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Taubblinde

Freizeit-Angebote für hörsehbehinderte und taubblinde Personen
Kursprogramm 2015 der Arbeitsgemeinschaft
der katholischen Blindenvereinigungen im deutschen Sprachraum

  Auch in diesem Jahr gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, zu denen die Mitgliedsorganisationen der Arbeitsgemeinschaft einladen dürfen. Hör-Sehbehinderte laden wir zu folgenden Begegnungen ein.
   Wir freuen uns auf jeden, der mit uns ein wenig von Gottes Reich schon jetzt verwirklichen will.
      Für die Arbeitsgemeinschaft                                                                          
Gerlinde Gregori

Herzliche Einladung!

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Angebote für hörsehbehinderte und taubblinde Interessierte

07. bis 19. Juli
Faszination Bodenseeraum Ort: Int. Blindenzentrum IBZ, Landschlacht Veranstalter: CAB und DKBW (Internationales Team) Anmeldung bei den Landesverantwortlichen
 

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Blick auf den Bodensee

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Angebote für hörsehbehinderte und taubblinde Interessierte

RF-AuraHotelSaugrub-Zz

28. Februar bis 09. März 2015
Gute Laune Tage zum Winterausklang
Eine Woche für Körper, Geist und Seele
Ort:
Aura Hotel, Saulgrub (Deutschland) Veranstalter: DKBW
Anmeldung bis 28. Dezember 2014 bei Eva-Maria Müller
(viele weitere Reiseangebote und die Adressliste für die Anmeldung > Begegnungen)

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04. bis 18. Juli 2015
Abenteuertage rund um den Bodensee
Schöpfung erspüren - Spannendes erleben - Begegnung genießen
Ort: Internatonales Blindenzentrum IBZ, Landschlacht
Veranstalter: CAB und DKBW (Internationales Team)
Anmeldung bis 30. April bei den Landesverantwortlichen
(viele weitere Reiseangebote und die Adressliste für die Anmeldung > Begegnungen)

RF-Bischof-Benno-HausBautzen-Zz

05. bis 22. August 2015
Internationale Kultur- und Begegnungswoche für taubblinde und hörsehbehinderte
Menschen, ihre Angehörigen und Begleiter
Thema: "Bei Sachsen, Sorben und Sauriern"
Ort:
Bischof-Benno-Haus, Bautzen (Deutschland) Anmeldung bis 15. März 2015 bei:
Gerlinde Gregori, Frohndbrunnengasse 35, DE-74821 Mosbach T.: +49 (0)6261 5805;
eMail:
dkbw-erwachsenenbildung@t-online.de

Adressen der Landesverantwortlichen
für dieKurse für Taubblinde und Hörsehbehinderte

Blindenapostolat Österreich (BAÖ):
Irmgard Uhl (Leiterin BA Wien) Spechtgasse 34, AT-2340 Mödling
Tel.: +43 (0) 2236 22716, Fax: +43 (0) 650 2271601
 eMail:
irmgarduhl@qmx.at
Blindenapostolat Südtirol: Lotte Dalsass
Blindenzentrum St. Raphael Schiessstand weg 36, IT-39100 Bozen-Gries Tel.: +39 0471 442333 Fax: +39 0471 442300
eMail:
apostolat@blindenzentrum.bz.it
Deutsches Katholisches Blindenwerk (DKBW): Eva-Maria Müller
Fasanenstr. 22, 82008 Unterhaching Tel./Fax: +49 (0)89 61 81 82
Schweizerische Caritasaktion der Blinden (CAB):
Lotti Blum, Wilenstr. 10, CH-9322 Egnach
Tel.: +41 (0)71470 01 17 Fax: +41 (0)71 470 01 18
eMail: l.blum@cab-org.ch

Beachten Sie, bitte, unsere Angebote
 für Blinde und Sehbehinderte
auf unserer Seite: Begegnungen

Freizeit-Angebote für hörsehbehinderte und taubblinde Personen
Das Caritas-Seniorenheim Herbert Nellesen liegt in der hessischen Rhön im kleinen Ortsteil Steinbach,
zwischen den Luftkurorten Hofbieber und Hilders am Fuße der Milseburg.

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Urlaub im Taub-Blindenheim in 36115 Hilders Kreis Fulda. Urlaub in wohltuender, würziger Luft... 
   Die Sträucher und Gewächse in dem großen Pflanzbecken der Eingngshalle reichen bis an die Decke und sorgen für frische Luft und Behaglichkeit. Handläufe führen von der großen Eingangshalle zu den Wohnräumen. Die Atriumshalle bietet für unsere Feste einen angenehmen Rahmen.
   Das Caritas Taubblinden- und Pflegeheim Herbert Nellesen steht in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Diözese Fulda eV. Es handelt es sich um eine vollstationäre Pflegeeinrichtung für Senioren.
   Im Caritas-Pflegeheim Herbert Nellessen leben im Rahmen eines integrativen Wohnkonzeptes Senioren mit Pflegebedarf, Senioren mit einer Hör- und Sehbehinderung und Senioren mit Demenzerkrankung in einer Hausgemeinschaft zusammen. Ziel dabei ist es, gegenseitig von den Stärken des anderen zu lernen. Das Haus bietet die Möglichkeit zur Dauerpflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege. Die Einrichtung ist durch seine Größe überschaubar und familiär und vermittelt dadurch Geborgenheit. Wir freuen uns auf Sie: Marina Göbel, Heim- und Pflegedienstleiterin Foto oben
  
Die Einrichtung liegt am Fuße der Milseburg in der hessischen Rhön. Das Caritas-Seniorenheim Herbert Nellesen wurde 1971 als Wohnheim für Menschen mit einer Sinnesbehinderung eingeweiht. Durch die individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen wurde die Einrichtung 1995 als Pflegeeinrichtung konzipiert und um- gebaut. 
   Das Haus bietet 36 möblierte Einzelzimmer auf zwei Etagen. Die Zimmer können nach Wünschen und Bedürfnissen selbst eingerichtet und gestaltet werden. So kann der individuelle Lebensstil eines Bewohners beibehalten werden. Zu jedem Zimmer gehört ein Bad mit WC und Dusche. Jedes Zimmer im Erdgeschoss verfügt über eine Terrasse.
   Ein Zimmer steht zur Kurzzeitpflege zur Verfügung. Die Nutzung der Gemeinschaftsräume wie Speiseraum, Aufenthaltsraum, Therapie- und Bastelraum, Kapelle usw. garantieren eine unbeschwerte Lebensqualität der Senioren.

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     Für sinnesbehinderte Menschen bieten wir einige Urlaubszimmer an, insbesondere für Personen, die vielleicht später einmal im Caritas-Taubblindenheim leben möchten.
  
Angehörige sind herzlich willkommen. Idyllisch gelegen in der Mittelgebirgslandschaft der hessischen Rhön am Rande von Steinbach (Kreis Fulda), nahe am Wald. Auf den Wegen im Park gibt es beidseitig Handläufe. Die Oberfläche der Wege bietet durch unterschiedliche Materialien Orientierungshilfen. Jeder Bewohner kann durch Tastsinn sofort feststellen, wo er sich gerade befindet. Ruhebänke im Schatten der Bäume laden zum Verweilen ein. Tast- und Riechpfade mit vielen wohlriechenden Pflanzen.
    Kneippanlage. Das Herz des Hauses ist die kleine Kapelle. Gottes Wort wird durch die Tastsprache “Lormen” in die Hände vermittelt. Für Ausflüge und Einkaufsfahrten steht ein Kleinbus bereit.

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Caritas-Taubblindenheim “Herbert Nellessen”, Finkenweg 13, 36115 Hilders, OT Steinbach, Krs. Fulda
Tel.: (06681) 960 70,    Fax: (06681) 96 07 16  eMail: taubblindenheim@caritas-fulda.de
Internet: http://www.seniorenheim-rhoen.de
  Mit einem neuen Faltblatt stellt sich das Taubblindenheim als Wohn- und Pflegeeinrichtung für hörseh- behinderte/taubblinde Menschen im gesamten Bundesgebiet vor. Im Rahmen eines integrativen Wohnkonzepts können auch vollsinnige Angehörige aufgenommen werden. Der Prospekt ist in Punktschrift (Voll- und Kurzschrift) erhältlich. Anmeldungen und weitere Informationen wie Wegbeschreibung (Anreise mit PKW oder Bahn) nur unter obiger Adresse.

 Blinden- und behindertengerechte Sonderausstattung

  Die Einrichtung ist taktil und kontrastreich gestaltet. Dies gilt besonders für die Handläufe und Türen, die mit abtastbaren Zimmernummern im Haus und abtastbaren Pfeilen auf den Handläufen im Park zu finden sind. Dadurch kann sich jeder sicher und selbständig im Haus und Garten bewegen. Jedes Zimmer ist mit einer Windschelle (Ventilator) ausgestattet, um den Besuch anzukündigen.
   Alle Mitarbeiter/innen haben Grundkenntnisse in der LPG (Lautsprachbegleitende Gebärden). Alle Mitarbeiter/innen beherrschen das Tastalphabet „Lormen“ und einige Mitarbeiter/innen können über Blindenschrift kommunizieren. 
Weitere Hilfsmittel werden im Haus:
•Gesellschaftsspiele (Blinden- und Sehbehindertenausführung)
•Bildschirmlesegeräte
•Bildschirmvergrößerung
•Blindenbücher (Vollschrift und Kurzschrift)
•Blindenschriftdrucker
•Tabli (Tastatur mit Display zur Kommunikation zwischen Taubblinden und Sehenden.

Wenn  beim Sprechen die Finger tanzen . . .  Das Caritas-Taubblindenheim „Herbert Nellessen“
bietet sinnesbehinderten Menschen Raum für individuelles Leben und soziale Kontakte

  Inmitten der kleinen, idyllischen Rhön-Ansiedlung Hilders-Steinbach steht das Taubblindenheim „Herbert Nellessen”. Nur über eine kleine Nebenstraße gelangt man zu dem Dörfchen. Auf einem schmalen, baum- beschatteten Fahrweg geht es schließlich bis hin zu dem in den siebziger Jahren entstandenen Gebäudetrakt, einem freundlichen, bungalowartigen Flachbau.
   Hier aber nun der erste fremdartig anmutende Eindruck: Links und rechts des breiten Zuweges, der zum Eingangsportal führt, sind - obwohl ebenerdig - Handläufe wie bei einer Treppe angebracht. Die automatische Schiebetür öffnet sich mit einem leisen Pfeifton, und schon steht man im Foyer des einzigen Caritas- Taubblindenheims deutschlandweit. Auch hier im tageslicht-durchfluteten Atrium finden sich rundherum an allen Wänden die Handläufe, dazu weitere Geländer, durch welche die kleine Halle gewissermaßen in viele schmale Pfade zerschnitten wird. Pfade, auf denen sich die Heimbewohner zielgenau bewegen können: von ihrem Zimmer durch das Atrium in die Verwaltung oder vielleicht schräg gegenüber hinein in den Speisesaal, wo das gemeinsame Mittagessen eingenommen wird. Wer hingegen vom Wohnbereich kommend dem Geländer weiter geradeaus folgt, gelangt durch eine weitere automatische Tür in den Garten der Anlage. Auch hier alle Wege gesäumt mit Geländern, an Kreuzungen zusätzlich markiert mit kleinen, ertastbaren Pfeilen: kurzer Rundweg bitte hier rechts, langer Rundweg noch geradeaus ...  „Die Geländer machen den Garten zu einem gesicherten Bereich, den jeder unserer Heimbewohner auch allein aufsuchen kann. Man kann sich hier praktisch nicht verlaufen”, erklärt Günter Gerden, Heimleiter in Steinbach. Ansonsten kann das schnell geschehen: „Versuchen Sie doch einmal mit geschlossenen Augen ohne jede Hilfe gerade durch einen Raum zu schreiten. Und wenn Sie dabei noch Ihre Ohren zuhalten, dann ahnen Sie vielleicht, wie sich sinnesbeeinträchtigten Menschen fühlen, wenn sie einmal von bekannten Wegen abgekommen sind!”

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Die eigene Zeichensprache entwickeln
  Sinnesbehindert, also hörsehbehindert oder gar taubblind zu sein, ist für den betroffenen Menschen nicht einfach die Summe mehrfacher Behinderung. Das Europäische Parlament hat mittlerweile eine Resolution verabschiedet, mit der Taubblindheit als besondere Form der Behinderung anerkannt wird. Dies ist größtenteils der Arbeitsgemeinschaft der Einrichtungen und Dienste für Taubblinde (AGTB) zu verdanken, die sich 1992 gründete und der auch das Caritas-Taubblindenheim angeschlossen ist: Die AGTB kümmert sich um die Belange der Taubblinden und Hörseh. behinderten, die so sehr auf umfassende und individuelle Betreuung angewiesen sind.
   In der Tat kann man selbst in dieser relativ kleinen Gruppe der betroffenen Menschen nicht jeden einfach gleich behandeln.  In welcher Hinsicht der einzelne in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist, was er selbstständig kann und vor allem, wie er mit seinem Umfeld kommuniziert, ist sehr individuell und hängt unter anderem davon ab, in welchem Alter die Behinderung eintrat: Ist er von Geburt an taubblind oder trat die Sinnesbeeinträchtigung vor dem Spracherwerb ein? Handelt es sich um angeborene, zunehmende Beeinträchtigung,  oder  wurde sie durch Krankheit oder Unfall abrupt verursacht? Oder ist die Taubblindheit Resultat altersbedingten Verlustes von Sehfähigkeit und Hörvermögen? In jedem Fall ist es die Hauptaufgabe, an den behinderten Menschen heranzukommen, mit ihm gemeinsam Wege zu finden, über die man miteinander „reden” kann. Das ist auch die Grundkonzeption im Caritas-Taubblindenheim:  „Pflege im notwendigen Um- fang ist das eine, aber es geht auch darum ein soziales Umfeld zu schaffen, in dem die taubblinden Menschen leben können,” sagt Günter Gerden.
   „Es geht darum, die Isolation des einzelnen Sinnesbehinderten aufzubrechen”, ergänzt Ulrike Klingelhöfer, die als Sozialpädagogin im Heim dafür zuständig ist, individuelle Programme zur Integration der einzelnen Bewohner zu entwickeln. „Gerade Menschen, die ihre Taubblindheit als schleichenden Prozess erfahren, zie- hen sich immer mehr zurück. Es geht dabei gar nicht um Mitleid, sondern einfach nur um Annahme: Wie können wir miteinander kommunizieren? Welche Zeichen benutzen wir?”
   Offizielle „Sprache” der Taubblinden ist das „Lorm-System”, bei dem jeder einzelne Buchstabe durch Berührungen in die Hand diktiert wird. Alle Mitarbeiter von der Hauswirtschaft über die Pflege bis zur Leitung beherrschen diese Fingersprache, und auch die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die im Heim „Herbert Nellessen” ein- und ausgehen.

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  Aus Rundmetall sind auf dem Geländer als Richtungsweiser angebracht

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Drei Sonnenblumen sind farbenfroh als Relief zum Anfassen gestaltet

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Die Zahl 19 ist als Nummer in den Handlauf eingraviert für die nahe Zimmertür

 Anziehungspunkt ist der große Erlebnispark mit seinen vielfältigen Duft- und Blühpflanzen. Er ist mit Geländern umgeben, so dass sich auch desorientierte Menschen frei und sicher bewegen können.

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Täglich die Sinne fordern
  Ohne die Ehrenamtlichen, wären viele Dinge nicht machbar, denn ob bei Ausflügen oder Festen, ob bei Gottesdiensten oder besonderen Aktion wie zum Beispiel gemeinsamer Einkauf oder Gartenarbeit, im Prinzip braucht jeder Heimbewohner immer einen Partner im wahrsten Sinne des Wortes an die Hand, um das Gespräch aufrecht zu erhalten. Ausflüge finden regelmäßig statt, die Bewohner von “Herbert Nellessen”, die aus ganz Deutschland kommen, lernen so die neue Heimat in der Rhön aus ihrem besonderen “Blickwinkel” kennen: Auf der Wasserkuppe zum Beispiel, dem Mekka der Segelflieger, besuchten sie den Hangar und erfühlten sich eines der Flugzeuge.  Ein anderer Exkurs ging in eine Apfelkelterei, nachdem vorher natürlich einer Streuobstwiese mit Apfelbäumen ein Besuch abgestattet worden war. Tasten, riechen, schmecken: Auch im Garten des Heimes geht es ums Erleben, um Aktivieren von Sinneseindrücken. Daher wurde er zu einem Erlebnispark umgestaltet: An Hochbeten können die Bewohner selbst Pflanzen säen und erleben, wie diese wachsen. Ein Riech- und Schmeckbeet präsentiert Kräuter und Riechpflanzen. Auf kleinen Parcours können die Bewohner sich ohne Handläufe ins Gelände wagen, verschiedene Böden austesten oder durch Fels klettern. Und es gibt sogar eine Schaukel, die gerne genutzt wird: “Sie ahnen gar nicht, wie gerne so eine achtzigjährige Oma schaukelt”, lacht Heimleiter Gerden.
  Gerade kommen einige Bewohner mit ihren Freiwilligen vom Mittagsspaziergang zurück. Maria Mehler, direkt aus dem Ort, und Anna Wolfer aus Tann haben die beiden Heimbewohnerinnen Marianne Schüller und Elisabeth Schmiederer dabei. Werner Neubauer, der zwar blind ist, aber noch ganz gut hören kann, läuft am Handlauf nebenher. Schnell macht es die Runde, dass ein Reporter von der Zeitschrift Sozialcourage zu Besuch ist. Es ist erstaunlich anzusehen, wie beim Sprechen die Finger über die Hände des Partners tanzen ... “Wir nennen das ‘Schreibmaschine in die Hand’,” sagt Maria Mehler. Wie viele andere aus der Nachbarschaft hat sie sich ganz selbstverständlich das Lormen angeeignet, denn immer wieder muss man mal eingreifen, wenn etwa geparkte Autos den üblichen Weg versperren, “und wir wollen ja auch ins Gespräch kommen miteinander”, betont sie.
   Frau Mehler geht schon jahrelang im Taubblindenheim ein- und aus, wie auch ihre “Ehrenamtskollegin” Wolfer: “Ich betreue und begleite schon seit Jahrzehnten blinde Menschen”, sagt diese, “das fing schon mit den Kriegsblinden an. Und ich habe im Laufe der Zeit viele Einrichtungen kennen gelernt, das können Sie mir glauben. Hier im Taubblindenheim wird keiner abgestellt, hier werden alle beschäftigt und erleben was! Es ist das beste Heim überhaupt, schreiben Sie das ruhig!”
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Durch das Angebot von Riech- und Tastpfaden, Hochbeeten, Irrgarten und Obstplantagen
werden besonders die Sinne angeregt. Die verschiedenen Sportecken und das Wassertretbecken
regen den Kreislauf an und wirken sich positiv auf die Gesundheit aus.

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Die hauseigene Küche
   Die hauseigene Küche bietet abwechselungsreiche Mahlzeiten, die auf die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner/innen ausgerichtet sind. Diäten werden berücksichtigt und mit Ärzten und Ernährungsteam abgesprochen und überwacht.
   Die Bewohnerinnen und Bewohner haben die Auswahl mittags zwischen zwei Wahlmenüs. Es werden täglich sechs Mahlzeiten angeboten. Der Speiseplan wird gemeinsam mit den Bewohner/innen erstellt.

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Taubblindenheim mit seinen Freiwilligen fürs „Brückenbauen” ausgezeichnet

 D  er Altenhilfepreis Hessen-Thüringen 2005 ging an das Caritas-Taubblindenheim in Hilders-Steinbach. Der vom Förderverein Altenhilfe e.V. mit Sitz in Hanau ausgelobte Preis wird gestiftet von den Sparkassen in Hessen und Thüringen und ist insgesamt dotiert mit 5.000 Euro, wovon das Taubblindenheim für seine Freiwilligenarbeit 4.000 Euro erhalten hat. Zur Begründung der Jury hieß es, der Freundeskreis der ehren- amtlich Engagierten im Caritas- Taubblindenheim „Herbert Nellessen“ habe sich auf die Kommunikationsmöglichkeiten der taubblinden älteren Menschen eingelassen und dazu auch eine neue Sprache erlernt.
  In der Tat bedeutet Ehrenamt im Taubblindenheim ein umfangreiches Engagement. Taubblinde Menschen benötigen im Alltag und bei Freizeitaktivitäten direkte Ansprache und damit eine Eins-zu-eins-Betreuung. Für das hauptamtliche Personal wären Ausflüge und gemeinsame Feiern der Heimbewohner ohne Hilfe von Freiwilligen gar nicht durchführbar. Allein die Ehrenamtlichen, die sich auch das Lormen - die Fingersprache der taubblinden Menschen - angeeignet haben, mit der jeder Buchstabe einzeln in die Hand des Gesprächspartners hinein „geschrieben“ wird, machen die vielen Aktivitäten wie Spazieren gehen, Ausflüge in die Rhön oder gemeinsame Gartenpflege im Heim überhaupt denkbar.  Zur Preisvergabe in Gelnhausen war das Team der ehrenamtlichen Helfer in großer Besetzung angereist. cifLUXVERA0602

Ein Leben in Dunkelheit und Stille. Besuch in einer anderen Welt: Im Weserbergland haben Taubblinde ein Dorf
für sich. Foto unten: Die Stimme fühlen: Der taubblinde Olaf Bierwierth spürt, was Pfleger Klaus Schröder sagt.

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  Das Tempo verblüfft. Zielsicher greift die taubblinde Eva Teufel in einen Karton mit leeren CD-Hüllen, tastet nach der vordersten, öffnet sie und drückt mit einem Knacken ein Innenteil hinein. Dann schließt die 34-Jährige die Hülle, klopft sie zehn, fünfzehnmal an Kopf und Ellenbogen, als wolle sie sich bestätigen, dass alles seine Richtigkeit hat, und packt sie in einen weiteren Karton. Hunderte Mal am Tag führt Eva dieses Ritual aus, stundenlang. Die fertigen Hüllen werden an eine Firma in der Nähe von Hannover geliefert. Arbeitsalltag im Taubblindendorf Fischbeck bei Hameln.
   84 Bewohner leben hier, versorgt von 145 Mitarbeitern. Alle sind schwer seh- und hörbehindert, jeder Fünfte sogar völlig taub und blind. Ein Leben in Dunkelheit und Stille. Nur durch Tasten, Riechen und Schmecken finden sie den Weg zur Umwelt und ihren Mitmenschen. So wie Eva Teufel. Ihre Mutter erkrankte während der Schwangerschaft an Röteln. Eva kam taub und sehbehindert zur Welt. Mit 16 Jahren erlosch ihr Augenlicht. 1990 kam sie ins Taubblindendorf Fischbeck, in eine einzigartige Einrichtung in Deutschland, die vom Deutschen Taubblindenwerk in Hannover getragen wird. Wer taub und blind zugleich ist, braucht eine spezielle Förderung, sagt Betreuerin Jutta Hennies: “Schulen für Blinde oder Gehörlose sind darauf ausgerichtet, den Ausfall des einen Sinnes durch den anderen zu kompensieren.”
   Eva, die nicht sprechen kann, gilt als sehr ordentlich. Sie putzt gern und liebt es, angebrannte Kochtöpfe zu schrubben.  Mittags und abends wischt sie nach den Mahlzeiten den Tisch ab. Und wehe jemand sitzt noch da. Dann führt sie ihm demonstrativ das Glas an den Mund um zu sagen: “Trink endlich aus!”
   Eva verständigt sich mit einer vereinfachten Gebärdensprache. Die Betreuer führen die Gebärden mit Evas Händen aus oder lassen sie die Gebärden abfühlen. Ein Tippen mit den Fingerspitzen an den Mund bedeutet “Essenszeit”.  Nur  wenige Bewohner beherrschen das “Lormen”, mit dem sich die meisten der bundesweit rund 8.000 Taubblinden sonst verständigen. Dabei werden Buchstaben mit den Fingern in die Hand gepunktet. Doch wer von Geburt an taubblind ist, kennt keine Buchstaben. Mit vielen Bewohnern verständigen sich die Fischbecker Betreuer daher über “Bezugsobjekte”. Nimmt ein Taubblinder etwa einen Turnbeutel in die Hand, so bedeutet dies: “Ich möchte Sport treiben!” Für Lars Pracejus ist die Kette mit dem Skorpion-Anhänger das wichtigste Bezugsobjekt. Fahren seine Eltern mit dem Auto durch das Tor des Zentrums, hängen die Betreuer ihm die Kette um den Hals. Das heißt: “Du bekommst Besuch!” Im Alltag hängt die Kette im Büro. Jeden Morgen kontrolliert der 33- jährige Lars, ob sie noch da ist. Einmal war sie heruntergefallen, und er fing an zu weinen. In letzter Zeit kommen die Eltern seltener. Denn Lars, sonst ein ruhiger Typ, biss sich in die Hand, schlug den Kopf gegen die Wände und riss sich Haarbüschel aus. Für die Betreuerin ein Rätsel. Elena Moraitis versucht eine Erklärung: “Er hat das Bedürfnis, sich zu spüren.”
   Was wirklich in taubblinden Menschen wie Lars vorgeht, weiß keiner. Von klein auf haben sie wenig oder nichts gesehen und gehört. Nie sahen sie die Mutter kommen. So sind sie meist geistig behindert und können Gefühle nicht äußern. Ihr Aktionsradius reicht, so weit sie tasten können. “Sie sehen nicht, wenn sich jemand nähert”, sagt Betreuerin Jutta Hennies. Erst wenn sie berührt werden, merken sie es. “Sie haben nur einen Bruchteil einer Sekunde Zeit sich darauf einzustellen.” Wichtig sind ihnen deshalb feste Ordnungen.
   Immer auf Ordnung achtet Olaf Bierwirth, der noch schwach sehen kann. Ist in der Wohngruppe irgendwo eine Tür geschlossen, schließt Olaf auch die anderen. Ordnung gibt Sicherheit. Der 32-jährige knipst auch schon einmal reihum alle Lichtschalter in der Einrichtung aus. Auch wenn seine Betreuerin Elena Moraitis  gerade in ihrem Zimmer Akten studiert: “Ich gehe dann in ein anderes Zimmer.” 
MichaelGrau/epdHAZ021119

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Weder Sehen noch Hören

   Menschen, die weder sehen noch hören können, also hörsehbehindert sind, haben im Alltag mit starken Einschränkungen zu kämpfen.
   Ohne die beiden Fernsinne werden tägliche Aufgaben zu großen Hürden und Kommunikation beinahe unmöglich. Das Taubblindenzentrum Fischbeck in der Nähe von Hannover betreut hörsehbehinderte Men- schen in Wohnheimen. Das Zentrum bietet eine Außenanlage, die auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten ist – zum Beispiel sind die Wege durch unterschiedliche Pflasterungen gekennzeichnet – sowie ein umfassendes Betreuungs-, Förderungs- und Freizeitangebot. Anfang 2005 hatte das Taubblindenzentrum Platz für 84 Bewohner. Weitere hörsehbehinderte Menschen konnten wegen Platzmangels nicht mehr auf- genommen werden. Die Aktion Mensch unterstützte daher einen Ausbau der Einrichtung auf 105 Plätze mit einer Summe von rund 192.000 Euro.
Weitere Informationen:
Aktion Mensch, Heinemannstr. 36, 53175 Bonn, Tel: 0228/2092 – 5272,
eMail:
martina.otto@aktion-mensch.de   Zum Projekt: http://www.taubblindenwerk.de/ 

Die Schriftstellerin Helen Keller “sah” mit Hilfe ihrer Nase: Taubblind und mitten im Leben

   Vor knapp zehn Jahren baute das Deutsche Taubblindenwerk in Fischbeck bei Hessisch Oldendorf einen Lebensraum für Erwachsene, die zu einem großen Teil weder hören noch sehen können und (damit verbunden) geistig behindert sind. Ein in seiner Art einzigartiges “Dorf” in der Bundesrepublik, das in seiner Anlage auf die Bedürfnisse seiner Bewohner zugeschnitten ist. Arbeit, Wohnen, Freizeitgestaltung und Therapie bilden eine räumliche Einheit.
  Fast alle haben das Bildungszentrum für Taubblinde in Hannover besucht, bevor sie nach Fischbeck kamen. Die meisten lernten, sich durch Gebärdensprache verständlich zu machen. Manche beherrschen auch das sogenannte Handalphabet (“Lormen”) und sind damit in der Lage, mit ihren Fingern Wörter in die Handflächen anderer zu buchstabieren und umgekehrt entsprechende Botschaften zu entziffern.
  Die Zahl der Taubblinden wird in Deutschland auf rund sechstausend geschätzt. Nicht alle leben in Heimen, nicht alle sind geistig behindert. Vor allem Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens die beiden entscheidenden Sinne eingebüßt haben oder noch über Hör- oder Sehreste verfügen, können mit großem Fleiß auch das Sprechen und Schreiben lernen.
  Wozu taubblinde Menschen in der Lage sind, demonstrierte auf eindrucksvolle Weise die amerikanische Schriftstellerin Helen Keller (1880-1968), die im Alter von 18 Monaten ihr Seh- und Hörvermögen verlor. Mit Hilfe ihrer Lehrerin und Lebensgefährtin Annie Sullivan lernte sie zuerst das Fingeralphabet, dann auch Schreiben und Sprechen. Sie besuchte die Universität, lernte mehrere Sprachen, hielt Vorträge, setzte sich für die Rechte Unterdrückter ein und schrieb mehrere Bücher.
   “Draußen erkenne ich durch Geruch- und Tastsinn den Grund, worauf wir gehen, und die Stellen, woran wir vorbeikommen”, schreibt Helen Keller in “Meine Welt”. “Zuweilen, wenn es windstill ist, sind die Gerüche so gruppiert, dass ich den Charakter einer Landschaft wahrnehme, eine Heuwiese, einen Dorfladen, einen Garten, ein Scheune ein Bauerngehöft mit offenen Fenstern, ein Fichtenwäldchen gleichzeitig ihrer Lage nach erkenne.”
   Ohne jedes Selbstmitleid legt Helen Keller auch die Behinderungen der “Normalsinnigen” offen. “Ob blind oder sehend: Wir unterscheiden uns voneinander nicht durch unsere Sinne, sondern durch den Gebrauch, den wir von ihnen machen”, schreibt sie in ihrem Buch. “Ich bin neben Leuten geschritten, deren Augen voll von Licht sind, und die doch nichts sehen, nichts in Wald, Meer oder Himmel, nichts in den Straßen der Weltstadt, nichts in den Büchern. Welch eine witzlose Maskerade ist solches Sehen”.
Helen Keller: “Meine Welt”. Herausgegeben von Werner Pieper, Piper-Verlag, 89 S., ca 7,-€ ThHAZ981219 

An den ausgefransten Rändern

   Der Sozialstaat vergisst seine Bürger nicht. Er verspricht ihnen, dass sie nicht den Boden unter den Füßen verlieren, selbst dann nicht, wenn ihnen ein Schicksalsschlag widerfährt und sie plötzlich nicht mehr der Mehrheit, sondern einer Minderheit angehören. Jeder Mensch ist ein Teil der Gesellschaft. Eine UN-Konvention regelt genau dieses Recht für behinderte Menschen. Seit 2009 ist sie auch für Deutschland ver- bindlich. Darin steht, dass die Bundesrepublik verpflichtet ist, „wirksame und geeignete Maßnahmen zu treffen ... um Menschen mit Behinderungen in die Lage zu versetzen, ein Höchstmaß an Unabhängigkeit, umfassende körperliche, geistige, soziale und berufliche Fähigkeiten sowie die volle Einbeziehung in alle Aspekte des Lebens und die volle Teilhabe an allen Aspekten des Lebens zu erreichen und zu bewahren".
   Kommt die Politik ihrer Pflicht tatsächlich nach? Integriert sie auch diejenigen am ausgefransten Rand der Gesellschaft, die durch jedes Aufmerksamkeitsraster fallen, wie zum Beispiel die Taubblinden?
   Wer auf deren Leben blickt, muss diese Fragen mit Nein beantworten. Dieses Nein bedeutet, dass die Bundes- regierung jeden Tag gegen die UN-Konvention verstößt, ohne dass davon irgendjemand angemessen Kenntnis nehmen würde. Die Umstände, unter denen Taubblinde in diesem Land leben, sind häufig katastrophal. Im Gegensatz zu Blinden oder Gehörlosen haben sie nicht einmal ein eigenes Merkzeichen, das ihre Behinderung im Schwerbehindertenausweis eindeutig vermerkt. Stattdessen stehen dort die Abkürzungen Bl für blind und Gl für gehörlos. Der Mensch wird einfach in seine einzelnen Behinderungen zerlegt. Eine doppelte Sinnesbehinderung ist in unserem System anscheinend nicht vorgesehen. Die Idee dahinter ist klar: Eins plus eins ergibt zwei. In diesem Fall geht die Rechnung allerdings nicht auf. Es ist merkwürdig, dass in einem Land, in dem von A bis Z alles ordentlich durchkategorisiert wird, damit jeder den Überblick behält, ausgerechnet Taubblinde kein Merkzeichen erhalten. Das ist keine Kleinigkeit, denn dadurch tauchen die Betroffenen gar nicht erst in unserer Begriffswelt auf.
   Im Behördenalltag führt das dazu, dass Taubblinde von ihrer Krankenkasse Lichtklingeln genehmigt be- kommen, weil sie ja taub sind. Aber was soll ein taubblinder Mensch mit einer Lichtklingel? Was jeder Taubblinde neben einer persönlichen Assistenz dringend benötigt, sind zum Beispiel Hindernismelder mit Vibration, Notfall- Handys mit Braille-Zeile und spezielle Lesesysteme. Damit den Betroffenen der Spießrutenlauf durch die Behörden in Zukunft erspart bleibt, muss ein Tbl-Zeichen her. Es ist überfällig.
   Das Europäische Parlament hat bereits 2004 Taubblindheit als Behinderung eigener Art in aller Form an- erkannt. Finnland und Norwegen gewähren persönliche Assistenz und Dolmetscherleistungen. Und hierzulande? Offenbar lohnt es sich in einer Gesellschaft, in der alles und jeder auf Optimierung getrimmt wird, nicht, dieser Randgruppe ein würdiges Leben zu sichern. Schätzungen des „Gemeinsamen Fachausschusses hörsehbehin- dert/taubblind" zufolge leben in Deutschland sechstausend Taubblinde. Wie viele müssten es sein, damit sich etwas ändert?
   Seit der Kostendruck auf das Gesundheitswesen wächst und wächst, ist es für Minderheiten beunruhigend eng geworden, je kleiner sie sind, umso enger. Fest steht, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird. Beispiele dafür sind Menschen mit Gendefekten wie Chorea Huntington, Turner-Syndrom oder Trisomie 21. Frauenärzte sind verpflichtet, Patientinnen von Mitte dreißig an auf die vorgeburtliche Diagnostik und die möglichen Schlussfolgerungen hinzuweisen. Die Botschaft des Staates und der Gesellschaft lautet: Niemand muss heute ein behindertes Kind zur Welt bringen, das unsere Gemeinschaft finanziell belastet. Inzwischen werden mehr als neunzig Prozent der Ungeborenen, bei denen Trisomie 21 diagnostiziert worden ist, abgetrieben. Die Angst der Mütter, der Eltern, der Gesellschaft insgesamt, das System könnte für die Kinder mit langer Lebenserwartung keinen Platz haben, muss enorm sein.
   Um die Lebenswirklichkeit Taubblinder zu verbessern, hat die Stiftung „taubblind leben" Unterschriften für die Einführung eines Merkzeichens gesammelt. Nach einigem Hin und Her hat sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dazu durchgerungen, Ende März die bisher 14.000 Unterschriften im Ministerium entgegen- zunehmen. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband wird dabei sein. Bei der Übergabe darf die Presse nicht dabei sein. Sie ist erst bei einer gemeinsamen Diskussionsrunde zugelassen. Will das Ministerium die Taubblindenproblematik unauffällig über die Bühne bringen, um erkannte Versäumnisse verschämt nachzuholen? Effizienter aber wäre es, unter Mitwirkung der Medien das gesellschaftliche Verständnis und die private wie die staatliche Hilfe für die Taubblinden zu mobilisieren.
   Wie es um die Moral und die Sitten einer Gesellschaft bestellt ist, bemisst sich daran, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht. Im Fall taubblinder Menschen kann jetzt jeder sein eigenes Urteil fällen.
FAZ120321MelanieMühl

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Foto: Fachleute und Verantwortliche der Taubblindenarbeit beim Besuch einer Schulklasse
mit taubblinden und hörsehbehinderten Schülern, die inzwischen auch gebärden gelernt hat.

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Foto: Die Teilnehmer an der Auftaktkonferenz zum von der EU geförderten Vernetzungsprojekt "PropäK" mit Vertretern von Taubblindeneinrichtungen aus Deutschland, Schweiz, Österreich und den Niederlanden sowie von der Universität Groningen, darunter die Heiligenbronner Stiftungsvorstände Michael Wollek ganz links und Hubert Bernhard ganz rechts. Fotos: stiftung st. franziskus

so-gCBP- CBP-Info: Neues internationales Projekt zur Taubblindenarbeit

   Von der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn ausgerichtet, fiel im September 2012 der Startschuss für ein internationales Kooperationsprojekt zur Taubblindenarbeit, das von der EU aus dem Programm für lebenslanges Lernen mit „Leonardos-Mitteln gefördert wird, Unter dem Titel „PropäK" (Professionalisierung pädagogischer Konzepte) arbeiten Einrichtungen für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden zusammen.
   Für den deutschsprachigen Raum gibt es bislang im Unterschied etwa zu den USA oder den nordischen Ländern noch keine festen Vernetzungen zwischen den Fachleuten in der Taub- blindenarbeit Eine erste Initiative war das Netzwerk „Dach" mit Fachpersonen aus Deutschland, Schweiz und Österreich, aus dem heraus sich jetzt das PropäK-Projekt formte.
   Die Teilnehmenden der zweitägigen Auftaktkonferenz in Heiligenbronn freuten sich darüber, dass diese Lücke nun geschlossen wird und erwarten durch die Vernetzung und den interdisziplinären Austausch wertvolle Impulse, die zu Verbesserungen der Lebenssituation von Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung führen. Diese sind auf Fachkräfte mit speziellen Kompetenzen angewiesen.
   Als baden-württembergische Taubblindeneinrichtung hat die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn die Organisation des Projektes übernommen. Projektleiterin ist die Taubblindenbeauftragte der Stiftung, die Blinden- und Gehörlosenpädagogin Andrea Wanka. Sie unterstreicht: „Wir alle stehen vor denselben Herausforderungen und können diese endlich zusammen anpacken."
   Beteiligt an PropäK sind das Deutsche Taubblindenwerk in Hannover und Fischbeck, die Blindeninstitutsstiftung in Würzburg mit Einrichtungen für taubblinde Menschen in ganz Bayern, das Österreichische Hilfewerk für Taubblinde und hochgradig Hör- und Sehbehinderte in Wien, das Beratungsarbeit in ganz Österreich macht, die schweizerische Stiftung für Taubblinde „Tanne" in Langnau am Albis sowie die Königliche Stiftung „Kentalis" mit Einrichtungen in den Niederlanden.
   Ein besonderer Gast bei der Auftaktveranstaltung war Marleen Janssen, Leiterin des weltweit einmaligen Masterstudiengangs zu Taubblindheit und Kommunikation an der Universität Groningen. Sie stellte den Studiengang zusammen mit Ulrike Broy von der Heiligenbronner Stiftung vor, die dort gerade ihr Diplom erworben hat.
   Zu Gast bei der Konferenz in Heiligenbronn war auch das Oberlinhaus Potsdam, in dem vor 125 Jahren mit der Taubblindenarbeit in Deutschland begonnen wurde.
   Neben verantwortlichen und international tätigen Fachkräften aus der Arbeit mit taubblinden und hörsehbehinderten Menschen sind in das Projekt zusätzlich die Einrichtungsleitungen einbezogen, die ebenfalls bei der Auftaktkonferenz vertreten waren. „Wir sind auch ein bisschen stolz auf dieses europäische Projekt", sagte der Heiligenbronner Stiftungs-Vorstand Michael Wollek zur Begrüßung. Menschen mit besonderen Bedürfnissen bräuchten auch besondere Angebote, plädierte er für eine professionelle Taubblindenarbeit.
   Roland Raig, Leiter der Behindertenhilfe in Heiligenbronn, schilderte die Entstehung des Projektes, das den Austausch über die privaten Verbindungen hinaus auf eine institutionelle Ebene und eine wissenschaftliche Grundlage hebt: „Die Zeit war wirklich sehr knapp und das Tempo sehr sportlich." Die Vision einer besseren Vernetzung habe durch PropäK eine konkrete Chance bekommen.
   Unter der Konferenzleitung von Andrea Wanka trugen die Teilnehmer(innen) ihre Vorstellungen und Wünsche zum Projekt zusammen, stellten die Angebote ihrer Einrichtungen vor und legten den weiteren Projektverlauf fest. Als Projektziele wurden unter anderem eine nachhaltige Vernetzung sowie ein Austausch zum Beispiel über Standards in der Taubblindenarbeit und über Konzeptionen etwa für Diagnostik oder Schulcurricula vereinbart. Zum Programm gehörte auch ein Besuch von Schulklassen mit taubblinden und hörsehbehinderten Schülern im Heiligenbronner Förderzentrum Sehen. Das nächste Projekttreffen wird in Wien stattfinden.  Ewald Graf Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn eMail:
ewald.graf@stiftung-st-franziskus.de

Hilfe für Gehörlose bei Arztbesuchen
   Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover und der Technischen Universität Braunschweig haben eine App für Smartphones entwickelt, die Gehörlosen die Verständigung mit Ärzten und Pflegern erleichtert. Sie kann unter www.isignit-app.de kostenlos heruntergeladen werden. Bislang konnten die 80.000 Gehörlosen in Deutschland sich beim Arzt nur über Gebärdensprachendolmetscher verständigen. Das machte Diagnose und Behandlung schwierig. Diese erste Anwendung für mobile Endgeräte übersetzt einfache medizinische Dialoge. So können Kranke ihre Beschwerden mit einem „Tanz der Hände" erläutern, und Ärzte können gezielter nachfragen und beraten. 130204vlH

                                               kbwn:Taubblinde                 

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