|

Das Erzbistum Madrid hat das Logo des Weltjugendtags 2011 vorgestellt. Das in Rot, Orange und Gelb gehaltene Logo zeigt eine Krone, über der sich ein rotes Kreuz befindet. Darunter steht „JMJ 2011 Madrid". Die Buchstaben stehen für „Jornada Mundial de la Juventud", die spanische Bezeichnung für Weltjugendtag. Der Gestalter des Logos, Jose Gil-Nogues, hatte den Angaben zufolge mit seinem Entwurf einen von der Erz- diözese Madrid ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Er erklärte, in der Krone sei ein „M” zu erkennen, das für Maria sowie für Madrid stehe. Das Symbol stehe außerdem für die Krone der Jungfrau von Almudena, die als Stadtpatronin Madrids verehrt wird. Das Kreuz mache das Motto des Weltjugendtags deutlich: „Verwurzelt und gegründet in Christus, fest im Glauben”. DT090804kna
Papst lobt Weltjugendtag von 2000 in Castelgandolfo hat Papst Benedikt XVI. den WJT von Rom ausdrücklich gelobt. Vor brasilianischen Bischöfen meinte Benedikt XVI.: „Johannes Paul II. wollte, dass Rom im Heiligen Jahr 2000 jung mit den jungen Leuten sei, und er nannte die Jugendlichen „Späher des Morgens“, Leuchttürme am Ozean des dritten Jahrtausends. Sein Ruf wurde gehört: Wir erinnern uns an die langen Schlangen von jungen Leuten, die im Circus Maximus für die Beichte anstanden.“ Benedikt ermunterte die Bischöfe zu einer sorgfältigen Jugendpastoral – und darin habe die Beichte ihren Platz: „Wie ihr wisst, ist die Verdunkelung der Gnade der Vergebung eine Wurzel der spirituellen Krise unserer Zeit. Wenn die Vergebung nicht mehr als wirklich angesehen wird, dann versuchen die Menschen, sich selbst von der Schuld zu befreien oder sich einzureden, dass es Sünde eigentlich gar nicht gebe. Jesus ist aber nicht gekommen, um die zu retten, die sich schon selbst gerettet haben, sondern um die zu befreien, die wissen, dass sie Sünder sind und Rettung brauchen!“ „Wir alle brauchen ihn“, so der Papst wörtlich – aus der „Tiefe der Erneuerung der Individuen“ entstehe und erneuere sich die Kirche. rv100925

Höhepunkte des Programms mit dem Papst
Papst Benedikt XVI. erlebt ereignisreiche Tage in Madrid beim Weltjugendtag (WJT) vom 16.-21. August 2011. Der Papst landete mit einem Airbus das Alitalia am internationalen Flughafen von Barajas-Madrid. Hier bringen wir die ersten Fotos von seiner Ankunft und der Begrüßung durch König Juan Carlos





Foto links: Ministerpräsident José L. R. Zapatero begrüßt den Papst Foto rechts: König Juan Carlos I. mit Königin Sofia und Kardinal Ruoco Varela, Erzbischof von Madrid, am Flughafen Barajas-Madrid.


Benedikt XVI. begeistert nicht nur die katholische Jugend. Er kann auch die sozialistische Presse für sich einnehmen. Weder Hitze noch Sturm, nicht die brennende Sonne oder ein Sturzregen konnten dem größten Fest der katholischen Kirche etwas anhaben, das Spanien nach Angaben der Sicherheitskräfte je erlebte. Dabei musste Papst Benedikt XVI. bei der Nachtwache nach wenigen Worten seine Predigt unterbrechen. Eine Sturmböe hatte seine weiße Kopfbedeckung fortgeweht und ein Platzregen das Manuskript durchnässt, so dass er unter einem Schirm Zuflucht nehmen musste. Aber aufgeben wollte er nicht: „Ich bleibe hier." Nach bangen Minuten, nachdem ein Lichtmast umgefallen war, der ein paar Zelte zerstörte und zu kleineren Verletzungen wie Bein- brüchen führte, meldete sich der Moderator wieder: „Eines zunächst, der Papst ist sehr stolz auf euch." Und in den Jubel der Erleichterung rief der Papst: „Danke für eure Fröhlichkeit und eure Ausdauer. Ihr seid stärker als der Regen." Am Sonntagmorgen, schien wieder die Sonne in Cuatro Vientos, Madrids ältestem Flughafen, und die Pfützen waren verschwunden. Hunderttausende hatten die Nacht über auf dem Gelände ausgeharrt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen feierten die Sonntagsmesse, die Benedikt als den Höhepunkt des Weltjugendtags bezeichnete. Sie war zugleich Abschied und Aussendung zurück in die 193 Länder, aus denen die Jugend- lichen gekommen waren. Nach Tagen der Gemeinschaft forderte Benedikt sie auf, Jesus auch zu Hause zum Zentrum des Lebens zu machen; „das aber heißt in Gemeinschaft mit der Kirche. Wir können Jesus nicht alleine folgen." Jeder, der sein religiöses Leben individualistisch gehe, „riskiert, Jesus nicht wirklich zu treffen". Der Papst forderte die Jugend auf, „die Kirche zu lieben, die eurem Glauben zum Leben verhalf". Die Jugendlichen sollten daheim aktiv am Leben der Gemeinden teilnehmen und damit in „Freundschaft mit Jesus" leben. Still und aufmerksam lauschten die Pilger den Worten des Papstes. Noch einmal war am letzten Tag ihr Hunger nach Wegweisung und Erklärungen spürbar. Nach Meditation, Fürbitten und Gebet folgte ihr Jubel mit dem Bekenntnis: „Esta es la juventud del Papa" - „Das ist die Jugend des Papstes". Stanislaw Kardinal Rylko, der polnische Präsident des Laienrats in der Kurie, nahm das zum Abschluss der Messe auf und sagte dem Papst: „Die jungen Leute sehen in Ihnen stets einen wirklichen Vater, der sie liebt, und einen Lehrer für ihren eigenen Glauben." Rylko dankte Benedikt für das „kostbare Geschenk des „Youcats" - dem offiziellen Jugend- katechismus der katholischen Kirche -, den die jungen Leute in ihren Pilgerrucksäcken bei ihrer Anmeldung in Madrid vorfanden, und zitierte aus dem päpstlichen Vorwort: „Studiert diesen Katechismus! Das ist mein Herzenswunsch. Dieser Katechismus redet euch nicht nach dem Mund. Er macht es euch nicht leicht. Er fordert nämlich ein neues Leben. Ihr müsst euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem seines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Stück." Die Pilger spendeten daraufhin Beifall. Auf Initiative von vier deutschen Katholiken und unter „Stabführung" des Erzbischofs von Wien, Christoph Schönborn, war mit Jugendlichen aus gläubigen Familien im vergangenen Jahr der Katechismus der katho- lischen Kirche jugendfreundlicher umgestaltet und im März dieses Jahres vorgestellt worden. Auf präzise Fragen (Wozu sind wir auf der Erde? Was geschieht in der Taufe?) folgen konkrete Antworten, erklärt durch Zitate aus Bibel, Philosophie und Literatur.Dies Nachschlagewerk wurde nach Aussagen von Bernhard Meuser, einem der vier deutschen Katholiken, für den Weltjugendtag in 700.000 Exemplaren und mehreren Sprachen gedruckt. Auch wenn offenbar die Deutsche Bischofskonferenz den „Youcat" noch nicht einvernehmlich an- genommen hat und die spanischen Bischöfe ihn den Jugendlichen sogar zunächst vorenthalten wollten, der Papst und in seiner römischen Kurie vor allem Kardinal Rylko sowie der Präsident des Rats zur Neuevange- lisierung, Erzbischof Rino Fisichella, wollen den „Youcat" weltweit verbreiten. „Die Jugendlichen von heute sind professionell. Die wollen kein Geschwafel und frömmelndes Gesäusel, sondern konkrete Antworten", begründet Meuser in Madrid die Zustimmung für den „Youcat". Dafür ist dieser Papst zu haben. Sein Programm der Neuevangelisierung will diesen Hunger stillen, und der Weltjugendtag kam ihm gerade recht. Er bot dem 84 Jahre alten Mann die Chance, „mit der Jugend einen Bund zu schließen, um die Alten und Regierenden auf dieser Welt dazu zu bringen, endlich nicht weiter Schulden und Schmutz zu produzieren", lautet ein Internetbeitrag zum Jugendtag, „sondern die Schöpfung für die nächsten Generatio- nen zu retten". Der Papst trat aber auch speziell für Spaniens Kirche als Lehrer auf; denn viele der dortigen Bischöfe haben sich offenbar noch immer nicht eindeutig von ihrer früheren Nähe zum Diktator Franco distanziert und nicht zu einem entschiedenen Kampf gegen den Eta-Terrorismus gefunden. In Vorbereitung seiner Spanien-Reise hatte sich Benedikt mit dem Schutzheiligen des spanischen Klerus, Johannes von Avila, befasst. Daraufhin kündigte er jetzt zur Überraschung der örtlichen Bischöfe und seiner Kurie an, er wolle demnächst den aus einer jüdischen Familie stammenden Theologen und Prediger aus dem 16. Jahrhundert mit dem Titel Kirchenlehrer ehren. Mit diesem Titel werden jene ausgezeichnet, die mit ihren Schriften in besonderem Maß der Kirche gedient haben. Derzeit gibt es 33 Kirchenlehrer, darunter drei Frauen. Zuletzt wurde 1997 die heilige Therese von Lisieux durch Papst Johannes Paul II. geehrt. Er hoffe, dass das Wort und die Spiritualität Johannes von Avilas „alle Priester" erleuchten werde, sagte der Papst. Vor allem die sozialistische Presse hatte den Papst mit Kritik empfangen. Sie entließ ihn mit Achtung und würdigte Benedikt XVI. als „Verkaufsschlager". Auf dem Flughafen am Sonntagabend konnte Benedikt er- leichtert gestehen: „Der Papst hat sich in Spanien zu Hause gefühlt. Ich verlasse Spanien froh und gegenüber jedermann dankbar." Aber zugleich drängte er „Bischöfe, Priester und besonders religiöse und christliche Erzieher, für diese jungen Menschen zu sorgen, die mit Begeisterung auf Gottes Wort hören wollen. Es gibt keinen Grund, den Mut zu verlieren trotz der verschiedenen Probleme in verschiedenen Ländern." Abschließend sagte Papst Benedikt, er werde „vor allem für verheiratete Paare beten, die verschiedene Schwierigkeiten haben". FAZ110822JörgBremer
“Danke für Dein Kommen!” - Weltjugendtag - JMJ 2011

Rund 16.500 deutsche Jugendliche reisten nach Madrid: zum XXIII. Weltjugendtag Mitte August. Insgesamt haben sich 440.000 junge Menschen für das kirchliche Großereignis angemeldet

Ob Ibiza, Granada, Pamplona oder Barcelona: Die Jugendlichen haben zunächst bei den „Tagen der Begegnung“ in den spanischen Bistümern Land und Glauben der Iberer kennen lernen. Am Montag (15. Au- gust) kamen dann alle in Madrid zusammen. Die Höhepunkte dort: der Kreuzweg (19. August), die nächtliche Vigilfeier (20. August) und die Messfeier am Sonntag (21. August) mit Papst Benedikt XVI. auf dem Gelände eines Militärflughafens etwas außerhalb von Madrid. Außerdem: ein buntes Programm aus Workshops, Konzerten, Katechesen mit Bischöfen, Gebeten und Gottesdiensten. Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofs- konferenz, bezeichnet den von Papst Johannes Paul II. 1984 ins Leben gerufenen Weltjugendtag als „Erfolgs- geschichte“. „Der Weltjugendtag ist ein hoch geschätztes Fest des Glaubens, ein Fest der Jugend und ein Fest der Welt“, so Bischof Bode bei der Vorstellung des Programms in Köln. Er sei auch ein Pilgerweg der Kirche im Ganzen – auf der Suche nach der eigenen Mitte und den eigenen Wurzeln, erläuterte der Bischof das WJT- Motto: „Verwurzelt in Jesus Christus, und auf ihn gegründet, fest im Glauben“ Kol 2,7. Der Papst sei dabei ein besonders wichtiger Zeuge des Glaubens und ein Zeichen der Einheit und der Vielfalt der Menschen. „In ihm bekommt die Kirche für junge Menschen ein Gesicht, seine authentische Persönlichkeit spricht junge Leute sehr an“. Für junge Menschen sei der WJT eine „große, friedliche, fröhliche, internationale und emotionale Glaubensparty“, ergänzt Pfarrer Simon Rapp, Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Jugendliche aus der ganzen Welt würden Tausende Kilometer reisen, um „sich im Namen Jesu Christi zu versammeln“, um zu feiern, Jugendliche aus anderen Ländern kennen zu lernen, zu beten und sich im Glauben stärken lassen, so Rapp. 22 deutsche Bischöfe aus 19 Diözesen werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Großereignis begleiten. Die meisten deutschen Pilgerinnen und Pilger sind zwischen 16 und 25 Jahre alt. Zum Vergleich: Nach Sydney pilgerten 2008 insgesamt 6.000 Deutsche, ebenso wie im Jahr 2002 nach Toronto. Vdbk110714sk

„Niemand kann euch den Frieden nehmen“ Papst Benedikt XVI. reist in ein krisengeschütteltes Spanien und spricht der Jugend Mut zu Zehn Minuten vor zwölf und damit zehn Minuten früher als erwartet landete Papst Benedikt XVI. auf dem Madrider Flughafen Barajas und erwies damit der oft bemühten deutschen Pünktlichkeit alle Ehre. Bis zum Sonntag, exakt 79 Stunden, wird der Papst mit 1,5 Millionen Jugendlichen den 26. Weltjugendtag in der spanischen Hauptstadt begehen. Zum Empfang des Kirchenoberhaupts wartete nicht nur das Königspaar, die gesamte spanische Regierung und mehrere Tausendjubelnde Pilger, sondern auch eine halbe Hundertschaft von Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren. Sie waren zu Ehren des Papstes in der Tracht der Schweizergarde erschienen. Der Papst fühlte sich trotz hoher Temperaturen sichtlich wohl und lächelte, als er in Begleitung des Königspaares zur Empfangshalle schritt. Katholiken sollen auch in Zeiten der Krise bei ihrem Glauben bleiben Die Willkommenszeremonie verlief ganz nach Protokoll, allerdings musste sich der Monarch Juan Carlos nach seiner Knieoperation vom Juni auf einen Stock stützten. Beide Würdenträger waren sich bei ihren Ansprachen einig, dass die junge Generation eine schwere Krise durchlebt. „Die Jugend von heute steht vor vielen Herausforderungen, und sie braucht Werte, um aus der gegenwärtigen Krise zu finden", so der Papst bei seiner Rede, die er erstaunlich akzentfrei auf Spanisch hielt. Er rief die Katholiken auf, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung und Gewalt bei ihrem Glauben zu bleiben. „Niemand kann euch den Frieden nehmen. Schämt euch nicht des Herrn." Seine Rede wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Bereits auf dem Flug nach Madrid hatte der Papst ein allein auf den Profit ausgerichtetes Denken in der Wirtschaft kritisiert. Das sei die Ursache für die derzeitige Krise. „Der Mensch muss im Mittelpunkt der Wirtschaft stehen", forderte Benedikt XVI., „und die Wirtschaft darf nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sein, sondern muss auch das Wohl der Gemeinschaft berücksichtigen." Sogar der sozialistische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero war zum Empfang erschienen. Bei der letzten Papstvisite in Barcelona vor neun Monaten hatte er Termingründe vorgeschoben, um der Begrüßung des Kirchenoberhaupts fernbleiben zu können. Immer wieder hatte die Amtskirche die Gesetze seiner Regie- rung, darunter die Einführung der Homo-Ehe, die Novellierung des Abtreibungsrechts oder die Blitzscheidung als „kirchenfeindlich" eingestuft. Jetzt schlugen beide Seiten versöhnliche Töne an. In der ersten Ansprache von Benedikt XVI. fehlte jeglicher Seitenhieb auf die Sozialisten. Die wiederum hatten das für diese Legislaturperiode geplante Gesetz zur Sterbehilfe auf die lange Bank geschoben, um Rom nicht unnötig zu provozieren. Die Pilgertrupps in ihren gelb-roten Rucksäcken wollen einfach nur den Papst sehen. Dafür sind sie bereit, jede Strapaze auf sich zu nehmen. Picknick auf dem Gehsteig bei 35 Grad im Schatten, stundenlanges Anstehen für das offizielle Begrüßungspaket und wenig Zeit zum Ausruhen auf harten Turnhallenböden, das nehmen die jungen Leute gerne in Kauf. Auch die 16.000 deutschen Pilger, die in der Hauptstadt weilen, zeigten ihre Euphorie. „Willkommen, wir lieben dich" hieß es auf einem zehn Meter langen Transparent, das über die Brücke über der Madrider Pracht- straße Paseo de la Castellana gespannt war. Erfindungsreich waren einige der Jugendlichen, wenn es darum ging, Tradition und Fortschritt unter einen Hut zu bringen. „Einer brachte mir zur Beichte ein iPhone mit der gesamten Sündenliste", so ein amerikanischer Pfarrer, der im Madrider Retiropark die Beichte abnimmt, „Die Begeisterung ist ansteckend, es ist hier so gigantisch wie bei den Olympischen Spielen",so Covadonga Berjön, eine der Moderatorinnen auf dem Weltjugendtag. „Wie man auch immer zum Glauben steht, man muss sich einfach fragen, was so viele Menschen hier zusammenführt." Höhepunkt des Weltjugendtags wird eine Messe unter freiem Himmel auf dem Madrider Flughafen Cuatro Vientos sein. HA110819UteMüller

Foto links: Parlamentspräsidnet Josè Bono begrüßt den Papst. Foto rechts: Madrid: “Wir hören auf Dich!”
Botschaft des Papstes zum WJT: „Jugend ohne Gott ist die Hölle“ Eine Welt ohne Gott ist die Hölle. Das gelte insbesondere für die Jugend, den künftigen Erwachsenen dieser Welt. Das schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum Weltjugendtag in Madrid. Gottlose Welt Eine gottlose Welt wäre von Egoismus und Hass geprägt, fügt der Papst in seinem Brief an die Jugend an. Die Gesellschaft sei auf Werten des Evangeliums gegründet, betonte der Papst unter Verweis auf die Stichworte Menschenwürde, Solidarität, Arbeit und Familie. Demgegenüber herrsche vor allem in westlichen Ländern eine „Gottesfinsternis“. Mit der Ablehnung des Christentums und einer Leugnung des Glaubensgutes drohe aber ein Verlust der eigenen Identität. Gegenwart Gottes Jene Menschen und Völker, die die Gegenwart Gottes aufnehmen, bilden eine Gesellschaft der Liebe, so Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum Weltjugendtag 2011. Er verrät den Jugendlichen, wie sie ihrem Leben einen Sinn geben können: „Versucht jeden Tag, nach den Worten Christi zu leben.“ Jesus sei der wahre Freund, mit dem man den eigenen Lebensweg teilen könne, so Benedikt. Ihm sei bewusst, dass den Jugendlichen heutzutage auch „Abkürzungen“ angeboten werden. Doch nur das Wort Gottes zeige den wahren Weg. Namentlich nannte der Papst den Laizismus als eine Gefahr, vor der sich die Jugend hüten solle. Benedikt XVI. erwähnt des Weiteren seine eigene Jugendzeit nach dem 2. Weltkrieg. Stabilität und Sicherheit seien auch damals für die Jugend nicht das Wichtigste auf der Welt gewesen. Er selbst wollte sich damals nicht in der Normalität des bürgerlichen Lebens verlieren, so Benedikt, der wörtlich schreibt: „Wir wollten das Große und das Neue erreichen. Wir wollten das Leben mit all seinen Facetten und Schönheiten entdecken.“ Deshalb müsse Europa heute seine christlichen Wurzeln wieder entdecken. DT100831
 
Gottes Wort weist den wahren Weg. Botschaft Papst Benedikt XVI. zum XXVI. Weltjugendtag 2011 - „Verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet, fest im Glauben" vgl. Kol 2,7
Fotos: Blick in die Apsis der Madrider Almudena-Kathedrale, die von Kiko Argüello, dem Mitbegründer des Neokatechumenalen Wegs, gestaltet wurde. Das katholische Herz Madrids ist jung: Die Almudenakathedrale, der neue Bischofssitz, wurde erst 2004 fertiggestellt.
Liebe Freunde, oft denke ich an den Weltjugendtag in Sydney im Jahre 2008 zurück. Dort haben wir ein großes Fest des Glaubens gefeiert, bei dem der Geist Gottes lebhaft am Werke war, als er eine innige Gemeinschaft unter den Teilnehmern schuf, die aus der ganzen Welt gekommen waren. Diese Zusammenkunft hat, wie die vorher- gehenden, reiche Frucht in das Leben vieler junger Menschen und der ganzen Kirche getragen. Nun sehen wir dem nächsten Weltjugendtag erwartungsvoll entgegen, der in Madrid stattfinden wird. Bereits 1989, einige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, machte dieser Pilgerzug junger Leute Zwischenstation in Spanien, in Santiago de Compostela. Jetzt, zu einer Zeit, da Europa es so sehr nötig hat, seine christlichen Wurzeln wieder zu entdecken, wird unser Treffen in Madrid unter dem Leitgedanken stattfinden: „Verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet, fest im Glauben" vgl. Kol 2,7. Ich lade euch daher ein, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, die so wichtig für die Kirche in Europa und auf der ganzen Welt ist. Ich möchte gerne, dass alle jungen Menschen - die, die unseren Glauben an Jesus Christus teilen, aber auch die, die noch zögern oder unsicher sind oder die gar nicht an ihn glauben - diese Erfahrung teilen, die für ihr Leben entscheidend sein kann: Die Erfahrung des Herrn Jesus, der auferstanden und lebendig ist, und die Erfahrung seiner Liebe für jeden von uns. 1. An der Quelle Eurer tiefsten Sehnsüchte In jeder Phase der Geschichte, und auch heute noch, verspüren viele junge Menschen ein großes Verlangen nach persönlichen Beziehungen, die von Wahrheit und Solidarität geprägt sind. Viele sehnen sich danach, zuverlässige Freundschaften aufzubauen, wahre Liebe zu erfahren, eine Familie zu gründen, die zusammen- bleibt, persönliche Erfüllung und echte Sicherheit zu erlangen, was innen die Gewähr für eine friedliche und glückliche Zukunft bietet. Wenn ich an meine eigene Jugend zurückdenke, wird mir bewusst, dass Stabilität und Sicherheit nicht die Fragen sind, mit denen sich junge Menschen am meisten beschäftigen. Es stimmt schon, dass es wichtig ist, Arbeit zu haben und damit einen festen Boden unter den Füßen, doch die Jahre unserer Jugend sind zugleich eine Zeit, in der wir versuchen, das Maximum aus unserem Leben herauszu- holen. Wenn ich an jene Zeit zurückdenke, erinnere ich mich vor allem daran, dass wir uns nicht in einem tra- ditionell-bürgerlichen Leben einrichten wollten. Wir wollten etwas Großes, etwas Neues erreichen. Wir wollten das Leben selbst in all seiner Größe und seiner Schönheit entdecken. Natürlich hatte das auch etwas mit der Zeit zu tun, in der wir lebten. Während der Diktatur des Nationalsozialismus und während des Krieges waren wir sozusagen „eingekeilt" durch die herrschenden Machtstrukturen. Wir wollten ausbrechen und ins Freie ge- langen, um die ganze Bandbreite der menschlichen Möglichkeiten auszuloten. Ich glaube, dass dieser Drang, aus dem Alltäglichen auszubrechen, in jeder Generation vorhanden ist. Sich mehr zu ersehnen als den Alltags- trott und einen sicheren Arbeitsplatz und etwas wirklich Großes zu erstreben, gehört eben zum Jungsein da- zu. Ist das einfach nur ein flüchtiger Traum, der, wenn wir älter werden, entschwindet? Nein, denn der Mensch ist tatsächlich für etwas Großes geschaffen, für die Unendlichkeit. Alles andere ist unzureichend und unbefrie- digend. Der heilige Augustinus hatte schon recht, als er sagte: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr." Die Sehnsucht nach einem sinnerfüllteren Leben ist ein Zeichen dafür, dass Gott uns erschaffen hat und dass wir seinen „Stempel" tragen. Gott ist Leben, und deshalb strebt jedes Geschöpf nach dem Leben. Da der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen wurde, strebt er auf einzigartige und besondere Weise nach Liebe, Freude und Eintracht. Darum erkennen wir, wie absurd es ist zu meinen, wir könnten in Aufrichtigkeit leben, wenn wir Gott beseitigten! Gott ist die Quelle des Lebens: Ihn zu beseitigen würde bedeuten, sich von dieser Quelle abzusondern und sich - zwangsläufig – der Fülle und der Freude zu berauben: „Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts" Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes, 36. In manchen Teilen der Welt, vor allem im Westen, neigt die derzeitige Kultur dazu, Gott auszuklammern oder den Glauben als eine reine Privatangelegenheit zu betrachten, die keinerlei Bezug zur Gesellschaft habe. Obwohl alle Werte, die das Fundament unserer Gesellschaft bilden, aus dem Evangelium stammen - Werte wie die Würde der Person, wie Gerechtigkeit, Arbeit und Familie - registrieren wir eine gewisse „Gottesfinsternis", eine Art Gedächtnisschwund, ja sogar eine eindeutige Ablehnung des christlichen Glaubens sowie eine Absage an den Schatz des Glaubens, auf die Gefahr hin, unsere ureigenste Identität zu verlieren. Aus diesem Grund, liebe Freunde, ermutige ich Euch, Euren Glauben an Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, noch weiter zu verfestigen. Ihr seid die Zukunft der Gesellschaft und die Zukunft der Kirche! Wie schon der Apostel Paulus an die Christen von Kolossai schrieb, ist es lebensnotwendig, Wurzeln, ein solides Fundament zu haben! Und das gilt ganz besonders für heute, da viele junge Menschen keine festen Orientierungspunkte mehr in ihrem Leben haben, auf denen sie ihr Leben errichten können, was in ihnen eine tiefe Verunsicherung verursacht. Der herrschende Relativismus, demzufolge alles gleich gültig ist und weder absolute Wahrheiten noch Bezugspunkte existieren, führt nicht zu wirklicher Freiheit, sondern zu Instabilität, Enttäuschung, zu einem blinden Konformismus gegenüber den Modetorheiten des Augenblicks. Als junge Menschen habt Ihr das Recht, von den Generationen, die Euch vorangegangen sind, klare Orientierungs- punkte aufgezeigt zu bekommen, um Eure Wahl zu treffen und auf die Ihr Euer Leben bauen könnt - so, wie eine junge Pflanze eine Stütze braucht, bis sie Wurzeln treiben kann, um zu einem standhaften Baum zu werden, der fähig ist, Früchte zu tragen. 2. Verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet Um die Bedeutung aufzuzeigen, die der Glaube an Gott im Leben der Gläubigen spielt, möchte ich mit Euch gerne über einen jeden der drei Begriffe nachdenken, die der heilige Paulus in seiner Aussage „Verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet, fest im Glauben" vgl. Kol 2,7 verwendet. Wir können darin drei Bilder erken- nen: „Verwurzelt" ruft die Erinnerung an einen Baum und die ihn nährenden Wurzeln wach, „gegründet" bezieht sich auf den Bau eines Hauses und „fest" verweist auf die Zunahme an physischer oder moralischer Stärke. Diese Bilder sind sehr anschaulich. Bevor ich die Ausdrücke näher erläutere, möchte ich gerne darauf hinweisen, dass es sich bei allen dreien im griechischen Originaltext in grammatikalischer Hinsicht um Formen des Passivs handelt: Das heißt also, es ist Christus selbst, der die Initiative ergreift, den Gläubigen zu ver- wurzeln, ihn aufzubauen und zu kräftigen. Das erste Bild zeigt uns den Baum, wie er fest im Boden durch seine Wurzeln eingepflanzt ist, die ihm Stabilität und Nahrung geben. Ohne Wurzeln trüge ihn der Wind davon, und er würde sterben. Was sind unsere Wurzeln? Natürlich stellen unsere Eltern, unsere Familie und die Kultur unseres Landes einen sehr wichtigen Aspekt unserer Identität dar. Doch die Bibel enthüllt einen weiteren Aspekt. Der Prophet Jeremia schrieb: „Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt. Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte." Jer 17,7-8. Für den Propheten bedeutet, „seine Wurzeln auszustrecken" so etwas wie sein Vertrauen auf Gott, auf den Glauben zu setzen. Aus Gott (be-)ziehen wir unser Leben. Ohne ihn können wir wirklich nicht leben. „Gott hat uns das ewige Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn" vgl. 1 Joh 5,11. Und Jesus selbst sagt uns, dass er unser Leben ist vgl. Joh 14,6. Deshalb geht es beim christlichen Glauben auch nicht einfach nur darum, an bestimmte Wahrheiten zu glauben, sondern vor allem um eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Es ist eine Begegnung mit dem Sohn Gottes, die unserem Leben neue Energie schenkt. Wenn wir mit ihm in eine persönliche Beziehung eintreten, offenbart uns Christus unsere wahre Identität, und so erweitert sich - in der Freundschaft mit ihm - unser Leben und verwirklicht sich in Fülle. In der Jugendzeit gibt es irgendwann mal einen Augenblick, in dem sich jeder von uns fragt: welchen Sinn hat mein Leben eigentlich? Welches Ziel sollte ich ihm geben, in welche Richtung es lenken? Das ist eine sehr wichtige Phase, die uns Sorgen bereiten kann, manchmal sogar recht lange. Wir denken an den Beruf, den wir ergreifen, an die sozialen Beziehungen, die wir aufbauen und die Freundschaften, die wir pflegen sollten? In diesem Zusammenhang fällt mir wieder meine eigene Jugend ein. Irgendwie war mir schon recht früh be- wusst, dass der Herr mich zum Priester wollte. Doch später, nach dem Krieg, als ich mich im Seminar und auf der Universität bereits auf dem Weg diesem Ziel entgegen befand, musste ich mir diese Gewissheit zurück- erobern. Ich musste mich fragen: Ist das wirklich der Pfad, den ich einschlagen soll. Ist das wirklich Gottes Wille für mich? Werde ich ihm treu bleiben und ihm ganz und gar zur Verfügung stehen können? Eine solche Entscheidung zu treffen, verläuft nicht ohne inneren Kampf. Anders ginge das auch gar nicht. Doch schließlich ist die Gewissheit plötzlich aufgetaucht: Das ist genau das Richtige! Ja, der Herr will mich, Er wird mir auch die Kraft geben. Wenn ich ihm zuhöre und mit ihm gehe, werde ich wirklich ich selbst. Was zählt, ist nicht die Verwirklichung meiner eigenen Wünsche, sondern die Verwirklichung seines Willens. So wird das Leben authentisch. So wie der Baum von seinen Wurzeln fest in der Erde verankert gehalten wird, so verleihen auch die Fundamente dem Haus eine dauerhafte Stabilität. Durch den Glauben sind wir auf Christus gebaut vgl.Kol 2,7, wie ein Haus auf seine Fundamente errichtet ist. Die Kirchengeschichte liefert viele Beispiele von Heiligen, die ihr Leben auf das Wort Gottes gebaut haben. Der erste ist Abraham. Unser „Vater im Glauben" war Gott ge- horsam, als der ihn aufforderte, das Haus seines Vaters zu verlassen, um sich in einem unbekannten Land niederzulassen. „Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet." Röm 4,3. In oder auf Christus gegründet zu sein bedeutet, ganz überzeugt auf den Ruf Gottes zu antworten, ihm zu vertrauen und sein Wort in die Tat umzusetzen. Jesus selbst wies seine Jünger mit den Worten zurecht: „Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?" Lk 6,46. Und indem er dann das Bild vom Hausbau heran- zieht, fügt er hinzu: „Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. Als nun ein Hochwasser kam und die Flutwelle gegen das Haus prallte, konnte sie es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war. Wer aber hört und nicht danach handelt, ist wie ein Mann, der sein Haus ohne Fundament auf die Erde baute. Die Flutwelle prallte dagegen, das Haus stürzte sofort in sich zusammen und wurde völlig zerstört" Lk 6,47-49. Liebe Freunde, baut Euer Haus auf dem Felsen, wie dieser Mann, der „die Erde tief aushob". Bemüht Euch jeden Tag, dem Wort Gottes zu folgen. Hört auf ihn wie auf einen wahren Freund, mit dem Ihr Euren Lebensweg teilen könnt. Mit ihm an Eurer Seite werdet Ihr mit Mut und Zuversicht in der Lage sein, Schwierigkeiten und Problemen zu trotzen und sogar Enttäuschungen und Niederlagen zu bewältigen. Ständig werden Euch einfachere Alternativen angeboten, aber Ihr wisst selbst, dass es sich dabei um Mogel- packungen handelt, die Euch weder zufrieden noch glücklich machen. Allein das Wort Gottes weist uns den wahren Weg, allein der Glaube, der uns überliefert wurde, ist das Licht, das unseren Weg beleuchtet. Nehmt diese spirituelle Gabe mit Dankbarkeit an, die Ihr von Eurer Familie empfangen habt und bemüht Euch, verantwortungsbewusst auf Gottes Ruf zu antworten und in Eurem Glauben zu wachsen! Schenkt nicht denen Glauben, die Euch erzählen, dass Ihr die anderen nicht braucht, um Euer Leben aufzubauen! Stützt Euch dagegen auf den Glauben Eurer Verwandten, auf den Glauben der Kirche und dankt dem Herrn, dass Ihr den Glauben empfangen und Euch zu eigen gemacht habt! 3. Fest im Glauben Seid „verwurzelt in Christus und auf ihn gegründet, fest im Glauben" vgl. Kol 2,7. Der Brief, aus dem dieses Zitat stammt, wurde vom heiligen Paulus als Antwort auf eine konkrete Notlage der Christen in der Stadt Kolossai verfasst. Diese Gemeinschaft wurde nämlich durch den Einfluss bestimmter kultureller Zeitströmun- gen bedroht, die die Gläubigen vom Evangelium abbrachten. Unser eigener kultureller Rahmen weist, liebe Jugendliche, zahlreiche Ähnlichkeiten zu dem der damaligen Kolosser auf. So gibt es in der Tat eine starke „laizistische" Strömung, deren Ziel es ist, Gott im Leben der Menschen und der Gesellschaft an den Rand zu drängen, indem man den Vorschlag macht und es auch tatsächlich versucht, ein „Paradies" ohne ihn zu erschaffen. Doch die Erfahrung hat uns gelehrt, dass eine Welt ohne Gott zu einer „Hölle" wird, in der Egoismus, zerrüttete Familien, Hass zwischen den Menschen und den Völkern, ein großer Mangel an Liebe, Hoffnung und Freude vorherrschen. Im Gegensatz dazu baut sich dort, wo die Menschen und die Völker in der Gegenwart Gottes leben, ihn in Wahrheit anbeten und auf seine Stimme hören, ganz konkret die Zivilisation der Liebe auf, in der jeder in seiner Würde geachtet wird, und in der die Gemeinschaft mit all ihren Früchten wächst. Dennoch gibt es Christen, die sich von der laizistischen Denkweise verführen lassen oder sich von re- ligiösen Strömungen angezogen fühlen, die sie vom Glauben an Jesus Christus entfernen. Andere wiederum, die derartigen Verlockungen nicht nachgegeben haben, ließen einfach ihren Glauben erkalten, was dann unweigerlich negative Auswirkungen auf moralischem Gebiet zur Folge hat. Die von solchen, dem Evangelium zuwiderlaufenden, Ideen beeinflussten Christen erinnert der Apostel Paulus an die Macht des Todes und der Auferstehung Christi. Dieses Mysterium ist das Fundament unseres Lebens, der Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Alle philosophischen Schulen, die ihn nicht kennen, und ihn für eine „Torheit" halten 1 Kor 1,23, lassen ihre Grenzen angesichts der großen Fragen tief im Herzen des Menschen erkennen. Deshalb möchte auch ich als Nachfolger des Apostels Petrus Euch im Glauben stärken vgl. Lk 22,32. Wir glauben fest, dass Jesus Christus sich selbst am Kreuz geopfert hat, um uns seine Liebe zu schenken. In seiner Passion hat er unsere Leiden getragen, hat unsere Sünden auf sich genommen, für uns die Vergebung erwirkt, uns mit Gott dem Vater wiederversöhnt und uns damit das Tor zum ewigen Leben eröffnet. Auf diese Weise wurden wir von dem befreit, was unser Leben am meisten behindert: die Sklaverei der Sünde. Wir können nun alle Menschen lieben, selbst unsere Feinde, und wir können diese Liebe mit den Ärmsten unserer Brüder und Schwestern und mit denen, die am härtesten getroffen sind, teilen. Liebe Freunde, das Kreuz macht uns oftmals Angst, denn es scheint eine Absage an das Leben zu sein. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall! Es ist Gottes “Ja" zum Menschen, es ist der höchste Ausdruck seiner Liebe und die Quelle, der das ewige Leben entspringt. Denn dem durchstochenen Herzen Jesu am Kreuz ent- strömte dieses göttliche Leben, das fortwährend für den erreichbar ist, der seine Augen zum Gekreuzigten erhebt. Ich kann Euch daher nur dringend bitten, das Kreuz Jesu, das Zeichen der Liebe Gottes, als Quelle des neuen Lebens zu empfangen. Außerhalb des von den Toten auferstandenen Christus gibt es kein Heil! Er allein kann die Welt vom Bösen erlösen und ein Wachstum des Reiches der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe herbeiführen, nach dem wir uns alle sehnen. 4. An Jesus glauben, ohne ihn zu sehen Im Evangelium wird die Glaubenserfahrung des Apostels Thomas geschildert, als er das Geheimnis des Kreuzes und die Auferstehung Christi annimmt. Thomas war einer der zwölf Apostel. Er ist Jesus gefolgt, ist unmittelbarer Zeuge seiner Heilungen und Wunder gewesen. Er hat seinen Worten gelauscht. Bei seinem Tod fühlte er sich verloren. Am Abend des Ostersonntags ist Jesus seinen Jüngern erschienen, aber Thomas war nicht dabei. Und als man ihm sagte, dass Jesus lebendig sei und sich gezeigt habe, erklärte er: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht." Joh 20,25. Auch wir wollen Jesus sehen, mit ihm sprechen, noch stärker seine Gegenwart spüren können. Für viele Menschen ist der Zugang zu Jesus heute schwierig geworden. Es sind derart viele Vorstellungen über Jesus im Umlauf, die einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben und ihm seine Größe und Einzigartigkeit nehmen. Deswegen ist in mir, nach vielen Jahren des Studiums und der Betrachtung der Gedanke gereift, in einem Buch etwas von meiner eigenen persönlichen Begegnung mit Jesus weiterzugeben: um anderen dabei zu helfen, den Herrn beinahe zu sehen, zu hören und zu berühren - den Herrn, in dem Gott zu uns gekommen ist, um uns zu begegnen, damit er sich kundtue. Als Jesus seinen Jüngern eine Woche später noch einmal erschien, sagte er selbst zu Thomas: „Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" Joh 20,27. Auch wir können fühlbaren Kontakt zu Jesus haben, unsere Hand sozusagen auf die Zeichen seiner Passion, die Zeichen seiner Liebe, legen: Besonders in den Sakramenten kommt er uns nah, schenkt er sich uns. Liebe Jugendliche, lernt Jesus in der Eucharistie zu „sehen" und zu „begegnen", dort, wo er gegenwärtig und nahe ist und sich sogar zur Speise für unsere Reise macht. Im Sakrament der Buße zeigt uns der Herr seine Barmherzigkeit und gewährt uns jederzeit seine Vergebung. Erkennt und dient Jesus in den Armen, den Kranken, und in Euren Brüdern und Schwestern, die in Schwierigkeiten sind und Hilfe brauchen. Tretet ein in einen persönlichen Dialog mit Jesus Christus und pflegt ihn im Glauben. Lernt Ihn noch besser kennen, indem Ihr die Evangelien und den Katechismus der Katholischen Kirche lest. Sprecht mit Ihm im Ge- bet, schenkt Ihm Euer Vertrauen: Er wird es nie enttäuschen! „Der Glaube ist eine persönliche Bindung des Menschen an Gott und zugleich, untrennbar davon, freie Zustimmung zu der ganzen von Gott geoffenbarten Wahrheit." Katechismus der Katholischen Kirche, 150. So werdet Ihr einen reifen und festen Glauben erlangen, der nicht einfach auf religiösen Gefühlen beruht oder einer vagen Erinnerung an den Katechismus Eurer Kindheit. Ihr werdet Gott kennenlernen können und wirklich in Eintracht mit ihm leben, so wie der Apostel Thomas, der seinen festen Glauben an Jesus mit den Worten bezeugte: „Mein Herr und mein Gott!" 5. Vom Glauben der Kirche getragen, um Zeuge zu sein Da sagte Jesus zu Thomas: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Joh 20,28. Er dachte dabei an den Weg der Kirche, die sich auf den Glauben der Augenzeugen, der Apostel, stützte. Wir verstehen jetzt, dass unser persönlicher Glaube an Christus, der durch den Dialog mit ihm entsteht, an den Glauben der Kirche gebunden ist: Wir glauben nicht als isolierte Einzelwesen, sondern sind vielmehr durch die Taufe Glieder dieser großen Familie, und es ist der von der Kirche bekannte Glaube, der unseren persönlichen Glauben bekräftigt. Das Glaubensbekenntnis, das wir in der Sonntagsmesse ver- künden, bewahrt uns gerade vor der Gefahr, an einen Gott zu glauben, der ein anderer ist als der, den Jesus uns offenbart hat: .Jeder Glaubende ist so ein Glied in der großen Kette der Glaubenden. Ich kann nicht glauben, wenn ich nicht durch den Glauben anderer getragen bin, und ich trage durch meinen Glauben den Glauben anderer mit." Katechismus der Katholischen Kirche, 166. Danken wir ohne Unterlass dem Herrn für das Geschenk der Kirche. Sie lässt uns mit Zuversicht im Glauben vorankommen, der uns das wahre Leben gibt vgl. Joh 20,31. In der Geschichte der Kirche haben die Heiligen und Märtyrer die Kraft, Gott treu zu sein bis zur Aufopferung ihres eigenen Lebens, stets aus dem glorreichen Kreuz Christi geschöpft. Im Glauben haben sie die Kraft gefunden, ihre eigenen Schwächen zu besiegen und jede Widrigkeit zu überwinden. Und so sagt der Apostel Johannes: „Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?" 1 Joh 5,5. Der Sieg, der aus dem Glauben hervorgeht, ist der Sieg der Liebe. So viele Christen hat es schon gegeben, und es gibt sie immer noch, die ein lebendiges Zeugnis für die Macht des Glaubens sind, wie er durch die christliche Nächstenliebe zum Ausdruck kommt: sie waren Friedensstifter, Verteidiger der Gerechtigkeit und Akteure für eine menschlichere Welt, für eine Welt in Einklang mit Gottes Plan. Sie haben sich kompetent und professionell in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens engagiert und damit erfolgreich zum Wohl aller beigetragen. Die Nächstenliebe, die aus dem Glauben hervorgeht, hat sie dazu geführt, ein lebens- nahes Zeugnis - in Worten und Werken - abzulegen: Christus ist nicht nur für uns selbst ein Schatz, er ist der kostbarste Schatz, den wir mit den anderen teilen sollen. Seid in unserem Zeitalter der Globalisierung Zeugen der christlichen Hoffnung für die ganze Welt. So viele Menschen sehnen sich nach dieser Hoffnung! Als Jesus vor dem Grab seines Freundes Lazarus stand, der vier Tage zuvor gestorben war, sagte er, als er ihn gerade wieder ins Leben zurückholen wollte, zu dessen Schwester Martha: „Wenn du glaubst, wirst du die Herr- lichkeit Gottes sehen." Joh 11,40. Wenn Ihr glaubt, werdet auch Ihr - wenn Ihr Euren Glauben jeden Tag leben und bezeugen könnt - zu einem Werkzeug, um anderen jungen Menschen wie Euch selbst dabei zu helfen, den Sinn des Lebens und die Lebensfreude zu entdecken, die sich aus der Begegnung mit Christus ergeben! 6. Auf dem Weg zum Weltjugendtag in Madrid Liebe Freunde, noch einmal lade ich Euch dazu ein, am Weltjugendtag in Madrid teilzunehmen. Mit tiefer Freude erwarte ich einen jeden von Euch persönlich: Christus selbst möchte Euch durch die Kirche im Glauben bestärken. Die Entscheidung, an Jesus Christus zu glauben und ihm zu folgen, ist niemals einfach. Sie wird durch unser eigenes Versagen und durch so viele Stimmen, die uns auf leichtere Pfade führen wollen, unent- wegt behindert. Lasst Euch nicht entmutigen, sucht lieber die Unterstützung der christlichen Gemeinschaft, die Unterstützung der Kirche! Bereitet Euch im Laufe dieses Jahres gründlich auf das Treffen in Madrid mit Euren Bischöfen, Euren Priestern und den Verantwortlichen für die Jugendpastoral in den Diözesen, den Pfarrge- meinden, den Verbänden und Bewegungen vor. Die Qualität unserer Zusammenkunft wird in erster Linie von der spirituellen Vorbereitung, vom Gebet, vom gemeinsamen Hören des Wortes Gottes und von unserer ge- genseitigen Unterstützung abhängen. Liebe Jugendliche, die Kirche zählt auf Euch! Sie braucht Euren lebendigen Glauben, Eure kreative Nächsten- liebe und die Kraft Eurer Hoffnung. Eure Anwesenheit erneuert die Kirche, sie verjüngt sie und leiht ihr neuen Schwung. Deshalb sind die Weltjugendtage nicht nur für Euch eine Gnade, sondern auch für das ganze Volk Gottes. Die Kirche Spaniens bereitet sich aktiv darauf vor, Euch zu empfangen und mit Euch diese freudige Erfahrung des Glaubens zu teilen. Ich danke den Diözesen, Pfarrgemeinden, Heiligtümern, religiösen Gemein- schaften, den kirchlichen Verbänden und Bewegungen, die sich fleißig an der Vorbereitung dieser Veran- staltung beteiligen. Der Herr wird ihnen seinen Segen nicht versagen. Möge die Jungfrau Maria diese Phase der Vorbereitung begleiten! Bei der Verkündigung des Engels nahm sie das Wort Gottes gläubig an. Gläubig stimmte sie dem Werk zu, das Gott in ihr vollendete. Indem sie ihr „fiat", ihr „Ja", verkündete, erhielt sie die Gabe einer unermesslichen Nächstenliebe, die sie dazu drängte, sich Gott ganz zu schenken. Möge sie für einen jeden von Euch Fürsprache einlegen, auf dass Ihr beim kommenden Weltjugendtag im Glauben und in der Liebe wachst! Seid meines väterlichen Gedenkens an Euch in meinen Gebeten sicher, und ich segne Euch aus vollem Herzen. Aus dem Vatikan, Fest der Verklärung des Herrn Benedictus PP. XVI DT100907Aus dem Französischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt
Foto oben: Eröffnung des Weltjugendtages in Madrid Begrüßungsrede des Papstes im Volltext
Eure Majestäten! Verehrter Herr Kardinalerzbischof von Madrid! Meine Herren Kardinäle! Verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt! Sehr geehrte Repräsentanten des Staates, der Region und der Stadt Madrid! Liebe Brüder und Schwestern von Madrid und ganz Spanien! Majestät, ich danke Ihnen, dass Sie gemeinsam mit der Königin hier zugegen sind und mich mit Ihren so ehrerbietigen und freundlichen Worten willkommen geheißen haben. Diese Worte erinnern mich an die unver- gesslichen Zeichen der Sympathie, die mir auf meinen früheren Apostolischen Reisen nach Spanien entgegen- gebracht wurden, insbesondere auf meiner letzten Reise nach Santiago de Compostela und nach Barcelona. Sehr herzlich grüße ich alle Anwesenden hier in Barajas und alle, die diese Zeremonie über Radio und Fern- sehen mit verfolgen. Besonderer Dank gilt ebenso allen, die mit großem Einsatz und Hingabe im kirchlichen und weltlichen Bereich ihren Beitrag und ihre Arbeit geleistet haben, damit dieser Weltjugendtag in Madrid gut verlaufen und reiche Frucht bringen kann. Von ganzem Herzen möchte ich auch für die Gastfreundschaft vieler Familien, Pfarreien, Studentenheime und anderer Einrichtungen danken, welche die Jugendlichen aus aller Welt aufgenommen haben – zunächst in den verschiedenen Regionen und Städten Spaniens und jetzt in der großen Weltstadt Madrid, deren Tore stets offen stehen. Ich komme hierher, um Tausende von Jugendlichen aus aller Welt zu treffen – Katholiken wie auch Menschen, die an Christus interessiert oder auf der Suche nach der Wahrheit sind, die ihrem Leben echten Sinn gibt. Ich komme als Nachfolger Petri, der einige Tage mit intensivem pastoralen Wirken verbringt, um alle im Glauben zu stärken und um zu verkünden, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist; um einen Anstoß für die Aufgabe zu geben, das Reich Gottes in der Welt, unter uns aufzubauen; um die Jugendlichen zu ermuntern, Christus, dem Freund, persönlich zu begegnen und so, in Ihm verwurzelt, zu seinen treuen Jüngern und mutigen Zeugen zu werden. Warum und wozu ist diese große Zahl an Jugendlichen nach Madrid gekommen? Wenngleich die Jugend- lichen selbst die Antwort geben sollten, kann man sich gut vorstellen, dass sie das Wort Gottes hören wollen, wie ihnen im Motto dieses Weltjugendtags vorgeschlagen wurde, um so, in Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, die Festigkeit ihres Glaubens zum Ausdruck zu bringen. Viele von ihnen haben die Stimme Gottes vernommen, vielleicht nur wie ein sanftes Säuseln, das sie dazu be- wegt hat, ihn eifriger zu suchen und mit anderen die Erfahrung der Kraft zu teilen, die Er in ihrem Leben hat. Diese Entdeckung des lebendigen Gottes belebt die Jugendlichen und öffnet ihre Augen für die Herausfor- derungen der Welt, in der sie leben, mit ihren Grenzen und Chancen. Sie sehen Oberflächlichkeit, Konsumis- mus und Hedonismus vorherrschen, sie nehmen eine große Banalität im Umgang mit der Sexualität, großen Mangel an Solidarität und viel Korruption wahr. Sie wissen, dass es ohne Gott schwierig ist, diesen Herausfor- derungen zu begegnen und wirklich glücklich zu sein, obgleich sie sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, ein authentisches Leben zu führen. Aber mit Ihm an ihrer Seite werden sie Licht auf dem Weg und Grund zur Hoffnung haben und sich nicht von ihren größten Idealen abhalten lassen, die ihren großherzigen Einsatz zum Aufbau einer Gesellschaft motivieren, in der die Würde des Menschen und echte Brüderlichkeit respektiert wer- den. Hier auf diesem Weltjugendtag haben sie eine besondere Gelegenheit, ihre Ideen zusammenzutragen, den Reichtum ihrer Kulturen und Erfahrungen gegenseitig auszutauschen, einander auf dem Glaubens- und Lebensweg Mut zu machen, auf dem sich manche alleine oder in ihrem täglichen Umfeld unbeachtet fühlen. Aber nein, sie sind nicht allein. Viele ihrer Altersgenossen teilen dieselben Ziele. In vollem Vertrauen auf Christus wissen sie, dass wirklich eine Zukunft vor ihnen liegt, und fürchten nicht die verbindlichen Entschei- dungen, die das ganzen Leben ausfüllen. Deswegen ist es für mich eine große Freude, ihnen zuzuhören, gemeinsam mit ihnen zu beten und die Eucharistie zu feiern. Der Weltjugendtag bringt uns eine Botschaft der Hoffnung – wie eine Brise reiner und jugendlich frischer Luft – mit einem Hauch der Erneuerung, der uns im Hinblick auf die Zukunft der Kirche und der Welt mit Zuversicht erfüllt. Gewiss fehlt es nicht an Schwierigkeiten. An vielen Orten der Welt gibt es Spannungen und offene Auseinandersetzungen, bis hin zu Blutvergießen. Die Gerechtigkeit und der hohe Wert der menschlichen Person werden leicht egoistischen, materiellen und ideologischen Interessen untergeordnet. Nicht immer achtet man in gebührender Weise die Umwelt und die Natur, die Gott mit großer Liebe erschaffen hat. Außerdem schauen viele Jugendliche mit Sorge in die Zukunft angesichts der Schwierigkeit, eine würdige Arbeit zu finden, beziehungsweise weil sie ihre Arbeit verloren haben oder ihr Arbeitsplatz unsicher ist. Andere bedürfen des vorbeugenden Schutzes, um nicht in die Fänge der Droge zu geraten, oder wirkungsvoller Hilfe, wenn sie darin leider schon verstrickt sind. Nicht wenige erleiden wegen ihres Glaubens an Christus Dis- kriminierung, die in bestimmten Regionen und Ländern bis zu Verachtung und offener oder heimlicher Verfolgung geht. Man verfolgt sie, indem man sie von Ihm entfernen will: Im öffentlichen Leben werden ihnen die Zeichen seiner Gegenwart genommen und wird sogar sein heiliger Name verschwiegen. Dagegen möchte ich den jungen Menschen mit aller Kraft meines Herzens sagen: Nichts und niemand nehme euch den Frieden; schämt euch nicht des Herrn. Er hatte keine Vorbehalte, einer wie wir zu werden und an unseren Sorgen teilzunehmen, um sie zu Gott zu tragen, und so hat er uns erlöst. In diesem Zusammenhang ist es vordringlich, den jugendlichen Jüngern Jesu zu helfen, fest im Glauben zu bleiben und das wunderbare Abenteuer auf sich zu nehmen, den Glauben zu verkünden und mit dem eigenen Leben offen zu bezeugen. Es geht um ein mutiges Zeugnis, voll Liebe zum Mitmenschen, entschieden und klug zugleich, ohne die eigene christliche Identität zu verleugnen, in einem Klima des respektvollen Miteinanders gegenüber anderen legitimen Überzeugungen, wo gleichzeitig der gebührende Respekt vor den eigenen Überzeugungen eingefordert wird. Majestät, nochmals danke ich Ihnen für den ehrerbietigen Gruß, mit dem Sie mich willkommen geheißen haben. Ebenso möchte ich allen Menschen in Spanien meine Wertschätzung und Verbundenheit zum Ausdruck bringen wie auch meine Bewunderung für ein Land, das so reich an Geschichte und Kultur ist, und für die Lebendigkeit seines Glaubens. Dieser hat zu allen Zeiten Frucht getragen in vielen Heiligen, in zahlreichen Männern und Frauen, die ihre Heimat verlassen und das Evangelium in jeden Winkel der Erde gebracht haben, sowie in aufrechten, solidarischen und gütigen Menschen im ganzen Land. Dies ist ein großer Schatz, und sicher lohnt es sich, ihn mit bejahender Einstellung zu pflegen für das Gemeinwohl heute und um eine er- freuliche Perspektive für die Zukunft der jungen Generationen bieten zu können. Obschon es gegenwärtig An- laß zu Sorge gibt, ist der Eifer der Spanier stärker, diese mit der für sie charakteristischen Dynamik zu über- winden, zu der auch die tiefen, im Laufe der Jahrhunderte sehr fruchtbaren christlichen Wurzeln beitragen. Sehr herzlich grüße ich hier schon jetzt alle lieben spanischen und Madrider Freunde wie auch jene, die aus vielen anderen Ländern gekommen sind. In diesen Tagen bin ich bei euch; zugleich denke ich auch an alle Jugendlichen weltweit, besonders an jene, die Prüfungen verschiedener Art durchmachen. Ich vertraue dieses Treffen der seligen Jungfrau Maria und der Fürsprache der heiligen Patrone dieses Weltjugendtages an und bitte den Herrn um seinen beständigen Schutz und Segen für die Söhne und Töchter Spaniens. Vielen Dank. Rv111808gs

Fotos oben: Benedikt XVI. auf dem Weg vom Flughafen nach Madrid In sämtlichen Rucksäcken der Pilger wird es ein ganz besonderes Geschenk geben, dass der Papst sich für die Jugendlichen wünschte: den YouCat.
YouCat ist die Abkürzung für Youth Catechism, das heißt, ein Katechismus, der speziell auf Jugendliche ausgerichtet ist, eine zeitgenössische Erklärung des katholischen Glaubens. Der YouCat beinhaltet Fragen und Antworten, Kommentare, Illustrationen und Bilder sowie Zusammenstellungen von Schlüsselbegriffen. Auch sind Zitate aus der Bibel, von Heiligen oder großen Lehrmeistern des katholischen Glaubens darin enthalten. Und dies alles mit der Zielsetzung, das Verständnis des Glaubens allen Teilnehmern des Weltjugendtages zugänglich zu machen! Es handelt sich hierbei um eine Katechismuslehre, die in Deutschland unter der Aufsicht des Wiener Erzbischofs Kardinal Schönborn erstellt wurde. Jetzt wurde das vom Papst geschriebene Vorwort zu diesem Buch bekannt gegeben. In diesem erkennt der Papst an, dass die Kirche “in letzter Zeit durch Angriffe des Bösen verletzt wurde”, in Bezugnahme auf die Fälle der Kinderschändung durch Kleriker. "Nehmt nicht das Vorangegangene als Ausrede zur Flucht von Gottes Seite, ihr selbst seid der Körper Christus, die Kirche. Tragt das intakte Feuer eurer Liebe immer dann zu ihr, wenn die Menschen ihr Gesicht verdunkeln.", bittet er. Warum eine Katechismuslehre für Jugendliche? Der Papst weist in seinem Vorwort darauf hin, dass viele Personen behaupten, dass Jugendliche sich derzeit nicht für den Katechismus interessierten, er das aber nicht glaube. "Die Jungend ist nicht so oberflächlich wie es ihr vorgeworfen wird. Die Jugendlichen wollen wissen, worin die Wahrheit des Lebens besteht. Ein Krimi- nalroman ist interessant, weil er uns in das Schicksal anderer Menschen verwickelt, das aber auch unser eigenes sein könnte. Der Katechismus ist interessant, weil er von unserer Bestimmung berichtet und unseren Nach- barn ebenso betrifft wie uns selbst“, versichert der Papst. Deshalb lädt der Heilige Vater alle Jugendlichen dazu ein, die Katechismuslehre zu studieren. Er weist aller- dings darauf hin, dass dieselbe keine einfachen Lösungen anbietet, sondern sie zu einem neuen Leben auffordert und ihnen das Evangelium wie die “wunderschöne Perle, für die man etwas im Austausch geben muss”, vorstellt. Kennt euren Glauben mit Präzision "Deshalb bitte ich euch: studiert den Katechismus mit Leidenschaft und Ausdauer. Widmet eure Zeit für ihn. Lernt ihn in der Stille eures Zimmers, lest ihn zusammen mit Freunden, bildet Gruppen und Lernnetze, tauscht Ideen über das Internet aus”, ermahnt er. Benedikt XVI. unterstreicht, dass die Jugendlichen über das, woran sie glauben, Bescheid wissen und ihren Glauben kennen müssen, und zwar “mit der gleichen Präzision mit der ein Computerspezialist das Betriebs- system eines Computer kennt“. "Ihr müsst den Glauben genauso kennen wie ein Musiker sein Instrument und müsst im Glauben eurer Eltern fest verankert sein, um mit Kraft den Herausforderungen und Versuchungen unserer Zeit widerstehen zu können", fügt er im Text hinzu. “Nehmt an der göttlichen Zuwendung teil, wenn ihr nicht wollt, dass euer Glaube austrocknet wie ein Tropfen Tau in der Sonne, wenn ihr den Versuchungen des Konsums nicht nachgeben wollt, wenn ihr nicht wollt, dass sich eure Liebe in der Pornographie erstickt, wenn ihr die Schwachen und die Opfer von Misshandlungen und Gewalt nicht verraten wollt". Gäbe es ein besseres Geschenk als dieses, um die Basis des Glaubens zu festigen, ganz gemäß des Mottos des Weltjugendtages: "In Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben“? RV110204sk
Spanien: 700.000 Exemplare des Jugendkatechismus verteilt 700.000 Exemplare des neuen Jugendkatechismus werden beim Weltjugendtag verteilt. 300 Seiten umfasst ein solcher Jugendkatechismus. Die Organisatoren des Weltjugendtages geben ihn in sechs verschiedenen Sprachen aus. „Youcat“ heißt das Buch. Was es damit auf sich hat und wer das Buch verfasst hat, weiß Michael Hermann: „Youcat“ – das ist ein moderner Name für eine durchaus moderne Sache. Die Glaubensgrundsätze der katholischen Kirche werden in dem Buch in jugendgemäßer Art und Weise vorgestellt. Ein authentischer Ausdruck der Jugendkultur, so der für das Projekt verantwortliche Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Papst Benedikt sei von der Idee, den Katechismus für Jugendliche zu übersetzen, begeistert gewesen. Und so spricht der Papst in seinem Vorwort auch selbst ganz in der Sprache junger Menschen zu den jungen Men- schen: „Ihr müsst wissen, was ihr glaubt. Ihr müsst euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem seines Computers.“ Entstanden ist „Youcat“ als Gemeinschaftsprojekt von katholischen Theologen, Religionspädagogen und Jugendlichen. In zwei Sommercamps haben letztere das Buch noch mal kritisch unter die Lupe genommen und auf die Bezüge zu ihrer Lebenslage hin überprüft. Das sei eine durchaus harte Prüfung gewesen, berichten die Verfasser. So erfahren junge Katholiken wie Nicht-Katholiken und auch mancher Erwachsener z.B., wie man einen Rosenkranz betet oder wie die katholische Kirche Sexualität sieht. Und weil „YouCat“ im deutschen Sprachraum so viel positive Resonanz fand, soll er nun in viele weitere Sprachen übersetzt und damit weltweit eingesetzt werden. Rv110818mch
Das aktuelle Buch - Glaubenswissen für die junge Generation Der Jugendkatechismus der katholischen Kirche Sie heißen Dario, Marie und Victoria und waren schon dabei, als Papst Benedikt XVI. im August 2005 zum Weltjugendtag der katholischen Kirche nach Köln kam. In diesen Tagen begegnen sie dem Papst aufs Neue, diesmal in Madrid. Wieder sind sie, wie alle registrierten Pilger, an einem Rucksack zu erkennen, freilich an einem, der auch ihre Erkenntnisse enthält, den Youcat. Lange vor dem Weltjugendtag in Köln war die Idee entstanden, für das Glaubenswissen der katholischen Kirche eine Sprache zu finden, die auch Jugendliche verstehen. In Sommercamps nahm sie unter Anleitung des heutigen Frankfurter Stadtdekans Johannes zu Eitz und Michaela zu Heeremans über Jahre Gestalt an, nicht ahnend, dass aus den Gesprächen über Erbsünde, ewiges Leben oder auch Empfängnisverhütung einmal ein Buch werden sollte, das binnen eines Jahres in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde und eine Auflage in Millionenhöhe erreicht hat. Denn die Form wollte erst mühsam gefunden werden - und durfte dann nicht gleich zwischen den Mühl- steinen von bischöflichen Glaubens-, Jugend- und Medienkommissionen pulverisiert oder dem allgegenwär- tigen Misstrauen gegen alles, was an Theologie aus Deutschland kommt, ausgesetzt werden. Also musste das Buch geadelt werden, im eigentlichen wie im übertragenen Sinn des Wortes. Die eine Aufgabe übernahm Christoph von Schönborn, der Erzbischof von Wien, die andere Benedikt XVI. Der Kardinal erteilte im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz das „imprimatur", der Papst schrieb das Vorwort. Nun konnte auch Kardinal Rouco Varela, der Gastgeber des Weltjugendtages von Madrid, nichts mehr dagegen haben, dass der„Jugendkatechismus der katholischen Kirche" in jeden Pilgerrucksack gepackt wurde. Eine Last haben die Jugendlichen und ihre insgesamt fünf Mentoren, die die redaktionelle Hauptlast trugen, mit dem Youcat nicht aufgelegt. Der thematische Aufbau des handlichen Buches ist so traditionell, wie es traditioneller nicht geht. In vier Teilen geht es um „Was wir glauben", „Wie wir die christlichen Mysterien feiern", „Wie wir in Christus das Leben haben" und „Wie wir beten sollen". Ganz der Tradition verhaftet ist auch das Frage-Antwort- Schema, wiewohl die meisten Zeitgenossen darin eher ein postmodernes Q & A als das jahrhundertealte Katechismus-Schema erkennen dürften. Indes sind die Fragen und Antworten selbst in einer Weise formuliert, in der die Handschrift von Jugendlichen erkennbar ist, ohne dass dazu Abstriche an der Substanz gemacht worden wären. Die fettgedruckte Antwort auf Frage 1 „Wozu sind wir auf Erden?" lautet denn auch: „Wir sind auf der Erde, um Gott zu erkennen und zu lieben, nach seinem Willen das Gute zu tun und eines Tages in den Himmel zu kommen." Wer mag, der kann sich anhand der Zahlen, die sich dann anschließen, in den entsprechenden Abschnitten des großen „Katechismus der katholischen Kirche" noch kundiger machen. Oder sich dem in magerer Schrift gedruckten Kommentar anvertrauen, der die Frucht eines mehr als zehnjährigen Ringens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihren geistlichen Begleitern um die Wahrheit dieses Satzes für heute ist. Das klingt dann so: „Wir kommen von weiter her als von unseren Eltern. Wir kommen von Gott, in dem alles Glück des Himmels und der Erde zu Hause ist, und wir werden in seiner ewigen, grenzenlosen Seligkeit erwartet. Dazwischen leben wir auf dieser Erde. Manchmal spüren wir die Nähe unseres Schöpfers, oft spüren wir nichts." Dann ist da noch eine Randspalte. Sie läuft durch das gesamte Buch, von Frage 1 bis zur Frage 527. Sie ist randvoll mit Bibelstellen, Bildern und Zitaten voller Weisheit, etwa dem vom Blaise Pascal: „Menschen und menschliche Dinge muss man kennen, um sie zu lieben, Gott und göttliche Dinge muss man lieben, um sie zu kennen." Papst Benedikt formuliert in seinem Vorwort etwas prosaischer: „Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt. Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem eines Computers." FAZ110819DanielDeckers Youcat. Jugendkatechismus, Pattloch Verlag, München 2011.304 S., 12,99 €.
Die Hymne des WJT Madrid 2011 und YOUCAT > Credo und direkt > www.madrid11.com RV110204sk Direkt zum Katechismus der Katholischen Kirche > www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM

Papst lobt Weltjugendtag von 2000 In Castelgandolfo hat Papst Benedikt XVI. den WJT von Rom ausdrücklich gelobt. Vor brasilianischen Bischöfen meinte Benedikt XVI.: „Johannes Paul II. wollte, dass Rom im Heiligen Jahr 2000 jung mit den jungen Leuten sei, und er nannte die Jugendlichen „Späher des Morgens“, Leuchttürme am Ozean des dritten Jahrtausends. Sein Ruf wurde gehört: Wir erinnern uns an die langen Schlangen von jungen Leuten, die im Circus Maximus für die Beichte anstanden.“ Benedikt ermunterte die Bischöfe zu einer sorgfältigen Jugendpastoral – und darin habe die Beichte ihren Platz: „Wie ihr wisst, ist die Verdunkelung der Gnade der Vergebung eine Wurzel der spirituellen Krise unserer Zeit. Wenn die Vergebung nicht mehr als wirklich angesehen wird, dann versuchen die Menschen, sich selbst von der Schuld zu befreien oder sich einzureden, dass es Sünde eigentlich gar nicht gebe. Jesus ist aber nicht gekommen, um die zu retten, die sich schon selbst gerettet haben, sondern um die zu befreien, die wissen, dass sie Sünder sind und Rettung brauchen!“ „Wir alle brauchen ihn“, so der Papst wörtlich – aus der „Tiefe der Erneuerung der Individuen“ entstehe und erneuere sich die Kirche. rv100925

Fotos oben und unten: In Madrids Buen-Retiro-Park wurden 200 mobile Beichtstühle aufgestellt. Das Bekennen der Sünden schenkt Vergebung.
Vollkommener Ablass für Weltjugendtagsbesucher Besucher des Weltjugendtags vom 16. bis 21. August in Madrid konnten einen Ablass ihrer zeitlichen Sünden- strafen erhalten. Einem am Samstag vom Vatikan veröffentlichten Dekret der Apostolischen Pönitentiarie zufolge erhält einen vollkommenen Ablass, wer mit einer entsprechenden Gesinnung an den geistlichen Ver- anstaltungen des Weltjugendtags und am Abschlussgottesdienst teilnahm. Voraussetzungen sind der Empfang des Bußsakraments und der Kommunion sowie ein Gebet nach der Intention des Papstes. Einen Teilablass kann weltweit jeder Katholik gewinnen, der während des Treffens in Bußgesinnung für eine Stärkung der Jugendlichen durch den Heiligen Geist betet. Auch zum Kölner Weltjugendtag 2005 und zum Weltjugendtag 2008 in Sidney hatte der Papst einen Ablass gewährt. DT080710kna~

Papst will Spanier für den Glauben begeistern. Benedikt reist mit einer klaren Mission zum Weltjugendtag.
Mitten im brütend heißen August duftet es in der spanischen Hauptstadt wie in der Karwoche, aus den Kirchen strömt Weihrauchgeruch. Im Inneren bereiten Bruderschaften aus Granada, Málaga und Sevilla ihre Prozessionen vor und errichten einen Kreuzweg auf dem Prachtboulevard Recoletos gegenüber dem Prado- Museum. Morgen wird Papst Benedikt XVI. zu einer viertägigen Visite anlässlich des zwölften Weltjugendtags (WJT 2011) in Madrid erwartet. Die Hauptstadt rüstet sich für den Ansturm von bis zu 1,5 Millionen Pilgern aus Spanien und aller Welt. „Ich hoffe, dass wir viele Früchte für das christliche Leben ernten werden", sagte das Kirchenoberhaupt in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo vor seiner Abreise. Die Erwartungen des Papstes sind hoch, die Iberische Halbinsel genießt Priorität auf seiner Agenda: Erst vor neun Monaten war Benedikt XVI. in Santiago de Compostela und in Barcelona. Es geht um nichts Geringeres als die Stärkung des Glaubens. „Der Laizismus Spaniens knüpft an den Antiklerikalismus der zweiten Republik an", klagte Benedikt XVI. bereits auf seiner vorherigen Spanien-Visite. Dabei hat die Regierung sich immer bemüht, die Zwistigkeiten nicht ausufern zu lassen, hat zuletzt sogar das umstrittene Euthanasiegesetz auf die lange Bank geschoben, um die Bischöfe nicht noch weiter zu provo- zieren. Unvergessen ist auch, wie die frühere Vizeministerin Maria Teresa Fernandez de la Vega persönlich nach Rom reiste, um nach der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe für Entspannung zu sorgen, und einen praktizierenden Katholiken als spanischen Botschafter am Heiligen Stuhl ernannte. Hinzu kommen großzügige Zuwendungen des spanischen Staates, der der Kirche und den konfessionellen Schulen jährlich rund sechs Milliarden Euro zukommen lässt. Doch die Spendierfreudigkeit der Regierung konnte die aufge- brachten Gemüter zu keinem Zeitpunkt beruhigen. „Die Säkularisierung verdanken wir der Familienpolitik Zapateros, die die Doktrin der Kirche unterhöhlt hat", sagt Jesús de la Hera, Chefredakteur der katholischen Zeitung „Ecclesia", und spricht damit vielen überzeugten Katholiken des Landes aus der Seele. HAZ110818~
Madrid Paseo de la Castellana
Foto oben: Der Paseo de la Castellana ist eine der wichtigsten Hauptstraßen von Madrid. Derzeit weist die Straße sechs zentrale Spuren (jeweils drei in jede Richtung) sowie weitere vier Seiten spuren (zwei in jede Richtung) auf. Der Paseo de la Castellana verläuft von der Plaza de Colón (deutsch: Kolumbusplatz) in der Stadtmitte bis zum sog. Nudo Norte ("Nord-Knoten") im Norden von Madrid. Der Straßenverlauf entspricht dem eines früheren Flussbettes. Hier fand der Jugendkreuzweg statt. Fotos unten: Die Plaza de Cibeles ist ein verkehrsreicher Platz in Madrid, Spanien. Es ist ein Platz mit Ansichtskartencharakter für die spanische Hauptstadt.In der Mitte des Platzes befindet sich der berühmte Brunnen Fuente de Cibeles. Auf der Plaza de Cibeles feiert Real Madrid seine Triumphe, wie den Gewinn der Liga oder der Champions League. An dieser Stelle wurde Papst Benedikt XVI. begrüßt.
 
450.000 Jugendliche haben sich angemeldet -Zum Abschlussgottesdienst waren es 1,5 Millionen.
Foto: Für den Abschlussgottesdienstwar der Flugplatz Cuatro Vientos vorgesehen. Dort fand Anfang Mai 2003 die letzte Begegnung Johannes Pauls II. mit jugendlichen auf spanischem Boden statt. Spaniens Kirche hatte sich beim Päpstlichen Laienrat, der für die Jugendtreffen verantwortlich zeichnet, angeboten, einen der nächsten internationalen Weltjugendtage auszurichten. Madrids Kardinal Rouco Varela Foto oben links: freut sich auf und über seine Rolle als Gastgeber. Im Gespräch mit Radio Vatikan betont er die pastorale Aufgabe für die Kirche in Spanien. „Das war für mich eine große Freude, verbunden mit einem Gefühl der Dankbarkeit dem Herrn gegenüber, aber auch dem Papst gegenüber. Er hat uns eine große menschliche Sympathie und Ehre erwiesen. Es wird für uns nicht nur eine technische Angelegenheit werden, sondern vor allem eine spirituelle, eine geistige und pastorale Aufgabe sein. Wir werden sie aufnehmen mit dem Geist der kirchlichen Gemeinschaft, des aposto- lischen Eifers und der weiten Sicht auf das Wohl der Jugend in Europa und der ganzen Welt.” rv080720bp

Madrid war eine Messe wert
Madrid war eine Papstmesse wert. So wie im vorigen Jahr in Portugal hob Benedikt XVI. auch in Spanien die Stimmung eines Landes und einer Generation, die es nötig haben. Die sogenannte Fiesta des Glaubens führte eine halbe Million internationaler Pilger und eine weitere Million spanischer Katholiken in heiterer Eintracht zusammen. Das war ein beispielloser Triumph für die Kirche im neosäkularen Spanien des sozialistischen Noch- Ministerpräsidenten Zapatero. Es mag verfrüht sein, von einer Renaissance der „spirituellen Reserve des Okzi- dents", wie die Iberische Halbinsel lange genannt wurde, zu sprechen. Der Papst hat jedoch vor allem vielen jungen Spaniern, von denen gegenwärtig jeder zweite arbeitslos ist, Mut gemacht. Und mit einem Hauch der Magie seines Vorgängers Johannes Paul II. gab er seiner Kirche wieder Selbstvertrauen und neue Energie. Die Protestdemonstrationen linker und antiklerikaler Gruppen gegen die angebliche „Geldverschwendung", die in Wirklichkeit ein warmer Regen für Wirtschaft und Tourismus der Hauptstadt war, sollten in der gebüh- renden Perspektive betrachtet werden. Erst waren es ein paar tausend, schließlich noch ein paar hundert, die marginal störten. Das Kontrastprogramm, das Gäste und Gastgeber im Zeichen von Glaube, Hoffnung und gutem Benehmen vorführten, blieb den Spaniern auch im letzten Winkel des Landes nicht verborgen. Die dritte Visite dieses Papstes im sechsten Jahr seines Pontifikats im katholischen „Missionsland" Spanien, setzte abermals auf christliche Tradition wider materialistische und ideologische Verweltlichung. Benedikt vermied Kritik an der erklärt „laizistischen" Regierung des Sozialisten Zapatero. Das war auch nicht nötig, denn sie hat mit der Wahl am 20. November schon ihr Verfallsdatum. Demgegenüber hat der 84 Jahre alte Papst noch einiges vor. Rio de Janeiro ist der Ort seiner Wahl für den nächsten Weltjugendtag in zwei Jahren. In Madrid hat er bekräftigt, er habe vor, in Brasilien dabei zu sein. FAZ110823wie
Liebe Jugendliche! Liebe Freunde und Freundinnen! „Wenn du vollkommen sein willst, verkauf deinen Besitz und. gib das Geld den Armen...; dann komm und folge mir nach.” Mt 19,21 1. Es war mein großer Wunsch, mit euch bei dieser meiner ersten Reise nach Lateinamerika zusam- menzutreffen. Ich bin gekommen, um die fünfte Konferenz des lateinamerikanischen Episkopats zu eröffnen, die auf meinen Wunsch hin in Aparecida hier in Brasilien, am Heiligtum unserer Lieben Frau, stattfinden wird. Sie führt uns vor die Füße Jesu, damit wir seine Lehre über das Reich verstehen, und sie regt uns an, seine Missionare zu sein, damit die Völker dieses „Kontinents der Hoffnung” in Ihm das Leben in Fülle haben. Eure Bischöfe hier in Brasilien haben auf ihrer Generalversammlung des vergangenen Jahres über das Thema der Evangelisation der Jugend nachgedacht und euch ein Dokument in die Hand gelegt. Sie haben darum gebeten, dass es von euch das ganze Jahr über aufgenommen und umgesetzt wird. Bei der jüngsten Versammlung haben sie das Thema wieder aufgenommen, es durch eure Mitarbeit bereichert und wünschen nun, dass die Überlegungen und vorgeschlagenen Orientierungen euch als Anregung und Leuchte für euren Weg dienen. Die Worte des Erzbischofs von Sao Paulo und des Verantwortlichen für die Jugendpastoral, denen ich danke, bekräftigen den Geist, der euch alle bewegt. Gestern Abend, als ich Brasilien überflog, habe ich schon an unser jetziges Treffen im Stadion von Pacaembu gedacht, und zwar mit dem Wunsch, euch alle auf ganz brasilianische Weise zu umarmen und die Gefühle zu zeigen, die ich im Innersten hege und die uns übrigens auch das Evangelium von heute nahelegt. Ich habe bei Treffen wie diesem jetzt immer eine ganz besondere Freude gespürt. Ich erinnere mich besonders an den XX. Weltjugendtag, dem ich vor zwei Jahren in Deutschland vorstehen konnte. Es ist eine bewegende Erinnerung, sieht man auf die reichen Früchte an Gnaden, die uns der Herr gewährt hat. Und zweifellos ist die erste Frucht unter vielen, die ich feststellen konnte, jene der großen Brüderlichkeit unter allen als offensichtlicher Beweis der fortdauernden Vitalität der Kirche für die ganze Welt.
2. Deswegen bin ich sicher, liebe Freunde, dass sich heute dieselben Eindrücke wie bei meinem Treffen in Deutschland wieder erneuern. 1991 sagte Papst Johannes Paul II. seligen Andenkens bei seinem Besuch im Mato Grosso, dass „die Jugendichen die ersten Protagonisten des dritten Jahrtausends sind...; sie sind es, die das Schicksal dieser neuen Etappe der Menschheit umreißen” Ansprache vom 16. Okt. 1991. Heute drängt es mich, mit euch dieselbe Beobachtung zu machen. Ohne Zweifel schätzt der Herr euer christliches Leben in den zahlreichen Pfarrgemeinden und den kleinen kirchlichen Gemeinschaften, in den Universitäten, Kollegien, Schulen und vor allem auf den Straßen und an den Arbeitsplätzen in den Städten und auf dem Land. Aber man muss weitergehen. Wir können nie sagen, es genügt, weil die Liebe Gottes unendlich ist und der Herr uns bittet, oder besser, von uns verlangt, dass wir unsere Herzen weiten, damit in ihnen immer mehr Liebe, Güte, Verständnis für unsere Nächsten und die Probleme Platz finden, die nicht nur das menschliche Zusammenleben betreffen, sondern auch die wirksame Bewahrung und den Schutz der natürlichen Umwelt, deren Teil wir sind. „Unsere Wälder haben mehr Leben”: Lasst nicht zu, dass diese Flamme der Hoffnung erlischt, die eure Nationalhymne euch auf die Lippen legt. Die Umweltzerstörung in Amazonien und die Bedrohung der menschlichen Würde der dortigen Bevölkerung erfordern einen größeren Einsatz auf den verschiedensten Handlungsfeldern als er von der Gesellschaft geleistet wird. 3. Heute möchte ich mit euch über den Text des heiligen Matthäus vgl. 19,16-22 nachdenken:
Mt 19,16 Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu ge- winnen? 17 Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! 18 Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; 19 ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! 20 Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? 21 Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. 22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
Dieser Text handelt von einem Jugendlichen, der Christus begegnet. Es lohnt sich, seine Ungeduld her- vorzuheben. In diesem Jugendlichen sehe ich euch alle, die Jugend Brasiliens und ganz Lateinamerikas. Ihr seid aus den verschiedensten Regionen dieses Kontinents zu diesem Treffen zusammengekommen. Ihr wollt die Stimme des Papstes hören, die Worte, die Jesus selbst spricht. Ihr habt eine grundlegende Frage an ihn, die auch das Evangelium wiedergibt. Es ist dieselbe Frage des Jugendlichen an Jesus: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? Ich möchte mit euch diese Frage vertiefen. Es geht um das Leben. Um euer Leben, das schön und im Übermaß vorhanden ist. Was soll man daraus machen? Wie lebt man es in Fülle? Schon wenn man diese Frage stellt, versteht man sofort, dass ein „Hier” und „Jetzt” nicht ausreichend ist. Anders gesagt, es gelingt uns nicht, unser Leben in Raum und Zeit zu begrenzen, weil wir seine Horizonte erweitern wollen. Das Leben geht über Raum und Zeit hinaus. Mit anderen Worten: Wir wollen leben und nicht sterben. Wir spüren, dass es da etwas gibt, das uns zeigt, dass das Leben ewig ist und dass es nötig ist, sich anzustrengen, damit das geschieht. Es hegt also in unseren Händen und hängt in gewisser Weise von unserer Entscheidung ab. Die Frage aus dem Evangelium betrifft nicht nur die Zukunft. Sie betrifft nicht nur die Frage, was nach dem Tod geschieht. Im Gegenteil, es gibt eine Verpflichtung gegenüber der Gegenwart, hier und jetzt, aufgrund derer sich eine gewisse Glaubwürdigkeit und als Folge davon die Zukunft sicherstellen lassen muss. Die Frage betrifft, zusammengefasst, den Sinn des Lebens. Darum kann sie so gestellt werden: Was muss ich tun, damit mein Leben einen Sinn hat? Das heißt: Wie muss ich leben, um voll und ganz die Früchte des Lebens genießen zu können? Oder anders: Was muss ich tun, damit sich mein Leben nicht als unnütz erweist? Jesus ist der Einzige, der uns eine Antwort geben kann, weil er der Einzige ist, der uns das ewige Leben garantieren kann. Deswegen ist er auch der Einzige, der uns den Sinn des gegenwärtigen Lebens aufzeigen und ihm eine inhaltliche Fülle geben kann.
4. Aber bevor er antwortet, stellt Jesus die Bitte des Jugendlichen unter einem besonders wich- tigen Aspekt in Frage: Warum fragst du mich, was gut ist? In dieser Frage hegt schon der Schlüssel der Antwort. Jener Jugendliche versteht, dass Jesus gut und dass er der Lehrer ist. Ein Lehrer, der nicht täuscht. Wir sind hier, weil wir derselben Überzeugung sind: Jesus ist gut. Es kann sein, dass wir nicht genau die Gründe für diese Auffassung erklären können. Aber es ist sicher, dass sie uns ihm nähert und uns seiner Lehre öffnet: ein guter Lehrer. Der das Gute anerkennt, das heißt der liebt. Und wer liebt, so ein schöner Ausdruck des heiligen Johannes, der erkennt Gott vgl. 1 Joh 4,7. Der Jugendliche des Evan- geliums nahm in Jesus Christus Gott wahr. Jesus versichert uns, dass nur Gott gut ist. Für das Gute offen zu sein heißt, Gott anzunehmen. So lädt er uns ein, Gott in allen Dingen und in allen Ereignissen zu sehen, auch da, wo die meisten nur die Abwesenheit Gottes sehen. Wenn man die Schönheit der Geschöpfe sieht und das in ihnen vorhandene Gute feststellt, ist es unmöglich, nicht an Gott zu glauben und nicht die Erfahrung seiner erlösenden und stärkenden Gegenwart zu machen. Wenn es uns gelingt, all das Gute zu sehen, das es in der Welt gibt, und wenn wir darüber hinaus das Gute spüren, das von Gott selber kommt, werden wir nie aufhören, uns Ihm zu nähern, Bin zu loben und Ihm zu danken. Er erfüllt uns beständig mit Freude und Gütern. Seine Freude ist unsere Stärke. Aber wir können nur in begrenzter Weise erkennen. Um das Gute zu verstehen, brauchen wir Hilfen, die uns die Kirche in vielen Gelegenheiten anbietet, vor allem in der Katechese. Jesus selbst offenbart das, was für uns gut ist, indem er uns seine erste Katechese gibt: „Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote!” Mt 19,17. Er geht von dem Wissen aus, das der Jugendliche sicher schon von seiner Familie und in der Synagoge erlangt hat: Er kennt in der Tat die Gebote. Sie führen zum Leben, das heißt sie gewährleisten uns Glaubwürdigkeit. Sie sind die Wegzeiger, die uns auf den rechten Weg führen. Wer die Gebote achtet, befindet sich auf dem Weg Gottes. Aber es reicht nicht, sie zu kennen. Das Zeugnis ist gültiger als das Wissen, es ist das angewandte Wissen. Die Gebote werden nicht von außen auferlegt, sie verringern nicht unsere Freiheit. Im Gegenteil: Sie stellen kraftvolle innere Anreize dar, die uns dazu bringen, uns in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Wir werden angeregt, etwas zu tun, um uns zu verwirklichen. Durch das Handeln, in der Realität, verwirklichen wir uns selbst. Zu einem großen Teil sind wir von Jugend auf das, was wir sein wollen. Wir sind, um es so zu sagen, das Werk unserer Hände.
5. An diesem Punkt wende ich mich von neuem an euch Jugendliche, weil ich auch von euch die Ant- wort des Jugendlichen aus dem Evangelium hören möchte: All diese Dinge habe ich beobachtet von Ju- gend an. Der Jugendliche des Evangeliums war gut. Er beobachtete die Gebote. Er ging den Weg Gottes. Darum fesselte ihn Jesus, er liebte ihn. Indem er Jesus als gut anerkannte, zeigte er, dass auch er gut war. Er machte eine Erfahrung des Guten und damit Gottes. Und ihr, Jugendliche Brasiliens und Latein- amerikas, habt ihr schon entdeckt, was gut ist? Folgt ihr den Geboten des Herrn? Habt ihr entdeckt, dass das der wahre und einzige Weg zum Glück ist? Die Jahre, die ihr jetzt verbringt, sind die Jahre, die eure Zukunft vorbereiten. Das „Morgen” hängt sehr davon ab, wie ihr das „Heute” der Jugend lebt. Vor euren Augen, liebe Jugendliche, liegt ein Leben, das hoffentlich lang sein möge. Aber es gibt nur ein Leben, es ist einzig: Lasst nicht zu, dass es umsonst vergeht, verschwendet es nicht. Lebt mit Begeisterung, mit Freude, aber vor allem mit Verantwor- tungsbewusstsein. Oft zittern die Herzen von uns Hirten, wenn wir feststellen, wie es in unserer Zeit zugeht. Wir hören von den Ängsten der Jugend von heute. Diese zeigen uns einen enormen Mangel an Hoffnung, Angst vor dem Tod, gerade in dem Augenblick, wo das Leben aufblüht und den Weg der eigenen Verwirklichung sucht, Angst zu scheitern, Angst davor, nicht den Sinn des Lebens entdeckt zu haben; und Angst, abgehängt zu werden angesichts einer erschütternden Schnelligkeit der Ereignisse und der Kommunikation. Wir stellen eine hohe Prozentzahl von Toten unter den Jugendlichen fest, Bedrohungen durch Gewalt, die bedauerliche Verbreitung von Drogen, die die Jugend von heute bis in die tiefsten Wurzeln erschüttert. Man spricht deshalb von einer ins Schleudern geratenen Jugend. Aber während ich euch sehe, ihr Jugendlichen hier, voller Freude und Enthusiasmus, übernehme ich den Blick Christi: einen Blick der Liebe und des Vertrauens, in der Sicherheit, dass ihr das wahre Leben gefunden habt. Ihr seid die Jugendlichen der Kirche. Ich schicke euch deshalb in die große Mission, die Jungen und Mädchen zu evangelisieren, die in dieser Welt herumirren wie Schafe ohne Hirten. Ihr seid die Apostel der Jugend. Ladet sie ein, mit euch zu gehen, dieselbe Erfahrung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu machen wie ihr; Jesus zu begegnen, um sich wirklich geliebt zu fühlen, an- genommen und mit der großen Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Damit auch sie die sicheren Wege der Gebote entdecken und ihnen folgend zu Gott gelangen. Ihr könnt die Protagonisten einer neuen Gesellschaft sein, wenn ihr ein konkretes Verhalten an den Tag legt, das von den universalen moralischen Werten inspiriert ist, aber auch einen persönlichen Einsatz von menschlicher und geistlicher Formung, die von vitaler Bedeutung ist. Ein Mann oder eine Frau, die nicht durch die korrekte Interpretation des christlichen Lebens auf die tatsächlichen Herausforderungen ihres eigenen Umfelds vorbereitet sind, werden leicht zum Opfer aller Angriffe des auf allen Ebenen immer aktiveren Materialismus und Laizismus. Seid freie und verantwortliche Männer und Frauen; macht aus der Familie ein Zentrum, das Friede und Freude ausstrahlt; seid Förderer des Lebens von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende; schützt die Alten, weil sie Respekt und Bewunderung für das verdienen, was sie euch getan haben. Der Papst erwartet sich auch, dass die Jugendlichen ihre Arbeit zu heiligen versuchen, indem sie sie mit technischer Kompetenz und mit Sorgfalt verrichten, um zum Fortschritt all ihrer Brüder bei- zutragen und um alle menschlichen Aktivitäten mit dem Licht des Evangeliums zu erleuchten vgl. Lumen gentium, 36. Vor allem aber wünscht sich der Papst, dass sie es verstehen, Protagonisten einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft zu sein, indem sie ihre Pflichten dem Staat gegenüber erfüllen: indem sie seine Gesetze achten, indem sie sich nicht von Hass und Gewalt treiben lassen, indem sie versuchen, Vorbild eines christlichen Verhaltens in ihrem beruflichen und sozialen Umfeld zu sein und sich durch Ehrenhaftigkeit in ihren sozialen und beruflichen Beziehungen auszeichnen. Sie mögen sich daran erinnern, dass der maßlose Anspruch auf Reichtum und Macht zu persönlicher Korruption und zur Korruption der anderen führt; es gibt keine gültigen Gründe, die den Versuch rechtfertigen würden, die eigenen Ansprüche, seien sie wirtschaftlicher oder politischer Art, durch Betrug und Täuschung durchzusetzen. Genau betrachtet gibt es ein weites Panorama des Handelns, bei dem die Fragen der sozialen, wirt- schaftlichen und politischen Natur immer dann eine besondere Gestalt annehmen, wenn die Quelle ihrer Inspiration das Evangelium und die Soziallehre der Kirche sind. Der Aufbau einer gerechteren und solida- rischeren, einer versöhnten und friedlichen Gesellschaft, das Bemühen, die Gewalt zu bremsen, die Initiativen zur Förderung des ganzen Lebens, der demokratischen Ordnung und des Allgemeinwohls sowie, ganz be- sonders, jene Initiativen, die darauf abzielen, gewisse in den lateinamerikanischen Gesellschaften bestehende Diskriminierungen abzubauen und die kein Grund dafür sind, jemanden auszuschließen, sondern eine gegenseitige Bereicherung bedeuten. Habt vor allem große Achtung vor der Institution des Sakraments der Ehe. Es kann kein wahres Glück zuhause geben, wenn es keine Treue unter den Eheleuten gibt. Die Ehe ist eine Einrichtung des Naturrechts, die von Christus zur Würde des Sakraments erhoben wurde; sie ist ein großes Geschenk, das Gott der Menschheit gemacht hat. Achtet sie, verehrt sie. Gleichzeitig ruft euch Gott, euch gegenseitig beim Verliebtsein und als Verlobte zu achten, denn das eheliche Leben, das nach göttlicher Bestimmung nur den verheirateten Paaren vorbehalten ist, wird nur in dem Maß zu einer Quelle des Glücks und des Friedens, in dem ihr versteht, aus der Keuschheit sowohl innerhalb wie außerhalb der Ehe ein Bollwerk zum Schutz eurer zukünftigen Hoffnungen zu machen. Ich wiederhole hier für euch alle, dass „der Eros uns zum Göttlichen hinreißen, uns über uns selbst hinausführen will, aber gerade darum einen Weg des Aufstiegs, der Verzichte, der Reinigungen und Heilungen verlangt” Deus Caritas est, 5. In wenigen Worten, er verlangt einen Geist des Opfers und des Verzichts um eines höheren Guts willen, welches genau genommen die Liebe Gottes zu allen Dingen ist. Versucht mit Festigkeit allen Fallen des in vielen Umfeldern bestehenden Bösen zu widerstehen, das euch zu einem sittenlosen und paradoxerweise leeren Leben drängt, indem es euch das kostbare Geschenk eurer Freiheit und eures wahren Glücks verlieren lässt. Die wahre Liebe muss „immer mehr das Glück des anderen wollen, immer mehr sich um ihn sorgen, sich schenken, für ihn da sein wollen” ebd.7 und wird deshalb immer treuer, unauflösbarer und fruchtbarer sein. Zählt dabei auf die Hilfe Jesu Christi, der das mit seiner Gnade möglich macht vgl. Mt 19,26. Das Leben des Glaubens und des Gebets wird euch zu den Wegen der Innigkeit mit Gott führen und zum Verständnis der Größe der Pläne, die Er für jede Person hat. „Um des Himmelreichs willen” sind einige zu einer völligen und endgültigen Hingabe berufen, um sich Gott im religiösen Leben zu weihen, einer „außerordentlichen Gnadengabe”, wie das Zweite Vatikanische Konzil erklärt hat Perfectae caritatis, 12. Die Geweihten, die sich Gott unter dem Antrieb des Heiligen Geistes ganz hingeben, nehmen an der Mission der Kirche teil, indem sie die Hoffnung auf das Reich Gottes unter allen Menschen bezeugen. Darum segne ich alle Religiösen, die sich im Weinberg des Herrn Christus und den Brüdern widmen, und rufe den Segen auf sie herab. Die geweihten Personen verdienen wahrhaft die Dankbarkeit der kirchlichen Gemeinschaft: die Mönche und Nonnen, die Kontemplativen, die den Apostolatswerken geweihten Religiösen, die Mitglieder der Säkularinstitute und der Gesellschaften des Apostolischen Lebens, die geweihten Ere- miten und Jungfrauen. „Ihre Existenz bezeugt die Liebe zu Christus, wenn sie auf seine Nachfolge zusteuern, wie es vom Evangelium vorgeschlagen wird, und mit innerster Freude den Lebensstil annehmen, den Er für Sich gewählt hat” Kongregation für die Institute des gottgeweihten und apostolischen Lebens, Instruktion Ripartire da Cristo, 5. Ich wünsche, dass der Heilige Geist in diesem Augenblick der Gnade und der tiefen Gemeinschaft mit Christus in den Herzen vieler Jugendlicher eine leidenschaftliche Liebe dafür erweckt, dem keuschen, armen und gehorsamen, ganz der Verherrlichung des Vaters und der Liebe zu den Brüdern und Schwestern zugewandten Christus nachzufolgen und ihm gleich zu werden.
6. Das Evangelium sagt uns klar, dass jener Jugendliche, der Jesus begegnete, sehr reich war. Wir verstehen diesen Reichtum nicht nur in materieller Hinsicht. Die Jugend selbst ist ein einzigartiger Reichtum. Man muss ihn entdecken und wert schätzen. Jesus hat ihn so sehr geschätzt, dass er ihn am Ende eingeladen hat, an seiner Heilssendung teilzunehmen. Jener Jugendliche trug in sich alle Voraussetzungen für die Verwirklichung eines großen Werks. Aber das Evangelium berichtet uns, dass dieser junge Mann traurig wurde, als er die Einladung hörte. Er ging niedergeschlagen und traurig von dannen. Diese Episode lässt uns nochmals über den Reichtum der Jugend nachdenken. In erster Linie handelt es sich nicht um materielle Güter, sondern um das eigene Leben mit den der Jugend innewohnenden Werten. Das rührt von einer doppelten Erbschaft her: Das Leben, von Generation zu Generation weitergegeben, an dessen ursprünglichem Anfang Gott steht, voll der Weisheit und Liebe; sowie die Erziehung, die uns in die Kultur einführt, so dass man in gewisser Weise sagen kann, dass wir mehr die Kinder der Kultur, und damit auch des Glaubens, als Kinder der Natur sind. Dem Leben entsprießt die Freiheit, die sich, vor allem in dieser Phase, als Verantwortlichkeit zeigt. Es ist der große Augenblick der Entscheidung, mit einer doppelten Option: Die erste betrifft den Lebensstand, die andere den Beruf. Sie antwortet auf die Frage, was man aus seinem Leben machen soll. Mit anderen Worten, die Jugend erweist sich als ein Reichtum, weil sie zu einer Entdeckung des Lebens als Geschenk und als Auftrag führt. Der Jugendliche des Evangeliums verstand den Reichtum der eigenen Jugend. Er ging zu Jesus, dem guten Lehrer, um Orientierung zu suchen. In der Stunde der großen Option hatte er aber nicht den Mut, alles auf Jesus Christus zu setzen. Die Folge war, dass er traurig und niedergeschlagen wegging. Das geschieht jedes Mal, wenn unsere Entscheidungen wanken und kläglich und eigennützig werden. Er verstand, dass ihm die Großzügigkeit fehlte, und das erlaubte ihm keine volle Verwirklichung. Er zog sich auf seinen Reichtum zurück, indem er ihn zu etwas Egoistischem machte. Jesus missfällt die Traurigkeit und das Klägliche des Jugendlichen, der gekommen war, ihn zu suchen. Die Apostel, so wie ihr alle heute, füllen die Leere auf, die jener Jugendliche zurückließ, der traurig und niedergeschlagen davonging. Sie und wir sind glücklich, weil wir wissen, wem wir glauben vgl. 2 Tim 1,12. Wir wissen und bezeugen mit unserem Leben, dass nur Er Worte des ewigen Lebens hat. vgl. Joh 6,68. Deswegen können wir mit dem heiligen Paulus ausrufen: Freuet euch immer im Herrn! vgl. Phil 4,4
7. Mein heutiger Appell an euch Jugendliche, die ihr zu diesem Treffen gekommen seid, ist der, dass ihr eure Jugend nicht verschwendet. Versucht nicht, vor ihr zu fliehen. Lebt sie intensiv. Weiht sie den hohen Idealen des Glaubens und der menschlichen Solidarität. Ihr Jugendlichen seid nicht nur die Zukunft der Kirche und der Menschheit, so als sei das eine Art Flucht vor der Gegenwart. Im Gegenteil: Ihr seid die gegenwärtige Jugend der Kirche und der Menschheit. Ihr seid ihr junges Angesicht. Die Kirche braucht euch, als Jugendliche, um der Welt das Angesicht Jesu Christi zu zeigen, das sich in der christlichen Gemeinschaft abzeichnet. Ohne dieses junge Angesicht würde sich die Kirche entstellt zeigen. Liebe Jugendliche, in Kürze eröffne ich die fünfte Konferenz des lateinamerikanischen Episkopats. Ich bitte euch, ihre Arbeit mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, an den Debatten teilzunehmen, ihre Früchte aufzunehmen. Wie es bei den vergangenen Konferenzen der Fall war, wird auch sie in bezeichnender Weise die nächsten zehn Jahre der Evangelisation in Lateinamerika und der Karibik vorzeichnen. Niemand darf beiseite stehen oder gleichgültig bleiben angesichts dieser großen Anstrengung der Kirche - und am wenigsten noch die Jugend. Ihr seid in vollem Umfang Teil der Kirche, die das Angesicht Jesu Christi für Lateinamerika und die Karibik darstellt. Ich grüße die Französischsprachigen, die auf dem lateinamerikanischen Kontinent leben, und ich lade sie ein, Zeugen des Evangeliums und Protagonisten des kirchlichen Lebens zu sein. Mein Gebet gilt in ganz besonderer Weise euch Jugendlichen: Ihr seid gerufen, euer Leben auf Christus und die grundlegenden menschlichen Werte zu bauen. Mögen sich alle eingeladen fühlen, mitzuwirken, um eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens zu errichten. Liebe junge Freunde, so wie der junge Mann des Evangeliums, der Jesus fragte: „Was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?”, so sucht auch ihr die Wege, um auf den Ruf Gottes großzügig zu antworten. Ich bete, dass ihr seine erlösenden Worte hört und seine Zeugen werdet für die Völker von heute. Gott segne euch alle mit Friede und Freude. Liebe Jugendliche, Christus ruft euch, heilig zu sein. Er selbst lädt euch ein und will mit euch gehen, um Brasilien an diesem Anfang des dritten Jahrtausends der christlichen Zeit mit seinem Geist zu beleben. Ich bitte unsere Liebe Frau von Aparecida, dass sie euch mit ihrer mütterlichen Hilfe führe und euch das Leben lang begleitet. Gelobt sei unser Herr Jesus Christus! Übersetzung:GuidoHorstDT070512

Rapst, „Gott wünscht sich einen verantwortlichen Partner“
Es ist mir eine riesige Freude, euch hier zu treffen!“ Papst Benedikt XVI. hat in Madrid die Protagonisten seiner Reise getroffen: die Jugendlichen aus aller Welt. Hunderttausende von ihnen bereiteten dem Gast aus Rom ein herzliches Willkommensfest. Sie hatten sich schon Stunden davor auf der Plaza de Cibeles und in den umliegenden Straßen versammelt, um mit dem 84-Jährigen Papst zu feiern und seine Worte zu hören. Bei seiner Predigt rief der Papst die jungen Menschen dazu auf, sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben. Wer auf den sicheren Felsen Christi baue,werde nicht nur selber fest, beständig und glücklich im Leben, sondern mehr noch: Glaubende zeigen Alternativen auf für viele andere, die sich mit „Modeströmungen“ begnügen, nur den unmittelbaren Nutzen suchen oder sich auf ihre eigenen Ansichten zurückziehen, statt die Wahrheit „ohne Wenn und Aber“ zu suchen. „Ja, es gibt viele, die sich für Götter halten und meinen, keine anderen Wurzeln noch Fundamente zu brauchen als sich selbst. Sie würden gern ganz allein entscheiden, was Wahrheit ist und was nicht, was gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht ist; entscheiden, wer wert ist zu leben und wer hingegen auf dem Altar anderer Perspektiven geopfert werden kann. Sie möchten jeden Moment ihren Schritt dem Zufall überlassen, einen festgesetzten Kurs, indem sie sich vom Impuls den Augenblicks leiten lassen.“ Diese Versuchungen lauern stets im Hinterhalt, räumte der Papst ein. Es sei aber wichtig, ihnen nicht zu erliegen, denn in Wirklichkeit führen sie zu etwas, „das dahinschwindet wie ein Leben ohne Horizonte, eine Freiheit ohne Gott“. Gott wünsche sich aber nicht Menschen, die ihre Freiheit dazu nutzen, sich treiben zu lassen, so der Papst. „Wir wissen dagegen sehr wohl, dass wir als Freie erschaffen worden sind, nach dem Bild Gottes, und zwar damit wir Protagonisten auf der Suche nach der Wahrheit und nach dem Guten sind, verantwortlich für unser Handeln und nicht bloß blinde Vollstrecker; kreative Mitarbeiter bei der Aufgabe, das Werk der Schöpfung zu pflegen und zu verschönern. Gott wünscht sich einen verantwortlichen Partner, jemanden, der mit ihm spre- chen und ihn lieben kann.“ Wachsame, bewusste, verantwortliche Geschöpfe also: gewissermaßen Menschen auf Augenhöhe. Für den Christen gebe es nur einen Weg, sich diesem Ziel anzunähern: Jesus Christus. „Durch Christus können wir das wirklich erreichen, und wenn wir in ihm verwurzelt bleiben, verleihen wir unserer Freiheit Flügel. Ist das nicht der große Grund unserer Freude? Ist das nicht ein fester Boden, um eine Kultur der Liebe und des Lebens zu errichten, die fähig ist, jeden Menschen zu vermenschlichen?“ Die Worte Jesu, so der Papst, können auch heute noch das Leben von Jugendlichen verändern. Und mehr noch: Sie können Verhaltensmaßstäbe sein und dem Leben eine Richtung, einen Sinn geben. Der Person Christi ähnlich zu werden bedeute, nach Gerechtigkeit zu hungern, barmherzig, reinen Herzens und fried- liebend zu sein. „Nutzt diese Tage, um Christus besser kennenzulernen und die Gewissheit zu haben, dass, wenn ihr in ihm verwurzelt bleibt, eure Begeisterung und eure Fröhlichkeit, euer Sehnen, das Gewöhnliche zu überschreiten, zu dem zu gelangen, was erhabener ist, bis hin zu Gott – dass all das immer eine sichere Zukunft hat, denn das Leben in Fülle ist schon in euch angelegt. Lasst es wachsen mit der göttlichen Gnade, großherzig und ohne Mittelmäßigkeit, indem ihr ernsthaft das Ziel der Heiligkeit ins Auge fasst.“ Natürlich ist auch der glaubende Mensch nicht fehlerfrei, räumte der Papst sinngemäß ein. Die katholische Kirche habe aber für solche Fälle auch im Nachhinein ein probates Mittel: die Beichte. „Angesichts unserer Schwächen, die uns manchmal bedrücken, verlassen wir uns auch auf die Barmherzigkeit des Herrn, der immer bereit ist, uns erneut die Hand zu reichen, und der uns durch das Sakrament der Buße die Vergebung gewährt.“ Bei der Begrüßungsfeier davor hatten Jugendliche aus fünf Kontinenten dem Papst symbolische Geschenke aus ihrer Heimat überreicht. So erhielt er Brot und Salz, Reis und Kaffee. Ein lateinamerikanischer Teilnehmer überreichte ihm einen Sombrero, eine japanische Katholikin legte ihm einen Blütenkranz um den Hals. Zu der Veranstaltung am Abend versammelten sich die jungen Menschen seit dem Nachmittag auf dem Platz, der als das große Herz Madrids gilt, und auf dem etwa auch der Fußballclub Real Madrid seine Siege feiert. Menschen aller Nationen sangen, tanzten und schwenkten Fahnen, um sich die Wartezeit zu verkürzen. Aus den umliegenden Häusern gossen Anwohner Wasser auf die Wartenden, um sie abzukühlen. Der Papst selbst ließ sich mit einem großen weißen Schirm vor der Abendsonne schützen. Seine Grußworte an die Jugendlichen deutscher Sprache fassten sein Anliegen bei diesem Besuch kurz und knapp zusammen: „Gemeinsam wollen wir in diesen Tagen unseren Glauben an Jesus Christus bekennen, vertiefen und weitergeben. Immer wieder erfahren wir: Er ist es, der unserem Leben wirklich Sinn gibt. Öffnen wir Christus unser Herz. Er schenke uns allen eine frohe und gesegnete Zeit hier in Madrid!“ RVkipa110819gs

Weltjugendtag 2013 findet in Rio de Janeiro statt Foto: Übergabe des Weltjugendtags-Kreuzes in Madrid an die brasilianische Jugend.
Der Weltjugendtag 2013 der katholischen Kirche soll laut einem deutschen Medienbericht in Rio de Janeiro, Brasilien, stattfinden. Im Hintergrund liefen bereits die Vorbereitungen für die brasilianische Metropole, be- richtet die in Essen erscheinende „Neue Ruhr/Rhein Zeitung“. Sie beruft sich dabei auf deutsche Kirchenkreise. Es wäre nach 1987 in Buenos Aires der zweite katholische Weltjugendtag (WJT) in Lateinamerika. Orga- nisatoren aus Brasilien hätten sich jüngst bei den Verantwortlichen des Kölner Weltjugendtags 2005 Tipps für die Durchführung einer solchen Massenveranstaltung geholt, so die Zeitung. Innerhalb Brasiliens stand der WJT-Ort bereits fest. Benedikt XVI. hat den Austragungsort erst zum Abschluss des Weltjugendtages in Madrid bekannt gegeben. RV100915kna #
Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro
Mit Freude haben die Brasilianer auf die Vergabe des nächsten internationalen katholischen Weltjugendtages reagiert. Das katholische Großtreffen findet 2013 in Rio de Janeiro statt. Vertreter von Kirche und Politik sehen das Großereignis als eine Gelegenheit, ihren Glauben zu stärken und der Welt das „junge Gesicht“ der brasili- anischen Metropole zu zeigen, so Rios Erzbischof Orani Joao Tempesta in einem Interview. Besonders wichtig sei auch, dass man die Aufmerksamkeit der Welt auf die christlichen Wurzeln nicht nur Europas konzentriere. Lateinamerika habe nämlich auch starke christliche Wurzeln, die aber wegen eines falsch verstandenen Säkularismus und der aktuellen Wertekrise verloren zu gehen drohen, so Tempesta. RV110823kap

Papstpredigt im Schlussgottesdienstes Weltjugendtages 2011 in Madrid im Wortlaut
Liebe junge Freunde! Mit dieser Eucharistiefeier kommen wir zum Höhepunkt dieses Weltjugendtages. Wenn ich euch hier sehe, die ihr in großer Zahl aus allen Teilen der Welt gekommen seid, füllt sich mein Herz mit Freude und denkt zugleich an die besondere Liebe, mit der Jesus auf euch blickt. Ja, der Herr liebt euch, und er nennt euch seine Freunde vgl. Joh 15,15. Er kommt euch entgegen und will euch auf eurem Weg begleiten, um euch die Türen zu einem erfüllten Leben zu öffnen und euch an seiner innigen Beziehung zum Vater teilhaben zu lassen. Im Bewusstsein der Größe seiner Liebe wollen wir unsererseits diesem Ausdruck der Zuneigung großzügig mit dem Vorsatz entsprechen, die Freude, die wir empfangen haben, auch mit den anderen zu teilen. Es gibt heutzutage gewiss viele, die sich von der Gestalt Christi angezogen fühlen und ihn besser kennenlernen möchten. Sie spüren, dass er die Antwort auf vieles ist, was sie persönlich bewegt. Aber wer ist er wirklich? Wie kann einer, der vor so vielen Jahren auf der Erde gelebt hat, mit mir heute etwas zu tun haben? Im Evangelium, das wir gehört haben vgl. Mt 16,13-20, sehen wir zwei unterschiedliche Weisen dargestellt, Christus zu erkennen. Die erste Form würde in einem äußerlichen Kennenlernen bestehen, das von der gängi- gen Meinung geprägt ist. Auf die Frage Jesu: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“, antworten die Jünger: „Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten“. Das heißt, man hält Christus für eine weitere religiöse Persönlichkeit neben den bereits be- kannten. Danach wendet sich Jesus persönlich an die Jünger und fragt sie: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet mit den Worten, die das erste Glaubensbekenntnis darstellen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Der Glaube geht weit über die rein empirischen oder historischen Daten hinaus und ist imstande, das Geheimnis der Person Christi in ihrer Tiefe zu erfassen. Aber der Glaube ist nicht Frucht der menschlichen Anstrengung, nicht Ergebnis der Vernunft, sondern er ist ein Geschenk Gottes: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Er hat seinen Ursprung in der Initiative Gottes, die uns sein Innerstes enthüllt und uns zur Teilhabe an seinem göttlichen Leben einlädt. Der Glaube liefert nicht nur irgendeine Information über die Identität Christi, sondern er setzt eine persönliche Beziehung zu ihm voraus, die Zustimmung der ganzen Person mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren Gefühlen zur Selbstoffenbarung Gottes. So spornt die Frage Jesu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ die Jünger eigentlich dazu an, hinsichtlich der Beziehung zu ihm eine persönliche Entscheidung zu treffen. Glaube und Nachfolge Christi hängen eng zusammen. Da der Glaube voraussetzt, dass man dem Meister nachfolgt, muss er gefestigt werden und wachsen, tiefer und reifer werden in dem Maße, in dem die Beziehung zu Jesus, die Vertrautheit mit ihm intensiver und stärker wird. Auch Petrus und die anderen Apostel mussten diesen Weg gehen, bis ihnen die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn die Augen zu einem vollen Glauben öffnete. Liebe junge Freunde, auch heute wendet sich Christus an euch mit derselben Frage, die er an die Apostel gerichtet hat: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Antwortet ihm großzügig und mutig, wie es einem jugend- lichen Herzen wie dem euren entspricht. Sagt zu ihm: Jesus, ich weiß, dass du der Sohn Gottes bist, der sein Leben für mich hingegeben hat. Ich will dir in Treue folgen und mich von deinem Wort leiten lassen. Du kennst mich und liebst mich. Ich vertraue dir und lege mein ganzes Leben in deine Hände. Ich möchte, dass du die Kraft bist, die mich trägt, die Freude, die mich nie verlässt. In seiner Antwort auf das Bekenntnis des Petrus spricht Jesus von der Kirche: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Was bedeutet das? Jesus errichtet die Kirche auf dem Felsen des Glaubens des Petrus, der die Göttlichkeit Christi bekennt. Gewiss, die Kirche ist keine rein menschliche Einrichtung wie irgendeine andere, sondern sie ist eng mit Gott verbunden. Christus selbst bezieht sich auf sie als „seine“ Kirche. Man kann Christus nicht von der Kirche trennen, so wie man den Kopf nicht vom Leib trennen kann vgl. 1 Kor 12,12. Die Kirche lebt nicht von sich selbst, sondern vom Herrn. Er ist in ihrer Mitte gegenwärtig und gibt ihr Leben, Nahrung und Kraft. Liebe junge Freunde, erlaubt mir, euch als Nachfolger des Petrus dazu aufzufordern, diesen Glauben, der seit den Aposteln an uns weitergegeben worden ist, zu festigen und Christus, den Sohn Gottes, in das Zentrum eures Lebens zu stellen. Lasst mich aber euch auch daran erinnern, dass Jesus im Glauben nachfolgen heißt, in der Gemeinschaft der Kirche mit ihm zu gehen. Man kann Jesus nicht allein folgen. Wer der Versuchung nachgibt, „auf seine eigene Weise“ Jesus zu folgen oder den Glauben entsprechend der in der Gesellschaft vorherrschenden individualistischen Auffassung zu leben, läuft Gefahr, Jesus Christus niemals zu begegnen oder letztlich einem Zerrbild von ihm zu folgen. Glauben haben heißt, dass du dich auf den Glauben deiner Brüder stützt, und dein Glaube ist Stütze für den Glauben der anderen. Ich bitte euch, liebe Freunde: Liebt die Kirche, die euch zum Glauben geboren hat, die euch geholfen hat, Christus besser kennenzulernen, die euch die Schönheit seiner Liebe entdecken ließ. Für das Wachsen eurer Freundschaft mit Christus kommt es entscheidend darauf an, dass ihr die grundlegende Bedeutung eurer freudigen Einbindung in die Pfarreien, Gemeinden und Bewegungen ebenso anerkennt wie die Teilnahme an der Eucharistie an jedem Sonntag, den häufigen Empfang des Sakraments der Versöhnung, die regelmäßige Anbetung und die regelmäßige Betrachtung des Wortes Gottes. Aus dieser Freundschaft mit Jesus wird auch der Impuls dazu hervorgehen, in den verschiedensten Bereichen Zeugnis vom Glauben zu geben, einschließlich dort, wo Ablehnung oder Gleichgültigkeit herrschen. Es ist nicht möglich, Christus zu begegnen und ihn nicht den anderen bekannt zu machen. Bewahrt also Christus nicht für euch selbst! Teilt eure Glaubensfreude den anderen mit! Die Welt braucht das Zeugnis eures Glaubens, sie hat Gott gewiss nötig. Ich meine, dass eure Anwesenheit hier – junge Menschen aus den fünf Kontinenten – ein wunderbarer Beweis für die Fruchtbarkeit des Auftrags Christi an die Kirche ist: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Mk 16,15. Auch euch obliegt die außerordentliche Aufgabe, Jünger und Missionare Christi in anderen Gegenden und Ländern zu sein, wo es viele junge Menschen gibt, die nach Größerem streben und in ihrem Herzen die Möglichkeit von echteren Werten ausmachen, sich dabei aber nicht von den falschen Verlockungen einer Lebensweise ohne Gott verführen lassen. Liebe junge Freunde, ich bete für euch mit aller Zuneigung meines Herzens. Ich vertraue euch der Jungfrau Maria an, dass sie euch immer mit ihrer mütterlichen Fürsprache begleite und euch die Treue zum Wort Gottes lehre. Ich bitte euch auch, für den Papst zu beten, dass er als Nachfolger des Petrus seine Brüder im Glauben weiter stärken kann. Dass wir alle in der Kirche, Hirten und Gläubige, jeden Tag dem Herrn näher kommen, damit wir in der Heiligkeit des Lebens wachsen und so ein wirksames Zeugnis davon geben, dass Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes ist, der Erlöser aller Menschen und die lebendige Quelle ihrer Hoffnung. Amen. Rv110821

Wir freuen uns über Ihr Interesse. kbwn
|