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Wunder & Zeichen

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In der Wunderfrage schlummere die Gottesfrage hat Papst Benedikt XVI. mehrmals festgestellt. Nach einer Zeit der „Entmythologisierung”, die den Tod des Wunderbaren angesagt hatte, bemerken viele irritiert: Auch in der skeptischen Welt des Westens hat die Sehnsucht nach dem Wunderbaren überlebt. Gerade aber die katholische Kirche hütet in ihrem Schoß das Wunder als den Abdruck der Unfassbarkeit des allwissenden Gottes in der Endlichkeit. Das Christentum entsteht aus dem Ur-Wunder der fleischgewordenen Liebe Gottes und dem Wunder des leeren Grabes. Wunder wegzurationalisieren hieße, Gott selbst in den engen Bahnen einer einseitig definierten menschlichen Rationalität gefangen zu nehmen, nach dem Motto: „Sein kann, was sein darf.” ArminSchwibachDT060727

   Überraschende Nachrichten aus Manoppello, dem kleinen Abruzzenstädtchen in Mittelitalien

 Hier, an diesem abgeschiedenen Ort, soll in einem Kapuzinerkloster
die “Veronica”, die vera icona, der Schleier mit dem wahren Bildnis Jesu,
das bis ins 17. Jahrhundert im Besitz von St. Peter in Rom war und seitdem als verschollen galt,
verehrt werden.

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Benedikt XVI. kam nicht nach Manoppello, um die Echtheit des „Volto santo“ zu bezeugen

 Um das „Heilige Antlitz“ zu sehen hat Papst Benedikt XVI. am eine kurze Pilgerfahrt unternommen. Von seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo aus ging es mit dem Hubschrauber hinein in die Abruzzen zum Städtchen Manoppello. Als „privat” war sein Ausflug im Vatikan bezeichnet worden, eine Privatreise, die allerdings Auswirkungen auf die katholische Volksfrömmigkeit rund um die Welt haben könnte. Denn das Heilige Antlitz von Manopello ist ein eigenartiges, faszinierendes Bild. So könnte der Jesus ausgesehen haben. Darauf verweist der päpstliche Besuch.
   Etwa zehn Minuten betet Benedikt XVI. am Hochaltar in der Kirche der Kapuziner-Mönche, etwas außerhalb von Manoppello am Berg gelegen. In einem schmuckreichen goldenen Reliquiar ist das Bildnis ausgestellt, ein Schleiertuch, 17 mal 24 Zentimeter messend, also in der natürlichen Größe eines menschlichen Gesichts, durchsichtig wie ein Diapositiv, von beiden Seiten zu betrachten. Es ist das Gesicht eines jungen Mannes mit weit geöffneten Augen, in den Farben von heller Haut und blutigen Stellen, mit langen schwarzen Haaren und einigen Bartpartien. Die Gesichtszüge nicht glatt und ebenmäßig, sondern leicht verdreht. Das Porträt eines Menschen, der gelitten, Schmerzen empfunden hat. Dieses Bild ist nicht gemalt. Denn das Muschelseidentuch ist aus Perlmuttfäden gewebt, einem Stoff, der sich nicht bemalen lässt. Da war jemand anderer am Werk.
    Die Bibel berichtet im Evangelium nach Johannes, im 20. Kapitel, vom Besuch der Jünger Jesu am Grab des am Kreuz gestorbenen Jesus: „Da kam Simon Petrus und ging hinein in das Grab und sieht die Binden gelegt und das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht zu den Binden gelegt, sondern beiseite, zusammengewickelt, an einen besonderen Ort gelegt.” War dies die Geburtsstunde der christlichen Dar- stellungskunst, im Unterschied zu den Religionen der Juden und des Propheten Mohammed, die einschärften, sich von Gott kein Bild zu machen? Wenn aber Christus selbst ein Abbild von sich hinterlassen hat?
   So groß war schon früh das Bedürfnis der Christen nach Verehrung durch Anschaulichkeit, dass sich außer- halb der kanonisierten Überlieferung die Legende herausbildete, Jesus habe bei seinem Kreuzweg einer der „Frauen von Jerusalem”, die ihm aus Mitleid ein Schweißtuch gereicht habe, darauf den Abdruck seines Antlitzes hinterlassen, einer „Veronica”, deren Name leicht aus dem lateinisch-griechischen „vera-icona" (wahres Bild) abzuleiten ist. In dem „Volto Santo” von Manoppello scheinen beide durch die Jahrhunderte stets verfolgbare Traditionen zusammenzulaufen, sich untrennbar zu verbinden.
   Das „Schweißtuch der Veronika” (nach dem Lukas-Evangelium) wäre dann das Gesichtstuch Jesu im Grab? In diese Richtung gingen die wissenschaftlich geprüften Erkenntnisse der deutschen Ordensschwester Blandina Paschalis Schlömer, die eine „Deckungsgleichheit” des Schleiertuchs von Manoppello mit der „Sacra Sindone”, dem großen Leichentuch im norditalienischen Turin, feststellte. Maße und Gesichtszüge hier wie dort stimmen überein. Hier wie dort kann alle Wissenschaft nicht letzte Klarheit schaffen, weder über die Datierung der Stoffe noch über die Entstehung des Abbildes.
   Die Geschichte in Manoppello beginnt im Jahr 1506. Das 500. Jubiläum bot den Grund für den päpstlichen Besuch. In jenem Jahr - Julius II. ging in Rom an den Neubau von Sankt Peter - sei, so heißt es, das Schleiertuch in den abgelegenen Abruzzenort gekommen. Oder vielleicht erst 100 Jahre später, wie der gelehrte Kunsthistoriker Heinrich Pfeiffer, Mitglied des Jesuitenordens und Professor an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom, nach genauen Forschungen herausgefunden hat, als bei einer weiteren Bauphase der Petersbasilika die im ganzen christlichen Europa verehrte Reliquie der „Veronica”, das Schweiß- tuch, verloren ging. Pater Pfeiffer förderte Erstaunliches für den möglichen Weg des Schleiertuchs über die bald eineinhalb Jahrtausende vor 1506 zutage. Muss man das alles glauben? Glaubt es Benedikt? Für Benedikt ist die lange Geschichte des Christentums, wie er in seiner Ansprache ausführte, von den Erzählungen der Bibel angefangen, eine „Suche nach dem Antlitz Christi, um Gott zu finden und die Straße unseres Lebens, gegen Egoismus und Gleichgültigkeit”. Über die „Echtheit”, über die Authentizität stellte der Papst keine Spekulationen an. Wichtig für ihn ist, dass das Christentum - wegen der Menschwerdung Gottes nach dem Glaubensbekenntnis - eine Schau-Religion mit göttlichen Bildern ist und bleibt. So hat es die die Kirche immer gehalten. Gegen zu wenig und gegen zu viel Bild-Frömmigkeit  zog schon das Konzil von Trient in seiner Sitzung vom 3. Dezember 1563 klare Grenzen, gegen weit verbreiteten Aberglauben, für eine Reform in der katholischen Kirche (in der Vorzeit von Manoppello): „Ferner soll man den Bildern Christi ... die schuldige Ehre und Verehrung erweisen, nicht weil man glaubte, in ihnen sei irgendeine Gottheit oder Kraft, wie es einst von Heiden getan wurde: sondern weil die Ehre, die ihnen erwiesen wird, sich auf die Urbilder bezieht, die jene darstellen.” Missbräuche und Irrtümer sollen vermieden, auch „jeder schändliche Gelderwerb soll ausge- schaltet” werden. Dann aber, so heißt es feierlich,„wird aus allen heiligen Bildern ein großer Nutzen gezogen”.
   So wollte Benedikt in seiner Predigt an die Priester, Ordensleute und Theologiestudenten die Suche nach dem Antlitz Gottes verstanden wissen. „Dies ist ein Ort, an dem wir über das Geheimnis der göttlichen Liebe meditieren können, während wir die Ikone des göttlichen Antlitz' Christi betrachten”, sagte der Papst. „Sucht das Antlitz Christi und lernt es kennen”, sagt er dann zum Abschied vor der Kirche den zehntausend Pilger, die den Tag in Manoppello vebrachten. Mehr als seine vorsichtigen Worte drückte das minutenlange Verharren vor dem „Heiligen Antlitz” aus, dass die Zeit der Bild-Distanz, der Furcht vor sichtbarer,  volkstümlicher Frömmig- keit in der katholischen Kirche vorbei ist. Vom Besuch Benedikt XVI. in Manoppello hatten sich viele ein Bekenntnis zur Echtheit des „Heiligen Gesichts” Christi versprochen. Doch Benedikt ließ sich darauf nicht ein. 
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   Seit zwei Jahren wird über ein wieder entdecktes Wunder diskutiert. Der Gegenstand ist ein kleiner Textil- schleier, 17 Zentimeter breit und 24 Zentimeter lang. Er wird in einem kleinen Dorf in den Abruzzen aufbewahrt. Auf ihm ist das „Volto Santo” eingeprägt, wie es dort heißt, das Heilige Antlitz Christi. Es soll sich dabei um jenen Schleier handeln, der das Angesicht des gestorbenen Jesus im Grab bedeckte - über oder unter jenem langen Leintuch, in das sein gefolterter Körper gehüllt worden war, und das in Turin als „Santa Sindone” bekannt ist: das Turiner Grabtuch.
   Seit 1986 beschäftigt sich der Sindonologe, Kunsthistoriker und Theologe Heinrich Pfeiffer SJ zusätzlich zu diesem Grabtuch jedoch auch noch intensiv mit dem Schleierbild von Manoppello. Für ihn besteht kein Zweifel, dass es sich dabei um ein „zweites Grabtuch” handelt, oder anders, um das so genannte „Schweißtuch der Veronika”, das vom Jahr 708 bis um das Jahr 1600 im Vatikan aufbewahrt wurde. Um 1608 sollen sich seine Spuren verloren haben, bevor es im Jahr 1648 dann wieder im Kapuzinerkonvent in Manoppello auftauchte. Für Pfeiffer ist dieses Bild des „Volto Santo” ein nicht von Menschenhand geschaffener Gegenstand. Es ist Werk Gottes.
   Auch der jüngste Filmbeitrag Ingo Langners „Manoppello - Das wahre Gesicht Christi?” (im 3SAT), weitere Ausstrahlungen sind vorgesehen) folgte dieser Spur - entlang den Schritten der Recherchen Baddes. Der Regisseur und Autor ging zunächst vom Wunder des Bildes aus; vom geheimnisumwitterten Material, aus dem der Schleier gewoben ist. Bis hin zu gewissen optischen Eigenschaften des Bildes schien es zunächst in den Bereich des Unerklärlichen zu fallen. Denn das Geheimnis fängt ja schon bei dem Material des Gewebes an. Aus dem feinsten, legendenumwobenen Stoff der Antike, Byssus genannt, soll das Tuch sein: Perlmuttfäden, mit denen sich die größte Mittelmeermuschel (die „Pinna Nobilis”) am Meeresboden verankert - schwer zu gewinnen, und noch schwerer zu verarbeiten, wohl das kostbarste Rohmaterial. Päpste und Könige schmückten im Mittelalter ihre Gewänder mit Stickereien aus dieser glänzenden goldfarbenen Muschelseide, die nicht zu bemalen sei. Auf unbemalbarem Gewebe habe sich hier also nach der Überzeugung Pfeiffers und Baddes das Antlitz Christi abgebildet.

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  Als Kronzeugin für die Art des Gewebes wird die einzige lebende Byssus-Weberin Chiara Vigo aus Sardinien zitiert. Sie sieht sich in einer antiken Nachkommenschaft, die bis in die Zeit der Phönizier zurückreicht und Berenike, die Geliebte des Kaisers Titus und Tochter des Königs Herodes, als eine Art Stammesmutter kennt. Von Generation zu Generation sei unter ihnen das Wissen um die Gewinnung der Muschelseide weitergereicht worden. Vigo begründet so die Art des Stoffes. Ein exakter wissenschaftlicher Beweis steht aus. Dazu müsste der Leone ein winziger Faden entnommen werden, was wohl nur der Papst verlangen könne.
Changierende Bilder auf Seide - das gibt es öfter
  Je nach Lichtverhältnissen verschwindet und manifestiert sich das Bild - ein zunächst verblüffendes Phänomen. Es ist jedoch ein Phänomen, das Langners Film auch mit einem bedruckten feinen Seidentuch wiederholen lässt - freilich nicht das eigentümliche Phänomen des Changierens der Farben und des Ausdrucks des „Volto Santo” in wechselndem Licht.
  Pfeiffer erkennt im „Volto Santo” das Urbild aller Bilder, die Vorlage der gesamten Christusikonographie. Aber das ist nicht alles: Das Bild spreche, es sei ein Schleier, der statt zu verhüllen enthülle. Für ihn ist sogar klar: Keine Theologie, keine Vernunftwissenschaft kann es mit diesem Wunder aufnehmen. Mehr noch: Dieses wunderbare Bild verbiete fast jede Anfrage, die eine vernünftige Begründbarkeit verlangt. Doch diese Meinung verletzt natürlich die theologischen und philosophischen Bemühungen von zwei Jahrtausenden.
  Was ist also das „Volto Santo” von Manoppello beim gegenwärtigen Stand der Dinge? Eine verehrungs- würdige Ikone mit ungewisser Herkunft, die seit mindestens 400 Jahren nie zur Untersuchung aus dem Glas ihres Rahmens herausgenommen wurde  - und die in verblüffender Weise mit allen Ur-Ikonen Christi kom- patibel ist. Ob das Bild „schön” ist, muss dem Urteil des Betrachters überlassen werden.  Das Bild zieht an, unabhängig davon, wie es gesehen wird.
ArminSchwibachDT060727

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MANOPELLO - Die Wallfahrtskirche zum Volto Santo

    Der deutschen Jesuitenpater und Kunsthistoriker Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer SJ. hat die Tuchreliquie von Manoppello unter den verschiedensten Gesichtspunkten untersucht. Auf Grund seiner jahrelangen For- schungen hält er die Tuchreliquie von Manoppello für das Original des heiligen Schleiers, der einst zusammen mit dem Grabtuch (das heute in Turin aufbewahrt wird) den Leib des gekreuzigten Jesu eingehüllt hatte. Diese von der Wissenschaft bislang unbeachtete Tuchreliquie, wird in der Kirche des Kapuzinerklosters im Abruzzenstädtchen Manoppello aufbewahrt. Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer ist überzeugt , dass dieser Schleier (17 x 24cm) das wahre Antlitz Christi ist.

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 Bislang hat sich die Wissenschaft nur dem Grabtuch in Turin, der so genannten Sindone (4,36x1,10m), intensiv gewidmet, in das nach Aussagen der Evangelisten Mathäus 27,59, Markus 15,46; Lukas 23,52 der Leib Jesu gewickelt wurde. Das Grabtuch von Turin gilt vielen als Original und soll den Abdruck des Körpers Jesu zeigen. Es ist die am besten untersuchteste Reliquie der Christenheit, sogar ein eigener Wissenschafts- zweig, die Sindonologie, beschäftigt sich damit. Diese nahm jedoch erstaunlicherweise von dem Schleiertuch in Manoppello kaum Notiz. Im Kapuzinerkloster von Manoppello wird die Tuchreliquie auf dem Altar aufbewahrt. Sie befindet sich zwischen zwei Glasplatten. Es ist ein zartes, transparentes weißes Gewebe, auf dem man erst bei genauem Hinsehen, nicht gegen helles Licht (dann verschwindet das Bild), sondern gegen einen abgeschatteten Hintergrund betrachtet, ein perfektes plastisches Gesicht entdeckt, dessen Farbe zwischen braun und grau changiert. Die Lippen sind leicht rötlich gezeichnet. Der Eindruck ist so plastisch, dass man glaubt, ein menschliches Gesicht zu sehen. Wie die Untersuchungen von Prof. Donato Vittore der Universität Bari jedoch beweisen (Digitalaufnahmen und ultraviolettes Licht), ist keine Farbe aufgetragen. Besonders markant sind kleine rostbraune Flecken von einer Flüssigkeit (Blut?), die sich entlang der Stoff-Fasern ausgebreitet hat. In der Mitte sind kleine Punkte zu erkennen. Sind es die Stellen, an denen die Dornenkrone die Haut verletzt hat?
   Schon beim ersten Blick war es für Pater Pfeiffer klar, dass es sich hier um eine einzigartige Reliquie handeln muss,  und zwar um die Vera Icona, das Schleiertuch mit dem ‚wahren Antlitz’ von Jesus Christus. Sofort be- gann er mit seinen intensiven Forschungen und der Suche nach Belegen dafür in Archiven.
   Vom 12. Jahrhundert bis ins Jahr 1608 war die Vera Icona in der Peterskirche in Rom das Pilgerziel Zehn- tausender. (Dante, XXXI. Gesang des Paradieses). Dann wurde sie der Verehrung entzogen. Warum? Ein Teil der alten Peterskirche wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts abgerissen, dann 1608 ein weiterer Teil mit der Kapelle, die eigens für die Tuchreliquie errichtet worden war. Danach bricht diese Tradition ab. Worauf stützt sich nun die These von Pater Pfeiffer, dass es sich bei dem Schleiertuch  von  Manoppello  um jene Reliquie aus St. Peter handelt? Es ist bekannt, dass es sich seit etwa 1622 im Kapuzinerkloster in den Abbruzzen befindet. Des weiteren gibt es zwei Aufzeichnungen in der „Relazione historica” des Historikers Donato da Bomba, einem Kapuzinermönch des Klosters an den Genaralminister des Ordens. Eine wird im Archiv der Kapu- ziner in Aquila aufbewahrt und die andere im Archiv des Klosters. Demnach soll eine Soldatenfrau Anfang des 17. Jahrhunderts für 400 Scudi, damals eine sehr hohe Summe,  das Tuch einem Adeligen namens De Fabritiis verkauft haben, der es dann dem Kapuzinerkloster von Manoppello notariell beglaubigt geschenkt hat. Warum hat das Kloster über den Besitz des Schleiers geschwiegen? Wohl aus Angst; denn die Kapuzinermönche mussten seinerzeit den Neuerwerb geheim halten,  hatte doch Papst Urban VIII. den Befehl erlassen, alle Kopien der Tuchreliquie von St. Peter zu vernichten, die damals fleißige Kopisten in großer Zahl angefertigt hatten. Damit wollte er die Unsitte beenden, die es Pilgern ermöglichte, in Erinnerung an ihre Wallfahrt, Kopien der Vera Icona als Souvenir zu kaufen. Unklar bleibt aber, warum in all den Jahrhunderten nichts über den Verlust dieser einzigartigen Reliquie bekannt wurde.
  Weitere Nachforschungen von Pater Pfeiffer betreffen die Geschichte des Schleiertuches vor dem 12. Jahr- hundert, denn erst seit dieser Zeit gibt es historisch belegte Daten. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Vera Icona in einer Kapelle von St. Peter in Rom aufbewahrt, die Papst Johannes VII. im Jahre 705 aufwendig und mit kostbaren Mosaiken geschmückt errichten ließ. Es war genau in jenem Jahr als sich in Konstantinopel die Spur von einem besonderen Tuch mit der Darstellung Christi verliert, das als Acheiropoietos, was ‚göttliche Kunst‘ heißt, bezeichnet wird. Aus Siegesgedichten und Überlieferungen weiß man, dass es damals in der byzantinischen Hauptstadt ein Schleiertuch mit der Darstellung Christi gab, das den Truppen als Reichspanier diente. Wenn es auch viele historische Belege für die Existenz eines Grabtuches gibt, so gibt es doch in Zusammenhang mit dem Grabtuch von Turin noch ungelöste Fragen. „Was den Körperabdruck betrifft, so stehen wir bei der Vera Icona aus Manoppello wie auch beim Grabtuch von Turin vor einem Rätsel”, betont Pater Pfeiffer. In seinem Buch ‚Das Echte Christusbild‘’ (Verlag Knecht 1991) legt er ausführlich dar, dass es sich bei dem Abdruck des Turiner Leichentuchs nur um den eines lebendigen Körpers handeln kann. Der Körper muss Energie ausgestrahlt haben, ein toter Körper kann das gewöhnlich nicht. Somit ist seiner Meinung nach das Turiner Grabtuch zugleich auch ein Beweis für die leibliche Auferstehung von Jesus Christus. Da das Turiner Grabtuch und das Schleiertuch von Manoppello deckungsgleich sind, müssen beide auf dem Körper Christi gelegen haben und zeigen somit ein und dasselbe‚ ‘wahre Antlitz’.

Sucht mein Angesicht! Autor Paul Badde hat ein Buch über das Muschelseidentuch von Manoppello vorgelegt

   Wie schön, dass es noch Geheimnisse gibt. Dinge, die man einfach nicht erklären kann. Wunderbares, das der Erklärungswut selbst des abgeklärtesten Skeptikers standzuhalten vermag.
   Etwas Geheimnisvolles eben.
   Wenn man die Autobahn von Rom nach Pescara mitten in den Abruzzen verlässt und sich über viele Serpentinen Richtung Manoppello in die Höhe schraubt, stößt man hin und wieder auf ein Hinweisschild, auf dem „Volto santo” (Heiliges Antlitz) steht. Auf einem hauchdünnen Tuch, so hat man uns gesagt, soll ein Porträt des Messias, ja das Urbild Jesu Christi zu sehen sein.
Ein Abbild und nicht die geringste Spur von Farbe
   Wer Glück hat, und das Fünftausend-Seelen-Dorf an einem ruhigen Tag erreicht, steht vielleicht ganz allein vor dem breiten Treppenaufgang zur Pilgerkirche von Manoppello und kann sich dem „Heiligen Antlitz” in aller Ruhe nähern. Und wer noch mehr Glück hat, gelangt nicht nur ungestört durch das dunkle Kirchenschiff bis zum Altar, hinter dem zwei Treppen hinauf zu der Vitrine mit dem geheimnisvollen Tuch führen, sondern begegnet auch der „Wächterin” des Gesichts: Schwester Blandina, einer deutschen Ordensschwester, die oben in den Abruzzen zur Einsiedlerin geworden ist, um das Tuchbild zu verehren und zu schützen.
   Glück hat man, wenn man auf sie trifft, weil Schwester Blandina mit einem kuriosen Lichtspiel zeigen kann, welche Bewandtnis es mit dem Tuch auf sich hat. Kleine Lampen sind in der Vitrine angebracht und beleuchten das Bild von oben und der Seite. Je nachdem, welche Strahler aus und welche eingeschaltet sind,  verändert sich der Gesichtsausdruck des Mannes, der auf dem zarten Stoff zu sehen ist. Man kann aus nächster Nähe auf das Tuch schauen, von links, geradeaus oder von rechts, stets behält einen das Gesicht fest im Blick. Dann geht Schwester Blandina durch das Kirchenschiff und öffnet das große Eingangsportal. Helles Licht fällt auf das Tuch - und das Gesicht verschwindet. Nur noch das feine Geflecht der Stofff-Fäden ist zu sehen, aber nicht die geringste Spur von Farbe. Der Mann ist weg.
   Das 17 mal 24 Zentimeter große und zwischen zwei Glasplatten gespannte Tuch ist ein Rätsel. Vor fünf- hundert Jahren soll es nach Manoppello gekommen sein, zu der Zeit etwa, als in Rom der „neue” Petersdom errichtet wurde. Das Abbild hat etwas Gemaltes - leicht gewelltes Haar umrahmt das Gesicht, Nase und Wange zeigen Schwellungen, schütteres Barthaar über den Mundwinkeln, weit geöffnete Augen und ein kleines Haarbüschel fällt in die Stirn -, bis im Wechselspiel des Lichts die Veränderung des Gesichtsausdrucks beginnt und das Bild im Gegenlicht dann ganz verschwindet. Paul Badde, Buchautor und Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt” in Rom, hat dem „Volto santo” eine Monate währende Arbeit gewidmet. „Das Muschelseidentuch” lautet der Titel des Buchs, das dabei herausgekommen ist. Denn dass das Tuch von Manoppello aus Byssus ist, einem hauchfeinen Gewebe, das aus den Fäden der „Edlen Steckmuschel” gewonnen wird und in der Antike der kostbarste Stoff überhaupt war, ist eine der Entdeckungen, von denen Badde berichtet (und die er einem Muschelessen mit Schwester Blandina verdankt).
Wie kam das Gesicht auf das Muschelseidentuch?
   Wie das geschundene Gesicht des Mannes vor sehr langer Zeit auf das Muschelseidentuch gekommen ist, kann auch Badde nicht erklären  - obwohl er am Ende eine Andeutung wagt. Schön, dass es noch Geheimnisse gibt, die auch solche bleiben.
Reise in die Welt der Reliquien und Ikonen
   Badde nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Welt der Reliquien und Ikonen, in deren Verlauf deutlich wird, welche Bedeutung diese heiligen Gegenstände für die Christenheit früher hatten. Wer weiß heute noch, dass die kostbarste Reliquie Roms die „Sancta Veronica Ierosolymitana”, der sogenannte Schleier der Veronika war, von dem seit dem sechsten Jahrhundert berichtet wird und der ab dem achten Jahrhundert sicher bezeugt ist. Auch dieser Schleier zeigte ein Bild, das „vera eikon”, das „wahre Bild” Christi. Seit dem Mittelalter verbindet sich die Veronika-Legende mit dem Schleier, der bis zum Bau des Petersdoms Millionen Pilger nach Rom zog. „Veronika” - „vera eikon”: Die Ähnlichkeit der Namen legt nahe, wie die Legende von einer Frau dieses Namens, auf deren dem leidenden Herr hingereichtes Tuch Jesus sein Antlitz hinterlassen haben soll, entstanden sein könnte.
„Objekt in Auflösung”: Plötzlich brach die Verehrung ab
   Tatsache ist jedoch, dass dieser Schleier offenbar verschwunden ist. In der Zeit, als die Päpste den heutigen Petersdom bauen ließen, brach die Verehrung der Veronika ab. Der deutsche Doktor Martin Luther erkannte „nichts denn ein schwartz Bretlin, viereckt”, als er das „wahre Bild” in Rom sehen wollte. Auch das, was heute im mächtigen Veronika-Pfeiler des Petersdoms aufbewahrt wird, ist laut Badde, der sich die „Sancta Veronica Ierosolymitana” im Veronika-Pfeiler des Petersdom anschauen durfte, nur noch ein „Objekt in Auflösung”, ein „fleckiger dunkler grau-schmutziger Stoff ohne jede Kontur”, vor allem aber „ohne jede Zeichnung oder Farbe”. Die Veronika des Vatikans, so das Resümee des Autors, „ist das pure Nichts”.
   Wo aber ist der Schleier heute, der früher Heerscharen von Wallfahrern nach Rom gelockt hat? Seit vier-, fünfhundert Jahren ist im Petersdom nur noch ein dunkler Fetzen Stoff zu sehen. Und seit vierhundert Jahren wird in Manoppello das „heilige Antlitz” verehrt. Badde  zitiert aus einem Brief, den er am 6. August 2004 an Johannes Paul II. geschrieben hat und in dem es um das verschollene Antlitz Christi, „dem kein Bildnis auf der Erde gleicht”, heißt: „Es befindet sich in der Obhut der Kapuziner von Manoppello in den Abruzzen, in der Diözese Ghieti, wo es von der Bevölkerung seit vierhundert Jahren als ,Volto Santo' verehrt wird. Durch die Jahrhunderte haben viele Quellen davor von demselben Bild als ,Veronika' (oder vultus sancti) gesprochen - und vieles spricht dafür, dass die kostbare Reliquie eines Tages auf mysteriöse Weise aus dem Vatikan verschwunden ist, wo sie lange in der Veronika-Kapelle der alten Konstantinischen Petersbasilika aufbewahrt wurde. Sie passt perfekt in den alten Rahmen der Veronika, der heute noch in der Schatzkammer von St. Peter verwahrt wird.”
   Der alte Papst ließ wohlwollend antworten. Genau jener Papst, der bereits begonnen hatte, sich auf den Blick des gütigen Gottes vorzubereiten. „Sucht mein Angesicht”, heißt es im Psalm 27. Der kranke Johannes Paul II. hatte daraus sein eigenes Gebet geformt: „Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht Dein Gesicht vor mir!” Seit Urzeiten wird in der Christenheit von einem Christusbild berichtet, das „nicht von Menschenhand gemacht” sei. Im Jahr 574 soll es aus dem Ort Kamuliana in Kappadozien im Osten des Byzantinischen Reichs nach Konstantinopel überführt worden sein. Nachzulesen bei Paul Badde. Vielleicht hat Jesus Christus für die Menschen sein Angesicht bewahrt. Vielleicht ist es auch heute nicht verborgen. Ob Jerusalem - Kappadozien - Konstantinopel - Rom - Manoppello sein Weg gewesen sein mag?
Der Glaube braucht keinen naturwissenschaftlichen Beweis
  Ob das „heilige Antlitz” aus den Abruzzen aus dem Grabe Jesu stammt mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. Wenn er es überhaupt kann. In diesen Fragen ist der Club der Grabtuch-Forscher, der so genannten „Sindonologen” (von „sindone”, italienisch für Leichentuch), heillos zerstritten. Und der Glaube braucht keinen naturwissenschaftlichen Beweis. Sicher ist aber, dass das Tuch von Manoppello etwas Außer- gewöhnliches ist, ein Bild ohne Farbe und doch so lebendig, dass der Blick dieses Mannes den Betrachter mitten ins Herz trifft. Muschelseide ist wie Perlmutt. Öl oder Tempera perlen daran ab. Ein Geheimnis, das Badde nicht klar und eindeutig gelüftet, aber einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Das ist sein Verdienst. 
Paul Badde: Das Muschelseidentuch. Auf der Suche nach dem wahren Antlitz Jesu. 304 S., gebunden, mit Farbabbildungen, Ullstein Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-550-07853-6, 22 Euro.
  Ein hauchdünner Schleier ohne die geringste Spur von Farbe: In Manoppello wird das Antlitz Jesu verehrt. Foto unten rechts Fällt Licht durch das Muschelseidentuch,  ist von dem Gesicht nichts mehr zu sehen.
Foto unten links. Aus der Nähe erkennt der Betrachter, dass das Tuch nie bemalt worden ist.

Fotos: BaddeGuidoHorstDT051022

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Einen Bericht über das Grabtuch von Turin finden Sie unter: Reliquien

Manoppello: Der Blick des Erbarmens

   Manoppello – ein kleiner Ort fast an der Adria, direkt östlich von Rom, in den Ausläufern der Abruzzen. Nichts wirklich Auffälliges dort, wenn da nicht das Bild wäre. Ein Bild, von dem gesagt wird, dass es das Stück Stoff sei, das im Grab auf Jesu Gesicht gelegen habe. Ein Parallelbild also zum Grabtuch in Turin. Aber wie auch beim Grabtuch gibt es Debatten darum, ob das denn überhaupt stimmen könne. Und wenn es stimmt, was es für unseren Glauben bedeute. Der Journalist Paul Badde hat sich lange und intensiv mit dem Stück Stoff beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben. Mit ihm haben wir uns über das Tuch, seine Geschichte und die Frage nach Christi Gesicht unterhalten. Ein Gespräch über Gott und Welt, über die Wichtigkeit von Bildern und die Spuren Jesu in unserer Welt. Wie kommt er eigentlich dazu, sich damit zu beschäftigen?
   „Ich bin hineingestolpert. Ich hatte schon oft davon gehört, hatte es aber nie ernst nehmen können. Bevor ich nach Jerusalem entsandt worden war, hatte ich in Berlin meine erste Digitalkamera bekommen. Vor Jeru- salem wollte ich Auschwitz sehen. Ich bin also nach Auschwitz gefahren und habe meine ersten Fotos gemacht – die ersten von dem Grab von Edith Stein. Dann bin ich nach Loreto geflogen – das wollte ich meiner Frau zeigen – und dann sagte ich zu meiner Frau: Ich muss dir dieses eine Bild noch einmal zeigen, das habe ich gesehen. Dann sind wir runter gefahren und ich habe die ersten Fotos gemacht. Die ersten Digitalfotos überhaupt, die je in meinem Computer waren. Und die Bilder waren in meinem Computer in Jerusalem und im- mer wieder sprangen die mal hoch, sodass ich erneut darüber gestolpert bin. Und plötzlich, eines Tages – ich hatte ja gehört, was darüber erzählt worden war – und da dachte ich: Was ist eigentlich, wenn das stimmt? Wenn das wirklich das wahre Bild ist, die Veronika, das Acta-Bild, die ganzen Namen, die es dafür gibt? Und da dachte ich, das müsste ich mir noch einmal anschauen. Und dann bin ich hingefahren, ich hatte meine Kamera dabei und wusste mittlerweile auch besser, wie man fotografiert, und habe dann verschiedene Dinge ausprobiert. Und plötzlich dachte ich, es gibt gar keine andere Möglichkeit, das muss es sein, es gibt nichts Vergleichbares dazu.“
Vielleicht ein paar Sätze noch dazu: Was ist das? Das ist Muschelseide, also recht rares Material. Man sieht das Gesicht eines Mannes, aber was ist das? Wenn es „echt“ ist, was ist das?
   „Es gibt verschiedene Namen dafür. Der erste Namen, der dafür in der Weltgeschichte gefallen ist, ist „Sudarium“. Und zwar im Evangelium des Johannes in der Sequenz der Auferstehung, als Johannes und Petrus morgens zum Grab laufen. Sie finden das Grab nicht leer, sondern da sind Objekte drin, Tücher. In einem Absatz davon steht ganz ausdrücklich „gefaltet“ oder „geknotet“ lag das „Sudarium“ da. Wer das Grab in Jerusalem kennt, weiß – die Struktur der Grabkammer ist damals wie heute, die ist wieder hergestellt worden – wenn man da ohne Lampen hineingeht, ohne Licht, dann sieht man gar nichts. Das war aber morgens, bei den ersten Sonnenstrahlen, das ist genau beschrieben. Bei Maria Magdalena war es dunkel, dann lief sie zu Johannes und Petrus, die kamen dann eine halbe Stunde später, bei der Morgendämmerung. Das Grab zeigt nach Osten, das heißt die ersten Sonnenstrahlen fielen durch den kleinen Eingang hinein. Aber auch durch die ersten Sonnenstrahlen sieht man auf der Bank nichts, das ist technisch unmöglich. Der einzige Ort, auf den das Licht fallen konnte, war der Boden oder Abseits. Und dieses Tuch – diese Muschelseide – ist lichtaktiv. Nur bei Licht fängt sie an zu scheinen und zu flimmern.“
Das heißt so etwas wie phosphoreszieren, kann man sich das so vorstellen?
 „Das schwierige dabei ist, man kann es sich nicht vorstellen. Es ist einzigartig. Die Muschelseide selbst ist ein wunderschöner alter Stoff, aber er trägt keine Bilder. Man kann ihn nicht bemalen, man kann ihn nicht be- drucken, man kann ihn nicht färben. Dieses Bild ist einfach unerklärlich, so wie jedes Wunder unerklärlich ist. In Lourdes, da sieht man ja die Krücken an der Wand hängen, da kann man hören, jemand habe die Krücken weggeworfen, weil er wieder gehen konnte.  Man muss sich davon erzählen lassen. Ich habe etwas vor Augen, das läuft nicht weg. Man kann das Licht an und aus machen, dann sieht man, dass es changiert, dass es ein lebendiges Bild ist.“
Manoppello ist eine Ortschaft in Mittelitalien – für die Hörerinnen und Hörer, die das noch nicht gehört haben. Wie habe ich mir das vorzustellen, das ist ein kleines Dorf, nehme ich an, und eine Kirche?
   „Das ist eine Kirche auf einem Hügel hinter einem Dorf – und das ist interessant. Es ist heute noch am Rande des Naturschutzgebietes Maiella. Vor zwei Jahren waren wir dort, in der Nacht zuvor hatten Wölfe Schafe gerissen, das ist heute noch wild. Als ich zum ersten Mal hinkam, haben höchstens Hunde gebellt, sonst gab es da nichts. Das war sozusagen auf der anderen Seite des Mondes – von Rom aus gesehen. Und das ist ganz wichtig, denn dieses Bild ist natürlich nicht da gemalt worden und ist nicht da entstanden. Es ist da hingekommen. Und zwar mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit – alles deutet darauf hin – im Zusammen- hang mit dem Sacco di Roma im Mai 1527, als deutsche und spanische Landsknechte Rom und den Vatikan geplündert haben. Die Schweizergarde, die damals zum großen Teil niedergemacht worden war, hatte damals eine Flagge von Julius II. geschenkt bekommen. Auf der Flagge der Schweizergarde waren die zwei Schlüssel Petri zu sehen und davor dieses Bild. Man sieht vollkommen eindeutig, dass es das Bild ist, das heute in Manoppello hängt. Das war damals der Kronschatz von Sankt Peter. Der Grundstein für Neu Sankt Peter ist am 18. April 1506 außerhalb der alten Petersbasilika gelegt worden. Der Grundstein ist aber von Anfang an als der Pfeiler der Veronika gelegt worden. Der ist gebaut worden als Schatztruhe dieses bedeutendsten Schatzes, den sie hatten.“
Und das ist jetzt eine der Vierungssäulen, oder?
  
„Vorne links von dem Confessio von dem Papstsoldaten, dort ist die Vierungssäule. Dort, wo auch noch ein allegorisches Bild davon hängt. Die Säule ist von Anfang an dafür gebaut worden, um diesen Schatz zu hüten, davor wurde er in einem kleinen Schrein aufbewahrt. Das können Sie in den Grotten des Vatikans sehen, dort gibt es ja viele Bilder von allen Sankt Petern und auch von dem kleine Ostensorium, in dem das früher aufbewahrt wurde. Es stand etwa da, wo heute in etwa die Pietà von Michelangelo steht, dort stand ein kleiner Altar. Und nachdem dieses Tuch bekannt geworden und zum ersten Mal gezeigt worden war – etwa im Jahr 1200 – hat es sehr schnell Millionen von Pilgern angezogen. Und zwar immer am Sonntag von Omnis Terra, am ersten Sonntag nach Epiphanie, am 6. Januar. In einer Prozession hatte der Papst dieses Bild von Sankt Peter zu Santo Spirito zu den Kranken gebracht, in einer Prozession hin und zurück. Am Anfang war das einmal im Jahr. Dann gab es diese Prozession auch am Karfreitag, und dann öfter. Dieses Bild wurde der Pilgermagnet überhaupt. Es gab damals vier große Pilgerorte: Zunächst Jerusalem – das Zeichen war die Palme. Dann gab es Santiago – das Zeichen war die Muschel. Dann Paris – das Zeichen war die Dornenkrone, die Ludwig der Fromme gekauft hatte. Und hier in Rom waren nicht die Schlüssel des Papstes das Pilgerzeichen, sondern dieses Bild, das „Sanktum Sudarium“, das Heilige Schweißtuch.“
   Warum ist das Wissen um dieses Sudarium verschwunden? Selbst wenn man die Geschichte studiert, hört man von den Apostelgräbern, aber man kommt überhaupt nicht darauf, dass das Sudarium für Jahrhunderte das Wichtigste gewesen sein soll.
  „Dafür gibt es eine sehr einfache Erklärung. Wir müssen ein wenig in die Zeit der Renaissance zurückdenken, in der es große Genies, aber auch große Schurkereien gab. In dieser Zeit ist die Spur verschwunden: 1527. Das war aber der kostbarste Schatz, den die Päpste hier hatten. Stellen Sie sich jetzt vor, Sie wären Papst und Sie müssten den kostbarsten Schatz hier in Rom beschützen, verwahren und verwalten. Wenn Ihnen dieser Schatz abhanden käme, würden Sie im ersten Schreck sagen: „Das darf nicht wahr sein. Das kann nicht wahr sein.“ Im zweiten Moment würden Sie sagen: „Moment, da sagen wir nichts davon, denn wir kriegen das wieder.“ Das war der Gedanke, und dieser Gedanke hat sich fest gebrannt. Das Tuch kann doch keiner verkaufen, wo soll das denn hin? Das kriegen wir wieder. Aber es kam nicht wieder. Und weil die Päpste damals – auch später Urban VIII. – sich nicht trauten zu sagen, dass ihnen das Kostbarste abhanden gekommen sei, ist man nachher auf die Idee gekommen, in dieser neuen Veronikasäule ein anderes Bild auszustellen. Es wurde nie gesagt, dass das Original weggekommen war – sondern es wurde wieder gemalt. Eigentlich relativ spät, nachdem klar war, dass das Bild nicht zurückkommen wird. Dieses Bild wurde in einen sehr kostbaren Rahmen eingesetzt, so dass man von weitem denkt, dass da oben – von weitem gesehen – ein Gesicht sei. Und das war noch ein bisschen bemalt. Es gibt nur zwei Probleme dabei, zum einen – man muss fast schon vom Humor des Lieben Gottes sprechen – ist dieses Bild mittlerweile völlig verwittert. Die Farbe, mit der es gemalt worden ist, ist weg. Und der Rahmen, der dafür gebaut worden ist, ist größer als das Original. Das lässt sich ganz leicht feststellen, denn der Originalrahmen, mit dem die Päpste es noch von Sankt Paul nach Santo Spirito getragen haben, den gibt es bis heute noch in der Schatzkammer Sankt Peters. Ein wunderschöner Rahmen – ein Holzrahmen mit einer Kristallscheibe – und die zweite Kristallscheibe ist zerbrochen. Bei der Kopie ist das eine andere Sache, denn dieses Bild ist nicht durchsichtig, dieser Schleier ist durchsichtig, doch er konnte nur gezeigt werden zwischen zwei Glasscheiben und das kann man an dem alten Rahmen noch sehen, der heute noch in Sankt Peter ist und der im Grunde so aussieht wie heute in Manoppello.“
Das heißt es ist beim Sacco di Roma erst einmal weggebracht, in Sicherheit gebracht worden, dann in Vergessenheit geraten. Wie kommt es nach Manoppello?
   „Der Kommandant der Engelsburg hatte Besitzungen in Manoppello. Sie wissen, wie viele Heiligtümer es hier gibt, das ist in Italien nichts Besonderes. Das heißt dieses Tuch, der größte Schatz der Christenheit, hatte sich als lokales Heiligtum unter vielen Heiligtümern verborgen. Man muss dazu wissen, das Gesicht, das die Christen für das Gesicht Gottes halten, ist so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal der Christenheit. Es würde keinem Juden einfallen zu sagen, wir wissen jetzt, wie Gott aussieht. Das würde genauso wenig einem Muslim einfallen, überhaupt nicht. Die haben 100 Namen für Gott, aber das Gesicht ist undenkbar. Das würde auch keiner anderen Religion einfallen. Wir glauben aber, dass Gott Mensch geworden ist, das heißt er muss von daher schon ein Gesicht haben. Dass Gott sein Gesicht gezeigt hat, nicht Ihr Gesicht, nicht mein Gesicht, sondern sein Gesicht, das ist wirklich das Alleinstellungsmerkmal der Christenheit. Nachdem Benedikt XVI. am 1. September 2006 nach Manoppello gefahren war, sagte er eine Woche später bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz: Wenn wir wissen wollen, wer Gott ist, müssen wir in das Gesicht seines Sohnes schauen. Da sehen wir, wer Gott ist und wie Gott ist. Das ist eine der Kernbotschaften des Christentums. Gott ist Mensch geworden. Das Christentum ist keine Buchreligion, es ist eine inkarnierte Religion. Und das sagte auch Johannes Paul schon dauernd: Im Herzen der Christenheit steht eine Person.“
Wir haben dann hier ein Bild, von dem wir nicht so genau wissen, wie es eigentlich zustande gekommen ist – ich glaube darauf können wir uns sehr schnell einigen. Ich erinnere mich zurück an die Meditation Benedikt XVI. in Turin vor dem Grabtuch. Er erklärt dort ja nicht, ob es richtig oder nicht richtig ist, aber er gibt eine wie ich finde sehr tiefe, sehr spirituelle Einführung dazu. Sie sagen, dieses Bild ist die „Vera Icona“, das wahre Bild. Warum ist das wichtig? Muss ich akzeptieren, dass das wichtig ist oder ist es im Ermessen eines jeden Menschen, das für sich zu entscheiden?
 „Nein, das ist ganz wichtig. Und zwar – wie der Name „Vera Icona“ schon sagt – hat das mit Wahrheit zu tun. Wenn wir diese Bilder haben und wenn sie authentisch sind, dann sind sie ungeheuer wichtig. Wenn das Turiner Grabtuch aus dem Grab Christi kommt – und es ist mit nichts anderem kompatibel, es ist nicht nachzumachen und nicht gemalt, dann ist es wichtig. Die Blutflecken sind echt, aber kein Mensch weiß, wie der Schatten da hinein gekommen ist. Wenn die aus dem Grab kommen, dann ist das natürlich wichtig. Das heißt wir müssen natürlich sehen, was das für uns bedeutet. Das Turiner Grabtuch hatte bereits jahrhundertelange Verehrung hinter sich, als es im Jahr 1898 erstmals fotografiert wurde. Mit dieser analogen Fotografie hat dieses Bild einen Katapultsprung in die Öffentlichkeit und in die Wissenschaft gemacht. Seither ist Turin das best erforschte Textilstück der Erde geworden. 100 Jahre später mit der Digitalfotografie – und das Tuch in Manoppello lässt sich gar nicht so fotografieren, digital sehr viel besser – macht dieses Bild wieder einen Sprung. Mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. haben sich diese Bilder im Grunde in die ganze Welt fortgesetzt. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Es ist darum wichtig, weil die Wahrheit wichtig ist. Man kann alles durchrechnen, alles durchprobieren, es lässt sich nicht kopieren. Dann muss man sich eben die Frage stellen: Wie ist es gekommen? Wir wissen nicht, wie es gekommen ist, aber was wir sagen können ist eins: es redet von dem, wovon die Evangelien reden. Es ist kein Widerspruch, es erzählt keine andere Geschichte, sondern es füllt die Geschichte der Evangelien fast aus. Es ist das Gesicht, das durch die Wände geht, das den Mund geöffnet hat, das lebt, in die Mitte tritt und sagt: Der Friede sei mit euch.“
Bei Turin gibt es ja eine lange Diskussion über die Frage – ist es wahr, ist es nicht wahr? In den letzten Jahren hat es auch immer mehr wissenschaftliche Kommentare gegeben, die besagen, dass die ganzen Ablehnungen des Turiner Grabtuches so nicht stimmen. Man muss schauen, vielleicht ist es ja doch schon 2000 Jahre alt. Ich rate einfach einmal, wenn man sich Manoppello wissenschaftlich anschauen würde, hätte man die gleiche Diskussion, vielleicht mit anderen Mitteln, aber letztlich lässt sich das mit unseren mensch- lichen Mitteln nicht festlegen. Bleibt es dann eine Glaubensentscheidung?
   „Man sieht, es ist etwas, was sich nicht festlegen lässt. Wenn Sie die Pilger fragen, denen sind solche Dis- kussionen fremd, die wir führen. Was ich sagen will, dieses Bild in Manoppello ist gerade erst in unserer Zeit aufgetaucht. Es ist gerade einmal zehn Jahre her. Davor, bis zum Jahr 1996, war noch ein Vorhang darum, da wurde es noch gar nicht gezeigt. Es ist ein Bild für das digitale Zeitalter. Manoppello ist ein Fluchtpunkt der ökumenischen Neuevangelisierung geworden. Wo Protestanten genauso davor in Tränen ausbrechen wie Chinesen, die kein Wort italienisch oder einer anderen europäischen Sprache sprechen und die tränen- überströmt davor gestanden haben. Wissen Sie, die beiden Tücher reden von zweierlei. Sie reden von der Inkarnation und von der Resurrektion, von der Auferstehung. Das sind natürlich die beiden Kernbegriffe des Christlichen. Die Frage ist, ist Wahrheit wichtig? Und da würden Sie sagen, ja, das ist wichtig. Und über dieses Stück könnte man sagen, dass wenn man versucht es zu erfassen, es ist wie ein Stück materieller Wahrheit darstellt. Und Wahrheit gibt es ja eigentlich gar nicht, weil das ein philosophischer Begriff ist. Aber hier überspringt der philosophische Begriff diese materielle Schranke, wo er ein Stück materieller Wahrheit wird. Etwas, das nicht anders zu erklären ist und was einen anschaut und der Blick durch Mark und Bein geht. Und zwar nicht mit dem Blick eines zorniger Gottes, sondern mit seinem unglaublichen Erbarmen, mit dem er jeden anschaut.“
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Fotos: Papst Benedikt XVI. besuchte eines der faszinierendsten Heiligtümer der Türkei:
Das Haus Mariens in Ephesus

   Papst Benedikt XVI. hat während seiner Türkeireise das Haus besucht, in dem einst die Gottesmutter Maria zusammen mit dem Apostel Johannes gelebt haben soll. Seine Verehrung geht auf die Visionen der deutschen Mystikerin Anna Katharina Emmerich zurück, die es so präzise beschrieb, dass es französische Lazaristen- patres wiederfanden. Heute ist es für Christen und Moslems gleichermaßen ein Wallfahrtsort - eine Stätte der Begegnung und des Dialogs, wie sie die Türkei so dringend braucht.
  1881 reiste ein französischer Priester, Abbe Goyet aus Paris, in die Türkei, um das einstige Wohnhaus der heiligen Jungfrau und des Apostels Johannes zu suchen. Das hatte die stigmatisierte Ordensschwester Anna Katharina Emmerich (1774-1824) aus Coesfeld im Münsterland in ihren Visionen gesehen und in allen Details beschrieben. Jetzt wollte er ihre Angaben auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Der Priester ging kein Risiko ein. Zunächst stellte er sich bei dem römisch-katholischen Erzbischof von Smyrna (Izmir) vor und bat ihn um einen ortskundigen Führer. Dann brach er in dessen Begleitung auf. Bald darauf konnte er dem Erzbischof  ver- melden: “Ich habe das Haus gefunden. Es existiert.” Doch niemand schien sich für seine Entdeckung zu interessieren und so verzichtete er darauf, einen Bericht zu verfassen.
   Zehn Jahre später lasen katholische Ordensschwestern in Izmir das Buch “Das Leben der heiligen Jungfrau Maria”, das der deutsche Romantiker Clemens Brentano auf der Grundlage der Visionen der stigmatisierten Nonne veröffentlicht hatte. Als sie zu dem Kapitel kamen, das den Aufenthalt und Tod Mariens in Ephesus beschreibt, wurden sie neugierig. Bald erzählten sie dem Lazaristen Pater Jung, davon: “Ephesus ist doch gar nicht weit. Es wäre gewiss der Mühe wert, dort einmal hinzugehen.” So machte sich Pater Jung am 27. Juli 1891 zusammen mit einem Ordensbruder und zwei Begleitern auf den Weg.
   Wir wissen wenig über das Leben Mariens nach dem Pfingstereignis des Jahres 30 oder 33. Einzig das Johannes-Evangelium enthält einen Hinweis. Als Jesus seine Mutter und seinen Lieblingsjünger unter dem Kreuz sah, führte er sie zusammen und “sagte zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.”
Joh 19, 26-27 Wie die übrigen Jünger, so blieb auch Johannes zwölf Jahre lang im Lande der Juden und verkündete ihnen das Evangelium. Erst als im Jahre 41 der neue König Herodes Agrippa seinen Bruder Jakobus gefangen nehmen und hinrichten ließ, verließ er, wie die meisten anderen Jünger, das Land. Die Tradition weiß, dass er nach Ephesus an der Ägäisküste Kleinasiens (das heutige Efes in der Westtürkei) ging, wo es eine große jüdische Gemeinde gab.
   Ephesus war damals eine Weltstadt, die bedeutendste Metropole an der Westküste Kleinasiens. Hier befand sich das berühmte Heiligtum der Muttergöttin Artemis, das nicht nur Pilgerströme anzog, sondern so prachtvoll war, dass es zu den sieben Weltwundern gezählt wurde. Kein Wunder also, dass hier die Jünger Jesu das Evangelium verkündeten.
   
Das erste Sendschreiben in der Offenbarung des Johannes
Offb 2,1-7 ist an die junge Gemeinde von Ephesus gerichtet, was die Verbundenheit des Lieblingsjüngers Jesu mit dieser Stadt bestätigt. Er verließ sie erst, als der römische Kaiser Domitian ihn nach 81 n. Chr. auf die Insel Patmos verbannte, von wo er 96 n.Chr. zurückkehrte. Irgendwann um 100 n. Chr. verstarb er in Ephesus; über seinem Grab wurde im 6. Jahrhundert von Kaiser Justinian eine mächtige Basilika errichtet, deren Ruinen uns heute noch beeindrucken.
   Es ist also durchaus möglich, dass Maria um das Jahr 41/42 mit Johannes nach Ephesus ging. Immerhin fand dort im Jahre 431 das dritte ökumenische Konzil statt, das den Marientitel “Mutter Gottes” zum Dogma erklärte. Das Konzil tagte in einer Kirche, die damals schon Maria geweiht war. Sie zeugte von der großen Verehrung der Gottesmutter in Ephesus auch vor dem Konzil, das die Marienverehrung im ganzen römischen Reich verbreitete.
   Von einem “Marienhaus” oder gar einem Grab Mariens in oder bei Ephesus wusste aber kein frühchristlicher Autor. Gregor von Tours, ein fränkischer Kleriker und Geschichtsschreiber des 6. Jahrhunderts, schreibt jedoch: „Auf einem Berggipfel in der Nähe von Ephesus sind vier Mauern ohne Dach erhalten. Johannes hat innerhalb dieser Mauern gewohnt.”
   Keine einzige frühe Quelle dagegen weiß etwas von ihrem Tod in Ephesus. Einzig in einem Brief, den die Konzilsväter von Ephesus 431 an die Geistlichkeit in Konstantinopel geschrieben hatten, erwähnten sie, dass es Ephesus war, “wo Johannes der Theologe und die Gottesmutter, die heilige Jungfrau, sich von der Versammlung der heiligen Väter trennten”.
  Anna Katharina Emmerich dagegen behauptete, Maria sei schon im Jahre 44/47 oder „von Christi Himmel- fahrt vierzehn Jahre und zwei Monate” in Ephesus verstorben. Detailliert beschrieb sie die Lage des Hauses, in dem sie neun Jahre lang mit Johannes gelebt haben soll:

   “Maria Wohnplatz war, wenn man von Jerusalem kommt etwa dreieinhalb Stunden von Ephesus auf einem Berg zur Linken. Dieser Berg fällt schief ab gen Ephesus, welches man, von Südost kommend an einem Berg wie dicht vor sich liegen sieht, das sich aber ganz herumzieht, wenn man weiter geht. Von Ephesus, vor welchem große Alleen sind, unter denen gelbe Früchte am Boden liegen, führen schmale Pfade auf einen Berg, der wild bewachsen ist, und gegen die Höhe des Berges zu ist eine hügelige, auch bewachsene Ebene von etwa einer halben Stunde im Umfange, auf welcher diese Ansiedlung geschah. ... Eine kleine Strecke Wegs hinter diesem Hause stieg die Höhe des Berges felsig zu dessen Gipfel heran, von welchem man über die Hügel und Bäume hinaus auf Ephesus und das Meer mit seinen vielen Inseln sieht. Der Ort liegt näher am Meer als Ephesus ... die Gegend ist einsam und unbesucht... Zwischen diesem Wohnort der heiligen Jungfrau und Ephesus läuft ein ganz wunderbar geschlängeltes Flüsschen.”

   Mit dieser Beschreibung in der Hand machten sich Pater Jung und seine Gefährten also im Juli 1891 auf die Suche. Zwei Tage lang streiften sie vergeblich durch die Hügellandschaft südlich von Ephesus.  Schließlich, am 29. Juli gegen 11.00 Uhr, brannten ihre trockenen Zungen. Müde und durstig erreichten sie ein Tabakfeld, auf dem ein paar Frauen arbeiteten. “Habt Ihr etwas Wasser für uns?”, fragten die erschöpften Männer. “Leider haben wir keines mehr”, war die Antwort, „aber geht zu dem Kloster da drüben, dort werdet Ihr Wasser finden.” Mit dem Finger deuteten sie in Richtung eines alten, verfallenen Hauses. Tatsächlich fanden sie dort einen Brunnen, dann schauten sie sich die Ruine genauer an:
   “Das Haus Maria war von Steinen, viereckig und an dem hinteren Ende rund oder eckig, die Fenster waren hoch oben angebracht, das Dach war platt”, heißt es bei Anna Katharina Emmerich. Die Beschreibung passte auf die Ruine, die vor ihnen lag, am Hange des Bülbül-Daghs,des Nachtigallenberges. Als sie auf seinen Gipfel stiegen, sahen sie das Meer. Zwei Tage lang inspizierten die vier Männer die Gegend, dann waren sie sich sicher: Sie hatten das Haus gefunden, das die Mystikerin so präzise beschrieben hatte, ohne je in Ephesus gewesen zu sein. Es war das Haus, in dem den Visionen zufolge die selige Jungfrau Maria gelebt hatte!
   Wieder zurück in Izmir, berichteten sie Poulin von ihren Beobachtungen. Der Pater Superior wollte ihnen nicht glauben. Dann machte er sich selbst auf den Weg und überzeugte sich davon, dass seine Lage tat- sächlich in allen Details der Emmerich'schen Darstellung entsprach. Acht stattliche Platanen umgaben die Ruine, spendeten kühlenden Schatten. Seit Gregor von Tour scheint sich ihr Zustand kaum verändert zu haben. Sie hatte kein Dach, die vier Wände waren in einem schlechten Zustand. Als Abbe Poulin nach Izmir zurückgekehrt war, ergriff er sofort die Initiative. Eine Ordensschwester, Marie de Mandat Grancey, hatte gerade ein kleines Vermögen geerbt und war bereit, es zur Gänze in die Wiederherstellung des Marienhauses zu investieren. So kaufte  man das Anwesen, kanalisierte die Quelle, legte bessere Zugangspfade an, errichtete eine Marienstatue und einen Altar und schützte das Haus durch eine Glaskonstruktion. Im Verlauf der Arbeiten, am 24. August 1898, kam es zu einer weiteren, erstaunlichen Bestätigung der Emmerichschen Visionen. Als die Arbeiter den Boden des Hauptraumes freilegten, stießen sie auf verkohlte Steine im Zentrum des Gebäudes, eben dort, wo laut der Stigmatisierten einst die Feuerstelle des Marienhauses lag:“(Das Haus) war in zwei Teile geteilt durch den in der Mitte angelegten Feuerherd.” Fortan war es als “Meryemana” (wörtlich: “Mutter Maria”), als “Marienhaus” bekannt. Dann kam der erste Weltkrieg,  die ganze Gegend wurde militärisches Sperrgebiet. Als die Lazaristen 1920 nach Meryemana zurückkehrten, fanden sie den Glasschutz zerstört, den Altar zertrümmert, die Platanen gefällt. Die Bronzestatue Mariens war verschwunden; die türkischen Finanzbehörden hatten das Gelände konfisziert. Dreißig Jahre dauerte der Kampf um die Stätte. Erst 1951 wurden die Besitzverhältnisse vom türkischen Staat anerkannt. Seitdem gehört Meryemana einer privaten Vereinigung. Es kostete den Verein einige Mühe, dann hatte er auch die türkischen Behörden überzeugt, dass das Haus Mariens ein potenzielles Ziel für den Fremdenverkehr ist.
   Schon ab 1896 fanden von Izmir aus Wallfahrten nach Meryemana statt. 1950, als Rom das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verkündete,  wurde diese Tradition erneuert. Seitdem pilgerten zwei Päpste, Paul VI. am 26. Juli 1967 und Johannes Paul II. am 30. November 1979, in das Marienhaus und feierten dort die heilige Messe. Dadurch allein erhielten die Visionen der Anna Katharina Emmerick ihre erste amtskirchliche Bestätigung - lange vor ihrer Seligsprechung im letzten Jahr des Pontifikats von Johannes Paul II. am 3. Oktober 2004. Heute besuchen jedes Jahr einige hunderttausend Pilger und Touristen das Heiligtum bei Ephesus.
   Französische Schwestern betreuen das kleine Heiligtum des Hauses Mariens, zu dem auch Musliminnen aus der Umgebung kommen, um Maria um Hilfe in verschiedenen Nöten zu bitten. Es ist ein Ort des Friedens, ein heiliger Ort von schmuckloser Einfachheit. An langen Leinen, die zwischen den Bäumen gespannt sind, hängen Gebete. Muslime wie Christen trinken aus der heiligen Quelle neben der Kapelle. Der Koran spricht voll Ehrfurcht von Maria. Auch für den Muslim ist sie begnadet und ohne Sünde von Anfang an. “Sie glaubte an die Worte ihres Herrn und an seine Schriften und sie war eine von den Demütigen, die sich Gott ganz ergeben”, heißt es im Koran. Das Konzilsdekret des Zweiten Vatikanums über die nicht-christlichen Religionen betont ausdrücklich die Marienverehrung der Muslime. Hier führt die “Mutter Maria” die Gläubigen zusammen.
   Es bleibt beeindruckend, wie präzise eine westfälische Landarbeitertochter topographische Details aus einer Region des damaligen osmanischen Reiches beschrieb. So bleibt das Marienhaus bei Ephesus ein faszinie- rendes Heiligtum, ein Ort des Gebets für Christen und Moslems, eine Stätte der Begegnung und des Dialogs. Das ist der Grund dafür, dass Benedikt XVI., wie schon seine beiden Vorgänger, dem Meryemana besuchte.
Fotos unten
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  Michael Hesemann, Schriftsteller und Historiker, schrieb zehn Bücher zu Themen der Kirchengeschichte. Im Herbst 2006 erschien sein jüngstes Werk, „Stigmata - Sie trugen die Wundmale Christi”, in denen er sich ausführlich der seligen Anna Katharina Emmerich widmet. 19.90 € Weltbild.

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  Sie gehören zu den geheimnisvollsten Phänomenen der christlichen Mystik. Die Wundmale Christi, faszinieren seit Jahrhunderten Gläubige wie Skeptiker. Obwohl jüngere Fälle gründlich von Psychiatern und Medizinern untersucht wurden, entziehen sie sich nach wie vor jedem konventionellen Erklärungsversuch. In einem spannenden wie faszinierenden Sachbuch erzählt Bestsellerautor Michael Hesemann auf erfrischend moderne Weise die Geschichte der bekanntesten Stigmatisierten: des heiligen Franz von Assisi, der heiligen Katharina von Siena, des italienischen Nationalheiligen Pater Pio ...  - Stigmata sprengen die Grenzen der Naturgesetze.
   Im Christiana-Verlag ist das Buch von Anna Katharina Emmerich: Leben der heiligen Jungfrau Maria erschienen: 485 Seiten, 29 Abbildungen, gebunden, 31 CHF,  ISBN 3-7171-0961-8
     Die Stigmatisierte Ordensschwester A. K. Emmerich sah in ihren Visionen das ganze Leben Jesu wie einen Film vor sich abrollen. Clemens Brentano hat ihre Visionen während fünf Jahren aufgezeichnet. Im ersten Band erfahren wir ergreifende Einzelheiten aus dem Leben der Muttergottes. Jesus stammt aus einer jüdischen Familie. Die verwandtschaftlichen Verflechtungen und Verzweigungen, zurück bis David und Abraham, zeigen uns die menschliche Herkunft Jesu in einem ganz neuen Licht. Jesus war wirklich Gottes Sohn, aber er ist auch der Sohn Mariens. Ein wunderbares, ergreifendes Buch.

tn_DanielComboni_psd        Wunder in Kartum (Sudan)

   Eine Muslima aus dem Sudan wurde 1997 geheilt. Das einstimmige Urteil der Ärztekommission am 11. April 2002: “Plötzliche, vollkommene und dauerhafte Heilung, ohne Folgen irgendeiner Art, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus unerklärlich”. Die Krankenschwester Maria Bianca Benatelli sagte der Geheilten: “Siehst du, Gott liebt dich, Comboni hat dir geholfen...!”
Foto: Heiliger Pater Daniel Comboni 1873 in Kartum, der Gründer der Comboni-Missionare

Daniel Comboni, Missionar. Ordensgründer und Heiliger
  Die Akten des Heiligsprechungsprozesses sprechen eine deutliche Sprache. Eine Muslima, hat der Heilig- sprechung von Daniel Comboni, dem Afrika-Apostel, den Weg geebnet. Der Theologenrat der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse hat keinen Zweifel: das Wunder, das dieser Frau widerfahren ist, ist der Fürsprache des Daniel Comboni zu verdanken: am 5. Oktober 2003 wurde Pater Daniel Comboni von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. Die geheilte Frau heißt Lubna Abdel Aziz. Sie ist 38 Jahre alt, hat fünf Kinder und lebt in Kartum. Seit 1986 ist sie verheiratet mit Khedir El Mubarak, General der Regierungs- armee des Sudan, einer der afrikanischen Staaten, in denen die Scharia gilt, das islamische Gesetz. Kartum, die Hauptstadt des Sudan, war Mittelpunkt des Wirkens eines der größten Missionare, den die Kirche in jüngerer Zeit hervorgebracht hat: Daniel Comboni, der erste Bischof von Kartum. Der erste, der in diesem ent- legenen Winkel der Erde feste Missionsstützpunkte eingerichtet und so der Evangelisierung des Kontinents den Weg geebnet hat. Und auch der erste, der mit einem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Wagemut Ordensschwestern nach Zentralafrika kommen ließ. Comboni wurde nicht müde, den verabscheuungswürdigen Sklavenhandel bei den Mächtigen Europas mit unmissverständlicher Schärfe anzuklagen, kämpfte für die Befreiung der Sklaven. Er knüpfte Freundschaftsbande zu den türkischen Machthabern, den großen Paschas und den Muftis dieser Region an. Seine sterblichen Überreste ruhen unter dem Gebäude, das heute der Sitz der derzeitigen Regierung Kartums ist: Hier befand sich einstmals die alte katholische Mission, die Comboni gegründet hatte. Sein Bild, mit dem arabischen Turban auf dem Haupt, ist heute in den Schulen der Comboni- Missionare zu finden, wie auch im Kartumer St. Mary’s Hospital, das von den Comboni-Schwestern geleitet wird.
Chronik eines Wunders
   Am 11. November 1997 wurde Lubna Abdel Aziz in das Saint Mary's Hospital eingeliefert. Sie war hoch- schwanger, und ihr fünftes Kind musste mit Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden. Das Kind war wohlauf, aber der Zustand der Mutter verschlechterte sich zusehends: am Abend schien ihr Leben nicht mehr zu retten. „Schwere Blutung durch Plazenta-Überschuss” heißt es im medizinischen Befund. Mit zwei Notoperationen wird versucht, den schweren Blutverlust unter Kontrolle zu bekommen. Aber sofort nach dem zweiten Eingriff müssen die Ärzte feststellen, dass das Blut nicht gerinnt und auch die vielen Transfusionen nichts nützen, sich der Zustand der Patientin einfach nicht bessern will. In den ärztlichen Akten heißt es, es sei zu „einem weit- verzweigten intravaskulären Blutgerinnsel und einer Fibrinolyse gekommen, einem irreversiblen Schock, der einen Herzkollaps und ein Lungenödem zur Folge hatte.”  Im Klartext: es ist nichts mehr zu machen. Das Urteil der behandelnden Ärzte ließ keinen Raum für Hoffnung: ihr blieb nur noch wenig Zeit. Die medizinische Dokumentation lag dem Ärzterat vor, aber auch die Befragungen und Aussagen der Schwestern, die die Patientin gepflegt haben.
Aussagen der Schwestern
   Schwester Maria Bianca Benatelli, Oberschwester der Entbindungsstation des Krankenhauses, berichtet: „Um zwei Uhr nachmittags wurde die Frau erneut in den Operationssaal gebracht, wo man die Ursache der Blutung beseitigen wollte. Aber um fünf Uhr verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Das Blut floss wie Wasser, wollte einfach nicht gerinnen. In der Not wurde ihr Blut übertragen, das nicht frisch war, auch nicht HIV-kontrolliert. Der Ehemann, konnte zwei Ampullen Fibrinogen auftreiben, ein Medikament für die Blut- gerinnung, aber es war alles umsonst. Die Ärzte versammelten sich schließlich am Bett der Patientin und das einmütige Urteil lautete: „Hoffnungslos!”.
  „Wann haben Sie begonnen, für die Heilung der Patientin zu beten?” wird die Schwester bei ihrer Aussage im Rahmen des Prozesses für die Heiligsprechung gefragt. „Die Frau flehte immer wieder um Hilfe. Ich empfand großes Mitleid mit dieser Mutter, die im Sterben lag und fünf kleine Kinder zurücklassen musste,” erzählt sie. „Wenn sie eine Christin gewesen wäre, hätte ich einen Priester für die Sakramente gerufen, hätte gemeinsam mit ihr gebetet, ihr gesagt, sich dem Herzen Jesu anzuempfehlen, die Hilfe irgendeines Heiligen zu erflehen ..., aber sie war eine Muslima. Und da kam mir Daniel Comboni in den Sinn. Er war der einzige, den ich ihr gegen- über nennen konnte. Hier im Sudan kennt ihn jeder, auch die Muslime. An ihn appellierte ich also, legte ihm diese Mutter in die Arme: „Außer dir kann niemand etwas tun ..., es gibt nichts mehr zu tun, wir können nichts mehr tun ... Aber du, du kannst es ... hilf ihr! Sie ist eine Frau aus dem Sudan, deinem Land, eine Muslima. Du hast den Afrikanern so viel Gutes getan ... hast sie so sehr geliebt! ... Haben sie in deinem Herzen etwa nicht einen ganz besonderen Platz? Rette sie, lass sie nicht sterben!” Ich drehte mich zu der neben mir stehenden Schwester Orlanda um und sagte zu ihr: „Lass uns gemeinsam zu Comboni beten, damit er dieser Frau hier das Leben rettet”. Ich beeilte mich, ein Bild Combonis zu holen, und auf dem Rückweg ins Krankenzimmer bat ich Comboni auch, mir einzugeben, was ich der Frau sagen sollte. Als ich wieder vor ihr stand, beugte ich mich zu ihr hinunter und sagte: „Lubna, die Ärzte sagen, dass dein Zustand sehr kritisch ist ... Lubna, du kennst doch Comboni? ... Wenn du nichts dagegen hast, wollen wir dich ihm anvertrauen.” Sie fragte: „Ist das nicht der, der die ganzen Schulen hier in Kartum gebaut hat?”. „Ja”, antwortete ich ihr. „Aber er ist auch ein Freund Gottes, und da er Ihm nahe ist, vermag er mehr als wir alle zusammen. Willst du, dass ich dir sein Foto da lasse?”. Sie stimmte zu, und auch ihre muslimische Mutter, die am Fußende des Bettes saß, gab nickend ihr Einverständnis. So legte ich das Bild Combonis auf ihr Kopfkissen. Mit dem Gesicht zu ihr, damit er sie ansehen konnte. Und als ich das tat, betrachtete ich das Bild und sagte im Stillen zu ihm: Blamier uns jetzt bloß nicht...”
Fürbittgebet zu Daniel Comboni
   Schwester Silvana Orlanda La Marra, eine der anderen Krankenschwestern, sagte beim Prozess aus: „Die Patientin verlor das Bewusstsein. Der Herzschlag war kaum noch zu vernehmen. Dann kam ihr Mann ins Zimmer; er hatte eines der Kinder an der Hand. Die Ärzte hatten ihm erklärt, dass die Lage seiner Frau aus- sichtslos war. Da nahm er das Kind auf den Arm, kam zu mir und sagte: „Schwester, beten auch Sie zu Ihrem Gott für die Mutter dieses Kindes.” Taktvoll antwortete sie ihm: „Wenn Sie nichts dagegen haben, wollen wir das gerne durch Comboni tun.” Er wusste, wer Comboni war, sie musste nichts hinzufügen. „Nein, ich habe nichts dagegen. Er war hier ein großer Mann”, lautete die Antwort. Und so begannen alle Missionarinnen, für die Heilung der Frau mittels der Fürsprache von Daniel Comboni zu beten. Auch der katholische Arzt, der Frau Lubna operiert hatte, und drei koptische Geburtshelfer gingen mit den Schwestern in die Krankenhauskapelle, um zu beten.
Geheilt
   Trotz des erwarteten exitus starb die Frau nicht, sondern überlebte die Nacht. Die Ärzte wunderten sich am Morgen nicht wenig darüber, sie lebend vorzufinden: Sie starb auch nicht, als man sie - und das in ihrem hoffnungslosen Zustand - ein drittes Mal operierte. Ganz im Gegenteil. Zum Erstaunen der Ärzte erlangte die Frau das Bewusstsein wieder und erholte sich innerhalb kürzester Zeit. Ja, nur wenige Tage später konnte sie als geheilt entlassen werden. Auch zwei muslimische Ärzte haben die Frau später untersucht, ihr Gutachten liegt den Prozessakten bei. „Alle wunderten sich darüber, dass diese dem Tod geweihte Frau wieder zum Leben zurückgefunden hatte,” berichtet Schwester Bianca Garascia. „Es gab niemanden, der nicht der Meinung war, dass es sich hier  um einen Fall handelte, für den es keine Erklärung gab,  ein Wunder.” „Als ich sah, dass sich Lubna vollkommen erholt hatte”, fährt Schwester Maria Bianca Benatelli fort, „sagte ich zu ihr ‚Siehst du, Gott liebt dich, Comboni hat dir geholfen. Wir haben viel für dich gebetet; immerhin bist du Mutter von fünf Kindern, und wer könnte sich besser um sie kümmern als du selbst’.”
Zeichen der Vorsehung
  „Plötzliche, vollkommene und dauerhafte Heilung, ohne Folgen irgendeiner Art, vom wissenschaftlichen Stand- punkt aus unerklärlich”, lautete das einhellige Urteil der Ärztekommission am 11. April 2002. Und am 6. September desselben Jahres wurde die Wunderheilung durch Fürsprache des seligen Daniel Comboni ebenso einhellig vom Rat der Theologen anerkannt. Ein solch außergewöhnlicher Fall eines Wunders an einer Muslima war der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse bisher nicht bekannt geworden. Im Vatikan sieht man in diesem Wunder ein Zeichen der Vorsehung  „gerade jetzt, wo sich die Beziehungen zwischen islamischen Ländern und denen des Westens immer schwieriger gestalten.”
   „Wir wissen, dass Lubna und ihr Mann nach ihrer Heilung nach Mekka gepilgert sind, und dass sie immer noch gute Beziehungen zu den Schwestern unterhalten, denen gegenüber sie sich sehr erkenntlich gezeigt haben.” Schwester Assunta Sciota, die seit 44 Jahren im Saint Mary's Hospital arbeitet und Lubnas Drama miterlebt hat, kann das nur bestätigen: „Wir sind immer noch befreundet. Lubna und ihr Mann haben sich uns gegenüber überaus dankbar gezeigt.  Sie sind praktizierende Muslime, das stimmt.  Man kann aber auch sagen, dass die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in Kartum allgemein sehr gut sind, auch wir Schwestern genießen bei den Muslimen großen Respekt. Und dieser Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Unser Krankenhaus gibt es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. In den 44 Jahren, die ich hier arbeite, habe ich nie Probleme mit Moslems gehabt. Und wie oft haben sie mir gesagt, dass sie sich in unserem Krankenhaus „wie zu Hause fühlen”
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Das Eucharistie-Wunder von Amsterdam

   Der Name Amsterdam steht nicht unbedingt im Ruch der Heiligkeit. Und doch geschah hier im Rotlicht-Bereich zwischen käuflicher Liebe und cannabis joint im Coffee-Shop ein besonderes Ereignis: ein eucharistisches Wunder im versteckten Leben der holländischen katholischen Kirche.
   Wenn man von der Kalverstraat, dem angesagten Shopping-Center, in eine kleine Seitenallee einbiegt, stößt man auf einen großen ruhigen Hof mit grünen Wiesen und schattigen Bäumen. Das Gelände ist umgeben von hohen mittelalterlichen Häusern mit den typischen holländischen Giebeln.
   Seit dem Jahr 1346 war dies hier der Beginenhof, auf dem unverheiratete Frauen klösterlich zusammen- lebten. Die Beginen legten keine Gelübde wie Nonnen ab, daher konnten sie jederzeit die Gemeinschaft verlassen um zu heiraten. Aber sie übernahmen das Gelübde der Keuschheit und versprachen dem örtlichen Pfarrer Gehorsam. Es gab Hunderte solcher Gemeinschaften in Deutschland und den Niederlanden.
   Die Beginen-Kapelle in Amsterdam war der Heiligen Jungfrau, dem heilige Johannes und der heiligen Ursula geweiht. 1578 übernahmen reformierte Calvinisten die katholische Stadt Amsterdam. Die Protestanten be- schlagnahmten alle Kirchen, Klöster und Konvente und verboten den katholischen Christen ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu zeigen. Besonders feindlich waren die Reformierten gegenüber dem ‘Götzenkult der Hostie’ und gegenüber dem römisch-katholischen Verständnis vom Heiligen Messopfer.
  Die protestantischen Reformer waren Schüler von Calvin, der die katholische Lehre von der Eucharistie ablehnte und sagte, dass er nicht an einen Gott glauben könne, der “durch Formeln herbeigerufen und durch Verdauung weggeschickt” würde.
   Protestantische Prediger zeigten oft Häuser des “papistischen Götzendienstes” an, in denen die heilige Messe heimlich gefeiert wurde. Glücklicherweise tolerierten die Behörden oft diese katholische Praxis, so lange sie im Verborgenen stattfand.
   Eine dieser Hauskirchen ist nun das Museum “Amstelkring”. Es besteht aus einem hohen Speicher eines Kaufmannshauses, worin geschickt ein Kirchenschiff, Altar, Orgel und Emporen mit Nebenaltären eingebaut waren. Hier konnten bis zu einhundert Menschen Platz nehmen - so lange die Bohlen Stand hielten. Dieser Raum war bekannt als “Kirche unseres Herrn auf dem Dachboden”.
  Heute steht St. Nikolai, die “Alte Kirche”, mitten im Rotlichtviertel. Alle Altäre, Statuen und Bilder sind besudelt oder übertüncht. Wenn Sie weiße Steine, Holzarbeiten und “moderne Kunst” schätzen - dann sind Sie hier richtig. In einem Flyer wird dieser Raum angeboten als “Bühne für unterschiedliche sozio-kulturelle Aktionen”. Man könnte weinen bei dem Gedanken, dass diese öde, leere Halle einst das herrliche Zentrum katholischen Lebens in Amsterdam gewesen war.
   Die Beginen überlebten im Verborgenen. 1671 erlaubte ihnen der Stadtrat, eine unscheinbare neue Kapelle zu errichten. Heute erinnert diese Kapelle an ein höchst bemerkenswertes Ereignis: an das eucharistische Wunder von Amsterdam aus dem Jahre 1345.
   Kurz vor Palmsonntag brachte ein Priester die heilige Kommunion und die Krankensalbung  zu dem ernstlich erkrankten Ysbrant Dommer in die Kalverstraat. Kurz darauf erbrach der arme Mann seinen Mageninhalt und damit auch die Hostie in ein Gefäß.  Seine Pflegerin gab den Inhalt in ein offenes Feuer.
   Am nächsten Morgen wollte dieselbe Pflegerin das Feuer wieder anzünden. Sie war erstaunt, unter den noch glimmenden Kohlen die Hostie - hell und frisch - zu sehen. Verwirrt nahm sie die Hostie aus der Glut, ohne sich dabei zu verbrennen, wickelte sie in frisches Leinen und legte sie in ein Kästchen. Dann ließ sie den Priester rufen. Er legte die Hostie in eine Pyxis (eine Hostiendose), wusch das Linnen und brachte den Herrn in die “Alte Kirche” zurück.
   Noch Seltsameres geschah am nächsten Tag als die Pflegerin ihr hölzernes Kästchen öffnete, um einige Leinentücher hineinzulegen. Sie war sehr erstaunt, als sie dort die Hostie wiederum fand. Erneut rief sie den Priester. Zunächst prüfte er die Pyxis in der Kirche; die Dose war definitiv leer. Nun brachte er ein zweites Mal die Hostie in die Kirche zurück. Dasselbe Ereignis wiederholte sich sonderbarerweise am folgenden Tag.
   Der Priester rief den Ortsklerus zusammen und sie kamen zu der Überzeugung, dass es Gottes Wille sei, dieses Wunder bekannt zu machen. Die Hostie wurde ein drittes Mal in die Alte Kirche zurück getragen - in feierlicher Prozession. Der Rat der Stadt stellte Ermittlungen an, verlangte von Zeugen Eidesstattliche Erklä- rungen und anerkannte die Begebenheit als Tatsache. Der Bischof von Utrecht stellte ebenfalls Nach- forschungen an und bestätigte letztendlich das Wunder. In nur zwei Jahren wurde eine Kapelle “Zur Heiligen Stätte” (Ter Heylighen Stede) am Ort des Wunders gebaut. Große Pilgerscharen kamen, um die auf dem Altar ausgestellte wunderbare Hostie zu sehen. 1452 zerstörte ein Feuer große Teile von Amsterdam, auch die Heilige Stätte wurde schwer beschädigt. Doch das Gefäß mit der wunderbaren Hostie wurde unversehrt inmitten rauchender Ruinen gefunden.
  Viele wunderbare Gebetserhörungen mehrten die Zahl der Pilger an diesem Wallfahrtsort; darunter war auch der Erzherzog Maximilian von Österreich. Zur Erinnerung an das Wunder gab es eine jährliche eucharistische Prozession von der Heiligen Stätte zur Alten Kirche und wieder zurück. Dieses geschah so, bis die Wall- fahrtsstätte beschlagnahmt und geplündert wurde.
   In der Folgezeit trugen die Beginen Sorge für die Heilige Hostie bis auch ihre Kapelle im Jahre 1607 auf- gehoben wurde. Später kam die Gewohnheit einer Schweigeprozession auf, die der mittelalterlichen Route folgte: ein stummes Zeugnis für den verbotenen Glauben. Im Jahre 1845, dem 500. Jahrestag des Wunders, veranstalteten die katholischen Christen von Amsterdam eine große Demonstration. Seither nehmen jedes Jahr am Sonntag Morgen nach dem 12. März zehntausend Gläubige an dieser Prozession teil - eine lebendige Verbindung zum vorreformatorischen Glauben in den Niederlanden.
   Diese holländische Bezeugung der eucharistischen Macht und Treue führt uns in die Mitte der letzten En- zyklika Papst Johannes Paul II. “Ecclesia de Eucharistia - Die Kirche lebt von der Eucharistie”
siehe: Liturgie Der Papst erinnert an die “immerwährende Geltung” der Lehre des Konzils von Trient: Die Wandlung von Brot und Wein (Konsekration) bewirkt die Wandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes unseres Herrn Jesus Christus und die ganze Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Die Heilige Katholische Kirche bezeichnet diese Wandlung angemessen und korrekt als Transsubstantiation. EE 15.
   Jesus verspricht denen, die “mein Fleisch essen und mein Blut trinken” Jo 6,54 die Auferstehung am Jüngsten Tag. Das mystische Fleisch, das wir in der Heiligen Kommunion empfangen, ist der Leib Christi in seinem verklärten Zustand nach der Auferstehung. Mit der Eucharistie empfangen wir das ‘Geheimnis’ der Auferstehung. Von daher beschreibt der heilige Ignatius von Antiochien das eucharistische Brot als “Heilmittel der Unsterblichkeit, als Gegenmittel zum Tod” EE18.
   Jedoch warnt uns der heilige Paulus: “Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken”. Chrysostomos sagt es so: “Auch ich erhebe meine Stimme, ich flehe euch an, bitte unter Tränen, dass niemand mit einem besudelten und verdorbenen Gewissen zum heiligen Tisch hinzutrete. Ein solches Tun kann niemals ‘Kommunion’ genannt werden - auch nicht, wenn wir den Leib des Herrn tausendmal berührten, vielmehr führt solches Tun zur Verdammung, zur Mehrung der Pein und Strafe.” Darum muss jeder im Bewusstsein schwerer Schuld vor der Heiligen Kommunion das Sakrament der Versöhnung (Reconciliatio/Wiedereingliederung) empfangen ... In der Kirche bleibt jetzt und für immer in Kraft ... dass, wenn man sich einer Todsünde bewusst ist, erst die Sünde gebeichtet werden muss, damit die Heilige Kom- munion würdig empfangen werden kann”.
    Der Papst möchte zur eucharistischen Anbetung außerhalb der heiligen Messe ermutigen. Christen sollen sich unterscheiden durch die “Kunst des Gebetes”. In geistlicher Umkehr, in stiller Anbetung, in herzlicher Liebe vor dem im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Christus sind wir eingeladen, mit Jesus Zeit zu ver- bringen und - ähnlich seinem Lieblingsjünger, der mit seinem Haupt an seiner Brust ruhen durfte - dürfen auch wir die unendliche Liebe spüren, die in Seinem Herzen gegenwärtig ist. “Wie oft”, sagte Johannes Paul II., “habe ich dieses erfahren, liebe Schwestern und Brüder, und von seiner Stärke Trost und Hilfe bekommen.”
    Der heilige Alfons von Liguori schreibt: “Nach den Sakramenten ist die größte Verehrung die Anbetung Jesu im Allerheiligsten Sakrament; das ist die teuerste Verehrung Gottes und für uns die hilfreichste”. Regelmäßige Besuche des Tabernakels sind mancherorts schwierig geworden, wenn die Kirche außerhalb der heiligen Messe verschlossen ist. Gleichwohl “sollten die Gläubigen im Tageslauf nicht darauf verzichten, Anbetungs- kapellen zu besuchen als “Ausdruck der Liebe und Zeugnis für die Gegenwart des Herrn”
Paul VI., Mysterium Fidei. Heutige Priester, die im Trubel der modernen Welt so vielen Aufgaben nachgehen, sind in Gefahr, ihre Mitte zu verlieren. “Die pastorale Liebe” gibt dem priesterlichen Leben und Arbeiten die Richtung vor, und diese fließt wesentlich aus dem eucharistischen Opfer, dem Zentrum und der Wurzel des ganzen priesterlichen Lebens. Darum ist gerade in den Gemeinden, die keinen eigenen Priester mehr haben, das Gebet um Priesterberufe so wichtig, damit der Herr Arbeiter in seinen Weinberg sende, denn die Ernte ist groß.  FrFrancisMarsden/CT0703
Im Jahre 2004 erstmals seit 1578 wieder Prozession in Amsterdam
  Erstmals seit 1578 hat in Amsterdam wieder eine katholische Prozession stattgefunden. An der von Bischof Joseph Maria Punt angeführten Sakramentsprozession nahmen gut tausend Gläubige teil, wie niederländische Medien berichteten. Prozessionen waren nach der Reformation in Amsterdam verboten worden. Das Verbot wurde in die niederländische Verfassung von 1848 übernommen. Erst 1983 erfolgte eine Verfassungs- änderung und 1989 wurden öffentliche religiöse Kundgebungen ausdrücklich per Gesetz wieder gestattet. Die Prozession am Sonntagnachmittag fand aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Liebfrauenkirche an der Keizersgracht statt. Punt nannte zum Abschluss Prozessionen eine zeitgemäße Form der Glaubens- verkündigung. In einer von Bildern geprägten Gesellschaft müsse gezeigt werden, dass Gott existiere. DTkna040615
Niederlande: Auch im Jahre 2008 schweigendes Gedenken
   An einer traditionellen Sakramentsprozession im Zentrum von Amsterdam haben nach kirchlichen Angaben in der Nacht zum Sonntag dem 09. März 2008 etwa 8.000 Gläubige teilgenommen. Die Prozession wurde vom Haarlemer Bischof Joseph Maria Punt und vom Rotterdamer Bischof Adrian van Luyn angeführt. Die Katholiken erinnern mit dem traditionell schweigend ausgeführten Rundgang an ein Wunder, das sich 1345 in der heutigen niederländischen Hauptstadt ereignet haben soll. Damals habe sich ein Kranker in seiner Wohnung an der Kalverstraat erbrochen und eine geweihte Hostie von sich gegeben. Als man versuchte, diese Hostie zu verbrennen, sei sie im Feuer unversehrt geblieben. Später wurde sie in eine Kirche gebracht. Das feierliche Gedenken an das „Wunder von Amsterdam” war zunächst verboten worden, als Amsterdam im 16. Jahrhun- dert protestantisch wurde. Im 19. Jahrhundert war die Tradition dann wieder aufgenommen worden. Die Prozession in diesem Jahr war die 127. ihrer Art.
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Tre Fontane – Unsere Liebe Frau von der Offenbarung
Bruno Carnacchiola hört von der Gottesmutter: „Nenn mich Mutter, denn ich bin Mutter“

   Es war am 12. April 1947. Der Bahnarbeiter und Kommunist Bruno Cornacchiola Foto unten lebte in Rom. Er beschloss mit seinen drei Kindern Isola, Carlo und Gianfranco Foto unten einen Ausflug zu machen. Da er den Zug nach Ostia verpasste, nahm er den Zug zum nahen Tre Fontane, den Ort, wo der heilige Paulus hingerichtet worden ist. Bruno hatte nicht die Absicht, mit seinen Kindern zu spielen; er musste seine Rede für den kommenden Montag vorbereiten. So überließ er die Kinder sich selbst und nahm sich die Zeit, seinen Angriff auf die Lehre der Kirche von der „Unbefleckten Empfängnis“ auszuarbeiten. Am Morgen hatte er schon, als er an einer Statue der Mutter Gottes vorbei kam, auf den Sockel geschrieben: „Du bist weder Jungfrau, noch Mutter.“

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   Bruno war Gewalt nicht fremd. Er hatte im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft, gewohnheitsmäßig schlug er auch seine Frau und verbot ihr die heilige Messe zu besuchen, war ungläubig und weder ein guter Ehemann noch Vater.
   Zu dieser Zeit plante Bruno Papst Pius XII. zu ermorden. Er hatte schon einen Dolch gekauft und darauf die Worte eingraviert: „Tod dem Papst“. Jetzt zählte er die Tage bis zum 8. Dezember 1947, an dem er den Mord geplante hatte, dem Geburtsfest der Gottesmutter. So vertieft in seine Arbeit, war er nicht unbedingt glücklich, als seine Kinder laut riefen, er möge ihnen helfen, ihren Ball wiederzufinden. Er folgte den Stimmen der Kinder und war wie betäubt, als er alle drei auf ihren Knien im Winkel einer kleinen Grotte am Hang fand. Der jüngste – Gianfranco – konnte nur sagen: „Wunderschön, wunderschöne Dame!“ Und dann, umgeben vom unvergess- lichen Duft der Blumen, erschien die Dame dem Vater. Sie trug ein blendend-weißes Gewand, umgürtet von einer rosafarbenen Schärpe, einen grünen Mantel und in ihrer Hand eine grün-gebundene Bibel. Friedlich offenbarte sich die junge Frau: „Ich komme von der göttlichen Dreifaltigkeit: Tochter des ewigen Vaters, Braut des Heiligen Geistes und Mutter des göttlichen Sohnes. Ich bin die Jungfrau der Offenbarung.“ Sie sprach dann weiter zu Bruno über viele Dinge, und auch über ihre Aufnahme in den Himmel: „Mein Leib konnte nicht verwesen und ist nicht verwest.“
   Dann wies Maria den beinahe-Mörder an, zu Gott zurückzukehren und den Papst zu treffen, und gab ihm genaue Anweisungen. Von der Höhle, die ortsbekannt als ‚Bordell‘ bezeichnet wurde, und in der Maria er- schienen war, versprach sie: „An diesem Ort der Sünde werde ich wunderbare Zeichen für die Bekehrung der Ungläubigen wirken.“
   Bruno folgte der Weisung Marias auf’s Wort, wurde ein guter Katholik und übergab Pius XII. eben den Dolch, mit dem er ihn hätte töten wollen.
   Bruno wurde am 09. Mai 1913 geboren und ist jetzt 97 Jahre alt, er ist stark gehbehindert. Mit seiner flüsternden Stimme erzählt er immer wieder die Geschichte von Unserer Lieben Frau von der Göttlichen Offenbarung und von ihren drei Erscheinungen in der Grotte. Maria verglich Bruno mit dem heiligen Paulus, der auch die Kirche verfolgte, dann aber nach seiner Bekehrung zum Apostel wurde, der durch die Welt reiste, um das Evangelium zu verkünden. Ähnlich hat Bruno nach seiner Bekehrung sein Leben mit der Weitergabe der Wahrheiten des Glaubens verbracht, die er vorher so schlecht verstanden hatte. Er gründete im April 1948 die katechetische Gemeinschaft „SACRI“ in Tre Fontane. 
   Heute steht in der Grotte eine lebensgroße Statue einer eher italienisch-aussehenden Maria in einem elfenbein-farbigem Gewand mit blauem Schleier, der bis auf ihre Füße reicht, und einer rosa Schärpe. Sie ist gast ganz umgeben von einem Feld mit Blumen. Beeindruckend ist die Stille und der Friede dieses kleinen Wallfahrtsortes. Man kann dort erleben, wie die Menschen ruhig beten und nach herzzerreißendem Schluch- zen herrscht schließlich wieder dieselbe Ruhe. Dieser Ort ist einer jener Plätze, die man aufsucht, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird und man sich danach sehnt, in die Arme genommen zu werden. Es ist schwierig zu beschreiben, aber der Gang in die Kapelle ist ein Gang in die offenen Arme. Warum? Weil die Menschen dort plötzlich alles, was sie in ihren Herzen verschlossen hatten, loslassen können.
   Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich diesen Wallfahrtsort besuchte. Die heilige Messe hatte gerade begonnen. Es entspricht der Liturgie, dass nun Leben, Tod und Auferstehung Jesu in den Vordergrund treten und Maria im Hintergrund bleibt. Rechts vom Altar stand das große Kreuz. Als Jesus am Kreuz starb, gerade in diesem Moment, brauchte er die Nähe seiner Mutter – und sie war bei ihm. Sie konnte ihn nicht in ihren Armen halten, konnte ihn nicht liebkosen, und konnte ihm nicht die Tränen abwischen, wie sie es getan hatte, als er noch ein kleiner Junge war; aber sie stand neben ihm, als er litt. Es war der Augenblick seiner absoluten Trostlosigkeit, als Jesus schrie: „Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“ Alles, was sie sagen und tun konnte war: „Ich bin bei dir.“ Genau das ist es, was Maria an diesem heiligen Ort schlicht und ergreifend sagt: “Ich bin helfend bei dir.“ Anders lässt sich das Erlebnis an dieser Gnadenstätte nicht be- schreiben.
   Wenn Menschen leiden, brauchen sie eine Mutter. Wenn Schmerzen uns bedrücken, wenn wir voller Angst nicht wissen, wohin wir uns wenden sollen, dann ist Maria da, uns zu umarmen und sofort fühlen wir uns besser. Haben Mütter nicht immer Taschentücher dabei, um ihren Kindern die Nase zu putzen und die Tränen zu trocknen? Maria ist unsere Mutter. Darum sagt sie uns: „Ich bin helfend bei dir.” Maria sprach Bruno an: “Nenne mich Mutter, den ich bin Mutter.” Ihre vollkommene Rolle in der Geschichte unserer Erlösung ist die Rolle der Mutter: Mutter Gottes, Mutter der Kirche . . . und meine Mutter!
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  Victor vom Krebs geheilt  WJT-11xx

Foto: Vor der Kölner Kirche St. Pantaleon: Benedikt XVI. segnet den kranken Victor, 6.

  Die Bilder gingen um die Welt: Beim Weltjugendtag in Köln segnete Papst Benedikt XVI. den krebskranken sechsjährigen Victor. Jetzt ist der Junge wieder gesund. Es war ein Herzenswunsch des aus Düsseldorf stammenden Kindes gewesen: einmal den Papst treffen. Als der deutsche Pontifex am 19. August 2005 vor der Kölner Kirche Sankt Pantaleon überraschend ein Bad in der Menge nahm, erblickte er den kleinen Victor, dem nach der Chemotherapie bereits die Haare ausgefallen waren. Der Heilige Vater berührte den Kopf des Jungen mit seinen Händen und segnete ihn. „Der stärkste Segen der Welt”, sagte Victor nach der Begegnung mit dem Heiligen Vater tapfer. Wie viel Kraft ihm dies wirklich gab, ist nicht abzuschätzen. „Wir konnten es selber kaum glauben. Auch die Ärzte waren baff und haben sich riesig gefreut, als sie die neuen Unter- suchungsergebnisse sahen”, sagte Mutter Michaela dem Kölner „Express”. „Victor ist jetzt krebsfrei.” Natürlich sei da kein Wunder passiert. Die Mutter: „Die Arbeit der Ärzte, die Zellspende, die Victor im Sommer bekam, all das war gut. Aber die Kraft, der Glaube an ein gutes Ende, dies kam sicher aus diesem Moment heraus.” Inzwischen lebt Victor schon wieder wie ein normales Kind. Er besucht die Vorschule, war schon mit seiner Mutter zum Reiten und Schlittenfahren. Auch die Haare wachsen wieder. Dank der medizinischen Fortschritte können nach Angaben der Deutschen Krebshilfe heute rund 75 Prozent aller krebskranken Kinder geheilt werden. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. KNAdpaHA051130

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   Greift Gott direkt in das irdische Geschehen ein? Was ist die Kongregation für Selig- und Heiligsprechung? Bestseller-Autor und Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch Foto oben setzt sich mit dem Wunder in unserer Zeit auseinander. Neben bekannten wie Fatima oder Lourdes widmet er sich auch unbekannten Wundern - und dem Phänomen Exorzismus.
320 Seiten, einige S/w-Abbildungen, 14 x 22 cm, gebunden. 19,95 Euro; Random House GmbH,
ISBN-10: 357000855X, ISBN-13: 9783570008553

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Der Apostel Paulus in 1 Kor 1,22 sagt: Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
Foto links:
Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen, im Hintergrund der See Genezareth
Foto Mitte: Sonderbriefmarke des Vatikans in Erinnerung an die Pilgerreise Johannes Paul II. ins Heilige Land Foto rechts: Olivenbaum im Heiligen Land.

   Die israelische Tageszeitung “Jediot Achronot” berichtet von einem Zeichen, das Papst Johannes Paul II., 2005 verstorbener Papst, möglicherweise an einem Baum vollbracht hat: In einem Olivenhain im Norden Israels trägt ein von Papst Johannes Paul vor acht Jahren gesegneter Baum als einziger Früchte. „Das ist ein unerklärliches Phänomen”, zitiert die Tageszeitung „Jediot Achronot" einen Mitarbeiter des Jewish National Fund. Andere Bäume sind verkümmert.
  Als Karni jetzt den Hain besuchte, habe er festgestellt, dass zwölf Bäume überhaupt keine Früchte trügen und einige sogar verkümmert seien, schreibt das Blatt weiter. Allein der gesegnete Baum habe sich gut ent- wickelt und trage Oliven. “Die Bäume wachsen auf demselben Boden, sie haben die selbe Menge Wasser und die die selbe Pflege bekommen”, sagte Karni. Es sei unmöglich, einen Zusammenhang mit der Segnung herzustellen, sagte der Förster. “Aber es ist sicherlich ein Wunder.”
  Während seiner Pilgerreise im Jahr 2000 ins Heilige Land hatte Johannes Paul II. eine Messe auf dem Berg der Seligpreisungen am See Genezareth gehalten.Dabei hatte der Papst auch diesen Olivensetzling gesegnet. 
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