kbwn

E-mail

tn_PrLogo303_jpg
Una Sancta

online:
www.
kbwn.de

Auf dieser Seite geht es um die Einheit der Kirche.
1. Zunächst geht es um die “Pius”-Bruderschaft des Erzbischofs Lefebvre -
Die offiziellen Lehrgespräche des Vatikans mit der Bruderschaft finden seit Oktober 2009 statt.
2. Unten auf dieser Seite finden Sie Texte zum Selbstverständnis der Una Sancta:
- Der Schweizer Kardinal Georges Cottier befasst sich mit dem Geheimnis und dem Leben der Kirche.
 - Karl Kardinal Lehmann: Selbstverständlich katholisch
- William Kardinal Levada: Antworten auf Fragen bezüglich der Lehre über die Kirche

- Dominus Jesus - Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche
                                                                     > > > lesen Sie hier den Text im Wortlaut > Dominus Jesus

cdd-WilliamLevada-xx    Papst an Piusbruderschaft: „Nicht genug“

   Die schismatisch orientierte Piusbruderschaft hat nicht genug getan, um Lehrdifferenzen zur katholischen Kirche zu überwinden. Damit ist ihre Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche derzeit nicht möglich. Das befindet Papst Benedikt XVI. nach Prüfung einer Antwort der Piusbrüder auf eine Lehrmäßige Präambel aus dem Vatikan.
   Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada Foto, sprach am 16. März 2012 gut zwei Stunden lang mit Bischof Bernard Fellay, der die Piusbruderschaft leitet. Dabei gab Levada den Traditiona- listen Zeit bis Mitte April, um noch einmal über ihre Haltung nachzudenken und sie zu „klären“, heißt es in einer Mitteilung des Pressesaales. Die Piusbrüder wenden sich gegen wichtige Konzilstexte zum Thema Öku- mene und zur Einschätzung anderer Religionen.
   Mitte September letzten Jahres hatte Levada an Fellay die so genannte Lehrmäßige Präambel überreicht, deren Inhalt nicht öffentlich bekannt wurde. Darin wurden „einige Lehrprinzipien und -kriterien zur Inter- pretation der katholischen Lehre“ aufgeführt. Diese sollte die Piusbruderschaft als Voraussetzung für eine weitere Annäherung unterzeichnen. Die – negative – Antwort der Piusbrüder ging im Januar im Vatikan ein und wurde zunächst in der Glaubenskongregation und dann auch vom Papst selbst studiert, heißt es in der Vatikan-Erklärung. Das Ergebnis wurde dem Leiter der Piusbrüder schriftlich übergeben: „Die Haltung (der Piusbruderschaft) ist nicht ausreichend, um die Lehrschwierigkeiten zu überwinden, die dem Bruch zwischen Heiligem Stuhl und Bruderschaft zugrundeliegen“. Dennoch: Papst Benedikt und Fellay wollten, so die Er- klärung weiter, „eine Kirchenspaltung mit schmerzhaften und unabsehbaren Folgen“ immer noch vermeiden. Benedikt XVI. wünsche „eine Heilung des bestehenden Bruchs“ – deshalb das Ultimatum zum 15. April.
   Benedikt XVI. hatte sich stets für eine Aussöhnung mit den Traditionalisten eingesetzt. Nach einer allge- meinen Wiederzulassung der Messfeier nach den alten Büchern, wie die traditionsorientierten Gruppen sie feiern, und einer Rücknahme der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Piusbruderschaft kam es am Vatikan zu direkten lehramtlichen Verhandlungen mit Blick auf eine eventuelle Aussöhnung. Diese Verhand- lungen scheinen nun vorerst gescheitert. RV120316sk

Vatikan setzt letzte Frist bis zum 15. April - Der Streit um die Reintegration
   Papst Benedikt XVI. setzte er der Bruderschaft eine letzte Frist bis zum Vortag seines Geburtstages am 15. April, um die Inhalte des II. Vatikanischen Konzils doch noch anzuerkennen, über die es zum Bruch gekommen war. Einen entsprechenden Brief überreichte der Präfekt der Glaubenskongregation, William Kardinal Levada,  in Rom dem Oberen der „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.", Bernard Feilay.
   In dem Schreiben heißt es laut einer Mitteilung des Vatikans, die Glaubenskongregation und der Heilige Vater seien zu der Auffassung gekommen, dass die „bisher gegebenen Antworten nicht ausreichend sind, um die lehrmäßigen Probleme zu überwinden, die die Grundlage des Bruches" seien. Das jüngste Treffen sei von dem Bemühen bestimmt gewesen, einen „kirchlichen Bruch mit schmerzhaften und unkalkulierbaren Konse- quenzen" zu vermeiden.
   Rom hatte den Piusbrüdern am 14. September 2011 nach einem eineinhalb Jahre dauernden und acht Sitzungen umfassenden Dialog eine „lehrmäßige Präambel" zur Unterzeichnung übergeben. Dieser bisher un- veröffentlichte Text enthält die Kriterien der Kurie zur Interpretation der katholischen Lehre und den Bedingungen für eine Überwindung des Streits, der mit den vom Vatikan nicht genehmigten Bischofs- erhebungen der Piusbrüder 1988 seinen Anfang nahm. Seither hatte es in Rom geheißen, in Bezug auf die Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils gebe es keine Möglichkeit mehr, der Gemeinschaft näher zu kommen. In der päpstlichen Hochschule der Jesuiten, der Gregoriana, hieß es nach Bekanntwerden der Entscheidung des Papstes, die Piusbrüder dürften sich nicht über die Kurie stellen. Dem Papst bleibe nichts anderes übrig als Härte zu zeigen.
FAZ120317jöb

be-FredericoLombardi-x   Vatikan bestätigt Eingang einer Antwort der Piusbrüder

   Der Vatikan hat 17. April 2012 eine Antwort des Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, erhalten. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi Foto auf Anfragen von Journalisten. Der Text werde nun von den zuständigen Stellen im Vatikan überprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt, heißt es in einem Communiqué der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“. Die der Glaubenskongregation angegliederte Behörde ist für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständig. Über den Inhalt von Fellays Schreiben verlautete bislang nichts. Vor Journalisten sagte Lombardi:
   „In den nächsten Tagen bzw. Wochen wird sich die Glaubenskongregation konkret mit der Antwort der Pius- bruderschaft beschäftigen und erst dann wird sich auch der Papst dazu äußern.
Was man bereits sagen kann ist aber, dass der Vatikan eine Antwort erhalten hat, die anders lautet, als die, die vom Vatikan als nicht ausreichend bemängelt wurde. Da gibt es also Fortschritte.
   Es hatte ja ein Treffen zwischen Kardinal William Levada und Fellay gegeben und damals hieß es auf Seiten der Lefebvrianer, dass die Vorschläge des Vatikan ungenügend seien. Diese Haltung der Piusbrüder war sehr schwierig für die Kirche.“
   Der Vatikan hatte Fellay bei einer Begegnung am 16. März aufgefordert, binnen eines Monats eine „lehr- mäßige Präambel“ zu unterzeichnen und darin das kirchliche Lehramt anzuerkennen. Eine positive Antwort wäre Voraussetzung für eine Aussöhnung mit der seit 1988 getrennten Leitungsspitze der Piusbrüder.
   „Es gibt aber auch Vorschläge und Wünsche von Seiten der Piusbrüder, die sie für die Präambel stellen. Selbstverständlich muss dies nun überprüft werden. Dies ist also der nächste Schritt, die nun die Glaubens- kongregation machen wird. Es gibt also zum heutigen Zeitpunkt keine Antwort des Papstes auf diese Antwort, weil es noch kein abschließendes positives Resultat gibt.“
   Papst Benedikt XVI. hatte im Januar 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe zurückgenommen. Im Anschluss hatten Experten der Vatikan-Kommission „Ecclesia Die“ sowie der Piusbrüder in einer eineinhalb- jährigen Dialogrunde bestehende theologische Differenzen ausgelotet. Streitpunkte waren dabei Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Ökumene, zur Religionsfreiheit und zum interreligiösen Dialog, die bislang von den Piusbrüdern abgelehnt werden. Der Vatikan hatte eine Annahme dieser Konzilsaussagen zur Bedingung für eine Reintegration in die katholische Kirche gemacht. RVmg120418kna

Vatikan bestätigt Eingang einer Antwort der Piusbrüder
   Der Vatikan hat am Dienstag eine Antwort des Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, erhalten. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi auf Anfragen von Journalisten. Der Text werde nun von den zuständigen Stellen im Vatikan überprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt, heißt es in einem Communiqué der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ vom Mittwoch. Die der Glaubenskongregation angegliederte Behörde ist für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständig. Über den Inhalt von Fellays Schreiben verlautete bislang nichts. Vor Journalisten sagte Lombardi:
     „In den nächsten Tagen bzw. Wochen wird sich die Glaubenskongregation konkret mit der Antwort der Piusbruderschaft beschäftigen und erst dann wird sich auch der Papst dazu äußern. Was man bereits sagen kann ist aber, dass der Vatikan eine Antwort erhalten hat, die anders lautet, als die, die vom Vatikan als nicht ausreichend bemängelt wurde. Da gibt es also Fortschritte.
   Es hatte ja ein Treffen zwischen Kardinal William Levada und Fellay gegeben und damals hieß es auf Seiten der Lefebvrianer, dass die Vorschläge des Vatikan ungenügend seien. Diese Haltung der Piusbrüder war sehr schwierig für die Kirche.“
   Der Vatikan hatte Fellay bei einer Begegnung am 16. März aufgefordert, binnen eines Monats eine „lehrmäßige Präambel“ zu unterzeichnen und darin das kirchliche Lehramt anzuerkennen. Eine positive Antwort wäre Voraussetzung für eine Aussöhnung mit der seit 1988 getrennten Leitungsspitze der Piusbrüder.
   „Es gibt aber auch Vorschläge und Wünsche von Seiten der Piusbrüder, die sie für die Präambel stellen. Selbst- verständlich muss dies nun überprüft werden. Dies ist also der nächste Schritt, die nun die Glaubenskongregation machen wird. Es gibt also zum heutigen Zeitpunkt keine Antwort des Papstes auf diese Antwort, weil es noch kein abschließendes positives Resultat gibt.“
   Papst Benedikt XVI. hatte im Januar 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe zurückgenommen. Im Anschluss hatten Experten der Vatikan-Kommission „Ecclesia Die“ sowie der Piusbrüder in einer eineinhalbjährigen Dialogrunde bestehende theologische Differenzen ausgelotet. Streitpunkte waren dabei Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Ökumene, zur Religionsfreiheit und zum interreligiösen Dialog, die bislang von den Piusbrüdern abgelehnt werden. Der Vatikan hatte eine Annahme dieser Konzilsaussagen zur Bedingung für eine Reintegration in die katholische Kirche gemacht. RVmg120418kna

Pater Bernd Hagenkord SJ: Der Papst und die Piusbrüder: „Es reicht nicht“

   Die schismatisch orientierte Piusbruderschaft hat nicht genug getan, um Lehrdifferenzen zur katholischen Kirche zu überwinden. Damit ist ihre Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche derzeit nicht möglich. Das befindet Papst Benedikt XVI. nach Prüfung einer Antwort der Piusbrüder auf eine Lehrmäßige Präambel aus dem Vatikan. Damit ist die Tür noch nicht geschlossen, aber es ist ein sehr deutliches Signal. Und es wird noch einmal klar, worum es bei der Debatte um die Piusbrüder die ganze Zeit über ging.
   Es ging nicht um ein „zurück vors Konzil“ der Kirche, nicht um die Verharmlosung der Leugnung der Schoah, es ging nicht um ein theologisches Hobby des Papstes. Es ging um Einheit, aber nicht um Einheit um jeden Preis.
Einheit, aber nicht um jeden Preis
   Benedikt XVI. hat die Piusbruderschaft eingeladen, zurück zur Kirche zu kommen, und er hat goldene Brücken gebaut. Dabei ist er aber keine inhaltlichen Kompromisse eingegangen. Die ganzen Jahre über hat er immer wieder auf den Dialog der Religionen, auf die Wichtigkeit von Religionsfreiheit und die Ökumene hin- gewiesen, alles Punkte, an denen sich der Widerstand von Erzbischof Marcel Levebvre – des Gründers der Piusbrüder – während des Konzils entzündet hatte. Alle diese Punkte bleiben Reizworte für die schismatisch orientierte Gemeinschaft, man muss nur deren Pressemitteilungen verfolgen.
   Das alles bleibt selbstverständlich Lehre der Kirche. Das alles muss ganz angenommen werden. Wenn nicht, dann reicht die Antwort eben nicht aus, wie jetzt bei den Piusbrüdern klar wurde. Einheit ist wichtig, aber die Lehre und der Glaube der Kirche eben auch.
   Die Note der Glaubenskongregation und die gesetzte Frist von 30 Tagen, welche die Bruderschaft jetzt bekommen hat, macht klar, dass der Papst diesen Kurs die ganze Zeit über durchgehalten hat, gleich wie groß der Druck war, der von Seiten der Medien oder der Piusbruderschaft ausgeübt wurde.
Ein „leiser Gestus“ wird zum Lärm
   Im März 2009, vor genau drei Jahren also, hatte Papst Benedikt einen Brief geschrieben, in dem er zur Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft und zur Kritik an dem Einschluss des Holocaustleugners Williamson Stellung nimmt. Es lohnt sich, noch einmal in diesen Brief hinein zu schauen.
   Der Papst sprach vom „leisesten Gestus der Barmherzigkeit“. Aus dem sei durch die Vermischung mit dem Fall des Holocaustleugners Williamson ein lautes Lärmen geworden. Deswegen sei die Geste nicht mehr als Einladung zur Versöhnung verstehbar gewesen, so der Papst, andere Themen dominierten die Debatte: „Dass diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern.“
   Es sei ihm um die Einheit der Kirche gegangen, um nichts anderes. Die Rücknahme der Exkommunikation habe denselben Zweck wie die Strafe selbst verfolgt: Einladung zur Besinnung. „Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. (…) Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.“
   Dieser doktrinellen Fragen wegen waren die zweijährigen Gespräche zwischen Vatikan und Bruderschaft begonnen worden, an deren Ende nun ein theologischer Text der Kirche und eine Antwort der Bruderschaft stehen, die nicht ausreicht.
   Die Frage der Einheit war auf dem Tisch, ganz gemäß der selbst gesetzten Leitlinien des Papstes für sein Pontifikat. Die Bezeugung des Glaubens braucht die Einheit der Glaubenden. „Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage.“
  Zum Abschluss seines Briefes wurde der Papst lesbar nachdenklich: Er hatte von der Sprungbereiten Aggres- sivität gesprochen, mit der auf in eingeschlagen worden sei. Aber mit dem Zitat aus dem Galaterbrief, das er in dem Brief zitierte, ist sicherlich auch die Aggression der Piusbrüder gemeint, die in ihrer Selbstgerechtigkeit immer wieder der Kirche und dem Papst vorschreiben zu meinen glaubten, was er zu tun und zu lassen habe: „Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Gal 5,13–15

Kardinal Becker: Einigung zwischen Vatikan und Piusbruderschaft wird „schwierig"
   Große Probleme für eine Einigung zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Piusbruderschaft sieht Kardinal Karl Josef Becker: „Beide Positionen zu verbinden, das ist schon schwer“, sagte der Jesuit im Inter- view der Kölner Kirchenzeitung. Er wirkte als Berater der Glaubenskongregation an den Verhandlungen mit der Piusbruderschaft mit. Papst Benedikt XVI. hat Mitte März die Piusbrüder aufgefordert, bis zum 15. April ihre Position zu klären und einen Bruch mit Rom zu vermeiden.
   „Am katholischen Glauben streichen wir nichts ab - aber die anderen muss ich auch versuchen zu ver- stehen“, betonte Becker. Er verwies auf eine Aussage des Gründers der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, dass mit Pius XII. (1939-1958) „alle Lehre und Disziplin in der katholischen Kirche festgelegt“ und „nichts mehr zu ändern und zu erneuern“ sei. Wenn ein Lefebvrianer sich daran halte, habe das Gespräch zwischen Vatikan und Piusbruderschaft keinen Sinn. Verhalte er sich anders, stehe er vor dem Dilemma: „Wie stehe ich zum Gründer meiner Bruderschaft?“ Darin sehe er das große Problem für die Priesterbruderschaft, so Becker. Der aus Köln stammende Jesuit und langjährige Hochschullehrer an der Gregoriana in Rom war im Februar zum Kardinal erhoben worden.
   Weiter betonte Becker, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) auch nach 50 Jahren noch nicht richtig begriffen worden sei. „Es ist nämlich ein Konzil von einer derartigen Neuigkeit, dass das am Schluss selbst den Bischöfen nicht ganz klar war“, so der Kardinal. Die bisherigen Konzilien hätten zu Katholiken gesprochen, das Zweite Vatikanum zu Christen und allen Menschen, gleich ob sie glauben oder nicht glauben oder welcher Religion sie angehören. „Was dies zur Bewertung der Konzilsaussagen bedeutet, scheint bislang noch nicht hinreichend bedacht worden zu sein“, sagte Becker. Um den wahren Kern des Konzils zu entdecken, müssen nach Ansicht des Theologen dessen Texte gelesen werden. Heute aber habe kaum jemand mehr Zugang zu den lateinischen Originaldokumenten. «“Ich kann nur davor warnen, die Texte unter dem Blickwinkel bestimmter Wunschvorstellungen zu beurteilen“, so Becker. Bei der Interpretation seien Entstehungszeit und Intentionen der Konzilsväter zu berücksichtigen.
RVpr120403kna

Pius-Bruderschaft optimistisch -
   Die traditionalistische Piusbruderschaft wähnt sich „unmittelbar vor der Einigung mit der Kurie" über ihre volle Reintegration in die römisch-katholische Kirche. Dies sagte der Distriktobere für Deutschland, Schmid- berger, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine Gemeinschaft habe das von der Kurie gestellte Ultimatum eingehalten und sei auf ihre Fragen eingegangen. Die Piusbrüder wenden sich gegen zentrale Texte des II. Vatikanischen Konzils zur Religions- und Gewissensfreiheit sowie zur Liturgiereform. Es ist allerdings unklar, ob die vorgelegten Antworten den Anforderungen Roms genügen. Im Vatikan hieß es zurückhaltend, die Ant- wort müsse erst geprüft werden. Mitte März hatte die Kurie nach dem letzten Treffen beider Seiten mitgeteilt, die Antworten reichten „nicht, um die Lehrschwierigkeiten zu überwinden". Der Gruppe mit ihren etwa 550 Priestern wurde damals eine letzte Frist bis zu diesem Sonntag eingeräumt. FAZ120414jöb

Pius-Brüder: „Die Vereinbarung steht unmittelbar bevor",
    hatte zum Beispiel der Distriktobere für Deutschland, Franz Schmidberger, im März gegenüber der FAZ behauptet. Vorsichtiger klang dann am 18. April der Sprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, als er den Eingang der Antwort bekanntgab: Sie ist „anders als bisherige, die als unzureichend angesehen wurden. Sie geht weiter. Es gibt also Fortschritte; aber es gibt auch Vorschläge und Wünsche der Pius-Brüder, die sie für die Präambel stellen."
   Kasper weist auf einen Richtungsstreit innerhalb der Bruderschaft hin. Eine Mehrheit dränge jetzt wohl in die Mutterkirche zurück. Fellay müsse offenbar vermitteln. Der Generalobere hatte Mitte März nicht nur die unterschriebene und kommentierte „Präambel" nach Rom geschickt. Seine Priester erhielten auch einen Brief. Darin erinnerte Fellay sie nach einem Bericht der mitunter gutunterrichteten Zeitung „La Stampa" an die „Prinzipien", die die Bruderschaft in ihren Beziehungen zu Rom leiten. Entscheidend sei, dass von der Bruderschaft keine Zusicherungen verlangt würden, die den Glauben berühren und das, was sich davon ableitet; also Liturgie, Sakramente, Moral und Disziplin. Zudem müsse der Priesterbruderschaft „Freiheit und Aktionsautonomie" garantiert werden, die es ihr erlaubten, zu wirken und sich zu entfalten.
   Ein Katalog wie dieser hebele die „Präambel" aus, sagt Kardinal Kasper. „Aber ich habe Fellays Kommentar zu seiner Unterschrift noch nicht gelesen." Sollten Glaubenskongregation und Papst mit Fellays Antwort zufrieden sein, wird der Bruderschaft angeboten, als Personalprälatur in die katholische Kirche zurück- zukehren. Der Generalobere Fellay würde als „Prälat" der Gemeinschaft vom Papst bestätigt werden. Ihm direkt und keinem Diözesanbischof wären dann er und seine Priester verantwortlich. Die Pius-Bischöfe, darunter der Holocaust-Leugner Williamson, könnten wieder legal tätig sein.
FAZ120509JörgBremer stark gekürzt aus: Internet:faz.net

be-157xLichtDWelt u-epRichardWilliamson-x

 Das neue Buch des Papstes und die Piusbruderschaft.  Foto: Bischof William Richardson FSSPX

   In Bezug auf die Piusbruderschaft, mit welcher der Heilige Stuhl trotz ihrer Provokationen den Dialog fortsetzt, sei „unglaublich viel Unsinn verbreitet worden", sagt der Papst in „Licht der Welt“. „Es ist nicht so", dass deren vier Bischöfe, „wie vielfach unterstellt wurde, wegen ihrer negativen Haltung zum Zweiten Vatikanum exkommuniziert wurden. Sie waren in Wirklichkeit exkommuniziert, weil sie die Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag empfangen hatten" und so gegen den Primat des Papstes verstoßen hätten. „Es gibt eine analoge Situation in China, wo ebenfalls Bischöfe (wie im November 2010 geschehen) ohne päpstlichen Auftrag geweiht und daher exkommuniziert wurden. Wenn ein solcher Bischof sowohl die Anerkennung des Primates im Allgemeinen als auch des amtierenden Papstes im Besonderen erklärt, wird seine Exkommu- nikation zurückgenommen." So sei das in China und bei den Pius-Bischöfen.
   Von der Nähe von Bischof Richard Williamson zur Naziideologie habe er zu spät erfahren. „Leider hat nie- mand bei uns im Internet nachgeschaut und wahrgenommen, um wen es sich handelt", sagt der Papst. Mit diesen Bemerkungen schützt er jene in seinem Staatssekretariat, die schon damals versagten, weil sie bei der Veröffentlichung der Entscheidung eine kirchenrechtliche Begründung der Rücknahme der Exkommu- nikation für überflüssig hielten und sich für Williamson nicht weiter interessierten. Da sei es eben zum „Super- Gau" gekommen, wie Benedikt einräumt. Williamson sei übrigens direkt von den Anglikanern zu den Pius- brüdern konvertiert „und hat deswegen nie in der Gemeinschaft mit dem Papst gelebt". Die Gefahr eines Zusammenbruchs des Dialogs mit den Juden wegen Williamson habe aber nie bestanden. „Im großen weltweiten Judentum gab es viele Menschen, die mir sofort bezeugt haben, dass ich niemals einen Holocaust- Leugner hoffähig machen würde. Das sind Menschen, die mich kennen."
FAZ101130JörgBremer

   Der deutsche Distriktobere der Piusbruderschaft Pater Franz Schmidberger erklärte, dass „diese [Äußerun- gen von Bischof Williamson] nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln.“ In einer Stellungnahme bat der Generalobere der FSSPX, Bernard Fellay den „Papst und alle Menschen guten Willens“ um Entschuldigung für den durch die Äußerungen hervorgerufenen Ärger. Außerdem erklärte Fellay, Williamson bis auf weiteres Stellungnahmen zu politischen oder historischen Themen verboten zu haben.

Piusbrüder müssen Ja zur „neuen“ Messe sagen
   Der „Fall Williamson“ muss von der Frage einer eventuellen Annäherung zwischen katholischer Kirche und Piusbruderschaft abgetrennt werden. Das unterstreicht Msgr.Guido Pozzo
Foto auf dieser Seite weiter unten
, Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ an der vatikanischen Glaubens- kongregation, die für die Gespräche mit den Traditionalisten zuständig ist. Bei den Differenzen zwischen Lefebvrianern und der katholischen Kirche gehe es nicht um politische Ansichten, sondern um Fragen der Lehre und des Kirchenrechts, sagte Pozzo im Gespräch mit Radio Vatikan:
   „Der Fall von Msgr. Williamson ist ein Einzelfall, und es obliegt dem Oberen der Piusbruderschaft, ihn inner- halb der Bruderschaft zu behandeln, auch mit disziplinären Maßnahmen, wenn es die Umstände erfordern. Über die Positionen von Msgr. Williamson hat sich der Heilige Stuhl schon vor Zeiten mit absoluter Klarheit geäußert. Der Heilige Vater hat im Buch „Licht der Welt“, auch bestätigt, dass der Fall Williamson, soweit er die irrigen Erklärungen bezüglich des Holocaust betrifft, ein Fall für sich ist und vollkommen abgetrennt werden muss von der Frage der Beziehungen zwischen Piusbruderschaft und Heiligem Stuhl, die doktrinäre und kirchenrechtliche Probleme betreffen.“
   Die Gespräche mit der Piusbruderschaft finden im zweimonatigen Rhythmus statt. Sie sind von einem „positiven und konstruktiven“ Gesprächsklima getragen, sagte Pozzo. Die Lefebvrianer hätten eine weniger statische Vorstellung von Tradition als vielfach angenommen. In der Frage der Liturgie müssten sie sich allerdings noch zu einer Anerkennung der Messe nach den neuen Büchern durchringen.
   „Die Grundfrage, die die Piusbruderschaft beantworten muss, ist, ob die ordentliche Form des Römischen Ritus, die Paul VI. promulgiert hat, in sich gültig und legitim ist. Zu diesem Punkt darf es keine Zweifel und kein Zögern geben. Die Antwort muss unzweifelhaft „Ja“ sein.“
rv101202

Die Piusbruderschaft hat in den USA erneut Priesterweihen vorgenommen
   In ihrem Seminar in Winona im US-Bundesstaat Minnesota sind neun junge Männer zu Priestern geweiht worden, berichtete der Traditionalisten-Informationsdienst „DICI“. Unter ihnen sei außer US-Bürgern auch ein Schweizer. Vorgenommen habe die Weihen der spanische Bischof Alfonso de Galarreta. Für Deutschland hatte die Gemeinschaft die Weihe von drei Diakonen zu Priestern im bayrischen Zaitzkofen angekündigt. - Papst Benedikt XVI. hatte im Januar 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft, darunter de Galarreta, aufgehoben, um einen Dialog mit der Gruppierung zu beginnen. Seither fanden im Vatikan mehrere Gesprächs- runden mit Vertretern der Bruderschaft zur Klärung strittiger Lehrfragen statt.
RV100620kipa

Papst rügt Piusbruderschaft.
  
Der Vatikan hat die jüngsten Priesterweihen der Piusbruderschaft als kirchenrechtlich verboten verurteilt und damit seine bisherige Haltung bestätigt. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte in den vergangenen Wochen insgesamt 20 Priester und 23 Diakone geweiht. Die Bruderschaft sei kirchenrechtlich nicht anerkannt; ihre Mitglieder übten daher keinen rechtmäßigen Dienst in der Kirche aus, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Solange die strittigen Lehrfragen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Gruppierung nicht geklärt seien, werde sich daran nichts ändern, sagte Lombardi. Die Gesprächsrunden zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan stellen sich aber als schwierig dar, weil sich die Bruderschaft nicht der päpstlichen Autorität beugen will.
FAZ110706jöbRV

Die Piusbrüder bestreiten, dass sie als Ziel der Gespräche mit dem Vatikan die Wiedervereinigung sehen
   Der Leiter der schismatischen Katholiken erwartet ein baldiges Ende der Gespräche mit Rom. Auf beiden Seiten sehen sie kaum eine Chance, aufeinander zuzugehen. Zusätzlich über den Streit über die vom 2. Vatikanischen Konzil eingeführten Änderungen sieht der Generalobere der Bruderschaft Bischof Bernard Fellay in der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. und in der Einladung Benedikt XVI. zu einem Gebetstreffen der Religionen in Assisi weitere Hindernisse, wie auf der Web-Site der Pius-Brüder zu lesen ist.
Die Gespräche der Bruderschaft mit der katholischen Kirche waren 2009 von Papst Benedikt XVI. begonnen, um die seit 21 Jahren bestehende Trennung zu überwinden. Voraussetzung der vollen Gemeinschaft der Pius- Brüder mit der Kirche ist die „Anerkennung des kirchlichen Lehramtes, der Autorität des Papstes und des 2. Vatikanischen Konzils“.
   Nach Bischof Fellay sieht seine Gemeinschaft für die Gespräche andere Ziele: den Widerspruch zwischen der kirchlichen Lehre und der Praxis seit dem Zweiten Vatikanum deutlich zu machen. „Das ist das einzige Ziel, das wir verfolgen”, sagt der Generalobere, und sieht im Dialog mit dem Vatikan nicht die Suche nach einem Kompromiss, sondern die „Frage nach dem Glauben“. „Ist das 2. Vatikanum wirklich ein Stein des Anstoßes? Für uns ganz sicher: Ja! Weil das Konzil bisher stets tabuisiert wird, ist eine Heilung von der Krankheit – das ist von der Krise der Kirche – fast unmöglich.“

U-epBernhardFellayFSSPX-z    Erzbischof Bernhard Fellay FSSPX

Bischof Fellay hätte die dogmatischen Argumente der Bruderschaft schriftlich dem Vatikan übergeben, worüber dann auch theologisch diskutiert wurde. „Es geht uns ausschließlich darum, den katholischen Glauben in Rom verständlich zu machen.“ Auf die Frage, ob die Teilnehmer des Vatikans im Licht der Ge- spräche ihre Meinung geändert hätten, sagt der Bischof: „Ich denke nicht, dass man das sagen kann.“ Die letzten Ereignisse im Vatikan hätten alle Illusionen auf einen Fortschritt beendet. „Ich denke dabei an die Seligsprechung von Johannes Paul II. oder das interreligiöse Treffen in Assisi in Fortführung der Begegnungen 1986 und 2002.“ Die Seligsprechung des letzten Papstes am 1. Mai „schafft ein ernstes Problem für dieses Pontifikat, das „entlang einer progressiven Linie in die falsche Richtung führt, hin zu dem, was man ‚den Geist des 2. Vatikanums“ nennt“. Für den Generaloberen bleibt es ein Geheimnis, wie Benedikt XVI. zu einem weiteren interreligiösen Treffen im Oktober nach Assisi einladen könne. Die Bruderschaft hatte bereits das 1. Treffen vor 25 Jahren äußerst scharf kritisiert. Jegliche religiöse Akte während dieses Treffen seien absurd, wegen der radikalen Verschiedenheit der Religionen.
   Nach Meinung von Bischof Fellay sehe es auch der Papst als „unmöglich“ an, dass Anhänger verschiedener Religionen zusammen beten. „Ich finde, dass der Papst Haarspalterei betreibt, wenn er versucht Assisi zu rechtfertigen.“ Vielleicht stehe Benedikt aber auch unter „Pressionen“, oder er reagiert auf die jüngste Gewalt gegen Christen. Auf die Frage, was katholische Christen denn tun könnten im Hinblick auf das Treffen in Assisi, sagt Bischof Fellay: „Betet, dass der gute Gott in der einen oder anderen Weise dazwischen greift, damit das interreligiöse Treffen nicht stattfinden kann. In jedem Fall ist es Zeit, noch umzukehren!“
   Der Generalobere lobt den Papst für sein Schreiben im Jahr 2007, das die Behinderungen des sogenannten Tridentinischen Ritus des Heiligen Messe aufgehoben hat, meint aber, dass die Wirkung ausgeblieben sei, wegen der „massiven Opposition der Bischöfe“.
Papst Benedikt ebnete den Weg für die Gespräche mit der Bruderschaft im Jahre 2009. Dazu hob er die Exkommunikation der vier im Widerspruch gegen den Papst geweihten Bischöfe der Pius-Brüder auf. Von Seiten des Vatikans soll der Dialog zur vollen Gemeinschaft mit den Mitgliedern der Gemeinschaft führen, die von Erzbischof Mrcel Lefebvre gegründet wurde. Der Vatikan stellt in die Mitte der Gespräche: Den Begriff der Tradition, das 2. Vatikanische Konzil in Übereinstimmung mit der katholischen Lehre, die Einheit der Kirche, den Ökumenismus, die Beziehungen zu christlichen Gemeinschaften und nicht-christliche Religionen und die Religionsfreiheit.
CT110306JohnThavis

Piusbrüder wollen Konzil nicht anerkennen
   Der Generalobere der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, hat eine Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch seine Gemeinschaft ausgeschlossen. „Wenn ihr Ziel immer noch die Anerkennung des Konzils durch die Bruderschaft ist, dann waren die Diskussionen klar genug um zu zeigen, dass wir nicht die Absicht haben, diesen Weg einzuschlagen", sagte Fellay laut der jetzt im Internet veröffentlichten Mitschrift einer Konferenz in Frankreich. Fellay schloss Zugeständnisse der Priesterbruderschaft an den Vatikan aus, wenn dadurch die Prinzipien seiner Gemeinschaft in Gefahr gerieten. „Wozu würde es nutzen, irgendeinen Vorteil zu erhalten, wenn dadurch der Glaube aufs Spiel gesetzt würde?", fragte der Generalobere. Fellays Äußerungen wurden vom französischen Distrikt der Priesterbruderschaft auf seiner Internetseite veröffentlicht. Es handelt sich um die Mitschrift einer Konferenz, die der Generalobere bereits Mitte August im französischen Saint-Malo gab. Vom deutschsprachigen Distrikt der Piusbruderschaft war keine Stellungnahme zu erhalten.
DT110910

 Erzbischof Bernard Fellay FSSPX u-epBernardFellay-x-1 Piusbrüder sagen Nein zu Vatikan-Papier

   Die schismatisch orientierte Piusbruderschaft sagt Nein zu den Bedingungen, die ihr der Vatikan gestellt hat. In einem im Internet veröffentlichten Interview äußerte sich am Montag der Leiter der Piusbrüder, Bischof Bernard Fellay, zur so genannten „Doktrinellen Präambel“. Diesen Text hatte die vatikanische Glaubens- kongregation den Piusbrüdern nach mehreren Gesprächsrunden überreicht. Die Präambel sei „kein definitiver Text“ und „kann nicht unsere Zustimmung finden“, so Fellay wörtlich. Die Führungsspitze der Piusbrüder hatte am 7. Oktober in Albano bei Rom über die Vatikan-Bedingungen gesprochen; „in diesen Tagen“ will sie dem Vatikan eine Antwort zustellen.
   Fellay erklärt, er sehe noch „Spielraum für eine legitime Diskussion über einige Punkte des Zweiten Vatika- nischen Konzils“. Ein Brief, der die Präambel begleite, sehe durchaus „die Möglichkeit vor, einige Klar- stellungen am Text vorzunehmen“. Fellay wörtlich: „Bevor wir uns auf einen eventuellen kanonischen Status einlassen, studieren wir diese Präambel genau... Wenn wir die Lehrunterschiede beiseite schieben würden, die uns seit vierzig Jahren von Rom trennen, nur um einen kanonischen Status zu erhalten, dann würden dieselben Unterschiede unvermeidlich wieder hervorbrechen, so dass der kanonische Status ganz einfach nicht lebbar wäre.“
   Die zwei Jahre der Gespräche zwischen Piusbrüdern und Glaubenskongregation hätten es „unseren Theo- logen erlaubt, die Punkte am Konzil zu erläutern, die uns im Licht der kirchlichen Tradition Schwierigkeiten be- reiten“. Bischof Fellay betont, die „einzige unveränderliche Lehre“ sei das Credo, das „den ganzen katho- lischen Glauben“ ausdrücke. Die Piusbruderschaft habe „kein Problem, sich uneingeschränkt zum Credo zu bekennen“. Das Konzil habe in den Augen der Piusbrüder „keine Dogmen definiert und auch keine neuen Glaubensartikel aufgestellt: Ich glaube an die Religionsfreiheit, an die Ökumene, an die Kollegialität.“
porte latine111129sk

   Entgegen anderslautenden Meldungen ist in den Gesprächen zwischen dem Vatikan und der traditionalis- tischen Piusbruderschaft das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen. Der Generalobere der Bruderschaft, Bernard Fellay, habe die Position der Vereinigung auf Bitten Roms noch einmal präzisiert. Das sagte der deutsche Distriktobere der schismatisch orientierten Piusbrüder, Franz Schmidberger, der Tageszeitung „Die Welt“. Schmidberger wörtlich: „Jetzt warten wir mit Spannung auf das Ergebnis der Beratungen der Glaubens- kongregation.“ Seit knapp zwei Jahren findet ein Austausch zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern über Inhalte und Bedingungen zur möglichen Überwindung theologischer Streitpunkte statt, die beide Seiten voneinander trennen. Dabei geht es vor allem um die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Vatikan hatte dazu den Piusbrüdern Mitte September eine „lehrmäßige Präambel“ zur Unterzeichung über- geben. RV120213kna

Beratungen über die Piusbruderschaft
   Die Glaubenskongregation hat am 16. Mai 2012 über die Piusbruderschaft beraten. Bei der ordentlichen Sitzung des Gremiums sei es auch um die traditionalistische Bruderschaft, insbesondere das Antwortschreiben deren Oberen, Bernard Fellay, vom 17. April 2012 gegangen. Das teilte das Presseamt des Heiligen Stuhles im Anschluss an die Sitzung mit. Dazu habe die Glaubenskongregation einige Beobachtungen formuliert, die in die weiteren Gespräche mit der Bruderschaft mit einfließen würden, heißt es in der Vatikanmitteilung weiter.
   Der Fall der drei Mitbischöfe Fellays werde im Folgenden „separat und im Einzelnen“ behandelt werden, so die Mitteilung weiter. Die drei Bischöfe sollen versucht haben, ihren Oberen von einer Einigung mit dem Vati- kan abzuhalten. Das geht aus einem in diesen Tagen per Indiskretion veröffentlichten Briefwechsel hervor, der durch die Medien ging. Das Ergebnis der Beratungen werden über den Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, an Papst überbracht, berichtete die Katholische Nachrichtenagentur KNA. Papst Benedikt XVI. muss dann über eine mögliche Wiedereingliederung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in die katholische Kirche entscheiden. Wann und wie der Papst dazu entscheiden wird, ist offen. An den Beratungen der Glaubenskongregation nahm laut KNA auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller teil.
RVpr120516kna

Papst Benedikt XVI.: „Hoffe auf volle Gemeinschaft mit Piusbrüdern“   B-430cs-

   Der Papst hofft auf Fortschritte beim theologischen Gespräch mit den Traditionalisten. Vor den Mitgliedern der Glaubenskongregation, die derzeit ihre Vollversammlung hält, ging Benedikt auf den Dialog mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft ein, den er vor einem Jahr mit einer heftig umstrittenen Geste eingeleitet hatte. Der Dialog ist seit einigen Monaten bei der Glaubenskongregation angesiedelt. Papst Benedikt:
   „Zu erreichen, dass alle Christen ein gemeinsames Zeugnis für den Glauben geben – das ist die Priorität der Kirche zu jeder Zeit, um alle Menschen zu Gott zu führen. In diesem Geist vertraue ich vor allem auf den Einsatz Eurer Behörde, damit die lehrmäßigen Probleme überwunden werden, die noch bestehen, so dass sich eine volle Kirchengemeinschaft der Bruderschaft St. Pius X. erreichen lässt.“
   Ein vergleichbares Engagement wünsche er sich auch mit Blick auf Anglikaner, die die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche suchen, so Benedikt. Für sie hat er im letzten Herbst eigene kirchliche Strukturen geschaffen:
   „Die treue Anhänglichkeit dieser Gruppen an die Wahrheit, die von Christus kommt und vom Lehramt der Kirche verkündet wird, steht in keiner Weise in Widerspruch zur ökumenischen Bewegung, sondern zeigt vielmehr ihr letztes Ziel. Es besteht darin, zur vollen und sichtbaren Gemeinschaft der Jünger des Herrn zu gelangen.“
rv100115 

Zweite Gesprächsrunde mit der Pius-Bruderschaft

   Mitte Januar hat die zweite Runde der Gespräche zwischen der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. stattgefunden. Der Vatikan gab nichts über das Treffen bekannt. Das erste Gespräch zwischen Vatikan und Piusbrüdern hatte am 26. Oktober in der vatikanischen Glaubenskongregation stattgefunden. Am 18. Januar, dem Tag nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Synagoge von Rom, sei mit einem vertieften Austausch über jene Themen begonnen worden, die auf der Traktandenliste dieser Gespräche über zentrale Glaubensfragen stehen. Das sagte ein Teilnehmer gegenüber der Nachrichtenagentur „I-Media“ in Rom. Die nächste Gesprächs- runde ist für Mitte März anberaumt. In den Gesprächen geht es um die Verbindlichkeit aller Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils. Insbesondere würden das Verständnis der Tradition in der Kirche, die Form des Ritus und das Verständnis des Konzils in Kontinuität mit der katholischen Glaubenstradition thematisiert, so der Vatikan im vergangenen Oktober. Man werde Fragen der Einheit der Kirche und der katholischen Prinzipien der Ökumene, der Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen sowie der Religionsfreiheit erörtern. RV100120kipa
   Während im Vatikan die Glaubenskongregation mit der Piusbruderschaft spricht, lehnt der umstrittene Bischof Richard Williamson dies ab. Der Dialog zwischen Bruderschaft und Vatikan sei ein „Dialog der Taubstummen“, so Williamson in einer per Internet verbreiteten Videobotschaft. Die zwei Lehren seien so un- vereinbar, wie die Behauptung „2+2 = 4“ und „2+2 = 5“ unvereinbar seien. Entweder würde die Bruderschaft die Wahrheit aufgeben, oder Rom, das behaupte, 2+2 = 5, bekehre sich. Die dritte Möglichkeit sei, dass man sich darauf einige, dass 2+2 = 4,5 ergäben. Das sei falsch und nicht akzeptabel, so Williamson. Weiter äußert er sich in dem Interview über den Dialog zwischen Islam und Christentum, über den Iran und andere politische und religiöse Fragen. rv100120apic 
   Die Gespräche des Vatikans mit den schismatisch orientierten Piusbrüdern verlaufen „schwierig“, und die Traditionalisten werden Zugeständnisse machen müssen, um zu einer Einigung zu kommen. Das meint der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Walter Kasper. Das „Hauptproblem“ sei nicht etwa „die Messe auf Latein“, sondern „die Vorstellung von Tradition, so der deutsche Kardinal auf einer Presse- konferenz in Paris. „Wollen wir eine lebendige Tradition oder eine versteinerte?“, fragte Kasper. Er sei für einen Dialog, „aber zu unseren Bedingungen“: Die Piusbrüder müssten ohne Wenn und Aber das Zweite Vatikanische Konzil und seine Reformen anerkennen.
Rv100506reuters

Dritte Gesprächsrunde mit der Pius-Bruderschaft

   Zum dritten Mal trafen sich Vertreter der Glaubenskongregation und der schismatisch orientierten Pius- bruderschaft. Die vom Papst eingerichtete Dialogkommission war Ende Oktober das erste Mal, in der zweiten Januarhälfte dann ein zweites Mal zusammengetreten. In den letzten Wochen ist die Piusbruderschaft mehrfach mit papstkritischen Wortmeldungen an die Öffentlichkeit getreten. Nach Angaben der Nachrichten- agentur „Apic“ sind im Vatikan einige verstimmt über den „Immobilismus“ ihrer Gesprächspartner. Der Papst hat allerdings Mitte Januar öffentlich erklärt, er hoffe darauf, „dass sich die bestehenden doktrinellen Probleme überwinden lassen, damit die Priesterbruderschaft Pius X. in volle Gemeinschaft mit der Kirche treten kann“. RV100318apic

Sondergespräch im Vatikan

   Der Generalobere der traditionalistischen Piusbruderschaft reist am 14. September zu einem Sonder- gespräch in den Vatikan. Dort wird Bernard Fellay mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, reden. Das teilte der Distriktobere der Piusbruderschaft in Deutschland, Franz Schmidberger, auf der Webseite der Gruppe im Internet mit. Es gehe darum, „das Ergebnis der fast zwei- jährigen Lehrgespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft zu erörtern“. Die bis- herigen Gespräche seien in einem „sehr guten Klima“ verlaufen, sagte Schmidberger. RV110822kna

Vatikan legt den Piusbrüdern Forderungskatalog vor

   Die Verhandlungen zwischen Heiligem Stuhl und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. sind an einen kritischen Punkt gelangt. Der Vatikan knüpft eine eventuelle Wiederaufnahme der Lefebvrianer in die katholische Kirche an klare Bedingungen. Der Forderungskatalog wurde jetzt an der Glaubenskongregation dem Leiter der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, ausgehändigt. Das steht in einer Mitteilung des vatikanischen Presseamtes.
   Acht Treffen hat es zwischen Vertretern der Piusbruderschaft und des Heiligen Stuhles zwischen Oktober 2009 und April 2011 gegeben. Über die Inhalte wurde jeweils Stillschweigen vereinbart. In der Mitteilung von diesem Mittwoch heißt es aber, die Gespräche hätten ihr Ziel erreicht, nämlich „die wechselseitigen Positionen und Begründungen zu klären“. Es ging darum, „die grundlegenden lehramtlichen Schwierigkeiten über um- strittene Themen“ zu vertiefen. Um welche Themen es sich handelt, bleibt in der Mitteilung offen, ist aber Beobachtern aus zahlreichen Stellungnahmen u.a. der Piusbruderschaft selbst klar. So geht es beispielsweise um die Gültigkeit der Messe nach den neuen Büchern oder die Anerkennung der katholischen Lehre zu Ökumene und Religionsfreiheit.
   Selbst wenn man „die Sorgen und Eingaben“ der Bruderschaft bezüglich der Einheit des katholischen Glaubens berücksichtige, so halte die Glaubenskongregation für die volle Aussöhnung mit dem Apostolischen Stuhl es doch für unerlässlich, dass die Piusbruderschaft sich bestimmte theologische Standpunkte zu eigen macht. Die Vatikanmitteilung spricht wörtlich von der „Akzeptanz des Textes der Doktrinalen Präambel, die bei dem Treffen am 14. September 2011 übergeben wurde. Diese Präambel formuliert einige lehramtliche Prinzi- pien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche … zu garantieren“. Gleichzeitig lasse die Präambel aber die theologische Erklärung einzelner Ausdrücke oder Formulierungen aus den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden Lehramtes für eine „legitime Diskussion“ offen. Das bedeutet, dass die Traditionalisten aus Sicht des Heiligen Stuhles den unverhandelbaren Lehren der katholischen Kirche grundsätzlich zustimmen müssen, begriffliche Fragen aber zweitrangig sind.
   Kommt es zu einer „eventuellen und erwünschten Versöhnung“, dann können die Lefebvrianer zur Einheit mit Rom zurückkehren. Für den Fall nämlich, dass die Piusbruderschaft den vatikanischen Forderungskatalog unterschreibt, stellt die Glaubenskongregation ihr einen rechtlichen Status innerhalb der katholischen Kirche in Aussicht. Welche Lösung das konkret ist, bleibt in der Mitteilung offen. Beobachter hielten in der Vergangen- heit die rechtliche Form einer Personalprälatur nach dem Modell „Opus Dei“ oder die Errichtung eines Ordina- riats für möglich, wie der Heilige Stuhl es jüngst für anglikanische Gläubige eingerichtet hatte.
   Die Antwort der Piusbruderschaft auf den vatikanischen Forderungskatalog wird in wenigen Monaten er- wartet, erklärte Vatikansprecher P. Federico Lombardi vor Journalisten. Zu dem Gespräch an der Glaubens- kongregation waren neben Fellay seine zwei wichtigsten Mitarbeiter geladen, Niklaus Pfluger und Alain-Marc Nely. Von vatikanischer Seite nahmen der Präfekt und der Sekretär der Kongregation, Kardinal William Levada und Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer teil, außerdem der Sekretär der zuständigen Kommission „Ecclesia Dei“, Guido Pozzo.
RV110914gs
  
Die Führung der schismatisch orientierten Piusbruderschaft hat in Albano bei Rom über einen Forderungs- katalog der vatikanischen Glaubenskongregation beraten. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Ein Statement erklärt, die Gemeinschaft wolle dem Vatikan „in einem verantwortlichen Zeitraum“ die Antwort übermitteln. Von dieser Antwort wird es abhängen, ob sich die traditionalistische Gruppe wieder an die römisch-katholische Kirche annähert oder ob sie die Brücken abreißt. Der Leiter der Piusbrüder, Bernard Fellay, stellte in Albano hinter verschlossenen Türen die Doktrinelle Präambel vor, die ihm Kardinal William Levada von der Glaubens- kongregation überreicht hatte. Auch dieser Text ist nicht öffentlich bekannt; der Vatikan hat nur mitgeteilt, dass er „Lehrprinzipien und Interpretationskriterien“ auflistet, die die Piusbrüder akzeptieren müssen. Erst dann könnten sie 23 Jahre nach dem schismatischen Akt ihres verstorbenen Gründers Erzbischof Marcel Lefebvre wieder in die Kirche integriert werden. Das Statement der Piusbrüder erklärt, die Studie des vatika- nischen Forderungskatalogs werde jetzt im Generalrat der Bruderschaft fortgesetzt. R111008
  
Eine Antwort der Piusbruderschaft  zur doktrinellen Präambel wurde zu Beginn dieses Jahres im Vatikan überreicht. Über den Inhalt liegen bisher keine Informationen vor. 120123kbwn

Verbindlichkeit des Konzils steht nicht in Frage
   Die Verbindlichkeit der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils steht nach den Worten des römischen Theologen Fernando Ocariz nicht in Frage. In den Konzilsdokumenten fänden sich „viele Aussagen streng lehrmäßiger Natur“, schreibt der Generalvikar der Personal-Prälatur Opus Dei in einem Beitrag der vatikani- schen Tageszeitung „Osservatore Romano“. Die pastorale Ausrichtung der Bischofsversammlung bedeute keineswegs, dass diese „nicht doktrinell“ sei, so der Theologe, der seit 2009 auf vatikanischer Seite an den Dialogtreffen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft teilgenommen hatte. Die pastoralen Aspekte grün- deten vielmehr auf der Lehre, die auf das Heil ausgerichtet sei, dessen Verkündigung ein wesentlicher Be- standteil der Pastoral sei.
   Auch wenn das Reformkonzil keine Lehre „kraft des Charismas der Unfehlbarkeit“ verkündet habe, bedeute dies nicht, dass die Aussagen deshalb „fehlbar“ seien, ergänzte Ocariz. Die Äußerungen dürften von Katholiken nicht bloß als „vorläufige Lehre“ oder „gewichtige Meinung“ betrachtet werden, sondern müssten wie jede „Äußerung des authentischen Lehramtes“ angenommen werden. Eine authentische Auslegung der Konzilstexte könne nur durch das Lehramt der Kirche selbst erfolgen, betonte er.
   Die Bedeutung des Vatikanum stand bis Mai 2011 im Mittelpunkt von Fachgesprächen der Kurien- Kommission Ecclesia Dei mit Vertretern der seit 1988 von Rom abgespaltenen Priesterbruderschaft St. Pius X.
RVkna111202ord

u-epAlfonsoDeGalaretta-x u-MissaTrid-z

   Der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernd Fellay, hat erklärt, seine Gruppe werde den vom Vatikan erstellten Forderungskatalog ausführlich beraten. Fellay war zu Gesprächen an der römischen Glaubenskongregation gewesen und bekam bei der Gelegenheit eine „Lehrmäßige Erklärung“ über- reicht. Diese muss die Piusbruderschaft akzeptieren, ehe es zu einer Wiedereingliederung in die katholische Kirche kommen kann.
   Der Inhalt der Erklärung bleibt vertraulich, sagte Fellay. Er könne aber sagen, dass der vatikanische Text für eine mögliche Interpretation des II. Vatikanischen Konzils nicht unterscheide zwischen unantastbaren, dog- matischen Konzilsbeschlüsse einerseits und einer bloß pastoralen Dimension andererseits. Diese Unter- scheidung hatten etliche an einer Aussöhnung interessierte Fachleute vorgeschlagen, weil die Piusbruder- schaft bestimmte Ergebnisse des Konzils nicht anerkennt. Fellay sagte weiter, dass der Vatikan eine „legitime Diskussion“ über die theologische Erklärung bestimmter Formulierungen in den Texten des Konzils ausdrück- lich nicht ausschließt. Für eine Debatte über die rechtliche Form einer Wiedereingliederung in die katholische Kirche sei es jedenfalls zu früh, so Fellay. RVpm110915
Piusbrüder uneins - Britischer Distriktoberer gegen „Lehrmäßige Präambel“
  
Die traditionalistische Piusbruderschaft hat bislang nicht zu einer einheitlichen Haltung gegenüber dem Ver- söhnungsangebot des Papstes gefunden. Darauf deutet ein am Dienstagabend im Internet veröffentlichtes Schreiben des Distriktoberen von Großbritannien, Morgan, hin. Während es im Vatikan heißt, der Generalobere der Bruderschaft, Fellay, neige dazu, die Bedingungen des Papstes für eine volle Rückkehr in die Kirche an- zunehmen, heißt es in dem Schreiben Morgans, die von der vatikanischen Kongregation für die Glaubens- lehre zur Annahme vorgelegte „Lehrmäßige Präambel" enthalte alle Elemente, welche die Piusbruderschaft seit je ablehne. Alle Oberen der Piusbruderschaft, die sich im Oktober in Albano bei Rom trafen, hätten daher „im Konsens" festgestellt, dass die „Lehrmäßige Präambel" des Vatikans „eindeutig inakzeptabel" sei. Die Zeit sei daher nicht reif, um Gespräche über eine organisatorische Eingliederung der Piusbruderschaft in die Kirche fortzusetzen, schreibt Morgan.
   Im Vatikan heißt es dagegen, die Zusammenkunft von Albano habe nicht zum Konsens geführt. Jetzt wolle offenbar eine Gruppe per Internet ihren Kurs durchsetzen. In der Erklärung der Piusbruderschaft nach dem Treffen hatte es nur geheißen, man wolle „in einem vernünftigen Zeitraum" eine Antwort auf die vatikanischen Vorschläge präsentieren. Zuvor sollten der Feilay mit seinen beiden Assistenten Pfluger und Dely das Doku- ment der Glaubenskongregation noch einmal prüfen. Die „Präambel" hatte der Präfekt der Glaubens- kongregation, Kardinal Levada, nach einem eineinhalbjährigen Dialog formuliert und Fellay im April mit der Bitte um Zustimmung übergeben. Streitpunkte sind das Zweite Vatikanische Konzil, vor allem wegen seiner Aussagen über Ökumene, Religionsfreiheit und dem interreligiösen Dialog, sowie die vom Konzil eingeleitete Liturgiereform, welche die Piusbrüder ablehnen. FAZ111103jöb
Internet-Mitteilung der Leitung der Pius-Brüder
  
Zur Zeit kursieren Gerüchte im Internet, die Priesterbruderschaft St. Pius X. würde "eine Einigung mit Rom ablehnen". Der Grund ist ein Rundschreiben des englischen Distriktoberen, Pater Paul Morgan, das gestern für kurze Zeit im Internet zu lesen war, in dem er ähnliches behauptet haben soll.
   Weil diese Meldung mittlerweile von Zeitungen und Agenturen aufgegriffen wurde, hat das Generalhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Menzingen (Schweiz) reagiert und folgende kurze Notiz veröffentlicht:
   Seit dem Treffen der Oberen der Seminare und Distrikte der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Albano (Italien) am 7. Oktober 2011 erschienen verschiedene Kommentare in der Presse bezüglich der Antwort, welche Bischof Bernard Fellay auf die römischen Vorschläge vom 14. September 2011 geben wird.
   Es wird daran erinnert, dass allein das Generalhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. berechtigt ist, ein offizielles Kommuniqué oder einen autorisierten Kommentar bezüglich dieser Thematik zu veröffentlichen.
Bis weitere Informationen erscheinen, gilt die Pressemitteilung vom 7. Oktober 2011.
Menzingen, 2. Nov.
2011. 111103

u-B-epAlfonsoDeGalaretta-xx

Drei Fragen an die Pius-Brüder: Vatikanisches Konzil, Ökumene und religiöse Freiheit
Foto oben: Papst Benedikt XVI. und Bischof Alfonso de Galarreta (52) Sprecher der Pius-Bruderschaft

   Der Heilige Stuhl hat in der zweiten Oktoberhälfte die Gespräche mit der traditionalistischen Pius-Bruder- schaft aufgenommen. Vatikan-Sprecher Lombardi nannte der FAZ drei vorrangige Themen: Es gehe um die Lehren aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), sowie um Fragen der Ökumene und der religiösen Freiheit. Der Papst habe mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruder- schaft Anfang des Jahres „eine entscheidende Geste gemacht. Nun müssen wir hoffen, dass diese Geste auch aufgenommen wird", sagte Lombardi.
   Voraussetzung für die Aufnahme der Gespräche ist eine Umorganisation im Vatikan. Die päpstliche Kommis- sion „Ecclesia Dei", die seit 1988 für solche Gemeinschaften zuständig ist und bisher relativ frei agieren konnte, wird an die Glaubenskongregation angebunden. Der dafür bisher zuständige Kurienkardinal Castrillon Hoyos schied am 8. Juli aus Altersgründen aus. Ihm wurde eine persönliche Nähe zu der Bruderschaft nachgesagt. Jetzt werden drei Berater der Kongregation die Gespräche mit der Pius-Bruderschaft führen: der 81 Jahre alte deutsche Jesuit Karl Josef Becker von der päpstlichen Universität Gregoriana; der 47 Jahre alte schweizerische Generalsekretär der Internationalen Theologenkommission und Dominikaner Charles Morerod sowie der Generalvikar des Opus Dei, Fernando Ocariz. Dieser 64 Jahre alte Spanier gilt als einer der Autoren der Erklärung Dominus lesus über das katholische Kirchenverständnis, die im Jahre 2000 zu einer Debatte mit den evangelischen Christen in Deutschland geführt hatte.
   Im März hatte Papst Benedikt XVI. die Aufhebung des Kirchenbanns gegen die vier von Erzbischof Lefebvre 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe mit dem Auftrag begründet, für die Einheit der Gläubigen zu wirken. Aber dieser „leise Gestus der Barmherzigkeit" sei durch „Pannen" in Misskredit geraten. So habe der Vatikan nicht gewusst, dass einer der Bischöfe gegen die christlich- jüdische Versöhnung verstoße - Bischof Williamson hatte den Holocaust geleugnet.
FAZ090918jöb

KK-ProfHansMaier-x   Prof. Dr. Hans Maier: “Religionsfreiheit”

 Prof. Dr. Hans Maier: Der Kampf um die Religionsfreiheit im Zweiten Vatikanischen Konzil

   Das Zweite Vaticanum in seiner «Erklärung über die Religionsfreiheit» (1965) feierlich das Recht der Person und der Gemeinschaften auf gesellschaftliche und bürgerliche Freiheit in religiösen Dingen verkündet. Dies geschah im Bewusstsein der Tatsache, «dass alle Völker immer mehr eine Einheit werden, dass Menschen verschiedener Kultur und Religion enger miteinander in Beziehung kommen und dass das Be- wusstsein der eigenen Verantwortlichkeit im Wachsen begriffen ist. «Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf Religionsfreiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von Seiten einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen wie von jeglicher menschlicher Gewalt, so dass in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen — innerhalb der gebührenden Grenzen — nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf Religionsfreiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird. Dieses Recht der menschlichen Person auf Religionsfreiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, dass es zum bürgerlichen Recht wird.»
   Die Erklärung über die Religionsfreiheit setzt einen neuen Akzent im Verhältnis der katholischen Kirche zur modernen Welt. Sie bringt die lange und schmerzvolle Auseinandersetzung mit den modernen Freiheitslehren und -ansprüchen zu einem vorläufigen Abschluss. Darin bildet sie ein epochemachendes Ereignis in der Geschichte der Kirche. Nicht zufällig sah der Konzilsberater Joseph Ratzinger in der Erklärung «das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära».
  Die Diskussion über die Religionsfreiheit beim Konzil war begleitet von einer neuen Wahrnehmung der angel- sächsischen Welt und der in ihr entwickelten demokratischen Formen durch die katholische Kirche. So hatte der amerikanische Jesuit John Courtney Murray entscheidenden Anteil an der Auseinandersetzung der Konzilstheologen mit den überlieferten Lehren der Kirche - und vor allem Leos XIII. - bezüglich des komplexen Verhältnisses von Wahrheit und Freiheit; er vor allem war es, der den Konzilsvätern die amerikanische Tradition der Menschenrechte und der «self-evident truths» der US- Verfassung nahebrachte.
   Nicht minder bedeutsam war die Intervention des englischen Kardinals Heenan bei der 80. General- kongregation des Konzils im September 1964 - in jener Debatte, in der Kardinal Ottaviani und Bischof Lefebvre noch einmal mit Nachdruck die alte These «Keine Freiheit für den Irrtum!» vertraten. Demgegenüber wies Kardinal Heenan auf die Verhältnisse in England hin und zeichnete das Bild einer Staatskirche - der anglikanischen -, die ungeachtet ihrer offiziellen Stellung Andersgläubigen Toleranz gewähre. Seine Worte wurden berühmt, weil sie die Situation einer pluralistischen Gesellschaft präzise umschrieben: «Heutzutage kann Großbritannien keinesfalls als katholisch angesehen werden. Die Kirche von England ist die offizielle Staatskirche, an deren Spitze die Königin steht. Tatsächlich aber praktizieren viele unserer Mitbürger keine Religion. Dennoch bezeichnet sich die Mehrzahl der Engländer als Christen. In England sind die Kinder im allgemeinen getauft, die Leute wollen sich meist kirchlich trauen lassen, und fast alle erhalten ein christliches Begräbnis. Natürlich gibt es daneben auch Menschen, die keine Religion bekennen. Wir haben also eine pluralistische Gesellschaft, in der trotz allem die Religion öffentlich und privat geehrt wird. Obwohl die Kirche von England die Staatskirche ist, wird den Bürgern der anderen Bekenntnisse völlige Religionsfreiheit garantiert. Daher gibt der Staat zum Beispiel den katholischen Schulen eine wesentliche Beihilfe und bezahlt vollständig die Gehälter ihrer Professoren, auch wenn es Priester oder Ordensleute sind. Aber - und das ist wichtig - die katholischen Schulen erfreuen sich der gleichen Rechte und Pflichten wie die Schulen der Kirche von England.»
   Die Waage schwankte heftig zwischen Befürwortern und Gegnern der Religionsfreiheits-Erklärung. Das Schema wurde mehrfach umgearbeitet. Viele Einzelfragen wurden neu erörtert. Begriffe wie Toleranz, Zwang, Gewissen, Grenzen der Religionsfreiheit wurden präzisiert. Im Oktober 1964 stand die dritte Textfassung fest. Im November sollte die Abstimmung erfolgen. Doch die Gegner des Dokuments erreichten eine Verschiebung. Das stieß bei der Mehrheit auf große Verärgerung, die sich in zahlreichen Bittschriften an Papst Paul VI. Luft machte.  Dem Text kam jedoch die verordnete Zwangspause zugute. Die endgültige Textfassung - es war die sechste - wurde nach weiteren Umarbeitungen und einer wesentlichen Kürzung, Vereinfachung und Konzen- tration mehr als ein Jahr später, am 7. Dezember 1965, vom Konzil endgültig verabschiedet - und nunmehr mit großer Mehrheit (2.308 placet, 70 non placet).
Von diesem Datum an war die Religionsfreiheit, nachdem sie zum offiziellen Titel eines lehramtlichen Dokuments geworden war, in der katholischen Kirche nicht mehr umstritten.
   Die katholische Haltung gegenüber der Religionsfreiheit hat lange Zeit geschwankt. Man war geneigt, den Rückzug des Staates aus der religiösen Sphäre als eine Verkürzung zu empfinden, man hielt jedenfalls im eigenen Bereich lange an einem Staatsideal fest, das dem Staat nicht nur die Sorge für das irdische Wohl, sondern auch die Sorge um das Heil der Seele zuerkannte. Das lag gewiss auch an der prototypischen Gestalt und Wirkung des von der Konfession geprägten Fürsten-Staates, mit dem die katholische Kirche seit dem Zerbrechen des mittelalterlichen Corpus Christianum ihr Schicksal verbunden hatte.
   Erst in einer pluralistisch gewordenen und vielfältig säkularisierten Welt kamen die positiven Möglichkeiten der Religionsfreiheit in den Blick, wurden die neuen Chancen sichtbar, die sie für die Kirche mit sich brachte. Eine nicht unwichtige Rolle haben dabei die Erfahrungen mit den modernen Totalitarismen gespielt. Sie zeigten den Katholiken, dass der Kirche von Seiten «politischer Religionen» oft schlimmere Gefahren drohen als von Gemeinwesen, die sich die Entscheidung über Glaubens- und Gewissensfragen kraft Einsicht in die eigene Inkompetenz versagen.
   Die Erklärung über die Religionsfreiheit beendete nicht nur die Zeit des «christlichen Staates», der für das Heil (und nicht nur für das Wohl!) der Menschen mitverantwortlich war. Sie eröffnete zugleich die neue Zeit einer wesensgemäßen, nämlich theologischen Aneignung der Menschenrechte durch die Kirche - ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.

Dieses Kapitel ist aus dem Beitrag von Prof. Dr. Hans Maier, München: Die Katholiken und die Demokratie entnommen. Internationale Katholische Zeitschrift Communio, Jan/Feb 2010 Seite 72-87.

u-Prof.GuidoPozzo-x  U-ProfCharlesMorerodOP-x  u-GVFernandoOcárizOD-

Es geht voran - Vatikan bereitet Verhandlungen mit Piusbruderschaft vor - Kölner Jesuit berufen
Fotos: Prof. Guido Pozzo, Prof. Charles Morerod OP, Prälat Fernando Ocariz Brana Opus Dei.

   Die vatikanische Expertengruppe zur Klärung strittiger Fragen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft nimmt offenbar Gestalt an. Unbestätigten Berichten aus Traditionalistenkreisen zufolge erhielten drei weitere Theologen einen Ruf in das Gremium, das vom Sekretär der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", Guido Pozzo, geführt wird. Unter ihnen ein Kölner Jesuit.
   Demnach handelt es sich um den Schweizer Dominikaner Charles Morerod, den Opus-Dei-Generalvikar Fernando Ocariz Brana und den deutschen Jesuiten Karl Josef Becker. Alle drei sind bereits Berater der Glaubenskongregation.
   Der aus dem Schweizer Bistum Freiburg stammende Morerod war erst im April von Benedikt XVI. zum Generalsekretär der internationalen päpstlichen Theologenkommission ernannt worden. Der 47-Jährige, der zugleich Dekan der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Universität San Tommaso d'Aquino (Angelicum) ist, genießt einen Ruf als herausragender Kenner mittelalterlicher Theologie.
   Der 64-jährige Ocariz, Spezialist in der theologischen Lehre von der Kirche, gehört seit 1986 zum Kon- sultorenkreis der Glaubenskongregation und ist seit 1989 Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie. Er gilt als einer der maßgeblichen Autoren der Erklärung Dominus Iesus (2000) über das katholische Kirchenverständnis.
   Der aus Köln stammende 81-jährige Jesuit Karl Josef Becker lehrte lange Jahre Dogmatik an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom. Er machte sich ebenfalls mit Arbeiten zur Ekklesiologie einen Namen.
   Nach dem Eklat um die Priesterbruderschaft Pius X. im Frühjahr hatte Papst Benedikt XVI. die bislang weitgehend eigenständige Kommission „Ecclesia Dei“ an die Glaubenskongregation angeschlossen. Die Gespräche über eine mögliche Rückkehr der Piusbruderschaft in die Kirche sollen in enger Anbindung an diese Kongregation geführt werden. Dabei geht es besonders um eine Anerkennung des kirchlichen Lehramts, der Lehre des Konzils und der Päpste, insbesondere um strittige Fragen von Ökumene, Religionsfreiheit und interreligiösem Dialog.
   Bis zu einer Einigung haben die Anhänger der Bruderschaft keinen ordnungsgemäßen Status in der Kirche und können auch kein Amt legitim ausüben. Die Piusbrüder werden gegenüber dem Vatikan von ihrem Generaloberen Bernard Fellay vertreten. Den theologischen Dialog seiner Gemeinschaft mit Rom soll künftig der spanische Bischof Alfonso de Galarreta (52) führen. Er gehört wie Fellay zu jenen vier Bischöfen, deren Exkommunikation Benedikt XVI. im Januar aufgehoben hatte.
Kna090920Domradio

u-aepMarcelLefebvre-xx  u-epAlfonsoDeGalaretta-x  u-epBernardFellay-

Fotos: Erzbischof Marcel Lefebvre, Bischof Alfonso de Galarreta, Generalobere Bernard Fellay FSSPX

Bischof Alfonso de Galarreta leitet die Theologische  Kommission
   Weihbischof Alfonso de Galarreta, einer der vier von Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. wird auf Seiten der FSSPX die Theologische Kommission für die Verhandlungen der Piusbruderschaft mit der Kongregation für die Glaubenslehre leiten.
   Weihbischof Alfonso de Galarreta ist derzeit Rektor des Priesterseminars der FSSPX in La Reja, Argentinien in der Nachfolge des Holocaustleugners Bischof Williamson. Die argentinische Website Panorama Católico Internacional verbreitete die Meldung, dass der Weihbischof die Kommission leiten wird.
   Das Mutterhaus der Piusbruderschaft in Menzingen (Schweiz) hat die Meldung inzwischen bestätigt, wie von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gemeldet wird.
   Die Piusbruderschaft war stets bemüht, mit dem Vatikan über zentrale Fragen des II. Vatikanischen Konzils und über Fragen des Glaubens zu reden. Dazu wurde von Seiten der FSSPX der Wunsch an den heiligen Vater geäußert, das Exkommunikationsdekret, dass Papst Johannes Paul II. gegen Erzbischof Lefebvre und die von ihm geweihten Bischöfe verhängt hatte, aufzuheben, was zu Beginn des Jahres geschah. net090920
Die Piusbruderschaft hat jetzt ihre Vertreter für den Dialog mit dem Vatikan benannt
   In einer Erklärung veröffentlichte der Generaloberer der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, die Namen der Vertreter, die an den Gesprächen am Sitz der Glaubenskongregation in Rom teilnehmen. Es sind der Direktor des internationalen Seminars der Piusbrüder in Econe, Benoit de Jorna, der Direktor des Seminars in Argen- tinien, Alfonso de Galarreta, und der Prior der Piusbrüder in Nantes, Patrick de La Rocque. Die Sitzungen erforderten die notwendige Diskretion, um über die „anstehenden doktrinalen Fragen ungestört diskutieren zu können“, heißt es in der Mitteilung. Rv091016kipa
Die Piusbruderschaft ist zu keinen Zugeständnissen in Fragen des Zweiten Vatikanischen Konzils bereit         Das erklärte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur „Apcom“. „Die Wahrheit erträgt keine Kompromisse“, so der Generalobere. „Wir fordern, dass Licht in die Sache mit dem Konzil kommt.“ Dennoch gab sich Fellay zuversichtlich über eine Einigung mit dem Vatikan. „Wir sehen beim Papst einen wirklichen Willen, bis zum Grund des Problems zu gehen“, so der Obere der traditionalistischen Bruderschaft. Im Oktober werden in Rom Gespräche zwischen den Piusbrüdern und dem Vatikan stattfinden. Außerdem äußerte Fellay Unverständnis über das Verhalten von Juden, die sich „in Angelegenheiten der katholischen Kirche einmischen“. Die Juden sollten sich um ihre eigene Religion kümmern, sagte der Obere der Piusbruderschaft. Er räumte allerdings ein, dass er die Wut der Juden über die Vorfälle zu Beginn des Jahres verstehe. Damals war bekannt geworden, dass der Pius-Bischof Richard Williamson das Ausmaß des Holocaust geleugnet hatte. RV090805pm
Der Vatikan hatte den Traditionalisten aufgefordert, seine Aussagen über die Judenvernichtung zurückzunehmen
   Einem Bericht des argentinischen Internetportals „Panorama catolico internacional" zufolge sieht die Bruder- schaft die Rolle de Galarretas darin, die Treffen der Bruderschaft mit der zuständigen Kommission des Vatikans zu koordinieren und zu leiten. Sein Gesprächpartner auf vatikanischer Seite wird der dazu Beauf- tragte der Römischen Glaubenskongregation sein, der neue Sekretär der Kommission „Ecclesia Dei" Monsignore Guido Pozzo. De Galarreta wurde am 14. Januar 1957 im spanischen Torrelavega geboren. Seine Familie siedelte bald nach Argentinien über, wo er 1975 ins Priesterseminar in La Plata eintrat. 1978 wechselte de Galarreta ins internationale Priesterseminar der Piusbruderschaft in Econe, Schweiz. Nach seiner Priesterweihe 1980 lehrte er zunächst in La Reja und leitete von 1985 bis 1988 den Distrikt Südamerika der Piusbrüder.  Am 30. Juni 1988 weihte ihn der Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905- 1991), gemeinsam mit drei anderen Priestern gegen den Willen des Papstes zum Bischof. Die Exkommuni- kation, die Papst Johannes Paul II. daraufhin förmlich aussprach, hob sein Nachfolger Benedikt XVI. 2009 auf. Im Gespräch mit „Iesus Christus", einem Monatsmagazin der Bruderschaft aus Lateinamerika, äußerte sich de Galarreta im Mai skeptisch über ein mögliches Abkommen mit dem Vatikan. Dies sei nicht am Horizont, „sei es in der unmittelbaren oder in der mittelbaren Zukunft. Wir schließen diese Möglichkeit ausdrücklich aus." Ohne eine „Rückkehr zur Tradition von Seiten Roms" sei jedes Abkommen „unvereinbar mit der Verteidigung des Glaubens". De Galarreta wörtlich: „Im besten Fall haben wir, menschlich gesprochen, mehrjährige Diskus- sionen vor uns."
DT090827

u-epBernardTissierDeMallera Bischof Bernard Tissier de Mallerais

   Die Piusbruderschaft wird im Gespräch mit dem Vatikan niemals die Hand zu Kompromissen ausstrecken. Das sagte der Traditionalisten-Bischof Bernard Tissier de Mallerais in einem Interview mit der französischen Wochenzeitung „La Vie“ (Paris). Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei der Katholizismus zu einer „neuen Religion“ geworden, kritisiert Tissier de Mallerais. Er ist einer der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. im Januar 2009 aufgehoben hat.
   Nach Angaben von Tissier de Mallerais hat die Bruderschaft eine Kommission aus zehn theologisch ge- schulten Priestern zusammengestellt, die nun die Gespräche mit der Glaubenskongregation führen soll. Es handle sich dabei um Theologen, die im schweizerischen Ecône studiert hätten oder Professoren in Priester- seminaren seien.
   Zu Fortschritten in den Gesprächen mit dem Vatikan werde es nur kommen, wenn Rom „seine Sichtweisen überdenkt und die Irrtümer anerkennt,  in welche die Kirche durch das Konzil geführt worden ist“, sagte Tissier de Mallerais. Weiter: „Nie werden wir Kompromisse unterschreiben.“
   Die Gespräche müssen seines Erachtens in einem wachsenden Grad der Schwierigkeiten voranschreiten und einen Punkt nach dem anderen klären. Am Einfachsten sei es, mit der Liturgie zu beginnen, denn da könne man bereits die „Mängel im neuen Ritus der Priesterweihe“ aufzeigen. Spreche man von der neuen Messe, so komme darin eine neue Theologie und damit eine „neue Religion“ zum Ausdruck.
   Anschließend müsse es um die Themenbereiche Ökumene und Religionsfreiheit gehen. Dies seien schwer- wiegendere Fragen, weil sie mit dem Glauben verknüpft seien. Die Frage der Kollegialität der Bischöfe könne erst zuletzt behandelt werden, weil es die schwierigste sei.
   Bischof Bernard Tissier de Mallerais hat eine Biografie über Erzbischof Marcel Lefebvre geschrieben, den Gründer der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ Unter den vier Bischöfen der Gruppe gilt Tissier als der „intellektuelle Hardliner“, wie „La Vie“ schreibt. In einem Interview nach der Aufhebung der Exkommunikation hatte er bereits erklärt: „Wir ändern unsere Positionen nicht, sondern wir haben die Absicht, Rom zu be- kehren, das heißt, Rom zu unseren Positionen zu führen.“
   Papst Benedikt XVI. will den Dialog mit der Piusbruderschaft fortsetzen und sie zur Einheit mit der katho- lischen Kirche zurückführen. Mit einem verbindlichen päpstlichen Erlass, einem „Motu proprio“, hat er am 8. Juli die seit langem erwarteten neuen Strukturen für den Dialog Roms mit den Traditionalisten festgelegt. Das Dokument trägt nach seinen Anfangsworten den Titel „Ecclesiae unitatem“ (Die Einheit der Kirche).
   In dem Dokument bindet der Papst die bisher weitgehend eigenständige Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für den Dialog mit rückkehrwilligen Lefebvrianern zuständig ist, unmittelbar an die vatikanische Glaubenskongregation. Die Leitung der Kurienbehörde wechselte nach dem Willen des Papstes komplett. Zum neuen Präsidenten der Kommission machte er den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada.
Rv090714kipa 

B-WalterBrandmüller-xx

   Der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft, der deutsche Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller Foto oben, äußerte, für eine „Rekonzilierung" mit den Pius-Brüdern - eine Aussöhnung und eine Rückkehr der Bruderschaft in die Kirche auf Grundlage der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils - müsse der Glaube der Kirche ohne Einschränkung bejaht werden. Dafür müsse sich die Bruderschaft der Leitungsgewalt des Papstes unterstellen, sagte Brandmüller der FAZ. So müsse die Gemeinschaft dem II. Vatikanischen Konzil folgen und „sauber zwischen Religions- und Gewissensfreiheit unterscheiden". Jeder Mensch habe ein Recht darauf, dass er bei seiner Wahrheit nicht unter Druck gesetzt werde. Brandmüller warf der Pius-Bruderschaft „Züge sektenhaften Verhaltens" vor.
   Dabei ist der Heilige Stuhl in einer schwierigen Lage. Einerseits setzt Papst Benedikt XVI. alles daran, die unwiderrufliche Abspaltung der Pius-Bruderschaft in Form weiterer Bischofsweihen zu verhindern. Käme der Papst den Pius-Bruderschaft theologisch entgegen, würde das von jener Gemeinschaft als Triumph über die Glaubensbotschaft des II. Vatikanischen Konzils angesehen. Sollten die Gespräche aber scheitern, dann fehle - wie Benedikt XVI. im März schrieb - dem „Körper der Kirche eines seiner Gliedmaße". FAZ091215jöb

Bischof Bernard Fellay FSSPX  u-aepFellyFSSPX- u-epRichardWilliamson-x

Papst räumt Fehler im Fall Williamson Foto oben rechts ein
   Benedikt XVI. hätte 2009 die Exkommunikation des Bischofs Richard Williamson von der Piusbruderschaft nicht zurückgenommen, wenn er über dessen Holocaustleugnung informiert gewesen wäre. Dies sagt der Papst in dem Buch des Autoren Peter Seewald “Licht der Welt”. Wenn er gewusst hätte, dass Williamson die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnet, hätte er ihn nicht teilrehabilitiert, so der Papst.
   Die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die wegen der „Williamson-Affäre" öffentlich eine Klar- stellung zum katholisch-jüdischen Verhältnis gefordert hatte, kritisiert Benedikt jedoch in dem Buch. Merkel sei ganz offenbar nicht darüber informiert gewesen, dass er erst kurz zuvor jede Leugnung oder Verharmlosung der Schoa erneut für inakzeptabel erklärt hatte.
   Die Teilrehabilitierung von vier Bischöfen der Piusbrüder, darunter Williamson, hatte das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Judentum belastet. Den Pius-Brüdern wird unter anderem vorgeworfen, hinter die Re- formen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zurück zu wollen, die als Grundlage einer gemein- samen Zukunft von Katholiken und Juden gelten, wie Benedikt in der Vergangenheit mehrfach betonte.
   Williamson selbst hat mittlerweile für das Berufungsverfahren wegen Volksverhetzung vor dem Land- gericht Regensburg einen rechtsextremen Anwalt engagiert. Wolfram Nahrath war laut Nachrichtenmagazin „Spiegel" letzter „Bundesführer" der 1994 verbotenen Wiking-Jugend und ist heute NPD-Mitglied. Einst habe er ein Praktikum beim inzwischen verstorbenen Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger absolviert.
   Die um Aussöhnung mit dem Vatikan bemühte Piusbruderschaft droht dem umstrittenen britischen Bischof wegen der Beauftragung des Neonazi-Anwalts mit Rauswurf. Der Generalobere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, forderte Williamson auf, die Entscheidung zurückzunehmen und sich nicht durch politische Thesen instrumentalisieren zu lassen, die absolut nichts mit seiner Aufgabe als katholischer Bischof im Dienst der Bruderschaft zu tun hätten.
   „Sollte er diesem Befehl nicht gehorchen, muss er mit dem Ausschluss aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. rechnen", hieß es in einer Mitteilung der Bruderschaft. Williamson wurde ferner aufgefordert, seine Beru- fung vor Gericht zurückzuziehen und das Urteil vom Frühjahr zu akzeptieren.
HAdpa101122dapd

cdWilliamJLevada,xx  epGerhardLudwigMüllerRx

Foto links: William Kardinal Levada Foto rechts: Bischof Gerhard Ludwig Müller
 â€žGespräche mit Piusbrüdern im richtigen Fahrwasser“

   Die Gespräche zwischen Vatikan und Piusbruderschaft sind nun „im richtigen Fahrwasser“. So kommentiert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller die „Übersiedlung“ der Kommission „Ecclesia Dei“ an die Glaubenskongregation. Müller gehört als Dogmatiker selbst der Glaubenskongregation an. In seinem Bistum liegt der Sitz des deutschen Distrikts der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ 
   Müller erwartet, dass die Gespräche des Vatikans mit den traditionalistischen Piusbrüdern rasch abge- schlossen werden. „Die Sachlage ist klar, deshalb sollte das dieses Jahr über die Bühne gehen, damit endlich das Ärgernis der Abspaltung aus der Welt geschafft wird“, sagte Müller der Katholischen Nachrichten-Agentur am Mittwoch in Regensburg.
Keine Bischöfe von vatikanischer Seite
   Von vatikanischer Seite aus nähmen an den Gesprächen keine Bischöfe teil. Es müsse der Eindruck ver- mieden werden, dass die kirchenleitenden Organe beider Seiten zusammenkämen. Schließlich handle es sich nicht um einen ökumenischen Dialog, unterstrich der Ökumene-Verantwortliche der deutschen Bischöfe. Die Piusbruderschaft sei keine Kirche. „Sie muss sich vor dem Lehramt rechtfertigen, nicht umgekehrt.“ Es gehe auch nicht darum, Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückzunehmen oder neu zu interpretieren, um irgendwelche Kompromissformeln zu finden. Es handle sich eher „um theologischen Nachhilfeunterricht“, so Müller wörtlich.
   Der Bischof sagte, er habe in den Schriften der Lefebvrianer „nichts gefunden, was die Kirche aus den An- geln heben würde“. Deren Ablehnung des Konzils und seiner zentralen Aussagen zu Ökumene und Religions- freiheit beruhe auf Verwechslungen, Missverständnissen und Dialogverweigerung. Die Traditionalisten hätten sich „im neuscholastischen Denken der 1950er Jahre eingebunkert“. Sie müssten nun Anschluss an die aktuelle Theologie finden. Hielten sie an ihren irrigen Auffassungen fest, gäbe es keinen Platz für sie in der katholischen Kirche, so Müller.
Neuer Rahmen
   Benedikt XVI. hat den Verhandlungen zwischen Heiligem Stuhl und Piusbruderschaft einen neuen Rahmen gegeben. In einem persönlichen Erlass („Motu proprio“) ernannte er Kardinal William Levada zum neuen Leiter der Dialog-Kommission „Ecclesia Dei“; gleichzeitig band er diese Kommission an die Glaubenskongre- gation, die Levada leitet. „Ecclesia Dei“ ist am Vatikan für die Aussöhnung mit traditionalistischen Gruppen zuständig. Bisher war die Kommission direkt dem Papst unterstellt. Der bisherige Präsident von„Ecclesia Dei“, Kardinal Dario Castrillon Hoyos (80), scheidet aus dem Amt, ebenso wie sein Vize Camille Perl (70). Der luxemburgische Geistliche hatte der Kommission seit ihrer Gründung 1988 angehört. Neuer Sekretär von „Ecclesia Dei“ ist Guido Pozzo. Der aus Triest stammende Priester, der von der Internationalen Theologischen Kommission des Heiligen Stuhles kommt, gilt als prononcierter Verteidiger und Interpret des Zweiten Vatika- nischen Konzils.
   Die neue Struktur soll nicht nur personell einen Neuanfang signalisieren, sondern auch die Aufgabenstellung klären. Denn in erster Linie geht es im Kontakt mit der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ um Glaubensfragen: Um das Lehramt der Kirche, um die Lehre des Konzils und der Päpste, insbesondere um die strittigen Fragen von Ökumene, Religionsfreiheit und interreligiösem Dialog. Diese Themen will der Papst künftig dort behandelt wissen, wo seine zuständigen Experten sitzen: in der Glaubenskongregation.
   Alle Fragen, die sich in den jetzt aufzunehmenden Gesprächen mit dem Chef der Piusbrüder, Bernard Fellay, ergeben, können Levada und Pozzo unmittelbar in die Mittwochssitzung der Glaubenskongregation ein- bringen. Levada, der als einer der wenigen Vatikanminister jede Woche einen fixen Termin beim Papst hat, kann mit diesem auf kurzem Weg das Thema weiter behandeln. Immerhin hatte Kurienkardinal Joseph Ratzinger 1988 im direkten Gespräch mit dem Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre(1905- 91), den Bruch zu vermeiden versucht - vergeblich. Wie sehr er als Papst diese Wunde heilen möchte, hat er mehrfach durch Gesten und Entgegenkommen gezeigt, etwa durch die breitere Wiederzulassung des alten Tridentinischen Messritus.
kna0909rv

Auf das Konzil konzentriert
   Die Verhandlungen mit den Pius-Brüdern werden sich wohl vor allem auf das Zweite Vatikanische Konzil konzentrieren; Grundaussagen dieses Konzils werden von den Anhängern des verstorbenen schismatischen Erzbischofs Marcel Lefebvre relativiert. Der Heilige Stuhl wird – das zumindest hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angekündigt – in den Gesprächen eine sehr klare Sprache führen. Und darauf hinweisen, was für ihn nicht verhandelbar ist: Nämlich der Dialog mit den Juden und anderen Religionen und Konfes- sionen sowie die Religionsfreiheit.
Rv090916

Piusbrüder: „Gespräche mit Vatikan werden lange dauern“

   Der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay, rechnet mit langen Diskussionen mit dem Vatikan. Es werde bei den Gesprächen nicht nur um die Religionsfreiheit, die Ökumene und die Kollegialität in der Kirche gehen, sagte Fellay in einem auf dem Internetportal der Piusbruderschaft wiedergegebenen Interview. Zur Sprache kommen könnten auch Themen wie der Einfluss der modernen Philosophie und des Zeitgeistes auf die Kirche oder die liturgischen Erneuerungen. Ziel der Gespräche sei, die Irrtümer oder erheblichen Mehrdeutigkeiten, die sich seit dem Konzil in der Kirche verbreitet hätten, auszuräumen. Fellay erklärte, eine Rückkehr und „Wiederherstellung der Kirche“ werde mehr als eine Generation brauchen, „vielleicht sogar ein Jahrhundert“. Dabei sei mit Widerstand zu rechnen. Er glaube aber, dass es inzwischen Zeichen der Heilung gebe.
   Fellay lobte, dass Papst Benedikt XVI. immer wieder betone, dass das Konzil Kontinuität bedeute, keinen Bruch mit der Vergangenheit. Er scheint auch Gefallen daran zu finden, dass der Papst vor allem die Annähe- rung an die Orthodoxen sucht und – aus Fellays Sicht – nicht so sehr an die Protestanten. Mit seinem wieder- holten Rückgriff auf ein „Motu Proprio“, etwa zum so genannten „Alten Ritus“ im Sommer 2007, habe Benedikt seinen Willen gezeigt, dass er die Kirche „persönlich“ und nicht etwa „kollegial“ führen wolle. Die Ausein- andersetzung um die Lefebvre-Anhänger im Frühjahr habe die Autorität des Papstes geschwächt; immerhin verstehe man nun, wer wirklich die Kirche liebe und wer nicht.
   Der Traditionalisten-Generalobere sagte, er habe Zweifel, ob von allen bereits begriffen werde, dass eine Rückkehr zur Tradition notwendig sei. Die Mehrheit der kirchlichen Hierarchie erwarte von dem Dialog mit der Piusbruderschaft, dass es darum gehe, sie zur Annahme der Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bewegen. „Wir aber sagen, und wir belegen es durch die Fakten, dass die Lösung für die Krise eine Rück- kehr zur Vergangenheit ist“, so Fellay.
   Der Vatikan hatte mitgeteilt, die Gespräche mit der von Rom getrennten Piusbruderschaft sollten in der zweiten Oktoberhälfte beginnen. Im Auftrag von Papst Benedikt XVI. sollen drei Experten den Dialog über theologische Differenzen führen. Es handelt sich um den Schweizer Dominikaner Charles Morerod, den Opus- Dei-Generalvikar Fernando Ocariz Brana und den deutschen Jesuiten Karl Josef Becker. Alle drei sitzen bereits im Beraterkreis der Glaubenskongregation.
rv091012kna

  Einer der drei von der Glaubenskongregation beauftragten Dialogpartner, der deutsche Jesuit Karl Josef Becker, wollte gegenüber der FAZ nicht auf die jüngste Äußerung des Generaloberen der Bruderschaft, Fellay, reagieren. FAZ091215jöb

u-aepFellyFSSPX- Der Obere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay

   hält eine Einigung seiner Gemeinschaft mit der katholischen Kirche für möglich. Er glaube, dass der Vatikan in Richtung der Lösung einer Personalprälatur gehe, sagte Fellay einer chilenischen Zeitung. Fellay wörtlich: „Wir haben alles, was notwendig ist, um Mitglieder der katholischen Kirche zu sein“. Als Beispiele nannte er den Glauben und die Liturgie. Papst Benedikt XVI. habe mit der allgemeinen Wiederzulassung der vorkonzili- aren Messe deutlich gemacht, dass diese Form des Ritus nie abgeschafft gewesen sei. Zudem erkenne die Bruderschaft das Papstamt als Autorität an. Benedikt XVI. sei „sehr viel offener als einige Bischöfe“ der katho- lischen Kirche. Zwar gebe es „Probleme“, aber diese bedeuteten keine Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Papst. Die Piusbrüder sähen sich als „Symptom eines internen Problems der Kirche“, die in „Progressive“ und „Konservative“ gespalten sei. Fellay wörtlich: „Wir sind eine Art Thermometer dieser Lage, die zeigt, dass es ein ernsthaftes Problem in der Kirche gibt.“ – Fellay ist einer der vier Bischöfe der von Rom getrennten Piusbruderschaft, deren Exkommunikation der Vatikan 2009 aufgehoben hat. kna091022agi

Erzbischof Hippolyt Simon, Clermont aepHyppolyteSimonF-

Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz Hippolyte Simon, Erzbischof von Clermont, zu der Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft

   Ich weiß nicht, ob ich wütend oder unglücklich bin: in Wahrheit wahrscheinlich beides. Doch was zu viel ist, ist zu viel, also sage ich: es reicht! Der mediale Aufruhr gegen Papst Benedikt XVI., der vier fundamentalistische Bischöfe und unter ihnen einen erwiesenen Holocaust-Leugner angeblich wieder in die Kirche eingegliedert hätte, stellt keine Kritik dar, sondern Verleumdung und Desinformation.
   Denn was auch immer man über die Entscheidungen des Papstes denken mag, so muss gesagt, wiederholt und betont werden, dass diese vier Bischöfe nicht wieder eingegliedert worden sind. Bischof Williamson, dessen Äußerungen im schwedischen Fernsehen in der Tat untragbar sind, ist also noch nicht in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt, und er untersteht immer noch nicht der Autorität des Papstes.
   Die Nachrichten, die von Wiedereingliederung sprechen, beruhen auf einer schweren Verwechslung zwi- schen Aufhebung der Exkommunikation und vollständiger Wiedereingliederung. Ich zeige mich gerne allen Journalisten und Kommentatoren gegenüber nachsichtig, die guten Glaubens die Aufhebung der Exkommuni- kation mit der einfachen Wiedereingliederung durcheinander bringen konnten. Die von der Kirche benutzten Kategorien können für die breite Öffentlichkeit missverständlich sein. Doch die Wahrheit verpflichtet zu sagen, dass dies nach dem Kirchenrecht absolut nicht dasselbe ist. Wenn man die Ebenen verwechselt, wird man ein Opfer von Simplifizierungen, die nur denen nutzen, die provozieren wollen. Und man macht sich unfreiwillig zu deren Komplizen.
   Normalerweise ist die Öffentlichkeit im Recht, wenn sie von einem Sportjournalisten verlangt, dass er etwa zwischen einem Eckball und einem Versuch [Begriff aus dem Rugby] unterscheiden kann. Warum sollte die Kirche nicht ebenfalls das Recht auf ein „technisches" Vokabular haben, und warum sollte man solche schwe- ren Ungenauigkeiten nur unter dem Vorwand, dass es sich um Religion handelt, dulden? Sehen wir uns ein- fach noch einmal genau an, was passiert ist.
   Nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. im April 2005 haben die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X., die vor mehr als dreißig Jahren von Erzbischof Lefebvre gegründet worden ist, darum gebeten, den Dialog mit Rom wieder aufzunehmen, doch sie haben zwei Vorbedingungen gestellt: erstens, die Liberalisierung des Missales von 1962, was durch ein
Motu proprio im Juli 2007 geschehen ist, und zweitens die Aufhebung der Exkommunikation. Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation? Um einen geläufigen Vergleich zu ge- brauchen würde ich sagen: als Erzbischof Lefebvre ausgetreten ist, das heißt als er ungehorsam war, weil er trotz der ausdrücklichen Mahnung des Papstes vier Bischöfe geweiht hat, wurde sozusagen automatisch eine Schranke heruntergelassen und eine Ampel auf Rot gestellt, um auszudrücken, dass er ausgetreten war. Das bedeutete, dass er, wenn er eines Tages wieder eintreten wollte, vorher Abbitte leisten müsse.
   Erzbischof Lefebvre ist tot. Friede seiner Seele! Heute, nach zwanzig Jahren, sagen seine Nachfolger dem Papst: „Wir sind bereit, den Dialog wieder aufzunehmen, aber von Ihrer Seite ist eine symbolische Geste er- forderlich. Heben Sie die Schranke hoch und stellen Sie das gelbe Blinklicht an!"
   Der Papst hat also, um dem Dialog nichts in den Weg zu legen, die Schranken hochgehoben und das gelbe Blinklicht angestellt. Die Frage ist nun, ob diejenigen, die um Wiedereintritt bitten, dies auch tun werden. Werden sie alle wiedereintreten? Wann? Unter welchen Bedingungen? Man weiß es nicht. Wie Kardinal Gio- vanni Battista Re (der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe) in  seinem offiziellen Dekret sagt: „Es handelt sich darum, die Bedingungen des Dialogs festzulegen." Es ist möglich, dass der Papst ihnen nach einer Frist, die wir nicht kennen, ein kanonisches Statut verleihen wird. Doch das ist derzeit noch nicht geschehen. Die Vorbedingung für den Dialog ist erfüllt, doch der Dialog hat noch nicht begonnen. Wir können also nicht die Ergebnisse des Dialogs beurteilen, bevor dieser überhaupt stattgefunden hat.
   Nun veröffentlicht also ein schwedischer Fernsehsender am Vorabend des Tages, an dem das Dekret von Kardinal Re publiziert werden soll, die klar den Holocaust leugnenden Äußerungen eines der vier betroffenen Bischöfe, Bischof Williamson.
   Konnte der Papst, als er grünes Licht für die Unterzeichnung des Dekrets durch den Kardinal gegeben hatte, die Aussagen von Bischof Williamson kennen? Ich glaube, ganz ehrlich gesagt, das verneinen zu können. Und das ist in einem Sinne eher beruhigend: es ist ein Zeichen dafür, dass der Vatikan wirklich nicht die Mittel hat, alle Bischöfe und alle Fernsehkanäle der Welt überwachen zu lassen!
   Hier also darf man keine falsche Interpretation vornehmen: was bedeutet dieses Zusammenfallen der Unterzeichnung eines Dekrets, das für den 21. Januar vorgesehen war und Bischof Williamson folglich bekannt war, und der Ausstrahlung seiner Äußerungen im Fernsehen? Jeder sollte sich fragen: wem nützt das Ver- brechen? Wem nützt der Skandal, der durch die Äußerung einer solchen Obszönität hervorgerufen wird? Die Antwort scheint mir klar: dem- oder denjenigen, die den durch die Unterzeichnung des Dekrets begonnenen Prozess torpedieren wollen! Nun, wenn man nur ein wenig diese Fragen und die verschiedenen Aussagen von Msgr. Williamson während der letzten Jahre verfolgt, ist es eindeutig, dass er die Versöhnung mit Rom um keinen Preis will! Dieser Bischof - und ich wiederhole nochmals, dass er Rom heute noch in keiner Weise rechtlich unterstellt ist - hat sich schlicht der Methode der Terroristen bedient: er lässt eine (geistige) Bombe explodieren und hofft, dass der gesamte Prozess der Versöhnung entgleist. Er hält es, wie alle Ultras zu allen Zeiten: er lässt lieber ein Ruinenfeld zurück als sich mit denen zu versöhnen, die er als seine Feinde be- trachtet. Ich sage also von Traurigkeit erfüllt all denen, die - ob mit Genugtuung oder mit Schmerzen - Benedikt XVI. und Bischof Williamson miteinander vermischt haben: Sie haben unbewusst das Spiel eines zynischen Provokateurs gespielt! Und - so wage ich zu sagen - als Prämie haben Sie ihm ein zweites Ziel angeboten, das ihn nur entzücken konnte: auf die schlimmste Weise den Ruf des Papstes zu beschmutzen. Eines Papstes, dem er mehr misstraut als allem anderen, denn er sieht genau, dass dieser Papst die gesamte Argumentation entkräftet, die Erzbischof Lefebvre einstmals aufgestellt hatte.
   Ich kann auf diesen Punkt hier nicht genauer eingehen. Ich möchte nur auf einen Artikel verweisen, den ich letztes Jahr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Motu proprio in der Zeitung „Le Monde" geschrieben habe: „Wenn ich ein wenig überall lese, dass der Papst den Fundamentalisten alles bewilligt und nichts im Ge- genzug verlangt, so kann ich dem nicht zustimmen: er bewilligt ihnen alles, was die Form der Riten anbelangt, doch er entkräftet ihre Argumentation von Grund auf. Die gesamte Argumentation von Erzbischof Lefebvre beruhte auf einer angeblich substanziellen Differenz zwischen dem Ritus des heiligen Pius V. und dem Ritus Pauls VI.. Nun erklärt Benedikt XVI., dass es keinen Sinn hat, von zwei Riten zu sprechen. Man könnte allenfalls einen Widerstand gegen das Konzil legitimieren, wenn man ganz ehrlich denken würde, dass ein substanzieller Unterschied zwischen den Riten bestehe. Kann man diesen Widerstand und schließlich sogar ein Schisma aber legitimieren, wenn man lediglich von einem Unterschied in den Formen ausgeht?
   Für einen Fundamentalisten und zumal für einen Leugner des Holocaust wie Bischof Williamson ist Benedikt XVI. unendlich viel schlimmer, als alle diejenigen, die einen „Bruch", der durch das Zweite Vatikanische Konzil herbeigeführt wurde, verherrlichen. Denn wenn es einen Bruch gibt, dann wird er durch seinen Gegensatz zum „Neuen" gestärkt. Doch derjenige, der friedlich aufzeigt, dass das Missale von Paul VI., die Religions- freiheit und die Ökumene integrierender Bestandteil der authentischen katholischen Tradition sind, der ent- zieht ihnen jede Rechtfertigung.
   Ich bin mir wohl bewusst, dass ich meine Argumentation weiter entwickeln müsste. Möge mir jeder verzeihen, wenn ich auf die Internetseiten verweise, wo all das ersichtlich wird. Doch ich wünsche mir vor allem, dass jeder sich vor allzu gut aufgezogenen Provokationen hüten möge.
   Was diejenigen betrifft, die meinen, ständig wiederholen zu müssen, dass Joseph Ratzinger in der Hitler- jugend gedient hat, so mögen sie bitte das Zeugnis lesen, dass er am 6. Juni 2006 in Caen aus Anlass des sechzigsten Jahrestags der Landung der Alliierten in der Normandie abgegeben hat, und sich dann fragen, was sie an seiner Stelle getan hätten... Wenn man ein wenig zu laut mit den heutigen Wölfen heult, dann bringt man nicht unbedingt den Beweis dafür, dass man in der Lage gewesen wäre, sich von der Wölfen der damaligen Zeit abzugrenzen....
   Es bleibt noch ein Punkt, der zweitrangig, aber trotzdem äußerst schwerwiegend ist: man muss sich jeden- falls Fragen zur Kommunikation der römischen Instanzen stellen, wenn es sich um so heikle Themen handelt. Nach der Polemik von Regensburg (die es ebenfalls verdiente, aufmerksam demontiert zu werden...) hoffe ich - aber ich behalte mir vor, darüber eher intern zu reden -, dass die Verantwortlichen der Kurie ihrer miss- glückten Kommunikation eine ernsthafte Besprechung widmen.
   Um es kurz zu sagen, habe ich die Dinge folgendermaßen erlebt: Am Mittwoch, dem 21. Januar, wird von den italienischen Fundamentalisten, die zu triumphieren glauben, in der italienischen Zeitung „II Giornale" „eine Flucht organisiert". Sofort wird das Tamtam in den Medien ausgelöst. Doch wir, die Mitglieder der Bischofskonferenzen, wir wissen absolut nichts! Drei Tage lang verbreiten sich ständig mehr Nachrichten - irrige, die die ganze Zeit von Wiedereingliederung reden - wie ein Buschfeuer. Und dann kommt die „Bombe" von Bischof Williamson ... Und erst am Samstagmorgen - drei Tage zu spät! - erhalten wir das offizielle Kommunique von Kardinal Re. Wie stellen Sie sich vor, dass wir da die Diskussion wieder auf eine richtige Grundlage stellen können? Kardinal Ricard hat sich redlich darum bemüht, doch das Feuer war schon aus- gebrochen und niemand konnte noch ein vernünftiges Wort hören. Jetzt, wo sich der Wirbel allmählich legt, müssen wir versuchen, uns wieder in Ruhe zu besinnen.
   Wie meine Großmutter sagte: Gott kann aus etwas Schlechtem etwas Gutes hervorgehen lassen. Das Schlechte ist, dass Papst Benedikt XVI. wieder einmal von einer Mehrheit der überregionalen Medien durch den Dreck gezogen wurde, ausgenommen - Gott sei Dank - „La Croix" und einige andere. Viele Katholiken und viele Menschen guten Willens begegnen dem mit Verständnislosigkeit und Leid. Doch das Gute ist, dass die Masken gefallen sind! Wenn der Dialog mit den Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. trotz allem weitergeht - unter dem Vorbehalt natürlich, dass sie durch die nunmehr hoch gehobene Schranke gehen - dann wird man eine Unterscheidung treffen können, denn jetzt wissen alle ein bisschen besser, was die einen und was die anderen denken.
   Zum Abschluss möchte ich mich an die gläubigen Katholiken wenden, die - nicht ohne Grund - das Gefühl haben können, in dieser Geschichte ein wenig verraten, um nicht zu sagen verachtet worden zu sein: denkt über das Gleichnis vom verlorenen Sohn nach und führt es weiter. Wenn der ältere Sohn, der sich zunächst weigert, am Fest teilzunehmen, sagt, dass er doch daran teilnehmen möchte, werdet Ihr ihn dann zurück- weisen? Vertraut genug auf Euch selbst und auf den Geist, der die Kirche führt und der auch das Zweite Vatikanische Konzil geführt hat, um zu glauben, dass die reine Anwesenheit dieses älteren Sohns nicht aus- reichen wird, um das Fest zu ersticken. Gebt demjenigen, der zuletzt gekommen ist, ein wenig Zeit, um sich an das Licht der Festversammlung zu gewöhnen, bei der Ihr Euch aufhalten ...

In der Glaubenskongregation haben die theologischen Gespräche
mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft begonnen

   Der Obere der Piusbrüder, Bischof Bernard Fellay, geht nach Angaben der Nachrichtenagentur „AGI“ von „mindestens einem Jahr“ Gesprächsdauer aus; das habe man ihm im Vatikan gesagt. Fellay ist einer der vier Bischöfe, deren Exkommunikation Papst Benedikt im Frühjahr aufgehoben hat. Der Vatikan nannte die erste Gesprächsrunde in einem kurzen Statement „herzlich, respektvoll und konstruktiv“; der Dialog „über Lehr- Schwierigkeiten“ werde über die nächsten Monate fortgeführt, und zwar „vermutlich in halbmonatlichem Rhythmus“. Dieser spricht für den Willen zu einem „relativ intensiven Gang“, meinte Vatikansprecher Federico Lombardi zu Journalisten. Zur möglichen Dauer der Gespräche wollte er sich nicht äußern – er sei aber froh, dass endlich die „neue Phase“ in den Beziehungen zwischen Vatikan und Piusbrüdern beginne. Das Amts- gericht Regensburg hat derweil gegen den britischen Traditionalisten Richard Williamson Strafbefehl wegen Volksverhetzung erlassen. Das teilte ein Nürnberger Justizsprecher auf Anfrage mit. RVagi091026kna

cd-GeorgesCottierOP-xx   Kardinal Georges Cottier OP

Die grundlegendste Erkenntnis: Die Kirche ist die seine. Der Schweizer Kardinal Georges Cottier  
ist emeritierter Theologe des päpstlichen Hauses. In der Zeitschrift 30Tage befasst er sich
mit dem Geheimnis und dem Leben der Kirche. Wir bringen hier einen leicht gekürzten Abdruck.

    Mein erster Eindruck ist, dass viele Menschen – Christen nicht ausgenommen – nicht mehr wissen, was die Kirche eigentlich ist, obschon das Geheimnis der Kirche als Gegenstand des Glaubens im Mittelpunkt des II. Vatikanischen Konzils stand. Lassen Sie uns darüber nachzudenken, wie Gott seine Kirche leitet.
     Die grundlegendste Erkenntnis ist folgende: die Kirche ist die seine. Ecclesiam Suam: So lautete der Titel der ersten Enzyklika von Paul VI. Im Credo bekennen wir unseren Glauben an die Kirche als Geheimnis des Glaubens. Das bedeutet, dass wir uns im Bereich der Gnade befinden. Das bedeutet, dass die Kirche Gabe Gottes ist und nicht etwas vom Menschen Geschaffenes. Es bedeutet, dass die Kirche nicht unser Besitz, sondern die Kirche Jesu Christi ist. Er ist es, der sie leitet und sie durch das Wort leben lässt, durch die sakramentale Gnade und durch jenen Lebenssaft, der zirkuliert und den man Nächstenliebe nennt. Wir sind insofern in der Kirche, als wir die Gabe Christi empfangen. Er ist es, der uns zusammenführt. Wenn die Kirche ein Faktum der Gnade ist, eine Gabe, die im Geschöpf nichts voraussetzt, können wir dieses Geheimnis nur durch die Wege leben, die der Herr uns gegeben hat.
   Der erste Weg ist das Gebet. Daher war es für mich auch so tröstlich, als Papst Benedikt die Gläubigen im Angelusgebet gebeten hat, für ihn zu beten. Es ist das Bittgebet, das Zeichen, dass das Herz offen dafür ist, die Gabe Gottes zu empfangen. Wenn wir die Kirche leiten und bauen wollten, würden wir falsche oder un- nötige Dinge tun. Ich finde es beeindruckend, wie viele von Christen vorangetriebene Projekte oft nur so karge Früchte tragen. Als die Kirche einen Schutzpatron für das Missionswerk brauchte, ist ihre Wahl nicht auf einen großen Evangelisierer gefallen, sondern auf die kleine Therese vom Kinde Jesus, die über sich selbst geschrieben hat: „Wenn ich Gutes tue, dann ist das nur Jesus, der in mir wirkt.“
   Das ist das Geheimnis der Kirche, die auch auf jene Art und Weise erblüht, in der das Zeugnis des auf- erstandenen Christus erfolgt. Wer die vom Heiligen Geist gegebene innere Befreiung erfährt, gibt diese Gabe unentgeltlich auch an die anderen weiter. Das Zeugnis ist nicht das Resultat unserer Fähigkeiten oder Bemühungen. Und das ist auch der Grund, warum das klarste und rührendste Zeugnis jenes ist, das die Zeugen fast schon unbewusst ablegen. Wogegen jene, die sich allzu sehr auf ihr Wirken als Zeugen konzentrieren – fast schon, als wäre es eine Art Rolle, die sie spielen müssen – oft nur darauf abzielen, sich selbst zu profilieren.
   Im Brief an die Römer und im Ersten Brief an die Korinther weist uns Paulus darauf hin, dass sich die Verkündigung des Evangeliums nicht auf die Gelehrtheit einer Rede stützt und die konkrete Situation der Menschen in Betracht ziehen muss, an die sie gerichtet ist. So schreibt er an die Korinther: wenn jemand einen seiner Brüder im Götzentempel Götzenopferfleisch essen sieht und dadurch vielleicht verleitet wird und das zum Anstoß wird, dann ist es besser, diese Praxis zu vermeiden, auch wenn der Heilige Geist jeden Aberglauben zerstreut hat und klar ist, dass es sich dabei um Fleisch wie jedes andere handelt. Diese Erkenntnis, diese Sensibilität für die Situation der anderen ist wesentlicher Bestandteil des christlichen Zeugnisses. Man darf die Aufforderung des Paulus, das Wort opportune et importune zu verkündigen, nicht missverstehen, wie es dagegen gewisse protestantische Sekten tun, die sich nicht bemühen, das zu tun, was opportun ist, sondern sich in übertriebenen Provokationen ergehen und so allen Ärger bereiten, vor allem in Ländern mit muslimischer Mehrheit oder in Missionsgebieten.
   Die Neuheit der christlichen Verkündigung muss stets in demütiger Weise angeboten werden; in einer Weise, die den Adressaten der Verkündigung Respekt zollt. Es ist keine Frage eines taktisch-strategischen Opportunismus. Es ist eine Folge der Tatsache, dass die den Christen verkündete Wahrheit eine Gabe ist, und kein Besitz. Und wenn diese Gabe nicht auch die Art und Weise erleuchtet, auf die sie verkündet wird, bleibt sie nur ein Vorwand dafür, Reden zu halten. Nie werde ich vergessen, was eine Frau aus einem Ostblockland gesagt hat, als sie nach dem Ende des Kommunismus nach Rom kam und dort zum Glauben fand. Sie war eine sehr gebildete Frau. Ich habe ihr geraten, Theologiekurse zu besuchen. Eines Tages sagte sie mir, dass sie einige Professoren an die Professoren des kommunistischen Ambientes erinnerten, in dem sie gelebt hatte: Leute, die über Dinge reden, an die sie selbst nicht mehr glauben. Kardinal Charles Journet, mein Vorbild und Lehrmeister, sagte immer, dass die Frontlinie der Kirche durch unsere Herzen geht. Der Anspruch, die Wahr- heit des Glaubens durch Argumente demonstrieren zu wollen, wenn in unseren Herzen nicht die Liebe wohnt, kann zum Anstoß werden und Grund für Einwand geben. Man nimmt dann eine gewisse Gleichgültigkeit, ein Unbeteiligt-Sein des Herzens wahr, das die anderen mehr abstößt und entfernt, als das unsere Sünden und unsere Treulosigkeit tun.
   In den vergangenen Monaten wurde viel von der „Einsamkeit“ des Papstes gesprochen; von der „Unzuläng- lichkeit“ seiner Mitarbeiter, von den Grenzen, die sich im Handeln des Apostolischen Stuhls gezeigt hätten. Auch die Debatte zu diesen Themen war von weit verbreiteten Missverständnissen beeinflusst.
   Dass der Kirche gewisse Grenzen gesetzt sind, ist ihr wesenseigen. Als Jesus in den Himmel auffuhr und die Apostel unter der Leitung des Petrus als seine Zeugen zurückließ, wusste er nur zu gut, dass Petrus ein Mensch mit all seinen Grenzen war, die auf den Seiten des Evangeliums keineswegs unter den Teppich ge- kehrt werden. Auch die Geschichte zeigt, dass die Päpste nicht alle Genies waren, und sie waren auch nicht alle Heilige. Aber auch daran sieht man, dass die Kirche Werk Gottes ist. Dass sich in diesem kleinen Schiff voller Sünder auch der Herr befindet. Er ist es, der die Stürme besänftigen und jenen Mut machen kann, die Angst haben. Unlängst habe ich den Reisebericht eines Genfer Protestanten gelesen, der im Jahr 1840 nach Rom kam. Er berichtet von den Schafherden, die auf dem Petersplatz weideten; davon, dass alles wie eine einzige Ruine anmutete. Die Basilika schien ein Monument aus vergangenen Tagen zu sein, genau wie das Kolosseum. Wenn die Kirche das Werk der Menschen wäre, die sie leiten, würde es sie schon längst nicht mehr geben. Und schließlich war die Kirche ja noch nie versucht, sich als Hochburg der Reinen und Heiligen zu betrachten.
  In einer französischen Zeitung habe ich gelesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer- Bischöfe der Beweis dafür sei, dass auch die katholische Kirche nicht unfehlbar ist, weil der jetzige Papst damit eine von seinem Vorgänger ergriffene Maßnahme aufgehoben hat. Banal vielleicht, aber doch kann man gerade hier sehen, welch große Verwirrung in diesen Dingen herrscht. Im Papst, Nachfolger des Petrus, ist bei der Definierung einer Glaubens- und Sittenlehre als einzelnem das Charisma der Unfehlbarkeit der Kirche selbst gegeben vgl. Lumen Gentium 25. In der ordentlichen Leitung der Kirche kann ein Papst irren, das ist keine Katastrophe, das ist menschlich.
    In der letzten Zeit konnte man oft hören, dass der Papst angeblich Schwierigkeiten dabei hätte, den Sinn seiner Beschlüsse darzulegen. Ich konnte mich selbst oft von der klaren Kommunikationsweise Joseph Ratzingers überzeugen – wie auch von seiner Bereitschaft, den Argumenten anderer Gehör zu schenken. Alle haben sehen können, dass sich der Papst sehr wohl verständlich zu machen weiß, wenn er z.B. aus dem Stegreif und ohne allzu viele Retuschen zu den Jugendlichen oder zu den Priestern spricht. Und das sieht man auch an dem direkten Ton, den er in seinem Brief an die Bischöfe (10. März 2009) angeschlagen hat. Es gibt vielleicht Personen, die ein allzu pessimistisches Bild von den Spaltungen in der Kirche malen. Dabei sollte man doch wissen, dass Meinungsverschiedenheiten nicht gefürchtet und ausgemerzt werden müssen. Auch in der vatikanischen Kurie scheiden sich zu vielen Dingen die Geister. Für niemanden in der Kirche kann das Ideal ein totalitäres System sein, wo einer ist, der für alle denkt und die anderen nach Mitteln und Wegen suchen, um nur ja nichts sagen zu müssen. Der Vergleich verschiedener Sichtweisen ist stets nützlich; er ist ein Zeichen für Vitalität. Wenn man das nicht anerkennt, wird es noch so enden, dass man Erklärungen „für“ oder „gegen“ den Papst unterschreibt oder die „Treuen“ gegen die Gegner ausspielt. So als könne es in der Kirche Parteien geben, die „pro“ oder „contra“ den Papst sind.
      Wir sind keine „Fans“ des Papstes. Er ist der Nachfolger Petri, die göttliche Vorsehung hat ihn so gewollt, wie er ist. Und wir lieben ihn so wie er ist, weil wir hinter ihm Jesus sehen. Genau das heißt Katholik sein.
30Tage0903

cdKarlLehmann  Karl Kardinal Lehmann: Selbstverständlich katholisch

Die katholische Kirche tut sich mit anderen Kirchen nicht leicht - von den aus der Reformation her- vorgegangenen Kirchen spricht sie zu deren Unwillen offiziell nur als „kirchlichen Gemeinschaften”.

   Das Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre: „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche” im Wortlaut siehe unten auf dieser Seite hat allgemein eine große Aufmerksamkeit und in besonderer Weise die Enttäuschung der evangelischen Kirchen hervorgerufen. Diese Auseinandersetzung dauerte länger an und erhielt gelegentlich die Züge einer regelrechten Kampagne, die einerseits schroff und heftig war, anderseits aber bei nicht wenigen Reaktionen die Erinnerung an alte antikatholische Positionen wachrief. Die Sache selbst blieb dann weitgehend auf der Strecke. Darum möchte ich mich mit dem Hintergrund und Sinn dieses Dokumentes befassen, selbstverständlich auch in ökumenischer Perspektive.
   Dabei kann es hilfreich sein, beinahe thesenförmig die grundlegenden Einwände vor allem von evange- lischer Seite gegen das Dokument der Glaubenskongregation in Erinnerung zu rufen: Rom stehe nicht die Entscheidung darüber zu, wer Kirche „im eigentlichen Sinn” sei, am ehesten noch, wer Kirche „im katholischen Sinn” sei; wer den Anspruch als Kirche erhebe, sie sei allein die angemessene Gestalt des Grundes, auf dem die Kirche steht: Jesus Christus selbst, degradiere andere Kirchen und gefährde das Zusammenwirken der konkreten Gestaltungen von Kirche; wer sich so verhalte, zeige keinen Sinn für die Relativität des eigenen Standortes; die Verweigerung der Anerkennung des Kircheseins zeuge, wenn es öfter wiederholt wird, von Fahrlässigkeit und müsse sich den Vorwurf vorsätzlichen Handelns gefallen lassen; das ökumenische Vor- gehen der katholischen Kirche leide unter einem „Paradox auf Dauer”, weil es immer wieder die Einladung zu einem ökumenischen Miteinander mit einem Überlegenheitsbewusstsein zu verbinden suche.
   Ich will versuchen, das katholische Selbstverständnis besser und verständlicher aus seinen eigenen Gründen heraus darzulegen.
Der Stein des Anstoßes
   Stein des Anstoßes ist vor allem die Interpretation der Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Wesen der Kirche und das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Die entscheidende Aussage findet sich im Artikel acht des ersten Kapitels der Dogmatischen Konstitution über die Kirche
Lumen Gentium (LG), das über das Mysterium der Kirche handelt: „Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen Joh 21,17, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut vgl. Mt 28,18 ff., für immer hat er sie als ‘Säule und Feste der Wahrheit’ errichtet 1 Tim 3,15. Diese Kirche hac Ecclesia in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche subsistit in Ecclesia catholica, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.”
  Zunächst muss festgestellt werden, dass dieses erste Kapitel bis zur Schlussabstimmung insgesamt in vier Textfassungen beziehungsweise Redaktionsstufen vorlag. Im Blick auf die Stelle
mit dem subsistit in fällt auf, dass bis in die vorletzte Fassung hinein die Aussage eine eindeutige Identifikation der Kirche mit der katholischen Kirche vorsah, ausgedrückt durch die sprachliche Verwendung eines „ist”. In den früheren Textfassungen war die Identifizierung noch mit dem Zusatz römisch­katholische Kirche versehen. Wichtig ist noch, dass der frühere Ausdruck Romanus Pontifex durch Successor Petri ersetzt worden ist, um stärker den Gedanken der Nachfolge ins Spiel zu bringen und auch dem Denken der katholischen Ostkirchen mehr Rechnung zu tragen. Bei der Erwähnung, dass außerhalb der katholischen Kirche auch „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind”, hat man bewusst „der Wahrheit” hinzugefügt.
   Das
est an dieser Stelle brachte die fast selbstverständliche Überzeugung zum Ausdruck, dass es zwischen der Kirche Jesu Christi und der römisch-katholischen Kirche im Sinne einer Gleichheit eine Identität gibt. Dies gehörte zu den Voraussetzungen des Kirchenverständnisses, die kaum diskutiert oder gar angegriffen wur- den. Nun hatte das Konzil bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Es ging nicht wie bisher oft um die Heilsmöglichkeit nicht-katholischer Christen, sondern es ging ganz entscheidend um die Feststellung, dass es in den nicht-katholischen christlichen Gemeinschaften authentische ekklesiale Elemente gibt. So musste man sich über diese Feststellung hinaus auch die Frage stellen, wie diese „Elemente” von Kirchlichkeit verstanden werden können, und zwar im Lichte der bisherigen exklusiv begriffenen Identitätsbeziehung zwischen Kirche Jesu Christi und römisch-katholischer Kirche. Man hat nach einem neuen Wort gesucht und sich in der Theolo- gischen Kommission schließlich darauf geeinigt, das
est durch subsistit zu ersetzen. Man gewinnt jedoch nicht den Eindruck, dass dieser Wechsel insgesamt in der Theologischen Kommission und in der Vollversammlung des Konzils eine größere Aufmerksamkeit gefunden hat. Dies darf aber nicht so gedeutet werden, als ob das subsistit im Grunde die gleiche Bedeutung habe wie ein exklusiv verstandenes est.
  Nun wird bei der Deutung des
subsistit
oft verdunkelt, worum es geht, so dass schon die Ansätze der Inter- pretation darunter leiden. Eine dieser Voraussetzungen geht dahin, dass das Zweite Vatikanische Konzil die völlige Gleichstellung zwischen der Kirche Jesu Christi und der katholischen Kirche aufgeben wollte oder auf- gegeben habe. Gegenüber einer so vieldeutigen Annahme kann man jedoch zwei Perspektiven schon vom Ansatz her klären: Erstens: Die wahre und einzige Kirche Jesu Christi existiert konkret geschichtlich. Sie ist damit erkennbar und sichtbar. Zweitens: Die konkrete Existenzform dieser von Jesus Christus gestifteten Kirche ist die katholische Kirche. So wird zwar kein absolutes, exklusives Identitätsurteil ausgesprochen, aber es wird auch keine Unklarheit gelassen über die Erkennbarkeit der Kirche Jesu Christi, und darüber, wo diese geschichtlich­konkret zu finden ist.
   Eine solche Deutung wird aber nur vor dem Hintergrund verständlich, der im Konzil eine Rolle spielte. Man hat nämlich der Tatsache Rechnung tragen wollen, „dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind”. Es war gewiss eine Art von Kunststück, ohne Zweideutigkeiten und Unklarheiten einerseits daran festzuhalten, dass die Kirche Jesu Christi ihre konkrete Existenzform in der katholischen Kirche hat, und anderseits, dass es unbeschadet dieser grundsätzlichen Position Raum für die Auffassung gibt, es gebe in den von der katholischen Kirche getrennten Kirchen echte kirchliche Elemente, so dass diese Kirchen auch irgendwie am Kirchesein teilhaben.
   Diese Probleme hat das Konzil im Einzelnen nicht mehr zu Ende gedacht. Es war auch nicht seine Aufgabe. In gewisser Weise hat es, was die Ausgestaltung der Beziehung zwischen der Kirche Jesu Christi und der katholischen Kirche einerseits und im Verhältnis beider zu den anderen Kirchen betrifft, weitere Klärungen offen gelassen. Das
subsistit ist das Bindeglied, von dessen Interpretation viel für das Verständnis einer Verhältnisbestimmung abhängig ist.
  Nun ist es aber notwendig, den inhaltlichen Sinn des
subsistit näher ins Auge zu fassen. Es ist zunächst klar, dass die Verwendung des Ausdrucks subsistit statt des früheren est keine Veränderung in der festen Über- zeugung von der substanziellen Identität der Kirche Jesu Christi mit der katholischen Kirche mit sich bringt. Die Kirche Jesu Christi ist nicht eine geschichtsferne Vision. Sie ist auch nicht einfach eine unerreichbare Utopie. „Für die Konstitution, die hier einfach die beständige katholische Glaubensüberzeugung formuliert, ist die eine Kirche Jesu Christi in der sichtbaren katholischen Kirche real gegeben und nicht etwa eine hinter den konkre- ten Kirchentümern verborgen bleibende Größe, die sich dann faktisch in den verschiedenen Konfessionen und kirchlichen Gemeinschaften verwirklichen würde.” (Joseph Ratzinger).  
  Wenn nun klar belegt ist, dass die Veränderung zum
subsistit hin keine Aufhebung oder Abschwächung des katholischen Selbstverständnisses von Kirche ist, muss auch nach der anderen Seite hin deutlich bleiben, dass durch die Ersetzung des est durch subsistit in der Einschätzung der theologischen und besonders ekklesialen Qualität der nicht-katholischen Kirchen wirklich eine vertiefte Erkenntnis vorliegt, die nicht verkürzt oder gar geleugnet werden darf.
   Der Wechsel vom
est zum subsistit erklärt sich ja vor allem deshalb, weil diese Fassung des Textes besser in Übereinstimmung gebracht werden konnte mit dem ergänzenden wichtigen Nebensatz in LG 8: „Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.” Es wird vorausgesetzt und zugleich festgestellt, dass diese „Elemente der Heiligung und der Wahrheit” Aussagen über das Kirchesein der nicht-katholischen Kirchen sind, auch wenn dieses Kirchesein noch unvollkommen und sogar mit Mängeln belastet ist.
   Um den Sinn dieser Formulierung „Elemente der Heiligung und der Wahrheit” voll zu erfassen, muss man zwei andere Konzilstexte heranziehen. So heißt es
in Artikel 15, der bald auf den Artikel 8 folgt, dass es, trotz einer noch unvollkommenen Einheit, wichtige Gemeinsamkeiten gibt: „Viele nämlich halten die Schrift als Glaubens- und Lebensnorm in Ehren, zeigen einen aufrichtigen religiösen Eifer, glauben in Liebe an Gott, den allmächtigen Vater, und an Christus, den Sohn Gottes und Erlöser, empfangen das Zeichen der Taufe, wo- durch sie mit Christus verbunden werden; ja sie anerkennen und empfangen auch andere Sakramente in ihren eigenen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften. Mehrere unter ihnen besitzen auch einen Episkopat, feiern die heilige Eucharistie und pflegen die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter. Dazu kommt die Gemeinschaft im Gebet und in anderen geistlichen Gütern; ja sogar eine wahre Verbindung im heiligen Geiste, der in Gaben und Gnaden auch in ihnen mit seiner heiligenden Kraft wirksam ist und manche von ihnen bis zur Vergießung des Blutes gestärkt hat. So erweckt der Geist in allen Jüngern  Christi Sehnsucht und Tat, dass alle in der von Christus angeordneten Weise in der einen Herde unter dem einen Hirten in Frieden geeint werden mögen.” Es ist von der nun präzisierten Rede dieser „Elemente” her deutlich, dass auch der Begriff der kirchlichen Gemeinschaften nicht nur eine bloß soziologische Bezeichnung darstellt.
   Diese Aussagen, die noch zurückhaltend sind, werden nun genauer entfaltet und inhaltlich präzsiert
im Artikel 3 des Ökumenismusdekretes Unitatis redintegratio. Es wird dargelegt, wie die Christen durch die recht empfangene Taufe „in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katho- lischen Kirche” stehen. Es ist eigens von den Hindernissen die Rede, die der vollen kirchlichen Gemeinschaft entgegenstehen. „Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert, darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt.” Daraufhin folgert der Text: „Hinzu kommt, dass einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche existieren können: Das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente: all dieses, das von Christus ausgeht und zu ihm hinführt, gehört rechtens zu der einzigen Kirche Christi.” Es wird auch nicht bestritten, dass es liturgische Handlungen gibt, die „ohne Zweifel tatsächlich das Leben der Gnade bezeugen können und als geeignete Mittel für den Zutritt zur Gemeinschaft des Heils angesehen werden müssen”. Ja, die nicht-katholischen Kirchen haben trotz einiger Mängel auch Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles: „Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet.”
Eine Gemeinschaft gegenseitigen Andersseins?
   Diese Aussagen sind und bleiben ökumenisch höchst bedeutsame Worte. Es ist erstaunlich, dass sie bei den Auseinandersetzungen um das Dokument der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 eine ganz geringe Rolle gespielt haben. Bei allen Einschränkungen und notwendigen Differenzierungen ist hier eine ganz grund- legende Anerkennung der authentischen ekklesialen Realität und bei aller Unvollkommenheit des Kircheseins ausgesprochen.
   Die Klage über die eingeschränkte oder fehlende Anerkennung als Kirche erweckt den Eindruck, als ob es dies nur von katholischer Seite her gebe. Hier muss ich im Sinne einer Aufarbeitung von Hindernissen aus der Vergangenheit auf eine Aussage in den lutherischen Bekenntnisschriften verweisen. Der alternde Luther formuliert in Sorge um die Aufweichung seiner Position in den Verhandlungen um ein politisches Bündnis evangelischer Stände und in möglichen konziliaren Verhandlungen mit den „Altgläubigen” in sehr schroffer Form über die römisch-katholische Seite (1537): „Wir gestehen ihnen nicht, dass sie die Kirche seien, und sind's auch nicht, und wollen (sie')s auch nicht hören, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten.” Ich kenne kein offizielles Wort zu dieser Aussage, die immerhin zu den Bekenntnisschriften zählt, wenngleich faktisch wohl eine Korrektur angenommen werden darf.
   Ich glaube nicht, dass es einen Sinn hat, die Frage nach der Bedeutung des
subsistit dadurch zu ent- schärfen, dass man die Herausforderung der wirklichen Einheit der Kirche entschärft. Dies kann auf hohem Niveau geschehen. Auf diese Weise versucht es Eberhard Jüngel, wenn er das subsistit im Zusammenhang der Trinitätslehre der Alten Kirche so deutet: Ähnlich wie die drei „Personen” auch als die drei individuellen Existenzweisen des einen göttlichen Wesens bezeichnet werden können, so kann es auch unter den Kirchen „eine Gemeinschaft gegenseitigen Andersseins” geben. Es war nicht nur Joseph Ratzinger, der hier nicht bloß aus dogmengeschichtlichen Erwägungen widersprochen hat: „Vor allem aber bin ich ganz entschieden gegen die immer mehr in Mode kommende Art, das trinitarische Verhältnis direkt auf die Kirche zu übertragen. Das geht nicht. Da enden wir in einem Drei-Götter-Glauben.”
   Immer mehr kann man auch den Eindruck gewinnen, der Begriff der Kirche würde im ökumenischen Ge- spräch spiritualisiert und damit in gewisser Weise gegen die Sichtbarkeit der Kirche gewendet. Es ist wohl zu lange übersehen worden, dass Luther schon früh (1520) das Faktum einer äußeren Struktur zum Wesen der Kirche als einer „Gemeinschaft der Glaubenden” zählte. Immer wieder gebraucht er hier auch das Verhältnis von Leib und Seele als anschauliches Modell. Wenn dies angenommen wird, dann ist auch deutlich, dass die Frage nach der Einheit der Kirche sich in diesem Sinne auf die „sichtbare Kirche” und so auch auf eine „sichtbare Einheit” bezieht, was freilich in der heutigen ökumenischen Diskussion eher zurücktritt.
   Diese Probleme verdichten sich nun in der Frage nach dem, was die Kirche zur Kirche macht. Die Antwort der Reformation ist
im Blick auf die Confessio Augustana (CA) von 1530 in Artikel VII eindeutig: „Es wird auch gelehrt, dass alle Zeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläu- bigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.”
   Lange und auch heute noch sehr oft wird dies so interpretiert, dass das Amt außerhalb dieser Kriterien für das Kirche­sein steht. In Vorbereitung des 450. Jubiläums der Confessio Augustana haben evangelische und katholische Theologen einen gemeinsamen Kommentar zu den entsprechenden Artikeln abgefasst und ein präziseres Ergebnis erzielen können. Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen hat sich ebenfalls im selben Zeitraum und im Zusammenhang des Jubiläums des Augsburgischen Bekenntnis- ses mit den Problemen befasst. Dabei war man sich einig, dass es besonders in Artikel VII nicht genannte Vor- aussetzungen der Evangeliumspredigt und der Sakramentsverwaltung gibt. Schließlich fand der Ökumenische Arbeitskreis zu folgender Verständigung: „Das Apostolische Amt steht nicht auf derselben Ebene wie Verkün- digung des Evangeliums und Spendung des Sakramentes; es ist vielmehr beiden dienend zugeordnet... Die Gemeinde ist auf die Gemeinschaft mit dem Apostolischen Amt angewiesen; es bedarf aber auch das Amt der Rezeption durch die kirchliche Gemeinschaft.” Dies hat zum Ergebnis, dass mit der Evangeliumsverkündigung und der Sakramentenspendung mindestens das Apostolische Amt, aus dem die anderen Dienste und Ämter hervorgehen, gleichursprünglich mit diesen beiden Grundvollzügen zusammengesehen werden muss.
   Diese Probleme haben eine große Bedeutung für die Diskussion über die Modelle, wie eine Einheit der Kir- chen in einer sichtbaren Gemeinschaft erreicht werden soll. Dies spiegelt natürlich auch die eben erwähnten Probleme um das Amt. Das Modell „Versöhnte Verschiedenheit” ist in den letzten Jahren eine in hohem Maß akzeptierte Einheitsvorstellung geworden. Dieses lutherisch orientierte Modell setzt aber letztlich
CA VII in einem Verständnis voraus, dass das Apostolische Amt als Kriterium - wie immer dies genauer verstanden wird - ausklammert. Damit ist auch ein enger Zusammenhang mit der Leuenberger Konkordie gegeben (1973). Wenn die „Versöhnte Verschiedenheit” grundlegend die Frage nach der Struktur des Amtes unter den Kriterien der Konstituierung von Kirche ausklammert, ist sie für die katholische Kirche nach meinem Urteil kein geeigneter Weg für das weitere ökumenische Gespräch.
   Schließlich muss noch eine letzte Frage zur Vertiefung der Diskussion gestellt werden: In der Diskussion über das Dokument der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 ist von evangelischer Seite immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass die evangelische Kirche eine 1500 Jahre umfassende gemeinsame Geschichte mit der katholischen und orthodoxen Kirche hat. Aufmerksamkeit erregt hat der Satz von Bischof Wolfgang Huber aus seiner Hamburger Rede vom 25. August 2007: „Die evangelische Kirche ist die katholische Kirche, die durch die Reformation hindurchgegangen ist.” Er macht auch darauf aufmerksam, dass man manchmal diese Gemeinsamkeit mit der alten und mittelalterlichen Kirche vernachlässigt hat. Vielfach wird ja die Reformation weitgehend als Startzeichen für die Neuzeit und als Morgenröte der Moderne gefeiert.
Das Wesen des Christentums
   Aber manchmal hat man aus diesem Befund auch eine radikale Konsequenz gezogen. Man kann dies be- sonders im Verständnis des großen Kirchen- und Dogmenhistorikers Adolf von Harnack sehen. Seine grund- sätzliche Auffassung hat er in den Vorlesungen (1899/1900) und in der Schrift „Das Wesen des Christentums” zum Ausdruck gebracht. Er ist der Meinung, dass die Reformation und ihr geschichtlicher Fortgang nicht mehr in einem traditionell katholischen Sinne orientiert sein können und bezieht dies auf den „alten Begriff der ‘Kirche’” und „den alten Begriff des ,Dogmas’”. Daraus folgert er: „Der Protestantismus muss rund bekennen, dass er eine Kirche wie die katholische nicht sein will und nicht sein kann, dass er alle formalen Autoritäten ablehnt, und dass er ausschließlich auf den Eindruck rechnet, welchen die Botschaft von Gott und dem Vater Jesu Christi und unserem Vater hervorruft.” Auch auf solche Vorstellungen hin ist eine Klärung notwendig, wenn das ökumenische Gespräch fruchtbar bleiben will.
  Selbstverständlich muss auch die katholische Kirche im Blick auf das Dokument vom 10. Juli 2007 mit sich zu Rate gehen. Ich will nur in wenigen Thesen einige Hinweise geben: Es ist nicht angebracht, selbst notwendige Erinnerungen und Mahnungen verbindlicher Aussagen der Kirche, besonders im ökumenischen Gespräch, im Abstand von wenigen Jahren nur zu wiederholen. Dies ist besonders missverständlich, wenn die Einschärfung verbindlicher Entscheidungen sehr knapp erfolgt und manchmal auch frühere Texte einseitig ausgewählt und ausgelegt werden.
   Es gibt auch auf katholischer Seite auf der theologischen Ebene weiterführende Überlegungen, die sorg- fältiger Beachtung bedürfen. So kann man sich auch fragen, ob das etwas steife und wenig bestimmte Wort „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit”
LG 8 wenigstens im Lauf der Zeit durch den Fortgang der ökumenischen Kontakte und der ökumenischen Gespräche aufgefüllt und verlebendigt werden könnte. Joseph Ratzinger sagte schon im Blick auf „Dominus Iesus”: „Vielleicht gibt es ein besseres Wort als ,Elemente’, aber der sachliche Sinn ist doch offenkundig: Das Leben des Glaubens, dem die Kirche dient, ist ein vielschichtiges Gebilde, und da kann man durchaus ,Elemente’ unterscheiden, die in oder eben auch außer ihr da sind.”
   Um zu einem weniger konflikthaltigen Text zu kommen, ist eine viel engere Zusammenarbeit zwischen der Kongregation für die Glaubenslehre und dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen not- wendig, damit der Einheitsrat auch seine eigenen Erfahrungen in ein solches Dokument wirksam einbringen kann.
   Vieles von dem, was in den letzten Jahrzehnten im ökumenischen Gespräch erreicht worden ist, ist in letzter Zeit nicht mehr präsent, vergessen und auch verdrängt worden. Ich möchte deshalb einen Vorschlag von Harding Meyer mir zu eigen machen, der auf dem Weg der kirchlichen Rezeption „In-via-Erklärungen” als Vergewisserungen wachsender Glaubensgemeinschaft und für den festzuhaltenden Ertrag des Dialogs ge- fordert hat und dabei auch einen thesenhaften Vorschlag gemacht hat, von dem ich glaube, dass man ihm in hohem Maß zustimmen kann. Es ist gut, wenn wir auf einen hochverdienten, kompetenten Pionier des evangelisch­katholischen Dialogs der letzten Jahrzehnte hören. Dazu möchte ich alle einladen. 
FAZ070925

cdWilliamJLevada,xx Glaubenskongregation

Foto links: William Kardinal Levada    Foto rechts: Die Glaubenskongregation in Rom

Kongregation für die Glaubenslehre
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche

Einleitung
   Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der dogmatischen Konstitution
Lumen gentium und mit den Dekreten über den Ökumenismus Unitatis redintegratio und über die Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum maßgeblich zur Erneuerung der katholischen Ekklesiologie beigetragen. Auch die Päpste wollten diese Lehre vertiefen und Orientierungen für die Praxis geben: Paul VI. in der Enzyklika Ecclesiam suam (1964) und Johannes Paul II. in der Enzyklika Ut unum sint (1995).
   Das Mühen der Theologen, das sich daraus ergibt und darauf abzielt, die verschiedenen Aspekte der Ekklesiologie immer besser zu erklären, hat sich in einer reichhaltigen Literatur niedergeschlagen; denn die Thematik erwies sich als sehr fruchtbar. Manchmal war es aber auch notwendig, einzelne Punkte genauer zu umreißen und in Erinnerung zu rufen, wie es in der Erklärung
Mysterium Ecclesiae (1973), im Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche Communionis notio (1992) und in der Erklärung Dominus Iesus (2000) – alle veröffentlicht durch die Kongrgation für die Glaubenslehre – geschehen ist.
   Der Umfang der Fragestellung und die Neuheit vieler Themen fordern das theologische Nachdenken be- ständig heraus und führen fortwährend zu neuen Beiträgen, die nicht immer frei sind von irrigen Inter- pretationen. Diese erwecken Verwirrung und Zweifel, von denen einige der Kongregation für die Glaubens- lehre unterbreitet worden sind. Unter Voraussetzung der gesamten katholischen Lehre über die Kirche möchte die Kongregation darauf antworten, indem sie die authentische Bedeutung einiger ekklesiologischer Ausdrücke des Lehramts klärt, die in der theologischen Diskussion in Gefahr sind, missverstanden zu werden.

Antworten auf Fragen:

1. Hat das Zweite Vatikanische Konzil die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert?
   Das Zweite Vatikanische Konzil wollte diese Lehre nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, es wollte sie vielmehr entfalten, vertiefen und ausführlicher darlegen.
   Genau das sagte Johannes XXIII. am Beginn des Konzils mit großer Klarheit. Paul VI. bekräftigte es und äußerte sich bei der Promulgation der Konstitution Lumen gentium folgendermaßen: „Der beste Kommentar zu dieser Promulgation ist wohl der folgende: Nichts hat sich an der überlieferten Lehre verändert. Was Christus gewollt hat, das wollen auch wir. Was war, das ist geblieben. Was die Kirche durch die Jahrhunderte gelehrt hat, das lehren auch wir. Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt”. Die Bischöfe haben wiederholt dieselbe Absicht bekundet und zur Ausführung gebracht.
2. Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?
   Christus hat eine einzige Kirche „hier auf Erden ... verfasst” und sie als „sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft” gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben. „Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen ... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird”.
   In der Nummer 8 der dogmatischen Konstitution
Lumen gentium meint Subsistenz jene immerwährende historische Kontinuität und Fortdauer aller von Christus in der katholischen Kirche eingesetzten Elemente, in der die Kirche Christi konkret in dieser Welt anzutreffen ist.
   Nach katholischer Lehre kann man mit Recht sagen, dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist. Das Wort
„subsistiert” wird hingegen nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben, denn es bezieht sich auf das Merkmal der Einheit, das wir in den Glaubensbekenntnissen bekennen (Ich glaube ... die „eine” Kirche); und diese „eine” Kirche subsistiert in der katholischen Kirche.
3. Warum wird der Ausdruck „subsistiert in” und nicht einfach das Wort „ist” gebraucht?
   Die Verwendung dieses Ausdrucks, der die vollständige Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche besagt, verändert nicht die Lehre über die Kirche. Er ist begründet in der Wahrheit und bringt klarer zum Ausdruck, dass außerhalb ihres Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit” zu finden sind, „die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen”.
   „Daher sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, auch wenn sie, wie wir glauben, mit jenen Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils. Denn der Geist Christi weigert sich nicht, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Kraft sich von der Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet, die der katholischen Kirche anvertraut ist”.
4. Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung „Kirchen” zu?
   Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind”, verdienen sie den Titel „Teil- oder Ortskirchen” und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen ge- nannt.
   „So baut die Kirche Gottes sich auf und wächst in diesen Einzelkirchen durch die Feier der Eucharistie des Herrn”. Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren We- senselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel.
   Andererseits wird durch die Trennung der Christen die katholische Universalität – die der Kirche eigen ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird – in ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert.
5. Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel „Kirche” nicht zu?
   Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüng- liche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katho- lischer Lehre nicht „Kirchen” im eigentlichen Sinn genannt werden.

   Papst Benedikt XVI. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten der Kongregation für die Glaubens- lehre gewährten Audienz diese Antworten, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation be- schlossen worden sind, gutgeheißen, bestätigt und deren Veröffentlichung angeordnet.
   Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre,
   am 29. Juni 2007, dem Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.
   William Kardinal Levada, Präfekt

  @ Angelo Amato, S.D.B., Titularerzbischof von Sila, Sekretär 

 â€žWir wollen nicht aggressiv sein, wir wollen nicht provozieren.“ Das sagte der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay, der US-Nachrichtenagentur CNS. In dem Gespräch macht er deutlich, dass er auf eine Wiederversöhnung der Lefebvre-Anhänger mit der römisch-katholischen Kirche hofft. Allerdings sei der Papst derjenige, der den Prozess einer Lösung entgegen treibe. Er selbst, Fellay, habe eher noch warten wollen, bis man die Dinge klarer sehe: „Aber es scheint wirklich, als wolle der Heilige Vater, dass es jetzt geschieht.“ Fellay erklärte aber auch, die Piusbrüder würden „nicht Selbstmord begehen“. Noch gebe es keine Vereinbarung mit dem Vatikan: „Die Sache ist noch nicht gelaufen.“ Es sei zu prüfen, ob die vom Vatikan „vorgeschlagenen Strukturen und Bedingungen gangbar sind“. Dies betreffe unter anderem liturgische Praktiken und Lehren der Gemeinschaft. RVkna120514cns

Radio-Vatikan

Kommentar zu den Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche

   Die verschiedenen Fragen, auf welche die Kongregation für die Glaubenslehre antworten möchte, betreffen das allgemeine Verständnis der Kirche, wie es sich aus den dogmatischen und ökumenischen Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils ergibt. Denn diesem „Konzil der Kirche über die Kirche”, das nach den Worten von Paul VI. eine „neue Epoche für die Kirche” eingeleitet hat, kommt das Verdienst zu, „das wahre Antlitz der Braut Christi besser beschrieben und enthüllt” zu haben. Darüber hinaus werden die wichtigsten Dokumente von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. sowie Äußerungen der Kongregation für die Glaubenslehre in Erinnerung gerufen. Alle diese Verlautbarungen wollen zu einem vertieften Verständnis der Kirche beitragen und bieten häufig Klärungen zur beachtlichen theologischen Produktion nach dem Konzil, die nicht immer frei war von Abweichungen und Ungenauigkeiten.
   Dieselbe Zielsetzung findet sich im vorliegenden Dokument, mit dem die Kongregation die authentische Bedeutung einiger Äußerungen des Lehramts im Bereich der Ekklesiologie in Erinnerung rufen möchte, damit die gesunde theologische Forschung nicht beeinträchtigt werde durch Irrtümer, die Unklarheiten verursachen können. In diesem Zusammenhang ist die literarische Gattung der „Antworten auf Fragen” zu beachten, die ihrer Natur nach nicht Argumentationen für den Aufweis der dargelegten Lehre liefern, sondern sich darauf beschränken, Äußerungen des vorhergehenden Lehramts in Erinnerung zu rufen und somit ein sicheres und zuverlässiges Wort zum Thema zu sagen.
In der ersten Frage geht es darum, ob das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert habe
   Die Frage bezieht sich auf die Bedeutung jenes neuen Antlitzes der Kirche, welches das Zweite Vatikanum nach den zitierten Worten von Paul VI. geboten hat.
   Die Antwort, die auf das Lehramt von Johannes XXIII. und Paul VI. gründet, ist sehr klar: Das Zweite Vatikanum wollte die vorhergehende Lehre über die Kirche nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, sondern vielmehr vertieft und organischer dargelegt. In diesem Sinn werden die Worte von Paul VI. aus seiner Ansprache bei der Promulgation der dogmatischen Konzilskonstitution
Lumen gentium angeführt, mit denen er bekräftigt, dass die überlieferte Lehre in keiner Weise verändert worden ist: „Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt”.
   In gleicher Weise besteht Kontinuität zwischen der Lehre des Konzils und den nachfolgenden Verlautba- rungen des Lehramts, die diese Lehre aufgegriffen und vertieft und zugleich zu ihrer Entfaltung beigetragen haben. In diesem Sinn hat etwa die von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Erklärung
Dominus Iesus nur die Texte des Konzils und der Nachkonzilsdokumente aufgegriffen, ohne etwas hinzu- zufügen oder wegzulassen.
   Trotz dieser klaren Äußerungen war die Lehre des Zweiten Vatikanums in der Zeit nach dem Konzil – und sie ist es noch immer – Gegenstand von Interpretationen, die abwegig und in Diskontinuität zur überlieferten katholischen Lehre über das Wesen der Kirche sind. Auf der einen Seite sah man in der Lehre des Konzils eine „kopernikanische Wende”, auf der anderen Seite konzentrierte man sich auf einige Themen, die als gleichsam gegensätzlich zu anderen Themen betrachtet wurden. In Wirklichkeit lag die Grundabsicht des Zweiten Vati- kanischen Konzils eindeutig darin, die Rede von der Kirche der Rede von Gott ein- und unterzuordnen und so eine im eigentlichen Sinn theologische Ekklesiologie vorzulegen. Die Rezeption des Konzils hat dieses bestim- mende Vorzeichen aber häufig zugunsten einzelner ekklesiologischer Aussagen vernachlässigt, sich auf einzelne Stichworte konzentriert und einseitige, partielle Auslegungen der Konzilslehre begünstigt.
   Was die Ekklesiologie von
Lumen gentium angeht, sind im kirchlichen Bewusstsein einige Stichworte haften geblieben:
  der Begriff Volk Gottes,
  die Kollegialität der Bischöfe als Aufwertung des Bischofsamtes gegenüber dem Primat des Papstes
  die Neubewertung der Teilkirchen innerhalb der Gesamtkirche,
  die ökumenische Öffnung des Kirchenbegriffs
  und die Öffnung zu den anderen Religionen,
  und die Frage nach dem spezifischen Status der katholischen Kirche, die sich in der Formel festmacht, dass   die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, von der das  Glaubensbekenntnis spricht, „in der  katho- lischen Kirche subsistiert”
subsistit in Ecclesia catholica.
   Einige dieser Begriffe, vor allem die Aussage über den spezifischen Status der katholischen Kirche mit seinen Auswirkungen auf dem Gebiet der Ökumene, bilden die Hauptthemen, die von dem Dokument in den nachfol- genden Fragen behandelt werden.
In der zweiten Frage geht es darum, wie man die Aussage verstehen müsse, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert
   Als G. Philips schrieb, der Ausdruck
subsistit in werde Ströme von Tinte fließen lassen, hatte er wohl nicht vorhergesehen, dass die Debatte so lange und mit solcher Heftigkeit andauern und die Kongregation für die Glaubenslehre dazu drängen würde, das vorliegende Dokument zu veröffentlichen.
   Eine solche Eindringlichkeit, die übrigens in den Texten des Konzils und des nachfolgenden Lehramts ver- ankert ist, entspricht der Sorge um die Wahrung der Einheit und der Einzigkeit der Kirche, die verloren gingen, wenn man annehmen würde, dass es mehrere Subsistenzen der von Christus gegründeten Kirche gäbe. Wenn es so wäre, müsste man sich nämlich – wie in der Erklärung
Mysterium Ecclesiae festgehalten wird – „die Kirche Christi als eine gewisse Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften” vorstellen, „zwar getrennt, aber doch irgendwie eine”, oder man müsste annehmen, „die Kirche Christi bestehe heute in Wahrheit nirgendwo mehr, sondern sei nur als ein Ziel zu betrachten, das alle Kirchen und Gemeinschaften suchen müssen”. Die einzige Kirche Christi würde als eine Kirche in der Geschichte nicht mehr bestehen oder nur in ideeller Weise bestehen, also
in fieri in einer zukünftigen durch den Dialog ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschiedenen Schwesterkirchen.
   Noch klarer ist die Notifikation der Kongregation für die Glaubenslehre zu einem Buch von Leonardo Boff, gemäß dem die einzige Kirche Christi „auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann”. Im Gegensatz dazu präzisiert die Notifikation: „Das Konzil hingegen hatte das Wort
‚subsistit’ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz’ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins’ gibt, die – da sie Elemente derselben Kirche sind – zur katholischen Kirche tendieren und hinführen”.
In der dritten Frage geht es darum, weshalb der Ausdruck „subsistiert” und nicht einfach das Wort „ist” gebraucht wurde.
   Genau diese terminologische Veränderung beschreibt die Beziehung zwischen der Kirche Christi und der katholischen Kirche, die – vor allem auf ökumenischem Gebiet – für die unterschiedlichsten Schlussfolgerungen Anlass gegeben hat. In Wirklichkeit wollten die Konzilsväter einfach anerkennen, dass es in den nicht katho- lischen christlichen Gemeinschaften selbst kirchliche Elemente gibt, die der Kirche Christi eigen sind. Daraus folgt, dass die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht so zu verstehen ist, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein „kirchliches Vakuum” gäbe. Zugleich bedeutet dies, dass – unter Berück- sichtigung des Kontextes, in den der Ausdruck subsistit in eingefügt ist, nämlich der Beziehung zur einzigen Kirche Christi, die „in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet ..., vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird” – dem Übergang von „ist” zu „subsistiert” keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt.
   Weil nämlich die so von Christus gewollte Kirche tatsächlich in der katholischen Kirche weiter besteht
subsistit in, besagt die Fortdauer der Subsistenz eine substantielle Identität zwischen dem Wesen der Kirche Christi und der katholischen Kirche. Das Konzil wollte lehren, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen ist. Dies geht nur einmal, und die Vorstellung, das subsistit sei zu multiplizieren, verfehlt genau das Gemeinte. Mit dem Wort subsistit wollte das Konzil das Besondere und nicht Multiplizierbare der katholischen Kirche ausdrücken: Es gibt die Kirche als Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit.
   Entgegen einer Vielzahl von unbegründeten Interpretationen bedeutet darum der Ersatz des
est mit subsistit in nicht, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach, dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit” Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt „subsistiert”, auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten.
In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung „Kirchen” zuschreibt
   Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche
„subsistiert”, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit” gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht” in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, „sie als Mittel des Heils zu gebrauchen”.
   Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel „Teil- oder Ortskirchen” verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich „echte Teilkirchen”.
   Trotz der klaren Anerkennung ihres „Teilkircheseins” und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben „ein inneres Wesenselement” für das Bestehen einer Teilkirche ist. Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben.
In der fünften Frage geht es darum, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche” nicht zugeschrieben wird
   Dazu muss man sagen: „Die Wunde ist allerdings noch viel tiefer bei den kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben”. Deshalb sind sie „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn”, sondern „kirchliche Gemeinschaften”, wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeugt.
   Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel „Kirche” zu- schreiben könnte. Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden.
   Man muss aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben.
   Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre, das im Wesentlichen die Konzilslehre und das Nachkonzilslehramt aufgreift, ruft mit Klarheit die katholische Lehre über die Kirche in Erinnerung. Es weist unannehmbare Auffassungen zurück, die immer noch verbreitet sind, selbst in katholischen Kreisen, und es bietet wertvolle Hinweise für die Fortführung des ökumenischen Dialogs, der immer eine der Prioritäten der katholischen Kirche bleibt, wie Benedikt XVI. schon in seiner ersten Botschaft an die Kirche
20. April 2005 und bei vielen anderen Gelegenheiten bekräftigt hat, besonders bei seiner Apostolischen Reise in die Türkei 28. November – 1. Dezember 2006. Damit der Dialog aber wirklich konstruktiv sein kann, bedarf es neben der Offenheit für die Gesprächspartner der Treue zur Identität des katholischen Glaubens. Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten vgl. Joh 10,16 gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert.
   Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck
subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zu- sammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis red- integratio den Ausdruck „Fülle” (der Einheit/Katholizität) eingeführt, eben um zu helfen, diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel be- sitzt, „sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katho- lizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind”. Es geht also um die Fülle der katholischen Kirche, die schon gegenwärtig ist und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen, aber auch in den eigenen Söhnen und Töchtern, die der Sünde ausgesetzt bleiben, bis das Volk Gottes „zur ganzen Fülle der ewigen Herrlichkeit im himmlischen Jerusalem freudig gelangt”. Das Voranschreiten in der Fülle ist in der Dynamik des Einsseins mit Christus grundgelegt: „Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zuge- hören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen”.

 Eine Gemeinschaft, die nicht in der apostolischen Sukzession des Weihesakramentes steht,
kann nicht Kirche genannt werden. Dokument der Glaubenskongregation:
Gemeinschaften der Reformation fehlt ein „wesentliches konstitutives Element des Kircheseins”

   Mit einem Paukenschlag endet die Welle von Veröffentlichungen wichtiger vatikanischer Dokumente. Während der Papst seinen ersten Urlaubstag in Lorenzago di Cadore in den Dolomiten verbringt, gibt die Kongregation für die Glaubenslehre ein Schreiben heraus, das den schlichten Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre der Kirche” trägt. Das Papier, das seit Tagen in Rom zirkuliert, ist eine Präzisierung der Instruktion Dominus Iesus über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche des Jahres 2000. Es trägt die Unterschrift des Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, vom 29. Juni dieses Jahres und wurde von Benedikt XVI. ausdrücklich gutgeheißen, bestätigt und zur Ver- öffentlichung bestimmt.
   Insgesamt handelt es sich um fünf Fragen, die das Dokument beantwortet. Die fünfte Antwort dürfte besonders in Deutschland und überall dort, wo es evangelische Kirchengemeinschaften gibt, für Aufsehen sorgen. Auf die Frage, warum die Texte des Zweiten Vatikanums und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des sechzehnten Jahrhunderts hervorgegangen seien, den Titel „Kirche” nicht zuschreibe, heißt es in dem Papier kurz und knapp: „Weil diese Gemeinschaften nach katho- lischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesent- liches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht ,Kirche’ im eigent- lichen Sinn genannt werden.”
   Anders, so die Glaubenskongregation, laute das Urteil des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Ost- kirchen. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind”, zitiert das Dokument das Konzilsdokument
„Unitatis redintegratio”, ver- dienten sie den Titel „Teil- oder Ortskirchen” und würden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt. Allerdings würden diese Schwesterkirchen unter einem Mangel leiden: Ihnen fehle die „Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist”. Dies sei „nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente”, bekräftigt das Papier.
   Die übrigen Antworten stellen klar, dass das Zweite Vatikanum die Lehre über die Kirche nicht verändert, sondern nur entfaltet, vertieft und ausführlicher dargelegt habe. Es wird verdeutlicht, warum das Konzil davon gesprochen habe, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche verwirklicht sei
„subsistit in” und warum die Konzilsväter sich für genau diesen Begriff entschieden hätten. Ein acht Schreibmaschinenseiten langer Kommentar rundet das Dokument ab. Darin heißt es, dass der ökumenische Dialog nur dann wirklich kon- struktiv sein könne, wenn es von katholischer Seite neben der Offenheit für die Gesprächspartner auch eine Treue zur Identität des katholischen Glaubens gebe. Und der besage, dass die Kirche Christi nur in der katholischen Kirche „voll” fortbestehe. Trotzdem gebe es in den anderen Kirchen und kirchlichen Gemein- schaften „viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit. JürgenErbacherDT070710gho

> > >  Lesen Sie hier den Text im Wortlaut: “Dominus Jesus”  

 

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Papst] [Vatikan] [Jahr des Glaubens] [Deus Caritas] [Spe Salvi] [Caritas in veritate] [Deutschland] [Wort Gottes] [Una Sancta] ["Stellvertreter"] [Credo] [Sonntag] [Liturgie] [alte Messe] [nordd. Kirche] [Ökumene] [Anglikaner] [Reformation] [Glaube & Leben] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung] [Galerie] [-x-]