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Porta Fidei

Das motu proprio zum Jahr des Glaubens: Porta Fidei - Tür zum Glauben
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Jahr des Glaubens  

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Benedikt XVI.: „Neuevangelisierung in Kontinuität mit meinen Vorgängern“. Foto: Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. In der Mitte: Erzbischof Rino Fisichella, Leiter der päpstlichen Neu-Evangelisierung.

   Auch beim Angelus-Gebet blieb Papst Benedikt XVI. beim Thema Neuevangelisierung. Im italienischen Redetext erinnerte er daran, dass er mit der neuen Stärkung des Glaubens ein Anliegen verfolge, das sich bereits seine Vor- gänger auf dem Stuhl Petri auf die Fahnen geschrieben hatten. Sie haben den Begriff geprägt: In seiner Eröff- nungsansprache zum Zweiten Vatikanischen Konzil hatte Papst Johannes XXIII. schon davon gesprochen, dass die Kirche neu und mit verstärkter Kraft das Evangelium verkünden müsse. Der selige Johannes Paul II. habe der Kirche die neue Evangelisierung als wichtige Aufgabe ans Herz gelegt, so Papst Benedikt XVI.. Auch Papst Paul VI. habe Zeichen in diese Richtung gesetzt. Und er habe anlässlich des Jubiläums zum Martyrium der Apostel Petrus und Paulus im Jahr 1967 auch ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, so Papst Benedikt XVI. weiter - in einer Zeit, die durch „große kulturelle Umwälzungen“ geprägt war:
   „Ich meine, dass es ein halbes Jahrhundert nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das mit der Erinnerung an den Seligen Johannes XXIII. verbunden ist, an der Zeit ist, die Schönheit und Zentralität des Glaubens neu zu vergegenwärtigen und auf die Notwendigkeit zu verweisen, den Glauben zu stärken und zu vertiefen, auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene: Das sollte nicht in preisender Weise geschehen, sondern in Gestalt der Mission und der neuen Evangelisierung. Rv111016pr

vat-JdG-01-x Benedikt kündigt das Jahr des Glaubens an

   Benedikt XVI.: 'Wir dürfen nicht zulassen, dass das Salz schal wird und das Licht verborgen gehalten wird'. Der Papst veröffentlicht sein Schreiben 'Tür zum Glauben' anlässlich der Ausrufung des 'Jahres des Glaubens'
   Papst Benedikt XVI. kündigte seine Entscheidung an, ein besonderes „Jahr des Glaubens“ auszurufen, das am 11. Oktober 2012 – dem 50. Jahrestag der Eröffnung des 2. Ökumenischen Vatikanischen Konzils – beginnen und am 24. November 2013, dem Hochfest Christkönig, abgeschlossen werden wird. Die Motivationen, Zielsetzungen und Leitlinien dieses „Jahres“ hat Benedikt XVI. im Apostolischen Schreiben in Form eines Motu proprio „Porta fidei“ dargelegt.

Das Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio „Porta fidei“ von Papst Benedikt XVI.,
mit dem das Jahr des Glaubens ausgerufen wird bringen wir hier im Wortlaut.

   1. Die „Tür des Glaubens“ Apg 14,27, die in das Leben der Gemeinschaft mit Gott führt und das Eintreten in seine Kirche erlaubt, steht uns immer offen. Es ist möglich, diese Schwelle zu überschreiten, wenn das Wort Gottes verkündet wird und das Herz sich durch die verwandelnde Gnade formen lässt. Durch diese Tür zu gehen bedeutet, einen Weg einzuschlagen, der das ganze Leben fortdauert. Er beginnt mit der Taufe vgl. Röm 6,4, durch die wir Gott Vater nennen dürfen, und endet mit dem Übergang durch den Tod hindurch in das Ewige Leben, das Frucht der Auferstehung Jesu, des Herrn, ist. Er wollte durch das Geschenk des Heiligen Geistes alle, die an ihn glauben, in seine Herrlichkeit einbeziehen vgl. Joh 17,22. Den Glauben an die Trinität – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist – zu bekennen entspricht an einen einzigen Gott, der die Liebe ist vgl. 1 Joh 4,8, zu glauben: an den Vater, der zu unserem Heil in der Fülle der Zeit seinen Sohn gesandt hat; an Jesus Christus, der in dem Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung die Welt erlöst hat; an den Heiligen Geist, der die Kirche durch die Jahrhunderte führt in der Erwartung der Wieder- kunft des Herrn in Herrlichkeit.
   2. Vom Anfang meines Dienstes als Nachfolger Petri an habe ich an die Notwendigkeit erinnert, den Weg des Glaubens wieder zu entdecken, um die Freude und die erneute Begeisterung der Begegnung mit Christus immer deutlicher zutage treten zu lassen. In der Predigt während der heiligen Messe zum Beginn des Pontifikats habe ich gesagt: „Die Kirche als ganze und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle.“[1] Nun geschieht es nicht selten, dass die Christen sich mehr um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen ihres Einsatzes kümmern und dabei den Glauben immer noch als eine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens betrachten. In Wirklichkeit aber besteht diese Voraus- setzung nicht nur nicht mehr in dieser Form, sondern wird häufig sogar geleugnet.[2] Während es in der Vergan- genheit möglich war, ein einheitliches kulturelles Gewebe zu erkennen, das in seinem Verweis auf die Glaubens- inhalte und die von ihnen inspirierten Werte weithin angenommen wurde, scheint es heute in großen Teilen der Gesellschaft aufgrund einer tiefen Glaubenskrise, die viele Menschen befallen hat, nicht mehr so zu sein.
   3. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Salz schal wird und das Licht verborgen gehalten wird vgl. Mt 5,13-16. Auch der Mensch von heute kann wieder das Bedürfnis verspüren, wie die Samariterin zum Brunnen zu gehen, um Jesus zu hören, der dazu einlädt, an ihn zu glauben und aus der Quelle zu schöpfen, aus der lebendiges Wasser hervorsprudelt vgl. Joh 4,14. Wir müssen wieder Geschmack daran finden, uns vom durch die Kirche treu über- lieferten Wort Gottes und vom Brot des Lebens zu nähren – Gaben, die allen zur Stärkung angeboten werden, die seine Jünger sind vgl. Joh 6,51. Die Lehre Jesu ertönt nämlich noch in unseren Tagen mit derselben Kraft: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“ Joh 6,27. Die Frage derer, die ihn hörten, ist die gleiche auch für uns heute: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“ Joh 6,28. Die Antwort Jesu kennen wir: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er ge- sandt hat“ Joh 6,29. An Jesus Christus zu glauben ist also der Weg, um endgültig zum Heil zu gelangen.
   4. Im Licht all dessen habe ich entschieden, ein Jahr des Glaubens auszurufen. Es wird am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, beginnen und am Christ- königssonntag, dem 24. November 2013, enden. Auf das Datum des 11. Oktobers 2012 fällt auch das zwanzigjährige Jubiläum der Veröffentlichung des Katechismus der Katholischen Kirche, eines Textes, den mein Vor- gänger, der selige Papst Johannes Paul II., mit dem Ziel promulgierte[3], allen Gläubigen die Kraft und die Schön- heit des Glaubens vor Augen zu führen. Dieses Dokument, eine authentische Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, sollte nach dem Wunsch der Außerordentlichen Bischofssynode von 1985 ein Instrument im Dienst der Katechese sein[4] und wurde durch die Zusammenarbeit des gesamten Episkopates der katholischen Kirche erstellt. Und gerade die Vollversammlung der Bischofssynode ist von mir für den Oktober 2012 zum Thema „Die Neuevangelisierung zur Weitergabe des christlichen Glaubens“ einberufen worden. Das wird eine günstige Gele- genheit sein, um das gesamte kirchliche Gefüge in eine Zeit der besonderen Besinnung und der Wiederent- deckung des Glaubens zu führen.
   Es ist nicht das erste Mal, dass die Kirche aufgerufen wird, ein Jahr des Glaubens zu feiern. Mein verehrter Vorgänger, der Diener Gottes Paul VI., rief 1967 ein ähnliches Jahr aus, um des Martyriums der Apostel Petrus und Paulus anlässlich der 1900-Jahr-Feier ihres letzten Zeugnisses zu gedenken. Er plante es als einen festlichen An- lass, damit es in der ganzen Kirche „ein authentisches und aufrichtiges Bekenntnis ein und desselben Glaubens“ gebe; zudem wollte er, dass dieser Glaube „einzeln und gemeinschaftlich, frei und bewusst, innerlich und äußer- lich, demütig und freimütig“[5] bekräftigt würde. Er dachte, auf diese Weise könne die ganze Kirche eine „genaue Kenntnis ihres Glaubens“ wiedergewinnen, „um ihn neu zu beleben, ihn zu läutern, zu festigen und zu bekennen“[6]. Die großen Umwälzungen, die in jenem Jahr geschahen, machten die Not- wendigkeit einer solchen Feier noch deutlicher. Sie wurde mit dem Credo des Volkes Gottes[7] abgeschlossen, um zu beweisen, wie dringend die wesentlichen Inhalte, die seit Jahrhunderten das Erbe aller Gläubigen bilden, immer neu bekräftigt, verstanden und vertieft werden müssen, um unter geschichtlichen Bedingungen, die sich von denen der Vergangenheit unterscheiden, ein kohärentes Zeugnis zu geben.
   5. In gewisser Hinsicht betrachtete mein verehrter Vorgänger dieses Jahr als eine „Konsequenz aus dem Konzil und ein nachkonziliäres Erfordernis“[8], da er sich der schweren Probleme der Zeit – vor allem in Bezug auf das Bekenntnis des wahren Glaubens und seine rechte Auslegung – wohl bewusst war. Ich war der Meinung, den Beginn des Jahres des Glaubens auf das Datum des fünfzigsten Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatika- nischen Konzils zu legen, könne eine günstige Gelegenheit bieten, um zu begreifen, dass die von den Konzils- vätern als Erbe hinterlassenen Texte gemäß den Worten des seligen Johannes Paul II. „weder ihren Wert noch ihren Glanz verlieren. Sie müssen auf sachgemäße Weise gelesen werden, damit sie aufgenommen und verar- beitet werden können als qualifizierte und normgebende Texte des Lehramtes innerhalb der Tradition der Kirche […] Ich fühle mich mehr denn je dazu verpflichtet, auf das Konzil als die große Gnade hinzuweisen, in deren Ge- nuss die Kirche im 20. Jahrhundert gekommen ist. In ihm ist uns ein sicherer Kompass geboten worden, um uns auf dem Weg des jetzt beginnenden Jahrhunderts zu orientieren.“[9] Auch ich möchte mit Nachdruck hervorheben, was ich wenige Monate nach meiner Wahl zum Nachfolger Petri in Bezug auf das Konzil gesagt habe: „Wenn wir es mit Hilfe der richtigen Hermeneutik lesen und rezipieren, dann kann es eine große Kraft für die stets not- wendige Erneuerung der Kirche sein und immer mehr zu einer solchen Kraft werden.“[10]
   6. Die Erneuerung der Kirche geschieht auch durch das Zeugnis, das das Leben der Gläubigen bietet: Die Christen sind nämlich berufen, mit ihrer Existenz in der Welt das Wort der Wahrheit, das der Herr uns hinter- lassen hat, leuchten zu lassen. Gerade das Konzil stellte in der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium fest: „Während aber Christus heilig, schuldlos, unbefleckt war Hebr 7,26 und Sünde nicht kannte 2 Kor 5,21, sondern allein die Sünden des Volkes zu sühnen gekommen ist vgl. Hebr 2,17, umfasst die Kirche Sünder in ihrem eigenen Schoße. Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung. Die Kirche »schreitet zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahin« und verkündet das Kreuz und den Tod des Herrn, bis er wiederkommt vgl. 1 Kor 11,26. Von der Kraft des auferstandenen Herrn aber wird sie gestärkt, um ihre Trübsale und Mühen, innere gleichermaßen wie äußere, durch Geduld und Liebe zu besiegen und sein Mysterium, wenn auch schattenhaft, so doch getreu in der Welt zu enthüllen, bis es am Ende im vollen Lichte offenbar werden wird.“[11]
   Aus dieser Sicht ist das Jahr des Glaubens eine Aufforderung zu einer echten und erneuerten Umkehr zum Herrn, dem einzigen Retter der Welt. Im Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung hat Gott die rettende Liebe vollends offenbart und ruft die Menschen durch die Vergebung der Sünden zur Umkehr des Lebens vgl. Apg 5,31. Diese Liebe – so der Apostel Paulus – führt den Menschen in ein neues Leben: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ Röm 6,4. Durch den Glauben gestaltet dieses neue Leben die gesamte menschliche Existenz nach der radikalen Neuheit der Auferstehung. Im Maß der freien Bereitschaft des Menschen werden seine Gedanken und Gefühle, seine Mentalität und sein Verhalten allmählich geläutert und verwandelt auf einem Weg, der  in diesem Leben nie gänzlich vollendet wird. Der „Glaube, der in der Liebe wirk- sam ist“ vgl. Gal 5,6, wird zu einem neuen Maßstab für das Denken und Tun, der das ganze Leben des Menschen verändert vgl. Röm 12,2; Kol 3,9-10; Eph 4,20-29; 2 Kor 5,17.
   7. Caritas Christi urget nos (Kor 5,14): Die Liebe Christi ist es, die unsere Herzen erfüllt und uns dazu drängt, das Evangelium zu verkünden. Heute wie damals sendet er uns auf die Straßen der Welt, um sein Evangelium allen Völkern der Erde bekannt zu machen vgl. Mt 28,19. Mit seiner Liebe zieht Jesus Christus die Menschen aller Generationen an sich: Zu allen Zeiten ruft er die Kirche zusammen und vertraut ihr die Verkündigung des Evange- liums mit einem Auftrag an, der immer neu ist. Darum ist auch heute ein überzeugterer kirchlicher Einsatz für eine neue Evangelisierung notwendig, um wieder die Freude am Glauben zu entdecken und die Begeisterung in der Weitergabe des Glaubens wiederzufinden. Im täglichen Wiederentdecken der Liebe Gottes schöpft der missiona- rische Einsatz der Gläubigen, der niemals nachlassen darf, Kraft und Stärke. Der Glaube wächst nämlich, wenn er als Erfahrung einer empfangenen Liebe gelebt und als Erfahrung von Gnade und Freude vermittelt wird. Er macht fruchtbar, weil er das Herz in der Hoffnung weitet und befähigt, ein Zeugnis zu geben, das etwas zu bewirken ver- mag: Er öffnet nämlich Herz und Sinn der Zuhörer, damit sie die Einladung des Herrn, seinem Wort zuzustimmen und seine Jünger zu werden, annehmen. Die Gläubigen „werden stärker, indem sie glauben“, bezeugt der heilige Augustinus.[12] Der heilige Bischof von Hippo hatte gute Gründe, sich so auszudrücken. Wie wir wissen, war sein Leben eine ständige Suche nach der Schönheit des Glaubens, bis sein Herz in Gott Ruhe fand.[13] Seine zahl- reichen Schriften, in denen die Bedeutung des Glaubensaktes und die Wahrheit des Glaubens erklärt werden, bleiben bis in unsere Tage ein Erbe unvergleichlichen Reichtums und ermöglichen immer noch vielen Menschen auf der Suche nach Gott, den rechten Weg zu finden, um zur „Tür des Glaubens“ zu gelangen.
   Nur glaubend also wächst der Glaube und wird stärker; es gibt keine andere Möglichkeit, Gewissheit über das eigene Leben zu haben, als sich in ständig zunehmendem Maße den Händen einer Liebe zu überlassen, die als immer größer erfahren wird, weil sie ihren Ursprung in Gott hat.
   8. Aus Anlass dieses besonderen Jahrestags möchte ich die Mitbrüder im Bischofsamt auf dem ganzen Erdkreis einladen, sich in dieser Zeit der geistlichen Gnade, die der Herr uns anbietet, dem Nachfolger Petri anzuschließen, um des kostbaren Geschenks des Glaubens zu gedenken. Wir wollen dieses Jahr in würdiger und schöpferischer Weise feiern. Es soll intensiver über den Glauben nachgedacht werden, um allen, die an Christus glauben, zu helfen, ihre Zustimmung zum Evangelium bewusster und stärker werden zu lassen, vor allem in einem Moment tiefgreifender Veränderungen, wie ihn die Menschheit gerade erlebt. Wir werden die Gelegenheit haben, den Glauben an den auferstandenen Herrn in unseren Kathedralen und in allen Kirchen der Welt, in unseren Häusern und bei unseren Familien zu bekennen, damit jeder das starke Bedürfnis verspürt, den unveränderlichen Glauben besser zu kennen und an die zukünftigen Generationen weiterzugeben. Die Ordensgemeinschaften sowie die Pfarrgemeinden und alle alten wie neuen kirchlichen Realitäten werden Gelegenheit finden, in diesem Jahr das Credo öffentlich zu bekennen.
   9. Wir wünschen uns, dass dieses Jahr in jedem Gläubigen das Verlangen wecke, den Glauben vollständig und mit erneuerter Überzeugung, mit Vertrauen und Hoffnung zu bekennen. Es wird eine günstige Gelegenheit sein, um auch die Feier des Glaubens in der Liturgie zu verstärken, besonders in der Eucharistie, die der „Höhepunkt [ist], dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“.[14] Zugleich wünschen wir uns, dass das Zeugnis des Lebens der Gläubigen an Glaubwürdigkeit gewinnt. Die Inhalte des Glaubens, der bekannt, gefeiert, gelebt und im Gebet ausgedrückt wird, wiederzuentdecken[15] und über den Glaubensakt selbst nachzudenken, ist eine Verpflichtung, die jeder Gläubige übernehmen muss, vor allem in diesem Jahr.
   Nicht zufällig waren die Christen in den ersten Jahrhunderten angehalten, das Credo auswendig zu lernen. Das diente ihnen als tägliches Gebet, um die mit der Taufe übernommene Verpflichtung nicht zu vergessen. Mit bedeu- tungsvollen Worten erinnert der heilige Augustinus daran, wenn er in einer Predigt über die redditio symboli – die Übergabe des Credo – sagt: „Das Symbolum des heiligen Geheimnisses, das ihr alle gemeinsam empfangen und das ihr heute einzeln wiedergegeben habt, sind die Worte,  auf die der Glaube der Mutter Kirche fest gegründet ist, über dem sicheren Fundament, das Christus, der Herr, ist. Ihr habt es also empfangen und wiedergegeben, aber im Geist müsst ihr es immer gegenwärtig halten, ihr müsst es im Bett wiederholen, auf den Plätzen darüber nachdenken und es während der Mahlzeiten nicht vergessen; und selbst wenn euer Leib schläft, muss euer Herz in ihm wachen.“[16]
   10. An dieser Stelle möchte ich einen Weg skizzieren, der nicht nur die Glaubensinhalte tiefer zu verstehen hilft, sondern zusammen mit ihnen auch den Akt, mit dem wir beschließen, uns Gott in völliger Freiheit gänzlich anzuvertrauen. Es besteht nämlich eine tiefe Einheit zwischen dem Glaubensakt und den Inhalten, denen wir zustimmen. Der Apostel Paulus ermöglicht es, ins Innere dieser Wirklichkeit einzudringen, wenn er schreibt: „Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt…“ Röm 10,10a. Das Herz zeigt an, dass der erste Schritt, mit dem man zum Glauben kommt, eine Gabe Gottes und ein Akt der Gnade ist, die wirkt und den Menschen bis ins Innerste verwandelt.
  In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der Lydia sehr bedeutsam. Der heilige Lukas erzählt, dass Paulus, als er in Philippi war, sich am Samstag aufmachte, um einigen Frauen das Evangelium zu verkünden; unter ihnen war Lydia, und „der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte“ Apg 16,14. Der in diesen Worten enthaltene Sinn ist wichtig. Der heilige Lukas lehrt, dass die Kenntnis der zu glaubenden Inhalte nicht genügt, wenn dann das Herz, das echte „Heiligtum“ des Menschen, nicht durch die Gnade geöffnet wird, die Augen schenkt, um in die Tiefe zu sehen und zu verstehen, dass das, was verkündet wurde, das Wort Gottes ist.
   Mit dem Mund bekennen bedeutet seinerseits, dass der Glaube ein öffentliches Zeugnis und Engagement ein- schließt. Der Christ darf niemals meinen, glauben sei eine Privatsache. Der Glaube ist die Entscheidung, beim Herrn zu sein und mit ihm zu leben. Dieses „Bei-ihm-Sein“ führt in das Verständnis der Gründe ein, warum man glaubt. Gerade weil der Glaube ein Akt der Freiheit ist, erfordert er auch die gesellschaftliche Verantwortung für das, was man glaubt. Am Pfingsttag zeigt die Kirche in aller Deutlichkeit diese öffentliche Dimension, das heißt zu glauben und den eigenen Glauben furchtlos allen Menschen zu verkünden. Es ist die Gabe des Heiligen Geistes, der zur Mission befähigt und unser Zeugnis stärkt, indem er es freimütig und mutig sein lässt.
 Das Bekenntnis des Glaubens selbst ist ein persönlicher und zugleich gemeinschaftlicher Akt. Der erste Träger des Glaubens ist nämlich die Kirche. Im Glauben der christlichen Gemeinde empfängt jeder die Taufe, das wirksame Zeichen der Eingliederung in das Volk der Gläubigen, um das Heil zu erlangen. So bestätigt der Katechismus der Katholischen Kirche:„»Ich glaube«: das ist der Glaube der Kirche, wie ihn jeder Glaubende, vor allem bei der Taufe, persönlich bekennt. »Wir glauben«: das ist der Glaube der Kirche, wie ihn die zum Konzil versammelten Bischöfe oder, allgemeiner, die zur Liturgie versammelten Gläubigen bekennen. »Ich glaube«: So spricht auch die Kirche, unsere Mutter, die durch ihren Glauben Gott antwortet und uns sagen lehrt: »Ich glaube«, »wir glauben«.“[17]
   Wie man feststellen kann, ist die Kenntnis der Glaubensinhalte wesentlich, um die eigene Zustimmung zu geben, das heißt um sich dem, was von der Kirche vorlegt wird, mit Verstand und Willen völlig anzuschließen. Die Kenntnis des Glaubens führt in das Ganze des von Gott offenbarten Heilgeheimnisses ein. Die gegebene Zustimmung schließt also ein, dass man, wenn man glaubt, freiwillig das gesamte Glaubensgeheimnis annimmt, denn der Bürge für seine Wahrheit ist Gott selbst, der sich offenbart und es ermöglicht, sein Geheimnis der Liebe zu erkennen.[18]
   Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass in unserem kulturellen Kontext viele Menschen zwar die Gabe des Glaubens selbst nicht kennen, doch ernstlich auf der Suche nach dem letzten Sinn und der endgültigen Wahrheit über ihr Leben und über die Welt sind. Diese Suche ist ein authentisches „Vorspiel“ zum Glauben, weil es die Menschen auf dem Weg bewegt, der zum Geheimnis Gottes führt. Die Vernunft des Menschen trägt selbst das Bedürfnis nach dem „immer Gültigen und Bleibenden“[19] in sich. Dieses Bedürfnis stellt eine unauslöschlich ins menschliche Herz eingeschriebene ständige Einladung dar, sich auf den Weg zu machen, um den zu treffen, den wir nicht suchen würden, wenn er uns nicht bereits entgegengekommen wäre.[20] Eben zu dieser Begegnung lädt der Glaube uns ein und öffnet uns vollends.
   11. Um zu einer systematischen Kenntnis der Glaubensgeheimnisse zu gelangen, können alle im Katechismus der Katholischen Kirche ein wertvolles und unentbehrliches Hilfsmittel finden. Er ist eine der wichtigsten Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils. In der Apostolischen Konstitution Fidei depositum, die nicht zu- fällig anlässlich des dreißigsten Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils unterzeichnet wurde, schrieb der selige Johannes Paul II.: „Dieser Katechismus [wird] einen sehr wichtigen Beitrag zum Werk der Erneuerung des gesamten kirchlichen Lebens leisten ... Ich erkenne ihn als gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft an, ferner als sichere Norm für die Lehre des Glaubens.“[21]
   In ebendieser Aussicht soll das Jahr des Glaubens einen einhelligen Einsatz für die Wiederentdeckung und das Studium der grundlegenden Glaubensinhalte zum Ausdruck bringen, die im Katechismus der Katholischen Kirche systematisch und organisch zusammengefasst sind. Dort leuchtet nämlich der Reichtum der Lehre auf, die die Kirche in den zweitausend Jahren ihrer Geschichte empfangen, gehütet und dargeboten hat. Von der Heiligen Schrift zu den Kirchenvätern, von den Lehrern der Theologie zu den Heiligen über die Jahrhunderte hin bietet der Katechismus eine bleibende Erinnerung an die vielen Weisen, in denen die Kirche über den Glauben meditiert und Fortschritte in der Lehre hervorgebracht hat, um den Gläubigen in ihrem Glaubensleben Sicherheit zu geben.
   In seinem Aufbau selbst zeigt der Katechismus der Katholischen Kirche die Entwicklung des Glaubens bis hin zur Erwähnung der großen Themen des täglichen Lebens. Seite für Seite entdeckt man, dass das Dargestellte nicht eine Theorie, sondern die Begegnung mit einer Person ist, die in der Kirche lebt. Auf das Glaubensbekenntnis folgt nämlich die Erklärung des sakramentalen Lebens, in dem Christus gegenwärtig ist, wirkt und fortwährend seine Kirche aufbaut. Ohne die Liturgie und die Sakramente hätte das Glaubensbekenntnis keine Wirkkraft, denn es würde ihm die Gnade fehlen, die das Zeugnis der Christen unterstützt. In gleichem Maße gewinnt die Lehre des Katechismus über das moralische Leben seine volle Bedeutung, wenn sie in Beziehung zum Glauben, zur Liturgie und zum Gebet gesetzt wird.
12. In diesem Jahr kann deshalb der Katechismus der Katholischen Kirche ein wirkliches Instrument zur Unter- stützung des Glaubens sein, vor allem für die, denen die Bildung der Christen am Herzen liegt, die in unserem kulturellen Kontext so ausschlaggebend ist. Zu diesem Zweck habe ich die Kongregation für die Glaubenslehre beauftragt, in Absprache mit den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls eine Note zu erstellen, mit der der Kirche und den Gläubigen einige Hinweise gegeben werden, um dieses Jahr des Glaubens auf höchst wirksame und geeignete Weise im Dienst des Glaubens und der Evangelisierung zu leben.
   Der Glaube sieht sich ja mehr als in der Vergangenheit einer Reihe von Fragen ausgesetzt, die aus einer veränderten Mentalität herrühren, die besonders heute den Bereich der rationalen Gewissheiten auf den der wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften reduziert. Die Kirche hat sich jedoch nie gescheut zu zeigen, dass zwischen Glauben und authentischer Wissenschaft kein Konflikt bestehen kann, da beide – wenn auch auf verschiedenen Wegen – nach der Wahrheit streben.[22]
   13. Es wird entscheidend sein, im Laufe dieses Jahres die Geschichte unseres Glaubens durchzugehen, die das unergründliche Geheimnis der Verflechtung von Heiligkeit und Sünde sieht. Während erstere den großen Beitrag hervorhebt, den Männer und Frauen mit ihrem Lebenszeugnis für das Wachsen und die Entwicklung der Gemeinschaft geleistet haben, muss die zweite in einem jeden ein aufrichtiges und fortdauerndes Werk der Umkehr hervorrufen, um die Barmherzigkeit Gottes des Vaters zu erfahren, der allen entgegenkommt.
   In dieser Zeit werden wir unseren Blick auf Jesus Christus richten, „den Urheber und Vollender des Glaubens“ Hebr 12,2: In ihm finden alle Sorge und alles Sehnen des menschlichen Herzens ihre Erfüllung. Die Freude der Liebe, die Antwort auf das Drama von Leid und Schmerz, die Kraft zur Vergebung angesichts der erlittenen Beleidigung und der Sieg des Lebens gegenüber der Leere des Todes – alles findet Erfüllung im Geheimnis seiner Inkarnation, der Menschwerdung, des Mit-uns-Teilens der menschlichen Schwachheit, um sie mit der Macht seiner Auferstehung zu verwandeln. In ihm, der für unser Heil gestorben und auferstanden ist, erreichen die Beispiele des Glaubens, die diese zweitausend Jahre unserer Heilsgeschichte gekennzeichnet haben, ihren vollen Glanz.
   Aufgrund des Glaubens nahm Maria das Wort des Engels an und glaubte der Botschaft, dass sie im Gehorsam ihrer Hingabe die Mutter Gottes werden sollte vgl. Lk 1,38. Als sie Elisabeth besuchte, stimmte sie ihren Lobgesang auf den Allerhöchsten an für die Wunder, die er bei denen vollbrachte, die sich ihm anvertrauen vgl. Lk 1,46-55. Mit Freude und Bangen gebar sie ihren einzigen Sohn und bewahrte unversehrt ihre Jungfräulichkeit vgl. Lk 2,6-7. Im Vertrauen auf Josef, ihren Bräutigam, brachte sie Jesus nach Ägypten, um ihn vor der Verfolgung des Herodes zu retten vgl. Mt 2,13-15. Mit demselben Glauben folgte sie dem Herrn während seiner Verkündigung und blieb bei ihm bis zum Kalvarienberg vgl. Joh 19,25-27. Im Glauben kostete Maria die Früchte der Auferstehung Jesu, und indem sie alle Erinnerungen in ihrem Herzen bewahrte vgl.Lk 2,19.51, gab sie diese an die Zwölf weiter, die mit ihr im Abendmahlssaal versammelt waren, um den Heiligen Geist zu empfangen vgl. Apg 1,14; 2,1-4.
  Aufgrund des Glaubens verließen die Apostel alles, um dem Meister nachzufolgen vgl. Mk 10,28. Sie glaubten den Worten, mit denen er das Reich Gottes verkündete, das in seiner Person gegenwärtig und verwirklicht war vgl. Lk 11,20. Sie lebten in einer Gemeinschaft des Lebens mit Jesus, der sie in seiner Lehre unterwies und ihnen eine neue Lebensregel hinterließ, mit der sie nach seinem Tode als seine Jünger erkannt werden sollten vgl. Joh 13,34- 35. Aufgrund des Glaubens gingen sie in die ganze Welt hinaus und folgten dem Auftrag, das Evangelium zu allen Geschöpfen zu bringen vgl. Mk 16,15, und ohne jede Furcht verkündeten sie allen die Freude der Auferstehung, für die sie treue Zeugen waren.
   Aufgrund des Glaubens bildeten die Jünger die erste Gemeinde, die um die Lehre der Apostel, im Gebet und in der Eucharistiefeier versammelt war und in der sie alles gemeinsam hatten, um für die Bedürfnisse der Brüder aufzukommen vgl. Apg 2,42-47.
   Aufgrund des Glaubens gaben die Märtyrer ihr Leben hin, um die Wahrheit des Evangeliums zu bezeugen, dass sie verwandelt und zum größten Geschenk der Liebe befähigt hatte, indem sie ihren Verfolgern verziehen.
   Aufgrund des Glaubens haben Männer und Frauen ihr Leben Christus geweiht und alles verlassen, um in evan- gelischer Einfachheit den Gehorsam, die Armut und die Keuschheit zu leben als konkrete Zeichen der Erwartung des Herrn, der nicht säumt zu kommen. Aufgrund des Glaubens haben viele Christen Tätigkeiten zugunsten der Gerechtigkeit gefördert, um das Wort des Herrn, der gekommen ist, um die Befreiung von der Unterdrückung zu verkünden und ein Jahr der Gnade für alle auszurufen, konkret werden zu lassen. vgl. Lk 4, 18-19.
   Aufgrund des Glaubens haben im Laufe der Jahrhunderte Männer und Frauen jeden Alters, deren Namen im Buch des Lebens verzeichnet sind vgl. Offb. 7,9; 13,8, die Schönheit bekannt, was es heißt, dem Herrn Jesus dort nach- zufolgen, wo sie berufen waren, ihr Christsein zu bezeugen: in der Familie, im Beruf, im öffentlichen Leben, in der Ausübung der Charismen und Dienste, zu denen sie gerufen wurden.
   Aufgrund des Glaubens leben auch wir: für die lebendige Erkenntnis Jesu, des Herrn, der in unserem Leben und in der Geschichte gegenwärtig ist.
   14. Das Jahr des Glaubens wird auch eine günstige Gelegenheit sein, das Zeugnis der Liebe zu verstärken. Der heilige Paulus erinnert: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“1 Kor 13,13. Mit noch kräftigeren Worten – die von jeher die Christen in die Pflicht nehmen – sagt des Apostel Jakobus: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: »Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!«, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: »Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke« “ Jak 2,14-18.
 Der Glaube ohne die Liebe bringt keine Frucht, und die Liebe ohne den Glauben wäre ein Gefühl, das ständig dem Zweifel ausgesetzt ist. Glaube und Liebe erfordern sich gegenseitig, so dass eines dem anderen erlaubt, seinen Weg zu gehen. Nicht wenige Christen widmen ihr Leben nämlich liebevoll dem Einsamen, dem Randständigen oder dem Ausgeschlossen als dem, zu dem man zuallererst gehen muss und den zu unterstützen am wichtigsten ist, gerade weil sich in ihm das Antlitz Christi selbst widerspiegelt. Dank des Glaubens können wir in denen, die unsere Liebe erbitten, das Antlitz des auferstandenen Herrn erkennen. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ Mt 25,40: diese seine Worte sind eine nicht zu vergessende Mahnung und eine fortwährende Einladung, die Liebe zurückzugeben, mit der er sich unser annimmt. Der Glaube ist es, der es ermöglicht, Christus zu erkennen, und seine eigene Liebe ist es, die dazu drängt, ihm jedes Mal zu helfen, wenn er auf unserem Lebensweg unser Nächster wird. Vom Glauben getragen, sehen wir hoffnungsvoll auf unser Engagement in der Welt und erwarten dabei „einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ 2 Petr 3,13; vgl. Offb 21,1.
   15. Als der Apostel Paulus bereits am Ende seines Lebens angelangt war, forderte er seinen Schüler Timotheus auf, mit derselben Beständigkeit nach dem Glauben zu streben vgl. 2 Tim 2,22, die er in seiner Jugend hatte vgl. 2 Tim 3,15. Diese Einladung spüren wir an einen jeden von uns gerichtet, damit niemand nachlässig im Glauben werde. Er ist ein Gefährte unseres Lebens, der es erlaubt, mit stets neuem Blick die Wunder wahrzunehmen, die Gott für uns vollbringt. Darauf bedacht, die Zeichen der Zeit im Heute der Geschichte zu erkennen, verpflichtet der Glaube jeden von uns, ein lebendiges Zeichen der Gegenwart des Auferstandenen in der Welt zu werden. Das, was die Welt von heute besonders braucht, ist das glaubhafte Zeugnis derer, die, vom Wort des Herrn im Geist und im Herzen erleuchtet, fähig sind, den Geist und das Herz vieler zu öffnen für die Sehnsucht nach Gott und nach dem ewigen Leben, das kein Ende kennt.
   „Das Wort des Herrn breite sich aus und werde verherrlicht“ vgl. 2 Thess 3,1: Möge dieses Jahr des Glaubens die Beziehung zu Christus, dem Herrn, immer mehr festigen, denn nur in ihm gibt es die Sicherheit für den Blick in die Zukunft und die Garantie einer echten und dauerhaften Liebe. Die Worte des Apostels Petrus werfen einen letzten Lichtstrahl auf den Glauben: „Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herr- lichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil“ 1 Petr 1,6-9. Das Leben der Christen kennt die Erfahrung der Freude und die des Leidens. Wie viele Heilige haben die Einsamkeit erlebt! Wie viele Gläubige, auch in unseren Tagen, sind geprüft durch das Schweigen Gottes, während sie seine tröstende Stimme hören möchten! Während die Prüfungen des Lebens es erlauben, das Kreuzesmysterium zu verstehen und an den Leiden Christi teilzuhaben vgl. Kol 1,24, so sind sie ein Vorbote für die Freude und die Hoffnung, zu denen der Glaube führt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ 2 Kor 12,10. Wir glauben mit fester Gewissheit, dass Jesus, der Herr, das Böse und den Tod besiegt hat. Mit dieser sicheren Zuversicht vertrauen wir uns ihm an: Mitten unter uns gegenwärtig, besiegt er die Macht des Bösen vgl. Lk 11,20, und die Kirche, die sichtbare Gemeinschaft seiner Barmherzigkeit, bleibt in ihm als Zeichen der endgültigen Versöhnung mit dem Vater.
  Vertrauen wir der Mutter Gottes, die „selig“ gepriesen wird, weil sie „geglaubt hat“ Lk 1,45, diese Zeit der Gnade an.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 11. Oktober des Jahres 2011, dem siebenten des Pontifikates.

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Anmerkungen:
[1] Predigt zur Amtseinführung als Bischof von Rom (24. April 2005): AAS 97 (2005), 710.
[2] Vgl. Benedikt XVI., Predigt in der heiligen Messe auf dem Terreiro do Paço, Lissabon (11. Mai 2010): Insegnamenti VI, 1 (2010), 673.
[3] Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei depositum (11. Oktober 1992): AAS 86 (1994), 113-118.
[4] Vgl. Abschlußbericht der Außerordentlichen Bischofssynode (7. Dezember 1985), II, B, a, 4: Ench. Vat., Bd. 9, Nr. 1797.
[5] Paul VI., Apostolisches Schreiben Petrum et Paulum Apostolos anläßlich der 1900-Jahr-Feier des Martyriums der heiligen Apostel Petrus und Paulus (22. Februar 1967): AAS 59 (1967), 196.
[6] Ebd., 198.
[7] Paul VI., Feierliches Glaubensbekenntnis, Predigt bei der Konzelebration zur 1900-Jahr-Feier des Martyriums der heiligen Apostel Petrus und Paulus zum Abschluß des „Jahres des Glaubens“ (30. Juni 1968): AAS 60 (1968), 433-445.
[8] Ders., Generalaudienz (14. Juni 1967): Insegnamenti V (1967), 801.
[9] Vgl. Johannes Paul II., Schreiben Novo millennio ineunte, (6. Januar 2001), 57: AAS 93 (2001), 308.
[10] Ansprache an die Römische Kurie (22. Dezember 2005): AAS 98 (2006), 52.
[11] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 8.
[12] De utilitate credendi, 1,2.
[13] Vgl. Augustinus, Bekenntnisse, I,1.
[14] Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium
[15] Vgl. Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei depositum (11. Oktober 1992): AAS 86 (1994), 116.
[16] Sermo 215,1.
[17] Nr. 167.
[18] Vgl. Erstes Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. III: DS 3008-3009; Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 5.
[19] Vgl. Benedikt XVI., Ansprache im Collège des Bernardins, Paris (12. September 2008): AAS 100 (2008), 722.
[20] Vgl. Augustinus, Bekenntnisse, XIII, 1.
[21] Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei depositum (11. Oktober 1992): AAS 86 (1994), 115 und 117.
[22] Vgl. Ders., Enzyklika Fides et ratio (14. September 1998), Nrn. 34 und 106: AAS 91 (1999), 31-32. 86-87.
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be-183-Frbg-z Benedikt ruft zur Neuevangelisierung auf

Die Note der Glaubenskongregation: Pastorale Hinweise zum Jahr des Glaubens - Hier lesen Sie die Note der Glaubenskongregation mit postoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens in vollem Wortlaut:

Einführung
   Mit dem Apostolischen Schreiben Porta fidei vom 11. Oktober 2011 hat Text oben aud dieser Seite der Heilige Vater Benedikt XVI. ein Jahr des Glaubens ausgerufen, das am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Ökumenischen II. Vatikanischen Konzils, beginnen und bis zum 24. November 2013, dem Hochfest Christkönig, dauern wird.
   Dieses Jahr bietet für alle Gläubigen eine gute Gelegenheit, tiefer zu erfassen, dass das Fundament des christlichen Glaubens „die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person <ist>, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“. Gegründet auf der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus, kann der Glaube in seiner Ganzheit und in seiner vollen Strahlkraft neu entdeckt werden. „Auch in unseren Tagen ist der Glaube ein Geschenk, das es wiederzuentdecken, zu pflegen und zu bezeugen gilt“, damit „der Herr einem jeden von uns <gebe>, die Schönheit und Freude des Christseins zu leben“.
   Der Beginn des Jahres des Glaubens fällt mit der dankbaren Erinnerung an zwei bedeutende Ereignisse zu- sammen, die das Angesicht der Kirche in unseren Tagen geprägt haben: der fünfzigste Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, das der selige Johannes XXIII. einberufen hat (11. Oktober 1962), und der zwanzig- ste Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche, den der selige Johannes Paul II. der Kirche geschenkt hat (11. Oktober 1992).
   Nach den Worten von Papst Johannes XXIII. wollte das Konzil „die katholische Lehre unverfälscht und vollständig weitergeben, ohne sie abzuschwächen oder zu entstellen“, und sich dafür einsetzen, dass „diese sichere und unwandelbare Lehre, welcher der Gehorsam des Glaubens gebührt, in einer Weise erforscht und dargelegt werde, die unserer Zeit entspricht“. In diesem Zusammenhang bleiben die einleitenden Worte der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium von entscheidender Bedeutung: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet vgl. Mk 16,15“. Ausgehend vom Licht Christi, der in der Feier der heiligen Liturgie vgl. Kon- stitution Sacrosanctum Concilium und mit seinem göttlichen Wort vgl. Dogmatische Konstitution Wort Gottes reinigt, erleuchtet und heiligt, wollte das Konzil das innere Wesen der Kirche vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium und ihre Beziehung zur Welt von heute vgl. Pastoralkonstitution Gaudium et spes vertiefen. Diese vier Konstitutionen sind die wahren Säulen des Konzils, um die herum sich die Erklärungen und Dekrete gruppieren, die einige der wichtigeren Herausforderungen der Zeit behandeln.
   Nach dem Konzil bemühte sich die Kirche in Kontinuität zur Tradition und unter der sicheren Leitung des Lehramts um die Annahme und Umsetzung seiner reichhaltigen Lehre. Um die rechte Rezeption des Konzils zu fördern, haben die Päpste immer wieder die Bischofssynode einberufen, die vom Diener Gottes Paul VI. 1965 eingerichtet worden war; durch die verschiedenen nachsynodalen Apostolischen Schreiben haben sie der Kirche klare Orientierungen vorgelegt. Die nächste Vollversammlung der Bischofssynode im Oktober 2012 wird das Thema Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens behandeln.
   Von Beginn seines Pontifikats an hat sich Papst Benedikt XVI. entschieden für das rechte Verständnis des II. Vatikanischen Konzils eingesetzt. Er wies die so genannte „Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruchs“ als irrig zurück und förderte die von ihm so bezeichnete „‚Hermeneutik der Reform’, der Erneuerung des einen Sub- jekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg“.
  Auf dieser Linie ist der Katechismus der katholischen Kirche einerseits „eine authentische Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils“, andererseits will er dessen Annahme fördern. Die Außerordentliche Bischofssynode von 1985, die zum 25. Jahrestag des Abschlusses des II. Vatikanischen Konzils einberufen worden war, um eine Bilanz über dessen Annahme zu ziehen, machte den Vorschlag, einen solchen Katechismus zu erarbeiten, damit das Volk Gottes ein Kompendium der ganzen katholischen Lehre und einen sicheren Bezugspunkt für die lokalen Kate- chismen habe. Papst Johannes Paul II. hat diesen Vorschlag aufgenommen als Wunsch, „der voll einem wirklichen Bedürfnis der Gesamtkirche und der Teilkirchen entsprach“. Der Katechismus wurde in Zusammenarbeit mit dem ganzen Episkopat der katholischen Kirche erarbeitet und drückt wirklich das aus, „was man die ‚Symphonie’ des Glaubens nennen kann“.
   Der Katechismus enthält „Neues und Altes Mt 13,52 (…), weil der Glaube immer derselbe und zugleich Quelle für immer neues Licht ist. Um dieser doppelten Notwendigkeit zu entsprechen, greift der Katechismus der katho- lischen Kirche einerseits die ‚alte’, überlieferte Ordnung auf, der schon der Katechismus des heiligen Pius V. folgte, und gliedert den Inhalt in vier Teile: das Credo; die heilige Liturgie mit den Sakramenten an erster Stelle; das christliche Handeln, das von den Geboten ausgehend dargelegt wird; und zuletzt das christliche Gebet. Doch zugleich wird der Inhalt oft in ‚neuer’ Weise dargelegt, um auf Fragen unserer Zeit zu antworten“. Dieser Kate- chismus ist ein „gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft“ und eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“. In ihm sind die Glaubensinhalte „systematisch und organisch zusammengefasst (…). Dort leuchtet nämlich der Reichtum der Lehre auf, die die Kirche in den zweitausend Jahren ihrer Geschichte empfangen, gehütet und dargeboten hat. Von der Heiligen Schrift zu den Kirchenvätern, von den Lehrern der Theologie zu den Heiligen über die Jahrhunderte hin bietet der Katechismus eine bleibende Erinnerung an die vielen Weisen, in denen die Kirche über den Glauben meditiert und Fortschritte in der Lehre hervorgebracht hat, um den Gläubigen in ihrem Glaubensleben Sicherheit zu geben“.
   Das Jahr des Glaubens will zu einer neuen Bekehrung zum Herrn Jesus und zur Wiederentdeckung des Glaubens beitragen, damit alle Glieder der Kirche glaubwürdige und frohe Zeugen des auferstandenen Herrn in der Welt von heute seien und die Fähigkeit erlangen, den vielen Suchenden die „Tür des Glaubens“ zu zeigen. Diese „Tür“ öff- net den Blick des Menschen auf Jesus Christus, der unter uns ist „alle Tage, bis zum Ende der Welt“ Mt 28,20. Er zeigt uns, wie wir die „Kunst zu leben“ in „innige(r) Beziehung zu ihm“ erlernen. „Mit seiner Liebe zieht Jesus Christus die Menschen aller Generationen an sich: Zu allen Zeiten ruft er die Kirche zusammen und vertraut ihr die Verkündigung des Evangeliums mit einem Auftrag an, der immer neu ist. Darum ist auch heute ein überzeugterer kirchlicher Einsatz für eine neue Evangelisierung notwendig, um wieder die Freude am Glauben zu entdecken und die Begeisterung in der Weitergabe des Glaubens wiederzufinden“.
   Im Auftrag von Papst Benedikt XVI. hat die Kongregation für die Glaubenslehre in Absprache mit den zu- ständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls und mit Unterstützung des Komitees für die Vorbereitung des Jahres des Glaubens die vorliegende Note mit einigen Hinweisen für diese Zeit der Gnade erarbeitet, ohne dabei andere Vorschläge ausschließen, die der Heilige Geist unter den Hirten und den Gläubigen in den verschiedenen Teilen der Welt erwecken will.
Hinweise
   „Ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe“ 2 Tim 1,12; dieses Wort des heiligen Paulus hilft uns verstehen: „Der Glaube ist eine persönliche Bindung des Menschen an Gott und zugleich, untrennbar davon, freie Zustimmung zu der ganzen von Gott geoffenbarten Wahrheit“. Der Glaube als persönliches Vertrauen auf den Herrn und der Glaube, den wir im Credo bekennen, sind untrennbar, sie bedingen und erfordern sich gegenseitig. Es gibt eine tiefe Verbindung zwischen dem gelebten Glauben und seinen Inhalten: der Glaube der Zeugen und Bekenner ist auch der Glaube der Apostel und Kirchenlehrer.
   In diesem Sinn wollen die folgenden Hinweise zum Jahr des Glaubens die Begegnung mit Christus durch authentische Glaubenszeugen sowie eine immer bessere Kenntnis der Glaubensinhalte fördern. Es handelt sich dabei um Vorschläge mit Beispielcharakter und dem Ziel, eine bereitwillige Antwort der Kirche auf die Einladung des Heiligen Vaters zu fördern, dieses Jahr wirklich als eine „Zeit der Gnade“ zu leben. Die freudige Wiederent- deckung des Glaubens kann auch dazu beitragen, zwischen den verschiedenen Gruppen, aus denen die große Familie der Kirche besteht, die Einheit und die Gemeinschaft zu festigen.
I. Auf weltkirchlicher Ebene
1. Das wichtigste kirchliche Ereignis am Beginn des Jahres des Glaubens ist die XIII. Ordentliche Versammlung der Bischofssynode, die Papst Benedikt XVI. für Oktober 2012 zum Thema Die neue Evangelisierung für die Weiter- gabe des christlichen Glaubens einberufen hat. Während dieser Synode wird das Jahr des Glaubens mit einer feierlichen Messe am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, eröffnet.
2. Im Jahr des Glaubens sollen die Gläubigen zu Pilgerfahrten zum Stuhl Petri ermuntert werden, um dort den Glauben an Gott,  den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, zu bekennen und sich mit dem zu verbinden, der heute berufen ist, seine Brüder im Glauben zu stärken vgl. Lk 22,32. Es ist wichtig, auch Pilgerfahrten in das Heilige Land zu fördern, weil dieses Land zuerst die Gegenwart Jesu, des Erlösers, und seiner Mutter Maria gekannt hat.
3. Im Lauf dieses Jahres sollen die Gläubigen dazu eingeladen werden, sich mit besonderer Hingabe an Maria, das Urbild der Kirche, zu wenden, denn sie „vereinigt (…) die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wider“. Daher ist jede Initiative zu begrüßen, die den Gläubigen hilft, die besondere Rolle Marias im Geheimnis der Erlösung zu begreifen, sie kindlich zu lieben und ihr im Glauben und in den Tugenden zu folgen. Zu diesem Zweck eignen sich besonders Pilgerfahrten, Gottesdienste und Begegnungen an den größeren Heiligtümern.
4. Der nächste Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Juli 2013 bietet den Jugendlichen eine besondere Gelegenheit, in der großen Familie der Kirche jene Freude zu erleben, die aus dem Glauben an den Herrn Jesus und aus der Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater kommt.
5. Wünschenswert sind Symposien, Zusammenkünfte und Treffen im großen Stil, auch auf internationaler Ebene, um die Begegnung mit authentischen Glaubenszeugnissen und die Kenntnis der Inhalte der katho- lischen Lehre zu fördern. Um darzustellen, wie das Wort Gottes auch heute weiter wächst und sich ausbreitet, ist das Zeugnis wichtig, dass in Jesus Christus „alle Sorge und alles Sehnen des menschlichen Herzens ihre Erfüllung“ finden und der Glaube „zu einem neuen Maßstab für das Denken und Tun <wird>, der das ganze Leben des Menschen ver- ändert“. Einige Zusammenkünfte sollen vor allem der Wiederentdeckung der Lehren des II. Vatikanischen Konzils dienen.
6. Für alle Glaubenden bietet das Jahr des Glaubens eine gute Gelegenheit, die Kenntnis der wichtigsten Doku- mente des II. Vatikanischen Konzils und das Studium des Katechismus der katholischen Kirche zu vertiefen. Dies gilt besonders für die Priesteramtskandidaten, vor allem während des propädeutischen Jahres und in den ersten Jahren des Theologiestudiums, für die Novizinnen und Novizen der Institute des geweihten Leben und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, wie auch für all jene, die sich auf die Mitgliedschaft in einer kirchlichen Vereinigung oder Bewegung durch eine Zeit der Bewährung vorbereiten.
7. Dieses Jahr bietet eine gute Gelegenheit, die Homilien, Katechesen, Ansprachen und anderen Äußerungen des Heiligen Vaters mit noch größerer Bereitschaft aufzunehmen. Die Hirten, die Gottgeweihten und die christgläubigen Laien sind eingeladen, sich in wirklicher und aufrichtiger Treue zur Lehre des Nachfolgers Petri neu zu engagieren.
8. Während des Jahres des Glaubens sollen in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen verschiedene ökumenische Initiativen ergriffen werden, um „für die Wiederherstellung der Einheit aller Christen“ zu beten und zu arbeiten, was einem „der Hauptanliegen des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils“ entspricht. Insbesondere wird ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst stattfinden, um den Glauben aller Getauften an Christus zu bekräftigen.
9. Am Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wird ein eigenes Sekretariat eingerichtet, um die ver- schiedenen Initiativen zum Jahr des Glaubens zu koordinieren, die von den Dikasterien des Heiligen Stuhls ausgehen oder jedenfalls für die universale Kirche von Bedeutung sind. Dieses Sekretariat soll rechtzeitig über die wichtigsten Vorhaben informiert werden und kann seinerseits geeignete Initiativen vorschlagen. Das Sekretariat wird eine eigene Internetseite eröffnen, um alle Informationen zugänglich zu machen, die für ein wirksames Mitleben mit dem Jahr des Glaubens nützlich sind.
10. Zum Abschluss dieses Jahres wird am Hochfest Christkönig eine Eucharistiefeier mit dem Heiligen Vater statt- finden, bei der das Glaubensbekenntnis feierlich erneuert wird.
II. Auf der Ebene der Bischofskonferenzen
1. Im Bewusstsein der besonderen Sendung der Bischöfe als Lehrer und „Boten des Glaubens“ können die Bischofskonferenzen einen Studientag zum Thema des Glaubens, des persönlichen Glaubenszeugnisses und der Glaubensweitergabe an die neuen Generationen abhalten.
2. Es ist nützlich, die Neuveröffentlichung der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils, des Katechismus der katholischen Kirche und seines Kompendiums, auch in erschwinglichen Taschenbuchausgaben, sowie deren bessere Verbreitung durch elektronische Medien und moderne Technologien zu fördern.
3. Wünschenswert sind neue Anstrengungen, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und den Katechismus der katholischen Kirche in die Sprachen zu übersetzen, in denen sie bisher nicht vorliegen. Übersetzungen in die lokalen Sprachen der Missionsländer sollen durch karitative Initiativen unterstützt werden, wenn die dortigen Teil- kirchen die entstehenden Kosten nicht tragen können. Dies soll unter Führung der Kongregation für die Evan- gelisierung der Völker geschehen.
4. Die Hirten sollen auf die neuen Mittel der Kommunikation zurückgreifen und sich für die Förderung von Fernseh- und Radiosendungen, Filmen und Veröffentlichungen über Themen des Glaubens, seiner Grundsätze und Inhalte sowie der Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils für die Kirche einsetzen, und zwar auch auf breiter Ebene und für ein großes Publikum.
5. Die Heiligen und Seligen sind die authentischen Zeugen des Glaubens. Daher ist es angemessen, wenn die Bischofskonferenzen sich dafür einsetzen, die Heiligen ihres Landes bekannter zu machen, auch mit Hilfe der modernen sozialen Kommunikationsmittel.
6. Die Welt von heute ist sensibel für das Verhältnis von Glaube und Kunst. In diesem Sinn wird den Bischofs- konferenzen empfohlen, die Kunstwerke an den Orten, die ihrer Hirtensorge anvertraut sind, angemessen zu würdigen, auch zum Zweck der Katechese und gegebenenfalls in ökumenischer Zusammenarbeit.
7. Die Lehrenden an den theologischen Studienzentren, Seminaren und katholischen Universitäten werden einge- laden zu überprüfen, welche Relevanz die Inhalte des Katechismus der katholischen Kirche und deren Implika- tionen für die verschiedenen Fachgebiete in ihrem Unterricht besitzen.
8. Es ist nützlich, mit der Hilfe von Theologen und qualifizierten Autoren leicht verständliche apologetische Hilfsmittel vorzubereiten vgl. 1 Petr 3,15. So kann jeder Gläubige besser auf die Fragen antworten, die in den verschiedenen kulturellen Lebensbereichen gestellt werden, sei es im Bezug auf die Herausforderung durch Sekten, sei es im Zusammenhang mit der Problematik des Säkularismus und des Relativismus, sei es im Blick auf „Fragen (…), die aus einer veränderten Mentalität herrühren, die besonders heute den Bereich der rationalen Gewissheiten auf den der wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften reduziert“, sei es durch andere, besondere Schwierigkeiten.
9. Wünschenswert ist eine Überprüfung der lokalen Katechismen und der verschiedenen katechetischen Hilfsmit- tel, die in den Teilkirchen in Gebrauch sind, um ihre volle Übereinstimmung mit dem Katechismus der katholischen Kirche zu gewährleisten. Falls einige Katechismen oder katechetische Hilfsmittel nicht in vollem Einklang mit dem Katechismus stehen oder Lücken aufweisen, soll mit der Arbeit an neuen Texten begonnen werden, gegebenen- falls nach dem Beispiel und mit der Hilfe anderer Bischofskonferenzen, die diese Arbeit bereits geleistet haben.
10. In Zusammenarbeit mit der zuständigen Kongregation für das Katholische Bildungswesen soll überprüft wer- den, wie die Inhalte des Katechismus der Katholischen Kirche in der Rahmenordnung für die Ausbildung der zu- künftigen Priester und im Curriculum der theologischen Studien berücksichtigt werden.
III. Auf der Ebene der Diözesen
1. Auf der Ebene jeder Teilkirche ist ein Gottesdienst zur Eröffnung und zum feierlichen Abschluss des Jahres des Glaubens wünschenswert, um „den Glauben an den auferstandenen Herrn in unseren Kathedralen und in allen Kirchen der Welt (…) zu bekennen“.
2. Es ist angebracht, in jeder Diözese der Welt einen Studientag zum Katechismus der katholischen Kirche zu organisieren, zu dem besonders die Priester, die gottgeweihten Personen und die Katecheten eingeladen werden. Bei dieser Gelegenheit können die Eparchien der katholischen Ostkirchen zum Beispiel eine Begegnung der Priester planen, um von ihrer besonderen liturgischen Sensibilität und Tradition innerhalb des einen Glaubens an Christus Zeugnis zu geben. Ebenso können die jungen Teilkirchen der Missionsgebiete einge- laden werden, ein erneuertes Zeugnis von der Freude des Glaubens abzulegen, die sie so sehr auszeichnet.
3. Jeder Ortsbischof kann dem Thema des Glaubens einen Hirtenbrief widmen und dabei unter Berücksichtigung der besonderen pastoralen Umstände des ihm anvertrauten Teils der Gläubigen die Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche in Erinnerung rufen.
4. Es ist wünschenswert, dass in jeder Diözese unter der Verantwortung des Bischofs Katechesen organisiert und Begegnungen mit bekannten Glaubenszeugen gefördert werden; auf diese Weise soll den jungen Menschen und jenen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind, eine Hilfe geboten werden, um die Schönheit des kirchlichen Glaubens zu entdecken.
5. Es ist angebracht, die Rezeption des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche im Leben und in der Sendung jeder einzelnen Teilkirche zu überprüfen, besonders im Bereich der Katechese. In diesem Sinn ist ein erneuerter Einsatz auf Seiten der katechetischen Ämter der Diözesen wünschenswert. Ge- stützt durch die katechetischen Kommissionen der Bischofskonferenzen haben diese Ämter die Pflicht, für die Ausbildung der Katecheten in Bezug auf die Glaubensinhalte Sorge zu tragen.
6. Die Weiterbildung des Klerus kann sich in diesem Jahr des Glaubens vor allem auf die Dokumente des II. Vatika- nischen Konzils und den Katechismus der katholischen Kirche konzentrieren. Dabei können zum Beispiel folgende Themen behandelt werden: „Die Verkündigung des auferstandenen Christus“, „Die Kirche als Sakrament des Heils“, „Die Sendung zur Evangelisierung in der Welt von heute“, „Glaube und Unglaube“, „Glaube, Ökumene und interreligiöser Dialog“, „Glaube und ewiges Leben“, „Die Hermeneutik der Reform in der Kontinuität“, „Der Kate- chismus in der ordentlichen Seelsorge“.
7. Die Bischöfe werden eingeladen, besonders in der Fastenzeit Bußgottesdienste zu organisieren, um Gott um Vergebung zu bitten, auch und besonders für die Sünden gegen den Glauben. Das Jahr des Glaubens ist darüber hinaus eine günstige Zeit, mit festerem Glauben und größerer Häufigkeit das Sakrament der Buße zu empfangen.
8. Es ist wünschenswert, die Welt der Wissenschaft und der Kultur für einen kreativen Dialog zwischen Glaube und Vernunft neu mit einzubeziehen, und zwar durch Symposien, Zusammenkünfte und Studientage, insbesondere an den katholischen Universitäten. Dabei ist zu zeigen „dass zwischen Glauben und authentischer Wissenschaft kein Konflikt bestehen kann, da beide – wenn auch auf verschiedenen Wegen – nach der Wahrheit streben“.
9. Es ist wichtig, Begegnungen mit Menschen zu fördern, die „zwar die Gabe des Glaubens selbst nicht kennen, doch ernstlich auf der Suche nach dem letzten Sinn und der endgültigen Wahrheit über ihr Leben und über die Welt sind“. Dabei kann man sich auch von den Dialogen im Vorhof der Völker inspirieren lassen, die unter Anleitung des Päpstlichen Rates für die Kultur angelaufen sind.
10. Das Jahr des Glaubens kann eine Gelegenheit sein, den katholischen Schulen größere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn diese sind geeignete Stätten, um den Schülern ein lebendiges Zeugnis für den Herrn zu bieten und ihren Glauben zu pflegen. Dafür soll man auf gute katechetische Hilfsmittel zurückgreifen, wie zum Beispiel das Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche oder Youcat.
IV. Auf der Ebene der Pfarreien / Gemeinschaften / Vereinigungen / Bewegungen
1. Zur Vorbereitung auf das Jahr des Glaubens sind alle Gläubigen eingeladen, das Apostolische Schreiben Porta fidei Text oben auf dieser Seite des Heiligen Vaters Benedikt XVI. zu lesen und sorgfältig zu bedenken.
2. Das Jahr des Glaubens „wird eine günstige Gelegenheit sein, um auch die Feier des Glaubens in der Liturgie zu verstärken, besonders in der Eucharistie“. In der Eucharistie, Geheimnis des Glaubens und Quelle der Neuevange- lisierung, wird der Glaube der Kirche verkündet, gefeiert und gestärkt. Alle Gläubigen sind eingeladen, bewusst, tätig und fruchtbar an der Eucharistie teilzunehmen, um authentische Zeugen des Herrn zu sein.
3. Die Priester können dem Studium der Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katho- lischen Kirche größere Aufmerksamkeit schenken und daraus für die Pfarrseelsorge Gewinn schöpfen: für die Katechese, die Verkündigung und die Vorbereitung auf die Sakramente. Sie können auch Predigtreihen über den Glauben oder über einige besondere Aspekte ansetzen, etwa über „Die Begegnung mit Christus“, „Die grundle- genden Inhalte des Glaubensbekenntnisses“ oder zum Thema „Glaube und Kirche“.
4. Die Katecheten können verstärkt auf den lehrmäßigen Reichtum des Katechismus der katholischen Kirche zurückgreifen und unter der Leitung der zuständigen Pfarrer Gruppen von Gläubigen anleiten, den Katechismus zu lesen und gemeinsam zu vertiefen, um kleine Gemeinschaften des Glaubens und des Zeugnisses für den Herrn Jesus zu schaffen.
5. In den Pfarreien ist ein neues Engagement für die Verbreitung und die Verteilung des Katechismus der katho- lischen Kirche oder anderer Hilfsmittel wünschenswert, welche geeignet sind für die Familien, die echte Haus- kirchen und primäre Orte der Weitergabe des Glaubens sind. Dies kann etwa bei Haussegnungen, Erwachse- nentaufen, Firmungen oder Trauungen geschehen und wird dazu beitragen, die katholische Lehre zu vertiefen und „in unseren Häusern und bei unseren Familien zu bekennen, damit jeder das starke Bedürfnis verspürt, den unveränderlichen Glauben besser zu kennen und an die zukünftigen Generationen weiterzugeben“.
6. Wünschenswert ist die Durchführung von Volksmissionen und anderen Initiativen in den Pfarreien und an den Arbeitsstätten, um den Gläubigen zu helfen, das Geschenk des Taufglaubens und die Verantwortung, davon Zeugnis zu geben, neu zu entdecken. Dabei ist das Bewusstsein zu wecken, dass „die christliche Berufung (…) ihrer Natur nach auch Berufung zum Apostolat“ ist.
7. In dieser Zeit sind die Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens aufgerufen, sich durch eine erneuerte Hingabe an den Herrn Jesus, auf der Grundlage ihrer eigenen Charismen und in Treue zum Heiligen Vater und zur gesunden Lehre für die Neuevangelisierung einzusetzen.
8. Die kontemplativen Gemeinschaften werden während des Jahres des Glaubens dem Gebet für die Erneuerung des Glaubens im Volk Gottes und für einen neuen Schwung in seiner Weitergabe an die jungen Generationen besondere Aufmerksamkeit schenken.
9. Die kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen sind aufgerufen, besondere Initiativen in Angriff zu nehmen, die sich durch den Beitrag des jeweiligen Charismas und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Hirten in das große Ereignis des Jahres des Glaubens einfügen. Die neue Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen sollen kreativ und großzügig die geeignetsten Wege finden, um ihr Glaubenszeugnis in den Dienst der Kirche zu stellen.
10. Alle Gläubigen sind gerufen, das Geschenk des Glaubens neu zu verlebendigen. Sie sollen versuchen, die eigene Erfahrung des Glaubens und der Liebe im Dialog mit ihren Brüdern und Schwestern, auch in den anderen christlichen Konfessionen, mit den Anhängern anderer Religionen und mit den Menschen, die nicht glauben oder indifferent sind, zur Sprache zu bringen. Auf diese Weise soll das ganze christliche Volk bei den Menschen, mit denen es zusammenlebt und -arbeitet, in eine Art Mission eintreten, und dabei vom Bewusstsein erfüllt sein, „eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist“.
Abschluss
   Der Glaube „ist ein Gefährte unseres Lebens, der es erlaubt, mit stets neuem Blick die Wunder wahrzunehmen, die Gott für uns vollbringt. Darauf bedacht, die Zeichen der Zeit im Heute der Geschichte zu erkennen, verpflichtet der Glaube jeden von uns, ein lebendiges Zeichen der Gegenwart des Auferstandenen in der Welt zu werden“. Der Glaube ist ein persönlicher und zugleich ein gemeinschaftlicher Akt: Er ist ein Geschenk Gottes, das  in der großen Gemeinschaft der Kirche gelebt wird und der Welt mitgeteilt werden muss. Jede Initiative für das Jahr des Glaubens will der freudigen Wiederentdeckung und dem erneuerten Zeugnis des Glaubens dienen. Die hier gege- benen Hinweise haben das Ziel, den Einsatz aller Glieder der Kirche zu fördern, damit dieses Jahr eine her- ausragende Gelegenheit wird, das mit anderen zu teilen, was für den Christen das Teuerste ist: Jesus Christus, den Erlöser des Menschen, den König des Universums, „den Urheber und Vollender des Glaubens“ Hebr 12,2.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 6. Januar 2012, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn.
William Kard. Levada
Präfekt

X Luis F. Ladaria, SJ
Titularerzbischof von Thibica
Sekretär

be-118-PDrHermGeißlerFSO-xx Pater Hermann Geißler FSO

Interview mit Pater Geißler: “Papst will Schönheit des Glaubens bewusst machen.”

   Überarbeitung von Religionsbüchern, Bußgottesdienste für Verfehlungen gegen den Glauben, mehr Dialog mit der Wissenschaft: Das sind einige der konkreten Vorschläge aus der Glaubenskongregation für das „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012 eröffnen wird: am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die entsprechende Note der Glaubenskongregation siehe den Bericht oben wurde jetzt publiziert. Wir sprachen darüber mit Pater Hermann Geißler, der die Lehrabteilung der Glaubenskongregation leitet, und wollten zunächst von ihm wissen, ob ein Dokument aus der Glaubenskon- gregation im Vorfeld einer pastoralen Initiative des Papstes nicht etwas Ungewöhnliches sei.
    „Es ist in der Tat ein etwas atypisches Dokument. Aber die Glaubenskongregation ist ja nicht nur dafür zu- ständig, Irrlehren zu verurteilen und den Glauben zu schützen, sondern sie ist auch und vorrangig zuständig, die Glaubenslehre zu fördern. Diese Note ist ein Dokument, das eben das Ziel hat, den Glauben zu fördern und Vorschläge zu machen: den Bischofskonferenzen, den Bischöfen, Pfarrern, Religionslehrern, allen Gläubigen letzt- lich, und es steht dann frei, was davon aufgegriffen wird und was nicht. Wir hoffen, dass die Kirche großherzig und mit kollegialem Geist viele der Vorschläge aufgreift.“
Welche Absichten verfolgt Papst Benedikt mit dem „Jahr des Glaubens“?
   „Der Glaube bedarf der Bildung – wie alles andere auch“ „Ich würde vor allem von drei Absichten sprechen. Die erste besteht mit Sicherheit darin, dass es dem Papst wichtig ist, die Schönheit des Glaubens den Menschen neu bewusst zu machen. Ich denke, viele empfinden den Glauben heute als eine Last, eine Bürde – als einen Ruck- sack, der uns das Leben irgendwie schwermacht. Das aber ist nicht die richtige Vorstellung des Glaubens. Der Glaube ist im Kern eine Beziehung:  eine Beziehung der Liebe zwischen Gott und dem Menschen. Eine Beziehung, die uns Freude macht, die uns Hoffnung schenkt, die uns eine große Zukunft eröffnet. Ich denke: Den Menschen das bewusst zu machen, das ist wohl die erste und grundlegende Absicht.
  Und dann verbindet sich damit ein Zweites: Der Papst möchte uns helfen, dass wir die eigentliche Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils tiefer verstehen. Wir wissen, dass das Konzil die Kirche von Christus her erneuern wollte; dass es wollte, dass die Kirche den Geist Christi neu hineinbläst in die Welt. Aber mancherorts ist der Geist der Welt in die Kirche hineingekommen. Ich denke, der Heilige Vater möchte uns eben helfen, uns neu mit den Texten des Konzils auseinanderzusetzen, damit wir verstehen, was das Konzil wirklich wollte.
   Und dann noch ein Drittes: Der Papst möchte uns mit diesem Jahr des Glaubens auch ermutigen, dass wir den Glauben in seiner ganzen Schönheit und seiner ganzen Fülle neu entdecken, so wie er im Katechismus der Katho- lischen Kirche zusammengefasst ist. Ich habe neulich eine Schrift von Kardinal Newman gelesen, der vor 150 Jahren gesagt hat: Wenn die Gläubigen ihren Glauben nicht bilden, dann enden sie in der Gleichgültigkeit oder im Aber- glauben. Ich denke, das ist ein prophetisches Wort: Wir müssen neu erkennen, dass der Glaube der Bildung bedarf – so wie alles andere auch!“  
Die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner Texte ist tatsächlich ein Kernthema Papst Benedikts und seines Pontifikats. Sie haben es angedeutet: Es gibt Interpretationen dieser Dokumente, die dem Heiligen Vater nicht liegen. Welche Art der Interpretation dieser Dokumente schlägt er vor?
   „Ja, wir wissen alle, dass der Heilige Vater davon gesprochen hat, man dürfe das Konzil nicht als Bruch mit der Vergangenheit verstehen. Das ist nicht die Auffassung des Heiligen Vaters, sondern die Auffassung der katho- lischen Kirche: Mann kann ein Konzil nicht gegen die ganze Tradition ausspielen, ein Konzil muss immer hinein- genommen sein in den ganzen Traditionsstrom. Deswegen ist die Interpretation des Papstes, dass das Konzil eine Reform wollte in Kontinuität mit der Vergangenheit, die einzige wirklich katholische Interpretation des Konzils. Und sicherlich will dieses Jahr des Glaubens auch dazu beitragen. Das Konzil wollte, wie gesagt, den Glauben nicht ändern, das Konzil wollte den Glauben „aggiornieren“, also verheutigen und für den Menschen unserer Zeit neu verständlich machen. Das ist uns, müssen wir ganz offen sagen, weithin nicht oder noch nicht gelungen.
   Ich denke, der Katechismus der Katholischen Kirche ist uns dabei eine ganz große Hilfe: Er ist, wie manche sagen, das letzte Dokument des Konzils, er stellt auf jeden Fall eine große Frucht des Konzils dar. Im Katechismus wird kein Konzil so oft zitiert wie das Zweite Vatikanum, und der große Reichtum des Katechismus besteht darin, dass er das Konzil hineinbettet in die ganze Tradition, in den ganzen Reichtum der katholischen Glaubenslehre. Deswegen ist er ein großes Hilfsmittel für die Erneuerung der Kirche in der Kontinuität.  
  Ich will noch ein Drittes hinzufügen: Am Anfang des Jahres des Glaubens wird ja die Synode für die Neuevan- gelisierung stattfinden. Da ist es ganz wichtig, dass wir das Konzil und auch den Katechismus sehen im Blick auf die Evangelisierung und die Neuevangelisierung. Wir haben den Glauben nicht bekommen, um ihn still in unserem Herzen zu verbergen, sondern um ihn weiterzugeben, um mit der Flamme, die wir bekommen haben, andere anzustecken!
“Auffallend ist die ökumenische Ausrichtung des Jahres des Glaubens – wie äußert sie sich?
    „Die Ökumene ist für die katholische Kirche von großer Bedeutung. Wir wissen, dass es im Konzil ein eigenes Dokument gibt, Unitatis Redintegratio – Über die Wiederherstellung der Einheit aller Christen. Nun, können wir gottlob sagen, ist die Einheit im Glauben nicht ganz auseinandergebrochen – im Wesentlichen sind wir eins ge- blieben, und dieses Wesentliche ist der Glaube an Jesus Christus, den einen Erlöser, den Herrn. Das zu feiern und zu bekennen, das der Welt zu sagen, ist wichtig. Und auch, darum zu kämpfen, dass wir dieses gemeinsame Fundament nicht verlieren, wie der Papst auch bei seinem Deutschlandbesuch in Erfurt in Erinnerung gerufen hat.
   Ich möchte noch ein Zweites hinzufügen: Die Neubesinnung auf den Kern des Glaubens, vor allem auf die persönliche Begegnung und Beziehung zu Christus, kann uns helfen und Ansporn sein, dass wir auf dem Weg der Einheit nicht müde werden, sondern auf diesem Weg weitergehen und das große Ziel weiterhin vor Augen be- halten und entschieden für dieses Ziel beten und arbeiten, nämlich für die volle Einheit im Glauben. Deswegen wird es verschiedene ökumenische Veranstaltungen geben; das ist im Detail noch zu klären mit dem Rat für die Ökumene. Es wird hier in Rom eine große Feier geben mit dem Papst, bei der der Glaube an Christus, der allen Christen gemeinsam ist, bekannt wird vor der ganzen Welt.
   Es wird auch aufgerufen, dass wir z.B. die Kunstschätze, die wir haben, neu als Mittel für die Katechese sehen; ich denke da etwa an die Ikonen, die ja nicht nur der Orthodoxie, sondern auch uns teuer und wichtig sind, ich denke auch an große Musiker wie etwa einen Bach, dessen Musik nicht nur die evangelischen Brüder und Schwestern, sondern auch uns berührt und die uns wirklich helfen kann, weiterzukommen.“  
Die Note der Glaubenskongregation ruft die Bischofskonferenzen in aller Welt dazu auf, die Qualität ihrer Katechese zu überprüfen. Aus Ihrer Erfahrung, aus der Erfahrung der Glaubenskongregation: Wo krankt es denn da im Moment besonders?
   „Die Katechese ist für die Kirche seit den ersten Jahrhunderten von ganz großer Bedeutung gewesen. Mit Sicherheit gibt es in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hier echte Defizite, das müssen wir ganz nüchtern sagen. Wieso tun sich heute so viele Menschen so schwer, den Glauben zu verstehen? Wieso bleibt die Katechese, der Religionsunterricht, so wirkungslos, wenigstens weithin? Ich glaube, dass es nicht nur die ganze Situation der Welt ist, die das Glauben schwieriger macht - das natürlich auch. Ich glaube, dass wir hier ganz offen und selbstkritisch sein müssen: Was ist hier passiert?
  Ich möchte zwei Dinge nennen, die mir in diesem Zusammenhang wichtig scheinen: Das erste ist die persön- liche Überzeugung der Katecheten, der Religionslehrer, der Priester. Gottlob gibt es viele gute Katecheten; ich will hier nicht alles schwarzsehen. Aber ich denke, wir müssen sagen: Es gibt Katecheten, es gibt Religionslehrer, die sich nicht voll mit dem Glauben identifizieren, die den Religionsunterricht bzw. die Katechese mehr als Information sehen und nicht als Glaubenszeugnis, die also nicht wirklich mit ihrer Person dahinterstehen. Mir scheint, das wichtigste in der Katechese, in der Glaubensweitergabe ist, dass die Menschen, die den Glauben weitergeben, selbst davon erfüllt sind. Dass sie davon überzeugt sind. Dann kann der Funke überspringen!
   Und noch ein Zweites, das wir den Bischofskonferenzen ans Herz legen: Das sind die Hilfsmittel für die Kate- chese, das sind die Katechismen und Religionsbücher. Ich denke, sie sind normalerweise pädagogisch sehr gut aufgemacht; aber was die Glaubenssubstanz anbelangt, braucht es hier, denke ich, noch ein großes Stück Arbeit, damit die Religionsbücher wirklich helfen, den ganzen Glauben in seiner Schönheit und seiner Fülle zu verstehen und kennenzulernen. Ich möchte hier verweisen auf die US-amerikanische Bischofskonferenz, die nach der Her- ausgabe des Weltkatechismus alle Religionsbücher von den Grundschulklassen bis zur Abiturklasse neu Kate- chismuskonform gestaltet hat. Ich denke, das ist ein großer Auftrag für unsere deutschsprachgen Länder.“  
Pater Geißler, es gibt in der Note der Glaubenskongregation Vorschläge auf verschiedenen Ebenen. Unter den Vorschlägen an die Diözesen der Welt nennt die Zusammenfassung zwei Initiativen: Es geht zum einen um einen kreativen Dialog zwischen Glauben und Vernunft, andererseits um Bußgottesdienste. Glaube und Ver- nunft – welche Initiativen sind denn aus Sicht der Glaubenskongregation besonders dazu geeignet, gegen- seitige Vorurteile, wo noch vorhanden, abzubauen?
   „Ich denke, das ist ein ganz wichtiges Thema, weil die heutige Welt nur das als vernünftig ansieht, was man ve- rifizieren kann. Das ist der Zeitgeist geworden; der Papst weist immer wieder darauf hin. Ich denke, es ist ein gro- ßer Auftrag, dass wir immer wieder zeigen, dass die Vernunft offener ist: dass sie nicht nur das verstehen kann, was ich messen, zählen oder wägen kann, sondern dass ich mit der Vernunft auch das erkennen kann, was mir Sinn gibt. Dass ich z.B. erkennen kann, was gut und böse ist. Dass ich mit der Vernunft sogar an Gott heran- kommen kann, und dass es letztlich zwischen Glauben und Vernunft keinen Widerspruch geben kann, weil beide wie zwei Flügel sind, die uns helfen, zur Wahrheit zu gelangen – so hat es Papst Johannes Paul II. einmal formuliert.
   Nun, die Note macht hier eigentlich keine ganz konkreten Vorschläge, sondern sagt, dass es wichtig ist, dieses grundlegende Thema aufzugreifen, dass es wichtig ist, Symposien und Studientage zu veranstalten. Die Note weist hier auf die katholischen Universitäten hin, die besonders diesen Auftrag haben. Ich weiß von einer Reihe von katholischen Universitäten und Professoren, die da tätig sind, dass es da eine große Offenheit gibt – auch von den Universitäten her. Ich denke, diese Offenheit müssen wir nützen, darauf müssen wir eingehen, um so wirklich einen neuen, kreativen Dialog auszulösen. Ich denke, es geht nicht nur darum, dass wir den gegenseitigen Respekt fördern, das natürlich auch; vielmehr kommt es darauf an, sozusagen eine neue Freundschaft zwischen Glauben und Vernunft zu finden.“  
Ist denn die Offenheit, von der Sie sprachen, eher auf Seiten des Glaubens oder auf Seiten der Vernunft zu verzeichnen?
   „Ich würde sagen, dass man darauf keine ganz leichte Antwort geben kann. Der Glaube - wenn er echt ist, wenn er nicht fundamentalistisch ist oder kleinkariert - ist immer offen für die Vernunft, denn wie es im Petrusbrief heißt: Wir müssen fähig sein, denen Antwort zu geben, die nach unserer Hoffnung fragen. Das heißt: Wir Christen müs- sen fähig sein, den Glauben auszusprechen, Argumente für den Glauben zu geben. Das Jahr des Glaubens will auch dazu helfen. Wie ich manchmal etwas scherzhaft sage: Es ist viel vernünftiger, zu glauben, als nicht zu glauben. Es ist schwierig, nicht zu glauben, denn wie kann ich dann die Welt erklären, wenn es keinen Gott gibt?  
   Also, ich denke, von einem echten Glauben her muss immer die Offenheit für die Vernunft da sein, und auch von der Vernunft her sollte es Offenheit für den Glauben geben. Da gibt es natürlich, denke ich, Menschen, die offen sind, die wirklich fragen und ihren Verstand anstrengen und merken, dass sie an ihre Grenzen stoßen, etwa wenn sie das Weltall betrachten, wenn sie den Aufbau einer Zelle betrachten, wenn sie das Wunderwerk des mensch- lichen Organismus betrachten usw. – es gibt aus meiner Sicht also viele Möglichkeiten, die uns hinführen an die Schwelle des Glaubens. Ein Max Planck z.B. hat gesagt: Je mehr ich mich mit der Wissenschaft beschäftige, desto gläubiger werde ich. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor natürlich auch ein Wissenschaftsverständnis, das für den Glauben nicht offen ist, weil es nach wie vor meint: Echt vernünftig kann nur das sein, was ich verifizieren und messen kann. Der Positivismus, von dem ich schon gesprochen habe, ist nach wie vor weitverbreitet, und es wird viel Anstrengung verlangen, um hier den gegenseitigen Dialog zu fördern.“
Ein weiterer Vorschlag an die Diözesen sind Bußgottesdienste. Geht das in Richtung eines „Mea culpa“?
   „Die Bußgottesdienste sind vielleicht eine originelle Idee, die in der Vorbereitung dieser Note aufgekommen ist. Ich denke, das hängt mit einem Punkt zusammen, der schon sehr wichtig ist: Der Glaube ist die kostbare Perle, von der das Evangelium spricht. Wenn wir diese Perle empfangen haben, von Gott geschenkt bekommen haben, dann ist es wichtig, dass wir sie wahren, dass wir den Glauben auch hüten, nähren, weitergeben und bezeugen. Nun haben wir schon gesagt, es gibt hier sicher große Defizite in der Kirche; es gibt sehr viele Glieder der Kirche, die den Glauben nicht kennen, manche, die den Glauben sogar ablehnen. Viele, die den Glauben nicht nähren, sich nicht damit beschäftigen, die sich nicht bilden, die den Glauben nicht bezeugen. Es gibt auch Priester, Religions- lehrer, die nicht voll zum Glauben der Kirche stehen, die auch zweideutige Ideen ausstreuen und damit den Glauben eigentlich nicht fördern, sondern oft Verwirrung stiften. 
   Ich denke wir müssen auch zugeben, dass mancher Akzent in der Kirche sehr stark auf soziale, humanitäre Fragen gelegt worden ist. Das sind wichtige Themen, verstehen Sie mich nicht falsch, aber mancherorts wurde der Glaube als zweitrangig betrachtet. All das müssen wir sehen und all das hat dazu beigetragen, dass die Kirche in eine Krise des Glaubens hineingerutscht ist, die sehr groß ist. Der Papst sagt, das wesentliche Problem der Kirche heute ist die Glaubenskrise, und ich denke, wir müssen neu lernen, dass die Sünden gegen den Glauben schwer sind, dass sie sehr schädlich sind und in der Kirche wirklich vieles kaputt machen. Ich denke, wir müssen ganz demütig für diese Sünden um Vergebung bitten. Dazu wollen diese Bußgottesdienste motivieren.“
Das heißt, es sind in erster Linie die Sünden gegen den Glauben, die Gegenstand der Bußgottesdienste wer- den sollen?
   „Ja, nicht ausschließlich. Es heißt in der Note, dass Bußgottesdienste, in denen Gott um Vergebung gebeten wird, stattfinden sollen, auch und vor allem für die Sünden des Glaubens. Aber sicherlich ist es ein Anliegen der Note, neu bewusst zu machen, dass die Sünden gegen den Glauben keine Kleinigkeit sind.“  
Auf der Ebene der Pfarreien bleibt das Feiern der Gottesdienste, in erster Linie der Eucharistie, am wichtig- sten. Welche Schwerpunkte sind denn hier vorstellbar, um das Jahr des Glaubens besonders zu begehen? 
  „Die Eucharistie ist und bleibt das Mysterium des Glaubens, das Geheimnis des Glaubens, denn in der Eucha- ristie wird uns nicht irgendetwas geschenkt, sondern da wird uns der Herr selber geschenkt. ER selber spricht zu uns, er selber kommt zu uns mit seiner Liebe und seiner ganzen Gegenwart, mit seiner Macht und mit seiner Wahrheit. In der Eucharistie wird der Glaube ständig erneuert, von Gott her erneuert. Da wird die Kirche aufgebaut, da werden wir eins und wir werden gestärkt. Deswegen bleibt die Eucharistie die wichtigste Form, den Glauben zu fördern. Wir müssen neu lernen, dass die Eucharistie ganz zentral ist und nicht ersetzt werden kann, wie es mancherorts durch Wortgottesdienste üblich geworden ist. Wir müssen lernen, dass wir Opfer bringen müssen, um bei einer Eucharistie teilzunehmen und dem Herrn selber im Wort und im Sakra- ment begegnen zu können.
   Ich möchte sagen, dass von hier aus eigentlich alle anderen Initiativen starten sollten. Die Messe ist Gottes Werk, alles andere ist auch Menschenwerk. Wichtig sind dabei die Homilien. Die gewöhnlichen seelsorglichen Ereignisse sollen genützt werden, um den Glauben zu bezeugen und weiterzugeben. Sicherlich werden auch hier die vielen Orden und Gemeinschaften, die vielen Bewegungen sehr hilfreich sein. Da müssen wir auch zu einem neuen Miteinander finden zwischen Pfarren und Gemeinschaften, damit wir uns gegenseitig stützen und helfen,  den Glauben wirklich zu erneuern und ihn in seiner ganzen Schönheit den Menschen darzubringen.“  
Eine Frage zur Organisation. Es sind am Heiligen Stuhl bestimmte Komitees zur Vorbereitung, Durchführung und Koordinierung dieses Jahres des Glaubens gegründet worden. Können Sie uns dazu ein Wort sagen?   
 
„Es wurde vor etwa einem Jahr ein Komitee zur Vorbereitung des Jahres des Glaubens hier an der Glaubens- kongregation vom Heiligen Vater eingerichtet. Dieses Komitee hat seine Arbeit jetzt abgeschlossen. Diesem Komitee gehören 15 Kardinäle und Bischöfe an, die Hälfte etwa sind Bischöfe aus wichtigen Diözesen der Welt und die andere Hälfte sind Leiter von römischen Dikasterien. Dieses Komitee hat das Jahr des Glaubens im gesamten vorbereitet. Das hat im apostolischen Schreiben Porta fidei von Benedikt XVI. seinen Ausdruck gefunden. Die kon- kreten Vorschläge, die dieses Komitee gemacht hat, sind in die Note der Glaubenskongregation aufgenommen worden. Dieses Komitee hat seine Aufgabe im Wesentlichen abgeschlossen. Es wurde allerdings noch ein Sekretariat am Päpstlichen Rat für die Förderung der Neuevangelisierung eingerichtet. Dieses Sekretariat hat die Aufgabe, die verschiedenen Initiativen, die hier in Rom und in der Welt unternommen werden, zu koordinieren, aufeinander abzustimmen, Dieses Sekretariat kann eigene Initiative vorschlagen und fördern; es wird auch eine Internetseite einrichten, in der die Gläubigen umfassend über die verschiedenen Initiativen informiert werden.“
Die Fragen stellte Gudrun Sailer.Rv120107gs

Note der Glaubenskongregation: Presseerklärung

   Mit dem Apostolischen Schreiben Porta fidei vom 11. Oktober 2011 hat Benedikt XVI. ein Jahr des Glaubens aus- gerufen, das am 11. Oktober 2012, dem fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, beginnen und bis zum 24. November 2013, dem Hochfest Christkönig, dauern wird. Mit der Ausrufung dieses Jahres beabsichtigt der Heilige Vater, das in den Mittelpunkt der kirchlichen Aufmerksamkeit zu stellen, was ihm seit Beginn seines Pontifikates vor allem am Herzen liegt: die Begegnung mit Jesus Christus und die Schönheit des Glaubens an ihn. Dabei weiß die Kirche um die Schwierigkeiten, auf die der Glaube heute trifft. Mehr denn je vernimmt sie die Frage, die Jesus selbst gestellt hat: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“ Lk 18.8. Denn „wenn der Glaube nicht neu lebendig wird, tiefe Überzeugung und reale Kraft von der Begegnung mit Jesus Christus her, dann bleiben alle anderen Reformen wirkungslos“ Ansprache beim Weihnachtsempfang für die römische Kurie, 22. Dezember 2011.
   Im Auftrag von Benedikt XVI. hat die Kongregation für die Glaubenslehre eine Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens verfasst. Diese Note wurde in Absprache mit einigen Dikasterien des Heiligen Stuhls und in Zusammenarbeit mit dem Komitee für die Vorbereitung des Jahres des Glaubens erstellt. Dieses im Auftrag des Papstes bei der Glaubenskongregation eingerichtete Komitee besteht aus folgenden Mit- gliedern: die Kardinäle William Levada, Francis Arinze, Angelo Bagnasco, Ivan Dias, Francis E. George, Zenon Grocholewski, Marc Ouellet, Mauro Piacenza, Jean-Pierre Ricard, Stanisław Ryłko und Christoph Schönborn; die Erzbischöfe Salvatore Fisichella und Luis F. Ladaria; die Bischöfe Mario Del Valle Moronta Rodríguez, Gerhard Ludwig Müller und Raffaello Martinelli.
   Die Note trägt das Datum vom 6. Januar 2012, dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, und wurde am darauf folgenden 7. Januar veröffentlicht. Sie besteht aus einer Einleitung und einigen pastoralen Hinweisen. In der Einleitung wird betont, dass „das Jahr des Glaubens zu einer neuen Bekehrung zum Herrn Jesus und zur Wieder- entdeckung des Glaubens beitragen will, damit alle Glieder der Kirche glaubwürdige und frohe Zeugen des auf- erstandenen Herrn in der Welt von heute seien und die Fähigkeit erlangen, den vielen Suchenden die Tür des Glaubens zu zeigen“.
   „Der Beginn des Jahres des Glaubens fällt mit der dankbaren Erinnerung an zwei bedeutende Ereignisse zusammen, die das Angesicht der Kirche in unseren Tagen geprägt haben: der fünfzigste Jahrestag der Eröff- nung des II. Vatikanischen Konzils, das der selige Johannes XXIII. einberufen hat (11. Oktober 1962), und der zwanzigste Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der katholischen Kirche, den der selige Johannes Paul II. der Kirche geschenkt hat (11. Oktober 1992)“.
   Das II. Vatikanische Konzil wollte, „ausgehend vom Licht Christi … das innere Wesen der Kirche … und ihre Beziehung zur Welt von heute … vertiefen“. „Nach dem Konzil bemühte sich die Kirche in Kontinuität zur Tradition und unter der sicheren Leitung des Lehramts um die Annahme und Umsetzung seiner reichhaltigen Lehre“.
„Um die rechte Rezeption des Konzils zu fördern, haben die Päpste immer wieder die Bischofssynode einberufen...; durch die verschiedenen nachsynodalen Apostolischen Schreiben haben sie der Kirche klare Orientierungen vorgelegt. Die nächste Vollversammlung der Bischofssynode im Oktober 2012 wird das Thema Die neue Evan- gelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens behandeln“.
   „Von Beginn seines Pontifikats an hat sich Papst Benedikt XVI. entschieden für das rechte Verständnis des II. Vatikanischen Konzils eingesetzt. Er wies die so genannte ‚Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruchs’ als irrig zurück und förderte die von ihm so bezeichnete ‚Hermeneutik der Reform’, der Erneuerung… unter Wahrung der Kontinuität“.
   Der Katechismus der katholischen Kirche stellt sich als „authentische Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils“ Apostolisches Schreiben Porta fidei, Nr. 4 auf diese Linie der „Erneuerung in der Kontinuität“. Er enthält „Neues und Altes“ Mt 13,52. Einerseits greift er die alte, überlieferte Ordnung der Katechese auf und gliedert ihren Inhalt in vier Teile: das Credo, die Liturgie, das christliche Handeln und das Gebet. Zugleich drückt er das alles in neuer Weise aus, um auf die Fragen unserer Zeit zu antworten.
   Das Jahr des Glaubens bietet eine besondere Gelegenheit, um die Kenntnis und die Verbreitung der Inhalte des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche zu fördern.
   Die pastoralen Hinweise der Note wollen „die Begegnung mit Christus durch authentische Glaubenszeugen sowie eine immer bessere Kenntnis der Glaubensinhalte fördern“. Durch diese pastoralen Hinweise – die keines- wegs „andere Vorschläge ausschließen wollen, die der Heilige Geist unter den Hirten und den Gläubigen in den verschiedenen Teilen der Welt erwecken will“ – bietet die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Hilfe an; denn sie ist nicht nur dafür zuständig, die gesunde Lehre zu schützen und Irrtümer zu korrigieren, sondern auch und vorrangig dafür, die Wahrheit des Glaubens zu fördern vgl. Apostolische Konstitution Pastor Bonus, Nr. 48-51.
   Die Note gliedert sich in Vorschläge auf vier Ebenen: 1) Universalkirche, 2) Bischofskonferenzen, 3) Diözesen und 4) Pfarreien, Gemeinschaften, Vereinigungen, Bewegungen. Hier werden einige dieser besonderen Vorschläge aufgezählt.
   Neben der feierlichen Messe zur Eröffnung des Jahres des Glaubens und anderer Veranstaltungen, an denen der Heilige Vater teilnehmen wird (Bischofssynode, Weltjugendtag 2013), werden ökumenische Initiativen gewünscht, „um für die Wiederherstellung der Einheit aller Christen zu beten und zu arbeiten“, und es wird „ein feierlicher ökumenischer Gottesdienst stattfinden, um den Glauben aller Getauften an Christus zu bekräftigen“.
   Auf der Ebene der Bischofskonferenzen wird dazu ermutigt, die Qualität der kirchlichen Katechese zu fördern sowie eine „eine Überprüfung der lokalen Katechismen und der verschiedenen katechetischen Hilfsmittel, die in den Teilkirchen in Gebrauch sind vorzunehmen, um ihre volle Übereinstimmung mit dem Katechismus der katho- lischen Kirche zu gewährleisten“.Wünschenswert sind auch der vielseitige Einsatz von Kommunikationsmitteln und Kunst, „Fernseh- und Radiosendungen, Filmen und Veröffentlichungen über Themen des Glaubens, seiner Grund- sätze und Inhalte sowie der Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils für die Kirche..., und zwar auch auf breiter Ebene und für ein großes Publikum“.
   Auf der Ebene der Diözesen bietet das Jahr des Glaubens unter anderem eine günstige Gelegenheit für „einen kreativen Dialog zwischen Glaube und Vernunft …durch Symposien, Zusammenkünfte und Studientage, insbeson- dere an den katholischen Universitäten“. Zudem wird dazu eingeladen, „Bußgottesdienste zu organisieren, um Gott um Vergebung zu bitten, auch und besonders für die Sünden gegen den Glauben“.
   Auf der Ebene der Pfarreien bleibt die Feier des Glaubens in der Liturgie, insbesondere in der Eucharistie, am wichtigsten. Denn „in der Eucharistie, Geheimnis des Glaubens und Quelle der Neuevangelisierung, wird der Glaube der Kirche verkündet, gefeiert und gestärkt“. Von der Eucharistie müssen alle anderen Vorschläge ausgehen, wachsen und sich ausbreiten. Darunter haben die Initiativen durch die vielen Orden, neuen Ge- meinschaften und kirchlichen Bewegungen ohne Zweifel eine besondere Bedeutung.
   „Am Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung wird ein eigenes Sekretariat eingerichtet, um die verschiedenen Initiativen zum Jahr des Glaubens zu koordinieren, die von den Dikasterien des Heiligen Stuhls aus- gehen oder jedenfalls für die universale Kirche von Bedeutung sind“. Das Sekretariat „kann seinerseits geeignete Initiativen vorschlagen“ und „wird eine eigene Internetseite eröffnen, um alle Informationen zugänglich zu machen“.   Die Hinweise in dieser Note haben den Zweck, alle Glieder der Kirche einzuladen, sich im Jahr des Glaubens dafür einzusetzen, das wieder zu entdecken und „mit anderen zu teilen, was für den Christen das Teuerste ist: Jesus Christus, den Erlöser des Menschen, den König des Universums, ‚den Ur- heber und Vollender des Glaubens’ Hebr 12,2“. Rv120105mg

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Der nächste Schritt in Richtung Neuevangelisierung

   Welche Initiativen zur Neuevangelisierung gibt es weltweit? Wie werden diese angenommen? Wo gibt es Nach- besserungsbedarf? Antworten auf solche Fragen hat der Bischofsrat des Synodensekretariates in diesen Tagen in Rom gesichtet. Sie kommen von Bischöfen, Bischofskonferenzen und Ordensoberen aus der ganzen Welt. Sie hatte der Synodenrat dazu aufgerufen, sich über die insgesamt 72 Fragen des Vorbereitungsdokumentes für die Bischofssynode zur Neuevangelisierung im kommenden Oktober im Vatikan Gedanken zu machen. In der so ge- nannten „Lineamenta“ wird auch nach den Umwandlungsprozessen der einzelnen Ortskirchen, kulturell wie insti- tutionell, und nach ersten Früchten und neuem Schwung für die Glaubensverkündigung, gefragt. Aber auch Skan- dale, die dieser im Wege stehen, kommen vor. Die Antworten sollen in die Vorbereitung der Synode eingehen.
   Es wurde auch ein erster Entwurf für das entstehende „Instrumentum Laboris“, also das Arbeitsdokument der Synode, erarbeitet. Bei dem zweitägigen Treffen wurde erneut darauf hingewiesen, dass es einer „neuen missio- narischen Haltung“ bedarf. In seiner Begrüßung sei Synodensekretär Erzbischof Nikola Eterovic besonders auf die Neuevangelisierung im Licht des Konzils eingegangen. Auch bei der Diskussion des Papiers hätten die Teilnehmer sich vor allem um eine biblische und theologische Verankerung dieses Vorhabens bemüht, heißt es in einer Be- kanntmachung des Vatikans. Auf der anderen Seite wolle man weit ausgreifen, es ginge nicht nur um die Men- schen, die ihren Glauben nicht mehr lebten oder verloren hätten, sondern auch um die Nichtglaubenden und die Agnostiker. Hier ginge es vor allem um eine neue Sprache und um neue Mittel der Verkündigung, aber auch des glaubwürdigen christlichen Zeugnisses.
  Die Bischofssynode zum Thema „Die neue Evangelisierung zur Weitergabe des christlichen Glaubens“ wird vom 7. bis zum 28. Oktober 2012 in Rom stattfinden. Mit dem Datum der Synode fallen auch noch andere Daten zusam- men: Der 50. Jahrestag der Konzilseröffnung, der 20. Jahrestag der Veröffentlichung des Katechismus der Katholischen Kirche und die Eröffnung des „Jahres des Glaubens“.
    Teilnehmer bei der Tagung des Bischofsrates waren unter anderen die römischen Kardinäle Francis Arinze, Peter Turkson, Walter Kasper, Gianfranco Ravasi und Marc Ouellet Fotos oben (l-r). Außerdem waren Bischöfe unter anderem aus Chicago, Dublin und Sao Paolo angereist. Der Bischofsrat ist neben dem Generalsekretär das zweite Leitungsgremium der Bischofssynode. Die nächste Sitzung des Rates wird am 16. und 17. Februar 2012 statt- finden. Rv111202ord

 Im Gespräch mit Erzbischof Rino Fisichella zum Thema  „Jahr des Glaubens“   aep-RinoFisichella-z

Gelegenheit zum tieferen Kennenlernen des Christentums
   Am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils, wird Benedikt XVI. mit einer Feier das Jahr des Glaubens eröffnen. Anwesend sein werden auch die Synodenväter, die vom 7. bis 28. Oktober an der Vollversammlung zum Thema »Die Neuevangelisierung und die Weitergabe des christlichen Glau- bens« teilnehmen. Davon spricht Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung, im Interview mit Gianluca Biccini, Redakteur des Osservatore Romano. Der Erzbischof kündigt auch an, daß die »Stadtmission« von zwölf Städten auf zweiundsiebzig europäische Städte ausgeweitet wird. Diese Zahlen haben sicherlich auch symbolischen Wert: von der kleinen Zahl der Apostel zur höheren Zahl der ersten, von Christus ausgesandten Jünger. Am 9. Januar 2012 hat im Vatikan das zweite Treffen der Verant- wortlichen für die »Stadtmission« stattgefunden, ein Pastoralprojekt, an dem zwölf große Städte des alten Kontinents teilgenommen haben. Wie lief es?
Erzbischof Fisichella:
Vom ersten Treffen an, das im Juli vergangenen Jahres stattgefunden hat, gab es große, unerwartete Begeisterung auf Seiten der zwölf teilnehmenden Städte, die sich in diesem Zeichen der gemein- samen und aktiven Evangelisierung engagieren. Eine Vitalität, die alle beteiligten Metropolen be- zeugten. Sie sehen die Mission als echte Möglichkeit, pastoral so zu wirken, dass das tägliche Leben der Menschen ange- sprochen wird. Die Fastenzeit wurde als günstige Gelegenheit gesehen, damit die Lektüre des Wortes Gottes, die Katechesen des Bischofs, die Feier des Sakraments der Versöhnung zusammen mit der Nächstenliebe ein beredtes Zeichen des Engagements der Christen sein können, in unseren Tagen das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Positiv beeindruckend war der einstimmige Zuspruch, den mein Vorschlag erhalten hat, im Jahr 2013 diese Erfahrung auf 72 große Städte in Europa auszuweiten. Und das ist nicht wenig.
Vor Weihnachten haben Sie in einem der größten Einkaufszentren Roms eine heilige Messe gefeiert. Wie ver- stehen Sie diese besondere Initiative?
 Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt bereits Erfahrungen mit der Neuevangelisierung. Die Eucharistie in einem der größten Einkaufszentren Europas gefeiert zu haben, das bedeutet, sich in einen Prozess der Neuevange- lisierung einzufügen, in den bereits viele Pfarreien und auch Bewegungen dort vor Ort einbezogen sind. Diese haben die neuen Versammlungsorte der Menschen identifiziert. Und es ist sehr bedeutsam, dass der Erzbischof von Turin, Cesare Nosiglia, der an der Stadtmission teilnimmt, von den Einkaufszentren als den neuen Oratorien gesprochen hat. Sie sind in der Tat Versammlungsorte, die entworfen und gebaut worden sind, um die neuen Plätze darzustellen, nicht nur der neuen Städte, sondern auch der älteren. Sicherlich locken sie die Menschen mit dem Gefunkel der Reklameschilder von der Schönheit der historischen Stadtzentren weg, aber sie schaffen es auch, dass sich hier die unterschiedlichsten Personen begegnen können: Männer und Frauen jeden Alters - Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Familien - und aus allen sozialen Schichten; das bedeutet, dass sie zu einem Ort geworden sind, an dem die Präsenz der Christen nicht fehlen darf. Letztere sind nämlich aufgefordert, Anstöße zu geben, indem sie die Welt daran erinnern, dass der Mensch mehr wert ist als das, was er konsumiert oder kauft, weil er auf die Frage nach dem Sinn des Lebens eine Antwort finden muss.
Die Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens, die die Kongregation für die Glaubenslehre am 6. Januar 2011 veröffentlicht hat, bezieht sich direkt auf den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevange- lisierung, indem sie die Einrichtung eines entsprechenden Sekretariats bei diesem Dikasterium festlegt, um die verschiedenen Initiativen im Zusammenhang mit dem Jahr des Glaubens zu koordinieren. Wie weit sind Sie damit?
   Wir sind an einem guten Punkt in Anbetracht der Tatsache, dass nicht viel Zeit ist: Wir sind dabei das Sekreta- riat aufzubauen, das so etwas wie die Seele aller Initiativen sein soll. Diese werden, wie in der Note gesagt wird, vor allem auf der Ebene der universalen Kirche stattfinden, insbesondere hier in Rom in Anwesenheit des Papstes. Darüber hinaus wird es die Kommunikation und Teilnahme an dem geben, was in den verschiedenen Ortskirchen stattfindet oder auf der Ebene der Vereinigungen und Bewegungen. Es steht schon eine erste Begegnung mit den Leitern der direkter mit dem Jahr des Glaubens befassten Dikasterien auf dem Programm, um einen ungefähren Veranstaltungskalender festzulegen.
Die Zeit drängt, aber die Begeisterung, die auf viele Teilkirchen in der ganzen Welt ansteckend wirkt, verpflichtet uns dazu, auf das nächste Jahr zu blicken mit dem Ziel einer Vorbereitung, die einem so weit- reichenden Ereignis wirklich angemessen ist. Denn noch vor jeder einzelnen Initiative muss das Volk Gottes sich bewusst sein, dass es den eigenen Glauben lebendiger leben, die Begegnung mit Jesus kennen und tiefer erfahren muss, um immer mehr den Wunsch zu haben, die Inhalte des Christentums tiefer kennenzulernen. In der Note steht auch, daß das Sekretariat eine Website einrichten soll. Wie gehen Sie da vor?
   Wir arbeiten an einer Website, die alle für eine fruchtbare Feier des Jahres des Glaubens nützlichen Informa- tionen enthalten und die Kommunikation unter allen Beteiligten ermöglichen soll. Mitte Januar haben wir die Überlegungen mit einigen Kommunikationsexperten begonnen, damit wir bei passender Gelegenheit die Website freischalten können. Andererseits müssen wir uns vor den technischen Fragen noch klar werden über die Bedürf- nisse. Auf der Grundlage der Anforderungen, die das Jahr des Glaubens stellt, wird man dann eine effektive Ant- wort geben. Ich bin überzeugt, dass die Seite in Kürze aktiv sein wird, ich hoffe, das wird bereits vor Ostern der Fall sein. Wir gehen im Eiltempo voran, denn die Wirksamkeit und der Erfolg des Jahres des Glaubens hängen ab von der Möglichkeit, es konsequent vorzubereiten und auch die Kenntnis der Initiativen zu erleichtern. Und vor allem, indem wir eine Reflexion über das Apostolische Schreiben Porta fidei von Benedikt XVI. anregen, das eine tiefgehende und bedeutsame Meditation darüber ist, was erforderlich ist, um das Jahr des Glaubens konsequent zu leben.
Welche weiteren Veranstaltungen erwarten den Päpstlichen Rat 2012?
  
Vor allem können wir schon sagen, dass das Jahr des Glaubens mit einem feierlichen Gottesdienst des Heiligen Vaters beginnen wird, in dem des 50. Jahrestages der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils gedacht wer- den wird. Das ist ein sehr bedeutsamer Augenblick in Anbetracht dessen, dass der Papst das Apostolische Schrei- ben am 11. Oktober 2011 unterzeichnet hat, gleichsam um darauf hinzuweisen, dass die Daten so wichtig sind, dass man nicht nur an sie erinnern, sondern sie auch feierlich begehen soll. Das ist die beste Art und Weise, dieses Ereignisses zu gedenken, das sicherlich kennzeichnend war für die Geschichte der Kirche im 20. Jahr- hundert und deshalb eine ganz besondere Feier verdient, bei der auch alle Synodenväter anwesend sein werden, die an der Versammlung zum Thema der Neuevangelisierung und der Weiter- gabe des Glaubens teilnehmen. Das heißt wir werden eine Übereinstimmung von Themen und Ereignissen erleben, die unser Leben herausfordern zu einem weitsichtigen pastoralen Einsatz in der Evangelisierung, zu dem der Papst uns in seiner Weihnachts- ansprache an die Kurie aufgefordert hat, als Aufgabe für die Kirche in den nächsten Jahren.
Im vergangenen Oktober fand das erste vom Päpstlichen Rat organisierte internationale Treffen statt, das mit einer Audienz bei Benedikt XVI. abgeschlossen wurde. Können Sie eine Bilanz dieses Ereignisses ziehen?
   Aus diesem Treffen haben sich unvorhergesehene Aufgaben ergeben. Wir sehen sehr lebendige Erfahrungen der Neuevangelisierung, die wirkliche Früchte tragen können, wenn sie unterstützt und vor allem auf eine einheit- liche und von allen geteilte Sichtweise ausgerichtet werden - unter gleichzeitiger Anerkennung der Komplementa- rität der verschiedenen Initiativen und Erfahrungen. Es gibt beständige, tägliche Anfragen mit dem Wunsch, an der Neuevangelisierung der Kirche teilzunehmen, und es gibt auch Unterstützung aus allen unterschiedlichen Be- reichen der Kirche. Zum Beispiel gehen wir auf die Realität des geweihten Lebens zu. Auf meinem Programm ste- hen Begegnungen mit den Verantwortlichen der Bettelorden und der Diözesen: am ver- gangenen Freitag war ich in Assisi, am Samstag in Udine, diese Woche habe ich einen Termin in Frankfurt, anschließend in Spanien. Das ist eine komplexe, sehr aktive Wirklichkeit, so dass wir es kaum schaffen, allen Anfragen an uns zu entsprechen. Stellen Sie sich vor, vor einigen Tagen haben sich in Lisieux über einhundert Verantwortliche französischer Wallfahrtsorte getroffen, um über die Neuevangelisierung zu sprechen, auch unser Dikasterium war durch einen Repräsentanten vertreten. Von Europa über Lateinamerika und die Vereinigten Staaten bis nach Australien, wo ich im August die Bischofskonferenz treffen werde, gibt es den Wunsch, die Neuevangelisierung kennenzulernen, um sie in tägliches Leben umzusetzen. OR100203

„Betet für Glaubensjahr und Synode“  be-261-z

„Liturgie ist nicht Selbstdarstellung“
   Benedikt XVI. bittet die Katholiken um Gebet für die anstehenden kirchlichen Großereignisse. Bei seiner Mitt- wochsaudienz auf dem Petersplatz sprach er davon, dass er für einen Tag in den Wallfahrtsort Loreto fährt. Damit wolle er daran erinnern, dass sein Vorgänger Johannes XXIII. vor genau fünfzig Jahren ebenfalls dort war, um für ein Gelingen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu beten. Wörtlich fuhr Benedikt XVI. dann fort:
   „Ich bitte euch, mit mir zu Maria für die anstehenden kirchlichen Ereignisse zu beten. Es sind das Jahr des Glaubens und die Bischofssynode zum Thema Neuevangelisierung. Möge Maria die Kirche bei ihrer Mission begleiten, allen Männern und Frauen unserer Zeit das Evangelium zu verkünden!“
   Ansonsten dachte der Papst vor den Teilnehmern der Audienz über das Thema Gebet nach. Die Liturgie sei „eine der bevorzugten Quellen des christlichen Gebetes“, Höhepunkt allen christlichen Betens.
   „Das mag uns Anlass sein, dass wir uns fragen, was für eine Rolle das liturgische Gebet in unserem eigenen persönlichen Leben spielt. Wie sind durch die Taufe – so sagt es Paulus – gleichsam ,in Christus‘ hinein genommen worden, daher können wir mit ihm gemeinsam ein ,Wir‘ bilden und zu Gott dem Vater ,Vater‘ sagen. So geschieht es dann in der Liturgie, dass wir dort unsere Identität in Christus finden, dass er uns an sich zieht und dass wir mit ihm das Geheimnis seiner Liebe feiern und dem lebendigen Gott begegnen.“
   „Wir entdecken in der Liturgie unsere Identität als Kinder, die auf Gott als unseren Vater schauen“, so der Papst weiter. In der Kirche lernten wir „Christus als den heute Lebendigen kennen“. Die Kirche feiere „nicht irgend- welche vergangenen Dinge“, vielmehr sei in der Liturgie „das Handeln Gottes gegenwärtig und begegnen wir der Gegenwart seines Handelns“.
„Liturgie wiederum ist nicht die Privatveranstaltung irgendeiner Gruppe, sondern ist Gemeinschaft mit Christus. Sie umspannt Himmel und Erde und alle Gläubigen aller Orte und aller Zeiten. Nie ist es eine Gemeinde, die allein eine Liturgie ,macht‘, sie wird uns geschenkt. Sie ist gerade das Heraustreten aus dem, was wir selber machen: In die große Gemeinschaft aller Gläubigen, die große Gemeinschaft des Leibes Christi hinein, die alle Zeiten umspannt.“
   Gerade darin bestehe die „Größe“ der Liturgie, durch die wir „uns formen lassen“ sollten, um wirklich zu Kindern Gottes zu werden.
   „In der Liturgie wird die Kirche immer als Ganzes sichtbar, wie wenige auch da sein mögen. Denn sie kommt von Gott her, durch sie kommt Gott in unser Leben. Möge der Herr uns lehren, in der Liturgie, besonders in der Heilige Messe im ,Wir‘ der Kirche zu beten, das im Vater Unser voraus gesetzt ist. Wir sagen nicht ,mein Vater‘, wir sagen ,unser Vater‘. Nur im ,Wir‘ der Kinder sind wir Kinder und dem Vater vereint. Liturgie möge uns in dieses ,Wir‘ hin- ein ziehen und uns so zu einer großen universalen Gemeinschaft machen, zu einem Werkzeug seines Friedens.“

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              kbwn:Porta Fidei

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