungswünschen und Patientenverfügung
   Der Begriff der Reichweite bezieht sich im vorliegenden Zusammenhang auf die Frage, ob die Behandlungs- wünsche oder Verfügungen eines Patienten uneingeschränkt Geltung beanspruchen können oder ob sie – und wenn ja, welchen – Einschränkungen unterworfen sind. Diese Frage spielte bereits eine Rolle bei der Klarstellung, dass die Tötung auf Verlangen schon wegen ihres gesetzlichen Verbotes nicht vom Patienten verfügt werden kann (Näheres siehe Abschnitt 1.3). Das am 1. September 2009 in Kraft getretene »Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts« teilt diese spezielle Begrenzung der Reichweite, nimmt aber keine weiteren Einschränkungen vor. Das heißt, dass die Bestimmungen der Vorsorgeverfügungen sowohl Krankheiten betreffen können, die voraussichtlich in kurzer Zeit zum Tode führen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organversagen, fortgeschrit- tene Krebserkrankung), als auch solche, bei denen die Sterbephase – medizinisch betrachtet – noch weit entfernt ist (z.B. die unfallbedingte Querschnittslähmung, anhaltende schwere Schmerzzustände, das so genannte Wachkoma, Demenz).
   Nach dem Gesetz kommt Behandlungswünschen und Patientenverfügungen, von den genannten Ausnahmen abgesehen, immer bindende Wirkung zu – unabhängig von Art oder Stadium der Erkrankung. Im Gegensatz dazu wurde gefordert, die Reichweite auf bestimmte Stadien einer Erkrankung zu begrenzen, nämlich auf das Endstadium tödlich verlaufender Krankheiten und auf den Sterbeprozess selbst. Die Frage nach Reichweite und Reichweitenbegrenzung geriet in den Jahren der öffentlichen Debatte über eine gesetzliche Regelung von Patientenverfügungen zu einem Hauptstreitpunkt − auch unter Christen.
   Aus heutiger Sicht kann – unbeschadet der Vielfalt individueller Urteilsbildung zur Reichweitenbegrenzung – zwischen den Kirchen folgender Konsens festgehalten werden:
a) Das Gesetz sieht keine Reichweitenbegrenzung vor. Der Diskussionsbeitrag der Kirchen sollte sich deshalb auf die ethische Frage konzentrieren, ob man die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten in Anspruch nimmt oder aus guten Gründen darauf verzichtet.
b) Die Krankheitszustände und –diagnosen sind gerade zum Lebensende hin von sehr komplexer Natur. Entsprechend geht es im Blick auf sie um besonders schwierige und höchst individuelle Entscheidungen. Um unter diesen schwierigen Bedingungen zu einer moralisch überzeugenden Urteilsbildung gelangen zu können, müssen allgemeine Regelungen und Ratschläge daher immer auch auf den konkreten Einzelfall angewendet werden.
c) Ein besonders schwieriges Thema ist das so genannte Wachkoma (auch »andauernder vegetativer Status« genannt). Ausgangspunkt für die ethische Bewertung ist die Feststellung: Menschen im so genannten Wachkoma sind keine Sterbenden (Näheres siehe Abschnitt 3.2.4). Ein Wachkoma kann sich bei entsprechender Betreuung über Jahre hinziehen, bis der Patient vielleicht an einer anderen, akuten Ursache stirbt. Eine ethische Pflicht dieses Patienten, eine auftretende akute Zweiterkrankung behandeln zu lassen und auf diese Weise der Anwendung »außergewöhnlicher Mittel« zuzustimmen, kann schwerlich geltend gemacht werden. Eine Basis- betreuung, zu der u.a. menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie das Stillen (der Gefühle) von Hunger und Durst gehören, ist jedoch aufrecht zu erhalten.

Die beiden Formulare sowie die Hinweiskarte zur
Christlichen Patientenvorsorge
finden Sie unten > auf dieser Seite nach Kapitel 4.8

3. Was bestimmen Sie im Formular der Christlichen Patientenvorsorge?

Wir wollen Ihnen an dieser Stelle weitere hilfreiche Informationen anbieten.
Diese Informationen stellen einige Begriffe ausführlicher dar und versuchen Fragen zu beantworten,
die sich bei der
Lektüre der Handreichung oder beim Ausfüllen des Formulars ergeben können.

   Wenn Sie die verschiedenen Teile des hier angebotenen Formulars ausfüllen wollen, empfehlen wir Ihnen, sich ärztlich beraten zu lassen, wenngleich es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Wir raten Ihnen dazu, weil Patientenverfügungen und Behandlungswünsche nur umgesetzt werden können, wenn sie so konkret verfasst sind, dass sie auf die später möglicherweise eintretende Situation zutreffen. Dies ist besonders wichtig, falls Sie erwägen, eigene Ergänzungen für individuelle Krankheitssituationen im Feld »Raum für ergänzende Ver- fügungen« vorzunehmen. Eine fachkundige Beratung kann hier helfen, Widersprüche zwischen einzelnen Festlegungen zu vermeiden und die notwendige Genauigkeit zu erreichen.
Welche Vorsorge können Sie treffen?
 Wie Sie bereits wissen, können Sie mit dem Formular der Christlichen Patientenvorsorge so umfassend wie möglich Vorsorge für die Zeit treffen, in der Sie selbst nicht mehr über medizinische Maßnahmen oder Ihren Aufenthalt entscheiden können. Dafür bietet Ihnen das vorliegende Formular der Christlichen Patien- tenvorsorge verschiedene Möglichkeiten, die Sie nach Ihren Bedürfnissen kombinieren können:
Sie können
> in einer Vorsorgevollmacht einen Bevollmächtigten ernennen,
>
in einer Betreuungsverfügung dem Betreuungsgericht einen Betreuer vorschlagen,
>
Behandlungswünsche formulieren und eine Patientenverfügung verfassen.
   In der Vorsorgevollmacht und der Betreuungsverfügung benennen Sie eine Person, die für Sie spricht und handelt, in der Patientenverfügung und in den Behandlungswünschen legen Sie konkret fest, welche medizi- nische Behandlung Sie wünschen oder ausschließen möchten.
3.1 Benennung einer Vertrauensperson
  Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, eine Person Ihres Vertrauens mit Ihrer Vertretung zu beauftragen, wenn Sie entscheidungsunfähig werden: zum einen als Bevollmächtigten durch die Vorsorgevollmacht und zum anderen als Betreuer durch die Betreuungsverfügung.
   Der Unterschied zwischen diesen beiden Vorsorgeverfügungen besteht zum einen darin, dass ein Betreuer erst durch das Betreuungsgericht bestellt werden muss, während eine von Ihnen bevollmächtigte Vertrauensperson sofort für Sie handeln kann, wenn dies erforderlich wird. Zum anderen wird ein Betreuer vom Betreuungsgericht kontrolliert, während ein Bevollmächtigter nicht unter der Kontrolle eines Gerichtes steht. Allerdings kann auch der Bevollmächtigte in einigen besonderen Situationen nicht allein entscheiden, sondern muss – wie ein Betreuer – beim zuständigen Betreuungsgericht eine Genehmigung einholen (Näheres siehe Abschnitt 3.1.2).
3.1.1 Die Vorsorgevollmacht in Gesundheits- und Aufenthaltsangelegenheiten
Was ist eine Vorsorgevollmacht?

   Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) ermöglicht es, eine Person Ihres besonderen Vertrauens zu benennen, die für den Fall Ihrer Geschäfts- und Einwilligungsunfähigkeit in Ihrem Namen wirksam handeln kann. Eine solche Vollmacht heißt Vorsorgevollmacht. Sie kann mit einer Betreuungsverfügung, Behandlungswünschen und einer Patientenverfügung verbunden werden.
   Eine Vorsorgevollmacht in Gesundheitsangelegenheiten muss bestimmten Formvorschriften genügen: Sie ist schriftlich zu erteilen und muss die Befugnis zur Einwilligung bzw. Untersagung von ärztlichen Maßnahmen (Untersuchungen des Gesundheitszustandes, Heilbehandlung oder ärztlicher Eingriff) ausdrücklich umfassen.
   Entsprechendes gilt für eine Vorsorgevollmacht in Aufenthaltsangelegenheiten. Die Befugnis zur Unter- bringung mit freiheitsentziehender Wirkung und zu freiheitsentziehenden Maßnahmen (z. B. durch Bettgitter, Medikamente und Ähnliches) in einem Heim oder in einer sonstigen Einrichtung muss ebenfalls schriftlich und ausdrücklich erteilt werden.
   Die hier angebotene Vorsorgevollmacht der Christlichen Patientenvorsorge erfüllt selbstverständlich diese Anforderungen.

Bitte beachten Sie: Das Formular der Vorsorgevollmacht in der Christlichen Patientenvorsorge
betrifft nur die Vorsorge für Ihre künftige medizinische Behandlung und Ihren Aufenthalt!

   Wenn Sie darüber hinaus auch eine Vertretung in Bank-, Vermögens- und Wohnungsangelegenheiten, bei Behörden, im Post- und Fernmeldeverkehr oder vor Gericht wünschen, müssen Sie eine Vollmacht auch für diese Bereiche erteilen. Sie muss in manchen Fällen von einem Notar beurkundet werden. Außerdem können Sie durch eine Verfügung zur Bestattung bestimmen, wie und wo Sie beigesetzt werden wollen, und durch Testament oder Erbvertrag Ihre Erbangelegenheiten regeln. Bitte machen Sie sich im Blick auf diese weiteren Verfügungen an anderer Stelle kundig. Diese Aspekte sind von dieser Broschüre nicht umfasst!
Wer sollte bevollmächtigt werden?
   Eine Vorsorgevollmacht hat weitreichende Bedeutung. Sie sollten diese nur einer Person erteilen, der Sie besonders vertrauen. Sicherlich wird bei der Auswahl eine Rolle spielen, mit wem Sie Ihre Vorstellungen am besten besprechen können und wer voraussichtlich auch emotional mit der eventuell später eintretenden Situation umgehen kann. Bei der Auswahl der Person Ihres Vertrauens zum Bevollmächtigten kommen neben Angehörigen (Ehepartner, Kinder, Geschwister) auch langjährige oder enge Freunde, vertraute Bekannte oder auch ein Arzt Ihres Vertrauens in Betracht.
   Sie können auch mehrere Personen in der Weise bevollmächtigen, dass jeder einzelne von ihnen Sie vertreten kann (Einzelvollmacht). Damit können Sie sicherstellen, dass möglichst jederzeit ein Vertreter erreicht werden kann. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Personen im konkreten Fall verschiedener Meinung sein können und dadurch eventuell die Wahrnehmung Ihrer Interessen gefährden. Die Bevollmächtigung mehrerer Personen empfiehlt sich deshalb nur, wenn Sie davon ausgehen können, dass diese sich untereinander abstimmen und einigen werden.
   Es kann sinnvoll sein, eine Ersatzperson zu benennen für den Fall, dass der oder die Bevollmächtigte ausfällt.
Was ist die Aufgabe eines Bevollmächtigten?
  Der Bevollmächtigte hat die Aufgabe, im Rahmen der erteilten Vollmacht Ihre Interessen in Gesundheits- und Aufenthaltsangelegenheiten wahrzunehmen. Sie sollten deshalb mit ihm über Ihre Vorstellungen reden. Je nachdem, in welchem Maße Sie sich Ihrem Bevollmächtigten anvertrauen oder bestimmte Vorgaben machen wollen, können Sie Ihre Vorsorgevollmacht um Behandlungswünsche oder eine Patientenverfügung ergänzen.
   In einigen besonderen Situationen kann der Bevollmächtigte nicht allein entscheiden, sondern muss beim zuständigen Betreuungsgericht eine Genehmigung einholen. Dazu gehören zum einen die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung oder Abteilung oder die Einwilligung in andere, die Freiheit entziehende Maßnahmen wie z.B. das Anbringen von Bauchgurten und Bettgittern oder die Freiheitsentziehung mit Hilfe von bewusstseinsverändernden Medikamenten.
   Zum anderen muss das Betreuungsgericht im Rahmen Ihrer medizinischen Behandlung angerufen werden, wenn
> Arzt und Bevollmächtigter sich nicht über den Patientenwillen einig sind und
> der Patient aufgrund der geplanten ärztlichen Maßnahme oder aufgrund der Weigerung des Bevoll- mächtigten, der vom Arzt vorgeschlagenen Maßnahme zuzustimmen, in die Gefahr des Todes oder eines schweren und länger dauernden gesundheitlichen Schadens gerät.
3.1.2 Die Betreuungsverfügung
Was ist eine Betreuungsverfügung?

   Sollten Sie eines Tages aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung Ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst besorgen können und keine Vorsorgevollmacht ausgestellt haben, wird vom Betreuungsgericht für Sie ein Betreuer bestellt.
Eine Betreuungsverfügung ermöglicht Ihnen, für diesen Fall Ihre Wünsche hinsichtlich der Person des Betreuers zu äußern. Das Betreuungsgericht prüft, ob die vorgeschlagene Person als Betreuer geeignet ist. Ist das der Fall, wird es die vorgeschlagene Person zum Betreuer bestellen. Andernfalls wählt das Gericht eine andere geeignete Person aus,nach Möglichkeit aus Ihrem persönlichen und familiären Umfeld.
   Eine Betreuungsverfügung bedarf keiner bestimmten Form. Aus praktischen Gründen sollte sie aber schriftlich verfasst werden.
    Eine Betreuungsverfügung kann jederzeit widerrufen werden. Auch der Widerruf kann in jeder Form erfolgen. Es genügt, dass Ihre Willensänderung deutlich zum Ausdruck kommt.
Wer sollte Betreuer werden?
   Für die Auswahl eines Betreuers gilt grundsätzlich dasselbe wie für die Auswahl eines Bevollmächtigten für die Vorsorgevollmacht. Sie können die Person, die Sie für die Vorsorgevollmacht bevollmächtigt haben, zugleich zum Betreuer vorschlagen. Es ist aber auch möglich, eine andere Person als den Bevollmächtigten vorzuschlagen. Außerdem können Sie Personen benennen, die Sie nicht als Betreuer haben möchten.
Was ist die Aufgabe eines Betreuers?
   Der vom Gericht bestellte Betreuer ist gesetzlicher Vertreter der betreuten Person. Ihm werden vom Gericht bestimmte Aufgabenkreise zugewiesen. Der Betreuer muss sich um die Angelegenheiten und Wünsche der betreuten Person so kümmern, wie es deren Wohl entspricht. In der Betreuungsverfügung können Sie dem zukünftigen Betreuer mitteilen, wie Sie sich Ihre Lebensgestaltung wünschen. Je nachdem, in welchem Maße Sie sich Ihrem Betreuer anvertrauen oder ihm bestimmte Vorgaben machen wollen, können Sie Ihre Betreuungs- verfügung um Behandlungswünsche oder eine Patientenverfügung ergänzen.
   In einigen besonderen Situationen kann der Betreuer nicht allein entscheiden, sondern muss beim zuständigen Betreuungsgericht eine Genehmigung einholen. Dazu gehören zum einen die Unterbringung in einer geschlos- senen Einrichtung oder Abteilung oder die Einwilligung in andere, die Freiheit entziehende Maßnahmen wie z.B. das Anbringen von Bauchgurten und Bettgittern oder die Freiheitsentziehung mit Hilfe von bewusstseins- verändernden Medikamenten.
   Zum anderen muss das Betreuungsgericht im Rahmen Ihrer medizinischen Behandlung angerufen werden, wenn
> Arzt und Betreuer sich nicht über den Patientenwillen einig sind und
> der Patient aufgrund der geplanten ärztlichen Maßnahme oder aufgrund der Weigerung des Betreuers, der vom Arzt vorgeschlagenen Maßnahme zuzustimmen, in die Gefahr des Todes oder eines schweren und länger dauernden gesundheitlichen Schadens gerät.
3.2 Bestimmungen für Ihre medizinische Behandlung

Wenn Sie konkret regeln wollen, was im Fall Ihrer Entscheidungsunfähigkeit im Einzelnen
medizinisch getan werden soll,
können Sie Behandlungswünsche niederlegen und/oder eine Patientenverfügung ausfüllen.

   Sie können auch Ihre Vorsorgevollmacht und/oder Betreuungsverfügung um Behandlungswünsche und/oder eine Patientenverfügung ergänzen. Ihr Bevollmächtigter oder Betreuer hat dann Ihre Patientenverfügung bzw. Ihre Wünsche gegenüber Ärzten und Pflegepersonal geltend zu machen und durchzusetzen.
   Behandlungswünsche und Patientenverfügung unterscheiden sich darin, inwieweit Sie Ihrem Bevollmächtigtem oder Betreuer Handlungsspielraum einräumen wollen. Behandlungswünsche sind eine Richt- schnur für die Entscheidung Ihres Bevollmächtigten oder Betreuers über Ihre Behandlung in der konkreten Situation. Demgegenüber treffen Sie mit einer Patientenverfügung bereits selbst die Entscheidung über Ihre künftige Behandlung.
3.2.1 Die Behandlungswünsche
Was sind Behandlungswünsche?
   Sie können konkrete Behandlungswünsche über Art, Umfang und Dauer sowie die Umstände Ihrer Be- handlung äußern. Diese Behandlungswünsche sind verbindliche Vorgabe für Ihren Bevollmächtigten oder Betreuer. Er hat diese Wünsche in den Behandlungsprozess einzubringen und auf dieser Grundlage ärztlichen Maßnahmen zuzustimmen oder diese abzulehnen. Je konkreter Sie Ihre Behandlungswünsche formulieren, desto enger sind die Vorgaben für Ihren Bevollmächtigen oder Betreuer.
  Behandlungswünsche können Sie in jeder Form zum Ausdruck bringen.
3.2.2 Die Patientenverfügung
Was ist eine Patientenverfügung?

  Eine Patientenverfügung ist eine schriftliche Erklärung einer einwilligungsfähigen volljährigen Person für den Fall einer späteren Einwilligungsunfähigkeit. Sie ist eine vorweggenommene Entscheidung über die Vornahme oder Nichtvornahme bestimmter Untersuchungen, Heilbehandlungen und ärztlicher Eingriffe, die noch nicht unmittelbar bevorstehen. Sie soll sicherstellen, dass das Selbstbestimmungsrecht des Menschen auch dann beachtet wird, wenn er einwilligungsunfähig geworden ist.
Ist eine Patientenverfügung rechtlich verbindlich?

Die schriftliche Patientenverfügung verpflichtet Ihren Arzt, die dort getroffenen Festlegungen zu beachten und Sie entsprechend zu behandeln oder nicht zu behandeln. Dazu müssen die Festlegungen in der Patienten- verfügung hinreichend konkret beschrieben sein; hier ist eine sachkundige Beratung bei einem Arzt gewiss sinnvoll und kann helfen, das notwendige Maß an Bestimmtheit zu erreichen. Allgemeine Hinweise für eine künftige Behandlung genügen nicht den Anforderungen, die an eine Patientenverfügung gestellt werden, sind aber als Behandlungswünsche zu berücksichtigen.

   Handeln Ärzte der Patientenverfügung zuwider und missachten Ihren Willen, so kann dies als Körperver- letzung strafbar sein. Voraussetzung ist, dass die in der Patientenverfügung konkret beschriebene Krank- heitssituation mit der tatsächlichen Lebens- und Behandlungssituation übereinstimmt. Sofern ein Bevoll- mächtigter oder Betreuer benannt wurde, ist er verpflichtet, die Patientenverfügung zu prüfen, Ihren Willen im Blick auf die Behandlung festzustellen und diesem Geltung zu verschaffen.
3.2.3 Zur Gültigkeit von Behandlungswünschen und Patientenverfügung
 
Behandlungswünsche und Patientenverfügung gelten solange, bis Sie diese widerrufen oder abändern. Der Widerruf kann in jeder Form erfolgen. Es kann auch genügen, sich mit Zeichen verständlich zu machen. Erfor- derlich ist allerdings, dass Ihre Willensänderung hinreichend deutlich zum Ausdruck kommt.

   Es gibt keine rechtlichen Bestimmungen, dass Behandlungswünsche und Patientenverfügungen in regelmäßigen Zeitabständen erneuert werden müssen. Wir empfehlen Ihnen jedoch aus praktischen Gründen, Ihre Verfügungen alle zwei bis drei Jahre durch eine weitere Unterschrift zu bestätigen oder zu erneuern. Zum einen können Sie so in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob die einmal getroffenen Festlegungen noch immer Ihrer Auffassung entsprechen. Zum anderen bestätigen Sie denjenigen, die Ihrem Willen Geltung verschaffen sollen, dass Ihre Entscheidungen weiterhin Bestand haben.

3.2.4 »Raum für ergänzende Verfügungen«
Im Formular der Christlichen Patientenvorsorge
finden Sie im Teil B 1.4. ein Feld »Raum für ergänzende Verfügungen«. Hier besteht für Sie die Möglichkeit, weitere Wünsche zu formulieren.
   Die Absicht, den »Raum für ergänzende Verfügungen « zu nutzen, kann unterschiedliche Motive haben. Ein Formular kann immer nur typische Situationen benennen und muss daneben Raum für individuelle Bestim- mungen lassen. Sie können beispielsweise eine Verfügung ergänzend hinzunehmen,
> wenn Sie an einer besonderen Erkrankung leiden und dafür bestimmte Behandlungswünsche haben;
> wenn Sie die Anwendung bestimmter Behandlungsformen nur für eine begrenzte Zeit zulassen wollen;
> wenn Sie Ihre Behandlungswünsche und Patientenverfügung auf andere als die im Formular aufgeführten Situationen erstrecken wollen.
   Solche Ergänzungen können auch auf einem gesonderten Blatt erfolgen und sollten dann mit Ort, Datum und Unterschrift versehen sein. Bitte berücksichtigen Sie, dass ergänzende Verfügungen möglichst konkret gehalten sein müssen, damit sie umsetzbar sind. Ebenso wie die Bundesärztekammer raten wir Ihnen in diesen Fällen dazu, einen Arzt Ihres Vertrauens hinzuzuziehen und – wenn möglich – mit ihm Ihre Ergänzung gemeinsam zu formulieren, um Widersprüche zwischen einzelnen Formulierungen zu vermeiden und die notwendige Genauigkeit zu erreichen.
   Von besonderer Bedeutung ist der »Raum für ergänzende Verfügungen« in der Frage des so genannten Wachkomas. Bei Wachkoma-Patienten handelt es sich um Menschen, deren leib-seelisch-geistige Verfassung durch eine schwere Hirnschädigung in unterschiedlichen Graden stark beeinträchtigt ist. Der so genannte »vegetative Status«, der Wachkoma-Patienten zugeschrieben wird, darf nicht von vornherein als statisch unveränderbar verstanden werden.  Bei Wachkoma-Patienten kann die Fähigkeit zu Empfindungen und einer nicht-sprachlichen Kommunikation erhalten sein; ein Aufwachen aus diesem Zustand ist nicht ganz sicher auszuschließen, aber je nach Ursache, Verlauf und Dauer unwahrscheinlich. Wachkoma-Patienten bleiben nach wie vor auf Kontakt eingestellt und bedürfen der Einbeziehung in zwischenmenschliche Bezüge, z.B. durch körperliche Zuwendung. Dies gilt auch dann, wenn sich das »Wachkoma« in seinem Verlauf zunehmend als nicht umkehrbar erweist.
   Es gibt, auch unter Christen, zwei sehr unterschiedlich akzentuierte Erfahrungen im Umgang mit Wachkoma- Patienten:
A. Auf der einen Seite stehen eindrucksvolle Beispiele dafür, wie Angehörige und/oder Freunde über viele Jahre eine Person, die sich im so genannten Wachkoma befindet, begleitet und betreut haben. Vor dem Hintergrund einer solchen Erfahrung können Menschen ein lebhaftes Interesse daran haben, im »Raum für ergänzende Verfügungen« mit Nachdruck festzuhalten, dass für den Fall des so genannten Wachkomas im Blick auf die Behandlung nichts anderes gilt als für jeden anderen Patienten. Erst wenn bei Wachkoma-Patienten eine Situation gegeben ist, in der der Tod in absehbarer Zeit eintritt bzw. eine akute Zweiterkrankung hinzukommt, ist eine Änderung des Therapieziels angebracht, so dass an die Stelle von Lebensverlängerung und Lebens- erhaltung Beschwerden lindernde (palliativ-medizinische) und pflegerische Maßnahmen treten Es handelt sich hierbei nicht um eine aktive Herbeiführung des Todes, sondern um ein Zulassen des Todes in dem Sinne, dass dem Tod nichts mehr entgegengesetzt und auf »außergewöhnliche Mittel« verzichtet wird. Eine Basisbetreuung ist selbstverständlich aufrechtzuerhalten.
Sollten Sie dies verfügen wollen, bieten wir Ihnen hier einen Textbaustein, den Sie so in das Feld »Raum für ergänzende Verfügungen« übernehmen können:
    Die unter 1. getroffenen Verfügungen sollen über die dort genannten Situationen hinaus entsprechend auch gelten, wenn infolge einer Gehirnschädigung meine Fähigkeit, Einsichten zu gewinnen und Entscheidungen zu treffen, nach Einschätzung zweier erfahrener Ärzte aller Wahrscheinlichkeit nach unwiederbringlich erloschen ist und eine akute Zweiterkrankung hinzukommt,  an  der ich sterben könnte. Dies gilt für direkte Gehirnschädigung z.B. durch Unfall, Schlaganfall oder Entzündung ebenso wie für indirekte Gehirnschädigung z.B. nach Wieder- belebung, Schock oder Lungenversagen.
B. Auf der anderen Seite steht die Erfahrung, dass in der Begleitung von Wachkoma-Patienten über ein Jahr, ja viele Jahre hinweg die Frage auftaucht, ob es mit dem christlichen Glauben nicht durchaus vereinbar ist, durch Behandlungsbeschränkung und/oder durch die Beendigung künstlicher Ernährung bei Beibehaltung des Stillens von Hunger- und Durstgefühlen das Sterben zuzulassen.
Sollten Sie dies verfügen wollen, bieten wir Ihnen hier einen Textbaustein, den Sie so in das Feld »Raum für ergänzende Verfügungen« übernehmen können:
   Die unter 1. getroffenen Verfügungen sollen über die dort genannten Situationen hinaus entsprechend auch gelten, wenn infolge einer Gehirnschädigung meine Fähigkeit, Einsichten zu gewinnen und Entscheidungen zu treffen, nach Einschätzung zweier erfahrener Ärzte aller Wahrscheinlichkeit nach unwiederbringlich erloschen ist und dieser Zustand seit einem Zeitraum von ……… (z.B. einem Jahr) besteht oder eine akute Zweiterkrankung hinzukommt, an der ich sterben könnte. Dies gilt für direkte Gehirnschädigung z.B. durch Unfall, Schlaganfall oder Entzündung ebenso wie für indirekte Gehirnschädigung z.B. nach Wiederbelebung, Schock oder Lungenversagen.
Die katholische Kirche stellt fest, dass aus ihrer Sicht die erste Alternative dringend angeraten ist.
3.3 Unterschriften unter das Formular der Christlichen Patientenvorsorge

 Wir empfehlen Ihnen, die Christliche Patientenvorsorge in allen Teilen, die Sie ausgefüllt haben, zu unter- schreiben. Für die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung ist es rechtlich notwendig, für die Betreu- ungsverfügung und die Behandlungswünsche aus praktischen Gründen ratsam.

  Darüber hinaus raten wir, auch Ihre Vertrauenspersonen durch ihre Unterschrift bestätigen zu lassen, dass sie bereit sind, als Bevollmächtigte oder als Betreuer für Sie tätig zu werden.
   Wenn Sie Behandlungswünsche oder eine Patientenverfügung verfassen und insbesondere, wenn sie den »Raum für ergänzende Verfügungen« ausfüllen wollen, sollten Sie den Inhalt mit einem Arzt Ihres Vertrauens besprechen und dies durch Unterschrift bestätigen lassen
4. Was ist noch wissenswert?
4.1 Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Wünsche bekannt werden?

 
Notieren Sie bitte auf der Hinweiskarte (Ihres persönlichen Formulars), wo sich Ihre ausgefüllten und unter- schriebenen Formulare der Christlichen Patientenvorsorge befinden, damit umgehend aufgefunden werden können. Lösen Sie die Hinweiskarte von der Rückseite Ihres persönlichen Formulars und nehmen Sie diese zu Ihren Ausweispapieren. Die Hinweiskarte gibt einen Hinweis auf Ihre Patientenvorsorge und gegebenenfalls auf Ihren Bevollmächtigten oder Betreuer. Diese Personen und der behandelnde Arzt setzen sich miteinander in Verbindung und beraten – in Ihrem Sinne – über die zu veranlassenden Maßnahmen.

Bei der Aufnahme ins Krankenhaus empfiehlt es sich,
zu Beginn der Behandlung auf dieChristlichen Patientenvorsorge hinzuweisen.

   Für den Fall, dass Sie einen Bevollmächtigten benannt haben, sollte dieser das Zweitexemplar des Formulars der Christlichen Patientenvorsorge erhalten. Füllen Sie dieses Zweitexemplar entsprechend Ihren Angaben im Formular aus und unterschreiben Sie es. Auch dieses Exemplar ist – im Unterschied zu einer Kopie – wie die Erstschrift eine originale Vollmacht. Möchten Sie Ihre Entscheidung ändern und jemand anderen zum Bevollmächtigten oder Betreuer bestimmen, lassen Sie sich alle Exemplare zurückgeben und vernichten sie diese.
   Darüber hinaus können Sie Kopien des Formulars der Christlichen Patientenvorsorge eventuell Angehörigen(Name, Adresse), einem Arzt Ihres Vertrauens oder dem Betreuungsgericht geben.
   Sie können die Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung gebührenpflichtig bei dem Zentralen Vorsorge- register der Bundesnotarkammer (Bundesnotarkammer, Zentrales Vorsorgeregister, Postfach 080151, 10001 Berlin; www.vorsorgeregister.de registrieren lassen. Sie können auch so verfahren, wenn Sie Ihre Vorsorge- vollmacht und/oder Betreuungsverfügung mit einer Patientenverfügung oder Behandlungswünschen kombiniert haben. Damit stellen Sie sicher, dass das Betreuungsgericht von Ihrer Vorsorgeverfügung erfährt.
   Sofern Sie im Formular die Betreuungsverfügung ausgefüllt haben, können Sie es in manchen Bundesländern beim Betreuungsgericht hinterlegen. In anderen Bundesländern ist es den Gerichten freigestellt, ob sie Betreuungsverfügungen in Verwahrung nehmen. Eine entsprechende Information erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Amtsgericht.
4.2 Was ist zu beachten, wenn man bereits eine Christliche Patientenverfügung ausgefüllt hatte?
  
Sollten Sie bereits das Formular einer Christlichen Patientenverfügungder ersten Auflage von 1999 (grüne Broschüre) oder der zweiten Auflage von 2003 (rote Broschüre) ausgefüllt haben, empfehlen wir Ihnen, es durch das vorliegende Formular der Christlichen Patientenvorsorge zu ersetzen. Denn die Auflagen von 1999 und 2003 entsprechen nicht mehr den neuen gesetzlichen Anforderungen an eine Patientenverfügung. Die alten Formulare bleiben zwar als Ausdruck Ihrer Wünsche für Ärzte, Bevollmächtigte und Betreuer beach- tenswert, geben Ihnen aber im Ernstfall nicht die notwendige Rechtssicherheit.
4.3 Gibt es eine Pflicht, eine Vorsorgeverfügung zu verfassen?

Das neue Gesetz weist ausdrücklich darauf hin, dass keine Pflicht besteht, eine Vorsorgeverfügung zu erstellen. Auch dürfen weder Krankenhausaufnahmen noch Aufnahmen in ein Pflegeheim von dem Vorhandensein einer Vorsorgeverfügung abhängig gemacht werden.

  Auch die bewusste Entscheidung, auf eine Vorsorgeverfügung zu verzichten und sich dem ärztlichen Handeln anzuvertrauen, ist eine ethisch verantwortliche Entscheidung und Ausdruck von Selbstbestimmung. Sie können auch weiterhin darauf vertrauen, dass die Ärzte Sie unter Berücksichtigung Ihrer Lebenssituation nach bestem Wissen und Gewissen behandeln.
4.4 Wie verhalten sich die Christliche Patientenvorsorge und ein Organspendeausweis zueinander?
  
Eine besondere Situation im Zusammenhang mit Behandlungswünschen und Patientenverfügung stellt die gleichzeitige Verfügung über eine Organ oder Gewebespende dar. Organe können nur nach Feststellung des Hirntodes bei aufrecht erhaltenem Kreislauf entnommen werden. Eine Organentnahme ist also nur möglich, wenn intensivmedizinische Maßnahmen beibehalten werden. Dies kann im Widerspruch zu Behandlungswünschen und zur Patientenverfügung stehen.
   Aus diesem Grunde haben wir für den Fall, dass Sie sich für eine Organspende entscheiden oder bereits entschieden haben, eine gesonderte Verfügung in den Formularteil »Behandlungswünsche und Patienten- verfügung« aufgenommen. Sie trägt dieser Situation Rechnung und erlaubt den kurzfristigen Einsatz intensiv- medizinischer Maßnahmen für die Organentnahme.
   Seit 1997 gelten in Deutschland ein Transplantations- und seit 2007 ein Gewebegesetz, die die wesentlichen Vorgänge und Verantwortlichkeiten sowie die Frage der Zustimmung regeln. Ohne ausdrückliche Zustimmung dürfen weder Organe noch Gewebe entnommen werden.
  Wenn Sie sich für eine Organ- und Gewebespende nach Ihrem Tode entscheiden möchten, empfehlen wir Ihnen, einen gesonderten Organspendeausweis auszufüllen und bei Ihren Ausweispapieren mit sich zu tragen. Sie erhalten einen Ausweis und Informationen bei Sozialministerien der Bundesländer, in Apotheken, Stadt- und Gemeindeverwaltungen und Arztpraxen. Weitere Informationen erhalten Sie kostenfrei unter der Telefonnummer(0800) 904 04 00 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA, siehe auch:  www.organspende-info.de) oder bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) > www.dso.de.
   Die Entscheidung für oder gegen eine Organtransplantation können Sie auch Ihrer Vertrauensperson übertragen.
   Die christlichen Kirchen kennen keine moralische Verpflichtung zur Organ- und Gewebespende, sehen in ihr gleichwohl eine Möglichkeit, über den Tod hinaus Nächstenliebe zu praktizieren; sie treten zugleich für eine sorgfältige Prüfung der Organverpflanzung im Einzelfall ein (Näheres siehe in: Gott ist ein Freund des Lebens. Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens, hg. vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland und vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Gütersloh/Trier 1989 u.ö., 102–105; Organtransplantationen. Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gemeinsame Texte 1, Bonn/Hannover 1990).
4.5 Was passiert in einer Notfallsituation?
  
In Notfallsituationen, in denen der Wille des Patienten nicht bekannt ist und auch für die Ermittlung individueller Umstände keine Zeit bleibt, ist die medizinisch angezeigte Behandlung einzuleiten. Bei einer unsicheren Prognose ist zunächst die Therapie angezeigt, die auf die Erhaltung des Lebens gerichtet ist. Hier darf der Arzt davon ausgehen, dass der Patient den ärztlich angezeigten Maßnahmen zustimmen würde.
Im weiteren Verlauf einer Erkrankung sollte der Arzt nach einer Vorsorgeverfügung fragen und sich mit dem Bevollmächtigten oder Betreuer über die weitere Behandlung austauschen.

Entscheidungen, die im Rahmen einer Notfallsituation getroffen wurden, müssen regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie weiterhin medizinisch angezeigt sind und vom Patientenwillen getragen werden.

4.6 Was umfassen Behandlung und Pflege am Lebensende?
  
Wenn sich Patienten im Krankenhaus dem Tod nähern, stellt sich oft die Frage: Welches Ziel soll die weitere Be- handlung des Patienten haben? Sollen Maßnahmen ergriffen werden, das Leben zu erhalten und zu verlängern, oder nur solche, die auf weitere Lebensverlängerung verzichten und ausschließlich die Beschwerden lindern (palliatives Ziel)? Das palliative Therapieziel leitet sich von der so genannten »Palliativ- medizin« (von lat. pallium: der Mantel = ummantelnd, behütend) ab, die von der Diagnosestellung an auf eine umfassende Verbesserung der Lebensqualität – insbesondere auch auf eine kompetente Schmerztherapie und die Linderung anderer Symptome – ausgerichtet ist. Die Behandlung erfolg entweder ambulant oder in einer besonderen Palliativstation eines Krankenhauses. Palliativmedizinische Maßnahmen versuchen, die größtmögliche Linderung der Beschwerden von schwerstkranken Menschen in der letzten Phase ihres Lebens und damit die Verbesserung ihrer Lebensqualität herbeizuführen. Darüber hinaus steht in der Palliativmedizin die intensive Einbeziehung psychologischer, sozialer und spiritueller Aspekte der Krankheitsverarbeitung bei Patienten und ihren Angehörigen im Vordergrund. Deshalb ist es hilfreich, sich bei der Diagnose einer schweren Krankheit bereits im Vorfeld über die Möglichkeit palliativer Versorgung und Begleitung zu informieren; zum Beispiel über den »Wegweiser Hospiz und Palliativmedizin in Deutschland« (www.wegweiser-hospizund-palliativmedizin.de).
   Auch die in der Hospizbewegung engagierten Menschen möchten schwerstkranke und sterbende Menschen mit ihren Angehörigen so begleiten, dass – neben der medizinischen Betreuung – auch weiteren körperlichen, psychologischen, sozialen und seelischen sowie spirituellen Bedürfnissen angemessen Rechnung getragen wird. Die Hilfe kann ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen. Ambulant unterstützen ehrenamtliche Helfer die Sterbenden und ihre Angehörigen in ihrer gewohnten Umgebung, wirken der Gefahr sozialer Isolierung entgegen und entlasten die pflegenden Angehörigen und Freunde. Stationäre Hospize sind dort wichtig, wo schwerstkranke und sterbende Menschen ambulant nicht mehr versorgt werden können, sie aber auch keiner Krankenhausbehandlung etwa auf einer Palliativstation bedürfen. Weitere Informationen erhalten Sie bei den diözesanen Caritasverbänden www.caritas.de, den Diakonischen Werken der Landeskirchen www.diakonie.de oder bei dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband www.hospiz.net.
4.7 Wann und wie sind künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr geboten?
   Auch wenn Sie verfügen, dass Sie im Sterben keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr wünschen, wird grundsätzlich eine so genannte »Basisbetreuung« durchgeführt, zu der auch das Stillen von Hunger- und Durst- gefühlen auf natürlichem Wege gehört.
   Die künstliche Ernährung über eine Magensonde durch den Mund, die Nase oder die Bauchdecke (mit einer so genannten PEG-Sonde) oder intravenöse Flüssigkeitszufuhr am Lebensende gelten juristisch und in der medizinischen Wissenschaft und Praxis als therapeutische Maßnahme, in die Patienten einwilligen müssen. Ungeachtet der rechtlichen Möglichkeiten, lebensverlängernde Maßnahmen wie z.B. die Zuführung von Nahrung und Flüssigkeit abzulehnen, bleibt ihre Bereithaltung in dem Maße ethisch geboten, wie sie sich als medizinisch angezeigt und wirksam erweisen, um das Leben zu erhalten oder die Gesundheit wiederherzustellen. Die konkreten Entscheidungen über Anwendung oder Nichtanwendung bestimmter Maßnahmen müssen so getroffen werden, dass sie in der Perspektive des Ziels,  nämlich des menschenwürdigen Sterbens, erwogen und gewichtet werden. Eine Vorsorgeverfügung kann sich daher sinnvollerweise nicht auf isolierte Entscheidungen über den Einsatz oder Nichteinsatz bestimmter Maßnahmen beziehen, sondern nur auf den Zusammenhang von Maßnahmen und Zielen.
   Informieren Sie sich bei dem Arzt Ihres Vertrauens oder einer Person aus dem Pflegebereich und besprechen Sie die Problematik mit Ihren Angehörigen. Ihre Wünsche, auch im Blick auf zeitliche Begrenzungen, können Sie im Formular im Feld »Raum für ergänzende Verfügungen« äußern.
4.8 Gibt es einen Anspruch auf seelsorgerlichen Beistand?
   In Deutschland gewährleistet das Grundgesetz den Patienten in öffentlichen Krankenhäusern das Recht auf seelsorgerliche Betreuung. Der kranke Mensch kann den Beistand eines dafür häufig besonders ausgebildeten Seelsorgers erbitten. Dieser Beistand beinhaltet Gespräch, Gebet, Zuspruch und das Angebot der Nähe Gottes im Abendmahl bzw. in den Sakramenten der Buße, Eucharistie und Krankensalbung. Die Erfahrungen zeigen, dass seelsorgerlicher Beistand für viele Kranke eine große Hilfe darstellt, die schwere Lebenssituation besser zu bestehen. Daher empfehlen die Kirchen, dieses Angebot zu nutzen.

Impressum
Herausgegeben vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland,
Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, www.ekd.de
und vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstraße 161, 53113 Bonn, www.dbk.de
  Die Publikation wird bei der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutsch- land als Nr. 20 in der Reihe »Gemeinsame Texte« geführt. Stand: 15. Januar 2011
   Hier finden Sie die beiden Formulare der Christlichen Patientenvorsorge zum Ausdrucken: Ein Formular ist für Ihre persönlichen Unterlagen, das andere ist das Zweitexemplar für Ihre Vertrauensperson. Füllen Sie in Ihrem persönlichen Exemplar die Formularteile mit Kugelschreiber aus, die für Sie künftig gelten sollen. Bitte vergessen Sie nicht Ihre Unterschrift. Für den Fall, dass Sie eine Vertrauensperson benannt haben, füllen Sie auch das Zweitexemplar wie Ihr persönliches Formular aus.
   Unterschreiben Sie auch dieses und geben Sie es Ihrer Vertrauensperson zur Aufbewahrung. Sie können beide Formulare zusätzlich auch von Ihrer Vertrauensperson unterschreiben lassen. Dies ist jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben.
   Unten auf dieser Seite finden Sie eine Hinweiskarte auf die Christliche Patientenvorsorge zum Ausdrucken. Bitte füllen Sie auch diese Hinweiskarte entsprechend aus und nehmen Sie sie zu Ihren Ausweispapieren.

Christliche Patientenvorsorge
durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche und Patientenverfügung

tn_Patientenverfügung1_psd

Hier bringen wir für Sie die beiden Formulare der christlichen Patientenvorsorge zum Ausdrucken:
   Ein Formular ist für Ihre persönlichen Unterlagen, das andere ist das Zweitexemplar für Ihre Vertrauensperson.
Füllen Sie in Ihrem persönlichen Exemplar die Formularteile mit Kugelschreiber aus, die für Sie künftig gelten sollen. Bitte vergessen Sie nicht Ihre Unterschrift. Für den Fall, dass Sie eine Vertrauensperson benannt haben, füllen Sie auch das Zweitexemplar wie Ihr persönliches Formular aus. Unterschreiben Sie auch dieses und geben Sie es Ihrer Vertrauensperson zur Aufbewahrung.
   Sie können beide Formulare zusätzlich auch von Ihrer Vertrauensperson unterschreiben lassen. Dies ist jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben.
   Unten auf dieser Seite finden Sie eine Hinweiskarte auf die christliche patientenvorsorge zum Ausdrucken. Bitte füllen Sie auch diese Hinweiskarte entsprechend aus und nehmen Sie sie zu Ihren Ausweispapieren.

Formular der Christlichen Patientenvorsorge


____________________________________________________________________________
Vorname                                                      Nachname                                                        Geburtsdatum

______________________________________________________________________________________
Straße, Hausnummer                                        PLZ, Wohnort                                               Telefon / Mobil

Teil A: Benennung einer Vertrauensperson

I. Vorsorgevollmacht in Gesundheits- und Aufenthaltsangelegenheiten

Ich erteile hiermit als Person/Personen meines besonderen Vertrauens


Name: __________________________________________________________________

Geburtstdatum:___________________________________________________________

Straße und Hausnummer: ___________________________________________________

PLZ, Wohnort:____________________________________________________________

Telefon/Mobil:____________________________________________________________



Name: __________________________________________________________________

Geburtstdatum:___________________________________________________________

Straße und Hausnummer: ___________________________________________________
 
PLZ, Wohnort:____________________________________________________________

Telefon/Mobil:____________________________________________________________


und bei Verhinderung der oben genannten Personen


Name: __________________________________________________________________

Geburtstdatum:___________________________________________________________

Straße und Hausnummer: ___________________________________________________

PLZ, Wohnort:____________________________________________________________

Telefon/Mobil:____________________________________________________________



Einzelvollmacht, mich in den nachfolgenden Angelegenheiten zu vertreten.


Die oben stehend genannten Personen dürfen mich in allen Angelegenheiten der Gesundheitssorge und einer ambulanten oder (teil-)stationären Pflege einschließlich der damit verbundenen vermögensrechtlichen Angelegenheiten vertreten.
   Sie dürfen in sämtliche Maßnahmen zur Untersuchung des Gesundheitszustandes, in Heilbehandlungen und in ärztliche Eingriffe einwilligen, auch wenn diese mit Lebensgefahr verbunden sein könnten oder ich einen schweren oder länger dauernden gesundheitlichen Schaden er erleiden könnte (§ 1904 Abs. 1 BGB).
   Sie dürfen ihre Einwilligung in jegliche Maßnahmen zur Untersuchung des Gesundheitszustands, in Heil- behandlungen und ärztliche Eingriffe verweigern oder widerrufen, auch wenn die Nichtvornahme der Maßnahme für mich mit Lebensgefahr verbunden sein könnte oder ich dadurch einen schweren oder länger dauernden gesundheitlichen Schaden erleiden könnte (§ 1904 Abs. 2 BGB). Sie dürfen somit auch die Einwilligung zum Unterlassen oder Beenden lebensverlängernder Maßnahmen erteilen.
Sie dürfen Krankenunterlagen einsehen und deren Herausgabe an Dritte bewilligen. Ich entbinde alle behandelnden Ärzte und nichtärztliches Personal gegenüber den bevollmächtigten Personen von ihrer Schweigepflicht.
Die nebenstehend genannten Personen können meinen Aufenthalt bestimmen. Sie können über die Unterbringung mit freiheitsentziehender Wirkung (§ 1906 Abs. 1 BGB)  und über freiheitsentziehende Maßnahmen (z. B. Bettgitter, Medikamente und Ähnliches) in einem Heim oder in einer sonstigen Einrichtung (§ 1906 Abs. 4 BGB) entscheiden, solange dergleichen zu meinem Wohl erforderlich ist.

II. Betreuungsverfügung
  
Hiermit verfüge ich - gegebenenfalls in Ergänzung zur vorangehenden Vollmachtserklärung - für den Fall, dass eine Betreuungsperson als gesetzlicher Vertreter bestellt werden muss, folgende Person einzusetzen:


Name:__________________________________________________________________

Geburtsdatum:___________________________________________________________

Straße, Hausnummer:______________________________________________________

PLZ. Wohnort:____________________________________________________________

Telefon / Mobil: __________________________________________________________


und bei Verhinderung der erstgenannten Person


Name:__________________________________________________________________

Geburtsdatum:___________________________________________________________

Straße, Hausnummer:______________________________________________________

PLZ. Wohnort:____________________________________________________________

Telefon / Mobil: __________________________________________________________


auf keinen Fall soll zum Betreuer oder zur Betreuerin bestellt werden:


Name:__________________________________________________________________

Geburtsdatum:___________________________________________________________

Straße, Hausnummer:______________________________________________________

PLZ. Wohnort:____________________________________________________________

Telefon / Mobil: __________________________________________________________

2. Ich besitze einen Organspendeausweis und habe darin meine Bereitschaft zur Spende meiner Organe und Gewebe erklärt:
[   ]  Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des Hirntodes bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige (Stunden bis höchstens wenige Tage umfassende) Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntodes nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.

3. Ich möchte Beistand durch
[   ]      folgende Person (z. B. der Kirche):

 Name:__________________________________________________________________

Straße, Hausnummer:______________________________________________________

PLZ. Wohnort:____________________________________________________________

Telefon / Mobil: ___________________________________________________________

[   ] einen Hospiz-/Palliativdienst


4. Raum für ergänzende Verfügungen:










Für weitere Erläuterungen bitte gesondertes Blatt beilegen und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen.

III. Unterschriften

1. Unterschrift des Verfassers/der Verfasserin (notwendig)



__________________________________________________________________________
Ort, Datum                                                            Unterschrift


2. Zur Festlegung meines hier geäußerten Willens habe ich mich beraten lassen von(freiwillig)


____________________________________________________________________________________
Vorname                                                            Nachname                                   Geburtsdatum

____________________________________________________________________________________
Straße, Hausnummer                                         PLZ, Wohnort                               Telefon / Mobil

____________________________________________________________________________________
Beruf

Bitte bedenken Sie:
Ihre Einstellungen und Situation können sich ändern. Sie können Ihre christliche Patientenvorsorge jederzeit ändern oder insgesamt widerrufen(Näheres siehe Abschnitt 3.2.3) Bitte überprüfen Sie daher in regelmäßigen Abständen die Festlegungen in Ihrer christlichen Patientenvorsorge.

Teil B: Bestimmungen für meine medizinische Behandlung

I. Behandlungswünsche und Patientenverfügung
  
Für den Fall, dass ich meinen Willen nicht mehr bilden oder äußern kann und ich mich entweder aller Wahrscheinlichkeit nach unabwendbar im unmittelbaren Sterbeprozess oder im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit befinde, verfüge ich durch Ankreuzen Folgendes:

[  ] Ärztliche Begleitung und Behandlung sowie sorgsame Pflege sollen in diesen Fällen auf die Linderung von Beschwerden, wie z. B. Schmerzen, Unruhe, Angst, Atemnot oder Übelkeit, gerichtet sein, selbst wenn durch die notwendigen Maßnahmen eine Lebensverkürzung nicht auszuschließen ist.

[  ] Es soll keine künstliche Ernährung durch ärztliche Eingriffe (z. B. weder über eine Sonde durch Mund, Nase oder Bauchdecke, noch über die Venen) erfolgen. Hunger soll auf natürliche Weise gestillt werden, gegebenenfalls mit Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

[  ] Künstliche Flüssigkeitszufuhr soll nach ärztlichem Ermessen reduziert werden. Durstgefühl soll auf natürliche Weise gestillt werden, gegebenenfalls mit Hilfe bei der Flüssigkeitsaufnahme und Befeuchtung der Mundschleimhäute.

[  ]  Wiederbelebungsmaßnahmen sollen unterlassen werden.

[ ] Auf künstliche Beatmung soll verzichtet werden, aber Medikamente zur Linderung der Atemnot sollen verabreicht werden. Die Möglichkeit einer Bewusstseinsdämpfung oder einer ungewollten Verkürzung meiner Lebenszeit durch diese Medikamente nehme ich in Kauf.

[  ] Es soll keine Dialyse durchgeführt werden bzw. eine schon eingeleitete Dialyse soll eingestellt werden.

[  ] Es sollen keine Antibiotika mehr verabreicht werden.

[  ] Auf die Gabe von Blut oder Blutbestandteilen soll verzichtet werden.

[  ]   Diagnostische Maßnahmen oder eine Einweisung in ein Krankenhaus sollen nur dann erfolgen, wenn sie einer besseren Beschwerdelinderung dienen und ambulant zu Hause nicht durchgeführt werden können.

[  ]Wenn möglich, möchte ich zu Hause bleiben können und hier die notwendige Pflege erhalten.

[  ]Wenn ich nicht zu Hause bleiben kann, möchte ich in folgende/s Krankenhaus / Hospiz / Pflegeeinrichtung eingeliefert werden:

_____________________________________________________________________________________

_____________________________________________________________________________________

2. Ich besitze einen Organspendeausweis und habe darin meine Bereitschaft zur Spende meiner Organe und Gewebe erklärt:

[  ] Es ist mir bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des Hirntodes bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise für den Fall, dass bei mir eine Organspende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige (Stunden bis höchstens wenige Tage umfassende) Durchfuhrung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntodes nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und zur anschließenden Entnahme der Organe.

Ich möchte Beistand durch

[  ] folgende Person (z. B. der Kirche):

 Name:__________________________________________________________________

 Straße, Hausnummer:______________________________________________________

 PLZ. Wohnort:____________________________________________________________

 Telefon / Mobil: ___________________________________________________________


[   ] einen Hospiz-/Palliativdienst

4. Raum für ergänzende Verfügungen:











Für weitere Erläuterungen bitte gesondertes Blatt beilegen und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen
II. Unterschriften

2. Unterschrift des Verfassers/der Verfasserin
(notwendig)


____________________________________________________________________________________
Ort, Datum                                                            Unterschrift


2. Zur Festlegung meines hier geäußerten Willens habe ich mich beraten lassen von(freiwillig)


____________________________________________________________________________________
Vorname                                                               Nachname                                               Geburtstdatum

____________________________________________________________________________________
Straße, Hausnummer                                           PLZ, Wohnort                                           Telefon / Mobil

____________________________________________________________________________________
Beruf


Bitte bedenken Sie:
Ihre Einstellungen und Situation können sich ändern. Sie können Ihre christliche Patientenvorsorge jederzeit ändern oder insgesamt widerrufen (Näheres siehe Abschnitt3-2.3). Bitte überprüfen Sie daher in regelmäßigen Abständen die Festlegungen in Ihrer christlichen Patientenvorsorge.

Hinweiskarte auf die Christliche Patientenvorsorge
Bitte, füllen Sie die Hinweiskarte aus und nehmen Sie diese zu Ihren Ausweispapieren.

KK-Christl.Patientenvorsorge-Z  KK-Christl.Patientenvorsorge-Z

 

cdKarlLehmann-x tn_Patientenverfügung1_psd

Vorwort zur 2. Auflage
    Seit ihrer Veröffentlichung erfreut sich die „Handreichung zur Christlichen Patientenverfügung” einer großen Nachfrage, die bis heute anhält. Viele Menschen haben sie angefordert und uns ihre Einschätzungen mitgeteilt. Die Handreichung hat dazu beigetragen, über das Sterben und über eigene Vorstellungen im Umgang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung ins Gespräch zu kommen. Sie hat geholfen, den Kommunikationsprozess zwischen der Ärzteschaft, den Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen über die Chancen von Patientenverfügungen zu intensivieren.
    Der medizinische Fortschritt hat in den letzten Jahrzehnten zu einer schwierigen Situation geführt. Einerseits können mit Hilfe moderner medizinischer Möglichkeiten Krankheiten geheilt werden, die noch vor wenigen Jahren als unheilbar galten - andererseits kann der Einsatz aller medizinisch-technischen Mittel der Intensivmedizin auch die unerwünschte Folge haben,  das Leiden und Sterben  von Menschen lediglich zu verlängern. Um ein würde- volles Leben bis zuletzt zu ermöglichen, kann sowohl die Anwendung als auch der Verzicht auf die Anwendung intensiver Medizin gefordert sein. Eine letzte Entscheidung muss aus der konkreten Lage des sterbenden Menschen heraus und von seinen Wünschen und Bedürfnissen her getroffen werden.
    Die Diskussion über Sterbehilfe und Sterbebegleitung ist in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas inzwischen intensiv weitergeführt worden. Die Legalisierung aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien, durch die eine Tötung schwerstkranker und sterbender Menschen unter bestimmten Bedingungen möglich wird, gibt Anlass zu ernster Besorgnis.
   Seit Ende der 70er Jahre gewinnt auch in Deutschland die Patientenverfügung immer mehr an Bedeutung. Eine Patientenverfügung dokumentiert den Willen eines Menschen für den Fall, dass er sich nicht mehr äußern und sein Selbstbestimmungsrecht in Gesundheitsangelegenheiten nicht mehr wirksam ausüben kann. Mittlerweile ist eine große Anzahl verschiedener, auch christlich ausgerichteter Formulare im Umlauf, die sich in Form, Inhalt und Ausführlichkeit erheblich unterscheiden. Die Kirche hat mit der von ihr herausgegebenen Christlichen Patienten- verfügung der vielfältig geäußerten Bitte Rechnung getragen, eine Patientenverfügung zu entwickeln, die sich in besonderer Weise dem christlichen Glauben verpflichtet weiß.
   „Christliche Patientenverfügung” bedeutet nicht, dass sie nur von Christen benutzt werden kann, wohl aber, dass sie christliches Gedankengut zum Thema Sterbebegleitung enthält, so beispielsweise eine deutliche Ablehnung aktiver Sterbehilfe. Christliche Hoffnung für das Leben gründet sich auf die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Der christliche Glaube schenkt uns die Gewissheit, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Als Christen bezeugen wir, was in der Heiligen Schrift gesagt ist: „Gott wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.” Offb 21,3-5 Die Zuversicht auf die Gegenwart Jesu Christi gibt Menschen den Mut, auch in den schwierigsten Situationen ihres Lebens Zeichen des kommenden Reiches Gottes wahrzunehmen und weiterzugeben. So finden sie die Kraft, Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens, dem Sterben, zu begleiten. Solches Begleiten macht die in unserem Leben verborgene, aber dennoch wirksame Kraft des Heiligen Geistes erfahrbar und zeigt: Auch im Sterben sind wir von Jesus Christus und seiner Gnade umfangen.
   Innerhalb der letzten vier Jahre hat es eine Reihe von Entwicklungen gegeben, die uns veranlasst haben, die Handreichung zu überprüfen und unter Einbeziehung von medizinischem, juristischem und theologisch- ethischem Sachverstand sowie praktischer Erfahrungen mit der 2. Auflage eine überarbeitete Fassung zu erstellen. Hierbei war zu berücksichtigen, dass es keine bindenden Vorgaben über die in einer Patienten- verfügung zu regelnden Inhalte gibt, da der Gesetzgeber bislang keine zivilrechtlichen Regelungen über Patientenverfügungen verabschiedet hat. Auch wird das seit dem 01. 01. 1999 geltende Betreuungsrecht unterschiedlich interpretiert und ausgelegt.
   Entsprechend offen ist die Gestaltungsmöglichkeit von Patientenverfügungen. Eine Expertenanhörung hat uns verdeutlicht, dass Handreichung und Formular in der alten Fassung rechtlich korrekt  sind und auch weiterhin ihren Zweck erfüllen, sie aber durch Ergänzungen und Veränderungen verbessert werden können.
    In die neue Fassung der Handreichung ist ein kombiniertes Formular aus Patientenverfügung, Vorsorge- vollmacht und Betreuungsverfügung eingebettet. Das Formular wurde um Formulierungen des geltenden Rechts und Ergänzungsmöglichkeiten erweitert, die Erläuterungen wurden entsprechend angepasst und um einige Stichworte ergänzt. Auf diese Weise kann die Christliche Patientenverfügung ihrem Selbstverständnis als Hilfe zum Gespräch in schwierigen Krankheitssituationen noch besser gerecht werden.
   Wenn Sie bereits eine Christliche Patientenverfügung ausgestellt haben, empfehlen wir Ihnen, bei der ohnehin anstehenden regelmäßigen Erneuerung das neue Formular heranzuziehen.
Karl Kardinal Lehmann
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz 

ProfWolfangDauch      Prof. Wolgang A. Dauch

Professor Wolfgang Dauch: “Angaben von Patienten sind häufig zu ungenau”
Leiter des Zentrums für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte am Klinikum Eilbek.

   Viele Ärzte werden im Rahmen ihrer Arbeit mit Patientenverfügungen konfrontiert. Professor Wolfgang Dauch leitet das Zentrum für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte am Klinikum Eilbek. Viele seiner Patienten befinden sich im Wachkoma oder in vergleichbaren Zuständen. „Wir sehen in Patienten-Verfügungen häufig Formulierungen, mit denen wir wenig anfangen können, weil sie zu ungenau sind”, berichtet Dauch. Als Arzt könne man die Patientenverfügung aber nur umsetzen, wenn die beschriebene Situation mit der übereinstimme, in der sich der Patient befinde. „Auch die Maßnahmen, die unterbleiben sollen, sollten möglichst genau beschrieben werden”, betont er. Dafür sei eine individuelle medizinische Beratung seiner Meinung nach unerlässlich.
   Als weiteres Problem erweist sich laut Dauch immer wieder die Frage der Gültigkeit - vor allem, ob es nicht einen Widerruf gibt ist oder Änderungen vorgenommen wurden. Im Zuge einer gesetzlichen Regelung hält er es deshalb für wichtig, Angehörige zu verpflichten, Informationen umgehend an die Ärzte weiterzugeben: „Es kommt immer wieder vor, dass wir erst nach Wochen der Behandlung von Patientenverfügungen erfahren.”
   Eine gesetzliche Regelung hält er deshalb für sinnvoll, weil sich aufgrund der öffentlichen Diskussion viel Unsicherheit verbreitet hat. „Derzeit bleiben viele Kollegen lieber passiv, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen”, sägt er. Und man dürfe nicht vergessen: „Patienten, die bei Bewusstsein sind, können ihre Behandlungswünsche artikulieren. Diese Selbstbestimmung sollte auch dann uneingeschränkt gelten, wenn sie das Bewusstsein verloren haben - aber vorher ihre Vorstellungen formuliert haben.”
   Dauch plädiert dafür, die Anwendbarkeit der Verfügungen nicht auf den unumkehrbar tödlichen Verlauf ein- zuschränken. „Wenn Menschen wünschen, eine Verfügung auch für andere definierte Situationen zu treffen, in denen sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind, sollte ihnen dies möglich sein.” mküHA070208

Experten raten zu Vorsorgevollmacht

   Anlässlich des am 01. September 2009 in Kraft getretenen Patientenverfügungsgesetzes haben mehrere Organisationen die Bürger aufgerufen, zusätzlich zur Patientenverfügung eine Vorsorgevollmacht abzufassen und darin einen Bevollmächtigten zu benennen. Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz-Stiftung Eugen Brysch betonte: „Jede Patientenverfügung ist nach Rechtslage nichts anderes als ein Himmelfahrts- kommando, wenn nicht gleichzeitig ein Bevollmächtigter benannt wird."
   Auch der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) nannte eine zusätzliche Vorsorgevollmacht „wichtig". Der DHPV wies daraufhin, dass durch das neue Gesetz auch Ehepartner oder andere Familienangehörige nicht automatisch befugt seien, für den Betroffenen zu entscheiden.
  In einer Patientenverfügung können Menschen, für den Fall, dass sie sich einmal nicht mehr äußern können, vorsorglich festlegen, welche Untersuchungen, Heilbehandlungen oder Eingriffe sie wünschen oder ablehnen. Gemäß dem ab heute geltenden Patientenverfügungsgesetz müssen Ärzte dann den Willen des Patienten berücksichtigen - und zwar unabhängig davon, ob die Erkrankung des Patienten lebensbedrohlich ist oder nicht. DTdpa090901kna
Verfügung regelmäßig aktualisieren
   Verbraucher, die vorsorglich Regelungen für den Fall einer medizinischen Notfallbehandlung treffen wollen, sollten diese in einer Patientenverfügung festlegen. Dafür müsse keine bestimmte Form beachtet werden, wichtig sei nur die Unterschrift, berichtet die Stiftung Warentest. Eine notarielle Beglaubigung sei unnötig. Es empfehle sich aber, den Text regelmäßig zu aktualisieren und jährlich zu bestätigen, am besten mit Datum und Unterschrift. NOZap080313
Tipps im Internet:  www.baek.de     www.bmj.bund.de     www.katholische-kirche.de

Tipps für die Patientenverfügung

   Eine Patientenverfügung sollte immer individuell verfasst werden, damit sie den Willen des Verfassers möglichst eindeutig zum Ausdruck bringt. Allerdings helfen Kirche, Ärzte- und Notarkammern sowie Patienten- organisationen .
   Vor dem Abfassen sollten sich Betroffene ärztlichen oder juristischen Rat holen. Pauschale Angaben wie „Ich schließe grundsätzlich künstliche Beatmung aus” könnten dazu führen, dass lebensrettende oder leidensmindernde Maßnahmen unterbleiben. Hilfreich ist es laut Bundesjustizministerium, wenn eine Patien- tenverfügung die Wertvorstellungen des Verfassers enthält. Dies erleichtere Ärzten die Auslegung in unklaren Situationen. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht nötig. Die Patientenverfügung sollte schriftlich niedergelegt und unterschrieben sowie regelmäßig aktualisiert werden. 
dpaHA070330

Hinweise zur Patientenverfügung - Was beim Letzten Willen wichtig ist

   Viele Menschen wollen das nicht: eine endlose, quälende medizinische Behandlung am Lebensende und einsam an Schläuchen hängend auf den Tod warten. Doch oft kann ein Schwerkranker nicht mehr selbst entscheiden oder sich äußern. Dafür gibt es die Patientenverfügung.
   Darin kann jemand vorab seinen Letzten Willen äußern und mitteilen, was er wünscht oder ablehnt: zum Beispiel, dass Apparate abgeschaltet werden sollen, die das ' Leben verlängern. Oder in welchem Maße Schmerz- mittel gegeben werden sollen, auch wenn sie zu einer Verkürzung des Lebens führen können. Oder dass die künstliche Ernährung per Magensonde aufhören soll. Oder er wünscht, dass er zu Hause, in seiner vertrauten Umgebung, sterben kann. Wenn solche Wünsche frühzeitig und noch im gesunden Zustand formuliert werden, erleichtern sie auch den Angehörigen die Entscheidung.
Für den Arzt verbindlich
  
Nach intensiven Diskussionen in der Politik ist die Patientenverfügung seit September 2009 gesetzlich verankert, im Bürgerlichen Gesetzbuch, Paragraf 1901a. Es handelt sich um eine Erklärung, die sich an die Ärztin oder den Arzt und das Behandlungsteam richtet und die rechtlich verbindlich ist.
   Formulare und Erläuterungen sind zum Beispiel beim Bundesjustizministerium und der Ärztekammer Niedersachsen erhältlich oder lassen sich von deren Internetseiten herunterladen. Informationen und Vordrucke zur christlichen Patientenvorsorge gibt es auch bei der Deutschen Bischofskonferenz.
Bevor jemand ein Formular ausfüllt, empfiehlt es sich, dass er intensiv über Krankheit, Leiden und Tod nachdenkt - auch wenn das nicht leicht fällt.
Wichtig ist, die folgenden Punkte zu beachten:
Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst und mit Namen und Datum unterschrieben sein.
  
Die Patientenverfügung muss im Ernstfall gut zu finden sein. Eine Karte im Portemonnaie kann Hinweise geben. Möglich ist auch, eine Kopie beim Hausarzt zu hinterlegen, auf der steht, wo das Original aufbewahrt wird.
  
Es ist sehr hilfreich, den Hausarzt in die Überlegungen einzubeziehen, denn einem Laien fehlen medizinische Spezialkenntnisse,  etwa zur künstlichen Ernährung. Der Arzt kennt die Fachausdrücke und weiß, welche Behand- lung machbar und sinnvoll ist.
   Die Formulierungen müssen so eindeutig und detailliert wie möglich sein. Problematisch sind schwammige, zu allgemeine Formulierungen wie „Im Fernsehen habe ich gesehen". Vermeiden sollte man Begriffe wie „unwürdiges Dahinvegetieren". Sie machen die Patientenverfügung wertlos. Ein Formular nur zum Ankreuzen nützt nichts, weil es nicht auf die besonderen Wünsche eingeht.
  
Das Justizministerium empfiehlt, auch persönliche Wertvorsteilungen und religiöse Einstellungen zu notieren, damit sich Ärzte eine Vorstellung machen können.
  
Eine künstliche Ernährung oder Beatmung sollte nie pauschal abgelehnt werden - im Ernstfall kann sie Leben retten.
  
Die Patientenverfügung kann widerrufen werden und lässt sich nachträglich jederzeit ändern. Es wird empfohlen, sie alle ein bis zwei Jahre zu erneuern, auch weil sich die Medizintechnik ständig weiterentwickelt und sich die Heilungschancen verbessern.
   Anordnungen, die gegen geltendes Recht verstoßen, muss der Arzt nicht beachten. Dazu gehört etwa die Tötung auf Verlangen. 
NOZ130221ChristofHaverkamp

Wenn die Enkel auch weiterhin Geschenke kriegen sollen

   Mit der Betreuungsverfügung lassen sich selbst kleinste Details regeln - Wünsche und Gewohnheiten für den Ernstfall absichern   Ist man nicht mehr in der Lage, eigenständig zu handeln, kann eine Vorsorgevollmacht einen Betreuer in einer Vielzahl von Angelegenheiten bevollmächtigen - etwa in Fragen zur Gesundheitssorge und zum Vermögen. Die Betreuungsverfügung ist bei Weitem nicht so umfassend - obgleich sich mit ihr kleinste Details regeln lassen.

Wahl des Betreuers:
   Das Dokument regelt, wer im Betreuungsfall die persönlichen Angelegenheiten regeln soll. Zugleich kann sie Personen von dieser Aufgabe ausschließen. Aber: Erst das Betreuungsgericht bestellt den oder die in der Verfügung genannten Betreuer mit der entsprechenden Vertretungsmacht. Dabei hat es die Wünsche des Verfassers zu berücksichtigen. Sofern möglich, muss der Richter den Patienten anhören.
   Liegt keine Verfügung vor, bestimmt das Gericht in der Regel einen Fremden - einen Berufsbetreuer. „Rund 70 Prozent aller Betreuungen werden ehrenamtlich geführt, davon wiederum sind etwa 85 Prozent Familienangehörige des Betreuten", sagt Andreas Brandt, Sprecher der Bundesnotarkammer:
Was die Verfügung regelt:
  
Die Betreuungsverfügung sichert im Ernstfall persönliche Wünsche und Gewohnheiten des volljährigen Patienten. Sie regelt etwa die Wahl des Wohnsitzes, ob man zu Hause oder in einem bestimmten Pflegeheim untergebracht werden möchte.
   Auch Fragen zum Vermögen kann die Verfügung klären. Soll es aufgebraucht werden, um den Lebensstandard zu sichern? Sollen die Enkel an Weihnachten weiter beschenkt werden? Vermögen, das nicht für die Sicherung des Lebensunterhalts des Mündels (der unmündigen Person) benötigt wird, muss der Betreuer verzinslich und mündelsicher anlegen.
   Die Befugnisse des Betreuers bezüglich des Vermögens sind allerdings beschränkt.
 „Umfangreiche Geschäfte bedürfen der gerichtlichen Genehmigung", sagt Brandt. So darf der Betreuer nicht etwa eigenmächtig das Haus verkaufen. Das Betreuungsgericht kann den Verkauf aber genehmigen, „wenn der Betreuer Geld benötigt, um die Pflege zu bezahlen", sagt Brandt. Das Dokument kann auch banale Aspekte der Lebensgestaltung definieren, die ein Stück Lebensqualität bedeuten können - etwa das Anschauen der Lieblingsserie im Fernsehen oder den wöchentlichen Besuch des Lieblingscafes samt Sahnetorte und Kaffee.
Verfassen und Form:
  
Die Betreuungsverfügung bedarf keiner Form, sollte aber schriftlich samt Ort, Datum und Unterschrift festgehalten werden. Die Arbeitsgemeinschaft Finanzen empfiehlt, das Schriftstück etwa alle zwei Jahre zu bestätigen.
  Anders als bei der Patientenverfügung ist zum Zeitpunkt des Verfassens der Verfügung keine Geschäftsfähigkeit notwendig. Ein Arzt kann aber bescheinigen, dass das Dokument im Vollbesitz der geistigen Kräfte verfasst wurde. Rechtlichen Schutz bietet ferner eine notarielle Beurkundung. Sie kostet in der Regel zwischen 80 und 200 Euro. So können spätere Zweifel an der Glaubwürdigkeit an der Verfügung ausgeräumt werden.
Verwahrung:
   Die Betreuungsverfügung ist zwecklos, wenn sie nicht gefunden wird. Abhilfe leisten das Zentralregister der Bundesnotarkammer (einmalig 15,50 Euro), das Zentralarchiv des Roten Kreuzes (einmalig 60 Euro) sowie die Deutsche Verfügungszentrale (einmalig zehn Euro sowie 8,50 Euro pro Quartal). Sie archivieren Verfügungen im Original oder speichern den Aufbewahrungsort. Richter können diese Informationen abrufen.
Verfügungsvorlagen und eine info-Broschüre
   bietet das Bundesjustizministerium im Internet zum Herunterladen auf www.bmj.de an. NOZ130220JörgSanders

Vertrauenssache Bankvollmacht
Vorsorge bei der Kontoführung - „Je genauer der Text, desto besser für den Ernstfall“

   Ein Unfall, eine unerwartet schwere Krankheit, ein langer Auslandsaufenthalt: Es gibt viele Gründe, weshalb Kontoinhaber ihre Geldgeschäfte manchmal nicht selbst erledigen können. In solchen Fällen kann eine Banken- vollmacht sehr hilfreich sein.
   Mit ihr lässt sich auch bei altersbedingter Demenz oder in Todesfällen Finanzproblemen vorbeugen: Der Kontobevollmächtigte erhält das Recht, alte Rechnungen zu begleichen oder die Beerdigung aus dem Vermögen des Verstorbenen zu bezahlen. „Eine Bankvollmacht ist vor allem Vertrauenssache", sagt Erk Schaarschmidt, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Kontoinhaber sollten sich daher stets genau überlegen, wem sie Zugangsrechte gewähren.
   Im Regelfall sind das Ehepartner, eigene Kinder oder beste Freunde. Möglich ist aber auch, einen Bankangestellten zu bevollmächtigen. „Ratsam ist in jedem Fall, die Zugriffsrechte auf das Konto möglichst genau zu formulieren", sagt Schaarschmidt. So lässt sich Missbrauch effektiv vorbeugen.
   Viele Banken bieten für Kontovollmachten vorgedruckte Formulare an. Es sei sinnvoll, sie zu nutzen, sagt Schaarschmidt - manche Geldhäuser bestehen sogar darauf, weil sie sich selbst juristisch gegen mögliche Risiken absichern wollen.
   Allerdings sollten individuelle Punkte - falls gewünscht - unbedingt hinzu gefügt werden. „Je genauer der Text, desto besser für den Ernstfall", erläutert der Verbraucherschützer Schaarschmidt.
   Neue Kreditfinanzierungen oder riskante Spekulationsgeschäfte sind bei Bankvollmachten normalerweise von vorneherein ausgeschlossen - sie dienen ja gerade dazu, ein Vermögen zu sichern. Es sollte aber auch darüber nachgedacht werden, inwiefern es sinnvoll ist, eine Vollmacht zu befristen, was etwa bei einer längeren Auslandsreise sinnvoll sein kann. Erreichen kann man eine Beendigung auch über einen Widerruf. Eine Vollmacht ist grundsätzlich vom Gesetz her widerruflich, es sei denn, aus der Vollmacht oder dem zugrunde liegenden Geschäft ergibt sich etwas anderes.
   Experten unterscheiden zwischen sogenannten prä-, trans- und postmortalen Bankvollmachten. Dabei geht es um die Frage: Gilt das Dokument vor oder nach dem Tod des Kontoinhabers - oder in beiden Fällen? „Immer sollte man sich klarmachen, dass es um weitreichende Befugnisse geht: Der Bevollmächtigte erhält das Recht, Geld auszugeben, das ihm selbst nicht gehört", sagt Schaarschmidt. Möglich sei auch, die Kontrollmöglichkeiten Dritter, etwa einer Bank, genauer auszuformulieren.
   Einen Notar einzuschalten hält Schaarschmidt bei Bankenvollmachten nicht für notwendig, es sei denn, die Identität oder die Geschäftsfähigkeit der handelnden Personen steht infrage. NOZ1302122GeorgKern

Offene Fragen zur Organspende

Bischof Heinz Josef Algermissen, Fulda: ep-Heinz-JosefAlgermiossenF “Ein irreführender Begriff”

   Das Gesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Krankenkassen, Ärztekammer und die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) werben dafür, sich für eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden.
   Gleichzeitig wird aber immer wieder die Frage gestellt: Wie kann es möglich sein, einem toten Körper lebende Organe zu entnehmen, um diese zu transplantieren? Ist das nicht in sich absurd?
   Neben vielen noch ungelösten Aspekten der Transplantationsmedizin, so zum Beispiel Abstoßung, lebenslange Medikamenteneinnahme, die dadurch bedingten Folgen, mitunter auch deutliche Persönlichkeitsveränderungen, ist das ethische Hauptproblem die Spende der entnommenen Organe. Nur wenn man weiß, was sich hinter dem Begriff „postmortale Organspende" verbirgt, kann man sich frei entscheiden, zumal künftig jeder Bürger mehrmals im Leben mit der Frage konfrontiert werden soll, ob er zu solcher Organspende bereit ist.
   Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Hirntod"? Es geht um Menschen, bei denen das gesamte Gehirn (Groß-, Klein- und Stammhirn) seine Funktion unwiederbringlich verloren hat. Es sind bewusstlose, beatmete Menschen, deren gehirngebundene Reflexe erloschen sind. Die Körpertemperatur ist allerdings erhalten, das Herz schlägt spontan, der Blutdruck ist messbar, Stoffwechsel, Ausscheidungen, Hormonsystem funktionieren noch. Vegetative Reaktionen wie unter anderem Hautrötung und Schwitzen sind zu beobachten. Diese Phänomene beschreibt die Biologie korrekt als zum Leben gehörig. Die Behandlung von schwangeren „Hirntod"-Patientinnen, deren Kinder normal entwickelt geboren werden, beweist geradezu, dass solche Menschen zwar schwer krank, aber lebende Menschen sind. In einer Toten kann sich kein Embryo entwickeln.
   Bei der Organentnahme unter Narkose, so bestätigen Transplantationsmediziner, steigt der Blutdruck enorm, der Herzschlag beschleunigt sich stark. Diese Reaktionen zeigen, dass der Spender unbewusst etwas spüren muss. Es sind Lebenserscheinungen, die auch jeder andere Patient bei einer Operation zeigt.
   Angesichts dessen ist es aufrichtig festzustellen: Einen Sterbenden im Hirnversagen für tot zu erklären, um bei einer Organentnahme eine Tötung zu umgehen, stellt eine willkürliche Setzung dar, die mit Redlichkeit als Voraussetzung für jede ethische Betrachtung nicht zu vereinbaren ist. Mit anderen Worten: Der Begriff „Hirntod" suggeriert einen Zustand, der nicht den Tatsachen entspricht. Auch hier können wir wieder feststellen, dass Sprache zur Vernebelung herhalten muss.
   Von der „postmortalen Organspende" zu sprechen, geht von falschen Tatsachen aus, entspricht dem Tat- bestand der bewussten Täuschung. Deshalb ist das sogenannte „Hirntodkonzept" mit den moralischen und ethischen Ansprüchen des Evangeliums nicht zu vereinbaren.
   Da Spender im Hirnversagen zwar Sterbende, aber doch noch lebende Menschen sind, ergibt sich für eine ehrliche Information als Grundlage einer schwierigen Entscheidung die notwendige medizinische Aufklärung über den Zustand des Hirnversagens. Erst dann kann jeder für sich im Sinne einer engen Zustimmung entscheiden, ob er im Zustand des Sterbens bereit ist, ein Organ zu spenden. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es unter Nr. 2296 erhellend: „Die Organverpflanzung ... ist sittlich unannehmbar, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben haben. Zudem ist es sittlich unzulässig, die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, selbst wenn dadurch der Tod anderer Menschen hinausgezögert würde." In diesem Zusammenhang heißt es im Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Der Mensch: sein eigener Schöpfer?" (7. März 2001): „Insbesondere gilt es, die Würde des Menschen, die Grundrechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit, ebenso wie die Selbstbestimmungsrechte und die Persönlichkeitsrechte zu achten und so einer Kultur des Lebens zum Durchbruch zu verhelfen." Hinsichtlich der drängenden Fragen um die Probleme „Organspende" und „Hirntod" ist da noch viel Aufklärung zu leisten, um eine Gewissensentscheidung vor Gott vertreten zu können.  DT120306BischofHeinzJosefAlgermissenFulda

Ein Sterbender ist aber noch ein lebender Mensch - Organspende: Im Fuldaer Bonifatiushaus
setzt sich ein Akademie-Abend mit dem Dilemma des Hirntod-Konzepts auseinander

   Nur toten Spendern dürfen Organe entnommen werden. Doch wann ist ein Mensch tot? Nach gängiger Definition sobald der Hirntod eingetreten ist. Doch ein hirntoter Mensch kann noch beatmet werden: Dann hat er ein schlagendes Herz und das Blut fließt noch durch seinen Körper. Gerade bei der Organspende muss der Zeitpunkt des Todes in einer Weise festgestellt werden, die für jeden Menschen vertrauenswürdig und verlässlich ist.
   Die am 1. November 2012 eingeführte Neuregelung der Organspende sieht vor, dass Kassen und Krankenversicherungen Versicherte alle fünf Jahre nach ihrer Bereitschaft zur Organspende befragen. Soll dieser Druck mehr Menschen bewegen, einen Organspendeausweis zu unterzeichnen, muss zweifelsfrei geklärt sein, ab wann ein Mensch tot ist. Wo liegt die Grenze zwischen Leben und Tod? Darüber diskutierten Experten aus Kirche, Theologie und Medizin auf einem Akademieabend im Haus der Weiterbildung der Diözese Fulda, dem Bonifatiushaus.
    „Der hirntote Mensch befindet sich in einem durch externe, intensivmedizinische Maßnahmen angehaltenen Transitus. Er wird am Abschluss seines schon begonnenen Sterbens gehindert", sagte Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, zur Einführung. Dieser durch die Möglichkeiten der Intensivmedizin künstlich erzeugte Zustand weise sowohl Merkmale des Lebens wie Temperaturregelung oder Reflexbewegungen auf wie Merkmale des Todes, wie es der irreversible Bewusstseinsverlust sei. „Handelt es sich also hier wirklich um einen Leichnam, der lediglich noch so aussieht wie ein lebendiger Mensch? Oder handelt es sich bei einem Hirntoten nicht vielmehr um einen bloß Todgeweihten, also um einen, irreversibel sterbenden Lebenden'", fragte der Bischof. Jüngste neurologische Forschungen legten nahe, dem Gehirn nicht jene Integrationsfunktion für den Gesamtorganismus zuzusprechen, die es erst plausibel mache, Menschen beim unumkehrbaren Verlust aller Hirnfunktionen tatsächlich für tot zu erklären.
   Professor Andreas Ferbert, Chefarzt für Neurologie am Klinikum Kassel und Mitglied der Hirntodkommission der Bundesärztekammer, hielt demgegenüber am Hirntod als entscheidendem Kriterium für den Tod des Menschen fest: „Das Gehirn steht für das, was uns als Menschen besonders ausmacht", sagte er. „Ohne künstliche Beatmung tritt sofort der Gesamttod ein." Beim Hirntod fiele erst die Atmung, dann das Herz aus und der Körper sterbe. Die moderne Intensivmedizin erlaube aber, den Kreislauf trotz Hirntods maschinell aufrechtzuerhalten.
   „Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen", widersprach der Stuttgarter Arzt Paolo Bavastro, der 1991 drei Monate lang eine hirntote Schwangere versorgt hatte, die dann ein gesundes Kind zur Welt brachte. Statt Hirntod solle man von Hirnversagen sprechen.  Unter  künstlicher Beatmung könnten die übrigen Organe trotz des Hirn-Versagens weiterarbeiten. Solche kranken Menschen zeigten Lebensvorgänge wie innere Atmung, Blutdruck und spontane Herztätigkeit, Ausscheidungen, Stoffwechselvorgänge sowie Hormonausschüttungen und -bildungen, Blutbildung und Gerinnung. Falsch ernährt, könnten sie Durchfall oder Verstopfung entwickeln, seien impfbar und in der Lage, Antikörper zu entwickeln. „Werden solche,Hirntote' einer Operation unterzogen, um ihnen Organe zur Transplantation zu entnehmen, so zeigen sie vegetative Reaktionen, die jeder Mensch unter Operationsbedingungen auch zeigt": „Beginnt die Operation zur Organentnahme - in Narkose oder Teilnarkose - und das bei einem Toten? - so bewirkt der Hautschnitt des Chirurgen einen unbewusst erlebten Schmerz": Der Puls werde beschleunigt, der Blutdruck erhöht, „Stresshormone" ausgeschüttet, die Muskulatur angespannt: „Solche Reaktionen und vegetativen Äußerungen gehören phänomenologisch eindeutig zum Leben - ein Toter, eine Leiche, zeigt solche Reaktionen nicht." Wenn die Organe aber funktionierten, könne man nicht vom Tod sprechen. Die sogenannten „Hirntoten" seien biologisch, phänomenologisch, physikalisch lebende Menschen. „Es sind schwerstkranke, sterbende Menschen, ein Sterbender ist aber ein noch lebender Mensch", sagte Bavastro und fragte: „Ist der Begriff ,Hirntod' aus dem Grund gewählt worden, um einen komplizierten Vorgang suggestiv zu vereinfachen, um mehr Organe zu bekommen?" Er sei nicht gegen Organspenden, sagte der Arzt, aber man müsse die Menschen aufklären, dass die Organe nicht Toten, sondern Sterbenden entnommen würden.
   Wo aber liegt die Lösung für das Dilemma? „Zunächst in einer korrekten Definition des Hirnversagens, dann in einer höchst individuellen Entscheidung des Spenders", sagte Bavastro. Nur jeder Einzelne könne für sich entscheiden, ob man ihm nach Eintritt des Hirnversagens Organe für Andere entnehmen dürfe. Bei einem so sensiblen Vorgang gebe es keine andere Möglichkeit, weder die erweiterte Zustimmung der Angehörigen, noch eine Informationslösung, die Widerspruchslösung stelle eine zynische Nötigung dar: „Wer keine höchst- persönliche Bereitschaft schriftlich verfasst hat, ist eben kein Spender - auch das muss respektiert werden."
   Peter Schallenberg, Moraltheologe in Paderborn, warnte davor, den Menschen auf sein Gehirn zu reduzieren. „Der Mensch ist nicht allein sein Gehirn", sagte er. Erst die moderne Medizin habe den Grenzbereich zwischen dem Hirntod und dem Tod aller Organe geschaffen. Das Leben des Menschen auch als Einheit von Seele und Leib sei allerdings an die intakte Funktionsfähigkeit des Hirns gebunden. Wenn das Hirn nicht mehr lebe, sei auch der Mensch nicht mehr lebend.
   In der Diskussion beschrieb Professor Tilman Kälble,. Chefarzt für Urologie am Klinikum Fulda, Sterben als abgestuften Prozess, der nach dem Hirntod unumkehrbar sei. Der Neurochirurg Professor Behr erklärte, der Hirntod könne sehr zuverlässig festgestellt werden. Werde das Hirn nicht mehr durchblutet, empfinde der Mensch nichts mehr. Es gebe dann nur noch vegetative Funktionen unterhalb des Hirns und kein Denken und Fühlen mehr. Nach drei Stunden Debatte räumte Bischof Algermissen ein, seine Fragen seien größer, nicht kleiner geworden. Fazit: In dem schwierigen Feld des Übergangs zwischen Leben und Tod verbieten sich unredliche Lösungen, die den Willen der Betroffenen übergehen. Die Organspende ist, gerade angesichts der Problematik des Hirntod-Konzepts, „ein Geschenk jenseits aller Selbstverständlichkeit, eine hochherzige Gabe, die man niemandem abverlangen, höchstens bewundern kann", sagte Bischof Algermissen. DT130205ReinharNixdorf  

Ist der Hirntote wirklich tot?
    ... „Jeder medizinische Eingriff setzt die Zustimmung des Patienten voraus. Zustimmung aber setzt Aufklärung voraus, und Aufklärung ist nur möglich, wenn ein Gespräch mit dem Arzt stattfindet, in dem der Patient auch Fragen stellen und Unsicherheiten und Zweifel äußern kann. All dies ist bei der nun geplanten Änderung im Transplantationsgesetz nicht möglich.
   Die ,Entscheidungslösung' genannte Befragung der Bürger durch die Krankenkassen setzt keine ernsthafte Aufklärung voraus. Sie dient allein dem Ziel, das Aufkommen an Spenderorganen zu erhöhen. Im Hinblick auf den ,informed consent', auf den die Medizin sonst so großen Wert legt, ist die Entscheidungslösung kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. [Die NOZ] findet es ... ,unverständlich' , dass ein hoher Anteil der Bevölkerung zwar Einverständnis zur Organspende bekundet, aber keinen ... Ausweis besitzt. Ist das wirklich so unverständlich? Die Scheu, einen Organspenderausweis zu tragen, hat ihren Grund vermutlich nicht nur darin, dass man sich nicht gern mit dem eigenen Tod beschäftigt, sondern auch darin, dass man nicht recht überzeugt ist, dass der Hirntod, den die Transplantationschirurgie zur Voraussetzung für die Organentnahme erklärt, wirklich der Tod des Menschen ist.
   Am Hirntodkriterium, das die Transplantationschirurgie darüber hinaus wie ein großes Tabu behandelt, sind in den vergangenen Jahren bis hin zum letzten Bioethikrat des amerikanischen Präsidenten so viele Zweifel aufgekommen, dass es zunehmend Stimmen gibt, die Organentnahme auch dann zu erlauben, wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen, auch wenn noch kein Hirntod feststellbar ist, ganz abgesehen davon, dass es mehr als zwei Dutzend verschiedene Hirntoddefinitionen gibt. Der Hirntote ist ein Lebender, kein Leichnam. Das Recht des Hirntoten, nicht getötet zu werden, wiegt schwerer als der verständliche Wunsch eines anderen Patienten nach einem längeren Leben, das ihm durch eine Transplantation ermöglicht werden könnte."   
NOZ120307Prof.Dr.ManfredSpiekerGeorgsmarienhütte

Zur Debatte über Hirntod-Kriterium und Organtransplantation
Es gibt Fälle, da sind Hirntote wieder genesen

   Herr Peter Paul Cieslik schreibt in seinem Leserbrief in der „DT"  „Alles was die Organspende erschwert oder unmöglich macht, ist daher zutiefst unchristlich." Herr Cieslik scheint die Fakten nicht zu kennen. In einer großen Zahl von Fällen hat sich erwiesen, dass Personen, bei denen „Hirntod" diagnostiziert wurde, denen aber dann die Organe nicht entnommen werden durften, bei richtiger Behandlung überlebt haben und wieder voll gesund geworden sind.
   Kürzlich ist in Polen ein Fall dokumentiert worden, in dem bei einer jungen Frau Hirntod „diagnostiziert" wurde. Ihr Vater wurde gebeten, die Organentnahme zu gestatten. Die Chefärztin der Klinik, in der man der jungen Frau die Organe entnehmen wollte, versuchte den Vater dazu zu überreden, der Organentnahme zuzustimmen. Er wollte es aber noch überlegen und mit seiner Frau besprechen. Inzwischen hatten die Eltern des Mädchens Kenntnis von einem Arzt Dr. Talar erhalten, der sich auf solche Fälle spezialisiert hatte. Sie verlangten, dass ihre Tochter zu ihm überstellt wird, was die Chefärztin empörte. Aber die Eltern haben das durchgesetzt. Dr. Talar konnte das Mädchen durch seine Behandlung retten und das Mädchen konnte dann selbst in einem von KathTube aufgenommenen Video strahlend über ihre Rettung berichten.
  Jedermann kann dieses Video, das Regina Breul mit einer Kollegin zur Verfügung gestellt hat, über den Link: www.kathtube.com/player.php?id=25682 anklicken. Regina Breul hat auch eine umfangreiche Information zu diesen Problemen herausgegeben. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Dr. Talar in rund 250 Fällen, in denen wegen Organentnahme angefragt worden war und diese nicht gestattet wurde, die Patienten durch seine Behandlung retten können. Wird Herr Cieslik es als unchristlich bezeichnen, dass die Eltern der Organspende nicht zugestimmt haben und das Kind dadurch vor der Tötung durch Organentnahme bewahren konnten?
   Als „höchste Form der Nächstenliebe" darf man wohl nur die Spende eines von paarigen Organen bezeichnen. Das Verfügen über das Leben besonders von Kindern und Jugendlichen, aber natürlich auch von allen anderen Menschen zum Zwecke der Organspende kann niemals rechtens sein. Papst Johannes Paul II. hat bereits in einer Stellungnahme am 14. Dezember 1989 für einen von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften veranstalteten Kongress über die Bestimmung des Todeszeitpunktes gesagt, dass „der dem menschlichen Leben geschuldete Respekt es absolut verbietet, dieses direkt und positiv zu opfern, auch wenn dies zum Vorteil eines anderen Menschen wäre, bei dem man es für berechtigt hält, ihn derart zu bevorzugen".
   Wie inzwischen wissenschaftlich klargestellt wurde, ist der „Hirntote" keineswegs tot, aber auch keineswegs immer ein „Sterbender", sondern ein schwer Kranker. In vielen bezeugten Fällen konnten, wie bereits gesagt, solche schwer Kranke durch die richtige Behandlung gerettet und wieder ganz gesund werden.
DT120322UnivProf.DrWolfgangWaldsteinSalzburg

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Mein vorletzter Wille Foto: Eine gültige Patientenverfügung muss eigenhändig unterschrieben werden.
Die Grenzen medizinischer Hilfe kann jeder selbst bestimmen. Die meisten aber verzichten darauf.

   Was passiert mit mir und wie will ich medizinisch behandelt werden, wenn ich an einer schweren Krankheit leide und nicht mehr ansprechbar bin? Verständlich, dass sich die meisten Menschen mit solchen Gedanken nicht befassen wollen. Die innere Abwehr vor Krankheit und Tod ist wahrscheinlich ein Grund, warum nach Schätzungen von Fachverbänden nur etwa zehn Prozent der Bundesbürger eine Patientenverfügung verfasst haben. „Aber eigentlich sollte jeder sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung besitzen", sagt Uwe Janssens, Sektionssprecher Ethik der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. „Nur dann ist es auch möglich, selbst über sein eigenes Schicksal zu bestimmen."
Vorher vom Arzt beraten lassen
   Für einen gesunden Menschen ist es schwierig, sich eine Situation vorzustellen, die er aus eigener Erfahrung nicht kennt. Denn mit einer Patientenverfügung ordnet er eine bestimmte medizinische Behandlung an oder schließt sie aus - in einer ganz konkreten Situation. Für den Fall der Fälle, in dem er nicht mehr selbst entscheiden kann. Man legt zum Beispiel fest, ob man künstlich ernährt werden will oder eine Dialyse wünscht. „Es ist zwar gesetzlich nicht erforderlich, aber wir empfehlen, sich von einem Arzt beraten zu lassen, der einem die Behandlung und auch die Konsequenzen erklären kann", sagt Heike Nordmann, Referentin für den Pflegemarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ansonsten be­stimmt der Verfügende möglicherweise mit einem einzigen Satz das Ende seines Lebens.
   Es ist zum Beispiel sinnlos, pauschal die Ernährung mit Hilfe einer PEG Sonde, also der perkutanen endoskopischen Gastrostomie, abzulehnen. Der Schlauch kann Patienten vor dem Verdursten und Verhungern retten, wenn sie nach einem Schlaganfall oder auch bei Schädel-Hirn-Verletzungen nicht mehr richtig schlucken können. Unter Umständen lernen sie später wieder essen und trinken. Bis dahin rettet die PEG ihr Leben. Wie wichtig eine gute Beratung ist, zeigt sich aktuell bei der Diskussion um die Organspende (siehe unten)
   Schwerkranke werden wahrscheinlich relativ genau ihre Wünsche nennen können. Anders sieht es bei Gesunden aus. „Damit Ärzte trotzdem in der Lage sind, den Patientenwillen auf die konkrete Situation abzuleiten, sollte man in der Verfügung seine eigenen Wertvorstellungen über das Leben und Sterben aufschreiben", rät Expertin Nordmann. Also ob man etwa mit starken Schmerzmitteln behandelt werden will - die aber eventuell das Risiko erhöhen, das Bewusstsein zu verlieren oder früher zu sterben. 
Unterschrift sollte regelmäßig erneuert werden
   Eine Patientenverfügung muss schriftlich erklärt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sie mit dem Kugelschreiber oder auf dem Computer schreibt. Sie muss nur mit der Hand unterschrieben werden. „Die Unterschrift sollte alle ein oder zwei Jahre erneuert werden, wenn man immer noch mit seiner Erklärung einverstanden ist", rät der Mediziner Janssens, Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin am St. Antonius Hospital in Eschweiler. Je aktueller eine Verfügung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch befolgt wird. Denn wenn eine Patientenverfügung schon mehrere Jahre alt ist, werden Ärzte und Betreuer schnell zweifeln, ob sie noch dem Willen des Patienten entspricht. Zumal der medizinische Fortschritt vielleicht mittlerweile Behandlungen ermöglicht, die früher nicht vorstellbar waren. Viele glauben, dass Ehepartner und Angehörige sich gegenseitig vertreten können - ein verbreiteter Irrtum. Daher ist die Vorsorgevollmacht der zweite Baustein, um sein Schicksal so weit wie möglich mitzugestalten. „Ansonsten muss bei Handlungsunfähigkeit rechtzeitig vor Gericht ein Antrag für einen Betreuer gestellt werden", sagt Uwe Janssens. Mit einer Vollmacht lässt sich das verhindern. Sie bevollmächtigt eine andere Person, mich zu vertreten, also über medizinische Maßnahmen zu entscheiden.
Möglichst umfassend bevollmächtigen
  
Die Vollmacht kann man auf den Gesundheitsbereich beschränken. Heike Nordmann von der Verbraucher- zentrale rät aber, möglichst umfassend zu bevollmächtigen. Der Mann oder die Frau meines Vertrauens können dann auch in finanziellen, rechtlichen und persönlichen Angelegenheiten entscheiden. Um die Last der Verantwortung zu verteilen, kann man auch mehrere Bevollmächtigte bestimmen. „Eine solche Vollmacht muss nicht notariell beurkundet werden, ausgenommen sind natürlich Grundstücksgeschäfte. In einigen Fällen empfehlen wir sie aber. Zum Beispiel, wenn Vermögen vorhanden ist und sich in einer Familie Streitigkeiten andeuten. Die notarielle Beurkundung bestätigt die Geschäftsfähigkeit des Vollmachtgebers", erklärt Nordmann.
    Der dritte Baustein einer vernünftigen Vorsorge ist schließlich die Betreuungsverfügung. In der Regel ist sie nicht nötig, wenn eine umfassende Vorsorgevollmacht vorliegt. Trotzdem kann es natürlich sein, dass die Vollmacht unvollständig ist. Dann hat man es mit einer Betreuungsverfügung selbst in der Hand, dem Gericht schriftlich mitzuteilen, wer die Betreuung übernehmen soll bzw. wer es auf keinen Fall sein darf.
HAZGesund130927AngelikaSFriedl  

INFO

BUCH
   „Patientenverfügung", Verbraucherzentrale NRW, 166 Seiten, 7,90 €, Bestelltelefon 021138 09 555,
www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/ patientenverfuegung
Hinterlegung und Registrierung
  
Vorsorgedokumente kann man u.a. hier hinterlegen: Bundesnotarkammer - Zentrales Vorsorgeregister,
www.vorsorgeregister.de, gestaffelte Gebühren ab 13€, Hotline 0800 35 50 500.
Patientenverfügung und Organspende
Konflikt

   Wenn die Patien­tenverfügung lebenserhaltende Eingriffe ausschließt, aber eine Bereitschaft zur Organspende besteht, stellt das Ärzte vor ein Problem. Um ein Organ zu entneh­men, muss der Kreislauf auch nach dem Hirntod aufrechterhalten werden. Liegt keine Erklärung für oder gegen eine Organspende vor, könnten auch Angehörige die Organentnahme erlauben, selbst wenn laut Patientenverfügung Intensivmedizin untersagt ist.
Formulierungen
   Eine Patientenverfügung sollte für diese Fälle eine klare Aussage enthalten. „Ich lehne eine Entnahme der Organe nach meinem Tode zu Trans­plantationszwecken ab". Oder: „Ausnahmsweise gestatte ich für den Fall, dass bei mir eine Organ­spende medizinisch in Frage kommt, die kurzfristige Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods und zur Entnahme der Organe". 

cura-PatVerf-HeikeNordmann-Z         “Nicht an Schläuchen leben"

Interview der HAZ mit Heike Nordmann, Referentin für den Pflegemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW

Was sind die größten Fehler in Patientenverfügungen?
Heike Nordmann:
Viele Menschen verwenden immer noch sehr allgemeine Formulierungen, wie „ich will nicht an Schläuchen leben" oder „ich will nicht auf einer Intensivstation dahinvegetieren". Damit kann kein Arzt etwas anfangen. Ein ande­res Problem sind sogenannte Ankreuzformulare aus dem Internet, die vielleicht im Ernstfall nicht befolgt werden.
Warum nicht?
   Mit einer Patientenverfügung lege ich fest, wie ich in Zukunft medizinisch behandelt werden will. Je vager und allgemeiner meine Anweisungen sind, desto mehr werden Angehörige und Ärzte sie interpretieren können. Aus der Verfügung muss mein eindeutiger Wille hervorgehen und dass ich mich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt habe.
Müssen sich die Ärzte denn an meine Patientenverfügung halten?
   Im Prinzip ja. Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Manchmal ist die Willensbekundung für die aktuelle Situation nicht genau passend. Einige Ärzte oder Pflegeeinrichtungen lehnen Patientenverfügungen vielleicht aus Gewissensgründen ab, wenn darin steht, dass sie nicht behandeln sollen und so den Tod des Patienten herbeiführen. In Zweifelsfällen müssen Gerichte über den mutmaßlichen Willen des Patienten entscheiden und wie dieser umgesetzt wird. Daher sollte man sich wenn möglich schon vorher erkundigen, welche Einstellung der behandelnde Arzt bzw. das Krankenhaus oder Pflegeheim zu Patientenverfügungen hat.
Es gibt auch die Möglichkeit, eine Vorsorgevollmacht für eine Person seines Vertrauens auszustellen und sie zu bevollmächtigen, seine Wünsche durchzusetzen. Reicht es denn aus, wenn in einer solchen Vollmacht nur steht, XYsoll mich in allen Gesundheitsangelegenheiten vertreten?
   Ja. In der Vollmacht braucht nicht im Detail alles aufgeführt sein. Aber die Vertrauensperson sollte natürlich ziemlich genau wissen, was man für Vorstellungen hat. Es gibt allerdings einen Punkt, der in der Vorsorgevollmacht extra erwähnt werden sollte. Man muss ausdrücklich zustimmen, dass der Bevollmächtigte auch entscheiden kann, wenn leensverlängernde Maßnahmen abgebrochen werden sollen oder schwerwiegende medizinische Eingriffe bevorstehen, also wenn der Patient dadurch sterben oder einen dauernden gesundheitlichen Schaden erleiden könnte. HAZGesund130927AngelikaSFriedl  

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Bischöfe halten am Hirntod-Kriterium fest – Foto:Transplantation eines Herzens

   In der Frage der Organspende halten die deutschen Bischöfe am Hirntod als zuverlässigem Kriterium für den Tod eines Menschen fest. Das steht in einem Dokument der Deutschen Bischofskonferenz, das jetzt veröffentlicht wurde. Der Hirntod, der den Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen umfasst, sei das beste und sicherste Kriterium für den Tod eines Menschen, heißt es in der 30-seitigen Stellungnahme, die von der Glaubenskommission der Bischöfe unter Leitung des Mainzer Kardinals Karl Lehmann erarbeitet wurde.
   Zugleich lehnen die Bischöfe sozialen Druck zur Organspende ab. Es handele sich um einen „großherzigen Akt der Nächstenliebe“, heißt es. Es bestehe weder eine moralische Pflicht zur Organspende, noch hätten Kranke einen Rechtsanspruch auf den Erhalt eines fremden Organs.
   Mit Blick auf die im internationalen Vergleich niedrigen Spenderzahlen in Deutschland lehnen die Bischöfe rechtliche Regelungen ab, die - wie etwa in Spanien - die Bürger grundsätzlich zur Organspende verpflichten und im Fall der Ablehnung einen ausdrücklichen Widerspruch verlangen. Die Entnahme von Organen und Gewebe müsse „an die ausdrückliche Zustimmung des Spenders gebunden werden“, heißt es.
   Die Bischöfe werben deshalb mittel- und langfristig für eine „enge Zustimmungslösung“ im Transplantationsrecht, die eine Organentnahme nur bei ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung des potenziellen Spenders erlauben würde. Nur in Ausnahmefällen sollten Angehörige eine Entscheidung im Sinne des potenziellen Spenders treffen dürfen. Dies verlange aber, dass „hohe Anforderungen an die Ermittlung des mutmaßlichen Willens gestellt» würden. Derzeit gilt eine „erweiterte Zustimmungslösung“, die Angehörigen erlaubt, im Sinne des Patienten zu entscheiden, ob Organe gespendet werden können.
   Die Bischöfe werben für eine große Transparenz bei Entscheidungen über die Organvergabe und bessere Informationen. Es reiche nicht aus, wenn die Bürger von ihrer Krankenversicherung angeschrieben und aufgefordert würden, eine Entscheidung zur Spendebereitschaft zu fällen. Notwendig sei auch, Sachinformationen und kompetente Ansprechpartner bereitzustellen.
   Hohe Anforderungen stellen die Bischöfe auch an die Gespräche zwischen Ärzten und Angehörigen vor und nach einer Spende. Ärzte und Pflegepersonal müssten besonders sensibel mit Angehörigen umgehen und dazu auch weitergebildet werden. Angehörige brauchten Zeit für Trauer und Abschiednehmen. Auch Fragen der geistlichen Begleitung und eines pietätvollen Umgangs mit dem Leichnam des Organspenders dürften nicht ausgeklammert werden.
   Nach Skandalen in einigen Transplantationszentren war die Zahl der Organspenden in Deutschland zuletzt beständig zurückgegangen. 2014 hatte es mit bundesweit 864 Organspendern und 2.989 gespendeten Organen einen Tiefststand seit der Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997 gegeben. Rv150729gs

 Handreichung zum Thema Hirntod und Organspende
Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz legt Orientierungshilfe vor

   Die christlichen Kirchen in unserem Land haben sich seit Jahrzehnten in Theologie und lehramtlicher Verkündigung mit den Fragen der Transplantationsmedizin, besonders der Feststellung des Todes („Hirntod“) und verschiedenen Fragen der Organspende beschäftigt. Nicht zufällig sind die Texte oft in ökumenischer Kooperation entstanden (Gott ist ein Freund des Lebens, 1989; Organtransplantationen, 1990; verschiedene gemeinsame Aussagen im Zusammenhang der „Woche für das Leben“ usw.). In letzter Zeit sorgten erhebliche Probleme (Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen, Versäumnisse im praktischen Umgang mit potentiellen Organspendern und ihren Angehörigen, neue gesetzgeberische Initiative auf Bundesebene im Jahr 2012) für einen dramatischen Rückgang der Spendenbereitschaft und legten damit eine erneute, sehr sensible Beschäftigung mit dem Thema nahe.
   Vor diesem Hintergrund hat die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Karl Lehmann (Mainz) in Zusammenarbeit mit ihrer Unterkommission „Bioethik“ unter dem Vorsitz von Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) in intensiver Arbeit der Deutschen Bischofskonferenz eine Orientierungshilfe vorgelegt, die jetzt veröffentlicht wird.
   Unter den vielen Problemen wurden zwei Themenkreise ausgewählt, die das Zentrum der Schrift bilden: Zuerst geht es um die Frage der grundlegenden Akzeptanz des Hirntod-Kriteriums, die auf verschiedenen Ebenen seit einiger Zeit immer mehr in Zweifel gezogen wird. Die Einwände wurden genau überprüft. Die Studie kommt schließlich zu dem Ergebnis, dass der Hirntod im Sinne des Ganzhirntodes nach unseren heutigen Erkenntnissen das beste und sicherste Kriterium für die Feststellung des Todes eines Menschen darstellt.
   Die im zweiten Problemkreis erörterten Themen zielen auf die ethische Bewertung und die praktischen Voraussetzungen einer Organspende. Es wird vor allem auf die Notwendigkeit der Freiwilligkeit der Organspende hingewiesen. Die Bereitschaft muss frei bleiben von jedem sozialen Druck. Es besteht weder eine moralische Pflicht zur Organspende noch gibt es einen Rechtsanspruch auf den Erhalt eines fremden Organs. Eine Organspende kann in diesem Sinne ein Akt christlicher Nächstenliebe sein. Darum ist eine umfassende Aufklärung aller Betroffenen zwingend erforderlich. Dabei geht es auch um Fragen der geistlichen Begleitung und der Sorge um die Angehörigen, um die Gelegenheit einer würdigen Verabschiedung sowie eines pietätvollen Umgangs mit dem Leichnam des Organspenders.
   Die Studie bemüht sich also besonders um einen ganzheitlichen Blick auf die moderne Transplantationsmedizin. Sie reduziert das komplexe Phänomen nicht auf rechtliche, medizinische, wirtschaftliche und andere Einzelaspekte, sondern hebt die anthropologischen, ethischen und spirituellen Implikationen der Transplantation hervor. Sie möchte auch zu einer persönlichen Urteilsbildung beitragen.
   Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ruft im Geleitwort dazu auf, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Wir Bischöfe sind der Auffassung, dass auf diesem sensiblen Feld ein hohes Maß an Transparenz erforderlich ist, um das verloren gegangene Vertrauen schrittweise zurückzugewinnen. Wir laden daher ein, sich ein wenig Zeit dafür zu nehmen, unsere Überlegungen zur Kenntnis zu nehmen und unsere Argumente auf ihre Überzeugungskraft hin zu überprüfen, um so zu einer fundierten persönlichen Urteilsbildung zu gelangen.“
   Die Deutsche Bischofskonferenz ist sich voll bewusst, dass die komplexe und nicht selten auch spannungsvolle Diskussion besonders zu den zentralen Themen des Hirntodes und der Organspende sehr im Fluss ist. Wie sehr jedes Wort sich um die weiteren Erkenntnisse bemühen muss und die Dinge im Wandel begriffen sind, so dass es stets wieder der klärenden Reflexion – auch zwischen den Wissenschaften selbst – bedarf, zeigt die Tatsache, dass nach dem Abschluss des vorliegenden Textes der Glaubenskommission eine umfangreiche Studie des Deutschen Ethikrates „Hirntod und Entscheidung zur Organspende“ (24. Februar 2015) erschienen ist; fast zur selben Zeit hat die Bundesärztekammer genauere Richtlinien zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls erstellt (Vierte Fortschreibung), die am 6. Juli 2015 veröffentlicht wurden.
Hinweis:
   Das Dokument „Hirntod und Organspende“ der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz finden Sie als pdf-Datei zum Herunterladen in der Rubrik „Veröffentlichungen“. Dort kann es auch als Broschüre (Die deutschen Bischöfe, Glaubenskommission, Nr. 41, Bonn 2015) bestellt werden. 

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