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Exkurs: Geheime Wahl in Rom > Das Konklave 
- Sonderbericht über dien syro-malabarische Kirche > Indien

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Israel: Papst-Glückwünsche an hebräische Katholiken
Heilig Jakob Vikariat aus Israel bei einem Besuch der Generalaudienz

   In einem Brief an das Heilig Jakob Vikariat in Israel beglückwünscht sich der Papst für das Engagement der Katholiken hebräischer Sprache. Der Brief ist vom vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet, wie der Vatikan mitteilte. Das Vikariat feiert in diesem Jahr ihr 60jähriges Bestehen und wird getragen von hebräischsprechenden Priestern, Ordensleute und Laien in Israel. „Der Heilige Vater betet für alle Mitglieder und hofft auf die freudige Erneuerung durch das Zeugnis des Evangeliums, die nicht nur durch Worte sondern auch durch das Leben geschieht“, so eine Passage aus dem Brief. Das Vikariat spiele eine wichtige Rolle für den Dialog und den Frieden in jenem Land, so eine weitere Stelle in dem Brief. rv150826mg 

be-Synode2012-1xx  Größte Bischofssynode der Neuzeit

   Die Bischofssynode, die am Sonntag dem 06. Oktober 20112 im Vatikan begonnen hat, ist die größte in der Neu- zeit. Das wurde an Vatikan bekannt. Der Generalsekretär der Bischofssynode, Erzbischof Nikola Eterović, stellte den Journalisten Einzelheiten der Großveranstaltung vor, die vom 07. bis zum 28. Oktober dauert und das Thema Neuevangelisierung hat.
   „An der 13. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynde werden 262 Synodenväter teilnehmen: Das ist die höchste Zahl in der Geschichte der Synoden. Aus Europa kommen 103, aus Amerika 63, aus Afrika 50, aus Asien 39 und aus Ozeanien sieben. Die Mehrheit der Synodenväter, nämlich 182, ist gewählt worden. Unter den Synodenvätern sind sechs Patriarchen, 49 Kardinäle, 71 Erzbischöfe, 120 Bischöfe und vierzehn Priester. 32 Synodenväter sind jeweils Vorsitzende einer Bischofskonferenz, 26 leiten Dikasterien der römischen Kurie.
  Die Synode leitet der Bischof von Hong Kong, Kardinal John Tong Hon, der mexikanische Erzbischof von Guadalajara, Kardinal Francisco Robles Ortega, und der Erzbischof von Kinshasa, Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya. Das Thema der Bischofssynode ist die „Neuevangelisierung für die Verbreitung des christlichen Glaubens“.
  
Außerdem ernannte der Papst einen neuen Sekretär für den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog. Es handelt sich um Pater Miguel Ángel Ayuso Guixot. Er ist Vorsitzender des Päpstlichen Instituts für Arabische und Islamische Studien PISAI. Er wird Nachfolger von Erzbischof Pier Luigi Celata. RV120630

Benedikt XVI.: „Synode ist Mittun am Wirken des Heiligen Geistes“ 
   Die Arbeit der Synode ist Mitarbeit der Kirche am Wirken des Heiligen Geistes. Mit diesem Gedanken hat Papst Benedikt XVI. die erste Arbeitssitzung der XIII. ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode eröffnet. Am Sonntag hatte er das Bischofstreffen zum Thema Neuevangelisierung bei einer Messe auf dem Petersplatz feierlich eröffnet. In seiner Meditation ging der Papst von den Wortursprüngen aus, die hinter dem Thema der Synode – der „Neuevangelisierung“ – liegen:
   „Das Wort Evangelium, bzw. (evangelízesthai, ein altgriechisches Wort) hat eine lange Geschichte. Es meinte ursprünglich die Verkündigung eines Sieges, also Verkündigung von etwas Gutem, Freudigem, von Glück. Bereits im Buch Jesaja bezieht es sich auf die Stimme, die die Freude verkündet, die von Gott kommt. Diese Botschaft lasse verstehen, dass Gott sein Volk nicht im Stich lässt.“
  Jesus habe dieses Wort aufgegriffen, indem er davon spricht, dass diese Freude vor allem den Unfreien, den Aus- geschlossenen, den Armen und den Leidenden gelte. Heute stellte sich die Frage für den Menschen der Moderne neu:
   „Gibt es einen Gott oder nicht? Kennt uns dieser Gott? Ist er gut? Hat die Realität des Guten überhaupt Macht in der Welt oder nicht? Diese Fragen sind heute so aktuell, wie sie es damals waren. Viele Menschen fragen, ob Gott eine Hypothese ist oder nicht, ob er real ist oder nicht, weil er nicht wahrnehmbar ist. Das Wort Evangelium will sagen, dass Gott dieses Schweigen gebrochen habe. Gott hat gesprochen, Gott exi- stiert, und dieses Ereignis an und für sich ist schon Heil. Gott kennt uns, liebt uns. In Jesus spricht er zu uns, der Gott mit uns. Das ist das Evangelium.“
   Die Frage heute sei nun, wie das den Menschen zu zeigen sei, wie Menschen von heute dieses Evangelium hören könnten. Hier wies der Papst auf die grundlegende Wahrheit hin, dass in jedem Tun des Menschen bereits Gott wirke. Das gelte ganz besonders auch für das Tun der Kirche.
   „In anderen Worten: Wir können nicht die Kirche machen, wir können nur entdecken, was Gott getan hat. Die Kirche beginnt nicht mit unserem Tun und Machen, sondern mit dem Tun und dem Wort Gottes. Dieser Gott will unser Mitwirken, er will unsere Aktivität. Er will unser Mitwirken an seinem Tun. Wenn wir also die Neuevangelisierung unternehmen, so ist das immer Kooperation mit Gott. Wir handeln gemeinsam mit Gott, auf dem Gebet und auf Gottes realer Präsenz aufbauend.“ Rv121008ord

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   Generalrelator ist Kardinal Donald William Wuerl, Erzbischof von Washington in den USA Foto; Sondersekretär ist Pierre-Marie Carré, Erzbischof von Montpellier in Frankreich.“
   Die drei „delegierten Präsidenten“ der Synode kommen interessanterweise nicht aus  den USA oder Europa: Es sind Kardinal John Tong Hon von Hongkong in China, Kardinal Francisco Robles Ortega von Guadalajara in Mexiko und Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya von Kinshasa im Kongo. Erzbischof Eterović nannte an diesem Freitag vor der Presse weitere Zahlen: 45 Experten sind zur Synode geladen und 49 Beobachter.
Anglikanischer Primas hält Vortrag auf Synode
   „An den Arbeiten werden auch Brüderliche Delegierte teilnehmen, die fünfzehn Kirchen und kirchliche Gemein- schaften vertreten, welche noch nicht in voller Einheit mit der katholischen Kirche stehen. In dieser Hinsicht ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass auch der anglikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, im Lauf der Synode das Wort ergreifen wird. Außerdem hat der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholo- maios I., seine Teilnahme an der feierlichen Eucharistie vom 11. Oktober zugesagt. Diese beiden Personen leisten einen beachtlichen Beitrag zum ökumenischen Inhalt der Synode.“
  Bartholomaios I. hatte vor vier Jahren bei einer vatikanischen Bischofssynode zum Thema Heilige Schrift als erster griechisch-orthodoxer Patriarch einen Vortrag gehalten. Eingeladen hatte ihn dazu Benedikt XVI. Mit der Eucha- ristiefeier vom 11. Oktober startet das vom Papst ausgerufene Jahr des Glaubens. Rowan Williams, scheidendes Oberhaupt der anglikanischen Weltkirche, wird sich am Nachmittag des 10. Oktober an die Synode wenden. Etero- vić verriet, dass es bei der Synode zur Neuevangelisierung drei spezielle Gäste geben soll, von denen zwei aus dem deutschen Sprachraum stammen:
   „Als gesondert Eingeladene nehmen an der Synode Bruder Alois teil, der Prior der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, dann Lamar Vest, Leiter der Amerikanischen Bibelgesellschaft und schließlich Werner Arber, Professor für Mikrobiologie in Basel und Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Den Synodenvätern werden in diesen Tagen 32 Assistenten und dreißig Übersetzer zur Hand gehen. Insgesamt nehmen an der Bischofssynode mehr als vierhundert Personen teil.“
Schweizer Mikrobiologe spricht über Wissenschaft und Glauben
   Der Schweizer Professor Werner Arber – ein reformierter Christ – wird sogar am Freitagnachmittag, dem 12. Oktober, einen Vortrag vor den Synodenvätern halten. Darin geht es um die Beziehung zwischen Wissenschaft und Glauben. Bereits am Dienstagnachmittag, dem 9. Oktober, ist außerdem ein Referat von Kardinal Marc Ouellet angesetzt. Der Kanadier, der die Bischofskongregation leitet, will über die Aufnahme des Schlussdokuments zur Bibelsynode von 2008 berichten. „Die erwähnten Vorträge dürften Stoff liefern für die freie Diskussion, die am Ende jeder nachmittäglichen Generalkongregation vorgesehen ist.“
   23 Generalkongregationen - also Aussprachen im Plenarsaal - und acht Sitzungsrunden in insgesamt 12 kleineren Zirkeln, die nach Sprachen aufgeteilt sind: Das wird die Struktur der Synode. Zu Beginn der Arbeiten werden die Synodenväter acht Personen wählen, die die Schlussbotschaft der Synode erstellen sollen. Die Leiter der entsprechenden Kommission sind vom Papst bereits ernannt worden: Erzbischof Claudio Maria Celli vom Päpstlichen Medienrat und Erzbischof Luis Antonio Tagle von Manila auf den Philippinen. Benedikt XVI. wird noch zwei weitere Mitglieder für diese Redaktion der Schlussbotschaft bestimmen.
   „Angesichts der Erfahrung mit früheren Bischofssynoden bleibt das Vorgehen im Wesentlichen unverändert: Jeder Synodenvater hat fünf Minuten Zeit, um auf den Generalkongregationen zu sprechen. Während der freien Diskussion von 18 bis 19 Uhr (an den Tagen, an denen die Generalkongregationen tagen, Anm. d. Red.) darf jeder Synodenvater nicht länger als drei Minuten reden – das soll mehr Teilnahme an der Diskussion ermöglichen. Brüderliche Delegierte sowie Beobachter haben hingegen für Wortbeiträge vier Minuten Zeit.“ RV121005121005sk

cdd-WilliamDonaldWuerl-x          Eröffnung der Synode: „Die Vision ist verblasst“

   „Die Neuevangelisierung ist kein Programm, sie ist eine Art, zu denken, zu sehen und zu handeln. Sie ist eine Art Linse, durch die wir die Möglichkeit sehen, das Evangelium erneut zu verkünden. Sie ist auch Zeichen für das Weiterwirken des Heiligen Geistes in der Kirche.“
   So definierte der Generalrelator – also der Berichterstatter – der Bischofssynode, der Washingtoner Erzbischof Kardinal William Donald Wuerl Foto, das Projekt, dem sich die Vollversammlung der Bischofssynode vom 06.-28. Oktober 2012 in ihren Sitzungen widmet. In der von ihm lateinisch gehaltenen thematischen Eröffnung zeichnete er die Grundlinien vor, an denen entlang die Synode in diesen drei Wochen denken werde. Dabei griff er vor allem die beiden Vorbereitungsdokumente auf, die Lineamenta von 2011 und das Instrumentum Laboris von 2012.
Jesus ja – Kirche nein?
  
Kardinal Wuerl begann seine Überlegungen beim Träger der Verkündigung, der Kirche. Genau hier begännen schon die Probleme, die eine erneuerte Verkündigung des verblassenden Glaubens notwendig gemacht hätten.
   „Was unseren katholischen Glauben heute auszeichnet, ist genau dieses Verständnis von der Kirche als fort- dauernder Gegenwart Christi, dem Mittler von Gottes rettendem Eingreifen in unsere Welt, und der Kirche als Sakrament von Gottes heilsbringendem Handeln. (...) Die intellektuelle und ideologische Trennung von Christus und seiner Kirche ist ein erstes Faktum, mit dem wir bei dem Versuch einer Neuevangelisierung von Kultur und Menschen heute umzugehen haben.“
   „Jesus ja – Kirche nein“, oder wahlweise „Gott ja – Kirche nein“. So dächten auch nicht wenige Christen, führte Kardinal Wuerl aus. Der Zusammenhang von Jesu Leben und Sterben einerseits und seinem Auftrag für die Men- schen andererseits werde von ihnen nicht mehr gesehen. Die Gründe dafür identifizierte Wuerl in den sich wan- delnden Bedingungen der Kultur:
   „Eine der Herausforderungen, die einerseits die Neuevangelisierung dringend macht und andererseits eine Barriere gegen sie bildet, ist der heutige Individualismus. Unsere Kultur und der Schwerpunkt in vielen Teilen der gegenwärtigen Gesellschaft heben den Einzelnen hervor und schätzen die für jede Person notwendige Bindung an andere gering.“
   Das schaffe die Rahmenbedingungen, denen sich Verkündigung heute gegenübergestellt sehe.
   „Der dramatischen Veränderungen unterworfene gesellschaftliche Hintergrund für die Annahme, die Aneignung und das Leben des Glaubens ist der Kontext dieser Synode. Der Aufruf, den katholischen Glauben, die Botschaft des Evangeliums, die Lehre Christi erneut vorzuschlagen, ist gerade deshalb notwendig, weil wir so vielen Menschen begegnen, die diese Heilsbotschaft zwar gehört haben, für die diese Verkündigung aber jetzt schal geworden ist. Die Vision ist verblasst. Die Verheißungen scheinen leer zu sein oder keinen Bezug zum wirklichen Leben zu haben.“
Das Erbe der 70er und 80er Jahre
   Kardinal Wuerl blieb nicht abstrakt, er nannte konkret „Ross und Reiter“ dieser von ihm diagnostizierten Verän- derungen:
   „Die gegenwärtige Situation hat ihre Wurzeln in den Umbrüchen der 1970er und 1980er Jahre, Jahrzehnte, in denen es offenkundig eine mangelhafte oder fehlerhafte Katechese auf vielen Unterrichtsebenen gab. Wir stan- den vor einer Hermeneutik der Diskontinuität, von der das Milieu der höheren Bildungszentren durchdrungen war und die sich auch in einer irrigen liturgischen Praxis widerspiegelte. Ganze Generationen wurden getrennt von dem System der Unterstützung, das die Glaubensweitergabe erleichterte. Es ist, als hätte sich der Einfluss der Säkularisierung wie ein Tsunami über die kulturelle Landschaft ergossen und wichtige Kennzeichen der Gesell- schaft wie Ehe, Familie, den Begriff des Gemeinwohls und des objektiven ‚richtig’ und ‚falsch’ hinweggespült.“
   Zusätzlich zu dieser schwierigen Lage habe der Missbrauchsskandal die Krise der Verkündigung vertieft, so der Kardinal weiter. Er habe „dem Misstrauen gegenüber den Strukturen der Kirche Vorschub geleistet“.
  Das Ergebnis dieser Entfremdung, zu der laut Wuerl verschiedene Ursachen beigetragen haben: Ganzen Genera- tionen von Katholiken seien die Grundgebete nicht mehr bekannt, sie wüssten nicht mehr um den Wert einer Teil- nahme an der heiligen Messe und hätten den Sinn für Transzendenz und das Geheimnis des menschlichen Lebens verloren. Das habe dazu geführt, so der Geistliche weiter, dass ein großer Teil der Gläubigen schlecht darauf vor- bereitet sei, mit der modernen Kultur umzugehen.
   Aber nicht alles sei düster, betonte der Kardinal. Immer wieder habe es Aufbrüche gegeben und neue Such- bewegungen. Wuerl nannte hier vor allem die neuen geistlichen Gemeinschaften, die neuen kirchlichen Gemein- schaften und auch ganz allgemein die Suchbewegung, die man bei den nachwachsenden Generationen feststellen könne. Dort sei ein Vertrauen in die Botschaft Jesu spürbar. Diese Dynamik müsse die Kirche als Ganze aufgreifen, erinnerte der Kardinal – dies werde bislang häufig unterlassen.
  „Leider haben wir erlebt, wie dieses Vertrauen nur allzu lange durch die Übernahme eines großen Teils des säku- laren Wertesystems untergraben wurde, das sich in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat als eine höherwertige und bessere Lebensweise als diejenige, die von Jesus, seinem Evangelium und seiner Kirche vorgeschlagen wird. Im schulischen und theologischen Bereich der Kultur, der die Hermeneutik der Diskontinuität widerspiegelt, wurde die Sicht des Evangeliums nur zu oft verdunkelt und eine sichere, überzeugte Stimme machte den Entschuldigungen Platz für das, woran wir festhalten und was wir glauben.“
Mängel
  
Kardinal Wuerl nannte das das „Peinlichkeitssyndrom“: Ein Herunterspielen der Botschaft, um in der Kultur der Moderne anzukommen, letztlich ein mangelndes Vertrauen in die Wahrheit des Glaubens. Das habe dann auch ganz konkrete Auswirkungen, die man benennen könne. Er nannte besonders Mängel in der Theologie:
   „Da die Theologie Begriffe gebraucht, um unseren Glauben auszudrücken, der im Evangelium verwurzelt ist, sind die Grundlagen unseres Glaubens in Gefahr, wenn die Menschen mit dem begrifflichen Rahmen Schwierigkeiten haben. Säkularismus und Rationalismus haben eine Ideologie geschaffen, welche den Glauben der Vernunft unter- wirft. Religion wird zu einer persönlichen Angelegenheit. Die Lehre in Glaubensangelegenheiten wird auf eigen- tümliche Auffassungen reduziert, ohne dass die Möglichkeit eines Anspruchs auf eine allgemein gültige Wahrheit besteht.“In einer vom Relativismus beherrschten Kultur hätten Begriffe wie Menschwerdung, Auferstehung, Erlösung, Sakrament und Gnade nur noch wenig Bedeutung.
   „Es ist eine Versuchung für die Träger der Evangelisierung, und vielleicht auch für die Seelsorger, diese begriff- lichen Hindernisse nicht in Angriff zu nehmen und statt dessen unsere Aufmerksamkeit und Energie auf eher soziologische Notwendigkeiten oder pastorale Initiativen zu lenken. Oder sogar eine Wortfindung jenseits unser eigenen Theologie zu betreiben.“
   Wie ist alldem zu begegnen? Durch den Einsatz von Menschen. Wie schon beim Kongress zum Thema Neuevan- gelisierung im Vatikan vor einem Jahr deutlich wurde, betonte auch Kardinal Wuerl die Zentralität der Evangeli- satoren, also der Menschen, die die Träger der Verkündigung Jesu sind.
  „Unter den Qualitäten, die heute vom Träger der Evangelisierung erwartet werden – und es gibt von denen viele, die man identifizieren kann – ragen vier heraus: Kühnheit und Mut, die Bindung an die Kirche, das Gefühl der Dringlichkeit und die Freude.“
   Aber auch in inhaltlicher Hinsicht gebe es eine Stärke, die man nicht vernachlässigen dürfe: Das Bemühen um soziale Gerechtigkeit, dass immer integraler Bestandteil der Verkündigung sei.
   „Wenn wir heute die Themen betrachten, die diejenigen einladen, die sich von der Kirche entfremdet haben, so kann es uns ermutigen, dass so viele junge Leute den Wunsch verspüren, in den Dienst der Kirche einbezogen zu werden. Für sie stellt die Lehre der Kirche über soziale Gerechtigkeit sowohl eine Offenbarung als auch eine Ein- ladung zu einem erfüllteren Leben innerhalb der Kirche dar.“
   Soweit die einleitenden Worte von Kardinal Wuerl zur Bischofssynode – ein inhaltlicher Aufschlag und die große Linie, der die Gedanken und Diskussionen während der gesamten Synode folgen werden. RV121008ord

Neu-Evangelisierung    be-Syn-aepSalvatoreFisichel     Erzbischof Rino Fisichella

   In der 13. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode spielt Erzbischof Rino Fisichella im Hintergrund eine wichtige Rolle. Denn der 61 Jahre alte Kleriker aus dem norditalienischen Codogno steht als Präsident dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung vor, die 2010 als jüngste Kurienbehörde eingerichtet wor- den war. Bei der Bischofssynode werden die aus aller Welt wollen 260 Synodenväter drei Wochen unter Vorsitz von Papst Benedikt XVI. „sein Thema" erörtern: Was steht der Weitergabe des Glaubens in den modernen west- lichen Gesellschaften entgegen, und welche Strategien braucht die Kirche, um die „lauen Christen", wie der Papst einmal sagte, wieder zu Verkündern des Christentums zu machen?
   Fisichella wurde 1976 zum Priester geweiht und 1980 mit einer Arbeit über den Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar promoviert. Generationen von Studenten ist der gut Deutsch sprechende „Don Rino" als Fundamen- taltheologe der Universität Gregoriana und als Rektor (von 2002 bis 2010) der ebenfalls päpstlichen Lateran- Universität bekannt. Von 2008 bis 2010 bewegte sich Fisichella auf theologisch und ethisch heißem Boden. In jener Zeit war er Präsident der „Päpstlichen Akademie für das Leben", die sich mit Fragen der Bioethik befasst. Er verfügt über ebenso gute Beziehungen in der akademischen Welt wie in die Innenpolitik. Einst war er Kaplan und damit Beichtvater im italienischen Abgeordnetenhaus. Noch heute besuchen ihn in den Diensträumen seiner an der Via della Conciliazione gelegenen Behörde Minister ebenso wie Manager der Großindustrie.
   Seine Nähe zu Papst Johannes Paul II., der ihn 1998 zum Weihbischof in Rom bestellte und an dessen Enzyklika „Fides et ratio" Fisichella erheblichen Anteil hatte, setzte sich unter dem deutschen Papst fort - nicht zuletzt weil sich nur wenige italienische Prälaten in der deutschsprachigen Theologie auskennen. Auch aus diesem Grund mag ihn der Papst vor zwei Jahren mit der Leitung der neuen Kurienbehörde beauftragt haben. Für den Papst ist die Neuevangelisierung ein Herzensthema. Während der Synode mit dem Thema „Die Neuevangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens" jährt sich der 50. Jahrestag zur Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils.
   Manchen Kardinälen und Bischöfen, die sich trotz der ständig weiter zurückgehender Zahlen der Gläubigen nur ungern vorhalten lassen, sie hätten etwas falsch gemacht, mag das nicht gefallen. Fisichella ist daher in der römischen Kurie nicht bei allen beliebt. Das mag man auch daran erkennen, dass der Generalsekretär der Bischofssynode, Kurienerzbischof Nikola Eterovic, für die drei Synodenwochen Fisichella keine Sonderrolle zuge- wiesen hat. Aber von Fisichella weiß man, dass ihn das nicht anficht. Er ist hartnäckig und gibt nicht nach. Akzente gesetzt hat er mit seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch mit dem Titel: „Was ist Neuevangelisierung?"
FAZ121006JörgBremer

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Papst-Predigt zur Eröffnung der Weltbischofssynode

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Verehrte Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern!
   Mit dieser feierlichen Konzelebration eröffnen wir die XIII. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode, die unter dem Thema steht: Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens. Diese Thematik entspricht einer programmatischen Orientierung für das Leben der Kirche, aller ihrer Glieder, der Familien, der Gemeinschaften und ihrer Institutionen. Und diese Perspektive wird noch verstärkt durch das Zusammentreffen mit dem Beginn des Jahres des Glaubens am kommenden Donnerstag, dem 11. Oktober, dem fünfzigsten Jahres- tag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dankbar und herzlich heiße ich Sie willkommen, die Sie zur Synodenversammlung gekommen sind, besonders den Generalsekretär der Bischofssynode und seine Mitarbeiter. Darüber hinaus richte ich meinen Gruß an die brüderlichen Delegierten der anderen Kirchen und kirchlichen Ge- meinschaften sowie an alle Anwesenden und lade sie ein, die Arbeiten, die wir in den kommenden drei Wochen tun werden, in ihrem täglichen Gebet zu begleiten.
Die biblischen Lesungen, die den Wortgottesdienst dieses Sonntags prägen, bieten uns zwei grundsätzliche Denk- anstöße: Der erste, auf den ich später eingehen möchte, betrifft die Ehe; der zweite, den ich sofort aufnehme, be- trifft Jesus Christus. Wir haben nicht die Zeit, diesen Abschnitt aus dem Hebräerbrief zu kommentieren, doch müssen wir zu Beginn dieser Synodenversammlung der Einladung folgen, unseren Blick fest auf Jesus, den Herrn, zu richten, der „um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ ist Hebr 2,9. Das Wort Gottes stellt uns vor den verherrlichten Gekreuzigten, so dass unser ganzes Leben – und im besonderen die Bemühun- gen dieser Synodenversammlung – sich vor seinem Angesicht und im Licht seines Mysteriums abspielen. Zu jeder Zeit und an jedem Ort ist die Mitte und das Ziel der Evangelisierung immer Jesus, der Christus, der Sohn Gottes vgl. Mk 1,1; und das Kreuz ist schlechthin das Erkennungszeichen dessen, der das Evangelium verkündet: ein Zei- chen der Liebe und des Friedens, ein Aufruf zur Umkehr und zur Versöhnung. Als erste wollen wir selber, verehrte Mitbrüder, den Blick des Herzens auf ihn gerichtet halten und uns von seiner Gnade läutern lassen.
  Nun möchte ich kurz über die „neue Evangelisierung“ nachdenken, indem ich sie mit der gewöhnlichen Evangeli- sierung und mit der Sendung ad gentes vergleiche. Die Kirche existiert, um zu evangelisieren. In Treue zu dem Befehl Jesu Christi, des Herrn, sind seine Jünger in die ganze Welt hinausgegangen, um die Frohe Botschaft zu verkünden, und haben überall christliche Gemeinden gegründet. Im Laufe der Zeit sind daraus gut organisierte Kirchen mit zahlreichen Gläubigen geworden. In bestimmten Abschnitten der Geschichte hat die göttliche Vor- sehung eine erneute Dynamik in der Verkündigungstätigkeit der Kirche wachgerufen. Man denke nur an die Evan- gelisierung der angelsächsischen und der slawischen Völker oder an die Überbringung des Evangeliums in den amerikanischen Kontinent und dann an die Zeiten der Mission unter den Völkern Afrikas, Asiens und Ozeaniens. Vor diesem dynamischen Hintergrund sehe ich gerne auch die zwei strahlenden Gestalten, die ich soeben zu Kirchenlehrern erhoben habe: den heiligen Johannes von Avila und die heilige Hildegard von Bingen ausführlicher Bericht dazu > Heilige Frauen. Auch in unserer Zeit hat der Heilige Geist in der Kirche einen neuen Elan, die Frohe Botschaft zu verkündigen, erzeugt – eine geistliche und pastorale Dynamik, die ihren umfassendsten Ausdruck und ihren maßgeblichsten Impuls im Zweiten Vatikanischen Konzil gefunden hat. Diese erneuerte Dynamik der Evange- lisierung übt einen segensreichen Einfluss auf die beiden spezifischen „Zweige“ aus, die aus ihr hervorgehen, nämlich einerseits auf die missio ad gentes, das heißt auf die Verkündigung des Evangeliums an diejenigen, die Jesus Christus und seine Heilsbotschaft noch nicht kennen, und andererseits auf die neue Evangelisierung, die sich hauptsächlich an die Menschen richtet, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben. Die Synodenversammlung, die heute eröffnet wird, ist dieser neuen Evangelisierung gewidmet, um in jenen Menschen eine neue Begegnung mit dem Herrn zu be- günstigen, der allein dem Leben einen tiefen Sinn verleiht und es mit Frieden erfüllt; um die Wiederentdeckung des Glaubens zu fördern, der eine Quelle der Gnade ist, die Freude und Hoffnung in das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben trägt. Natürlich darf diese besondere Ausrichtung weder den missionarischen Schwung im eigentlichen Sinn noch die gewöhnliche Arbeit der Evangelisierung in unseren christlichen Gemeinden beeinträch- tigen. In der Tat ergänzen und befruchten sich die drei Aspekte der einen Wirklichkeit der Evangelisierung gegen- seitig.
   In diesem Zusammenhang verdient das Thema der Ehe, das uns vom Evangelium und von der ersten Lesung vorgeschlagen wird, eine spezielle Aufmerksamkeit. Die Botschaft des Wortes Gottes kann man in dem Satz zu- sammenfassen, der im Buch Genesis steht und den Jesus selbst aufgreift: „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch Gen 2,24; Mk 10,7-8. Was sagt uns dieses Wort heute? Mir scheint, es lädt uns ein, uns eine bereits bekannte, aber vielleicht nicht voll zur Geltung gebrachte Wahrheit deutlicher ins Bewusstsein zu rufen, dass nämlich die Ehe in sich ein Evangelium, eine Frohe Botschaft für die Welt von heute und besonders für die entchristlichte Welt darstellt. Die Vereinigung von Mann und Frau, durch die sie „ein Fleisch“ werden in der Liebe, in der fruchtbaren und unauflösbaren Liebe, ist ein Zeichen, das mit Nachdruck von Gott spricht, mit einer Beredsamkeit, die in unseren Tagen noch gewichtiger geworden ist, weil die Ehe leider gerade in den seit alten Zeiten evangelisierten Gebieten jetzt aus verschiedenen Gründen eine tiefe Krise durchmacht. Und das ist kein Zufall. Die Ehe ist an den Glauben gebunden, nicht in oberflächlich-allgemeinem Sinn. Als eine Verbindung treuer und unauflösbarer Liebe gründet sich die Ehe auf die Gnade, die von dem einen und dreifaltigen Gott kommt, der uns in Christus mit einer bis hin zum Kreuz treuen Liebe geliebt hat. Heute können wir im Kontrast zu der schmerzlichen Wirklichkeit so vieler Ehen, die leider schlecht ausgehen, die ganze Wahrheit dieser Aussage erfassen. Es besteht eine offenkundige Entsprechung zwischen der Krise des Glaubens und der Krise der Ehe. Und wie die Kirche seit langem behauptet und bezeugt, ist die Ehe berufen, nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt der neuen Evangelisierung zu sein. Das bewahrheitet sich bereits in vielen, an religiöse Gemeinschaften und Bewegungen gebundenen Erfahrungen, verwirklicht sich aber in zunehmendem Maße auch im Gefüge der Diözesen und der Pfarreien, wie das jüngste Welttreffen der Familien bewiesen hat.
   Eine der tragenden Ideen des erneuerten Impulses, den das Zweite Vatikanische Konzil der Evangelisierung ge- geben hat, ist die der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit, die als solche alle Christen betrifft vgl. Lumen gentium, 39-42. Die Heiligen sind die wahren Protagonisten der Evangelisierung in all ihren Ausdrucksformen. Sie sind im besonderen auch die mitreißenden Pioniere der neuen Evangelisierung: Durch ihre Fürsprache und das Beispiel ihres für die Fantasie des Heiligen Geistes offenen Lebens zeigen sie den gleichgültigen oder sogar feindlich gesinnten Menschen die Schönheit des Evangeliums und der Gemeinschaft mit Christus und laden die „lauen“ Gläubigen ein, in der Freude von Glaube, Hoffnung und Liebe zu leben und den „Geschmack“ am Wort Gottes und an den Sakramenten – besonders am Brot des Lebens, der Eucharistie – wieder- zuentdecken. Unter den groß- herzigen Missionaren, die den Nichtchristen die Frohe Botschaft verkünden – traditionsgemäß in den Missions- ländern und gegenwärtig an allen Orten, wo solche leben – gibt es viele heilige Männer und Frauen. Die Heiligkeit kennt keine kulturellen, gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Schranken. Ihre Sprache – die der Liebe und der Wahrheit – ist allen Menschen guten Willens verständlich und bringt sie Jesus Christus, der unerschöpflichen Quelle neuen Lebens, näher.
   An dieser Stelle wollen wir einen Moment innehalten, um die beiden Heiligen zu würdigen, die heute in die erlesene Schar der Kirchenlehrer eingereiht worden sind. Der heilige Johannes von Avila lebte im 16. Jahrhundert. Er verfügte über eine gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift und war von einem brennenden missionarischen Geist erfüllt. In einzigartiger Tiefe vermochte er die Geheimnisse der von Christus für die Menschheit erwirkten Erlösung zu durchdringen. Als ein wahrer Gottesmann verband er das ständige Gebet mit der apostolischen Tätig- keit. Er widmete sich der Predigt sowie der Förderung der sakramentalen Praxis und konzentrierte seine Bemü- hungen auf die Verbesserung der Ausbildung der Priesteramtskandidaten, der Ordensleute und der Laien, im Hinblick auf eine fruchtbare Reform der Kirche.
   Die heilige Hildegard von Bingen, eine bedeutende weibliche Gestalt des 12. Jahrhunderts, hat ihren wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Kirche ihrer Zeit geleistet, indem sie ihre von Gott erhaltenen Gaben zur Geltung brachte, wobei sie sich als eine Frau von lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität erwies. Der Herr schenkte ihr einen prophetischen Geist und eine leidenschaftliche Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu unterscheiden. Hildegard besaß eine ausgeprägte Liebe zur Schöpfung und beschäftigte sich mit Medizin, Dichtung und Musik. Vor allem bewahrte sie immer eine große und treue Liebe zu Christus und seiner Kirche.
   Der Blick auf das Ideal des christlichen Lebens, das in der Berufung zur Heiligkeit zum Ausdruck kommt, drängt uns, demütig auf die Schwäche so vieler Christen,  ja, auf ihre persönliche wie gemeinschaftliche Sünde zu schauen, die ein großes Hindernis für die Evangelisierung darstellt, und die Kraft Gottes zu erkennen, die im Glauben der menschlichen Schwäche entgegenkommt. Daher kann man nicht von der neuen Evangelisierung sprechen ohne eine aufrichtige Bereitschaft zur Umkehr. Sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen zu lassen vgl. 2 Kor 5,20, ist der beste Weg der Neuevangelisierung. Nur wenn sie geläutert sind, können die Christen den berechtigten Stolz auf ihre Würde als Kinder Gottes, die nach seinem Bild erschaffen und mit dem kostbaren Blut Jesu Christi erlöst sind, wiederfinden und sich darüber freuen, um diese Freude mit allen – den Nahen wie den Fernen – zu teilen.
   Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir Gott die Arbeiten der Synodenversammlung an, mit einem lebendi- gen Gespür für die Gemeinschaft der Heiligen. Im besonderen wollen wir dabei die Fürsprache der großen Evan- gelisierer erbitten, zu denen wir mit herzlicher Zuneigung den seligen Johannes Paul II. rechnen möchten – sein langes Pontifikat war auch ein Beispiel neuer Evangelisierung. Wir stellen uns unter den Schutz der Seligen Jungfrau Maria, des Sterns der Neuevangelisierung. Mit ihr erbitten wir eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes, damit er die Synodenversammlung aus der Höhe erleuchte und sie fruchtbar mache für den Weg der Kirche.RV121007sk

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Synoden-Glossar  - Stichworte rund um die Bischofssynode - hier in Kurzform zusammengefasst.

be-Synode02-x be-Synode04-x

Bischofssynode
   Die Bischofssynode ist eine ständige Einrichtung, die am 15. September 1965 von Papst Paul VI. ins Leben ge- rufen wurde. Damit wurde der Wunsch der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt, den positiven Geist, der im Laufe des Konzils entstanden war, fortleben zu lassen. Eine Synode ist ein religiöses Treffen oder eine religiöse Versammlung. Entsandte Bischöfe aus allen Bischofskonferenzen der Welt finden sich mit dem Papst zusammen und tauschen untereinander Informationen und Erfahrungen aus, mit dem gemeinsamen Ziel, geistliche Lösungen zu finden, die überall gültig sein und angewendet werden können. Anders als ein Konzil hat eine Bischofssynode aber keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur beratende Funktion. Die Synode kann vom Papst zu einer Generalversammlung, zu einer außerordentlichen Versammlung und zu einer Sonderversammlung zusam- mengerufen werden. Der Papst nimmt in der Regel auch persönlich an den Sitzungen teil.
Generalrelator
   Papst Benedikt XVI. hat den Bischof von Washington, Kardinal Donald William Wuerl, zum Generalrelator für die Bischofssynode zur Neuevangelisierung ernannt. Er ist für die inhaltliche Planung, Organisation und Linie des Bischofstreffens zuständig. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem das Einführungsreferat und die zusam- menfassende Zwischenbilanz. Außerdem berät er, gemeinsam mit dem Sondersekretär (in diesem Fall der Erz- bischof von Montpellier, Pierre-Marie Carré), über die gemeinsam von den einzelnen Gruppen der Bischöfe aus der Diskussion heraus erarbeiteten Vorschläge und entscheidet darüber, ob sie sich auf der endgültige Liste der Vor- schläge aufgenommen werden. Seine Funktion erlischt mit dem Ende der Synode.
Vorsitz
   Das Treffen der Bischofssynode findet unter dem Vorsitz des Papstes, der es einberufen hat, statt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Papst einen oder mehrere Stellvertreter ernennt, die unverzüglich mit der Bekanntgabe durch ein Päpstliches Schreiben ihren Posten antreten. Bei der aktuellen Synode gibt es vier Delegierte.
Generalsekretär und Rat des Generalsekretariats
   Momentan ist Nikola Eterović der Generalsekretär der ständigen Bischofssynode. Unter seiner Federführung bereitet der Rat des Generalsekretariats eine Richtlinie zum Erarbeiten und Entwickeln des Synodenthemas in einem Lineamenta genannten Dokument vor. Außerdem zeichnet er für die Koordinierung der Erstellung des Instrumentum laboris, in dem die Kommentare der Bischöfe zu den vorbereitenden Papieren eingearbeitet werden, sowie die Erstellung des postsynodalen Schreibens verantwortlich. Er ist für den reibungslosen Ablauf der einzelnen Sitzungen, die Versendung der Protokolle sowie die Sammlung und Ordnung der einzelnen Dokumente zuständig.
Experten, Beobachter, Delegierte
   Dies sind Personen, die ohne Stimmrecht zur Synode eingeladen werden, um an den Sitzungen in verschiedenen Funktionen teilzunehmen. Darunter fallen:
Experten, die mit dem Sondersekretär zusammenarbeiten, um den Abschlussbericht und die Liste der Vorschläge auszuarbeiten. Unter den Experten sind auch Laien und Frauen zugelassen.
Beobachter, die an den Synodensitzungen als externe Hörer teilnehmen
Brüderliche Delegierte, die Kirchen und kirchliche Gemeinschaften vertreten, welche noch nicht in voller Einheit mit der katholischen Kirche stehen. Bei der laufenden Synode sind das Delegierte von 15 Kirchen.
Beratungsergebnisse und „Nachsynodales Apostolisches Schreiben“
   Die Beratungsergebnisse einer Bischofssynode werden in Thesenform dem Papst vorgelegt. Sie sind Basis für das „Nachsynodale Apostolische Schreiben“, das der Papst anschließend verfasst. Der Papst stützt sich auf das Thesenpapier der Synodenteilnehmer, ist aber nicht an dessen Text gebunden. Das Dokument gibt Schwerpunkte für die konkrete pastorale Arbeit der Ortskirchen vor. RVcs121008kna

     Lob der „kollegialen Methode“ – Synodenvorbereitung per eMail         aepNikolaEterovic-x  

   Die Bischofssynode von diesem Oktober ist schon die fünfte in den acht Jahren, in denen Benedikt XVI. die Kirche führt. Darauf hat Erzbischof Nikola Eterovic Foto auf der ersten Arbeitssitzung der Synodenväter hingewiesen. Die Zahl zeige, wie sehr der Papst die Beratung mit den Bischöfen schätze, so der Generalsekretär der Bischofssynode in seinem auf Latein gehaltenen Bericht relatio. Zwei der von Benedikt einberufenen Synoden waren Sonder- versammlungen: eine für Afrika 2009, eine andere für den Nahen Osten 2010. Eterovic gab bekannt, dass sich das Thema der jetzigen Bischofssynode, nämlich die Neuevangelisierung, aus einer Umfrage unter den Vätern der letzten regulären Synode von 2008 ergeben hat – für den Erzbischof ein weiterer Sieg der kollegialen Methode.
   „Obwohl zahlreiche und unterschiedliche Vorschläge eingingen, erwies es sich, dass eine erstaunlich große Zahl von ihnen eine gewisse Vorliebe für das Thema der Glaubensvermittlung zeigte. Anfang 2009 schrieb ich dann an die Oberhäupter der Ostkirchen, die Bischofskonferenzen, die Leiter der vatikanischen Dikasterien und den Präsi- denten der ,Union der Ordensoberen‘; ich bat sie darum, die drei möglichen Themen zu benennen, die ihres Erachtens Gegenstand einer möglichen Synodendiskussion werden könnten. Bei einer Audienz im Juni 2009 drückte der Papst dann seine Vorliebe für den ersten der drei Vorschläge aus, der von den Bischofskonferenzen am meisten genannt worden war: Es handelte sich um das Thema Weitergabe des Glaubens.“
   Erzbischof Eterovic ging weiter auf die Themen ein, die vom Feld der Neuevangelisierung damals ausgestochen wurden:
   „Die beiden anderen Vorschläge hießen ,Pfarreien‘ und ,christliches Menschenbild‘. Als Benedikt dann entschied, einen eigenen Rat für Neuevangelisierung zu gründen, wurde das von ihm gewählte Thema leicht in diese Rich- tung hin modifiziert. Jedenfalls stellt das Thema der XIII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode das Ergebnis eines weit angelegten Prozesses dar.“
   Sieben Mal haben sich die Organisatoren dieser Bischofssynode – ein sogenannter „Ordentlicher Rat“ mit 15 Mit- gliedern aus aller Welt – in den letzten Jahren in Rom getroffen. Das erste Treffen war 2008 am Ende der letzten regulären Bischofssynode, so Eterovic. Die Teilnehmer hätten sich schnell darauf verständigt, „Informationen und Dokumentationsmaterial via eMail auszutauschen“, damit Ortsbischöfe nicht so lange ihren Bistümern fernbleiben müssten. Auch bei den Arbeiten an der Postsynodalen Exhortation zur Heiligen Schrift seien zwischen 2009 und 2010 viele eMails zwischen Rom und Bischöfen in aller Welt hin- und hergegangen, und desgleichen bei der Vor- bereitung eines Arbeitspapiers für die jetzige Synode Lineamenta. Übrigens bekam Erzbischof Eterovic auf die 72 Fragen, die in den Lineamenta formuliert worden waren, sehr viele Reaktionen und Antworten – für ihn ein Beleg, dass am Thema Neuevangelisierung wirklich „großes allgemeines Interesse“ herrscht.
   „Oft zählten die Antworten die seelsorgerischen Aktivitäten auf, die in zahlreichen Ortskirchen schon stattfinden. Zugleich unterstrichen sie die Notwendigkeit eines erneuerten apostolischen Eifers beim Werk der Evangelisie- rung, (...) vor allem gegenüber den Getauften, die sich von der Kirche entfernt haben. All diese Antworten wurden vom Ordentlichen Rat mit der Unterstützung von Experten gründlich analysiert, um dann in das eigentliche Grund- lagenpapier der Synode, das Instrumentum laboris, einzugehen. Dieses Dokument wurde weit verbreitet, auch durchs Internet, und machte viele Menschen auf die Synode aufmerksam.“
   Aus Eterovics Ausführungen geht hervor, wer genau auf die in den Lineamenta formulierten Vorbereitungsfragen nicht reagiert hat: immerhin etwa fünfzig der angeschriebenen Bischofskonferenzen, davon zwölf aus Afrika, aber auch einige aus Europa (Bulgarien, Ukraine, Griechenland, Türkei, Albanien und Litauen). Sogar einem Vatikan- Dikasterium fiel zum Thema Neuevangelisierung nichts ein, nämlich der Päpstlichen Güterverwaltung. RV121008sk

Bischof Bode: Unser eigenes Suchen ernstnehmen      epBode7x

   Europa ist in Gefahr, seine christlichen Wurzeln zu verlieren. Die religiöse Indifferenz und der Relativismus greife um sich. So beschrieb der Vorsitzende des Rates der europäischen Bischofskonferenzen, Esztergoms Kardinal Peter Erdö, seinem Beitrag vor der Bischofssynode die Situation. Zu den Synodenteilnehmern gehört auch Osna- brücks Bischof Franz-Josef Bode, Pater Bernd Hagenkord hat ihn nach seiner Einschätzung der Diagnose Erdös gefragt.
   „Ich würde es etwas mehr differenzieren, weil ich die Sorge haben, wenn wir die Säkularisierung so als den Rie- senwiderstand gegen den Glauben darstellen, dann wird nicht mehr deutlich, dass da ja auch große Suchbewe- gungen drin sind. Ich glaube, man wird der Sehnsucht der Menschen im Innersten nicht gerecht, wenn man ihr Suchen nach guten Beziehungen, nach Selbstentwicklung und nach Zukunft und Sinn überhaupt nicht sieht. Und selbst beim Atheismus ist das so. Wie das Konzil in Gaudium et Spes 44 sagt, bringen selbst die, die uns in Frage stellen, uns selbst auf neue Fragen.
   Dieses Wort nach der Selbstevangelisierung, dass wir uns selbst unseren eigenen existenziellen Fragen und unserer Suche stellen und uns selber als Suchende deutlich machen, ist etwas ganz Wichtiges.
   Manchmal werden heute in der ganzen Unsicherheit zu schnell Sicherheiten und Eindeutigkeiten gesucht, die man vielleicht doch eher in der Spannung stehen lassen muss.“
Es sind die ersten Tage der Synode, allzu viel ist noch nicht passiert, aber es gab die Berichte aus den anderen Kontinenten. Haben Sie schon eine Idee davon, was Sie davon mit nach Deutschland nehmen wollen?
  „Mir ist noch einmal deutlich geworden, wie sehr es doch auf Personen ankommt und auf deren Qualifikation, so dass sie befähigt sind, vom Glauben zu sprechen. Also eine vernünftige Sprache zu finden, weil sie selbst von etwas überzeugt sind. Das zu fördern und zwar nicht nur unter Berufschristen und Geweihten, sondern auch unter den Laien. Es sind doch viele Länder, die sehr stark auch das Engagement der Laien positiv darstellen. Und ich bin sehr erfreut, dass in der weltweiten Kirche das Glaubensengagement der Laien so stark herausgestellt wird.“ Rv121009ord

    Kardinal Meisner: Erstmal bei uns selbst anfangen     cdJoachimMeisner-xx

   Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht sich selbst als „Synodenveteran“: Vor genau 35 Jahren habe er zum ersten Mal eine Bischofssynode besucht, erzählte er am Dienstag vor Journalisten. Damals ging es um Katechese, und Meisner war Weihbischof von Erfurt.
   „Wenn ich mal ein Resümee ziehen soll – ganz ehrlich, ich habe das auch in der Aula gesagt: Ich habe mir immer, bei jeder Synode, mehr erwartet, als was dann in der Praxis herauskam. Nun bin ich überzeugt, dass im Haushalt Gottes nichts verloren geht, was wir investiert haben an guten Gedanken, an Anstrengungen und auch an Geld. Mit Blick auf die Vorbereitungstexte der jetzigen Synode sage ich: Wir müssen uns davor hüten, unsere Bemühun- gen zu sehr nach außen zu richten, sondern vielmehr bei uns selbst anfangen! Wir müssen von einer Selbstsäku- larisierung zu einer Selbstevangelisierung kommen.“
   Man sehe ja „kaum noch Ordensleute, die in der Öffentlichkeit als solche zu erkennen sind“, führte Meisner aus: „Die haben sich alle selbst säkularisiert.“
   „Ich mache immer die Erfahrung, wenn ich in Köln auf dem Hauptbahnhof bin – ich fahr‘ auch manchmal mit dem Zug – und eine Ordensfrau da stehen sehe: Die steht gar nicht lange alleine da. Da kommt eine Frau mit Kinderwagen, lässt den für eine Weile bei der Schwester und geht weiter; oder Männer lassen für einen Augen- blick ihren Koffer bei ihr usw.“
   Die „Entsakralisierung“ betreffe vor allem die katholische Liturgie, so Meisner, der in der Deutschen Bischofs- konferenz für das Thema Liturgie verantwortlich ist.
   „Das muss wieder die Feier des Mysteriums Christi sein, das mir Ausgangspunkt und Impuls ist, um draußen in der Gesellschaft wirklich Zeugnis zu geben für Jesus Christus!“
   Auch bei „unseren enormen Werken der Caritas“ müsse der katholische Charakter wieder erkennbarer sein. Und warum, so fragte der Kölner Kardinal, schicken wir „seelisch belastete Menschen“ immer gleich weiter zum Psycho- logen? „Und das Bußsakrament?“
   „Das ist doch wirklich der Gesundbrunnen, der die Menschen dynamisiert! Ich habe mich sehr gefreut, als heute im Lauf des Tages Erzbischof Dolan von New York gesagt hat, das Bußsakrament müsse zum Sakrament der Re- Evangelisierung werden. Wir müssen erst mal nach innen gehen, um dann nach außen dynamisch zu werden!“
   Große Christen wie Mutter Teresa seien keine „großen theologisch-pastoralen Strategen“ gewesen, sondern „Menschen, in denen etwas geglüht hat“. „Das Christentum hat sich ja bekanntlich nicht durch Propaganda weiterverbreitet, sondern durch Ansteckung und durch Berührung!“
   Er wünsche sich von der Synode, „dass, wer mit uns in Berührung kommt, auch wirklich mit Jesus Christus in Berührung kommt“, so Kardinal Meisner. „Herr, erneuere deine Kirche – aber fang bei mir an!“ rv121009sk

Sin-cdJohnTongHon2x      Kardinal John Tong Hon, Hongkong

„Krise ist Chance zur Neuevangelisierung“  
   Die Wirtschafts- und Finanzkrise in mehreren Teilen der Welt ist für die Kirche eine Chance zur Neuevangelisie- rung. Das sagt der Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong Hon. In seiner Eröffnungsrede der Synode, deren delegierter Vorsitzender er ist, erinnerte er an eine Angstkrise in Hongkong vor der Rückkehr der Stadt unter die Souveränität von China 1997. Angesichts der Unsicherheit seien „auch nichtpraktizierende Katholiken auf der Suche nach einer geistlichen Unterstützung zur Kirche zurückgekehrt“: „Und viele Gläubige nahmen an den Kate- chesen, Bibelkursen und theologischen Seminaren teil, um ihren Glauben zu vertiefen“. Heute habe sein Bistum „mehr als tausend gut ausgebildete freiwillige Katecheten“, so der einzige Kardinal auf dem chinesischen Festland. In diesem Jahr hätten mehr als dreitausend Erwachsene in der Osternacht die Taufe empfangen. Tong wörtlich: „Gottes Heilsplan ist wundervoll. Ich bin sicher, dass wir mit Glauben, Hoffnung und Liebe in unserem Evangelisie- rungsauftrag Erfolg haben werden!” rv121008sk

Eröffnungsansprache der Bischofssynode     sin-cdJohnTongHon-x

Ansprache des delegierten Vorsitzenden der Synode, Kardinal John Tong Hon, Erzbischof von Hongkong
Lieber Heiliger Vater,
   von Seiten der Synodenväter und der Teilnehmer möchte ich Ihnen unsere herzlichen Grüße und unsere tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck bringen dafür, dass Sie uns zur dieser Versammlung der Bischofssynode eingeladen haben. Die neue Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens ist in der Tat ein dringliches Thema, weil viele Menschen in der Welt unseren Herrn Jesus Christus immer noch nicht kennen und viele der Getauften die Glaubenspraxis aufgegeben haben.
   Vor fünfzig Jahren hat uns das Zweite Vatikanische Konzil ermutigt “hinauszufahren” Lk 5,4. In ähnlicher Weise müssen wir uns auch heute die Gemeinschaft der frühen Kirche Apg 2,42-47 zum Vorbild nehmen für die Evan- gelisierung. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft besaßen drei Eigenschaften, die mit den drei griechischen Worten didache, koinonia und diakonia beschrieben werden können. Didache bedeutet Lehre, die nicht nur Theorie ist, sondern vielmehr eine persönliche Annahme des menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Koinonia bedeutet Gemeinschaft auf verschiedenen Ebenen: grundsätzlich mit Gott; und dann mit allen Gliedern der Kirche; und in noch weiterem Sinn mit den Menschen der ganzen Welt, insbesondere mit den Armen. Diakonia bedeutet Dienst, von dem Jesus uns lehrt, dass wir uns nicht bedienen lassen, sondern dass wir dienen sollen, auch bis zur totalen Selbsthingabe am Kreuz vgl. Mt 20,28. Für diese drei Eigenschaften gibt es in Hong- kong, Macao und Festlandchina Zeugnisse.
   In Hongkong erlebten viele Familien vor der Rückkehr der Stadt unter die Souveränität von China 1997 eine Krise aufgrund der Angst davor, unter einem kommunistischen Regime zu leben. Der Begriff “Krise” besteht in der chinesischen Sprache aus zwei Zeichen: “Gefahr” und “Chance”. So kehrten angesichts der Krise der Unsicherheit auch nicht-praktizierende Katholiken auf der Suche nach einer geistlichen Unterstützung zur Kirche zurück. Und viele Gläubige nahmen an den Katechesen, Bibelkursen und theologischen Seminaren teil, um ihren Glauben zu vertiefen und das Evangelium verkünden zu können. Heute hat unsere Diözese mehr als eintausend gut ausgebildete freiwillige Katecheten. In diesem Jahr haben mehr als dreitausend Erwachsene in der Osternacht die Taufe empfangen. Macao, unsere Nachbardiözese, hat ähnliche Bemühungen unternommen und in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Taufen erlebt.
   Der Pfarrer einer ländlichen Gemeinde in Nordchina hat mir von seinen Erfahrungen bei der Evangelisierung erzählt. Nachdem er viel gebetet hatte, beschloss er, die Pfarrgemeinde in zwei Gruppen mit verschiedenen Auf- gaben einzuteilen. Den Neugetauften gab er den Auftrag, ihre nicht-katholischen Freunde und Verwandten zur Katechese zu bringen, und denen, die schon länger den katholischen Glauben angenommen hatten, gab er den Auftrag, die Katechumenen im Katechismus zu unterrichten. Während des Katechismusunterrichts betete der Pfarrer mit ganzem Herzen in der Kirche. Schließlich gab es in der Pfarrei mehr als tausend Taufen pro Jahr.
   Unter den Merkmalen von didache, koinonia und diakonia, wie sie beispielhaft in der frühen Kirche gelebt wurde und sich in den oben genannten Zeugnissen widerspiegeln, scheint mir die didache am wichtigsten zu sein, denn Gott wirkt durch uns als Seine Zeugen. Wir müssen in der heutigen Zeit angesichts einer in der Welt vorherr- schenden materialistischen Kultur und angesichts des Problems der abgefallenen Katholiken in der Kirche eifrige Zeugen unseres Glaubens sein. Wir müssen ebenso den jungen Menschen Aufmerksamkeit schenken, woran der Heilige Vater uns immer wieder erinnert: “Mögen die jungen Menschen den Jugendlichen das Evangelium ver- künden.” Gottes Heilsplan ist wundervoll. Ich bin sicher, dass wir mit Glauben, Hoffnung und Liebe in unserem Evangelisierungsauftrag Erfolg haben werden.
   Lieber Heiliger Vater, die Synodenväter und die Teilnehmer danken Ihnen für ihre freundliche Aufmerksamkeit. Sie freuen sich darauf, Ihre Worte und Ihr Zeugnis zu hören. RV121008ord

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Selbst-Evangelisierung statt Selbst-Säkularisierung
   Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erhofft sich von der Weltbischofs- synode Impulse für die Kirche in Deutschland. Die Bischofsversammlung könne ihr »eine Reihe von Anstößen« für die zeitgemäße Verkündigung der christlichen Botschaft geben, sagte der Erzbischof vor Journalisten im Vatikan. »Ich bin sicher, dass ich bereichert nach Hause gehen werde«, mit einem Allheilmittel gegen den Glaubens- schwund dürfe man allerdings nicht rechnen, sagte er. Zugleich sei es den deutschen Bischöfen wichtig, ihre eigenen Erfahrungen in die Weltbischofssynode einzubringen, so Zollitsch.
   Kardinal Meisner, der bereits zum 10. Mal an einer Bischofssynode teilnimmt, verwies auf den New Yorker Kardinal Timothy Dolan. Dieser habe das »Bußsakrament als das Sakrament der Neuevangelisierung« bezeichnet. »Das ist doch wirklich der Gesundbrunnen, der die Menschen dynamisiert!«, so der Kardinal.
   Der Limburger Bischof Franz- Peter Tebartz-van Eist forderte vor den Journalisten eine verstärkte Begleitung von Erwachsenen in Glaubensfragen. Als Beispiel nannte er die Taufpatenschaft. Diese müsse wieder wie in der Alten Kirche als lebenslange geistliche Begleitung verstanden werden und dürfe sich nicht darauf beschränken, dass »der Onkel seinem Patenkind eine goldene Uhr schenke«, so der Limburger Bischof.
   Die Bischöfe Zollitsch, Tebartz-van Elst und Bode nehmen als Delegierte der Deutschen Bischofskonferenz an der Weltbischofssynode teil. Kardinal Meisner wurde eigens vom Papst als Synodenvater berufen. OR121019

be-279-SYN-x  Papst-Predigt bei der Abschlussmesse der Weltbischofssynode

   Bei der Abschlussmesse zur Synode hat der Papst in seiner Predigt darauf hingewiesen, dass die neue Evange- lisierung „das gesamte Leben der Kirche“ betrifft. Sie gehe in erster Linie die gewöhnliche Seelsorge an, „die mehr vom Feuer des Heiligen Geistes belebt sein muss, um die Herzen der Gläubigen zu entzünden, die sich regelmäßig in der Gemeinde zusammenfinden und sich am Tag des Herrn versammeln, um sich vom Wort Gottes und vom Brot ewigen Lebens zu ernähren“, so der Papst.
Hier lesen Sie die gesamte Predigt im Wortlaut
Verehrte Mitbrüder, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern!
   Das Wunder der Heilung des blinden Bartimäus hat im Aufbau des Markusevangeliums einen besonderen Platz. Es steht nämlich am Ende des Abschnittes, der als der „Weg nach Jerusalem“ bezeichnet wird, das heißt die letzte Pilgerreise Jesu in die Heilige Stadt zum Paschafest beschreibt, wo ihn, wie er weiß, Leiden, Tod und Auferstehung erwarten. Um vom Jordantal aus nach Jerusalem hinaufzugehen, kommt Jesus durch Jericho, und die Begegnung mit Bartimäus ereignet sich am Ausgang der Stadt, „als er“, wie der Evangelist anmerkt, „mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ“, Mk 10,46. Es ist jene Menschenmenge, die bald darauf Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem als Messias bejubelte. Am Straßenrand saß also der Bettler Bartimäus, der „Sohn des Timäus“ – so erklärt der Evangelist den Namen. Das gesamte Markusevangelium ist ein Weg des Glau- bens, der sich schrittweise unter der Anleitung Jesu entfaltet. Die Jünger sind die ersten Protagonisten dieser Entdeckungsreise, doch es gibt auch andere Personen, die dabei eine wichtige Rolle spielen, und einer von ihnen ist Bartimäus. Seine Heilung ist die letzte Wunderheilung, die Jesus vor seinem Leiden vollzieht, und nicht zufällig ist es die eines Blinden, eines Menschen also, dessen Augen das Licht verloren haben. Auch aus anderen Texten wissen wir, dass der Zustand der Blindheit in den Evangelien reich an Bedeutung ist. Er steht für den Menschen, der das Licht Gottes, das Licht des Glaubens braucht, um die Realität wirklich zu erkennen und auf dem Weg des Lebens zu gehen. Es ist wesentlich, sich die eigene Blindheit, den Bedarf an diesem Licht einzugestehen, sonst bleibt man für immer blind vgl. Joh 9,39-41.
 Bartimäus wird also an diesem strategischen Punkt der Erzählung als Modell vorgestellt. Er ist nicht von Geburt an blind, sondern hat das Sehvermögen verloren: Er ist der Mensch, der das Licht verloren hat und sich dessen be- wusst ist, der aber nicht die Hoffnung verloren hat, sondern die Gelegenheit einer Begegnung mit Jesus zu ergrei- fen weiß und sich ihm anvertraut, um geheilt zu werden. Als er nämlich hört, dass der Meister auf seinem Weg vor- beikommt, ruft er: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ Mk 10,47 und wiederholt dies mit Nachdruck v. 48. Und als Jesus ihn ruft und ihn fragt, was er von ihm erbitte, antwortet er: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ v.51. Bartimäus steht für den Menschen, der das eigene Übel erkennt und im Vertrauen, geheilt zu werden, den Herrn anruft. Seine einfache und ehrliche Bitte ist beispielhaft und in der Tat – wie jene des Zöllners im Tempel: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“Lk 18,13 – in die Tradition des christlichen Betens eingegangen. In der gläubigen Begegnung mit Christus gewinnt Bartimäus das verlorene Licht zurück und mit ihm seine volle Würde: Er erhebt sich und nimmt seinen Weg wieder auf; von jenem Moment an hat er einen, der ihn führt, Jesus, und einen klaren Kurs, denselben, den Jesus beschreitet. Der Evangelist sagt uns dann nichts mehr über Bartimäus, doch in ihm stellt er uns vor Augen, wer der wahre Jünger ist: derjenige, der mit dem Licht des Glaubens Jesus „auf sei- nem Weg“ folgt v.52.
   Der heilige Augustinus macht in einer seiner Schriften eine ganz eigene Beobachtung zur Gestalt des Bartimäus, eine Beobachtung, die auch für uns heute interessant und bedeutungsvoll sein kann. Der heilige Bischof von Hippo denkt über die Tatsache nach, dass Markus in diesem Fall nicht nur den Namen des Geheilten nennt, sondern auch den seines Vaters, und kommt zu dem Schluss, dass „Bartimäus, der Sohn des Timäus, eine Persönlichkeit war, die aus sehr großem Wohlstand herausgefallen war. Seine Notlage musste allgemein bekannt sein, da er nicht nur blind war, sondern am Straßenrand saß und bettelte. Darum wollte Markus [im Unterschied zu Matthäus] nur ihn erwähnen: Dass er es war, der das Augenlicht wiedererlangt hatte, verlieh dem Wunder eine Resonanz, die eben- so groß war wie das Gerede über das Unglück, das dem Blinden zugestoßen war“  De consensu evangelistarum, 2,65, 125: PL 34, 1138. So weit Augustinus.
   Diese Interpretation, dass Bartimäus ein Mensch sei, der aus einer Situation „großen Wohlstands“ herausge- fallen ist, gibt uns zu denken; sie will uns bewusst machen, dass es kostbare Schätze für unser Leben gibt, die wir verlieren können und die nicht materieller Art sind. Aus dieser Sicht könnte Bartimäus für diejenigen stehen, welche in Gebieten alter christlicher Tradition leben, wo das Licht des Glaubens schwach geworden ist, und die sich von Gott entfernt haben, ihn nicht mehr als für das Leben wichtig ansehen: Menschen, die daher einen großen Schatz verloren haben, aus einer hohen Würde – nicht der wirtschaftlichen Situation oder der irdischen Macht, sondern des Christentums – „herausgefallen“ sind; Menschen, welche die sichere und feste Lebensorientierung verloren haben und – oft unbewusst – zu Bettlern um den Sinn des Lebens geworden sind. Es sind die vielen, die einer neuen Evangelisierung bedürfen, d. h. einer neuen Begegnung mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes vgl. Mk 1,1, der ihnen wieder die Augen öffnen und den Weg weisen kann. Es ist bedeutsam, dass die Liturgie uns zum Abschluss der Synodenversammlung das Evangelium von Bartimäus vorlegt. Dieses Wort Gottes hat besonders uns etwas zu sagen, die wir uns in diesen Tagen mit der Dringlichkeit auseinandergesetzt haben, Christus dort neu zu verkünden, wo das Licht des Glaubens schwach geworden ist, wo das Feuer Gottes einer Glut gleicht, die angefacht werden muss, damit sie zu einer lebendigen Flamme wird, die dem ganzen Haus Licht und Wärme spendet.
   Die neue Evangelisierung betrifft das gesamte Leben der Kirche. Sie geht in erster Linie die gewöhnliche Seelsorge an, die mehr vom Feuer des Heiligen Geistes belebt sein muss, um die Herzen der Gläubigen zu ent- zünden, die sich regelmäßig in der Gemeinde zusammenfinden und sich am Tag des Herrn versammeln, um sich vom Wort Gottes und vom Brot ewigen Lebens zu ernähren. Ich möchte hier drei pastorale Linien hervorheben, die sich aus der Synode ergeben haben. Die erste betrifft die Sakramente der christlichen Initiation. Es wurde erneut auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Vorbereitung auf die Taufe, die Firmung und die Eucharistie mit einer geeigneten Katechese zu begleiten. Ebenso wurde die Bedeutung der Beichte, des Sakraments der Barm- herzigkeit Gottes, bekräftigt. Über diesen sakramentalen Weg ergeht der an alle Christen gerichtete Ruf des Herrn zur Heiligkeit. Tatsächlich ist mehrmals betont worden, dass die wahren Protagonisten der neuen Evangelisierung die Heiligen sind: Sie sprechen mit dem Beispiel ihres Lebens und den Werken der Nächstenliebe eine Sprache, die allen verständlich ist.
   An zweiter Stelle ist die neue Evangelisierung im Wesentlichen verknüpft mit der missio ad gentes. Die Kirche hat die Aufgabe zu evangelisieren, die Heilsbotschaft den Menschen zu verkünden, die Jesus Christus noch nicht kennen. Auch im Laufe der Überlegungen der Synode wurde unterstrichen, dass es in Afrika, Asien und Ozeanien viele Gegenden gibt, deren Bewohner die Erstverkündigung des Evangeliums sehnlich erwarten, manchmal ohne sich dessen voll bewusst zu sein. Darum muss man zum Heiligen Geist beten, dass er in der Kirche einen neuen Missionseifer entfache, dessen Protagonisten in besonderer Weise die Seelsorgehelfer und die gläubigen Laien sein sollen. Die Globalisierung hat eine beachtliche Bevölkerungsverschiebung verursacht; so wird die Erstverkün- digung auch in den Ländern alter christlicher Tradition notwendig. Alle Menschen haben das Recht, Jesus Christus und sein Evangelium kennenzulernen; dem entsprechend haben die Christen, alle Christen – Priester, Ordensleute und Laien – die Pflicht, die Frohe Botschaft zu verkünden.
   Ein dritter Aspekt betrifft die Getauften, die jedoch in ihrer Lebensweise den Ansprüchen der Taufe nicht gerecht werden. Im Laufe der Synodenarbeit wurde deutlich, dass es solche Menschen in allen Kontinenten gibt, besonders in den am stärksten säkularisierten Ländern. Die Kirche widmet ihnen besondere Aufmerksamkeit, damit sie Jesus Christus erneut begegnen, die Freude des Glaubens wiederentdecken und zur Ausübung der Religion in der Gemeinschaft der Gläubigen zurückkehren. Außer den nach wie vor wertvollen traditionellen pasto- ralen Methoden versucht die Kirche ebenso neue Methoden anzuwenden, indem sie sich auch neuer Ausdrucks- weisen bedient, die den verschiedenen Kulturen der Welt angepasst sind, und die Wahrheit Christi im Dialog und in einer Atmosphäre der Freundschaft anbietet, die in Gott, der die Liebe ist, ihr Fundament hat. In verschiedenen Teilen der Welt hat die Kirche diesen Weg der kreativen Pastoral bereits eingeschlagen, um die Menschen zu erreichen, die sich entfernt haben oder auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Glück und letztlich nach Gott sind. Wir erinnern an einige wichtige Stadtmissionen, an den Vorhof der Völker, an die Kontinentalmission usw. Es besteht kein Zweifel, dass der Herr, der Gute Hirt, diese Bemühungen, die aus dem Eifer für seine Person und sein Evangelium hervorgehen, reichlich segnen wird.
  Liebe Brüder und Schwestern, nachdem Bartimäus von Jesus das Augenlicht zurückerhalten hatte, schloss er sich der Jüngerschar an, unter denen es sicher noch andere gab, die wie er vom Meister geheilt worden waren. Eben- so sind die neuen Glaubensboten: Es sind Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, durch Jesus Christus von Gott geheilt worden zu sein. Und ihr charakteristisches Merkmal ist eine Herzensfreude, die mit dem Psalmisten sagt: „Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich“ Ps 126,3. Auch wir wenden uns heute in froher Dankbarkeit an Jesus, den Herrn, der Redemptor hominis und Lumen gentium ist, und machen uns ein Gebet des heiligen Klemens von Alexandrien zu eigen: „Bis jetzt bin ich umhergeirrt in der Hoffnung, Gott zu finden, doch da Du mich erleuchtest, o Herr, finde ich Gott durch dich und empfange den Vater von dir, werde dein Miterbe, denn du hast dich nicht geschämt, mich zum Bruder zu haben. Vertreiben wir also, vertreiben wir die Vergessenheit der Wahrheit, die Unwissenheit: Indem wir die Finsternis, die wie Nebel vor den Augen die Sicht behindert, beiseite schieben, betrachten wir den wahren Gott …; denn ein Licht vom Himmel erstrahlte über uns, die wir in der Finsternis begraben und im Schatten des Todes gefangen waren, [ein Licht], reiner als die Sonne und süßer als das Leben hier auf Erden“ Protreptikòs 113,2–114,1.
RV121028mg Hiermit endet der Bericht über die Weltbischofssynode. Ergebnisse zum >>> Jahr des Glaubens

be-275MetropolitHilarion-x    Metropolit Hilarion bei Papst Benedikt XVI.

Moskauer Metropolit fordert verstärkte Anstrengungen in der Ökumene
   Der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, hat zu einer verstärkten Zusammenarbeit der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche aufgerufen. Nur so werde die christliche Antwort auf die Heraus- forderungen der modernen Gesellschaft wahrgenommen, sagte er vor der Weltbischofssynode im Vatikan. Bereits vor 50 Jahren während des Zweiten Vatikanums hätten die Konzilsteilnehmer erkannt, dass eine engere Koope- ration zwischen Christen unterschiedlicher Traditionen eine überzeugendere Glaubensverkündigung in der modernen Welt ermögliche. Seither seien die Herausforderungen, vor denen die Kirchen stünden, bedrohlicher und eine Zusammenarbeit um so dringlicher geworden, so Hilarion. Hilarion nimmt als Beobachter an der Weltbischofs- synode teil, die vom 7. bis zum 28. Oktober im Vatikan tagt. Am 16.Oktober wurde er auch von Papst Benedikt XVI. empfangen.  RVmg121017kna

Papst Benedikt XVI. hat sechs neue Kardinäle am 24. November ernannet

   Papst Benedikt XVI. hat am 24. November sechs neue Kardinäle kreiert. Zu den designierten Kardinälen gehört der Präfekt des päpstlichen Hauses, Erzbischof James Harvey, den er zum Erzpriester von Sankt Paul vor den Mauern ernennen wolle. Außerdem werden zwei Bischöfe aus nicht-lateinischen Riten zu Kardinälen erhoben: Bechara Boutros Rai, der maronitische Patriarch von Antiochien und Baselios Cleemis Thottunakal, Großerzbischof der Syro-Malankaren. Die verbleibenden drei sind der Erzbischof von Abuja in Nigeria, John Olorunfemi Onaiyekan, der Erzbischof von Bogotà, Rubén Salazar Gómez, und der Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle. Mit dem Kon- sistorium hat die Kirche 120 wahlberechtigte Kardinäle, 67 von ihnen wurden von Benedikt XVI. ernannt sein. Es war das fünfte Konsistorium während dieses Pontifikates. RV121024ord
   V
on den zur Zeit 116 wahlberechtigten Kardinälen kommen nur zwanzig aus Lateinamerika, elf aus Afrika, acht aus Asien und einer aus Ozeanien gegenüber 63 Wählern aus Europa.
Wir stellen hier die neuen Kardinäle vor:

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Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Hans-Henning Horstmann, überreichte James Michael Kardinal Harvey  am 9. Dezember 2008 das von Bundespräsident Horst Köhler verliehene Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

   James Michael Harvey (* 20. Oktober 1949 in Milwaukee, Wisconsin, USA) ist ein Kurienerzbischof der römisch- katholischen Kirche.
   Nach dem Studium der Katholischen Theologie und Philosophie empfing Harvey am 29. Juni 1975 in Milwaukee das Sakrament der Priesterweihe. 1980 trat er in den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und wirkte zunächst in der Päpstlichen Repräsentanz in der Dominikanischen Republik, bevor er 1982 als Mitarbeiter in das Vatikanische Staatssekretariat wechselte, in dem er ab dem 22. Juli 1997 als Assessor wirkte.
   Papst Johannes Paul II. verlieh ihm am 9. November 1994 den Titel Päpstlicher Ehrenprälat und ernannte ihn am 07. Februar 1998 zum Titularbischof von Memphis und zum Präfekten der Präfektur des Päpstlichen Hauses und spendete ihm am 19. März desselben Jahres die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Kardinalstaats- sekretär Angelo Sodano sowie der Erzbischof von Krakau, Franciszek Kardinal Macharski. Am 29. September 2003 wurde er unter Beibehaltung seines Titularbistums zum Titularerzbischof pro hac vice ernannt.
  Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Hans-Henning Horstmann, überreichte ihm am 9. Dezember 2008 das von Bundespräsident Horst Köhler verliehene Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und würdigte damit den Beitrag von Harvey um die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl.
   Am 24. Oktober 2012 gab Papst Benedikt XVI. bekannt, dass er James Harvey zum Erzpriester der Patri- archalbasilika St. Paul vor den Mauern ernennen und am 24. November 2012 zum Kardinal kreieren wolle.

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Mar Bechara Boutrros Rai O.M.M., Patriarch von Antiochia und den ganzen Osten für die Maroniten

geboren am 25. Februar 1940 in Hemlaya, Libonon, Priesterweihe: 03. September 1967
Bischofsweihe: 12. Juli 1986 . Bischof von Ibeil und stellvertrender Generalvikar des Patriarchen
Zum Patriarchen geweiht am 15. März 2011

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Katholikos Erzbischof Isaac Cleemi Kardinal Thottunkal

  Isaac Mar Cleemis Thottunkal (* 15. Juni 1959 in Mukkoor, Kerala) ist der gegenwärtige Großerzbischof von Trivandrum (Thiruvananthapuram) und Oberhaupt der mit Rom unierten Syro-malankarischen Kirche.
   Im Jahr 1986 wurde er zum Priester geweiht. Zwischen 1991 und 1996 studierte er am Angelicum in Rom, an dem er das Doktorat erwarb. Mit seiner Ernennung zum Weihbischof der Erzeparchie von Trivandrum wurde ihm auch die Aufgabe eines Apostolischen Visitators für die syro-malankarischen Gläubigen in Nordamerika und Europa übertragen. 2003 wurde er Bischof der Eparchie von Tiruvalla und mit ihrer Erhebung zur Erzeparchie zu ihrem ersten Erzbischof und Metropoliten.
   Nach dem Tod von Großerzbischof Cyril Mar Baselios Malancharuvil wurde er am 8. Februar 2007 vom Heiligen Synod der syro-malanarischen Kirche zu dessen Nachfolger gewählt und von Papst Benedikt XVI. zwei Tage danach bestätigt. Die feierliche Inthronisation fand am 3. März 2007 statt. Am 24. Oktober 2012 gab Papst Benedikt XVI. bekannt, dass er ihn am 24. November 2012 zum Kardinal kreieren wolle.

   Mit nur 53 Jahren löst Isaac Cleemis Thottunkal den Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki als jüngsten Purpurträger imKardinalskollegium ab. Der Inder ist das Oberhaupt der syromalan-karischen Kirche, einer mit Rom verbundenen Ostkirche, die den Papst anerkennt. Der Name geht auf das Hauptsiedlungsgebiet der Gläubigen, Malankara im südindischen Bundesstaat Kerala, sowie ihren westsyrischen Ritus zurück.
   Thootunkal steht als Großerzbischof von Trivandrum seit Mai 2007 an der Spitze der rund 300.000 Mitglieder zählenden Kirche. Zuvor war er seit 2001 Weihbischof in Trivandrum und seit 2003 residierender Bischof von Tiruvalla. Von 1991 bis 1996 studierte er an der Dominikaner-Hochschule in Rom Theologie. RV121025

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 John Olorunfemi Onaiyekan (* 29. Januar 1944 in Kabba, Kogi, Nigeria) ist römisch-katholischer Erzbischof
von Abuja und Präsident der Christian Association of Nigeria (CAN).

   John Onaiyekan studierte Philosophie von 1963 bis 1965 im Priesterseminar St. Peter und Paul in Bodija, Ibadan, und Theologie von 1965 bis 1969 an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom. Am 3. August 1969 empfing er die Priesterweihe durch Auguste Delisle CSSp in Kabba. Er lehrte anschließend Bibelwissenschaften und Franzö- sisch am St. Kizito's College, Isanlu, und war in der Seelsorge tätig. 1971 wurde er Rektor des St. Clement Junior Seminars in Lokoja. Zwischen 1971 und 1973 studierte er Bibelwissenschaften am Päpstlichen Bibelinstitut (PIB) in Rom; 1976 wurde er an der Urbania mit der Arbeit Priesthood in Pre-Monarchical Ancient Israel and in Traditional Owe Society. A comparative Study. in Bibelwissenschaften mit summa cum laude promoviert. 1977 wurde er Vize- rektor des Priesterseminars St. Peter & Paul in Bodija und Professor für Fundamentaltheologie und Bibelwissen- schaften, ab 1978 Rektor des Seminars.
   Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1982 zum Titularbischof von Thunusuda und bestellte ihn zum Weihbischof im Bistum Ilorin. Die Bischofsweihe spendete ihm am 6. Januar 1983 Papst Johannes Paul II. selbst; Mitkonse- kratoren waren der Kurienerzbischof und spätere Kardinal, Eduardo Martinez Somalo, und Kurienerzbischof und spätere Kardinal, Duraisamy Simon Lourdusamy, Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn von 1980 bis 1985 zum Mitglied der Päpstlichen Internationalen Theologen- kommission und von 1981 bis 1991 zum Mitglied der Methodistisch/Römisch-katholischen Kommission. 1989 war er Mitglied der Kommission zur Vorbereitung der Afrikanischen Synode von 1990.
   1990 wurde er zum Koadjutorbischof im Bistum Abuja bestellt und 1992 zum Bischof ernannt. Nach Erhebung des Bistums zum Erzbistum Abuja wurde er 1994 dessen erster Erzbischof.
   1992 wurde er zum Relator Generalis Adiunctus der afrikanischen Synode ernannt, seit 1994 ist er Vertreter in der römischen Bischofssynode. 1994 wurde er Vizepräsident der Catholic Bishops' Conference of Nigeria (CBCN), seit 1999 dessen Präsident. Am 24. Oktober 2012 gab Papst Benedikt XVI. bekannt, dass er ihn am 24. November 2012 zum Kardinal kreieren wolle.

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Luis Antonio Gokimtagle, Erzbischof von Manila

Geb.am: 21. Juni 1957 in Manila, M.A. Loyola School of Theology
1982, Dr.theol. Catholic University of America, Washington, Priesterweihe: 27. Februar 1982 Imus Cathedral, Bischofsweihe: 12. Dezember 2001 Imus Cathedral, Erzbischof von Manila: 12. Dezember 2011

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Jesús Rubén Salazar Gómez (* 22. September 1942 in Bogotá, Kolumbien) ist Erzbischof von Bogotá.

   Rubén Salazar Gómez studierte Philosophie am Priesterseminar von Ibagué. Er erwarb an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom ein Lizenziat im Fach Dogmatik und am Päpstlichen Bibelinstitut ein Lizenziat im Fach Biblische Exegese. Salazar Gómez empfing am 20. Mai 1967 das Sakrament der Priesterweihe und wurde in den Klerus des Erzbistums Ibagué inkardiniert.
   1967 wurde Rubén Salazar Gómez Spiritual und Professor am Colegio Tolimense in Ibagué und 1968 wurde er zudem Kaplan in der Pfarrei Nuestra Señora del Perpetuo Socorro in Ibagué. Von 1987 bis 1990 war Salazar Gómez als Direktor des nationalen Sekretariats für die soziale Pastoral der Kolumbianischen Bischofskonferenz tätig. 1990 wurde Rubén Salazar Gómez Pfarrer der Pfarrei Nuestra Señora de Chiquinquirá in Ibagué und Bischofsvikar für die Pastoral.
   Am 11. Februar 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Cúcuta. Die Bischofsweihe spendete ihm am 25. März desselben Jahres der Apostolische Nuntius in Kolumbien, Erzbischof Paolo Romeo; Mitkonse- kratoren waren der Erzbischof von Ibagué, José Joaquín Flórez Hernández, und der Erzbischof von Cali, Pedro Rubiano Sáenz. Am 18. März 1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Barranquilla. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 8. Juli 2010 zum Erzbischof von Bogotá und damit zum römisch-katholischen Primas von Kolumbien. Die Amtseinführung fand am 13. August desselben Jahres statt. Am 24. Oktober 2012 gab Papst Benedikt XVI. bekannt, dass er ihn am 24. November 2012 zum Kardinal kreieren wolle. Seit Juli 2008 ist Rubén Salazar Gómez Präsident der Kolumbianischen Bischofskonferenz.

   Die Kardinäle, so sagte Papst Benedikt am Ende der Generalaudienz, als er das Konsistorium ankündigte, „haben die Aufgabe, dem Nachfolger Petri bei der Erfüllung seines Amts zu helfen, die Brüder im Glauben zu bestärken sowie das Prinzip und das Fundament der Einheit und Gemeinschaft der Kirche zu sein."
   Beim jüngsten Konsistorium im vergangenen Februar hatten Kommentatoren angemerkt, dass die Liste der neuen Purpurträger stark „europalastig" sei. Allein sieben Italiener waren damals in das Kardinalskollegium beru- fen worden. Mit dieser Kardinalserhebung wird das wieder ausgeglichen. Mit dem Konsistorium zum Ende des Kirchenjahrs steigt die Zahl der Kardinäle auf 211. Es ist das fünfte Konsistorium in der Amtszeit des deutschen Papstes. Benedikt XVI. hat bislang 90 Kardinäle ernannt. Aus Deutschland stammen derzeit neun Kardinäle: Karl Josef Becker, Walter Brandmüller, Paul Josef Cordes, Walter Kasper, Karl Lehmann, Reinhard Marx, Joachim Meisner, Friedrich Wetter und Rainer Maria Woelki., aus Österreich kommt Christoph Schönborn OP, vier Schweizer gehören dem Kardinalskollegium an: Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Koch, sowie Henri Schwery, Gilberto Agustoni und Georges Cottier OE. RV121025

cdd-Birett-z  Konsistorium:  Rote  Hüte,  neue  Formen

22 Geistliche empfangen bei einem öffentlichen Konsistorium in Rom die Kardinalswürde.
   In der Fachsprache: Der Papst kreiert neue Kardinäle. Das Konsistorium ist keine Eucharistiefeier, sondern ein eigener liturgischer Ritus, besonders feierlich, das ja, aber eben keine Messe. Diesen Ritus zur Kardinals- kreierung hat Papst Benedikt nun etwas vereinfacht. Der Kirchenhistoriker Ulrich Nersinger greift zurück in die Geschichte:
   „Früher war die Erhebung eines Geistlichen in den Kardinalsstand eine farbenprächtige Angelegenheit, aber auch eine sehr komplizierte. Es war so breitgefächert: die Übergabe des Hutes, wir hatten früher auch den breitrandigen Kardinalshut, Birett, Pileolus [das rote Käppchen], und einige andere Insignien – die Überreichung war aufgeteilt auf verschiedene Gelegenheiten.“
   Das war Form Nummer eins. Nun Form Nummer zwei: Nach dem II. Vatikanischen Konzil gab es schon einmal eine Vereinfachung bei der Kardinalserhebung. Nersinger:
   „Man ist zu der Form gekommen, dass man – bis in die jüngste Vergangenheit – in einem Konsistorium die Kreierung vornahm, das heißt im Wesentlichen, der Heilige Vater hat die Namen der neuen Kardinäle verkündet, ihnen dann das rote Birett aufgesetzt und ihnen die Titelkirche oder Diakonie zugewiesen; und ihnen dann meistens am nächsten Tag in einer Eucharistiefeier den Kardinalsring überreicht.“
   Jetzt, und das ist Form Nummer drei, erfolgt die Überreichung des Kardinalsrings ebenfalls im Konsistorium und nicht erst in der Messe danach. Das ist der Hauptänderungspunkt der Feier. Für Außenstehende mag das wenig der Rede wert sein. Doch der Kardinalsring ist ein Objekt mit besonders hoher Symbolkraft.
   „Der Ring galt immer als ein besonderes Zeichen der Bindung, denn Eheleute binden sich ja auch durch einen Ring. Man wollte auch durch den Ring nochmals unterstreichen die enge Bindung, die der neue Kardinal mit dem Heiligen Vater und der Kirche eingeht.“
  Das Anstecken der Ringe in der Messe: Das erinnert tatsächlich an eine Hochzeit, an das Sakrament der Ehe. Genau diesen Eindruck der Sakramentalität will der Vatikan vermeiden. Denn die Kardinalserhebung ist kein Sakra- ment, ist weder eine Ehe noch eine Priesterweihe. Bis hinein in katholische Kreise konnte aber zuletzt dieser Ein- druck entstehen. Um dem Missverständnis vorzubeugen, weist selbst das liturgische Büchlein für das bevor- stehende Konsistorium neue Gebete auf – neue alte Gebete, wohlgemerkt, sie stammen aus dem ersten Jahr- tausend. Auch sie weisen darauf hin, dass diese Feier keine Weihehandlung ist.
  „Es sind Gebete, die unterstreichen, welche Aufgabe die Kardinäle haben und wie sie auch ihr Amt verstehen sollten: Als Berater des Papstes, die in enger Bindung zu ihm stehen, eine Bindung, die ganz einzigartig ist. Die Kardinäle werden ja vom Papst kreiert, das heißt: geschaffen. Sie sind seine persönlichen Geschöpfe. Und sie sollen sehr eng zum Papst und zur Kirche stehen. Das soll deutlich werden. Und dass es ein Amt ist, das nicht durch eine sakramentale Handlung vermittelt wird.“
   Vor dem Konsistorium lädt der Papst alle Kardinäle, auch die neu erhobenen, zu einem Tag des Nachdenkens und des Gebets. Auf der Tagesordnung stehen dabei Gespräche über Neuevangelisierung und Mission. Kardinäle sind ja von ihrer ursprünglichen Funktion her Berater des Papstes. Zum Reflexionstag bemerkt Nersinger:
   „Ich glaube, das ist ein Rückgriff auf eine ganz alte Zeit, zurück in die Anfänge der Konsistorien.“ Zur Erinnerung: Das Amt des Kardinals entstand im 11. Jahrhundert. „Die Konsistorien waren ja Beratungen mit dem Papst und sind im Lauf der Zeit – etwa im 16. Jahrhundert – zu rein formalen Ereignissen geworden. Früher war es so, dass der Papst alle wichtigen kommenden oder schon geschehenen Ereignisse mit seinen engsten Ratgebern besprach, um einen Meinungsaustausch bat. Ganz am Anfang war das eine wirkliche Abstimmung. Das ist mit der Zeit etwas verschwunden, und das will man nun wieder stärker hervorheben. Das ist eine gute und vernünftige Idee, da ja das Kardinalskollegium auch die Weltkirche repräsentiert.“
   Ein altes Element der ursprünglichen Konsistorien mit der Abstimmung ist nun wieder zum Tragen gekommen. Ulrich Nersinger: „Am Ende der Kardinalskreierung wurde der Papst gebeten, Entscheide über künftige Heiligsprechungen anzukündigen, und da hat er auch die Kardinäle um ihre Meinung gefragt.“ RV120216gs

Rückblick auf die letzte Kardinalsernennung.  Konsistorium:   Zwei neue deutsche Kardinäle

   Kreiert werden die neuen Kardinäle durch ein Dekret des Papstes, das er bei einem Konsistorium verkündet. Dabei erhalten die neuen Würdenträger zu ihrem hellroten Gewand das Kardinalsbirett aus der Hand des Papstes. Unter den Kandidaten sind zwei Deutsche. Es handelt sich um den Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und den Jesuiten und Theologen Karl Josef Becker. Das Kardinalskollegium ist das wichtigste Beratungsgremium des Papstes, die unter 80-jährigen Kardinäle wählen das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der 55-jährige Woelki wurde mit dem angekündigten Konsistorium der jüngste Kardinal der katholischen Kirche. Bislang war es der 58- jährige Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx. Rv120106kna

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 Woelki neues Apsa-Mitglied - Versaldi neuer Bildungs-Verantwortlicher   Foto rechts: Wappen: “Wir sind Zeugen”

   Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird Mitglied der vatikanischen Güterverwaltung Apsa. Das teilte der Vatikan an diesem Dienstag mit. Dazu habe ihn der Papst ernannt. Die Apsa hat die Aufgaben des Schatzamtes und der Zentralbank des Vatikanstaates und des Heiligen Stuhls. Eine weitere Ernennung teilte der vatikanische Pressesaal ebenfalls an diesem Dienstag mit: Der bisherige Präfekt der Wirtschaftsangelegenheiten des Heiligen Stuhls, Kardinal Giuseppe Versaldi, wird Präfekt der Bildungskongregation. Versaldi folgt auf den polnischen Kurienkardinal Zenon Grocholewski, der mit 75 Jahren aus dem Amt scheidet. rv150331mg

cd-Karl-Josef-Becker-SJ-x      Deutscher Jesuitenpater Becker wird Kardinal

   Weiter wird der Jesuitenpater und Theologe Karl Josef Becker SJ Purpurträger. Der emeritierte Dozent der Päpstlichen Universität Gregoriana war für lange Zeit Konsultor an der Glaubenskongregation. Er war einer der vier vatikanischen Berater bei den Gesprächen mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft. Rv120106

Der Treue
   Die Nachricht machte in der Gregoriana schnell die Runde. Der würdige alte Herr bestätigte mit einem beschei- denen Lächeln, dass ihn der Heilige Vater beim nächsten Konsistorium Mitte Februar zum Kardinal küren werde. „Aber bitte nennen Sie mich weiter Pater Becker" schärft er den Studenten ein. Für Interviews steht der Jesuiten- professor Karl Josef Becker nicht zur Verfügung. Nicht erst seit er zur Kommission Ecclesia Dei gehört, die mit der extremistischen Pius-Bruderschaft über ihre Wiederaufnahme in die Kirche debattierte, hat er sich Zurückhaltung angewöhnt. Der 1928 in Köln geborene Becker, seit 1948 Mitglied der Gesellschaft Jesu und seit 1969 Dogmatiker an der Päpstlichen Universität Gregoriana, wurde 1977 Berater der Glaubenskongregation, wo er seit 1982 loyal mit dem vormaligen Präfekten Josef Ratzinger zusammenarbeitete.
   Theologisch stammt der Jesuit aus einer anderen katholischen Tradition als der Papst. Während Ratzinger mit Augustinus und dem Franziskaner Bonaventura eine heilsgeschichtliche Theologie entwickelt, geht der 1958 in Frankfurt zum Priester geweihte Becker seit seiner Promotion über Domingo de Soto stärker vom Denken der Dominikaner und von Begriffsbestimmungen aus. Die Definitionsschärfe und Systemklarheit der Barockscholastik prägt Becker seither: die Theologie des 16. Jahrhunderts, die Zeit um das Konzil von Trient. Als Dogmatiker liegen Beckers Lehr- und Forschungsgebiete in der Sakramenten- und Gnadenlehre. Ausgehend von der Frage, wie und wo Gottes Erlösung wirksam wird, beschäftigt der neue Kardinal sich auch mit der Heilsbedeutung anderer Religi- onen: Kann es auch außerhalb der katholischen Kirche und ihrer Sakramente Heil geben? Gerade hat er zu dieser Frage ein dickes Buch herausgegeben. Seine Antwort: Die anderen Religionen können die Menschen auf Christus vorbereiten. Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils erklärt Becker messerscharf.
  Dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche „subsistiere", bedeutet für Becker: Einzig sie ist Kirche. Gleichwohl setzt er sich für Religionsfreiheit ein. „Freiheit zum Irrtum" müsse man eben gewähren. Bei einem Vortrag über „Katholische Identität im interreligiösen, ökumenischen und christlich-jüdischen Dialog" prangerte er ein zu laxes Verhandeln in Glaubensdingen an. Gegenüber den Pius-Brüdern verteidigt der konservative Theologe aber das Zweite Vatikanische Konzil. Wie das zusammengeht? Als ihm zu seinem 75. Geburtstag eine Festschrift verehrt wird, benennt der Titel die Grundhaltung des neuen Kardinals: Sentire cum Ecclesia- Mit der Kirche fühlen. So ist die Auszeichnung des Papstes als Anerkennung für Beckers Kirchentreue zu verstehen. Fraglos ist sie auch Dank für langjährige Arbeit in der Glaubenskongregation und vielleicht ein Gruß an die Jesuitenuniversität.
   So jedenfalls wollen es manche seiner Mitbrüder verstehen. Seit 2003 ist Becker emeritiert; er hat längst die Altersgrenze überschritten, um noch an einem Konklave teilnehmen zu können; aber eine päpstliche Auszeichnung für Kirchentreue nimmt man trotzdem an. FAZ120120JörgBremer

Kardinal Woelki hat die Nachricht mit großer Freude aufgenommen cd-RainerMariaWoeli-b-z

Das sagte der Erzbischof im Interview mit Radio Vatikan:
   „Es hat natürlich immer geheißen, Berlin, das ist Kardinalssitz, das wird irgendwann kommen. Dass es jetzt so schnell gekommen ist, war für mich selbst überraschend. Aber ich freue mich darüber, vor allem für unser Erz-bistum, ich freue mich für die Christen, die hier in der Diaspora leben seit vielen Jahren. Und dass über diese Ernennung ihr Leben als Christen in den Blickpunkt der Universalkirche gerückt wird.“
   Der gebürtige Kölner und frühere Kölner Weihbischof Woelki steht erst seit vergangenem August an der Spitze des Hauptstadtbistums. Er folgte Kardinal Georg Sterzinsky nach, der im Juni im Alter von 75 Jahren starb. Ein Kardinal für Berlin zu diesem Zeitpunkt – was bedeutet das?
   „Ich denke schon, dass es im Blick des Papstes gewesen ist, dass natürlich Berlin von seiner Geschichte und seiner Vergangenheit als geteilte Stadt her ein besonderes Augenmerk des Heiligen Vaters hat. Und dass natürlich darüber hinaus Berlin als Bundeshauptstadt auch eine wichtige Rolle im Konzert der großen Weltstädte spielt. Also ich denke, dass mit dieser Ernennung auch eine Würdigung der Bundesrepublik Deutschland verbunden ist, Berlins als Sitz der Bundesregierung und darüber hinaus der ganzen deutschen Kirche.“
   Der 55-jährige Woelki wird mit dem angekündigten Konsistorium der jüngste Kardinal der katholischen Kirche. Das Kardinalskollegium sei für ihn ja unbekanntes Terrain – da müsse er sich zunächst einmal umsehen, räumt der Erzbischof ein:
   „Ich freue mich zunächst einmal, dass ich verjüngend in diesem Kollegium wirke. Dass kann man ja nicht un- bedingt, wenn man 55 Jahre seines Lebens hinter sich hat, so generell sagen und von sich behaupten, dass man dann noch einmal in einen Kreis kommt, in dem man die Aufgabe übernehmen muss, verjüngend zu wirken. Das andere: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, wie es da zugeht, ich werde mich da erst einmal einfinden müssen. Da sind ja viele andere von den 107 oder 109, die da gegenwärtig wahlberechtigt sind, und darüber hinaus sind ja auch noch die da, die das 80. Lebensjahr vollendet haben – alles Mitbrüder mit einer reichen Lebenserfahrung und einer reichen Erfahrung im Amt, da wird es mir wohl erst einmal gut anstehen, zuzuhören und zu schauen, wie es dort eigentlich gehet. Und dann werde ich sicherlich das, was ich zu sagen habe, in der dafür vorgesehenen Weise dann auch tun und ansprechen.“ Rv 120106pr

epGerhardLudwigMüllerRx     Bischof Gerhard Ludwig Müller nach Rom berufen

Bischof Gerhard Ludwig Müller nach Rom berufen

   Papst Benedikt XVI. hat 02. Juli 2012 den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt. Müller wird gleichzeitig zum Erzbischof erhoben. Er folgt auf den US-amerika- nischen Kardinal William Levada, der aus Altersgründen zurückgetreten ist.
   Erzbischof Müller wird künftig auch die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ leiten, die sich um den Dialog mit den Piusbrüdern kümmert. Des Weiteren wird der neue Präfekt der Glaubenskongregation auch die Päpstliche Bibelkommission und die Internationale Theologische Kommission leiten.
   Der 64-jährige Müller wird somit den drittwichtigsten Posten in der Hierarchie der römischen Kurie besetzen. Bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 stand Benedikt XVI. selbst mehr als zwei Jahrzehnte lang dieser Vatikan-Behörde vor, die sich um die katholische Lehre und den Glauben kümmert. Müller kam am 31. Dezember 1947 in der Nähe von Mainz auf die Welt. Am 11. Februar 1978 wurde er in Mainz-Finthen durch Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht. 1986 dozierte Müller an der Ludwig-Maximilians-Universität in München auf dem Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte. In der deutschen Bischofskonferenz ist Müller derzeit stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission, Vorsitzender der Ökumenekommission und Mitglied der Kommission„Weltkirche“.RV120702mg

   Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte sich schon früher direkt zu den anhaltenden Spekulatio- nen um seine mögliche Berufung an die römische Kurie geäußert. Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ bestätigte der 64-Jährige, dass es „schon Gespräche mit Rom darüber“ gegeben habe.
   Konkret geht es um die Nachfolge von Kardinal William J. Levada siehe den nachfolgenden Bericht als Präfekt der Glaubenskongregation. Der 75-jährige US-Amerikaner hat bereits altersgemäß seinen Rücktritt eingereicht, Papst Benedikt XVI. hat aber noch nicht darüber entschieden. „Es würde mich nicht in dem Sinne reizen, dass ich es für mein eigenes Ego bräuchte, aber es ist natürlich eine Tätigkeit, die mit meinem bisherigen Werdegang als Theologie-Professor viel zu tun hat“, ließ sich Müller von der dpa zitieren. Wenn ihn der Ruf ereilte, könnte man, so der Bischof, „formell natürlich Nein sagen, aber es gehört sich einfach nicht, dem Papst gegenüber Nein zu sagen.“ Auch wenn es sich bei der Leitung einer Diözese um eine „ureigene, schöne Aufgabe“ handele, die niemand leichtfertig aufgebe. Am Ende entscheide Benedikt XVI., „wann, wie und wen“ er auf dem Posten haben wolle.
Müller habe indes durch prägnante Äußerungen zu den Piusbrüdern aufhorchen lassen.
   Als der Papst seine Versöhnungsinitiative startete, ließ der Regensburger Bischof, in dessen Diözese die tradi- tionalistische Bruderschaft zu seinem großen Missfallen ein internationales Priesterseminar betreibt, frühzeitig starke Skepsis anklingen. Müller hält die Piusbrüder nicht für kirchlich resozialisierbar, weil sie aus seiner Sicht einem falschen Traditionsverständnis verhaftet sind. Seine Berufung an die Spitze der Glaubenskongregation würde wohl als Signal dafür verstanden, dass die Bruderschaft mit einem weiteren Entgegenkommen Roms nicht rechnen kann, schreibt die KNA weiter. Zumindest wäre es schwerer, den Prozess weiter in der Schwebe zu halten - woran nicht nur die Piusbrüder ein Interesse haben dürften.
   „Nicht nur Freunde“ gemacht habe sich der Deutsche an der Kurie auch durch sein auf tiefer Überzeugung fußen- des Eintreten für die Befreiungstheologie in Lateinamerika. Das ließe sich auch am Presseecho ablesen. Während die dpa Müller als „Hardliner“ unter den Bischöfen eingestuft hat, gelte der Bischof in manchen italienischen Veröffentlichungen als „linksradikal“, hält die KNA entgegen. Auch in dieser Hinsicht „wäre es bemerkenswert, wenn der Papst Müller in jenes Amt holte, das er selbst einst ausübte“. RVkna120216gs
Ein Interview mit Bischof Gerhard Ludwig Müller finden Sie auf unserer Seite > Reformation

cdd-aepGerhardLudwigMüller2  Interview mit Erzbischof Gerhard Ludwig Müller:

 „Unsere Aufgabe ist es, Güte Gottes zu verkünden“

   Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat am 01. Juli 2012 sein neues Amt als Präfekt der vatikanischen Kongre- gation für die Glaubenslehre angetreten. Im Gespräch mit Mario Galgano geht er auf seine künftige Tätigkeit und die damit verbundenen Herausforderungen ein.
Wie fühlen Sie sich und erwarten Sie sich von Ihrer neuen Tätigkeit hier im Vatikan?
   „Ich fühle mich wie ein Schüler in der ersten Klasse. Sehr vieles ist neu für mich. Die inhaltliche Arbeit kannte ich bereits, weil ich seit fünf Jahren Mitglied bei der monatlichen Versammlung der Glaubenskongregation bin, die bestimmte Themen bearbeitet. Trotzdem ist all das eine große Umstellung - von einem Ortsbischof zu einem Bischof an der römischen Kurie.“
Welche Akzente möchten Sie gerne setzen? Was würden Sie gerne in Ihre Arbeit einbringen?
   „Unsere Kongregation und die römische Kurie sind da, um den Heiligen Vater in seinem Lehr- und Hirtenamt zu helfen. Das wichtigste in der Kirche ist der Glaube, der uns geschenkt worden ist durch die Offenbarung Gottes in Jesus Christus zum Heil aller Menschen. Darum ist es unsere Aufgabe, die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes zu verkünden, die uns im Glauben geschenkt worden ist. Deshalb ist es sicher auch wichtig, dass jene, die ihre Vorurteile und Klischees oder Stereotypen haben, dies überwinden, wenn sie auf die römische Kurie schauen. Es sind alle Mitbrüder und Mitschwestern, die hier arbeiten und im Dienste der Universalkirche sich bemühen, um etwas zu erbringen, um Gutes für die ganze Kirche zu tun. Das ist insbesondere in unserer Zeit sehr wichtig. Wir leben einerseits in einer Welt, in der der Mensch aus säkularer Sicht betrachtet wird. Das müssen wir in einer positiven Sicht überwinden. Der Mensch ist da, um Gott zu erkennen und Gott zu lieben. Aus dieser Gottesliebe heraus soll etwas Positives kommen für die Gesellschaft und für sich selber, indem sich der Mensch als Ebenbild Gottes erkennt und seine Würde erfasst. Es geht darum, dass man da ist für die Familie oder im Kreis der Arbeitskollegen, aber auch in den großen Bereichen, in denen wir uns bewegen. Das wären Bereiche wie Wirtschaft, Politik, Kultur. Das sind große Lebensbereiche der Menschen. Hier wäre es sehr wichtig, dass wir das Positive und Aufbauende sowie Konstruktive des Christentums in den Mittelpunkt stellen.“
Zum Umgang mit Kritikern
   Das können wir – und das ist der zweite Punkt – nur wenn wir die Suche des Menschen nach Gott und der Wahrheit wieder voll und ganz aufnehmen. Gott kann niemals ein Randthema sein. Wenn wir uns auf Gott, auf Jesus Christus besinnen, dann können wir auch in der Kirche manche Spannungen abbauen. Das gilt auch für die Missverständnisse. Es darf nicht sein, dass die Einheit der Kirche Gottes gestört wird durch Ideologien, sekten- hafte Art – am linken oder rechten Rand –, die auf sonderbare Weise kollaborieren und so der Kirche schaden. Diese Gruppierungen haben leider in manchen Medien mehr Resonanz als die vielen Millionen Gläubigen, die den Weg der Nachfolge Jesu Christi gehen und Vieles und Gutes leisten für den Aufbau der Kirche.“
Wie könnte man Ihrer Meinung nach das Positive in der Kirche stärken? Wie möchten Sie das machen?
   „Die Kongregation für die Glaubenslehre ist nicht die Nachfolgerin der Inquisition, wie es ein bisschen reakti- onär und konservativ in der Berichterstattung heißt, weil man sich nicht die Mühe macht, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen. Die Inquisition hatte ja damals 1542 die Aufgabe, die Häresien und Irrtümer ihrer Zeit abzuwehren. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die Glaubenskongregation gegründet worden mit der Aufgabe, den katholischen Glauben zu fördern. Der Glaube ist ja ein Heilsereignis. Es geht um das Heil des Menschen und der ganzen Menschheit. Das möchten wir positiv einbringen. Der Heilige Vater hat das Jahr des Glaubens ausgerufen. Es begann mit dem Konzilsjubiläum und mit der Synode im Oktober 2012. Die Glaubenskongregation hat angeregt, dass man in der Welt von heute die Kenntnisse des Glaubens vertiefen sollte. Viele Katholiken wissen leider nicht, was eigentlich unser Glaube im Inhalt nach ist und lassen sich deshalb vielleicht auch gegen die Kirche aufbringen, weil sie etwas Falsches glauben. Man soll eben nicht das Falsche und den falschen Leuten glauben, sondern man soll das glauben, was Gott für uns getan hat. Darauf dürfen wir bauen und denen vertrauen, die unsere Brüder in Schwestern sind. Die Bischöfe sind ja nichts anderes, die im Auftrag Christi das Lehramt ausüben.“
Sie werden als Präfekt der Glaubenskongregation verschiedene Aufgaben innehaben. Unter anderem werden Sie die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ leiten, die sich um den Dialog mit Traditionalisten wie etwa die Piusbrüder kümmert. Was erwarten Sie von diesen Gesprächen und was würden Sie selber gerne einbringen?
   „Das Ziel ist immer die Einheit der Kirche und der Gläubigen mit der Kirche. Man kann nur dann katholisch sein, wenn man voll und ganz den Glauben der Kirche anerkennt. Dazu gehört auch das Lehramt und vom Lehramt ist auch das Zweite Vatikanische Konzil ein ganz bedeutender Teil. Deshalb ist es wichtig, dass auch innere Blocka- den überwunden werden, die es dort bei Gruppierungen an den Rändern gibt und dass man sich einfach öffnet und Vertrauen hat zu unserem Heiligen Vater Benedikt XVI. und all denen, die in seinem Auftrag tätig sind. Es geht nicht darum, irgendwie jemanden zu zwingen oder nötigen, sondern es geht darum, dass wir die Freiheit des Glaubens und die Freiheit der Kinder Gottes, aber auch die Fülle der Offenbarung Gottes anerkennen, die der Kirche und damit dem Lehramt zur treuen Auslegung anvertraut worden ist. Deshalb rufe ich alle, die Schwierig- keiten damit haben, von Herzen dazu auf, Vertrauen zu fassen und die Einheit der Kirche sowie die Wahrheit des Glaubens zu suchen. Einheit der Kirche und Wahrheit des Glaubens bilden zwei Seiten einer Münze.“
Sie kommen wie der Papst aus Deutschland. Hat das eine besondere Bedeutung für Ihr Amt?
   „Deutschsein ist nichts Schlechtes. Es ist eine große europäische Kultur, aber eben nicht die einzige. Wir sind auch nicht eine deutsche Nationalkirche, die jetzt irgendwie sagt, wir hätten einen Posten errungen. Das ist ja kein Fußballspiel, wo man sich dann freut, wenn der eine aus der eigenen Mannschaft gewonnen hat. Wir sind vielmehr eine große Familie Gottes. Es ist bezeichnend, dass am Anfang der Kirche das Pfingstereignis steht. Da gab es die vielen Sprachen und Kulturen, die zusammenkamen. Ich freue mich, dass es hier so viele Sprachen und Kulturen gibt. Da fühlen wir uns ganz gut brüderlich verbunden. Auch brauchen wir es nicht zu leugnen, dass Deutsch meine Muttersprache ist und gleichzeitig auch die Sprache des Heiligen Vaters. Auch die entsprechende Kultur und vor allen Dingen die Universitätskultur und theologische Kultur, die wir gehabt haben, sind sehr be- deutsam. Aber auch die Tatsache, dass Deutschland ein konfessionell geteiltes Land ist; Theologen aus Deutsch- land haben deshalb unmittelbar etwas mit dem evangelischen Christentum zu tun und müssen auch ökumenisch orientiert sein. Ökumene heißt ja keineswegs, dass man den eigenen Glauben aufgibt, sondern dass wir den eigenen katholischen Glauben so verständlich machen, dass er auch von anderen Seiten in einladender Weise verstanden wird. Wir können unseren Glauben sehr gut und auch intellektuell sowie spirituell vertreten, ohne andere zu brüskieren. Deshalb hoffen wir, dass der ökumenische Prozess weitergeht und einstmals Gott uns die Gnade schenkt, dass alle Christen in der einen und sichtbaren Kirche vereint sind, in der wir gemeinsam das Lob Gottes beten und gemeinsam den Glauben bekennen und gemeinsam in den Sakramenten das göttliche Leben empfangen.“
Sie haben bisher das Bistum Regensburg geleitet. Was wünschen Sie den Gläubigen in Ihrem – nun ehema- ligen – Bistum?
   „Ehemalig nur in Anführungszeichen, weil ich noch der emeritierte Bischof von Regensburg bin und das ist meine Heimatdiözese. Dort bin ich mit vielen Menschen in der Pastorale und Verkündigung zusammengekommen. Viele kenne ich persönlich sehr gut. Ich habe auch an vielen – auch schwierigen – Lebensschicksalen teilgenommen. Insofern fühlt man sich immer als Pastor – also Hirte – und ich wünsche allen und jedem Einzelnen die Erfahrung der Liebe Gottes in ihrem persönlichen Leben. Das wünsche ich auch dem gesamten kirchlichen Leben. Vor allem auch, die Spannungen, die es immer wieder gibt, zu überwinden und sich in die Einheit der Familie Gottes hinein- zubegeben, von der man auch getragen wird, wenn man einen guten familiären Hintergrund hat. Das gilt sowohl für die persönliche Familie als auch für die große Familie der Gemeinde, Pfarreien, der Diözese sowie der ganzen Weltkirche. Dann macht das Leben auch Freude. Denn wir sind alle Kinder Gottes.“
Gibt es noch einen besonderen Wunsch, den Sie gerne äußern möchten?
   „Ich möchte auch öffentlich dem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., danken für das große Vertrauen, dass er mir geschenkt hat. Es ist ja eine Teilhabe an seiner Sendung und seiner Aufgabe, für die ganze Weltkirche zu sorgen. Ich weiß, dass wir Menschen immer eine begrenzte Kraft haben. Insofern bitte ich den Heiligen Vater, aber auch alle Mitchristen in Rom und in der ganzen Welt um das Gebet, dass wir in einem guten und brüderlichen Geist zusammenwirken können für den Weg der Kirche des 21. Jahrhunderts. Dass wir vor allen Dingen an der großen Aufgabe der Neuevangelisierung – auch unseres europäischen Kontinents – mitarbeiten und niemals den Blick auf die ganze Weltkirche verlieren.“ RV120704mg

neuer Präfekt der Glaubenskongregation
  
Papst Benedikt XVI. hat den aus Altersgründen eingereichten Rücktritt von Kardinal William Joseph Levada (76) als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Präsident der Päpstlichen Kommission »Ecclesia Dei« sowie der Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission angenommen. Zu seinem Nachfolger in allen Ämtern hat er den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller (64), nach Rom berufen und ihn gleichzeitig in den Rang eines Erzbischofs erhoben.
   Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die älteste und in dogmatischen Fragen höchste vatikanische Kurienbehörde. 1542 unter Papst Paul III. als »Kongregation der Römischen und Universalen Inquisition« ins Leben gerufen, solle sie nach der Reformation den katholischen Glauben rein erhalten, Glaubensverstöße unter- suchen und gegebenenfalls bestrafen. 1908 wurde die Inquisitions-Kongregation zum »Heiligen Offizium«. Im Mittelpunkt steht die Sektion für Lehrfragen. Dort werden theologische Veröffentlichungen auf ihre Vereinbarkeit mit der katholischen Lehre untersucht.
   Geleitet wird die Behörde mit ihren rund 30 Mitarbeitern von einem Präfekten. Dies war von 1981 bis 2005 Joseph Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI. Danach stand ihr der US-Kardinal William Joseph Levada vor. Seit dem 2. Juli ist der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller der neue Präfekt der Behörde.  OR120706

   Der neue Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene die Lehre der katholischen Kirche bekräftigt. Eine Ehe unter Christen sei unauflöslich und umfasse „das Versprechen der lebenslangen Treue“, sagte der Erzbischof zwei bayerischen Tageszeitungen, der „Passauer Neuen Presse“ und der „Mittelbayerischen Zeitung“. Die Kirche sehe aber auch „die schwierige Situation der betroffenen Eheleute in einer Gemengelage von Schuld, die nicht immer gleich verteilt ist“. So könne der Ortspfarrer „in der Beurteilung der einzelnen Situation Gründe sehen, darauf einzugehen“. Doch sollten sich Betroffene „nicht auf den Empfang der Kommunion allein konzentrieren“, rät Müller. Es gebe „zu Un- recht die Einschätzung: Wenn ich nicht zur Kommunion gehen kann, bin ich umsonst in der Kirche“, betonte der Präfekt der Glaubenskongregation. „Das ist nicht der ganze katholische Glaube.“ Müller verwies auch auf das Los der Kinder bei einer Trennung. Es gebe „viele Tragödien“, wenn Kinder beobachten müssten, „dass aus Liebe Hass wird". Aus diesem Grund müsse die Kirche „eine Mentalität hinterfragen, die das Versprechen der Familien- gründung zu locker sieht“. RV120707kna

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Fotos: Erzbischof Ladria Ferrer mit Benedikt in Castel Gandolfo. Gianni Cardinale spricht mit dem neuen Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer

Herr Erzbischof, warum wurden Sie Jesuit? 
   Ich habe einen Weg vor mir gesehen und diesen eingeschlagen. Diesen Weg, den der Berufung, konnte ich eigentlich schon erkennen, als ich das Jesuiten-Kolleg in Palma de Mallorca besuchte, und dann auch in der Zeit meines Jurastudiums in Madrid. Ich studierte zwar Recht, aber eigentlich war mir klar, dass es nicht das war, was ich wollte. Ich wollte Priester werden und mir gefiel die Gesellschaft Jesu, die ich kennen gelernt hatte. Es hatte sich also ein Weg vor mir aufgetan, den ich fast schon selbstverständlich eingeschlagen habe.
War Ihre Familie sehr religiös?
   Ja, ziemlich.
Gibt es einen Priester, der Sie besonders beeindruckt hat?
   Ja, sicher. Die Patres des Kollegs, das ich besuchte – das alte, 1561 gegründete Kolleg von Monte Sion. Aber es war eigentlich das ganze Ambiente, das Klima, das dort herrschte, was mich letztendlich dazu veranlasst hat, mich ganz dem Herrn zu widmen.
1968 haben Sie Ihr Ordensgelübde abgelegt. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses so turbulente Jahr?
   Es war auch in Spanien ein turbulentes Jahr. Aber ich ließ mich davon nicht stören, legte mein Gelübde ab, ohne groß auf diese Turbulenzen zu achten. Studieren machte mir Spaß, und so studierte ich eben.
Haben Sie nie die Faszination des 68er Jahres verspürt?
   Ein bisschen hat uns das wohl alle beeinflusst, in meinem Fall hielt sich das allerdings in Grenzen.
Wer waren Ihre Lehrer?
   Einige von ihnen möchte ich gerne nennen. In Frankfurt, wo ich Theologie studierte, waren meine Professoren der spätere Kardinal und große Dogmatiker Pater Grillmeier; Pater Otto Semmelroth und Herman Josef Sieben, der damals am Anfang seiner akademischen Laufbahn stand, aber einer der wichtigsten Experten des Konzils werden sollte. In Rom promovierte ich bei Pater Antonio Orbe, einem bedeutenden Patrologen;  meine Professoren dort waren die Patres Juan Alfaro und Zoltan Alszeghy.
Sie haben auch in Deutschland studiert. Sind Sie nie Professor Ratzinger begegnet?
   Nicht persönlich. Aber ich habe seine Werke kennen gelernt. Besonders die Einführung in das Christentum, sein damals bekanntestes Werk, und sein Buch über das neue Volk Gottes. An unserer Fakultät zirkulierten auch Vorlesungsskripten von Professor Ratzinger.
Und wann haben Sie unseren heutigen Papst persönlich kennen gelernt?
  1992, als ich Mitglied der Internationalen Theologenkommission wurde. Ich denke noch heute gern an die lebhaf- ten Diskussionen zum Thema der Beziehungen zwischen Christentum und den anderen Religionen zurück. Die Beiträge Kardinal Ratzingers waren immer sehr präzise und tiefgründig, das Niveau der Diskussion ausgesprochen hoch. Die Arbeit dieser Kommission war sehr interessant, und nicht nur wegen der von ihr behandelten, aus- nahmslos wichtigen Themen, sondern auch wegen des internationalen – und katholischen – Klimas, das dort herrschte.
Waren Sie in irgendeiner Form an der Abfassung von Dominus Iesus beteiligt?
   Nein.
Sie haben an der Gregoriana mit einer Habilitationsschrift über Hilarius von Poitiers promoviert. Warum diese Wahl, was hat Sie an diesem Heiligen fasziniert?
  Das Thema wurde mir von Pater Orbe vorgeschlagen, der sich für diesen Kirchenvater interessierte. Und ich hatte Glück: über Hilarius gab es nämlich keine reichhaltige Bibliographie, und so konnte ich mich gleich auf die Original- texte konzentrieren.  Man hatte sich damals noch nicht viel mit ihm befasst. Dann jedoch sind vor allem in Frank- reich zahlreiche Werke über ihn erschienen und es waren viele Übersetzungen in Umlauf. Und doch ist das der Beweis dafür, dass die patristische Ära in der lateinischen Kirche nicht bei Augustinus beginnt, der Hilarius nicht nur kannte, sondern ihn auch oft zitierte.
Worin liegt die Aktualität des Hilarius?
   Wir sollten nicht soviel Energie darauf verschwenden, die Aktualität der Kirchenväter finden zu wollen. Wenn wir sie einfach nur mit Genuss lesen, finden wir nämlich viel leichter den Zugang zur Frische der Botschaft des Evangeliums, zu Jesus. Und das ist ein bleibender Wert, der mehr als aktuell ist. Ein Wert, der schon von seinem Wesen her facettenreich ist, sich von Minute zu Minute ändert. Die Kirchenväter sind eine Quelle, die zu einer Zeit entspringt, die nicht weit von der Zeit der Apostel entfernt ist. Und das macht sie allzeit aktuell.
Sie haben lange an der Gregoriana unterrichtet, waren auch Vizerektor. Was haben Sie in diesen Jahren ge- lernt?
  Dass ich acht Jahre lang Vizerektor war, hat nicht viel zu sagen. Das, was zählt, waren der Unterricht, die Betreu- ung der Doktoranden. An der Gregoriana habe ich gelernt, mich in einem internationalen Umfeld zu bewegen, mit Studenten aus mehr als 100 Ländern, verschiedenen Sprachen, Rassen und Kulturen. Alle vereint durch die Liebe zum Studium, vor allem aber zum Herrn und seiner Kirche. An einer wahren Universität lernen nicht nur die Studenten von den Professoren, sondern auch umgekehrt. Und ich habe viel von meinen Studenten gelernt.
Wie fühlt man sich als erster Jesuit, der dieses Amt innehat?
   Dieses Problem hat sich mir eigentlich nicht gestellt. Obwohl es ganz so aussieht, als wäre dieses Amt tatsäch- lich noch nie von einem Jesuiten ausgeübt worden. Ich glaube, dass sich der Heilige Vater nicht für mich entschie- den hat, weil ich Jesuit bin, sondern weil ich ihm für dieses Amt am geeignetsten erschien.
Wie haben Sie von Ihrer Ernennung erfahren?
   Es war eine große Überraschung. Nie hätte ich gedacht, dass das mein Schicksal sein würde. Und damit war ich nicht allein: immerhin wurde mein Name auch in der Presse nie erwähnt. Bis mir am Abend des 24. Juni dann eröffnet wurde, dass mir Papst Benedikt dieses Amt zu übertragen gedachte. Ich habe dann dargelegt, wie ich selbst zu dieser Aussicht stand, aber keinen Zweifel an meinem Willen gelassen, die Entscheidung des Heiligen Vaters anzunehmen.
Mussten Sie als Jesuit nicht erst auch Ihren General um Erlaubnis fragen? 
   Ja, wir Jesuiten haben ein Gelübde, das es uns verbietet, Bischofsämter anzunehmen, es sei denn des Gehor- sams halber. Und der General hat mir gesagt, dass ich den Willen des Papstes akzeptieren müsste.
Wofür interessieren Sie sich – außer Theologiebüchern – noch?
   Ich höre gern Musik. Am liebsten klassische, besonders Johann Sebastian Bach. Mir gefallen aber auch andere Komponisten.
Der Papst hat Sie und Kardinal Levada in Castel Gandolfo in Audienz empfangen: Ihre erste Audienz als Sekretär der Glaubenskongregation. Was können Sie uns dazu sagen?
   Es war eine schöne Erfahrung. Der Heilige Vater war herzlich und zuvorkommend wie immer.
Welche sind die wichtigsten Fragen, mit denen sich die Kongregation beschäftigen muss?
   Ich kann sagen, dass unsere Kongregation mit der Förderung und dem Schutz des katholischen Glaubens be- fasst ist. Zuerst mit der Förderung und dann, wenn nötig, mit dem Schutz. Aber ich kann nicht ins Detail gehen. Unsere Kongregation ist sehr diskret und äußert sich daher ausschließlich durch ihre Dokumente. 30Giorni0806

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   Benedikt XVI. hat zwei wichtige Neuernennungen im Vatikan vorgenommen. Den Franzosen Jean Laffitte, bisher Vize-Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, macht er zum Sekretär des Familienrates; Laffitte wird in nächster Zeit auch Bischof. Im Päpstlichen Friedensrat hingegen wird Mario Toso Foto oben links der neue Sekretär; er war bislang Rektor der Päpstlichen Salesianer-Universität in Rom. Auch Toso wird Bischof. Der bishe- rige Amtsinhaber des päpstlichen Friedensrates, Kardinal Renato Raffaele Martino, hat die Altersgrenze erreicht. Kardinal Peter Turkson aus Ghana Foto oben rechts hat das Amt des „Friedensministers“ übernommen. Turkson spielte auf der Afrika-Synode im Vatikan eine wichtige Rolle. Rv091022

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 Hamburger ist  Radio-Vatikan-Chef

   Der Jesuitenpater und frühere Hamburger Jugendseelsorger Bernd Hagenkord (40) ist zum Leiter der deutsch- sprachigen Sektion von Radio Vatikan ernannt. Der 40-Jährige ist Nachfolger des Jesuiten Eberhard von Gemmin- gen (73), der eine neue Aufgabe in seinem Orden in München übernimmt, teilt das Erzbistum Hamburg mit.
   Bernd Hagenkord wurde 1968 im westfälischen Hamm geboren. Er studierte Geschichte und Journalismus in Gießen und Hamburg sowie Philosophie und Theologie in München und London und wurde 2002 zum Priester geweiht. Von 2002 bis 2008 arbeitete er als Jugendseelsorger der Katholischen Studierenden Jugend in Ham- burg. Danach absolvierte er in Chile den letzten Abschnitt seiner Ordensausbildung.
   Radio Vatikan sendet seit 1931 und berichtet über den Vatikan, den Papst, die römisch-katholische Kirche und Lehre. Der Sender kann über Mittel- und Kurzwelle, Satellit und Internet empfangen werden. Das Programm liefern 35 Sprachredaktionen in 47 Sprachen. Der deutschsprachige Dienst sendet das tägliche Nachrichtenmagazin «Treffpunkt Weltkirche» (16 Uhr) und eine Magazinsendung mit wechselndem Schwerpunkt (6.20 und 20.20 Uhr).  Patert Eberhard von Gemmingen stand der deutschen Redaktion seit 1984 vor.  HA090923dpa

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 Jean-Louis Tauran – ein Diplomat im Vatikan

   Man muss sich den französischen Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, der  Papst Benedikt XVI. auf dessen schwie- riger Pilgerfahrt im Heiligen Land bei den Muslimen zur Seite stand, als einen glücklichen Menschen vorstellen. Als Präsident des vatikanischen  „Rates für den Interreligiösen Dialog" mag sich der Franzose, am 5. April 1943 in Bordeaux geboren, von Zeit zu Zeit bei seinem Landsmann, dem Schriftsteller Albert Camus, Trost holen. Denn der Dialog zwischen den Führern verschiedener Religionen ist ein schwieriges Geschäft und zwischen Christen und Muslimen, zwischen Kirche und Moschee ein besonders heikles, das drei Fähigkeiten erfordert: Geduld, Geduld, Geduld, die ruhige, schweigende, nie verzagende des Sisyphos.
   Dieser Kraft wegen holte Benedikt XVI. den damaligen Archivar und Bibliothekar der Römischen Kirche ins profes- sionell-politische Geschäft zurück. Deshalb war Kardinal Tauran auf der Pilgerreise des Papstes in Jordanien immer in Rufweite. Zum 1. September 2007, musste der Franzose die alten Pergamente und dicken Folianten in die Regale zurückstellen und den Dialog mit dem Islam, dessen wichtigen politischen und religiösen Führern, auf- nehmen, als Nachfolger von Kardinal Poupard. Denn damals waren die Folgen der Regensburger Rede des Papstes vom 12. September 2006 abzuarbeiten; die Muslime unterschiedlichster Richtung und Herkunft mussten davon abgebracht werden, den „Dialog" mit dem Katholizismus vorwurfsvoll, eigenwillig und erhitzt zu führen. Kardinal Tauran stand für mehr professionelle Ordnung wegen seiner Erfahrungen;
   Aus der Arbeit in der Seelsorge der französischen Provinz wurde Jean-Louis Tauran, ein Liebhaber der Musik und besonders der kunstvollen Kompositionen Johann Sebastian Bachs, nach Rom berufen. Schon im Dezember 1990 wurde ihm, erst 47 Jahre alt, die Leitung der Zweiten „Sektion" im Staatssekretariat übertragen, jener Abteilung (unter wechselnden Namen in der jahrhundertelangen Geschichte der Papst-Kurie), die für die Beziehungen zu den Regierungen (und in der modernen Zeit zu den internationalen Organisationen) zuständig ist; dieser vatika- nische „Außenminister" wacht darüber, was sich in den einzelnen Staaten mit der Religion so tut. Bis zum Novem- ber 2003 leitete er die vatikanische Diplomatie. Stets ließ sich der lieber schweigsame als redselige Erzbischof gern von anderen erzählen, was los war auf der Welt. Doch Kardinal Tauran kennt die Lage in den Ländern mit Muslimen nicht nur vom Hörensagen und trockenen Aktenstudium, sondern aus eigener Anschauung, die immer wieder durch Berichte der Patriarchen, Erzbischöfe und Priester aus den muslimischen Staaten mit kleinen christlichen Gemeinden, den Bewährungsstellen des Dialogs, aufgefrischt wurden. Da ist der Franzose schon glücklich, wenn der Stein der gemeinsamen Bemühungen nicht zurück rollt.
FAZ090512Heinz-JoachimFischer

cdAntonioCanizLl-B-xx Vatikan-China-Taiwan: Fronten brechen auf

   Taiwans Botschafter beim Heiligen Stuhl hat seinen Abschiedsbesuch bei Papst Benedikt XVI. absolviert. Über In- halte der Begegnung gab der Vatikan nichts bekannt. Chou-seng Tou vertrat seine Regierung seit Anfang 2004 beim Vatikan. Zu Ostern 2006 hatte er sich durch den Leiter der Personalprälatur Opus Dei taufen lassen. Offiziell wird der Gesandte Taiwans als Botschafter von China tituliert. Der Heilige Stuhl gehört zu den 23 Staaten, die mit der Republik China (Taipeh) und nicht mit der Volksrepublik China (Peking) diplomatische Kontakte unterhalten. Als Voraussetzung für eine Normalisierung des Verhältnisses zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik ver- langt Peking immer wieder einen Abbruch der Beziehungen zu Taiwan. Allerdings schreitet seit einigen Monaten die Politik der Öffnung zwischen China und Taiwan voran. In Kürze sollen chinesische Touristen die dem Festland vorgelagerte Insel mit einem Visum besuchen können. Jüngst wurden nach einer Unterbrechung von 60 Jahren Direktflüge zwischen Taipeh und China wiedereingeführt. rv080804gs

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Der Vatikan in der Offensive. Foto links: Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone
Foto rechts: der vatikanische “Außenminister” Erzbischof Dominique Mamberti

   Erst der Vize-Präsident Syriens, dann Israels Staatschef Schimon Peres und schließlich der Außenminister Saudi Arabiens, Prinz Saud AI Faisal: Innerhalb weniger Stunden hat Papst Benedikt führende Politiker des Vorderen Orients empfangen. Hinter verschlossenen Türen betrieben Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und der vatikanische „Außenminister” Dominique Mamberti mit den hohen Gästen das, was Beobachter gerne die „stille Diplomatie” des Heiligen Stuhls nennen.
   Was den Nahen Osten und die arabischen Staaten angeht, so ist der Vatikan in die Offensive gegangen. Erst Anfang August 2007 hatte der Papst einen Botschafter für die Vereinigten Arabischen Emirate ernannt. Auch gibt es jetzt einen Apostolischen Delegaten für die Arabische Halbinsel. Wie Erzbischof Mamberti erklärte, soll davon eine positive Wirkung auf andere Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung ausgehen. Aber auch Israel will man pflegen. Möglichst bald möchte der Papst den Judenstaat besuchen.
  Der Vatikan kämpft um die Präsenz der Christen in der Region, wo das Christentum entstanden ist. Wer weiß schon, dass Ausländer etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten siebzig Prozent der Bevölkerung stellen, von denen wiederum über die Hälfte Christen sind? Und auch in Saudi-Arabien soll sich die Zahl der katholischen Philippiner auf eine Millionen Menschen belaufen. In anderen Gegenden, wie etwa in Israel oder den Palästinser- gebieten und vor allem im Irak, geht die Zahl der Christen dramatisch zurück. Aber Rom gibt nicht auf. Wenn den Katholiken der Dialog und die Zusammenarbeit mit den Muslimen des Orients gelingt, käme es nicht zum „Zusam- menprall der Kulturen.” ghoDT070908
Sensationelle Begegnung
  Die Begegnung des saudiarabischen Außenministers mit dem Papst wird als sensationell betrachtet. In dem arabischen Königreich ist der Islam in seiner wahabitischen Auslegung - einer im 18. Jahrhundert entstandenen, besonders rigorosen Version - Staatsreligion. Die wahabitische Theologie geht davon aus, dass auf dem Boden des Königreichs - wegen der Präsenz der “heiligen Stätten Mekka und Medina” - keine andere Religion als der Islam ausgeübt werden darf. Die saudiarabischen Grenz- und Zollbehörden sind angewiesen, die Einfuhr von Bibeln, christlichen Gebetbüchern, Ikonen, Kreuzen, Rosenkränzen, Andachtsgegenständen aller Art zu verhindern. Jede christliche Religionsausübung - auch in Wohnungen - ist untersagt. Eine eigene Religionspolizei sorgt dafür, dass diese Verbote eingehalten werden.
    Wegen der innigen Verbindung zwischen dem saudischen Königshaus und den Machtzentren der USA werden die schwer gegen die Menschenrechte verstoßenden Gepflogenheiten des Königreichs von der westlichen Politik stillschweigend akzeptiert. In den letzten Jahren ist den Spitzenrepräsentanten des saudischen Königshauses klar geworden, dass das bisherige System zum Scheitern verurteilt ist. Einerseits sind in Saudiarabien Millionen christlicher “Gastarbeiter” präsent, andererseits sind die Bewohner des Königreichs über Internet und Satelliten- TV in die internationale Kommunikation eingebunden. Die wahabitische Ideologie hat diesen Einflüssen nichts entgegenzusetzen. KAP070910

Der Außenminister des Papstes Dominique Mamberti ist ein erfahrener Diplomat

   Den Anfang hätte man sich kaum schwieriger vorstellen können für den neuen vatikanischen Außenminister, Erzbischof Dominique Mamberti. Kaum hatte sein oberster Dienstherr, Papst Benedikt XVI., noch in freundlicher Gelassenheit den Besuch seiner geliebten bayerischen Heimat beendet, da brodelte und brauste es schon von islamischen Protestlern heran, am Tag der Ernennung von Erzbischof Mamberti zum „Sekretär” der „Zweiten Sektion” im vatikanischen Staatssekretariat, der Leitstelle in der Kurie „für die Beziehungen zu den Staaten”.
  Die Ernennung scheint ein Glücksfall für die schwierigen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und „dem Islam” zu sein, seinen leicht erregbaren Massen, den religiösen und politischen Autoritäten, den Gottes- gelehrten und Intellektuellen sowie den Wechselwirkungen zwischen allen in den Ländern von Marokko bis Indonesien und Nigeria bis Norwegen.
   Dominique Mamberti wurde am 7. März 1952 als Sohn korsischer Eltern in Marrakesch geboren, also als katho- lischer „Franzose” in einem muslimischen Meer. Da weiß er schon mal, dass heftiges Geschrei und wüste Be- schimpfungen wie in einem Basar nicht immer auf die Goldwaage zu legen sind. Er weiß aber auch, dass der Prophet Mohammed gleichsam das „Allerheiligste” für einen gläubigen und auch nicht so gläubigen Muslim ist. Der Erzbischof hätte also dem Professor Ratzinger das Zitat mit dem „Schlechten und Inhumanen” bei Mohammed aus dem Vorlesungsmanuskript gestrichen, wenn er denn da schon im Amt gewesen wäre und ihn Benedikt gelassen hätte.
   Das Handwerk eines päpstlichen Diplomaten lernte der Vielsprachige - Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch; für das Arabische reichte die Zeit bisher nicht so recht - nach der Priesterweihe 1981 (für die korsische Diözese Ajaccio) und nach den Studien (mit Promotion) der beiden Rechte, des kirchlichen und des zivilen.
   Nach dem Eintritt in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls im März 1986 schickten die Vorgesetzten den Vielversprechenden nach Algerien, Chile, an die Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York und in den Libanon, bevor sie ihn in die Zentrale zurückholten, zum Feinschliff. Um ihn auch auf richtig ungemütlichen Posten zu erproben, sandte man Mamberti im Mai 2002 als Nuntius in den Sudan und als Apostolischen Delegaten nach Somalia. In Khartum war auch der bisherige Nuntius in Deutschland, Erzbischof Ender; der kann ein Lied von den dortigen Zuständen erzählen. Obendrein wurde Mamberti im Februar 2004 Nuntius in Eritrea: ein dürres Feld für die katholische Kirche, eine Bewährung für den Erzbischof, der nun souverän und kundig die vatikanische Politik gegenüber den muslimischen Staaten und Massen mitgestalten kann. hjfFAZ060918

cdd-GiovanniBattistaRe-z  Wahlleiter im Konklave: Kardinal Giovanni Battista Re

   Giovanni Battista Re ist der älteste noch wählbare und zugleich ranghöchste Kurienkardinal. Aus diesem Grund wird er das Konklave leiten, das spätestens 20 Tage nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. zusammentreten muss, um dessen Nachfolger zu wählen. Geboren wurde Re im Januar 1934 in Borno in der Provinz Brescia - die Altersgrenze von 80 Jahren, die ihn von der Teilnahme an einem Konklave ausschließen würde, erreicht er also in elf Monaten. Hoch von Rang ist Re, weil er von 2000 bis 2010 Präfekt der Bischofskongregation war. Dann nahm Papst Benedikt XVI. Res Rücktrittsgesuch aus Altersgründen an.
   Allerdings gibt es kaum eine größere Feier in der italienischen Gesellschaft, bei der Re nicht gesehen wird. Der emeritierte Kardinal ist beliebt, gewandt und unterhaltsam. Manche sagen, er habe etwas von einem Kirchen- fürsten der Renaissance an sich - anders als diesen werden ihm aber keinerlei Skandale nachgesagt. Re verfügt über hervorragende Kontakte in der italienischen Politik, wobei er anders als zum Beispiel der amtierende Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone nicht zu denen gehörte, die noch im Sommer 2011 dem früheren Minister- präsidenten Silvio Berlusconi die Treue hielten, als dessen Regierung im Parlament immer mehr Rückhalt verlor. Wohl aber stand Re stets der Democrazia Cristiana (DC) und ihren Nachfolgeströmungen nahe.
   Re ist 1957 zum Priester geweiht worden. Er studierte an der Gregoriana, der Jesuitenhochschule in Rom, und wurde mit einer Arbeit zum Kanonischen Recht promoviert. Nach einem Jahr als Dozent am Priesterseminar von Brescia nahm er 1962 ein Studium an der Päpstlichen Diplomatenakademie auf und trat in den Auswärtigen Dienst ein. Nach einer ersten Station in Panama arbeitete er von 1967 bis 1971 an der Nuntiatur in Teheran, ehe er als persönlicher Sekretär des als „progressiv" geltenden späteren Erzbischofs von Florenz Giovanni Benelli im Staats- sekretariat in Rom Anstellung fand. In der italienischen Hauptstadt knüpfte Re in den folgenden Jahren sein dich- tes Netz aus guten Beziehungen.
   1979 wurde Re Assessor im Staatssekretariat. 1987 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Sekretär der Bischofskongregation und weihte ihn im selben Jahr zum Bischof. Noch einmal kehrte Re 1989 in das Staats- sekretariat zurück, bis ihn der Papst im September 2000 zum Präfekten der Bischofskongregation und 2001 zum Kardinal erhob. In der Kongregation machte sich Re einen Namen als guter Manager. Beim letzten Konklave 2005 galt Re als ein Papst-Kandidat.
   Nur einmal wurde Res Name im Zusammenhang mit einem Skandal genannt: Mehmet Ali Agca, der 1981 versucht hatte, Johannes Paul II. zu ermorden, behauptete vor einigen Jahren, Kardinal Re wisse mehr über das Schicksal der seit 1983 spurlos verschwundenen Emanuela Orlandi, der Tochter eines Vatikan-Mitarbeiters. Papst Benedikt XVI. ließ alle Spuren neu verfolgen. Aber an Re blieb dem Vernehmen nach nicht der geringste Verdacht haften.
FAZ130213JörgBremer

va-RadioVatikan-xx  Radio Vatikan

Vatikan plant weltweit größte Solaranlage

   Der Vatikan plant die größte Solaranlage des Planeten. Das Projekt für die Installation dieser Anlage ist derzeit in der Planung. Sie soll in Santa Maria di Galeria aufgebaut werden, wo sich auch die Sendeanlage von Radio Vatikan befindet Foto oben. Nach der Installation von Solarzellen auf dem Dach der vatikanischen Audienzhalle wird jetzt an der technischen Umsetzung der neuen, analogen Anlage gearbeitet. Sie soll voraussichtlich im Jahr 2014 fertig gestellt werden und wäre dann die größte Solaranlage auf der Welt. Ob der italienische Staat sich an der Initiative beteiligen wird, ist noch unklar. Die gewonnene Energie kommt etwa 100 Megawatt gleich. Damit kann nicht nur das Radio versorgt werden, die Energie reicht auch noch für weitere 40.000 Haushalte.Der Energie- überschuss wird an den italienischen Staat verkauft. RV090424adn

   In den vatikanischen Gärten ist ein 400 Jahre alter Olivenbaum eingepflanzt worden. Der auf einem Hügel bei Nazaret gewachsene Baum ist ein Geschenk der israelischen Regierung und der Non-Profit-Organisation Keren Kayemeth Le Israel (KKL). Das Geschenk hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu während seiner letzten Italienreise angekündigt. An den feierlichen Zeremonien nahm neben dem Präsidenten des KKL auch der israelische Botschafter am Heiligen Stuhl, Mordechay Lewy, teil. Von Seiten des Heiligen Stuhls war unter anderem der emeritierte Präsident des päpstlichen Governatorats, Kardinal Giovanni Lajolo, anwesend. R111026

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Castel Gandolfo – Vatikan II

   Papst Johannes Paul II. nannte das Castel Gandolfo gern “Vatikan II”, weil es seine zweite Residenz war – ähn- lich dem Vatikan. Die vatikanischen Ämter liegen etwa 50 km entfernt; entsprechend milder ist hier das Arbeits- tempo, obgleich beide Päpste, Johannes Paul II. und auch Benedikt XVI. das Castel Gandolf in gleicher Weise wie den Vatikan für Treffen, Seminare und Konferenzen nutzen. Ein kurzer Blick auf die bestechende Schönheit von Castel Gandolfo erklärt, warum die Päpste diese Sommerresidenz seit Jahrhunderten so sehr schätzen. Während die Päpste mit dem Hubschrauber kommen und gehen, reisen die Besucher von Rom nach Albano mit dem Auto. 
   Das moderne Städtchen Castel Gandolfe hat etwa 7.500 Einwohner. Nach einer Legende ist es im Altertum gegründet von Ascanius, dem Sohn von Aeneas, der es Alba Longa nannte, die älteste Hauptstadt des Sabiner Bundes. Im 12. Jahrhundert wurde diese Region von einem Schloss beherrscht, das der adeligen Familie Gandolfi gehörte, von daher erhielt der Ort seinen Namen. Im 13. Jahrhundert erlangte die Familie Savelli diesen Besitz, im Jahre 1596 wurde dieses Anwesen zum Ausgleich von Schulden auf die vatikanischen Güter übertragen.
   Urban VIII.  (1568-1644) war der erste Papst, der hier aus gesundheitlichen Gründen einen Sommer verbrachte. Auf den Ruinen des Anwesens wurde in den Jahren von 1624-1629 das päpstliche Anwesen errichtet. Im inneren Hof befindet sich eine alte Büste von Poseidons einäugigen Sohn Polyphemus, die im Nyphaenum, in den künstlich geschaffenen Höhlen am Ausgang des Kratersees gefunden wurde. Später wurden die Nachbargrundstücke Cibo und Barbarni hinzuerworben.
   Das ganze Anwesen der Sommerresidenz Castel Gandolfo steht nicht unter der Jurisdiction der italienischen Regierung. Der exterritoriale Status ist im Lateran-Vertrag festgeschrieben: „Italien anerkennt das volle Besitz- recht des Heiligen Stuhls an der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo mit aller Ausstattung und zugehörigen Gebäuden …“
  Das gesamte Grundstück umfasst heute etwa 50 ha mit etwa 10 km Straßen und Wegen. Nach der Wahl des sportlich trainierten Papst Johannes Paul II. stifteten amerikanische Katholiken ihm einen privaten swimming pool. Die Hälfte des Grundstücks dient dem Ackerbau; ein Bio-Hof produziert Früchte, Gemüse, Wein und Olivenöl. 60 Holsteiner Kühe geben täglich fast 500 Liter Vollmilch. Die Milch wird in den örtlichen Geschäften und im vatikanischen Supermarkt Annona zu normalen Preisen angeboten.
   Der Park der Villa Barberini ist nichtöffentlich. Von hier hat man an klaren Tagen einen Blick auf den Albaner See. Wer ein „historisches, künstlerisches oder archäologisches Interesse an den Ausgrabungen des Palastes des Kaisers Domitian aus dem 1. Jahrhundert nachweisen kann, erhält Zutritt zu dem 1930 restaurierten Park – jedes Jahr etwa 5.000 Besucher. 1936 wurde das päpstliche Observatorium vom Vatikan nach hier verlegt – wegen der zur damaligen Zeit besseren Arbeitsbedingungen. Jedes Jahr kommen junge Astronomen aus allen Teilen der Welt nach hier zur Fortbildung. Die Sternwarte wurde 1891 von Papst Leo XIII. im Vatikan gegründet. Infolge der Helligkeit des Nachthimmels in Castel Gandolfo wurde die Forschung in ein zweites Observatorium nach Tucson, Arizona, verlegt. Die Verwaltung, die Bibliothek und auch die Computer befinden sich noch in Castel Gandolfo.
   Wenn immer Sie Rom oder Italien besuchen, lohnt sich ein Abstecher in die Albaner Berge. Hier sind sie bestimmt in guter Gesellschaft – schließlich haben viele Päpste ihren Sommer in Castel Gandolfo verbracht – und das können nicht viele Plätze auf der Welt von sich sagen. CT090405EmmaClancy

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  26 Rekruten der Schweizergarde legten jetzt im Vatikan ihren Diensteid auf den Papst ab. Bei einer feierlichen Zeremonie im Innenhof des Apostolischen Palastes schwören sie, Benedikt XVI. „und seinen rechtmäßigen Nachfolgern treu, redlich und ehrenhaft zu dienen“. Rund 3.000 Gäste aus der Schweiz und der römischen Kurie waren zur Vereidigung der Rekruten angereist. Einige von ihnen trugen neue Rüstungen, ein Novum seit 500 Jahren. Eine Schmiede in Molln in Oberösterreich fertigte die Harnische in traditioneller Technik. Die Vereidigung findet jedes Jahr am 6. Mai statt, in Erinnerung an den sogenannten „Sacco di Roma“, die Plünderung Roms durch die Landsknechte Kaiser Karls V. im Jahr 1527.  RV120505kip

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Der römische Petersdom ist jetzt auch am heimischen Computer zu besichtigen

    Vom Internetportal www.vatican.va/Petersdom aus leitet ein Link zu einer virtuellen Tour durch das größte Gottes- haus der Christenheit. Um den Eindruck einer freien Bewegung im Raum zu ermöglichen, wurden Tausende hochauflösender Fotografien zu einem dreidimensionalen Panoramabild zusammengefügt. Mit der Umsetzung des Projekts waren Studierende der Villanova University im US-amerikanischen Pennsylvania zwei Jahre lang be- schäftigt, wie Radio Vatikan meldete. Die Ausgangspunkte für die 360-Grad-Ansichten befinden sich in der Apsis, beim Hauptaltar, in den beiden Querschiffen, dem Hauptschiff sowie in der Chorkapelle und vor der „Pietá“ Michelangelos. RV100729kipa

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Die  500. Todestag von Sandro Botticelli  Foto:1482: Die Geburt der Venus Foto rechts: Selbstbildnis

  Die meisten Informationen über das Leben des  Malers und Zeichners Sandro Botticelli finden sich in der Künstler- biographie von Giorgio Vasari (1550). Sein eigentlicher Name lautete Alessandro di Mariano Filipepi. Von seinem Bruder Giovanni erhielt er den Spitznamen „Botticelli" (Fässchen). Er ist einer der berühmtesten Maler der Renais- sance. Sandro wurde als jüngster Sohn des Gerbers Mariano di Vanni Filipepi und dessen Frau Smeralda am 1. März 1445 im Florentiner Armenviertel Ognissanti geboren. Nach dem Abschluss der Lehrzeit bei einem Gold- schmied, wo er auch den Kupferstich erlernte, fertigte er Zeichnungen für den Juwelier Baccio Baldini, aber auch Druckvorlagen an. 1464 wurde er Schüler des berühmten florentinischen Malers Fra Filippo Lippi, der seine Werk- statt in Prato hatte. Der junge Maler wurde durch den Humanismus und später durch die Lehren des Predigers Girolamo Savonarola beeinflusst. Seine Frühwerke orientieren sich stilistisch an seinem Lehrer Lippi und an dem in Florenz tätigen Maler Antonio Pollaiuolo. In dieser Periode (1465 — 70) fertigte er eine Reihe von Marienbildern an. 1470 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Seine Werke wurden bald geschätzt und 1474 wurde er nach Pisa gerufen, um an der Fertigstellung der von Benozzo Gozzoli begonnenen Fresken des Campo Santo mitzuarbeiten. In seiner Vaterstadt verschaffte er sich früh den Ruf eines angesehenen Porträtisten. Für die weitere Laufbahn Botticellis waren die Kontakte zur Familie Medici - er porträtierte einige Mitglieder - maßgebend. Vor allem die Förderung durch Lorenzo de Medici ebnete ihm den Weg zu öffentlichen Aufträgen für die nächsten Jahre. 1481 wurde er von Sixtus IV nach Rom berufen, um zusammen mit Perugino die Wände der Sixtinischen Kapelle zu gestalten. In diesem Freskenzyklus malte er Begebenheiten aus dem Leben von Mose und die Versuchung Christi, die Bestrafung der Rebellen und einige Bildnisse der frühen Päpste. Seine Meisterwerke nach 1475 sind vor allem von Themen aus der griechischen Mythologie beeinflusst. Zu den bekanntesten allegorischen Darstellungen gehö- ren der 1499 für Lorenzo de Medici gemalte Frühling, worin er das Erwachen der Natur durch blumenbekränzte Mädchen in einer paradiesischen Landschaft zeigt sowie der Klassiker “Die Geburt der Venus”. Hier treibt die aus dem Meeresschaum geborene Liebesgöttin in einer Muschel auf die Küste zu.
   Nach dem Tod von Lorenzo de Medici und nach der Vertreibung der Medici aus Florenz erhielt Botticelli immer weniger Aufträge. Laut Vasari widmete er sich ausschließlich religiösen Themen; wegen einer Behinderung malte er kaum mehr und verarmte. Er starb im Mai 1510 und wurde im Familiengrab in der Allerheiligenkirche beigesetzt. ArchivVerlagDrChristineMariaGrafinger  Boticellis Werk “Madonna del Magnificat” > Engel

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Kilometerweise Weltgeschichte: Das päpstliche Geheimarchiv im Vatikan. Die historischen Räume des Archivs sind mit Fresken geschmückt, die Schenkungen europäischer Herrscher an den Papst darstellen.

   Weniger geheimnisvoll, als man vermuten könnte, dafür umso mühsamer ist die Arbeit von Forschem im päpst- lichen Geheimarchiv. Und doch liegt ein eigentümlicher Zauber über diesem ganz besonderen Ort. Zugang zum päpstlichen Geheimarchiv zu erlangen ist höchst simpel. Und die eigentliche, mühevolle Arbeit beginnt erst dann, wenn man drin ist. Möchte man die Dokumente des Archivs konsultieren - zum Beispiel, weil man an einem wissen- schaftlichen Projekt arbeitet, das sich mit der Entstehungsgeschichte römischer Papst- und Kardinalsgrabmäler be- schäftigt -, so genügt ein Schreiben, in dem man seine Forschungsinteressen erklärt. Das reicht man im Büro ein, in dem die Archivausweise ausgestellt werden; bei jüngeren Wissenschaftlern hilft das Empfehlungsschreiben eines Universitätsdozenten. Es folgt ein freundliches Gespräch mit dem zuständigen Archivar, der nicht etwa nach der Konfession fragt, sondern einem mit dem einen oder anderen Tipp zu helfen versucht. Nun kann der Forscher auf die Jagd nach historischen Quellen gehen. Und die ist leider sehr viel aufwendiger, denn das päpstliche Ge- heimarchiv enthält unendlich viel mehr Dokumente, als sich selbst von den fleißigsten Archivaren zusammenfassen ließen.
  
Die Bestände des Archivio Segreto Vaticano reichen zurück bis in die Anfänge der Kirchengeschichte, also bis in die Spätantike. Freilich machen die aus dieser frühen Zeit stammenden Schriftstücke nur einen verschwindend kleinen Teil des Überlieferungsschatzes aus. Vieles ging über die Jahrhunderte verloren; schon weil es das Ge- heimarchiv in seiner heutigen Form, als zentrale Sammelstelle kurialer Dokumente, erst seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts gibt, als Paul V.Foto unten rechts(1605-1621) seine Einrichtung dekretierte. Bereits zuvor hatten die

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Päpste wichtige Urkunden, Erlasse und Briefe aufbewahrt, nur eben in verschiedenen Sammlungen und phasen- weise auch an unterschiedlichen Orten. Erst 1610 erfolgte ihre Zusammenführung im Archivio Segreto, dem Geheimarchiv, das nördlich der Sixtinischen Kapelle in den ehemaligen Wohnräumen der Kardinalbibliothekare untergebracht wurde Fotos unten.

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Der Begriff „geheim" wurde damals auch zahllosen anderen Archiven zuteil, in denen das diplomatische Herr- schaftswissen der europäischen Staaten gesammelt wurde. Zunächst stellte das päpstliche Archiv nur eine Unter- abteilung der Vatikanischen Bibliothek dar. Erst 1630 trennte Papst Urban VIII. (1623-1644) die Institutionen und übertrug die Leitung des Archivs einem eigenen Präfekten.
   Im Lauf der Zeit wuchs das Geheimarchiv beständig, weil die immer differenzierteren bürokratischen und diplo- matischen Strukturen des Heiligen Stuhls den schriftlichen Niederschlag ihrer Aktivitäten im Geheimarchiv depo- nierten. So entstand mehrfach die Notwendigkeit, die Depots des Archivs zu erweitern. Unter Pius XI. kamen 1933 Magazine mit 13 Kilometern Stahlregalen hinzu, Paul VI. veranlasste dann die Erweiterung durch einen 1980 von Johannes Paul II. eingeweihten, unterirdischen Neubau, in dem weitere 43.000 Regalmeter Platz fanden. Notwen- dig wurden diese Ausbaumaßnahmen nicht nur durch den explosionsartig anwachsenden Schriftverkehr der päpst- lichen (wie allgemein aller modernen) Bürokratien, sondern auch durch eine ganze Reihe von Privatarchiven, die im Lauf der Zeit ihren Weg in den Vatikan fanden. Darunter befanden sich die Nachlässe von kirchlichen Würden- trägern und Gelehrten, aber auch eine Reihe von Familienarchiven alter Adelsklans und ehemaliger Papstfamilien, wie etwa der Borghese, der Boncompagni-Ludovisi oder der Rospigliosi. So kommt es, dass heute nicht nur Theo- logen und Kirchenhistoriker im päpstlichen Geheimarchiv ihren Studien nachgehen. Auch wer sich mit der Ver- waltungsgeschichte des Kirchenstaats beschäftigt, der Kunstpatronage von Kardinalnepoten (jenen päpstlichen Verwandten, die von ihrem Onkel ins Kardinalskollegium berufen wurden) oder der Korrespondenz päpstlicher Botschafter an den Höfen des frühneuzeitlichen Europa,der sucht hier seine Quellen.
   Dabei braucht er vor allem zweierlei: Zeit und Geduld. Denn die unüberschaubaren Bestände des Archivs sind bei weitem nicht komplett systematisch erschlossen, viele fondi, also eigene Dokumentgruppen, nicht einmal in- ventarisiert. So heißt es denn ,Tag für Tag aufs Neue im Lesesaal die maximal drei Bände, die jeder Benutzer täg- lich bestellen darf, auf den Leihscheinen anfordern. Etwa eine halbe Stunde später kann man dann ihren Empfang quittieren und sich an die Lektüre machen. Die gestaltet sich durch unleserliche Handschriften, zerstörerischen Tintenfraß oder fehlerhafte Beschriftungen oftmals mühsam und ebenso oft ergebnislos - das Gesuchte ist nicht dabei. Archivarbeit schult vor allem die Frustrationstoleranz. Sehr selten sind die Glücksmomente, da man einen Volltreffer landet, eine unbekannte Quelle findet, die neue Erkenntnisse vermittelt, gar der Arbeit eine grund- legende Wendung gibt. Oder an überraschender Stelle ein Dokument entdeckt, das den Leser durch seine schlichte Schönheit erfreut, etwa die kostbar auf Pergament gestaltete Beschreibung einer Gemäldesammlung, wenn man eigentlich mit einem trockenen Briefwechsel über Verwaltungsfragen gerechnet hatte.
   Solche Sternstunden sind rar. Und doch übt die Arbeit im päpstlichen Geheimarchiv eine ganz eigene Faszination aus. Es mag an der klösterlich-konzentrierten Stimmung liegen, mit der die Forscher hier ihren Studien nachgehen. Auch der Reiz der Detektivarbeit spielt eine Rolle: Zwar sind die Aussichten, im Archivio Segreto die Weltformel oder zumindest Berichte über abgründige Verschwörungen zu finden, schlecht. Aber neue Erkenntnisse über historische Geschehnisse aller Art stellen sich mit der Zeit durchaus ein. Und schließlich sind das Geheimarchiv und die benachbarte Bibliothek, vor allem aber die von den Besuchern beider Institutionen gemeinsam genutzte Cafeteria im Cortile della Biblioteca, dem Bibliothekshof des Vatikans, ein wunderbarer Ort, um mit Wissenschaft- lern aus aller Welt ins Gespräch zu kommen. Damals062010ProfDrArneKarsten: www.damals.de
Webseite des Vatikanischen Geheimarchivs: asv.vatican. va/home_de.htm

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Wertsteigerung des Euro im Vatikan

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   Diese Prägeserie ist Gold wert, denn sie gelangt nie in den allgemeinen Geldumlauf. Das soll sich von Januar 2010 an jedoch ändern.
   330 Millionen Bürger zahlen mit Euro. Auch die 1.000 Einwohner des Vatikans. Aber hier hat der Euro eine wun- dersame Wertsteigerung erfahren, die niemanden stört, am wenigsten den Vatikan selbst. Die niedrigste Aus- gabeauflage aller Mitglieder der europäischen Währungsunion sorgte dafür, dass vatikanische Euro nie in den all- gemeinen Geldumlauf gelangten und ausschließlich bei Münzsammlern landeten. Entsprechend hoch sind die Preise für einen Satz im Nennwert von 3,88 Euro: Der Vatikan verkauft einen Satz Münzen für 30 Euro an Händler und Sammler, bei den Münzläden rund um den Petersdom kostet ein Set schnell 200 Euro, manche bis zu 1.400 Euro.
   Eine Währungsvereinbarung zwischen EU und Vatikan macht diese Preisentwicklung möglich: Die Vatikanstadt darf eine bestimmte Anzahl von Münzen prägen, die dem italienischen Prägekontingent hinzugerechnet werden. Der Vatikan durfte ursprünglich jährlich Münzen im Wert von 670.000 Euro prägen, seit 2004 ist es eine Million Euro.
   Höhere Auflagen sind nur erlaubt in einem „Heiligen Jahr" (das nächste ist 2025), bei besonderen Jubiläen wie etwa 2003, als sich das Pontifikat von Johannes Paul II. zum 25. Mal jährte, oder bei dessen Tod am 2. April 2005. Dann darf der Vatikan zusätzliche Münzen im Wert von 250.000 Euro (300.000 Euro seit 2004) prägen.
   Ab dem 1. Januar 2010 sollen aber nun mindestens 51 Prozent der vatikanischen Euro-Münzen in den normalen Geldumlauf kommen. Die EU-Regierungen haben ein Mandat für entsprechende Neuverhandlungen mit dem Heili- gen Stuhl beschlossen. Eine gemeinsame Kommission soll sämtliche Fragen zu den Euro-Münzen regeln, also auch das Prägekontingent, das der Vatikan gern auf Münzen im Wert von 2,3 Millionen Euro anheben möchte.
HA091215DietrichAlexander Fotos unten: Gedenkmünzen

2 € Astronomie  Münzen-2€Gedenkm-x       Münzen-5€Gedenkm-x   5 € Weltfrieden

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20 € 50 € Der Gute Hirt  Münzen-20€-50€Gedenkm-x Münzen-10€Gedenk-x10 € Gründung Vatikan

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Exkurs: Geheime Wahl in Rom > Das Konklave 
- Sonderbericht über dien syro-malabarische Kirche > Indien

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