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° 22 neue Kardinäle ernannt - Sonderbericht über den neuen syro-malabarischen Kardinal in > Indien

Konsistorium: Bald zwei neue deutsche Kardinäle

   Papst Benedikt XVI. hat die Einberufung eines Konsistoriums zur Kreierung neuer Kardinäle bekannt- gegeben. Am kommenden 18. Februar werde es 22 neue Kardinäle geben, gab der Papst mit „großer Freude“ bekannt. Kreiert werden die neuen Kardinäle durch ein Dekret des Papstes, das er bei dem Konsistorium ver- kündet. Dabei erhalten die neuen Würdenträger zu ihrem hellroten Gewand das Kardinalsbirett aus der Hand des Papstes. Unter den Kandidaten sind auch zwei Deutsche. Es handelt sich um den Berliner Erzbischof, Rainer Maria Woelki, und den Jesuiten und Theologen Karl Josef Becker. Bislang gibt es 192 Kardinäle, darunter 7 Deutsche. Papstwahlberechtigt sind 108. Das Kardinalskollegium ist das wichtigste Beratungs- gremium des Papstes, die unter 80-jährigen Kardinäle wählen das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der 55- jährige Woelki wird mit dem angekündigten Konsistorium der jüngste Kardinal der katholischen Kirche. Bislang war es der 58-jährige Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx. Rv120106kna

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Erzbischof Woelki wird „jüngster Kardinal“ der katholischen Kirche  Foto rechts: Wappen: “Wir sind Zeugen”

   Der 55-jährige Erzbischof Dr. Rainer Maria Woelki wird mit dem angekündigten Konsistorium der jüngste Kardinal der katholischen Kirche. Bislang war es der 58-jährige Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx. Der gebürtige Kölner und frühere Kölner Weihbischof Woelki steht seit vergangenem August an der Spitze des Hauptstadtbistums. Er folgte Kardinal Georg Sterzinsky nach, der im Juni im Alter von 75 Jahren starb. Woelki wurde 1956 in Köln geboren und studierte in Bonn und Freiburg Theologie. Der Kölner Kardinal Joseph Höffner weihte ihn 1985 zum Priester. Fünf Jahre später ernannte ihn Kardinal Joachim Meisner zu seinem Geheimsekretär.
   1997 übernahm Woelki die Leitung des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum. 2000 wurde er an der „Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz“ in Rom, die von der Gemeinschaft Opus Dei geleitet wird, mit einer Arbeit zur Bedeutung der Gemeinde im Gefüge der Kirche promoviert. Die Deutsche Bischofskonferenz wählte ihn im Herbst zu ihrem Caritas-Bischof, der in besonderer Weise für soziale Fragen zuständig ist. Woelkis bischöflicher Wahlspruch lautet: „Wir sind Zeugen“.

cd-Karl-Josef-Becker-SJ-x  Deutscher Jesuitenpater Becker wird Kardinal

   Weiter wird der Jesuitenpater und Theologe Karl Josef Becker SJ Purpurträger. Der emeritierte Dozent der Päpstlichen Universität Gregoriana war für lange Zeit Konsultor an der Glaubenskongregation. Er war einer der vier vatikanischen Berater bei den Gesprächen mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft. Rv120106

Der Treue
   Die Nachricht machte in der Gregoriana schnell die Runde. Der würdige alte Herr bestätigte mit einem bescheidenen Lächeln, dass ihn der Heilige Vater beim nächsten Konsistorium Mitte Februar zum Kardinal küren werde. „Aber bitte nennen Sie mich weiter Pater Becker" schärft er den Studenten ein. Für Interviews steht der Jesuitenprofessor Karl Josef Becker nicht zur Verfügung. Nicht erst seit er zur Kommission Ecclesia Dei gehört, die mit der extremistischen Pius-Bruderschaft über ihre Wiederaufnahme in die Kirche debattierte, hat er sich Zurückhaltung angewöhnt. Der 1928 in Köln geborene Becker, seit 1948 Mitglied der Gesellschaft Jesu und seit 1969 Dogmatiker an der Päpstlichen Universität Gregoriana, wurde 1977 Berater der Glaubens- kongregation, wo er seit 1982 loyal mit dem vormaligen Präfekten Josef Ratzinger zusammenarbeitete.
   Theologisch stammt der Jesuit aus einer anderen katholischen Tradition als der Papst. Während Ratzinger mit Augustinus und dem Franziskaner Bonaventura eine heilsgeschichtliche Theologie entwickelt, geht der 1958 in Frankfurt zum Priester geweihte Becker seit seiner Promotion über Domingo de Soto stärker vom Den- ken der Dominikaner und von Begriffsbestimmungen aus. Die Definitionsschärfe und Systemklarheit der Barockscholastik prägt Becker seither: die Theologie des 16. Jahrhunderts, die Zeit um das Konzil von Trient. Als Dogmatiker liegen Beckers Lehr- und Forschungsgebiete in der Sakramenten- und Gnadenlehre. Aus- gehend von der Frage, wie und wo Gottes Erlösung wirksam wird, beschäftigt der neue Kardinal sich auch mit der Heilsbedeutung anderer Religionen: Kann es auch außerhalb der katholischen Kirche und ihrer Sakra- mente Heil geben? Gerade hat er zu dieser Frage ein dickes Buch herausgegeben. Seine Antwort: Die an- deren Religionen können die Menschen auf Christus vorbereiten. Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils erklärt Becker messerscharf.
  Dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche „subsistiere", bedeutet für Becker: Einzig sie ist Kirche. Gleichwohl setzt er sich für Religionsfreiheit ein. „Freiheit zum Irrtum" müsse man eben gewähren. Bei einem Vortrag über „Katholische Identität im interreligiösen, ökumenischen und christlich-jüdischen Dialog" pranger- te er ein zu laxes Verhandeln in Glaubensdingen an. Gegenüber den Pius-Brüdern verteidigt der konservative Theologe aber das Zweite Vatikanische Konzil. Wie das zusammengeht? Als ihm zu seinem 75. Geburtstag eine Festschrift verehrt wird, benennt der Titel die Grundhaltung des neuen Kardinals: Sentire cum Ecclesia - Mit der Kirche fühlen. So ist die Auszeichnung des Papstes als Anerkennung für Beckers Kirchentreue zu verstehen. Fraglos ist sie auch Dank für langjährige Arbeit in der Glaubenskongregation und vielleicht ein Gruß an die Jesuitenuniversität.
   So jedenfalls wollen es manche seiner Mitbrüder verstehen. Seit 2003 ist Becker emeritiert; er hat längst die Altersgrenze überschritten, um noch an einem Konklave teilnehmen zu können; aber eine päpstliche Aus- zeichnung für Kirchentreue nimmt man trotzdem an. FAZ120120JörgBremer

Letzte Meldung. Pater Karl Josef Becker wird am kommenden 18. Februar nicht am Konsistorium teilnehmen und deswegen an diesem Tag auch nicht in den Kardinalsstand erhoben werden. Das teilte der Presse- sprecher des Heiligen Stuhles, Pater Federico Lombardi,  mit. Aus Gesundheitsgründen werde Becker zu einem späteren Zeitpunkt Kardinal. Der emeritierte Dozent der Päpstlichen Universität Gregoriana war für lange Zeit Konsultor an der Glaubenskongregation. Er war einer der vier vatikanischen Berater bei den Gesprächen mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft. Mit über 80 Jahren wird er einer der Kardinäle sein, die bei einem eventuellen Konklave kein Wahlrecht besitzen. Rv120203

Kardinal Woelki hat die Nachricht mit großer Freude aufgenommen. cd-RainerMariaWoeli-b-z

Das sagte der Erzbischof im Interview mit Radio Vatikan:
   „Es hat natürlich immer geheißen, Berlin, das ist Kardinalssitz, das wird irgendwann kommen. Dass es jetzt so schnell gekommen ist, war für mich selbst überraschend. Aber ich freue mich darüber, vor allem für unser Erzbistum, ich freue mich für die Christen, die hier in der Diaspora leben seit vielen Jahren. Und dass über diese Ernennung ihr Leben als Christen in den Blickpunkt der Universalkirche gerückt wird.“
  
Der gebürtige Kölner und frühere Kölner Weihbischof Woelki steht erst seit vergangenem August an der Spitze des Hauptstadtbistums. Er folgte Kardinal Georg Sterzinsky nach, der im Juni im Alter von 75 Jahren starb. Ein Kardinal für Berlin zu diesem Zeitpunkt – was bedeutet das?
   „Ich denke schon, dass es im Blick des Papstes gewesen ist, dass natürlich Berlin von seiner Geschichte und seiner Vergangenheit als geteilte Stadt her ein besonderes Augenmerk des Heiligen Vaters hat. Und dass natürlich darüber hinaus Berlin als Bundeshauptstadt auch eine wichtige Rolle im Konzert der großen Welt- städte spielt. Also ich denke, dass mit dieser Ernennung auch eine Würdigung der Bundesrepublik Deutsch- land verbunden ist, Berlins als Sitz der Bundesregierung und darüber hinaus der ganzen deutschen Kirche.“

   Der 55-jährige Woelki wird mit dem angekündigten Konsistorium der jüngste Kardinal der katholischen Kirche. Das Kardinalskollegium sei für ihn ja unbekanntes Terrain – da müsse er sich zunächst einmal um- sehen, räumt der Erzbischof ein:
   „Ich freue mich zunächst einmal, dass ich verjüngend in diesem Kollegium wirke. Dass kann man ja nicht unbedingt, wenn man 55 Jahre seines Lebens hinter sich hat, so generell sagen und von sich behaupten, dass man dann noch einmal in einen Kreis kommt, in dem man die Aufgabe übernehmen muss, verjüngend zu wirken. Das andere: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, wie es da zugeht, ich werde mich da erst einmal einfinden müssen. Da sind ja viele andere von den 107 oder 109, die da gegenwärtig wahlberechtigt sind, und darüber hinaus sind ja auch noch die da, die das 80. Lebensjahr vollendet haben – alles Mitbrüder mit einer reichen Lebenserfahrung und einer reichen Erfahrung im Amt, da wird es mir wohl erst einmal gut anstehen, zuzuhören und zu schauen, wie es dort eigentlich gehet. Und dann werde ich sicherlich das, was ich zu sagen habe, in der dafür vorgesehenen Weise dann auch tun und ansprechen.“ Rv 120106pr

 Wer ist noch dabei?
   Welche weiteren Kardinäle wird es neben Erzbischof Rainer Maria Woelki und dem Jesuitenpater Karl-Josef Becker am 18. Februar geben? Von den 22 neuen Würdenträgern stammen 16 aus Europa; unter diesen sind sieben Italiener und zwei Deutsche. Zwei kommen aus Asien - der syro-malabarische Großerzbischof George Alencherry sowie John Tong Hon aus Hongkong -, vier aus Amerika. Zehn der neuen Kardinäle bekleiden Leitungsämter an der römischen Kurie, wie die Präfekten der Missions- sowie der Ordenskongregation, Fernando Filoni und Joao Braz de Aviz. Aus großen Diözesen der Weltkirche berief Benedikt XVI. für das „Heilige Kollegium” neben dem Berliner Woelki auch die Erzbischöfe von Toronto, Prag, Utrecht, Florenz und New York.
  
Wie bei früheren Konsistorien wird Benedikt XVI. am 18. Februar auch einige Kirchenmänner über 80 ins Kardinalskollegium aufnehmen und damit für ihr Lebenswerk ehren. Neben dem deutschen Jesuitenpater Karl Josef Becker (83), der langjähriger Berater der Glaubenskongregation ist, sind unter ihnen der rumänisch- katholische Großerzbischof Lucian Muresan von Fagaras si Alba Julia (80), der belgische Kirchenhistoriker Julien Ries (91) und der aus Malta gebürtige Theologe Prosper Grech. RV120107kna

Mit den 22 neuen Kardinälen erhöht sich die Zahl der Purpurträger, die das wichtigste Beratergremium des Papstes bilden, auf 214. Von diesen sind 125 zum Zeitpunkt des Konsistoriums unter 80 Jahre alt und damit zur Teilnahme an einer Papstwahl berechtigt. RVkna120106pr

Papst vereinfacht Feier zur Kardinalserhebung
   Papst Benedikt hat die Zeremonie für Kardinalserhebungen reformiert. Wie die vatikanische Tageszeitung „L´Osservatore Romano“ berichtet, werden die 22 neuen Purpurträger im Februar nach einem überarbeiteten und vereinfachten Ritus in das Kardinalskollegium aufgenommen. Sie erhalten ihre Insignien - den roten Kardinalshut und den Kardinalsring - sowie ihre Titelkirche erstmals in einem gemeinsamen Akt.
   Zudem wurden für die liturgischen Feiern des Papstes zwei Gebete verändert und die Schriftlesung verkürzt.  Ziel der Überarbeitung sei es, jeden Anschein zu vermeiden, die Kardinalserhebung sei ein eigenes Sakra- ment, schreibt der „Osservatore“. Konsistorien seien in der Kirchengeschichte zu keinem Zeitpunkt als liturgi- scher Akt betrachtet worden. Die Zusammenlegung der Verleihung von Birett, Kardinalsring und Titelkirche trage dem Umstand Rechnung, dass die Unterscheidung zwischen öffentlichem und geheimem Konsistorium schon seit längerem hinfällig geworden sei. Vor der letzten Reform der Zeremonie im Jahr 1969 war der Kardinalshut vom Papst im öffentlichen Teil des Konsistoriums verliehen worden, Titelkirche und Kardinalsring im anschließenden geheimen Teil. RVkna120108gs

Konsist.cdCordes-xx

       Die Liste der weiteren 20 Kardinäle, die Benedikt XVI.  am Fest der Erscheinung des Herrn 2012 ernannt hat:

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      Italien: Erzbischof  Fernando Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Experte für China, den Nahen und Mittleren Osten, 65. Foto links
      Portugal:
      Erzbischof Manuel Monteiro de Castro, Großpönitentiar rechts am päpstlichen Gerichtshof- zuständig als Gnadenhof für den sakramentalen und außersakramentalen Gewissensbereich, 73

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      Spanien:  Erzbischof  Santos Abril Castello, Erzpriester der Großen Marienbasilika in Rom, 76.
      Foto links: Sa Maria Maggiore, Das Foto des Erzpriesters bringen wir hier noch diese Woche.
      Italien: Erzbischof Antonio Maria Veglio, Präsident des Päpstlichen Rates für Migranten und Menschen unterwegs
      , 74. Foto rechts.

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      Italien: Erzbischof Giuseppe Bertello, Präsident der Päpstlichen Kommission für den Staat Vatikanstadt und Präsident des Governatorates der Vatikanstadt, 69. Foto links
      Italien: Erzbischof Francesco Coccopalmerio, Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, 73. Foto rechts

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      Brasilien: Erzbischof Joao Braz de Aviz, Präfekt der Kongregation für Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, 64. Foto links
      USA: Erzbischof Edwin F.O’Brien, Pro-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab Jerusalem, 72. Foto rechts

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      Italien: Erzbischof Domenico Calcagno, Präsident der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, 69 Foto links
      Italien: Erzbischof Giuseppe Versaldi, Präsident der Präfektur für die ökonomischen
      Angelegenheiten des Heiligen Stuhls, 68. Foto rechts

ind-sy-GeorgeAlencherry-2z cd-ThomaChristopherColins-x

      Indien: George Alencherry, Groß-Erzbischof des Großerzbistums Ernakulam-Angamaly sowie Oberhaupt der syro-malabarischen Kirche, 66 Foto links
      aktuell: Interview mit dem neuen Groß-Erzbischof George Kardinal Alencherry
      über die die syro-malabarische Kirche in 
      Indien

      Kanada: Thomas C. Collins, Erzbischof von Toronto, 65. Foto rechts

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      Tschechien: Dominik Duka, Erzbischof von Prag, 68. Foto links
      Niederlande: Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht, 58. Foto rechts

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      Italien:  Giuseppe Betori, Erzbischof von Florenz, 64. Foto links
      USA: Timothy Michael Dolan, Erzbischo von New York, 62 Foto rechts

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      China: John Tong Hon, Bischof von Hong Kong, 72. Foto links
      Katholische Kathedrale der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria, Hong Kong Foto rechts

      Weitere drei Kardinäle, die bereits das 80. Lebensjahr überschritten haben und daher nicht mehr an einem Konklave zur Papstwahl teilnehmen könnnen, werden für ihr Lebenswerkes geehrt:

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      Rumänien: Lucian Mureșan, Großerzbischof von Făagăaraș und Alba Julia sowie Oberhaupt der rumänischen griechisch-katholischen Kirche, 80
      Belgien: Julien Ries, Priester der Diözese Namur emeritierter Professor für Geschichte der Religionen an der katholischen Universität Löwen, 91.
      Malta:  Augustinerpater Prosper Grech, biblischer Gelehrter und Konsultor der Glaubenskongregation, 86. Fotos von links nach rechts

      Von den jetzt 125 wahlberechtigten Kardinälen  hat Papst Benedikt XVI. 64 nicht ernannt,
      53 zur Papstwahl berechtigte Kardinäle wurden  von Johannes Paul II. ernannt.

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Bischof Kurt Kardinal Koch wird Präsident des Einheitsrates

   Der Basler Bischof Kurt Koch Foto oben rechts ist von Papst Benedikt XVI. zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt worden. Dies teilte der Bischof in einem persönlichen Schreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger seiner Diözese mit. 
   Der Papst habe betont, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, dass diese Aufgabe von jemandem wahr- genommen werde, der die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht nur aus der Literatur, son- dern „aus der unmittelbaren Erfahrung“ kenne. Damit habe der Papst erneut gezeigt, dass ihm nicht nur die Ökumene mit den Orthodoxen, sondern auch diejenige mit den Protestanten am Herzen liege, so Koch in seinem Schreiben. Er freue sich darauf, der Ökumene, einem seit dem Zweiten Vatikanum wichtig gewordenen Anliegen, in besonderer Weise dienen zu können. RVpm100630kipa
   Walter Kasper
Foto oben links, der 2001 zum Kardinal und Präsidenten des Einheitsrates ernannt worden war, wird in Rom bleiben. Der 78-Jährige sagte FOCUS, er wolle sich wieder mehr theologischen Fragen widmen. Er gehe zufrieden in den Ruhestand und freue sich, dass er nun auch weniger reisen müsse: „Man merkt ja schon, dass man schneller müde wird und dass das Gedächtnis ein wenig nachlässt.“ Focus100626
   Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen wurde vor rund 50 Jahren gegründet. Seine Anfänge sind eng mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden. Es war der Wunsch von Papst Johannes XXIII., die Beteiligung der römisch-katholischen Kirche an der ökumenischen Bewegung zu einem Hauptanlie- gen des Konzils zu machen. Daher schuf er am 5. Juni 1960 ein «Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen». 1988 wandelte Papst Johannes Paul II. den Namen des Einheitssekretariates in Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen um.
hws100628APD
Ausführlicher Bericht über Kardinal Walter Kasper finden Sie auf der Seite >
Ökumene

Der gebildetste und eloquenteste Oberhirte
   Der bischöfliche Informationsbeauftragte Giuseppe Gracia bestätigt, dass Bischof Koch vom Papst zu einer Privataudienz eingeladen worden sei. Bischof Kurt Koch galt immer schon als der geistig agilste, gebildetste und eloquenteste katholische Oberhirte in der Schweiz. Er hat selbst als Bischof zahlreiche Werke verfasst, so 2005 das Ökumene-Buch «Dass alle eins seien».
  Bekannt geworden war Koch in den Achtzigerjahren als reformorientierter Theologieprofessor in Luzern.
Klar für Rom Partei ergriffen
   In letzter Zeit hat der Bischof immer wieder klar für Rom und den Papst Partei ergriffen. Vor allem im Februar 2009, als sich Benedikt XVI. mit den traditionalistischen Pius-Bischöfen, darunter Holocaust-Leugner Richard Williamson, aussöhnte. Ende 2009 trat er nach dreijähriger Amtszeit vom Präsidium der Schweizer Bischofs- konferenz zurück.
Tages-Anzeiger100628

Bischof Kurt Koch cd-KurtKochBasel-1z

Bischof Kurt Koch schreibt an die Gläubigen seiner Diözese Basel
einen persönlichen Brief  zur schwierigen Situation in der Kirche heute

   In den vergangenen Tagen und Wochen dürfte es Ihnen ähnlich ergangen sein wie mir: Nach der Bekannt- gabe der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. am 24. Januar sind wir mit einer Flut von Informationen, Meldungen und Gegenmeldungen, Kommentaren und Stellungnahmen nicht nur zum Akt der Aufhebung der Exkommunikation, sondern auch und vor allem zu der ungeheuerlichen Leugnung des Holocaust durch Bischof Williamson überschüttet worden, so dass es kaum mehr leicht gefallen ist, Orientierung zu gewinnen und sich zurecht zu finden. In den zurückliegenden Tagen hat sich die öffentliche Kritik immer mehr auf die Person unseres Papstes konzentriert. Auch einzelne Theologen haben dem Papst massive Vorhaltungen gemacht und damit zumindest insinuiert, das Geschehene passe irgendwie zu ihm. Die Integrität von Papst Benedikt, das Papsttum und unsere Kirche als ganze haben einen schweren Schaden erlitten, den auch Sie in den alltäglichen Begegnungen zu spüren bekommen haben. Es ist mir deshalb ein Anliegen, Ihnen persönlich zu sagen, dass ich wie Sie unter dieser Situation leide, und Ihnen mitzuteilen, wie ich die Situation heute sehe. Ich will einfach versuchen, das Vorgefallene in einem größeren Kontext zu verstehen.
1. Die Aufhebung der Exkommunikation bedeutet keine Änderung des rechtlichen Status der Pius-Bruder- schaft
 Am 27. Januar habe ich mich in meiner Verantwortung als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz in einem Communiqué ganz klar von den dummen und beleidigenden Äusserungen von Bischof Williamson distanziert, unsere jüdischen Mitbürger und Bürgerinnen um Entschuldigung für diese Irritationen gebeten und unmiss- verständlich darauf hingewiesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation in keiner Weise eine Rehabili- tierung oder eine Versöhnung mit den vier Bischöfen bedeuten kann, sondern nur die Öffnung einer Tür, um die Bereinigung der offenen und strittigen Fragen in Angriff zu nehmen.
   Trotzdem wurde in verschiedenen Medien immer wieder von Aufnahme in die Kirchengemeinschaft, von Be- gnadigung und von Rehabilitierung gesprochen. Davon kann aber gemäß dem Kirchenrecht der katholischen Kirche bei der Aufhebung einer Exkommunikation noch nicht die Rede sein. Ich will dies an einem geschicht- lichen Beispiel verdeutlichen: Als am 07. Dezember 1965 Papst Paul VI. die Exkommunikation über die ortho- doxe Kirche von Konstantinopel im Jahre 1054 und am gleichen Tag Patriarch Athenagoras die umgekehrte Exkommunikation aufgehoben haben, war die Kirchengemeinschaft noch keineswegs erreicht. Dieser Schritt hat es aber ermöglicht, dass während über vierzig Jahren ein intensiver ökumenischer Dialog geführt werden konnte, der nun die Besiegelung der Kirchengemeinschaft am Horizont aufscheinen lässt.
   Nicht anders ist die Aufhebung der Exkommunikation über die vier Bischöfe zu verstehen. Was war diesem Schritt vorausgegangen? Als Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden war, haben die Bischöfe der Pius- Bruderschaft ihn gebeten, den Dialog mit Rom wieder aufzunehmen, und sie haben die doppelte Forderung gestellt, dass der Papst den Ritus der Heiligen Messe in der Form von 1962 wieder allgemeiner zulasse und dass er die im Jahre 1988 vollzogene Exkommunikation wieder aufhebe. Beide Forderungen hat Papst Bene- dikt XVI. nun erfüllt. Er ist damit zugegebenermaßen sehr weit gegangen. Aber ich denke, dass er sich den barmherzigen Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn als Vorbild genommen hat. Bekanntlich hat dieser nicht zunächst Vorbedingungen gestellt, sondern ist auf den verlorenen Sohn zugegangen, als dieser Umkehr- bereitschaft signalisiert hat. Genauso hat der Papst die gewiss große Hürde der Exkommunikation weg- genommen, um den Weg des Dialoges beginnen zu können, wie auch der Vatikan in seiner Erklärung vom 04. Februar festgehalten hat: „Die Aufhebung der Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer schwer- wiegenden kanonischen Strafe befreit, hat aber nicht die juridische Lage der Bruderschaft St.Pius X. geändert, die sich gegenwärtig keiner kanonischen Anerkennung in der katholischen Kirche erfreut. Auch die vier Bischö- fe haben, auch wenn ihre Exkommunikation aufgehoben ist, keine kanonische Funktion in der Kirche und üben in ihr kein berechtigtes Amt aus.“ Die Aufhebung der Exkommunikation stellt also nur einen allerersten Schritt für einen möglicherweise langen Weg der Versöhnung dar.
2. Das Zweite Vatikanische Konzil steht nicht zur Disposition
   Bereits bei der Generalaudienz vom 28. Januar hat Papst Benedikt XVI. von den Bischöfen „echte Treue und echtes Anerkennen des Lehramtes und der Autorität des Papstes und des II.Vatikanischen Konzils“ gefordert. Und in seiner Stellungnahme vom 4. Februar hat der Vatikan nochmals betont: „Für eine künftige Anerken- nung der Bruderschaft St. Pius X. ist die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramtes der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI. eine unerlässliche Bedingung.“
   Wer Papst Benedikt, sein theologisches Denken und seine bisherige Verkündigung als Papst kennt, wird diese konsequente Haltung nicht überraschen. Denn es kann nicht zweifelhaft sein, dass er das Zweite Vati- kanische Konzil in Frage oder zur Disposition stellen könnte; er selbst benützt es immer wieder als Referenz- punkt, an dem er sich orientiert. Bereits als Kardinal ist er mit den Verhandlungen mit Erzbischof Lefebvre beauftragt gewesen und hat auch damals die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils gefordert. Auch als Papst hat er deutliche Zeichen in diese Richtung gegeben. Sie wurden freilich in der Öffentlichkeit zu- meist in der umgekehrten Richtung gedeutet.
   Mit seinem Apostolischen Schreiben „Summorum pontificum“ im Jahre 2007 hat er die Feier der Heiligen Messe in der Form von 1962 allgemeiner zugelassen und ist damit gewiss der ersten Forderung der Bischöfe der Pius-Bruderschaft entgegengekommen. Er hat ihnen aber zugleich das stärkste Argument aus der Hand genommen, das schon Erzbischof Lefebvre geltend gemacht hatte, dass mit der Messreform nach dem Konzil eine neue Kirche mit einer neuen Messe entstanden sei. Diesem Argument hat der Papst kategorisch mit der Überzeugung widersprochen, dass es in der katholischen Kirche nicht zwei Riten gebe, sondern nur zwei Formen des einen Ritus, dass Priester, die in der Form des Ritus von 1962 zelebrieren, „selbstverständlich die Zelebration nach den neuen liturgischen Büchern nicht ausschließen“ können , und dass folglich mit der Zu- lassung der beiden Formen die Autorität des Zweiten Vatikanischen Konzils in keiner Weise in Frage gestellt sei. Lesen Sie dazu unsere ausführlichen Berichte > Una Sancta
   Bereits in seiner ersten programmatischen Weihnachtsansprache an die Mitglieder der römischen Kurie am 22. Dezember 2005 hat der Papst sehr grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Interpretationen des Konzils unterschieden. Die eine bezeichnete er als Interpretation im Sinn der Diskontinuität und des Bruches, dergemäß bewusst über die Konzilstexte hinausgegangen werde, um den so genannten „Geist des Konzils“ in die Zukunft hinein weiter zu schreiben. Die zweite nannte er Interpretation im Sinne der Reform, der Erneuer- ung der Kirche in bleibender Verbundenheit mit der Tradition. Für Papst Benedikt versteht es sich von selbst, dass das Zweite Vatikanische Konzil keinen Bruch in der Kirchengeschichte darstellt, dass es sich vielmehr um eine Erneuerung der Kirche in Kontinuität mit der Tradition handelt. Diese eindeutige Verbindung von Treue und Dynamik in der Interpretation des Konzils war eine klare Aussage nicht nur in progressistischer, sondern auch in traditionalistischer Richtung, die freilich in der Beurteilung des Konzils als Bruch gar nicht so weit auseinander liegen, wie es auf den ersten Blick scheint.
   Schließlich wies für mich auch die Datierung der Aufhebung der Exkommunikation in die Richtung der not- wendigen Anerkennung des Konzils als Voraussetzung für die Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft. Den Tag vor dem Ende der Gebetswoche für die Einheit der Christen und vor dem 50. Jahrestag der Ankündigung des Zweiten Vatikanischen Konzils habe ich dahingehend gedeutet, dass mit der Aufhebung der Exkommuni- kation ein Weg auf Einheit hin eröffnet wird, den die Pius-Bruderschaft nur zusammen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gehen kann.
   Die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die Bischöfe der Pius-Bruderschaft muss sich dabei besonders auf jene Lehren richten, die von letzteren immer wieder bestritten werden, hinter denen aber Papst Benedikt überzeugt steht: die Erklärung der Religionsfreiheit, die bereits der Theologe Joseph Ratzinger als „das Ende des Mittelalters, ja das Ende der konstantinischen Ära in der Peterskirche“ beurteilt hat; die Hinwendung der katholischen Kirche zur Ökumene, die der Papst stets als besonderes Anliegen seines Pontifikates bezeichnet hat; und vor allem die in der Erklärung über die nichtchristlichen Religionen zum Ausdruck gebrachte heilsgeschichtliche Sicht des Judentums, die der Papst in verschiedenen Begegnungen mit jüdischen Autoritäten als „Meilenstein auf dem Weg der Versöhnung zwischen den Christen und dem jüdischen Volk“ gewürdigt hat .
3. Antisemitismus hat in der Kirche keinen Platz
   Es erfüllt mich deshalb mit tiefer Trauer, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen konnte, der Papst distanziere sich nicht in genügender Weise von antisemitischen Äusserungen aus den Reihen der Pius- Bruderschaft und die Leugnung des Holocaust habe in der katholischen Kirche einen legitimen Platz. An den vielen positiven Äusserungen des Papstes zum Judentum, der bereits die sympathische Zuwendung von Papst Johannes Paul II. zu den jüdischen Geschwistern theologisch begleitet hat, hat der leider entstandene Eindruck keinen Anhalt ebenso wenig wie an den vielen Zeichen einer besonderen Wertschätzung der Juden: Den ersten Brief als Papst schrieb er dem Rabbiner von Rom; er begegnete den Juden in der geschichts- trächtigen Synagoge von Köln und im vergangenen Herbst lud er zum ersten Mal einen Rabbiner ein, um vor der Bischofssynode zu sprechen. Deutlicher könnte die judenfreundliche Sprache des Papstes nicht sein.
   Bei der Generalaudienz vom 28. Januar hat sich Papst Benedikt klar von jeder Leugnung oder Reduzierung des Grauens des Holocaust distanziert, und in der Erklärung vom 04. Februar hält der Vatikan unmissver- ständlich fest: „Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Schoah sind absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zurückgewiesen worden … Bischof Williamson wird, um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Schoa gehen müssen - Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der Exkommunikation nicht kannte.“
   Wenn einzelne Theologen in den vergangenen Tagen meinten darauf hinweisen zu müssen, das Verhältnis des Papstes zu den anderen Religionen und zum Judentum sei theologisch verkrampft und ungeklärt, dann sind dies Fragen, die in einer wissenschaftlichen Diskussion erörtert werden können. Wenn sie jetzt aber ins Feld geführt werden, insinuieren sie – gewollt oder ungewollt –, der Papst stehe eigentlich nicht zu seinen eigenen Aussagen und Zeichenhandlungen. Eine solche Insinuation ist in der gegenwärtigen Situation genauso fatal wie der Zusammenfall der Aufhebung der Exkommunikation mit der Veröffentlichung der unhal- tbaren Aussagen Williamsons. Als verletzend muss ich es werten, wenn Journalisten wiederholt an die Mit- gliedschaft des jungen Ratzinger in der Hitlerjugend erinnern. Wer die Lebenserinnerungen von Papst Bene- dikt gelesen hat, weiß, dass er in einer Familie aufwachsen durfte, in der die Nazi-Ideologie von allem Anfang an durchschaut wurde: „Mein Vater litt darunter, dass er nun einer Staatsgewalt dienen musste, deren Träger er als Verbrecher ansah“. Sein Vater sah deshalb mit einer unbestechlichen Hellsicht, „dass ein Sieg Hitlers nicht ein Sieg Deutschlands sein würde, sondern ein Sieg des Antichristen, der apokalyptische Zeiten für alle Gläubigen, und nicht nur für sie, heraufführen müsste.“ Papst Benedikt hat auch nie verschwiegen, dass er seine priesterliche Berufung seinem Widerstand gegen den nationalsozialistischen Nihilismus verdankte. Ich frage mich, warum ausgerechnet ein solcher Mensch und Katholik von antisemitischen Zwischentönen nicht frei sein sollte.
   Papst Benedikt hat in seinen bald vier Jahren des Pontifikates sehr deutlich gezeigt, dass Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun haben kann. Es darf auch nicht vergessen werden, dass diese positive Einstellung zum Judentum bereits im Pontifikat von Papst Pius XI. vorbereitet worden ist, der den Antisemitismus als eine „abstossende Bewegung“ verurteilt hat, „an der wir Christen keinerlei Anteil haben können“, und der, als Hitler im Jahre 1938 Rom besuchte, die Stadt verlassen und sich nach Castel- gandolfo mit der Begründung zurückgezogen hat, es sei eine sehr „traurige Tatsache“, dass in der Stadt der Märtyrer und Päpste ausgerechnet am Fest des heiligen Kreuzes „das Zeichen eines anderen Kreuzes aufgepflanzt“ werde, das „nicht das Kreuz Jesu Christi“ sei. Zu erinnern ist auch an das Pontifikat von Papst Pius XII., der vom antichristlichen Geist des nationalsozialistischen Judenhasses überzeugt gewesen ist und bekannt hat, dass dem Geist nach wir Christen alle Semiten seien. Insofern nehmen gewisse Bischöfe und andere Vertreter der Pius-Bruderschaft nicht einmal ihren eigenen Grundsatz ernst, dass sie zum Lehramt der katholischen Kirche bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil stehen.
4. Ist der Preis für die Bemühung um Einheit nicht zu groß?
   Eine Frage bleibt, die Sie sich vielleicht auch stellen: Wäre es nicht am besten gewesen, wenn der Papst Bischof Williamson gleich wieder exkommuniziert hätte? Wäre uns da vieles nicht erspart geblieben? Ich ver- füge diesbezüglich auch nicht über mehr Informationen als Sie, liebe Schwestern und Brüder. Ich kann nur Vermutungen äußern. Meine Vermutung geht dahin, dass der Papst überzeugt ist, dass auf diesem Weg der Akt der Aufhebung der Exkommunikation nachträglich eine Bedeutung bekommen hätte, die er ihm nicht gab und die er nach katholischem Kirchenrecht nicht haben kann, und dass er sich damit seine Verantwortung zu leicht gemacht hätte. Nach den vielen weiteren Dummheiten, die sich einzelne Bischöfe und andere Vertreter der Pius-Bruderschaft auch nach der Aufhebung der Exkommunikation geleistet haben – der Papst sei dies vor seinem Ableben noch schuldig gewesen, die Pius-Bruderschaft vertrete die wahre katholische Kirche und sie werde den Papst bekehren –, und die nicht anders gedeutet werden können als Schlag ins Gesicht des Papstes, hätte er allen Grund gehabt, sich von dieser Gemeinschaft wieder zu distanzieren.
   Aber wäre damit das Problem wirklich gelöst gewesen? Trotz aller Tragik und trotz des großen Schadens, der für unsere Kirche entstanden ist, gehe ich davon aus, der Papst dürfte aufgrund folgender Überlegungen gehandelt haben: Weil wir erstens aus der Psychologie wissen, dass der Fundamentalismus ein erzreaktives Phänomen ist, das sich durch Ablehnung erst recht bestätigt weiß, wären viele fundamentalistische Tenden- zen in der Pius-Bruderschaft noch verstärkt worden. Dass sie jetzt an die Öffentlichkeit gekommen sind und dass der Papst Bischof Williamson zum öffentlichen Widerruf der größten Dummheit verpflichtet hat, hat zu- mindest den Vorteil, dass jetzt die Pius-Bruderschaft Farbe bekennen muss, ob sie zum Zweiten Vatikanischen Konzil steht und die schwere Sünde des Antisemitismus öffentlich zu bekennen bereit ist.
   Der Weg dahin dürfte jedenfalls beschwerlich werden – wenn die Pius-Bruderschaft ihn nicht bereits selbst verspielt hat. Wie lange dieser Weg werden könnte, kann man an der Tatsache ablesen, dass die Pius- Bruderschaft noch im Oktober 2008 eine lange Auseinandersetzung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ins Internet stellte und in die Aufforderung münden ließ: „Rom muss die verheerenden Zeitbomben des II. Vatika- nischen Konzils entschärfen und vollkommen beseitigen. Dafür zu arbeiten und zu beten ist Pflicht eines jeden aufrechten Katholiken. Der verheerende Konzilsgeist muss niedergerungen, der Spalt, durch den der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen ist, sofort geschlossen werden. Inzwischen gilt es, heldenhaft unter dem Kreuz der Ausgrenzung auszuharren.“
   Hinzu kommt eine zweite Überlegung. Ich gehe davon aus, dass der Papst bei der Aufhebung der Exkommu- nikation nicht nur an die vier Bischöfe, sondern auch an die 600.000 Gläubigen und über vierhundert Priester gedacht hat, die sich der Pius-Bruderschaft zugehörig wissen, und dass er die Verantwortung des Guten Hirten gespürt hat, den verlorenen Schafen nachzugehen. Papst Benedikt hat sich gewiss von jener Über- zeugung leiten lassen, die er bereits in seinem Begleitschreiben zum Motu proprio so ausgesprochen hat: „In der Rückschau auf die Spaltungen, die den Leib Christi im Lauf der Jahrhunderte verwundet haben, entsteht immer wieder der Eindruck, dass in den kritischen Momenten, in denen sich die Spaltung anbahnte, vonseiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan worden ist, um Versöhnung und Einheit zu erhalten oder neu zu gewinnen; dass Versäumnisse in der Kirche mit schuld daran sind, dass Spaltungen sich verfestigen konnten. Diese Rückschau legt uns heute die Verpflichtung auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um all denen das Verbleiben in der Einheit oder das neue Finden zu ihr zu ermöglichen, die wirklich Sehnsucht nach Einheit tragen.“
   Ich gehe weiter davon aus, dass bei der grossen Zahl von Menschen, die sich der Pius-Bruderschaft zuge- hörig wissen, die Motive ihrer Zugehörigkeit sehr verschieden sind, und dass die Aufhebung der Exkommuni- kation – wie bereits deren Verhängung im Jahre 1988 - zu einer notwendigen Scheidung der Geister in der Pius-Bruderschaft führen wird, so dass die einen den Weg in die Kirche finden und die anderen noch mehr in ihren letztlich unkatholischen Positionen verharren werden.
   Trotzdem bleibt die Frage: Ist der Preis für dieses Mühen um Einheit nicht zu groß? Ich habe Verständnis für alle, die so denken. In der gegenwärtigen Situation ist es sehr schwierig, das Positive sehen zu können. Aber ich bin überzeugt, dass die Geschichte Papst Benedikt darin Recht geben wird, bis zum Äußersten gegangen zu sein, um die Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (wie übrigens nach verschiedenen Kon- zilien) eingetreten ist, zu heilen. Das Gelingen dieses Weges müssen wir Gott überlassen; aber ich hoffe darauf – wider alle Hoffnung.
   Schließlich ist in verschiedenen Stellungnahmen die Hoffnung geäußert worden, dass nun die Hand der Ver- söhnung auch in eine andere Richtung ausgestreckt werden möge, vor allem in die Richtung einzelner Be- freiungstheologen. Exkommunikation und Lehrverurteilung liegen zwar nicht auf derselben Ebene. Doch auch in dieser Hinsicht könnte die Zeit reif sein. Wenn ich die ganze Problematik richtig überschaue, bezogen sich nicht wenige kritische Vorhaltungen des Lehramtes gegen einzelne Befreiungstheologen auf eine zu unkriti- sche Übernahme des Marxismus und die etwas vorschnelle Angleichung des sozialistischen Denkens an die biblische Reich-Gottes-Botschaft. Dass diesbezüglich Papst Johannes Paul II., der den Staatssozialismus am eigenen Leib erfahren musste, und Kardinal Ratzinger, der in einer anderen Diktatur gross werden musste, eine besondere Sensibilität hatten, kann man verstehen. Doch nach der Wende von 1989, mit der das kommunistische System mit seiner ganzen Unmenschlichkeit zu Tage getreten ist und auch die Befreiungs- theologen vieles neu sehen dürften, könnte die Zeit für eine neue Verständigung reif sein. Mir will scheinen, dass Papst Benedikt mit seiner Teilnahme an der Eröffnung der fünften Generalversammlung des Episkopates von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida im Mai 2007 einen guten Anfang gesetzt hat, auf dem man weiterbauen könnte.

5. Das Gespräch – und das Gebet muss weitergehen
    Liebe Schwestern und Brüder, dies sind meine Gedanken, die ich nach langem Erwägen niedergeschrieben habe und die ich Ihnen anbiete. Ich muss freilich zugleich hinzufügen, dass ich über die konkreten Vorgänge und Hintergründe nicht über mehr Informationen als Sie verfüge. Damit muss ich ein Problem ansprechen, das im Vatikan dringend und wirksam angegangen werden muss, nämlich eine offensichtlich viel zu wenig vorhan- dene Koordination zwischen den verschiedenen Verantwortungsträgern im Vatikan. Denn es ist schwer nachvollziehbar, dass im Vatikan niemand von den unhaltbaren Aussagen in der Pius-Bruderschaft Kenntnis gehabt hat. Hinzu kommt erschwerend eine sehr restriktive Informationspolitik. Zum ersten Mal habe ich von einer möglichen Aufhebung der Exkommunikation drei Tage zuvor in Paris gehört, wo die Präsidien der Bischofskonferenzen von Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu ihrem jährlichen Treffen versammelt waren. Freilich wusste niemand etwas Genaues. Wir Präsidenten der drei mit der Aufhebung der Exkommu- nikation unmittelbar betroffenen Bischofskonferenzen wurden nicht vorinformiert, sondern mussten am Ver- öffentlichungstag auf die Mittagsstunde warten, um mehr Bescheid zu wissen. Da wurde nichts anderes be- kannt gegeben als das Dekret des Präfekten der Bischofskongregation (ohne jede weitere Erklärung) und eine Mitteilung, dass die Äußerungen von Bischof Williams „völlig inakzeptabel“ sind. Wenn man bedenkt, von welcher Brisanz die Aufhebung der Exkommunikation (auch abgesehen von den unhaltbaren Äußerungen von Bischof Williamson) in der Öffentlichkeit sein werden – und da erscheint allein ein Dekret: Eine solche Informa- tionspolitik muss zum Wohl der Kirche und zum Heil der Seelen dringend revidiert werden; und einen der- artigen medialen Supergau, den wir jetzt erleben mussten, darf es nicht mehr geben!
   Hier liegt auch der Grund, dass ich nicht früher in umfassender Weise reagieren konnte. Ich musste mir selbst zuerst ein Bild über die ganze Problematik machen. Das Ergebnis meiner Überlegungen biete ich Ihnen jetzt an, weil es zu meiner Verantwortung als Bischof gehört, Sie in dieser schwierigen Situation nicht allein zu lassen, sondern zu helfen, so gut wie ich es eben vermag. Ich nehme für mich zudem nicht in Anspruch, alles richtig zu sehen und zu werten. Es ist einfach mein Versuch, Realitäten und Zusammenhänge aufzuzeigen, die in der öffentlichen Diskussion entweder ausgeblendet oder nur verkürzt zur Darstellung kommen. Wenn Sie die Situation anders einschätzen, wäre ich schon dankbar, wenn Sie meine Überlegungen wenigstens als eine andere Sicht erwägen würden.
   Ich gebe gerne zu, dass ich mit einem Vertrauensvorschuss über Papst Benedikt geschrieben habe. Doch ohne Vorverständnis wird wohl kein Mensch urteilen können. Einem Katholiken steht es gut an, zunächst mit einem positiven Vorzeichen hinzuschauen. Ich tue dies aber auch in meiner Überzeugung, dass man nur glaubwürdig gegen geschehenes Unrecht wie die Holocaustleugnung ankämpfen kann, wenn man dabei nicht neue Ungerechtigkeit schafft oder zumindest in Kauf nimmt, wie dies in den letzten Tagen auch gegenüber Papst Benedikt geschehen ist. Denn Vieles, was in den vergangenen Tagen über Papst Benedikt in der Öffent- lichkeit gesagt worden ist, war bösartig. Zudem bin ich überzeugt, dass die seit dem Konzil vergangenen vierzig Jahre über unsere Kirche und auch über unseren Papst unendlich viel mehr aussagen als die in der Öffentlichkeit umstrittene Frage, wie oft und auf welche Weise sich der Papst zu entschuldigen habe.
   Mein Brief ist lang geworden, wofür ich Sie um Verständnis bitte. Doch so kann zumindest ansatzhaft deutlich werden, dass die Fragen, die jetzt im Raum stehen, sehr komplex sind, und dass wir uns nicht mit kurzen Schlag-Zeilen begnügen dürfen. Dass das Anliegen Papst Benedikts, eine ihn als Pastor besonders belastende Spaltung zu überwinden, nun so viel Zwiespalt und Uneinigkeit hervorgerufen hat, dürfte auch zu den Zeichen der Zeit gehören, die wir im Glauben zu deuten haben: Hominum confusione, sed Dei provi- dentia“ und damit in der Hoffnung, dass Gott auch heute auf krummen Zeilen gerade schreiben wird.
   Allen, die in diesen schwierigen Tagen trotz aller Zweifel und Verunsicherungen treu zur Kirche und zu Papst Benedikt gehalten und ihn im Gebet mitgetragen haben, möchte ich herzlich danken. Alle aber möchte ich jetzt einladen, die schwierige Situation unserer Kirche vor Gott ins Gebet zu nehmen und ihn zu bitten, dass er uns hilfreiche Wege in die Zukunft weisen möge.
Mit lieben Grüßen und herzlichen Segenswünschen
+ Kurt Koch
Bischof von Basel

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Zum 60. Geburtstag von Bischof Dr. Kurt Koch - Interview mit der Schweizerischen Kirchenzeitung
Dr. Kurt Koch - 15 Jahre Bischof von Basel. Ein Rückblick, um einen Ausblick zu ermöglichen

Lieber Herr Bischof Koch, wir nehmen Ihren 60. Geburtstag, den Sie am 15. März 2010 feiern dürfen, zum Anlass, um auf Ihr Leben, Ihre priesterliche Existenz und auf Ihr fünfzehnjähriges Wirken als Bischof zurückzublicken.
Was sind Ereignisse und Erlebnisse, die Sie in Ihrem Leben als Mensch und in Ihrem Wirken als Priester und Bischof besonders geprägt haben?
   Es waren immer wieder Menschen, die auf diesem Wege für mich wichtig waren: In der Jugendzeit war es ein guter Pfarrer, der bleibende Eindrücke hinterlassen hat. In meinem Theologiestudium war es Wolfhart Pannenberg, der mich theologisch sehr angeregt hat und dessen Theologie dann zur Grundlage meiner Dissertation geworden ist: Der Gott der Geschichte: Theologie der Geschichte bei Wolfhart Pannenberg als Paradigma einer philosophischen Theologie in ökumenischer Perspektive.
Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1988.
  Nach den theologischen Herausforderungen darf ich nun als Bischof vielen Mitbischöfen aus der ganzen Welt begegnen, die mir aufzeigen, dass Kirche-Sein in den verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedlich gelebt wird und die Schweizer Variante bei weitem nicht die einzige ist. Zwei Bischöfe beeindruckten mich dabei besonders: Carlo Maria Kardinal Martini, der die Exegese mit der Spiritualität zu verbinden weiß und so ein Meister der «lectio divina» geworden ist, und Franz Kardinal König mit seiner Offenheit den Weltreligionen gegenüber – ein Thema, dem wir uns, wie die unmittelbare Vergangenheit gezeigt hat, vermehrt zu stellen haben.
Was war Ihre Motivation,Priester zu werden? Wie waren Ihre Erfahrungen als Seelsorger und Professor?
   Anstöße, diesen Weg zu gehen, gaben mir gute Priester, die in mir den Wunsch weckten, ebenfalls priester- lich zu wirken und die Freude am Glauben weiterzugeben. Als Priester kann man ja die Frohbotschaft nicht nur im Wort verkünden, sondern auch in der Feier der Sakramente weitergeben und so Heil und Heilung durch Berührung mit Christus ermöglichen.
   Meine drei Jahre als Vikar in Bern waren dabei eigentlich die schönste Zeit. Ich hatte das Glück, mit Walter Stähelin einen Pfarrer als Lehrmeister zu haben, der theologisch sehr interessiert und ökumenisch offen und solide war. Von ihm konnte ich sehr viel profitieren.
   Meine Tätigkeit als Professor und als Seelsorger war später eine gute Kombination von Wissenschaft und Pastoral, wobei ich gleichsam gezwungen war, das intellektuell Erarbeitete in der Predigt den Gläubigen nahezubringen. Meine regelmäßigen Aushilfen in drei verschiedenen Pfarreien gaben mir so einen guten Bezug zum Pfarreileben und zu den Gläubigen – ein Bezug, den man als Professor nicht automatisch hat, aber mir wichtig scheint, wenn man Menschen für den kirchlichen Dienst ausbildet.
Welche neuen Herausforderungen und Aspekte brachte das Bischofsamt und das Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz mit sich?
   Statt «Mund» zu sein wie als Professor galt es nun vermehrt, «Ohr» zu sein. Eine große und gewiss nicht immer leichte Veränderung brachte die Tatsache mit sich, dass ich als Bischof nun Sorge für den Glauben der Kirche zu tragen habe, was etwas Anderes ist, als Theologie zu betreiben. Als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz war ich schließlich Ansprechpartner für alle Fragen und Anfragen, was bedeutet, dass man in dieser Funktion der Öffentlichkeit ausgesetzt ist.
   Das vergangene Jahr war dabei das anstrengendste, wies es doch mit der Beendigung der Praxis von Bußfeiern mit Kollektivabsolution, mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe und mit der Annahme der Anti-Minarett-Initiative sehr viele Turbulenzen auf. Bei allen drei Fragen kam zum Ausdruck, dass in der Öffentlichkeit weithin ein Unverständnis dafür festzustellen ist, was die katholische Kirche ist.
   Sehr oft begegnen einem einfach vorgefasste Meinungen; manchmal habe ich den Eindruck, dass kaum etwas so resistent ist wie Vorurteile. Zudem gibt es im Medienbereich leider zu wenig Journalisten, die sich auch in theologischen und kirchlichen Fragen wirklich gut auskennen. In diesem Bereich müssen wir uns als Kirche noch einiges einfallen lassen und uns selbst um journalistischen Nachwuchs mit theologischer Kompe- tenz sorgen.
   Die aktuellen gesellschaftlichen Fragen sind enorm herausfordernd, für die ich als Bischof weit mehr Zeit haben müsste, als die Alltagsgeschäfte erlauben. Die personelle Aufstockung im Kommunikationsbereich der SBK schafft hier gewiss erste Abhilfe. Aber sie kann natürlich das Studium komplexer Fragen durch die Bischöfe nicht ersetzen.
Wie lässt sich das schwierige Bischofsamt leben, im Bistum, in der Schweizer Bischofskonferenz, im Kollegium der Bischöfe? Was gibt Hoffnung, wo liegen die Chancen und Schwierigkeiten?

   Das Bischofsamt ist in der Schweiz sehr anspruchsvoll, weil das durch das Zweite Vatikanische Konzil ge- prägte Bild des Bischofs noch kaum bekannt ist: Der Bischof ist in erster Linie Verkünder und damit auch Lehrer des gemeinsamen Glaubens, für den er im Namen der Kirche einzutreten hat.
   Das Bischofsamt ist dabei deshalb sakramental begründet, weil die katholische Kirche selbst eine sakra- mentale Struktur hat. Bei uns hingegen herrscht ein weithin funktionales Kirchen- und deshalb auch Amts- verständnis vor, was nicht selten zu einer Selbstsäkularisierung der Kirche führt.
   Ich habe den starken Eindruck, dass die Kirchenkonstitution des Konzils bei uns einseitig rezipiert worden ist. Man hat beinahe nur das zweite Kapitel über die Kirche als Volk Gottes zur Kenntnis genommen, und auch dieses nicht konsequent genug. Dieses Kapitel ist vor allem deshalb aufgenommen worden, um sichtbar zu machen, dass alle Getauften – Laien, Diakone, Priester, Bischöfe – zur Kirche gehören. Diese Sicht wird aber Lügen gestraft, wenn zwischen «Basiskirche» und «Amtskirche» unterschieden wird, gleichsam als gäbe es in der Kirche zwei verschiedene «Kirchen». Man unterscheidet im weltlichen Bereich ja auch nicht zwischen einem «Bürgerstaat» und einem «Regierungsstaat». Diese problematische Sicht dürfte auch damit zusammen- hängen, dass das erste Kapitel, das sich mit der Kirche als Mysterium befasst, kaum beachtet zu werden pflegt.
   Viele Spannungen und Auseinandersetzungen, die wir erleben, haben ihren Grund auch darin, dass alle über das Konzil reden, aber darunter recht Verschiedenes verstehen und deshalb aneinander vorbeireden. Es scheint mir jedenfalls wichtig, dass wir uns einer vertieften gemeinsamen Lektüre der Konzilstexte widmen, was besonders bereits im Theologiestudium geschehen muss. Denn für die jungen Menschen, die heute das Studium beginnen, ist das Konzil bereits Geschichte.
   Ich bin überzeugt, dass das Konzil noch immer einen großen Reichtum in sich birgt, den wir noch zu ent- decken haben. Das Konzil hat vor allem das frühere stark juridisch geprägte Kirchenverständnis mit einer sakramentalen Konzeption überwunden: Die Kirche ist Sakrament des Heils für die Welt. Der eigentliche Gegensatz zu «konservativ» lautete auf dem Konzil deshalb nicht «progressiv», sondern «missionarisch». Mit dieser Sicht verträgt sich das heutige Kreisen der Kirche um sich selbst sehr schlecht. Die Kirche muss ihren Weltauftrag wahrnehmen und dabei vor allem Gott zu den Menschen tragen. Denn die Kirche gibt es um Gottes willen und von ihm her dann auch in rechter Weise um der Menschen willen.
   Dies sind einige Grundanliegen, die die großen Theologen Hans Urs von Balthasar, Walter Kasper, Henri de Lubac und Joseph Ratzinger vom Konzil her vertreten und deshalb im Konzil weder einen Verrat an der Tra- dition (wie die Traditionalisten meinen) noch einen Bruch und völligen Neubeginn (wie viele Progressisten den- ken), sondern eine Erneuerung in bleibender Kontinuität sehen. Diese vernünftige Mitteposition ist aber in der Kirche in der Schweiz zu wenig rezipiert worden.
   Trotz dieser vielen kritischen Bemerkungen nehme ich natürlich in der Kirche in der Schweiz auch sehr viel Positives und Innovatives wahr: Vor allem in den Pfarreien begegne ich viel Engagement sowohl bei den hauptamtlichen Seelsorgenden wie bei vielen ehrenamtlich Tätigen, sei dies in den pastoralen oder in den staatskirchenrechtlichen Strukturen. Wir dürfen auf keinen Fall die kirchenöffentliche Sicht mit der veröffent- lichten Sicht in verschiedenen Medien identifizieren. In ihnen – jedenfalls bei den größeren, nicht hingegen bei den lokalen – geschieht zumeist eine Negativauslese, so dass der «Normalbetrieb» im kirchlichen Leben kaum mehr wahrgenommen wird.
   Ich wünsche uns allen, dass wir das veröffentlichte Negativbild der Kirche nicht noch selbst verstärken, sondern mit gesundem Selbstvertrauen den Mut aufbringen, all das Positive, das in unserer Kirche geschieht, zu sehen und zum Sehen zu bringen. Dies müssten wir noch vermehrt tun – um es ganz weltlich auszu- drücken: bereits aus eigenem «Geschäftsinteresse».
Wie sieht die Kirche in der Schweiz aus weltkirchlicher Optik aus? Wo liegen die Chancen, wo die Ge- fahren?

  Als ich im Oktober 2008 an der Weltbischofssynode in Rom teilgenommen habe, da habe ich in der Aula buch- stäblich «schwarz» gesehen. Eine große Zahl der Synodenväter war schwarzhäutig; ich selbst war der einzige Schweizer Bischof an dieser Synode. Da sind mir die realen Verhältnisse in der Universalkirche erneut bewusst geworden; und insgeheim hätte ich diesen Anblick manchen Schweizer Katholiken von Herzen gegönnt!
   Natürlich wird man bei solchen Begegnungen auch auf Ereignisse in der Schweiz angesprochen, beispiels- weise auf die Postulate der Luzerner Synode. Bei meinem Versuch der Erklärung begann dann bereits die babylonische Sprachenverwirrung. Denn es ist einem Nicht-Schweizer Bischof nur mit höchstem Aufwand verständlich zu machen, dass es ein Gremium geben soll, bei dem der Bischof nichts zu sagen hat, geschweige denn nicht den Vorsitz hat, und das sich trotzdem «Synode» nennt.
   Noch irritierter waren viele Bischöfe, wenn es um Inhalte ging, beispielsweise um das in der Kirche in der Schweiz oft vertretene Postulat, das Priesteramt müsse auch für verheiratete Männer und Frauen geöffnet werden. Bereits die Frage von «viri probati» war für nicht wenige Bischöfe nicht vorstellbar, teilweise bereits aus ökonomischen Gründen. Wir sollten in der Schweiz nie vergessen, dass es nur in unserem Land, in Öster- reich und Deutschland so etwas wie Kirchensteuern gibt und dass die katholische Kirche weltweit ohne sie lebt und auskommt.
   Auf mehr Verständnis stößt man, wenn das Gespräch auf den Priestermangel und seine pastoralen Folge- wirkungen kommt. Ich persönlich habe die große Sorge, dass unsere Kirche in der Schweiz aufgrund der fehlenden Priester so reformiert wird, wie die reformierten Kirchen nie gewesen sind. Die heutige pastorale Situation führt zudem zu einer weitgehenden Diffusion im Priesterbild, was wiederum Konsequenzen in der Berufungspastoral hat. Hinzu kommt, dass in unseren Breitengraden die zölibatäre Lebensweise der Priester beinahe unter einem Generalverdacht steht – nicht nur wegen der sexuellen Missbräuche, die in den ver- gangenen Jahren bekannt geworden sind, sondern auch, weil man diese Lebensweise für unnatürlich hält.
   Meine Überzeugung ist aber, dass verheiratete Priester nur dann denkbar sind, wenn eine andere, nämlich positive Einstellung zum Zölibat gegeben wäre. Sonst würden diejenigen, die nicht heiraten, obwohl sie könnten, noch mehr verdächtigt werden, was über kurz oder lang zu einem völligen Verschwinden des zöli- batären Priesters führen würde – wie dies in allen Kirchen geschehen ist, die den Lebensstand als frei wählbar eingeführt haben.
   In der Kirche in der Schweiz brauchen wir dringend eine Neubesinnung darauf, dass unsere Kirche ohne Priester nicht katholisch sein kann. Die schizophrene Einstellung, die mir immer wieder begegnet, dass man die Priesterweihe für verheiratete Männer und Frauen fordert und das Priestertum zugleich zu einem «Aus- laufmodell» erklärt, führt gewiss nicht in die Zukunft, sondern bewirkt ein Treten des «blockierten Riesen» (Manfred Lütz) an Ort.
   Zu dieser Selbstvergewisserung gehört in meinen Augen auch, dass wir den Priestermangel zum Anlass nehmen, unsere pastorale Situation zu überdenken. Ich sage aber bewusst «Anlass», weil er nicht der eigentliche Grund ist, um pastorales Neuland zu betreten. Ich habe den starken Eindruck, dass wir hierzu- lande insgeheim, d.h. im Herzen, immer noch von volkskirchlichen Verhältnissen ausgehen und eine flächen- deckende Pastoral fordern, obwohl wir im Kopf genau wissen, dass dies weithin nicht mehr der Fall ist. Der Pastorale Entwicklungsplan in unserem Bistum jedenfalls will dieser Situation Rechnung tragen und zu einer missionarischen Pastoral einladen, deren Hauptanliegen darin besteht, die Gottesfrage in unserer Gesell- schaft wach zu halten. Dies ist aber ohne geistliche Erneuerung der Kirche selbst nicht möglich.
Wie nahmen und nehmen Sie die Stimmung in der Kirche in der Schweiz vor dreißig oder vierzig Jahren wahr, wie heute?

   Heute scheint mir die Stimmung weit depressiver und gereizter als vor einigen Jahrzehnten zu sein. Die Kirche ist polarisierter und das Gespräch zwischen den verschiedenen Fronten schwieriger. Vielleicht müssen wir uns in einem ersten Schritt neu bewusst werden, dass es in dieser Welt keine Wahrheit ohne ein Körn- chen Häresie, aber auch keine Häresie ohne ein Körnchen Wahrheit gibt, und dass wir uns gegenseitig auf das hin ansprechen, was als wahr einleuchtet, und von daher uns auf die Suche nach gemeinsamer Wahrheit machen, statt überall die Fundamentalismuskeule zu werfen. Wenn jeder zugeben könnte und sich darauf ansprechen ließe, dass er in seinem Herzen auch eine fundamentalistische Nische kennt, wären wir wahr- scheinlich einen großen Schritt weiter.
Wo konnte die katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten Gutes tun und auf die Bedürfnisse der Zeit Antworten geben, wo sehen Sie kirchliche «Schwachstellen»?
   In vielen Bereichen des kirchlichen Lebens wurde und wird viel Gutes getan, vor allem auch auf dem sozial- karitativen Feld. Nicht zu vernachlässigen sind vielfältige Neuaufbrüche: das Interesse an Glaubensfragen und an theologischen Studien, aber auch verschiedene neue kirchliche Bewegungen, die von sich selbst und ohne kirchenamtlichen Auftrag entstanden sind. Am meisten vermisse ich die Wahrnehmung der öffentlichen Dimension von Glaube und Kirche. Wir dürfen uns von der Gesellschaft nicht in den rein privaten Bereich abdrängen lassen.
   Wir brauchen diesbezüglich mehr Selbstbewusstsein und Mut zu auch flexibleren Strukturen in der Pastoral. Das Territorialprinzip ist zwar wichtig, aber darf nicht zum nicht hinterfragbaren Dogma erklärt werden. Viel- leicht nähern wir uns immer mehr der Situation der frühen Christenheit, in der der Glaube vor allem in den Städten  Fuss fassen konnte und in diesen auch die Öffentlichkeit gesucht hat.
Sehen Sie neue Formen der Seelsorge, der Personalrekrutierung, der Ausbildung?
   Die Personalrekrutierung ist eines der dringlichsten Probleme. Dabei dürfen wir uns aber nicht allein auf die hauptamtlich tätigen Seelsorger und Seelsorgerinnen abstützen. Ich bin vielmehr überzeugt, dass wir in Zu- kunft die ehrenamtliche Arbeit viel intensiver fördern müssen und dass gerade darin eine wesentliche Aufgabe der Hauptamtlichen besteht, die zudem vermehrt zu delegieren lernen müssen.
  Das Bewusstsein, dass alle Getauften im Blick auf die Zukunft der Kirche sagen: «Mea res agitur», scheint mir noch nicht so weit entwickelt zu sein, wie ich mir dies wünsche. Ich denke, dass auch im Bereich der theo- logischen Befähigung noch einiges Innovatives angedacht werden muss.
Welche Perspektiven ergeben sich aus der heutigen kirchlichen und gesellschaftlichen Situation für die Zusammenarbeit der katholischen Kirche mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften?
   Das 100-Jahr-Jubiläum der Missionskonferenz im schottischen Edinburgh ruft uns in Erinnerung, dass es zur Glaubwürdigkeit der Christenheit unabdingbar gehört, dass sie in den wesentlichen Fragen mit einer Stimme sprechen können. Vor allem in der heutigen Gesellschaft, in der Gott gleichsam auf die Ersatzbank verwiesen wird, sind wir zum Zeugnis für das Wirken Gottes in der Welt herausgefordert, und zwar in der Überzeugung, dass nur derjenige dem Menschen genug gibt, der ihm Gott gibt. Hier könnte ökumenisch noch viel mehr getan werden, als es heute der Fall ist.
Welches ist Ihr größter Wunsch, für Sie persönlich, für Ihr Bistum, für die Schweiz, für die Kirche in der Welt?
   Eine große Sorge für mich ist die politische Kultur in unserem Land, die gerade im Zusammenhang mit der Anti-Minarett-Initiative intensiven Schaden genommen hat. Dass einige Kreise bereits in der ersten Woche nach der Abstimmung Vorkehrungen treffen wollten, die Initiative mit einer neuen außer Kraft zu setzen, passt nach meiner Überzeugung ebenso wenig zur Tradition der schweizerischen Demokratie wie die Vergötzungen von Mehrheitsentscheiden auf der anderen Seite, die selbst vor den fundamentalsten Menschenrechten nicht Halt zu machen bereit sind.
   Nach dem Spiel mit dem Feuer, das im Zusammenhang mit dieser Initiative in verschiedenen Varianten ge- probt wurde, sollten wir alle über die Bücher gehen und uns gemeinsam darum sorgen, dass die Schweiz wieder in guter «Verfassung» leben kann.
   Was die ganze Welt betrifft, stehen wir vor riesigen globalen Problemen: Atombombe, Hunger, Klimawandel, Terrorismus und die Wirtschaftskrise sind reale Bedrohungen der Menschheit. Ich muss mit einiger Fassungs- losigkeit immer wieder feststellen, wie die Nationen die Lösung dieser Herausforderungen vor sich herschie- ben und wenig globalisierte Verantwortung wahrnehmen.
   Für die katholische Kirche in der Schweiz bin ich zuversichtlich, sofern sie sich den notwendigen Heraus- forderungen stellt, und dazu gehören auch eine schwelende Glaubenskrise und ein weitgehendes Verdunsten des Glaubenswissens, auch wenn diese Phänomene gerne verschwiegen werden. Vor allem wünsche ich, dass wir Schweizer Katholiken uns der Schönheit unseres Glaubens wieder mehr bewusst werden und ihn mit demütigem Selbstbewusstsein auch vertreten.
   Für die Universalkirche wünsche ich, dass sie das eigentliche Charisma von Papst Benedikt entdeckt, dass er die Kirche nicht, wie ihm immer wieder unterstellt wird (teilweise sogar entgegen besserem Wissen) in die Vergangenheit, sondern in die Tiefe führen will und dass es ihm deshalb um eine Elementarisierung des Glaubens geht. Ich bin überzeugt, dass nur mit einem Tauchgang in die unauslotbaren Tiefen des Glaubens auch die strukturellen Probleme wirklich angegangen werden können. Deshalb bleibe ich auch nach vierzehn Jahren Bischofsamt bei meinem Leitwort: «Damit Christus in allem den Vorrang habe.» Und dass dies auch mir immer besser gelingt, wünsche ich mir selbst.
Ich danke Ihnen, lieber Herr Bischof, ganz herzlich für das Gespräch und gratuliere Ihnen ebenso herzlich zu Ihrem runden Geburtstag!
Das Interview mit Bischof Dr. Kurt Koch führte Urban Fink-Wagner

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   Benedikt XVI. hat zwei wichtige Neuernennungen im Vatikan vorgenommen. Den Franzosen Jean Laffitte, bisher Vize-Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, macht er zum Sekretär des Familienrates; Laffitte wird in nächster Zeit auch Bischof. Im Päpstlichen Friedensrat hingegen wird Mario Toso Foto oben links der neue Sekretär; er war bislang Rektor der Päpstlichen Salesianer-Universität in Rom. Auch Toso wird Bischof. Der bisherige Amtsinhaber des päpstlichen Friedensrates, Kardinal Renato Raffaele Martino, hat die Altersgrenze erreicht. Kardinal Peter Turkson aus Ghana Foto oben rechts hat das Amt des „Friedens- ministers“ übernommen. Turkson spielte auf der Afrika-Synode im Vatikan eine wichtige Rolle. Rv091022

Neuer Leiter der deutschen Abteilung von Radio Vatikan: P. Bernd Hagenkord SJ Foto unten rechts
Pater Eberhard von Gemmingen SJ links geht nach München. Mitte: Vatikansender

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 Hamburger ist  Radio-Vatikan-Chef

   Der Jesuitenpater und frühere Hamburger Jugendseelsorger Bernd Hagenkord (40) ist zum Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan ernannt. Der 40-Jährige ist Nachfolger des Jesuiten Eberhard von Gemmingen (73), der eine neue Aufgabe in seinem Orden in München übernimmt, teilt das Erzbistum Hamburg mit.
   Bernd Hagenkord wurde 1968 im westfälischen Hamm geboren. Er studierte Geschichte und Journalismus in Gießen und Hamburg sowie Philosophie und Theologie in München und London und wurde 2002 zum Priester geweiht. Von 2002 bis 2008 arbeitete er als Jugendseelsorger der Katholischen Studierenden Jugend in Ham- burg. Danach absolvierte er in Chile den letzten Abschnitt seiner Ordensausbildung.
Radio Vatikan sendet seit 1931 und berichtet über den Vatikan, den Papst, die römisch-katholische Kirche und Lehre. Der Sender kann über Mittel- und Kurzwelle, Satellit und Internet empfangen werden. Das Programm liefern 35 Sprachredaktionen in 47 Sprachen. Der deutschsprachige Dienst sendet das tägliche Nachrichten- magazin «Treffpunkt Weltkirche» (16 Uhr) und eine Magazinsendung mit wechselndem Schwerpunkt (6.20 und 20.20 Uhr).  Patert Eberhard von Gemmingen stand der deutschen Redaktion seit 1984 vor. 
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 Jean-Louis Tauran – ein Diplomat im Vatikan

    Man muss sich den französischen Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, der  Papst Benedikt XVI. auf dessen schwieriger Pilgerfahrt im Heiligen Land bei den Muslimen zur Seite stand, als einen glücklichen Menschen vorstellen. Als Präsident des vatikanischen  „Rates für den Interreligiösen Dialog" mag sich der Franzose, am 5. April 1943 in Bordeaux geboren, von Zeit zu Zeit bei seinem Landsmann, dem Schriftsteller Albert Camus, Trost holen. Denn der Dialog zwischen den Führern verschiedener Religionen ist ein schwieriges Geschäft und zwischen Christen und Muslimen, zwischen Kirche und Moschee ein besonders heikles, das drei Fähigkeiten erfordert: Geduld, Geduld, Geduld, die ruhige, schweigende, nie verzagende des Sisyphos.
   Dieser Kraft wegen holte Benedikt XVI. den damaligen Archivar und Bibliothekar der Römischen Kirche ins professionell-politische Geschäft zurück. Deshalb war Kardinal Tauran auf der Pilgerreise des Papstes in Jordanien immer in Rufweite. Zum 1. September 2007, musste der Franzose die alten Pergamente und dicken Folianten in die Regale zurückstellen und den Dialog mit dem Islam, dessen wichtigen politischen und reli- giösen Führern, aufnehmen, als Nachfolger von Kardinal Poupard. Denn damals waren die Folgen der Regens- burger Rede des Papstes vom 12. September 2006 abzuarbeiten; die Muslime unterschiedlichster Richtung und Herkunft mussten davon abgebracht werden, den „Dialog" mit dem Katholizismus vorwurfsvoll, eigenwillig und erhitzt zu führen. Kardinal Tauran stand für mehr professionelle Ordnung wegen seiner Erfahrungen;
   Aus der Arbeit in der Seelsorge der französischen Provinz wurde Jean-Louis Tauran, ein Liebhaber der Musik und besonders der kunstvollen Kompositionen Johann Sebastian Bachs, nach Rom berufen. Schon im Dezem- ber 1990 wurde ihm, erst 47 Jahre alt, die Leitung der Zweiten „Sektion" im Staatssekretariat übertragen, jener Abteilung (unter wechselnden Namen in der jahrhundertelangen Geschichte der Papst-Kurie), die für die Beziehungen zu den Regierungen (und in der modernen Zeit zu den internationalen Organisationen) zu- ständig ist; dieser vatikanische „Außenminister" wacht darüber, was sich in den einzelnen Staaten mit der Religion so tut. Bis zum November 2003 leitete er die vatikanische Diplomatie. Stets ließ sich der lieber schweigsame als redselige Erzbischof gern von anderen erzählen, was los war auf der Welt. Doch Kardinal Tauran kennt die Lage in den Ländern mit Muslimen nicht nur vom Hörensagen und trockenen Aktenstudium, sondern aus eigener Anschauung, die immer wieder durch Berichte der Patriarchen, Erzbischöfe und Priester aus den muslimischen Staaten mit kleinen christlichen Gemeinden, den Bewährungsstellen des Dialogs, aufge- frischt wurden. Da ist der Franzose schon glücklich, wenn der Stein der gemeinsamen Bemühungen nicht zu- rück rollt.
FAZ090512Heinz-JoachimFischer

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Fotos: Erzbischof Ladria Ferrer mit Benedikt in Castel Gandolfo. Gianni Cardinale spricht mit dem neuen Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer

Herr Erzbischof, warum wurden Sie Jesuit? 
   Ich habe einen Weg vor mir gesehen und diesen eingeschlagen. Diesen Weg, den der Berufung, konnte ich eigentlich schon erkennen, als ich das Jesuiten-Kolleg in Palma de Mallorca besuchte, und dann auch in der Zeit meines Jurastudiums in Madrid. Ich studierte zwar Recht, aber eigentlich war mir klar, dass es nicht das war, was ich wollte. Ich wollte Priester werden und mir gefiel die Gesellschaft Jesu, die ich kennen gelernt hatte. Es hatte sich also ein Weg vor mir aufgetan, den ich fast schon selbstverständlich eingeschlagen habe.
War Ihre Familie sehr religiös?
   Ja, ziemlich.
Gibt es einen Priester, der Sie besonders beeindruckt hat?
   Ja, sicher. Die Patres des Kollegs, das ich besuchte – das alte, 1561 gegründete Kolleg von Monte Sion. Aber es war eigentlich das ganze Ambiente, das Klima, das dort herrschte, was mich letztendlich dazu veran- lasst hat, mich ganz dem Herrn zu widmen.
1968 haben Sie Ihr Ordensgelübde abgelegt. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses so turbulente Jahr?
   Es war auch in Spanien ein turbulentes Jahr. Aber ich ließ mich davon nicht stören, legte mein Gelübde ab, ohne groß auf diese Turbulenzen zu achten. Studieren machte mir Spaß, und so studierte ich eben.
Haben Sie nie die Faszination des 68er Jahres verspürt?
   Ein bisschen hat uns das wohl alle beeinflusst, in meinem Fall hielt sich das allerdings in Grenzen.
Wer waren Ihre Lehrer?
   Einige von ihnen möchte ich gerne nennen. In Frankfurt, wo ich Theologie studierte, waren meine Professo- ren der spätere Kardinal und große Dogmatiker Pater Grillmeier; Pater Otto Semmelroth und Herman Josef Sieben, der damals am Anfang seiner akademischen Laufbahn stand, aber einer der wichtigsten Experten des Konzils werden sollte. In Rom promovierte ich bei Pater Antonio Orbe, einem bedeutenden Patrologen;  meine Professoren dort waren die Patres Juan Alfaro und Zoltan Alszeghy.
Sie haben auch in Deutschland studiert. Sind Sie nie Professor Ratzinger begegnet?
   Nicht persönlich. Aber ich habe seine Werke kennen gelernt. Besonders die Einführung in das Christentum, sein damals bekanntestes Werk, und sein Buch über das neue Volk Gottes. An unserer Fakultät zirkulierten auch Vorlesungsskripten von Professor Ratzinger.
Und wann haben Sie unseren heutigen Papst persönlich kennen gelernt?
   1992, als ich Mitglied der Internationalen Theologenkommission wurde. Ich denke noch heute gern an die lebhaften Diskussionen zum Thema der Beziehungen zwischen Christentum und den anderen Religionen zu- rück. Die Beiträge Kardinal Ratzingers waren immer sehr präzise und tiefgründig, das Niveau der Diskussion ausgesprochen hoch. Die Arbeit dieser Kommission war sehr interessant, und nicht nur wegen der von ihr behandelten, ausnahmslos wichtigen Themen, sondern auch wegen des internationalen – und katholischen – Klimas, das dort herrschte.
Waren Sie in irgendeiner Form an der Abfassung von Dominus Iesus beteiligt?
   Nein.
Sie haben an der Gregoriana mit einer Habilitationsschrift über Hilarius von Poitiers promoviert. Warum diese Wahl, was hat Sie an diesem Heiligen fasziniert?
  Das Thema wurde mir von Pater Orbe vorgeschlagen, der sich für diesen Kirchenvater interessierte. Und ich hatte Glück: über Hilarius gab es nämlich keine reichhaltige Bibliographie, und so konnte ich mich gleich auf die Originaltexte konzentrieren.  Man hatte sich damals noch nicht viel mit ihm befasst. Dann jedoch sind vor allem in Frankreich zahlreiche Werke über ihn erschienen und es waren viele Übersetzungen in Umlauf. Und doch ist das der Beweis dafür, dass die patristische Ära in der lateinischen Kirche nicht bei Augustinus beginnt, der Hilarius nicht nur kannte, sondern ihn auch oft zitierte.
Worin liegt die Aktualität des Hilarius?
   Wir sollten nicht soviel Energie darauf verschwenden, die Aktualität der Kirchenväter finden zu wollen. Wenn wir sie einfach nur mit Genuss lesen, finden wir nämlich viel leichter den Zugang zur Frische der Botschaft des Evangeliums, zu Jesus. Und das ist ein bleibender Wert, der mehr als aktuell ist. Ein Wert, der schon von seinem Wesen her facettenreich ist, sich von Minute zu Minute ändert. Die Kirchenväter sind eine Quelle, die zu einer Zeit entspringt, die nicht weit von der Zeit der Apostel entfernt ist. Und das macht sie allzeit aktuell.
Sie haben lange an der Gregoriana unterrichtet, waren auch Vizerektor. Was haben Sie in diesen Jahren gelernt?
   Dass ich acht Jahre lang Vizerektor war, hat nicht viel zu sagen. Das, was zählt, waren der Unterricht, die Betreuung der Doktoranden. An der Gregoriana habe ich gelernt, mich in einem internationalen Umfeld zu bewegen, mit Studenten aus mehr als 100 Ländern, verschiedenen Sprachen, Rassen und Kulturen. Alle vereint durch die Liebe zum Studium, vor allem aber zum Herrn und seiner Kirche. An einer wahren Universität lernen nicht nur die Studenten von den Professoren, sondern auch umgekehrt. Und ich habe viel von meinen Studenten gelernt.
Wie fühlt man sich als erster Jesuit, der dieses Amt innehat?
   Dieses Problem hat sich mir eigentlich nicht gestellt. Obwohl es ganz so aussieht, als wäre dieses Amt tat- sächlich noch nie von einem Jesuiten ausgeübt worden. Ich glaube, dass sich der Heilige Vater nicht für mich entschieden hat, weil ich Jesuit bin, sondern weil ich ihm für dieses Amt am geeignetsten erschien.
Wie haben Sie von Ihrer Ernennung erfahren?
   Es war eine große Überraschung. Nie hätte ich gedacht, dass das mein Schicksal sein würde. Und damit war ich nicht allein: immerhin wurde mein Name auch in der Presse nie erwähnt. Bis mir am Abend des 24. Juni dann eröffnet wurde, dass mir Papst Benedikt dieses Amt zu übertragen gedachte. Ich habe dann dargelegt, wie ich selbst zu dieser Aussicht stand, aber keinen Zweifel an meinem Willen gelassen, die Entscheidung des Heiligen Vaters anzunehmen.
Mussten Sie als Jesuit nicht erst auch Ihren General um Erlaubnis fragen? 
   Ja, wir Jesuiten haben ein Gelübde, das es uns verbietet, Bischofsämter anzunehmen, es sei denn des Ge- horsams halber. Und der General hat mir gesagt, dass ich den Willen des Papstes akzeptieren müsste.
Wofür interessieren Sie sich – außer Theologiebüchern – noch?
Ich höre gern Musik. Am liebsten klassische, besonders Johann Sebastian Bach. Mir gefallen aber auch andere Komponisten.
Der Papst hat Sie und Kardinal Levada in Castel Gandolfo in Audienz empfangen: Ihre erste Audienz als Sekretär der Glaubenskongregation. Was können Sie uns dazu sagen?
   Es war eine schöne Erfahrung. Der Heilige Vater war herzlich und zuvorkommend wie immer.
Welche sind die wichtigsten Fragen, mit denen sich die Kongregation beschäftigen muss?
   Ich kann sagen, dass unsere Kongregation mit der Förderung und dem Schutz des katholischen Glaubens befasst ist. Zuerst mit der Förderung und dann, wenn nötig, mit dem Schutz. Aber ich kann nicht ins Detail gehen. Unsere Kongregation ist sehr diskret und äußert sich daher ausschließlich durch ihre Dokumente.
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Papst Benedikt ernennt den spanischen Kardinal Antonio Canizares Llovera Foto links
zum Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation. Er übernimmt das Amt des nigerianischen Kardinals Franzis Arinse Foto oben rechts

   Der spanische Kardinal Antonio Canizares Llovera ist von Papst Benedikt XVI. zum neuen Präfekten der vatikanischen Gottesdienstkongregation ernannt worden. Der spanische Kardinal löst an der Kurie den Nigerianer Francis Arinze ab, der die Kongregation seit 2002 geleitet hatte.
   Canizares Llovera, der am 15. Oktober 1945 in Utiel bei Valencia geboren wurde, leitete seit 2002 die Erz- diözese Toledo. Er verfügt über keine spezifische liturgietheologische Ausbildung, ist aber seit Jahren Mitglied der Glaubenskongregation. Unmittelbar nach seiner Kardinalsernennung 2006 berief ihn Benedikt XVI. in die Kommission „Ecclesia Dei“, die für Belange der Liturgie nach dem "alten Usus" von 1962 zuständig ist.
   Nach dem Studium der Theologie in Valencia und Salamanca promovierte er mit einer katechetischen Dissertation zum Doktor; 1970 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er zunächst als Seel- sorger in Valencia und wurde später Dozent für Katechese in Madrid; schließlich wirkte er als Theologie- professor in Salamanca. 1985 wurde er Sekretär der Glaubenskommission der Spanischen Bischofskonferenz.
   Am 6. März 1992 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von Avila. Am 10. Dezember 1996 wurde er zum Erzbischof von Granada berufen, wo er am 1. Februar 1997 in sein neues Amt eingeführt wurde. Am 24. Oktober 2002 wurde er Erzbischof von Toledo. Vom 8. März 2005 bis zum 4. März 2008 war er Vizepräsident der Spanischen Bischofskonferenz. Canizares Llovera ist Gründer und erster Präsident der Gesellschaft Spanischer Katecheten und Chefredakteur der Fachzeitschrift „Teologia y Catequesis“.
  Nach dem Tod von Johannes Paul II. und der Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst wurde er in den Medien als dessen möglicher Nachfolger im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation diskutiert. Benedikt XVI. nahm ihn beim Konsistorium am 24. März 2006 in das Kardinalskollegium auf.
Foto unten. Rv081209vp

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Vatikan-China-Taiwan: Fronten brechen auf

   Taiwans Botschafter beim Heiligen Stuhl hat seinen Abschiedsbesuch bei Papst Benedikt XVI. absolviert. Über Inhalte der Begegnung gab der Vatikan nichts bekannt. Chou-seng Tou vertrat seine Regierung seit Anfang 2004 beim Vatikan. Zu Ostern 2006 hatte er sich durch den Leiter der Personalprälatur Opus Dei taufen lassen. Offiziell wird der Gesandte Taiwans als Botschafter von China tituliert. Der Heilige Stuhl gehört zu den 23 Staaten, die mit der Republik China (Taipeh) und nicht mit der Volksrepublik China (Peking) diplo- matische Kontakte unterhalten. Als Voraussetzung für eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik verlangt Peking immer wieder einen Abbruch der Beziehungen zu Taiwan. Allerdings schreitet seit einigen Monaten die Politik der Öffnung zwischen China und Taiwan voran. In Kürze sollen chinesische Touristen die dem Festland vorgelagerte Insel mit einem Visum besuchen können. Jüngst wurden nach einer Unterbrechung von 60 Jahren Direktflüge zwischen Taipeh und China wiedereingeführt.
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Der Vatikan in der Offensive. Foto links: Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone
Foto rechts: der vatikanische “Außenminister” Erzbischof Dominique Mamberti

   Erst der Vize-Präsident Syriens, dann Israels Staatschef Schimon Peres und schließlich der Außenminister Saudi Arabiens, Prinz Saud AI Faisal: Innerhalb weniger Stunden hat Papst Benedikt führende Politiker des Vorderen Orients empfangen. Hinter verschlossenen Türen betrieben Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und der vatikanische „Außenminister” Dominique Mamberti mit den hohen Gästen das, was Beobachter gerne die „stille Diplomatie” des Heiligen Stuhls nennen.
   Was den Nahen Osten und die arabischen Staaten angeht, so ist der Vatikan in die Offensive gegangen. Erst Anfang August 2007 hatte der Papst einen Botschafter für die Vereinigten Arabischen Emirate ernannt. Auch gibt es jetzt einen Apostolischen Delegaten für die Arabische Halbinsel. Wie Erzbischof Mamberti erklär- te, soll davon eine positive Wirkung auf andere Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung ausgehen. Aber auch Israel will man pflegen. Möglichst bald möchte der Papst den Judenstaat besuchen.
  Der Vatikan kämpft um die Präsenz der Christen in der Region, wo das Christentum entstanden ist. Wer weiß schon, dass Ausländer etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten siebzig Prozent der Bevölkerung stellen, von denen wiederum über die Hälfte Christen sind? Und auch in Saudi-Arabien soll sich die Zahl der katholi- schen Philippiner auf eine Millionen Menschen belaufen. In anderen Gegenden, wie etwa in Israel oder den Palästinsergebieten und vor allem im Irak, geht die Zahl der Christen dramatisch zurück. Aber Rom gibt nicht auf. Wenn den Katholiken der Dialog und die Zusammenarbeit mit den Muslimen des Orients gelingt, käme es nicht zum „Zusammenprall der Kulturen.” ghoDT070908
Sensationelle Begegnung
  Die Begegnung des saudiarabischen Außenministers mit dem Papst wird als sensationell betrachtet. In dem arabischen Königreich ist der Islam in seiner wahabitischen Auslegung - einer im 18. Jahrhundert entstan- denen, besonders rigorosen Version - Staatsreligion. Die wahabitische Theologie geht davon aus, dass auf dem Boden des Königreichs - wegen der Präsenz der “heiligen Stätten Mekka und Medina” - keine andere Religion als der Islam ausgeübt werden darf. Die saudiarabischen Grenz- und Zollbehörden sind angewiesen, die Einfuhr von Bibeln, christlichen Gebetbüchern, Ikonen, Kreuzen, Rosenkränzen, Andachtsgegenständen aller Art zu verhindern. Jede christliche Religionsausübung - auch in Wohnungen - ist untersagt. Eine eigene Religionspolizei sorgt dafür, dass diese Verbote eingehalten werden.
 Wegen der innigen Verbindung zwischen dem saudischen Königshaus und den Machtzentren der USA werden die schwer gegen die Menschenrechte verstoßenden Gepflogenheiten des Königreichs von der westlichen Politik stillschweigend akzeptiert. In den letzten Jahren ist den Spitzenrepräsentanten des saudischen Königshauses klar geworden, dass das bisherige System zum Scheitern verurteilt ist. Einerseits sind in Saudi- arabien Millionen christlicher “Gastarbeiter” präsent, andererseits sind die Bewohner des Königreichs über Internet und Satelliten-TV in die internationale Kommunikation eingebunden. Die wahabitische Ideologie hat diesen Einflüssen nichts entgegenzusetzen.
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Der Außenminister des Papstes Dominique Mamberti ist ein erfahrener Diplomat

   Den Anfang hätte man sich kaum schwieriger vorstellen können für den neuen vatikanischen Außenminister, Erzbischof Dominique Mamberti. Kaum hatte sein oberster Dienstherr, Papst Benedikt XVI., noch in freund- licher Gelassenheit den Besuch seiner geliebten bayerischen Heimat beendet, da brodelte und brauste es schon von islamischen Protestlern heran, am Tag der Ernennung von Erzbischof Mamberti zum „Sekretär” der „Zweiten Sektion” im vatikanischen Staatssekretariat, der Leitstelle in der Kurie „für die Beziehungen zu den Staaten”.
  Die Ernennung scheint ein Glücksfall für die schwierigen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und „dem Islam” zu sein, seinen leicht erregbaren Massen, den religiösen und politischen Autoritäten, den Gottes- gelehrten und Intellektuellen sowie den Wechselwirkungen zwischen allen in den Ländern von Marokko bis Indonesien und Nigeria bis Norwegen.
   Dominique Mamberti wurde am 7. März 1952 als Sohn korsischer Eltern in Marrakesch geboren, also als katholischer „Franzose” in einem muslimischen Meer. Da weiß er schon mal, dass heftiges Geschrei und wüste Beschimpfungen wie in einem Basar nicht immer auf die Goldwaage zu legen sind. Er weiß aber auch, dass der Prophet Mohammed gleichsam das „Allerheiligste” für einen gläubigen und auch nicht so gläubigen Muslim ist. Der Erzbischof hätte also dem Professor Ratzinger das Zitat mit dem „Schlechten und Inhumanen” bei Moham- med aus dem Vorlesungsmanuskript gestrichen, wenn er denn da schon im Amt gewesen wäre und ihn Bene- dikt gelassen hätte.
   Das Handwerk eines päpstlichen Diplomaten lernte der Vielsprachige - Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch; für das Arabische reichte die Zeit bisher nicht so recht - nach der Priesterweihe 1981 (für die korsische Diözese Ajaccio) und nach den Studien (mit Promotion) der beiden Rechte, des kirchlichen und des zivilen.
   Nach dem Eintritt in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls im März 1986 schickten die Vorgesetzten den Vielversprechenden nach Algerien, Chile, an die Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York und in den Libanon, bevor sie ihn in die Zentrale zurückholten, zum Feinschliff. Um ihn auch auf richtig ungemütlichen Posten zu erproben, sandte man Mamberti im Mai 2002 als Nuntius in den Sudan und als Apo- stolischen Delegaten nach Somalia. In Khartum war auch der bisherige Nuntius in Deutschland, Erzbischof Ender; der kann ein Lied von den dortigen Zuständen erzählen. Obendrein wurde Mamberti im Februar 2004 Nuntius in Eritrea: ein dürres Feld für die katholische Kirche, eine Bewährung für den Erzbischof, der nun souverän und kundig die vatikanische Politik gegenüber den muslimischen Staaten und Massen mitgestalten kann.
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Diplomatische Beziehungen zu den Emiraten
   Der Vatikan und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen volle diplomatische Beziehungen auf- nehmen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung hervor. Geplant sei, einen Apostolischen Nuntius in den Öl-Staat am Persischen Golf zu entsenden.
   Umgekehrt benennen die Arabischen Emirate einen Botschafter, der sich beim Heiligen Stuhl akkreditieren wird. Der Vatikan hob in seiner Mitteilung die „herzlichen Beziehungen” zur Regierung unter Scheich Moham- med Bin Raschid El Maktum
Foto oben hervor. Man hoffe auf die Erlaubnis, über die bereits bestehenden sieben Kirchen weitere katholische Kultstätten bauen zu dürfen. Die sieben Emirate mit ihren ungefähr vier Millionen Einwohnern haben einen Ausländeranteil von fast achtzig Prozent. Darunter sind zahlreiche katho- lische Gastarbeiter aus den asiatischen Ländern, etwa von den Philippinen. Der Vatikan schätzt die Zahl der Christen auf eine Million, die aus mehr als 100 Nationen stammen. Die Leitung der Seelsorge für die katholi- schen Christen liegt bei dem Schweizer Bischof Paul Hinder Foto oben rechts [Foto: Kirche in Not]. Der aus dem Bistum Basel stammende Kapuziner übernahm die Aufgabe mit Dienstsitz in Abu Dhabi im März 2005. Sein Zuständigkeitsbereich, das Apostolische Vikariat Arabien, umfasst neben den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Katar, Oman, Saudi-Arabien und Jemen.
DT070602  weitere Informationen zum Thema >
Kirche im Islam

Die saudische Polizei hat einen katholischen Priester und zwölf philippinische Teilnehmer eines Gottes- dienstes verhaftet. Das berichtet die saudische Tageszeitung „Arab News“. Der Gottesdienst sei eine Bekeh- rungsfeier gewesen, so die Beschuldigung der Behörden. Die Verhaftung fand in einem Hotel in der Haupt- stadt Riad statt. Insgesamt sollen 150 Philippiner an dem geheimen Gottesdienst teilgenommen haben. Nach einer Intervention der philippinischen Botschaft wurden die Inhaftierten wieder auf freien Fuß gesetzt. In Saudi-Arabien lebt circa eine Million philippinischer Christen als Gastarbeiter. Das Feiern christlicher Gottes- dienste wie auch das Zeigen christlicher Symbole in der Öffentlichkeit ist in Saudi-Arabien verboten. RV101006

vat-AlOtaiba-     Hissa Abdulla Ahmed Al-Otaiba

    ist von den Vereinigten Arabischen Emiraten als erste diplomatische Vertreterin an den Heiligen Stuhl ent- sandt worden. Die 51-Jährige überreichte Benedikt XVI. im Vatikan ihr Beglaubigungsschreiben. Der Heilige Stuhl und der Golfstaat hatten bereits im Sommer 2007 diplomatische Beziehungen aufgenommen, aber erst jetzt war ein diplomatischer Vertreter für Rom bestimmt worden.
   Die neue Botschafterin vertrat ihr Land bisher in Spanien. Zudem arbeitete die Wirtschaftswissenschaftlerin und Mutter von sechs Kindern für ein UN-Entwicklungsprogramm in ihrer Heimat. Der Papst hob hervor, dass in dem Golfstaat mittlerweile mehrere Kirchen errichtet worden seien und die öffentliche Hand die Grundstücke für diese Bauten gestiftet habe. Er habe dies „mit Genugtuung" zur Kenntnis genommen. Zugleich rief er die politische Führung des Landes auf, ihre Anstrengungen für ein friedvolles Zusammenleben von Gastarbeitern und Einheimischen sowie den „sozialen Fortschritt" zu verstärken. Die mehreren hunderttausend Ausländer bereicherten das Land nicht nur durch ihre Arbeitskraft, sondern auch durch ihre Religion und Kultur.
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   Von den etwa 4,8 Millionen Einwohnern der Emirate sind nach Angaben des Vatikans rund 580.000 Katholiken. FAZ100522jöb.

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Erste katholische Kirche in Katar wird 2008 eingeweiht   Foto: Flagge von Katar

  Die erste katholische Kirche im Golfstaat Katar am Persischen Golf ist jetzt eingeweiht worden. Einen Glockenturm oder ein von außen sichtbares Kreuz werde es entsprechend den rechtlichen Vorschriften nicht geben. Das Grundstück in der Hauptstadt Doha hatte der Emir von Katar, Khalifa Al-Thani Foto oben, gestiftet. Der Bau dient künftig gut 60.000 vor allem ausländischen Katholiken in Katar als Gotteshaus und Gemeinde- zentrum. Neben der eigentlichen Kirche, die „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz” geweiht werden soll, um- fasst der Komplex auch Tagungseinrichtungen, Gästeräume, eine Bibliothek und ein Café. Die überwiegende Mehrheit der in Katar lebenden Katholiken sind Gastarbeiter aus Asien. DTkna070927
Der Präfekt der vatikanischen Missionskongregation, Kardinal Ivan Dias, hat gemeinsam mit dem Apostoli- schen Vikar von Arabien, Bischof Paul Hinder, die Weihe der Marienkirche in Doha vogenommen. Schriftliche und archäologische Zeugnisse verweisen darauf, dass Katar bis zum Ende des ersten Jahrtausends ganz christlich gewesen sein dürfte. Ab dem Jahr 1000 erlöschen diese Zeugnisse. Erst durch massive Einwande- rung seit dem Beginn des Wirtschaftswunders von Katar ab den siebziger Jahren hat sich im Emirat wieder eine christliche Gemeinde konstituiert. 
DT080227KAP

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Katar: Erste Kirche ist eingeweiht
   Die erste katholische Kirche im Golfstaat Katar ist von Kardinal Ivan Dias in Doha eingeweiht. Den Baugrund für die Kirche in einem Außenbezirk der Hauptstadt hatte Emir Hamad bin Khalifa Al Thani gestiftet. Die Marien- kirche Foto oben soll rund 60.000 vor allem ausländischen Katholiken als Gebetsstätte und Gemeindezentrum dienen. Auf einen Glockenturm oder ein von außen sichtbares Kreuz mussten die Christen entsprechend den rechtlichen Vorschriften allerdings verzichten. Der aus der Schweiz stammende Bischof Paul Hinder ist Aposto- lischer Vikar für Arabien; er sagte im Gespräch mit dem Kölner Domradio:
   „Es war natürlich ein jahrelanger Prozess des Fragens, Bittens und Verhandelns; die ersten Versuche liegen ja schon mehr als zehn Jahre zurück. Das hat zu tun mit der Situation in Katar - es ist ein islamisch geprägtes Land mit einem sehr strengen Islam, ähnlich wie in Saudi-Arabien. Das war auch der Grund, warum es so lange gedauert hat. Möglich wurde der Kirchbau dann nur, weil der gegenwärtige Emir des Landes um eine Öffnung bemüht ist, und er hat das in verschiedener Hinsicht auch schon zustande gebracht. Davon profitie- ren nun auch wir - nicht nur wir Katholiken, sondern andere Kirchen auch.”
   Neben der eigentlichen Kirche umfasst der Groß-Komplex auch Tagungseinrichtungen, Gästeräume, eine Bibliothek und ein Café. Die Baukosten wurden unter anderem durch Spenden von Katholiken auf der Arabi- schen Halbinsel aufgebracht. Der Vatikan unterhält seit 2002 diplomatische Beziehungen mit Katar. Bei den Katholiken des rund 900.000 Einwohner zählenden Emirats handelt es sich überwiegend um Gastarbeiter aus den Philippinen, Indien und anderen asiatischen Staaten.
   „Wir dürfen nicht vergessen, dass ja in allen anderen Ländern der Region mit Ausnahme von Saudi-Arabien bereits offiziell solche Gemeinden bestehen: Wir haben seit 1938 eine Kirche in Bahrain und in den Vereinig- ten Arabischen Emiraten sieben Pfarreien. In Oman sind es vier. Das Neue ist, dass Katar als selbständiges Emirat zum ersten Mal so etwas realisiert. Aber in gewisser Weise zieht Katar einfach das nach, was in anderen Ländern schon vorgemacht wurde.”
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  Im Mittleren Osten haben die Katholiken die Marienkirche „Unserer Liebe Frau vom Rosenkranz” geweiht Foto oben. Iin Qatar ist die erste katholische Kirche seit 1400 Jahren geweiht worden. Zu dem Gottesdienst, der mehr als drei Stunden lang dauerte, kamen 7.000 Christen. Die meisten der mehr als 100.000 Katholiken in dem Emirat am Persischen Golf (bei 900.000 Einwohnern) haben als Gastarbeiter einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus vielen Ländern, wie die symbolischen Gaben (unter anderem das Modell eines indischen Tempels) und der von Volkstänzen begleitete Gottesdienst zeigten. Die meisten Gläubigen stammen von den Philippinen, viele aus Indien. Laut Paul Hinder, dem aus der Schweiz stammenden Apostolischen Vikar für Arabien, sind mehr als 100 Nationen in der katholischen Gemeinde Qatars vertreten. Als Höhepunkt der Weihezeremonie senkte der indische Kardinal Ivan Dias, der Missions-Chef des Vatikans, eine Reliquie des italienischen Volksheiligen Pater Pio in den Altar. Papst Benedikt XVI. stiftete einen Messkelch für die neue Kirche. Das katholische Oberhaupt ließ durch Dias auch einen besonderen Dank an Emir Hamad bin Khalifa Al Thani übermitteln, der den Baugrund für das christliche Zentrum in einem Außenbezirk der Haupt- stadt bereitgestellt hatte. Das Band am Eingang des Gebäudekomplexes hatte zuvor der stellvertretende Ministerpräsident von Qatar, Abdullah bin Hamad Al Attiyah, durchschnitten. Er sagte, mit der Entscheidung für die Kirche wollten Emir, Regierung und Bürger von Qatar eine Botschaft der Barmherzigkeit und Nächstenliebe zum Ausdruck bringen. Qatar sei der erste Staat der Golfregion, der einen Dialog mit nichtislamischen Religionen führe. Aber Vorsicht war trotzdem geboten: Auf einen Glockenturm oder ein von außen sichtbares Kreuz verzicheten die Christen gemäß den Vorschriften des Sultanats.  FAZ080320  Ausführlicher Bericht > Kirche im Islam

König von Bahrein in Audienz
   Der König von Bahrein besuchte Papst Benedikt XVI. Das Kirchenoberhaupt hat Ahmad Ben Isa Ekl- Khalifa in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo in Audienz empfangen.    
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Papst und König von Bahrain betonen Einsatz für interreligiösen Dialog
   Die Reihe hochrangiger Besucher beim Papst aus der islamischen Welt reißt nicht ab: Der Besuch des Königs von Bahrain, Hamad Bin Isa Al-Khalifa fand in freundlicher Atmosphäre” statt. Bei seinem Besuch in der päpst- lichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom traf der Monarch anschließend mit dem vatikanischen „Außenminister” Dominique Mamberti zusammen. Dieser habe ihm wie der Papst für die positive Aufnahme zahlreicher christlicher Zuwanderer in seinem Land gedankt, betonte der Vatikan anschließend. Anders als in anderen Ländern der Region klagen die Kirchen dort nicht über Verfolgung oder Einschränkung ihrer Religions- freiheit.Als Zeichen der guten Beziehungen lud der König den Papst schließlich zu einem Besuch in seinem Land ein. Eine Antwort steht wie in solchen Fällen üblich noch aus.
   Bei der Audienz betonten beide Seiten indes, wie wichtig sie den interkulturellen und interreligiösen Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden nehmen. Dieser Austausch diene „im Mittleren Osten und in der gan- zen Welt dem Frieden, der Gerechtigkeit und den geistigen sowie moralischen Werten”.
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Vatikanischer „Innenminister” ernannt: Erzbischof Fernando Filoni
Fotos: Erzbischof Fernando Filoni links, Erbischof Leonardo Sandri rechts

   Papst Benedikt XVI. hat den langjährigen Botschafter im Irak, Erzbischof Fernando Filoni (61), zum Substi- tuten im Staatssekretariat und damit zum neuen vatikanischen Innenminister ernannt. Der bisherige Amts- inhaber, Erzbischof Leonardo Sandri (63), wechselt an die Spitze der Ostkirchen-Kongregation, wo er den syri- schen Kardinal Ignace Moussa Daoud ablöst. Dieser hat mit 77 Jahren die vatikanische Pensionsgrenze über- schritten. Der Substitut gilt nach dem Papst und dem Kardinal-Staatssekretär als Nummer drei im Vatikan und ist Stellvertreter des Kardinals Tarcisio Bertone. Der in Manduria in der süditalienischen Region Apulien gebo- rene Filoni war nach der Priesterweihe 1970 zunächst in der Seelsorge der Diözese Nardo tätig. 1981 trat er in den diplomatischen Dienst des Vatikans ein. Er arbeitete an den Botschaften in Sri Lanka, Iran, Brasilien und auf den Philippinen. 2001 wurde er zum Bischof geweiht und als Nuntius in den Irak entsandt. Als einziger ausländischer Botschafter blieb er 2003 während des Krieges in Bagdad. Vom Irak war Filoni 2006 auf die Philippinen versetzt worden. Der neuen Innenminister spricht auch Französisch, Spanisch, Englisch und Portu- giesisch. Papst Benedikt XVI. ernannte Erzbischof Filoni am 06. Januar 2012 zum Kardinal Bericht oben.
   Bei der Wahl des neuen Papstes berichtete Erzbischof Fernando Filoni aus Bagdad: “Der Name Benedikt war hier nicht unbekannt - zumindest diejenigen, die ein gewisses Geschichtbewusstsein haben, erinnern sich daran, dass Benedikt XV. im Sitz der Apostolischen Delegation im Irak ein Waisenhaus einrichten ließ, für die Kinder von christlichen Märtyrern, die während des Ersten Weltkriegs von den Türken umgebracht worden waren. Und so sehen die Menschen hier einen Zusammenhang zwischen diesem Benedikt XV. und dem neuen Papst, Benedikt XVI. Der Irak sieht diesen Namen also als einen wahren Segen. Kaum, dass hier das Wahl- ergebnis bekannt wurde, fingen hier bei uns im Viertel überall die Glocken der chalädischen Kirchen zu läuten an. Man fühlte sich überhaupt nicht wie in einem islamischen Land. Auf jeden Fall haben so alle sofort erfah- ren, dass es einen neuen Papst gab und brachten spontan ihre Freude zum Ausdruck.”
   Erzbischof Fernando Filoni erreichte in den 90er-Jahren in Hongkong die Versöhnung einiger in China ohne Zustimmung des Papstes ernannten Bischöfe mit Rom. Seither verbindet ihn eine Freundschaft mit Joseph Kardinal Zen, dem Erzbischof von Hong-Kong.
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Kardinal Claudio Hummes, Foto oben rechts bisher Erzbischof von Sao Paolo ist  Chef der Vatikanischen Kleruskongregation und Nachfolger von Dario Castrillon Hoyos Foto links

  Seine Bescheidenheit und sein ausgleichendes Naturell, seine langjährige Erfahrung in der Seelsorge und sein Engagement für die Anliegen der Arbeiter und Armen empfehlen Kardinal Claudio Hummes für das Amt im Vatikan. Im Kampf gegen die bis 1985 regierende Militärdiktatur protestierte er gegen das Regime und unter- stützte die Arbeit der Gewerkschaften. Er gilt als gemäßigt, ohne jedoch die Option für die Armen als eine der wichtigsten Aufgaben der Kirchen aus den Augen zu verlieren.
  Papst Benedikt XVI. zum „Präfekten” der Kongregation für den Klerus ernannt, zum Leiter jenes vatika- nischen Ministeriums, das für die den Bischöfen unterstellten Priester in der Weltkirche zuständig ist - ein Personalchef also für mehr als 400.000 Priester und 112.000 Priesteramtskandidaten. In seiner neuen Auf- gabe wird der brasilianische Kardinal, der in Brasilien als “Versöhner” gilt, viel Fingerspitzengefühl brauchen. Durch die Ernennung zeigt Papst Benedikt dass er an der Internationalisierung der Kurie festhält und sie weiter ausbaut. Zugleich ist es ein Signal der Wertschätzung an die Kirche in Lateinamerika.
   Erfahrungen hat der neue Präfekt genug. Mit 72 Jahren hat er alles kennengelernt. Zuerst die Volkskirche in Lateinamerika mit den katholischen Gewissheiten einer sehnsuchtsvollen Frömmigkeit; mit dem Eintritt in den Franziskanerorden (ofm), die freundliche Grundhaltung des Gründers Franz von Assisi für alles Menschliche mit einem großen Herzen für die einfachen Leute. Dann jedoch, nach der Priesterweihe (1958) und weiterführen- den Studien in Rom und Genf, das Erlebnis des theologischen Aufbruchs der Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil, mit der Enttäuschung, dass sich die Dinge zu Hause jetzt zuweilen eher widriger gestalteten.
   Als Bischof in Brasilien (von 1975 an), zuerst in Santo Andre, dann, seit 1996, in Fortaleza als Nachfolger von Kardinal Lorscheider, gehörte er nicht zu jenen, die von der Theologie der Befreiung die Lösung aller kirchli- chen Schwierigkeiten in Lateinamerika erhofften wie etwa sein um vier Jahre jüngerer Ordensbruder Leonardo Boff. Bischof Hummes half den Armen, unterstützte streikende Metallarbeiter und versteckte die von der Mili- tärdiktatur verfolgten Gewerkschafter, darunter den jetzigen Präsidenten Lula. Aber er hielt wenig von Klas- senkampf und Gewalt der Theologen und von jener Sozialromantik, der manche südamerikanischen Ordens- leute und Priester damals anheimfielen und die „Rom” ihnen mit tausend guten und einigen strengen Worten ausredete. Das wusste Kardinal Ratzinger schon als Präfekt der Glaubenskongregation zu schätzen.
   Hummes löst den bisherigen Präfekten, Kardinal Dario Castrillon Hoyos ab, der seit 1996 das Ministerium leitete. Hoyos war neben der Funktion als Chef des Ministeriums für Priester auch Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei”. Diese ist zuständig für die Wiedereingliederung von Anhängern des Traditio- nalisten-Erzbischof Marcel Lefebre.
061106HeinzJFischerFAZ

cdWilliamJLevada,xx   William Joseph Kardinal Levada

Präfekt der Glaubenskongregation und Nachfolger von Benedikt XVI. in diesem Amt

   William Joseph Levada, der Nachfolger des Papstes als Präfekt der Glaubenskongregation gilt als gefestigter Kirchenführer, der Erfahrung mit den Problemen der modernen Gesellschaft besitzt und mit Kardinal Ratzinger schon für den „Katechismus der katholischen Kirche” zusammengearbeitet hat. Von 1976 bis 1982 war Leva- da in der Glaubenskongregation tätig, bevor er 1986 zum Erzbischof von Portland und 1995 zum Erzbischof von San Francisco ernannt wurde. Levada ist ein enger Vertrauter des neuen Papstes und gilt wie Ratzinger in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre als konservativ. Kompromisslos und offensiv hat Levada stets die Vatikan-Linie in der Abtreibungsfrage vertreten. 1995 schrieb er in der Catholic Sentinal: „Die amerikanische Gesellschaft könnte in einer Kultur des Todes nicht überleben, und sie sollte es auch nicht.” Ebenso deutlich äußert sich Levada zur Todesstrafe. Der Erzbischof schloss sein Studium an der vatikanischen Eliteuniversität Gregoriana in Rom mit Auszeichnung ab. Er lehrte an Universitäten in Amerika und Italien Theologie. Die Nach- richtenagentur Ansa bezeichnete ihn als „anspruchsvollen Theologen und kühnen Bewahrer mit Leidenschaft für Pragmatik”. Beobachter im Vatikan weisen darauf hin, dass der Bischof in San Francisco in einer als extrem liberal und individualistisch geltenden Umwelt tätig war. Die Stadt gilt als Hochburg für Homosexuelle. Der Erzbischof habe den Dialog mit der liberalen Stadtverwaltung über die Rechte Homosexueller nie gescheut, teilte die Erzdiözese mit. FAZ050514hjf

cdTarcBertonePeru-xx             

Vatikanischer Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone

 Tarcisio Bertone studierte nicht an der vatikanischen Diplomaten-Akademie, hat vor der Amtsübernahme nicht im Staatssekretariat gearbeitet, und war auch bisher nicht als apostolischer Nuntius im Ausland. Das Amt von Kardinal Bertone als zweiter Mann im Vatikan ist bedeutsam. Er ist der engste Mitarbeiter des Papsts in der römischen Kurie und übernimmt weltweit Aufgaben der Kirche. Neben der Leitung der römischen Kurie koordi- niert er die apostolischen Nuntiaturen in 180 Ländern in allen fünf Kontinenten.
   Zu seinen Aufgaben gehört die Leitung des vatikanischen Presseamtes und der eigenen Zeitungen, aber auch die Vorbereitung, Zusammenführung und Veröffentlichung der päpstlichen Verlautbarungen. Kardinal Bertone meint dazu: „Dies ist für mich eine kopernikanische Revolution.” Dabei denkt er an die gewaltige Ver- änderung in seinem Leben, das er in den drei Jahren zuvor als Erzbischof von Genua verbracht hatte. Bei seiner Amtsübernahme äußerte er sich gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA: „Als Mitglied des Salesianerordens und als Mann der Kirche habe ich gelernt zu gehorchen.”
  Papst Benedikt soll Kardinal Bertone wegen seiner Fähigkeit ausgewählt haben, pastorale Ziele mit einer ex- zellenten Kenntnis der katholischen Glaubenslehre zu verbinden. Den Ausschlag gab aber, dass Benedikt XVI. ihm absolut vertraut. In einem Haus der Salesianer in den Alpen, wo der Papst Urlaub macht wird Kardinal Bertone Gast des Papstes sein. Diese Freundschaft geht auf die Zeit zurück, als Tarcisio Bertone noch Mit- arbeiter von Kardinal Ratzinger in der Glaubenskongregation war.
   Tarcisio Bertone wurde am 2. Dezember 1934 als fünftes von acht Kindern in Norditalien geboren. Früh lernte er die Salesianer-Priester kennen und trat 1950 in ihren Orden ein. Am 1. Juli 1960 empfing er die Priesterweihe. Nach dem Abschluss der theologischen Studien in Turin wurde er in Rom zum Doktor des Kir- chenrechts promoviert. Es folgte eine Lehrtätigkeit in Moraltheologie und Kirchenrecht an der päpstlichen Salesianer-Universität in Rom, wo er 1989 zum Dekan gewählt wurde. Gleichzeitig übernahm er Vorlesungen an der Lateran-Universität. Schon bald wurde er Berater in mehreren vatikanischen Gremien. Es folgte die Ernennung zum Bischof und die Berufung zum Sekretär der Glaubenskongregation unter Kardinal Joseph Ratzinger von 1995 - 2002. Hier arbeitete er mit an den Richtlinien für nordamerikanische Diözesen in Sachen sexueller Übergriffe von Priestern. Verschiedene Sonderaufgaben wurden ihm übertragen: die intensiven Gespäche mit der Fatima-Seherin Schwester Lucia wegen der vollständigen Veröffentlichung des "Dritten Ge- heimnisses” von Fatima. Viele Stunden diskutierte der Kardinal mit Sr. Lucia darüber, bevor das Ergebnis im Vatikan bekannt gegeben wurde. Tarcisio Bertone erklärte mit Bestimmtheit, dass hiermit das vollständige Geheimnis von Fatima veröffentlicht sei: „Ich kann ohne jeden Zweifel sagen, es ist absolut sicher, dass alles, was mit dem Geheimnis von Fatima zu tun hat, nun vollständig offen gelegt ist und dass der dritte Teil des Ge- heimnisses auf den von uns publizierten vier Seiten absolut mit dem persönlich von Sr. Lucia geschriebenem Brief übereinstimmt.”
   Weiter erklärt Kardinal Bertone: „Auf meine ausdrückliche Frage, ob sie vor oder nach der Veröffentlichung des dritten Teils des Geheimnisses darüber etwas geschrieben hat, bestätigte sie mir, dass sie darüber nichts geschrieben habe” Als Sr. Lucia im Februar 2005 starb, bat Papst Johannes Paul II. Kardinal Bertone die Be- gräbnisliturgie in seinem Namen zu leiten
Fotos unten.

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   Im Jahre 2002 leistete Kardinal Bertone entscheidende Hilfe, den Erzbischof Emmanuel Milingo aus Sambia nach einer kurzen Ehe in Verbindung mit der koreanischen Moon-Sekte in die Kirche zurückzuführen.  Kardinal Bertone hat auch mitgewirkt an der vatikanischen Erklärung, dass homosexuelle Männer nicht in Priester- seminaren aufgenommen werden.
   Während Staatsekretäre vor der Übernahme dieses Amtes in der Regel verschiedene Stufen des diploma- tischen Dienstes durchlaufen hatten, brachte Kardinal Bertone die Erfahrung eines Diözesanbischofs mit, zuerst in Vercelli und dann in Genua.
   Kurz nach der Übernahme des Bischofsamtes in Genua im Jahre 2003 kam der Kardinal in die Schlagzeilen der internationalen Presse wegen einer öffentlichen Diskussion über Dan Brown’s Roman „Der Da Vinci Code”. Er zeigte sich gegenüber Radio Vatikan betroffen über das Buch, das in Italien 2004 publiziert wurde, von vielen Studenten gelesen werde, die meinten hier eine Antwort zu finden auf die geschichtlichen Ereignisse innerhalb der Kirche. „Nicht ist falscher als das”, sagte Bertone, und wies ausdrücklich auf die Bedeutung der Jungfrau Maria in der Verkündigung der Kirche hin. Auch die Berichte des Evangeliums, dass Jesus unter seinen Jüngern auch Frauen hatte, waren dem Kardinal wichtig und er erwähnte noch, dass es Frauen waren, die den Jüngern die Botschaft der Auferstehung Jesu überbrachten.
   Und dass Maria Magdalena wie eine Amazone in diesem Roman entdeckt wird, um den Anteil der Frauen in der Kirche aufzuwerten, gehe an der Sache völlig vorbei. Das mysteriöse Element dieses Romans sei die Leug- nung des Todes und der Auferstehung Jesu. Kardinal Bertone nennt dieses Buch ein „Lügengespinst” und hält eine Förderung dieses Romans als einen feindlichen Akt gegen die Kirche.
   Der Kardinal bedauert, dass Angriffe gegen die Kirche hingenommen werden und fragt sich, „welche Reaktion ein Buch voller Lügen über Buddha oder Mohammed oder Geschichte über den Holocaust, die Schoah bewirken würde”. Beobachter bezeichnen Kardinal Bertone als „kraftvoll und pragmatisch”, aber Erfahrungen in der vatikanischen Diplomatie konnte er nicht vorweisen. Für Expertisen etwa über China oder den Frieden im Nahen Osten muss ihm zugearbeitet werden.
TimConroyCT060702

          B-Audienz-xx

Einmal dem Papst nahe sein. Zu Papst Benedikt XVI. strömen deutsche Gläubige in Massen nach Rom.

Die Päpstliche Präfektur ist jetzt auch on-line im Internet erreichbar.    Die Präfektur ist u.a. für die Organi- sation der päpstlichen Audienzen zuständig. Auf der Vatikanseite werden ab sofort die anstehenden General- audienzen aufgelistet. Auch ist es möglich, ein Formblatt für die kostenlose Bestellung von Audienzkarten herunterzuladen. Die Internetadresse lautet: www.vatican.va /various/prefettura/index_ge.html       rv130708

va-RatioVatikan-xx Radio Vatikan

Vatikan plant weltweit größte Solaranlage

   Der Vatikan plant die größte Solaranlage des Planeten. Das Projekt für die Installation dieser Anlage ist derzeit in der Planung. Sie soll in Santa Maria di Galeria aufgebaut werden, wo sich auch die Sendeanlage von Radio Vatikan befindet Foto oben. Nach der Installation von Solarzellen auf dem Dach der vatikanischen Audienzhalle im vergangenen Herbst wird jetzt an der technischen Umsetzung der neuen, analogen Anlage gearbeitet. Sie soll voraussichtlich im Jahr 2014 fertig gestellt werden und wäre dann die größte Solaranlage auf der Welt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Projekt der deutschen Firma Solarworld anvertraut. Ob der italienische Staat sich an der Initiative beteiligen wird, ist noch unklar. Die gewonnene Energie kommt etwa 100 Megawatt gleich. Damit kann nicht nur das Radio versorgt werden, die Energie reicht auch noch für weitere 40.000 Haushalte. Der Energieüberschuss wird an den italienischen Staat verkauft. RV090424adn

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Castel Gandolfo – Vatikan II

   Papst Johannes Paul II. nannte das Castel Gandolfo gern “Vatikan II”, weil es seine zweite Residenz war – ähnlich dem Vatikan. Die vatikanischen Ämter liegen etwa 50 km entfernt; entsprechend milder ist hier das Arbeitstempo, obgleich beide Päpste, Johannes Paul II. und auch Benedikt XVI. das Castel Gandolf in gleicher Weise wie den Vatikan für Treffen, Seminare und Konferenzen nutzen. Ein kurzer Blick auf die bestechende Schönheit von Castel Gandolfo erklärt, warum die Päpste diese Sommerresidenz seit Jahrhunderten so sehr schätzen. Während die Päpste mit dem Hubschrauber kommen und gehen, reisen die Besucher von Rom nach Albano mit dem Auto. 
   Das moderne Städtchen Castel Gandolfe hat etwa 7.500 Einwohner. Nach einer Legende ist es im Altertum gegründet von Ascanius, dem Sohn von Aeneas, der es Alba Longa nannte, die älteste Hauptstadt des Sabi- ner Bundes. Im 12. Jahrhundert wurde diese Region von einem Schloss beherrscht, das der adeligen Familie Gandolfi gehörte, von daher erhielt der Ort seinen Namen. Im 13. Jahrhundert erlangte die Familie Savelli die- sen Besitz, im Jahre 1596 wurde dieses Anwesen zum Ausgleich von Schulden auf die vatikanischen Güter übertragen.
   Urban VIII.  (1568-1644) war der erste Papst, der hier aus gesundheitlichen Gründen einen Sommer ver- brachte. Auf den Ruinen des Anwesens wurde in den Jahren von 1624-1629 das päpstliche Anwesen errich- tet. Im inneren Hof befindet sich eine alte Büste von Poseidons einäugigen Sohn Polyphemus, die im Nyphae- num, in den künstlich geschaffenen Höhlen am Ausgang des Kratersees gefunden wurde. Später wurden die Nachbargrundstücke Cibo und Barbarni hinzuerworben.
   Das ganze Anwesen der Sommerresidenz Castel Gandolfo steht nicht unter der Jurisdiction der italienischen Regierung. Der exterritoriale Status ist im Lateran-Vertrag festgeschrieben: „Italien anerkennt das volle Be- sitzrecht des Heiligen Stuhls an der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo mit aller Ausstattung und zugehö- rigen Gebäuden …“
  Das gesamte Grundstück umfasst heute etwa 50 ha mit etwa 10 km Straßen und Wegen. Nach der Wahl des sportlich trainierten Papst Johannes Paul II. stifteten amerikanische Katholiken ihm einen privaten swimming pool. Die Hälfte des Grundstücks dient dem Ackerbau; ein Bio-Hof produziert Früchte, Gemüse, Wein und Oli- venöl. 60 Holsteiner Kühe geben täglich fast 500 Liter Vollmilch. Die Milch wird in den örtlichen Geschäften und im vatikanischen Supermarkt Annona zu normalen Preisen angeboten.
   Der Park der Villa Barberini ist nichtöffentlich. Von hier hat man an klaren Tagen einen Blick auf den Albaner See. Wer ein „historisches, künstlerisches oder archäologisches Interesse an den Ausgrabungen des Palastes des Kaisers Domitian aus dem 1. Jahrhundert nachweisen kann, erhält Zutritt zu dem 1930 restaurierten Park – jedes Jahr etwa 5.000 Besucher. 1936 wurde das päpstliche Observatorium vom Vatikan nach hier verlegt – wegen der zur damaligen Zeit besseren Arbeitsbedingungen. Jedes Jahr kommen junge Astronomen aus allen Teilen der Welt nach hier zur Fortbildung. Die Sternwarte wurde 1891 von Papst Leo XIII. im Vatikan gegrün- det. Infolge der Helligkeit des Nachthimmels in Castel Gandolfo wurde die Forschung in ein zweites Observa- torium nach Tucson, Arizona, verlegt. Die Verwaltung, die Bibliothek und auch die Computer befinden sich noch in Castel Gandolfo.
   Wenn immer Sie Rom oder Italien besuchen, lohnt sich ein Abstecher in die Albaner Berge. Hier sind sie bestimmt in guter Gesellschaft – schließlich haben viele Päpste ihren Sommer in Castel Gandolfo verbracht – und das können nicht viele Plätze auf der Welt von sich sagen.
CT090405EmmaClancy

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B-TV1xx Deutsches TV in Castel Gandolfo

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Päpstliche Schweizergarde vereidigt neue Mitglieder
   Im Vatikan legen 31 neue Mitglieder der Schweizergarde ihren Treueschwur auf den Papst ab. Vereidigt werden 30 Rekruten, die in den vergangenen zwölf Monaten ihren Dienst für den Papst angetreten haben, und der neue Major William Kloter. Der 33-jährige Polizist aus dem Kanton Graubünden war von Papst Bene- dikt XVI. zum Nachfolger für den bisherigen Major Peter Hasler (63) ernannt worden, der nach 42 Jahren als dienstältester Soldat des Papstes im Mai 2009 in den Ruhestand ging. Vor der Zeremonie wird Kardinal- staatssekretär Tarcisio Bertone im Petersdom eine Messe für die Gardisten und ihre Familien zelebrieren. Anschließend findet eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung für jene Gardisten statt, die bei der Plünderung Roms von 1527 ums Leben kamen. Das traditionelle Datum der Vereidigung, der 6. Mai, erinnert an diesen „Sacco di Roma". Damals starben 147 Soldaten bei der Verteidigung des Papstes.
NOZ100506

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Die Päpstliche Schweizer Garde erwägt die Aufnahme von Frauen -

- das erklärte der neue Kommandant der Traditionstruppe, Daniel Anrig, im italienischen Fernsehen. Er selbst könne sich Gardistinnen „für die eine oder andere Aufgabe vorstellen“, so Anrig. Ein solcher Schritt liege allerdings noch in weiter Ferne. Unter den derzeitigen räumlichen Bedingungen in der Kaserne am vatika- nischen Anna-Tor sei eine gemeinsame Unterbringung von Frauen und Männern nicht möglich. Der Amts- vorgänger des Garde-Chefs, Elmar Mäder, hatte den Einsatz von Frauen im Gardedienst noch prinzipiell ab- gelehnt. rv090507kna
   Wer die Schweiz ebenso wie den Vatikan für zwei tendenziell eher Frauen-skeptische Organisationen hält, kann sich auf der Suche nach Belegen in der Historie ausreichend bedienen.
   Die Schweiz verankerte erst 1981 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in ihrer Verfassung. Und in der katholischen Kirchenzentrale sind Frauen als klerikale Amts- und Würdenträger selbst 2009 noch außen vor. Demzufolge scheint es konsequent, dass die Päpstliche Haustruppe, die Schweizergarde, in ihrer ge- samten Geschichte über 503 Jahre ausschließlich Männer rekrutiert hat.
   Da lässt die Nachricht, weltweit verbreitet von Radio Vatikan, geschlechterübergreifend international auf- horchen: Der neue Kommandant der Schweizer Garde, Daniel Anrig (37), sagte im italienischen Fernsehen, er könne sich Gardistinnen „für die eine oder andere Aufgabe vorstellen". Sein Vorgänger Elmar Mäder hatte noch 2006 bei der 500-Jahr-Feier Frauen in seiner Truppe im Stakkatostil abgewehrt: „Die Männer sind jung, sie wohnen in der Kaserne, da ist es ziemlich eng, da will ich keine Probleme."
   Gibt es in den herrschaftlichen Gebäuden des Zwergstaates Vatikan nicht genug Platz für eine Handvoll Hauspolizistinnen? Das Schweizer Militär hat solche Stuben. Hier dürfen Frauen dienen - freiwillig, also nur, wenn sie unbedingt wollen.
   Die Armee als Hort der Gleichberechtigung. Sie könnte Schweizerinnen vielleicht eines Tages den Dienst an der päpstlichen Pforte erschließen. Denn die Militärzeit im Alpenland ist nach wie vor ein Muss, um in die päpstliche Garde zu gelangen, ebenso wie das Alter (unter 30), das Mindestmaß (1,74 Meter Körpergröße), der Glaube (katholisch) und der Familienstand (ledig). Heiraten dürfen Schweizergardisten erst nach längerer Dienstzeit. Bis auf das Geschlecht (männlich) würden heute schon viele Frauen alle Voraussetzungen mit- bringen.
HA090508ChristophRind

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Der römische Petersdom ist jetzt auch am heimischen Computer zu besichtigen.

   Vom Internetportal www.vatican.va/Petersdom aus leitet ein Link zu einer virtuellen Tour durch das größte Gotteshaus der Christenheit. Um den Eindruck einer freien Bewegung im Raum zu ermöglichen, wurden Tausende hochauflösender Fotografien zu einem dreidimensionalen Panoramabild zusammengefügt. Mit der Umsetzung des Projekts waren Studierende der Villanova University im US-amerikanischen Pennsylvania zwei Jahre lang beschäftigt, wie Radio Vatikan meldete. Die Ausgangspunkte für die 360-Grad-Ansichten befinden sich in der Apsis, beim Hauptaltar, in den beiden Querschiffen, dem Hauptschiff sowie in der Chorkapelle und vor der „Pietá“ Michelangelos. RV100729kipa

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Die  500. Todestag von Sandro Botticelli  Foto: 1482: Die Geburt der Venus Foto rechts: Selbstbildnis

   Die meisten Informationen über das Leben des  Malers und Zeichners Sandro Botticelli finden sich in der Künstlerbiographie von Giorgio Vasari (1550). Sein eigentlicher Name lautete Alessandro di Mariano Filipepi. Von seinem Bruder Giovanni erhielt er den Spitznamen „Botticelli" (Fässchen). Er ist einer der berühmtesten Maler der Renaissance. Sandro wurde als jüngster Sohn des Gerbers Mariano di Vanni Filipepi und dessen Frau Smeralda am 1. März 1445 im Florentiner Armenviertel Ognissanti geboren. Nach dem Abschluss der Lehrzeit bei einem Goldschmied, wo er auch den Kupferstich erlernte, fertigte er Zeichnungen für den Juwelier Baccio Baldini, aber auch Druckvorlagen an. 1464 wurde er Schüler des berühmten florentinischen Malers Fra Filippo Lippi, der seine Werkstatt in Prato hatte. Der junge Maler wurde durch den Humanismus und später durch die Lehren des Predigers Girolamo Savonarola beeinflusst. Seine Frühwerke orientieren sich stilistisch an seinem Lehrer Lippi und an dem in Florenz tätigen Maler Antonio Pollaiuolo. In dieser Periode (1465 — 70) fertigte er eine Reihe von Marienbildern an. 1470 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Seine Werke wurden bald geschätzt und 1474 wurde er nach Pisa gerufen, um an der Fertigstellung der von Benozzo Gozzoli be- gonnenen Fresken des Campo Santo mitzuarbeiten. In seiner Vaterstadt verschaffte er sich früh den Ruf eines angesehenen Porträtisten. Für die weitere Laufbahn Botticellis waren die Kontakte zur Familie Medici - er porträtierte einige Mitglieder - maßgebend. Vor allem die Förderung durch Lorenzo de Medici ebnete ihm den Weg zu öffentlichen Aufträgen für die nächsten Jahre. 1481 wurde er von Sixtus IV nach Rom berufen, um zusammen mit Perugino die Wände der Sixtinischen Kapelle zu gestalten. In diesem Freskenzyklus malte er Begebenheiten aus dem Leben von Mose und die Versuchung Christi, die Bestrafung der Rebellen und einige Bildnisse der frühen Päpste. Seine Meisterwerke nach 1475 sind vor allem von Themen aus der griechischen Mythologie beeinflusst. Zu den bekanntesten allegorischen Darstellungen gehören der 1499 für Lorenzo de Medici gemalte Frühling, worin er das Erwachen der Natur durch blumenbekränzte Mädchen in einer para- diesischen Landschaft zeigt sowie der Klassiker Die Geburt der Venus. Hier treibt die aus dem Meeresschaum geborene Liebesgöttin in einer Muschel auf die Küste zu.
   Nach dem Tod von Lorenzo de' Medici und nach der Vertreibung der Medici aus Florenz erhielt Botticelli immer weniger Aufträge. Laut Vasari widmete er sich ausschließlich religiösen Themen; wegen einer Behinde- rung malte er kaum mehr und verarmte. Er starb im Mai 1510 und wurde im Familiengrab in der Allerheiligen- kirche beigesetzt.
ArchivVerlagDrChristineMariaGrafinger   Boticellis Werk “Madonna del Magnificat” >
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Kilometerweise Weltgeschichte: Das päpstliche Geheimarchiv im Vatikan. Die historischen Räume des Archivs sind mit Fresken geschmückt, die Schenkungen europäischer Herrscher an den Papst darstellen.

   Weniger geheimnisvoll, als man vermuten könnte, dafür umso mühsamer ist die Arbeit von Forschem im päpstlichen Geheimarchiv. Und doch liegt ein eigentümlicher Zauber über diesem ganz besonderen Ort. Zugang zum päpstlichen Geheimarchiv zu erlangen ist höchst simpel. Und die eigentliche, mühevolle Arbeit beginnt erst dann, wenn man drin ist. Möchte man die Dokumente des Archivs konsultieren - zum Beispiel, weil man an einem wissenschaftlichen Projekt arbeitet, das sich mit der Entstehungsgeschichte römischer Papst- und Kardinalsgrabmäler beschäftigt -, so genügt ein Schreiben, in dem man seine Forschungsinter- essen erklärt. Das reicht man im Büro ein, in dem die Archivausweise ausgestellt werden; bei jüngeren Wissenschaftlern hilft das Empfehlungsschreiben eines Universitätsdozenten. Es folgt ein freundliches Ge- spräch mit dem zuständigen Archivar, der nicht etwa nach der Konfession fragt, sondern einem mit dem einen oder anderen Tipp zu helfen versucht. Nun kann der Forscher auf die Jagd nach historischen Quellen gehen. Und die ist leider sehr viel aufwendiger, denn das päpstliche Geheimarchiv enthält unendlich viel mehr Doku- mente, als sich selbst von den fleißigsten Archivaren zusammenfassen ließen.
   Die Bestände des Archivio Segreto Vaticano reichen zurück bis in die Anfänge der Kirchengeschichte, also bis in die Spätantike. Freilich machen die aus dieser frühen Zeit stammenden Schriftstücke nur einen verschwin- dend kleinen Teil des Überlieferungsschatzes aus. Vieles ging über die Jahrhunderte verloren; schon weil es das Geheimarchiv in seiner heutigen Form, als zentrale Sammelstelle kurialer Dokumente, erst seit dem Be- ginn des 17. Jahrhunderts gibt, als Paul V.
Foto unten (1605-1621) seine Einrichtung dekretierte. Bereits zuvor

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hatten die Päpste wichtige Urkunden, Erlasse und Briefe aufbewahrt, nur eben: in verschiedenen Samm- lungen und phasenweise auch an unterschiedlichen Orten. Erst 1610 erfolgte ihre Zusammenführung im Archivio Segreto, dem Geheimarchiv, das nördlich der Sixtinischen Kapelle in den ehemaligen Wohnräumen der Kardinalbibliothekare untergebracht wurde Fotos unten.

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   Der Begriff „geheim" wurde damals auch zahllosen anderen Archiven zuteil, in denen das diplomatische Herrschaftswissen der europäischen Staaten gesammelt wurde. Zunächst stellte das päpstliche Archiv nur eine Unterabteilung der Vatikanischen Bibliothek dar.Erst 1630 trennte Papst Urban VIII.(1623-1644) die Institutionen und übertrug die Leitung des Archivs einem eigenen Präfekten.
   Im Lauf der Zeit wuchs das Geheimarchiv beständig, weil die immer differenzierteren bürokratischen und diplomatischen Strukturen des Heiligen Stuhls den schriftlichen Niederschlag ihrer Aktivitäten im Ge- heimarchiv deponierten. So entstand mehrfach die Notwendigkeit, die Depots des Archivs zu erweitern. Unter Pius XI. kamen 1933 Magazine mit 13 Kilometern Stahlregalen hinzu, Paul VI. veranlasste dann die Erweiterung durch einen 1980 von Johannes Paul II. eingeweihten, unterirdischen Neubau, in dem weitere 43.000 Regalmeter Platz fanden. Notwendig wurden diese Ausbaumaßnahmen nicht nur durch den explosionsartig anwachsenden Schriftverkehr der päpstlichen (wie allgemein aller modernen) Büro- kratien, sondern auch durch eine ganze Reihe von Privatarchiven, die im Lauf der Zeit ihren Weg in den Vatikan fanden. Darunter befanden sich die Nachlässe von kirchlichen Würdenträgern und Gelehrten, aber auch eine Reihe von Familienarchiven alter Adelsklans und ehemaliger Papstfamilien, wie etwa der Borghese, der Boncompagni-Ludovisi oder der Rospigliosi. So kommt es, dass heute nicht nur Theologen und Kirchenhistoriker im päpstlichen Geheimarchiv ihren Studien nachgehen. Auch wer sich mit der Ver- waltungsgeschichte des Kirchenstaats beschäftigt, der Kunstpatronage von Kardinalnepoten (jenen päpstlichen Verwandten, die von ihrem Onkel ins Kardinalskollegium berufen wurden) oder der Korres- pondenz päpstlicher Botschafter an den Höfen des frühneuzeitlichen Europa,der sucht hier seine Quellen.
Dabei braucht er vor allem zweierlei: Zeit und Geduld. Denn die unüberschaubaren Bestände des Archivs sind bei weitem nicht komplett systematisch erschlossen, viele fondi, also eigene Dokumentgruppen, nicht einmal inventarisiert. So heißt es denn ,Tag für Tag aufs Neue im Lesesaal die maximal drei Bände, die jeder Benutzer täglich bestellen darf, auf den Leihscheinen anfordern. Etwa eine halbe Stunde später kann man dann ihren Empfang quittieren und sich an die Lektüre machen. Die gestaltet sich durch unleserliche Handschriften, zerstörerischen Tintenfraß oder fehlerhafte Beschriftungen oftmals mühsam und ebenso oft ergebnislos - das Gesuchte ist nicht dabei. Archivarbeit schult vor allem die Frustra- tionstoleranz. Sehr selten sind die Glücksmomente, da man einen Volltreffer landet, eine unbekannte Quelle findet, die neue Erkenntnisse vermittelt, gar der Arbeit eine grundlegende Wendung gibt. Oder an überraschender Stelle ein Dokument entdeckt, das den Leser durch seine schlichte Schönheit erfreut, etwa die kostbar auf Pergament gestaltete Beschreibung einer Gemäldesammlung, wenn man eigentlich mit einem trockenen Briefwechsel über Verwaltungsfragen gerechnet hatte.
   Solche Sternstunden sind rar. Und doch übt die Arbeit im päpstlichen Geheimarchiv eine ganz eigene Faszination aus. Es mag an der klösterlich-konzentrierten Stimmung liegen, mit der die Forscher hier ihren Studien nachgehen. Auch der Reiz der Detektivarbeit spielt eine Rolle: Zwar sind die Aussichten, im Archivio Segreto die Weltformel oder zumindest Berichte über abgründige Verschwörungen zu finden, schlecht. Aber neue Erkenntnisse über historische Geschehnisse aller Art stellen sich mit der Zeit durchaus ein. Und schließlich sind das Geheimarchiv und die benachbarte Bibliothek, vor allem aber die von den Besuchern beider Institutionen gemeinsam genutzte Cafeteria im Cortile della Biblioteca, dem Bibliothekshof des Vatikans, ein wunderbarer Ort, um mit Wissenschaftlern aus aller Welt ins Gespräch zu kommen.
Damals062010ProfDrArneKarsten: www.damals.de
Webseite des Vatikanischen Geheimarchivs: asv.vatican. va/home_de.htm

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Wertsteigerung des Euro im Vatikan

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   Diese Prägeserie ist Gold wert, denn sie gelangt nie in den allgemeinen Geldumlauf. Das soll sich von Januar 2010 an jedoch ändern.
   330 Millionen Bürger zahlen mit Euro. Auch die 1.000 Einwohner des Vatikans. Aber hier hat der Euro eine wundersame Wertsteigerung erfahren, die niemanden stört, am wenigsten den Vatikan selbst. Die niedrigste Ausgabeauflage aller Mitglieder der europäischen Währungsunion sorgte dafür, dass vatikanische Euro nie in den allgemeinen Geldumlauf gelangten und ausschließlich bei Münzsammlern landeten. Entsprechend hoch sind die Preise für einen Satz im Nennwert von 3,88 Euro: Der Vatikan verkauft einen Satz Münzen für 30 Euro an Händler und Sammler, bei den Münzläden rund um den Petersdom kostet ein Set schnell 200 Euro, manche bis zu 1.400 Euro.
   Eine Währungsvereinbarung zwischen EU und Vatikan macht diese Preisentwicklung möglich: Die Vatikan- stadt darf eine bestimmte Anzahl von Münzen prägen, die dem italienischen Prägekontingent hinzugerechnet werden. Der Vatikan durfte ursprünglich jährlich Münzen im Wert von 670.000 Euro prägen, seit 2004 ist es eine Million Euro.
   Höhere Auflagen sind nur erlaubt in einem „Heiligen Jahr" (das nächste ist 2025), bei besonderen Jubiläen wie etwa 2003, als sich das Pontifikat von Johannes Paul II. zum 25. Mal jährte, oder bei dessen Tod am 2. April 2005. Dann darf der Vatikan zusätzliche Münzen im Wert von 250.000 Euro (300.000 Euro seit 2004) prägen.
   Ab dem 1. Januar 2010 sollen aber nun mindestens 51 Prozent der vatikanischen Euro-Münzen in den normalen Geldumlauf kommen. Die EU-Regierungen haben ein Mandat für entsprechende Neuverhandlungen mit dem Heiligen Stuhl beschlossen. Eine gemeinsame Kommission soll sämtliche Fragen zu den Euro-Münzen regeln, also auch das Prägekontingent, das der Vatikan gern auf Münzen im Wert von 2,3 Millionen Euro an- heben möchte.
HA091215DietrichAlexander Fotos unten: Gedenkmünzen 18. November 2009

2 € Astronomie Münzen-2?Gedenkm-xMünzen-5?Gedenkm-x 5 € Weltfrieden

Münzen-UFN- info:Münzen-UFN--

20 € 50 € Der Gute Hirt Münzen-20?-50?Gedenkm-x Münzen-10?Gedenk-x 10 € Gründung Vatikan

va-Münzen2010-xxx va-Münzen2010ax

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