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Erste katholische Hochschule in Schweden staatlich anerkannt

   Das katholische Newman-Institut in Uppsala ist staatlich anerkannt worden. Damit wird das Institut eine eigene Hochschule. Die katholische Bildungseinrichtung wurde 2001 vom Jesuitenorden und von Mitarbeitern der katholischen Kulturzeitschrift „Signum“ gegründet. Ziel des Instituts sei es, eine Ausbildung in katholischer Theologie und Philosophie anzubieten.  Das  gab der Rektor des Instituts, Pater Philip Geister, bekannt. Seit sieben Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem Newman- Institut und der theologischen Fakultät der Universität Uppsala. Bereits am vergangenen 25. August hatte die schwedische Hochschulbehörde dem Antrag des Instituts auf staatliche Anerkennung zugestimmt. - Die römisch- katholische Kirche in Schweden ist eine Diasporakirche. Rv090922 

Schweden: Erste katholische Hochschule seit der Reformation 
   Im schwedischen Uppsala darf sich eine Hochschule ab Samstag offiziell Hochschule nennen: Das Newman- Institut. 2001 wurde die katholische Einrichtung für das Studium der Theologie, Philosophie und vereinzelt anderer Kulturwissenschaften von Jesuiten gegründet. Anfang dieses Jahres hatte aber die schwedische Regierung erst genehmigt, dass das Institut staatlich anerkannte Bachelor- und höhere Diplomabschlüsse verleihen darf.
   Auch Papst Benedikt persönlich hat zur Neueinweihung der Hochschule gratuliert. In einem von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Schreiben lässt der Papst seine Freude über die Arbeit des Newman-Institutes mitteilen. Dieser Ort solle die intellektuellen und spirituellen Beziehungen zwischen den nördlichen Ländern und ganz Europa verstärken. Außerdem solle das Newman-Institut sich durch zwei Dinge auszeichnen: Eine Verbindlichkeit gegenüber dem Glauben an Gott und dem menschlichen Verstand – beides solle zusammenwirken.
   Philip Geister ist der Direktor des Institutes, das längst mehr ist als eine kircheninterne Forschungs- einrichtung. „Der Name Institut ist jetzt tatsächlich etwas veraltet. Wir haben auch lange überlegt, ob wir ihn ändern sollen und uns einfach die Newman-Hochschule nennen sollen. Als Institut haben wir begonnen, sind jetzt aber auch im deutschen Sinn eine staatlich anerkannte Hochschule. Das heißt, die staatlichen Behörden haben eine gründliche Prüfung durchgeführt und haben festgestellt, dass sowohl die akademischen, administrativen und auch finanziellen Voraussetzungen sehr gut sind und dass wir deshalb auch im Namen des Staates eine vollständige Ausbildung anbieten können.“
   Das letzte Mal, dass ein katholisches Institut in Schweden staatliche Anerkennung fand, war 1477, die von Papst Sixtus IV. gegründete Universität von Uppsala. Für den Nachfolger, das heutige Newman-Institut, sei Schweden der richtige Standort, so Philip Geister. Schließlich sei Schweden ein hoch- gebildetes Land. Allerdings blieben in der säkularisierten Gesellschaft viele Dinge unerfüllt – ein Motivationsgrund für die Dozenten der Hochschule.
   „Die wichtigste Aufgabe des Newman Instituts wird es sein, auch deutlich zu machen, dass der Mensch ein religiöses Wesen ist. Wir müssen den Menschen als religiöses Wesen ernst nehmen. Und der Säkularismus tut das nicht. Wir versuchen ein Angebot zu machen, wo Menschen auch verstehen, dass Theologie,dass auch philosophische Reflexion über den Menschen ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses von Menschen ist. Und diesen Beitrag möchten wir aus der katholischen Tradition heraus der schwedischen Gesellschaft geben.“
   Ein Vertreter genau dieser religiös-reflexiven Tradition ist der Namenspatron der Hochschule:
John Henry Newman. Der vom Anglikanismus zum Katholizismus konvertierte Kardinal hat als Philosoph und Theologe bis heute eine zentrale Wirkung, so Geister. „Das eine ist, dass er doch in der katholischen Tradition eine Symbolfigur ist für die Vermittlung des katholischen Glaubens in die moderne Gesellschaft hinein. Das war ein wichtiger Punkt für uns. Und ich denke, dass er doch trotz seiner Konversion, oder vielleicht auch gerade deshalb, ein sehr ökumenischer Mann war, der die Wahrheit gesucht hat, auch wenn es ihn etwas gekostet hat. Das ist eine Haltung, zu der wir an einer Hochschule auch ermutigen wollen.“
RV100904

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Nach gründlicher Prüfung: Newman-Institut jetzt staatlich anerkannt
30 bis 40 Studienanfänger pro Jahr erwartet.
Foto: Bibliothek und Studierzimmer im Newman-Institut.

  Am 8. April 2010 hat die schwedische Regierung dem Newman-Institut in Uppsaja die staatliche Aner- kennung verliehen. Das Institut ist damit die dritte Hochschule der Jesuiten in der deutschen Provinz und die erste katholische Hochschule in Skandinavien seit der Reformation. Die Regierung teilte dem Newman-Institut hundert Vollzeitstudienplätze zu. Pro Jahr rechnet man also mit mindestens 30 bis 40 Studienanfängern, von denen wohl nicht alle die dreijährige philosophisch-theologische Ausbildung durchlaufen wollen, die das Institut anbietet.
  Der staatlichen Anerkennung des in der traditionsreichen Universitätsstadt Uppsala beheimateten Newman- Instituts ging eine gründliche Prüfung durch die schwedische Hochschulbehörde voraus. Die von der Hochschulbehörde eingesetzte Kommission zeigte sich in ihrem Abschlussbericht beeindruckt:
Hohes akademisches Niveau
   Das typisch katholische Profil der Ausbildung, das sich deutlich von den sonst stark religionswissen- schaftlich geprägten Ausbildungen an den theologischen Fakultäten der schwedischen Universitäten abhebt, wurde von den Prüfungskommissionen als positiver Neuansatz gewertet. Hervorgehoben wurde auch das hohe akademische Niveau der Dozenten und Dozentinnen des Instituts. Lob fand darüber hinaus das von der Hochschule entwickelte Mentorensystem, das einen an die individuellen Bedürfnisse und Voraus- setzungen der Studierenden anknüpfenden Studiengang ermöglicht. Dass der Betreiber der Hochschule der in Schweden über Jahrhunderte gefürchtete Jesuitenorden ist, stellte für die Prüfungskommission ganz offensichtlich kein Problem dar.
   In einer religiösen Landschaft, die immer noch stark von der lutherischen Kirche dominiert ist, empfand man eine stärkere katholische Präsenz als sehr wünschenswert. Neben einem Bachelor-Studiengang in Theologie bietet das Institut auch die komplette philosophisch-theologische Ausbildung für die Priesteramtskandidaten des Bistums Stockholm an. Das Priesterseminar wurde aus diesem Grund von Stockholm nach Uppsala verlegt und befindet sich nun in eigens dafür errichteten Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe des Instituts.
   Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Newman-Institut sieben fest angestellte Dozenten, von denen vier Jesuiten sind. Darüber hinaus gibt es etwa 25 akademische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich vertraglich verpflichtet haben, Lehrveranstaltungen zu geben und die Entwicklung der Hochschule zu fördern. So hat das Institut im Verhältnis zur Anzahl der Studierenden einen der größten und kompetentesten Dozentenkreise aller schwedischen Hochschulen oder Universitäten.

Im Geist von
John Henry Newman
   Der Patron des Instituts, John Henry Newman, der im September dieses Jahres von Papst Benedikt seliggesprochen wurde, war eine vielseitige Persönlichkeit und sein Leben und seine Schriften sind für das Newman-Institut eine Quelle der Inspiration. So ist es ein großartiges Zusammentreffen, dass die staatliche Anerkennung ausgerechnet im Jahr der Seligsprechung von Kardinal Newman ausgesprochen wurde.
   John Henry Newman hat immer wieder daran erinnert, dass Menschen selten als Folge gründlichen Nach- denkens zum Glauben kommen. Die Entscheidung für den Glauben ist vielmehr eine spontane (aber nicht unbedachte) Stellungnahme jedes Menschen. Man trifft eine Entscheidung für den Glauben auf dem Hinter- grund von viel mehr Eindrücken und nicht nur als Folge des Denkens. Deshalb sind zum Beispiel auch künstlerische Ausdrucksformen des Glaubens von großer Bedeutung, wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu verstehen.
   Das Newman-Institut hat diese Fülle der christlichen Glaubenserfahrung zum Ausgangspunkt der Studienplanung gemacht und den Fachbereich „Kulturstudien" in die Ausbildung integriert.
Themen, die die Menschen Bewegen
   Für Newman waren die Glaubenswahrheiten der Kirche keine toten, unbegreiflichen Texte. Es sind Über- zeugungen, die ihre Kraft in jeder Zeit neu entfalten. Der Reichtum der theologischen Reflexion in der Vergangenheit zeigt seine Kraft in der Begegnung mit den Herausforderungen unserer Zeit. Viele Fragen, die in Schweden engagiert diskutiert werden, können im Licht des Glaubens betrachtet neue Konturen bekommen. Dies gilt vor allem für Fragen im Grenzbereich von Glaube und Naturwissenschaften, aber auch für viele gesellschaftliche und ethische Themen, die die Menschen in Skandinavien bewegen.
  Nicht zuletzt ist John Henry Newmans Persönlichkeit dem Institut eine Verpflichtung. Seine Zeitgenossen beschrieben ihn als einen im besten Sinne vornehmen Mann. Er hatte starke persönliche Uberzeugungen und zeichnete sich dennoch durch große Generosität gegenüber Andersdenkenden aus. Ohne Zweifel eine Kombination, die inspiriert und verpflichtet.
   Als die Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz und Mitarbeiter des Bonifatiuswerkes vor kurzem in Schweden zu Besuch waren, drückte der Nuntius der nordischen Länder den Gästen gegenüber seine Uberzeugung aus, dass eine Neu-Evangelisierung Europas durchaus vom Norden ausgehen könnte. Im Hinblick darauf, wie multikulturell, dynamisch und jung die Kirche in Skandinavien ist, kann von den Ländern des Nordens zumindest ein wichtiger Impuls erhofft werden.
Neu-Evanelisierung Europas
   Das Newman-Institut hofft, mit einer attraktiven theologischen Ausbildung seinen Beitrag zur Verkün- digung des Evangeliums in Schweden zu leisten. Und wenn das Licht am Ende dann vielleicht doch nicht aus dem Norden kommt, kann es für die Kirche in Zentraleuropa dennoch eine gute Idee sein, ab und zu mal nach oben zu schauen.
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Jordanien: Erste Katholische Universität
  In der jordanischen Stadt Madaba unweit des Internationalen Flughafens von Amman entsteht die erste Katholische Universität des Landes. Bulldozer haben mit den Ausschachtarbeiten für die Univer- sität von Madaba,  sagte Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo
Foto oben links in Nazaret. Die Einrichtung solle eine Erinnerung an die Pilgerreise von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2000 ins Heilige Land sein. DTkna061024
   Nach seinem Aufenthalt auf dem Berg Nebo Foto unten und dem Besuch der byzantinischen Basilika der Mose-Gedenkstätte fuhr Papst Benedikt XVI. im Auto nach Madaba, in die heute fünftgrößte Stadt Jordaniens. Dort stattete er dem christlichen Viertel einen Besuch ab und segnete den Grundstein der geplanten Universität des Lateinischen Patriarchats. Diese erste katholische Universität von Jordanien wird voraus- sichtlich rund 3.000 Studenten aufnehmen können.

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Grundsteinlegung für die Universität des Lateinischen Patriarchats in Madaba.Bauleute einer gerechten, fried- lichen Gesellschaft. »Ich bete, dass Ihre Träume bald wahr werden, dass Sie Generationen von qualifizierten Christen, Muslimen und Gläubigen anderer Religionen erleben können, sagte der Papst in seiner Ansprache: 

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    “Das Königreich Jordanien hat der Aufgabe der Ausweitung und Verbesserung des Bildungswesens mit Recht Vorrang gegeben. Es ist mir bekannt, dass Ihre Majestät Königin Rania bei dieser edlen Mission besonders aktiv ist. Ihr Engagement wirkt sich auf viele inspirierend aus. Während ich den Bemühungen der Menschen guten Willens um die Erziehung Tribut zolle, stelle ich mit Genugtuung die kompetente und kulturell qualifizierte Teilnahme christlicher, besonders der katholischen und orthodoxen Institutionen bei dieser globalen Aufgabe fest. Dies ist der Hintergrund, der die katholische Kirche veranlasst hat, mit der Unter- stützung der jordanischen Behörden ihre Kräfte in die Förderung von Hochschulausbildung in diesem Land und anderswo zu stecken. Die Initiative geht auch auf die Wünsche vieler Familien ein, die zufrieden über die Ausbildung, die sie in den von Ordensgemeinschaften geführten Schulen empfangen haben, nun eine ana- loge Option im universitären Bereich fordern.
   Ich bekunde den Förderern dieser neuen Institution meine Anerkennung für ihr mutiges Vertrauen in gute Ausbildung als ein Sprungbrett für persönliche Entwicklung wie auch für Frieden und Fortschritt in der Region. In diesem Zusammenhang wird die Universität von Madaba sicherlich drei bedeutende Ziele im Auge behal- ten. In der Entwicklung von Talenten und erstrebenswerten Einstellungen bei künftigen Generationen von Studenten wird sie diese vorbereiten, der größeren Gemeinschaft zu dienen und ihre Lebensstandards an- zuheben. In der Weitergabe von Wissen und durch das Einfließenlassen einer Liebe zur Wahrheit bei den Studenten wird sie deren Bindung an Werte und deren personale Freiheit beträchtlich erhöhen. Schließlich wird diese geistige Ausbildung ihre kritischen Fähigkeiten schärfen, Unkenntnis und Vorurteil zerstreuen und den Bann durchbrechen helfen, der durch alte und neue Ideologien entstanden ist. Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Universität, die nicht nur eine Plattform für die Festigung der Bindung an Wahrheit und an die Werte einer gegebenen Kultur, sondern einen Ort des Verständnisses und des Dialogs darstellen. Indem sie ihr eigenes Erbe in sich aufnehmen, werden junge Jordanier und - andere Studenten der Region zu einer tieferen Kenntnis der Errungenschaften der Menschheit geführt, bereichert durch andere Standpunkte und in Verständnis, Toleranz und Friede geformt.
   Diese »breitere« Ausbildung besteht in dem, was man von den universitären Einrichtungen und von ihrem kulturellen Milieu erwartet, sei es säkular oder religiös. In der Tat unterdrückt der Glaube an Gott nicht die Suche nach der Wahrheit; im Gegenteil, er ermutigt sie. Der heilige Paulus ermahnte die ersten Christen, ihr Herz zu öffnen für alles, »was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist«
Phil 4,8. Selbstverständlich kann die Religion, wie Wissenschaft und Technologie, wie Philosophie und alle Ausdrucksweisen unserer Suche nach Wahrheit, verzerrt werden. Religion wird entstellt, wenn sie in den Dienst der Ignoranz oder des Vorurteils, der Geringschätzung, der Gewalt oder des Missbrauchs gedrängt wird. Hier sehen wir nicht nur eine Entstellung der Religion, sondern auch eine Korrumpierung der menschlichen Freiheit, eine Verengung und Blindheit des Denkens. Natürlich ist ein solches Ergebnis nicht unvermeidbar. In der Tat, wenn wir Erziehung fördern, bekunden wir unser Ver- trauen in die Gabe der Freiheit. Das menschliche Herz kann verhärtet werden durch sein begrenztes Umfeld, seine Interessen und seine Leidenschaften. Aber jeder Mensch ist ebenso zu Weisheit und Rechtschaffenheit aufgerufen, zur grundlegenden und überaus bedeutsamen Wahl des Guten vor dem Bösen, der Wahrheit vor der Unaufrichtigkeit, und jeder kann bei dieser Aufgabe unterstützt werden.
   Die Berufung zur moralischen Redlichkeit wird durch die ernsthaft religiöse Person wahrgenommen, da man dem Gott der Wahrheit und der Liebe und der Schönheit nicht anders dienen kann. Ein reifer Glaube an Gott trägt stark dazu bei, die Aneignung und die rechte Anwendung des Wissens zu leiten. Wissenschaft und Technologie bieten außerordentliche Vorteile für die Gesellschaft und haben die Lebensqualität vieler Men- schen entscheidend verbessert. Zweifellos ist dies eine der Hoffnungen jener, die diese Universität fördern, die das Motto »Sapientia et Scientia« führt. Zugleich hat die Wissenschaft ihre Grenzen. Sie kann nicht alle Fragen über den Menschen und seine Existenz beantworten. In der Tat, die menschliche Person, ihr Platz und ihr Sinn im Universum lassen sich nicht in den Grenzen der Wissenschaft erfassen. »Die zu erstrebende Vollendung der Vernunftnatur der menschlichen Person ist die Weisheit, die den Geist des Menschen sanft zur Suche und Liebe des Wahren und Guten hinzieht«
Gaudium et spes, 15. Der Gebrauch wissenschaftlicher Kenntnisse benötigt das Orientierungslicht der ethischen Weisheit. Diese Weisheit inspirierte den Eid des Hippokrates oder die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die Genfer Konvention und andere lobenswerte internationale Verhaltensregeln. Daher spielen religiöse und ethische Weisheit, indem sie Fragen nach Sinn und Wert beantworten, eine zentrale Rolle in der beruflichen Ausbildung. Und folglich leisten jene Universitäten, in denen das Streben nach Wahrheit mit der Suche nach dem, was gut und edel ist, Hand in Hand geht, einen unentbehrlichen Dienst für die Gesellschaft.
   Mit diesen Gedanken im Herzen ermutige ich in besonderer Weise die christlichen Studenten Jordaniens und der Nachbarregionen, sich verantwortungsvoll Ihrer eigenen professionellen und moralischen Ausbildung zu widmen. Ihr seid gerufen, Bauleute einer gerechten und friedlichen Gesellschaft zu sein, die sich aus Men- schen mit verschiedenem religiösen und ethnischen Hintergrund zusammensetzt. Diese Gegebenheiten - ich möchte es nochmals betonen - dürfen nicht zur Entzweiung, sie müssen zu gegenseitiger Bereicherung führen. Die Mission und die Berufung der Universität von Madaba liegt gerade darin, ihnen zu helfen, noch mehr an dieser hohen Aufgabe teilzuhaben.
   Liebe Freunde, ich möchte meine Gratulation an das Lateinische Patriarchat von Jerusalem erneuern und nochmals allen meine Ermutigung aussprechen, denen das Projekt am Herzen liegt, gemeinsam mit denen, die bereits im Erziehungsapostolat in diesem Land engagiert sind.
   Der Herr segne und erhalte Sie! Ich bete, dass Ihre Träume bald wahr werden, dass Sie Generationen von qualifizierten Christen, Muslimen und Gläubigen anderer Religionen erleben können, die im Besitz beruflicher Fertigkeiten, sachkundig in ihren Gebieten und gebildet in den Werten von Weisheit, Redlichkeit, Toleranz und Friedfertigkeit ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen.
   Ihnen und allen zukünftigen Studenten und Angestellten dieser Universität und ihren Familien erbitte ich den reichen Segen des Allmächtigen Gottes!”
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Katholische Universität in Jordanien geht online
   Zwei Jahre nach der Grundsteinsegnung durch Papst Benedikt XVI. stehen die Arbeiten an der katho- lischen Amerikanischen Universität (AUM) im jordanischen Madaba vor dem Abschluss. Der Lehrbetrieb an der ersten katholischen Universität Jordaniens wird im Oktober 2011 aufgenommen werden. Die Internetseite ist bereits online. Die neue Hochschule unweit des Internationalen Flughafens von Amman umfasst sieben Fakultäten und bietet Platz für bis zu 8.000 Studenten und 500 Dozenten. Neben einer wirtschafts- und einer naturwissenschaftlichen Fakultät werden Ingenieurswissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Informatik, Kunst und Design sowie Sprachen und Kommunikation als Studienfächer angeboten. Unterrichtssprache ist Englisch. Nach Angaben des Patriarchates soll die katholische Universität, die seit Mai den Namen „Amerika- nische Universität Madaba" trägt, „Flaggschiff der Bildung" werden und künftige Führungspersönlichkeiten Jordaniens und der Region hervorbringen. Geplant sind Kooperationen und Austauschprogramme mit euro- päischen und US-amerikanischen Universitäten. Die Initiative zu einer katholischen Universität geht unter anderem auf den Wunsch vieler Familien zurück, die kirchlich getragene Ausbildung in Schulen auch auf universitärer Ebene weiterzuführen. Die AUM solle für Studierende aus Jordanien und den Nachbarländern ein Ort der Verständigung und des Dialogs sein, hatte der Papst bei der Grundsteinsegnung im Mai 2009 hervorgehoben.
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Esztergom-Budapest,Kathedr- cdPéterErdö-x

Péter Kardinal Erdö Foto: „Wir sind eine organisierende Kraft gegen die Anarchie”
Foto: Kathedrale von Esztergom-Budapest. Interview mit von Reinhard Olt in der FAZ

   Der Erzbischof von Esztergom-Budapest und Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen sieht in Osteuropa eine Rückbesinnung auf die Religion da, wo der Zusammenbruch des Kommunismus zum Zerfall der öffentlichen Ordnung geführt habe.
Eminenz, ist Europa ein gottloser Kontinent geworden?
   Kein Kontinent ist gottlos. Wenn Sie damit meinen, dass kein Gottesbezug im Entwurf für die später ohne- hin abgelehnte Verfassung stand, dann ist das nicht das wichtigste Kriterium, wenn man beurteilen will, ob ein Volk oder eine Gemeinschaft einen Gottesglauben in sich trägt und daraus lebt.
Was überhaupt hätte eine Erwähnung Gottes in der Verfassung bedeutet?
   Die westlichen Kulturen von Mesopotamien bis Amerika sind dadurch charakterisiert, dass sie in ihren großen gesetzgeberischen Werken die menschliche Gemeinschaft mit dem Universum und der Weltgeschichte in Verbindung setzen. Man denke beispielsweise an den Codex Justinianus, der mit dem Glaubensbekenntnis beginnt. Ohne Unterstützung durch die Moralität der Gesellschaft ist das positive Recht zu schwach. Man kann nicht hinter jeden Menschen einen Polizisten stellen.
Was kann das Christentum bewirken?
   Alle nationalen Kulturen Europas sind durch das Christentum inspiriert. Religiöse Traditionen, künstlerische Ausdrucksformen und Moralität der Gesellschaft hängen miteinander zusammen.
Die Ablehnung des Gottesbezugs im EU-Verfassungsvertrag war aber doch ein Symptom für die weit- gehende Säkularisierung der europäischen Gesellschaften.
   Das kann ich nur für die postkommunistischen Länder beurteilen. Dort ist nach dem Untergang der früheren offiziellen Ideologie ein großes Vakuum an Weltanschauung entstanden. Die Orientierungslosigkeit der Gesellschaft hat in manchen Ländern zur Kriminalisierung und zum Zerfall der öffentlichen Ordnung geführt. Das wiederum hat indirekt einen Rückgriff auf die Religion bewirkt und zu einer höheren Wertschätzung für sie geführt. Einige Politiker beginnen zu erkennen, dass die Religion eine organisierende Kraft gegen die Anarchie ist.
Wo sehen Sie das?
   In Russland etwa. Mittelfristig kann dies Wirkung haben.
Das Christentum gewissermaßen als Gesellschaftskitt?
   Wir können zwar über Gott reden oder schweigen, aber das ist noch nicht das Wesen der Religiosität. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Religion nicht nur eine formale verbindende Kraft ist, sondern vor allem inhaltlich recht hat.
Wie erklären Sie den Menschen, dass der Glaube recht hat? Anders gefragt: Haben Sie neue Ansätze zu seiner Verkündigung?
   Es beginnt mit der Wahrnehmung der geänderten anthropologischen Situation. Der heutige Mensch ist audiovisuell bestimmt und hat Schwierigkeiten mit dem logischen Denken und bei Willensentscheidungen in existentiellen Fragen. „Pensiero debole”, schwaches Denken, nennt das der Papst auf Italienisch.
Das scheint mir aber ein negativer Befund.
  Er ist nicht nur negativ. Die audiovisuellen Effekte waren bei der Kirche von jeher zu Hause: Bilder, Symbole, Schauspiel, Musik. Der audiovisuell bestimmte Mensch kann stärker emotional bewegt werden, er ist freilich auch leichter manipulierbar. Die Visualisierung kann aber die anthropologischen Grundlagen der westlichen Demokratie schwächen, die als eine ihrer Voraussetzungen hat, dass die Menschen politische Programme lesen und verstehen können und dann nach ihren Interessen und Wertvorstellungen entscheiden.
Religiöser Glaube gilt heute vielen per se als fundamentalistisch und intolerant.
   In Ungarn ist kürzlich eine große soziologische Untersuchung veröffentlicht worden, die festgestellt hat, dass religiöse Menschen toleranter sind als andere. Dabei rede ich nicht von einem individuellen Glauben, sondern von einem, der gemeinschaftlich praktiziert wird. Wer so lebt, kann sich besser vorstellen, dass auch ein anderer eine solche Identität hat. Das behaupte nicht ich, das haben - wie gesagt - Soziologen fest- gestellt.
Die katholische Kirche leidet unter einem Mangel an Priesternachwuchs. Würde die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung helfen, ihn zu beheben?
   Im Westen sieht man das sehr romantisch. Bei uns in Ungarn fordert eigentlich niemand die Änderung der Kirchendisziplin in dieser Sache. Im Priesterseminar hier in Budapest war ich mit vielen griechisch-katho- lischen Priesteramtskandidaten zusammen, sie waren meine Klassenkameraden. Sie kamen aus den Dörfern an der ukrainischen Grenze. Sie erwarteten ein Leben in der Ehe, wir bereiteten uns auf ein zölibatäres Priestertum vor. Keiner von uns hat den anderen beneidet. Priester mit Familie zu sein ist jedenfalls nicht leichter als das zölibatäre Priestertum. Stellen Sie sich vor, wie schwer es für sie sein kann, die christlich- kirchliche Morallehre beispielhaft zu vertreten, auch in ihrem eigenen Familienleben. In der Reformierten Kirche Ungarns gibt es neuerdings mehr Geistliche, aber die bekommen dann keine Gemeinde.
Ein Problem bereitet die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Wie ist Ihre Haltung dazu?
   Die Gültigkeit der Unauflöslichkeit der Ehe ist - bitte schön - in katholischen Kreisen anerkannt. Das sind emotionale Tendenzen: Es gibt viele Leute, die traurig sind, weil sie etwas möchten, wofür sie aber die Bedingungen nicht erfüllen wollen. Auch das gehört zur allgemeinen Tendenz des erwähnten „schwachen Denkens”.
Wie sehen Sie das Verhältnis von Christentum und Islam? Ist mit dem Islam ein Dialog möglich?
   Der Islam ist eine Offenbarungsreligion, wenngleich er Offenbarung anders versteht als das Christentum. Die Menschen im Westen können mit dem Islam deshalb weniger anfangen, weil sie selbst in ihren eigenen Wertvorstellungen unsicher sind. Die westliche Welt muss die christlichen Werte stärker vertreten, damit sie kulturell selbstsicherer wird. Das ist die Voraussetzung für den Dialog.
Wie ist es in Ungarn um die Ökumene bestellt?
   Die Ökumene mit den Reformierten und den Protestanten ist sehr gut bei uns. Das Jahr 2008 haben wir gemeinsam zum Jahr der Bibel erklärt. Wir haben im Parlament an die Abgeordneten Bibeln verteilt. Wir haben auch ein Gebetsjahr für die Einheit der Nation. Auch zu den Juden ist das Verhältnis gut. Die Juden gehören zu den vier „historischen Kirchen” Ungarns. In vielem, was uns berührt, treten die vier auch dem Staat gemeinsam gegenüber.
Und wie steht es um das Verhältnis von Staat und Kirche? Stehen Ihnen eigentlich genügend Ressourcen zur Verfügung, um karitative Aufgaben zu erfüllen?
   Wir verfügen über ein Konkordat, das vieles regelt. Das von der Regierung Antall 1990 verabschiedete Rückgabegesetz sah vor, dass kirchliche Immobilien nur dann zurückzugeben waren, wenn sie 1948 für kirchlich-religiöse oder soziale Zwecke gebraucht wurden. Das war mehr, als die Kirche überhaupt wollte, und es dauerte einige Zeit, bis wir dieser organisatorischen Aufgabe gewachsen waren.
Die katholische Kirche Ihres Landes war bekannt für ihre guten Schulen. Gilt das noch immer?
  Nur sechs Prozent der Schulen sind heute noch katholisch, aber sie sind normaler als der Durchschnitt.
Was heißt „normaler”?
   Dass man unterrichtet, zum Beispiel; die Stunden werden gehalten. Bei uns in Ungarn ist ein allgemeiner institutioneller Zerfall im Gange. Dem können wir mit katholischen Schulen Widerstand leisten.
Woher rührt die tiefe Spaltung der ungarischen Gesellschaft?
   Ja, die gibt es bedauerlicherweise. Auch die Kirchenspaltung trug dazu bei, wiewohl die Segregation von Magyaren und anderen Nationalitäten nicht durchweg als katholisch-protestantische Spaltung begriffen werden darf. Heute jedenfalls soll die katholische Religion nicht parteispezifisch sein. So vertritt die christlich- soziale Partei allein nicht die Katholiken.
Sie sprechen brillant Deutsch. In welcher Sprache reden Sie mit dem Papst?
  Italienisch. Da tut er sich bei theologischen Themen leichter. Das ist auch deshalb einfacher für ihn, weil er ständig Gäste hat, mit denen er italienisch redet.

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Lateinisches Patriarchat von Jerusalem: Erzbischof Michel Sabach Foto links tritt nach Erreichung der Altersgrenze zurück. Nachfolger: Erzbischof Fuad Twal rechts

   Bischof Sabach ist ein Mann der „leidenden Kirche”. Das Erbe der Märtyrergemeinde unter den Römern blieb bei ihm wach. Die israelische Besatzung ist für ihn ein ständiges Thema. Nachfolger Twal ist eher ein Diplomat und Geistlicher. Zum Patriarchat gehören die Katholiken von Zypern bis Jordanien, gut 100.000 Christen im Heiligen Land. Vor allem für die Christen im israelischen Galiläa muss nach Sabachs Auffassung Israel ein Staat aller Religionen sein; „denn ein nur jüdisches Israel diskriminiert per definitionem Christen und Muslime”, sagt er. Twal ist auch Araber. Er wurde 1940 im jordanischen Madaba geboren. Doch der Erzbischof ist vor allem ein Kirchendiplomat, war in Honduras, Peru und Deutschland eingesetzt.
   1966 erhielt Twal die Priesterweihe, blieb zunächst in der Region, bis er 1972 zum Weiterstudium nach Rom und bald danach in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls wechselte. 1992 entsandte ihn der Papst als Bischof nach Tunis, wo man ihn als korrekten und ausgewogenen Oberhirten schätzte. Nun mag der Vatikan den noch 67 Jahre alten Geistlichen nach Jerusalem geschickt haben, damit im langwierigen Streit um Steuern und Immobilien mit Israel nicht auch noch durch politische Äußerungen weitere Probleme entstehen.
 Anders als das byzantinisch griechisch-orthodoxe Patriarchat ist das römisch-katholische erst eine Schöpfung der Kreuzfahrer. Als 1847 das Amt auch am Ort wieder besetzt wurde, war auch schon das armenische Patriarchat 500 Jahre besetzt. Die junge westkirchlich-katholische Entsendung war vor allem Antwort auf die im Heiligen Land aktiven Protestanten. Seit dem beginnenden 14. Jahrhundert residierte hier freilich schon der franziskanische Custos als westchristlicher Wächter über die heiligen Stätten in Jerusalem. Er darf in der Grabes- und Auferstehungskirche zelebrieren, nicht der Patriarch.
  Zudem agiert unabhängig von Patriarch und Custos auch noch der Nuntius des Heiligen Stuhls in Jerusalem. Während es in der Vergangenheit immer einmal Spannungen zwischen Patriarch und Nuntius gab, dürfte die neue Besetzung mehr für Einklang sorgen. Twal soll auf beiden Seiten der Mauer die Christen zusammen- halten. Bei aller Diplomatie ist er darum auch deutlich: „Die Mauer schafft keinen Frieden. Sie steht auf palästinensischem Land, sie raubt palästinensischen Familien ihre Lebensgrundlage. Die Mauer sagt: Wir Israelis sind die Starken, ihr seid die Schwachen. Das ist nicht Friede. Denn Friede bedeutet Gerechtigkeit, wo niemand mehr in Angst leben muss. Wichtig ist, dass man aber nicht nur an die sichtbare Betonmauer denkt.”
FAZJörgBremer080322     

Israel: Patriarch Twal warnt vor Entmutigung
   Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat die Christen im Nahen Osten aufgerufen, sich von negativen Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart nicht entmutigen zu lassen. Er drängt zudem zu mehr Einsatz für die Ökumene im Heiligen Land. Der Jordanier übernahm das Amt vor kurzem von Patriarch Michel Sabbah, der es 20 Jahre innehatte. Twal kündigte im Vorfeld an, sich stärker auf die Seel- sorge zu konzentrieren und „weniger auf die Politik”. Das bedeute jedoch nicht, dass er die Zusammenarbeit mit Politikern meiden werde, betont der Lateinische Patriarch:
   „Wenn wir uns um den Menschen kümmern, ist es klar, dass die Politik das Leben dieser Menschen betrifft. Die Sorge um die Menschen haben wir mit der Politik gemeinsam. Die Zivilbehörden tun ihr möglichstes für die Würde, die Arbeit, die Gesundheit der Menschen. Wir bemühen uns unsererseits sowohl um die materielle Dimension, aber auch um die Freiheit, Würde und Spiritualität der Menschen. Als Religionsführer haben wir viel gemeinsam mit politischen Vertretern zu tun. Wir müssen unsere Bemühungen für das Wohlergehen der Menschen koordinieren, unabhängig von deren Religion, ob sie christlich, muslimisch oder jüdisch ist.” Er selbst sei nicht immer so hoffnungsvoll wie jetzt gewesen, sagt Twal, der seinem Vorgänger Sabbah als Koadjutor zur Seite stand. „Angesichts der dramatischen Lage hatte meine Ernennung als Koadjutor mich am Anfang erschreckt, in einer Situation ohne Zukunft, ohne Hoffnungsschimmer. Mit der Zeit habe ich aber erlebt, dass viele Freunde mir zur Seite stehen, dass ich nicht allein bin. Auch bei meinen Kontakten hier in Rom an der Kurie und mit dem Papst persönlich habe ich viel Unterstützung erfahren. Jetzt übernehme ich gern die Verantwortung.“ 
rv080704bg 

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Volle diplomatische Beziehungen mit Russland

  Der Heilige Stuhl und die Russische Föderation wollen ihre diplomatischen Beziehungen aufwerten. Das teilten der Vatikan und der Kreml mit. Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew Foto in Audienz empfangen. Beide hatten laut Vatikanmitteilung die bereits bestehenden „herzlichen Beziehungen“ gewürdigt und sich auf den Ausbau der Kontakte zu vollen diplomatischen Beziehungen verständigt.
   Der Heilige Stuhl und Russland unterhielten bislang - mit Rücksicht auf die russisch-orthodoxe Kirche - nur Arbeitskontakte unter der Leitung eines Botschafters in Rom und eines Nuntius in Moskau. Wie der Kreml mitteilte, soll die Vertretung Russlands im Vatikan den Status einer Botschaft erhalten.
   Medwedew habe den entsprechenden Erlass unterzeichnet, meldete die Nachrichtenagentur „Ria Novosti“. Das russische Außenministerium wurde beauftragt, die erforderlichen Verhandlungen durchzuführen, hieß es. Der russische Staatspräsident hatte sich bereits im Juni für die Entsendung von Botschaftern ausgesprochen.
   Medwedews erster Besuch bei Papst Benedikt habe „einem Meinungsaustausch“ über internationale wirt- schaftliche und politische Fragen gedient, erklärte der Vatikan. Zudem habe man über die aktuellen Heraus- forderungen für Sicherheit und Frieden gesprochen. Thematisiert wurden laut Mitteilung des vatikanischen Presseamtes auch kulturelle und soziale Fragen von gemeinsamem Interesse, wie der Wert der Familie und der Beitrag der Gläubigen für das öffentliche Leben in Russland. Medwedew erhielt als Geschenk eine Ausgabe der Sozialenzyklika Benedikts in russischer Übersetzung.
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ep-aepAntoniaMenniniMosk-  Apostolischer Nuntius in der Russischen Föderation nimmt seine Arbeit auf

   Im Außenministerium von Moskau hat der erste Apostolische Nuntius des Heiligen Stuhls bei der Russischen Föderation sein Beglaubigungsschreiben überreicht.Erzbischof Antonio Mennini, Titularerzbischof von Ferento, wird den Heiligen Stuhl in der russischen Hauptstadt vertreten. Bei der feierlichen Übergabe des Schreibens erinnerte der Nuntius daran, dassa die Russische Föderation und der Heilige Stuhl auf internationaler Ebene häufig eine wirksame Übereinstimmung hinsichtlich der Bewahrung der sittlichen Werte und der Förderung des Friedens gezeigt hätten. Außerdem übermittelte Erzbischof Mennini den herzlichen Gruß des Heiligen Vaters an den russischen Präsidenten und sicherte seine Zusammenarbeit für einen weiteren Ausbau der Beziehungen zu. OR100730
   Erzbischof Antonio Mennini Foto hat nach Angaben von Radio Vatican als erster Päpstlicher Nuntius im Rang eines Botschafters in der Russischen Föderation Außenminister Sergej Lawrow sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Kurz davor hatte Papst Benedikt XVI. das Beglaubigungsschreiben des russischen Vatikan- botschafters Nikolaj Sadlitschow - er war bereits bisher Moskaus Vertreter für den Vatikan - entgegen- genommen. Nuntius Mennini erinnerte im Gespräch mit „Radio Vatikan" daran, dass Russland und Heiliger Stuhl sich auf internationaler Ebene „oft auf einer Linie wiederfinden, etwa wenn es um den Schutz morali- scher Werte oder um die Förderung des Friedens geht". Die Aufwertung der diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan war im Dezember 2009 beschlossen worden. DT100731Rv
Die katholische Kirche kann nur dann wachsen, wenn es in dem Land auch eine starke russisch-orthodoxe Kirche gibt. Das sagte der Generalsekretär der russischen Bischofskonferenz in einem Interview mit der Zeitung „Nezavismimaya Gazeta“. P. Igor Kovalevsky fügte hinzu, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen beiden Kirchen gebe. Einzig die Rolle des Papstes sei noch umstritten. Um weiter zu wachsen, seien neue Pfarreien notwendig. Besonders in Moskau gebe es zu wenig katholische Kirchen, so P. Kovalesky. Auch der Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi wünscht sich dringend ein weiteres Kirchengebäude in Moskau. Er beantragte bei der Stadtverwaltung vergangenes Jahr ein viertes Gotteshaus, weil die Sonntags- messen häufig überfüllt seien. RV100907asianews

   Ein Italiener ist neuer Vorsitzender der katholischen Russischen Bischofskonferenz. Der Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, folgt auf den seit sechs Jahren amtierenden Bischof von Nowosibirsk, den deutsch- stämmigen Joseph Werth. Neuer Vize-Vorsitzender der Russischen Bischofskonferenz ist Clemens Pickel, der aus Sachsen stammende Bischof von Saratow in Südrussland. Die Angehörigen der Bischofskonferenz wählten den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter bei ihrer Vollversammlung in Irkutsk. In Russland leben gut eine Million Katholiken. RV110120interfax

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 Erzbischof für Moskau ernannt. Foto links: Kathedrale der Erzdiözese “Mutter Gottes” in Moskau
Foto rechts Mitte: Erzbischof Dr. Paolo Pezzi

   Der Vatikan hat die katholische Kirchenspitze in Moskau neu besetzt. Der italienische Geistliche Paolo Pezzi (47), bislang Rektor des Priesterseminars von Sankt Petersburg, wurde zum neuen Metropolitan-Erzbischof in der russischen Hauptstadt ernannt. Er tritt die Nachfolge des polnischstämmigen Weißrussen Tadeusz Kondrusiewicz an, der am gleichen Tag zum Metropolitan-Erzbischof von Minsk-Mohilev ernannt wurde. Gegen Kondrusiewicz war immer wieder Kritik von Seiten des orthodoxen Moskauer Patriarchats laut geworden. Pezzi ist seit fast fünfzehn Jahren als Seelsorger in Russland tätig. Er wurde 1990 als Mitglied der Priester- bruderschaft der Missionare von Karl Borromäus zum Priester geweiht. Im selben Jahr promovierte er an der Lateran-Universität über das Thema: “Die Katholiken in Sibirien, Herkunft, Verfolgung, heute.” 1993 bis 1998 war er Dekan der sibirischen Zentralregion in der heutigen „Diözese der Verklärung” in Nowosibirsk. Danach wurde Pezzi Generalvikar seines Ordens. Seit 1998 ist er zudem Verantwortlicher für die Bewegung „Comu- nione e Liberazione” in Russland. Der neue Erzbischof von Moskau sprich neben russisch auch englisch, spa- nisch und französisch. DTknaANSA090722

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   Interview mit Bischof Joseph Werth, Diözese „Verklärung des Herrn“ (Sibirien). Auf dem Weg zu einem besseren Verständnis der Christen in Russland. Foto oben links: Im Rahmen einer Privataudienz informierte Bischof Werth über die Situation der in Westsibirien lebenden katholischen Gläubigen; Foto oben rechts: Bischof Joseph Werth vor der im August 1997 eingeweihten Kathedrale in Nowosibirsk. Das Gotteshaus ist gebaut in Form der drei Hütten, die Petrus gemäß dem Bericht des Evangeliums bei der Verklärung des Herrn für Mose, Elija und Jesus bauen wollte.

   Kirchliche Einheit, ökumenischer Dialog, Förderung der Berufungen zum Priestertum und  Zeugnis für das Evangelium: auf diese pastoralen Anliegen wies der  Papst die Bischöfe aus Russland im Vatikan hin. Über die  Umsetzung dieser Ziele berichtete der Bischof der Diözese »Verklärung des Herrn«, Joseph Werth, in einem Interview mit Mario Ponzi vom Osservatore Romano. 

Man kann sagen, dass die katholische Kirche in Russland nach 1991 neugeboren ist. Was waren die wichtigsten Stationen auf dem in diesen fahren zurückgelegten Weg?
   Als ich nach Sibirien kam, da gab es in ganz Sibirien auf einem Territorium von 13 Millionen km² nur drei katholische Priester. Es existierten einige Gemeinden, ganz wenige, die von diesen Priestern betreut wurden, und sonst lebten die vielen Katholiken zerstreut auf diesem riesengroßen Territorium. So bestand die erste Aufgabe darin, diese Leute zu finden und sie in kleinen oder größeren Gemeinden zu sammeln. Ich denke hierbei insbesondere an meine Diözese, die nur ein Drittel von diesem großen Sibirien, nämlich Westsibirien, ausmacht. Diese Diözese heißt »Verklärung des Herrn« in Nowosibirsk. Wir haben jetzt nur noch 4 Millionen km², und auf diesem kleineren Territorium haben wir heute etwa 60 registrierte Gemeinden und vielleicht noch fast 300 Außenstationen, also kleinere Gemeinden, die von den Priestern besucht werden. Als ich nach Sibirien kam und gesehen habe, dass keine Priester da sind, da war die erste Frage: Woher sollen wir die Priester nehmen? Gewiss, ich habe die Kirche im Ausland aufgerufen, sie solle uns helfen. Heute kommen die meisten unserer Priester aus dem Ausland.
Was tun Sie für die Förderung von Priesterberufungen im Land?
  Ich habe sofort an ein Priesterseminar gedacht. Obschon die Kräfte noch nicht ausgereicht haben, ein wirkliches, richtiges Priesterseminar zu schaffen, habe ich 1993 ein sogenanntes Vorseminar gegründet. Dieses Vorseminar hat in diesen 16 Jahren schon 120 Studenten gehabt. Bei weitem nicht alle, sondern nur die wenigsten von ihnen sind Priester geworden, aber das war eben der Anfang im Jahr 1993. Auch in Moskau wurde im selben Jahr ein richtiges Priesterseminar gegründet. Es wurde dann später nach Sankt Petersburg verlegt. Wir hatten im Jahr 1991 nur eine kleine Kirche in Nowosibirsk gehabt. Es ist sofort die Notwendigkeit aufgekommen, Kirchen zu bauen oder Gebetshäuser zu gründen. Dies haben wir getan, und diese Arbeit muss weitergeführt werden, denn auch heute haben noch längst nicht alle Gemeinden Kirchen oder auch nur Gebetshäuser. Meistens werden die Gottesdienste in den Privathäusern gefeiert, dort, wo die Familie lebt. Auf diese Weise feiert der Priester die heilige Messe mit der kleinen Gemeinde.
Wie ist die Situation heute in Russland in bezug auf die Religionsfreiheit?
   Ich wurde in der Sowjetunion geboren, und ich weiß, wie es in der sowjetischen Zeit war. Deshalb kann ich heute mit Begeisterung sagen: Wir haben Religionsfreiheit. Das heißt aber noch nicht, dass wir eine Staats- kirche sind, oder eine Kirche, die vom Staat ganz besonders bevorzugt wird. Im Gegenteil: Wir haben keine besonderen Privilegien. Wir haben einige Schwierigkeiten, etwa mit dem Visum. Wir warten nun darauf, dass der Staat diese Gesetze so vervollkommnet, dass wir auch hier im Ausland nicht nur eine Art Touristenvisum für unsere Priester und Schwestern bekommen, sondern ein Visum, mit dem sie wirklich ungestört längere Zeit bei uns sein und arbeiten können. Direkte religiöse Unfreiheiten habe ich in diesen letzten 18 Jahren noch nie erlebt.
Wie sind die Beziehungen zur orthodoxen Gemeinschaft?
   Ich muss ehrlich sagen, dass diese Beziehungen besser sein könnten. Und wir hoffen auch, dass sie einmal besser werden. Ich arbeite, wie bereits erwähnt, auf einem Gebiet von 4 Millionen km², und auf diesem Ge- biet gibt es zehn Diözesen der orthodoxen Kirche. Ich konnte mich bisher nur mit wenigen Bischöfen treffen. Die meisten Bischöfe lehnen es ab. Vor Weihnachten habe ich Weihnachtsglückwünsche an meine ortho- doxen Brüder geschickt und dann kam die Nachricht, dass der Patriarch Seine Heiligkeit Aleksij II. gestorben ist. Da habe ich noch unter den Text mit der Hand geschrieben, dass wir für den verstorbenen Patriarchen beten. Von zehn Bischöfen habe ich dann zwei Antworten bekommen, und das ist auch schon erfreulich. Man muss sich auch freuen können über kleine Erfolge.
   Am 19. Dezember, am Tag des heiligen Nikolaus, habe ich mit unserem Nuntius in Moskau, Erzbischof Antonio Mennini, in der Stadt Kemerovo der orthodoxen Kirche eine Reliquie des heiligen Nikolaus aus Bari überreicht. Das war wirklich ein wunderbares Erlebnis, und ich hoffe, dass solche Erlebnisse in der Zukunft mehr und mehr werden. Wenn der Dialog auf höchster Ebene vielleicht noch schwierig ist, so hat er an der Basis stets fortbestanden, besonders in der kommunistischen Zeit, wo die orthodoxe Kirche und die katho- lische Kirche und alle anderen Religionen dieselben Schwierigkeiten gehabt haben, denn sie wurden alle verfolgt. Da sind sich die gläubigen Menschen auch viel näher gekommen.
  Schade, dass wir in diesen jüngeren Zeiten diese Chancen nicht genutzt haben und zwar auf beiden Seiten, auf der orthodoxen aber auch auf der katholischen Seite, um wenn auch nicht zur Einheit, aber doch zumindest zu einem besseren Verständnis zu kommen. Wir müssen beten, dass diese Zeiten in erreichbarer Zukunft kommen.
Wie zeigt sich die Präsenz der Kirche in der Gesellschaft und wie wird sie von den Menschen angenommen?
   Die katholische Kirche ist in Russland eine Minderheit. Menschen, die katholische Wurzeln haben - aber das bedeutet noch gar nicht, dass sie auch ihren Glauben praktizieren -, also solche Menschen, die in der Vergangenheit polnische, deutsche, ukrainische, litauische Eltern oder Großeltern hatten, schätzt man auf rund 1 % der Bevölkerung in Russland. Aber die praktizierenden Katholiken, die jeden Sonntag zur Kirche kommen, sind viel weniger. Und deshalb kann so eine kleine Minderheit sich nicht so spürbar in der Gesell- schaft präsentieren.
   In unserer Diözese haben wir eine gut funktionierende Caritas, so haben wir zum Beispiel in Nowosibirsk verschiedene soziale Projekte realisiert, die auch von der Stadt und von den Menschen sehr gut ange- nommen werden. Wir haben in der Diözese zwei Schulen, eine Grundschule und ein Gymnasium. Wir haben eine katholische Zeitung. Wir haben in Nowosibirsk ein Fernsehstudio, ein Studio, das Videokassetten produziert und Videomaterial herausgibt, und in Nowosibirsk selbst hatten wir mehr als fünf Jahre lang sogar jede Woche dieses von uns produzierte Videomaterial ausstrahlen können.
Kann die katholische Kirche durch Kommunikationsmittel ihre Botschaft in Russland frei verbreiten?
   Bis jetzt haben wir keine Schwierigkeiten gehabt. Uns wurde niemals verboten, durch diese Kommu- nikationsmittel in Russland Informationen zu verbreiten. Es gibt in einigen Gemeinden Internetseiten, auf denen man auch einige Informationen von den Gemeinden bekommen kann, so zum Beispiel über die Gottesdienstzeiten usw. Schwieriger ist es vielleicht, in Schulen oder Universitäten präsent zu sein.
Zu den pastoralen Herausforderungen, denen Sie sich stellen müssen, gehört mit Sicherheit die Festigung der christlichen Präsenz im Land, die Verkündigung des Evangeliums in einem Umfeld, das ins- gesamt schwierig und wenig aufnahmebereit ist, sowie die Familienpastoral. Wie stellen Sie sich diesen Herausforderungen?
   Es gibt heute wirklich sehr viele Herausforderungen für die Christen sowohl im Westen als auch in unserem Land, wo 70 Jahre lang der kämpferische Atheismus herrschte. Das fordert von uns Christen ganz besonders die Einheit, denn allein kann die katholische Kirche fast nichts machen, und sogar die orthodoxe Kirche ist allein viel zu schwach. Wenn aber alle christlichen Kirchen gemeinsam darauf hinarbeiten würden, dann könnte man die christlichen Werte viel besser schützen und bewahren. Wir in unseren Gemeinden arbeiten besonders viel mit jungen Familien.
   Es ist ja bekannt, dass in Russland unter den Kommunisten besonders die Familie gelitten hat. In Gemein- den, die seit 15 Jahren und länger organisiert bestehen, wachsen jetzt langsam junge Familien heran. Es kommt immer öfter zu Kindertaufen, im Gegensatz zu früher, wo es meistens Erwachsenentaufen gab. Auch lassen sich immer mehr junge Familien trauen. Wir haben wahrscheinlich in allen Gemeinden, zum Beispiel bei uns in der Kathedrale in Nowosibirsk jeden Monat ein Familientreffen, zu dem junge Familien eingeladen werden, einfach so zum Gedankenaustausch. Ein Priester erläutert hierbei irgendein bestimmtes Thema, worauf ein bisschen diskutiert wird. Danach wird meist noch miteinander gesprochen und Tee getrunken. Solche Begegnungen sind sicherlich sehr wichtig für unsere Familien.
Die Familienpastoral scheint einer der dringendsten Bereiche zu sein, dem die Kirche sich widmen muss. Man dachte auch an ein gemeinsames Projekt mit den Orthodoxen, indem man der Familie einen Tag der Reflexion widmen wollte. Warum ist daraus nichts geworden? Wie ist die aktuelle Situation der Familie in Russland?
   Wir haben in unserer Diözese jedes Jahr eine große Pastoralkonferenz, bei der alle unsere Priester und Ordensschwestern zusammenkommen. Alle zwei oder drei Jahre laden wir auch Mitglieder unserer Ge- meinden dazu ein. Zweimal war das Thema dieser Pastoralkonferenz der Familie gewidmet. Das war im vergangenen Jahr und im Jahr 1997 der Fall, weil die Familie die erste und wichtigste Zelle der menschlichen Gesellschaft und auch der katholischen Kirche ist. Wie ich schon gesagt habe, wird in jeder Gemeinde etwas unternommen, um die Familie zu stärken. Ich weiß nicht, was mit den Orthodoxen gemeinsam geplant war. Vielleicht in irgendwelchen Bewegungen. Vielleicht haben die Fokolaren oder die Neokatechumenalen oder andere etwas geplant, darüber bin ich jetzt allerdings nicht unterrichtet. Aber ich weiß, dass in Nowosibirsk seit vielen Jahren mit den Orthodoxen zusammengearbeitet wird im Kampf oder in den Bemühungen gegen die Abtreibung. Wir haben zum Beispiel einige Frauen - katholische und orthodoxe Frauen -, die in Kranken- häusern oder auch in Schulen Veranstaltungen zu diesem Thema abhalten. Durch diese Arbeit sind rund 100 Kinder gerettet worden. Wie gesagt, haben die Katholiken hierbei mit den Orthodoxen zusammengearbeitet. Wollen wir hoffen, dass auch diese Situation sich immer besser entwickeln wird.
   Die aktuelle Situation der Familie in Russland scheint doch recht hoffnungsvoll zu sein. Es gibt zum Beispiel in Russland seit einigen Jahren ein konkretes politisches Programm zur Förderung der Familien und der Geburten. Eltern erhalten bei der Geburt eines zweiten Kindes 250.000 Rubel, das waren noch vor kurzem, vor der Finanzkrise, rund 10.000 Dollar. Dies ist gewiss ein guter Ansporn für die jungen Familien. Der Staat hat auch andere Maßnahmen unternommen, um die Familien zu stärken und zu fördern. Wenn man heute, auf die Straße geht und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, kann man sehr oft schwangere Frauen oder Familien mit kleineren Kindern sehen - und das hat man vor zehn Jahren fast nicht gesehen. Ich meine doch, dass sich die Situation in Russland in den letzten Jahren etwas gebessert hat. 
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„Die Menschen mögen uns”.
In Sankt Petersburg baut Pater Richard Stark SVD eine deutsche katholische Gemeinde auf

   Pater Richard Stark SVD, 67, lebt und arbeitet im russischen Sankt Petersburg. Zwischen tristen Platten- bauten und Fabrikgeländen hat ihn Mitte der neunziger Jahre die Steyler Ordensleitung gesandt. Er lernte Russisch und ging nach Moskau. Seit Februar 2005 arbeiten er und seine vier Mitbrüder in Sankt Petersburg. Er ist der erste deutsche katholische Pfarrer in der Millionenstadt. Zurzeit renovieren sie die alte Kirche, die als einziges Gebäude auf dem Gemeindeareal die Jahre der Diktatur überlebt hat. In dem Gebäude stehen noch die Apparaturen eines ehemaligen landwirtschaftlichen Instituts.
   Trotz aller Schwierigkeiten fühlt sich Pater Stark in Sankt Petersburg wohl. „Ich staune immer, mit welcher Herzlichkeit mir die Menschen hier begegnen”, sagt der aus Münsterland bei Osnabrück gebürtige Seelsorger. Das Dritte Reich und das Leid, das deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg über die Stadt, die damals noch Leningrad hieß, gebracht haben, scheinen vergessen. „,Das waren die Faschisten, ihr Deutsche seid doch in Ordnung', bekomme ich immer wieder zu hören“, sagt er.
   Pater Stark hat sich in Sankt Petersburg viel vorgenommen. Er hat damit begonnen, die vor der kommunistischen Machtergreifung bestehende Pfarrei „Maria Heimsuchung” an der Mineralnaja Straße 21 wieder aufzubauen. Das nach der Revolution enteignete Gelände hat der Staat der Erzdiözese Moskau, zu der die Pfarrei heute gehört, zurückgegeben. Noch zählt  „Maria Heimsuchung” nur wenige Mitglieder. Doch die Zahl derer, die sich für den katholischen Glauben, interessieren, wächst beständig. Nach Jahren der Unterdrückung und des stalinistischen Terrors in den dreißiger Jahren sollen Katholiken in Sankt Petersburg nun wieder eine Heimat bekommen.
Anfänge leben im achtzehnten Jahrhundert
   Eine katholische Gemeinde gab es in Sankt Petersburg schon vor der Revolution. Die Anfänge gehen bis in die Frühe Neuzeit zurück. Handwerker aus allen Teilen Europas folgten zu Beginn des achtzehnten Jahr- hunderts dem Ruf Zar Peter I. des Großen und halfen mit, die Prachtbauten entlang der Newa zu errichten. Viele der Neuankömmlinge waren Katholiken und hatten das Privileg, ihren Glauben frei zu praktizieren. Überall im Stadtgebiet entstanden kleinere katholische Gemeinden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gestattete Zar Alexander II. am 20. Januar 1856 die Errichtung eines katholischen Friedhofs nebst Kapelle auf dem „Kulikowe-Feld”. Zeitweilig lebten mehr als 110.000 Katholiken in der Stadt. Im Jahre 1885 nahm die Gemeinde ein eigenes Pflege- und Altenheim in Betrieb. Im Jahre 1912 wurde ein katholisches Gymnasium eröffnet.
  Infolge der bolschewistischen Revolution drangen im Juli 1920 Rotarmisten auf den Friedhof ein und raubten hundertzwanzig Metallsärge, mit den sterblichen Überresten polnischer Katholiken, darunter denen eines Erzbischofs. Die Särge wurden von den Aktivisten geöffnet und die Überreste in ein Massengrab geschaufelt. Die Särge gingen später in die Eisenverwertung. Die Kommunisten wollten nach der Machtergreifung jedes religiöse Bewusstsein vernichten, und anstelle des von Gott geschaffenen Menschen den neuen „sowje- tischen Menschen” setzen. Wer sich dagegen auflehnte, wurde erschossen oder nach Sibirien deportiert. Auch in Sankt Petersburg beschlagnahmte die bolschewistische Regierung alle Kirchen. Sie wurden zu Kuhställen umfunktioniert, Gemeindesäle in Freizeitclubs, Kinosäle oder Autowerkstätten umgewandelt. Nichts sollte mehr daran erinnern, dass es außer der kommunistischen Partei noch eine höhere Macht gibt.
  „Seit der Öffnung 1991 kommen Menschen aus aller Welt in die Geschäftsmetropole Sankt Petersburg, darunter auch viele Katholiken”, beschreibt der Priester die jetzige Lage.
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 Pastoralbesuch von Kardinal Tarcisio Bertone in Weißrussland: “Volle Kraft voran”

   Zwischen Weißrussland und dem Vatikan bahnen sich vielversprechende und positive Beziehungen an. Dieses Resümee zieht Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone nach einer Pastoralvisite in die frühere Sowjetrepublik. In der Hauptstadt Minsk hatte Bertone mit dem Präsidenten Alexander Lukaschenko, dem Außenminister und dem für Religion zuständigen Staatssekretär Gespräche geführt. „Die Treffen waren sehr positiv, und wir haben konkrete Resultate erzielt: Es besteht die Aussicht auf ein Grundlagen-Über- einkommen mit Weißrussland, das beide Seiten natürlich gründlich prüfen müssen. Wir haben auch gute Erfolge zu verzeichnen, was etwa die Möglichkeit betrifft für den Bau neuer Kirchen, eines neuen Sitzes für die Apostolische Nuntiatur und eines neuen Bischofssitzes in Minsk. Es ging auch um die Anerkennung von Studienabschlüssen katholischer Institute. Der Präsident hat richtiggehend dazu ermutigt, höhere Bildungs- einrichtungen zu gründen. Ich denke wirklich, dass wir in Weißrussland, so wie übrigens in den anderen Ländern Osteuropas auch, neue Wege eröffnet haben, die bis vor kurzem undenkbar schienen.”
   Die Diplomatie des Heiligen Stuhles, so Bertone weiter, schreite „mit zwei Flügeln” voran. Das eine sei das pastorale Engagement, denn die päpstlichen Repräsentanten seien per Statut dazu verpflichtet, die Ort- skirchen zu unterstützen. Das andere sei die Intensivierung der Beziehungen mit den zivilen und nationalen Autoritäten. Er selbst, so Bertone, bemühe sich auf seinen Pastoralreisen, die vom Papst angeordnet seien, in erster Linie darum, die Bischöfe und die Diözesen zu besuchen. Lobende Worte fand der Kardinal- staatssekretär für die ökumenischen Beziehungen sowie jene zwischen den verschiedenen Riten der katho- lischen Kirche in Weißrussland. „Ich würde fast sagen, es ist ein Moment geradezu idyllischer Über- einstimmung, des Respekts und der gegenseitigen Förderung der Initiativen der verschiedenen Kirchen”, so Bertone wörtlich.
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 Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone zur Friedensvisite in Armenien/Aserbaidschan
Foto: Flaggen (v.l.n.r.) Armenien, Vatikan, Aserbaidschan

   Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone besuchte in einer dreitägigen Reise Armenien. Der Besuch musste um zwei Tage verschoben werden, weil in den vergangenen Tagen die politische Situation eskaliert war. Nach blutigen Protesten wegen des Ausgangs der Präsidentenwahl starben acht Menschen und wurden mehr als einhundert verletzt. Der scheidende Staatschef Robert Kotscharjan verhängte bis zum 20. März den Ausnahmezustand.
  Der Apostolische Nuntius in Armenien und Aserbaidschan, Erzbischof Claudio Gugerotti, sieht im Besuch von Kardinal Bertone „ein Zeichen der Friedensstiftung”.
  „Die Situation in Armenien ist im Augenblick sehr angespannt, da es in den vergangenen Tagen bereits so viel Blutvergießen gab. Die Erwartungen an Bertones Besuch sind deshalb sehr hoch, weil bisher hier weder die internationale Staatengemeinschaft noch andere ausländische Institutionen interveniert sind. Die Men- schen setzen große Hoffnung auf den Kardinalstaatsekretär, weil er mit den politischen Führern sprechen wird.”
   Bertone setzte seine Reise am folgenden Tag in Aserbaidschan fort. In den beiden Ländern im Kaukasus sind die Katholiken eine Minderheit.
   „In Aserbaidschan wird er ein Land vorfinden, das verzweifelt versucht, sich vom postsowjetischen Erbe zu lösen. In diesem mehrheitlich muslimischen Land grassiert die Korruption, und die Wirtschaft hat enorme Schwierigkeiten. Deshalb ist Aserbaidschan vor allem durch den islamischen Fundamentalismus bedroht. Doch das Land möchte sich durch Toleranz auszeichnen und hat deshalb Kardinal Bertone eingeladen.”
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Baku-Aserbaidschan Baku/Aserbaidschan

Erste katholische Kirche eingeweiht

   Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone hat in Aserbaidschan die erste katholische Kirche des Landes eingeweiht. In seiner Ansprache wertete er die Errichtung des Gotteshauses mit Unterstützung des Staates und anderer Religionsgemeinschaften als Indiz für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen HAkna080308
Aserbaidschan: Bertone in russisch-orthodoxer Kirche

   Die christlichen Kirchen „von Orient und Okzident” sollten „ihre Wiederversöhnung zu Ende führen”. Dazu hat der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone aufgerufen. In Baku besuchte er die dortige russisch-orthodoxe Kathedrale. Dabei meinte er wörtlich: „Wir sollten uns keine Konkurrenz machen, sondern gemeinsam das Zeugnis geben, dass Gott die Liebe ist.” Er hoffe, dass sich die Differenzen zwischen dem Vatikan und der russisch-orthodoxen Kirche bald beilegen ließen. Bertone ist in der aserbaidschanischen Hauptstadt, um eine katholische Kathedrale einzuweihen. Der Kardinal war auch zu Gast in einer Moschee und in der Synagoge der Stadt.
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Sudan: Bald kommt die katholische Uni

   In der südsudanesischen Hauptstadt Juba will die katholische Kirche eine Hochschule eröffnen. Mit der Genehmigung der südsudanesischen Regionalregierung sollen die ersten Kurse auf dem Gelände einer Sekundarschule stattfinden. Der Jesuit Michael Schultheiss, der die Planung leitet, erwartet 40 Studenten. In Juba sollen sozial- und geisteswissenschaftliche Fächer angeboten werden, in der Stadt Wau ab 2010 Agrar- und Ingenieurwissenschaften. Das Comboni-College in der Hauptstadt Khartum im Nordsudan soll außerdem Kurse in Computerwissenschaften anbieten.  kipaRV080813sk  

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Nur die Kopten bleiben. Die Christen Sudans werden über kurz oder lang den Norden verlassen

   Gemeinhin heißt es, die Mehrheit der Christen in der islamischen Republik Sudan lebe in der seit dem Friedensschluss 2005 autonomen Südregion, die jetzt um ihre staatliche Unabhängigkeit erhalten hat. Das stimmt aber nur proportional. Noch wohnen nach Angaben des katholischen Nuntius zum Beispiel in der Hauptstadt Khartum im Norden gut 970.000 Katholiken; im Herzen des christlichen Südens, in Juba, dagegen nur 680.000. Aber  der  Großraum  von  Khartum  hat  mehr als 23 Millionen Einwohner, Juba hingegen nur 880.000. Die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche stellten die stärkste christliche Gruppe im bisherigen Staat, waren jedoch eine Minderheit unter insgesamt 43 Millionen Menschen.
   Meistens heißt es, 70 Prozent der Sudanesen seien sunnitische Muslime. 25 Prozent werden dem „Ani- mismus" zugerechnet: verschiedenen Kulten, in denen bestimmte Plätze der Natur und Naturphänomene verehrt werden. Im Übrigen seien nur fünf Prozent der Menschen in Sudan Christen. Es gibt aber auch Schätzungen, wonach etwa 15 Prozent an Jesus Christus glauben. So rechnet zum Beispiel die katholische Hilfsorganisation für die leidende Kirche „Aiuto alla Chiesa che Soffre" (ACS). Sie zählte im Jahresbericht 2010, ähnlich wie die päpstliche Nuntiatur, 5,879 Millionen „Dominikantes", also Besucher der Sonntagsmesse. Viele Christen trauen sich nicht, den Behörden ihre Konfession zu offenbaren. Sie lassen sich nur innerhalb ihrer Gemeinden zählen. Die lange ACS-Liste mit Verstößen gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit durch An- wendung des islamischen Rechts, der Scharia, im Norden könnte das begründen.
   Die Organisation berichtet über Verfahren gegen Christen im Norden wegen der „Diffamierung" des isla- mischen Glaubens. Durch Prügelstrafen wurden 2010 zum Beispiel Frauen verletzt, die „ungebührlich ge- kleidet" gewesen sein sollen. Es wird von erzwungenen Konversionen zum Islam gesprochen. Vor Gericht habe die Aussage eines Muslims mehr Gewicht als die eines Christen. Sozialleistungen bekomme zunächst der Muslim, dann erst der Christ. Es dürften keine Kirchen gebaut werden. Dabei wurde 2007 in Khartum als Folge des Friedensschlusses eine interreligiöse Kommission „für die Rechte nichtislamischer Bürger" gegründet. Sie hilft, die Ungleichheit in Recht und Alltag auszugleichen; und sie habe auch einigen Erfolg, sagt der ACS- Bericht.
   Im Süden dagegen herrsche Religionsfreiheit. Die autonome Regierung dort sei auf die „Harmonie zwischen den Religionen" aus, schreibt die Hilfsorganisation in ihrem Jahresbericht und vollzieht damit die Trennung der beiden Landesteile. Derzeit trägt aber wohl keine Statistik weit. Die Menschen wandern wieder. Schon jetzt, da als sicher gilt, dass das Referendum Nord und Süd völlig voneinander trennen werde, strömen Muslime in den Norden. 100.000 Christen seien dagegen in Richtung Süden aufgebrochen, schätzt die Nuntiatur. Sie sehen im muslimischen Norden keine Chance mehr, seit es einen christlichen Südstaat für sie gibt. Präsident Omar al Baschir, seit einem Militärputsch 1989 an der Macht, habe schließlich für seinen Norden schon ange- kündigt, dass die Scharia vollständig verwirklicht werden müsse, auch wenn er Minderheitenrechte zuge- stehen wolle, heißt es.
   Wahrscheinlich werden nur die angestammten Kopten im Norden bleiben, im Grenzgebiet zu Ägypten. Im Übrigen zieht es neben den Katholiken auch die Christen anderer Denominationen südwärts: Die verschie- denen reformierten und presbyterianischen Gemeinden, die etwa eine halbe Millionen Mitglieder zählen; evan- gelikale Christen der „Africa Inland Church" mit ihren 123.000 Mitgliedern, die Pfingstler sowie die alten Kir- chen - die griechisch-orthodoxen und die äthiopisch-orthodoxen Christen. Die meisten dieser Gruppen - außer den armenischen Katholiken und den Adventisten - gehören zu einem sudanesischen Kirchenrat (SCC), der sich 1967 bildete, um gemeinsam stärker auftreten zu können. Doch der Einfluss dieses Rates blieb gering.
   Das historische Nubien der Pharaonen am oberen Nil war im 6. Jahrhundert ein christliches Land, als es von den muslimischen Omaijaden erobert wurde. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen Katholiken und britische Anglikaner von Süden her mit ihrer Mission. Dabei gaben die Kolonialherren auch nur diesen Süden zur Mission frei. Die Missionare teilten sich das Gebiet in ein katholisches, ein britisch-anglikanisches und ein amerikanisch-presbyterianisches Missionsreservoir auf. Im Norden konnte sich nur unter den traditionell dort lebenden ägyptischen Kopten ein Nebenzweig koptisch-evangelikaler Christen entwickeln, der heute eine eigene presbyterianisch-evangelikale Kirche bildet.
   Die römisch-katholische Kirche unterhält im Norden eine Erzdiözese mit Kardinal Gabriel Zubeir Wako an der Spitze; ihm untersteht auch die Diözese El Obeid mit der vom Bürgerkrieg gebeutelten Region Darfur. Wako ist derzeit Vorsitzender der sudanesischen Bischofskonferenz. Der Süden wird von der Erzdiözese Juba unter Erzbischof Lukudu Loro regiert; ihm unterstehen sechs Diözesen. Insgesamt teilt sich Sudan also in neun Diözesen auf. Es gibt einen katholischen Radiosender; vor allem aber ungezählte Ordenswerke, die sich die Arbeit bei Kindererziehung und Schule, für Kranke und Behinderte teilen.
   Diese Organisationen, betrieben von Orden wie den „Weißen Vätern" oder den „Müttern vom Carmel", wirkten bisher im ganzen Land. Sie sollen nach Auskunft der Nuntiatur auch im zukünftigen Norden „in einer noch eindeutiger muslimischen markierten Umwelt" bestehen bleiben. Gleichzeitig aber wird ein Umbau nötig; denn vor allem im Süden fehlen Schulen, Krankenhäuser und Sozialstationen. Dorthin werden sich die christlichen Institutionen verstärkt hinwenden müssen. Sie treffen dort auch auf offene Herzen.
   In Südsudan stiftet das Christentum Identität: Durch ihren Glauben können sich die über Jahrhunderte als Arbeitskräfte der Herren in Khartum missbrauchten Menschen von jenem Norden absetzen. Als schwarze Christen verfügen sie zudem über starke Koalitionspartner in der Welt: die Schwarzen in den Vereinigten Staaten und die Kirchen, vor allem den Vatikan. Zudem stützt Schwarzafrika die Eigenstaatlichkeit.
FAZ110115JörgBremer

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Der Südsudan ist unabhängig, weltweit wurde die Geburt dieses neuen Staates begrüßt

   Experten warnen aber vor negativen Folgen für die Christen im muslimisch geprägten Nordsudan. Anne Preckel von Radio Vatikan hat darüber mit Daniel Ottenberg vom Hilfswerk „Open Doors“ gesprochen.
   „Für die Christen im Nordsudan bedeutet dies – bei aller Freude - wahrscheinlich nichts Gutes. Man kann das daran festmachen, dass der Präsident des Nordsudan, Omar Baschir bereits im Dezember 2010 erklärt hat, dass man - wenn die Unabhängigkeit kommen wird, und das war damals noch nicht klar - keine Rücksicht mehr nehmen müsse auf andere Ethnien und Religionen. Die Scharia könne so durchgesetzt werden, wie man sie verstehe, ohne auf internationale Beziehungen Rücksicht nehmen zu müssen.“
Der Nordsudan ist ja muslimisch geprägt. Im Südsudan gibt es dagegen mehr Christen und Anhänger von Naturreligionen. Welche Rolle haben Christen im Nordsudan überhaupt bisher gespielt?
   „Die Christen im Nordsudan sind meist Arbeitsmigranten aus dem Süden und waren als solche geduldet. Sie hatten in Khartum sogar eine gewisse Freiheit ihren Glauben zu leben. Es gibt in Khartum durchaus große Kirchen. Wir hören aber dass inzwischen 75 Prozent der katholischen Christen geflohen sind und eine große Wanderungsbewegung in den Süden zu verzeichnen ist. Die Christen haben Sorge, dass nach der Unabhängigkeit die Scharia durchgesetzt wird.“
Der Nordsudanesische Bischof Markham Gasis befürchtet, dass hat er neulich in einem Pressegespräch in Wien geäußert, neben der Einschränkung der Religionsfreiheit in Nordsudan auch Massenausweisungen von Südsudanesen, und weiter berichtete der Bischof, dass in Khartum Christen in hohen politischen Funktionen durch Muslime ersetzt würden. Haben Sie ähnliche Informationen?
   „Diese Informationen habe ich zwar nicht, aber das passt natürlich in das allgemeine Bild. Man muss sehen, dass vieles noch nicht befriedet ist. Die Frage ist auch, wie die Regierung im Nordsudan sich weiter verhalten wird. Präsident Al-Bashir hat noch letzte Woche gesagt, dass man um die Grenzprovinzen kämpfen werde. Das Regime versucht seine Macht zu festigen, und da passt es durchaus ins Bild, dass Christen durch regimetreue muslimische Beamte ersetzt werden und ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt wird."
Wenn es jetzt tatsächlich zu einem Exodus aus dem Nordsudan kommt, und Hunderttausende in den Süden zurückkehren, was bedeutet das denn für den noch jungen Staat Südsudan und welche Rolle spielt da die Kirche?
   „Es ist richtig, auch wir haben gehört, dass Hunderttausende auf der Flucht sind und ihre Flucht aus dem Norden planen. Für den Süden stellt das natürlich ganz große Probleme. Es gibt praktisch noch keinen Staat, seit sechs Jahren jetzt diese umfassende Friedensabkommen, aber viele Fragen sind noch überhaupt nicht geklärt. Ein Problem ist das Öl, das überwiegend im Süden liegt, aber über den Norden transportiert werden muss. Die Frage ist, wie werden die Einnahmen aufgeteilt. Ein weiteres Problem: Es gibt kaum Arbeitsplätze im Südsudan und es besteht die Gefahr der Vetternwirtschaft.
   Die Kirchen können hoffentlich eine einigende Funktion ausüben. Soweit mir bekannt ist, haben die Kirchen bisher gesagt, sie werden diese Teilung nicht mit nachvollziehen. Das heißt, es wird auf katholischer Seite beispielsweise weiterhin eine gemeinsame Bischofskonferenz geben. Es wird also keine Bischofskonferenz für den Norden geben und eine für den Süden, sondern eine Gemeinsame, von daher ist die Hoffnung, dass die Kirche eine Brückenfunktion haben wird.“
Der Südsudan ist ja sehr heterogen, ethnisch gesehen also christlich animistisch geprägt. Es gibt aber auch zum Beispiel arabischsprachige Schwarzafrikaner und die Lord’s Resistance Armee. Ist mittlerweile mehr Frieden eingekehrt oder ist eher der Gegenteil der Fall?
   „Im Süden selbst ist im Moment mehr Ruhe eingekehrt. Zumindest hören wir jetzt nichts von Übergriffen gegen Christen oder gegen andere Minderheiten. Allerdings gibt es weiterhin starke Grenzkonflikte. Viele Christen sympathisieren in diesen Regionen mit der Befreiungsarmee. Von daher sind Übergriffe nicht immer nur mit Christenverfolgung zu erklären. Allerdings haben wir auch Nachrichten, dass islamistische Milizen mit „Allahu al-Akbar“ auf Kirchen losstürmen, sie niederbrennen und auch einzelne Christen umbringen. Diese Verfolgungen haben aber immer auch eine politische Dimension. Ich bin daher eher vorsichtig von einer wahren Befriedung zu sprechen."
Eine abschließende Frage: Ein Berg von Problemen, aber nichtsdestotrotz der Süd Sudan unabhängig. Wie sehen die Christen das im Land, wie ist die Stimmung?
   „Die Stimmung ist, ich würde mal sagen, vorsichtig optimistisch. Man freut sich, dass die Unabhängigkeit erstmal ohne Blutvergießen erreicht wurde. Vor neun Monaten hätte keiner gedacht, dass überhaupt die Ab- stimmung stattfinden kann, einigermaßen in Frieden und auch frei und fair. Jetzt hat nicht nur die Abstimmung stattgefunden, sondern es wurde sogar die Unabhängigkeit erklärt und ein neuer Staat gegründet. Allerdings sehen die Christen durchaus auch die Schwierigkeiten, die mit dieser Unabhängigkeitserklärung verbunden sind. Und deswegen ist es so wichtig dass die Christen am Aufbau des Staates mitarbeiten, auch auf po- litischer Ebene. Das jeder seinen Glauben frei leben kann, also eben auch die Muslime die im Südsudan sind.“
RV110710

Lombardi: Die Welt darf Somalia nicht vergessen
   Angesicht der „dramatischen humanitären Notsituation“ am Horn von Afrika ruft der Vatikan zu Solidarität mit den Menschen dort auf. Papst Benedikt XVI. hatte der Region am Freitag eine erste Nothilfe von 50.000 Euro zugesagt. Aufgrund einer verheerenden Dürre droht im Dreiländereck Somalia-Kenia-Äthiopien Millionen von Menschen der Hungertod. Nach Angaben der Welthungerhilfe sind in manchen Gebieten bereits drei von zehn Kindern massiv unterernährt. Auf der Suche nach Wasser und Essen stranden tausende Menschen in Flüchtlingslagern – wenn sie diese überhaupt erreichen, denn unterwegs werden sie nicht selten überfallen. Vatikansprecher Federico Lombardi geht in seinem wöchentlichen Editorial für Radio Vatikan vor allem auf die Lage in Somalia ein:
   „Wir hören von zermürbenden Fußmärschen und Angriffen durch Räuber. Und wir hören von Kindern, die von Hyänen angefallen werden. Der Papst erinnert jedes Jahr in seiner Ansprache an die Diplomatie an das Schicksal Somalias. Doch man bekommt das Gefühl, dass die Weltöffentlichkeit und die internationale Gemeinschaft das Land aufgegeben haben und seinem Schicksal überlassen. Wollen auch wir diese Menschen vergessen, oder können die schrecklichen Bilder und beklemmenden Aufrufe dieser Tage unseren Verant- wortungs- und Solidaritätssinn neu anfachen?“
   Auch die politische Lage in Somalia erschwert die Situation der Menschen und die Arbeit der Hilfs- organisationen. Seit dem Sturz der autoritären Regierung von Siad Barre im Jahr 1991 herrscht in dem ost- afrikanischen Staat Bürgerkrieg. Die Übergangsregierung kann nur begrenzt für Ruhe sorgen: Lokale Clans, Kriegsherren und radikal-islamische Gruppen terrorisieren weiter die Bevölkerung, auf dem Meer treiben Piraten ihr Unwesen. Aufgrund der prekären Sicherheitslage kann die Kirche vor Ort nur eingeschränkt wirken und helfen, dennoch habe sie das Land nie vergessen, erinnert Lombardi.
RV110716

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 Paride Taban kämpft für Frieden im Sudan. Um wieder als einfacher Missionar zu arbeiten,
hat der 71-Jährige sein Bischofsamt abgegeben und ein Friedensdorf gebaut.

   Paride Taban fällt auf. Er hat fast schwarze Haut, und ein weißer Vollbart kräuselt sich kontrastreich in seinem Gesicht. Doch noch auffälliger ist das breite, schallende Lachen, während er den Jugendlichen im Vorbeigehen die Hand entgegenstreckt und kumpelhaft auf Englisch fragt: „Hi, what's up?” - Hallo, alles klar? Dass der Exot auf dem Schulhof ein emeritierter Bischof aus dem Sudan ist, daran erinnert erst einmal nur das große funkelnde Kreuz auf Tabans Brust. Mit seinem Lachen, seinen launigen Sprüchen und einer klaren Ansprache findet der hochrangige Geistliche schnell Zugang zu den Schülern. Taban war zu Besuch in Deutschland. Er war in Berlin, Mainz und Hildesheim, um vor Politikern und in Pfarrämtern und manchmal eben auch in Schulen für sein Projekt zu werben. Sein Projekt ist ein Friedensdorf im südsudanesischen Kuron. Vor rund drei Jahren, als das Friedensabkommen zwischen Nord- und Südsudan geschlossen wurde, hat der Bischof sich von seinem Amt entbinden lassen, um ein „Peace Village”, ein Friedensdorf, aufzubauen. „Die jungen Leute im Sudan kennen nur Krieg und Gewalt”, sagt er. „Nun müssen sie lernen, was Frieden ist.” Eine Fernsehdokumentation, die Taban mitgebracht hat, zeigt ihn in seiner neuen Mission. Wie der lachende Afrikaner im bunten Hemd und mit blauem Schlapphut einen Geländewagen über die holprigen Schotterpisten steuert und erzählt: „Wenn die Straße überflutet ist, musst du die Fenster zumachen und wie ein Fisch durchs Wasser tauchen.”Taban spricht gern in einfachen Metaphern, Bilder erleichtern ihm die Verständigung. Mit der Idee, eine Gemeinschaft aufzubauen, in der Menschen verschiedener Völker, Religionen und Sprachen leben, ist Taban zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
   Auch seine Geschichte beginnt in einem Friedensdorf, das die Engländer damals im Südsudan errichtet hatten. „Ich wuchs dort auf, ohne zu wissen, zu welchem Stamm ich gehöre. Wir kannten keine religiösen Spannungen”, sagt Paride Taban. Von Missionaren angeleitet, studiert er schließlich. Als seine ausländischen Kollegen 1964 das Land verlassen müssen, ist er als Missionar auf sich allein gestellt. 1982, als er Bischof der Diözese Torit werden soll, herrscht kurzzeitig Frieden im Sudan. Doch der neu aufflammende Bürgerkrieg wird sein ganzes Bischofsleben bestimmen. Als Getriebener und oft unter Beschuss reist Taban durch seine Diözese. Um für Frieden zu streiten, baut er internationale Kontakte auf, die ihm bei der Überlebenshilfe für die Opfer des Krieges helfen. Wegen des blutigen Konflikts muss er seine Bischofsstadt verlassen und den Sitz der Diözese nach Narus, 50 Kilometer von der kenianischen Grenze entfernt, ziehen. „Das ist seit über 20 Jahren meine Residenz, die mich vor Parasiten und Skorpionen schützt”, sagt Taban im Film und zeigt auf ein kleines rundes Zelt auf der sandigen Erde.
   2004 wurde der Bischof für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Als den dann die Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia als erste afrikanische Frau erhielt, bekam Taban als „Trost” 100.000 US-Dollar, die er für das Friedensdorf einsetzte. Dort gebe es mittlerweile eine Schulungsfarm für angehende Landwirte und eine Schule, die 1.200 Kinder 24 unterschiedlicher Volksgruppen besuchten, erklärt er. Während in der westlichen Krisenregion Darfur das Morden wegen Stammesfehden und Bodenschätzen weitergehe, herrsche im Friedensdorf Kuron Aufbruchsstimmung. „Frieden ist schwierig, aber nicht unmöglich”, meint Taban. Ob er denn noch weitere Friedensdörfer aufbauen wolle, fragt ein Schüler. „Wisst ihr, wie alt ich bin? Abraham wurde zwar 900 Jahre alt, aber da kann ich nicht mithalten”, scherzt der 71jährige. Aber er wolle dafür sorgen, dass die Idee weitergetragen würde. Was er von der internationalen Hilfe erwartet? „Nur unter internationalem Druck wird die Regierung den Friedensvertrag umsetzen”, sagt er. Zur Entwicklungshilfe hat er dagegen eine geteilte Meinung: Hilfe zur Selbsthilfe sei gut, aber Almosen würden die Menschen nicht weiterbringen. Dann schreibt der Bischof unter tosendem Applaus seine eMail-Adresse an die Tafel.
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Sudan: 20 Jahre Christenverfolgung Foto oben links: Bischof Daniel Advok (FrFrancisMarsdenCT0407/FAZkum040823/HA040831)

   Ist es eine Sünde wenn ein Priester stolz auf seine Gemeinde ist? Der Pfarrer hatte um Spenden für den Sudan gebeten. Bei 220 Besuchern der Sonntagsmesse kamen 4.200 Euro zusammen. Es ist wunderbar zu sehen, wie großherzig Christen auf Not reagieren. 
   Die Spende wurde der „Aktion Kirche in Not” für die Opfer von zwanzig Jahren Krieg und Unterdrückung durch das islamistische Regime in Khartum gegen die Christen im Süden des Sudan gegeben und auch für die neuen Opfer der Djandjawid-Milizen. In den Massenmedien wird wenig über die Lage im Sudan berichtet. In den letzten zwanzig Jahren sind etwa 2,5 Millionen Menschen im Süden des Landes durch die Regierungs- soldaten umgekommen. Für die Presse und Fernsehsender in Europa war das keine Nachricht. 
   „Kirche in Not” und andere kirchliche Hilfswerke wie „Misereor”, „Missio” und „Caritas” haben in den Jahren der Not Hilfe gebracht. Der Papst hat wiederholt öffentlich auf die religiöse Verfolgung von Christen im Sudan hingewiesen. Die europäischen Medien haben ihren Blick auf Afghanistan und den Irak gerichtet; dadurch ist die verzweifelte Notlage im Sudan fast in Vergessenheit geraten. 
   Vor kurzem unterzeichnete das Khartum Regime ein Friedensabkommen mit der Befreiungsarmee des suda- nesischen Volkes (SPLA)  im Süden des Landes. Der Weihbischof von Khartum Daniel Adwok hält diesen Ver- trag für Betrug an seinem Volk.  Das langfristige Ziel der sudanesischen Regierung bleibe trotz des Frie- densabkommens die Vorherrschaft über Nicht-Araber und Nicht-Muslime in Südsudan. Er schreibt: „Dieser zweifelhafte Einsatz im muslimischen Norden des Landes  für den ‚Frieden’ entspricht der öffentlichen Meinung im Norden, wo die Mehrheit keine Beendigung des Kriegs im Süden wünscht; sie wollen einen bedingungs- losen Sieg über den Süden”. Der „Friedens”prozess sei ein Betrug der Regierung. In Darfur im Westsudan, mussten in den letzten Monaten mehr als eine Million Menschen aus ihren Häusern fliehen, 30.000 von ihnen sind durch Djandjawid-Milizen,die von der Regierung gestützt werden,  getötet worden. Bischof Daniel schreibt: „Die Tatsache, dass zur Stunde Darfur in Flammen steht, sagt uns viel über die Menschen mit denen wir in der internationalen Gemeinschaft zu tun haben. Das zentrale Problem im Sudan ist die Zentralregie- rung, die von einer sehr kleinen ethnischen Gruppe beherrscht wird, die alle anderen Gruppen im Sudan an den Rand gedrängt hat und versucht, ihre Vorstellung einer multikulturellen, multiethnischen, multireligiösen Gesellschaft aufzuerlegen.”
   „Kirche in Not” hilft dem Sudan in besonderer Weise: mit Kinderbibeln, Ausbildung von Priesteramts- kandidaten und Novizinnen, unterstützt Priester und Ordensschwestern, aber besonders die Schulbildung und die Grundversorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser.
   Die Verfolgung der Christen durch das islamistische Regime ist unsäglich. „Christliche Häuser wurden will- kürlich zerstört, Friedhöfe durch Planierraupen eingeebnet, Kirchen dem Erdboden gleichgemacht, christliche Frauen für die Verletzung von islamischen Scharia-Gesetzen geschlagen und ins Gefängnis gebracht,  Arbeits- plätze wurden ihnen verweigert und strenge Geldstrafen aus nichtigen Gründen auferlegt”, berichtet die Hilfsorganisation „Kirche in Not”. 
    Etwa eine Million Menschen sind aus dem Süden des Sudan in den Norden des Landes gebracht und als Sklaven verkauft worden; ihre Kinder wurden in Koranschulen gezwungen. Viele leben in Lagern in den Außenbezirken von Khartum und zerstreut im Norden Sudans.  Ihr christlicher Glaube macht sie Bürgern zweiter Klasse in ihrem eigenen Land.
    Die katholische Kirche in Khartum hat ein Programm entwickelt unter dem Motto: „Rettet, die wir retten können”, um Kindern eine Schulbildung zu geben, für die es keine Schulen gibt oder die in von der Regierung betriebenen islamistischen Schulen gezwungen werden, wo sie selbst in den Mathe-Stunden mit den isla- mischen Lehren indoktriniert werden. Kardinal Gabriel Zubeir Wako, der Erzbischof von Khartum, nennt diese Aktion „Rettet, die wir retten können” eine Initiative, die seinem Herzen ganz nahe steht. Mit diesem diö- zesanweiten Programm werden für 70.000 Kinder billige oder kostenlose Schulen errichtet. Die Schulden für diese Aktion sind auf über eine Million Euro angestiegen.
    Aus Geldmangel ist er gezwungen, die Schulspeisung auf etwa 45.000 Schüler in 22 Schulen zu reduzieren, und den Kindern wenigstens täglich eine Mahlzeit zu geben ist nicht mehr finanzierbar. Inzwischen musste er Schulgeld einführen.
   Emma*, eine Schülerin in einer Schule „Rettet, die noch zu retten sind” in Mayo, einem Lager im Süden von Khartum sagte: „Meine Schule ist wirklich wichtig für mich. Ohne sie würde ich keine Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben. Sie ist meine einzige Hoffnung, meinen Traum zu erfüllen, Ärztin  zu werden.”
    Durch ihren Einsatz ist die Kirche tiefer und tiefer in die roten Zahlen gekommen. Bischöfe, Priester, Ordens- schwestern, Jung und Alt betrachten es aber als ihre Aufgabe, diese Chance für die Christenheit im Sudan als eine ihrer größten Herausforderungen anzunehmen. Sie hoffen, dass die Christen im Ausland ihren Schrei hören und ihnen zu Hilfe kommen.
   Die UNICEF der UNO weigerte sich zu helfen. Sie geben Geld für die islamischen Regierungsschulen, tun aber nichts in die christlichen Schulen. Der Grund für die religiöse Diskriminierung der UNO ist nicht klar. „Kirche in Not” unterstützt die christlichen Schulen in diesem Jahr mit 180.000 Euro. Die Hilfswerke bitten um mehr Spenden, um besser helfen zu können. 
    In einer der Schulen “Rettet, die wir retten können” meint der 16-jährige Daniel*,  Flüchtling aus dem Süden:  "Es gibt viele Leute, die das Christentum in diesem Land auslöschen wollen; aber es wird niemals sterben! Ich will, dass es weiter geht. Ich bin bereit, dem Volk Gottes als ihr Priester zu dienen.”
   Als Kleinkind hatten er und seine Familie ihr Haus im Südsudan verlassen, als ihr Dorf bombardiert wurde. Sie waren zu Fuß hunderte von Meilen in den Norden geflohen. So erreichten sie Khartum und zogen in die Barackensiedlung, wo ihre Lehmhütte gebaut wurde. “Ich fürchtete mich wirklich davor, getötet zu werden”, sagt er, wird ganz still und richtet seine Augen auf den Boden.  
    Die Bischöfe des Sudans klagten gegen die Unterdrückung der Religionsfreiheit. Weihbischof Daniel Adwok sagte: „Christen, besonders den vertriebenen und verletzbaren, wird wegen ihrer Religion Gewalt angetan. Angesichts fortwährender Vertreibung tragen sie schwere Lasten, Grundrechte werden ihnen vorenthalten und sie werden nicht selten zu Sündenböcken in Zeiten der Krise gemacht.”
   „Kirche in Not” berichtet von Michelle*, einer Mutter von zwei kleinen Kindern, die dem Morden im Südsudan entkommen sind und nun im Norden in einem Lager in Lehmhütten für heimatvertriebene Christen leben. “Vier Millionen Flüchtlinge aus dem Süden sind so den Kämpfen und Luftangriffen entkommen.”
    Michelle* beschreibt ihren Kampf um einen auskömmlichen Lebensunterhalt als Köchin und Raumpflegerin im Zentrum der Stadt Khartum zu finden. Sie erklärt, wie ihre Arbeitgeber und die Stadtverwaltungen sie dauernd bedrängen, Muslima zu werden;  sie locken mit einem neuen Haus, einer besseren Aufgabe, mehr Lebensmittel, schönen Schulen für ihre Kinder und so vieles mehr. „Es ist besser, nur von diesem Wasser zu leben und ein Christ zu bleiben, als meinen Glauben zu verleugnen und in Lüge zu leben,” sagt sie und greift nach einem Becher Wasser. 
    Trotz dieser Christen-Verfolgung ist die Zahl der Katholiken im Land von weniger als einer Million auf etwa fünf Millionen in den letzten vierzig Jahren gewachsen. „Das Blut der Märtyrer ist die Saat der Christen.”
   Unten im christlichen Süden des Landes „sind die Menschen begeistert vom Glauben”, stimmt Bischof Joseph Gasi von Tombura-Yambio zu. „Sie beten und tanzen wie David im Alten Testament. Eheschließungen sind sehr zahlreich, und es gibt eine blühende Hingabe an das Heiligste Herz Jesu. Der Herr ist wirklich mit uns ruhig und ermutigt uns.”
    Aber viele riskieren ihre Leben, um die heilige Messe zu besuchen. „An hohen Kirchenfesten kommen sehr viele Besucher. Aber in Yei wurden wir fast jeden Sonntag bombardiert, um die Eucharistiefeier zu sprengen und die Christen zu zerstreuen”, sagt Bischof Erkolano Lodu. „Die sudanesische Regierung hat die Sonntage ausgewählt, um die Kirchen zu bombardieren, weil sie dann voll sind.”
    Für eine kurze Zeit wurden die Luftangriffe eingestellt. Aber für wie lange? Bischof Adwok meint: „Allzu lange haben wir uns wie wie ein vergessenes Volk gefühlt. Wir haben versucht, die Probleme, denen sich unser Volk gegenüber sieht,  aussprechen,  aber manchmal denken wir  niemand hört uns zu.”
*Die Namen im Bericht sind verändert, um die Betroffenen zu schützen”

 Erzbischof Anders Aborelius Stockholm   epAndersAboreliusStockh

Skandinavien: Staat schätzt Integration durch Kirchen

   Die katholische Kirche in Schweden und Norwegen braucht mehr Gotteshäuser und Priester. Grund sei die wachsende Zahl Gläubiger durch katholische Zuwanderer und durch Konversionen, sagte der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Anders Arborelius aus Stockholm, zum Abschluss der Vollversammlung in Münster. Wegen der Zuwächse habe die katholische Kirche in Schweden der protestantischen zuletzt zwölf Gotteshäuser abgekauft. Sechzig weitere würden regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Die Priesteramts- kandidaten werden erstmals im eigenen Land ausgebildet. Katholiken befinden sich in Skandinavien in der Minderheit. In Schweden liegt ihr Anteil bei 1,9 Prozent, in Norwegen bei einem Prozent. Die Zahl der Gläubigen stieg dort von 4.300 Katholiken im Jahr 1950 auf heute gut 55.000 an; jährlich gibt es nach Angaben des Konferenzvorsitzenden achtzig Konvertiten. Unter den Katholiken sind 85 Prozent Ausländer aus Osteuropa, Irak, Asien und Afrika. Viele der Katholiken seien auch aus Ländern in Afrika oder Asien geflüchtet, unterstrich der Bischof. Staatliche Stellen wüssten die Integrationsleistung der Kirchengemeinden inzwischen zu schätzen. Der Priester- nachwuchs konnte laut Arborelius bislang nur im Ausland Theologie studieren. Die Fakultäten der Universitäten in Schweden und Norwegen seien aber nicht konfessionell gebunden. Daher hätten sie sich der Neuerung geöffnet.  DTkna070324

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Der kleine Papst: Pater Paulinos arme, heile Welt

Die katholische Kirche in Afrika begrüßt Papst Benedikt XVI. als Gleichgesinnten. Sie ist Moralinstanz. Aber auch Überlebenshelfer. Ein Besuch in Nairobis Armenviertel Kariobangi. 
  
Drei Messen hintereinander, und jedes Mal sind alle 3.000 Plätze in der Kirche der „Heiligen Dreifaltigkeit” besetzt, die Gläubigen stehen bis zur Tür hinaus. Das Bild von Johannes Paul II. ist ent- fernt und ins Lager geräumt worden. „Vielleicht wird er zum Heiligen erklärt, dann brauchen wir es wieder”, sagt Pater Paulino und stellt ein gerahmtes Foto von Benedikt XVI. in der Kirche auf. Es ist ein Zeitungsfoto, denn offizielle Bilder vom neuen Papst gibt es in Kenia noch nicht.
   Der Stadtteil Kariobangi hat einen üblen Ruf in Nairobi. Jeder Autofahrer, der sich Kariobangi auf der Äußeren Ringstraße nähert, schielt im Stau in den Spiegel, ob nicht einer mit einer Pistole kommt und die Scheibe einschlägt. Vor der Abzweigung zur katholischen Kirche der „Heiligen Dreifaltigkeit” passiert man rauchende Müllhalden, einen dreckigen Bach und eine Werkstatt, in der uralte Autos mit viel Spachtelmasse wieder aufgebaut werden. Seit hier Kinder entführt und später ihrer Organe beraubt tot aufgefunden worden sind, lassen Eltern ihre Kinder auch nicht mehr unbeaufsichtigt spielen. Kein Grün, keine Bäume, keine Spielplätze. Selbst die mehrstöckigen Wohnhäuser auf Kariobangis besserer Seite täuschen Moderne nur vor. Viele haben gar keine Toiletten, die Mieter verpacken ihre Notdurft in Plastiktüten und werfen sie irgendwo hin.
   Wer aber das Tor zum Areal der Kirche durchschreitet, fühlt sich wie in einer besseren Welt. Kinder spielen hier, hohe Bäume spenden Schatten, das mit Kies bedeckte, großzügige Gelände ist eine Oase der Erholung und der Fürsorge. Pater Paulino, wie hier alle den 45-jährigen Priester Paulino Twesigye Mondo nennen, sitzt mit zwei italienischen Missionaren beim Mittagstisch und bittet die Besucher hinzu. Paulino stammt aus einer gut situierten Bauernfamilie in Uganda. Immer wieder überrascht ihn die Bereitschaft der Armen in Nairobi zu teilen. Es seien die Reichen, die geizig seien und die Armen ausbeuteten, aber „es sind die Armen, die besonders fest im Glauben sind”.
   Pater Paulino spricht wie ein Barfußpriester, aber er und seine vier Amtsbrüder haben zwei kleine Autos und einen Minifernseher. Sie leiten drei Kirchen in einem Armutsgebiet von 500.000 Einwohnern, jeder Fünfte ist hier ein getaufter Katholik. Den neuen Papst kenne kaum jemand, sagt Paulino. Aber er ist überzeugt davon, dass der Joseph Ratzinger nachgesagte Konservatismus bei einfachen Leuten auf Zustimmung stößt. „Konservatismus ist doch nicht schlecht. Unsere afrikanische Kultur ist total konservativ. Wir wollen in unserer Heimat beerdigt werden, wir geben unseren Kindern afrikanische Namen.” Nur vereinzelte Gläubige - die „Intellektuellen” und höchstens 0,01 Prozent seiner Gemeinde, wie Paulino sagt - hätten nach der Papstwahl die Befürchtung geäußert, die Wahl könne die Kirche spalten in einen Flügel der Reformer und der Bewahrer.
   Für solche Gedankenspiele hat Pater Paulino kaum Zeit. „Mein Gott muss aktiv sein”, sagt er, und die Kirche ist in Kariobangi sehr aktiv. Sie macht eigentlich alles.Sie spielt Staat, Schiedsinstanz und Wohlfahrtsbehörde. Sie betreibt eine Grundschule für 1.300 Kinder, sie hat eine Tagesklinik für täglich 300 Patienten, sie bietet 250 Aids-Kranken eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten an, sie hat einen jetzt in der Ferienzeit ständig mit 100 Schülern voll besetzten Lesesaal, sie macht Freizeitangebote für Kinder, organisiert die Müllentsorgung durch Jugendliche. Sie betreibt sogar eine kleine Sparkasse für arme Leute, in der man schon mit einem Euro ein Sparbuch eröffnen kann. Die Kirche beruft „Sicherheitsrunden” ein, und wenn nachts ein Mensch überfallen und verletzt wird, schleppt er sich blutend zur „Heiligen Dreifaltigkeit” und klingelt Pater Paulino wach. Wo sollte er denn sonst hin?
  Auf alle Fragen des Lebens scheint die von Comboni-Ordensbrüdern
mehr über Comboni > Wunder & Zeichen  gegründete Dreifaltigkeitskirche eine Antwort zu haben. Werden Mädchen ungewollt schwanger, hat auch die Kirche für sie ein Angebot, in einem Neubau betreibt sie eine Nähschule für 250 Mädchen. Der Andrang ist gewaltig.
  Unten auf dem Kirchhof schieben junge Burschen einen zweirädrigen Karren mit Baumsetzlingen, sie sollen vor der Polizeiwache gepflanzt werden - auch das ist eine Idee von Pater Paulino. „Ich muss die Jugendlichen zusammenhalten, damit sie keine Gangster werden.”
  Die katholische Kirche füllt Räume in Afrika. In gut 20 Jahren hat sich die Zahl der Katholiken in Afrika ver- doppelt,  13 Prozent aller Katholiken in der Welt, 143 Millionen, leben hier. Der Einfluss des Katholizismus in Schul- und Gesundheitswesen ist enorm. In vielen zerrütteten Staaten gelten katholische Einrichtungen als die „einzige vernünftige und landesweite Infrastruktur”, wie der Historiker und Religionsforscher Stephen Ellis schreibt. Auch in Kenia ist jede zweite höhere Schule eine katholische und brilliert durch hervorragende Abschlüsse. Ist die Kirche nicht Staatsersatz, so ist sie zumindest Korrektiv und Ort für kritische Opposition.
   Mit Verwunderung reagieren westliche Hilfsverbände auf die Sittenstrenge der afrikanischen Kirche, ihr Festhalten am Kondomverbot, ihre starre Haltung in der Abtreibungsfrage. In Nigeria hat der Erzbischof von Lagos „lustbetonte und unmoralische Kleidung” im Gottesdienst verboten, in Nairobi ließ der Erzbischof öffentlich Kondome verbrennen.
   Die katholische Kirche veröffentlichte eine Erklärung, wonach eine Frau, die 10.000 Kenia-Schilling - 104 Euro - für eine Abtreibung aufbringe, „nicht unbedingt arm” sei und ihr Kind zur Welt bringen und „vor einer Kirche oder einem sicheren Platz ablegen” könne. Aber Abtreibungen werden in Nairobis Slums schon für um- gerechnet 15 Euro angeboten - und sie werden in der Verzweiflung noch im siebten oder achten Monat durchgeführt. Im Sommer 2004 fand man 15 tote Föten am Rand einer Straße in Nairobi. Allein in Kenia sterben jährlich je nach Schätzung 5.000 bis 38.000 Mädchen und junge Frauen bei illegalen Abtreibungen durch Kurpfuscher. Ein Gynäkologe aus Nairobi,  der Abtreibungen vornahm, sitzt seit Monaten in U-Haft und steht unter Mordanklage.
   Mehr als die Abtreibungsfrage löst das Kondomverbot bei vielen Kenianern Kopfschütteln aus. Die Zeitung „Daily Nation” fragte kritisch, wie weit sich die Kirche eigentlich noch von den Sorgen ihrer Gemeinde entfernen wolle, wenn sie sogar Ehepartnern, von denen einer Aids hat, die Verhütung verbieten wolle.
  Pater Paulino fühlt sich den Sorgen der Gemeinde sehr nahe. Er hört sie jeden Tag. Und er kontert Skep- tikern damit, dass in „den guten Häusern” Europas und der USA sich leicht über Aids-Vorbeugung fachsimpeln lasse. In Kariobangi lebten bis zu drei Familien in einem Raum, mit Kindern, Schwestern und Brüdern teile sich das Ehepaar ein Zimmer: Da werde nicht über Kondome diskutiert, der Mann fackele nicht lange und schlafe einfach mit seiner Frau, sagt Paulino.
  Am Nachmittag hält Paulino einen Kindergottesdienst, ein Mädchen im bunt bedruckten Ministrantengewand assistiert ihm.Die Dreifaltigkeitskirche wurde 1970 von einem deutschen Architekten gebaut, und sie wird von zwölf Wandgemälden mit biblischen Szenen geschmückt. Alle Figuren - von Jesus bis zum Jünger Paulus - sind als Afrikaner gemalt. Die Kindermesse ist religiöser Frontalunterricht, wer zu spät kommt, erhält keine Oblate. Aber als alle „Singe Halleluja” singen, herrscht Ergriffenheit in der Kinderschar.
   Das Reich des „kleinen Papstes”, wie manche ihn hier nennen, ist eben nicht nur Dienstleistungsbetrieb, es ist eine Moralinstanz. Wer getraut werden will, muss ein Jahr lang ins Eheseminar für Verlobte gehen, in dem afrikanisch-katholische Sitten gelehrt werden, die viele in der Enge, der Gewalt, dem Müll der Stadt „leider verloren hätten”. Daneben geht es um Haushaltskunde, Hygiene, Kochen, Babypflege und Haushaltsbudgets.
   Paulino ist seit zwölf Jahren Priester und hat vieles erlebt. Eine der eindrücklichsten Begegnungen sei die mit einem Mann im Slum gewesen, dessen Hütte keine Tür habe, obwohl jeder hier seine Behausung so gut wie möglich verrammelt. „Was soll man mir stehlen? Ich besitze nichts”, sagte der Mann. Sein einziges Paar Schuhe hat er in eine Zeitung gewickelt und im Dachgebälk versteckt. „Jeden Sonntag ist er in meiner Kirche”, sagt Pater Paulino, „sauber und ordentlich angezogen.” Und voller Gottvertrauen.
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Friedenshände in Vietnam

  Ein Mann bringt die Dekoration an der Außenfassade der St-Josefs-Kathedrale in Hanoi an. Der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Evangelisation der Völker, Kardinal Crescenzio Sepe Foto links, war in Hanoi zu Besuch, als 57 Diakone vor dem Dom zu Priestern geweiht wurden. CT.Reuters051204

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Vietnam: Interview mit Pietro Parolin über die Beziehung der Kirche
zur Regierung von Ha Noi: Auf kleinen Schritten auf den Wegen des Hó Chi Minh

Foto links: Ein Priester segnet eine Pilgergruppe im Marien-Wallfahrtsort La Vang in der Provinz Quang Tri. Foto rechts: Der von Papst Johannes Paul II. ernannte Kardinal Jean-Baptiste Phan Minh Mán wird bei seiner Rückkehr nach Vietnam in der Stadt Than Po Hó Chi Minh empfangen.

  „Man kann nur hoffen, dass die Bereitschaft besteht, zu dem Geist zurückzukehren, von dem Ho Chi Minh beseelt war. Der - in der berühmten Verfügung Nr. 234 von 1955 - der Kirche keine Beschränkungen auferlegte, was die Zahl der Bischofsernennungen anging, die Zulassung zu den Seminaren oder die Arbeit der religiösen Gemeinschaften.” Die Stellungnahme des Untersekretärs der vatikanischen Abteilung  für die Beziehungen mit den Staaten.
   “Die einzige wirkliche Erklärung für die Ernennung von Kardinal Phan Minh Mán beim letzten Konsistorium ist die Sorge des Papstes um die vietnamesische Kirche. Eine Kirche, die nicht nur lebendig, vereint ist,  sondern auch mit einer wahren Blüte von Priester- und Ordensberufungen aufwarten kann.” Eine Kirche, die, mitten in der Realität des Landes stehend, nichts anderes wünscht, als dem Gemeinwohl zu dienen. Die Ernennung wurde übrigens auch vom kommunistischen Regime begrüßt, das in einer Erklärung des Pressesprechers des Außenministeriums bekräftigte: „Es ist eine gute Botschaft für die vietnamesischen Katholiken, jetzt einen weiteren Kardinal zu haben. Zum ersten Mal in der Geschichte  der katholischen Kirche  des Vietnam  hat unser Land gleich zwei Kardinäle.”
   Prälat Pietro Parolin, Untersekretär der Abteilung für die Beziehungen mit den Staaten leitete die vatikanische Delegation, die nach Vietnam reiste und zu der auch Prälat Luis Mariano Montemayor gehörte, Nuntiatur-Berater beim Staatssekretariat, und Prälat Barnabe Nguyen Van Phuong, von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Nach diesem Besuch kann man durchaus von einer Beziehung sprechen, die „auf dem Wege der Besserung” ist.
Der neuernannte Kardinal Phan Minh Mán hat öffentlich vorgeschlagen, das Thema der Religionsfreiheit anzugehen; eine Rückbesinnung auf das, was der Gründervater des kommunistischen Vietnam, Ho Chi Minh, festgelegt hatte. Was halten Sie davon?
   
Ich halte das für einen durchaus wertvollen Vorschlag. Der Kardinal hat da etwas überaus Vernünftiges getan, seine Initiative verdient jede Unterstützung. Man kann also nur hoffen, dass die Bereitschaft besteht, zu dem Geist zurückzukehren, von dem Hó Chi Minh beseelt war. Der - in der berühmten Verfügung Nr. 234 von 1955 - der Kirche keine Beschränkungen auferlegte, was die Zahl der Bischofsernennungen anging, die Zulassung zu den Seminaren oder die Aktivität der religiösen Kongregationen. Darüber hinaus wurde bei den offiziellen Unterredungen oft eine jüngst verabschiedete Resolution des Zentralkomitees der kommunistischen Partei erwähnt, in der die vietnamesischen Bürger als „vollwertige Bürger” bezeichnet werden und die Ent- schlossenheit der Regierung bekräftigt wird, „den geistlichen Bedürfnissen jenes Teils der Bevölkerung Rechnung tragen zu wollen,  die einem religiösen Glauben anhängen.” Eine derartige Haltung der Partei kann man natürlich nur begrüßen. Ein anderes Thema, das bei verschiedenen Anlässen wieder aufgegriffen wurde, ist der Wunsch der vietnamesischen Ansprechpartner, in den Beziehungen zur katholischen Kirche die Ver- gangenheit hinter sich zu lassen und vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken.
Was können Sie uns über Ihren Aufenthalt im Vietnam sagen?
  
Die Delegation des Vatikans hat, wie schon bei ihren vorherigen Missionen, im wesentlichen zwei Zwecke verfolgt: einen Dialog mit den Regierungsbehörden zu führen, um die gegenseitigen Beziehungen zu festigen, die Frage der Beziehungen zwischen Kirche und Staat zu behandeln und gleichzeitig den katholischen Gemeinschaften entgegen zu kommen. So wurde uns die Freude zuteil, uns mit dem Präsidenten der Bischofs- konferenz, den Mitgliedern des Ständigen Rates derselben und mit den Bischöfen der Kirchenregion Ha Noi an einen Tisch setzen zu können. Wir waren in der Diözese Xuan Loc und Ban Me Thuot. Diese Diözesen waren noch nie von den Delegationen des Vatikans besucht worden, und dass das endlich möglich geworden war, war, in einem gewissen Sinne, eine Überraschung. Xuán Lóc, im Süden Vietnams,  ist die größte Diözese des Landes, in der die Katholiken ca. 30% der Be- völkerung ausmachen. Ban Mé Thuót befindet sich auf der Hochebene in der Mitte des Landes, dort leben etwa 40 ethnische Minderheiten, „Montagnards” genannt. Es gibt dort bekanntlich viele Spannungen. Über das, was sich Anfang April zugetragen hat, haben wir von den örtlichen Behörden Informationen erhalten. In Ha Noi konnten wir die Messe im Priesterseminar feiern, und in Thanh Pho Hó Chi Minh wurde eine Begegnung mit den Vertretern des Klerus, des geweihten Lebens, der Laien und der katholischen Institutionen der Erzdiözese organisiert. Auf Regierungsebene wurden zwei Arbeitssitzungen mit dem Büro für religiöse Angelegenheiten sowie Höflichkeitsbesuche beim Vizeminister für Äußeres, dem Vizepräsidenten der Kommission für äußere Angelegenheiten des Zentralkomitees des Vietnam organi- siert, und während des Besuchs in den Diözesen bei den örtlichen Behörden. Wir wurden mit sehr viel Respekt behandelt, ja, ich würde fast schon sagen, überaus herzlich aufgenommen; eine Haltung, die auch wir stets vermitteln wollten. Ich bin der Meinung, dass die Unterredungen mit den Repräsentanten des Büros für Äußeres überaus nützlich waren, wenn auch nicht alle Fragen geklärt werden konnten.
Gibt es in Sachen Religionsfreiheit gute Nachrichten?
  
Seit den ersten Besuchen der Delegation des Heiligen Stuhls bis heute sind 15 Jahre vergangen, und es hat zweifellos Fortschritte gegeben. Wir haben erfahren, dass die Behörden in einigen Regionen die Ordens- schwestern um Hilfe bei der Betreuung Aids-Kranker gebeten haben. An anderen Orten wieder wurde die Genehmigung für Neuzugänge an religiösen Instituten erteilt. Das alles ist Zeichen für eine offenere Haltung der katholischen Kirche gegenüber. Ich denke aber dennoch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. In der Zwischenzeit hoffe ich, dass der Dialog weitergeht, dass mit dem Dialog Verständnis und Vertrauen wachsen. Die Kirche will nicht mehr, als in Freiheit ihre Mission erfüllen zu dürfen, stellt sich großzügig in den Dienst des Landes und seiner Einwohner.
Und was ist mit den von der Regierung auferlegten Bedingungen bei den Bischofsernennungen?
  
Die Delegation des Vatikans ist auch nach Vietnam gekommen, um mit den Regierungsbehörden über die Bischofsernennungen zu sprechen, die derzeit in Vietnam nach einer Sonderregelung unterliegen. Natürlich haben wir die Hoffnung, dass es auch in  diesem Bereich zu einer Normalisierung kommen wird. Dieser letzte Besuch hat auch Fortschritte gebracht.
Gibt es eine Episode um Ihre Reise nach Vietnam, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
    Ich denke, dass uns das am meisten bewegt hat, was sich in Ban Mé Thuót ereignete. Am Nachmittag feierten wir die heilige Messe in der Kapelle des Bischofshauses und für den Morgen darauf war der private Besuch der Kapelle vorgesehen. Und dann haben wir bei unserer Ankunft eine zum Bersten mit Gläubigen gefüllte Kirche vorgefunden, die spontan gekommen waren, als sie von der Ankunft der vatikanischen Dele- gation gehört hatten. Es war eine sehr intensive Erfahrung, die sich nur wenig später im Haus der Schwestern Mariens wiederholte, die vor allem mit den „Montagnards” zusammenarbeitet. Ich muss allerdings sagen, dass alle Begegnungen mit der Kirche von tiefer Spiritualität geprägt waren, einem Klima intensiver kirchlicher Gemeinschaft und einem starken Gefühl der Verbundenheit, Verehrung und Treue dem Nachfolger Petri gegenüber: etwas, das die Delegation dem Heiligen Vater bei ihrer Rückkehr in Rom nur allzu gerne berichtet hat.
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Foto unten: Besuch der vatikanischen Delegation in der Diözese Quy Nhon

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   Seit zwanzig Jahren haben bilaterale Besuche den Weg geebnet zu diplomatischen Beziehungen. Bei den Arbeitssitzungen der Delegationen wurden Fragen besprochen, die Leben und Aktivitäten der katholischen Kirche in Vietnam  besprochen, darunter besonders die Bischofsernennungen, der Bau von Kultstätten und der Beziehung zwischen Staat und Kirche.
   Die stark wachsende Kirche hat die Besucher aus dem Vatikan mit großer Freude empfangen. Die große Zahl der Ordensschwestern und Priester ist beeindruckend. Die vietnamische Kirche legt ein Zeugnis voller Vitalität ab. Sie nimmt sich nicht nur derer an, die bedürftig und notleidend sind, auch in Sachen Bildung und Soziales ist sie stark engagiert. Die junge Kirche ist sich der Probleme bewusst, die eine schnelle Industrialisierung und ein starker Wirtschaftsaufschwung mit sich bringt. Die Wachs- tumsrate von 8,4 Prozent in diesem Jahr liegt weltweit an zweiter Stelle.   

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Die Kirche in Vietnam wächst. Ein Weg der Geduld. Die Wirtschaftskrise, der Glaube der Neugetauften,
der Streit um die konfiszierten Kirchengüter. Reise des Papstes ins Land von Ho Chi Minh?  
Interview von Gianni Valente mit Pierre Nguyen Van Nohn, Präsident der vietnamesischen Bischöfe

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Fotos: Benedikt XVI. mit dem Bischof von Da Lat, Nguyen Van Nhon rechts: Kathedrale Phát Diem
Foto unten links: Kathedrale Sankt Josef in Hanoi Foto rechts:
Kathedrale von Phát Diem

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    Pierre Nguyen Van Nhon, Bischof der Diözese Da Lat, wünschst sich, dass der Papst Vietnam besucht. Für uns Katholiken, weil wir im Glauben gestärkt würden. Aber auch für die Regierung, die nicht dagegen ist: der Besuch des Papstes wäre ein deutliches Zeichen für alle, dass Vietnam die Verschiedenheit und die Freiheit akzeptiert."
Was wird der Papst vorfinden, wenn er nach Vietnam kommt?
   Wir alle können sehen, wie sich die weltweite Wirtschaftskrise auch auf das Leben des Einzelnen auswirkt. 90% der Menschen hier arbeiten auf dem Land, aber aufgrund der Wirtschaftskrise liefern die Produkte, die uns der Boden schenkt, nicht mehr die lebensnotwendige Nahrung. Die Folge ist die Landflucht. Die Menschen strömen in die Städte, lassen ihre Familien, ihre Freunde, ihr gewohntes Leben hinter sich. Viele werden dann aber mit den Problemen, die sich ihnen stellen, nicht fertig. Saigon musste in kurzer Zeit zwei Millionen Einwanderer aufnehmen, darunter auch 100.000 Katholiken. Bei diesen Menschen hat sich ein Gefühl der Verlassenheit und Wehrlosigkeit breit gemacht. Viele verlieren den Kontakt zur Kirche, hören auf zu beten.
Wie sind Sie eigentlich Christ und dann später Priester geworden?
   Meine Familie war schon seit Generationen katholisch. In jeder katholischen Familie gab es wenigstens ein Familienmitglied, das sich zum Ordens- oder Priesterleben berufen fühlte. In meiner Familie waren wir sechs Kinder; meine beiden Schwestern sind ins Kloster eingetreten, ich ins Seminar. Wir sind in einfachen Ver- hältnissen aufgewachsen. Fast jeden Tag gingen wir zur Messe. Wir empfingen die Kommunion, beteten abends gemeinsam, und auch vor und nach dem Essen. Genau das also, was man in den meisten katho- lischen Familien in Vietnam beobachten kann. Ich danke Gott und bin glücklich darüber, dass er mich in meiner Berufung bestärkt hat.
Und wie sieht die Situation jetzt aus?
   Jetzt haben sich viele Dinge geändert. Viele werden von der Arbeit in Anspruch genommen, haben keine Zeit mehr, die Messe zu besuchen. Ich danke Gott, dass die christlichen Familien im Allgemeinen trotzdem noch immer sehr fromm sind. Sie haben einen einfachen Glauben, der vom Gebet und von den Sakramenten genährt wird. Viele Menschen werden Christen, wenn sie schon im Erwachsenenalter sind.
Und wie kommt es gewöhnlich dazu?
   Viele treten in die katholische Kirche ein, wenn sie einen Katholiken oder eine Katholikin heiraten. Manche - meist sind es Intellektuelle - empfinden aber auch eine gewisse Unzufriedenheit, stellen sich Fragen. Und sie begegnen dann vielleicht jemandem, Priestern, Laien oder Ordensleuten, die ihnen bei ihrer inneren Suche helfen, ihnen Antworten geben können.
Ist es einfach, die Taufe zu empfangen?
   Für die Taufbewerber sind zwei Jahre Vorbereitung vorgesehen. Oft aber sind es nur sechs Monate oder ein Jahr. In meiner Diözese haben wir jedes Jahr acht bis neuntausend Getaufte, davon dreitausend Erwachsene, und fünf- bis sechstausend Kinder aus christlichen Familien. In den großen Diözesen haben wir vier- bis fünftausend Erwachsenentaufen pro Jahr.
Gilt sich taufen zu lassen immer noch als etwas Exotisches; etwas für Leute, die eine „westliche Religion" angenommen haben?
   Solche Dinge sagt man in der Absicht, Propaganda zu machen oder alte Probleme wieder auszugraben. Jesus Christus wurde in Asien geboren. Seine Gleichnisse sind voller Hinweise auf das Leben der asiatischen Völker. Als die Verkündigung des Evangeliums mit den französischen und portugiesischen Missionaren dann nach Vietnam kam, wurde auf einmal gesagt, es wäre etwas Fremdes. Manche sagen aber auch, das Christentum sei eine Religion des Ostens. Meiner Meinung nach ist es Zeitverschwendung ist, darüber zu reden. Man sollte diesen Dingen zumindest die richtige Dimension geben. Katholisch heißt „für alle". Natürlich muss die apostolische Sendung den kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Umfelds Rechnung tragen. Bei einer Begegnung in Thailand, wo es um die Mission in Asien ging, wurde gesagt, dass wir das Leben Jesu so erzählen sollen wie er selbst vor 2000 Jahren mit Hilfe seiner Gleichnisse gepredigt hat. Auf eine orientalische, also nicht auf eine rationalistische Weise.
Und wie soll man die Nachrichten über jüngste Spannungen mit der vietnamesischen Regierung ver- stehen, die sich angeblich weigert, konfiszierte Kirchengüter zurückzugeben?
   Das ist eine Frage, die man im Zusammenhang mit der Geschichte unseres Landes sehen muss. Früher  gab es bei uns Privatbesitz. Dann konnte sich das System des Kollektivbesitzes der Güter durchsetzen. Gewiss, die Welt gehört allen; was Gott geschaffen hat, hat er für alle geschaffen. Aber das zu sagen, kann abstrakt sein. Da sind die Einzelpersonen, die sozialen Gruppen mit ihren Rechten. Wenn diese Rechte einem höheren Gut dienen, so ist das verständlich. Wenn man aber Güter einzieht, die angeblich allen zur Verfügung stehen sollen, diese dann aber für egoistische Zwecke benutzt, damit sich irgendjemand bereichern kann, dann ist das nicht in Ordnung, und dann kann man sich dafür auch nicht auf das Gemeinwohl berufen.
Hat sich das auch mit den einstigen Kirchengütern so verhalten?
   Nicht immer wurden diese konfiszierten Güter auch wirklich zum Gemeinwohl eingezogen. Die Kirche will sie nicht für sich selbst zurückhaben; sie will sich nicht damit bereichern, sondern hat einfach nur den Wunsch, dass sie zum Wohl des Volkes genutzt werden.
   Wir sind Kirche. Die Kirche geht immer den Weg des Dialogs. Und sie respektiert die zivilen Behörden. Der Papst hat uns gesagt, dass die Kirche ihre Kinder auffordert, sich auf loyale Weise für den Bau einer gerechten und soliden Gesellschaft einzusetzen. Die Kirche - und das hat uns Benedikt XVI. im Rahmen unseres letzten ad-Limina-Besuches wortwörtlich so gesagt - „will keineswegs an die Stelle der politisch Verantwortlichen treten, sondern möchte nur in einem Geist des Dialogs und der respektvollen Zusam- menarbeit auf angemessene Weise am Leben der Nation teilnehmen, im Dienst für das ganze Volk."
Hat die Wiederlangung der Kirchengüter derzeit wirklich Vorrang?
   Wir versuchen nicht, uns Güter anzueignen, um reich und mächtig zu werden. Wir wollen einfach nur das Notwendige, um weiter arbeiten und unserem Volk dienen zu können. Die Kirche wächst, und sie braucht die Mittel, um ihre apostolische Sendung erfüllen und den Armen helfen zu können. Und für diese Arbeit können die Werkzeuge hilfreich sein.
Kann uns die Entwicklung der Beziehungen zwischen Kirche und vietnamesischem Regime zeigen, wie man die anomale Situation in der Volksrepublik China lösen kann?
   Ich denke, dass es im Leben der Kirche nicht darum geht, irgendwelche Verhaltensmodelle zu verbreiten. Die Kirche in Vietnam ist der Situation in Vietnam angepasst. China ist ein so großes, komplexes Land. Ich weiß nicht, ob das, was man in Vietnam tut, auch in China getan werden kann. Wir müssen auf Jesus blicken, auf die von ihm gegründete Kirche: das ist das Vorbild für uns alle. Jesus hat seine Kirche auf Petrus und dessen Nachfolger gebaut. Und das ist das Modell, das für alle gilt, in Vietnam genauso wie in China, Amerika und überall anders.
Aber Unterschiede gibt es doch. Die vietnamesische Kirche z.B. zeigt sich als demütige Kirche, und das auch schon deswegen, was sie in der Vergangenheit durchmachen musste.
   Ja, aber diese Demut ist unser aller Berufung. Die ganze Kirche muss demütig, einfach, wohltätig sein; sie muss Jesus nachfolgen. Das gilt für die gesamte Kirche, auch für die Kirche in Amerika, wenn sie Kirche Christi sein will.
Auch auf dem Weg zur Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und vietnamesischer Regierung hat die Entscheidung für die Geduld Früchte getragen.
Es wurde gut gesät, in aller Stille, ohne sich in den Vordergrund zu stellen.
   Ein erster Ansatz war der von Kardinal Etchegaray im Jahr 1989. Seit damals hat es offizielle Besuche gegeben. Msgr. Pietro Parolin, der Untersekretär des Staatssekretariats, der derzeit die Geschehnisse in Vietnam verfolgt, ist in den letzten Jahren viermal zu uns gekommen. Und es hat gute Resultate gegeben. Wir beten viel darum, dass uns die Aufgeschlossenheit für diplomatische Beziehungen zwischen Rom und viet- namesischer Regierung einen ständigen päpstlichen Repräsentanten vor Ort bescheren wird, und nicht nur einmal im Jahr. Früher oder später wird es soweit sein. 
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Lesen Sie mehr über den Besuch des Papstes in Vietnam
Vatikan 

   Die sozialistische Regierung in Vietnam erlaubt erstmals ein offizielles katholisches Gesangbuch. Die viet- namesischen Bischöfe stellten das zweibändige Projekt jetzt in Ho-Chi-Minh-Stadt vor. Das erste Gesangbuch enthält 500 Kirchenlieder, die unter den 4.000 beliebtesten des Landes ausgewählt wurden. Die musikalische Bandbreite reicht von Gregorianik bis zu Kompositionen der 70er Jahre. Der zweite Band soll spätestens im Januar 2011 vor dem Abschluss des 300-Jahr-Jubiläums der Kirche in Vietnam erscheinen. Überwachung und Zensur durch die staatlichen Organe verboten bislang die Veröffentlichung eines einheitlichen Gesangbuchs. Viele Gemeinden hätten ihre eigenen Kirchenlieder getextet und komponiert, so die Bischöfe. Diese sprach- liche Modernisierung habe zwar für mehr Verständlichkeit gesorgt, sei aber nicht immer theologisch korrekt. Rv091123asianews

Bischof Paul Bui Van Doc miss-Viet-epPaulBuiVanDoc-x Interview

„Benedikts Besuch würde die Öffnung Vietnams stärken"

Die Lage der Christen in Vietnam sorgt regelmäßig für negative Schlagzeilen. Zu Recht?
  Es gibt sicher Probleme und Krisen. Aber ich würde auf keinen Fall von Christenverfolgung sprechen. Das entspricht nicht der Realität. Es ist sogar schädlich für die Kirche, von Verfolgung zu reden. Solche Begriffe heizen die Spannungen nur an und behindern Fortschritte. Dabei sind Gespräche der einzig mögliche Weg, um die Situation der Kirche langfristig zu verbessern. Der Dialog ist schwierig, aber ohne Alternative, und wir müssen ihn fortsetzen.
Mit welchen Schwierigkeiten ist die Kirche in Vietnam konfrontiert?
   Ein großes Thema, auch in internationalen Medien, ist der Streit um Land. Ich selbst bitte meine Provinz- regierung seit Jahren um die Rückgabe von etwa 2.000 Quadratmetern Kircheneigentum. Bisher vergeblich. Aber das ist aus meiner Sicht kein großes Problem. Ich bin geduldig. Und die viel wichtigere Aufgabe für die Kirche ist doch, das Evangelium zu verkünden und für die Menschen da zu sein. Das müssen wir auch deutlich machen.
Trägt auch die Kirche zu den Spannungen bei?
   Manchmal ja. Es gibt eben auch innerhalb der Kirche verschiedene Strömungen und Kräfte, die gegen den Dialog und die Verständigung mit der Regierung sind.
Wie ist die Haltung der Regierung zur Kirche?
   Innerhalb der staatlichen und regionalen Behörden gibt es natürlich auch Hardliner, die gegen jedes Zu- gehen auf die Kirche sind. Oft zeigen sich die offiziellen Stellen aber offen. Auch die derzeitige Regierung des Landes ist sehr aufgeschlossen und sieht den Beitrag, den die Kirche etwa im Sozialbereich leisten kann. Diese offene Haltung zeigt sich etwa daran, dass sowohl unser Ministerpräsident als auch unser Staats- präsident in den vergangenen Jahren bei Papst Benedikt XVI. waren.
Sind solche Besuche mehr als schöne Gesten?
   Sie haben schon Einfluss auf die Lage im Land. Unmittelbar nach solchen Besuchen gibt es zwar oft nega- tive Schlagzeilen. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Dessen unbenommen gibt es einen positiven Gesamttrend. Im Vergleich zu anderen kommunistischen Ländern wie China, Nordkorea, Kuba oder Laos ist die Lage der Kirche in Vietnam viel besser.
Wie schlägt sich das konkret nieder?
   Anders als in China werden hier etwa keine Bischöfe verhaftet. Auch läuft kein Christ Gefahr, wegen seines Glaubens hingerichtet zu werden, wie es etwa in einigen islamischen Ländern der Fall ist. Die Kirche in Vietnam ist sehr lebendig. Unsere sieben Priesterseminare haben viel Zulauf. Außerdem ist Caritas Vietnam mittlerweile von der Regierung anerkannt. So etwas wäre früher nie denkbar gewesen.
Es wurde immer wieder über einen Besuch des Papstes spekuliert. Welche Bedeutung hätte eine solche Reise für die Kirche im Land?
  Sie hätte sehr große Auswirkungen. Die regierenden Kommunisten stehen derzeit vor der Entscheidung, wohin sich das Land entwickeln soll. Ein Besuch von Benedikt XVI. würde die Öffnung Vietnams stärken. Zumal wir dieses Jahr ja zwei Jubiläen feiern: Die Einrichtung einer Kirchenhierarchie vor 50 Jahren sowie die Grün- dung der beiden Apostolischen Vikariate im Norden und im Süden des Landes vor 350 Jahren. Wir würden uns freuen, wenn Benedikt XVI. zum Abschluss der Feiern nach Vietnam kommen könnte.
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Reist der Papst nach Vietnam?  Foto links: Benedikt XVI. mit dem vietnamesischen Mininisterpräsidenten Nguyen Tan Dung 2007 Rom Foto rechts: Msgr. Pietro Parolin, mit Nguyen The Doanh, Leiter des Büros
für religiöse Angelegenheiten der vietnamesischen Regierung; Hanoi 19. Februar 2009;

   Die vietnamesische Regierung „ist nicht gegen" einen Besuch des Papstes in Vietnam. Das sagt Bischof Pierre Nguyen Van Nhon  siehe in dem Interview. Die Chancen einer kurz bevorstehenden Reise Benedikts XVI. nach Vietnam sind in der Tat gewachsen. Die vietnamesischen Bischöfe haben den Papst bei ihrem ad-limina-Besuch Mitte Juni in Rom wissen lassen, dass das Regime in Hanoi nichts gegen einen Papstbesuch hätte. Kardinal Jean-Baptiste Pamh Minh Man, Erzbischof von Ho Chi Minh Stadt, hat in einem Interview mit der Presseagentur Uca-news bestätigt, dass diese informelle Nachricht aus dem Büro für religiöse Angele- genheiten in Hanoi kam. Diese positive Entwicklung würde natürlich auch Benedikt XVI. den Weg in eines jener Länder ebnen, die seinem reisefreudigen Vorgänger noch verschlossen geblieben waren. Bis Ende des Jahres wird es in Rom - zum zweiten Treffen der gemeinsamen Arbeitsgruppe kommen, die die diploma- tischen Beziehungen zwischen Vietnam und dem Vatikan voranbringen soll. Im Dezember wird der viet- namesische Präsident Nguyen Minh Triet zu einem Staatsbesuch nach Italien kommen. Ein Besuch beim Papst liegt dann nahe. Auf kirchlicher Seite fehlt es gewiss nicht an Gelegenheiten für eine Reise von Papst Benedikt XVI. nach Vietnam. Anlass könnte der 350. Jahrestag der Errichtung der ersten beiden apostolischen Vikariate und der 50. Jahrestag der Errichtung der katholischen Hierarchie in Vietnam sein. Das Festprogramm wird mit einer Wallfahrt zum Nationalheiligtum in La Vang ausklingen und sieht auch eine kirchliche Versammlung in Hanoi vor, an der die Repräsentanten aller vietnamesischen Diözesen teilnehmen werden.

mis-Viet-LaVang-xx Marienheiligtum La Vang, Vietnam

   Der Besuch des Papstes wäre ein deutliches Zeichen für die vor mehr als 20 Jahren eingeleitete Ent- spannungsphase zwischen Vietnam, Vatikan und Ortskirche. Vorausgegangen war dem die dunkle Phase un- mittelbar nach der Wiedervereinigung des Landes und die Machtübernahme des kommunistischen Regimes. Mit der Reise von Kardinal Roger Etchegaray, damals Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, nach Hanoi konnten die Kontakte im Jahr 1989 wieder hergestellt werden. Seit damals waren 16 vatikanische Delegationen in Vietnam, um die Komplikationen, die die politische Kontrolle des kirchlichen Lebens mit sich brachte, durch Verhandlungen mit den zivilen Behörden zu lösen. Mit der Zeit konnten die neueröffneten Seminare ihre Arbeit wieder aufnehmen; man fand einen modus vivendi bezüglich der Vorgangsweise bei der Bischofswahl; und es wurden die Voraussetzungen für ein immer größeres Netz der sozialen und karitativen Initiativen der Kirche geschaffen.
   In der letzten Zeit gab es Spannungen zwischen der vietnamesischen Regierung und der Ortskirche wegen  der Rückgabe der konfiszierten Grundstücke wie der Sitz der Nuntiatur und einer Pfarrei in Thai Ha. Der Vatikan hat zur Mäßigung und zum Dialog ermahnt. Inzwischen wurden von den Behörden eine Reihe von Forderungen erfüllt, die das gewöhnliche kirchliche Leben in Vietnam betreffen. Im Herbst 2007 hat z.B. auch das Seminar von Nha Trang - nach dem von Hanoi und Ho Chi Minh Stadt - die Erlaubnis erhalten, jedes Jahr neue Priester-Kandidaten aufzunehmen. Womit das alte System, das die Zahl der Seminaristen bürokratisch eingeschränkt hatte, endgültig ad acta gelegt war. Nach den jüngsten, erst am 25. Juli bekanntgegebenen Ernennungen, wird nur die Diözese Ban Me Thout, im Landesinnern, noch von einem über 75 Jahre alten Bischof geleitet. Im Oktober 2008 konnte die vietnamesische Caritas nach dreißig Jahren mit Genehmigung des Regierungsbüros für religiöse Angelegenheiten endlich wieder ihre Arbeit aufnehmen, und zwar nicht nur auf nationaler, sondern auch auf Pfarreiebene.
   Schwierigkeiten für die etwaige Papstreise liegen eher im finanziellen Bereich: die vietnamesische Kirche ist arm, die wenigen Ressourcen werden für das Wachstum der katholischen Gemeinschaft eingesetzt.
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Der Vatikan und Vietnam verhandeln zum zweiten Mal intensiv über bilaterale Fragen.
   Dabei geht es auch um die nötigen Schritte für eine mögliche Wiederherstellung von diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Arbeitsgruppe hatte sich Mitte Februar letzten Jahres in Hanoi ein erstes Mal getroffen. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 hatten die kommunistischen Machthaber die Beziehungen zum Heiligen Stuhl abgebrochen; die Situation der Kirche in dem südostasiatischen Land galt seither als schwierig. Seit 1990 versuchen beide Seiten, durch Verhandlungen auf Vize-Außenminister- ebene offene Kirchenfragen wie Bischofsernennungen oder Zulassungsquoten zu Priesterseminaren zu klären. Dabei gibt es durchaus Fortschritte, die manche sogar von einem Papstbesuch in Vietnam träumen lassen; allerdings sorgt der Streit um früheres Kircheneigentum an mehreren Stellen des Landes für immer neue Unruhe unter den Gläubigen. Von den 86 Millionen Einwohnern in Vietnam sind über sechs Millionen Katholiken. Es handelt sich um eine der größten Katholikengemeinden Asiens. Seit 2008 hat der Heilige Stuhl sieben neue Bischöfe in Vietnam ernannt, darunter einen neuen Erzbischof von Hanoi; die Bischöfe ihrerseits konnten Hunderte von Priesterweihen vornehmen.
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Vietnam: Viele wollen Priester werden

   Alle Aktivitäten außerhalb der Kirche – wie Gebetstreffen, katechetische Veranstaltungen in privaten Wohnungen, Seminare – sind im Vietnam genehmigungspflichtig. Die Hauskirche ist deshalb im südostasia- tischen Land eine Form, mit der die Christen ihren Glauben leben, denen der Zugang zu einer Kirche ihrer Wahl verwehrt ist oder die sich keiner staatlichen Kontrolle unterziehen wollen. Christen der Hauskirchen treffen sich außer in Wohnungen auch in Parks und in Wäldern, um zu beten und Gottesdienste zu feiern. Priester gibt es aber dennoch viele und es könnten noch mehr sein, denn die wenigen Priesterseminare im Land erleben einen wahren Ansturm an Priesteramtskandidaten, wie der Sekretär der vietnamesischen Bischofskommission für den Klerus und Seminaristen, Pater Joseph Do Manh Hung, gegenüber Radio Vatikan bestätigt. rv80728rv

Kirchliches Jubiläum in Vietnam

   Etwa 120.000 katholische Christen nahmen an den Eröffnungsfeierlichkeiten des vietnamesichen Heiligen Jahrs aus Anlass des 350. Jahrestages der Errichtung des ersten Vikariats im Land. Die Feier wurde jedoch beeinträchtigt vom Rücktritt des Erzbischofs von Hanoi von seinem Amt. Beobachter nehmen an, dass die Regierung hier Druck ausgeübt hat.
   Vier Kardinäle, 30 vietnamesische Bischöfe von allen 26 Diözesen und 1.200 Priester und 120.000 Gläubige von den nördlichen Diözesen Vietnams versammelten sich zu diesem Fest. Zahlreiche ausländische Geistliche aus Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika waren darunter. Die Feierlichkeiten wurden eröffnet in dem Ort So Kein, etwa 70 km südlich von Hanoi. Hier wurde es der vietnamesichen Kirche erlaubt, mehrere größere Gebäude zu errichten.
   Anlass des Jubiläums war nicht nur das 350jährige Jubiläum der Errichtung eines Apostolischen Vikariats, sondern auch der 50. Jahrestag der Einsetzung einer katholischen Hierarchie in Vietnam. Das Fest begann mit einer einstündigen Prozession der Christen mit den Reliquien ihrer Martyrer. Der Präsident der viet- namesichen Bischofskonferzen Bischof Peter Nguyen Van Nhon leitete die Liturgie. Die Festversammlung wurde an die Christenverfolgungen zwischen 1625 und 1886 erinnert und an die 53 Erlasse der Herren und Könige von Nguyen gegen die Christen. Jeder Verfolgungswelle war härter als die vorhergehende. Die Versammlung der vietnamesischen Kirche sprach in dieser Feier ihre Dankbarkeit gegenüber den 130.000 Opfern dieser Verfolgungen aus. 117 Martyrer wurden von der Kirche heilig gesprochen.
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Erzdiözese Hue (Vietnam): Bau einer Wallfahrtskbasilika im Jubiläumsjahr

  Die Erzdiözese Hue (Vietnam) hat sich für das Jubiläumsjahr ein großes Ziel gesteckt: den Wiederaufbau der nationalen Marienwallfahrtskirche auf dem bisher von der vietnamesischen Regierung beschlagnahmten und jetzt der Kirche wieder zurückgegebenen Grundstück. Im Januar 2011 soll die Basilika „Unserer Lieben Frau von La Vang“ fertiggestellt werden. Am 6. Januar 2011 endet das zur Zeit laufende Jubiläumsjahr der Kirche aus Anlass des 350. Jahrestag der Gründung der kirchlichen Hierarchie im Lande. Die Wallfahrtskirche bietet Raum für 5.000 Pilger. Die hier vor dem Krieg stehende Basilika Foto oben war 1972 während der Kämpfe in Vietnam zerstört worden. Die Muttergottes ist hier im Jahre 1798 erschienen und ermutigte die Christen in der schweren Verfolgungszeit.
 â€žDie Planung umfasst eine Kapelle, eine große Bühne für Feierlichkeiten, ein Konferenzzentrum, ein beson- deres Gebäude für die eucharistische Anbetung, ein Haus für Exerzitien und Einkehrtage, ein Ausstel- lungszentrum und einen Bereich, um Pilger unterzubringen. Schon bevor diese Anlage im nächsten Jahr vollendet sein wird, steht das Zentrum den Pilgern offen“, sagt der Wallfahrtsleiter Pater Jacob Le Si Hien. „Wir sind zur Zeit dabei, das Gelände zu planieren und zu reinigen und sind bereit, die Pilger aus der Um- gebung schon jetzt zu empfangen, die den Jubiläumsablass gewinnen wollen.“
  Im Rahmen des zwischen der vietnamesischen Regierung und der Kirche erreichten Tauwetters haben die Behörden von dem 1975 beschlagnahmten 17 ha Grundstück jetzt 15 ha an die katholische Kirche zurück- gegeben. Die restlichen 2 ha bleiben im Besitz des Staates und werden in gegenseitigem Einvernehmen von der Regierung mit Bäumen bepflanzt. Private Sponsoren bringen die Kosten von etwa 15 Millionen Euro auf. Die Regierung unterstützt das Projekt durch die Erschließung des Grundstückes. Neue Straßen zur Wallfahrtsstätte sind seit Dezember im Bau.
   Pater Hien berichtet auch, dass die Ortskirche für die auf dem beschlagnahmten Gebiet angesiedelten 20 Familien Entschädigung zu leisten habe. Die Regierung erlaubt ihnen, Häuser auf dem konfiszierten Land zu errichten, sie dürfen Speisen und Andenken an die Pilger verkaufen und selbst Reis und Feldfrüchte anbauen.
  Die Erzdiözese hat die Hoffnung, dass Papst Benedikt XVI. zur Einweihung besuchen würde, aber eine Zusage steht noch aus.
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Diplomatischer Durchbruch?

   Der Heilige Stuhl und Vietnam verhandeln über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Das gab der Vatikan bekannt. Ein erstes Treffen der dazu eingerichteten gemeinsamen Arbeitsgruppe fand laut einer knappen Mitteilung Anfang dieser Woche in Hanoi in einer „Atmosphäre der Offenheit, der Freimütigkeit und des gegenseitigen Respekts“ statt. Der Untersekretär für die Beziehungen zu den Staaten, Pietro Parolin, leitete die Vatikan-Delegation, die auf Einladung der vietnamesischen Regierung nach Hanoi gereist war. Der Heilige Stuhl respektiere die Unabhängigkeit Vietnams, die katholische Kirche unternehme keinerlei politische Aktivitäten, sagte Parolin. Er würdigte im Rahmen des Treffens die „positiven Entwicklungen“ im Bereich Religionsfreiheit in Vietnam; „noch offene Fragen in den bilateralen Beziehungen“ ließen sich „mit gutem Willen und einem ehrlichen Dialog“ klären. Der vietnamesische Vize-Außenminister Nguyen Quoc Cuong erläuterte laut Vatikanerklärung die Linie Vietnams zur Religions- freiheit. Er habe den Wunsch geäußert, der Heilige Stuhl möge zur Solidarität zwischen den Religionen und der Bevölkerung des Landes beitragen. Die bilaterale Arbeitsgruppe vereinbarte ein weiteres Treffen, ein Datum steht noch nicht fest. Auf dem Programm der vatikanischen Delegationsreise standen außerdem Gespräche mit Regierungsvertretern und Bischöfen. – Nach der kommunistischen Macht- übernahme in Vietnam wurden die diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl 1975 gekappt. Seit 1990 beraten beide Seiten über bilaterale Fragen wie etwa die Möglichkeit zu Bischofsernennungen. Ein neuerlicher Botschafteraustausch ist seit zwei Jahren wieder im Gespräch. Rv090220
Papst Benedikt XVI. entsendet einen nicht-residierenden Vatikan-Vertreter nach Vietnam.
  
Das geht aus dem Schlusskommunique einer Verhandlungsrunde von Heiligem Stuhl und Vietnam hervor, die am 23. und 24. Juni in Rom stattfand. Es handele sich um einen ersten Schritt im Ausbau diplomatischer Beziehungen, so der Vatikan. Zwischen ihm und Vietnam gibt es seit dem Ende des Vietnamkriegs 1975 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die Ankündigung gilt als Indiz für Fortschritte in den seit mehreren Jahren geführten Verhandlungen über eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen sowie die Lage der Kirche in Vietnam. rv100626kipa
   Als ersten Schritt zur Wiedererrichtung diplomatischer Beziehungen hat Papst Benedikt XVI. den 57jährigen italienischen Erzbischof Leopoldo Girelli „als nicht residierenden päpstlichen Vertreter“ für Vietnam ernannt. Der vatikanische Diplomat ist zugleich Nuntius in Singapur und Apostolischer Delegat in Malaysia und Brunei (zwei Länder,die keine diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan unterhalten). Erzbischof Girelli ist seit 1987 Diplomat des Vatikans in Kamerun, Neuseeland, den USA und auch im vatikanischen Staatssekretariat. 2006 wurde er zum Bischof geweiht und Nuntius in Indonesien. Eine Arbeitsgruppe des Vatikans und der kommunistischen Regierung Vietnams haben diese Ernennung einvernehmlich vorbereitet.  Anders als ein Nuntius wird der Vertreter des Papstes nicht in Vietnam residieren.
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Märtyrer in Korea: Wir können noch viel von den Heiligen außerhalb Europas lernen

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Foto links: Eine Statue von Adreas Kim Taegon steht in der Marienkirche in Schanghai.  Sie wurde ein bekannter Wallfahrtsort für katholische Christen aus Korea. Hier wurde der Märtyrer im Jahre 1845 zum Priester geweiht. Foto rechts: Pater Mateo Ricci SJ.

   Die katholische Kirche in Korea wächst Tag für Tag unermesslich. In Europa ist das kaum bekannt. Das liegt wohl an uns. Über die Geschichte der Kirche in Korea lohnt es sich, mehr zu erfahren. Der liturgische Kalender erinnert weltweit am 20. September an den Heiligen Andreas Kim Taegon und andere korenische Märtyrer. Der Heilige war der erste koreanische Priester, er war der Sohn eines Märtyrers und wurde selbst Märtyrer.
   Die Missionierung Koreas geschah ganz außerordentlich nicht durch Priester, sondern durch Laien. Vor 250 Jahren saßen dort einige koreanische Philosophen, Denker und Schriftsteller zusammen, um tiefgründige Fragen zu besprechen, über die Wahrheit und über den Sinn menschlicher Existenz. Sie studierten ein Dokument des italienischen Jesuitenpaters Mateo Ricci, der nach China ging, dort die chinesische Lebensart übernahm und viele Chinesen in Peking und darüber hinaus zum Glauben führte. Seine Schrift: “Die wahre Lehre des Herrn des Himmels” eröffnete ihnen einen Blick auf Wirklichkeit des Jesus Christus. Sie ließen sich überzeugen von der Wahrheit des katholischen Glaubens. Aber es gab in Korea keine Priester nur wenig Kontakt zur weiten katholischen Welt. Durch den chinesischen Botschafter in Korea erreichten sie den Kontakt zur katholischen Kirche in China und baten um Infor- mationen, um mehr über die christliche Religion zu erfahren. Dieses außerordentliche Geschehen beruht das gehört zum Erbe der koreanischen Kirche.
   Im 19. Jahrhundert gingen drei abscheuliche Chirstenverfolgungen durch das Land: 1837, 1866 und 1867. Der Grund dafür: der christliche Glaube schien den Glauben und die Praxis zu untergraben, worauf die Gesellschaft aufgebaut war. Das betraf insbesondere den Ahnenkult und die weit verbreitete Philosophie des Konfuzius. Im frühen 19. Jahrhundert war der Regent Koreas noch ein Junge, für den seine Mutter die Regierungsgeschäfte übernahm. Sie erließ ein Gesetz, dass alle, die sich zu den “heidnischen Riten” der katholischen Kirche bekannten, als Verräter anzusehen seien und der Folter und dem Tod zu übergeben seien. Christen wurden als eine Sondergruppe gesehen, Leute, die nicht die seit Jahrhunderten geübten Traditionen annehmen konnten. Viele Christen starben als Märtyrer.  
  Inzwischen aber waren aus Paris Priester eingetroffen, die sich den wachsenden Gemeinden zur Verfügung stellten, die heilige Messe feierten und die Beichte abnahmen. Als die ersten Missionare im 1800 eintrafen, entdeckten sie die christlichen Gemeinschaften, die sich dem Glauben hingaben, Christus liebten, und sehn- süchtig auf Priester warteten, die ihnen erstmalig die Feier der heiligen Messe ermöglichten.
   Der heilige Andreas Kim Taegon stammt von einer führenden aristokratischen Familie in Korea. Sein Vater wurde Christ und wurde Märtyrer. Andreas Kim wurde im Alter von 15 Jahren getauft, und hatte den sehn- lichen Wunsch, Priester zu werden. Er sah sich großen Schwierigkeiten gegenüber. Er musste eine 2.500-km- Reise auf sich nehmen, um nach Macau zu gelangen. Dort konnte er das Theologiestudium aufnehmen, um Priester zu werden. Zu gegebener Zeit wurde er in die große Schar von mehr als 8.000 koreanischen Märty- rern aufgenommen. Korea steht in der Zahl der Märtyrer an vierter Stelle in der Kirche! Die Priesterweihe erhielt er in der Marienkirche in Schanghai; danach wollte er als Priester unter seinem Volk leben. Aber 1846 – im Alter von 25 Jahren – wurde er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Nach schwersten Misshandlungen wurde er dann schließlich hingerichtet. Als er um seinen nahen Tod wusste, schrieb er in einem Brief aus dem Gefängnis an sein Volk:  ”Meine lieben Brüder und Schwestern, ihr sollt wissen: Unser Herr Jesus Christus, nachdem er in diese Welt herabgestiegen war, nahm unermessliche Schmerzen auf sich und gründete die heilige Kirche durch sein eigenes Leiden und mehrte es durch die Passion ihrer Gläubigen ... Auch heute wütet eine Verfolgung.
   Viele Christgläubige, darunter auch ich selbst, wurden ins Gefängnis geworfen. Wir sind hier zwanzig, und  Gott sei Dank, allen geht es gut.  Wenn einer  getötet wird,  bitte ich euch,  seine Familie nicht zu vergessen. Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber wie kann ich es ausdrücken mit Feder und Papier? Da wir nun dem Kampf nahe sind, bitte ich euch euren Weg im Glauben zu gehen, damit wir  – wenn ihr schließlich in den Himmel kommt – dort einander grüßen…”
   Der heilige Andreas Kim und seine Gefährten wurden 1984 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer heilig gesprochen. Diese Heiligsprechung nahm der Papst nicht in Rom vor, sondern in Seoul. Nun steht die Kirche in Südkorea in voller Blüte. Im Norden des Landes, unter dem kommunistischen Regime, herrscht seit Jahren Hunger, und viele Menschen starben an Entkräftung. Viele befinden sich in Konzentrationslagern. Später werden wir erfahren, wie sehr die einfachen Menschen dort leiden mussten.
   Die europäischen Christen sollten mehr von den Heiligen anderer Länder lernen. Ihre mutige Geschichte kann uns ermutigen, erheben und begeistern.
JoannaBogleCT070916

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Grundstein für die neue “Mutter-Teresa-Kathedrale” in Pristina gelegt

   Zehn Jahre nach dem Tod von Mutter Teresa wird in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, eine Kathedrale errichtet. Der Grundstein war vom langjährigen Präsidenten des Kosovo, Ibrahim Rugova, nur wenige Monate vor seinem Tod gelegt worden. Sein Nachfolger Fatmir Sejdiu erklärte jetzt bei der feierlichen Zeremonie: “Die Kathedrale wird ein Monument sein, das die Werte des Kosovos repräsentiert: seine Identität und das kosovarische Gefühl für andere Religionen.”
   Die Kathedrale ist der verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Mutter Theresa gewidmet. „Für uns ist Mutter Teresa eine Schwester, ein Familienmitglied”, sagte Bischof Dode Gjergji. „Da Mutter und Vater von Mutter Teresa aus dem Kosovo stammen, ist es der Wunsch aller Menschen, Muslime wie Christen, dass wir diese Kathedrale bauen.” Die Missionarin war im Jahr 2003 heilig gesprochen worden.
   Die im Kosovo lebenden Albaner sind größtenteils muslimisch. Rugova selbst, der im Januar 2006 verstarb, war zwar muslimischer Herkunft, unterhielt aber stets ein enges Verhältnis zum Vatikan und zu Papst Johannes Paul II. Vor dem seinem Tod wurden Gerüchte laut, dass Rugova schon vor langer Zeit der katholischen Kirche beigetreten sei. Deshalb wurde der Staatsmann auch ohne jegliche Art von religiösen Ritualen beigesetzt. Der katholischen Kirche zufolge sind nur 65.000 Kosovo-Albaner Katholiken, was 3,5 % der Bevölkerung entspricht. Neunzig Prozent der Bevölkerung Pristinas zählen ethnisch zu den albanischen Moslems.   
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In Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, wurde die Mutter-Teresa-Kirche.  jetzt feierlich eingeweiht.
    Die selige Ordensgründerin Mutter Teresa, die als „Engel der Armen von Kalkutta“ bekannt wurde, wurde im August vor hundert Jahren als Kind von Eltern aus dem Kosovo in Skopje geboren. Die Einweihung der Kirche in Pristina wurde im Auftrag des Vatikans von Erzbischof Zeg Gashi aus Bar in Montenegro geleitet. An ihr nah- men auch ein serbisch-orthodoxer Metropolit und der Präsident der islamischen Gemeinschaft des Kosovo teil. Der Grundstein des Gotteshauses war 2003 vom damaligen Bischof von Pristina, Mark Sopi, gelegt worden. Nur etwa fünf Prozent der Einwohner des Kosovo sind Katholiken; die meisten bekennen sich zum Islam. Gleichzeitig ist der Kosovo, der seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hat, das geistliche Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche.
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Dodoma/Tansania: Für infizierte Aidswaisen ein Zuhause

   Eine der drückendsten Lasten Tansanias, die stete Ausbreitung des HI-Virus unter den gut 38 Millionen Einwohnern, hat dazu geführt, dass 1,8 Millionen Landeskinder Aidswaisen sind. Wie man die Last leichter machen kann, ist in Dodoma im blühenden und grünenden “Dorf der Hoffnung” zu sehen. Hier führt die 60 Jahre alte Schwester Rosaria von der “Gemeinschaft vom kostbaren Blut Christi” ein segensreiches Regiment, unterstützt von fünf Mitschwestern und 30 Angestellten. Im Speiseraum reicht die Italienerin den Gästen kaltes Wasser. Auf der italienischen Gläservitrine wehren afrikanische Jäger aus Ebenholz angreifende Löwen ab, an der Seite hängt ein gesticktes Bild von Papst Benedikt XVI.  Seit 2001, als Schwester Rosaria zusammen mit Bruder Vincent von “Missionaren vom kostbaren Blut” das Dorf gründete und erst einmal einen Brunnen bohren ließ, sind auf 3.000 Quadratmetern vor allem sechs große konzentrisch angelegte Doppel- häuser westlichen Standards entstanden. Dort leben insgesamt 130 Kinder in Großfamilien mit Pateneltern. Sie sind alle Aidswaisen, sie sind alle mit dem Virus infiziert, sie kommen aus ganz Tansania, viele schon als Säuglinge. Sechzig von ihnen werden gerade mit antiretroviralen Mitteln behandelt. “Action Medeor” aus Deutschland unterstützt das Dorf mit Medikamenten im Wert von 50.000 Euro. Zum Dorf der Hoffnung gehört auch ein Labor, in dem die Viruslast im Blut der Kinder festgestellt und die Behandlung bestimmt wird. Über den Verlauf der HIV- Infektion bei Kindern weiß die Wissenschaft noch wenig. Niemand vermag zu sagen, wie lange die Kinder bei steter Behandlung und Pflege überleben können. Auf dem Foto unten hat Schwester Rosaria gerade wieder ein Mädchen auf dem Arm.  Sie deutet auf die Kleine und auf die vielen anderen, die nach dem Kindergarten auf dem Spielplatz inmitten des Dorfes toben. Ohne das “Dorf der Hoffnung” gäbe es sie alle nicht mehr.

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   In Dodoma beten alle Kinder zusammen, bis sie acht Jahre alt sind, dann können sie sich für die Taufe entscheiden, wenn ihre Verwandten schriftlich zustimmen. Dem Dorf ist eine Grundschule angeschlossen, die auch nichtinfizierte Kinder besuchen, Schwester Rosarias nächstes Vorhaben ist eine Hauptschule. Die Her- anwachsenden sollen auf die Zeit nach dem Leben im Dorf so vorbereitet werden, dass sie ihren Weg allein weitergehen können. Wie weit sie sich auch vom Dorf der Hoff- nung entfernen mögen, es wird die Stätte ihrer Kindheit, ihre Heimat bleiben.
   Da ist sich auch der tansanische Pater Chesco Peter Msaga sicher der mit den Kindern sonntags regelmäßig die heilige Messe feiert. Vor zehn Jahren hat er in Rom das Studium  der Kommunikationswissenschaften, der Theologie und der Philologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana abgeschlossen und wurde dort zum Priester geweiht. Dann kam er nach Dodoma, der Hauptstadt Tansanias mit etwa 200.000 Einwohnern, 1340 Meter hoch gelegen, von deutschen Kolonialherren 1907 in dürrer Gegend gegründet, seit vier Jahren kaum Regen, heiß, verstaubt, bettelarm und ohne auch nur eine einzige Sehenswürdigkeit.
   Über staubige Baustellen führt Pater Chesco die Gäste in ein dreistöckiges Haus, das noch nicht ganz fertig ist. Hier ist es angenehm kühl. In den Innenhöfen wässern Arbeiter einen Rasen, wie er saftiger nicht sein und schöner nicht harmonieren könnte  mit den Erd- und Ockertönen der Wände, mit dem glänzenden Braun der italienischen Türen, die von den Galerien in die Zimmer führen. Auch dort italienische Möbel, nagelneue Luxusmatratzen, blütenweiße Moskitonetze über dem Bett und Bäder, die auch bei einem verwöhnten Europäer keinen Wunsch offenlassen.
   Wie kommt ein solches “Conference Center” nach Dodoma? Pater Chesco erzählt, die Ordensoberen in Rom hätten vor ein paar Jahren den Brüdern in Dodoma geraten, mit den Geldern, die ihnen gegeben werden etwas zu bauen, das den Unterhalt der sozialen Einrichtungen sichert. Und da viermal im Jahr die tansa- nischen Parlamentarier zu Sitzungen aus der Millionenstadt Daressalam in die offizielle Hauptstadt Dodoma kommen, von Juni bis August etwa zu den Haushaltsberatungen, und da Dodoma nur ein einziges größeres Hotel vorweisen kann, war den Missionsbrüdern bald klar, womit hier Geld zu verdienen sei. Schon im nächsten Jahr sollen die Parlamentarier in den 72 Doppelzimmern des “St. Gaspar Conference Center” logieren, mit Internet-Anschluss im Zimmer. Das neue Hotel werde 50 Angestellten in zwei Tagesschichten Lohn und Brot bringen.
  Dann eilt der Pater erst einmal davon, denn als Direktor des katholischen Radiosenders Mwangaza (“Licht”), die Sendemasten stehen gleich nebenan - hat er noch anderes zu tun. Vierzehn Journalisten machen dort von sechs bis 23 Uhr Programm für 800.000 Hörer. Sie senden Musik, Gebete, “good news”, Features über den christlichen Glauben, Erziehung, Ausbildung und soziale Fragen - alles in Kisuaheli.
    Pater Chesco gehört zu den etwa 50 “Missionaren vom kostbaren Blut” in Tansania. Dreißig Prozent der Tansanier sind Katholiken, organisiert in fünf Erzbistümern, etwa 40 Prozent sind Muslime. Im Sommer stellte die tansanische Bischofskonferenz fest, es gebe sowohl islamische als auch christliche Fundamentalisten, die noch immer von Dschihad und Kreuzzug sprächen. Die Gemäßigten beider Seiten müssten zum Wohl des Landes besser zusammenarbeiten.
AxelWerlmelskirchenFAZ061219.

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Malaysias Premierminister Najib Razak überreicht Papst Benedikt XVI. in  der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfe ein Gemälde

  Nach einem Treffen zwischen dem Papst und dem Premierminister Najib Rzak kamen beide Seiten über- ein erstmalig diplomatische Beziehungen zwischen Malaysia und dem Vatikan aufzunehmen. Damit sollen die Beziehungen zwischen der malaysischen Regierung mit der der christlichen Minderheit verbessert werden. In diesem südöstlichen asiatischen Land wurde in den letzten Jahren eine Islamisierung befürchtet.
   Das Begegnung zwischen Razak und dem Papst fand in der Sommerresidenz in der Nähe von Rom statt, wo der Premierminister auch mit dem vatikanischen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone und weiteren Spitzen-Diplomaten des Vatikans zusammenkam.
   Die Presseerklärung des Vatikans spricht im Zusammenhang von der Aufnahme diplomatischer Bezie- hungen vom „herzlichen“ Ton der Gespräche und der „positiven Entwicklung der bilateralen Beziehungen“. Weiter heißt es: „Außerdem war die politische und soziale Lage in der Welt und besonders auf dem asia- tischen Kontinent Gegenstand der Gespräche, mit besonderem Bezug auf die Bedeutung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs im Hinblick auf die Förderung des Friedens, der Gerechtigkeit und des besseren Verständnisses zwischen den Völkern“. 60 Prozent der malaiischen Bevölkerung sind Muslime. Der Islam ist Staatsreligion in Malysia. Christen repräsentieren etwa 9 Prozent der Bevölkerung, etwa eine Million Bewohner des Landes gehören der katholischen Kirche an.
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