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Der „zweite Mann” des Vatikans traf sich mit dem neuen Staatspräsidenten auf Kuba Fotos: Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone, Havanna (Altstadt), Raul Castro
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hielt sich sechs Tage auf die kommunistische Zuckerinsel auf und hat dabei unter anderem mit Raul Castro gesprochen, dem Bruder des kubanischen Staatschefs Fidel Castro. Anlass der Visite ist der zehnte Jahrestag der Kubareise von Papst Johannes Paul II. „Unbestreitbare Fort- schritte” haben seither die Beziehungen zwischen Kirche und Kuba gemacht, erklärte der kubanische Außenminister Felipe Pérez Roque nun im Vorfeld des Bertone-Besuches. Die Kirche hat freilich nach wie vor einen schweren Stand auf der Insel; und die Menschen leiden unter dem Wirtschaftsembargo der USA. Pater Daniel Panduro berichtet über die konkrete Arbeit in seiner Pfarrei „Nuestra Senora de la Paz” in Havanna: „In den meisten Gemeinden haben wir Alten- und Krankenspeisungen; aber es gibt nur das Geringste, etwas Brot und Milch und Zucker, die Möglichkeiten sind beschränkt. In den beiden Pfarreien, die ich betreue, sind das etwa 400 Personen. Aber das ist natürlich nicht alles. Da ist die Evangelisierung. Wir spenden zum Beispiel die Eucharistie immer unter der Bedingung, dass die Gläubigen die Frohe Botschaft weiter verbreiten, vor allem in den Gemeinden, die ganz am Anfang der Evangelisierung stehen.” Dem kubanischen Außen- minister zufolge gibt es heute zwei Priesterseminare im Land, außerdem 1.200 Ordensleute von 92 Kongrega- tionen. Kardinal Bertone hat in Santa Clara ein Denkmal von Papst Johannes Paul II. enthüllt. rv080214 Lesen Sie mehr über Kardinal Bertone: unten auf dieser Seite.

Kreativ und voller Symbolik: Das neue Papst-Denkmal in Santa Clara - auf dem Foto noch während der Bauphase - wird das erste in Kuba sein, das nicht auf kirchlichem Boden steht.
Che ist hier zu Hause. Er ist zwar in ganz Kuba allgegenwärtig, aber die Einnahme von Santa Clara gilt als die größte militärische Leistung Ernesto „Che” Guevaras. Am Ort seines größten Triumphes ist er seit 1997 in einem eigens geschaffenen Mausoleum auf der Plaza de la Republica beigesetzt. Ein Jahr später, 1998, feierte Papst Johannes Paul II. in Santa Clara, am westlichen Fuß des Escambray- Gebirges, seine erste Heilige Messe auf kubanischem Boden. Die Regierung hätte den Gottesdienst lieber am Mausoleum Guevaras stattfinden lassen. Aber der damalige Gesandte des Vatikans fand die Bilder von einem von Frieden sprechenden Papst mit dem Gewehr Guevaras im Hintergrund nicht unbedingt passend. So wurde die Eucharistiefeier auf das Gelände der Sportschule Manuel Fajardo verlegt. Zehn Jahre später feierte dort Kardinal Tarcisio Kardinal Bertone die Heilige Messe neben einem Denkmal feiern, das gerade zu Ehren des verstorbenen Johannes Paul II. gebaut wurde. Wer sich in kubanischen Angelegenheiten auskennt und die engen Handlungsmöglichkeiten der Kirche dort kennt, muss über das Denkmal staunen. Es ist nicht das erste Ehrenmal, das für Johannes Paul II. in Kuba errichtet wird, aber wohl das erste, das nicht auf kirchlichem Boden steht, sondern auf einem öffentlichen Platz. Vor dem Turm des Monumentes wird eine Statue von Johannes Paul II. stehen und über diese wölbt sich jetzt schon eine Decke, die den Capiro-Hügel nachahmt. Von diesem Hügel aus, unweit der Papst-Allee, die zum Besuch von Johannes Paul II. gebaut wurde, hat man die ganze Stadt im Blick. Der Hügel ist voller Bedeutung für die „Revolution”, denn er diente 1958 Guevara als Kommandostand am Tag des Anschlages auf den gepanzerten Zug, mit dem er die Schlacht von Santa Clara gewann. Es wäre schön gewesen, das Monument für Johannes Paul II. auf dem Capiro zu bauen; das ging nicht, also kam der Hügel zum Denkmal. Auf die linke Seite des Denkmals ist der Satz von Johannes Paul II. eingemeißelt: „Fürchtet Euch nicht, öffnet Christus die Türen!” Der Besuch Johannes Pauls II. vor zehn Jahren war für viele Kubaner der erste Kontakt mit dem Christentum. Für die Kirche glich er einem Herauskommen aus den Katakomben. Das Denkmal steht als Zeichen der Dankbarkeit des Bistums von Santa Clara für diesen „alten aber starken Mann, der die Herzen der Kubaner gewann”, wie ein Bewohner der Stadt ihn beschreibt. DTMariaLozano080216
Foto oben: Tarcisio Kardinal Bertone in der Kathedrale von Havanna (Kuba) Raul Castro: Mehr Religionsfreiheit
Der neue kubanische Staatspräsident Raul Castro hat bei seinem Gespräch mit Tarcisio Kardinal Bertone in Havanna die Gewährung von mehr Religionsfreiheit auf Kuba versprochen. Castro habe der katholischen Kirche besseren Zugang zu Presse und Rundfunk zugesagt, sagte Bertone. Im Gegenzug will sich der Vatikan für eine Aufhebung des Wirtschaftsembargos Washingtons einsetzen. Der Kurienkardinal war der erste ausländische Besucher, der von Raul Castro nach dessen Wahl zum Nachfolger seines Bruders Fidel empfangen wurde. Er selbst habe Castro auch seine Sorge über die politi- schen Gefangenen in Kuba geäußert, sagte Bertone. Das kommunistische Regime hält nach Angaben inter- nationaler Menschenrechtsorganisationen etwa 230 politische Gefangene fest. FAZrüb080228
Vor genau zehn Jahren besuchte Johannes Paul II. Kuba. Der Mann aus Osteuropa im kommunistischen Kuba. Eine politische Reise? Ja, aber bei weitem nicht nur, und wer auf den Begriff „politisch” besteht, muss ehrlicherweise ein „kirchen-politisch” ergänzen… Foto links: Johannes Paul II. Foto rechts: Jaime Lucas Cardinal Ortega y Alamino, Cuba
Das schönste, was die Augen je gesehen haben, nannte Johannes Paul II. mit Christoph Kolumbus an jenem „langersehnten Tag” sein Reiseziel Kuba. „Ich bin gekommen, um euch im Glauben zu festigen, in der Hoffnung zu stärken und in der Liebe anzuspornen. … Ich komme als Pilger der Liebe, der Wahrheit und der Hoffnung und will der Evangelisierung neue Impulse geben, für die die Kirche hier, inmitten aller Schwierig- keiten, stets arbeitet - mit apostolischem Eifer und Kraft.” So Johannes Paul am 21. Januar 1998 auf dem Rollfeld von Havanna. Die Kirche auf Kuba erlebte nach dem Besuch Johannes Pauls eine Öffnung seitens des Regimes. Zum zehn- ten Jahrestag spricht der Kardial von Havanna, Jaime Ortega, in einem Zeitungsinterview von einer „neuen Dynamik in den Staat-Kirche-Beziehungen auf Kuba” seit der Visite. Der unerschrockene und politisch betrachtet unparteische Johannes Paul sprach zu Vertrertern der Kulturwelt, den Bischöfen und predigte auf den Plätzen von Havanna und Santiago de Cuba. Er forderte umfassende gesellschaftliche und politische Veränderungen in dem sozialistischen Land. „In diesem Zusammenhang sollte man auch daran erinnern, dass ein moderner Staat aus dem Atheismus oder der Religion kein politisches Konzept machen darf. Der Staat muss fern von allem Fanatismus und extremen Säkularismus ein ruhiges soziales Klima und eine adäquate Gesetzgebung finden, so dass es jeder Person und jeder Religionsgemeinschaft möglich ist, frei ihren Glauben zu leben und ihn auch im öffentlichen Leben auszuüben.” Vordergründig ganz politisch forderte der Weltenpilger von den USA ein Ende des Embargos gegen Cuba. US-Präsident Bill Clinton verfolgte den Life-Auftritt des Papstes über den Nachrichtensender CNN am Fernseh- schirm mit. „Bei den verschiedensten Anlässen bezog ich mich auf soziale Themen, und es ist nur billig und recht, weiterhin davon zu sprechen, solange es auf der Welt eine Gerechtigkeit gibt, auch wenn sie noch so gering ist. Würde die Kirche das nicht tun, wäre sie ihrer von Christus übertragenen Mission nicht treu. Es steht der Mensch auf dem Spiel, die konkrete Person.” Den starken Regen während seiner fünftägigen Reise durch das kommunistische Land deutete Johannes Paul mit dem „Rorate Coeli”. Wenn die Welt „Tauet Himmel, Wolken regnet” singt, ist Advent. Ankunft der Religion, noch mehr Ankunft der Religionsfreiheit und damit der Freiheit überhaupt ... Das Programm dieser Reise verkündete Johannes Paul schon bei der Ankunft, Fidel Castro stand damals neben ihm auf dem Rollfeld: „Möge sich Kuba, dieses Land, das über so wunderbare Möglichkeiten verfügt, gegenüber der Welt öffnen. Und möge sich die Welt gegenüber Kuba öffnen.” rv080124bp Kardinal Bertone wird vor dem Platz der Kathedrale von Havana eine öffentliche Messe zelebrieren. Weitere Stationen seines Besuchs: die Stadt Santa Clara, Santiago de Cuba mit Besuch des Wallfahrtsortes Cobre (“Unsere Liebe Frau der Nächstenliebe”) und die Provinz Guantanamo. Vor zehn Jahren errichtete Papst Johannes Paul II. für die 19 Gemeinden in der Region die Diözese Guantanamo. Jetzt sind daraus 203 Pfarreien geworden. Zeichen der Hoffnung für die Kirche auf Kuba. Kardinal Ortega sagte gegenüber der Presse: “Der Besuch des vatikanischen Staatssekretärs wird ein wenig den Besuch von Johannes Paul II. in Erinnerung rufen und besonders seine menschliche Nähe zu unserem Volk” www.cubanews.ain.cu
Jedes Jahr lassen sich allein im Erzbistum Havanna bis zu 1.200 Erwachsene taufen”, sagt Jaime Kardinal Ortega. Die Mehrheit der Neuchristen ist nach Einschätzung des Erzbischofs von Havanna unter 35 Jahre alt. Es sind junge Kubanerinnen und Kubaner, die „sich der Kirche nähern, weil sie ganz bewusst ein christliches Leben führen möchten”, so der Kardinal nach einem Treffen mit amerikanischen Bischöfen in Los Angeles. Auf dem Flughafen wurde der Kardinal von den US-Einwanderungsbehörden für drei Stunden festgehalten und mit Abschiebung bedroht, bevor es ihm erlaubt wurde, die Konferenz der US-Bischöfe aufusucheen. Gegenwärtig studieren dreihundert Laien, Frauen und Männer, in der kubanischen Hauptstadt Havana Philo- sophie, Theologie und Kirchengeschichte. Sie besuchen das Felix-Varela-Institut, eine kirchliche Akademie, die benannt ist nach dem kubanischen Priester, Erzieher und Sozialreformer. Pater Felix Varela lebte von 1788 bis 1853. Viele Kubaner verehren den Geistlichen noch heute, weil er als erster für ein freies Kuba eintrat, eine gerechte Gesellschaft forderte und die Menschen seiner Zeit lehrte, „kubanisch” zu denken. KiN080217

Freilassung von 52 politischen Häftlingen in Kuba Foto oben: Moratinos mit Raul Castro, Kardinal Ortega und Rodriguez von links in Havanna
Zumindest daran soll sich nun etwas ändern. Die Ankündigung des Regimes in Havanna, 52 politische Häftlinge freizulassen, ist der bedeutendste politische Reformschritt seit der Machtübergabe von Fidel an Raul Castro. Die ersten fünf Gefangenen sollen sofort freigelassen werden, die übrigen 47 würden innerhalb der kommenden „drei bis vier Monate" auf freien Fuß gesetzt, hieß es in Havanna. Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos, dieser Tage wieder einmal in Kuba, hat zugesagt, dass sein Land alle freigelassenen Häftlinge aufnimmt. Weitere sechs Häftlinge sollen immerhin in Gefängnisse in der Nähe der Wohnorte ihrer Familien verlegt werden. Der katholische Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, hatte die Freilassun- gen bekanntgemacht. Vorausgegangen war ein Gespräch Ortegas mit Präsident Raul Castro, an dem auch Moratinos und Kubas Außenminister Bruno Rodriguez teilgenommen hatte. Dass das Regime in Havanna überhaupt auf die Vermittlungsbemühungen der katholischen Kirche eingeht, liegt wohl daran, dass der Vatikan die Legitimität der kommunistischen Regierung nicht grundsätzlich in Frage stellt - jedenfalls nicht öffentlich. Dass die Freilassung wiederum während des Besuchs von Moratinos ver- kündet wurde, dürfte eine Dankesgeste an Madrid sein, das sich in der EU stärker als alle anderen Staaten für einen Dialog mit Kuba ohne weitreichende politische Vor¬bedingungen und überdies für ein Ende der amerikanischen Sanktionen eingesetzt hat. FAZ100709MatthiasRüb Die Kirche von Kuba feiert einen Verhandlungserfolg: 52 politische Gefangene werden aus ihrer Haft ent- lassen. Bis zum Wochenende waren bereits 17 von ihnen auf freiem Fuße, wie Angehörige und Vertreter des Vatikans in Havanna mitteilten. Sie sind sofort nach Spanien ausgeflogen worden. Der spanische Außenminister Moratinos auf dem Foto oben links hatte das garantiert. RV1007215 Spanien erwartet die Ankunft von neun weiteren politischen Gefangenen aus Kuba. Außenminister Miguel Angel Moratinos sagte in einem spanischen Rundfunkinterview am Wochenende, die Dissidenten würden von rund 50 Familienangehörigen begleitet. Zuletzt hatte Kuba bereits elf politische Gefangene freigelassen, die inzwischen in Spanien eintrafen. RV100718kipa
Raul Castro bemüht sich um die Annäherungt an die Kirche
Das staatliche Fernsehen hat eine katholische Messfeier wiederausgestrahlt – das ist eine Seltenheit. Mit der Messe in Santiago de Cuba wurden die Feiern Unserer Lieben Frau von Cobre gestartet: Das Gnadenbild der Patronin Kubas wurde vor vierhundert Jahren unter wundersamen Umständen entdeckt. Es war ein Bildungskanal, der die am Vortag von Bischof Dionisio Garcia zelebrierte Messe landesweit wiederausstrahlte. Nur in seltenen Fällen kommt es zur Übertragung von Messfeiern im kubanischen Fernsehen, etwa beim Begräbnis von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2005. Das kubanische Regime bemüht sich derzeit offenbar um eine gewisse Annäherung an die Kirche. Kardinal Jaime Ortega von Havanna erklärte in der „Washington Post“ außerdem, Präsident Raul Castro wolle „eine Öffnung zur amerikanischen Regierung“. Ortega wörtlich: „Das hat er mir mehrere Male wiederholt: Er sei bereit, über alle Fragen direkt ins Gespräch mit der US-Regie- rung zu treten“. RV100810adnkronos

Eröffnung eines neuen Priesterseminars auf Kuba am 03. November 2010 Foto links: Erbischof Thomas Wenski, Arlando, USA, als Stifter Foto rechts: Erzbischof Jaime Lucas Kardinal Ortega y Alamino, Havanna, Cuba
Eine US-amerikanische Priesterdelegation ist nach Kuba gereist. Die Geistlichen nehmen an den Feier- ichkeiten zur Eröffnung eines neuen Priesterseminars teil. Seit über 50 Jahren ist dies der erste Neubau eines katholischen Seminars in Kuba, das für 100 Priesterseminaristen offen steht. Teilnehmer der Delegation ist ua. der Erzbischof von Miami, Thomas Wenski. Neben den Feierlichkeiten besuchte die US-Delegation auch Missionsprojekte und Pfarreien. Das neue Priesterseminar Carlo Borromaeo, 50 Kilometer von Havanna entfernt, wurde mit Spenden aus den USA gebaut. rv101026pm
Damit ist in Kuba ist seit 50 Jahren erstmals wieder ein Priesterseminar eröffnet worden. Kardinal Jaime Lucas Ortega y Alaminodas weihte das Seminar im Beisein des Staatspräsidenten Raúl Castro in der Nähe der Hauptstadt Havanna ein. Der nun ehemalige Präsident Fidel Castro habe mit dem Bau des Seminars ein Versprechen eingelöst, das er Papst Johannes Paul II. bei dessen Kuba-Besuch 1998 gegeben hatte, sagte Ortega bei der Zeremonie. Papst Benedikt XVI. übermittelte einen besonderen apostolischen Segen den neuen Seminaristen und Teilnehmern der Eröffnungsfeier und denjenigen, die „so großzügig zum Bau des neuen Gebäudes beigetragen haben“. Möglich wurde der Bau durch Spenden aus der Lateinamerika- kommission des Heiligen Stuhls, der Bischofskonferenzen sowie aus den USA und Europa. Unter den Teilnehmern war auch eine hochrangige Delegation der US-amerikanischen Kirche. RV101104kna

Gebet für einen Mächtigen - Annäherung nach Monaten des Streits Papst Benedikt XVI. gewährt US-Präsident Barack Obama Audienz
US-Präsident Barack Obama kann sich des höchsten geistlichen Beistandes der katholischen Kirche sicher sein. „Ich bete für Sie", sagte Papst Benedikt XVI. nach einer Audienz, die er dem wohl mächtigsten Mann der Welt gewährte. Etwa 40 Minuten war Obama beim geistigen Oberhaupt des Katholizismus. Es sei eine große Ehre, hatte Obama vorab verlauten lassen. Was beide besprachen, wurde nicht bekannt, aber Obama hatte, während die Fotografen die Begrüßungsszene ablichteten, den Papst über den G-8-Gipfel informiert. Dieser sei sehr produktiv gewesen; insbesondere im Hinblick auf 20-Milliarden-Dollar-Hilfe für den Kampf gegen den Hunger. Im Vorfeld hatte das Weiße Haus eine „sehr freimütige Unterredung" erwartet, denn zwischen Washington und dem Vatikan gibt es tatsächlich einiges an Irritation auszuräumen. In den ersten Amtsjahren von Bene- dikt XVI. hatte sich der Vatikan mit auffallender Freundlichkeit an die Regierung von George W. Bush ange- nähert, entschieden stärker, als dies unter Papst Johannes Paul II. der Fall gewesen war. Wojtyla hatte Bushs Kriegspolitik in Afghanistan und im Irak immer missbilligt und unter um- fassendem Einsatz der Vatikan- diplomatie den Frieden zu erhalten versucht. Verbündet sahen sich Vatikan und Bushs Washington hingegen immer im Kampf gegen, die Abtreibung - doch gerade diese Einheit hat mit dem Regierungsantritt Obamas gewaltige Sprünge bekommen. Zu den ersten Amtshandlungen Obamas gehörte es, Regierungsgelder für Organisationen und Kliniken freizugeben, die Abtreibungen unterstützen oder gar praktizieren. „Mit diesem harten Schlag", so sagen hohe Vatikan- kardinäle, setze Obama das „Blutbad an Unschuldigen" fort; der US-Präsident sei „erfüllt von rechthaberischer Arroganz". Inzwischen haben sich die Gemüter teilweise beruhigt. Obama hat den Ehrendoktortitel der katholischen Vorzeigeuniversität „Notre Dame" in den USA bekommen; bei der Verleihung ist er zwar nicht von seinen liberalen Vorstellungen zur Abtreibung - und auch zur Stammzellenforschung - abgewichen, hat aber ein sozialpolitisches Handeln„zur Reduzierung der Schwangerschaftsabbrüche" versprochen. Mittlerweile hat die Vatikandiplomatie ihren Blick auf Obama geweitet und erkennt die Chance auf einen Wandel in anderen welt- politischen Feldern: in der Abrüstung, in der „sozialen" Neuregelung der Weltmärkte, im Kampf gegen Armut, in der Zusammenarbeit der großen Regierungen dieser Welt. Besondere Freude hat im Vatikan das Angebot Obamas an die islamischen Staaten zu einem „neuen Anfang der Beziehungen" hervorgerufen; das treffe sich, heißt es in Rom, mit den Bemühungen Benedikts zur Verstärkung des interreligiösen Dialogs. Der Vatikan weiß, dass die Stimmenmehrheit unter den 68 Millionen US-Katholiken durchaus zum Wahlerfolg Obamas beigetragen hat, auch wenn die katholischen US-Bischöfe nicht unbedingt auf diesem Kurs waren. Was der Papst grundsätzlich denkt, hat Obama seit gestern zudem schriftlich: Benedikt XVI. schenkte ihm eine Fassung seiner neuen Sozialenzyklika. Der US-Präsident revanchierte sich mit einer Stola vom Grab des heiligen John Neumann, Bischof von Philadelphia. Kurz vor der Abreise durfte auch Michelle Obama den Papst in dessen private Bibliothek begrüßen. HAZ090711PaulKreiner
Obama beim Papst: „Abtreibungen reduzieren“ „Es ist mir eine große Ehre“ – so die Worte des US-Präsidenten Barack Obama bei seinem ersten Treffen mit Papst Benedikt XVI. In dem etwa 40-minütigen Gespräch ging es neben den Ergebnissen des soeben zu Ende gegangenen G8-Gipfels auch um ethisch heikle Themen wie Stammzellforschung und Abtreibung. Präsident Obama versprach dem Papst, die Zahl der Abtreibungen in den USA so weit wie möglich zu reduzieren. Dieses Versprechen bedeute aus moralischer Sicht der Kirche zwar „nicht alles“, zeuge aber zweifelsohne von „positi- vem Engagement“ des Präsidenten, kommentierte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Die Geschenke des Papstes an Obama – Benedikts neue Sozialenzyklika und das Vatikan-Dokument „Dignitas Personae“ zur Bioethik – erinnerten den US-Politiker an seine Verantwortung, einen nachhaltigen Fortschritt und den Lebensschutz zu fördern. Lombardi: „Sicher lädt die Enzyklika heute ein, das Konzept des wahren Fortschritts der Menschheit neu zu überdenken. Der Papst hat mit dem Geschenk seines Lehrschreibens für Obama die Reflektionen der Kirche an einen großen politischen Verantwortlichen übergeben.“ In dem ersten gemeinsamen Treffen Obamas und Benedikts ging es auch um ein Thema, das in den USA in der Abtreibungsdebatte eine große Rolle spielt: Die Möglichkeit zum Beispiel der Ärzte, ethisch bedenkliche Handlungen aus Gewissensgründen abzulehnen. Lombardi: „In Amerika findet heute eine große Debatte über den Lebensschutz statt. In diesem Punkt weisen die Sichtweise der Kirche und die Politik des Präsidenten Obama ziemlich bedeutende Differenzen auf. Die Tatsache, dass der Papst Obama das Dokument „Dignitas Personae“ über die Ethik des Lebens überreicht hat, ist vor diesem Hintergrund sehr bedeutsam. Der Präsident hat dem Papst versichert, dass er versuchen werde, die Zahl der Abtreibungen so weit wie möglich zu reduzieren.“ US-Präsident Obama versprach, das Dokument aufmerksam zu lesen und überreichte dem Papst seinerseits eine Stola vom Grab des heiligen John Neumann, der im 19. Jahrhundert Bischof von Philadelphia war. Nach Angaben des Vatikans verlief das Treffen insgesamt in „herzlicher“ Atmosphäre. Beide Beteiligten seien froh über diese „Möglichkeit des Dialoges und gegenseitigen Zuhörens“ gewesen, so Lombardi. Obama ist an- schließend nach Ghana weitergereist. Rv090711
Obamas Charisma erreicht auch den Papst Foto rechts: Präsident Obama überreicht Papst Benedikt als Gastgeschenk eine besondere Stola Diese Stola gehörte dem heiligen John Neumann, einem Immigranten, der sich im priesterlichen Dienst für Immigranten hingab. Information über St. John Neumann > www.stjohnneumann.org
Der Vatikan hat ein besonderes Protokoll für den Besuch von Staatsregierungen. Darin ist alles festgelegt, auch die Anzahl der Schweizer Gardisten und der hinzugezogenen Personen. In welcher Form der Besuch dann stattfindet, hängt von den Abmachungen zwischen dem Papst und seinem Gast ab. Obama kam direkt vom G8-Treffen in L’Aquila, Italien, in den Vatikan und flog unmittelbar nach seinem Besuch nach Ghana. Der Zeitplan war also eng. Das war der Grund, warum der Vatikan und das Weiße Haus vereinbart hatten, auf offizielle Reden zu verzichten. Aber es ist immer Zeit, Gastgeschenke auszutauschen. Die Ordensprovinz der Redemptoristen in Baltimore teilte mit, dass sie Präsident Obama eine Stola gegeben haben, die Pater John Neumann gehört hatte, der im 19. Jahrhundert als erster naturalisierter Amerikaner heiliggesprochen wurde. Obama überreichte diese Stola Papst Benedikt als Gastgeschenk. Während die Geschenke der Präsidenten und Premierminister für den Papst ganz unterschiedlich sind, mit einer Tendenz zu alten Büchern, Statuen und Vasen, gibt Papst Benedikt den hohen Besuchern stets eine Goldmedaille des jeweiligen Jahres seines Pontifikates. Manchmal ist es aber auch ein Mosaik oder eine Reproduktion einer historischen Radierung des Petersdomes oder auch des Petersplatzes. Dem australischen Premierminister Kevin Rudd überreichte Benedikt kürzlich eine Sonderausgabe eines Füllers in der Form einer Säule des Baldachins von Gian Lorenzo Bernini über dem Hauptaltar von St. Peter. Offenbar haben die Staats- präsidenten einen größeren Spielraum für ihre Präsente. Dreimal besuchte der frühere US-Präsident Georg W. Bush Papst Johannes Paul II. im Vatikan. Die Gastge- schenke: die Erstausgabe amerikanischer Dichtung von 1849, ein Silbermedaillon mit einem handgemalten Bild Mariens und die Friedensmedaille des Präsidenten. Präsident Bush traf Papst Benedikt im Vatikan zweimal. 2007 brachte der Präsident einen Wanderstab, in den ein Obdachloser die zehn Gebote eingraviert hatte. 2008 gaben beide einander Fotografien vom Papstbesuch im Weißen Haus. Manche werden sich wundern darüber, dass der nichtkatholische Präsident Obama ein sehr katholisches Geschenk mitbrachte, während der katholische japanische Premierminister Taro Aso dem Papst einen digitalen Video-Recorder schenkte. Das vatikanische Protokoll kennt für Präsidenten und Premierminister drei Kategorien in aufsteigender Feier- lichkeit bei den Besuchszeremonien: Privatbesuch, Offizieller Besuch und Staatsbesuch. Der Besuch Obamas war ein Privatbesuch mit besonderem Flair. Der Empfang geschah im Damasus-Hof durch den US- amerika- nischen Bischof James Harvey, Präfekt des päpstlichen Hauses, und einer kleinen Abordnung der Schweizer Garde. Anders als üblich traf sich Obama zuerst mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone noch vor der Audienz bei Benedikt. Nach einem sehr privaten Gespräch zwischen Papst und Präsident wurden noch seine Frau Michelle und die beiden Töchter Sasha und Malia hinzugebeten. Nach einem obligaten Gruppenfoto und dem Austausch der Geschenke eilte der Präsident zum Flughafen. Obama führte so eine jetzt schon 90-jährige Tradition fort. Als erster US-Präsident besuchte Woodrow Wilson den Vatikan. Er begegnete Papst Benedikt XV. im Jahr 1919 während seiner Tour durch Europa nach dem 1. Weltkrieg. Der nächste Besuch eines Präsidenten war 40 Jahre später; Dwight D. Eisenhower traf Papst Johannes XXIII. im Jahr 1959. Seither waren alle Präsidenten der USA im Vatikan. 1963 traf John F. Kennedy Papst Paul VI; 1967 Lyndon B. Johnson; 1969 und 1970 Richard M. Nixon; 1975 Gerald R. Ford. 1980 war dann Jimmy Carter bei Papst Johannes Paul II. 1982 und 1987 Ronald Reagan; Georg H. W. Bush traf den Papst 1989 und 1991 und Bill Clinton kam 1994 in den Vatikan. George W. Bush besuchte Johannes Paul II im Jahre 2001 in Castel Gandolfo und im Vatikan 2002 und 2004. Auch bei der Beerdigung von Johannes Paul 2005 war er zugegen. Er besuchte den Vatikan erneut 2007 und dann noch 2008, wo er Papst Benedikt XVI. traf. Seit dem Besuch von Präsident Carter waren die wesentlichen Inhalte dieser Begegnungen 1. der Frieden in der Welt und 2. der Schutz des menschlichen Lebens, besonders des ungeborenen Lebens. Diesen beiden Themen galt die Sorge der Päpste gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika. CT090719CindyWooden
Obama nominiert Vatikan-Botschafter: Miguel H. Diaz
Ein katholischer Theologieprofessor kubanischer Herkunft ist diplomatischer Vertreter der USA beim Vatikan. Das hat das Weiße Haus bekanntgegeben. Präsident Barack Obama hat den 45 Jahre alten Miguel H. Diaz für dieses Amt vorgeschlagen, eine Nominierung, die der amerikanische Senat noch bestätigen muss. Dann soll die Ernennung offiziell an den Vatikan weitergeleitet werden. Diaz würde Nachfolger der bisherigen Botschafterin Mary Ann Glendon. Als Sohn einfacher Arbeiter in der kubanischen Hauptstadt Havanna geboren, lehrt Diaz Fundamentaltheologie an der Saint John's University sowie am College of Saint Benedict in Minnesota. Er ist Mitglied der Karl-Rahner-Gesellschaft und war zeitweise Präsident der Akademie katholischer hispanischer Theologen in den Vereinigten Staaten. Diaz ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Neben Englisch spricht er fließend Spanisch, Französisch und Itali- enisch. Während des Präsidentschaftswahlkampfs gehörte er zu Obamas Beraterstab. gekDT090530 GuidoHorst
90 Prozent der Amerikaner sind gläubig
Die USA gelten als die gläubigste der Demokratien weltweit. Die meisten Amerikaner sehen ihr Land sogar als “God’s own country”.In der Verfassung ist nicht nur die strikte Trennung von Staat und Kirche, sondern auch die Glaubensfreiheit verbrieft. Thomas Jefferson, einer der Gründungsväter Amerikas, urteilte, dass sich die Glaubensfreiheit als das effizienteste Mittel gegen den Streit unter den Religionen” erwiesen habe. Sie war nicht zuletzt eine Konsequenz aus der Tatsache, dass sich die Völker Europas unter dem Diktat von Staatsreligionen immer wieder in blutige Glaubenskriege verstrickt hatten. Insgesamt glauben 90 Prozent der Amerikaner an Gott und 80 Prozent an die Auferstehung. In Deutschland hingegen halten sich nur 47 Prozent (alte Länder) bzw. 32 Prozent (neue Länder) für religiös; für 14 Prozent ist die Auferstehung eine Gewissheit, weitere 15 Prozent halten sie für möglich. Von den gut 27 Millionen deutschen Katholiken nehmen rund 20 Prozent regelmäßig an der Sonntagsmesse teil, und von den ebenfalls etwa 27 Millionen Protestanten besuchen lediglich fünf Prozent sonntags den Gottesdienst. Anders in den USA: 48 Prozent der Katholiken besuchen wenigstens einmal pro Woche die Messe. Von den Baptisten gehen 50 Prozent, von den Methodisten 49 Prozent und von den Lutheranern 43 Prozent wöchentlich in den Gottesdienst. hanHA030213Bundeszentrale für politische Bildung Die Katholiken haben nur 20 Prozent Anteil an der Bevölkerung, aber 30 Prozent aller Kongress- abgeordneten sind katholisch. 40 Prozent aller Gouverneure der 50 Staaten sind katholisch. rv080901wh
Weniger Protestanten, mehr Katholiken im neuen Kongress der USA
Der amtierende US-Kongress hat am 6. Januar 2009 seine Arbeit aufgenommen. In seiner Zusammensetzung ist er ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft, zeigt, dass diese in religiöser Hinsicht im Wandel ist. Er ist, wie die ganze Nation, heute weit weniger protestantisch geprägt als noch vor einem halben Jahrhundert. Im neuen Kongress, dem 111. seit Gründung der USA, erreicht der Anteil der Protestanten mit 54,7 Prozent seinen niedrigsten Stand. Noch Anfang der 1960er Jahre waren knapp 75 Prozent in der Volksvertretung die Norm. Die Entwicklung entspricht den Veränderungen in der US-Bevölkerung. Noch 1980 bezeichneten sich zwei Drittel der Amerikaner als protestantisch; heute sind es dem unabhängigen „Pew Forum on Religion" in Washington zufolge noch 51,3 Prozent. Stark an Boden haben im Parlament auch die Methodisten verloren. Anfang der 1960er Jahre stellten sie noch jeden fünften Kongressabgeordneten, heute ist es nur noch jeder Zehnte. Ebenfalls gesunken ist der Anteil der Episkopalen, also der US-Anglikaner - einer Gruppe, die in Nordamerika ohnehin durch Spaltungen und innere Veränderungsprozesse gekennzeichnet ist. Größte Gewinner unter den religiösen Gruppen im Kongress sind die Katholiken. Ihr Anteil wuchs in den ver- gangenen fünf Jahrzehnten stark an. Seit den 1960er Jahren, als der erste und bislang einzige katholische Präsident John E. Kennedy in der US-Politik Pionierarbeit leistete, stieg ihr Anteil von knapp 19 auf heute 30,1 Prozent - ein Rekord. Die Katholiken sind damit im neuen Kongress stärker vertreten als in der Gesamt- bevölkerung, in der sie mit rund 70 Millionen Mitgliedern knapp ein Viertel ausmachen. Auch Abgeordnete jüdischen Glaubens sind im neuen Kongress stärker vertreten als bisher. Ihr Anteil stieg von einst 2 auf heute 8,4 Prozent an. Damit sind auch sie im künftigen Parlament deutlich stärker vertreten als in der Gesamt- bevölkerung, in der sie einen Anteil von 1,7 Prozent haben. Besonders hoch ist der Anteil von Juden im US- Senat, wo sie 13 Prozent der Senatoren stellen. Prominentestes Mitglied ist Joe Lieberman, der im Jahr 2000 gemeinsam mit Al Gore für das Weiße Haus kandidierte. Anders als bei den Katholiken und Juden verhält es sich bei den Baptisten. Sie sind seit Jahrzehnten kon- stant mit rund zwölf Prozent der Abgeordneten vertreten - obwohl knapp 20 Prozent der US-Bürger Mitglied einer Baptisten-Kirche sind. Unterrepräsentiert sind im hohen Haus in Washington, gemessen an der Be- völkerungsstatistik, auch Buddhisten, Muslime und Hindus. Jeweils knapp 0,7 Prozent der US-Bevölkerung bezeichnen sich als Muslime und Buddhisten - im Kongress stellen beide Gruppen je 0,4 Prozent. Seit März 2008 sitzen im Kongress immerhin zwei afroamerikanische Muslime, darunter der Konvertit Keith Ellison. Er sorgte für Wirbel, als er darauf bestand, seinen Amtseid auf den Koran statt auf die Bibel zu schwören. Nur fünf Abgeordnete des neuen Parlaments, also lediglich rund ein Prozent, gab laut einer jüngsten Erhebung des „Pew Forum" an, keiner bestimmten religiösen Gruppe anzugehören. Im Vergleich dazu bezeichneten sich bei einer breit angelegten Umfrage im vergangenen Frühjahr rund 16 Prozent der befragten US-Bürger nicht als Mitglied einer bestimmten Glaubensrichtung. DTAdrienneWoltersdorf090103 Die katholische Kirche in den USA wächst. Nach dem soeben veröffentlichten statistischen Jahrbuch ist die Zahl der Mitglieder in der katholischen Kirche in den USA im letzten Jahr um eine Million gestiegen auf 68,1 Millionen. Das entspricht einem Anteil von 22 Prozent der Bevölkerung. DT
Kirchliche Krankenhäuser in den USA
Kirchliche Krankenhäuser sind effektiver und bieten eine bessere Versorgung als private und öffentliche Einrichtungen an. Das geht aus einer Studie der Nachrichtenagentur Thomson Reuters hervor. Dafür wurden 255 Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten u.a. auf Faktoren wie die Sterblichkeitsrate, medizinische Komplikationen oder Sicherheit untersucht. „Es scheint, dass die Leiter von kirchlich geführten Einrichtungen sich stärker für Qualität einsetzen“, heißt es in der Studie. – Laut Bischofskonferenz der USA befinden sich 624 Krankenhäuser und 499 Pflegeeinrichtungen in den USA in Trägerschaft der katholischen Kirche. RV100821pm
Religionen in den USA (Mitglieder in Millionen)
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68,5
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Römisch-katholische Kirche
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2,0
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Anglikaner/Episcopalian
|
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16,1
|
Southern Baptist Convention
|
2,0
|
Reformierte
|
|
14,2
|
Methodisten
|
1,3
|
Hindu
|
|
11,1
|
Pfingstgemeinden
|
1,1
|
Churches of Christ
|
|
5,9
|
Mormonen
|
1,1
|
Zeugen Jehovas
|
|
5,0
|
Orthodoxe
|
0,9
|
Christian Church
|
|
4,5
|
Lutheraner
|
0,8
|
Adventisten
|
|
3,5
|
Jüdische Gemeinschaften
|
0,8
|
Buddhisten
|
|
3,3
|
Islam
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0,4
|
Mennoniten
|
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2,8
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Presbyterianer (Schottische Christen)
|
0,3
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Quäker
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Protestantische Gemeinden in den USA verlieren Mitglieder
In den USA verlieren die großen protestantischen Gemeinden weiterhin Mitglieder. Das geht aus dem „Jahrbuch amerikanischer und kanadischer Kirchen" hervor. Zuwächse verzeichneten demnach nur die pfingst- kirchlich orientierten Gemeinden und die Mormonen. Besonders ausgeprägt war der Rückgang von 2009 auf 2010 in der Vereinigten Kirche Christi (2,8 Prozent auf 1,1 Million), in der Presbyterianischen Kirche (2,6 Prozent auf 2,8 Millionen) sowie in der zur anglikanischen Gemeinschaft gehörenden Episkopalkirche (2,4 Prozent auf zwei Millionen). Die Evangelisch Lutherische Kirche verzeichnete einen Rückgang um zwei Prozent auf 4,5 Millionen. HA110215epd Die katholische Kirche verzeichnete einen Zuwachs von 400.000 Mitgliedern auf jetzt 68,5 Millionen. DT110217NCC Juden sind umfassend am politischen Leben der Vereinigten Staaten beteiligt. Dreizehn von hundert Senatoren sind Juden; zehn Prozent der Mitglieder des Repräsentantenhauses sind Juden; drei der neun Mitglieder des Obersten Gerichts sind jüdischen Glaubens - bei einem jüdischen Anteil von zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung. Die jüdische Prominenz in Amerika kümmert außer Rechtsextremisten niemanden. FAZ110421RobertBGoldmann
In Amerika spielt Religion eine wichtige Rolle
Während in Europa christliche Werte aggressiv in Frage gestellt werden - man denke nur an die Weigerung der europäischen Regierungen das Wort “Gott” auch nur in die Präambel der Europäischen Verfassung aufzunehmen,wird die amerikanische Weltsicht entscheidend von Religion geprägt. “Amerikaner nehmen biblische und religiöse Argumente sehr ernst”, sagt der britische Dozent Philipp Jenkins, der Geschichte und Religion in den USA lehrt. In Amerika wirke die religiöse Inbrunst in den Ansprachen von Präsident George W. Bush keineswegs verstörend. “Aber in Europa glauben sie, er sei ein religiöser Trottel.” Die Bibel ist fester Bestandteil des täglichen Lebens. So lesen 57 Prozent der über 60-jährigen Amerikaner täglich im Buch der Bücher, bei den 18-49-Jährigen sind es noch 23 Prozent. “Das kirchliche Engagement wird in den USA viel positiver bewertet als in Deutschland”, erzählt Ulrich Wolf-Barnett, Pastor der deutschen evan- gelischen Gemeinde in Washington. In ganzen Landstrichen gilt das Wort Gottes an allererster Stelle, etwa im berühmten “Bibelgürtel”, der sich von den Südstaaten wie Tennessee, Alabama und Mississippi bis weit in den Mittelwesten der Great Plains erstreckt. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die so genannte “Religiöse Rechte”, eine große Vereinigung konservativer religiöser Gruppen, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen entscheiden kann. “Die Entwicklung in den USA befremdet uns Europäer wohl deswegen, weil sich die Gewichte der bekun- deten Religosität nach rechts verschoben haben”, erläutert Rainer Prätorius, Professor an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und Autor des gerade erschienenen Buches “In God We Trust”. “Vor allem die Evangelikalen üben einen starken Einfluss auf die Republikanische Partei aus.” Nach Prätorius ist die enorme Bedeutung der Religion im öffentlichen Leben der USA nur im historischen Kontext zu verstehen: “Man muss wissen, dass die USA von religiösen Abweichlern und Flüchtlingen unter dem Gedanken der Religionsfreiheit gegründet wurden.” Die USA, gegründet von Leuten mit starken Glaubensgrundsätzen, hätten sich immer als Refugium für Gläubige empfunden - als neues Jerusalem, wo es noch am ehesten möglich ist, ein gott- gerechtes Leben zu führen. Das führe Gläubige oft zu dem Trugschluss, dass Amerika auch die gottgerechte Nation ist und eine besondere Rolle in Gottes Heilsplan spielt. “Dies kann Ignoranz gegenüber anderen Kulturen zur Folge haben.” Angesichts der kritischen Betrachtung der amerikanischen Religiosität hierzulande unterstreicht der Professor, dass “die Gesellschaft Amerikas, das ja bis heute Einwanderungsland ist, eine enorme historische Integrationsleistung vollbracht hat. Es sind sehr viele Religionen eingewandert, für die Amerika eine Zuflucht war. Die Religion half den Menschen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden. Und das hat stark zu ihrer Bedeutung in der Gesellschaft beigetragen.” cf.ThomasFrankenfeld/CornelFalting,Hamburg/Washington:inHA031101

Ein Besuch bei Katholiken in Singapur Foto: Kathedrale zum Guten Hirten, Singapur
Pater Max Cappabianca OP von Radio Vatikan hatte jetzt Gelegenheit, in den Fernen Osten nach Singapur zu reisen und dort die – noch recht junge Kirche – zu besuchen. 12 Stunden war er mit dem Flugzeug von München nach Singapur unterwegs. Hören und lesen Sie hier, was er dort gleich nach seiner Ankunft erlebt hat... Im Dominikanerkloster im Norden der Stadt gleich eine erste Überraschung. Die Mitbrüder waren im Aufbruch begriffen zur Kathedrale Singapurs: Gleich würde das Requiem für den emeritierten Erzbischof Gregory Yong beginnen. Ob ich denn mitkommen wolle. Ich würde auf einen Schlag die gesamte Erzdiözese kennen… Natürlich bin ich trotz Jetlag und schwül-tropischem Klima mitgegangen. Die Kathedrale zum Guten Hirten liegt mitten im Geschäftsviertel der Finanz- und Handelsmetropole gelegen. Des tropisch-schwülen Klimas wegen gibt es keine normalen Kirchenfenster, sondern Lamellen und überall riesige Ventilatoren, die für etwas Kühlung sorgen. Britische Vergangenheit Die Liturgie ist sehr gepflegt – berühmt ist der Chor der Kathedrale. Zwar wurde schon im 16. Jahrhundert hier ein Bischofssitz gegründet – aber erst unter dem Gregory Yong wurde es zum Erzbistum und Metropoli- tansitz. Wie Dreiviertel der Bevölkerung war der erste Erzbischof der Stadt chinesischer Herkunft. Sein Nachfolger Nicholas Chia sagt, sein Vorgänger habe die Kirche weitergebracht und aufgebaut. Zwar sei er vor sieben Jahren in Ruheestand gegangen, aber immer noch seien die Menschen ihm dankbar für sein geistliches Wirken. Auch in der Liturgie zeigt sich die koloniale Vergangenheit Singapurs. Die junge Stadt ist erst vor zweihundert Jahren unter den Engländern großgeworden, noch heute spürt man das überall: Unter anderem daran, dass auch die Chinesen hier neben Mandarin meist ein sehr gepflegtes britisches Englisch pflegen. Auf den Straßen hört man aber auch Tamil und Malaisisch. Eine andere Art des Kirche-Seins Mit dabei bei dem Beerdigungsgottesdienst: Vier Mitglieder der Fokolargemeinschaft, unter ihnen auch zwei Deutsche: Christa Overbeck und Monika Grotz. Beiden Frauen sind Mitte dreißig Jahre alt und unterrichten an der deutsch-europäischen Schule in Singapur: Die einzige Chance, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmi- ngung zu erhalten. Christa Overbeck fühlt sich wohl hier und erlebt eine ganz andere Art von Kirche-Sein. „Man spürt hier noch sehr stark das Ursprüngliche des Christentums. Wenn Sie hier sonntags in die Kirche gehen, sehen sie volle Kirchen. Es gibt viele Taufen: Jedes Jahr Hunderte! Wir merken in Malaysia und Indonesien sehr starke Resonanz und dieser Wunsch, das Christentum echt leben zu wollen.” Achtzig Prozent der gut 170.000 Katholiken besuchen Sonntags die heilige Messe. Allerdings sind nur 3,9% der gut vier Millionen Einwohner überhaupt Christen. Die meisten sind Buddhisten, Hindus oder Moslems. Das Miteinander der Religionen ist hier Alltag: „Unter meinen Kolleginen ist eine Hindu, mehrere sind Moslems; wir arbeiten zusammen und das geht gut. Auch von der Fokolarbewegung haben wir viele Leute, die vom Buddhismus zum Christentum gefunden haben und die unsere Erfahrung weitergeben.” Die Ideale junger Dominikaner aus Myanmar Noch viel mehr als in Europa ist das Zusammenleben verschiedener Menschen und Kulturen Alltag – auch innerhalb der Kirche. Die Dominikaner haben seit dem Jahr 2000 eine Niederlassung hier – sie dient als Stützpunkt für die apostolische Arbeit der Brüder in der Stadt, aber auch als Ausbildungsstätte für Ordensinteressenten – aus ganz Fernost. Derzeit sind vier Ordenskandidaten hier, sie lernen Englisch und die Ordensspiritualität der Dominikaner kennen. Einer von ihnen ist Bert, der schon manchmal Heimweh hat nach Zuhause. Seine Eltern sind Bauern in einem kleinen Dorf im Innern des Landes. Am Dominkanerorden schätzt er das Gemeinschaftsleben und die Diskussionskultur. Er selber will einmal ein guter Prediger werden. Angesprochen auf die schwierige Lage unter dem Militärregime in Myanmar legt er eine fast buddhistische Haltung an den Tag: Man müsse vor allem Gottes Willen suchen – und seinen Plan für das Land kenne man wahrscheinlich einfach noch nicht. „Ich möchte dazu ermutigen, den Geboten Gottes gemäß zu leben”, sagt er.„Gott und einander zu lieben und den Armen zu helfen, den Bedürftigen.” Die Kirche von Singapur ist sehr lebendig, sozial praktisch engagiert und doch vor allem eine spirituelle Gemeinschaft. Die Kirche ist weltweit und sie ist immer wieder neu eine junge Kirche. rv080728mc

1.745 Comboni-Missionare im Dienst der Kirche: “1000 Leben für die Mission!” Ein Interview mit Pater Teresino Serra, dem Generaloberen der Combonianer. Foto unten: nach der Sonntagsmesse in Lira, Nord-Uganda 30Giorni0710StefFalascaDavMalacaria

“Wo soll ich mich hinstellen?”... Das war die Frage, die sich seine Mörder stellen hörten von einem der sechs Comboni-Missionare in Rungo, Demokratische Republik Kongo. Es waren die 1960-er Jahre, die Zeit der Revolte der Simbas. Die Rebellen hatten das Dorf gestürmt und die Bewohner als Geiseln genommen. Sie drohten, alle umzubringen, wenn man ihnen nicht die Missionare ausliefere. Als sie das hörten, stellten sie sich. Es war schon Nacht, als man sie auf eine Brücke führte und in einer Reihe aufstellen ließ. Der letzte der Todeskandidaten war Pater Migotti. Vor ihm auf dem Boden lagen schon die Leichen seiner getöteten Mitbrüder, und er fragte seine Mörder einfach nur, wo er sich hinstellen sollte, um erschossen zu werden: eine Welt der Barmherzigkeit tat sich auf ... Von den sechs Missionaren hat nur einer überlebt, und auch der nur, weil man ihn für tot hielt. Pater Teresino Serra erzählt diese Geschichte oft, vielleicht, weil aus ihr die ganze Nächstenliebe strömt, von der so viele Combonianer beseelt sind. Eine Nächstenliebe, die diese Missionare in die ganze Welt geführt hat, mitten in die schwierigsten Situationen, zu den Armen und Unterdrückten. Pater Teresino, ein Sarde in den Sechzigern, ist seit vier Jahren Generaloberer, der 19. Nachfolger von Daniele Comboni. Wir bitten ihn, uns von der Mission und seinen Missionaren zu erzählen. Er antwortet mit der entwaffnenden Einfachheit seines schlichten und umsichtigen Glaubens, verbunden mit der klugen Verschlagenheit dessen, der das Wesentliche vom Zweitrangigen sehr wohl zu unterscheiden vermag.
rechts: P.Teresino Serra
Pater Serrano, nach Ihrer Wahl zum Generaloberen war es Ihr Wunsch, Ihre Missionare auf der ganzen Welt zu besuchen. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen? Meiner Meinung nach muss die Mission neu überdacht werden. Die Zeiten, in denen man auszog, um den Völkern unseren Gott zu bringen, den „Wilden” unsere Lebensweise aufzudrängen, sind vorbei ... Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben ausgedrückt, aber früher war das einmal so. Heute dagegen scheint mir weniger das Ausziehen als das Bleiben wichtig zu sein. Es geht nicht mehr darum, dass wir den anderen unseren Gott bringen, sondern darum, Gott zu begegnen, der uns dort, im Missionsland, vorausgeht. ... Ich glaube, dass die heutige Mission im Wesentlichen ein Bleiben ist, ein Begleiten, ein mit den Armen gemeinsam zurückgelegter Weg. Ein Bleiben ohne jeglichen Anspruch, die Menschen, an die wir uns annähern, retten zu wollen: Daniele Comboni. der Gründer der Comboni-Missionare, sagte: „Es ist schon viel, wenn ich mich selbst errette...”. Und so habe ich mich davon überzeugt, dass ich als erster gerufen bin, vor den Mitgliedern meines Instituts dieses Zeugnis abzulegen: meine Reisen sind nichts anderes als ein Bei-ihnen-Bleiben, ein Versuch, sie bei der Aufgabe zu begleiten, die ihnen der Herr aufgetragen hat. Sie sprechen von einem einfachen „Bleiben” - dabei ist der Arbeitseinsatz der Combonianer doch gemeinhin bekannt. Und genau darin sehe ich eine Gefahr: die Werke sind wichtig, das stimmt, aber wir dürfen die Mission nicht nur auf Werke beschränken. Wir sind nicht nach Afrika gegangen, um Brunnen zu graben oder Krankenhäuser zu bauen. Gewiss, wir tun auch das, aber es ist nicht das Wesentliche. Wir würden so Gefahr laufen, Agenten der Nichtregierungsorganisationen zu werden. Im Gegensatz zu früher steht für diese Art Werke viel Geld zur Verfügung, und das ist gefährlich; man riskiert, den Geist der Mission zu verunreinigen, das „Bleiben” in ein „Wirken” zu verwandeln. Wir riskieren, einfache Wohltäter zu werden. Ich betone, dass die Qualität der Mission von der Qualität des Missionars abhängt, und der Missionar hat nur dann Qualität, wenn in seinem Herzen Christus, das Evangelium, wohnt. Wenn das der Fall ist, werden auch die Werke vollbracht - wie man bei unserem Missionar sehen kann, der allein, nur mit Hilfe seiner Leute und einiger Freunde, in einer struktur- schwachen Region in Brasilien ein Krankenhaus errichten konnte, die Rondonia. Mehr als das Werk an sich zählt und tröstet aber das Zeugnis, das dieser Missionar und seine Leute abgelegt haben: das Zeugnis der Liebe Christi uns gegenüber. Sie haben gesagt, dass sich im Vergleich zu früher etwas geändert hat... Es hat sich viel geändert. Vor allem das Ambiente, das ein Missionar vorfindet. Er kommt zu Leuten, die die westliche Welt nur allzu gut kennen gelernt haben; einen Westen, der der Dritten Welt bedrohlich erscheinen muss, der Bomben abwirft, der ausbeutet, unterdrückt, ihren Flüchtlingen die Grenzen verschließt. Einen Westen, der sich mehr denn je als Eroberer zeigt. Die Folge ist, dass man uns zunächst einmal Feindseligkeit entgegen bringt. Und bei einer solchen - überdies mehr als verständlichen - Haltung ist jedes Wort vergeudet. Früher einmal hätten Worte vielleicht genügt, heute dagegen hängt die Glaubwürdigkeit des Missionars einzig und allein von seinem Zeugnis ab. Nur ein überzeugendes Zeugnis kann diese Mauer der Feindseligkeit durchbrechen. Und im Gegensatz zu früher findet der Missionar heute ein Ambiente vor, in dem es bereits eine Kirche gibt, eine Ortskirche, zu deren Entstehung wir selbst beigetragen haben. Gewiss, eine, die wie alle menschlichen Realitäten ihre Grenzen hat: manchmal scheint sie meiner Meinung nach die negativen Aspekte der westlichen Kirche nachzuahmen, bzw. den übertriebenen Triumphalismus, die Zurschaustellung von Macht - natürlich nur in gewissen, begrenzten Bereichen. Wir dagegen müssen mit dieser neuen kirchlichen Realität zufrieden sein. Der Ortskirche muss die Freiheit gelassen werden, ihre Aufgabe zu erfüllen, und wir müssen einen Schritt hinter ihr zurück- stehen. Wird es auch bei den Einsatzorten der Missionare Veränderungen geben? Wir sind gerade dabei, unsere Präsenz in verschiedenen Gebieten zu überdenken. Es gibt da einige Dinge, die änderungsbedürftig sind. Ein Beispiel: in Nairobi gibt es eine Zone mit einer Reihe von Ordensinstituten, von Orden geleiteten Schulen, usw. Die Zone hat einen Namen, der soviel bedeutet wie: „Die schönsten Häuser.” Und dort sind wir alle konzentriert, in dieser Art afrikanischem Vatikan. Gewiss, auch der Zuzug in die Städte hat seine Gründe - immerhin hat Nairobi aus ganz Kenia Millionen von Menschen angezogen, die meisten leben in Slums. Im Norden jedoch, an der Grenze zu Äthiopien, wo die Bevölkerung sehr arm ist, sind nur zwei Combonianer vertreten. Ich glaube, dass es an der Zeit ist, den Orten den Rücken zu kehren, wo andere Missionare sind und dorthin zu gehen, wo niemand ist. Ich glaube, dass unsere Präsenz dort wichtiger ist.
Comboni-Schule, Nyala, Dafur
Die anfänglich nur in Afrika „stationierten” Combonianer sind inzwischen auch in Lateinamerika und Asien vertreten. In Lateinamerika wurde einer der unsrigen erschossen, Pater Ezechiele Ramin. Wir würden sein Martyrium gerne von der Kirche anerkennen lassen - auch wenn die Combonianer Lateinamerikas nicht so recht mit- ziehen wollen: für sie und für alle, die ihn kennen gelernt haben, ist Ramin ohnehin schon ein Heiliger. Und das reicht ihnen. Aber ich glaube, dass Pater Ezechiele ein Schatz für die ganze Kirche ist, und deshalb wollen wir seinen Heiligsprechungsprozess auch vorantreiben … Sie waren oft in Lateinamerika... Ja, ein Kontinent voller Leben, Völker voller Leben, die Regeln als Hindernis betrachten. So muss sich der Missionar an sie anpassen, ohne irgend etwas aufzudrängen, muss mehr mit dem Zeugnis evangelisieren als durch das Aufdrängen von Regeln. Wenn man die Dokumente der Begegnung von Aparecida liest, als Papst Benedikt XVI. zu Besuch hierher kam, sieht man, dass die Verben „bleiben” und „begleiten” das ganze Doku- ment durchziehen - von der ersten bis zur letzten Seite. Gewiss, unser Wirken bei diesen Menschen war nicht frei von Fehlern und Sünden, aber niemand kann uns bezichtigen, die Menschen hier nicht begleitet zu haben, wie uns der Herr aufgetragen hat. Nun hat man in Lateinamerika - wo wir die Zeit der Befreiungstheologie endlich hinter uns haben - den Akzent auf die theologische und liturgische Disziplin setzen wollen. Wahrscheinlich ist auch dieses neuerliche Gemahnen an die Disziplin notwendig, aber man muss sich davor hüten, eine Kirche zu schaffen, die den Leuten fern steht. Konnten die Combonianer auch in Asien Fuß fassen? Nein, nicht wirklich. Dort fühlt man sich wie eine Ameise vor einem wahrhaft titanischen Unterfangen: ein ganzer Kontinent, Milliarden von Menschen, die das Evangelium noch nicht kennen. Aber gerade dort, mehr als anderswo, ist es offensichtlich, dass man bleiben muss ohne den Anspruch, etwas zu tun. Wir müssen die Zeit des Herrn abwarten. Haben auch die Combonianer - wie viele andere Orden - eine Abnahme der Berufungen zu beklagen? Wir sind derzeit 1.745, verteilt auf 29 Nationen: Afrika, Lateinamerika und Asien. Natürlich sind nicht alle davon „im Einsatz” - bei dieser Zahl sind auch Alte und Kranke mitgerechnet. Die Zahl der Berufungen hat sich verringert, das stimmt: vor ein paar Jahren gab eine Studie zur Ordenssituation unserem Institut noch ca. 70 Jahre Lebenszeit. Natürlich könnte es auch schon morgen mit uns vorbei sein, wir könnten aber auch noch sehr viel länger bestehen - das hängt von den Plänen Gottes ab. Zahlen interessieren mich nicht: wenn ein Baum verdorrt, dann kann man zumindest Brennholz aus ihm machen und sich daran wärmen. Gott vergeudet nichts ... was mich interessiert, sind Vollblut-Missionare, die bereit sind, Gott und den Armen ihr Leben geben. Alles andere interessiert mich herzlich wenig.

Foto: Comboni-Pater Joseph Mumbere Musanga zelebriert die Messe in einer Pfarrei in Kisangani, Demokratische Republik Kongo
Welches Resumé würden Sie aus Ihren Reisen ziehen? Ich muss sagen, dass unsere Missionare eigentlich besser sind, als ich erwartet habe. Traurig waren für mich die Besuche im Norden Ugandas, wo ich eine wirklich tragische Situation vorgefunden habe: eine Bevöl- kerung, die von dem langen Krieg zwischen Rebellen und Regierungstruppen sichtlich ausgelaugt ist; einem Krieg, der sofort zu Ende war, als man beschloss, dass er enden müsse (und das sagt eigentlich schon alles darüber, welche Art Krieg es war...). Unsere Missionare hatten Jahre lang unter einem mehr als merkwürdigen Krieg zu leiden. Einem Krieg, der meist des Nachts aufflammte, mit Überraschungsangriffen. Sie sind genauso ausgelaugt wie die restliche Bevölkerung ... Und dann ist da noch der Sudan. Ein wahres Pulverfass: Nord und Süd haben ein Friedensabkommen unterzeichnet - und da haben sich schon die ersten Profitgeier eingestellt, die aus dem Wiederaufbau Kapital schlagen wollen. Das Klima ist alles andere als entspannt. Ich fürchte, dass der Konflikt früher oder später wieder aufflammen wird ... Was mir aber von all diesen Reisen geblieben ist, ist etwas anderes.

Foto: Comboni-Pater Raffaele Cefalo bei den Turkana-Nomaden in Nakwamekwi, Kenia
Und was? Ich weiß nicht so recht, wie ich es sagen soll, aber... als ich begonnen habe, hatte ich klare Vorstellungen. Jetzt dagegen ist alles verworren. Wenn man so viel Leid, so viel Schmerz sieht, fragt man sich unweigerlich: warum lässt Gott das alles zu? Warum siegt immer die Ungerechtigkeit? Kurzum: es herrscht ein „Gottesschweigen”, das erschreckt ... Höre ich da vielleicht eine gewisse Skepsis heraus? Nein, aber die Realität stellt uns nun einmal vor gewisse Fragen ... Und gibt uns manchmal auch Antworten. Oft unerwartete. Ich erhielt die Antwort durch eine wirklich bemerkenswerte Begebenheit. Als ich in Nairobi unterrichtete, hatte ich einen Studenten aus Uganda, einen gewissen Francis Bakanibona, dem ich davon abriet, sein Studium fortzusetzen. Er schien mir für unsere Art Leben ungeeignet. Nach der Rückkehr in seine Pfarrei wurde er dort aber schon bald ein wahrer Bezugspunkt für die Jugendlichen. Und sein Wirken in der Pfarrei war so manchem ein Dorn im Auge. Bald schon kamen die Regierungstruppen, umstellten die Kirche und warteten auf ihn: als er herauskam, ergriffen sie ihn: vor aller Augen wurde er gefoltert und umgebracht. Und ich hatte gemeint, er wäre fürs Seminar ungeeignet! ... Eine Woche später waren in der Pfarrei 30 Taufen angesagt. Der Pfarrer fragte das erste Elternpaar: „Welchen Namen wollt ihr eurem Kind geben?”. Sie antworteten: „Francis”. Dann war das zweite Paar an der Reihe, und auch ihre Antwort lautete: „Francis.” Beim dritten Paar war es nicht anders ... Alle wollten ihre Kinder Francis nennen. Diese Dinge zeigen uns, dass die Antwort Gottes anders ist, als wir uns das vorstellen. Und oft kommt sie von den Bevölkerungen, denen wir den Herrn gebracht haben. Wir haben ihn gebracht, aber sie zeigen ihn uns jetzt in einer überzeugen- deren und rührenderen Weise. Ähnliche Episoden wird es in der Geschichte Ihres Instituts sicher viele geben. Oh ja ... einer unserer Missionare in Norduganda hat mir folgende erzählt: einmal wurde die Mission, wo er allein lebt, von Kindersoldaten angegriffen. Sie drohten, ihn umzubringen. Er aber ließ sich nicht ein- schüchtern, sondern rief unerschrocken: „Ihr könnt mich gar nicht umbringen! Das Brauchtum eurer Leute besagt, dass euch und eure Eltern, wenn ihr einen alten Mann umbringt, auf ewig dessen Seele verfolgen wird!” Sie sahen ihn entsetzt an und bettelten: „Dann lass uns wenigstens etwas stehlen - was sollen wir sonst unseren Führern sagen? Sie werden schrecklich wütend sein!” Da ließ er sie herein und wartete draußen. Als sie herauskamen, zeigte er ihnen, wo er seine Whiskyflasche versteckt hat. „Damit werden eure Führer sicher zufrieden sein,” meinte er. „Was sollten sie auch mit vier Kerzenständern anfangen?” ... Dann haben wir noch Combonianer in Iceme, ebenfalls im Norden Ugandas, Distrikt Lyra. Sie wurden schon siebenmal angegriffen, und wollten trotzdem nie weggehen ... Und das sind nur einige der Zeugnisse, die unsere Missionare ablegen. Wie viel könnte man noch von den Alten, den Kranken erzählen ... Zum Beispiel? Zum Jahrestag der ersten Mission der Combonianer war ich in einem Aufnahmezentrum. Hier leben Leute, die nach Jahre langem Missionsdienst ein wenig angeschlagen zurückkehren - um es beschönigend zu sagen. Einer leidet an einer progressiven Parese: er versteht alles, aber kann sich nicht bewegen. Trotzdem hat er immer ein Lächeln auf den Lippen. Auch das ist eine Form des Martyriums. Eine schleichende. Dann gibt es noch Mitbrüder, die sich nicht mehr an all das Gute erinnern, das sie getan haben. Aber was macht das schon? Der Herr wird sich dafür um so besser daran erinnern! ...
Friedensgebet Lokori, Kenia
Papst Benedikt XVI. in Afrika

Gute Wünsche für die Pastoralreise von Bundespräsident Horst Köhler:
“...Ich weiß, dass die Menschen in Kamerun, in Angola und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent Ihrem Besuch mit großer Vorfreude entgegensehen. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche und auch für Sie selbst erfüllende Reise.” Ihr Horst Köhler, Bundespräsident DT090317

Benedikt XVI. ist in Afrika eingetroffen. In Kameruns Hauptstadt Yaoundé rief er zum Kampf gegen die Probleme des Kontinents auf. Afrika dürste nach Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung. Es ist die erste Reise des Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Sie führt ihn auch noch nach Angola.
Papst in Kamerun: „Christen können nicht schweigen angesichts der Ungerechtigkeit“ „Welche Freude, zum ersten Mal seit meiner Wahl zum Papst in Afrika zu sein!“ Das sagte Benedikt in seiner ersten Ansprache auf afrikanischem Boden. Er gratulierte Kamerun zum 50. Jahrestag seine Unabhängigkeit und lobte das freundliche Klima zwischen den Konfessionen und Religionen im Land. Hier sind die Kernsätze aus der Papstrede am Flughafen von Yaoundé. „Ich komme zu euch als Hirte. Ich komme, um meine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, wie einst Petrus. Als Petrus am Pfingsttag in Jerusalem predigte,da waren auch Zuhörer aus Afrika dabei. Das Zeugnis vieler großer Heiliger dieses Kontinents in den ersten Jahrhunderten des Christentums garantiert Afrika einen besonderen Platz in der Kirchengeschichte. Bis heute haben Heerscharen von Missionaren und Märtyrern in allen Teilen Afrikas Zeugnis für Christus abgelegt, und heute zählt die Kirche hier etwa 150 Millionen Gläubige.“ Benedikt erinnerte daran, dass Papst Johannes Paul 1995 in Yaoundé das Abschlußdokument einer Bischofs- Sondersynode für Afrika vorstellte. Er komme nun, um das Arbeitspapier der zweiten Sondersynode zum Thema Afrika zu präsentieren; das Bischofstreffen findet im Oktober in Rom statt. Er hoffe auf einen „Moment der Gnade“ und einen „neuen missionarischen Aufbruch“ der afrikanischen Kirche. „Auch mitten im größten Leiden bringt die christliche Botschaft immer Hoffnung mit sich. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott kann auch in einer Lage großen Leids und großer Ungerechtigkeit alles verwandeln. Ein Christ kann niemals schweigen angesichts des Schmerzes und der Gewalt, der Armut und des Hungers, der Korruption und des Machtmissbrauchs! Die rettende Botschaft des Evangeliums will mit Kraft und Klarheit verkündet werden, damit das Licht Christi im Dunkel des Lebens der Menschen leuchtet. Auch hier in Afrika hungern zahllose Menschen nach einem Wort der Hoffnung und des Trostes. Regionale Konflikte führen zu Tausenden Obdachlosen und Bedürftigen, Waisen und Witwen.“ Überraschend deutlich ging Papst Benedikt schon in seiner ersten Ansprache auf die Probleme Afrikas heute ein. „Der Kontinent hat in der Vergangenheit erlebt, dass viele seiner Einwohnner grausam geraubt und verschifft wurden, um als Sklaven zu arbeiten; heute ist der Menschenhandel, besonders mit wehrlosen Frauen und Kindern, zu einer modernen Form der Sklaverei geworden. In einer Zeit weltweiter Nahrungs- mittelknappheit, der Finanzkrise und des Klimawandels leidet Afrika überproportional: Immer mehr seiner Einwohner werden zu Opfern des Hungers, der Armut, der Krankheit. Sie schreien nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden – und genau das ist es, was die Kirche ihnen bietet: Nicht neue Formen wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung, sondern die Freiheit der Kinder Gottes. Nicht kulturelle Modelle, die das Recht der Ungeborenen ignorieren, sondern das reine Wasser des Evangeliums vom Leben. Nicht bittere Rivalitäten zwischen Volksgruppen und Religionen, sondern den Frieden und die Freude des Reiches Gottes – die Zivilisation der Liebe.“ Der Papst erwähnte, dass mehr als ein Viertel der Einwohner Kameruns sich zum katholischen Glauben be- kennt. Die Kirche sei also „in einer guten Ausgangslage, um für das Wohl der Menschen und die Versöhnung einzutreten“. Das tue sie besonders in der Sorge um Kranke und Behinderte sowie im Schulwesen. „Kamerun ist ein Land der Hoffnung für viele in Zentralafrika. Tausende von Flüchtlingen aus Ländern der Region, die vom Krieg verwüstet sind, haben hier Aufnahme gefunden. Es ist ein Land des Lebens – mit einer Regierung, die sich eindeutig auch für die Rechte der Ungeborenen einsetzt. Es ist ein Land des Friedens: Kamerun und Nigeria haben einen Streit um eine Halbinsel im Dialog aus der Welt geschafft und damit der Welt gezeigt,dass eine geduldige Diplomatie immer Früchte bringen kann. Es ist ein Land der jungen Leute mit einer vitalen, jungen Bevölkerung. Mit Recht sprechen manche von „Afrika in Miniatur“ – es ist Heimat von über 200 ethnischen Gruppen, die in Harmonie miteinander leben... Gott segne Kamerun! Gott segne Afrika!“ Rv090317
Interview über den Wolken - Benedikt: „Afrikas Aids-Krise löst man nicht mit Kondomen“
Bereits zum Antritt der Afrikareise ist Aids für Papst Benedikt zu einem Thema geworden: Die Aids-Epidemie in Afrika könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, dies vertiefe die Probleme nur. Das betonte der Papst während des Fluges von Rom nach Kamerun. Wie üblich bei Papstreisen fand auch diesmal eine „fliegende Pressekonferenz“ hoch über den Wolken statt. Der Papst wörtlich: „Ich denke, die wirksamste, präsenteste und stärkste Realität im Kampf gegen Aids ist gerade die katholische Kirche mit ihren geistlichen Bewegungen und ihren verschiedenen Gruppen. Da denke ich etwa an die Gemeinschaft von Sant’Egidio, die sichtbar und unsichtbar sehr viel im Kampf gegen Aids tut, an die Kamillianer, an all die Schwestern, die den Kranken beistehen. Ich würde sagen, das Problem Aids löst man nicht mit Geld allein. Geld ist nötig, hilft aber nur, wenn dahinter eine Seele steckt, die es gut einzusetzen weiß. Ebenso wenig ist es getan mit der Verteilung von Präservativen: Im Gegenteil, sie verstärken das Problem. Die Lösung muss eine doppelte sein. Das erste ist eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine spirituelle und menschliche Erneuerung, die zu einer neuen Art des Umgangs sowohl mit dem eigenen Körper als auch zu einem neuen Umgang miteinander führt. Das zweite ist Freundschaft mit und für die Leidenden, eine Hilfsbereitschaft, die auch mit persönlichen Opfern verbunden ist, um an der Seite der Kranken zu sein - diese Fähigkeit zum Mitfühlen mit den Leidenden und in schwierigen Situationen dazubleiben. Das sind die Faktoren, die helfen und die echte, sichtbare Fortschritte bringen. Die Kirche tut das und leistet so einen großen und wichtigen Beitrag. Ich danke allen, die da mitwirken.“ Dies ist im Wortlaut die Antwort des Papstes auf die Frage nach AIDS auf dem Hinflug nach Afrika. Einige Medien - besonders in Deutschland - haben das wohl nicht verstehen wollen. Der Papst rief zu internationaler Solidarität auf, damit Afrika unter dem Druck der Wirtschaftskrise nicht zusammenbreche. Er meinte, dass die Finanz- und Wirtschaftswelt ethische Fragen in den Vordergrund rücken sollte. „Diese Wirtschaftskrise ist das Resultat eines ethischen Defizits. Mit diesem Thema werde ich mich in meiner neuen Enzyklika befassen. Die Enzyklika war fast fertig, doch dann ist die globale Rezession hinzugekommen, und wir haben den Text revidieren müssen, um der Menschheit eine Botschaft zu dieser Weltlage zu bieten.“ Volltext der Enzyklika > Caritas in veritate Die Kirche in Afrika stehe den Armen und den Leidenden nahe. Dennoch sei sie keine „perfekte Gemeinschaft“. Daher sei „eine Bereinigung der Strukturen und eine Reinigung der Herzen“ notwendig. Benedikt sprach in diesem Zusammenhang auch von der Aggressivität der neuen Sekten in Afrika. „Es stimmt, in Afrika gibt es Probleme mit den Sekten. Wir verkünden nicht wie sie Wunder und Reichtum. Diese Sekten sind sehr instabil, und der Katholizismus kann sie mit seiner Struktur und Einheit durchaus bekämpfen. Unser Netz kann den Tribalismus überwinden.“ Rv090317 rv090319

Der Papst besuchtKamerun und Angola Foto links: Staatswappen von Angola Foto rechts: Staatswappen von Kamerun
In der Ankündigung seiner Reise sagte Benedikt XVI.: „Ich habe die Absicht, nach Kamerun zu reisen. Dort will ich den Vertretern der Bischofskonferenzen Afrikas die Arbeitsunterlagen für die zweite Sondersynode für Afrika übergeben, die im Oktober nächsten Jahres in Rom stattfinden wird. Von Kamerun aus werde ich mich, so Gott will, nach Angola begeben, um feierlich den 500. Jahrestag der Evangelisierung des Landes zu begehen.” Es wurde die erste große Afrikareise dieses Pontifikats; Benedikt XVI. hat bisher neben europäischen Zielen schon Nord- und Südamerika sowie Australien besucht. In Kamerun war schon Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1985 und 1995 gewesen; Angola besuchte der Papst aus Polen im Jahr 1992. Geographische Lage von Kamerun laut Nuntius ausschlaggebend für Papstreise Für die Wahl Kameruns zum Ziel der nächsten Papstreise ist die geografische Lage im Zentrum Afrika ausschlaggebend gewesen. Das sagte der Apostolische Nuntius in Yaounde, Erzbischof Elisio Antonio Ariotti, dem vatikanischen Missionspressedienst Fides. Zudem gehöre das Land zur englischen wie zur französischen Sprachzone; daher habe sich angeboten, dass Benedikt XVI. hier das Arbeitspapier für die vatikanische Afrika- Synode im Oktober 2009 vorstellt. Auch nach der ersten Afrika-Synode 1994 hatte Johannes Paul II. (1978- 2005) unter anderem in Kamerun das Abschlussdokument präsentiert. RVfides081027bg Kamerun: Papstbesuch soll Gesellschaft an Werte erinnern „Die größte Herausforderung ist es, die christlichen Werte wieder in Erinnerung zu rufen. Es geht etwa um Ehrlichkeit in der Abwicklung öffentlicher Angelegenheiten, um Transparenz für das Afrika von heute und vor allem für Kamerun. Diese Aufgabe wartet auf uns. Im Leben der Kirche sind auch die kleinen Gemeinschaften sehr wichtig, die Jesus ganz in den Mittelpunkt stellen. Schon die erste Sondersynode für Afrika hat diese große Bedeutung der kleinen christlichen Gemeinschaften unterstrichen.“ rv090215 Das deutsche Hilfswerk Misereor begrüßt Afrikareise des Papstes Der Abteilungsleiter des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Michael Hippler, begrüßt die Reisepläne als positives Signal an die Kirche des Kontinents: „Beide Länder spielen gerade in der aktuellen Diskussion um Afrikas Zukunft eine wichtige Rolle. Zum einen Kamerun, ein Land das zu den korruptionsverdächtigsten Ländern gehört, aber von einem katholischen Präsidenten geführt wird. Hier geht es bei den Gesprächen des Papstes mit der Regierung und der Ortskirche auch darum zu sehen, welchen Einfluss die katholische Soziallehre auf diese gravierende Situation nehmen kann.” In Angola hat der Papst anschließend an den 500-Jahr-Feiern der Evangelisierung des Landes teilge- nommen. Angola ist, laut Hippler „…einer der inzwischen weltweit größten Erdölproduzenten mit immer größerer Bedeutung angesichts der großen Ölvorkommen. Auch hier gibt es viel Korruption und vor allem Missmanagement, das dazu führt, dass in Angola eine kleine Gruppe von Menschen sehr reicht wird und der Rest der Bevölkerung in absoluter Armut verharrt. Angola ist sicher eines der Länder mit der größten Ungleichverteilung an Einkommen der Welt.” rv081827bg
Stationen Benedikts in Yaoundé, Stadt auf sieben Hügeln
Zwei Kirchen, das Fußballstadion und eine Krankenstation besucht Benedikt XVI. während seines Aufent- halts in Kamerun, erste Station auf seiner Afrikareise. Ein wenig mag er sich heimisch fühlen, wie Rom ist Yaoundé auf sieben Hügeln erbaut. Von einer ersten Ortsbesichtigung berichtet unsere Korrespondentin Birgit Pottler. Yaoundé ist eine Verwaltungshauptstadt, erst 1889 gegründet, das Herz der Wirtschaft schlägt gut 250 Kilometer westlich in der Hafenstadt Douala. Abseits der großen Straßen ist Yaoundé ein einziger großer Markt. Zwischen Hütten aus Holz, Lehm oder Wellblech bieten Frauen wie Männer alles feil, was ihr Land und seine Menschen produzieren: Holz und Handwerk, Bananen, Gewürze, bedruckte und gebatikte Stoffe in allen Farben… Dazwischen verkaufen sie Handy-Karten, grillen Fleischspieße, frittieren Backwerk. Wo auch immer ein Stück rote Erde frei ist, spielen Kinder und Männer Fußball. Trikots der großen Vereinsmannschaften aus aller Welt gibt es überall zu kaufen, doch das leuchtende Grün des Nationaltrikots Kameruns überstrahlt sie alle. „In einem Zimmer sein, ist Stress“, sagt einer der Priester, der uns in diesen Tagen begleitet. „Wir leben auf der Straße.“ Dass Straßen und Plätze jetzt modernisiert werden, dass das Stromnetz gerade jetzt erneuert wurde, sei Zufall, maximal glückliche Fügung. Die Modernisierungspläne existierten schon seit drei Jahren, versichern Kirchenvertreter und Sicherheitspersonal. Auf einem der sieben Hügel Yaoundes liegt die Pfarrei Christus-König inmitten eines guten Wohnviertels mit Schulen und medizinischer Versorgung. Tiefrot das Tor zum Pfarrhof, rot und ockerfarben die Kirche mit Wellblechdach und Buntglasfenstern. Der Papst traf hier die Bischöfe Kameruns. Vorher waren Wände gestrichen, die Kirchenbänke größtenteils entfernt, der Altarraum umgestaltet und die Holztüren neu lackiert. Unsere Mikrofone können nur die Geräusche wiedergeben, ich kann also nur erzählen vom Geruch frischer Farbe, der sich vermischt mit diesem süßlichen Duft Afrikas. Eine Oase der Ruhe zwischen Palmen, Kamelien und Mangobäumen ist dagegen die Basilika „Maria, Königin der Apostel“. Rund 20.000 Gläubige aus allen Diözesen Kameruns kamen hier zusammen, als der Papst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien die Vesper betete. Ein großzügiger, flacher Bau aus den 90er Jahren, innen holzverschalt, ist der Marienwallfahrtsort des modernen Kamerun. Die Evangelisierung der Region begann von diesem Hügel aus. Der Sitz der Pallottiner und die älteste erhaltene Kirche im Kolonialstil aus dem Jahr 1906 nur wenige Schritte entfernt geben davon Zeugnis. Schon Tage vorher beteten die Menschen hier vor dem Allerheiligsten still Papst und Afrika. Nächste Station für den Papst war das Stadion Amadou Ahidjo, benannt nach dem ersten – trotz zahlreicher wirtschaftlicher Fortschritte auch im Rückblick nicht unumstrittenen – Präsidenten des vereinigten Kamerun und kürzlich renoviert. Wo sonst die Fußballnationalmannschaft Kameruns ihre Spiele austrägt, überreichte Benedikt XVI. den Bischöfen des ganzen Kontinents feierlich die Arbeitsunterlagen für die nächste Afrikasynode. Die Holztribünen für 40.000 Fans und Gläubige leuchteten in den Nationalfarben, die ehemals ockerfarbene Überdachung wurde noch weiß gestrichen; eine Altarinsel in Schiffsform, der Wind- und Sonnenschutz für Papst und Konzelebranten ist ein Aufbau aus Holz, Stroh gedeckt und mit Dachgaube, fast ein Haus im Kolonialstil. Geschäftigkeit, akribische Vorbereitung ja, doch der Arbeiterstab in Yaoundé blieb heiter. Meistern konnten sie fast jede Situation mit Musik und einem Lächeln. Das Spruchband vor dem Stadion wünscht dem Papst entsprechend auch „einen guten Josephstag“.Yaoundé konnte hier mit ihm Namenstag feiern. Letzte Besuchsstation in Yaoundé war am Donnerstag ein Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile Leger, der sich nach seinem Rückzug vom Amt des Erzbischofs in Montreal hier als Missionar verdient machte. Heute wird es vom staatlichen Gesundheitsministerium verwaltet und bietet unter anderem Physiotherapie, eine Schule, eine Schreinerei und eine Orthopädie-Werkstatt. 200 Kranke aus verschiedenen Kliniken des Landes warten hier auf Zuspruch des Papstes. Während draußen noch geputzt wird, sortiert die Leiterin in ihrem Büro die einheitliche Kleidung für die Patienten – Blusen, Hemden, Röcke, Hosen aus demselben Stoff – eigens bedruckt mit dem Papstbild und dem Motto seiner Reise und der Synode: „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.“ Auf dem Vorplatz wehen die Flaggen Kameruns und des Vatikans. Rv090317
Herausforderungen und Chancen der Kirche in Afrika Papst Benedikt XVI. schlägt ein neues Kapitel seiner Reisen auf, wenn er nun Kamerun und Angola besucht. Diese Pastoralreise hat für den problembeladenen Kontinent die Botschaft der Hoffnung gebracht. Es war der erste Besuch von Papst Benedikt in Afrika, der in der Weltöffentlichkeit eher als Europa-bezogen angesehen wird. Dieser Besuch wird Benedikt XVI., der jetzt zu dieser Zeit die Arbeit an seiner ersten großen Sozial- enzyklika vollendete, den Menschen näher bringen, die täglich gegen Armut, Krankheit, Bestechung und bewaffnete Konflikte kämpfen. Die globale Finanzkrise beschwert die Last der Armen Afrikas. Die Worte des Papstes über die wirtschaftliche Gerechtigkeit gaben einen Ausblick auf die Themen seiner Sozialenzyklika. Der Afrikabesuch umfasste zwei Teile: In Kamerun traf der Papst die Bischöfe des ganzen afrikanischen Kontinents und er überreicht ihnen die Unterlagen der Bischofssynode für Afrika, die im Oktober in Rom stattfinden wird. Die Themen der Synode sind: Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden. In den sieben Ansprachen während seines viertägigen Besuchs in Kamerun hatte der Papst diese Themen anklingen lassen: die ethnischen und politischen Spannungen in Dafur im Sudan, in Somalia, und in der Region der großen Seen. Die verantwortlichen Regierungen forderte der Papst auf, den Dialog zu intensivieren, die Korruption und die menschliche Not der Bevölkerung zu bekämpfen. Wichtiger aber war es für Benedikt, auf den besonderen Auftrag der Kirche hinzuweisen, die als Gemein- schaft berufen ist zu heilen, zu versöhnen, zu vergeben und zu ermutigen. Der Auftrag ist doch, die Evange- lisierung voranzubringen, damit Menschen in die Kirche eintreten mit dem Ziel, vom Evangelium im per- sönlichen Leben und im Leben der Gesellschaft Zeugnis zu geben. In Kamerun begegnete der Papst auch den Landesvertretern der muslimischen Gemeinschaft, die etwa 22 Prozent der Bevölkerung ausmacht. In dieser Begegnung, aber auch in Treffen mit den afrikanischen Bischöfen, betonte der Papst die Notwendigkeit zur interreligiösen Zusammenarbeit in moralischen Fragen und auch, um die Probleme des Kontinents anzugehen. In Nigeria – dem Nachbarland von Kamerun – verursachten Angriffe zwischen Gruppen von Christen und Moslems in den letzten Monaten hunderte von Toten. Vertreter der Kirche erklären aber, dass die Gewalt wesentlich politische und nicht religiöse Ursachen hat. Der zweite Teil der Afrikareise führte den Papst in die Hauptstadt von Angola, Luanda. Der Grund war die 500-Jahr-Feier der Ankunft portugiesischer Missionare im 15. Jahrhundert. Angola erholt sich jetzt materiell, politisch und spirituell von dem 27-Jährigen Bürgerkrieg, der in Jahr 2002 endete. Die erste freie Wahl nach dem Krieg ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. Viele Angolaner erwarteten vom Papstbesuch für ihr Land einen Funken Hoffnung und Ermutigung, damit es mit der Wiederversöhnung und des Wiederaufbaus vorangeht. Ein großes Ereignis war die Jugendmesse des Papstes im Fußballstadion in Luanda. Hier schlug Benedikt die Brücke zur Jugend Angolas. Der letzte volle Tag in Angola war dann den katholischen Bewegungen vorbehalten, die sich die Förderung der Frauen zur Aufgabe gemacht haben. Hier wurde der Einsatz der Kirche gegen die Fortdauernde Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen in Afrika deutlich. Hier betonte Benedikt XVI. die Lehre der Kirche von der Gleichheit der Geschlechter. Gesundheitsvorsorge ist ein großes Thema in Angola und überhaupt in Afrika. Besonders die AIDS- Pandemie hat den Kontinent verwüstet. Diese Krankheit tötet jährlich 1,5 Millionen Menschen in den Ländern südlich der Sahara; elf Millionen Kinder wurden dadurch zu Waisen. Wenn es um das Thema Kirche und AIDS geht, richtet sich das Interesse der Medien oft auf die Ablehnung der Kirche von Kondomen. Schon 2005 hat der Papst gegenüber afrikanischen Bischöfen daran erinnert, dass die Kirche in vorderster Front zur Bekämpfung dieser „grausamen Epidemie“ stehe und betonte, dass er „den einzig sicheren Weg“ zur Verhinderung der Ausbreitung von AIDS in der Lehre der Kirche von geschlechtlichen Verantwortung des Menschen sieht. Was wird bleiben von diesem Besuch des Papstes in Afrika? Sicherlich sind die Ansprachen und Predigten von großer Bedeutung. Aber die afrikanischen Bischöfe erwarten mehr: „Der Heilige Vater trägt – wo immer er geht – mit sich eine Aura von der Gegenwart Gottes auf Erden”, sagt der nigerianische Bischof Odogwu Elue von Issele-Uku. Seine Nähe zu uns wird fast gleichgesetzt mit der Nähe Gottes zu uns. Wir sprechen nicht über seine politische Funktion… es ist seine spirituelle Gegenwart, die uns große Ermutigung und Stärkung für den Glauben gibt.“ Neben seiner Botschaft sehnen sich viele Afrikaner auch nach seinem Segen. CT090315JohnThavis
Presseberichte aus Angola
Die Freude über die Ankunft des Papstes bestimmt die Medien in Kamerun, nicht aber kirchliche Aussagen zur Aidsprävention und Sexualethik. Der nationale Radio- und Fernsehsender RTV verfolgte jeden Schritt Benedikts vom Flugzeug bis zu Nuntiatur, strahlte die Bilder von tausenden Kamerunern am Straßenrand, einem posierenden Präsidenten mit Gattin und dem sichtlich zufriedenen und interessierten Papst meist unkommentiert und in Wiederholung bis Mitternacht aus. In einer Endlosschleife folgten dann Bilder aus dem Vatikan und Archivaufnahmen sämtlicher bisheriger Reisen Benedikts XVI. „Historischer Besuch beginnt“ schreibt die Online-Redaktion von RTV. Die „Cameroon Tribune“, regierungsnahe Tageszeitung, spricht von einem „Triumph“. Das zweisprachige Blatt widmet dem Papstbesuch zwölf von 32 Seiten und druckt die Ansprachen des Präsidenten und des Papstes. In einem ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Papst verurteilt die Laster Afrikas“ ein Satz zum Thema Aids: „Der Papst fordert die unentgeltliche Behandlung von Aids-Patienten.“ Die Tageszeitung „Nouvelle Vision“ liefert laut Selbstvorstellung „Bürgerinformation“ und zeigt auf dem Titel ein Archivfoto des Papstes bei seiner Einführungsmesse 2005. „Der Papst kommt über Kamerun nach Afrika“ heißt es im Editorial. rv090318
Papst Benedikt XVI. in Angola
Es war ein eindringlicher Appell, den der Papst bei seiner Freiluftmesse an eine Million Gläubige in Angola sandte. Benedikt XVI. rief den Gläubigen auf seiner ersten Afrikareise zu: „Dieser große Kontinent dürstet nach Frieden. Um die Botschaft der Vergebung, der Hoffnung und eines neuen Lebens in Jesus Christus zu bringen, bin ich nach Afrika gekommen", predigte Benedikt XVI. in Angolas Hauptstadt Luanda. Angesichts des Übels von Kriegen und der Gier, die die Herzen der Menschen korrumpiere und die Armen versklave, müsse eine gerechtere Welt geschaffen werden. Damit wiederholte der Papst die zentrale Botschaft seiner Afrika- reise, die er auch im Palast von Präsident Jose Eduardo dos Santos zum Ausdruck brachte. Er forderte Afrikas Führer auf, stärker gegen Armut und Korruption zu kämpfen. Der Papst warb auch für die Pressefreiheit in Angola, wo der katholische Sender Radio Ecclesia als eines der wenigen regierungsunabhängigen Medien gilt. Benedikt XVI. kritisierte in Angola die Hexengläubigkeit und warb für eine weitere Missionierung. Viele Menschen lebten in Angst vor Geistern und bösen Kräften, sagte er. Dieser Irrglaube treibe die Menschen dazu, sogar Kinder und Alte zu verdammen, weil sie diese für Hexen hielten. 55 Prozent der 11,5 Millionen Angolaner sind katholisch. 25 Prozent werden traditionellen Religionen zugerechnet. Einige Sekten praktizieren Menschenopfer,bei denen Kinder missbraucht werden oder zu Tode kommen. HA090323
Papst zieht Bilanz: „Gastfreundschaft und Liturgiebewusstsein waren großartig“ Auf dem Rückflug des Papstes von Angola Richtung Rom hat Benedikt XVI. nochmals seine Reise Revue passieren lassen. Zwei Eindrücke blieben ihm besonders in Erinnerung, so das katholische Kirchen- oberhaupt: „Einerseits gibt es da das Bild einer beeindruckenden Gastfreundschaft, die fast schon übermäßig wirkt. Eine Gastfreundschaft, die geprägt ist von Freude. Man kann sagen: Afrika in Feststimmung. Mir schien, dass die Afrikaner den Papst als – sozusagen – „Personifizierung der Kirche als Familie“ ansehen. Somit war die Präsenz des Papstes in Afrika etwas wahrlich Freudiges.“ Ein zweiter Aspekt betrifft die Religiosität der Afrikaner, so Benedikt XVI. weiter. „Ich war sehr beeindruckt von der Spiritualität bei den Liturgien. Man spürte ein starkes Gefühl für das Heilige. Bei den Liturgiefeiern standen nie die eigenen Gruppen oder die Selbstdarstellung im Mittelpunkt, sondern die Gegenwart des Heiligen und Gottes selbst. Auch die Bewegungen während der Zeremonien waren immer voller Respekt und vom Bewusstsein geprägt, dass sie für Gott gemacht werden. Das hat mich sehr stark beeindruckt.“ Papst Benedikt XVI. hat bei seiner am Montag beendeten Reise nach Kamerun und Angola die großen Themen der afrikanischen Realität wie Versöhnung, Frieden, Wiederaufbau und echte Demokratie ange- sprochen. Das betonte Vatikansprecher Federico Lombardi in seinem Resümee. „Der Papst hat auch internationale Solidarität, Menschenrechte, gerechte Entwicklung und Gleichheit gefordert und Korruption verurteilt. Seine Botschaft der Hoffnung wird zweifellos Früchte bringen. Die Auf- nahme in beiden afrikanischen Ländern war für den Papst ausgezeichnet. Benedikt XVI. ist mit Begeisterung begrüßt worden und hat den Menschen den Rücken gestärkt. Zugleich ist der Enthusiasmus auch für ihn eine Ermutigung gewesen.“ Rv090323

Prinzip und Wirklichkeit - Benedikt XVI. und seine jüngsten Äußerungen zur Sexualmoral in Afrika
Papst Benedikt XVI. ist von einer Reise nach Kamerun und Angola zurückgekehrt. War er aber wirklich in Afrika? Oder hat er in den vergangenen Tagen nur vor einem internationalen Aids-Tribunal Anklagen entgegennehmen müssen, mit abschließender Verurteilung? Angesichts der Aufregung in west- europäischen Regierungszentralen und Medien, nach unablässigen Erklärungen von deutschen, französi- schen oder spanischen Ministern könnte es scheinen, als habe die Visite in Yaounde und Luanda nur den Hintergrund abgegeben, um in der westlichen Welt über den Kampf gegen die Aids-Epidemie anderswo zu diskutieren, um die europäisch-amerikanische Therapie mit Präservativen dagegen als Wundermittel dar- zustellen und die Haltung der katholischen Kirche als menschenverachtendes Teufelswerk anzuprangern. Seltsam, dass die betroffenen afrikanischen Staaten und deren Führer sich nicht zu flammendem Protest erhoben, sondern die vielfältige Botschaft des Papstes unter dem Thema „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden" als Ermutigung ansahen. Die betroffenen Frauen und Männer Afrikas schienen wenig betroffen, sondern jubelten dem Papst zu. Benedikt verstand seinen Besuch auch als Einleitung und Einladung zu der Zweiten Sonderversammlung der Synode der katholischen Bischöfe Afrikas im Oktober dieses Jahres in Rom. Die Lehren und Prinzipien der Kirche sind den Afrikanern offenbar willkommen. Sonst hätten sich im „Kontinent der Hoffnung" - nach einem Wort Johannes Pauls II. - nicht immer mehr Afrikaner dieser Religion zugewandt. Waren es im Jahr 1900 nur 1,9 Millionen Katholiken zwischen dem Mittelmeer und dem Kap der Guten Hoffnung,so sind es jetzt 158 Millionen von mehr als 900 Millionen, Tendenz steigend. Aber gehen nicht die Lehren und Prinzipien der Papst-Kirche an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei? Verkennt nicht die Verweigerung von Kondomen die Leiden der Betroffenen und die Gefährdungen für andere?So lauten die Fragen seit Jahren, meist empört, selten maßvoll vorgetragen. Benedikt hatte in der Enge des Flugzeugs auf de,m Weg nach Afrika und in der Kürze der Zeit darauf eine doppelte Antwort. Offenbar wohl präpariert von afrikanischen Bischöfen,die ihm ihre Sorgen und Erfolge vortragen, und informiert durch die Vorbereitungen für die Afrikanische Bischofssynode. Zum einen sagte er: „Ich glaube, dass die wirksamste und im Kampf gegen Aids präsenteste Organisation ebendiese katholische Kirche mit ihren Bewegungen und unterschiedlichen Strukturen ist." Edward C. Green, führender amerika- nischer Aids-Forscher an der Harvard-Universität und Direktor des „AIDS Prevention Research Project" am „Harvard Center for Population and Development Studies" (für Bevölkerungs- und Entwicklungs- studien), sagte dazu kurz und bündig: „Der Papst hat recht; die Verteilung von Kondomen verschärft das Aids-Problem." So zitiert ihn die amerikanische „Catholic" - Agentur; so kann man es wissenschaftlich auch sehen. Zum anderen plädierte der Papst für „eine Humanisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung". Der neue Moskauer Patriarch, Kyrill I., bekräftigte, was sonst nicht russisch-orthodoxe Art ist, die päpstliche Position; Verhütungsmittel seien weder eine geeignete Antwort auf die Krankheit noch auf die Probleme Afrikas. „Die Verbreitung dieser Krankheit wird nicht eingedämmt durch äußere Mittel zur Verhütung, sondern durch die richtige ethische Erziehung und einen vernünftigen Lebensstil, wie ihn auch die orthodoxe Kirche lehrt." So die offizielle Erklärung aus Moskau. Also eine doppelte Strategie der Kirche: Morallehre und praktische Hilfe. Denn, so Benedikt, die Kirche hege „eine wahre Freund- schaft auch und vor allem mit den Leidenden, und die Bereitschaft, bei ihnen zu sein". Die Kirche ist überall, auch in Afrika mit ihren unzähligen Krankenhäusern und Sozialstationen der größte Dienstleister für Gesundheitsfürsorge. Damit hat die Kirche - nicht nur im Hinblick auf Aids, sondern in allen Fragen des moralisch be- stimmten menschlichen Lebens, kontroverse Themen der westlichen Welt sind etwa Abtreibung und Euthanasie - ein ganz anderes Ziel als der mehrheitsbewusste Gesetzgeber in einer pluralistischen Demokratie. Im Zusammenhang mit dem neuen Unterhaltsrecht, im Nachdenken über Ehe und Familie brachte es die Bundesjustizministerin Zypries (SPD) auf ihren innenpolitischen deutschen Punkt: „Die Lebenswirklichkeit hat das Familienbild der (christlichen) Union überholt." Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Denn irgendein „Bild" von Ehe und Familie, für deren besonderen Schutz sie nach der Ver- fassung verantwortlich ist, wird Frau Zypries wohl auch haben, auch wenn es anders ist als das der CDU/CSU oder der Kirche. Im Extremfall - wenn man sich in einer pluralistischen Demokratie auf gar keine gemeinsamen Werte mehr einigen kann - blieben dann dem Gesetzgeber nur noch Reparaturmaßnahmen in der „Lebenswirklichkeit" für den Fortbestand der Gesellschaft, etwa für alleinerziehende Mütter und Väter. Das kann teuer werden. Die Kirche hingegen nimmt in der Tradition jeder großen Kultur und Weltreligion nicht hin, wie der Mensch - nach biblischer Lehre ein Sünder, nach Ansicht etlicher Denker „halb Engel, halb Tier" - sich so verhalten will. Sie hat das Ziel, die Menschen mit religiös und vernunftgemäß motivierten Leitlinien, Geboten und Verboten zu sittlich verantwortetem Handeln zu bewegen. Ihre Aufgabe sieht sie nicht darin, mit dem Hinweis auf praktische technische Hilfsmittel ihre Botschaft zu unterlaufen. So führt die Kirche seit Jahrzehnten einen Kampf gegen die bindungslose Freiheit im Geschlechtsverkehr, und versucht gemäß der Enzyklika Pauls VI. Humanae vitae sexuelle Akte an die Erzeugung von Nachkommen, das heißt an ethisch verantwortliches Verhalten zurückzubinden. Diese „Humanisierung der Sexualisierung", so sagt Benedikt, ist die päpstliche „Waffe" gegen Aids. Man kann das Weltfremdheit nennen. Aber verwunderlich bleibt, warum die Befürworter von Kondomen - der spanische Ministerpräsident Zapatero vorneweg - auch den Papst als Werbemann einsetzen wollen und ihn für seinen Widerstand so scharf tadeln. Die Päpste haben Ansehen und Einfluss bei den Gläubigen in Afrika, vielleicht gerade deshalb, weil sie sich nicht auf der Ebene von Kondomen bewegen.Moralische Prinzipien, die missfallen, kritisiert und bekämpft man gern mit dem Hinweis auf leichter einsichtige Werte oder Vorteile. Die Kirche hat Erfahrung darin, dass ihre Ideal-Lehren - etwa über Empfängnisverhütung und Geburtenkontrolle, über den Wert des Lebens von Anfang bis zum Ende, die Bindungsfestigkeit der Ehe und die Würde der Familie, über die Unterschiede zwischen Mann und Frau - stets mit den Hinweisen auf edle Absichten und beste Ziele attackiert werden, gern auch illustriert durch extreme Einzelfälle, die alle Ideale ad absurdum führen können. Wenn die kirchliche Skepsis gegen Kondome mit Millionen Toten, das Nein gegen die Abtreibung mit einem neun Jahre alten schwangeren Mädchen konterkariert werden, scheint die Empö- rung über den Papst immer gesichert. Entrüstung hilft jedoch wenig, wenn die Zukunft eines Kontinents gesichert oder erleichtert werden soll. Benedikt hat in Afrika unbeirrt seine Rolle wahrgenommen und unverdrossen seine moralische Botschaft verkündet, auch mit einem beachtlichen Plädoyer für die Würde der Frau. Die Afrikaner erhofften sich von ihm Mut für die Zukunft und umjubelten ihn deshalb. In den Widrigkeiten des Alltags helfen ihnen die vielen unermüdlichen Mitarbeiter in den kirchlichen Einrichtungen, so weit sie können. In Kamerun und Angola, bei den Ansprachen und Predigten wurde klar, dass das Schicksal Afrikas nicht an einem Gummibeutelchen hängt. Denn Benedikt XVI. war wirklich in Afrika. FAZ090324Heinz-JoachimFischer
Großmufti Scheich Munir, Kamerun
„Ein Missionar der Versöhnung und hoher Botschafter Gottes". Der Großmufti von Kamerun, Scheich Munir Foto, zeigt sich dankbar für den Besuch des Papstes in Kamerun
Nach der Begegnung des Heiligen Vaters mit Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Yaounde hatte Missio-Mitarbeiter Andreas Thonhauser die Gelegenheit zum Gespräch mit dem Großmufti von Kamerun, Scheich Munir, der auch Präsident der „Muslim World Organization of Peace and Development" und Präsident der „High Comission of the Muslims in Africa" ist. Wie verlief Ihr Treffen mit Papst Benedikt XVI.? Unsere Begegnung, gemeinsam mit 19 anderen Repräsentanten der Muslime in Kamerun, war geprägt von großer Wärme und gegenseitigem Respekt. Ich befürworte sehr, was der Papst bisher in seinem Amt gemacht hat. Ich begrüße den Dienst, den er an der gesamten Menschheit leistet. Unsere Zusammenkunft war wie ein Treffen einer Familie, der Familie Gottes. Gibt es keine Spannungen zwischen Christen und Muslimen im Kamerun? Es gibt kaum Spannungen. Kamerun ist Gott sei Dank ein Ort des Friedens. Hier ist eine friedliche Koexistenz zwischen den Religionen möglich und auch natürlich. Wir respektieren uns gegenseitig und kommen der Aufforderung des Papstes zur engeren Zusammenarbeit zwischen den Katholiken und den Muslimen sehr gerne nach! Welche Aussagen des Papstes während seines Aufenthaltes in Kamerun empfanden Sie als besonders wichtig? Was der Heilige Vater über HIV/Aids und über Kondome sagte, ist sehr zu begrüßen. Es steht im Einklang mit den heiligen Schriften. Ich habe ihm auch persönlich dazu gratuliert. Er sagte, dass Kondome die Probleme Afrikas nicht lösen würden, und das ist wahr. Wir Muslime applaudierten ihm, als wir von dieser Stellung- nahme hörten. Diese Aussage unterstreicht sein Image als tolerante und integrierende Persönlichkeit, denn er zeigt dadurch, dass er Afrika und die Menschen hier in ihrer Kultur ernst nimmt. Man darf nicht einfach davon ausgehen, dass Werte und Vorgaben, die vielleicht in einer europäischen Kultur funktionieren, auch hier auf unserem Kontinent ohne Probleme sind. Der Papst hat gezeigt, dass er die Menschen Afrikas versteht und respektiert. Das sind wichtige Zeichen für unsere Zeit! Warum sind diese Zeichen jetzt wichtig? Es ist an der Zeit, alle Mitglieder der Familie Gottes wieder zu einen. Es ist die Zeit der Versöhnung gekom- men. Es gibt zu viele falsche Propheten in der Welt, die Feuer zwischen den Gläubigen legen und sie aus- einander dividieren. Es herrscht große Unordnung. Deshalb ist Versöhnung so wichtig. Versöhnung zwischen den Religionen, den Kirchen und den Gläubigen. Und interreligiöser Dialog: das sind die besten Waffen gegen den Terrorismus. Der Dialog wird uns helfen, gemeinsame Wege zu finden. Wie werden Sie die Begegnung mit Papst Benedikt in Erinnerung behalten? Bevor wir auseinander gingen, wechselte ich noch ein paar persönliche Worte mit dem Papst. Wir sprachen über die Aggressionen, die es zwischen Katholiken und Muslimen mancherorts gibt. In Kamerun soll das niemals der Fall sein. Das sage ich als der Großmufti Scheich Munir. Großmufti dieses Landes. Die Wahre Rolle des Papstes ist es, ein Missionar der Versöhnung zu sein. Er ist ein hoher Pilger und hoher Botschafter Gottes. Er wird sich zu jeder Zeit der Unterstützung aller Organisationen, die ich repräsentiere, sicher sein können. Der Besuch des Papstes in Kamerun war für mich persönlich eine große Ermutigung. DT0903

“Ihr werdet meine Zeugen sein!” unter dem Wahlspruch lehrt das Bigard Memorial Seminary - das größte Priesterseminar der Welt. Nigeria ist bereit, Priester nach Europa zu entsenden. DT sprach mit dem Leiter des Instituts für Entwicklung,Gerechtigkeit und Frieden in Enugu (Nigeria) Prof.Obiora Ike. Fotos unten.

DT: Sie haben einmal auf einem Kongress gesagt, Nigeria ist ein Priesteramtskandidaten produzierendes Land. Woher kommt diese Dynamik? Prof. Obiora Ike: Die kommt vom Heiligen Geist, denke ich. Der Heilige Geist ermöglicht es, den Ruf Gottes zu hören und anzunehmen. Das nigerianische Volk ist dem Geist Gott gegenüber sehr offen. Mit zehntausend Priesteramtskandidaten ist Nigeria heute weltweit das Land mit den meisten Priesteramtskandidaten. In Zukunft wird Nigeria daher Missionare in die ganze Welt schicken. Jedes Jahr melden sich allein in meiner Heimatdiözese mehr als hundert junge Männer, die Priester werden wollen. Wir nehmen zehn bis zwölf. Und Nigeria hat 51 Diözesen. Warum lehnen Sie so viele Bewerber ab? Es gibt mehrere Gründe. Natürlich prüfen die Priester, die für Berufungen zuständig sind, sehr genau, ob die Bewerber die richtige Intention besitzen. Aber auch für diejenigen, die alle Kriterien erfüllen, gibt es nicht genügend Platz. Das Bigard Memorial Seminary, das größte Priesterseminar der Welt, sagt, jede Diözese soll nur zwanzig, höchstens fünfundzwanzig Kandidaten schicken. In Deutschland wird bisweilen unterstellt, geistliche Berufe verzeichneten in Afrika auch deshalb einen so hohen Zulauf, weil in ihnen eine Art Ticket in den Westen erblickt würde. Was antworten Sie so jemandem? Die, die bei uns Priester werden wollen, sind Menschen, die sich viel Mühe geben, den Ruf Gottes anzu- nehmen... Jemand, der in Afrika Priester werden will, ist kulturell betrachtet ein Nichts. Er heiratet nicht. Er hat keine Kinder. Er hat kein Eigentum. Er kann seinen Leuten nicht helfen. Die afrikanische Kultur ist eine Familienkultur. Dass jemand Priester für alle werden will, ist für viele Afrikaner völlig unverständlich. > Das vollständige Interview von Stefan Rehder mit Prof.Obiora Ike: www.die-tagespost.de
Bigard Memorial Seminary
Nigeria hat jetzt 10.000 Theologiestudenten für das Priestertum. Weltweit steigt die Zahl der Priesteramtskandidaten in der Kirche. Hier bringen wir eine Übersicht der Seminaristen in den großen katholischen Ländern der Erde im Vergleich der Jahre 1978 / 2001
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Seminaristen
|
1978
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2001
|
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Indien
|
4.674
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11.303
|
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Brasilien
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3.916
|
9.610
|
|
Polen
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5.327
|
6.767
|
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Philippinen
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3.757
|
6.755
|
|
Mexico
|
2.698
|
6.700
|
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Italien
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6.205
|
5.516
|
|
USA
|
8.639
|
5.080
|
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Kolumbien
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1.522
|
4.590
|
Unter Papst Johannes Paul II. erlebte die Kirche ein starkes Anwachsen der Seminaristen in den Priester- seminaren in Lateinamerika und Asien - und noch erstaunlicher ist die Zunahme in Afrika, wo sich die Zahl der Priesterstudenten während dieses Vergleichszeitraums verdreifacht hat. Dagegen steht ein leichter Rückgang der Priesterberufungen in Italien und eine erhebliche Verminderung der Seminaristen in den USA. Dieser Rückgang ist typisch für die reichen Nationen: Westeuropa, Nordamerika und Australien. Papst Johannes Paul II. erklärte diese Tendenz mit einem schleichenden Glaubensverlust in Europa, “wo man lebe, als ob Gott nicht existiere”. CT050605FrF.Marsden
Die Zahl der Priesterweihen und der Neueintritte in die Priesterseminare hat in Brasilien eine Rekordhöhe erreicht. Im Vorjahr seien im Land 220 Kandidaten zu Priestern geweiht worden - viermal so viele wie im Durchschnitt der neunziger Jahre. Zahlreiche Seminare hätten Wartelisten, weil sie räumlich ans Limit gekommen seien, so die Brasilianische Bischofskonferenz. Als Ursache für den Eintrittsboom nennen die Verantwortlichen eine seit dem Jahr 2000 stärker spürbare Religiosität der Jugend. Rv090405kap

Kardinal Tarcisio Bertone stellt das neueste statistische Jahrbuch vor - Die Kirche ist jung - und wächst 25 Jahre im Überblick OR070216
Nach Angaben des Päpstlichen Jahrbuchs von 2007 zählt die katholische Kirche 1,115 Milliarden Mitglieder (im Vorjahr: 1,098 Milliarden, im Jahr davor: 1,086 Milliarden), das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr (im Jahr davor 1,1 Prozent). Im Vergleich zur Weltbevölkerung beträgt der Katholikenanteil 17,2 Prozent (im Vorjahr: 17,1 Prozent). In jeder Stunde wächst die Kirche zur Zeit um 1.940 Mitglieder. Besonders stark ist die Anzahl der Katholiken letztes Jahr Afrika gestiegen (3,1 Prozent) und in Asien (2,7 Prozent), während die Katholikenzahl in Europa unverändert blieb. Erhöht hat sich gegenüber dem Vorjahr die Zahl der Priester um 520, und zwar von 405.891 auf 406.411. Von den Priestern sind 49,3 Prozent Europäer. Weltweit gibt es in der katholischen Kirche derzeit 2.915 Diözesen. Im letzten Jahr wurden 180 neue Bischöfe ernannt (im Vorjahr: 170); 12 Bistümer wurden neu gegründet (im Vorjahr 15), neun Erzbistümer (im Vorjahr: 1) und eine Apostolische Administratur (im Vorjahr: 1). Die Anzahl der Theologiestudenten in den Seminaren stieg im letzten Jahr um 1.395 auf 114.439 (Vorjahr: 113.044, im Jahr davor: 112.000). Von 100 Priesteramtskandidaten auf der ganzen Welt sind 32 Amerikaner (Vorjahr: 33 / vor 25 Jahren: 34), 26 Asiaten (25/18), 21 Afrikaner (20 / 9), 20 Europäer (22/37), und ein Kandidat kam aus Ozeanien (-). Seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. ist die Kirche wahrhaft universal geworden. Der Schwerpunkt verlagerte sich signifikant von der nördlichen Halbkugel des Globus auf die südliche. Besonders stark stieg die Zahl der Katholiken in den letzten 30 Jahren in Afrika von 55 auf 153 Millionen. Die afrikanische Kirche wuchs in dieser Zeit um 180 Prozent, die Kirche Asiens um 80 Prozent, die Kirche Amerikas um 48 Prozent, die Kirche Europas blieb auf gleichem Niveau. Jahrbuch 2008 vorgelegt Die Zahl der Katholiken ist weltweit leicht angestiegen. Die katholische Kirche zählte 2008 rund 1,166 Milliarden Gläubige, das sind 19 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Prozentual erhöhte sich der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung somit von 17,33 auf 17,40 Prozent. Das geht aus dem neuesten »Statistischen Jahrbuch der Kirche« hervor, das der Vatikan vor kurzem vorstellte. Der größte Anteil der Katholiken, 49,4 Prozent, entfällt demnach auf Nord- und Südamerika. In Europa leben 24,3 Prozent der Gläubigen. In den Jahren zwischen 2000 und 2008 hat sich die Zahl der Bischöfe von 4.541 um rund 10 Prozent auf 5.002 erhöht. Zugenommen hat nach Angaben des Zentralamtes für kirchliche Statistik auch die Zahl der katholischen Priester. Sie stieg von 405.178 im Jahr 2000 auf 408.024 in 2007 und 409.166 im Jahr 2008 an. Die Entwicklungen auf den verschiedenen Kontinenten weisen jedoch erhebliche Unterschiede auf. In Afrika stieg die Zahl der Priester von 2000 bis 2008 um 31,09 Prozent auf rund 35.600, wohingegen in Europa 2008 mit rund 193.000 Priestern 7,5 Prozent weniger Geistliche wirkten als acht Jahre zuvor. Geringfügig angewachsen ist weltweit auch die Zahl der Priesteramtskandidaten. Sie stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr um rund 1.000 auf 117.000 an. Der zahlenmäßig größte Anstieg ist in den vergangenen Jahren bei den Ständigen Diakonen festzustellen, deren Zahl sich von 28.000 (2000) auf 37.000 (2008) erhöht hat, was einer relativen Zunahme von 33,7 Prozent entspricht. Rückläufig ist hingegen die Mitgliederentwicklung der Frauenorden. Ihre Zahl sank von rund 800.000 Ordensschwestern im Jahr 2000 auf 739.000 im Jahr 2008. Die Zahl der nicht zu Priestern geweihten Mitglieder von Männerorden verringerte sich im selben Zeitraum um 0,76 Prozent auf 54.600. OR100504

Das päpstliche Jahrbuch »Annuario Pontificio 2011« wurde dem Papst überreicht Die katholische Kirche wächst weltweit wöchentlich um 287.000 Mitglieder
Europa ist nicht der Maßstab: Die katholische Kirche in der Welt wächst. 2009 hat die Zahl der Getauften – im Vergleich zum Jahr davor – um 15 Millionen zugenommen. Fast die Hälfte der Katholiken - 49,4 Prozent - lebt in Amerika; in Europa leben 24 Prozent, in Asien 10,7, in Afrika 15,2 und in Ozeanien 0,8 Prozent. Das geht aus der Statistik zum Päpstlichen Jahrbuch 2011 hervor, das Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone druckfrisch Papst Benedikt XVI. überreicht hat. In absoluten Zahlen gab es 2009 in allen Teilen der Welt zusammengenommen 1 Milliarde 181 Millionen Katholiken. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von 1,3 Prozent. Um genau denselben Anteil ist auch die Zahl der Bischöfe gestiegen, von denen es nun weltweit 5.605 gibt. Papst Benedikt schuf 2009 zehn neue Bischofssitze sowie zwei weitere ähnliche Verwaltungseinheiten, ein sogenanntes Exarchat und ein Vikariat. Mehr Priester Auch was die Zahl der Priester anlangt, setzt sich laut Angaben des Vatikans der weltweit positive Trend des letzten Jahrzehnts fort. Kontinuierlich hat in den vergangenen Jahren die Zahl der katho- lischen Priester. Zur Jahrtausendwende gab es 405.178 Priester, jetzt 410.593. Nur in Europa gibt es – analog zu den Gläubigen – weniger katholische Geistliche. 2009 war es auf dem alten Kontinent ein Minus von rund 0,8 Prozent bei den Diözesanpriestern und von rund einem Prozent bei den Ordenspriestern. In allen anderen Erdteilen nimmt die Zahl der Priester langsam, aber stetig zu. Geradezu sprunghaft stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Ständigen Diakone: plus 2,5 Prozent in einem Jahr. Bei diesem Trend macht auch Europa keine Ausnahme. Weniger Ordensfrauen Dramatisch bleibt der Schwund an Ordensfrauen. Auch wenn es in Afrika und Asien mehr Berufungen gibt, ist ihre Zahl, weltweit gemessen, in einem Jahr um 10.000 zurückgegangen und liegt jetzt bei rund 730.000. Die Seminaristen spiegeln die Entwicklung der Priesterzahlen. 2008 bereiteten sich 117.024 Seminaristen auf die Priesterweihe vor, im Jahre darauf 117.978. In der Weltkirche gibt es einen leichten Zuwachs, in Europa ein kräftiges Minus: um 1,64 Prozent weniger Priesteramtsanwärter in nur einem Jahr. rv110219gs
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und der Substitut im Päpstlichen Staatssekretariat, Erzbischof Fernando Filoni überreichen Papst Benedikt XVI. das erste Exemplar des diesjährigen Päpstlichen Jahrbuchs. Aus den Daten geht hervor, daß die Zahl der Katholiken weltweit auf 1,147 Milliarden gestiegen ist. Damit gab es Ende 2007 rund 16 Millionen oder 1,4 Prozent mehr Katholiken als im Jahr davor. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung der Erde liege konstant bei 17,33 Prozent. Zum Stichtag wirkten in der katholischen Weltkirche 4.946 Bischöfe in 2.936 Diözesen und kirchlichen Verwaltungsbezirken. Den höchsten Zuwachs bei den Katholikenzahlen gab es, wie dem neuen Päpstlichen Jahrbuch zu entnehmen ist, in Ozeanien mit 4,7 Prozent und in Afrika mit 3 Prozent. In Asien sei die Zahl der Katholiken um 1,7 Prozent und in Europa leicht um 0,8 Prozent gestiegen, während sie in Amerika geringfügig um 0,1 Prozent zurück- gegangen sei. Die Zahl der Priester, die bis zum Jahr 2000 ständig rückläufig war, hat laut Jahrbuch von 407.262 (Ende 2006) auf 408.024 (Ende 2007) weiter zugenommen. Den höchsten Anstieg habe es in Afrika und Asien mit 27,6 bzw. 21,2 Prozent gegeben. Während die Zahlen in Amerika in etwa konstant geblieben seien, habe es für Europa einen Rückgang um 6,8 und für Ozeanien einen Rückgang um 5,5 Prozent gegeben. Gestiegen sei hingegen im gleichen Zeitraum die Zahl der Ständigen Diakone um 4,1 Prozent auf knapp 36.000. Um 0,4 Prozent auf 115.919 sei hingegen weltweit die Zahl der Seminaristen in den Priesterseminaren zurück- gegangen. OR090306 Die Zahl der Katholiken ist Ende 2008 weltweit um 19 Millionen oder 1,7 Prozent auf 1 Milliarde und 166 Millionen Gläubige angestiegen. Das geht aus den im Päpstlichen Jahrbuch 2010 gesammelten Statistiken hervor, die Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone im Vatikan vorgestellt hat. Im Abgleich mit dem globalen Bevölkerungswachstum bedeutet das einen Anstieg von 17,33 auf 17,40 Prozent der Weltbevölkerung. Zwischen 2000 und 2008 habe es auch eine positive Entwicklung hinsichtlich der Priesterzahlen gegeben. Diese seien weltweit um 1 Prozent angestiegen. In Australien seien die Zahlen beständig gleich geblieben, während sie in Afrika, Asien und Amerika angewachsen seien. In Europa seien die Zahlen hingegen gesunken. Auch die Anzahl der Priesteramtsanwärter sei in Europa von 2007 bis 2008 abgefallen, um 4,3 Prozent. In Amerika sei die Zahl gleich geblieben, während sie auf den übrigen Kontinenten angestiegen sei. rv100220 Der »Annuario Pontificio« listet zudem auf rund 2.400 Seiten alle Diözesen, deren statistische Grunddaten sowie die Namen aller Bischöfe und Generalvikare auf. Im zweiten Teil des Bandes finden sich die Namen der Mitarbeiter der Römischen Kurie und ihre Zuständigkeitsbereiche sowie die Kongregationen, Päpstlichen Räte, Gerichte, Kommissionen und Komitees der kirchlichen Zentralverwaltung. Außerdem sind alle katholischen Männer- und Frauenorden sowie die katholischen Hochschulen aufgelistet. OR090306 Die Zahl der Katholiken 2008 ist weltweit leicht angestiegen. Das geht aus dem neuesten „Statistischen Jahrbuch der katholischen Kirche“ hervor, dass der Vatikan veröffentlicht hat. Danach zählte die katholische Kirche 2008 rund 1,166 Milliarden Mitglieder, das sind 19 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Prozentual erhöhte sich der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung somit von 17,33 auf 17,40 Prozent. Der größte Anteil der Katholiken, 49,4 Prozent, entfällt demnach auf Nord- und Südamerika. In Europa leben 24,3 Prozent der Gläubigen. Zugenommen hat nach Angaben des Statistischen Büros des Heiligen Stuhls auch die Zahl der katholischen Priester. Sie stieg von 405.178 im Jahr 2000 auf 409.166 im Jahr 2008 an. Die Entwicklungen auf den verschiedenen Kontinenten weisen jedoch erhebliche Unterschiede auf. In Afrika stieg die Zahl der Pries- ter von 2000 bis 2008 um 31,09 Prozent auf rund 35.600; hingegen wirkten in Europa 2008 rund 193.000 Priester - also 7,5 Prozent weniger als acht Jahre zuvor. Stark rückläufig ist hingegen die Mitglieder- entwicklung der Frauenorden. RV100427kipa Die Zahl der katholischen Priester weltweit ist leicht gestiegen. Darauf macht die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ aufmerksam. Nach neuen Vatikan-Zahlen habe es 2009 weltweit 410.593 Priester gegeben: das sind 1.427 mehr als im Jahr zuvor. Gegenüber dem Jahr 1999 ist die Zahl der Priester insgesamt um 1,4 Prozent angestiegen. Das Wachstum des Weltklerus betrug in diesem Zeitraum sogar 4 Prozent; die Ordenspriester verzeichneten jedoch einen Rückgang um 3,5 Prozent. Die Entwicklungen weisen in den Kontinenten erhebliche Unterschiede auf. In Nordamerika sank die Zahl der Weltpriester von 1999 bis 2009 um 7 Prozent, die der Ordenspriester um 21 Prozent; in Europa gab es insgesamt 9 Prozent weniger Priester, in Ozeanien war ein Rückgang von 4,6 Prozent zu verzeichnen; Afrika und Asien hingegen wiesen mit 38,5 Prozent beziehungsweise 30,5 Prozent kräftige Zuwächse auf; auch in Lateinamerika ist ein Anstieg zu beobachten. Insgesamt dominieren weiterhin die Europäer im Weltklerus. RVkna110212or

Christen und Muslime in Afrika südlich der Sahara
Die Zahl der Christen und der Muslime hat im vergangenen Jahrhundert in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara stark zugenommen. Dies ist das Resultat einer in Washington präsentierten Untersuchung des „Pew Research Center“, meldete der römische Pressedienst fides. Untersuchung stieg die Zahl der muslimischen Gläubigen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara von einer Million im Jahr 1900 auf 234 Millionen im Jahr 2010. Die Zahl der Christen stieg von sieben Millionen im Jahr 1900 auf 470 Millionen. Dies bedeutet, dass ein Fünftel aller Christen weltweit und ein Siebtel der Muslime in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara leben, schreibt fides. Die Autoren der Untersuchung stellten jedoch fest, dass der traditionelle afrikanische Glaube im Leben vieler Christen und Muslime weiterhin eine Rolle spielen. Christen und Muslime hätten im Allgemeinen ein positives Bild voneinander, allerdings wüssten sie relativ wenig über den jeweiligen Glauben der anderen. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass der religiöse Extremismus, auch innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft, vielen Afrikanern Sorge be- reitet. fidesRv100418kipa
Weltbevölkerung 2050: 9,1 Milliarden Menschen Mitglieder der katholischen Kirche 2010: 1,2 Milliarden > 2050: 2 Milliarden
Weltbevölkerung wächst auf 6,89 Milliarden Menschen Auf der Erde leben heute 6,89 Milliarden Menschen. Diesen neuen Höchststand gab die Stiftung Welt- bevölkerung bekannt. Die Weltbevölkerung wachse pro Jahr um etwa 80 Millionen Erdenbürger. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 9,1 Milliarden Menschen den Planeten bevölkern. In den 49 Ländern der Dritten Welt werde sich die Einwohnerzahl bis 2050 auf 1,7 Milliarden Menschen verdoppeln. HA100711epd Während die Weltbevölkerung jährlich um 1,16 Prozent steigt, liegt diese Zahl beim katholischen Anteil der Weltbevölkerung deutlich höher: 1,7 Prozent. Nach der Statistik der Stiftung Weltbevölkerung wird die katho- lische Kirche in den nächsten 40 Jahren um 800 Millionen Mitglieder wachsen. 100711kbwn
Japan: Katholische Kirche hat 1 Million Mitglieder
Nach einer Information der japanischen Bischofskonferenz hat die Zahl der katholischen Christen in Japan jetzt zum ersten Mal eine Million überschritten. Außer 450.000 katholischen Japanern leben hier 565.000 katholische Ausländer. Diese Zahl wird durch illegal eingereiste Ausländer noch höher liegen. Nach 55 Jahren Arbeit hat Japan bald die erste Bibelübersetzung in der Volkssprache. Das meldet die Nachrichtenagentur Fides. Erstellt vom Institut Studium Biblicum Franciscanum wurde der Text vor einigen Tagen in Tokyo dem Präfekten der Vatikanbibliothek, Kardinal Raffael Farina, übergeben. Es ist das erste mal, dass eine japanische Übersetzung von den Originalsprachen und der Vulgata ausgeht. Seit 1950 stand das Projekt unter Leitung des Franziskanerpaters Bernardin Schneider. RV110827fides
2.300 Taufen in Hong Kong
Nach einer breit angelegten Werbung konnten jetzt 2.300 Chinesen in die katholische Kirche der Diözese Hong Kong aufgenommen werden.

Mongolischer Bischof berichtet über Missionsarbeit
Der einzige katholische Bischof in der Mongolei, Wenceslao Padilla, hat in München eine Bilanz seiner Mission gezogen. Als er vor fünfzehn Jahren von Papst Johannes Paul II. in das ehemals kommunistische Land entsandt worden sei, habe es dort keinen einzigen einheimischen Katholiken gegeben, sagte der 57-Jährige gebürtige Philippiner. Inzwischen zählten 410 Gläubige zu seiner Gemeinde. Auf die Kirche aufmerksam ge- worden seien die Menschen durch deren soziales Tun. Padilla äußerte sich zum Auftakt des „Monats der Weltmission”, einer Kampagne des Internationalen Katholischen Missionswerks missio. Padilla setzt sich vor allem für die wachsende Zahl von Obdachlosen und Straßenkindern in den Städten ein. Zum Schutz vor der tödlichen Kälte richteten sich im Winter viele Arme in Heizungsschächten unter Straßen oder Treppen einen Schlafplatz ein. „Wir versorgen die Kinder mit Essen, Kleidung und medizinischer Hilfe.” Inzwischen sind ein Altenheim, ein Behindertenzentrum, ein Kindergarten und Schulen entstanden. Missionare müssten durch ihr Tun überzeugen, betonte der Bischof. Mission sei heute keine Einbahnstraße mehr, sagte der Münchner Kardinal Friedrich Wetter. Dies sei ihm bei seinen Reisen nach Afrika und Lateinamerika deutlich geworden. „Überall habe ich Gottesdienste gefeiert und eine Lebendigkeit erfahren, die ich mir auch bei uns hier wünschen würde.” DTkna071009 Mongolei bat Papst um Hilfe. Toleranz hat eine lange Tradition in der Mongolei 1991 wandte sich die Mongolei mit dem Wunsch, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, an den Vatikan. Sie bat die katholische Kirche um Hilfe im Aufbau ihres Landes und lud sie ein, Missionare zu entsenden. Ein Jahr davor hatte sich die „Volksrepublik Mongolei”, ein von der Sowjetunion gesteuerter Satellitenstaat, von der Fremdherrschaft befreit. 70 Jahre hatte das kommunistische Regime fast alles religiöse Leben in dem Nomadenstaat erstickt. Mehr als 700 buddhistische Klöster waren zerstört und Tausende Mönche ermordet worden. 1992 trat die neue demokratische Verfassung nach westlichem Vorbild in Kraft. Sie gewährt Religionsfreiheit. Toleranz gegenüber Religionen hat in der Mongolei eine lange Tradition. Anfang des 13. Jahrhundert lebten am Hof des Dschingis Khan Christen, Muslime und Buddhisten friedlich nebeneinander. Der Schamanismus ist die ursprüngliche Religion des Landes. Heute wird sie nur noch von einigen wenigen Anhängern praktiziert. Die Mehrheit der 2,5 Millionen Mongolen sind Anhänger des Lamaismus. Diese tibetische Form des Buddhismus etablierte sich Ende des 16. Jahrhunderts. missio071009 Mehr zum Thema: www.missio.de
Nepal: Priester ermordet
Ein katholischer Ordenspriester ist im Osten des Landes mit einem Sprengsatz getötet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Asianews”. Zeugen geben an, dass in der Nacht zum 01. Juli 2008 mehrere Bewaffnete in die Wohnung des 62-jährigen Salesianerpaters John Prakash in Siriya eindrangen. Kurz darauf sei eine Explosion erfolgt. Die Polizei vermute die Terroristengruppe „Terai Defence Army” hinter der Ermor- dung. Am Tatort wurden Flugblätter der Gruppe gefunden. Der Salesianerpater sei als Leiter einer katho- lischen Schule in der Vergangenheit mehrmals von der Terroristengruppe bedroht worden. Der aus Indien stammende Priester arbeitete seit zehn Jahren in Nepal; mit ihm lebten drei weitere Salesianer in Siriya. Laut „Asianews” handelt es sich um den ersten Mord an einem Priester in der Geschichte der katholischen Kirche in Nepal. Der Himalaya-Staat zählt nach Vatikan-Angaben rund 7.000 Katholiken - bei einer Gesamtbevölkerung von 25 Millionen. RVasianews080701mg Trotz der geplanten Antikonversionsgesetze steigt die Zahl der Katholiken in Nepal. Derzeit gibt es etwa 10.000 nepalesische Katholiken, 4.000 mehr als im Jahr der Proklamation des laizistischen Staates 2006. Die für eine Konversion obligatorischen Katechismuskurse seien überfüllt, berichtet der Katechismuslehrer Bhim Rai der Agentur „Fides“. Durch die neuen Gesetze würde jedwede Äußerung über den Glauben als Proselytismus ausgelegt und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Zwischen 2007 und 2009 war die katholische Kirche Nepals zahlreichen Übergriffen von hinduistischen Extremisten ausgesetzt, berichtet Pater Robin Rai. Nach Angaben des Priesters habe sich jedoch die generelle Situation der Katholiken in den vergangenen Jahren verbessert, sodass sich Priester in Nepal wieder sicherer fühlten. RV111022fides
Islamlehrer bekehrt sich zum Christentum: Gefängnis
In Ägypten ist ein früherer Islamlehrer wegen seiner Hinwendung zum christlichen Glauben eingekerkert worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur „idea”. „Ich bin im Gefängnis, weil ich durch meine Bekehrung zum Christentum den Islam beschimpft haben soll”, sagte Ahmed Hussein el-Akkad. Er war jahrelang Imam und Mitglied einer radikalislamischen Vereinigung in einem Vorort von Kairo. Wie das Hilfswerk Open Doors berichtet, sei er mit Christen in Kontakt gekommen, habe begonnen, die Bibel zu lesen, und sei schließlich vom Islam zum Christentum übergetreten. Darauf habe ihn die ägyptische Geheimpolizei verhaftet. Seit 18 Monaten sitze er bereits im Gefängnis. Sein Anwalt habe bisher vergeblich versucht, seine Freilassung zu erwirken. DT070103
Ein katholischer Inder ist auf den Malediven verhaftet worden.
Der 30jährige Lehrer war von seinen Kollegen angezeigt worden, als er versehentlich ein Bild einer Madonna und einige Marienlieder auf den Schulcomputer transferiert hatte. Außerdem besaß er eine Bibel und einen Rosenkranz, was auf den Inseln verboten ist. Auf den Malediven ist der Islam Staatsreligion und es besteht keine Religionsfreiheit. Seit 2008 ist es unmöglich, als Nichtmuslim die maledivische Staatsbürger- schaft zu bekommen. Die fehlende Religionsfreiheit sei für das Touristenparadies Malediven geradezu paradox und zudem eine Verletzung der Menschenrechte, sagte der Präsident des Rats indischer Christen, Sajan George. RV111007asianews
Religionsfreiheit in allen islamischen Staaten eingeschränkt
In keinem der 57 islamischen Länder gibt es Religionsfreiheit nach westlichem Verständnis. Dieses Urteil fällte der Leiter der Evangelischen Karmelmission, Martin Landmesser, beim Jahresfest des Werkes in Schorndorf. Für den Islam sei Religionsfreiheit lediglich das Recht, die Botschaft Allahs zu propagieren. Muslime dürften den Islam nicht verlassen. Für sie gelte das Vorbild Mohammeds, der zum Töten von Personen aufgerufen habe, die sich vom Islam abwenden. Deshalb würden missionarische Aktivitäten von Christen konsequent bekämpft. Für Missionare sei die islamische Welt gefährlicher, als es kommunistische Diktaturen jemals gewesen seien. Auch im traditionell toleranten Indonesien spitze sich die Lage für Christen immer weiter zu, weil das islamische Recht in dem bevölkerungsreichsten islamischen Land flächendeckend eingeführt werde. rvIDEA080701mg
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