MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Una Sancta

Auf dieser Seite geht es um die Einheit der Kirche
1. Pius Brüder nehmen Gespräche mit dem Vatikan wieder auf
2. Der neue Präfekt der Glubenskongregation: “Unsere Aufganbe ist, Gott zu verkünden.”
3. Die “Pius”-Bruderschaft des Erzbischofs Lefebvre -
Die offiziellen Lehrgespräche des Vatikans mit der Bruderschaft finden seit Oktober 2009 statt.
4. Pius-Brüder als Vereinigung diözesanen Rechts in Argentinien anerkannt
5. Unten auf dieser Seite finden Sie Texte zum Selbstverständnis der Una Sancta:
- Der Schweizer Kardinal Georges Cottier befasst sich mit dem Geheimnis und dem Leben der Kirche.
 6. Karl Kardinal Lehmann: Selbstverständlich katholisch
7. William Kardinal Levada: Antworten auf Fragen bezüglich der Lehre über die Kirche

                              - Dominus Jesus - Über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche
                                                                                      > > > lesen Sie hier den Text im Wortlaut >
Dominus Jesus

Bischof Bernard Fellay, Generaloberer FSSPX    u-101-epBernardFellay-Zz

Die Priesterbruderschaft St. Pius X.

dankt Papst Franziskus für die „väterliche Geste“, mit der er verfügte, dass die Lossprechung von den Sünden durch Priester der Piusbruderschaft während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit „gültig und erlaubt“ empfangen werden kann.
   Das Generalhaus, der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft, veröffentlichte ein ensprechendes Kommuniqué. Unterdessen gehen die Kontakte zwischen dem Generalrat der Bruderschaft und den zuständigen Stellen des Heiligen Stuhls weiter auf der Suche nach einer Lösung, die eine volle Gemeinschaft und die kanonische Anerkennung der Bruderschaft ermöglicht.
Kommuniqué des Generalhauses der Piusbruderschaft zum Papstbrief
   Das Kommuniqué des Generalhauses der Priesterbruderschaft St. Pius X. zum   Brief des Papstes Franziskus anlässlich des herannahenden Heiligen Jahres im vollständigen Wortlaut:
   „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat durch die Presse die Verfügungen von Papst Franziskus anlässlich des kommenden Heiligen Jahres vernommen. Im letzten Abschnitt seines Briefes, den er an den Erzbischof Rino Fisichella, den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung richtet, schreibt der Heilige Vater: ‚[Ich] bestimme […] in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, dass diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Lossprechung von ihren Sünden erlangen.‘
   Die Priesterbruderschaft drückt dem Obersten Hirten für seine väterliche Geste ihren Dank aus. In der Verwaltung des Bußsakramentes hat sie sich immer und mit völliger Sicherheit auf die außerordentliche Jurisdiktion, wie es die Normae generales des Kanonischen Rechtes festhalten, gestützt. Aus Anlass dieses Heiligen Jahres will Papst Franziskus, dass alle Gläubigen, die bei den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. beichten möchten, dies ohne jede Beunruhigung tun können.
   In diesem Jahr der Umkehr liegt es den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. am Herzen, mit neuem Großmut ihrem Amt als Beichtvater zu obliegen, indem sie dem Beispiel des unermüdlichen Einsatzes, das der heilige Pfarrer von Ars allen Priestern gegeben hat,  folgen.    Bernard Fellay, Generaloberer FSSPX

u-Prof.GuidoPozzo-x    „Vorbehalte der Piusbrüder untersuchen“

        „Es stimmt nicht, dass der Heilige Stuhl von der Priesterbruderschaft Pius X. eine Art Kapitulation verlangt.“ Das betont der Sekretär der Päpstlichen Kommission ‚Ecclesia Dei’ in einem Interview mit der französischen Zeitschrift ‚Famille Chrétienne’. „Der Heilige Stuhl lädt die Piusbruderschaft ein, an seine Seite zu treten in den Rahmen der Lehrfragen, soweit diese für eine dauerhafte Anhänglichkeit an den Glauben sowie an das katholische Lehramt und die Tradition unerlässlich sind.“ ‚Ecclesia Dei’ ist an der vatikanischen Glaubenskongregation angesiedelt und führt Gespräche mit den schismatisch orientierten Piusbrüdern über eine mögliche Rückkehr zur katholischen Kirche. Pozzo fährt fort: „Die Vorbehalte der Piusbruderschaft gegenüber einigen Aspekten und Formulierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und gegenüber einigen daraufhin durchgeführten Reformen, die nicht unverhandelbare Dogmatik- und Lehrfragen betreffen, könnten gleichzeitig untersucht und vertieft werden.“
  Damit signalisiert Pozzo, dass die Piusbrüder einige Eigenheiten beibehalten könnten, wenn sie sich wieder in den großen Rahmen der katholischen Kirche einfügten. Es gebe „keinen Zweifel“, dass die Lehren des Zweiten Vatikanums unterschiedliche Verbindlichkeit hätten, je nach Art des Dokuments. „Die Konstitutionen über die Kirche und die Offenbarung, Lumen gentium und Dei Verbum, haben den Charakter von lehrhaften Verlautbarungen; die Erklärungen zu Religionsfreiheit und nichtchristlichen Religionen sowie das Ökumene-Dekret verfügen hingegen über geringere Autorität und weniger Verbindlichkeit.“ Die Glaubenskongregation hat der Piusbruderschaft 2011 eine „Lehrmäßige Erklärung“ vorgelegt; diese soll sie unterschreiben, wenn sie eine volle Rückkehr in die katholische Kirche will.
  Pozzo ließ wissen, im Falle einer Versöhnung mit Rom könne die Priesterbruderschaft mit dem Status einer Personalprälatur rechnen. Er bekräftigt aber auch, dass der Vatikan – wie schon während des Pontifikats von Benedikt XVI. – unverändert auf Klarheit von seiten der Piusbruderschaft besteht. Das Gesprächsklima zwischen dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, und Bischof Bernard Fellay nannte Pozzo gut. 141024sk

Piusbruderschaft

Piusbrüder suchen Gespräch mit Papst Franziskus 
   Der Obere des deutschen Distrikts der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Franz Schmidberger, hat angekündigt, dass diese „sehr früh zum neuen Papst Kontakt aufnehmen" werde. Man wolle ihm „das Anliegen der 2000-jährigen Tradition der Kirche" vortragen, nannte Schmidberger das Anliegen der Bruderschaft. Er wünsche sich einen Papst, der dem Glauben in der Kirche seinen Primat zurückgebe und der überlieferten Liturgie weiten Platz einräume. Die Piusbruderschaft blickt zwiespältig auf das vergangene Pontifikat zurück. Gerade den freiwillige Rücktritt von Benedikt XVI. kritisieren sie unverhohlen. Papst Benedikt XVI. hat die Entscheidung über die weiteren Entwicklungen seinem Nachfolger überlassen. RV130306kna 
Vatikan erwartet von Piusbrüdern vorbehaltlose Anerkennung des Konzils
   Der Vatikan erwartet nach Worten von Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller von der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. eine vorbehaltlose Anerkennung der kirchlichen Lehre. Jeder Papst müsse darauf bestehen, dass dazu alle Konzilien einschließlich dem Zweiten Vatikanischen Konzil gehörten, sagte der Präfekt der Glaubenskongregation der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Wer das nicht anerkennt, ist kein Katholik“,so Müller. Wenn die Piusbruderschaft in die Einheit mit der Kirche zurückkehren wolle, sei die Unterzeichnung der von der Glaubenskongregation verfassten dogmatischen Präambel eine Vorbedingung. RVord130325kna

Vatikan und Piusbruderschaft: Ziel ist „die volle Aussöhnung“
   Zum ersten Mal im Pontifikat von Franziskus sind Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder zu offiziellen Gesprächen im Vatikan empfangen worden. Der Obere der traditionalistischen Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, war an jetzt mit zwei Assistenten an der Glaubenskongregation. Bei dem Gespräch mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Kongregation, ging es „um einige Probleme lehrmäßiger und kirchenrechtlicher Natur“, heißt es in einer Mitteilung des vatikanischen Pressesaales. Ziel sei „die Überwindung der Schwierigkeiten“ und „das Erreichen der vollen Aussöhnung“. Beide Seiten seien übereingekommen, „in einzelnen Etappen und vernünftigem Zeitraum“ vorzugehen, um dieses Ziel zu erreichen.
   Die Gespräche an der Glaubenskongregation dauerten zwei Stunden und verliefen „in herzlichem Klima“, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Zeitplan wurde nicht genannt. Die versuchte Aussöhnung der schismatisch orientierten Piusbruderschaft mit der Weltkirche hatte unter Benedikt XVI. begonnen, war aber nicht zum Abschluss gekommen. Unter Franziskus schien der Annäherungsprozess zunächst ins Stocken geraten. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt bisher gewisse Fortentwicklungen der katholischen Glaubenslehre nach dem II. Vatikanischen Konzil ab, beispielsweise zu Religionsfreiheit und Ökumene.
   Von Seiten des Heiligen Stuhles nahmen an dem Treffen vier Verantwortliche teil: neben Kardinal Müller der Sekretär und der Beigeordnete Sekretär der Glaubenskongregation, die Erzbischöfe Luis Ladaria und Augustine Di Noia, sowie Erzbischof Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei. Diese ist für die Belange aller traditionsverbundenen Gruppen in- und außerhalb der katholischen Kirche zuständig. Bischof Fellay wurde von zwei Geistlichen der Bruderschaft begleitet, Nikolas Pfluger und Alain-Marc Nely.  rv140923gs

Pius-Brüder im Vatikan empfangen       u-aepFellyFSSPX-cdd-Gerhard-LudwigMüller-x

   Der Vatikan und die Piusbrüderschaft, welche die Lehren des II. Vatikanischen Konzils nicht anerkennt, sprechen wieder miteinander. Jetzt empfing der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller Foto rechts, im Vatikan erstmals den Generaloberen der Bruderschaft, Bernard Fellay Foto links. Beide Seiten hätten in „herzlichem Klima" zwei Stunden lang „einige Probleme lehrmäßiger und kirchenrechtlicher Natur" besprochen, hieß es in einer Mitteilung des Vatikans. Ziel sei „die Überwindung der Schwierigkeiten" und „die volle Aussöhnung", die beide „in Etappen und einem vernünftigem Zeitraum" erreichen wollen.
 Rom wirft der Priesterbruderschaft vor, illegal Bischöfe geweiht zu haben. Der Vatikan hatte von ihr im Herbst 2011 gefordert, wesentliche Aussagen des Konzils, etwa zur Religionsfreiheit und zur Abkehr von der Judenbekehrung, anzuerkennen. Im Februar 2013 verstrich ein entsprechendes Ultimatum; Fellay, ein Befürworter der Aussöhnung, hatte sich in seiner Gemeinschaft nicht durchsetzen können. Dies könnte sich nun geändert haben, nachdem die Bruderschaft den französischen Geistlichen Christian Bouchacourt, bisher Distriktoberer von Südamerika, zum Chef der Gemeinschaft in Frankreich gemacht hat. Dort sind die Piusbrüder stark und stehen dem Vatikan besonders kritisch gegenüber.

Rom hat Piusbruderschaft neuen Vorschlag unterbreitet
    Der Heilige Stuhl hat der Priesterbruderschaft St. Pius X. einen neuen Vorschlag unterbreitet. Konkret geht es dabei um den Status der Piusbruderschaft. Die Bruderschaft ist kanonisch nicht anerkannt und daher seit Jahrzehnten in einem Schwebezustand, der unter Kirchenrechtlern und Bischöfen zu unterschiedlichen Interpretationen führt, ob sie Teil der katholischen Kirche ist oder nicht. 
Katholisches151119

u--ChristianBouchacourtFSSPX-x Pater Christian Bouchacourt FFSPX

   Bouchacourt kennt Papst Franziskus aus dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires. Auch von Rom aus ließ Franziskus dem Vernehmen nach den Kontakt nicht abreißen. Der Papst soll Bouchacourt bedeutet haben, dass er wie Benedikt XVI. eine Einigung mit den Piusbrüdern wünsche. Bouchacourt könnte Fellay nun auf dem Weg zurück zur Kirche unterstützen; denn für den Vatikan gibt es offenbar kaum Spielraum. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte es Kardinal Müller im Frühjahr für unakzeptabel gehalten, „wenn sich ein paar Bischöfe zu übergeordneten Hütern der apostolischen Überlieferung erklären - im Widerspruch zum Papst und allen Bischöfen, die in Gemeinschaft mit ihm die Universalkirche leiten. Insofern ist der Ansatz der Piusbruderschaft nicht voll katholisch". Der Ball liege nun in den Händen der Piusbruderschaft. FAZ140924jöb

Vatikanerzbischof schreibt an Piusbrüder

   Eigentlich sah alles nach einer neuen Eiszeit zwischen Vatikan und Piusbrüdern aus: Die Weigerung der schismatisch orientierten Bewegung, ein Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil zu unterzeichnen, hatte letztes Jahr zum Ende ihrer Gespräche mit der Glaubenskongregation geführt. Doch jetzt wird ein Brief eines Vatikan-Erzbischofs an die Piusbrüder vom letzten Advent bekannt: Er wirbt auf eigene Initiative um die Lefebvre- Anhänger; der Papst wolle ein Ende der Spaltung.
   Erzbischof Joseph Augustine Di Noia ist Vizepräsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei: Das Gremium bemüht sich im Auftrag des Papstes um die Rückkehr der Piusbrüder in die katholische Kirche. In seinem nicht- offiziellen Brief schreibt Di Noia: „Papst Benedikt XVI. wünscht sich sehr eine Überwindung der internen Spannungen in der Kirche und in Ihrer Bruderschaft.“ Allerdings hätten Erklärungen ranghoher Piusbrüder in jüngster Zeit „sowohl im Ton wie in ihrem Inhalt Zweifel an der Möglichkeit einer Versöhnung“ geweckt. Wenn es zwischen beiden Seiten nicht nur bei einem „höflichen Austausch ohne Hoffnung oder Ergebnis“ bleiben solle, müsse ein „neues Element“ her, so der Vatikanmann.
   Di Noia besteht auf der Notwendigkeit, die Einheit der Kirche zu wahren. Zwar sei „wahre Einheit“ vor allem „eine Gabe des Heiligen Geistes“, doch das spreche die Menschen nicht davon frei, alles in ihrer Macht Stehende für die Einheit zu tun. Es gehe darum, der Position des jeweils anderen, auch wenn man sie nicht teile, „einen Wert zuzusprechen“ und sie „offen und in gutem Glauben“ zu untersuchen. Der Vatikan verlange keineswegs von der Piusbruderschaft, auf ihr Ursprungscharisma der Priesterausbildung zu verzichten. Allerdings stehe es den Piusbrüdern auch nicht zu, „die Theologie oder Disziplin anderer in der Kirche zu beurteilen“, vielmehr obliege das allein dem Papst.
  „Würde eine unmittelbare und vollständige kirchliche Versöhnung in diesem Moment auch ein Ende der Verdächtigungen und des Misstrauens auf beiden Seiten bedeuten?“ Das fragt sich Erzbischof Di Noia ohne Umschweife – um selbst zu antworten: „Das wäre wohl nicht so einfach.“ Offenbar müssten erst einmal beiderseits „unsere Seelen gereinigt werden von der Bitterkeit und dem Ressentiment“. Dennoch: Das Ziel bleibe „die Versöhnung und die Heilung durch Gottes Gnade“. Die „einzig denkbare Zukunft“ für die Priesterbruderschaft Pius X. liege „auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, zur Akzeptanz eines umfassenden Glaubensbekenntnisses ohne Bedingungen und zu einem wohlgeordneten sakramentalen, kirchlichen und seelsorglichen Leben“. Der Brief des Vatikan-Erzbischofs ist auf Französisch und Englisch in voller Länge im Internet nachzulesen.  RV130121sk   

Piusbrüder sehen keine Basis für Einigung mit Rom

   Die schismatisch orientierte Piusbruderschaft sieht drei Punkte, die einer möglichen Einigung mit Rom „im Weg stehen“. Das sagte der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Franz Schmidberger, in einem Videointerview, das im Internet veröffentlicht wurde.
  „Zunächst einmal geht es darum, dass wir weiterhin auch gewisse Irrtümer des Zweiten Vatikanischen Konzils an den Pranger stellen dürfen – dass wir also mit offenen Karten spielen können. Zweitens, dass wir ausschließlich die liturgischen Bücher von 1962 benutzen dürfen, insbesondere das Missale. Und drittens, dass in der Bruderschaft immer ein Bischof aus unseren Reihen seinen Platz haben muss.“
  Der Vatikan hatte bereits klargestellt, dass man nicht von so genannten „Irrtümern des Konzils“ sprechen könne. Es dürfe lediglich eine - auch in anderen Fragen legitime - Diskussion geben.
 Die drei von Schmidberger genannten Bedingungen seien unlängst auf einem Generalkapitel der Piusbruderschaft formuliert worden, sagte der Distriktobere. Er widersprach nicht der Darstellung des Fragestellers, dass eine Rückkehr der Piusbrüder in die katholische Kirche mittlerweile in weite Ferne gerückt scheine.
   „Den Umschwung brachte das Treffen zwischen unserem Generaloberen Bischof Fellay und Kardinal Levada, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, am 13. Juni in Rom, wo Levada Fellay eine neue Lehramtliche Erklärung unterbreitet hat, die einerseits den von Bischof Fellay vorgeschlagenen Text aufnimmt, andererseits aber doch sehr wesentliche Änderungen dort einführt, die für uns wirklich ein Problem darstellen. Das ist natürlich eine völlig neue Situation.“
   Den Text der sogenannten Lehramtlichen Präambel hat der Heilige Stuhl vorerst nicht veröffentlicht. Wie Schmidberger sagte, hätten sich die Piusbrüder beim Papst erkundigt, ob „dieser Nachschub an Forderungen wirklich mit ihm abgesprochen sei“. Daraufhin habe Benedikt XVI. versichert, „dass das wirklich sein eigenes Ansinnen sei, dass diese Forderungen von uns erfüllt werden“.
    „Es geht dabei in ganz besonderer Weise um die Anerkennung der Rechtmäßigkeit der neuen Liturgie; zweitens geht es um die Tatsache, dass man wohl in Nuancen die eine oder andere Formulierung des Konzils diskutieren könne, aber die grundsätzliche Bereitschaft müsse von unserer Seite aus vorhanden sein, die Kontinuität anzuerkennen, also, das Zweite Vatikanum in der ungebrochenen Reihe aller anderen Konzilien und Lehraussagen der Kirche zu sehen. Und das geht also nun wirklich nicht.“ RVsk120919piusInfoz
Piusbrüder: Einigung mit Rom kaum denkbar
   Der deutsche Distriktobere der traditionalistischen Piusbruderschaft, Frariz Schmidberger, sieht derzeit kaum Chancen für eine Einigung mit dem Vatikan. „Menschlich gesehen ist mit den letzten Personalentscheidungen in Rom nicht mehr allzu viel zu erwarten", sagte er in einem Interview mit der im rheinischen Ruppichteroth erscheinenden katholischen Monatszeitschrift „Kirchliche Umschau". Massive Kritik übte Schmidberger am Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, und am Sekretär der Gottesdienstkongregation, Bischof Arthur Roche. „Was nützt ein Motu proprio über die alte Liturgie, wenn einige Jahre danach einer seiner schlimmsten Gegner in eine Schlüsselposition berufen wird, was die überlieferte Messe angeht? Hat man nicht hier sprichwörtlich den Bock zum Gärtner gemacht?", sagte er mit Blick auf Roche. Müller hatte in den vergangenen Monaten mehrfach betont, das Zweite Vatikanische Konzil sei verbindlich für eine eventuelle Einigung mit der Bruderschaft. Schmidberger sprach von einem Gesinnungswandel in Rom. Bei einem Treffen am 13. Juni habe der Vatikan der Bruderschaft eine Erklärung vorgelegt, die die Piusbrüder nicht akzeptieren könnten. So wolle Rom die Bruderschaft verpflichten, die Rechtmäßigkeit der neuen, muttersprachlichen Liturgie anzuerkennen und zu bestätigen, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) in der Kontinuität der bisherigen lehramtlichen Tradition der Kirche stehe. „Aber wie kann man eine Liturgie als rechtmäßig anerkennen, die nicht aus dem katholischen Glauben fließt und nicht zu ihm führt?", fragte Schmidberger. Er fügte hinzu: „Man will uns das Konzept der Hermeneutik der Kontinuität auferlegen. Und dies in einem Augenblick, in dem ein Buch nach dem anderen erscheint, das die offensichtlichen Brüche mit der Tradition ans Licht bringt." DT121020kna

ep-CharlesMorerodOPLausanne

Bischof von Lausanne, Freiburg und Genf verbietet Priestern der Piusbruderschaft Nutzung von Kirchen

   Priester der schismatisch orientierten Piusbruderschaft dürfen im Bistum Lausanne keine Gottesdiensträume mehr benutzen. Ein entsprechendes Dekret wurde von dem Dominikaner und Bischof Charles Morerod bereits unterzeichnet und jetzt bekannt, wie die italienischen Zeitung la Stampa berichtet. Vor seiner Ernennung zum Bischof von Lausanne, Freiburg und Genf im November 2011 gehörte der Dominikanerpater und Theologe der Kommission der Glaubenskongregation an, die die Gespräche mit Vertretern der Piusbruderschaft zu führen hatte. Bei der Veröffentlichung des Dekretes wies das Bistum laut la Stampa darauf hin, dass die Priester der Bruderschaft im Sinne der katholischen Kirche a divinis suspendiert seien und ihr Priesteramt nicht ausüben dürften. Deswegen sei den Priestern der Bruderschaft Pius X. das Nutzen der Kirchen und Kapellen untersagt.
   Das Dekret regelt die Überlassung von Kirchen und Kapellen an nicht-katholische Religionen und Konfessionen; Nichtchristen dürften Kirchen nicht zur Verfügung gestellt werden, christlichen Konfessionen wie etwa Reformierten, Lutheranern, Anglikanern oder Orthodoxen dagegen aus pastoralen Gründen dagegen schon. RVord130202laStampa

Keine Gespräche mehr mit der Piusbruderschaft     ep-aepGerhard-LudwigMüller-x

   Die Piusbruderschaft „ist für die Kirche kein Verhandlungspartner, weil es über den Glauben keine Verhandlungen gibt“. Das hat der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, in einem Interview mit dem NDR betont. Die Bruderschaft lehnt wichtige Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, unter anderem zur Religionsfreiheit und den Menschenrechten. Der Vatikan hat die Piusbruderschaft aufgefordert, diese Beschlüsse zu akzeptieren, wenn die Bruderschaft wieder ein Teil der Kirche werden will. Mit Blick auf eine mögliche Wiederaufnahme der Traditionalisten sagte Erzbischof Müller: „In einem pastoralen Sinn ist die Tür immer offen“. Der Glaubenspräfekt stellte im Gespräch mit NDR Kultur aber klar: „Es gibt keine Ermäßigungen, was den katholischen Glauben angeht, gerade wie er auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil gültig formuliert worden ist. Das Zweite Vatikanische Konzil steht nicht im Gegensatz zur gesamtkirchlichen Tradition, allenfalls im Gegensatz zu mancher falschen Interpretation des katholischen Glaubens.“ Erzbischof Müller sagte weiter: „Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse“. Man werde in der Glaubenskongregation in Einheit mit dem Papst nun das weitere Vorgehen beschließen. Den Pius- brüdern läge die Erklärung vor, die sie zu akzeptieren hätten, betonte Müller. Und er fügte an: „Ich glaube, es gibt jetzt keine neuen Gespräche mehr.“ RVord121005ndr
   Mit Blick auf die Auseinandersetzungen der Kurie mit den Piusbrüdern sagte Müller, dass die Geduld des Vatikans mit den abtrünnigen Traditionalisten nicht endlos sei: „Die Glaubenskongregation hat der Priesterbruderschaft die Dogmatische Präambel vorgelegt. Daraufhin ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir warten aber nicht endlos.“
RVsk130203welt-onlineKNA
„Katholisches auch außerhalb der Kirche“
  „Auch außerhalb der katholischen Kirche gibt es Katholisches“, mit diesem Zitat des heiligen Augustinus hat Papst Benedikt XVI. zur gegenseitigen Wertschätzung aufgerufen. Auch innerhalb der Kirche tue man sich schwer, das Wirken der anderen zu würdigen, so der Papst beim Angelusgebet in Castelgandolfo. Man müsse Gott loben für die „Phantasie“, mit der er in der Kirche und in der Welt wirke. Rv120930mc

„Geduld und Zuversicht" - Vatikan räumt Piusbrüdern längere Bedenkzeit ein
   Die für die Verhandlungen Roms mit den Traditionalisten zuständige Fachkommission „Ecclesia Dei" hat der Piusbruderschaft überraschend mehr Zeit eingeräumt, um eine Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu formulieren. Zugleich macht sie deutlich, dass der Papst am Ziel einer kirchlichen Aussöhnung mit der Gruppe festhält. Der Schritt erfolgte wenige Tage nach der Bekanntgabe des Ausschlusses des Holocaust-Leugners Richard Williamson aus der Bruderschaft. Die Würzburger „Tagespost" dokumentiert die namentlich nicht unterzeichnete vatikanische Erklärung in einer Übersetzung der katholischen Nachrichtenagentur.
   Die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei ergreift die Gelegenheit um mitzuteilen, dass die Priesterbruderschaft S. Pius X. in ihrem Schreiben vom 6. September 2012 angezeigt hat, dass sie für sich mehr Zeit zum Überlegen und zur Prüfung braucht, um eine Antwort auf die letzten Initiativen des Heiligen Stuhls vorzubereiten.
   Das derzeitige Stadium der Diskussionen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft ist die Frucht dreijähriger dogmatischer und theologischer Dialoge, während derer sich eine gemeinsame Kommission acht Mal traf, um - unter anderem - einige kontroverse Punkte in der Auslegung bestimmter Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils zu studieren und zu diskutieren. Nach Abschluss dieser Dialoge über Lehrfragen wurde es möglich, in eine Diskussionsphase einzutreten, die sich unmittelbar auf den starken Wunsch nach einer Aussöhnung zwischen der Piusbruderschaft und dem Stuhl Petri konzentrierte.
   Weitere Schritte in diesem positiven Prozess einer schrittweisen Wiedereingliederung hatte der Heilige Stuhl 2007 mit dem Motu Proprio Summorum Pontificum unternommen, indem er die Außerordentliche Form des Römischen Ritus auf die universale Kirche ausdehnte, sowie 2009, als er die Exkommunikationen zurücknahm. Erst vor wenigen Monaten wurde auf diesem schwierigen Weg ein Punkt von fundamentaler Bedeutung erreicht, als die Päpstliche Kommission der Piusbruderschaft eine lehrmäßige Erklärung zusammen mit einem Vorschlag zur kirchenrechtlichen Normalisierung ihres Status innerhalb der katholischen Kirche vorlegte.
   Derzeit wartet der Heilige Stuhl auf eine offizielle Antwort der Oberen der Piusbruderschaft auf diese beiden Dokumente. Nach dreißig Jahren der Trennung ist es verständlich, dass es Zeit braucht, um die Bedeutung dieser jüngeren Entwicklungen zu verarbeiten. Während unser Heiliger Vater Benedikt XVI. mittels der Realisierung der seit langem erwarteten Versöhnung der Piusbruderschaft mit dem Stuhl Petri versucht, die Einheit der Kirche zu fördern und zu bewahren - hier ist eine kraftvolle Manifestation des Petrusdienstes am Werk - sind Geduld, Gelassenheit, Durchhaltevermögen und Zuversicht erforderlich. DT121030

Kloster Nova Fribourgo im Bundesstaat Riode Janeiro     u-NovoFriborgoBrazilOSB-x

Piusbruderschaft: Klärungsprozess 2 – Ungehorsam durch Bischof Williamson
  
Neben dem Ausschluss der Priester Chazal und Pfeiffer aus der Priesterbruderschaft St. Pius X. findet noch eine weitere Klärung in der Bruderschaft statt, die Bischof Richard Williamson betrifft. Der Distriktobere für Südamerika, Pater Christian Bouchacourt teilte am vergangenen 6. September in einem offiziellen Rundschreiben mit, dass eine Einladung an Msgr. Williamson zur Spendung der Firmung nach Brasilien nichts mit der Bruderschaft zu tun habe. Die Einladung sprach Dom Tomás de Aquino, der Prior des der Piusbruderschaft nahestehenden Klosters von Nova Friburgo im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro aus.
   Der Distriktobere macht darauf aufmerksam, dass dem Generaloberen Msgr. Bernard Fellay die Entscheidung über die Entsendung eines Weihbischofs zusteht. Durch den „schwerwiegenden Schritt“ des Klosters sei die „harmonische Zusammenarbeit“ zwischen dem Kloster und der Piusbruderschaft „zerbrochen“, so der Distriktobere. Der Prior habe im von ihm verfassten Artikel „Honor and Glory to Bp. Williamson“ unterschwellig die Piusbruderschaft des „Modernismus“ beschuldigt. Dabei handle es sich um „falsche und verleumderische“ Anspielungen gegen den Generaloberen und die Mitglieder der Piusbruderschaft, so der Distriktobere Pater Bouchacourt. Im Dezember werde Bischof de Galarreta offiziell im Auftrag des Generaloberen Brasilien besuchen und die Firmung spenden.
   Die Position von Bischof Williamson in der Piusbruderschaft ist offiziell ungeklärt. Er scheint jedoch bereits mehr außerhalb denn innerhalb der Gemeinschaft zu stehen. Beim Oberentreffen im September 2011 wurde Williamson aufgefordert, nicht zu erscheinen. Vom Generalkapitel im Juli 2012 wurde er offiziell ausgeschlossen. 2009 war Bischof Williamson die Leitung des Priesterseminars der Bruderschaft in Argentinien entzogen worden. Seither lebt er in seinem Heimatland England.
   Bereits seit längerer Zeit erteilt der Generalobere dem in England lebenden Bischof Williamson keine offiziellen Aufträge mehr. Der letzte Auftrag erging 2011 mit der Visiation des Distrikts Asien. Msgr. Williamson nutzte ihn, um bei Predigten und Vorträgen ständig den Generaloberen der Bruderschaft anzugreifen. piusInfo

u-epAlfonsodeGalaretta-z u-exkommPiusBrüder-x u-epRichardWilliamson-x

Fotos l-r: Bisschof Alfonso de Galarreta, exkommunizierte Piusbrüder, Bischof Richard Williamson

Piusbruderschaft schließt zwei Priester aus – Ungehorsam und Widerstand gegen Versöhnung mit Rom
  
Zwei Priester haben die Priesterbruderschaft St. Pius X verlassen und wurden nun offiziell ausgeschlossen. Dies gab der Distrikt Asien der Bruderschaft mit Sitz in Singapur bekannt. Es handelt sich um Pater François Chazal und Pater Joseph Pfeiffer. Nach zwei kanonischen Ermahnungen durch den Generaloberen Msgr. Bernard Fellay, so die öffentliche Erklärung des Distrikts, seien die beiden aus der Bruderschaft ausgeschlossen worden. Beide lehnen eine Versöhnung mit dem Heiligen Stuhl ab und gehörten dem radikalen Flügel der Priesterbruderschaft an, der in den vergangenen Monaten mehrfach versuchte, die Gespräche zu torpedieren. Den beiden Priestern wird vorgeworfen, gegen die Gehorsamspflicht verstoßen und wiederholt in öffentlichen Stellungnahmen den Vorwurf erhoben zu haben, die Priesterbruderschaft „unterwerfe sich Rom“. Die Stellungnahmen der Bruderschaft der letzten Monate, so der Vorwurf der Ausgeschlossenen, würden zeigen, dass die Bruderschaft das Zweite Vaticanum und die Neue Messe nicht mehr ablehnen und deren „Irrtümer“ nicht mehr verwerfen würde.
   Die zwei Priester hatten in den USA eine gegen das Generalat der Bruderschaft gerichtete „Widerstandsgruppe“ gegründet. Pater Chazal habe die ihm zugewiesene neue Stelle in Frankreich abgelehnt und Pater Pfeiffer habe sich geweigert, an seine Stelle in Davao auf den Philippinen zurückzukehren. Damit haben sich beide der Autorität der Oberen der Priesterbruderschaft entzogen. Die Piusbruderschaft hat diesen Schritt nun mit dem Ausschluss nachvollzogen. In welchem Verhältnis Msgr. Richard Williamson zur amerikanischen Abspaltung der Piusbruderschaft um die beiden Priester steht, ist nicht bekannt. In der Priesterbruderschaft St. Pius scheint ein interner Klärungsprozeß begonnen zu haben. Den beiden Priestern und der ihnen nahestehenden Gruppe werden sedisvakantistische Tendenzen vorgeworfen.   piusInfo
Der Traditionalistenbischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson
steht offenbar kurz vor dem Rauswurf aus der Priesterbruderschaft Pius X. Der Brite habe eine „kanonische Warnung“ erhalten. Das sagte der Generalassistent der Piusbrüder, Pater Niklaus Pfluger, der im rheinischen Rupperichteroth erscheinenden Monatsschrift „Kirchliche Umschau“. Wenn Williamson seinen „Internet-Feldzug“ gegen die Bruderschaft und ihren Generaloberen fortsetze, so werde „eine Trennung von der Bruderschaft unvermeidlich“. Der Bischof habe sich mit seinen „kruden Ideen ins Abseits manövriert“. Es sei eine Tragödie, dass Williamson die Autorität des Generaloberen der Bruderschaft Bernard Fellay seit Jahren nicht mehr anerkenne. Williamson war von den Beratungen des Generalkapitels der Piusbruderschaft im Juli zeitweise ausgeschlossen worden. Er gilt als scharfer Gegner einer Annäherung mit dem Vatikan. RV121022kna
Piusbrüder trennen sich von Bischof Williamson
Holocaust-Leugner soll Führung seit Jahren „Respekt und Gehorsam" verweigert haben
   Die traditionalistische Piusbruderschaft hat sich von dem Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson getrennt. In einer Erklärung vom 24. Oktober 2012 teilte das Generalhaus der Bruderschaft St. Pius X. im schweizerischen Menzingen mit, der 72 Jahre alte Brite habe „sich seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu bezeugen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet". Damit endet ein langer Ablösungsprozess, bei dem es vor allem um interne Streitigkeiten ging, aber auch um Williamsons Kritik am Versöhnungsprozess mit dem Vatikan sowie um die Leugnung des Holocausts.
   2008 hatte Williamson gegenüber einem schwedischen Fernsehsender im Priesterseminar der Bruderschaft in Zaitzkofen nahe Regensburg den Mord an sechs Millionen Juden und die Existenz von Gaskammern in der NS-Zeit bestritten. Seitdem ist gegen Williamson ein Gerichtsverfahren anhängig, bei dem im Februar das Oberlandesgericht Nürnberg seine Verurteilung in erster Instanz wegen Verfahrensmängeln aufhob. Bei der Bruderschaft soll es antisemitische Neigungen geben. Aber vor allem der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, forderte wie der deutsche Distrikt stets, dass sich Williamson von seiner Holocaust-Leugnung distanzieren möge, was er nicht tat.
   Williamson hatte sich auch stärker als die beiden anderen Bischöfe der Gemeinschaft, Alfonso de Galarreta und Bernard Tissier de Mallerais, gegen den Aussöhnungsprozess Feilays mit dem Vatikan gewandt. Er torpedierte die Gespräche zudem durch die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente. Im Juli durfte Williamson nicht mehr an einem Generalkapitel teilnehmen. Im August unternahm er dann ohne Absprache mit der Ordensleitung eine Firmreise nach Brasilien. Er habe sich nicht mehr solidarisch gezeigt, hieß es seither. Anfang Oktober setzte Fellay dem Briten noch einmal eine letzte Frist, sich der Gemeinschaft unterzuordnen. Williamson aber kündigte einen „offenen Brief an, in dem er Fellays Rücktritt fordern wollte. In der Mitteilung aus Menzingen heißt es nun, die Trennung „ist notwendig geworden aus Sorge um das Gemeinwohl der Bruderschaft St. Pius X. und einer guten Leitung derselben".
   Der Vatikan hatte lange über die Differenzen in der schismatischen Bruderschaft hinweggesehen. Erst im Frühjahr nahm der Papst offiziell Kenntnis von der romkritischen Haltung der drei Bischöfe und entschied, ihre „Lage" von nun an „getrennt und einzeln" zu behandeln. Mit Fellay wollte die Kurie sofort weitersprechen. Doch zunächst wollte dieser den Bruch in der Bruderschaft nicht hinnehmen. Seither gibt es keine weiteren Kontakte mehr mit der Kurie. Rom fordert die Anerkennung der lehramtlichen Verlautbarungen der Kirche einschließlich derer aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Das lehnen die Piusbrüder ab. FAZ121025jöb

Kardinal Mario Aurelio Poli, Buenos Aires   cdd-MarioAurelioPoli-Z2 „Eine wohlwollende Geste"

Argentinien: Piusbrüder als Vereinigung diözesanen Rechts anerkannt   

   Argentinien hat der von Rom getrennten Priesterbruderschaft Pius X. den Status einer juristischen Person zuerkannt. Wie die katholischen Pressedienste Aciprensa und Infocatólica übereinstimmend berichten, gab das Ministerium für Religiöse Angelegenheiten damit einem Antrag des Erzbischofs von Buenos Aires, Kardinal Aurelio Poli Foto statt. Der Nachfolger des heutigen Papstes Franziskus als Erzbischof der argentinischen Hauptstadt hatte die Piusbrüder als eine Vereinigung diözesanen Rechts anerkannt und beim Ministerium für Religiöse Angelegenheiten der argentinischen Regierung eine entsprechende staatliche Registrierung beantragt. Medienberichten zufolge betrachtet das Erzbistum Buenos Aires die Anerkennung der Priesterbruderschaft als Vereinigung diözesanen Rechts als vorläufig, bis ein „endgültiger juristischer Rahmen in der Universalkirche gefunden worden ist" und die Priesterbruderschaft als Gesellschaft Apostolischen Lebens anerkannt werden könnte.
   Das Portal „Vatican Insider"zitiert den vom Vatikan mit dem Dialog beauftragten Erzbischof Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, er freue sich über die Entscheidung in Argentinien, die den Heiligen Stuhl nicht verpflichte. Es handele sich nicht um eine Anerkennung als Priesterbruderschaft. Das Problem einer legitimen Ausübung des priesterlichen Dienstes der Mitglieder der Priesterbruderschaft Pius X. bleibe nach wie vor ungelöst. Doch die katholische Kirche habe der Gruppe damit eine „wohlwollende Geste gezeigt". Erzbischof Pozzo, so Vatican Insider, erkenne mit seiner Entscheidung an, dass die Mitglieder der Priesterbruderschaft katholisch seien, auch wenn sie sich noch nicht in voller Gemeinschaft mit Rom befänden.
  
Die Piusbrüder selbst erklärten über ihr Nachrichtenportal DICI, es handele sich „ausschließlich um einen Verwaltungsakt im spezifischen Kontext der Republik Argentinien", auch wenn der Kardinal die Maßnahme zweifellos mit dem Papst abgestimmt habe! Die Entscheidung habe keine kirchenrechtlichen oder kirchendisziplinarischen Auswirkungen für die Gesamtkirche.
   Die katholische Kirche besitzt in Argentinien einen Sonderstatus als juristische Person des öffentlichen Rechts. Das unterscheidet sie juristisch von allen anderen Religionen, Kirchen und religiösen Gemeinschaften. Die Verfassung garantiert der römisch-katholischen Kirche die Unterstützung der Regierung. Die Kirche erhält für ihre Arbeit finanzielle Hilfen des Staates. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist seit 1988 von Rom getrennt. Sie wurde 1969 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründet und lehnt die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Die Piusbrüder unterhalten im argentinischen La Reja in der Hauptstadtregion Buenos Aires ein gut laufendes Priesterseminar. Es stand bis 2009 unter der Leitung des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson (75). Als bekannt wurde, dass dieser in einem Interview den Holocaust geleugnet hatte, und damit weltweite Proteste auslöste, drohten ihm die staatlichen Behörden mit Ausweisung; er setzte sich in seine britische Heimat ab. Später schloss ihn die Piusbruderschaft aus ihren Reihen aus. rv150416ReginaEinigDT

Der frühere Piusbruder Richard Williamson      u-epRichardWilliamson-Z

hat sich durch eine illegale Bischofsweihe automatisch die Exkommunikation zugezogen. Der 75-Jährige, der in Deutschland als Holocaust-Leugner bekannt ist, weihte nach Angaben von traditionalistischen Internet-Blogs einen Franzosen zum Bischof. Die nach katholischem Kirchenrecht unerlaubte, aber trotzdem gültige Weihe fand nach diesen Angaben in einem Benediktinerkloster in Novo Fribourgo/Brasilien statt.
   Die traditionalistische Priesterbruderschaft Pius X. verurteilte die Weihe. In einer in der Schweiz veröffentlichten Erklärung betont sie, dass sowohl Williamson (seit 2012) als auch der von ihm geweihte Franzose(seit 2014) nicht mehr Mitglieder der Bruderschaft seien - und zwar „wegen ihrer massiven Kritik an jeglicher Beziehung mit den römischen Autoritäten“. Die vom Vatikan nicht anerkannten Piusbrüder bedauern, „dass dieser Geist des Widerstandes schlussendlich zu dieser Bischofsweihe führte“. Alle Erklärungen von Williamson und dem von ihm geweihten Bischof bewiesen „zur Genüge, dass sie, außer auf rein rhetorischer Ebene, die römischen Autoritäten nicht mehr anerkennen“.
   Wer ohne Genehmigung des Papstes eine Bischofsweihe vornimmt, zieht sich nach katholischem Kirchenrecht automatisch die Exkommunikation zu. 1988 hatten sich Erzbischof Marcel Lefebvre und die vier von ihm geweihten Bischöfe, darunter Williamson und der derzeitige Piusbrüder-Generalobere Bernhard Fellay, selbst exkommuniziert. Als Versöhnungsgeste hob Papst Benedikt XVI. (2005-2013) die Tatstrafe 2009 auf, um mit den Piusbrüdern über eine Rückkehr zur Kircheneinheit verhandeln zu können. Williamson sabotierte damals aber die Einigungsbemühungen. Im Oktober 2012 wurde er wegen Illoyalität aus der Bruderschaft ausgeschlossen.
rv150320sk
 

u-NovoFribourgoOSB-3

Benediktinerkloster in Novo Fribourgo / Rio de Janeiro

   Der frühere Piusbruder Richard Williamson hat sich durch eine illegale Bischofsweihe automatisch die Exkommunikation zugezogen. Der 75-Jährige, der in Deutschland als Holocaust-Leugner bekannt ist, weihte nach Angaben von traditionalistischen Internet-Blogs einen Franzosen zum Bischof. Die nach katholischem Kirchenrecht unerlaubte, aber trotzdem gültige Weihe fand nach diesen Angaben in einem Benediktinerkloster im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro statt. 
   Die traditionalistische Priesterbruderschaft Pius X. verurteilte die Weihe. In einer  am späten Donnerstagabend in der Schweiz veröffentlichten Erklärung betont sie, dass sowohl Williamson (seit 2012) als auch der von ihm geweihte Franzose (seit 2014) nicht mehr Mitglieder der Bruderschaft seien - und zwar „wegen ihrer massiven Kritik an jeglicher Beziehung mit den römischen Autoritäten“. Die vom Vatikan nicht  anerkannten Piusbrüder bedauern, „dass dieser Geist des Widerstandes schlussendlich zu dieser Bischofsweihe führte“. Alle Erklärungen von Williamson und dem von ihm geweihten Bischof bewiesen „zur Genüge, dass sie, außer auf rein rhetorischer Ebene, die römischen Autoritäten nicht mehr anerkennen“.
   Wer ohne Genehmigung des Papstes eine Bischofsweihe vornimmt, zieht sich nach katholischem Kirchenrecht automatisch die Exkommunikation zu. 1988 hatten sich Erzbischof Marcel Lefebvre und die vier von ihm geweihten Bischöfe, darunter Williamson und der derzeitige Piusbrüder-Generalobere Bernhard Fellay, selbst exkommuniziert. Als Versöhnungsgeste hob Papst Benedikt XVI. (2005-2013) die Tatstrafe 2009 auf, um mit den Piusbrüdern über eine Rückkehr zur Kircheneinheit verhandeln zu können. Williamson sabotierte damals aber die Einigungsbemühungen. Im Oktober 2012 wurde er wegen Illoyalität aus der Bruderschaft ausgeschlossen.
   In einem in Bayern geführten TV-Interview hatte Williamson im November 2008 zum wiederholten Mal den Holocaust geleugnet. Nicht sechs Millionen, sondern lediglich 300.000 Juden seien von den Nazis ermordet worden. Gaskammern habe es nicht gegeben. Dieses Interview wurde im Januar 2009 ausgestrahlt, genau an dem Tag, als Benedikt XVI. die Rücknahme der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Bruderschaft verkünden ließ. Internationale Proteste waren die Folge. Williamson lebt seitdem in England. In Deutschland ist ein Urteil wegen Volksverhetzung gegen ihn rechtskräftig. In Argentinien gilt ein Einreiseverbot für ihn. RV150320sk 

Interview mit Erzbischof Gerhard Ludwig Müller    epGerhardLudwigMüller-x

„Unsere Aufgabe ist es, Güte Gottes zu verkünden“

   Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat nun sein neues Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre angetreten. Im Gespräch mit Mario Galgano geht er auf seine künftige Tätigkeit und die damit verbundenen Herausforderungen ein.
Wie fühlen Sie sich und erwarten Sie sich von Ihrer neuen Tätigkeit hier im Vatikan?
   „Ich fühle mich wie ein Schüler in der ersten Klasse. Sehr vieles ist neu für mich. Die inhaltliche Arbeit kannte ich bereits, weil ich seit fünf Jahren Mitglied bei der monatlichen Versammlung der Glaubenskongregation bin, die bestimmte Themen bearbeitet. Trotzdem ist all das eine große Umstellung - von einem Ortsbischof zu einem Bischof an der römischen Kurie.“
Welche Akzente möchten Sie gerne setzen? Was würden Sie gerne in Ihre Arbeit einbringen?
   „Unsere Kongregation und die römische Kurie sind da, um den Heiligen Vater in seinem Lehr- und Hirtenamt zu helfen. Das wichtigste in der Kirche ist der Glaube, der uns geschenkt worden ist durch die Offenbarung Gottes in Jesus Christus zum Heil aller Menschen. Darum ist es unsere Aufgabe, die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes zu verkünden, die uns im Glauben geschenkt worden ist. Deshalb ist es sicher auch wichtig, dass jene, die ihre Vorurteile und Klischees oder Stereotypen haben, dies überwinden, wenn sie auf die römische Kurie schauen. Es sind alle Mitbrüder und Mitschwestern, die hier arbeiten und im Dienste der Universalkirche sich bemühen, um etwas zu erbringen, um Gutes für die ganze Kirche zu tun. Das ist insbesondere in unserer Zeit sehr wichtig. Wir leben einerseits in einer Welt, in der der Mensch aus säkularer Sicht betrachtet wird. Das müssen wir in einer positiven Sicht überwinden. Der Mensch ist da, um Gott zu erkennen und Gott zu lieben. Aus dieser Gottesliebe heraus soll etwas Positives kommen für die Gesellschaft und für sich selber, indem sich der Mensch als Ebenbild Gottes erkennt und seine Würde erfasst. Es geht darum, dass man da ist für die Familie oder im Kreis der Arbeitskollegen, aber auch in den großen Bereichen,  in denen wir uns bewegen. Das wären Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Kultur. Das sind große Lebensbereiche der Menschen. Hier wäre es sehr wichtig, dass wir das Positive und Aufbauende sowie Konstruktive des Christentums in den Mittelpunkt stellen.“
Zum Umgang mit Kritikern
  Das können wir – und das ist der zweite Punkt – nur wenn wir die Suche des Menschen nach Gott und der Wahrheit wieder voll und ganz aufnehmen. Gott kann niemals ein Randthema sein. Wenn wir uns auf Gott, auf Jesus Christus besinnen, dann können wir auch in der Kirche manche Spannungen abbauen. Das gilt auch für die Missverständnisse. Es darf nicht sein, dass die Einheit der Kirche Gottes gestört wird durch Ideologien, sektenhafte Art – am linken oder rechten Rand –, die auf sonderbare Weise kollaborieren und so der Kirche schaden. Diese Gruppierungen haben leider in manchen Medien mehr Resonanz als die vielen Millionen Gläubigen, die den Weg der Nachfolge Jesu Christi gehen und Vieles und Gutes leisten für den Aufbau der Kirche.“
Wie könnte man Ihrer Meinung nach das Positive in der Kirche stärken? Wie möchten Sie das machen?
   „Die Kongregation für die Glaubenslehre ist nicht die Nachfolgerin der Inquisition, wie es ein bisschen reaktionär und konservativ in der Berichterstattung heißt, weil man sich nicht die Mühe macht, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen. Die Inquisition hatte ja damals 1542 die Aufgabe, die Häresien und Irrtümer ihrer Zeit abzuwehren. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die Glaubenskongregation gegründet worden mit der Aufgabe, den katholischen Glauben zu fördern. Der Glaube ist ja ein Heilsereignis. Es geht um das Heil des Menschen und der ganzen Menschheit. Das möchten wir positiv einbringen. Der Heilige Vater hat das „Jahr des Glaubens“ ausgerufen. Es beginnt mit dem Konzilsjubiläum und mit der Synode im Oktober. Die Glaubenskongregation hat angeregt, dass man in der Welt von heute die Kenntnisse des Glaubens vertiefen sollte. Viele Katholiken wissen leider nicht, was eigentlich unser Glaube im Inhalt nach ist und lassen sich deshalb vielleicht auch gegen die Kirche aufbringen, weil sie etwas Falsches glauben. Man soll eben nicht das Falsche und den falschen Leuten glauben, sondern man soll das glauben, was Gott für uns getan hat. Darauf dürfen wir bauen und denen vertrauen, die unsere Brüder in Schwestern sind. Die Bischöfe sind ja nichts anderes, die im Auftrag Christi das Lehramt ausüben.“
Sie werden als Präfekt der Glaubenskongregation verschiedene Aufgaben innehaben. Unter anderem werden Sie die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ leiten, die sich um den Dialog mit Traditionalisten wie etwa die Piusbrüder kümmert. Was erwarten Sie von diesen Gesprächen und was würden Sie selber gerne einbringen?
   „Das Ziel ist immer die Einheit der Kirche und der Gläubigen mit der Kirche. Man kann nur dann katholisch sein, wenn man voll und ganz den Glauben der Kirche anerkennt. Dazu gehört auch das Lehramt und vom Lehramt ist auch das Zweite Vatikanische Konzil ein ganz bedeutender Teil. Deshalb ist es wichtig, dass auch innere Blockaden überwunden werden, die es dort bei Gruppierungen an den Rändern gibt und dass man sich einfach öffnet und Vertrauen hat zu unserem Heiligen Vater Benedikt XVI. und all denen, die in seinem Auftrag tätig sind. Es geht nicht darum, irgendwie jemanden zu zwingen oder nötigen, sondern es geht darum, dass wir die Freiheit des Glaubens und die Freiheit der Kinder Gottes, aber auch die Fülle der Offenbarung Gottes anerkennen, die der Kirche und damit dem Lehramt zur treuen Auslegung anvertraut worden ist. Deshalb rufe ich alle, die Schwierigkeiten damit haben, von Herzen dazu auf, Vertrauen zu fassen und die Einheit der Kirche sowie die Wahrheit des Glaubens zu suchen. Einheit der Kirche und Wahrheit des Glaubens bilden zwei Seiten einer Münze
Sie kommen wie der Papst aus Deutschland. Hat das eine besondere Bedeutung für Ihr Amt?
   „Deutschsein ist nichts Schlechtes. Es ist eine große europäische Kultur, aber eben nicht die einzige. Wir sind auch nicht eine deutsche Nationalkirche, die jetzt irgendwie sagt, wir hätten einen Posten errungen. Das ist ja kein Fußballspiel, wo man sich dann freut, wenn der eine aus der eigenen Mannschaft gewonnen hat. Wir sind vielmehr eine große Familie Gottes. Es ist bezeichnend, dass am Anfang der Kirche das Pfingstereignis steht. Da gab es die vielen Sprachen und Kulturen, die zusammenkamen. Ich freue mich, dass es hier so viele Sprachen und Kulturen gibt. Da fühlen wir uns ganz gut brüderlich verbunden. Auch brauchen wir es nicht zu leugnen, dass Deutsch meine Muttersprache ist und gleichzeitig auch die Sprache des Heiligen Vaters. Auch die entsprechende Kultur und vor allen Dingen die Universitätskultur und theologische Kultur, die wir gehabt haben, sind sehr bedeutsam. Aber auch die Tatsache, dass Deutschland ein konfessionell geteiltes Land ist; Theologen aus Deutschland haben deshalb unmittelbar etwas mit dem evangelischen Christentum zu tun und müssen auch ökumenisch orientiert sein. Ökumene heißt ja keineswegs, dass man den eigenen Glauben aufgibt, sondern dass wir den eigenen katholischen Glauben so verständlich machen, dass er auch von anderen Seiten in einladender Weise verstanden wird. Wir können unseren Glauben sehr gut und auch intellektuell sowie spirituell vertreten, ohne andere zu brüskieren. Deshalb hoffen wir, dass der ökumenische Prozess weitergeht und einstmals Gott uns die Gnade schenkt, dass alle Christen in der einen und sichtbaren Kirche vereint sind, in der wir gemeinsam das Lob Gottes beten und gemeinsam den Glauben bekennen und gemeinsam in den Sakramenten das göttliche Leben empfangen.“
Sie haben bisher das Bistum Regensburg geleitet. Was wünschen Sie den Gläubigen in Ihrem – nun ehemaligen – Bistum?
 
„Ehemalig nur in Anführungszeichen, weil ich noch der emeritierte Bischof von Regensburg bin und das ist meine Heimatdiözese. Dort bin ich mit vielen Menschen in der Pastorale und Verkündigung zusammengekommen. Viele kenne ich persönlich sehr gut. Ich habe auch an vielen – auch schwierigen – Lebensschicksalen teilgenommen. Insofern fühlt man sich immer als Pastor – also Hirte – und ich wünsche allen und jedem Einzelnen die Erfahrung der Liebe Gottes in ihrem persönlichen Leben. Das wünsche ich auch dem gesamten kirchlichen Leben. Vor allem auch, die Spannungen, die es immer wieder gibt, zu überwinden und sich in die Einheit der Familie Gottes hineinzubegeben, von der man auch getragen wird, wenn man einen guten familiären Hintergrund hat. Das gilt sowohl für die persönliche Familie als auch für die große Familie der Gemeinde, Pfarreien, der Diözese sowie der ganzen Weltkirche. Dann macht das Leben auch Freude. Denn wir sind alle Kinder Gottes.“
Gibt es noch einen besonderen Wunsch, den Sie gerne äußern möchten?
   „Ich möchte auch öffentlich dem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., danken für das große Vertrauen, dass er mir geschenkt hat. Es ist ja eine Teilhabe an seiner Sendung und seiner Aufgabe, für die ganze Weltkirche zu sorgen. Ich weiß, dass wir Menschen immer eine begrenzte Kraft haben. Insofern bitte ich den Heiligen Vater, aber auch alle Mitchristen in Rom und in der ganzen Welt um das Gebet, dass wir in einem guten und brüderlichen Geist zusammenwirken können für den Weg der Kirche des 21. Jahrhunderts. Dass wir vor allen Dingen an der großen Aufgabe der Neuevangelisierung – auch unseres europäischen Kontinents – mitarbeiten und niemals den Blick auf die ganze Weltkirche verlieren.“Rv120704mg

    Das Generalkapitel der Pius-Bruderschaft wird „demnächst“ Rom eine Erklärung zustellen und in der Folge veröffentlichen. Dies teilte die traditionalistische Bruderschaft am 14. Juli 2012 in Econe zum Abschluss ihres Generalkapitels mit. Einzelheiten über die „allgemeine Erklärung an Rom“ wurden nicht bekannt. Der Generalobere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay Foto unten links, danke allen Priestern und den Gläubigen für ihre „inbrünstigen Gebete“ für das Generalkapitel. Die Frage steht im Raum, ob die Pius-Brüder eine vom Vatikan vorgelegte „Lehrmäßige Erklärung“ unterzeichnen. Dies ist Voraussetzung für eine mögliche Aussöhnung mit Rom. Im Vorfeld des Treffens waren dazu unterschiedliche Positionen der Bischöfe der Priesterbruderschaft deutlich geworden. Zu ihnen zählt der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Dieser soll nach Medienberichten angeblich vom Generalkapitel ausgeschlossen worden sein. RV120716kipa
Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner ist für die Versöhnung der Piusbruderschaft mit Rom eine volle Anerkennung des Lehramts des Papstes und des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) unabdingbar. In einem auf der Internetplattform „direktzu.kardinal-meisner.de“ veröffentlichten Beitrag Meisners heißt es, dazu gehörten auch die Dekrete über die Religionsfreiheit, das Verhältnis zu den Juden sowie die heutige Form der Liturgie. Eine Rückkehr der Piusbruderschaft in die Gemeinschaft der katholischen Kirche setze zudem voraus, dass sie ihre Vorwürfe gegen den Papst zurücknehme, er sei nicht rechtgläubig. „Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teil- weise ablehnt, kann nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen“, betont Meisner. RV120823kna

u-aepFellyFSSPX- cdWilliamLevada-xx

Vatikan zur Piusbruderschaft: Wenn Eingliederung, dann über Personalprälatur
Foto l-r: Bischof Bernard Fellay FSSPX, Kardinal William Levada

   Die Gespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft sind in eine neue Phase getreten: Am 13. Juni 2012 haben sich Verantwortliche beider Seiten im Vatikan getroffen, um die Bedingungen zu besprechen, unter denen die Bruderschaft überhaupt Teil der Kirche werden kann. Auf Vatikanseite führten die Gespräche Kardinal William Levada, Präfekt der Glaubenskongregation, und deren Sekretär, Erzbischof Luis Ladaria.
   Eine Personalprälatur für die Piusbruderschaft ist der Vorschlag, mit dem der Vatikan in die Gespräche mit der Piusbruderschaft eingetreten ist. Das teilte der Pressesaal des Vatikan am 14. Juni 2012 mit. Beim Treffen der Glaubenskongregation mit Bischof Bernard Fellay im Vatikan habe zunächst die Antwort der Piusbrüder vom April gestanden; die Bruderschaft hatte mit einem Schreiben auf die so genannte„Dogmatische Präambel“ geantwortet. Bei dem Treffen im Vatikan habe Bischof Fellay nun die aktuelle Situation erläutert, in der sich die Bruderschaft befindet, geht aus der Vatikanerklärung weiter hervor. Fellay habe versprochen, als Antwort auf die Bewertung dieser Stellungnahme durch den Vatikan „in einem annehmbaren Zeitraum“ eine Antwort der Bruderschaft vorzulegen. Im Klartext heißt das: Der Vorgang der Eingliederung der Bruderschaft in die volle Gemeinschaft der Kirche ist noch nicht abgeschlossen. Das hat ebenfalls Vatikansprecher Pater Federico Lombardi gegenüber Journalisten betont: Es sei „die letzte Etappe der Untersuchung der Situation durch die Bruderschaft angebrochen“, sagte Lombardi. Der Vatikan drückt in seinem Statement die Hoffnung aus, dass diese neue Zeit für Reflexion dazu die- nen kann, die volle Einheit zu erreichen. Die letzte Entscheidung von Seiten der katholischen Kirche über eine Wiedereingliederung steht dem Papst zu.
   Wie könnte eine solche Wiedereingliederung konkret geschehen? Dazu hat der Vatikan den Entwurf eines Dokumentes vorgelegt, das die Errichtung einer Personalprälatur für die Piusbruderschaft vorsieht. Bisher gibt es in der Kirche nur eine einzige Organisation mit dieser Rechtsform, das Opus Dei. Diese Personalprälatur sei die angemessene Form für eine kanonische, also kirchenrechtliche Anerkennung, betont die Vatikanerklärung. Das Kirchenrecht sieht vor, dass der Heilige Stuhl diese errichten kann, Mitglieder können Priester und Diakone des Weltklerus sein Kanon 294 CIC, es handelt sich also nicht um einen neuen Orden oder eine Kongregation. Eigene Statuten sollen das Verhältnis einer Personalprälatur zu den Bischöfen bestimmen Kanon 297 CIC.
   Die Pressemeldung des Vatikan hebt ebenfalls noch einmal die Feststellung vom Mai hervor, dass es ein von diesem  Prozess getrenntes Vorgehen in Bezug auf die anderen drei Bischöfe der Piusbruderschaft geben wird. Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta waren mit Bernard Fellay gemeinsam unerlaubt zu Bischöfen geweiht worden und hatten sich in der Vergangenheit eher kritisch zu der Annährung zwischen Bruderschaft und katholischer Kirche geäußert.
   Der Vatikan erwartet eine Antwort der Piusbrüder auf seinen jüngsten Einigungsvorschlag im Verlauf des Monats Juli, fügte Lombardi vor Journalisten hinzu. Nach dem Gespräch vom Mittwochabend liege der "Ball nun im Feld der Traditionalisten". Diese müssten entscheiden, ob sie mit der vatikanischen Bewertung ihrer Antwort vom April einverstanden seien, so Lombardi. Inhaltliche Angaben, ob die Antwort "positiv" und somit eine Einigung möglich sei, wollte Lombardi nicht machen. RVkna120614ordGs

Frederioo Lombardi SJ:  be-291FredericoLombardi-x  „Juden sind nicht die Feinde der Kirche“

   „Es ist unmöglich, die Juden als Feinde der Kirche zu bezeichnen.“ Das hat Vatikansprecher Federico Lombardi bekräftigt. Der Jesuit wies damit eine Äußerung von Bischof Bernard Fellay zurück. Der Leiter der schismatisch orientierten Piusbruderschaft hatte Ende Dezember bei einem Auftritt in Kanada „Juden, Freimaurer und Modernisten“ „Feinde der Kirche“ genannt. Lombardi, der den Vatikanischen Pressesaal und Radio Vatikan leitet, bekräftigte das „tiefgreifende Engagement der Kirche im Dialog mit dem Judentum“; die Haltung des Heiligen Stuhls sei „klar und allseits bekannt“. Die Bemühungen um eine Rückkehr der Piusbrüder in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche sind an einem toten Punkt, weil Fellay eine „Lehramtliche Präambel“ nicht unterzeichnen will. In diesem Text verlangt der Vatikan die Anerkennung der Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils.  RVsk130107

epGerhardLudwigMüllerRx  Erzbischof Müller neuer Präfekt der Glaubenskongregation

    Papst Benedikt XVI. hat 02. Juli 2012 den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt. Müller wird gleichzeitig zum Erzbischof erhoben. Er folgt auf den US-amerikanischen Kardinal William Levada, der aus Altersgründen zurückgetreten ist.
   Erzbischof Müller wird künftig auch die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ leiten, die sich um den Dialog mit den Piusbrüdern kümmert. Des Weiteren wird der neue Präfekt der Glaubenskongregation auch die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission leiten.
  Der 64-jährige Bischof wird somit den drittwichtigsten Posten in der Hierarchie der römischen Kurie besetzen. Bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 stand Benedikt XVI. selbst mehr als zwei Jahrzehnte lang dieser Vatikan-Behörde vor, die sich um die katholische Lehre und den Glauben kümmert. Gerhard Ludwig Müller kam am 31. Dezember 1947 in der Nähe von Mainz auf die Welt. Am 11. Februar 1978 wurde er in Mainz-Finthen durch Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht. 1986 dozierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München auf dem Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte. In der deutschen Bischofskonferenz ist Bischof Müller derzeit stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission, Vorsitzender der Ökumenekommission und Mitglied der Kommission „Weltkirche“. RV120702mg

Erzbischof Joseph Augustine De Noia OP aepJosephAugustineDeNoiaOP-  Piusbrüder offenbar weiter unschlüssig

   Die traditionalistische Piusbruderschaft ist offenbar weiterhin nicht bereit, die Bedingungen des Heiligen Stuhls für ihre volle Wiederaufnahme in die Kirche anzunehmen. In einem „vertraulichen" und „internen" Rundbrief, der aber im Internet kursiert, schreibt Generalsekretär Thouvenot, der Generalobere, Bischof Fellay, könne die „zuletzt vom Vatikan vorgelegte Version" des Einigungsdokuments nicht unterzeichnen. Das Anfang Juli tagende Generalkapitel der Piusbruderschaft soll nun über dieses Dokument und den gesamten Vorgang beraten. Es wird mit einem heftigen Streit über den nächsten Schritt gerechnet. Der Distriktobere der Bruderschaft in Deutschland, Schmidberger, wollte gegenüber dieser Zeitung wissen, dass „Leute im Vatikan" gebe, die entgegen dem Wunsch von Papst Benedikt XVI. „neuen Sand ins Getriebe" gestreut hätten. Doch bezeichnete Schmidberger es als ein „gutes Zeichen", dass der Papst den amerikanischen Erzbischof Joseph Augustine Di Noia zum Vizepräsidenten der Kommission „Ecclesia Dei" Foto ernannt hat. Diese Kommission ist unter dem Dach der Kongregation für die Glaubenslehre für den Dialog mit der Piusbruderschaft zuständig. Di Noia solle wohl die Sache im Sinne des Papstes voranbringen, mutmaßte Schmidberger. Der Sprecher das Vatikan, Lombardi, sagte hingegen der FAZ, der Papst sei in der Tat „für die Einigung, aber nur unter thelogisch klaren Bedingungen". Diese hätten sich nicht geändert. Der Dominikaner Di Noia  war bisher Sekretär der Sakramentenkongreegation.
   Thouvenot gibt in seinem im Internet kursierenden Schreiben vor, der Papst sei mit der Version des Lehrschreibens, die der Generalobere Fellay im April unterbreitet habe, einverstanden gewesen, Fellay hatte die „lehrmäßige Präambel", welche die Glaubenskongregation unter Kardinal Levada der Bruderschaft im September 2011 nach einem anderthalb Jahre währenden Dialog vorgelegt hatte an mehreren Stellen verändert und diese Version unterschrieben. Während der Papst die Fellaysche Fassung angeblich gutgeheißen habe, hätte Levada Mitte Juni eine „wieder um einige Monate zurückgedrehte" Textversion vorgelegt, welche die Bruderschaft „eindeutig nicht akzeptieren“ könne, so Thouvenot. Dies habe Fellay Levada sofort mitgeteilt.
   Nun muss das seit langem angekündigte Generalkapitel der Piusbruderschaft über den nächsten Schritt beraten. Zu diesem Treffen wurde nach Angaben von Thouvenot der Bischof der Bruderschaft Richard Williamson nicht eingeladen. Grund für den von Feilay verfügten Ausschluss Williamsons, der als Holocaust-Leugner bekannt geworden ist, seien dessen kritische Äußerungen über die Einigungsbemühungen. Williamson habe „zur Rebellion aufgerufen".
   Der Vatikan verlangt von der Piusbruderschaft die Anerkennung der lehramtlichen Positionen der Bischöfe und des Papstes seit dem II. Vatikanischen Konzil. Diese Forderung ist in der (unveröffentlichten) „lehrmäßigen Präambel" festgehalten, welche die Glaubenskongregation im September 2011 als Grundlage einer möglichen Aussöhnung formulierte hatte. Der Vatikan hatte die beiden ersten Antworten der Traditionalisten als „ungenügend" zurückgewiesen. So wollen sich die Piusbrüder nicht zu Glaubensfreiheit und zur Ökumene bekennen.
   Mitte Mai hatte die Glaubenskongregation über Fellays Version der Präambel beraten und dem Papst angeblich geraten, die Beratungen mit Fellay von den Verhandlungen mit den drei weiteren Traditionalistenbischöfen abzukoppeln, die zusammen mit Fellay 1988 ohne päpstliche Zustimmung von Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht worden waren; unter ihnen Williamson. Sollte es zu einer Übereinkunft zwischen Fellay und dem Vatikan kommen, dürfte sich die Piusbruderschaft über diesen Schritt spalten. Für die mit Rom versöhnten Piusbrüder soll dann eine Personalprälatur geschaffen werden, eine direkt dem Papst unterstellte Organisationsstruktur, wie sie derzeit nur für das Opus Dei besteht. FAZ120628jöb
Neuer Vatikan-Ansprechpartner für Piusbrüder
   Der Papst hat einen neuen Ansprechpartner für die Piusbrüder ernannt. Es handelt sich um den US- amerikanischen Kurienerzbischof Joseph Augustine Di Noia. Er ist zum Vizepräsidenten der Vatikankommission „Ecclesia Dei“ ernannt worden. Der Dominikaner Di Noia war bislang Sekretär der Kongregation für die Sakramentordnung. Künftig soll er im Auftrag des Präsidenten von „Ecclesia Dei“, des Präfekten der Glaubenskongregation, die Eini- gungsbemühungen mit der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. koordinieren und besonders auch die Bedenken jüdischer Gläubiger gegen eine Aussöhnung mit den Traditionalisten zerstreuen.
   Die Neuerrichtung des Amtes eines Vizepräsidenten unterstreiche die besondere pastorale Sorge von Benedikt XVI. für die traditionalistischen Katholiken, die bereits in Gemeinschaft mit Rom stehen, heißt es in einer Erklärung der Glaubenskongregation. Mit der Berufung eines hochrangigen Kurienleiters und erfahrenen Theologen in dieses Amt bekräftige der Vatikan zugleich den Wunsch nach einer Aussöhnung mit jenen traditionalistischen Gemein- schaften, die nicht in Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri stünden, so die Note der Glaubenskongregation. Die Kommission war 1988 für die Betreuung jener traditionalistischen Gläubigen gegründet worden, die den Bruch des Gründers der Piusbrüder, Erzbischof Marcel Lefebvre, mit Rom nicht mitvollziehen wollten. Die Kommission „Ecclesia Dei“ kümmert sich generell um die Belange von Gemeinschaften wie die traditionalistische, mit Rom verbundene Petrusbruderschaft. Sekretär der Kommission ist Monsignore Guido Pozzo. Rv120626KNAmg

 Der Konflikt mit den Piusbrüdern: Die Geschichte 

   Der Beginn des Konfliktes liegt im Zweiten Vatikanischen Konzil. Erzbischof Marcel Lefebvre Foto, Teilnehmer am Konzil, lehnt einige der beschlossenen Dokumente ab, vor allem das zur Religionsfreiheit. Er gründet deswegen 1969 die Bruderschaft Pius X., die zunächst auch kirchlich anerkannt wird. Diese Legitimation wird der Confraternitas aber 1975 von Papst Paul VI. wieder entzogen. Erzbischof Lefebvre wird als Bischof suspendiert, weiht aber weiterhin Priester.
   Einen ersten Schritt zur Heilung des Konfliktes macht 1984 Papst Johannes Paul II., indem er die alte Form des Ritus (fälschlicherweise oft „tridentinische Messe“ genannt) unter bestimmten Bedingungen wieder zulässt. Daran schließen sich Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der Bruderschaft an, bei denen Kardinal Joseph Ratzinger mit Lefebvre 1988 einen Kompromiss aushandelt. Diesen Kompromiss verwirft die Bruderschaft aber wieder, am 30. Juni werden vier Priester von Erzbischof Lefebvre entgegen kirchlichem Recht zu Bischöfen geweiht. Dadurch ziehen er und die Geweihten sich die Exkommunikation zu.
   In Folge dieses Bruchs gründet der Vatikan die Kommission Ecclesia Dei, die sich um diese Angelegenheit kümmert. Gleichzeitig versucht man, andere traditionalistische Gruppierungen in die Kirche zu integrieren.
   1991 stirbt Marcel Lefebvre. Als Nachfolger nimmt einer der von ihm geweihten – Bernard Fellay – die abgebrochenen Gespräche mit dem Vatikan wieder auf. 2000 wird Fellay erstmals vom Papst empfangen, 2005 empfängt ihn ebenfalls der neugewählte Papst Benedikt XVI.. Man wolle zu einer vollkommenen Gemeinschaft gelangen, heißt es nach dem Gespräch von Seiten des Vatikan.
   Um diese Gemeinschaft zu erleichtern, erlaubt der Papst 2007 mit dem Breve Summorum Pontificum die Feier der „außerordentlichen Form des Ritus“, also der Messe nach dem Messbuch von 1962, unter bestimmten Bedingungen.
   Seit 2008 bemüht sich die Bruderschaft um die Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe. Bernard Fellay schreibt der Kommission Ecclesia Dei und sichert eine Anerkennung von Amt und Lehre des Papstes zu.
   Am folgenden 21. Januar hebt die Bischofskongregation die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft Bernard Fellay, Richard Williamson, Bernard Tissier de Mallerais und Alfonso de Galarreta auf. Am 24. Januar wird diese Aufhebung öffentlich mitgeteilt. Fast gleichzeitig wird ein Interview mit einem der vier – Richard Williamson – im schwedischen Fernsehen gezeigt, in dem er die Gaskammern beim Holocaust leugnet.
   Am 10. März schreibt Papst Benedikt XVI. einen Brief an alle Bischöfe der Welt, in dem er die Aufhebung der Exkommunikation erläutert. Er spricht von Fehlern, die der Vatikan gemacht habe, aber betont gleichzeitig auch den Willen, weiterhin für die Überwindung des Schismas einzutreten.
   Im Oktober beginnen die Gespräche zwischen Piusbruderschaft und Vatikan, jeweils vier Teilnehmer besprechen die trennenden Auffassungen zu Fragen der Lehre.
   Im Mai 2011 präzisiert Papst Benedikt XVI. die Bestimmungen von Summorum Pontificium. Dort war angekündigt gewesen, nach drei Jahren eine Revision zu unternehmen. Das päpstliche Schreiben Universae Ecclesiae entscheidet offene Rechtsfragen und beauftragt die Bischöfe mit der Umsetzung der Bestimmungen.
   Nach zehn Gesprächen legt der Vatikan im September 2011 der Leitung der Bruderschaft eine so genannte „Lehrmäßige Präambel“ vor. Sie wird als Bedingung bezeichnet, um über eine kirchenrechtliche Wiederaufnahme der Bruderschaft in die Kirche sprechen zu können. Der Text wird als nicht verhandelbar bezeichnet, nur in einzel- nen Formulierungen könne man noch über Präzisierungen sprechen. Der Text selber wird nicht öffentlich gemacht.
  Eine erste Antwort der Bruderschaft vom Januar weist der Vatikan im März 2012 zurück, der Text reiche nicht aus, die Trennungen in den Auffassungen zur Lehre zu überwinden. Eine zweite Fassung wurde daraufhin von der Bruderschaft der Glaubenskongregation, der die Kommission Ecclesia Dei untersteht, übergeben.
   Im Mai äußerte der Obere der Bruderschaft, Bernard Fellay, sich in einem Interview über den Spagat, den seine Gemeinschaft machen müsse: Einerseits wolle man „nicht Selbstmord begehen“, andererseits sei man mit dem Wunsch des Papstes einig, die volle Gemeinschaft herzustellen. Es sei zu prüfen, ob die vom Vatikan „vorgeschlagenen Strukturen und Bedingungen gangbar sind“. Dies betreffe unter anderem liturgische Praktiken und Lehren der Gemeinschaft. RVord100614KNAdiverse

 Hier lesen Sie den Brief des Papstes an die Bischöfe der Weltkirche:

B-353xx

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!
   Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.
   Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, dass die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen und weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Dass diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, dass aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die - wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. - auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.
   Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, dass Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21. 01. 2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muss deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkom- munikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Dass die Bruderschaft Pius' X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unter- scheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.
   Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius' X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, dass die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbe- ziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das muss der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muss auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.
   Ich hoffe, liebe Mitbrüder, dass damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21. 01. 2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, dass ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmissverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ Lk 22,32. Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert:  „Seid  stets  bereit,  jedem  Rede und Antwort zu stehen,  der nach der Hoffnung fragt,  die in euch ist“ 1 Petr 3,15. In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott,  der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende Joh 13,1 - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus er- kennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, dass Gott aus dem Horizont der Menschen ver- schwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.
   Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, dass es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muss. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen - um die Ökumene - in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, dass alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen - der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muss das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika Deus caritas est gesprochen habe.
   Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen vgl. Mt 5,23f? Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positi-vem findet und sich ins Ganze einfügen lässt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so dass nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, dass sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?
   Gewiss, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlass viele Misstöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muss ich der Wahrheit wegen anfügen, dass ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, dass auch aus kirchlichen Kreisen Misstönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.
   Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, dass ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5,13-15 auslegen und kommentieren musste. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, dass wir auch nicht besser sind als die Galater? Dass uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Dass wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und dass wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia - unserer Lieben Frau vom Vertrauen - begangen. In der Tat - Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten - auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluss all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.
Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich
im Herrn Euer   Sign-B-
Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

   Der Vatikan hat 17. April 2012 eine Antwort des Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, erhalten. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardiauf Anfragen von Journalisten. Der Text werde nun von den zuständigen Stellen im Vatikan überprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt, heißt es in einem Communiqué der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“. Die der Glaubens- kongregation angegliederte Behörde ist für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständig. Über den Inhalt von Fellays Schreiben verlautete bislang nichts. Vor Journalisten sagte Lombardi:
   „In den nächsten Tagen bzw. Wochen wird sich die Glaubenskongregation konkret mit der Antwort der Piusbruderschaft beschäftigen und erst dann wird sich auch der Papst dazu äußern. Was man bereits sagen kann ist aber, dass der Vatikan eine Antwort erhalten hat, die anders lautet, als die, die vom Vatikan als nicht ausreichend bemängelt wurde. Da gibt es also Fortschritte. RV120716
  
Die InternetSite Domradio berichtet dazu:
  
Bischof Fellay betonte, dass "alle Unklarheiten unsererseits" aufgehoben worden seien. Die Piusbrüder bestehen aber weiterhin "auf der Bewahrung unserer Identität, was das einzige wirksame Mittel darstellt, um der Kirche zu helfen, die Christenheit zu erneuern". Die Traditionalisten könnten "kein Stillschweigen bewahren im Angesicht des allumfassenden Glaubensabfalles, auch nicht vor dem schwindelerregendem Zusammenbruch der Berufungen und des religiösen Lebens".
   Zugleich bekundete Fellay aber auch sehr deutlich den Willen zur Einheit mit der römisch-katholischen Kirche: "Wir sind Katholiken, wir anerkennen den Papst und die Bischöfe, müssen aber vor allem den Glauben unverändert bewahren, welcher Quelle der Gnade des lieben Gottes ist. Als Folge daraus muss man all das vermeiden, was ihn in Gefahr bringen könnte, ohne uns jedoch an die Stelle der katholischen, apostolischen und römischen Kirche zu setzen. Fern sei von uns die Idee, eine Parallelkirche zu begründen, die ein paralleles Lehramt ausübt." dr120717

cd-Karl-Josef-Becker-SJ-x Kardinal Becker: Einigung zwischen Vatikan und Piusbruderschaft wird „schwierig"

   Große Probleme für eine Einigung zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Piusbruderschaft sieht Kardinal Karl Josef Becker: „Beide Positionen zu verbinden, das ist schon schwer“, sagte der Jesuit im Interview der Kölner Kirchenzeitung. Er wirkte als Berater der Glaubenskongregation an den Verhandlungen mit der Piusbruderschaft mit. Papst Benedikt XVI. hat Mitte März die Piusbrüder aufgefordert, bis zum 15. April ihre Position zu klären und einen Bruch mit Rom zu vermeiden.
   „Am katholischen Glauben streichen wir nichts ab - aber die anderen muss ich auch versuchen zu verstehen“, betonte Becker. Er verwies auf eine Aussage des Gründers der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, dass mit Pius XII. (1939-1958) „alle Lehre und Disziplin in der katholischen Kirche festgelegt“ und „nichts mehr zu ändern und zu erneuern“ sei. Wenn ein Lefebvrianer sich daran halte, habe das Gespräch zwischen Vatikan und Piusbruderschaft keinen Sinn. Verhalte er sich anders, stehe er vor dem Dilemma: „Wie stehe ich zum Gründer meiner Bruderschaft?“ Darin sehe er das große Problem für die Priesterbruderschaft, so Becker. Der aus Köln stammende Jesuit und langjährige Hochschullehrer an der Gregoriana in Rom war im Februar zum Kardinal erhoben worden.
   Weiter betonte Becker, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) auch nach 50 Jahren noch nicht richtig begriffen worden sei. „Es ist nämlich ein Konzil von einer derartigen Neuigkeit, dass das am Schluss selbst den Bischöfen nicht ganz klar war“, so der Kardinal. Die bisherigen Konzilien hätten zu Katholiken gesprochen, das Zweite Vatikanum zu Christen und allen Menschen, gleich ob sie glauben oder nicht glauben oder welcher Religion sie angehören. „Was dies zur Bewertung der Konzilsaussagen bedeutet, scheint bislang noch nicht hinreichend bedacht worden zu sein“, sagte Becker. Um den wahren Kern des Konzils zu entdecken, müssen nach Ansicht des Theologen dessen Texte gelesen werden. Heute aber habe kaum jemand mehr Zugang zu den lateinischen Originaldokumenten. “Ich kann nur davor warnen, die Texte unter dem Blickwinkel bestimmter Wunschvorstellungen zu beurteilen“, so Becker. Bei der Interpretation seien Entstehungszeit und Intentionen der Konzilsväter zu berücksichtigen. RVpr120403kna

Pius-Bruderschaft optimistisch -
  Die traditionalistische Piusbruderschaft wähnt sich „unmittelbar vor der Einigung mit der Kurie" über ihre volle Reintegration in die römisch-katholische Kirche. Dies sagte der Distriktobere für Deutschland, Schmidberger, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine Gemeinschaft habe das von der Kurie gestellte Ultimatum eingehalten und sei auf ihre Fragen eingegangen. Die Piusbrüder wenden sich gegen zentrale Texte des II. Vatikanischen Konzils zur Religions- und Gewissensfreiheit sowie zur Liturgiereform. Im Vatikan hieß es zurückhaltend, die Antwort müsse erst geprüft werden. FAZ120414jöb

Pius-Brüder: „Die Vereinbarung steht unmittelbar bevor",
hatte zum Beispiel der Distriktobere für Deutschland, Franz Schmidberger, im März gegenüber der FAZ behauptet. Vorsichtiger klang dann am 18. April der Sprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, als er den Eingang der Antwort bekanntgab: Sie ist „anders als bisherige, die als unzureichend angesehen wurden. Sie geht weiter. Es gibt also Fortschritte; aber es gibt auch Vorschläge und Wünsche der Pius-Brüder, die sie für die Präambel stellen."
   Kasper weist auf einen Richtungsstreit innerhalb der Bruderschaft hin. Eine Mehrheit dränge jetzt wohl in die Mutterkirche zurück. Fellay müsse offenbar vermitteln. Der Generalobere hatte Mitte März nicht nur die unterschriebene und kommentierte „Präambel" nach Rom geschickt. Seine Priester erhielten auch einen Brief. Darin erinnerte Fellay sie nach einem Bericht der mitunter gutunterrichteten Zeitung „La Stampa" an die „Prinzipien", die die Bruderschaft in ihren Beziehungen zu Rom leiten. Entscheidend sei, dass von der Bruderschaft keine Zusicherungen verlangt würden, die den Glauben berühren und das, was sich davon ableitet; also Liturgie, Sakramente, Moral und Disziplin. Zudem müsse der Priesterbruderschaft „Freiheit und Aktionsautonomie" garantiert werden, die es ihr erlaubten, zu wirken und sich zu entfalten.
   Ein Katalog wie dieser hebele die „Präambel" aus, sagt Kardinal Kasper. „Aber ich habe Fellays Kommentar zu seiner Unterschrift noch nicht gelesen." Sollten Glaubenskongregation und Papst mit Fellays Antwort zufrieden sein, wird der Bruderschaft angeboten, als Personalprälatur in die katholische Kirche zurückzukehren. Der Generalobere Fellay würde als „Prälat" der Gemeinschaft vom Papst bestätigt werden. Ihm direkt und keinem Diözesanbischof wären dann er und seine Priester verantwortlich.
FAZ120509JörgBremer stark gekürzt aus: Internet:faz.net
Die Piusbruderschaft bleibt gegenüber Rom auf Konfrontationskurs.
   
Man wolle auch künftig „Irrtümer“ und „die Neuheiten“ des Zweiten Vatikanischen Konzils bekämpfen, heißt es in einem internen Schreiben, das vom Generalsekretär der Bruderschaft, Christian Thouvenot, unterzeichnet ist. Das Schreiben nennt weiters die Bedingungen, unter denen eine Einigung mit Rom möglich sei. Zur Bedingung mache die Bruderschaft unter anderem, dass ausschließlich die Liturgie von 1962 und die derzeitige sakramentale Praxis der Bruderschaft gelten sollen. Ferner beansprucht die Piusbruderschaft mindestens einen Bischof für sich selbst. Als wünschenswerte bzw. verhandelbare Bedingungen benennt das Schreiben eine eigene erstinstanzliche Gerichtsbarkeit, die Unabhängigkeit der Häuser der Piusbruderschaft von den Diözesanbischöfen sowie die Schaffung einer traditionalistischen päpstlichen Kommission unter lefebvrianischem Vorsitz und einer Mehrheit von lefebvria- nischen Mitgliedern. Ende Juli will die Piusbruderschaft in ihrer Zeitschrift „Cor Unum“ die Akten des jüngsten Generalkapitels veröffentlichen, wie es im Schreiben weiter heißt. Das Schreiben des Generalsekretärs ist an die Distriktoberen, die Seminare und die Häuser der Bruderschaft adressierte und bezieht sich auf das jüngst im Schweizerischen Econe zu Ende gegangenen Generalkapitel der Piusbruderschaft. RV120724kipa
Pius-Bruderschaft nicht einig über die Einheit mit Rom
   Der Leiter der von der Kirche abgespaltenen katholischen Gruppe spricht ungewöhnlich hoffnungsvoll über eine mögliche Versöhnung mit Rom, weiß aber auch um den internen Widerstand zu diesem Schritt, hält auch für möglich, dass sich eine Gruppe von der Bruderschaft dann trennen wird.
   Der Generalsuperior der Bruderschaft vom Heiligen Pius X. (SSPX) Bischof Bernard Fellay überdachte im Stammsitz der Gemeinschaft in der Schweiz über die letzten Ergebnisse der mehr als zweijährigen Gespräche mit dem Vatikan, die zur Wiederversöhnung mit dem Vatikan führen sollten.
   Die Bruderschaft trennte sich von Rom im Jahr 1988, als ihr Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre vier Bischöfe ohne die Zustimmung von Papst Johannes Paul II. weihte, als Protest gegen die Öffnung der Kirche zur Moderne nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962-65.
   Im April 2012 antwortete die Bruderschaft auf die „Präambel“ - einer schriftlichen Vereinbarung zu bestimmten Lehren der Kirche, unter Einschluss von Elementen der Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils - als Vorbedingung zur Wiederversöhnung. Die Antwort des Vatikans steht noch aus, aber der Direktor der vatikanischen Presseamtes sieht darin ein „Schritt nach vorn“.
   Die Bruderschaft steht aber nicht geschlossen hinter der Position des Generalsuperiors. Nach einer Veröffentlichung im Internet am 10. Mai 2012  warnten die anderen drei Bischöfe im April ihren Oberen Bischof Fellay, dass sie im Angebot des Vatikans, eine Personal-Prälatur für die Bruderschaft zu errichten, eine Falle sehen und drängte ihn, dazu „Nein“ zu sagen.
   „Es gibt einigen Widerspruch in der Gemeinschaft“, sagt Bischof Fellay. „Ich kann nicht ausschließen, dass es eine Abspaltung geben könnte.“ Bischof Fellay steht zu seiner positiven Haltung zum Angebot des Vatikans trotz des Widerstands einiger Mitbrüder. „Ich denke, dass der Schritt des Heiligen Vaters aufrichtig ist, weil er wirklich von ihm selbst kommt. Das sieht nicht nach einer Falle aus. Deshalb müssen wir uns das sehr genau ansehen, und wenn irgend möglich weiter gehen.“ Der Bischof warnte aber, dass beide Seiten bisher noch keine Übereinkunft erreicht haben und dass besondere Garantien vom Vatikan noch ausstehen. Erwartet werden Garantien zur liturgischen Praxis, den Lehren  und noch weiteren Bereichen der Bruderschaft.
   „Die Sache ist noch nicht gelaufen“, sagt Bischof Fellay. Wir wollen vernünftig verstehen, dass die vorgesehene Struktur und die Bedingungen tragfähig sind. Wir laufen nicht in einen Selbstmord, das ist klar.“ Obgleich er nicht so weit geht, die Interpretation durch Papst Benedikt XVI., das Zweite Vatikanische Konzils stehe in der Kontinuität der Tradition der Kirche anzuerkennen - eine Position, die viele in der Bruderschaft zur Disposition stellen - spricht Bischof Fellay über die Rückkehr in auffallend wohlwollenden Worten.  Auf die Frage, ob das Zweite Vatikanum zur katholischen Tradition gehört, antwortet Bischof Fellay: „Ich möchte es hoffen.“
   Zur Bestätigung der besonderen Beziehung der Kirche zum Judentum, sagt Benedikt XVI., dass der jüdisch- christliche Dialog „äußerst wichtig für die Zukunft der menschlichen Familie ist. In einer Welt der zunehmenden Bedrohung durch den Verlust der geistlichen und moralischen Werte, welche die Achtung vor der menschlichen Würde und dauernden Frieden garantieren“, Dialog, Freundschaft und Zusammenarbeit kann „ ein prophetische Zeugnis zur Kraft der Wahrheit Gottes, zur Gerechtigkeit und zur versöhnenden Liebe zum Wohl der gesamten Menschheit.“
   Der Papst spricht auch über das 50. Jubiläum der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober. Der Papst sagt: Nostra Aetate, die Erklärung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „bleibt die Grundlage und die Führung in unseren Bemühungen um ein besseres Verständnis, Respekt und Kooperation zwischen unseren beiden Gemeinschaften.“
   Das Dokument, sagt Benedikt, ist „nimmt nicht nur einen klaren Standpunkt gegen alle Formen des Anti- semitismus ein, sondern legt auch das Fundament für eine neue Bewertung zwischen der Kirche und dem Judentum und bringt auch das Vertrauen zur Anerkennung des gemeinsamen Erbes von Juden und Christen, die zu größerem Verständnis und beiderseitigen Respekt führen wird.“ CT120520 FrancisXRocca

Piusbrüder müssen Ja zur „neuen“ Messe sagen

   Der „Fall Williamson“ muss von der Frage einer eventuellen Annäherung zwischen katholischer Kirche und Piusbruderschaft abgetrennt werden. Das unterstreicht Msgr.Guido Pozzo Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ an der vatikanischen Glaubenskongregation, die für die Gespräche mit den Traditionalisten zuständig ist. Bei den Differenzen zwischen Lefebvrianern und der katholischen Kirche gehe es nicht um politische Ansichten, sondern um Fragen der Lehre und des Kirchenrechts, sagte Pozzo im Gespräch mit Radio Vatikan:
   „Der Fall von Msgr. Williamson ist ein Einzelfall, und es obliegt dem Oberen der Piusbruderschaft, ihn innerhalb der Bruderschaft zu behandeln, auch mit disziplinären Maßnahmen, wenn es die Umstände erfordern. Über die Positionen von Msgr. Williamson hat sich der Heilige Stuhl schon vor Zeiten mit absoluter Klarheit geäußert. Der Heilige Vater hat im Buch „Licht der Welt“, auch bestätigt, dass der Fall Williamson, soweit er die irrigen Erklärungen bezüglich des Holocaust betrifft, ein Fall für sich ist und vollkommen abgetrennt werden muss von der Frage der Beziehungen zwischen Piusbruderschaft und Heiligem Stuhl, die doktrinäre und kirchenrechtliche Probleme betreffen.“
   Die Gespräche mit der Piusbruderschaft finden im zweimonatigen Rhythmus statt. Sie sind von einem „positiven und konstruktiven“ Gesprächsklima getragen, sagte Pozzo. Die Lefebvrianer hätten eine weniger statische Vorstellung von Tradition als vielfach angenommen. In der Frage der Liturgie müssten sie sich allerdings noch zu einer Anerkennung der Messe nach den neuen Büchern durchringen.
   „Die Grundfrage, die die Piusbruderschaft beantworten muss, ist, ob die ordentliche Form des Römischen Ritus, die Paul VI. promulgiert hat, in sich gültig und legitim ist. Zu diesem Punkt darf es keine Zweifel und kein Zögern geben. Die Antwort muss unzweifelhaft „Ja“ sein.“ rv101202
Die Piusbruderschaft hat in den USA erneut Priesterweihen vorgenommen
  In ihrem Seminar in Winona im US-Bundesstaat Minnesota sind neun junge Männer zu Priestern geweiht worden, berichtete der Traditionalisten-Informationsdienst „DICI“. Unter ihnen sei außer US-Bürgern auch ein Schweizer. Vorgenommen habe die Weihen der spanische Bischof Alfonso de Galarreta. Für Deutschland hatte die Gemein- schaft die Weihe von drei Diakonen zu Priestern im bayrischen Zaitzkofen angekündigt. - Papst Benedikt XVI. hatte im Januar 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft, darunter de Galarreta, aufgehoben, um einen Dialog mit der Gruppierung zu beginnen. Seither fanden im Vatikan mehrere Gesprächsrunden mit Vertretern der Bruderschaft zur Klärung strittiger Lehrfragen statt. RV100620kipa
Papst rügt Piusbruderschaft.
  
Der Vatikan hat die jüngsten Priesterweihen der Piusbruderschaft als kirchenrechtlich verboten verurteilt und damit seine bisherige Haltung bestätigt. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte in den vergangenen Wochen insgesamt 20 Priester und 23 Diakone geweiht. Die Bruderschaft sei kirchenrechtlich nicht anerkannt; ihre Mitglieder übten daher keinen rechtmäßigen Dienst in der Kirche aus, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Solange die strittigen Lehrfragen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Gruppierung nicht geklärt seien, werde sich daran nichts ändern, sagte Lombardi. Die Gesprächsrunden zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan stellen sich aber als schwierig dar, weil sich die Bruderschaft nicht der päpstlichen Autorität beugen will.
FAZ110706jöbRV
Die Piusbrüder bestreiten, dass sie als Ziel der Gespräche mit dem Vatikan die Wiedervereinigung sehen
   Der Leiter der schismatischen Katholiken erwartet ein baldiges Ende der Gespräche mit Rom. Auf beiden Seiten sehen sie kaum eine Chance, aufeinander zuzugehen. Zusätzlich über den Streit über die vom 2. Vatikanischen Konzil eingeführten Änderungen sieht der Generalobere der Bruderschaft Bischof Bernard Fellay in der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. und in der Einladung Benedikt XVI. zu einem Gebetstreffen der Religionen in Assisi weitere Hindernisse, wie auf der Web-Site der Pius-Brüder zu lesen ist.
   Die Gespräche der Bruderschaft mit der katholischen Kirche waren 2009 von Papst Benedikt XVI. begonnen, um die seit 21 Jahren bestehende Trennung zu überwinden. Voraussetzung der vollen Gemeinschaft der Pius-Brüder mit der Kirche ist die „Anerkennung des kirchlichen Lehramtes, der Autorität des Papstes und des 2. Vatikanischen Konzils“.
   Nach Bischof Fellay sieht seine Gemeinschaft für die Gespräche andere Ziele: den Widerspruch zwischen der kirchlichen Lehre und der Praxis seit dem Zweiten Vatikanum deutlich zu machen. „Das ist das einzige Ziel, das wir verfolgen”, sagt der Generalobere, und sieht im Dialog mit dem Vatikan nicht die Suche nach einem Kompromiss, sondern die „Frage nach dem Glauben“. „Ist das 2. Vatikanum wirklich ein Stein des Anstoßes? Für uns ganz sicher: Ja! Weil das Konzil bisher stets tabuisiert wird, ist eine Heilung von der Krankheit – das ist von der Krise der Kirche – fast unmöglich.“

U-epBernhardFellayFSSPX-z   Erzbischof Bernhard Fellay FSSPX  

   Bischof Fellay hätte die dogmatischen Argumente der Bruderschaft schriftlich dem Vatikan übergeben, worüber dann auch theologisch diskutiert wurde. „Es geht uns ausschließlich darum, den katholischen Glauben in Rom verständlich zu machen.“ Auf die Frage, ob die Teilnehmer des Vatikans im Licht der Gespräche ihre Meinung geändert hätten, sagt der Bischof: „Ich denke nicht, dass man das sagen kann.“ Die letzten Ereignisse im Vatikan hätten alle Illusionen auf einen Fortschritt beendet. „Ich denke dabei an die Seligsprechung von Johannes Paul II. oder das interreligiöse Treffen in Assisi in Fortführung der Begegnungen 1986 und 2002.“ Die Seligsprechung des letzten Papstes am 1. Mai „schafft ein ernstes Problem für dieses Pontifikat, das „entlang einer progressiven Linie in die falsche Richtung führt, hin zu dem, was man ‚den Geist des 2. Vatikanums“ nennt“. Für den Generaloberen bleibt es ein Geheimnis, wie Benedikt XVI. zu einem weiteren interreligiösen Treffen im Oktober nach Assisi einladen könne. Die Bruderschaft hatte bereits das 1. Treffen vor 25 Jahren äußerst scharf kritisiert. Jegliche religiöse Akte während dieses Treffen seien absurd, wegen der radikalen Verschiedenheit der Religionen.
   Nach Meinung von Bischof Fellay sehe es auch der Papst als „unmöglich“ an, dass Anhänger verschiedener Religionen zusammen beten. „Ich finde, dass der Papst Haarspalterei betreibt, wenn er versucht Assisi zu rechtfertigen.“ Vielleicht stehe Benedikt aber auch unter „Pressionen“, oder er reagiert auf die jüngste Gewalt gegen Christen. Auf die Frage, was katholische Christen denn tun könnten im Hinblick auf das Treffen in Assisi, sagt Bischof Fellay: „Betet, dass der gute Gott in der einen oder anderen Weise dazwischen greift, damit das interreligiöse Treffen nicht stattfinden kann. In jedem Fall ist es Zeit, noch umzukehren!“
   Der Generalobere lobt den Papst für sein Schreiben im Jahr 2007, das die Behinderungen des sogenannten Tridentinischen Ritus des Heiligen Messe aufgehoben hat, meint aber, dass die Wirkung ausgeblieben sei, wegen der „massiven Opposition der Bischöfe“.
   Papst Benedikt ebnete den Weg für die Gespräche mit der Bruderschaft im Jahre 2009. Dazu hob er die Exkommunikation der vier im Widerspruch gegen den Papst geweihten Bischöfe der Pius-Brüder auf. Von Seiten des Vatikans soll der Dialog zur vollen Gemeinschaft mit den Mitgliedern der Gemeinschaft führen, die von Erzbischof Mrcel Lefebvre gegründet wurde. Der Vatikan stellt in die Mitte der Gespräche: Den Begriff der Tradition, das 2. Vatikanische Konzil in Übereinstimmung mit der katholischen Lehre, die Einheit der Kirche, den Ökumenismus, die Beziehungen zu christlichen Gemeinschaften und nicht-christliche Religionen und die Religionsfreiheit.
CT110306JohnThavis
Piusbrüder wollen Konzil nicht anerkennen
   Der Generalobere der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, hat eine Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch seine Gemeinschaft ausgeschlossen. „Wenn ihr Ziel immer noch die Anerkennung des Konzils durch die Bruderschaft ist, dann waren die Diskussionen klar genug um zu zeigen, dass wir nicht die Absicht haben, diesen Weg einzuschlagen", sagte Fellay laut der jetzt im Internet veröffentlichten Mitschrift einer Konferenz in Frankreich. Fellay schloss Zugeständnisse der Priesterbruderschaft an den Vatikan aus, wenn dadurch die Prinzipien seiner Gemeinschaft in Gefahr gerieten. „Wozu würde es nutzen, irgendeinen Vorteil zu erhalten, wenn dadurch der Glaube aufs Spiel gesetzt würde?", fragte der Generalobere. Fellays Äußerungen wurden vom französischen Distrikt der Priesterbruderschaft auf seiner Internetseite veröffentlicht. Es handelt sich um die Mitschrift einer Konferenz, die der Generalobere bereits Mitte August im französischen Saint-Malo gab. Vom deutschsprachigen Distrikt der Piusbruderschaft war keine Stellungnahme zu erhalten. DT110910

       Kardinal Brandmüller: „Nostra Aetate nicht dogmatisch bindend“    cdWalterBrandmüller-z 

   Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller hofft auf eine Rückkehr der schismatisch orientierten Piusbruderschaft zur römisch-katholischen Kirche. Das sagte er am 14. Mai 2012 Radio Vatikan in Rom. Der frühere vatikanische Chef-Historiker stellte vor Journalisten ein Buch über das Zweite Vatikanische Konzil vor; dabei sagte er:
   „Wir hoffen, dass der Versuch des Heiligen Vaters, die Kirche zu einen, gelingt – auch mit Blick auf die Lefebvrianer. Es ist die Historizität jedes Konzils, die einen Ausgangspunkt für einen fruchtbaren Dialog mit den Lefebvrianern darstellt. Wenn wir uns über den unterschiedlichen kanonischen Charakter der verschiedenen Konzilsdokumente klarwerden, sehen wir, ob sich eine Tür öffnet für eine Fortsetzung des Dialogs über das rechte Verständnis der verschiedenen Dokumente. Es gibt einen großen Unterschied etwa zwischen den großen Konstitutionen, z. B. Sacrosanctum Concilium, Dei Verbum oder Lumen Gentium und den einfachen Erklärungen des Konzils...“
   Brandmüller reagierte mit diesen Worten auf die Frage einer Journalistin. Weiter führte er aus: „Seltsamerweise haben die beiden umstrittensten Texte, nämlich Nostra Aetate und Dignitatis Humanae, nach der Einschätzung meines verehrten Professors in Kirchenrecht Klaus Mörsdorf, keinen lehrmäßig bindenden Inhalt. Also kann man darüber reden! Und um die Wahrheit zu sagen: Ich verstehe unsere Freunde von der Piusbruderschaft nicht, die sich fast ausschließlich auf diese beiden Texte konzentrieren. Es tut mir leid – denn das sind die am einfachsten zu akzeptierenden Texte, auch wenn wir ihre kanonische Natur bedenken!“
   Mörsdorf war Ordinarius für Kirchenrecht in München, wo er 1989 starb. Nostra Aetate und Dignitatis Humanae sind beides Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils; in der ersten geht es um das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum, in der zweiten um Menschenwürde und Menschenrechte. Auf die Nachfrage eines Journalisten, wie verbindlich diese Konzilserklärungen für einen Christen denn nun seien, erklärte Kardinal Brandmüller:
 „Natürlich muss man sie ernstnehmen, als Ausdruck des lebendigen Lehramts! Aber ohne die ganze Kirche binden zu wollen, damit sie diese Formel akzeptiert, in der sie sich befinden.“
   Brandmüller war von 1998 bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften; Papst Benedikt machte ihn 2010 ehrenhalber zum Kardinal. Die Piusbruderschaft zweifelt nicht nur an Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern geht auch in der Liturgie einen Sonderweg. Die vatikanische Glaubenskongregation hat den Piusbrüdern im September 2011 eine „Lehrmäßige Präambel“ überreicht; nur wenn sie diesen Text ohne Vorbehalte akzeptieren, können die Anhänger des verstorbenen schismatischen Erzbischofs Marcel Lefebvre wieder zurück in den Schoß der römischen Kirche.
    Einen deutlich anderen Akzent als Brandmüller hat Kardinal Kurt Koch unlängst gesetzt. Bei einem Festakt am 16. Mai 2012 in Rom sprach der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates über Nostra Aetate. Dabei stellte er klar, dass die Konzilsdokumente, einschließlich Nostra aetate mit seinen Aussagen zu Kirche und Judentum, für alle Katholiken bindend seien. Man könne nicht Katholik sein, ohne das Zweite Vatikanische Konzil und die daraus folgende kirchliche Lehre zu akzeptieren. „Denn alle Dokumente, Dekrete und Konstitutionen des Konzils sind für jeden Katholiken bindend“, so der Kardinal wörtlich. Koch ist der Vatikanverantwortliche für den Dialog mit dem Judentum. Seine wesentlichen Aussagen wurden auch von der Vatikanzeitung „L`Osservatore Romano“ wiedergegeben. RV120522sk

Msgr. David Jaeger: „Verweigerer des II. Vatikanischen Konzils sind nicht katholisch“  kip-Msgr.DavidJaeger-Rota

   Die Lehre des II. Vatikanums besonders über das Judentum und andere Religionen gründet in der überlieferten christlichen Theologie und in der Heiligen Schrift. Die katholische Kirche sollte nicht denen entgegenkommen, die die Lehre der Kirche nicht annehmen”, sagt ein in Israel geborene Franziskaner, einem Richter am Berufungsgericht Rota.
   Msgr. David Jaeger ofm, Richter an der römischen Rota, nennt die Tendenz Besorgnis erregend „hier und da im Katholizismus nachsichtig auf vereinzelte unbedeutende Gruppen zu sehen, die medienwirksam die Lehren des II. Vatikanischen Konzils verurteilen, darunter die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen Nostra Aetate
   Msgr. Jaeger, der in einer jüdischen Familie aufwuchs, hielt jetzt einen Vortrag über die Konzilserklärung Nostra Aetate auf einer Konferenz in der römischen Universität „Heilig Kreuz“ von der Prälatur Opus Dei. „Oft wird dar- gestellt, als lehre das Konzil hier etwas völlig Neues“, sagt er. Was Nostra Aetate lehrt „stimmt vollkommen überein mit den meisten alten Erkenntnissen der christlichen Theologie“, und bestätigt: „Es gibt in anderen Reli- gionen in einzelnen Fällen Elemente der Wahrheit und Heiligkeit.“ „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Le- bensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ Jo 14,6, in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat vgl. 2 Kor 5,18- 19“.„Katholisch sein heißt, aufmerksam zu sein für das Wahre und Heilige, das Schöne und Gute, dass sich in unterschiedlichsten Religionen zeigen kann.“
   Darüberhinaus betont das Dokument, dass die besondere Stellung des Judentums „schon vom heiligen Paulus ausführlich gdargelegt wird, besonders im Römerbrief.“
   Das Konzilsdokument erklärt die „Lehre der Kirche vom Judentum, der einzigen Religion, die ihre Wurzeln in der biblischen Offenbarung hat, obwohl wie Christus nicht kennt. Deshalb kann die Kirche das Judentum nicht einfach als ‚nichtchristliche Religion‘ ansehen, sondern schreibt ihr eine besondere Stellung zu“, sagt Msgr. Jaeger.
  Offensichtlich motiviert von den Schrecken des Holocaust, aber auch durch Jahrhunderte des Unrechts und der Verfolgung der Juden „durch jene, die sich selbst Christen nannten und glaubten, sie könnten deshalb ihre Grausamkeiten rechtfertigen, verurteilt die Erklärung diese Handlungen aufs schärfste. Der Nachweis für die Wirkung von Nostra Aetate liegt darin, dass es merkwürdig erscheint, das dies erst heute gesagt wird. Wir müssen die Gelegenheit ergreifen, die tiefe Hoffnung auszudrücken, dass jenen keine Nachsicht gewährt wird, die nicht die Lehren des Konzils annehmen und sich mit Fälschungen, mit Scheinzustimmung durch offensichtliche verbale und mentale Vorbehalte geen die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils im allgemeinen und zu Nostra Aetate im besonderen stellen.“ CT120513CindyWooden

In Vorträgen hat Kardinal Avery Dulles ... Foto     cdAveryRobertDullesSJ

  ... die seiner Ansicht wesentlichsten Irrtümer in der Interpretation des II. Vatikanum in zwölf Punkten zusammengefasst. Seine wichtigsten Richtigstellungen:
Das Konzil lehrt, dass das Heil in keinem anderen Namen gefunden wird als im Namen Jesus.
   Dem Konzil wird nachgesagt, es habe nichtchristlichen Religionen zuerkannt, dass sie Offenbarungscharakter enthalten und zum Heil führen können.
Anders aber: Ad Gentes Nr. 9, Gaudium et spes Nr. 10, Dignitatis humanae Nr. 1, Lumen gentium Nr. 16
Die Heilige Schrift ist inspirierter und bevorrechtigter Niederschlag der Überlieferung und nicht eine unabhängige und separate Norm.
   Dem Konzil wird nachgesagt, das Konzil habe der Heiligen Schrift vor der Tradition den Vorrang eingeräumt.
Anders aber Dei Verbum insbesondere Nr. 9.
Es wird gelehrt, dass die Offenbarung in Jesus Christus abgeschlossen ist und dass keine weitere öffentliche Offenbarung vor dem Ende der Zeit, wenn Christus wiederkommt in Herrlichkeit, erwartet wird.
   Dem Konzil wird nachgesagt, es messe den “Zeichen der Zeit” normativen Charakter für den Inhalt der Offenbarung heute bei. Das Gegenteil ist der Fall, siehe insbesondere Gaudium et spes, Nr. 4.
In Wirklichkeit lehrt das Konzil, dass Glaube und Taufe notwendig sind zum Heil, und dass, weil die Taufe die Tür zur Kirche ist, auch die Kirche notwendig ist.
   Dem Konzil wird nachgesagt, es habe auf die Heilsnotwendigkeit der Kirche verzichtet und den Absolutheitsanspruch der wahren Religion preisgegeben. Lumen gentium Nr. 14-16 spricht aber anders. wikipedia

Beratungen über die Piusbruderschaft

   Die Glaubenskongregation hat am 16. Mai 2012 über die Piusbruderschaft beraten. Bei der ordentlichen Sitzung des Gremiums sei es auch um die traditionalistische Bruderschaft, insbesondere das Antwortschreiben deren Oberen, Bernard Fellay, vom 17. April 2012 gegangen. Das teilte das Presseamt des Heiligen Stuhles im Anschluss an die Sitzung mit. Dazu habe die Glaubenskongregation einige Beobachtungen formuliert, die in die weiteren Gespräche mit der Bruderschaft mit einfließen würden, heißt es in der Vatikanmitteilung weiter.
   Der Fall der drei Mitbischöfe Fellays werde im Folgenden „separat und im Einzelnen“ behandelt werden, so die Mitteilung weiter. Die drei Bischöfe sollen versucht haben, ihren Oberen von einer Einigung mit dem Vatikan abzuhalten. Das geht aus einem in diesen Tagen per Indiskretion veröffentlichten Briefwechsel hervor, der durch die Medien ging. Das Ergebnis der Beratungen werden über den Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, an Papst überbracht, berichtete die Katholische Nachrichtenagentur KNA. Papst Benedikt XVI. muss dann über eine mögliche Wiedereingliederung der Priesterbruderschaft St. Pius X. in die katholische Kirche entscheiden. Wann und wie der Papst dazu entscheiden wird, ist offen. An den Beratungen der Glaubenskongregation nahm laut KNA auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller teil.  RVpr120516kna
  
In einem ebenso privaten Antwortschreiben forderte Feilay die drei Mit-Bischöfe auf, das Angebot des Papstes nicht „aus Mangel an Realismus" auszuschlagen. Der Generalobere warnte sie davor, den Weg eines tatsächlichen Schismas einzuschlagen: „Wenn man euch liest", schrieb Feilay, „so fragt man sich ernsthaft, ob ihr noch glaubt, dass die sichtbare Kirche, deren Sitz in Rom ist, die Kirche Unseres Herrn Jesus Christus ist." Diese Kirche sei zwar entstellt, aber sie sei doch eine Kirche, „die unseren Herr Jesus Christus als Haupt" habe. „Ist Papst Benedikt XVI. für euch noch der legitime Papst?", fragte Fellay die drei Bischöfe.
   Beobachter gehen davon aus, dass es bei einer Einigung Feilays mit dem Vatikan zu einer Spaltung der Piusbruderschaft kommen wird. DT120519GuidoHorst

Papst Benedikt XVI.: „Hoffe auf volle Gemeinschaft mit Piusbrüdern“   B-430cs-

   Der Papst hofft auf Fortschritte beim theologischen Gespräch mit den Traditionalisten. Vor den Mitgliedern der Glaubenskongregation, die derzeit ihre Vollversammlung hält, ging Benedikt auf den Dialog mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft ein, den er vor einem Jahr mit einer heftig umstrittenen Geste eingeleitet hatte. Der Dialog ist seit einigen Monaten bei der Glaubenskongregation angesiedelt. Papst Benedikt:
   „Zu erreichen, dass alle Christen ein gemeinsames Zeugnis für den Glauben geben – das ist die Priorität der Kirche zu jeder Zeit, um alle Menschen zu Gott zu führen. In diesem Geist vertraue ich vor allem auf den Einsatz Eurer Behörde, damit die lehrmäßigen Probleme überwunden werden, die noch bestehen, so dass sich eine volle Kirchengemeinschaft der Bruderschaft St. Pius X. erreichen lässt.“
   Ein vergleichbares Engagement wünsche er sich auch mit Blick auf Anglikaner, die die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche suchen, so Benedikt. Für sie hat er im letzten Herbst eigene kirchliche Strukturen geschaffen:
   „Die treue Anhänglichkeit dieser Gruppen an die Wahrheit, die von Christus kommt und vom Lehramt der Kirche verkündet wird, steht in keiner Weise in Widerspruch zur ökumenischen Bewegung, sondern zeigt vielmehr ihr letztes Ziel. Es besteht darin, zur vollen und sichtbaren Gemeinschaft der Jünger des Herrn zu gelangen.“ rv100115

Vatikan legt den Piusbrüdern Forderungskatalog vor

   Die Verhandlungen zwischen Heiligem Stuhl und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. sind an einen kritischen Punkt gelangt. Der Vatikan knüpft eine eventuelle Wiederaufnahme der Lefebvrianer in die katholische Kirche an klare Bedingungen. Der Forderungskatalog wurde jetzt an der Glaubenskongregation dem Leiter der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, ausgehändigt. Das steht in einer Mitteilung des vatikanischen Presseamtes.
   Acht Treffen hat es zwischen Vertretern der Piusbruderschaft und des Heiligen Stuhles zwischen Oktober 2009 und April 2011 gegeben. Über die Inhalte wurde jeweils Stillschweigen vereinbart. In der Mitteilung heißt es aber, die Gespräche hätten ihr Ziel erreicht, nämlich „die wechselseitigen Positionen und Begründungen zu klären“. Es ging darum, „die grundlegenden lehramtlichen Schwierigkeiten über umstrittene Themen“ zu vertiefen. Um welche Themen es sich handelt, bleibt in der Mitteilung offen, ist aber Beobachtern aus zahlreichen Stellungnahmen u.a. der Piusbruderschaft selbst klar. So geht es beispielsweise um die Gültigkeit der Messe nach den neuen Büchern oder die Anerkennung der katholischen Lehre zu Ökumene und Religionsfreiheit.
   Selbst wenn man „die Sorgen und Eingaben“ der Bruderschaft bezüglich der Einheit des katholischen Glaubens berücksichtige, so halte die Glaubenskongregation für die volle Aussöhnung mit dem Apostolischen Stuhl es doch für unerlässlich, dass die Piusbruderschaft sich bestimmte theologische Standpunkte zu eigen macht. Die Vatikanmitteilung spricht wörtlich von der „Akzeptanz des Textes der Doktrinalen Präambel, die bei dem Treffen am 14. September 2011 übergeben wurde. Diese Präambel formuliert einige lehramtliche Prinzipien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche … zu garantieren“. Gleichzeitig lasse die Präambel aber die theologische Erklärung einzelner Ausdrücke oder Formulierungen aus den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden Lehramtes für eine „legitime Diskussion“ offen. Das bedeutet, dass die Traditionalisten aus Sicht des Heiligen Stuhles den unverhandelbaren Lehren der katholischen Kirche grundsätzlich zustimmen müssen, begriffliche Fragen aber zweitrangig sind.
   Kommt es zu einer „eventuellen und erwünschten Versöhnung“, dann können die Lefebvrianer zur Einheit mit Rom zurückkehren. Für den Fall nämlich, dass die Piusbruderschaft den vatikanischen Forderungskatalog unterschreibt, stellt die Glaubenskongregation ihr einen rechtlichen Status innerhalb der katholischen Kirche in Aussicht. Welche Lösung das konkret ist, bleibt in der Mitteilung offen. Beobachter hielten in der Vergangenheit die rechtliche Form einer Personalprälatur nach dem Modell „Opus Dei“ oder die Errichtung eines Ordinariats für möglich, wie der Heilige Stuhl es jüngst für anglikanische Gläubige eingerichtet hatte.
   Die Antwort der Piusbruderschaft auf den vatikanischen Forderungskatalog wird in wenigen Monaten erwartet, erklärte Vatikansprecher P. Federico Lombardi vor Journalisten. Zu dem Gespräch an der Glaubenskongregation waren neben Fellay seine zwei wichtigsten Mitarbeiter geladen, Niklaus Pfluger und Alain-Marc Nely. Von vatikanischer Seite nahmen der Präfekt und der Sekretär der Kongregation, Kardinal William Levada und Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer teil, außerdem der Sekretär der zuständigen Kommission „Ecclesia Dei“, Guido Pozzo. RV110914gs
  
Die Führung der schismatisch orientierten Piusbruderschaft hat in Albano bei Rom über einen Forderungskatalog der vatikanischen Glaubenskongregation beraten. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Ein Statement erklärt, die Gemeinschaft wolle dem Vatikan „in einem verantwortlichen Zeitraum“ die Antwort übermitteln. Von dieser Antwort wird es abhängen, ob sich die traditionalistische Gruppe wieder an die römisch-katholische Kirche annähert oder ob sie die Brücken abreißt. Der Leiter der Piusbrüder, Bernard Fellay, stellte in Albano hinter verschlossenen Türen die Doktrinelle Präambel vor, die ihm Kardinal William Levada von der Glaubenskongregation überreicht hatte. Auch dieser Text ist nicht öffentlich bekannt; der Vatikan hat nur mitgeteilt, dass er „Lehrprinzipien und Interpretationskriterien“ auflistet, die die Piusbrüder akzeptieren müssen. Erst dann könnten sie 23 Jahre nach dem schismatischen Akt ihres verstorbenen Gründers Erzbischof Marcel Lefebvre wieder in die Kirche integriert werden. Das Statement der Piusbrüder erklärt, die Studie des vatikanischen Forderungskatalogs werde jetzt im Generalrat der Bruderschaft fortgesetzt. R111008
  
Eine Antwort der Piusbruderschaft  zur doktrinellen Präambel wurde zu Beginn dieses Jahres im Vatikan überreicht. Über den Inhalt liegen bisher keine Informationen vor. 120123kbwn
Verbindlichkeit des Konzils steht nicht in Frage
   Die Verbindlichkeit der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils steht nach den Worten des römischen Theologen Fernando Ocariz nicht in Frage. In den Konzilsdokumenten fänden sich „viele Aussagen streng lehrmäßiger Natur“, schreibt der Generalvikar der Personal-Prälatur Opus Dei in einem Beitrag der vatikanischen Tageszeitung „Osservatore Romano“. Die pastorale Ausrichtung der Bischofsversammlung bedeute keineswegs, dass diese „nicht doktrinell“ sei, so der Theologe, der seit 2009 auf vatikanischer Seite an den Dialogtreffen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft teilgenommen hatte.  Die pastoralen Aspekte gründeten vielmehr auf der Lehre, die auf das Heil ausgerichtet sei, dessen Verkündigung ein wesentlicher Bestandteil der Pastoral sei.
   Auch wenn das Reformkonzil keine Lehre „kraft des Charismas der Unfehlbarkeit“ verkündet habe, bedeute dies nicht, dass die Aussagen deshalb „fehlbar“ seien, ergänzte Ocariz. Die Äußerungen dürften von Katholiken nicht bloß als „vorläufige Lehre“ oder „gewichtige Meinung“ betrachtet werden, sondern müssten wie jede „Äußerung des authentischen Lehramtes“ angenommen werden. Eine authentische Auslegung der Konzilstexte könne nur durch das Lehramt der Kirche selbst erfolgen, betonte er.
   Die Bedeutung des Vatikanum stand bis Mai 2011 im Mittelpunkt von Fachgesprächen der Kurien-Kommission Ecclesia Dei mit Vertretern der seit 1988 von Rom abgespaltenen Priesterbruderschaft St. Pius X. RVkna111202ord

u-epAlfonsoDeGalaretta-xu-MissaTrid-z

   Der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernd Fellay, hat erklärt, seine Gruppe werde den vom Vatikan erstellten Forderungskatalog ausführlich beraten. Fellay war zu Gesprächen an der römischen Glaubenskongregation gewesen und bekam bei der Gelegenheit eine „Lehrmäßige Erklärung“ überreicht. Diese muss die Piusbruderschaft akzeptieren, ehe es zu einer Wiedereingliederung in die katholische Kirche kommen kann.
   Der Inhalt der Erklärung bleibt vertraulich, sagte Fellay. Er könne aber sagen, dass der vatikanische Text für eine mögliche Interpretation des II. Vatikanischen Konzils nicht unterscheide zwischen unantastbaren, dogmatischen Konzilsbeschlüsse einerseits und einer bloß pastoralen Dimension andererseits. Diese Unterscheidung hatten etliche an einer Aussöhnung interessierte Fachleute vorgeschlagen, weil die Piusbruderschaft bestimmte Ergeb- nisse des Konzils nicht anerkennt. Fellay sagte weiter, dass der Vatikan eine „legitime Diskussion“ über die theo- logische Erklärung bestimmter Formulierungen in den Texten des Konzils ausdrücklich nicht ausschließt. Für eine Debatte über die rechtliche Form einer Wiedereingliederung in die katholische Kirche sei es jedenfalls zu früh, so Fellay. RVpm110915
Piusbrüder uneins - Britischer Distriktoberer gegen „Lehrmäßige Präambel“
  
Die traditionalistische Piusbruderschaft hat bislang nicht zu einer einheitlichen Haltung gegenüber dem Versöh- nungsangebot des Papstes gefunden. Darauf deutet ein im Internet veröffentlichtes Schreiben des Distriktoberen von Großbritannien, Morgan, hin. Während es im Vatikan heißt, der Generalobere der Bruderschaft, Fellay, neige dazu, die Bedingungen des Papstes für eine volle Rückkehr in die Kirche anzunehmen, heißt es in dem Schreiben Morgans, die von der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre zur Annahme vorgelegte „Lehrmäßige Präambel" enthalte alle Elemente, welche die Piusbruderschaft seit je ablehne. Alle Oberen der Piusbruderschaft, die sich im Oktober in Albano bei Rom trafen, hätten daher „im Konsens" festgestellt, dass die „Lehrmäßige Präambel" des Vatikans „eindeutig inakzeptabel" sei. Die Zeit sei daher nicht reif, um Gespräche über eine organisatorische Eingliederung der Piusbruderschaft in die Kirche fortzusetzen, schreibt Morgan.
   Im Vatikan heißt es dagegen, die Zusammenkunft von Albano habe nicht zum Konsens geführt. Jetzt wolle offenbar eine Gruppe per Internet ihren Kurs durchsetzen. In der Erklärung der Piusbruderschaft nach dem Treffen hatte es nur geheißen, man wolle „in einem vernünftigen Zeitraum" eine Antwort auf die vatikanischen Vorschläge präsentieren. Zuvor sollten der Fellay mit seinen beiden Assistenten Pfluger und Dely das Dokument der Glaubenskongregation noch einmal prüfen. Die „Präambel" hatte der Präfekt der Glaubens- kongregation, Kardinal Levada,  nach einem eineinhalbjährigen Dialog formuliert und Fellay im April mit der Bitte um Zustimmung übergeben. Streitpunkte sind das Zweite Vatikanische Konzil, vor allem wegen seiner Aussagen über Ökumene, Religionsfreiheit und dem interreligiösen Dialog, sowie die vom Konzil eingeleitete Liturgiereform, welche die Piusbrüder ablehnen. FAZ111103jöb
Internet-Mitteilung der Leitung der Pius-Brüder
  
Zur Zeit kursieren Gerüchte im Internet, die Priesterbruderschaft St. Pius X. würde "eine Einigung mit Rom ablehnen". Der Grund ist ein Rundschreiben des englischen Distriktoberen, Pater Paul Morgan, das gestern für kurze Zeit im Internet zu lesen war, in dem er ähnliches behauptet haben soll.
   Weil diese Meldung mittlerweile von Zeitungen und Agenturen aufgegriffen wurde, hat das Generalhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Menzingen (Schweiz) reagiert und folgende kurze Notiz veröffentlicht:
   Seit dem Treffen der Oberen der Seminare und Distrikte der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Albano (Italien) am 7. Oktober 2011 erschienen verschiedene Kommentare in der Presse bezüglich der Antwort, welche Bischof Bernard Fellay auf die römischen Vorschläge vom 14. September 2011 geben wird.
   Es wird daran erinnert, dass allein das Generalhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. berechtigt ist, ein offizielles Kommuniqué oder einen autorisierten Kommentar bezüglich dieser Thematik zu veröffentlichen.
Bis weitere Informationen erscheinen, gilt die Pressemitteilung vom 7. Oktober 2011. Menzingen, 2. Nov. 2011.

KK-ProfHansMaier-x        Prof. Dr. Hans Maier: “Religionsfreiheit”

 Prof. Dr. Hans Maier: Der Kampf um die Religionsfreiheit im Zweiten Vatikanischen Konzil

   Das Zweite Vaticanum in seiner «Erklärung über die Religionsfreiheit»(1965) feierlich das Recht der Person und der Gemeinschaften auf gesellschaftliche und bürgerliche Freiheit in religiösen Dingen verkündet. Dies geschah im Bewusstsein der Tatsache, «dass alle Völker immer mehr eine Einheit werden, dass Menschen ver-schiedener Kultur und Religion enger miteinander in Beziehung kommen und dass das Bewusstsein der eigenen Verantwortlichkeit im Wachsen begriffen ist. «Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf Religionsfreiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von Seiten einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen wie von jeglicher menschlicher Gewalt, so dass in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen — innerhalb der gebührenden Grenzen — nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf Religionsfreiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird. Dieses Recht der menschlichen Person auf Religionsfreiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, dass es zum bürgerlichen Recht wird.»
   Die Erklärung über die Religionsfreiheit setzt einen neuen Akzent im Verhältnis der katholischen Kirche zur modernen Welt. Sie bringt die lange und schmerzvolle Auseinandersetzung mit den modernen Freiheitslehren und -ansprüchen zu einem vorläufigen Abschluss. Darin bildet sie ein epochemachendes Ereignis in der Geschichte der Kirche. Nicht zufällig sah der Konzilsberater Joseph Ratzinger in der Erklärung «das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära».
  Die Diskussion über die Religionsfreiheit beim Konzil war begleitet von einer neuen Wahrnehmung der angelsächsischen Welt und der in ihr entwickelten demokratischen Formen durch die katholische Kirche. So hatte der amerikanische Jesuit John Courtney Murray entscheidenden Anteil an der Auseinandersetzung der Konzilstheologen mit den überlieferten Lehren der Kirche - und vor allem Leos XIII. - bezüglich des komplexen Verhältnisses von Wahrheit und Freiheit; er vor allem war es, der den Konzilsvätern die amerikanische Tradition der Menschen- rechte und der «self-evident truths» der US-Verfassung nahebrachte.
   Nicht minder bedeutsam war die Intervention des englischen Kardinals Heenan bei der 80. Generalkongregation des Konzils im September 1964 - in jener Debatte, in der Kardinal Ottaviani und Bischof Lefebvre noch einmal mit Nachdruck die alte These «Keine Freiheit für den Irrtum!» vertraten. Demgegenüber wies Kardinal Heenan auf die Verhältnisse in England hin und zeichnete das Bild einer Staatskirche - der anglikanischen -, die ungeachtet ihrer offiziellen Stellung Andersgläubigen Toleranz gewähre. Seine Worte wurden berühmt, weil sie die Situation einer pluralistischen Gesellschaft präzise umschrieben: «Heutzutage kann Großbritannien keinesfalls als katholisch angesehen werden. Die Kirche von England ist die offizielle Staatskirche, an deren Spitze die Königin steht. Tatsächlich aber praktizieren viele unserer Mitbürger keine Religion. Dennoch bezeichnet sich die Mehrzahl der Engländer als Christen. In England sind die Kinder im allgemeinen getauft, die Leute wollen sich meist kirchlich trauen lassen, und fast alle erhalten ein christliches Begräbnis. Natürlich gibt es daneben auch Menschen, die keine Religion bekennen. Wir haben also eine pluralistische Gesellschaft, in der trotz allem die Religion öffentlich und privat geehrt wird. Obwohl die Kirche von England die Staatskirche ist, wird den Bürgern der anderen Bekenntnisse völlige Religionsfreiheit garantiert. Daher gibt der Staat zum Beispiel den katholischen Schulen eine wesentliche Beihilfe und bezahlt vollständig die Gehälter ihrer Professoren, auch wenn es Priester oder Ordensleute sind. Aber - und das ist wichtig - die katholischen Schulen erfreuen sich der gleichen Rechte und Pflichten wie die Schulen der Kirche von England.»
   Die Waage schwankte heftig zwischen Befürwortern und Gegnern der Religionsfreiheits-Erklärung. Das Schema wurde mehrfach umgearbeitet. Viele Einzelfragen wurden neu erörtert. Begriffe wie Toleranz, Zwang, Gewissen, Grenzen der Religionsfreiheit wurden präzisiert. Im Oktober 1964 stand die dritte Textfassung fest. Im November sollte die Abstimmung erfolgen. Doch die Gegner des Dokuments erreichten eine Verschiebung. Das stieß bei der Mehrheit auf große Verärgerung, die sich in zahlreichen Bittschriften an Papst Paul VI. Luft machte.  Dem Text kam jedoch die verordnete Zwangspause zugute. Die endgültige Textfassung - es war die sechste - wurde nach weiteren Umarbeitungen und einer wesentlichen Kürzung, Vereinfachung und Konzentration mehr als ein Jahr später, am 07. Dezember 1965, vom Konzil endgültig verabschiedet - und nunmehr mit großer Mehrheit (2.308 placet, 70 non placet). Von diesem Datum an war die Religionsfreiheit, nachdem sie zum offiziellen Titel eines lehramtlichen Dokuments geworden war, in der katholischen Kirche nicht mehr umstritten.
   Die katholische Haltung gegenüber der Religionsfreiheit hat lange Zeit geschwankt. Man war geneigt, den Rückzug des Staates aus der religiösen Sphäre als eine Verkürzung zu empfinden, man hielt jedenfalls im eigenen Bereich lange an einem Staatsideal fest, das dem Staat nicht nur die Sorge für das irdische Wohl, sondern auch die Sorge um das Heil der Seele zuerkannte. Das lag gewiss auch an der prototypischen Gestalt und Wirkung des von der Konfession geprägten Fürsten-Staates, mit dem die katholische Kirche seit dem Zerbrechen des mittel- alterlichen Corpus Christianum ihr Schicksal verbunden hatte.
   Erst in einer pluralistisch gewordenen und vielfältig säkularisierten Welt kamen die positiven Möglichkeiten der Religionsfreiheit in den Blick, wurden die neuen Chancen sichtbar, die sie für die Kirche mit sich brachte. Eine nicht unwichtige Rolle haben dabei die Erfahrungen mit den modernen Totalitarismen gespielt.  Sie zeigten den Katholiken, dass der Kirche von Seiten «politischer Religionen» oft schlimmere Gefahren drohen als von Gemeinwesen, die sich die Entscheidung über Glaubens- und Gewissensfragen kraft Einsicht in die eigene Inkompetenz versagen.
   Die Erklärung über die Religionsfreiheit beendete nicht nur die Zeit des «christlichen Staates», der für das Heil (und nicht nur für das Wohl!) der Menschen mitverantwortlich war. Sie eröffnete zugleich die neue Zeit einer wesensgemäßen, nämlich theologischen Aneignung der Menschenrechte durch die Kirche - ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.
Dieses Kapitel ist aus dem Beitrag von Prof. Dr. Hans Maier, München: Die Katholiken und die Demokratie ent- nommen. Internationale Katholische Zeitschrift Communio, Jan/Feb 2010 Seite 72-87.

u-Prof.GuidoPozzo-x U-ProfCharlesMorerodOP-x u-GVFernandoOcárizOD-

Es geht voran - Vatikan bereitet Verhandlungen mit Piusbruderschaft vor - Kölner Jesuit berufen
Fotos l-r: Prof. Guido Pozzo, Prof. Charles Morerod OP, Prälat Fernando Ocariz Brana Opus Dei.

   Die vatikanische Expertengruppe zur Klärung strittiger Fragen mit der traditionalistischen Piusbruderschaft nimmt offenbar Gestalt an. Unbestätigten Berichten aus Traditionalistenkreisen zufolge erhielten drei weitere Theologen einen Ruf in das Gremium, das vom Sekretär der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", Guido Pozzo, geführt wird. Unter ihnen ein Kölner Jesuit.
   Demnach handelt es sich um den Schweizer Dominikaner Charles Morerod, den Opus-Dei-Generalvikar Fernando Ocariz Brana und den deutschen Jesuiten Karl Josef Becker.  Alle drei sind bereits Berater der Glaubenskongregation.
   Der aus dem Schweizer Bistum Freiburg stammende Morerod war erst im April von Benedikt XVI. zum Generalsekretär der internationalen päpstlichen Theologenkommission ernannt worden. Der 47-Jährige, der zugleich Dekan der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Universität San Tommaso d'Aquino (Angelicum) ist, genießt einen Ruf als herausragender Kenner mittelalterlicher Theologie.
   Der 64-jährige Ocariz, Spezialist in der theologischen Lehre von der Kirche, gehört seit 1986 zum Konsultorenkreis der Glaubenskongregation und ist seit 1989 Mitglied der Päpstlichen Akademie für Theologie. Er gilt als einer der maßgeblichen Autoren der Erklärung Dominus Iesus (2000)  über das katholische Kirchenverständnis.
   Der aus Köln stammende 81-jährige Jesuit Karl Josef Becker lehrte lange Jahre Dogmatik an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom. Er machte sich ebenfalls mit Arbeiten zur Ekklesiologie einen Namen.
   Nach dem Eklat um die Priesterbruderschaft Pius X. im Frühjahr hatte Papst Benedikt XVI. die bislang weitgehend eigenständige Kommission „Ecclesia Dei“ an die Glaubenskongregation angeschlossen. Die Gespräche über eine mögliche Rückkehr der Piusbruderschaft in die Kirche sollen in enger Anbindung an diese Kongregation geführt werden. Dabei geht es besonders um eine Anerkennung des kirchlichen Lehramts, der Lehre des Konzils und der Päpste, insbesondere um strittige Fragen von Ökumene, Religionsfreiheit und interreligiösem Dialog.
   Bis zu einer Einigung haben die Anhänger der Bruderschaft keinen ordnungsgemäßen Status in der Kirche und können auch kein Amt legitim ausüben. Die Piusbrüder werden gegenüber dem Vatikan von ihrem Generaloberen Bernard Fellay vertreten. Den theologischen Dialog seiner Gemeinschaft mit Rom soll künftig der spanische Bischof Alfonso de Galarreta (52) führen. Er gehört wie Fellay zu jenen vier Bischöfen,  deren Exkommunikation Benedikt XVI. im Januar aufgehoben hatte. Kna090920Domradio

u-aepMarcelLefebvre-x u-epAlfonsoDeGalaretta-x u-epBernardFellay-

Fotos l-r:  Erzbischof Marcel Lefebvre, Bischof Alfonso de Galarreta, Generalobere Bernard Fellay FSSPX

Bischof Alfonso de Galarreta leitet die Theologische  Kommission
   Weihbischof Alfonso de Galarreta, einer der vier von Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. wird auf Seiten der FSSPX die Theologische Kommission für die Verhandlungen der Piusbruderschaft mit der Kongregation für die Glaubenslehre leiten.
   Weihbischof Alfonso de Galarreta ist derzeit Rektor des Priesterseminars der FSSPX in La Reja, Argentinien in der Nachfolge des Holocaustleugners Bischof Williamson. Die argentinische Website Panorama Católico Internacional verbreitete die Meldung, dass der Weihbischof die Kommission leiten wird.
   Das Mutterhaus der Piusbruderschaft in Menzingen (Schweiz) hat die Meldung inzwischen bestätigt, wie von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gemeldet wird.
   Die Piusbruderschaft war stets bemüht, mit dem Vatikan über zentrale Fragen des II. Vatikanischen Konzils und über Fragen des Glaubens zu reden.  Dazu wurde von Seiten der FSSPX der Wunsch an den heiligen Vater geäußert, das Exkommunikationsdekret, dass Papst Johannes Paul II. gegen Erzbischof Lefebvre und die von ihm geweihten Bischöfe verhängt hatte, aufzuheben, was zu Beginn des Jahres geschah. net090920
Die Piusbruderschaft hat jetzt ihre Vertreter für den Dialog mit dem Vatikan benannt
   In einer Erklärung veröffentlichte der Generaloberer der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, die Namen der Vertreter, die an den Gesprächen am Sitz der Glaubenskongregation in Rom teilnehmen. Es sind der Direktor des internationalen Seminars der Piusbrüder in Econe, Benoit de Jorna, der Direktor des Seminars in Argentinien, Alfonso de Galarreta, und der Prior der Piusbrüder in Nantes, Patrick de La Rocque. Die Sitzungen erforderten die notwendige Diskretion, um über die „anstehenden doktrinalen Fragen ungestört diskutieren zu können“, heißt es in der Mitteilung. Rv091016kipa
Die Piusbruderschaft ist zu keinen Zugeständnissen in Fragen des Zweiten Vatikanischen Konzils bereit
 
Das erklärte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur „Apcom“. „Die Wahrheit erträgt keine Kompromisse“, so der Generalobere. „Wir fordern, dass Licht in die Sache mit dem Konzil kommt.“ Dennoch gab sich Fellay zuversichtlich über eine Einigung mit dem Vatikan. „Wir sehen beim Papst einen wirklichen Willen, bis zum Grund des Problems zu gehen“, so der Obere der traditionalistischen Bruderschaft. Im Oktober werden in Rom Gespräche zwischen den Piusbrüdern und dem Vatikan stattfinden. Außerdem äußerte Fellay Unverständnis über das Verhalten von Juden, die sich „in Angelegenheiten der katholischen Kirche einmischen“. Die Juden sollten sich um ihre eigene Religion kümmern, sagte der Obere der Piusbruderschaft. Er räumte allerdings ein, dass er die Wut der Juden über die Vorfälle zu Beginn des Jahres verstehe. Damals war bekannt geworden, dass der Pius-Bischof Richard Williamson das Ausmaß des Holocaust geleugnet hatte. RV090805pm
Der Vatikan hatte den Traditionalisten aufgefordert, seine Aussagen über die Judenvernichtung zurückzunehmen
   Einem Bericht des argentinischen Internetportals „Panorama catolico internacional" zufolge sieht die Bruderschaft die Rolle de Galarretas darin, die Treffen der Bruderschaft mit der zuständigen Kommission des Vatikans zu koordinieren und zu leiten. Sein Gesprächpartner auf vatikanischer Seite wird der dazu Beauftragte der Römischen Glaubenskongregation sein, der neue Sekretär der Kommission „Ecclesia Dei" Monsignore Guido Pozzo. De Galarreta wurde am 14. Januar 1957 im spanischen Torrelavega geboren. Seine Familie siedelte bald nach Argentinien über, wo er 1975 ins Priesterseminar in La Plata eintrat. 1978 wechselte de Galarreta ins internationale Priesterseminar der Piusbruderschaft in Econe, Schweiz. Nach seiner Priesterweihe 1980 lehrte er zunächst in La Reja und leitete von 1985 bis 1988 den Distrikt Südamerika der Piusbrüder.  Am 30. Juni 1988 weihte ihn der Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), gemeinsam mit drei anderen Priestern gegen den Willen des Papstes zum Bischof. Die Exkommunikation, die Papst Johannes Paul II. daraufhin förmlich aussprach, hob sein Nachfolger Benedikt XVI. 2009 auf. Im Gespräch mit „Iesus Christus", einem Monatsmagazin der Bruderschaft aus Lateinamerika, äußerte sich de Galarreta im Mai skeptisch über ein mögliches Abkommen mit dem Vatikan. Dies sei nicht am Horizont, „sei es in der unmittelbaren oder in der mittelbaren Zukunft. Wir schließen diese Möglichkeit ausdrücklich aus." Ohne eine „Rückkehr zur Tradition von Seiten Roms" sei jedes Abkommen „unvereinbar mit der Verteidigung des Glaubens". De Galarreta wörtlich: „Im besten Fall haben wir, menschlich gesprochen, mehrjährige Diskussionen vor uns." DT090827

u-epBernardTissierDeMallera  Bischof Bernard Tissier de Mallerais

   Die Piusbruderschaft wird im Gespräch mit dem Vatikan niemals die Hand zu Kompromissen ausstrecken. Das sagte der Traditionalisten-Bischof Bernard Tissier de Mallerais in einem Interview mit der französischen Wochen- zeitung „La Vie“ (Paris). Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei der Katholizismus zu einer „neuen Religion“ geworden, kritisiert Tissier de Mallerais. Er ist einer der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. im Januar 2009 aufgehoben hat.
   Nach Angaben von Tissier de Mallerais hat die Bruderschaft eine Kommission aus zehn theologisch geschulten Priestern zusammengestellt, die nun die Gespräche mit der Glaubenskongregation führen soll. Es handle sich dabei um Theologen, die im schweizerischen Ecône studiert hätten oder Professoren in Priesterseminaren seien.
   Zu Fortschritten in den Gesprächen mit dem Vatikan werde es nur kommen, wenn Rom „seine Sichtweisen überdenkt und die Irrtümer anerkennt,  in welche die Kirche durch das Konzil geführt worden ist“, sagte Tissier de Mallerais. Weiter: „Nie werden wir Kompromisse unterschreiben.“
   Die Gespräche müssen seines Erachtens in einem wachsenden Grad der Schwierigkeiten voranschreiten und einen Punkt nach dem anderen klären. Am Einfachsten sei es, mit der Liturgie zu beginnen, denn da könne man bereits die „Mängel im neuen Ritus der Priesterweihe“ aufzeigen. Spreche man von der neuen Messe, so komme darin eine neue Theologie und damit eine „neue Religion“ zum Ausdruck.
   Anschließend müsse es um die Themenbereiche Ökumene und Religionsfreiheit gehen. Dies seien schwerwiegendere Fragen, weil sie mit dem Glauben verknüpft seien. Die Frage der Kollegialität der Bischöfe könne erst zuletzt behandelt werden, weil es die schwierigste sei.
   Bischof Bernard Tissier de Mallerais hat eine Biografie über Erzbischof Marcel Lefebvre geschrieben, den Gründer der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ Unter den vier Bischöfen der Gruppe gilt Tissier als der „intellektuelle Hardliner“, wie „La Vie“ schreibt. In einem Interview nach der Aufhebung der Exkommunikation hatte er bereits erklärt: „Wir ändern unsere Positionen nicht, sondern wir haben die Absicht, Rom zu bekehren, das heißt, Rom zu unseren Positionen zu führen.“
   Papst Benedikt XVI. will den Dialog mit der Piusbruderschaft fortsetzen und sie zur Einheit mit der katholischen Kirche zurückführen. Mit einem verbindlichen päpstlichen Erlass, einem „Motu proprio“, hat er am 8. Juli die seit langem erwarteten neuen Strukturen für den Dialog Roms mit den Traditionalisten festgelegt. Das Dokument trägt nach seinen Anfangsworten den Titel Ecclesiae unitatem (Die Einheit der Kirche).
   In dem Dokument bindet der Papst die bisher weitgehend eigenständige Kommission Ecclesia Dei, die seit 1988 für den Dialog mit rückkehrwilligen Lefebvrianern zuständig ist, unmittelbar an die vatikanische Glaubenskongregation. Die Leitung der Kurienbehörde wechselte nach dem Willen des Papstes komplett. Zum neuen Präsidenten der Kommission machte er den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada. Rv090714kipa

B-WalterBrandmüller-xx

   Der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft, der deutsche Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller Foto oben, äußerte, für eine „Rekonzilierung" mit den Pius-Brüdern - eine Aussöhnung und eine Rückkehr der Bruderschaft in die Kirche auf Grundlage der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils - müsse der Glaube der Kirche ohne Einschränkung bejaht werden. Dafür müsse sich die Bruderschaft der Leitungsgewalt des Papstes unterstellen, sagte Brandmüller der FAZ. So müsse die Gemeinschaft dem II. Vatikanischen Konzil folgen und „sauber zwischen Religions- und Gewissensfreiheit unterscheiden". Jeder Mensch habe ein Recht darauf, dass er bei seiner Wahrheit nicht unter Druck gesetzt werde. Brandmüller warf der Pius-Bruderschaft „Züge sektenhaften Verhaltens" vor.
   Dabei ist der Heilige Stuhl in einer schwierigen Lage. Einerseits setzt Papst Benedikt XVI. alles daran, die unwiderrufliche Abspaltung der Pius-Bruderschaft in Form weiterer Bischofsweihen zu verhindern. Käme der Papst den Pius-Bruderschaft theologisch entgegen, würde das von jener Gemeinschaft als Triumph über die Glaubens- botschaft des II. Vatikanischen Konzils angesehen. Sollten die Gespräche aber scheitern, dann fehle - wie Benedikt XVI. im März schrieb - dem „Körper der Kirche eines seiner Gliedmaße". FAZ091215jöb

Erzbischof Hippolyt Simon, Clermont         aepHyppolyteSimonF-

Erklärung des stellvertretenden Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz Hippolyte Simon, Erzbischof von Clermont, zu der Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft

   Ich weiß nicht, ob ich wütend oder unglücklich bin: in Wahrheit wahrscheinlich beides. Doch was zu viel ist, ist zu viel, also sage ich: es reicht! Der mediale Aufruhr gegen Papst Benedikt XVI., der vier fundamentalistische Bischöfe und unter ihnen einen erwiesenen Holocaust-Leugner angeblich wieder in die Kirche eingegliedert hätte, stellt keine Kritik dar, sondern Verleumdung und Desinformation.
   Denn was auch immer man über die Entscheidungen des Papstes denken mag, so muss gesagt, wiederholt und betont werden, dass diese vier Bischöfe nicht wieder eingegliedert worden sind. Bischof Williamson, dessen Äußerungen im schwedischen Fernsehen in der Tat untragbar sind, ist also noch nicht in den Schoß der katholischen Kirche zurückgekehrt, und er untersteht immer noch nicht der Autorität des Papstes.
   Die Nachrichten, die von Wiedereingliederung sprechen, beruhen auf einer schweren Verwechslung zwischen Aufhebung der Exkommunikation und vollständiger Wiedereingliederung. Ich zeige mich gerne allen Journalisten und Kommentatoren gegenüber nachsichtig, die guten Glaubens die Aufhebung der Exkommunikation mit der einfachen Wiedereingliederung durcheinander bringen konnten. Die von der Kirche benutzten Kategorien können für die breite Öffentlichkeit missverständlich sein. Doch die Wahrheit verpflichtet zu sagen, dass dies nach dem Kirchenrecht absolut nicht dasselbe ist. Wenn man die Ebenen verwechselt, wird man ein Opfer von Simplifizierungen, die nur denen nutzen, die provozieren wollen. Und man macht sich unfreiwillig zu deren Komplizen.
   Normalerweise ist die Öffentlichkeit im Recht, wenn sie von einem Sportjournalisten verlangt, dass er etwa zwischen einem Eckball und einem Versuch [Begriff aus dem Rugby] unterscheiden kann. Warum sollte die Kirche nicht ebenfalls das Recht auf ein „technisches" Vokabular haben, und warum sollte man solche schweren Ungenauigkeiten nur unter dem Vorwand, dass es sich um Religion handelt, dulden? Sehen wir uns einfach noch einmal genau an, was passiert ist.
   Nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. im April 2005 haben die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X., die vor mehr als dreißig Jahren von Erzbischof Lefebvre gegründet worden ist, darum gebeten, den Dialog mit Rom wieder aufzunehmen, doch sie haben zwei Vorbedingungen gestellt: erstens, die Liberalisierung des Missales von 1962, was durch ein Motu proprio im Juli 2007 geschehen ist, und zweitens die Aufhebung der Exkommunikation. Was bedeutet die Aufhebung der Exkommunikation? Um einen geläufigen Vergleich zu gebrauchen würde ich sagen: als Erzbischof Lefebvre ausgetreten ist, das heißt als er ungehorsam war, weil er trotz der ausdrücklichen Mahnung des Papstes vier Bischöfe geweiht hat, wurde sozusagen automatisch eine Schranke heruntergelassen und eine Ampel auf Rot gestellt, um auszudrücken, dass er ausgetreten war. Das bedeutete, dass er, wenn er eines Tages wieder eintreten wollte, vorher Abbitte leisten müsse.
   Erzbischof Lefebvre ist tot. Friede seiner Seele! Heute, nach zwanzig Jahren, sagen seine Nachfolger dem Papst: „Wir sind bereit, den Dialog wieder aufzunehmen, aber von Ihrer Seite ist eine symbolische Geste erforderlich. Heben Sie die Schranke hoch und stellen Sie das gelbe Blinklicht an!"
   Der Papst hat also, um dem Dialog nichts in den Weg zu legen, die Schranken hochgehoben und das gelbe Blinklicht angestellt. Die Frage ist nun, ob diejenigen, die um Wiedereintritt bitten, dies auch tun werden. Werden sie alle wiedereintreten? Wann? Unter welchen Bedingungen? Man weiß es nicht. Wie Kardinal Giovanni Battista Re (der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe) in  seinem offiziellen Dekret sagt: „Es handelt sich darum, die Bedingungen des Dialogs festzulegen." Es ist möglich, dass der Papst ihnen nach einer Frist, die wir nicht kennen, ein kanonisches Statut verleihen wird. Doch das ist derzeit noch nicht geschehen. Die Vorbedingung für den Dialog ist erfüllt, doch der Dialog hat noch nicht begonnen. Wir können also nicht die Ergebnisse des Dialogs beurteilen, bevor dieser überhaupt stattgefunden hat.
   Nun veröffentlicht also ein schwedischer Fernsehsender am Vorabend des Tages, an dem das Dekret von Kardinal Re publiziert werden soll, die klar den Holocaust leugnenden Äußerungen eines der vier betroffenen Bischöfe, Bischof Williamson.
   Konnte der Papst, als er grünes Licht für die Unterzeichnung des Dekrets durch den Kardinal gegeben hatte, die Aussagen von Bischof Williamson kennen? Ich glaube, ganz ehrlich gesagt, das verneinen zu können. Und das ist in einem Sinne eher beruhigend: es ist ein Zeichen dafür, dass der Vatikan wirklich nicht die Mittel hat, alle Bischöfe und alle Fernsehkanäle der Welt überwachen zu lassen!
   Hier also darf man keine falsche Interpretation vornehmen: was bedeutet dieses Zusammenfallen der Unterzeichnung eines Dekrets, das für den 21. Januar vorgesehen war und Bischof Williamson folglich bekannt war, und der Ausstrahlung seiner Äußerungen im Fernsehen? Jeder sollte sich fragen: wem nützt das Verbrechen? Wem nützt der Skandal, der durch die Äußerung einer solchen Obszönität hervorgerufen wird? Die Antwort scheint mir klar: dem- oder denjenigen, die den durch die Unterzeichnung des Dekrets begonnenen Prozess torpedieren wol- len! Nun, wenn man nur ein wenig diese Fragen und die verschiedenen Aussagen von Msgr. Williamson während der letzten Jahre verfolgt, ist es eindeutig, dass er die Versöhnung mit Rom um keinen Preis will! Dieser Bischof - und ich wiederhole nochmals, dass er Rom heute noch in keiner Weise rechtlich unterstellt ist - hat sich schlicht der Methode der Terroristen bedient: er lässt eine (geistige) Bombe explodieren und hofft, dass der gesamte Prozess der Versöhnung entgleist. Er hält es, wie alle Ultras zu allen Zeiten: er lässt lieber ein Ruinenfeld zurück als sich mit denen zu versöhnen, die er als seine Feinde betrachtet. Ich sage also von Traurigkeit erfüllt all denen, die - ob mit Genugtuung oder mit Schmerzen - Benedikt XVI. und Bischof Williamson miteinander vermischt haben: Sie haben unbewusst das Spiel eines zynischen Provokateurs gespielt! Und - so wage ich zu sagen - als Prämie haben Sie ihm ein zweites Ziel angeboten, das ihn nur entzücken konnte: auf die schlimmste Weise den Ruf des Papstes zu beschmutzen. Eines Papstes, dem er mehr misstraut als allem anderen, denn er sieht genau, dass dieser Papst die gesamte Argumentation entkräftet, die Erzbischof Lefebvre einstmals aufgestellt hatte.
   Ich kann auf diesen Punkt hier nicht genauer eingehen. Ich möchte nur auf einen Artikel verweisen, den ich letztes Jahr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Motu proprio in der Zeitung „Le Monde" geschrieben habe: „Wenn ich ein wenig überall lese, dass der Papst den Fundamentalisten alles bewilligt und nichts im Gegenzug verlangt, so kann ich dem nicht zustimmen: er bewilligt ihnen alles, was die Form der Riten anbelangt, doch er entkräftet ihre Argumentation von Grund auf. Die gesamte Argumentation von Erzbischof Lefebvre beruhte auf einer angeblich substanziellen Differenz zwischen dem Ritus des heiligen Pius V. und dem Ritus Pauls VI.. Nun erklärt Benedikt XVI., dass es keinen Sinn hat, von zwei Riten zu sprechen. Man könnte allenfalls einen Widerstand gegen das Konzil legitimieren, wenn man ganz ehrlich denken würde, dass ein substanzieller Unterschied zwischen den Riten bestehe. Kann man diesen Widerstand und schließlich sogar ein Schisma aber legitimieren, wenn man lediglich von einem Unterschied in den Formen ausgeht?
   Für einen Fundamentalisten und zumal für einen Leugner des Holocaust wie Bischof Williamson ist Benedikt XVI. unendlich viel schlimmer, als alle diejenigen, die einen „Bruch", der durch das Zweite Vatikanische Konzil herbei- geführt wurde, verherrlichen. Denn wenn es einen Bruch gibt, dann wird er durch seinen Gegensatz zum „Neuen" gestärkt. Doch derjenige, der friedlich aufzeigt, dass das Missale von Paul VI., die Religionsfreiheit und die Ökumene integrierender Bestandteil der authentischen katholischen Tradition sind, der entzieht ihnen jede Rechtfertigung.
   Ich bin mir wohl bewusst, dass ich meine Argumentation weiter entwickeln müsste. Möge mir jeder verzeihen, wenn ich auf die Internetseiten verweise, wo all das ersichtlich wird. Doch ich wünsche mir vor allem, dass jeder sich vor allzu gut aufgezogenen Provokationen hüten möge.
   Was diejenigen betrifft, die meinen, ständig wiederholen zu müssen, dass Joseph Ratzinger in der Hitlerjugend gedient hat, so mögen sie bitte das Zeugnis lesen, dass er am 6. Juni 2006 in Caen aus Anlass des sechzigsten Jahrestags der Landung der Alliierten in der Normandie abgegeben hat, und sich dann fragen, was sie an seiner Stelle getan hätten... Wenn man ein wenig zu laut mit den heutigen Wölfen heult, dann bringt man nicht unbedingt den Beweis dafür, dass man in der Lage gewesen wäre, sich von der Wölfen der damaligen Zeit abzugrenzen....
   Es bleibt noch ein Punkt, der zweitrangig, aber trotzdem äußerst schwerwiegend ist: man muss sich jedenfalls Fragen zur Kommunikation der römischen Instanzen stellen, wenn es sich um so heikle Themen handelt. Nach der Polemik von Regensburg (die es ebenfalls verdiente, aufmerksam demontiert zu werden...) hoffe ich - aber ich behalte mir vor, darüber eher intern zu reden -, dass die Verantwortlichen der Kurie ihrer missglückten Kommunikation eine ernsthafte Besprechung widmen.
   Um es kurz zu sagen, habe ich die Dinge folgendermaßen erlebt: Am Mittwoch, dem 21. Januar, wird von den italienischen Fundamentalisten, die zu triumphieren glauben, in der italienischen Zeitung „II Giornale" „eine Flucht organisiert". Sofort wird das Tamtam in den Medien ausgelöst. Doch wir, die Mitglieder der Bischofskonferenzen, wir wissen absolut nichts! Drei Tage lang verbreiten sich ständig mehr Nachrichten - irrige, die die ganze Zeit von Wiedereingliederung reden - wie ein Buschfeuer. Und dann kommt die „Bombe" von Bischof Williamson ... Und erst am Samstagmorgen - drei Tage zu spät! - erhalten wir das offizielle Kommunique von Kardinal Re. Wie stellen Sie sich vor, dass wir da die Diskussion wieder auf eine richtige Grundlage stellen können? Kardinal Ricard hat sich redlich darum bemüht, doch das Feuer war schon ausgebrochen und niemand konnte noch ein vernünftiges Wort hören. Jetzt, wo sich der Wirbel allmählich legt, müssen wir versuchen, uns wieder in Ruhe zu besinnen.
   Wie meine Großmutter sagte: Gott kann aus etwas Schlechtem etwas Gutes hervorgehen lassen. Das Schlechte ist, dass Papst Benedikt XVI. wieder einmal von einer Mehrheit der überregionalen Medien durch den Dreck gezogen wurde, ausgenommen - Gott sei Dank - „La Croix" und einige andere. Viele Katholiken und viele Menschen guten Willens begegnen dem mit Verständnislosigkeit und Leid. Doch das Gute ist, dass die Masken gefallen sind! Wenn der Dialog mit den Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. trotz allem weitergeht - unter dem Vorbehalt natürlich, dass sie durch die nunmehr hoch gehobene Schranke gehen - dann wird man eine Unterscheidung treffen können, denn jetzt wissen alle ein bisschen besser, was die einen und was die anderen denken.
   Zum Abschluss möchte ich mich an die gläubigen Katholiken wenden, die - nicht ohne Grund - das Gefühl haben können, in dieser Geschichte ein wenig verraten, um nicht zu sagen verachtet worden zu sein: denkt über das Gleichnis vom verlorenen Sohn nach und führt es weiter. Wenn der ältere Sohn, der sich zunächst weigert, am Fest teilzunehmen, sagt, dass er doch daran teilnehmen möchte, werdet Ihr ihn dann zurückweisen? Vertraut genug auf Euch selbst und auf den Geist, der die Kirche führt und der auch das Zweite Vatikanische Konzil geführt hat, um zu glauben, dass die reine Anwesenheit dieses älteren Sohns nicht ausreichen wird, um das Fest zu er- sticken. Gebt demjenigen, der zuletzt gekommen ist, ein wenig Zeit, um sich an das Licht der Festversammlung zu gewöhnen, bei der Ihr Euch aufhalten ...   Kardinal Georges Cottier OP

Die grundlegendste Erkenntnis: Die Kirche ist die seine. Der Schweizer Kardinal Georges Cottier  
ist emeritierter Theologe des päpstlichen Hauses. In der Zeitschrift 30Tage befasst er sich
mit dem Geheimnis und dem Leben der Kirche. Wir bringen hier einen leicht gekürzten Abdruck.

    Mein erster Eindruck ist, dass viele Menschen – Christen nicht ausgenommen – nicht mehr wissen, was die Kirche eigentlich ist, obschon das Geheimnis der Kirche als Gegenstand des Glaubens im Mittelpunkt des II. Vatikanischen Konzils stand. Lassen Sie uns darüber nachzudenken, wie Gott seine Kirche leitet.
     Die grundlegendste Erkenntnis ist folgende: die Kirche ist die seine. Ecclesiam Suam: So lautete der Titel der ersten Enzyklika von Paul VI. Im Credo bekennen wir unseren Glauben an die Kirche als Geheimnis des Glaubens. Das bedeutet, dass wir uns im Bereich der Gnade befinden. Das bedeutet, dass die Kirche Gabe Gottes ist und nicht etwas vom Menschen Geschaffenes. Es bedeutet, dass die Kirche nicht unser Besitz, sondern die Kirche Jesu Christi ist. Er ist es, der sie leitet und sie durch das Wort leben lässt, durch die sakramentale Gnade und durch jenen Lebenssaft, der zirkuliert und den man Nächstenliebe nennt. Wir sind insofern in der Kirche, als wir die Gabe Christi empfangen. Er ist es, der uns zusammenführt. Wenn die Kirche ein Faktum der Gnade ist, eine Gabe, die im Geschöpf nichts voraussetzt, können wir dieses Geheimnis nur durch die Wege leben, die der Herr uns gegeben hat.
   Der erste Weg ist das Gebet. Daher war es für mich auch so tröstlich, als Papst Benedikt die Gläubigen im Angelusgebet gebeten hat, für ihn zu beten. Es ist das Bittgebet, das Zeichen, dass das Herz offen dafür ist, die Gabe Gottes zu empfangen. Wenn wir die Kirche leiten und bauen wollten, würden wir falsche oder unnötige Dinge tun. Ich finde es beeindruckend, wie viele von Christen vorangetriebene Projekte oft nur so karge Früchte tragen. Als die Kirche einen Schutzpatron für das Missionswerk brauchte, ist ihre Wahl nicht auf einen großen Evangelisierer gefallen, sondern auf die kleine Therese vom Kinde Jesus, die über sich selbst geschrieben hat: „Wenn ich Gutes tue, dann ist das nur Jesus, der in mir wirkt.“
   Das ist das Geheimnis der Kirche, die auch auf jene Art und Weise erblüht, in der das Zeugnis des auferstandenen Christus erfolgt. Wer die vom Heiligen Geist gegebene innere Befreiung erfährt, gibt diese Gabe unentgeltlich auch an die anderen weiter.  Das Zeugnis ist nicht das Resultat unserer Fähigkeiten oder Bemühungen. Und das ist auch der Grund, warum das klarste und rührendste Zeugnis jenes ist, das die Zeugen fast schon unbewusst ablegen. Wogegen jene, die sich allzu sehr auf ihr Wirken als Zeugen konzentrieren – fast schon, als wäre es eine Art Rolle, die sie spielen müssen – oft nur darauf abzielen, sich selbst zu profilieren.
   Im Brief an die Römer und im Ersten Brief an die Korinther weist uns Paulus darauf hin, dass sich die Verkündigung des Evangeliums nicht auf die Gelehrtheit einer Rede stützt und die konkrete Situation der Menschen in Betracht ziehen muss, an die sie gerichtet ist. So schreibt er an die Korinther: wenn jemand einen seiner Brüder im Götzentempel Götzenopferfleisch essen sieht und dadurch vielleicht verleitet wird und das zum Anstoß wird, dann ist es besser, diese Praxis zu vermeiden,  auch wenn der Heilige Geist jeden Aberglauben zerstreut hat und klar ist, dass es sich dabei um Fleisch wie jedes andere handelt. Diese Erkenntnis, diese Sensibilität für die Situation der anderen ist wesentlicher Bestandteil des christlichen Zeugnisses. Man darf die Aufforderung des Paulus, das Wort opportune et importune zu verkündigen, nicht missverstehen, wie es dagegen gewisse protestantische Sekten tun, die sich nicht bemühen, das zu tun, was opportun ist, sondern sich in übertriebenen Provokationen ergehen und so allen Ärger bereiten, vor allem in Ländern mit muslimischer Mehrheit oder in Missionsgebieten.
   Die Neuheit der christlichen Verkündigung muss stets in demütiger Weise angeboten werden; in einer Weise, die den Adressaten der Verkündigung Respekt zollt. Es ist keine Frage eines taktisch-strategischen Opportunismus. Es ist eine Folge der Tatsache, dass die den Christen verkündete Wahrheit eine Gabe ist, und kein Besitz. Und wenn diese Gabe nicht auch die Art und Weise erleuchtet, auf die sie verkündet wird, bleibt sie nur ein Vorwand dafür, Reden zu halten. Nie werde ich vergessen, was eine Frau aus einem Ostblockland gesagt hat, als sie nach dem Ende des Kommunismus nach Rom kam und dort zum Glauben fand. Sie war eine sehr gebildete Frau. Ich habe ihr geraten, Theologiekurse zu besuchen. Eines Tages sagte sie mir, dass sie einige Professoren an die Professoren des kommunistischen Ambientes erinnerten, in dem sie gelebt hatte: Leute, die über Dinge reden, an die sie selbst nicht mehr glauben. Kardinal Charles Journet, mein Vorbild und Lehrmeister, sagte immer, dass die Frontlinie der Kirche durch unsere Herzen geht. Der Anspruch, die Wahrheit des Glaubens durch Argumente demonstrieren zu wollen, wenn in unseren Herzen nicht die Liebe wohnt, kann zum Anstoß werden und Grund für Einwand geben. Man nimmt dann eine gewisse Gleichgültigkeit, ein Unbeteiligt-Sein des Herzens wahr, das die anderen mehr abstößt und entfernt, als das unsere Sünden und unsere Treulosigkeit tun.
   In den vergangenen Monaten wurde viel von der „Einsamkeit“ des Papstes gesprochen; von der „Unzulänglichkeit“ seiner Mitarbeiter,  von den Grenzen, die sich im Handeln des Apostolischen Stuhls gezeigt hätten. Auch die Debatte zu diesen Themen  war von weit verbreiteten Missverständnissen beeinflusst.
   Dass der Kirche gewisse Grenzen gesetzt sind, ist ihr wesenseigen. Als Jesus in den Himmel auffuhr und die Apostel unter der Leitung des Petrus als seine Zeugen zurückließ, wusste er nur zu gut, dass Petrus ein Mensch mit all seinen Grenzen war, die auf den Seiten des Evangeliums keineswegs unter den Teppich gekehrt werden. Auch die Geschichte zeigt, dass die Päpste nicht alle Genies waren, und sie waren auch nicht alle Heilige. Aber auch daran sieht man, dass die Kirche Werk Gottes ist. Dass sich in diesem kleinen Schiff voller Sünder auch der Herr befindet. Er ist es, der die Stürme besänftigen und jenen Mut machen kann, die Angst haben. Unlängst habe ich den Reisebericht eines Genfer Protestanten gelesen, der im Jahr 1840 nach Rom kam. Er berichtet von den Schafherden, die auf dem Petersplatz weideten; davon, dass alles wie eine einzige Ruine anmutete. Die Basilika schien ein Monument aus vergangenen Tagen zu sein, genau wie das Kolosseum. Wenn die Kirche das Werk der Menschen wäre, die sie leiten, würde es sie schon längst nicht mehr geben. Und schließlich war die Kirche ja noch nie versucht, sich als Hochburg der Reinen und Heiligen zu betrachten.
  In einer französischen Zeitung habe ich gelesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer- Bischöfe der Beweis dafür sei, dass auch die katholische Kirche nicht unfehlbar ist, weil der jetzige Papst damit eine von seinem Vorgänger ergriffene Maßnahme aufgehoben hat. Banal vielleicht, aber doch kann man gerade hier sehen, welch große Verwirrung in diesen Dingen herrscht. Im Papst, Nachfolger des Petrus, ist bei der Definierung einer Glaubens- und Sittenlehre als einzelnem das Charisma der Unfehlbarkeit der Kirche selbst gegeben vgl. Lumen Gentium 25.  In der ordentlichen Leitung der Kirche kann ein Papst irren, das ist keine Katastrophe, das ist menschlich.
    In der letzten Zeit konnte man oft hören, dass der Papst angeblich Schwierigkeiten dabei hätte, den Sinn seiner Beschlüsse darzulegen. Ich konnte mich selbst oft von der klaren Kommunikationsweise Joseph Ratzingers überzeugen – wie auch von seiner Bereitschaft, den Argumenten anderer Gehör zu schenken. Alle haben sehen können, dass sich der Papst sehr wohl verständlich zu machen weiß, wenn er z.B. aus dem Stegreif und ohne allzu viele Retuschen zu den Jugendlichen oder zu den Priestern spricht. Und das sieht man auch an dem direkten Ton, den er in seinem Brief an die Bischöfe (10. März 2009) angeschlagen hat. Es gibt vielleicht Personen, die ein allzu pessimistisches Bild von den Spaltungen in der Kirche malen. Dabei sollte man doch wissen, dass Meinungsverschiedenheiten nicht gefürchtet und ausgemerzt werden müssen. Auch in der vatikanischen Kurie scheiden sich zu vielen Dingen die Geister. Für niemanden in der Kirche kann das Ideal ein totalitäres System sein, wo einer ist, der für alle denkt und die anderen nach Mitteln und Wegen suchen, um nur ja nichts sagen zu müssen. Der Vergleich verschiedener Sichtweisen ist stets nützlich; er ist ein Zeichen für Vitalität. Wenn man das nicht anerkennt, wird es noch so enden, dass man Erklärungen „für“ oder „gegen“ den Papst unterschreibt oder die „Treuen“ gegen die Gegner ausspielt. So als könne es in der Kirche Parteien geben, die „pro“ oder „contra“ den Papst sind.
      Wir sind keine „Fans“ des Papstes. Er ist der Nachfolger Petri, die göttliche Vorsehung hat ihn so gewollt, wie er ist. Und wir lieben ihn so wie er ist, weil wir hinter ihm Jesus sehen. Genau das heißt Katholik sein. 30Tage0903

Karl Kardinal Lehmann: Selbstverständlich katholisch       cdLehmann-x

Die katholische Kirche tut sich mit anderen Kirchen nicht leicht - von den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen spricht sie zu deren Unwillen offiziell nur als „kirchlichen Gemeinschaften”.

   Das Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre: „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche” im Wortlaut siehe unten auf dieser Seite hat allgemein eine große Aufmerksamkeit und in besonderer Weise die Enttäuschung der evangelischen Kirchen hervorgerufen. Diese Auseinandersetzung dauerte länger an und erhielt gelegentlich die Züge einer regelrechten Kampagne, die einerseits schroff und heftig war, anderseits aber bei nicht wenigen Reaktionen die Erinnerung an alte antikatholische Positionen wachrief. Die Sache selbst blieb dann weitgehend auf der Strecke. Darum möchte ich mich mit dem Hintergrund und Sinn dieses Dokumentes befassen, selbstverständlich auch in ökumenischer Perspektive.
   Dabei kann es hilfreich sein, beinahe thesenförmig die grundlegenden Einwände vor allem von evangelischer Seite gegen das Dokument der Glaubenskongregation in Erinnerung zu rufen: Rom stehe nicht die Entscheidung darüber zu, wer Kirche „im eigentlichen Sinn” sei, am ehesten noch, wer Kirche „im katholischen Sinn” sei; wer den Anspruch als Kirche erhebe, sie sei allein die angemessene Gestalt des Grundes, auf dem die Kirche steht: Jesus Christus selbst, degradiere andere Kirchen und gefährde das Zusammenwirken der konkreten Gestaltungen von Kirche; wer sich so verhalte, zeige keinen Sinn für die Relativität des eigenen Standortes; die Verweigerung der Anerkennung des Kircheseins zeuge, wenn es öfter wiederholt wird, von Fahrlässigkeit und müsse sich den Vorwurf vorsätzlichen Handelns gefallen lassen; das ökumenische Vorgehen der katholischen Kirche leide unter einem „Paradox auf Dauer”, weil es immer wieder die Einladung zu einem ökumenischen Miteinander mit einem Überlegenheitsbewusstsein zu verbinden suche.
   Ich will versuchen, das katholische Selbstverständnis besser und verständlicher aus seinen eigenen Gründen heraus darzulegen.
Der Stein des Anstoßes
   Stein des Anstoßes ist vor allem die Interpretation der Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Wesen der Kirche und das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Die entscheidende Aussage findet sich im Artikel acht des ersten Kapitels der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen Gentium (LG), das über das Mysterium der Kirche handelt: „Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen. Sie zu weiden, hat unser Erlöser nach seiner Auferstehung dem Petrus übertragen Joh 21,17, ihm und den übrigen Aposteln hat er ihre Ausbreitung und Leitung anvertraut vgl. Mt 28,18 ff., für immer hat er sie als ‘Säule und Feste der Wahrheit’ errichtet 1Tim 3,15. Diese Kirche hac Ecclesia in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche subsistit in Ecclesia catholica, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholi- sche Einheit hindrängen.”
  Zunächst muss festgestellt werden, dass dieses erste Kapitel bis zur Schlussabstimmung insgesamt in vier Textfassungen beziehungsweise Redaktionsstufen vorlag. Im Blick auf die Stelle mit dem subsistit in fällt auf, dass bis in die vorletzte Fassung hinein die Aussage eine eindeutige Identifikation der Kirche mit der katholischen Kirche vorsah, ausgedrückt durch die sprachliche Verwendung eines „ist”. In den früheren Textfassungen war die Identifizierung noch mit dem Zusatz römisch­katholische Kirche versehen. Wichtig ist noch, dass der frühere Ausdruck Romanus Pontifex durch Successor Petri ersetzt worden ist, um stärker den Gedanken der Nachfolge ins Spiel zu bringen und auch dem Denken der katholischen Ostkirchen mehr Rechnung zu tragen. Bei der Erwähnung, dass außerhalb der katholischen Kirche auch „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind”, hat man bewusst „der Wahrheit” hinzugefügt.
   Das est an dieser Stelle brachte die fast selbstverständliche Überzeugung zum Ausdruck, dass es zwischen der Kirche Jesu Christi und der römisch-katholischen Kirche im Sinne einer Gleichheit eine Identität gibt. Dies gehörte zu den Voraussetzungen des Kirchenverständnisses, die kaum diskutiert oder gar angegriffen wurden. Nun hatte das Konzil bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Es ging nicht wie bisher oft um die Heilsmöglichkeit nicht- katholischer Christen, sondern es ging ganz entscheidend um die Feststellung, dass es in den nicht-katholischen christlichen Gemeinschaften authentische ekklesiale Elemente gibt. So musste man sich über diese Feststellung hinaus auch die Frage stellen, wie diese „Elemente” von Kirchlichkeit verstanden werden können, und zwar im Lichte der bisherigen exklusiv begriffenen Identitätsbeziehung zwischen Kirche Jesu Christi und römisch- katholischer Kirche. Man hat nach einem neuen Wort gesucht und sich in der Theologischen Kommission schließlich darauf geeinigt, das est durch subsistit zu ersetzen. Man gewinnt jedoch nicht den Eindruck, dass dieser Wechsel insgesamt in der Theologischen Kommission und in der Vollversammlung des Konzils eine größere Aufmerksamkeit gefunden hat. Dies darf aber nicht so gedeutet werden, als ob das subsistit im Grunde die gleiche Bedeutung habe wie ein exklusiv verstandenes est.
   Nun wird bei der Deutung des subsistit oft verdunkelt, worum es geht, so dass schon die Ansätze der Interpretation darunter leiden. Eine dieser Voraussetzungen geht dahin, dass das Zweite Vatikanische Konzil die völlige Gleichstellung zwischen der Kirche Jesu Christi  und der katholischen Kirche aufgeben wollte oder aufgegeben habe. Gegenüber einer so vieldeutigen Annahme kann man jedoch zwei Perspektiven schon vom Ansatz her klären: Erstens: Die wahre und einzige Kirche Jesu Christi existiert konkret geschichtlich. Sie ist damit erkennbar und sichtbar. Zweitens: Die konkrete Existenzform dieser von Jesus Christus gestifteten Kirche ist die katholische Kirche. So wird zwar kein absolutes, exklusives Identitätsurteil ausgesprochen, aber es wird auch keine Unklarheit gelassen über die Erkennbarkeit der Kirche Jesu Christi, und darüber, wo diese geschichtlich­konkret zu finden ist.
   Eine solche Deutung wird aber nur vor dem Hintergrund verständlich, der im Konzil eine Rolle spielte. Man hat nämlich der Tatsache Rechnung tragen wollen, „dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind”. Es war gewiss eine Art von Kunststück, ohne Zweideutigkeiten und Unklarheiten einerseits daran festzuhalten, dass die Kirche Jesu Christi ihre konkrete Existenzform in der katholischen Kirche hat, und anderseits, dass es unbeschadet dieser grundsätzlichen Position Raum für die Auffassung gibt, es gebe in den von der katholischen Kirche getrennten Kirchen echte kirchliche Elemente, so dass diese Kirchen auch irgendwie am Kirchesein teilhaben.
   Diese Probleme hat das Konzil im Einzelnen nicht mehr zu Ende gedacht. Es war auch nicht seine Aufgabe. In gewisser Weise hat es, was die Ausgestaltung der Beziehung zwischen der Kirche Jesu Christi und der katholischen Kirche einerseits und im Verhältnis beider zu den anderen Kirchen betrifft, weitere Klärungen offen gelassen. Das subsistit ist das Bindeglied, von dessen Interpretation viel für das Verständnis einer Verhältnisbestimmung abhängig ist.
   Nun ist es aber notwendig, den inhaltlichen Sinn des subsistit näher ins Auge zu fassen. Es ist zunächst klar, dass die Verwendung des Ausdrucks subsistit statt des früheren est keine Veränderung in der festen Über- zeugung von der substanziellen Identität der Kirche Jesu Christi mit der katholischen Kirche mit sich bringt. Die Kirche Jesu Christi ist nicht eine geschichtsferne Vision. Sie ist auch nicht einfach eine unerreichbare Utopie. „Für die Konstitution, die hier einfach die beständige katholische Glaubensüberzeugung formuliert, ist die eine Kirche Jesu Christi in der sichtbaren katholischen Kirche real gegeben und nicht etwa eine hinter den konkreten Kirchentümern verborgen bleibende Größe, die sich dann faktisch in den verschiedenen Konfessionen und kirchlichen Gemeinschaften verwirklichen würde.” (Joseph Ratzinger).  
  Wenn nun klar belegt ist, dass die Veränderung zum subsistit hin keine Aufhebung oder Abschwächung des katholischen Selbstverständnisses von Kirche ist, muss auch nach der anderen Seite hin deutlich bleiben, dass durch die Ersetzung des est durch subsistit in der Einschätzung der theologischen und besonders ekklesialen Qualität der nicht-katholischen Kirchen wirklich eine vertiefte Erkenntnis vorliegt, die nicht verkürzt oder gar geleugnet werden darf.
   Der Wechsel vom est zum subsistit erklärt sich ja vor allem deshalb, weil diese Fassung des Textes besser in Übereinstimmung gebracht werden konnte mit dem ergänzenden wichtigen Nebensatz in LG 8: „Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen.”  Es wird vorausgesetzt und zugleich festgestellt, dass diese „Elemente der Heiligung und der Wahrheit” Aussagen über das Kirchesein der nicht- katholischen Kirchen sind, auch wenn dieses Kirchesein noch unvollkommen und sogar mit Mängeln belastet ist.
   Um den Sinn dieser Formulierung „Elemente der Heiligung und der Wahrheit” voll zu erfassen, muss man zwei andere Konzilstexte heranziehen. So heißt es in Artikel 15, der bald auf den Artikel 8 folgt, dass es, trotz einer noch unvollkommenen Einheit, wichtige Gemeinsamkeiten gibt: „Viele nämlich halten die Schrift als Glaubens- und Lebensnorm in Ehren, zeigen einen aufrichtigen religiösen Eifer, glauben in Liebe an Gott, den allmächtigen Vater, und an Christus, den Sohn Gottes und Erlöser, empfangen das Zeichen der Taufe, wodurch sie mit Christus verbunden werden; ja sie anerkennen und empfangen auch andere Sakramente in ihren eigenen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften. Mehrere unter ihnen besitzen auch einen Episkopat, feiern die heilige Eucharistie und pflegen die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter. Dazu kommt die Gemeinschaft im Gebet und in anderen geistlichen Gütern; ja sogar eine wahre Verbindung im heiligen Geiste, der in Gaben und Gnaden auch in ihnen mit seiner heiligenden Kraft wirksam ist und manche von ihnen bis zur Vergießung des Blutes gestärkt hat. So erweckt der Geist in allen Jüngern  Christi Sehnsucht und Tat, dass alle in der von Christus angeordneten Weise in der einen Herde unter dem einen Hirten in Frieden geeint werden mögen.” Es ist von der nun präzisierten Rede dieser „Elemente” her deutlich, dass auch der Begriff der kirchlichen Gemeinschaften nicht nur eine bloß soziologische Bezeichnung darstellt.
   Diese Aussagen, die noch zurückhaltend sind, werden nun genauer entfaltet und inhaltlich präzsiert im Artikel 3 des Ökumenismusdekretes Unitatis redintegratio. Es wird dargelegt, wie die Christen durch die recht empfangene Taufe „in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche” stehen. Es ist eigens von den Hindernissen die Rede, die der vollen kirchlichen Gemeinschaft entgegenstehen. „Nichtsdestoweniger sind sie durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und Christus eingegliedert, darum gebührt ihnen der Ehrenname des Christen, und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt.” Daraufhin folgert der Text: „Hinzu kommt, dass einige, ja sogar viele und bedeutende Elemente oder Güter, aus denen insgesamt die Kirche erbaut wird und ihr Leben gewinnt, auch außerhalb der sicht- baren Grenzen der katholischen Kirche existieren können: Das geschriebene Wort Gottes, das Leben der Gnade, Glaube, Hoffnung und Liebe und andere innere Gaben des Heiligen Geistes und sichtbare Elemente: all dieses, das von Christus ausgeht und zu ihm hinführt, gehört rechtens zu der einzigen Kirche Christi.” Es wird auch nicht bestritten, dass es liturgische Handlungen gibt, die „ohne Zweifel tatsächlich das Leben der Gnade bezeugen können und als geeignete Mittel für den Zutritt zur Gemeinschaft des Heils angesehen werden müssen”. Ja, die nicht-katholischen Kirchen haben trotz einiger Mängel auch Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles: „Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet.”
Eine Gemeinschaft gegenseitigen Andersseins?
  Diese Aussagen sind und bleiben ökumenisch höchst bedeutsame Worte. Es ist erstaunlich, dass sie bei den Auseinandersetzungen um das Dokument der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 eine ganz geringe Rolle gespielt haben. Bei allen Einschränkungen und notwendigen Differenzierungen ist hier eine ganz grundlegende Anerkennung der authentischen ekklesialen Realität und bei aller Unvollkommenheit des Kircheseins ausgesprochen.
   Die Klage über die eingeschränkte oder fehlende Anerkennung als Kirche erweckt den Eindruck, als ob es dies nur von katholischer Seite her gebe. Hier muss ich im Sinne einer Aufarbeitung von Hindernissen aus der Vergangenheit auf eine Aussage in den lutherischen Bekenntnisschriften verweisen. Der alternde Luther formuliert in Sorge um die Aufweichung seiner Position in den Verhandlungen um ein politisches Bündnis evangelischer Stände und in möglichen konziliaren Verhandlungen mit den „Altgläubigen” in sehr schroffer Form über die römisch-katholische Seite (1537): „Wir gestehen ihnen nicht, dass sie die Kirche seien, und sind's auch nicht, und wollen (sie')s auch nicht hören, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten.” Ich kenne kein offizielles Wort zu dieser Aussage, die immerhin zu den Bekenntnisschriften zählt, wenngleich faktisch wohl eine Korrektur angenommen werden darf.
   Ich glaube nicht, dass es einen Sinn hat, die Frage nach der Bedeutung des subsistit dadurch zu entschärfen, dass man die Herausforderung der wirklichen Einheit der Kirche entschärft.  Dies kann auf hohem Niveau geschehen. Auf diese Weise versucht es Eberhard Jüngel, wenn er das subsistit im Zusammenhang der Trinitätslehre der Alten Kirche so deutet: Ähnlich wie die drei „Personen” auch als die drei individuellen Existenzweisen des einen göttlichen Wesens bezeichnet werden können, so kann es auch unter den Kirchen „eine Gemeinschaft gegenseitigen Andersseins” geben. Es war nicht nur Joseph Ratzinger, der hier nicht bloß aus dogmengeschichtlichen Erwägungen widersprochen hat: „Vor allem aber bin ich ganz entschieden gegen die immer mehr in Mode kommende Art, das trinitarische Verhältnis direkt auf die Kirche zu übertragen. Das geht nicht. Da enden wir in einem Drei-Götter-Glauben.”
   Immer mehr kann man auch den Eindruck gewinnen, der Begriff der Kirche würde im ökumenischen Gespräch spiritualisiert und damit in gewisser Weise gegen die Sichtbarkeit der Kirche gewendet. Es ist wohl zu lange übersehen worden, dass Luther schon früh (1520) das Faktum einer äußeren Struktur zum Wesen der Kirche als einer „Gemeinschaft der Glaubenden” zählte. Immer wieder gebraucht er hier auch das Verhältnis von Leib und Seele als anschauliches Modell. Wenn dies angenommen wird, dann ist auch deutlich, dass die Frage nach der Einheit der Kirche sich in diesem Sinne auf die „sichtbare Kirche” und so auch auf eine „sichtbare Einheit” bezieht, was freilich in der heutigen ökumenischen Diskussion eher zurücktritt.
   Diese Probleme verdichten sich nun in der Frage nach dem, was die Kirche zur Kirche macht. Die Antwort der Reformation ist im Blick auf die Confessio Augustana (CA) von 1530 in Artikel VII eindeutig: „Es wird auch gelehrt, dass alle Zeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.”
   Lange und auch heute noch sehr oft wird dies so interpretiert, dass das Amt außerhalb dieser Kriterien für das Kirche­sein steht. In Vorbereitung des 450. Jubiläums der Confessio Augustana haben evangelische und katholische Theologen einen gemeinsamen Kommentar zu den entsprechenden Artikeln abgefasst und ein präziseres Ergebnis erzielen können. Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen hat sich ebenfalls im selben Zeitraum und im Zusammenhang des Jubiläums des Augsburgischen Bekenntnisses mit den Problemen befasst. Dabei war man sich einig, dass es besonders in Artikel VII nicht genannte Voraussetzungen der Evangeliumspredigt und der Sakramentsverwaltung gibt. Schließlich fand der Ökumenische Arbeitskreis zu folgender Verständigung: „Das Apostolische Amt steht nicht auf derselben Ebene wie Verkündigung des Evangeliums und Spendung des Sakramentes; es ist vielmehr beiden dienend zugeordnet... Die Gemeinde ist auf die Gemeinschaft mit dem Apostolischen Amt angewiesen; es bedarf aber auch das Amt der Rezeption durch die kirchliche Gemeinschaft.” Dies hat zum Ergebnis, dass mit der Evangeliumsverkündigung und der Sakramentenspendung mindestens das Apostolische Amt, aus dem die anderen Dienste und Ämter hervorgehen, gleichursprünglich mit diesen beiden Grundvollzügen zusammengesehen werden muss.
   Diese Probleme haben eine große Bedeutung für die Diskussion über die Modelle, wie eine Einheit der Kirchen in einer sichtbaren Gemeinschaft erreicht werden soll. Dies spiegelt natürlich auch die eben erwähnten Probleme um das Amt. Das Modell „Versöhnte Verschiedenheit” ist in den letzten Jahren eine in hohem Maß akzeptierte Ein- heitsvorstellung geworden. Dieses lutherisch orientierte Modell setzt aber letztlich CA VII in einem Verständnis voraus, dass das Apostolische Amt als Kriterium - wie immer dies genauer verstanden wird - ausklammert. Damit ist auch ein enger Zusammenhang mit der Leuenberger Konkordie gegeben (1973). Wenn die „Versöhnte Verschiedenheit” grundlegend die Frage nach der Struktur des Amtes unter den Kriterien der Konstituierung von Kirche ausklammert, ist sie für die katholische Kirche nach meinem Urteil kein geeigneter Weg für das weitere ökumenische Gespräch.
   Schließlich muss noch eine letzte Frage zur Vertiefung der Diskussion gestellt werden: In der Diskussion über das Dokument der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 ist von evangelischer Seite immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass die evangelische Kirche eine 1500 Jahre umfassende gemeinsame Geschichte mit der katholischen und orthodoxen Kirche hat. Aufmerksamkeit erregt hat der Satz von Bischof Wolfgang Huber aus seiner Hamburger Rede vom 25. August 2007: „Die evangelische Kirche ist die katholische Kirche, die durch die Reformation hindurchgegangen ist.” Er macht auch darauf aufmerksam, dass man manchmal diese Gemeinsamkeit mit der alten und mittelalterlichen Kirche vernachlässigt hat. Vielfach wird ja die Reformation weitgehend als Startzeichen für die Neuzeit und als Morgenröte der Moderne gefeiert.
Das Wesen des Christentums
   Aber manchmal hat man aus diesem Befund auch eine radikale Konsequenz gezogen. Man kann dies besonders im Verständnis des großen Kirchen- und Dogmenhistorikers Adolf von Harnack sehen. Seine grundsätzliche Auffassung hat er in den Vorlesungen (1899/1900) und in der Schrift „Das Wesen des Christentums” zum Ausdruck gebracht. Er ist der Meinung, dass die Reformation und ihr geschichtlicher Fortgang nicht mehr in einem traditionell katholischen Sinne orientiert sein können und bezieht dies auf den „alten Begriff der ‘Kirche’” und „den alten Begriff des ,Dogmas’”. Daraus folgert er: „Der Protestantismus muss rund bekennen, dass er eine Kirche wie die katholische nicht sein will und nicht sein kann, dass er alle formalen Autoritäten ablehnt, und dass er aus schließlich auf den Eindruck rechnet, welchen die Botschaft von Gott und dem Vater Jesu Christi und unserem Vater hervorruft.” Auch auf solche Vorstellungen hin ist eine Klärung notwendig,  wenn das ökumenische Gespräch fruchtbar bleiben will.
  Selbstverständlich muss auch die katholische Kirche im Blick auf das Dokument vom 10. Juli 2007 mit sich zu Rate gehen. Ich will nur in wenigen Thesen einige Hinweise geben: Es ist nicht angebracht, selbst notwendige Erinnerungen und Mahnungen verbindlicher Aussagen der Kirche, besonders im ökumenischen Gespräch, im Abstand von wenigen Jahren nur zu wiederholen. Dies ist besonders missverständlich, wenn die Einschärfung verbindlicher Entscheidungen sehr knapp erfolgt und manchmal auch frühere Texte einseitig ausgewählt und ausgelegt werden.
   Es gibt auch auf katholischer Seite auf der theologischen Ebene weiterführende Überlegungen, die sorgfältiger Beachtung bedürfen. So kann man sich auch fragen, ob das etwas steife und wenig bestimmte Wort „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit” LG 8 wenigstens im Lauf der Zeit durch den Fortgang der ökumenischen Kontakte und der ökumenischen Gespräche aufgefüllt und verlebendigt werden könnte. Joseph Ratzinger sagte schon im Blick auf „Dominus Iesus”: „Vielleicht gibt es ein besseres Wort als ,Elemente’, aber der sachliche Sinn ist doch offenkundig: Das Leben des Glaubens, dem die Kirche dient, ist ein vielschichtiges Gebilde, und da kann man durchaus ,Elemente’ unterscheiden, die in oder eben auch außer ihr da sind.”
   Um zu einem weniger konflikthaltigen Text zu kommen, ist eine viel engere Zusammenarbeit zwischen der Kongregation für die Glaubenslehre und dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen notwendig, damit der Einheitsrat auch seine eigenen Erfahrungen in ein solches Dokument wirksam einbringen kann.
   Vieles von dem, was in den letzten Jahrzehnten im ökumenischen Gespräch erreicht worden ist, ist in letzter Zeit nicht mehr präsent, vergessen und auch verdrängt worden. Ich möchte deshalb einen Vorschlag von Harding Meyer mir zu eigen machen, der auf dem Weg der kirchlichen Rezeption „In-via-Erklärungen” als Vergewisserungen wachsender Glaubensgemeinschaft und für den festzuhaltenden Ertrag des Dialogs gefordert hat und dabei auch einen thesenhaften Vorschlag gemacht hat, von dem ich glaube, dass man ihm in hohem Maß zu- stimmen kann. Es ist gut, wenn wir auf einen hochverdienten, kompetenten Pionier des evangelisch­katholischen Dialogs der letzten Jahrzehnte hören. Dazu möchte ich alle einladen.  FAZ070925

cdWilliamLevada--x Glaubenskongregation

Foto links: William Kardinal Levada    Foto rechts: Die Glaubenskongregation in Rom

Kongregation für die Glaubenslehre
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche

Einleitung
   Das Zweite Vatikanische Konzil hat mit der dogmatischen Konstitution Lumen gentium und mit den Dekreten über den Ökumenismus Unitatis redintegratio und über die Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum maßgeblich zur Erneuerung der katholischen Ekklesiologie beigetragen. Auch die Päpste wollten diese Lehre vertiefen und Orientierungen für die Praxis geben: Paul VI. in der Enzyklika Ecclesiam suam (1964) und Johannes Paul II. in der Enzyklika Ut unum sint (1995).
   Das Mühen der Theologen, das sich daraus ergibt und darauf abzielt, die verschiedenen Aspekte der Ekklesiologie immer besser zu erklären, hat sich in einer reichhaltigen Literatur niedergeschlagen; denn die Thematik erwies sich als sehr fruchtbar. Manchmal war es aber auch notwendig, einzelne Punkte genauer zu umreißen und in Erinnerung zu rufen, wie es in der Erklärung Mysterium Ecclesiae (1973), im Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche Communionis notio (1992) und in der Erklärung Dominus Iesus (2000) – alle veröffentlicht durch die Kongrgation für die Glaubenslehre – geschehen ist.
   Der Umfang der Fragestellung und die Neuheit vieler Themen fordern das theologische Nachdenken beständig heraus und führen fortwährend zu neuen Beiträgen, die nicht immer frei sind von irrigen Interpretationen. Diese erwecken Verwirrung und Zweifel, von denen einige der Kongregation für die Glaubenslehre unterbreitet worden sind. Unter Voraussetzung der gesamten katholischen Lehre über die Kirche möchte die Kongregation darauf antworten, indem sie die authentische Bedeutung einiger ekklesiologischer Ausdrücke des Lehramts klärt, die in der theologischen Diskussion in Gefahr sind, missverstanden zu werden.

Antworten auf Fragen:

1. Hat das Zweite Vatikanische Konzil die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert?
   Das Zweite Vatikanische Konzil wollte diese Lehre nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, es wollte sie vielmehr entfalten, vertiefen und ausführlicher darlegen.
   Genau das sagte Johannes XXIII. am Beginn des Konzils mit großer Klarheit. Paul VI. bekräftigte es und äußerte sich bei der Promulgation der Konstitution Lumen gentium folgendermaßen: „Der beste Kommentar zu dieser Promulgation ist wohl der folgende: Nichts hat sich an der überlieferten Lehre verändert. Was Christus gewollt hat, das wollen auch wir. Was war, das ist geblieben. Was die Kirche durch die Jahrhunderte gelehrt hat, das lehren auch wir. Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt”. Die Bischöfe haben wiederholt dieselbe Absicht bekundet und zur Ausführung gebracht.
2. Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?
   Christus hat eine einzige Kirche „hier auf Erden ... verfasst” und sie als „sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft” gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben. „Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen ... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird”.
   In der Nummer 8 der dogmatischen Konstitution Lumen gentium meint Subsistenz jene immerwährende historische Kontinuität und Fortdauer aller von Christus in der katholischen Kirche eingesetzten Elemente, in der die Kirche Christi konkret in dieser Welt anzutreffen ist.
   Nach katholischer Lehre kann man mit Recht sagen, dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam ist. Das Wort „subsistiert” wird hingegen nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben, denn es bezieht sich auf das Merkmal der Einheit, das wir in den Glaubensbekenntnissen bekennen (Ich glaube ... die „eine” Kirche); und diese „eine” Kirche subsistiert in der katholischen Kirche.
3. Warum wird der Ausdruck „subsistiert in” und nicht einfach das Wort „ist” gebraucht?
   Die Verwendung dieses Ausdrucks, der die vollständige Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche besagt, verändert nicht die Lehre über die Kirche. Er ist begründet in der Wahrheit und bringt klarer zum Ausdruck, dass außerhalb ihres Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit” zu finden sind, „die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen”.
   „Daher sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, auch wenn sie, wie wir glauben, mit jenen Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils. Denn der Geist Christi weigert sich nicht, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Kraft sich von der Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet, die der katholischen Kirche anvertraut ist”.
4. Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung „Kirchen” zu?
   Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind”, verdienen sie den Titel „Teil- oder Ortskirchen” und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt.
   „So baut die Kirche Gottes sich auf und wächst in diesen Einzelkirchen durch die Feier der Eucharistie des Herrn”. Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel.
   Andererseits wird durch die Trennung der Christen die katholische Universalität – die der Kirche eigen ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird – in ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert.
5. Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel „Kirche” nicht zu?
   Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und voll- ständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht „Kirchen” im eigentlichen Sinn genannt werden.
   Papst Benedikt XVI. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten der Kongregation für die Glaubenslehre gewährten Audienz diese Antworten, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden sind, gutgeheißen, bestätigt und deren Veröffentlichung angeordnet.
   Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre,
   am 29. Juni 2007, dem Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.
   William Kardinal Levada, Präfekt
  @ Angelo Amato, S.D.B., Titularerzbischof von Sila, Sekretär 
 „Wir wollen nicht aggressiv sein, wir wollen nicht provozieren.“
  
Das sagte der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay, der US- Nachrichtenagentur CNS. In dem Gespräch macht er deutlich, dass er auf eine Wiederversöhnung der Lefebvre-Anhänger mit der römisch-katholischen Kirche hofft. Allerdings sei der Papst derjenige, der den Prozess einer Lösung entgegen treibe. Er selbst, Fellay, habe eher noch warten wollen, bis man die Dinge klarer sehe: „Aber es scheint wirklich, als wolle der Heilige Vater, dass es jetzt geschieht.“ Fellay erklärte aber auch, die Piusbrüder würden „nicht Selbstmord begehen“. Noch gebe es keine Vereinbarung mit dem Vatikan: „Die Sache ist noch nicht gelaufen.“ Es sei zu prüfen, ob die vom Vatikan „vorgeschlagenen Strukturen und Bedingungen gangbar sind“. Dies betreffe unter anderem liturgische Praktiken und Lehren der Gemeinschaft. RVkna120514cns

Radio-Vatikan

Kommentar zu den Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche

   Die verschiedenen Fragen, auf welche die Kongregation für die Glaubenslehre antworten möchte, betreffen das allgemeine Verständnis der Kirche, wie es sich aus den dogmatischen und ökumenischen Dokumenten des Zwei- ten Vatikanischen Konzils ergibt. Denn diesem „Konzil der Kirche über die Kirche”, das nach den Worten von Paul VI. eine „neue Epoche für die Kirche” eingeleitet hat, kommt das Verdienst zu, „das wahre Antlitz der Braut Christi besser beschrieben und enthüllt” zu haben. Darüber hinaus werden die wichtigsten Dokumente von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. sowie Äußerungen der Kongregation für die Glaubenslehre in Erinnerung gerufen. Alle diese Verlautbarungen wollen zu einem vertieften Verständnis der Kirche beitragen und bieten häufig Klärungen zur beachtlichen theologischen Produktion nach dem Konzil, die nicht immer frei war von Abweichungen und Ungenauigkeiten.
  Dieselbe Zielsetzung findet sich im vorliegenden Dokument, mit dem die Kongregation die authentische Bedeutung einiger Äußerungen des Lehramts im Bereich der Ekklesiologie in Erinnerung rufen möchte, damit die gesunde theologische Forschung nicht beeinträchtigt werde durch Irrtümer, die Unklarheiten verursachen können. In diesem Zusammenhang ist die literarische Gattung der „Antworten auf Fragen” zu beachten, die ihrer Natur nach nicht Argumentationen für den Aufweis der dargelegten Lehre liefern, sondern sich darauf beschränken, Äußerungen des vorhergehenden Lehramts in Erinnerung zu rufen und somit ein sicheres und zuverlässiges Wort zum Thema zu sagen.
In der ersten Frage geht es darum, ob das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert habe
   Die Frage bezieht sich auf die Bedeutung jenes neuen Antlitzes der Kirche, welches das Zweite Vatikanum nach den zitierten Worten von Paul VI. geboten hat.
   Die Antwort, die auf das Lehramt von Johannes XXIII. und Paul VI. gründet, ist sehr klar: Das Zweite Vatikanum wollte die vorhergehende Lehre über die Kirche nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, sondern vielmehr vertieft und organischer dargelegt. In diesem Sinn werden die Worte von Paul VI. aus seiner Ansprache bei der Promulgation der dogmatischen Konzilskonstitution Lumen gentium angeführt, mit denen er bekräftigt, dass die überlieferte Lehre in keiner Weise verändert worden ist: „Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt”.
   In gleicher Weise besteht Kontinuität zwischen der Lehre des Konzils und den nachfolgenden Verlautbarungen des Lehramts, die diese Lehre aufgegriffen und vertieft und zugleich zu ihrer Entfaltung beigetragen haben. In diesem Sinn hat etwa die von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Erklärung Dominus Iesus nur die Texte des Konzils und der Nachkonzilsdokumente aufgegriffen, ohne etwas hinzuzufügen oder wegzulassen.
   Trotz dieser klaren Äußerungen war die Lehre des Zweiten Vatikanums in der Zeit nach dem Konzil – und sie ist es noch immer – Gegenstand von Interpretationen, die abwegig und in Diskontinuität zur überlieferten katholischen Lehre über das Wesen der Kirche sind. Auf der einen Seite sah man in der Lehre des Konzils eine „kopernikanische Wende”, auf der anderen Seite konzentrierte man sich auf einige Themen, die als gleichsam gegensätzlich zu anderen Themen betrachtet wurden. In Wirklichkeit lag die Grundabsicht des Zweiten Vatikanischen Konzils eindeutig darin, die Rede von der Kirche der Rede von Gott ein- und unterzuordnen und so eine im eigentlichen Sinn theologische Ekklesiologie vorzulegen. Die Rezeption des Konzils hat dieses bestimmende Vorzeichen aber häufig zugunsten einzelner ekklesiologischer Aussagen vernachlässigt, sich auf einzelne Stich- worte konzentriert und einseitige, partielle Auslegungen der Konzilslehre begünstigt.
   Was die Ekklesiologie von Lumen gentium angeht, sind im kirchlichen Bewusstsein einige Stichworte haften geblieben:
  der Begriff Volk Gottes,
  die Kollegialität der Bischöfe als Aufwertung des Bischofsamtes gegenüber dem Primat des Papstes
  die Neubewertung der Teilkirchen innerhalb der Gesamtkirche,
  die ökumenische Öffnung des Kirchenbegriffs
  und die Öffnung zu den anderen Religionen,
  und die Frage nach dem spezifischen Status der katholischen Kirche, die sich in der Formel festmacht, dass die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, von der das  Glaubensbekenntnis spricht, „in der  katholischen Kirche subsistiert” subsistit in Ecclesia catholica.
  Einige dieser Begriffe, vor allem die Aussage über den spezifischen Status der katholischen Kirche mit seinen Aus- wirkungen auf dem Gebiet der Ökumene, bilden die Hauptthemen, die von dem Dokument in den nachfolgenden Fragen behandelt werden.
In der zweiten Frage geht es darum, wie man die Aussage verstehen müsse, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert
   Als G. Philips schrieb, der Ausdruck subsistit in werde Ströme von Tinte fließen lassen, hatte er wohl nicht vorhergesehen, dass die Debatte so lange und mit solcher Heftigkeit andauern und die Kongregation für die Glaubenslehre dazu drängen würde, das vorliegende Dokument zu veröffentlichen.
  Eine solche Eindringlichkeit, die übrigens in den Texten des Konzils und des nachfolgenden Lehramts verankert ist, entspricht der Sorge um die Wahrung der Einheit und der Einzigkeit der Kirche, die verloren gingen, wenn man annehmen würde, dass es mehrere Subsistenzen der von Christus gegründeten Kirche gäbe. Wenn es so wäre, müsste man sich nämlich – wie in der Erklärung Mysterium Ecclesiae festgehalten wird – „die Kirche Christi als eine gewisse Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften” vorstellen, „zwar getrennt, aber doch irgendwie eine”, oder man müsste annehmen, „die Kirche Christi bestehe heute in Wahrheit nirgendwo mehr, sondern sei nur als ein Ziel zu betrachten, das alle Kirchen und Gemeinschaften suchen müssen”. Die einzige Kirche Christi würde als eine Kirche in der Geschichte nicht mehr bestehen oder nur in ideeller Weise bestehen, also in fieri in einer zukünftigen durch den Dialog ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschie- denen Schwesterkirchen.
   Noch klarer ist die Notifikation der Kongregation für die Glaubenslehre zu einem Buch von Leonardo Boff, gemäß dem die einzige Kirche Christi „auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann”. Im Gegensatz dazu präzisiert die Notifikation: „Das Konzil hingegen hatte das Wort ‚subsistit’ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz’ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins’ gibt, die – da sie Elemente derselben Kirche sind – zur katholischen Kirche tendieren und hinführen”.
In der dritten Frage geht es darum, weshalb der Ausdruck „subsistiert” und nicht einfach das Wort „ist” gebraucht wurde.
   Genau diese terminologische Veränderung beschreibt die Beziehung zwischen der Kirche Christi und der katholischen Kirche, die – vor allem auf ökumenischem Gebiet – für die unterschiedlichsten Schlussfolgerungen Anlass gegeben hat. In Wirklichkeit wollten die Konzilsväter einfach anerkennen, dass es in den nicht katholischen christlichen Gemeinschaften selbst kirchliche Elemente gibt, die der Kirche Christi eigen sind. Daraus folgt, dass die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht so zu verstehen ist, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein „kirchliches Vakuum” gäbe. Zugleich bedeutet dies, dass – unter Berücksichtigung des Kontextes, in den der Ausdruck subsistit in eingefügt ist, nämlich der Beziehung zur einzigen Kirche Christi, die „in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet ..., vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird” – dem Übergang von „ist” zu „subsistiert” keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt.
  Weil nämlich die so von Christus gewollte Kirche tatsächlich in der katholischen Kirche weiter besteht subsistit in, besagt die Fortdauer der Subsistenz eine substantielle Identität zwischen dem Wesen der Kirche Christi und der katholischen Kirche. Das Konzil wollte lehren, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen ist. Dies geht nur einmal, und die Vorstellung, das subsistit sei zu multiplizieren, verfehlt genau das Gemeinte. Mit dem Wort subsistit wollte das Konzil das Besondere und nicht Multiplizierbare der katholischen Kirche ausdrücken: Es gibt die Kirche als Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit.
   Entgegen einer Vielzahl von unbegründeten Interpretationen bedeutet darum der Ersatz des est mit subsistit in nicht, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach,  dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit” Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt „subsistiert”, auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten.
In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung „Kirchen” zuschreibt
  Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „subsistiert”, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit” gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht” in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, „sie als Mittel des Heils zu gebrauchen”.
   Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen.  Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel „Teil- oder Ortskirchen” verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich „echte Teilkirchen”.
   Trotz der klaren Anerkennung ihres „Teilkircheseins” und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben „ein inneres Wesenselement” für das Bestehen einer Teilkirche ist.  Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben.
In der fünften Frage geht es darum, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche” nicht zugeschrieben wird
   Dazu muss man sagen: „Die Wunde ist allerdings noch viel tiefer bei den kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben”. Deshalb sind sie „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn”, sondern „kirchliche Gemeinschaften”, wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeugt.
   Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel „Kirche” zuschreiben könnte.  Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden.
   Man muss aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben.
   Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre, das im Wesentlichen die Konzilslehre und das Nachkonzilslehramt aufgreift, ruft mit Klarheit die katholische Lehre über die Kirche in Erinnerung. Es weist unannehmbare Auffassungen zurück, die immer noch verbreitet sind, selbst in katholischen Kreisen, und es bietet wertvolle Hinweise für die Fortführung des ökumenischen Dialogs, der immer eine der Prioritäten der katholischen Kirche bleibt, wie Benedikt XVI. schon in seiner ersten Botschaft an die Kirche 20. April 2005 und bei vielen anderen Gelegenheiten bekräftigt hat, besonders bei seiner Apostolischen Reise in die Türkei 28. November – 1. Dezember 2006. Damit der Dialog aber wirklich konstruktiv sein kann, bedarf es neben der Offenheit für die Gesprächspartner der Treue zur Identität des katholischen Glaubens. Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten vgl. Joh 10,16 gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert.
   Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zusammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis redintegratio den Ausdruck „Fülle” (der Einheit/Katholizität) eingeführt, eben um zu helfen,  diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, „sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind”. Es geht also um die Fülle der katholischen Kirche, die schon gegenwärtig ist und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen, aber auch in den eigenen Söhnen und Töchtern, die der Sünde ausgesetzt bleiben, bis das Volk Gottes „zur ganzen Fülle der ewigen Herrlichkeit im himmlischen Jerusalem freudig gelangt”. Das Voranschreiten in der Fülle ist in der Dynamik des Einsseins mit Christus grundgelegt: „Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen”.

Eine Gemeinschaft, die nicht in der apostolischen Sukzession des Weihesakramentes steht,
kann nicht Kirche genannt werden.
Dokument der Glaubenskongregation:
Gemeinschaften der Reformation fehlt ein „wesentliches konstitutives Element des Kircheseins”

   Mit einem Paukenschlag endet die Welle von Veröffentlichungen wichtiger vatikanischer Dokumente. Während der Papst seinen ersten Urlaubstag in Lorenzago di Cadore in den Dolomiten verbringt, gibt die Kongregation für die Glaubenslehre ein Schreiben heraus, das den schlichten Titel „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre der Kirche” trägt. Das Papier, das seit Tagen in Rom zirkuliert, ist eine Präzisierung der Instruktion Dominus Iesus über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche des Jahres 2000. Es trägt die Unterschrift des Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, vom 29. Juni dieses Jahres und wurde von Benedikt XVI. ausdrücklich gutgeheißen, bestätigt und zur Veröffentlichung bestimmt.
   Insgesamt handelt es sich um fünf Fragen, die das Dokument beantwortet. Die fünfte Antwort dürfte besonders in Deutschland und überall dort, wo es evangelische Kirchengemeinschaften gibt, für Aufsehen sorgen. Auf die Frage, warum die Texte des Zweiten Vatikanums und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des sechzehnten Jahrhunderts hervorgegangen seien, den Titel „Kirche” nicht zuschreibe, heißt es in dem Papier kurz und knapp: „Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht ,Kirche’ im eigentlichen Sinn genannt werden.”
   Anders, so die Glaubenskongregation, laute das Urteil des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Ostkirchen. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind”,  zitiert das Dokument das Konzilsdokument   „Unitatis redintegratio”, verdienten sie den Titel „Teil- oder Ortskirchen” und würden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt. Allerdings würden diese Schwesterkirchen unter einem Mangel leiden: Ihnen fehle die „Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist”. Dies sei „nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente”, bekräftigt das Papier.
   Die übrigen Antworten stellen klar, dass das Zweite Vatikanum die Lehre über die Kirche nicht verändert, sondern nur entfaltet, vertieft und ausführlicher dargelegt habe. Es wird verdeutlicht, warum das Konzil davon gesprochen habe, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche verwirklicht sei „subsistit in” und warum die Konzilsväter sich für genau diesen Begriff entschieden hätten. Ein acht Schreibmaschinenseiten langer Kommentar rundet das Dokument ab. Darin heißt es, dass der ökumenische Dialog nur dann wirklich konstruktiv sein könne, wenn es von katholischer Seite neben der Offenheit für die Gesprächspartner auch eine Treue zur Identität des katholischen Glaubens gebe. Und der besage, dass die Kirche Christi nur in der katholischen Kirche „voll” fortbestehe. Trotzdem gebe es in den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften „viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit. JürgenErbacherDT070710gho

> > >  Lesen Sie hier den Text im Wortlaut: Dominus Jesus   

          kbwn:Una Sancta

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [nordd. Kirche] [Credo] [Ökumene] [Orthodoxie] [Una Sancta] [Wort Gottes] [Anglikaner] [Liturgie] [alte Messe] [Deutschland] [Reformation] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]